Nr. 32 29. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Die Frau und ihr Haus Die Gleichheit erscheint wöchentlich Prets: Monatlich 1,20 Mart, Einzelnummer 30 Pfennig Durch die Post bezogen viertelfährlich ohne Bestellgeld 3,60 Mart; unter Kreuzband 4,25 Mark Berlin - 27. September 1919 Staatsbürgerliche Schulung sozialistischer Frauen Sein oder Nichtsein der Deutschen Republik hängt von dem Erfolge der Erziehung aller Volksgenossen zum Rechtsstaat und zum Sozialismus ab. In richtiger Erkenntnis dieser Tatfache bestimmt Art. 148 Abs. II der neuen deutschen Reichsverfassung: ,, Staatsbürgerkunde und Arbeitsunterricht sind Lehrfächer der Schulen. Jeder Schüler erhält bei Beendigung der Schulpflicht einen Abdruck der Verfassung." Die alte Staatsschule hat diese Aufgabe entweder gar nicht oder sehr lückenhaft erfüllt. Die Erziehung durch die Familie mußte versagen, weil der alte Staat den Frauen, den Müttern des Volkes, die wichtigsten Staatsbürgerrechte berjagte. Politisch entrechtete Mütter fonnten ihre Kinder nicht zu staatsbürgerlichem Verständnis erziehen. Was da als Logische Folgeerscheinung des alten Systems versäumt wurde, beklagt man heute vielfach als natürlichen Mangel an staatsbürgerlicher und politischer Begabung des deutschen Volkes. Die Erfahrungen eines Weltfrieges und die Gewalt der jüngsten politischen Ereignisse waren nötig, um dieses Volk aus seiner staatsbürgerlichen Gleichgültigkeit aufzuwecken, das sich nun mühsam in den Wundern und Schrecken einer neuen Zeit zurechtzufinden versucht. Was nottut, hat Gottfried Keller treffend gekennzeichnet, wenn er sagt: In Zeiten des Umschwunges, wenn ein neuer Geist umgeht, hat die alte Schale des gewohnten Rechtes keinen Wert mehr, da der Kern heraus ist, und ein neues Rechtsbewußtsein muß erst erlernt und angewöhnt werden...." Diese Aufgabe überträgt Art. 148 Abs. III der Reichsverfassung den Schulen. Sie erfassen aber nur die heranwachsende Generation. Die der Schule entwachsenen Volksmassen für den neuen Staat zu schulen und zu erziehen, überträgt Art. 148 Abs. IV den Volksbildungsorganisationen, die von Reich, Ländern und Gemeinden gefördert werden sollen. Bisher war Gegenstand der Volksbildungsarbeit nur die Pflege der Kulturgüter, die außerhalb des Gebietes der Politik standen. Die Einbeziehung der Erziehung zum Staate ist neu und entbehrt vorläufig durchaus der Wege und Mittel zu ihrer Verwirklichung. Darum fönnen die Faktoren des Volfes, die in unserer Zeit Geburtshelfer der neuen Volfsgemein schaft geworden sind, nicht warten, bis die Volks ho ch schulen zur Lösung dieser Aufgabe in der Lage sind. Sie müssen sofortige Arbeit leisten, müssen Muster schaffen für die fünftige Staatsbürgerschule, müssen vor allem daran arbeiten, sich selbst zu dem Ideal des neuen Staatsbürgers zu erziehen, das ihnen borschwebt. Darum arbeiten gegenwärtig alle Parteien an der Staatsbürgerlichen und parteipolitischen Schulung ihrer Mit glieder. Besonders ernst und verantwortungsvoll gestaltet sich diese Bildungsaufgabe für die Partei, deren Weltanschauung für den Wiederaufbau des neuen Deutschland richtung gebend ist. Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morigplatz 147 40 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Ministerpräsident Bauer sagte am 23. Juli in der Deutschen Nationalversammlung, es fehle zurzeit nicht an Rechten des Volfes, sondern vielmehr an Fähigkeiten, diese Rechte in vollem Umfange auszuüben. Diese Erkenntnis muß die Sozialdemokratie mit zwingender Notwendigkeit noranlassen. ihre bisherige Bildungsarbeit nicht nur zu verdoppeln, sondern zu verzehnfachen, um die Massen für das neue Recht und seine Ausübung reifzumachen. Damit ist das Bildungsziel gekennzeichnet. Es bleibt der Weg anzugeben, der die sozialistischen Frauen zu diesem Zicle zu führen vermag. Dazu ist Klarheit über die Stoffauswahl und die Methoden zur Aneignung und Uebung dieses Stofjes erforderlich. Die Quelle aller staatsbürgerlichen Bildungsarbeit muß die neue deutsche Reichsverfassung bilden. Ihr Inhalt muß dem Wortlaut und dem Geiste nach schnellstens Gemeingut des Volkes werden. Das gilt in erster Linie für den konstruktiven Teil, der die Bildung des Volkswillens und die Organe zu seiner Durchführung bestimmt. Es gilt ebenso, vielleicht noch dringlicher, für die Abschnitte, die den Rahmen für fünftige Reichs- oder Landesgesetze abgeben bzw. der künftigen Entwicklung von Recht und Wirtschaft Richtung geben sollen. Daneben muß jenes Dokument mit in Betracht gezogen werden, das die Erbschaft der Deutschen Republik vom alten System darstellt: der Friedensvertrag von Versailles. Auf diesen Grundlagen wäre etwa folgender Stoffplan aufzubauen: I. Teil: Die staatsrechtliche Struktur des deutschen Volksstaates. Grundrechte und Grundpflichten des deutschen Volkes nach der Reichsverfassung; Bildung und Durchsetzung des Volkswillens nach der Reichsverfassung; Personen und Körperschaften zur Durchsetzung des Volkswillens; die Verwaltung des deutschen Volksstaates; die Stellung der Frau im neuen Staate. II. Teil: Die neue Kultur- und Wirtschaftspolitit. Das Gemeinschaftsleben( Ehe und Familie, Mutterschaft); Religion und Religionsgesellschaften; Bildung und Schule; Wirtschaftspolitik; Wirtschaftsparlament; Arbeitsrecht; Finanz- und Steuerpolitik. III. Teil: Außenpolitit. Völkerbund und Friedensvertrag; Fragen der Wiedergutmachung; Sollpolitit; internationales Verkehrsrecht; internationales Arbeiterrecht. Zu diesem Unterrichtsstoff wird demnächst der Inhalt der einzelstaatlichen Verfassungen, der Landgemeinde- und Städte. ordnung, des Reichsschulgesetes, des Bürgerlichen Gesetzbuches und verschiedenes anderes hinzukommen. Für die zweckdienlichste Uebermittlung des gekennzeichneten Wissensstoffes on sozialistische Frauen wollten wir einen Weg suchen. Man könnte meinen, nachdem die Reichsverfassung Männern und Frauen grundsätzlich gleiche staatsbürgerliche Rechte und Pflichten zuerkannt habe, könne auch ihre politische Schulung gemeinsam erfolgen. Der Stand 250 Die Gleichheit punkt ist prinzipiell richtig, kann jedoch vorläufig nur als erstrebenswertes Ziel ins Auge gefaßt werden. Gegenwärtig erscheint es noch notwendig, im besonderen von einer politischen Schulung der Frauen zu sprechen. Aus drei Gründen: Einmal sind die Männer den Frauen um mehr als ein halbes Jahrhundert parteipolitischer Betätigung voraus. Die Frauen haben diesen Vorsprung mit aller Anstrengung schnellstens einzuholen. Die Schulung der Frauen muß also intensiver einsetzen. Zum anderen ist die Stellung der Frau im alten Recht so erheblich verschieden von der des Mannes gewesen, daß die gesetzgeberische Aufgabe, den von der Reichsverfassung umschriebenen Nahmen auszufüllen, quantitativ für Männer und Frauen etwas Verschiedenes bedeutet. Schließlich wird innerhalb der politischen Gleichberechtigung der Geschlechter infolge physiologischer und psychologischer Unterschiede auf gewissen Gebieten des wirtschaftlichen und fozialen Gemeinschaftslebens eine Arbeitsteilung bzw. Differenzierung eintreten und gesetzgeberisch formuliert werden müssen. Die politische Schulung der Frauen muß also neben den vorhin geschilderten allgemein staatsrechtlichen, wirtschaftlichen, sozialen, kultur- und außenpolitischen Fragen die Darstellung der besonderen Probleme der Ehe, Mutterschaft, Kindererziehung und-fürsorge, häuslichen und außerhäuslichen Frauenarbeit, Berufsbildung usw., sowie die Möglichfeiten gesetzgeberischer Regelung dieser Gebiete vorzugsweise darstellen. Doch damit erscheint die staatsbürgerliche Bildungsarbeit in einer Gemeinschaft sozialistischer Frauen noch nicht erfüllt. Das bisher Geschilderte könnte auch in Fortbildungsschulen, Frauenbildungs- und Berufsvereinen geleistet werden, und ist beispielsweise in Frankfurt a. M. in größerem Umfange vom Ausschuß für politische Schulung des Verbandes Frankfurter Frauenvereine in Angriff genommen worden. Die politische Schulung sozialistischer Frauen soll nicht nur staatsbürgerliches Wissen vermitteln, sie soll darüber hinaus diesen Wissensstoff darbieten im Sinne und Geiste sozialistischer Weltanschauung. Das Mehr, das darin gegenüber der vorhin geschilderten allgemeinen staatsbürgerlichen Unterrichts- und Erziehungsarbeit liegt, hat August Bebel in seinem unsterblichen Werk„ Die Frau und der Sozialismus" klar umgrenzt.( Vergl. Einleitung S. 7.) Er sieht die Aufgabe der Frauenbewegung nicht erfüllt, wenn die Betätigung des Weibes auf allen Gebieten, für die ihre Kräfte und Fähigkeiten reichen," und die volle zivilrechtliche und politische Gleichberechtigung mit dem Manne" erfämpft sein wird. Er verlangt vielmehr, daß die Sozialistinnen Hand in Hand mit der proletarischen Männerwelt für alle Maßregeln und Einrichtungen kämpfen, welche die arbeitende Frau vor physischer und moralischer Degeneration schützen und ihr die Fähigkeiten als Mutter und Erzieherin der Kinder sichern"; des weiteren soll die Proletarierin gemeinsam mit ihren männlichen Klassen- und Schicksalsgenossen den Kampf für eine Umwandlung der Gesellschaft von Grund aus aufnehmen, um einen Zustand herbeizuführen, der die volle ökonomische und geistige Unabhängigkeit beiden Geschlechtern ermöglicht". Diesen Umgestaltungsprozeß erlebt das heutige Geschlecht täglich. Die Sozialdemokratiz ist dabei Bahnbrecher und Führer. Sie faßt aber den Sozialismus nicht nur auf als eine Frage rein ökonomischer Entwicklung oder bloßer politischer Machtgewinnung. Gewiß, der Sozialismus ist eine Frage der politischen Macht; aber er ist das beides nicht ausschließlich; der Sozialismus ist in ebenso hohem Grade eine Frage der Erziehung."( Kultusminister Haenisch ant 3. Februar 1919.) Für diese Erziehungsaufgabe im weitesten Sinne, für das fittriche und intellektuelle Neifmachen zum Sozialismus gilt es, in den Reihen der sozialistischen Frauen Zentren zu schaffen. Dazu sind alle brauchbaren Unterrichtsmittel und -methoden nutzbar zu machen. Neben anregenden Vorträgen und Vortragsreihen ist die gründlichere seminaristische Unterrichtsform zu empfehlen, weil sie zu Selbsttätigkeit der TeilDen Frauen Von Hans Gathmann Ich habe immer an die Frauen geglaubt. Es gibt welche, die wie Märchen find, Wie Träume find Im fingenden Sommerwind, Und welche, die ganz groß und ſtark In die Zeit fehn, Nr. 32 C Das Leid felber fühlen und zu heilen verftehn Und den schweren Gang der Mütter gehn, Die Zukunft im Schoß... Ich habe immer an das Mütterliche geglaubt, Das die Menfchen zum Guten bezwingt, Mit Liebe feindliche Welten durchdringt Und um das böchite der Erde ringt: Ewigen Frieden! Frieden, den keine Macht mehr zerschlägt. Und die Mutter, die diefen Gedanken trägt, Zu allen Müttern aller Weltteile trägt: O gefegnet das Weib, das berufen iſt, Künderin diefes Gedankens zu fein, Und wenn fie ftirbt und nur eine von taufend Stufen iſt: Machitürmen werden die Schweitern, Von denen jede, ja jede berufen iſt, Und eine wird Siegerin fein Und den Mann von seinem unmenschlichften Tun: Dem menfchenmordenden Krieg befrein... nehmer erzieht. Reseabende zur Einführung in wichtige politische Dokumente und Diskussionsabende über das Gelesene haben sich daneben als fruchtbar erwiesen. Jede geeignete Literatur muß zugänglich gemacht werden. Ernste, hingebende Arbeit nach dieser Richtung berbürgt uns die Heranbildung der neuen Staatsbürgerin. Die staatsbürgerlich geschulte Mutter aber verbürgt der sozialistischen Republik das Heranwachsen einer neuen Generation, die in Riebe, in Arbeit und Stille den wahren Sozialismus aufbaut, dem die Revolution die Bahn freigemacht hat. Dr. Olga Essig. Zur Sozialisierung der öffentlichen Wohlfahrtspflege VIII. Die Wohnungsfürsorge. Jahr um Jahr kennzeichnen die in ihrer ruhigen Zurückhaltung und Sachlichkeit doppelt erschütternden Wohnungsuntersuchungen der Allgemeinen Ortskrankenkasse Berlin, was Wohnungsnot und Wohnungselend bedeuten und was fie im Gefolge haben. Da sehen wir den Proletarier in der düstern Kellerwohnung oder hoch oben unterm Dach. Das Wasser läuft an den Wänden herunter, die Tapeten hängen in Feßen herab, in buntem Wirrwarr drängt sich dürftiger Hausrat. Da Wüstenei und Unordnung, dort peinliche Ordnung und Sauberkeit, die aber Mangel und Unzulänglichkeit des Wohnens nur um so schärfer hervortreten lassen, weil sich in ihnen das unablässige Mühen zeigt, übermächtiger Notstände Herr zu werden. Wer es noch nicht wußte, der kann hier lernen, wie sehr die Art der Befriedigung des Wohnbedürfnisses im Mittelpunkt aller fürsorgerischen Bestrebungen steht und stehen muß. Die Wohnung kann Herd und Ausgangspunkt aller Verderbnis von Leib und Seele sein. Sie kann aber auch ein Gesundbrunnen sein, eine sichere Heimat, zu der es uns zurückverlangt aus dem Strom des Lebens. Ein Talisman, der die Menschen stark macht und sie vor dem Verfinfen im Sumpf bewahrt. So gilt es zu prüfen und vorzubeugen. Nr. 32 Die Gleich beit Wohnungselend und Wohnungsnot ist Pflanzstätte der drei unheimlichsten Volksverderber: der Tuberkulose, des Alkoholismus und der Prostitution. Die Tuberkulose wird von vielen Aerzten geradezu als Hauskrankheit bezeichnet. Das heißt als eine Krankheit, deren Träger und Verbreiter als unsichtbare Feinde an den Wänden, Möbeln usw. Kleben, jederzeit bereit, über die herzufallen, die durch Erbanlagen, Unterernährung oder sonstige Vernachlässigung besonders dazu veranlagt sind.( Die erschreckende Zunahme der Tuberkulose während der letzten Striegsjahre bestätigt die Richtigkeit dieser Annahme.) Dann die Enge der Wohnungen. Wenn 5, 6 und mehr Personen in einer Ein- oder Zweizimmerwohnung zusammengepfercht find( in Berlin trifft das bekanntlich in Hunderttausenden von Fällen zu), wenn der Gesjunde mit dem Schwindsüch tigen in einem Bett zusammenschlafen muß, dann kann die Ansteckung nicht ausbleiben. Anderer Art sind die Gefahren, mit denen die enge und schlechte Wohnung den sozialen und sittlichen Stand der Familie bedroht. Aus der überfüllten und darum unordentlichen und ungemütlichen Wohnung treibt es den Mann ins Wirtshaus. Wenn ihr daher in so einem richtigen Wohnloch einer verlumpten Trinkerfamilie begegnet, so segnet euch nicht: Herr, ich danke dir, daß ich nicht so bin wie jene!, sondern forscht einmal, was zuerst da war und zur Ursache des andern wurde: der Trunk oder das häusliche und das Wohnungselend. Endlich die Sittlichkeit. Wie soll das Schamgefühl, dies köstlichste Gut des kultivierten Menschen, erhalten werden fönnen, wenn alle intimsten Vorgänge des Lebens von der Geburt bis zum Grabe sich unter den Augen aller Familienmitglieder abspielen müssen. Wenn manchmal noch familienfremde Elemente, Schlafburschen und Mädchen, die Enge der Familienwohnung teilen? Die Folgen sind Prostitution und Geschlechtskrankheiten, deren innigen Zusammenhang mit der Wohnungsfrage besonders Kampffmeyer in trefflichen Studien dargetan hat. * Feuilleton Anmut machet Schön das Weib. * Walter von der Vogelweide. Frauengestalten des 19. Jahrhunderts Von Anna Blos, M. d. N. ( Schluß) hre Beziehungen zu Goethe hat Bettina in ihrem Briefwechsel mit einem Rinde" verewigt. Es ist viel an der Echtheit dieser Briefe gezweifelt worden. Aber es entspricht ganz ihrer Eigenart, daß auch diese Briefe ein Gemisch von Dichtung und Wahrheit werden, denn wie Frau Rat ihr schrieb:„ Wenn Du ins Erfinden gerätst, kennst Du weder Gebiß noch Zaum." Indessen haben die" echten" Briefe bewiesen, daß in dieser Dichtung viel mehr Wahrheit enthalten ist, als man früher annahm. Der„ Briefwechsel mit einem Kinde" war von unschätzbarer Bedeutung für das junge literarische Deutschland. Diese Blutsverwandte Mignons liebt Goethe mit einer Liebe, die, wie die Liebe Mignons, elementar und keusch, übersinnlich finnlich" war. Bettina lehrte die jungen Dichter eine hohe Auffassung der Frauenliebe. Sie adelte ihre Begriffe von Freiheit im Lieben. Es ist auch bemerkenswert, daß Bettina trok ihrer schwärmerischen Liebe für Goethe diesem gegenüber nicht kritiklos blieb. Ihr war er immer der junge, ideal angelegte Dichter, und die Würde, den geheimrätlichen Stil des Ministers sieht sie als eine Untreue an dem Genius an, der dem Philistertum Zugeständnisse macht. Namentlich erfaßte sie die Wesensverschiedenheit mit Beethoven, der sein trogiges Haupt vor niemand beugte. Daß dem Weimarer Minister die romantische Schwär merei Bettinas nicht immer bequem war, läßt sich denken. Als 251 Was wir bis jetzt fennzeichneten, waren die Zustände, die schon vor dem Krieg die große Sorge aller Sozialpolitiker und Reformer erweckten. Durch den Krieg gesellte sich dazu der absolute Mangel an Wohnungen und Unterkunftsmög lichkeiten. Fünf Jahre lang hat fast alle Bautätigkeit geruht. Dadurch ist ein Fehlbetrag von etwa 1 Million Wohnungen entstanden. Dazu kommt der wohnungsuchende Strom der aus den Reichslanden und dem besetzten Gebiet Vertriebenen. In den Mittelpunkten des Zustroms, wie z. B. in Frankfurt a. M., hat man sich durch Bereitstellung aller irgend verfüg baren Amtsräume und durch Zwangseinmietung zu helfen gesucht. Damit sind wir zu der Frage gelangt, was geschehen könne, um der Wohnungsnot und aller damit zusammenhängenden Uebelstände Herr zu werden? Hergabe von Amtsräumen und Zwangseinmietungen sind Notmaßnahmen vorübergehender Art. Soll von Grund aus geholfen werden, so muß die Zahl der Wohnungen entsprechend vermehrt, ihre Beschaffenheit gebessert werden. Ein erster Schritt auf diesem Wege sind die aus Reichs-, Landes und Gemeindemitteln zur Verfügung gestellten Beträge zur Erleichterung des Kleinwohnungsbaues. Die einstweilen aus Reichsmitteln dafür ausgeworfenen 500 Millionen Mark sind freilich nur ein Tropfen auf heißem Stein. Die Reichweite dieser 500 Millionen Mark wird aber dadurch verdoppelt, daß Länder und Gemeinden zusammen den gleichen Betrag aufbringen müssen, und daß endlich auch die mit diesen Mitteln ausgestatteten Baugenossenschaften, gemeinnüßigen Baugesellschaften und Privaten entsprechend zuzahlen müssen. Wir müssen es uns verjagen, auf Einzelheiten einzugehen. Wichtig ist nur zu wissen, daß die so geschaffenen Wohnungen in bezug auf Mietpreis, Verkaufsrecht usw. starken Einschränkungen unterworfen sind, durch die das Herausholen unzukömmlichen Gewinnes ausgeschlossen wird. Damit ist ein begrüßenswerter Anfang gegeben. Aber auch nicht mehr als das. Es müssen Verordnungen hinzuBettina als Gattin Achim von Arnims einen Besuch in Weimar machte und etwas spöttisch über Goethes Frau urteilte, kam es zum Bruch. Goethe verbot Bettina sein Haus und blieb allen Annäherungsversuchen gegenüber unerbittlich. Auf ihre Verehrung für den Dichter blieb der Bruch ohne Wirkung. Als im Jahre 1820 der Plan auftauchte, Goethe ein Denkmal zu setzen, trat Bettina als erste dafür ein und zeichnete eine Skizze, die später ausgeführt wurde. Sie ist ein weiterer Beweis der vielseitigen Anlagen dieser seltenen Frau. Bettinas Efe mit Achim von Arnim war durchaus hacmonisch. In frohbewegter Jugendzeit hatte sie mit ihm und ihrem Bruder Klemens den Schatz der deutschen Volkspoesie, Des Knaben Wunderhorn", gesammelt. Später wurde ihr Haus in Berlin zum Mittelpunkt geistigen geselligen Lebens. Schleiermacher, Schinkel, Wilhelm v. Humboldt, Varnhagen, die Rahel, Henriette Herz und andere gingen dort aus und ein. Bettina war immer der Mittelpunkt.„ An Musik gemahnten ihre Reden. Dichterische Schönheiten blitzten auf neben sinnigen Betrachtungen und belustigenden Einfällen. Kein Mann konnte ihr die Wage halten." Als Witwe beschäftigte sich Bettina auch mit sozialen und nationalökonomischen Fragen. Sie sah die Willkür und Ungerechtigkeiten der gesellschaftlichen Ordnung. Die Gegensätze zwischen Armut und Reichtum peckten in ihr den Drang zu helfen. In Berlin und im Voigtland suchte sie die Armen und Elenden auf. Als 1831 in Berlin die Cholera ausbrach und viele vor dem großen Sterben flohen, blieb Bettina dort, um die armen Kranken zu pflegen. Aber sie begriff, daß die private Wohltätigkeit wenig ausrichtet. Darum führte sie in der Deffentlichkeit die Sache der armen hungernden Weber. Sie wandte sich an Friedrich Wilhelm IV. mit der Forderung der Organisation der Arbeit, der staatlichen Hilfe für die Ent 252 Die Gleich beit kommen, die die Wohnungsgrößen und die Mieten innerhalb der auf gemeinnüßiger Grundlage erbauten Wohnungen nach Kinderzahl und Einkommen der Familien abstufen. Diese Bemessung des Mietpreises nach dem Steuerzettel und der Wohnungsgröße nach der Kinderzahl ist in den Regie bauten der Stadt Amsterdam zur Annahme gelangt. Die besondere Fürsorge für kinderreiche Familien wird seit Jahrzehnten in vorbildlicher Weise in der gemeinnügigen Aktienbaugesellschaft für kleine Wohnungen in Frankfurt a. M. gehandhabt. Man hat hier noch einen weiteren im Sinne der Wohnungsfürsorge bedeutsamen Schritt getan. Von der Erwägung ausgehend, daß auch die großzügigsten Absichten in bezug auf den Rauminhalt der Wohnungen eine Schranke finden sowohl an der Höhe der Bodenpreise als auch der Baukosten, ist man dazu übergegangen, durch Bau von Gesellschaftshäusern, die je nachdem Krippe, Kindergarten, Lese- und Vortragssäle usw. in sich bergen, sowie durch Spielpläge, Bleichpläge, ein Stückchen Garten- oder Aderland begrüßenswerte Wohnungsergänzungen schaffen. Damit ist der Weg zu dem gewiesen, was wir von der Wohnungsfürsorge verlangen müssen. Es sei jedoch, bevor wir zur endgültigen Formulierung unserer Forderungen kommen, noch eine grundsägliche Frage erörtert: Etagenoder Flachbau? Was gesundheitlich, sittlich und sozial besser ist, bedarf keiner langen Erörterung. Auf der einen Seite die hochstöckige Mietfaserne. In der Großstadt sind da Hunderte, in der Mittelstadt immer noch Dußende von Menschen auf engem Raum zusammengedrängt. Einer guckt dem andern in den Rochtopf, einer horcht dem andern die Seele aus. Krankheitsfeime förperlicher und sittlicher Art finden einen nur allzu bereiten Nährboden. Auf der andern Seite der Flachbau. Jeder sein eigener Herr im eigenen Häuschen, und selbst wo zwei Parteien unter einem Dach vereinigt sind, die Sache so angeordnet, daß, wie in Holland, jede Wohnung eine eigene Haustür hat, das heißt aber ein für sich abgeschlossenes Reich ist. Bei jeder Wohnung ein Stückchen Gartenland, Raum, um einen erbten. Sie verlangte stürmisch, das moderne Königtum solle die Sozialreformen selbst in die Hand nehmen. Ihren Ideen gab sie Ausdruck in der Schrift: Dies Buch gehört dem König". Die Form ist häufig verworren, der Stil bizarr. Oft berliert sich die Schreiberin in ihrer gewohnten Art in allerhand Phantasien. Aber wer den Kern herauszuschälen vermag, der wird finden, wie weit Bettina in vielem ihrer Zeit voraus war. Unerschrocken trat Bettina auch ein für alle politisch Ver folgten und Unterdrüdten. Im Kampf um die bürgerliche Gleichstellung der Juden ergriff sie das Wort. Sie bewirkte, daß die aus Göttingen vertriebenen Brüder Grimm an die Berliner Universität berufen wurden. Sie war eine cifrige Fürsprecherin der verfolgten Freiheitskämpfer Gottfried Rinkel, Mieroslawski, Schlössel und andere. Ueberall offenbart sich ihre tatenfrohe, gedankenkühne Liebe zur Menschheit. Bon ihren Zeitgenossen freilich wurde sie, eben weil sie ihrer Zeit vorans war, vielfach mißverstanden, ja häufig verspottet. Aber Bettina hatte auch warme Freunde. Schleiermacher meinte, Gott sei in besonders guter Laune gewesen, als er Bettina geschaffen habe. Besser aber hat niemand Bettina verstanden als sie sich selbst, indem sie ihr Wesen in den Ausspruch zusammenfaßte:„ Meine große Veranlagung ist Lieben." Unser Weg zum Glück Die Arbeit ist der Kernpunkt unseres Daseins. Ohne Inhalt würde das Leben eines jeden sein, wenn die Arbeit nicht wäre. Stillstand und Zerfall würde für die Gemeinschaft bedeuten das Leben ohne die schaffende Arbeit eines jeden. Die Arbeit ist die bindende und treibende Kraft in der Entwicklung der GemeinNr. 32 Holz- und einen Kaninchenstall anzulegen, ein Bodengelaß mit Abstellraum usw. Ich meine, die Wahl kann nicht schwer fallen, und wenn von seiten der Bauleute eingewandt wird, daß die hohen Bodenpreise der Großstadt den Lurus des Flachbanes nicht gestatten, so ist darauf zu erwidern, daß beim Flachbau ja auch die Grundmauern und das gesamte übrige Mauerwerk leichter und darum billiger sein kann. Endlich kann man auch durch eine geeignete Reform des Straßen- und Dampfbahnverkehrs die Hinausverlegung der Wohnung an die Peripherie der Städte, wo Grund und Boden noch billig sind, begünstigen. So lauten unsere Grundforderungen: Ermöglichung geräumigen, gesunden Wohnens zu angemessenem, das heißt nach Einkommen und Kinderzahl abgestuftem Preis. Daneben an der Peripherie der Städte Bereitstellung von Gartenund Ackerland und endlich Schaffung von Wohnungsergän zungen der oben gekennzeichneten Art. Denn was von außen geschehen kann, muß sich die der Wohnungsinspektion anzugliedernde Beratung der Hausfrau in allen Fragen der Wohnungspflege, der bestmöglichen Verwertung des vorhandenen Raumes gesellen. Eine Beratung, die, von geeigneten Frauen ausgeübt, zu einer pädagogisch, sozial und.fittlich gleich wertvollen Bereicherung unseres Gemeinschaftslebens werden kann. Der Krieg hat uns an äußeren Gütern verarmt, und die äußerlichen, Freuden werden uns bei dem Leben der Arbeit, das uns erwartet, spärlich zugemessen sein. Um so notwen diger ist es, daß wir innere Gegenfräfte schaffen. Harmloses, frohes Miteinandersein, dem die Kräfte des Gemüts Tiefe und Farbe geben. Ein Frohsein, ein Behagen, ein aufatmendes Sichbefinnen auf das Beste und auf das Wesentliche im Leben, das im Schoß der Familie wächst, das aber nur wachsen und gedeihen kann, wenn die Wohnung ein Heim ist und eine Heimat. Es ist Aufgabe der Wohnungsfürsorge, das zu schaffen. Henr. Fürth. schaft. Ohne die Arbeit würde das Leben der Gemeinschaft und seine Entwicklung nicht möglich sein. Das zeigt uns, in wie enger Weise die Arbeit mit dem Gedanken der Boltseinheit zusammenhängt. Wer darum sein Voit liebt und in Wahrheit eine tiefe und immer tiefere Jnnigkeit der nationalen Gemeinschaft ersehnt, wer das erhebende Glück einer großen Boltsgemeinschaft in seinem Janern ahnend empfindet, der muß vor allem der Arbeit, diesem einen Grundstein des Zusammenseins, zu geben suchen den Wert der Innerlichkeit. Seele aber bekommt die Arbeit, wenn der schaffende Mensch mit seiner ganzen Persönlichkeit bei seiner Arbeit ist; wenn das denkende Hirn und die schwielige Faust, geleitet werden von vollen, warmen, lachenden Herzen. Und das ist der Fall, wenn die Arbeit einem großen, edlen Zwede dient; das ist in vollendetster Weise der Fall, wenn sie dem edelsten und höchften Menschenziele dient, dem Wohle und dem Nußen der Gemeinschaft. Der Gemeinschaft aber dient nur die Arbeit, die in den Werf stätten der Gemeinschaft vollbracht wird. Der freie Volksstaat muß in die Hand geben Kelle, Hammer wie jedes Werkzeug, erst dann schafft mit freudigem Herzen und mit seiner ganzen Seele ein jeder für das Glück dieses Volksstaates. Wahrhaftig, das ist keine öde Gleichmacherei", fein Unterdrücken des freien Schaffensdranges". So fann nur sprechen, wer wahren Arbeitsdrang noch nie verspürt; denn die wahre Schaffenslust des Fähigen läßt sich nicht unterdrücken, sie verlangr gebieterisch ihre Befriedigung, und sie findet diese Befriedigung gerade und allein im sozialen Arbeitsstaate, der jedem die freic Entfaltung seiner inneren Schaffenswerte bietet. Die freie Arbeit für das Ganze allein macht glücklich. Die freie Arbeit für das Ganze allein gibt auch dem Produkte der Arbeit den Seelenhauch, der den Kaufenden, den Gebrauchenden, den Schauenden in ungetrübter Reinheit genießen läßt all die Schönheit der Welt, die Menschenhand und Menjshirn voll Nr. 32 Die Gleichheit 253 Die Verfassung des Deutschen Reiches Bon Marie Juchacz I. Hauptteil, 4, und 5. Abschnitt: Der Reichsrat und die Reichsgesesgebung. Der Reichsrat ist der Nachfolger des alten Bundesrats jeligen Angedenfens. Sein Vorhandensein entspricht dem Charakter des Deutschen Reichs als Bundesstaat. Haben wir Einzelländer mit eigener Berfaffung, Volksvertretung und Regierung, dann müffen Tegischerweise die Länder Einfluß auf die Gesetzgebung haben. Der alte Bundesrat war mit Recht berüchtigt. Manche im Reichstag zur Bearbeitung stehende Gesetzesvorlage fiel deshalb schlechter aus, weil der Bundesrat von vornherein durch die Regierung zu den einzelnen Anträgen sein Unannehmbar sagen ließ. Jezt arbeitet der Reichsrat die Gesezesvorlagen der Regierung vorher mit durch; die Verfassung legt fest, daß diese der Zu ftimmung des Reichsrats bedürfen. Doch auch ohne Uebereinftimmung erzielt zu haben, darf die Regierung eine Vorlage einbringen, wenn sie den abweichenden Standpunkt des Reichsrats dabei darlegt. Umgekehrt hat aber auch der Reichsrat das Recht, eine Gesezesvorlage zu beschließen, wobei dann die Regierung bei der Darlegung vor dem Reichstag ebenso verfährt. Der grundlegendste Unterschied gegen den früheren Zustand liegt darin, daß dem Reichsrat gegen die Beschlüsse des Reichstages nur ein Einspruchsrecht zusteht. Ist feine Uebereinstimmung avischen beiden Körperschaften zu erzielen, dann fann ein Voltsentscheid angeordnet werden, wobei sich aber die Mehrheit der Stimmberechtigten an der Abstimmung beteiligen muß, wenn sie Gejebestraft haben soll. Eine solche Voltsabstimmung war in der alten Verfassung des Deutschen Reichs nicht vorgesehen und bedeutet eine grundlegende Aenderung nach demokratischen Grundfäßen. Die einzelnen Möglichkeiten und ihre Konsequenzen find in der Verfassung genau herausgearbeitet. Doch wird der Deutsche Reichsrat nach seiner Zusammensetzung durch die parlamentarischen, dem Volk verantwortlichen Regierungen der Einzelländer niemals das reaktionäre. Instrument einer hinter den Sulissen herrschenden Sippe sein. Der Artikel 61 wirbelt bis zur Stunde noch immer viel Staub auf. Er hat sogar einen Notenwechsel zwischen der Entente und Deutschland veranlaßt. Bekannt ist, daß die Deutschösterreicher seit langem eine Verbindung mit dem Deutschen Reich suchen. Nach den Proflamationen Wilsons hätte man annehmen dürfen, daß bracht. Freude glänzt über dem Leben der freien Gemeinschaftsarbeit, die Freude ist im freien Arbeitsstaate das alle umschlingende Band. Und da der Quell all dieser Freude die Arbeit ist, so wird die Arbeit damit zum alles beseelenden, alles erwärmenden, alles beglückenden Herzen der Welt. Vom sozialen Sinn der Jugend War da kürzlich in dem Moorfeld unseres Schwarzwaldstädtchens ein großer Brand ausgebrochen. Ungeheuere Torshaufen, die wegen dem heurigen Kohlenmangel in größerem Umfang ausgestochen und zur Trodnung aufgeschichtet worden waren, drohten zu verbrennen. Auch der nahegelegene Stadtwald war stark gefährdet, denn der Brand nahm rajch eine große Ausdehnung an, begünstigt von einem starten Wind, der das Feuer wie vajend über die mit dürrem Heidekraut bedeckte Moorfläche jagte. Die Jugend hatte gerade Ferien und war natürlich im Nu auf dem Brandplak, um dem seltenen Schauspiel beizuwohnen. Allein nicht nur zum Schauen war die Jugend herbeigeeilt. As die Feuerwehr und die sonst noch zur Löscharbeit erschienenen Leute ihre Arbeit begannen und mit rasch abgehauenen grünen Zweigen die Flammen niederschlugen, denn Wasser war feines in der Nähe, da hatten die Kinder sofort begriffen, was es galt. Flugs ergriffen sie die primitive Waffe, bildeten rings um die Hunderte bon Metern, ausgedehnte Brandfläche eine lebendige Kette und hielten durch die Bearbeitung mit den grünen Wedeln das rajende Element in seinen Schranken. Indessen zogen die mit Spaten bewaffneten Feuerwehrleute einen breiten Graben um den Platz, um ein weiteres Umsich greifen zu verhindern und für die kommende Nacht Sicherheit dafür zu haben. Ohne die Mitarbeit der nach Hunderten zählenauch die deutschen Böller aus freier Selbstbestimmung sich ihre Berbindungen suchen dürften. Der in Frage kommende Bassus des Artikel 61 heißt: Deutschösterreich erhält nach seinem Anschluß an das Deutsche Reich das Recht der Teilnahme am Reichsrat mit der seiner Bevölkerung entsprechenden Stimmenzahl. Bis dahin haben die Bertreter Desterreichs beratende Stimme. In Vorahnung fommender Schwierigkeiten ist in den Schlußbestimmungen der Verfassung gesagt worden, daß die Bestimmungen des am 28. Juni in Versailles unterzeichneten Friedensbertrags durch die Verfassung nicht berührt werden. Sowohl Deutschland wie Desterreich müssen sich, so gebieterisch die Bande des Blutes und die wirtschaftlichen Lebensbedingungen dieser Völker danach verlangen, dem Diktat der Siegreichen fügen. Zuletzt ist noch zu sagen, daß im Artikel 63 versucht worden ist, den immer unliebsam empfundenen, weil zu starken Einfluß PreuBens abzuschwächen resp. in seiner Tendenz zu zersehen. Auf eine Million Einwohner gerechnet haben die Vertreter der Regierungen im Reichsrat eine Stimme. Die kleineren Länder, die gar feine Million Einwohner zählen, find trotzdem stimmberechtigt. Breußen würde nach seiner Einwohnerzahl von vornherein die Stimmenmehrheit haben, nun aber wird die Hälfte seiner Stimmträger durch die einzelnen Provinzialverwaltungen gestellt, so daß auch andere Einflüsse sich Geltung verschaffen können. Ob immer ein reibungsloses Arbeiten zwischen Reichstag und Reichsrat möglich sein wird, wird die Zukunft lehren. Unsere Schulen Von Lisbeth Weiß- Nathenau ( Schluß) Auch schon vor der Revolution hatten die Stadtväter Berlins eine Aufstiegmöglichkeit für begabte Volksschulfinder geschaffen. Nur kam diese Gunst nur wenigen Kindern zugute. Für jede Schule fam in einem Jahr noch nicht einmal ein Rind in Betracht. Die Beihilfe von 300 Mt. jährlich an die Eltern für den entgangenen Verdienst der Kinder war eine zu begrüßende soziale Maßnahme. Da aber erst nach Absolvierung der höheren Schule die Berufungsschulung beginnt, hätte diese Unterstützung auch während der Ausbildungsjahre gezahlt werden müssen. den Kinderschar, die meist barfuß erschienen war, und selbst fleine Brandwunden nicht scheute, wäre es unmöglich gewesen, die Totfhaufen und den Wald zu schüßen, denn die Feuerwehr samt den fonst noch anwesenden Erwachsenen war an Zahl viel zu schwach, um den weit ausgedehnten Brand zu beherrschen. Nur der unermüdlichen Arbeit der Schuljugend war es zu danken, daß ein größerer Echaden für die Stadtgemeinde berhütet wurde. Und als es galt, die zuguterlegt noch erschienene Feuersprize in Tätigkeit zu sehen, wozu allerdings die Schläuche erst einige hundert Meter weit gelegt werden mußten, da be= währte sich die Jugend noch einmal bei dieser gemeinnüßigen Arbeit. Der Kommandant der Feuerwehr mußte eingestehen, daß gut geübte Feuerwehrmannschaften nicht rajcher und präziser hätten arbeiten können, als hier die Schuljungen und Mädels. Es zeigte sich bei dieser Gelegenheit einmal mit aller Deutlichkeit, wieviel Gemeinjinn in unserer Jugend stedt, der nur nach einer passenden Betätigung suchte; dies ist in unserer Zeit, wo der Mangel an Gemeinsinn so bitter und mit Recht beflagt wird, ein Richtblick für die Zukunft. Die Jugend, auf deren Entwicklung wir alle erwartungsvoll blicken, läßt uns hoffen, daß der frasse Egoismus unserer Tage nicht immer die 2. Seyler. Herrschaft behalten wird. Bücherschau Das Heimweh unserer Kriegsgefangenen. Eine Erzählung aus vier Jahren Kriegsgefangenschaft und Internierung von Egon Terks. Das Heft ist im Burgverlag Nürnberg erschienen. Als vorläufiger Preis für die 104 Seiten starke Broschüre sind 2 Mt. genannt. Es ist kein literarisches Meisteriverk. Der Verfasser versucht den Lesern aus eigenem Erleben und Empfinden heraus die 254 Die Gleich beit Viele Dinge, die Gemeingut aller Menschen sein sollten, sind einer kleinen Anzahl vorbehalten. Für die Bildung des ganzen Volkes, nicht nur einzelner Begabter, müßte mehr geschehen. Viel zu wenig wird das Theater oder besser das billige Kino für Bildungszwecke herangezogen. Der Besuch desselben würde immer als Vergnügen aufgefaßt werden und daher sehr begehrt sein. Wie leicht könnte durch passende Stoffe auf Gemüt und Verstand der Besucher gewirkt werden. Neben hygienischen, pädagogischen, wirtschaftlichen Stoffen könnten sogar Schillersche Dramen, natürlich stark verkürzt vorgelesen und mit Bildern illustriert, eine Hauptanziehungskraft des Kinos werden und unser Volk würde seinen Schiller kennen und lieben lernen. Wäre es nicht denkbar, daß unsere VolksSchuljugend soweit gefördert würde, um Interesse und Vergnügen an einem Gang durch die Museen oder den Botanischen Garten zu finden? Ueberall fehlt es an billigen, nur auf die Hauptsachen hinweisenden Führern, die in den Schulen verteilt werden müßten. An Sonntagen müßten. unter sachkundiger Leitung regelmäßig Wanderungen und Jührungen stattfinden. Bei uns wird soviel Statistik getrieben. Sollte es da nicht auch möglich sein, ein Menschenleben nach der Schule weiter zu verfolgen? Das Gelingen oder Nichtgelingen eines Lebenslaufes, die Eignung für die verschiedenen Berufe, das Vorwärtskommen in denselben. alles müßte statistisch für die Menge und für den einzelnen erforscht werden; die Lebensaften müßten mit den aufbewahrten Schulaften verglichen werden, und sicher könnten auf Begabungen, auf die Wichtigkeit der verschiedenen Unterrichtsfächer von den Schulen dann Rückschlüsse auf Anpassung des Unterrichts an das praktische Leben gezogen und verwertet werden. Jeder Schüler müßte beim Abgang ein Lebensbuch erhalten. Alle 5 Jahre müßte er einen Bettel herausnehmen, die vorgedruckten Fragen beantworten und, wenn möglich, noch etwas Eigenes hinzufügen. Durch die Einführung der Elternabende wurde ein Anfang gemacht, um Lehrer und Eltern einander näher zu bringen, aber leider wurde bis jetzt diese Einrichtung nicht seelischen Qualen der Gefangenschaft und Internierung verständlich zu machen. Soweit er nicht, wie besonders im ersten Teil, allerpersönlichstes Erleben mit schildert, ist es ihm vielleicht wohl gelungen, die geistige und seelische Beschaffenheit derer, die jahrelang von der Heimat getrennt, hinter Stacheldraht kostbare Lebensjahre verbringen mußten, richtig zu zeichnen. Alles Beiwerks entkleidet, einfach als Schilderung des Seelen- und Gemütslebens unserer armen Gefangenen, hätte das Heft einen Wert. Aber der Verfasser will mehr; abgesehen davon, daß das persönliche Herzenserlebnis, weil literarisch mißlungen, dem empfindsamen Leser Mißbehagen erzeugt, steckt sich der Verfasser als Agitator des„ Volksbund zum Schuße der deutschen Kriegsgefangenen" Biele, vor denen der Sozialist stuzzig wird. Sprecher dieses Bundes wird man in wirklich aufgeklärten Kreisen immer mißtrauisch aufgenommen werden, gar zu deutlich dienten seine Versammlungen anderen Zwecken. In dem Buch heißt es: „ Die Völker, müssen sich vor dem nächsten Kriege... über andere Grundsätze der Behandlung ihrer Kriegs- und Zivilgefangenen schlüssig werden." Das ist das Nächst liegende? Wenn wir den nächsten Krieg nicht verhindern können, dann werden die vom Völkerbund" geschaffenen Bestimmungen zerfekt in alle Winde fliegen. Wir sind, im Gegensatz zum Verfasser, der Meinung, daß wir alle Kraft darein sehen müssen, den Krieg der Zukunft zu vermeiden. Wohl, die Leiden unserer Gefangenen waren riesengroß, uns allen hat es gejammert, wir waren empört über die Brutalität der Ententestaaten und über unsere eigene Ohnmacht. Unsere Gefangenen fommen jeßt heim, möge es gelingen, die seelisch Kranken wieder gesund zu machen, zusammen mit all den vielen, die im Heimatland unter der Einwirkung der Kriegsfolgen förperlich und vor allem seelisch erfrankt sind. Alles Leib des Krieges gegeneinander abgewogen: Schlachtfeld, Verstümmelung und Krankheit, das Leid der Angehörigen, wirtNr. 32 genügend ausgebaut. Jekt ladet man die Eltern ein und läßt sie durch Gesänge und Rezitationen der Kinder unterhalten. Manchmal spricht der Direktor noch über ein die Eltern wenig interessierendes Thema. Wollte man wirklich der Schule nützen, so müßten Diskussionsabende über schultechnische Fragen veranstaltet werden. Man müßte versuchen, die Ansichten und die Meinungen der Eltern kennenzulernen. Auch die abgegangenen Schüler sollten zu diesen Abenden herangezogen werden. Natürlich müßten an solchen Abenden nicht 500 Menschen in einer Aula zusammenkommen. Ein reger Gedankenaustausch läßt sich nur in fleinem Kreise er. möglichen. Ich würde vorschlagen, die Eltern von zwei aufzusammen einzuladen. einanderfolgenden Schulklassen zusammen Sicher würde dieser Einladung oft und gern Folge geleistet ird die Kultur unseres ganzen Volkes könnte durch diese von den Gemeindeschulen veranstalteten Abende durch Vortrage und Bilder in hohem Maße gefördert werden. Es ist wirklich unrecht, daß man diese gute Gelegenheit solange ungenutzt vorübergehen ließ. Ich möchte nur auf Referate über Ernährung, Hygiene, sexuelle Aufklärung, Berufe, er.pfehlenswerte Vergnügungen und Bücher hinweisen. Eine gut geleitete Diskussion müßte stets folgen. An den Elternabenden der höheren Schulen müßten zum Teil andere Linge besprochen werden, z. B. Themen für deutsche Auffäße, Bevorzugung der alten oder der neuen Sprachen beim Unterricht, Wahl der Unterrichtsfächer. Ebenfalls besprochen werden müßte die Berufswahl, sexuelle Aufklärung, empfehlenswerte Bücher und Vergnügungen, die Schuldisziplin in den verschiedenen Klassen. Außerdem müßte bei beiden Schularten ein Zettelfasten vorhanden sein, in dem Anfragen und Beschwerden der Eltern, natürlich ohne Namen; gesammelt werden und die Besprechung dieser Anfragen und Beschwerden müßte den Schluß jedes Diskussionsabends bilden. Sache der Leitung wird es sein, diese Besprechungen in taftvoller Weise durchzuführen. Wer soll nun diese doch wohl am besten monatlich stattfindenden Abende leiten? Dies müßte durchaus nicht immer ein Lehrer sein. Eine aus dem Kreise der Eltern schaftliches und moralisches Elend, Hunger, Verbrechen und Gefangenschaft, was wiegt schwerer? Darum, unsere ganze Kraft der Verhinderung des Krieges. Von diesem Buch besonders gilt für die, die es lesen, das gute Wort: Prüfet alles und behaltet das Beste! Es ist eine Brücke.. Von Marthe- Role Thomas Es iſt eine Brücke, die heißt Leid, Gefüget aus Weh und Schmerzen; Sie iſt fo lang fie iſt fo breit Und brennen nirgends Kerzen, Die hell erleuchten dunklen Weg, Die freundlich weifen Pfad und Steg. Durch muß die Seele, die ein Gott Beſtimmt, den Gang zu gehen, Durch muß fie in der tiefiten Пot Trotz allem Herzensflehen. Des Schickfals Lauf hält nimmer still, Mit Füßen tritt's dein Wort: ich will! Dein Teil des Leid's wird dir beschert, Ob auch dein бerz fich Iträubt und wehrt, Ob weint und klaget auch dein Mund, Und schrieft du dir die Seele wund, Du mußt doch durch in dunkler Nacht, Und- felig, wenn der Schmerz gebracht Den ftolzen ut in Kampf und Not, Der nimmer scheuet Sturin und Tod. Er machet fonnenbell und weit Die Brücke, die da heißet Leid. Nr. 32 Die Gleichheit vorgeschlagene Persönlichkeit könnte es ebensogut und viel leicht besser, weil sie diesen Dingen noch neutraler und vorurteilsfreier gegenüberstehen würde. Ich könnte mir auch denken, daß ein Verein sich bilden könnte, der das Geschäftliche für alle Schulelternabende einer Stadt- oder Landgemeinde übernehmen würde. Je drei Mitglieder müßten sich einer Schule widmen, Einladungen versenden, Redner auffordern, die Abende leiten und die eventuell gefaßten Beschlüsse und Beschwerden der zuständigen Stelle überbringen. Ein sehr kleiner Beitrag könnte von den Eltern zur Deckung der Unkosten erhoben werden. Vielleicht monatlich 10 Bf. oder gar eine halbe Mark. Derselbe Verein könnte aber auch noch andere Ziele verfolgen. Er müßte, und dabei denke ich hauptsächlich an die Volksschulen, gejellige Abende für die abgegangenen Schüler und deren Angehörige veranstalten. Das Wort„ Angehörige" möchte ich recht weit gefaßt wissen. Natürlich männliche und weibliche, damit ein möglichst großer Teil des Volkes an den Abenden teilnehmen kann. Diese müßten Sonnabend oder Sonntag stattfinden, Musik, Rezitation, Vorträge mit und ohne Lichtbilder müßten geboten werden. Ein geselliges Beisammensein, wobei gelegentlich auch getanzt werden könnte, müßte den Schluß jeder Veranstaltung bilden. Man will im Volfe am Sonntag ein Vergnügen haben. Da es nicht viel kosten darf, werden immer wieder die niedrigsten Variétés und Konzertlokale besucht, während diese an die Schulen angeschlossenen Abende neben dem Vergnügen sicher die Besucher auf eine höhere ästhetische und ethische Stufe heben würden. Zu den verantwortlichen Veranstaltern solcher Abende müßten stets Männer und Frauen aus den beteiligten Kreisen hinzugezogen werden. Die Kosten, die durch Benutzung der Schulräume ja gering bleiben, wären. durch einen kleinen Beitrag zu decken. Die Verbindung des Menschen mit der Schule sollte während des ganzen Lebens nicht aufhören. Kindergarten, Schule, Fortbildungsschule, Erholungs- und Vergnügungsstätte, eins müßte sich dem andern anreihen und ein segen spendendes Ganzes bilden. Auch hier werden erst durch weiblichen Einfluß wirklich fruchttragende Ideen in die Tat umgesetzt werden. Aus unserer Bewegung Soz. Frauenkonferenz in Baden Anschließend an die Landesversammlung fand am 8. September in Karlsruhe im Lokal„ Auerhahn" eine Frauenkonferenz mit folgender Tagesordnung statt: 1. Agitation und Organisation", Referentin Genoffin Blaje- Mannheim. 2." Frauenarbeit und Frauenschuh", Referentin Genossin Fischer- Karlsruhe. " Die Verhandlung war von gutem Geiste gebragen, deutlich war zu erkennen, daß auch die badischen Frauen bestrebt sind, die Biele des Sozialismus verwirklichen zu helfen. Anregungen zur ferneren Tätigkeit tamen im 1. Punkt genügend zum Ausdruck. In erster Linie betonte Genossin Blaje, daß es uns gelingen möge, unsere Frauenbewegung auf eine feste Grundlage zu stellen. Wir müssen bestrebt sein, die neu gewonnenen Genofsinnen zu schulen und zu tüchtigen Sozialistinnen heranzubilden. Da gilt als dringendste Arbeit, das Parteiprogramm zu erläutern. Leseabende wären dazu erforderlich, auch die Gleichheit und wichtige Broschüren sollten uns dabei helfen. Auserlesene Ge nofsinnen, welche redegewandt sind, wären in besonderen Kursen unter Leitung eines tüchtigen Genossen weiterzubilden. Ferner wäre zu wünschen, daß in alle Kommissionen Frauen gewählt werden, denn nur dort ist praktisch Parteiarbeit zu lernen. Zu den gemeinsamen Veranstaltungen der Partei sollten unsere Genossinnen vollzählig erscheinen. Troßdem sind besondere Frauenversammlungen von großer Wichtigkeit, wie es auch im Jahre 1908 auf dem Nürnberger Parteitag bei Schaffung der Neuorganisation zum Ausdruck fam. Kinderschutzkommissionen sollten, wo irgend möglich, gegründet, die früher bestandenen und während des Krieges eingegangenen neu aufgerichtet werden. Das Frauenwahlrecht hat uns unter anderem in der Kommune ein großes Arbeitsfeld eröffnet. Eine größere Anzahl weiblicher 255 Stadtverordneten und Gemeindevertreterinnen haben in mehreren Kommiffionen ihre Pflicht zu erfüllen, besonders in der sozialen Fürsorge und Wohnungspflege. Im badischen Landtage fißen 4. Genofsinnen als Abgeordnete. An praktischer Mitarbeit fehlt es also bei einigen Genofsinnen. nicht, diesen fällt nun die Aufgabe zu, mit Hilfe mehrerer tätiger Genossinnen alle die fernstehenden und indifferenten Frauen und Mädchen für unsere Sache zu gewinnen. Genossin Fischer- Karlsruhe gab uns ein geschichtliches Bild über die Entwicklung der Frauenarbeit. Ganz besonders betonte sie dabei, daß die Frau sehr häufig als Ausbeutungsobjekt diente und gar oft zur Schmukkonkurrentin des Mannes wurde. Mit ergreifenden Worten schilderte die Referentin hierbei die Ausbeutung der Frauen während des Krieges durch die HeeresTieferanten; lettere seien auf Grund der schlechtbezahlten Frauenarbeit nicht selten Millionäre geworden. Wenn nun infolge der Umwälzung und durch Verordnungen die Frauenarbeit eingedämmt wird und den heimkehrenden Kriegern Blat gemacht werden muß, so ist die Frau beim Urteil selbst heranzuziehen. Die Bedürftigkeit ist bei allen Entlassungen genau zu prüfen. Aenderungen und Verbesserungen in verschiedenen Gesezen seien zu begrüßen, doch noch vieles fönnte eine bessere Ausgestaltung erfahren, wenn finanzielle Mittel vorhanden wären. Die Witwen und Waisenversicherung sei völlig unzureichend. Genosse Tr. Kraus schilderte uns in längeren verständnisvollen Ausführungen die Zukunftsaufgaben der Partei. Im Geiste ließ er nochmals die Schrecknisse des Weltkrieges an uns vorüberziehen und betonte, daß gerade die Frau dazu berufen sei, die Versöhnung der Völker herbeizuführen. In erster Linie dürfe die Frau das langersehnte Wahlrecht sich nicht nehmen lassen. Genosse Marum von der Landtagsfraktion und Genosse Hahn bom Landesvorstand überbrachten der Konferenz herzliche Grüße und versprachen unserer fünftigen Arbeit aufrichtige Unterstüßung. Es waren 35 Genossinnen als Delegierte anwesend, die sich lebhaft an der Diskussion beteiligten. Der Frauengesangverein Karlsruhe verschönerte die Konferens und brachte in dankenswerter Weise einige Lieder zum Vortrag. Es ist unser sehnlichster Wunsch, daß alle Teilnehmerinnen Karlsruhe mit dem Bewußtsein verlassen haben, in der Heimat ihre Arbeit mit Feuereifer aufzunehmen und so die Frauenbewegung und die Gesamtpartei zu fördern. Denn gemeinsam wollen wir bezwingen Das Glend, das in Bann uns schlägt; Der Menschheit Güter zu erringen All dem, der Menschenantlik trägt. Th. B. Aus der Frauenbewegung des Auslandes Die englischen Wahlen Nach dem Sieg in Bothwell hat die englische Arbeiterpartei bei der Ersatzwahl in Widnes ihren zweiten, ebenso unerwarteten wie überraschend großen Erfolg errungen. Unser Genosse Henderson hat 1000 Stimmen mehr als sein Gegner erhalten, obgleich dieser Wahlkreis seit Jahrzehnten zum sichersten Besitz der Konservativen zählt. Ein deutliches Zeichen für den Um= schwung der Stimmung in England. Noch im Dezember 1918 war der Arbeiterkandidat gegen den Koalitionskandidaten mit 8694 Stimmen unterlegen. Nun hat Henderson glatt gesiegt. Das ist um so mehr zu begrüßen, als Genosse Henderson jeit dem Rücktritt Vanderveldes Vorsitzender des Internationalen Bureaus ist. Er führte auch auf der Luzerner Konferenz den Borsitz und hat dort sowohl seine Gerechtigkeit gegenüber Deutsch land als auch seine unbedingte Gegnerschaft gegen den Bolschewismus deutlich zum Ausdruck gebracht. Mit einem dritten Sieg rechnet die Arbeiterpartei bei der be= borstehenden Wahl in Pontefract, für die der Genosse Burns als Kandidat aufgestellt worden ist. Ein besonderes Kennzeichen des Wahlkampfes ist das Eintreten der ländlichen Bevölkerung für die Kandidaten der Arbeiterpartei. " Die Landbevölkerung ist erwacht!" schreibt unser Bruderblatt, der„ Daily Herald", am 2. September. Und er fährt fort über den Anteil, den die englischen Frauen am Wahlkampf nehmen: „ Ein anderes Kennzeichen des Wahlfeldzuges ist die grenzenlose Begeisterung der Arbeiterinnen, die sich mit einem Feuereifer in den Kampf stürzten, der ansteckend wirkte." Hoffen wir, daß wir das bei den kommenden Wahlen im Winter K. H. auch von unseren deutschen Frauen sagen können. 256 Die Gleichheit Frankreich Annette Charreau schreibt in der Humanité" vom 9. September: " Im Laufe der Sihung des Sozialistenkongresses erörterte die Versammlung die Haltung, die sie bei den nächsten Wahlen, die zum erstenmal unter dem Proporz- Wahlrecht stattfinden, einzunehmen hätten. Der Kongreß beschloß, jede Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Parteien abzulehnen und für den Sieg des Frauenstimmrechts auf sozialistischer Grundlage zu arbeiten." wenn der Dieses, ach! geschieht in der Schweiz. Bei uns Nationalfongreß dem glorreichen Weg des Seine- Kongresses folgt, wird das Frauenwahlrecht einmal mehr in der Versenkung berschwinden. Indem man das französische werftätige Volf, die Arbeiter und Bauern zur Wahlschlacht auf dem Boden des Klassenkampfes und für die Zurückforderung unserer gesamten Rechte gegen die herrschende Minderheit aufrief, wäre es wahrlich ein Leichtes gewesen, gegen jene Entschließung des Senats Protest zu erheben, Sie von der Wiederherstellung des vollen Rechtes in der Person der Frauen die Hälfte der arbeitenden Welt ausschloß. Indem man dafür eintrat, daß die Wahlen für die Partei ein Propagandamittel sind, um ihre Lehren zu verbreiten und die tiefsten Massen den revolutionären Ideen zuzuführen, wäre es ein Leichtes gewesen, anzudeuten, daß zu den tiefsten Massen auch die Frauen gezählt werden müssen. Und es wäre nicht zwecklos gewesen, die fünftigen Kandidaten der Partei an ihre Pflicht zu erinnern, auch für die Frauen zu wirken. Mitteilungen A. H. Für unsere Genossinnen auf dem Lande ist folgende Verordnung von großem Interesse: Der§ 1 der Verordnung des Bundesrats vom 30. September 1918 über Festsetzung des Jahresarbeitsverdienstes in der ELZWAREN H.Weiner Kürschnermeister Greifswalder Str. 33 ( Ecke Hufelandstraße). Teleph.: Amt Kgst. 7055. Fertige Pelzwaren jeder Art Reparaturen, Umarbeiten in eigener Werkstatt. Berliner Humor UntermBrennglas Berliner politische Satire von Adolf Glaẞbrenner Ausgewählt und eingeleitet von Dr. Franz Diederich:::: Mit 117 Bildern Brosch. 3,50 Mk., geb. 4,50 Mk. Reines Gesicht Nr. 32 Landwirtschaftlichen Unfallversicherung( Reichsgesetzbl." S. 1222) erhält folgenden dritten Absatz: Bei Unfällen, die sich nach dem 31. März 1919 ereignet haben und noch ereignen werden, ist die Rente nach einem Jahresarbeitsverdienst zu berechnen, der um 60 Proz. höher ist als der zuletzt vor dem 1. August 1914 festgesette. Ist seitdem ein Jahresarbeitsverdienst festgesetzt worden, der den durchSab 1 vorgeschriebenen übersteigt, so bleibt der höhere Jahresarbeitsverdienst für die Rentenberechnung maßgebend. Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündigung in Kraft. Sind Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich nach dem 31. März 1919 ereignet haben, nach den Vorschriffen der Verordnung vom 30. September 1918 rechtskräftig festgestellt, so hat der Versicherungsträger die Rentenberechnung nach Maßgabe der Biffer 1 dieser Verordnung nochmals zu prüfen. Führt die Prüfung zu einem dem Berechtigten günstigeren Ergebnis oder wird es von den Berechtigten beantragt, so ist ihm ein neuer Bescheid zu erteilen. Berlin, 6. August 1919. Der Reichsminister. gez. Schlice. Postabonnenten der ,, Gleichheit“ Alle Leserinnen, die nicht wollen, daß in der Lieferung eine unliebsame Unterbrechung eintritt, müssen sofort das Abonnement rechtzeitig erneuern! Ber antwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bohm- Schuch. Druck: Vorwärts Buchdruckerei. Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. S. sämtlich in Berlin SW 68, Lindenstraße 3 blütenzarter Teint, weiße, glatte Haut wird in kürzester Zeit erreicht durch meinen altbewährten unübertroffenen Krem ,, Pura".Sommersprossen, Mitesser, Pickel, Runzeln und Fältchen verschwinden. Rote und großporige Haut wird schnell beseitigt. Tube 2,- Mk., Doppeldose 3,50 Mk. DROGENHAUS H. BOCATIUS, Berlin N., Schönhauser Allee 132. Margopurgiol- Tabletten ges. gesch. 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