Nr. 39 29. Jahrgang Die Gleichheit Seitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Die Frau und ihr Haus Die Gleichbeit erscheint wöchentlich Prets: Monatlich 1,20 Mart, Einzelnummer 30 Pfennig Durch die Voit bezogen viertelfährlich ohne Bestellgeld 3,60 Mart; unter Kreuzband 4,25 Mart Berlin 15. November 1919 Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichbeit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morisplat 14740 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 I. Die Geldquellen des Reiches Von Gertrud Lodahl, M. d. N. Der Krieg hat dem deutschen Volke ein böses Erbe hinterlassen. Aus dem Deutschland der blühenden Ein- und Ausfuhr an Waren jeder Art hat er ein Land gemacht, dessen Einnahmequellen versiegt sind, und das sich doch gezwungen sieht, Ausgaben in einer Höhe zu decken, die geradezu schwindelerregend ist. Auf 24 Milliarden Mark laufender Ausgaben beziffert sich der Etat des Reiches, ungerechnet die Abzahlung der schwebenden Schuld und der Summen, die das Ausland von uns als Striegsentschädigung fordert. Das Finanzministerium sab sich daher gezwungen, der Deutschen Nationalversammlung diesmal nicht ein Steuerbufett, wie es früher immer so blumenhaft ausgedrückt wurde, sondern ein ganzes Riesenbeet neuer Steuerblumen zu präsentieren, um dadurch wenigstens Deckung der laufenden Ausgaben herbeizuführen. Es ist bei der Zusammenfehung der jetzigen Regierung erklärlich, daß einem von Sozialdemokraten stets vertretenen Grundsatz entsprochen und das höhere Einkommen sowohl wie die größeren Vermögen in besonders starkem Maße zur Steuer herangezogen wurden. Die Reichseinkommensteuer befindet sich noch in der Beratung des Ausschusses, ihr Entwurf sieht eine besonders stark steigende Progression und besonders, bei Rapitaleinfommen sehr hochprozentige Kapitalertragssteuer vor. Die Säge der Reichseinkommensteuer, die ja stets die gerechteste aller Steuern bleiben wird, werden bis zum Höchstmaß des Ertragbaren angestrengt werden, wobei natürlich die Kleinen Einkommen verhältnismäßig wenig, die größeren starf besteuert werden, die ganz hohen Einkommen aber bis zu einer Höhe von vielleicht 60 Broz. vollends weggesteuert werden sollen. Das entspricht dem Gerechtigkeitsgefühl; diese Steuer wird aber trotzdem nur einen Teil der Summen aufbringen, die gebraucht werden. Bei einigen weiteren Steuern ist auf schon bestehende Abgaben zurück gegriffen, es sind aber gleichfalls so starke Erhöhungen vorgenommen worden, daß sie gegen früher kaum wieder zu erfennen sind. Die Erbschaftssteuer brachte früher zirka 45 Millionen, nach dem vorgelegten Entwurf sollte sie pro Jahr eine Einnahme von 3 Milliarden Mark bringen; durch Anträge der sozialdemokratischen Fraktion ist ihre Abgabetendens noch stark verschärft worden, so daß eine höhere Einnahme für das Reich zu erwarten ist. Auf kleine Bermögen ist gebührende Rücksicht genommen, 500 mt. find für jeden Erben steuerfrei, in bestimmten Fällen erhöht sich diese Summe auf 5000 Mr. Die Steuerquote steigt progressiv mit der Höhe der Erbschaft und mit dem Grade des Verwandtschaftsverhältnisses, in dem der Erbe mit dem Erblasser stand. Sie bewegt sich in sechs Klassen zwischen 4 und 15 Proz. anfangend und sich erhöhend auf 35 bis 70 Pro3., und erhöht sich noch weiter um einen bestimmten Prozentsatz, wenn der Erbe selbst vermögend ist. Im äußersten Fall kann die Gesamtsteuer 90 Proz. des ganzen Erbanfalles betragen. Der Erbschaftsstener ist eine Schenkungssteuer angegliedert, um etwa geplant: Umgebungen der Erbanfallsteuer durch Senkungen zu berhindern. Die Schenkung unterliegt der gleichen Stener pflicht wie die Erbschaft unter den ungefähr gleichen Bedingungen. Dieses Gesetz führt auf einen Weg, der es ermöglichen soll, die großen Vermögen der Benutzung weniger Menschen zu entziehen und die Kapitalien dafür der Gesamtbevölkerung nutzbar zu machen. Nach starkem WiderStreit der Rechtsparteien ist dies Gesetz während der letzten Weimarer Tagung angenommen worden. Dort ebenfalls noch verabschiedet wurden einige Kleinere Steuergesetze, die zu den berüchtigten Umsatzsteuern gehören, das sind dis und Spielfarten. 3ündwaren, Labak-, steuern, erstere den Haushalt, die zweite den Raucher, die dritte den Spieler belastend. Während die letzte uns ganz wenig Sorgen machte, fonnten wir uns für die zweite schon schwérer entschließen, denn wenn wir auch einen Unterschied in der Besteuerung machen zwischen der teurer Importzigarre und den billigeren Tabatsorten, die son der großen Bevölkerung geraucht werden, so drückt bei den heutigen horrenden Tabakpreisen die Steuer doch erheblich auch auf den zweifelhaftesten Tabakgenuß. Außerdem wird sie natürlich auch recht üble Wirkungen auf den Arbeitsmarkt im Tabafgewerbe ausüben, doch all dieser Bedenken ungeachtet durften wir vor dieser Steuer nicht zurü schrecken, weil die Finanzverhältnisse so liegen, daß wir sɔgar den Haushalt mit der Bündwarensteuer belasten müssen, um auch hier eine Deckungssumme herauszuholen. Die einmalige Abgabe von dem Mehrein. kommen sowie die auf das Reich zu übernehmende und stark erhöhte Grunderwerbssteuer sollen ebenfals helfen, die Deckung für die laufenden Ausgaben zu übernehmen; die Grunderwerbssteuer ist ja bisher schon vor fast allen Gemeinden, zum Teil auch von den Staaten erhoben worden. Den Erlös aus der Steuer muß das Reich daher, um Länder und Gemeinden schadlos zu halten, m't ( Schluß folge diesen teilen. 306 Novemberfang der Frauen Junges Jahr mit ichönen Tagen, Jugendluft und Ueberfchwang Wird zu Ichwerem Mühegang, Ebe wir gedenken. Die Gleichheit 519 Liebe fordern, Liebe Ichenken Und der Liebe Früchte tragen Das ist unier Los. Sonnenlicht in grauen Tagen, Sommerwind und Herbitesflor. Kinder wachfen uns empor; Mädchen, Itill veríunken, Jungens, ihrer Kräfte trunken, Sehnen lich nach frischem Wagen Das ist unfer Glück. Dunkles Jahr in dunklen Tagen. Krieg bricht düfterloh ins Land, Reißt die Jugend hand von band, Mütter vor die Gräber. Tod geht um, der Schickialsweber. Mörder! Keiner will uns fragen. Das ift unfer Leid. Neues Jahr mit neuen Tagen. Morgen glüht in Feuern rot: Friede, Freude, Freiheit, Brot! Ihrer Mütter Weinen Wird die Menschen neu vereinen, Das ist unler Ziel. Leo Arons Artur Zidler. Die Sozialdemokratie ist jeht die mächtigste Bartei in Deutsch lond, sie ist Regierungspartei geworden, und ihr anzugehören fordert nicht nur lein Opfer mehr, so mancher mag heute im Gegenteil das Bekenntnis zu ihr als das bequemite Sprung breit zu Ehren und Etellungen ansehen. In der Heroenzeit der deutschen Arbeiterbewegung, in die des uns nan entriffenen Genossen Leo Arons' Jugend und Mannes alter fiel, war das anders. Der Sozialdemokrat war in der bürgerlichen Gesellschaft verjemt, mißtrauisch ging man ihm aus dem Wege, und es gehörte schon ein gewisser Mut dazu, fich öffentlich Sozialist zu nennen. Daß gar ein Unniversitätslehrer zugleich sozialdemokratischer Politiker war, das stand in Deutschland einzig de, und es ist deshalb begreiflich, daß alle Regierungszöpfe sich vor Entfetzen darüber sträubten.. Im Jahre 1899 erhob das preußische Kultusministerium bei der philosophischen Fakultät der Berliner Universität, bei der der Physiker Leo Arons habilitiert war, gegen den bedeutenden, von seinen Kollegen hochgeschäßten Gelehrten die Antlage, durch feine politische Betätigung gegen feine Berufsehre als akademischer Lehrer verstoßen zu haben. Die Fakultät besoj sobiel Anstandsgefühl, Arons freizusprechen, da ee nie versuchie, auf Die Studierenden agitatorisch einzuwirken" und nach dem Seugnis der Fachmänner ein ausgezeichneter jüngerer Gelehrter und nach dem Zeugnis aller, die ihn näher fannten, ein tadellosez Brivelcharakter" fei. Doch die Regierung ruhte nicht. Um ihr Ziel: Arons Ausschluß aus der akademischen Lehrtätigkeit au erreichen, brachte sie im Landtag ein eigenes Gesetz ein, die berüchtigte Bey Arons", das eine Handhabe zur Entfernung des gejährlichen Privatdozenten geben sollte. Die reaktionäre Land tagsmehrheit stimmte dem Gelegenheitsgefch zu, und Arons wurde das Recht zur Ausübung der Privatdozentuz entzogen. Damit war ihm auch die Möglichkeit ausgedehnter wissenschaftlicher Weiterarbeit genommen. Der Vorgang ist nicht nur für die Stellungnahme der damaligen Regierungsfreise gegenüber ber Arbeiterbewegung, sondern vor allem auch für den Mann selbst charakteristisch, gegen den sich die kleinlich- gehässige Attion rich tete. Reo Arons brachte es nicht fertig, sich, wie das unter deutjdjen Gelehrten üblich war und noch immer ist, mit„ bornehmer" Ausschließlichkeit in seine Spezialwissenschaft zu vergraben, so tief er ihr auch ergeben war und so bedeutende Erfolge er hier fchon errungen hatte. Er war fein bloßer Fach- und Schreibstubengelehrter, er war ein Mensch mit leidenschaftlich glühendem Herzen, erfüllt von reinster Menschenlebe, durchbrungen von tem Bewußtsein, daß es die erste sittliche Pflicht jedes einzelnen Nr. 39 fei, mit dem Einsatz seiner ganzen Kraft mit an der Lösung der gesellschaftlichen Probleme au arbeiten. Aus reichem Hause stammend, von hoher wissenschaftlicher Bejühigung, gab er sich doch nicht gleich der großen Mehrzahl seiner Sameraden in der Studentenzeit jugendlich forglosem Genießen hin. Schon damals quälte ihn das Problem der sozialen Ungleichheit, und er vergrub sich in alle Wirtschaftstheorien, die einen Ausgleich der Klassengegenfähe zu verheißen schienen. So wurde er zunächst Anhänger der sogenannten Bodenreformer bewegung, die damals viele junge suchende Geifter in ihren Bann zog. Raftlos weiterdentend erkannte er bald deren Bea grenziheit und fand den Weg zum Margismus. Aber nicht auf Die wissenschaftliche Erkenntnis allein tam es ihm an. Wie die innere Auflehnung des fitlichen Gefühls gegen die UngerechtigZeit der Kiaffenscheidung die bewegende Kraft für seine jogialen Studien war, so fühlte er die Pflicht nun auch an seinem Teil, praktisch für die Besserung der sozialen Zustände zu wirken. Er trat in die sozialdemokratische Partei ein und stellte ihr feine Strajt zur Verfügung. Bis zu den Jahren schwerster Krankheit hat Arons niemals aufgehört nach den verschiedensten Richtungen hin im Dienste der Sozialdemokratie zu arbeiten. Er war ein wundervoller Lehrer. In zahlreichen Vorträgen in der Arbeiterbildungsschule, an deren Gründung er beteiligt war, in naturwissenschaftlichen Kursen, in den von ihm geschaffenen schönen Weihnachtsbücherausstellungen im Gewerkschaftshaus, überall gewann er durch die selbstlos hingebende, gütig verstehende Art, mit der er sich in die Geele, feiner Hörer verSenfte, die Herzen der Arbeiter und Arbeiterinnen, überall suchte er in ihren zu weden, wovon er selbst so ganz erfüllt war: den Glauben an die erlösende Kraft des Geistigen im Menschen, der ihm angleich der Glaube an den Sozialismus war. Denn was Leo Arons Sozialismus nannte, das war in Wahrheit der Begensatz zu der Welt der materiellen Interessen, des egoistischen Gewinnstrebens, in der wir heute noch so gut wie damals leben. Die sozialistische Gesellschaft bedeutete ihm eine Gesell. schaft der Gerechtigkeit, Brüderlichkeit und Menschenliebe, in der jeder für den anderen eintritt, jeder seine Arbeitskraft, fein beftes können in den Dienst des Ganzen stellt. Der KlaffenTampf war ihm wie Karl Marg mur das wirtschaftliche Mittel, fich diesem Sozialismus anzunähern, dessen fortschreitende Bexvirflichung indes fortschreitend die Solidarität allex Gesellschaftsglieder an Etelle des Klaffenlampjes jepen müsse. Freilich konnte Arons, der strenger fachlicher Denter war, me versuchen, dies sozialistische deal anf utopistischem Wege durch zusetzen; er jah Welt und Menschen nicht durch phantastisch verzerrende rosenrote Brillengläser, sondern mit dem scharf beobachtenden Blid des wissenschaftlichen Forschers. Deshalb war er Realpolitifer. Er wußte, daß die gesellschaftliche Entwicklung sich nicht in gewaltsamen Sprängen, in vorgezeichneter ichnurperater Linie, sondern in lebendiger Triebfraft, von zahlreichen verschiedenen Punkten her vollzieht, daß oft gerade im Kleinsten und scheinbar Rüchternften der Same zum Größten und Wesent Hichsten stedt. Ihn bebeittete der tönende Bhrasenschwall derüblichen Versammlungsreden nichts, hinter dem sich meist nur der Mangel fachlichen Wissens, konkreter Dentbegriffe und flaren Anschauungsvermögens verbirgt. Dagegen sah er in der blühenben Gewerkschafts- und Genossenschaftsbewegung, in der altiven kommunalen und parlamentarischen Gesetzgebungsarbeit die eigentlich revolutionären Mittel der Arbeiterklasse. Zweigen der Bewegung widmete er sich deshalb an erster Stelle, als ihm der erzwungene Rüdtritt von dem akademischen Lehramt mehr Muße für die Parteitätigkeit übrig ließ. Lange Jahre war Arons Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung, eines der Mitglieder, die nicht bloß Reben hielten, sondern wertvolle, von allen Parteien hochgeschäste fachliche Arbelt leisteten.( Ganz besondere lag ihm das Bolks- und Fortbidungsschulwesen am Herzen.) Die Gewerkschaften verdanten ihm oußerordentlich viel. Ohne seine Hilfe hätte das Berliner Gewertschaftshaus nicht geschaffen werden können, und zahlreiche seiner schönsten Einrichtungen find nur auf Arons' Anregung jurüdzuführen. Diefen In der inneren Bolitik ist er vor allem durch seinen jahres langen Kampf für die Beteiligung der Partei an den Wahlen zum Breußischen Landtag und später durch die eingehende Bes handlung der speziell preußischen Probleme bekanntgeworden. Seine Stellungnahme in diesen Fragen bedte fich mit feiner gesamten politischen Anschauungsweise. Er betämpfte auch hier die Unfruchtbarkeit der reinen Ablehnungs- und Demonstrations Nr. 39 Die Gleich beit cr wollle politif, wie fie die Partel in fehe misverständlicher Auffassung der marristischen Lehre jahrzehntelang betrieb; Schaffende politische Arbeit. Die Partei bestätigte burch die Aufnahme feiner Ideen nachträglich deren Nichtigkeit, wie sie unter dem Zwang der fortschreitenden Entivicklung allmählich thren politischen Anschauungsfreis mehr und mehr( leider oft aus ihrem politischen Bufammenhang gerisiene) Einzelstüde aus der gieichgerichteten sozialistischen Aufbaupolitik eingliederte, die die Sozialistischen Monatshefte" in langer Arbeit schrufen. Arons' Auffassung des politischen Weges, der zur Durchsetzung des SoBialismus führen müsse, war, wie aus dem eben Gesagten her vorgeht, der der Sozialistischen Monatshefte" aufs engste verwandt. Wie fle erstrebte er in praktischer Mitarbeit an allen Aufgaben des gesellschaftlichen Lebens dieses allmählich immer intensiver mit fozialistischem Geist zu durchbringen, nicht also bie Verwirklichung des Cozialismus auf die fernen Zeilen au verlagen, da das Proletariat die politische Macht crobert haben werde, sondern in schöpferischer Tätigkeit den Bau der neuen Gesellschaft Stück um Stüd selber aufzurichten. Wie zahlreichen anderen parteigenössischen Unternehmungen und vielen einzelnen materiell bedrängten Genossen, so ermöglichte Arone auch den Sozialistischen Monatsheften" über anderthalb Jahrzehnte lang die materielle Existenz. Er erbot sich freiwillig bazu zu einer Beit, als er selber sich noch nicht der dort vers tretenen Gedankenwelt so refilos verbunden fühlte, wie im letzten Jahrzehnt seines Lebens, wo er zu ihren leidenschaftlichsten Verkünder wurde. Nur well dle Zeitschrift dauernd in der Bartel um ihrer geistigen Ziele pillen angegriffen und verleumbet tourbe, Gieft Arons es damals für seine filtliche Pflicht, sie bor Sem materiellen Untergang zu bewahren. Aus dieser Tat allein spricht die Größe und Reinbeit seiner filtlichen Gesinnnung. Er war ein wahrhafter Margist, nicht weil er wie die große Schar, der Bortgläubigen in der Partei auf jeden Ausspruch des Meisters wie auf ein umunstößliches Evangelium fchwor, sondern svell er Mavi Marg Geist in fich trug, weil die bewegende Kraft seines eigenen Daseins der Glaube an die Idee war. Lee Arons gehörte zu den feltenen Menschen, die durch ihr bloßes Sein für den Sozialismus werben, weil ihr Leben felbft Sozialismus, Dienst am Ganzen, Hingabe ist. Gäbe es nicht biese wenigen, so müßten wir daran verzweifeln, femals zu einer fozialistischen Weltordnung zu gelangen, denn feine wirtschaftliche Maßnahme allein, und sei sie noch so radikal, fann die Grundforderung des Sozialismus zur Auswirkung bringen: die Unter ordnung der egoistischen Trieve unter das höhere Giefel gefell schaftlicher Gittlichkeit. Denen, die twie Leo Wrons unter diefem Gefeße lebten, gebührt die verehrende Liebe jedes aufrichtigen Sozialisten. Wally 3epler * Feuilleton ☆ Wie groß für dich du feieft, vorin Ganzen bist du nichtig: Doch als des Ganzen Glied bift du als Kleinftes wichtig. Revolution des Geistes Bon Carl Diefel III. Rückert. Wer wäre noch im Zweifel darüber, daß ein dermaßen revolutionäres Streben, ein derart in die Zukunft greifendes Wirken, ein so gewaltiges Ringen, das sich nach der einen Seite affen entgegenstemmt, alles von fich loszulösen bemüht ist, was ihm hindernd und fefielnd fich anzuhängen fucht, das nach der anderen Seite fiegbaft in frohe Gernen weist und alles umuwirft und stürzt, was Gefühl und verstandes. gemäßes Urteil als schlecht und minderwertig, als gemein, niebrig und anschön bezeichnen, rein ästhetischer Nature ist. Ist doch dieses Wollen und Wirken, ist doch dieser titanen. haft- findliche Drang noch vollkommener Erfüllung, nach ein fachfter Schönheit unter Schmerzen hervorgegangen aus dem reigenften chaotischen Für und Wider, dem betäubenden Durcheinander tausendfältiger, einander widerstreitender Empfindungen, Sehnsüchten und Neigungen. Welche unend lichen Mühen der Seele und der Bernunft fostet es dem Menschen, sich aus der umflammernden Weblichkeit feiner Wie sich die Revolution vollzog II 307 Für den Nachmittag bes 7. November waten bie Profetavier Münchens zu einer großen Stundgebung auf der Thereftemvieje aufgefordert worden. In der Luft aber lag mehr. In den Gefichtern stand mehr als bloßes Friedenshoffen. 3 den Mienen der Besitzenden sprach lebendige Sorge um Hab und Gut. Die Kundgebung fand stalt; die Ansprachen der Führer riefen be. geisterte Zustimmung hervor. Dann formte sich der Zug. Eine lange schwarze Masse zog burch die Stabt. Trambahnen und Fuhrwerke standen still. Zuschauer schlossen sich an. Benig Gaffer zeigten sich an den Fenstern. Ihnen bedeuteten laute Zurufe die Schamlosigkeit ihres Gebahrens. Denn wahrlich nicht um Volksbeluftigung handelte es sich. Der Zug strebte zur Residenz. Die fange schmale Straße vor ihr wirkte wie eine bange Kluft, durch die das Bolk mußte. Gs zog hindurch und hielt das Banner Hoch. Nicht wie haße erfüllte Schreie flangen die Rufe nach Frieden, Freiheit, nach Abdankung und Republif, die Rufe: Hoch! Nieber! Gie flangen toie das Stöhnen eines Volkes nach Gelösung aus unermeßlichenr Jammer. Am Abend wurden die Kasernen geftilemt. Die gange Nacht hinburch war die Stadt in Bewegung. Am Morgen verfündete das Beltungsblatt: den Freistaat Bayern! Dr. Sophie Schöfet Baßt uns ihn hochhalten! * Es ist nicht in dem wünschenswerten Maße belannigeworden und im Gedächtnte haften geblieben, von welch ungeheurer BeSeutung es war, daß die rheinische Sozialdemokratie in den fri tischen Novembertagen 1918 schnell und beherzt zugriff. Ich behaupte nicht zuviel, wenn ich sage: Das Schicksal von Sunderttaufenden lag in den Händen des Arbeiter und Soldatenrats Köln. Der Geist der alten militärischen Herrschaft, bez Geist der politischen Generale hatte ja nicht in Rechnung gestellt, daß eines Tage der Zusammenbruch kommen könnte. Und als er, für viele überraschend, von vielen aber auch prophezeit, da svar, da gab'e int Generalftab und dem wichtigsten Heeresfnotenpuntt Stöl nicht einen Plan, nach dem ein beschleunigter Rüdzug, cint Retten von Menschen und Material, vorgesehen war. Als dann die Bedingungen des Waffenstillstands befannt wurden, ale bie Räumung des befebien Gebiets erfolgen mußte, da ist das schier Nebermenschlichste in Köln geleistet worden. Zivilbehörden, Gonvernement und Arbeiter- und Soldatentat arbeiteten Lag und Nacht. Mancher Genosse, manche Genoffin ist in diejen fritischen Wochen Lage und Nächte hintereinander nicht aus ben mannigfachen Neigungen zu befreien! Welcher große, bedeutende Sieg liegt in der anfangs so bitteren und dann so befeligenden Erkenntnis der einfach großartigen Wahrheit: daß positiv wertvolle Arbeit nur von den geleistet werden kann, der es fertig brachte, feine üppig treibenden, auseinanderschwankenden Neigungen überzuleiten in die feste, bestimmte Form Starter Willensziele; der es verflanb, feine anfangs unKlaren, ihm selbst unbewußten Abfichten zu läutert; fein gelftiges Leben auf einen Bunft zu konzentrieren, der, über dem durchschnittlichen Niveau des Allgemein- Menschlichen stehend, auf dasselbe herabftrahlt als ein schönes Jozal, das nicht in den Sternen liegt, sondern das zu verwirklichen ist. tenn alle nach ihm trachten. Und wie beglicht die unmittelbare Folge der mühsam errungenen Erkenntnis: nur der, dent Neigungsfreiheit zum festen Willens und Lebensziel wurde, ist aum Wissenden geworden; in trennt eine Kluft von jenem, der sein Dasein in Unentschiedenheiten verlaflet. der nur den Schein des Wissens" befitt, dessen Meinung ,, bon Leidenschaft bestimmt und umgebogen werden" fann und dessen trügerischste Meinung es ist, sich selbst als eine Persönlichkeit anzusehen, in deren Händen die Herrschaft ber Welt rubt. Nur dem Wiffenden, nur dem von Reigungen Befreiten, dem ehrlichen und freudebollen Menschen, der das Ziel feines Lebens rein und Lehr vor sich aufgepflanzt erblickt, nur in wird der erfenntnisticfe Willen zuteil, nicht nur mit der Gemalt eines plötzlich ausbrechenden und ebenso plählich ver 308 Die Gleich beit Kleidern gekommen. Wo war damals das„ Rote Kreuz"? Wo waren die Damen vom Vaterländischen Frauenverein? Unsere Arbeiter, unsere Genossinnen gaben Rat und Auskunft an die vielen, die im Strudel jener Tage Hilfe brauchten. Sie waren es, die den mit unserer Unterstüßung funktionierenden Behörden die unbeschreibliche Arbeit der Unterbringung, Versorgung und Berpflegung der Soldaten abrahmen. Was ist in jenen Tagen bereits gelästert worden über die„ nenen Herren". Wer hat sich mit Berleumdungen und Behauptungen würdig jenen leichtfertigen Epottzungen zugefellt? Alle, die in den kritischen Stunden hinter geschlossenen Fensterladen Aengste vor dem jüngsten Gericht ausstanden! Sie haben ein kurzes Gedächtnis; Geschichtsunterricht, den sie erben müßten, begreifen sie nicht. Nach der Art eigenfinniger Rinder beharren fie auf einer falschen Formel. Und ihre Formel war und ist. Das Alte war das Rich tige, Alleinfeligmachende, Gottgewollte. Immer wieder müssen wir ihnen nachweisen, wie fläglich fie in jenen Stunden versagten, aber auch versagen mußten, weil der Lauf der Geschichte sie in zafendem Tempo überholte. Daß fich die Umwälzung in gana Deutschland so unblutig voll 30g, ist das Werk der deutschen Sozialdemokratie. Daß der Rückmarsch unserer Truppen unter Vermeidung von Menschen- und Materialverluft sich vollziehen konnte, ist das Verdienst der rheinischen Sozialdemokratie! Diefen guten Anteil am Verlauf der Revolution fann niemand der rheinischen Arbeiterschaft streitig machen. Daß tausende Soldaten vor dem Martyrium, noch zuletzt Gefangene zu werden, bewahrt blieben, ift neben anderem ihr Verdienst. Daz dem Staat Millionen an Heeresgut erhalten blieben, muß ihrer Hilfe gedantt werden. Im rasenden Geschehen jener Tage ist manches unterlaufen, was der ehrsame Spießbürger did antreidet und deshalb als Haupt ache ansteht. Bir Sozialdemokraten aber wissen, was die Hauptsache die Hauptsache war, und wir wissen immer, was in den Zeiten der Not wir Die taten des Vaterlandes unsere Pflicht war. 4. August 1914. Aber am 9. November 1918 taten wir noch mehr als nur unsere Pflicht. ant Elisabeth Röhl. Der vergangene Polizeipräsident von Berlin, Herr von Jagow, Hieß, als die Berliner Arbeiterschaft für das gleiche, allgemeine, geheime und direkte Wahlrecht in Preußen demonstrieren wollte, durch Säulenanschlag verfünden: Die Straße gehört dem BerJehr, ich warne Neugierige!" Und die Berliner Arbeiter schlugen tummenden Sturmes alles Bestehende zu stürzen, sondern bor allen Dingen an die Stelle des Erstürmten und Zertrümmerten ein Neues zu stellen von reinerem, höherem Werte, edleren Formen. Er wird zum Bildner deffen, was in flaren Vorstellungen seine Seele erfüllt und bewegt, umd all sein Mühen und Schaffen um Neuze, Belieres, Höheres wird und fann nicht bloß Geltung haben für ihn, der es zu erreichen und zu verwirklichen trachtet, wird und fann nicht nur allein Geltung haben für einen zahlenmäßig fleinen Kreis von Menschen, in dem die schönen been seiner Berfön. lichkeit wirkend sind. Ganz selbstverständlich erstreckt sich muß sich erstrecken seine durchwirkende, durchgeistigende, bildende Tätigkeit auf das Universale; ohne zu verflachen umdurchaus im Sinne Bruno Celbos: faßt es die Menschheit, durchaus im Sinne Bruno Celbos: Erwacht! Ihr Völker! Strebt empor zum Lichte! Der freien Menschheit freie Bahn! Die schwarze Binde reißt vom Angesicht, Bermalmt die Lüge und der Wahn! Berlacht, Was ihr im Stumpffinn lang bewundert: Die morsch geword'ne Form zerbrecht! Errichtet für das kommende Jahrhundert Ein Heiligtum dem Menschenrecht. Nr. 39 ihm ein Schnippchen und demonstrierten doch, nur nicht da, wo die Truppen des Herrn von Jagow Neugierige suchten. Herr von Linsingen. weiland Oberster Befehlshaber in den Marfen, verkündete den Berlinern am 7. November 1918: Ich die verbiete"( die Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten Revolution). Er spottet seiner selbst und weiß nicht wie. In dem er verbietet, fündigt er an, wogegen fich seine Seele vergeblich wehrt. Gatmütig duldete der Berliner mit der Selbstsicherheit dessen, der weiß, was er will. Damals, zu Herrn von Jagowe Zeiten, hat Berlin gelacht und mit den Zähnen gefnirscht zugleich. Dieses Mal, Berlin, erlebst du etwas ganz Großes, Unvergeßliches! Ueber den Asphalt jagt es im Auto, eiligen Schritte geht's über den Bürgersteig. Auf schnigen Armen tragen Matrosen die Freiheit durch die Straßen. In zwei Tagen werden sie fallen, die preußischen Zwing- llris. Am 9. November beschließt die Berliner Arbe terschaft den Generalstreik. Um 9 Uhr morgens formieren sich die ersten Arbeiterbataillone, Männer und Frauen, auf dem Alexanderplatz. Bunächst geht's, boran das Banner der Freiheit, die rote Fahne, nach der Kaserne des 1. Alexarder- Garde- Regiments. Ein Offigier schießt auf die Menge ein Todesopfer. Die Mannschaften schließen sich der revolutionären Arbeiterschaft an. Nun geht's bon Maierne zu Rajerne, überall glatte llebergabe der Truppen Um 1 Uhr mittags verkünden Anschläge an den Eäulen die Abdanfung Wilhelms II. Von Jagowofifum 1 Monarchie Linsingen preußisches Panop Revolution! Nachmittags gegen 2 Uhr ruit Philipp Scheidemann vom Balkon des Lesezimmers im Reichstagsgebände Die Republik aus. In furzen, martigen Sägen verfündet er der zu Tausenden zählenden Menge, daß das deutsche Volk auf der ganzen Linie gesiegt hot, der Militarismus erledigt ist, die Hohenzellern abgedankt haben, Ebert zum Reichsfangler ausgerufen und zur Bildung einer neuen Regierung, der alle sozialistischen Parteten angehören werden, beauftragt ist „ Ge lebe die Republik!" braust's über den Königsplay, den Gespenstern der Siegesallee die Posaune des jüngsten Gerichts, uns aber die Stimme der Auferstehung. Nachmittags ftehen die Etraßenbahnen still. Mich duldet's nicht zwischen den Wänden. Ich muß hinein in den Sturm, der alle Höhen und Tiefen der menschlichen Seele auspeitscht. Es ist 5 Uhr nachmittags. Mit der Stadtbahn bin ich bis zum Alexanderplatz gelangt Durch die Königstraße und die folgenden Etraßenzüge wandle ich unter unzähligen Menschen hinunter bis zum Schloß. Hier stofen wir auf neue Menschenmengen. Rarl In reinen Flammen schmiedet den Gedanken Bu hoheni Werk des Hammers Stahl Und auf den Tempeln, Die in Schutt bersanken, Baut Throne neuem Ideal! Wenn im bisherigen Berlaufe von Revolutionen gesproden wurde, so geschah das in ziemlich allgemeinem und umfassen dem Sinne, immer aber ohne Berücksichtigung von derartigen Ereignifien politischen Charakters. Während jedoch die eigent lichen geistigen Umwälzungen, ihr Uriprung, ihr Verlauf und ihr Biel, vor allem ober auch ihr Zusammenhang mit einer bestimmten Persönlichkeit weiter unten die dringend notwendige Berücksichtigung finden werden, sei jetzt zur Ersparnis von Umwegen mit ein paor Säten der recht engen Beziehun-. gen gedacht, in denen Aesthetik und politische Revolution zu einander stehen. Ein Zweifel fann, wie einiges Nachdenken lehrt, liber diejen Bujammenhang nicht befiehen. Es mag sonderbar genug ericheinen, mag sich geradezu parador anhören: aber auch volitische( umd ebenso wirtschaftliche) Umwälzungen radikalsten Charakters und Aesthetik schließen einander nicht aus, gehören vielmehr in einem gewissen Sinne, der sich genau bestimmen läßt, redit innig zusammen, find ineinander verwoben und verschmolzen, ohne daß das eine oder das andere die ihm eigentümliche Klarheit einbüßt, und dokumentieren auch in Dieser Hinsicht auf solche Art die Gemeinsamkeit,- besser und Nr. 39 Die Gleich beit Liebknecht hat von einem der Balfons herab gesprochen. Ueberall Hochstimmung ohne Ueberschwang. Im Zirkus Busch soll cine Bersammlung sein. Ich schließe mich einem Zuge dorthin an. Bei der Schloßbrücke begegnen wir einem aus der Stadt fommenden Zug. Wir begrüßen uns mit einem Hoch die Republik!". Unter dem Geläute der Domglocken, die den Sonntag einläuten jollen, voran die roten Fahnen, marschieren wir feierlich dahin. Meine Seele deklamiert:„ Aus der Kirche heiliger Nacht werden fie alle ans Licht gebracht". Da mein Herz jetzt aus um einen Schlag. War da nicht ein Ton unter dem Geläut wie der Knall aus dem Lauf eines Gewehrs. Niemand außer mir scheint ihn gehört zu haben. So nehme ich zunächst eine Sinnestäuschung an. Langsam schieben wir uns in den Zirfus hinein. Eine so feierliche Menge saß noch nie vor der Arena. Und die Gloden läuten noch immer und nun hören wir es deutlich: dazwischen fallen Schüffe. Ich hatte mich also nicht geirrt. Efel steigt in mir auf, namenloser Skel im Schuße der Dunkelheit, im schalldämpfenden Schutze der Glodenschläge, die sie heilig gepriesen, schießen reaktionäre Offiziere auf das unbewaffnete Bolt. Ein Mann tritt in die Avena und forderi waffenfähige Männer auf, fich zur Durchsuchung der Schloßgegend zur Verfügung zu stellen. Sofort ist eine stattliche Formation zur Stelle. Kaum ist sie abge= zogen, tritt aufs neue ein Mann auf und bittet die Versammlung auseinanderzugehen, um den Reaktionären feine Gelegenheit aux Anrichtung eines Blutbades zu geben. Der Abzug vollzieht sich in vollster Ruhe und Ordnung. Der Geist des Dichters Zerfaß: Unferes Tages wollen wir uns freuen und siegen", waltet über der Menge. Am nächsten Tage schon werden die reaktionären Offiziere und Anhänger der Jugendwehr unschädlich gemacht nicht ganz ohne Opfer auf der Seite des revolutionären Volfes. 17 Menschen, darunter eine junge Frau, fallen. Am 20. November bestatten wir sie auf dem Friedhof der Märzgefallenen. Die Arbeiterschaft ehrt die Toten der November- Revolution durch ein Geleit, wie es Berlin noch nie jah. Minna Lodenhagen. ( Schluß folgt) Eine flammende Rielin, Ichreitet die Zeit ruhig weiter, unbekümmert um das Gekläffe billiger Pfäffchen und Junkerlein da unten. Wie heulen fie jedesmal, wenn fie fich die Schnauze verbrannt an dem Fuße jener Rielin, oder wenn diefe ihnen mal unverfchens auf die Köpfe trat, daß das obfkure Gift herausipritzte! Ihr Grimm wendet fich dann um fo tücklicher gegen einzelne Kinder der Zeit, und, ohnmächtig gegen die Maffe, fuchen fie an Individuen ihr feiges Mutchen zu kühlen. Heinrich Heine. richtiger: die Verbindung, Verknüpfung von rein praktischer Tat und ebenso reiner idealer Forderung. Um zu erkennen, daß es sich hier tatsächlich um einen Zujammenfluß zweier Erscheinungen handelt, die sich scheinbar streng gegensätzlich zueinander verhalten, genügt es, an den ursprünglichsten Ausgangspunkt und an das nach langsam eingetretener Klärung sich enthillende Endziel der einen von ihnen, der realistischen Tat, zu erinnern. Mindestens an dent Endziel läßt sich der Zusonimenhang deutlich erkennen; bei jeder der politischen und ökonomischen Umwälzungen bon mir, wie gesagt, als„ praktische Tat" bezeichnet, um den Gegenfatz fühlbarer zu gestalten ergeben sich bedeutsante Folgen, die scharf auf den im Endziel verborgenen ästhetischen Kernpunkt hindenten. Viele freilich, denen Nachdenken über Dinge dieser Art gleichbedeutend an sein scheint mit förperlichen Schmerzen, werden mit Gleichgültigkeit darüber hinweg zu der sie allein intereffierenden Tagesordnung übergehen und sich weder um revolutionäre Folgeerscheinungen, noch deren ebentuelle Zu fammenhänge fümmern. In Wahrheit aber ist die Bedeutung von Gegenständen dieser Art infolge ihres politischen, histo rischen und ästhetischen Charakters doch allzugroß, als daß man sie bei einer ernsthaften Betrachtung ignorieren könnte. Denn es gilt ja eine wertvolle Feststellung: Daß in den Auswirkungen auch der brutalften politischen( und politisch- ökonomischen) radikalen Unnvälzungen, in den Ausstrahlungen ihrer durch eine Fülle von ungehencem Aus unserer Beweguna 309 Die von Hugo Heimann am 25. Oftober 1899 in Berlin ge= gründete und seitdem aus eigenen Mitteln fortgeführte öffent liche Bibliothek und Lesehalle muß geschlossen werden, da Genesse Heimann infolge der veränderten Zeitverhältnisse nicht mehr in der Lage ist. das Institut weiterzuführen. In den zwanzig Jahren ihres Bestehens find von der Ausleih- Bibliothek rund 1 300 000 Bände verliehen worden. Die Lesehalle mit den ständig ausliegenden 520 Zeitungen und Zeitschriften jeder Ari unb Richtung und der 2448 Bände zählenden Nachschlagsbibliothel wurde in dieser Zeit von 1 100 000 Personen benußt, so daß die Gesamtzahl der Besucher in diesen 20 Jahren nicht weniger als 2 400 000 Besucher betrug. Jun Interesse wahrer Volksbildung, der dieses auch für Berlin einzigartige Institut diente, geben wir Ser Hoffnung Raum, daß früher oder später diese segensreiche Emrichtung mit Mitteln der Allgemeinheit weitergeführt wird. Im Auftrage des Weimarer Parteitages und der Bezirksleiterkonferenz arbeitete der Hauptvorstand des Verbandes der Arbeiterjugendvereine Deutschlands neue Sabungen aus, welche Die Organisation unserer Jugendbewegung auf neue Grundlagen stellen. Sie lauten: Satzungen des Berbandes der Arbeiterjugendvereine Deutschlands. 1. Der Verband der Arbeiterjugendvereine Deutschlands will feine Mitglieder im" Geifte der sozialistischen Weltanschauung zur politischen Selbständigkeit erziehen und ihre wirtschaftlichen und sozialen Forderungen, besonders die Durchführung eines wirtsamen Jugendschubes, vertreten.. 2. Die Grundlage des Verbandes bilden die örtlichen Arbeiter jugendvereine. Diese schließen sich zu Bezirken zusammen, die in ihrer Gesamtheit den Verband der Arbeiterjugendbereine Teutschlands bilden. 3. Die Leitung des Verbandes obliegt dem Hauptvorstand, der aus fünf Vertretern der Arbeiterjugendvereine und fünf Verhietern der Partei bejteht. Die Vertreter der Partei werden bom Parteivorstand, die Jugendvertreter vom Arbeiterjugendverein des Verbandsvorortes bestimmt. Neben dem Vorstand besteht ein Reichsausschuß aus 15 Personen, der zu wichtigen Entscheidungen vom Hauptvorstand heranguichen ist. Die Reichskonferenz setzt sich aus den Vertretern der einzelnen Wezirle zusammen und wird jährlich mindestens einmal zu fammenberufen. 4. Der Bezirksvorstand wird auf der alljährlich stattfindenden Hauptversammlung des Bezirks gewählt; er seht sich zu gleichen Schrecken und namenlosem Elend erkämpften Ergebnisse stets in höherem oder geringerem Maße der Vollendung Erfüllumgen längst aufgestellt gewesener ästhetischer Forderungen gegeben sind. Selbst wenn das aber nicht zuträfe, wenn fraft irgendwelcher Umstände die revolutionäre Kraft gewaltsam beschnitten würde, müßte doch die Revolution als Neubeleberin gelten, die mit gewaltigsten, berauschendsten Mitteln verschüttet gewesene heilige Grundsäße, hebre Forderungen der Menschheit in die ermatteten Gehirne peitscht und sie mit der fürchterlichen Kraft der Brutalität zur Wiederholung ewig herrschender Bekenntnisse zwingt. Diese Bekenntnisse und Forderun gen aber find rein und unbefleckt von allem Blute, aus dem fie emporsteigen; es sind die heißesten, edelsten Wünsche der Menschheit, in ihnen vereint sich die gewaltige Menschheitssehnsucht nach Vollendung, nach Güte und Schönheit. An das kann natürlich in feiner Weise irgendwelche Ent schuldigung des Blutrausches und seiner unmittelbaren tranrigen Begleiterscheinungen sein. Alle Gewaltsamkeiten werden stets ihre Verdammung finden, mag es sich nun um solche bandeln, die den Raubgelüften herrschender imperialistischer Klassen entströmen, oder um andere, die ihre Ursache in der Gegenwirkung haben, die von den unterbrichten lassen jenen entgegengesetzt wird. Der Aesthet wird allen Answichsen solcher Art, allen verderbenbringenden Ausflüssen menschlicher Leidenschaft ablehnend gegenüberstehen, wie er überhaupt alles ablehnt, was feinen Grundauffassungen, die wir gleich näher kennenlernen 310 Die Gleich beit Tellen aus Vertretern der Arbeiterjugendvereine und der Pare tei au fammen. Die Hauptversammlung hat in allen Angelegenheiten des Be airfes bie fette Entscheidung. Sie wählt ferner die Vertreter des Bezirkes zur Reichskonferenz nach einer vom Hauptvorstand und Reichsausschuß gemeinsam festzusehenden Etaffel. 5. Die Organe des Verbandes find die Arbeiter- Jugend", bie allen Verbandsmitgliedern für den Mitgliedsbeitrag geliefert werden muß, und das Rundschreiben", das für die Funktionäre des Verbandes bestimmt ist. 6. Das Geschäftsjahr des Verbandes beginnt am 1. April. Die Ortsvereine berichten vierteljährlich an den Bezirksvorstand, ber Bezirisvorstand vierteljährlich an den Hauptvorstand, der Sauptvorstand jährlich an die Reichskonferenz. Die neue Form mit frischem Jugendleben zu erfüllen, gum Muben der Jugend und der Boffsgemeinschaft, ist mun Sache der Arbeiterjugend. Die Bereinigung chemaliger Kriegsteilnehmer veranstaltet in der Schweiz in der Zeit vom 15. bis 18. Dezember eine internationale Stonferenz mit folgender Tagesordnung: 1. Die inter nationalen Opfer des Krieges; 2. internationale Aftion gegen den Militarismus; 3. politische Aktion der ehemaligen Kriegsteile nehmer für die allgemeine Abrüstung. Ein weissicher Stadtrat. Vei den Stadtratswahlen in Frank furt a. M. wurde als erste Frau unsere Genoffin Dr. Quard Sammerschlag als Stadträtin gewählt. Aus der Frauenbewegung des Auslandes Auf der Generalversammlung des Bundes schweizerischer Frauenvereine trat Fräulein Schuber für die Einführung der Boftfparlaffe, ble freiwillige Bürgerinnenprüfung und Gründung von alkoholfreien Gemeindeftuben ein. An Stelle der abtretenden Bizepräsidentin Frau Duant wurde Frau Mercier gewählt. Die Bersammlung äußerte den Wunsch, es möchten Schweizer Frauen zur Abstimmung über den Beitritt der Schweiz aum Bölfe bunde zugelassen werden. * Vertretung der Frauen auf der Internationalen ArbeitsKonferenz zu Washington. Die nieberländische Regierung hat, so wie alle Regierungen her neutrofen Länder, von Präsident Wilson eine Einladung erHalten, um sich nach Artifel 387 des Friedensvertrages auf der werden, zuwiderläuft, was für ihn feine Eristenzberechtigung befigt innerhalb des harmonischen Naumes, im Kreise des Reinen und Schönen. Ich wiederhole: allebem steht er ablehnend gegenüber. Aber er verneint es nicht! Sein Beruf ist, alles zu verstehen, was im Zusammenhang mit Menschheitsentwick Yung steht. Nur so wird es ihm möglich, die manchmal so verborgenen Linien zu erforschen und zu verfolgen, die zu den eigentlichen und wahren Btelen aller Revolutionen führen, zu den Bizlen, um die der Menschheit nur zu oft unbewußt der fürchterlichste Stampf entbrannte, die abschreckendsten Abscheulichkeiten begangen wurden... ( orifegung folgt) Das Weib Sacht und fanft schreitet durch unfer Leben Das Weib. Es ist uns oft alles in einer Perion: Sonne und noch mehr. Es läßt uns jubeln und jauchzen Auch klagen. Und überftrahlt golden mit feiner Seele Schmelz Unfer Sein. Es leidet das Weib und trägt durch Jahrtaufende Schwere Bürde. Und trotzdem trägt es mit feinen fchmächtigen Schultern Unfere Laft mit. Nr. 39 internationalen Arbeiterkonferens in Washington am 29. Oftober vertreten zu faffen. Die zwei Bertreter der Regierung sind ein sehr bekannter katholischer Barlamentarice und ein Hauptarbeitsinspektor; bie Arbeiter ernamiten Genossen Oudegeeft, den Präsidenten des Bundes der Gewerkvereine; die Arbeitgeber wählten einen Fabrikanten. Die beiden letteren hatten je drei technische Berater, und jedermann meinte, es würde bei dieser Delegation von zehn Männern bleiben. Es scheint jedoch, daß die dringenden Vorstellungen der interalliierten Frauenkonferenz zu Paris im Februar biefes Jahres fich foweit Gehör verschafft haben, daß ble teilnehmenden Res gierungen auch ersucht wurden, ein paar Frauen hinzuzufügen, und so vernahm man Ende September, daß auch Genoffin Suze Groeneweg, die einzige Frau im niederländischen Parlament, mitgehen follte; und zu allerlebt wurde noch cine christliche Frau, die Tochter des früheren Premiers, Dr. Supper, in die nieberändische Delegation aufgenommen. Bald werden wir nun hören, inwiewelt man in Washington den Aeußerungen und Wünschen der Frauen Rechnung trägt. * Des Frauenflimmredit in ben niederländischen Kolonien. Geit 1917 hat sich die Demokratie sogar in den füdasiatischen Kolonien Bahn gebrochen. Nicht so weit, daß es dort etwas wie eine Volks bertretung gäbe, nein, bewahre! Die Regierung ernennt sich felber einen Volksrat, den sie, wenn es ihr paßt, hören kann. Aus diesem Volfarat sind Frauen noch ausgeschlossen. Doch sind die Insulinder nicht rückständig im Bunkt der Gleichberechtigung der Geschlechter, denn neulich erklärte sich der Abgeordnete ber Minabaßa für Frauenstimmrecht. Der ganze Bolksrat schloß sich ihm an und beschloß den Antrag des Frauenstimmrechts vereint zu unterstützen, der für die Gemeindeverwaltung der Frau das Wahlrecht zuerkennen wollte. Da machte man aber die Rechnung ohne den Wirt, denn ber Bandvogt, der Gouverneur- General, verweigerte einfach feine Zustimmung. Damit ist die Sache vorläufig beendigt. Go zeigt es fich, daß die Abkömmlinge der Matriardalsvölfer in dieser Hinsicht noch demokratischer find als die sogenannter Martina G. Kramers. Kulturträger des Westens. Mitteilungen In Köln a. Rh. find in einem Monat 600 uneheliche Stinder geboren worden, die Ausländer( englische Besagung) zu Bätern Haben. Verantwortlich für die Rebattion: Frau Klara Boum- Schuch. Drud: Vorwärts Buchbruckerei. Verlag: Buchhandlung Vorwärte Paul Ginger G. m. b. S. fäfft in Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Es feufzt das Weib, aber es trägt. Und überragt uns himmelweit In feiner reinen, ftillen, duldenden Größe. Iit feinen weichen, schwachen Bänden Bereitet es unferen harten Weg, Damit wir vorwärts fchreiten und uns bewundern faffen können. Still ſteht das Weib und leidet das Größte: Es gebiert Menfchen, Schreit feinen Schmerz in die Welt hinaus, Und schafft unter Wehelauten neues Leben. Neues Leben, Ohne das der Welten Lauf verliegen müßte. So gebiert das Weib das Leben, Willig trägt es den Schmerz und lächelt, Lächelt dazu, Schmerzlich zwar, aber es lächelt. Wenn wir klein werden wollen, Dann gleitet zart und facht des Weibes liebe Hand Ueber unfere Stirn Und macht ums Stark. Stark. In unferer Stärke mülfen wir mit belden Augen Nach dem Weibe sehen Und müffen uns eingestehen, Daß wir ohne das Weib nichts wären. nichts. Darum wollen wir dem Weib der goldenen Sonne helle Strahlen ins lichte Hnar flechten. Max Seydewitz. 97r. 39 Die Gleichheit 311 Deutsche Spar- Prämienanleihe 1919 1. Die Anleihe beträgt Fünf Milliarden Mark in Fünf Millionen Anleihefcheinen zu Einlaufend Mart, rückzahlbar Innerhalb 80 Jahren nach unienstehendem Tilgungsplane. Sie ist eingeteilt in fünf Reihen( A, B, C, D, E). Jede Reihe enthält 2500 Gruppen( 1 bis 2500), jede Gruppe 400 Nummern( 1 bis 400). 2. Halbjährlich findet eine Gewinnverlofung nach untenstehendem Gewinnplane flatt. 3. Bom 1. Januar 1940 an steht dem Inhaber das Recht zu, unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von einem Jahre die Rüdzahlung zum Nennwert zuzüglich des Zuschlags von 50 Mart für jedes verfloffene Kalenderjahr unter Abzug von 10 v. H. des Gesamtbetrags zu verlangen. 4. Sollie vor dem 1. Januar 1930 eine neue gleichartige Spar- Prämienanleihe zur Ausgabe gelangen, so haben die Inhaber der Stücke dieser Anleihe das Zeichnungsvorrecht. 5. Die Inhaber der Stücke genießen die untenstehenden Steuerbegünstigungen. Gewinnplan: 5 Gewinne zu 1 000 000 Mark= 5555 Die Gewinne werden von dem auf die Berlolung folgenden 1. März oder 1. September an, die der ersten Berlojung vom 1. April 1920 an unter Abzug von 10 v. 5. ausgezahlt. Tilgungsplan: Zilgung 5 000 000 Mark 500 000 2 500 000 SP " " 17 300 000 1 500 000 17 11 # " 200 000 1 000 000 # 1 31 " 1 " Bonus 10 150 000 1 500 000 " 9 11 " " 20 100 000 2 000 000 " 17 11 n 50 50 000 " " 门 44 2 500 000 In den Jahren jährliche jährlicher Stüdzah! 11 100 25.000 2500.000 " " 18 200 10 000 2/000 000 " SV " " 300 5.000 1: 500 000 " " n 400 3.000 1 200 000 17 SP " 17 400 " 18 1000 2000 1.000 800 000 1920-1929 50 000 1930-1939 75 000 1940-1949 100 000 100 000 000 75 000 1950-1959 75 000 000 1960-1999 50 000 50 000 000 Gesamtbetrag Mart 50 000 000 Jährliche Stadzahl im einzelnen Mart jährlicher Gesamtbetrag Mart 25 000 1000 25 000 000 75 000 000 37.500 1000 37 500 000 50 000 1000 50 000 000 37 500 2000 75 000 000 25 000 4000 100 000 000 11 п 1 000 000 $ 1 19 " 21 Im ganzen jedes Halbjahr 2500 Gewinne über zufammen 25 000 000 Mart. Gewinnverlofungen finden am 2. Januar und 1. Juli jedes Jahres, eritmals im März 1920, statt. Bei jeder Berlojung werden 2500 Gewinne im Gelam betrage von Fünfundzwanzig Millionen Mart gezogen. Die gezogenen Giuppen und Nummern gelten für jämtliche fünf Reihen. Sie werden im Deutichen Reichsanzeiger" bekannt gemacht. Ein mit einem Gewinn gezogenes Stild nimmt auch ferner an den Gewinnalehungen bis au teiner Tilgung teil. Ein und dasselbe Stüd kann jedoch in jeder Ziehung nur einmal gewinnen. Die Tilgungsauslolungen finden am 1. Juli jedes Jahres, erstmals am 1. Juli 1920, im Anschluß an die Gewinnver loung statt. Zur Feststellung der zu tilgenden Stücke( 50 000, 75 000 oder 100 000) werden jedesmal 4, 6 oder 8 Nummern gezogen. Die gezogenen Nummern gelten für alle Gruppen und Reihen. Sie werden im „ Deutschen Reichsanzeiger" befanntgemacht. Jedes gezogene Stüd wird zum Nennwert zurückgezahlt mit einem Zuschlag von 50 Mark für jedes bis zur Fälligkeit verflossene Jahr; die Stücke jeder zweiten gezogenen Nummer erhalten außerdem den im Tilgungsplan angegebenen Bonus. Die Tilgungssummen mit Zuschlag und Bonus werden von dem auf die Auslolung folgenden 29. Dezember an gegen Auständigung des Stüdes ausgezahit. Steuerbegünstigungen: a) Befreiung eines Befiges bis zu 25 Stüd von der Nachlaßfteuer und bezüglich derselben Stücke von der Erbanfallsteuer. Keine Nachlaßorer Erbanfallsteuer für die auf den Ramen Dritter bei der Reichsbank oder anderen vom Reichsminister der Finanzen noch zu benennenden Stellen auf fünf Jahre oder auf Todesfall hinterlegten Süde( bis 10 Stück für jede einzelne dritte Beison). b) Der Bermögenszuwachs, der sich aus dem Besize der Anleiheftücke gegenüber dem bei der Erwerbung der Stüde anzunehmenden Vermögenswert ergibt, unterliegt nicht der Befigiteuer( Bermögenszuwachssteuer). c) Die tem Befiger der Stücke auf Grund der vorstehenden Bestimmungen zustehenden Leistungen sowie der aus dem Berkauf der Stücke erzielte Gewinn unterliegen im Gewinnjahre weder der Einkommensteuer noch der Kapitalertragssteuer. d) Bei jeder Art der Besteuerung werden die Anleihe cheine bel einer Stückzahl bis zu 50 Stück höchstens zum Nennwert, vom 20. Johre ab zum Kündigungswerte bewertet. Zeichnungsbedingungen: 1. Annahmestellen. Zeichnungsstellen sind die Reichsbant und die im offiziellen Reichnungsprofpekt aufgeführten Geldinstitute. Die Zeichnungen Yönnen aber auch durch Vermittlung jeber Bant, jebes Bantiers, leder Sparkasse und Kreditgenossenschaft erfolgen. Belchnungen werden von Montag, den 10., bis Mittwoch, den 26. november 1919, mittags 1 Uhr entgegengenommen. Früherer Zeichnungsschlug bleibt not. behalten. 2. Zeichnungspreis. Der Preis für jedes Spar- Brämienstud beträgt 1000 r. Siervon find 500 M. in 5% Deutscher Reichsanleihe zum Renn wert berechnet und 500 M. in bar zu begleiden. Die mit Januar- Juli- Jinfen ausgestatteten Reichsanleiheftide find mit Alusfcheinen, fällig am 1. Juli 1920, die mit April- Oktober- 8infen ausge statteten Stilde mit Rinsscheinen, fällig am 1. April 1920, einzureichen. Den Einlieferern von 5% Reichsanleihe mit April- Oktober- Rinsscheinen werden auf ihre alten Anleihen Stüdzinsen für 90 Tage 1,25% vergütet. 3. Sicherheitsbestellung. Bei der Seichnung hat jeder Zeichner eine Sicherheit von 10% des gezeichneten Betrages mit 100 M. filr_ledes Bräntienfild in bat zu hinterlegen. 4. Zuleilung Die Buteilung findet tunlicht bald nach dem Zeichnungsschluß statt. Die Art der Berieilung bestimmt das Reichsfinansminifterium. Berlin, im November 1919. 5. Bezahlung. Die Zeichner find verpflichtet, die augeteilten Beträge bis gun: 29. Dezember d. 3. zu begleichen. Die Begleichung hat bei derjenigen Stelle zu erfolgen, bei der die Reichnung angemeldet worden ist. Sollen 5% Schuldbuchforderungen zur Begleichung verwendet werden, so ist sogleich nach Erhalt der Suteilung ein Antrag auf Ausreichung von Schuldverschreibungen an die Reichsschuldenverwaltung, Berlin S. 68, Oranienste. 92/94, au richten. Der Antrag muß einen auf die Begleichung Der Spar- Prämienüüde hinweisenden Bermerk enthalten und spätestens am 20. Dezember d. J. bei der Reichsschuldenverwaltung eingehen. Vordruce zu solchen Anträgen mit Formvorschriften find bei allen Reichnungs- und Bermittlungsstellen au haben. Daraufhin werden Schuldverschreibungen, die nur zur Begleichung von Spar- Brämienstücken geeignet sind, ohne Rinsbogen ausgereicht. Die Auszeichung erfolgt gebührenfrei und portofrei als Reichs dienstsace. Diese Schuldverschreibungen find spätestens bis aum 20. Mära 1920 den in Abfah 1 genannten Zeichnungs- oder Bermittlungsstellen einaureichen. 6. Ausgabe der Stüde. Die Ausgabe der Prämienstilde erfolgt im Februar 1920; Goldbuchgläubiger erhalten erforderlichenfalls bis zur ersten Gewinnverlosung im Mära n. J. durch ihre Bermittlungsstellen Nummetn aufgabe. Bwischenfcheine sind nicht vorgesehen. 7. Umtausch der Kriegsanleihen. Die Reichsbank. wird, foweit möglich, unentgeltlich Stücke von höherem Nennwert als 500 M. in eine Stilde tauschen. Reichsfinanzministerium Anleihe Abteilung. 312 Die Gleichheit Nr. 39 Stoffe für Damen- Kostüme Mtr. 20,-, 30,-, 40,-, 50.Herren- Anzüge Mtr. 50,-, 60,-. 70,-. 80.Tuchlager Koch& Seeland G.m.b.H. Berlin C., Gertraudtenstr.20/ 21. Verkaufszeit von 8-2 Uhr Haar- Technische- Werke Wie ein Wunder Spezial tät Haararbeiren, Transformationen, Zöpfe usw. Haar ärb., blon dier., Kopfwaschen, Ondufieren. Berlin W., Bülowstraße 94. Zweig geschält: Schöneberg Luitpoldstraße Nr. 35, Ecke Martin- Luther Straße. Reines Gesicht blütenzarter Teint, weiße, glatte Haut wird in kürzester Zeit erreicht durch meinen altbewährten unübertroffenen Krem., Pura", Sommersprossen, Mitesser, Pickel, Runzeln und Fältchen verschwinden. Rote und großporige Haut wird schnell beseitigt. Tube 2,- Mk., Doppeldose 3,50 Mk. DROGENHAUS H. BOCATIUS, Berlin N., Schönhauser Allee 132. beseitigt S.-R. Dr. Strahl's Haussalbe jeden Hautaus schlag. Flechten, Hautjucken, besond. 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