Nr. 44 1 29. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Die Gleichbeit erscheint wöchentlich Prets: Monatlich 1,20 Mart, Einzelnum ner 30 Pfennig Durch die Voit bezogen vierteljährlich ohne Bestellgeld 3,60 Mart; unter Kreuzband 4,25 Mart Weihnachten Berlin 20. Dezember 1919 Die Frau und ihr Haus Zuschnitten sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morinplag 147 40 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 gepeitscht und wir haben jeden Glauben an die Ehrlichkeit französischer Zusagen in der Frage der Gefangenen berlieren müssen. Unsere Regierung ließ nichts unversucht, um Frankreich zur Aenderung seiner Stellung zu bewegen. In dieser Sache ist sie frei von Schuld; jeder VorWeihnachtsglocken Weihnacht! Friede auf Erden! Den Menschen Glück und Wohlgefallen auf dieser schönen Welt! Schrillt nicht Lachen irgendwo aus der Tiefe? Oder ist es Schreien? Beides! Aus dem Aufschrei des Jammers wird das Lachen des Hohnes. Bum 6. Male entzünden wir friedelos die Kerzen am Weihnachtsbaum. Ohne Krieg durften wir, dank der Rebolution, im vorigen Jahre die geweihte Nacht begehen, aber ohne Frieden ist die Welt geblieben und namen. Joies Web nach ihren fernen Lieben erfüllt noch immer die Herzen Hunderttausender in Deutschland. Der Haß triumphiert noch immer und die Rache waltet an Stelle der Gerechtigkeit. Aus Frankreich und Sibirien sind unsere Gefangenen bisher nicht zurückgegeben und kein Tag steht vor uns, unverrückbar und fest, an dem fie Heimkommen werden. Kein Tag, der mit hellem Lichte alle die schweren, müden, todwunden Jahre. des nichtgelebten Lebens durchleuchten könnte. Nur die Hoffnung bleibt. Und auch sie wird immer zager, weil über das Schickial unjerer Gefangenen die Ungewißheit liegt. Würde Frankreich bestimmte Zujagen nur gegen Erfüllung bestimmter Forderungen geben wollen, so würden wir alle versuchen, dies Verhalten Zu verstehen, wenn wir es auch nicht billigen fönnen, daß wehrIose, gefangene Menschen zu Handelsobjekten gemacht Frauen hört: die Weihnachtsstimmen Sind nun flüffernd aufgewacht! Schaut: die Hoffnungsferzen glimmen Wieder durch die kalte Nacht! Müffer hört: ein Glodenfingen Klingt und schwingt in falter Luft, Totenfiegel wollen springen Heute Euch von Grab und Gruft... Schwestern hört: aus Kinderliedern Lacht und lockt der alte Traum, Daß sich Feinde soll'n verbrüdern! Allen beut die Erde Raum! Frauen, Mütter, hört 3hr's hallen Ueber Dächer, Wald und Feld: Allen Menschen Wohlgefallen?! Helft uns und erlöst die Welt! werden. Deutschland würde versuchen, die Forderungen zu erfüllen. Aber Frankreich fordert ohne Gegenleistung seit November 1918. Ein ganzes Jahr lang hat es die heiligsten Empfindungen der deutschen Mütter und Frauen auf den Markt gezerrt; Herr Clemenceau hat nackte Seelen öffentlich Ludwig Ceffen. wurf gegen sie ist ungerecht. Die deutsche Volfsvertretung und die deutschen Frauen appellierten an das Menschlichkeitsgefühl, an die Ritterlichkeit der Franzofen. Vergebens. Und ein Mittel äußerer Gewalt, dem sich die Entente bengen müßte, haben wir nicht. Wehrlos stehen wir da. Begreift man das jenseits der Vogesen und des Kanals noch immer nicht? Dann wären all die Forderungen, die immer von neuem an uns gestellt werden, ein Produkt der Furcht! Der Gedanke ist so grotesk, wie der Grund des anderen, der sich uns aufdrängen will, daß System in dieser Quälerei liegt, schmach voll wäre. Das zerstörte Frankreich muß und soll mit Deutschlands Hilfe wieder aufgebaut werden, aber unsere Gefangenen dürfen fein Faustpfand sein. Es sind Menschen von Fleisch und Blut, mit verzehrender Sehnsucht nach Heimat und Familie im Herzen, und wo es noch menschliche Gefühle gibt in der Welt, da müssen sie sich regen, müssen anschwellen zu einer Gewalt der Menschlichkeit, der die französische Regierung sich endlich unterordnen muß. An das Gewissen der gesamten Menschheit rühren wir, rütteln wir: laßt uns nicht verzweifeln. Es ist an dieser Stelle wiederholt gesagt worden: nichts soll beschö nigt werden von dem Unrecht, welches den Kriegsgefangenen in Deutschland unter den alten Wachthabern geschehen ist. Aber jede Schuld steigt ins Ungemessene, die nach Beendi PATZAK 346 Die Gleichheit gung des Krieges, nach Aufhören des Blutrausches an Wehrlosen begangen wird. Als ein neues Unrecht müssen wir auch die Forderung Frankreichs auf Ablieferung von 400 000 Tonnen Schiffs. raum Bagger, Kräne usw., als Vergeltung für die von deutscher Besagung bei Scapa Flow versenkte deutsche Flotte betrachten. Eine Fachkommission ist nach Versailles gegangen, um die Entente von der Undurchführbarkeit des Verlangens zu überzeugen. Wir hoffen, daß die Verhandlungen zu einer Verständigung führen werden, aber im Interesse des Weltfriedens ist es bedauerlich, daß die Forderung überhaupt erhoben worden ist. Wollen die Regierungen der Entente nicht sehen, wie sie mit solchem Vorgehen immer von neuem die Reaktion bei uns im Lande stärken? Mit dem Friedensvertrag sind der freiheitlichen Entwidlung in Deutschland die schlimmsten Hindernisse bereitet und die Erfüllung jeder einzelnen Vertragsposition vergrößert fie. Es sei nur einmal an die Abgabe der Milchkühe, welche den Tod zehntausender unschuldiger Säuglinge zur Folge haben müßte und damit natürlich in Zehntausenden von Müttern den Boden für die reaktionäre Saat bereitet. Kommen aber zu alledem noch neue Forderungen, so wird in weiten Schichten des deutschen Volkes damit ein Haß gegen Frankreich genährt, der sie blind werden läßt gegen die verbrecherische Verantwortungslosigkeit der deutschen Kriegsmacher, für die Ursachen unseres ganzen Unglücks. Erfüllen kann Deutschland diese Forderungen nicht mehr. Der Wille schaltet aus, es fann einfach nicht, wenn es überhaupt am Leben bleiben will. Ja, es sind bittere, traurige Weihnachten, die wir begehen, denn unsere innerpolitischen Zustände sind nicht dazu angetan, uns die Schwierigkeit der äußeren Lage vergessen zu machen. Entbehrungen auch bei den bescheidensten Lebensansprüchen, Verzicht auf jeden Kulturgenuß, wie er heute in weitesten Kreisen der Bevölkerung geübt werden muß, schaffen nicht Zufriedenheit. Auch hier werden oft die Ursachen über den Wirkungen vergessen, leider aber ist es so, daß auch die Erkenntnis vom Grund des Elends dasselbe nicht erleichtert. Und leider bleibt für die ruhig Ueberlegenden und Urteilenden noch viel Berechtigung zur Unzufriedenheit. Ganz verkehrt wäre es, fich grollend der NurOpposition anzuschließen, denn der Leipziger Parteitag der U. S. P. D. und die voraufgegangene Frauenkonferenz follten jedem gezeigt haben, daß dort das Schiff ohne Ziel gesteuert wird. Es scheint fast, als ob es aiellos treibt und überhaupt kein Steuer hat. Nein, dahin fann fein denfender Mensch gehen, aber wir alle haben die Pflicht, bon dem Recht unserer Kritif Gebrauch zu machen, wenn. uns die Dinge nicht gefallen und nach Wegen zu suchen, die schneller zum Sozialismus führen. Dazu gehört nach dem Empfinden vieler guter Parteigenossen und-genofsinnen die Umgestaltung unseres Heereswesens und die Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit. Beides kann so, wie es jetzt noch ist, wie es besonders im Marlohprozeß zutage getreten ist, nicht mehr ertragen werden. Genosse Noske dedte bei allen Angriffen seine Untergebenen, die Offiziere. Das entspricht dem Grundsatz eines Ehrenmannes, aber es fann zum Verhängnis für das gesamte Bolf werden, wenn Leute wie Herr von Kessel und Oberst Reinhardt hinter diesen Ehrenschild flüchten. Leutnant Marloh hat 29 blühende Menschen erschießen laffen, er wurde freigesprochen, weil er befehlsmäßig gehandelt hatte. Und wo find die Befehlenden? Es hätte dem Rechtsempfinden des Volfes entsprochen, wenn Oberst Reinhard und v. Kessel den Gerichtssaal nicht als freie Männer verlassen hätten, denn die Tötung der 29 Leben fordert Sühne und die Schuldigen müssen gefunden werden. Das deutsche Volf amuß den Glauben an sich selbst behalten dürfen, wenn es wieder aus allem Elend herauskommen soll. Clara Bohm. Schuch. Das Wohlfahrtsamt Nr. 44 Bon W. Michel, Minden, Mitgl. d. preuß. Landesversammlung. Wehr denn je erfordert die öffentliche Wohlfahrtspflege die Aufmerksamkeit aller, insbesondere aber der sozialistisch denkenden Kreise der Bevölkerung. Die Vertreter der Sozialdemokratie haben ja schon vor dem Kriege ständig und überall auf eine Aenderung und Besserung auf diesem Gebiete gedrängt. Leider bedurfte es auch hier, wie auf vielen anderen Gebieten, wohl des grauenbollen Krieges, um auch andern Streisen die Augen darüber zu öffnen, daß auf dem großen Gebiete der Wohlfahrtspflege Wandel geschaffen werden muß. Wollen wir all die Folgeerscheinungen des Krieges überwinden, die wie ein großes Ungeheuer an unserm Wolfsförper nagen und thn vollständig ausgumergeln drohen, dann muß die noch überall bestehende Bersplitterung der Wohlfahrtspflege schnellstens besei tigt werden. Durch die vielen privaten, behördlichen und sonstigen Maßnahmen und Einrichtungen ist denjenigen, für den sie bestimmt sind, die Uebersicht darüber verlorengeangen. Sie irren umber und wissen nicht mehr, an welche Stelle sie sich in ihrer Bedrängnis und ihrer Not wenden sollen, Dabei wird die Fürsorge gerade denen bersagt bleiben, die fle am nötigsten bedürfen. Die sogenannten verschämten Armen werden auch fernerhin lieber in ihrer Not weiterleben, statt sich durch langes Fragen an die richtige Stelle durchzuarbeiten. Da gegen werden es die unverschämten Armen verstehen, gleichzeitig von verschiedenen Seiten und Einrichtungen Nutzen zu ziehen, was um so leichter ist, da ja die verschiedenen Wohlfahrtsvereine und Einrichtungen ohne jeden Zusammenhang auf ein und bemfelben Gebiete tätig sind. Sinzu fommt noch, daß bei diesem Neben und Voneinanderarbeiten eine ungeheure Verschwendung der für Wohlfahrtszwede zur Verfügung stehenden Kräfte und Mittel getrieben wird. Einen solchen Lurus können wir uns aber in dem durch den Krieg an Geldmitteln und Arbeitskräften berarmten Deutschland in Zukunft nicht mehr gestatten. Ganz cbgesehen davon, daß ein rechtzeitiges Einjeßen der Fürsorge unter solchen Umständen absolut nicht gewährleistet ist. Aber gerade burch rechtzeitige, vorbeugende Maßnahmen fann doch viel Not und Elend vermieden und viel Geld erspart werden. Schon vor den Kriege haben einige Gemeinden die Notwendig feit einer Bentralisation der sozialen Fürsorge erkannt, toovon die Jugendämter in einzelnen Städten, wie Lübeck und Bremen, Zeugnis ablegen. Unsere Genossen und Genossianen in den Gemeindevertretungen haben die Pflicht, dafür zu sorgen, daß der Gedanke der Zentralisation in allen Orten fefte Gestalt annimmt. Trägerin der gesamten Wohlfahrtspflege muß die Kommune werden. Da, wo die einzelne Gemeinde dazu nicht in der Lage tft, hat das Art ober der Kreis diese Aufgabe zu erfüllen. Die privaten Woh tätigkeitsvereine sollen und brauchen dabei wicht ausgeschaltet werden. Es soll auch durchaus anerkannt werden, daß sie vieles auf diesem Gebiete geleistet haben. Sie werden auch in Zukunft bei der Durchführung und Bewältigung der ungeheuren Arbeiten gute Dienste leiften lönnen. Im Jater effe der Sache müssen sie sich aber einer einheitlichen Leitung unterstellen und nach den von dieser aufgestellten Richtlinien ihre Tätigkeit ausüben. Sind sie dazu bereit, dann werden sie damit betreifen, daß fie thre Tätigkeit der Sache wegen ausgeübt, daß sie ihre Mittel nur aus wahrer Menschen- und Nächstenliebe zur Verfügung gestellt haben. Dann wird auch der Charakter der Wohltätgkeit von all den Einrichtungen verschwinden. Nicht Wohltätigkeit, sondern Wohlfahrtspflege muß die Parole sein. Die beste Organisation für eine erfprießliche, nuß- und fegen bringende Wohlfahrtspflege ist das Wohlfahrtsamt. Zunächst wird das Wohlfahrtsamt eine Zusammenfassung der Bestehenden örtlichen Einrichtungen der privaten und öffentlichen Wohlfahrtspflege darstellen müffen, der je nach der Größe der Gemeinde und den Bedürfnissen ein Ausbau zu folgen hat. Nur auf diese Weise ist eine restlose Ausnußung der Kräfte, eine größtmöglichste Steigerung der Ergiebigkeit der zu leistenden Arbeit in ber sozialen Fürsorge und eine Erhöhung der Leistungsfähigfeit und Wirtschaftlichkeit der bestehenden Einrichtungen der Wohlfahrtspflege zu ermöglichen. Durch den Zusammenschluß werden Erfahrungen auf breiterer Grundlage gesammelt und fönnen dann für den gesamten Wirkungsfreis nußbar gemacht werden. Zur Bewilligung der Arbeiten ist es awedmäßig, eine Gliede rung des Wohlfahrtsamts in Abteilungen vorzunehmen, bie, ob Nr. 44 Die Gleich beit wohl unter einheitlicher Leitung stehend, doch möglichste Eelbftändigkeit auf ihrem Gebiete haben müssen. Im Augenblick erfordert die Jugend, Gesundheits-, Wohnungs, Erwerbs, Rechts, Kriegs- und Armenfürsorge unsere besondere Aufmerksamkeit. Se nach den Verhältnissen fann für jeden dieser Zweige eine besondere Abteilung gegründet werden oder eine Zusammenlegung mehrerer Gebiete zu einer Abteilung erfolgen. So fann z. B. die Gesundheits- und Wohnungsfürsorge zu einer, und die Rechts- und Erwerbslosenfürsorge ebenfalls zu einer Abteilung zusammengelegt werden. Die Grundlage der Erwerbs fürsorge ist die Arbeitsvermittlung, die einzig und allein vom Arbeitsnachweis auszuüben ist. Von ihr sind die notwendigen Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung und zur Bereitstellung von Notstandsarbeiten zu er greifen. Für die Beschäftigung ber Nolstandsarbeiter sind Richt linten aufzustellen, die eine volfswirtschaftliche Verivendung der dafür ausgeworfenen Mittel und der Arbeitskräfte sichern. Zu den weiteren Wufgaben dieser Abteilung würde die Durchführung der Eriverbslosenunterstüßung, die Unterbringung Eriverbsbe. schräutter, Berufsberatung usw. gehören müssen.( Fortschung folgt) Revolution des Geistes Bon Carl Diesel ( Soulfetung) wieweit war Schiller von einer derartigen hohen Selbsteinschätzung entfernt! Ihm war vollauf bewußt, daß sein Weg noch nicht abgeschlossen war. Für wie viele bedeutete 1789 das Ende in geistiger, moralischer, ästhetischer Beziehung! Denn was trotz aller Greuel an Gutem und Gerechtem in dieser Zeit entstanden war, konnte man damals noch nicht würdigend übersehen, man stand erschüttert vor dem ungeheueren Bankerott der Ideale. Die Häßlichkeit und Niedrig. keit der Menschen schäumte aus der Tiefe hervor und besudelle die reinen Tempel... Es war eine schicksalsschwere Stunde für den Roman der menschlichen Seele, als den deutschen Klassikern die Aufgabe zufiel, das Evangelium der Schönheit zu hüten und mit heiligem Ernst neu zu lehren."( Alexander v. Gleichen- Rußwurm.) * Feuilleton * Du lieber Gott, und wenn man auch allen Sonnenschein wegStreicht, so gibt es doch noch den Mond und die hübichen Sterne und die Lampe am Winterabend es iſt foviel schönes Licht in der Welt! Die Schwedin Stizze von Anna Mosegaard Wilhelm Raabe, Banz am Ende des Dorses, in einer strohgedeckten Hütte, wohnte sie, dort, wo die Weißdornbecke am dichtesten ist. Und wenn man links abbiegt, so steht man vor der Kirche; hinter der Kirche liegt der Friedhof. Nur 116 Gräber gibts dort, aber jedes Grab hat seine Geschichte. Aus den entferntesten Generationen werden da oft Familienbegebenheiten hervorgeholt, denn das ganze Dörfchen bildet sozusagen eine Familie. Nur die eine gehört nicht dazu, die eine, deren Hütte dem Friedhof am nächsten steht die Schwedin. Was wußte man eigentlich von ihr und ihrer Bergangenheit? Vieles, und doch nichts. Aber das eine stand fest: mit dem Rufnamen hieß sie Starlina, und vor langen, langen Jahren war sie von Blätinge ausgewandert und hatte sich hier festgesetzt. Und ob man sie damals auch noch so schief angesehen hatte, sie war geblieben. Und haarsträubende Geschichten erzählte man sich von ihr: Schön sollte sie gewesen sein, und die Geliebte eines feinen Herrn dazu. Und ein Kind sollte sie gehabt haben, und das Kind sollte sie bei der Geburt ertolirgt haben, und dafür hätte sie ins Zuchthaus wandern müssen. Andere wieder wollten wiffen, daß sie nur in Untersuchung gesessen hätte, man habe sie wieder auf freien Fuß 347 Die französische Revolution ward für Schiller zur Platt. form neuen Aufstiegs, ihre Ergebnisse enthüllten seinem scharfen Verstande klar und rückhaltlos, was er von seinen Idealen als utopisch beiseite legen müsse. Der Drang nach Klarheit zwang ihn mit Naturnotwendigkeit zu philosophischen Studien, und Rant war es, der ihm weiterhalf.- Ich wies bereits zu Beginn dieser Aussatreihe darauf hin, daß die Sehnsucht Vieler nach höheren und reineren Zielen ihren Ursprung habe in der Unflarheit der herrschenden Verhältnisse besonders auf geistigem Gebiete. Es steht außer allem Zweifel, daß die verworrenen staatspolitischen Zustände ganz beträchtlich mitwirken; die Unklarheit, die hier besteht, sucht der sehnende Mensch zu überwinden, zu beseitigen, indem er sich Klarheit über sich selbst und sein Verhältnis zur Umwelt zu verschaffen trachtet. Nur der dumtpse, unent wickelte und enge Geist fühlt sich im Unffaren wohl, fiir immer oder nur zeitweise, das liegt bei jedem einzelnen. Int großen ganzen jedoch ist der Erfenntnistrieb weit stärker, als man gemeinhin anniminit, wenn er sich auch freilich allzuoft in falschen Richtungen bewegt. Dieser Drang nach Erlench. tung ist feineswegs das Privileg der Großen im Reiche des Geistes; auffälliger( und rührender) zeigt es sich oft genug im allgemeinen Leben. Aber 23 ist ganz natürlich, daß er bei großen Menschen bedeutendere, das Geistesleben einer Nation stark beeinflussende Wirkungen zeitigt, die, wenn sie nachhaltig und dauernd sein sollen, im eigenen Herzen sich entzünden müssen. Jedoch ist auch in Betracht zu ziehen, daß nach schwerwiegen. den politischen oder wirtschaftlichen Erschütterungen eine Stagnation des Lebens einsetzt, die natürlich in jeder Hinsicht eine Gefahr für den Staat, für die Nation 52deutet. In dieser Periode, in der das Geisiesleben eines Volfes brachliegt, greift die innere Zerstörung mit elementarer Gewalt um sich, und wenn Reaktion, Ueberradikalismus und Gegenrevolution Erfolge haben, dann in allererster Linie dadurch, daß sie auf keinen Widerstand der Gehirne stoßen. Dann ruht der letzte Halt auf den Heroen des Geistes; sie sind die wahren Schützer des nationalen Gedankens, so sehr sie auch abseits zu stehen scheinen. setzen müssen, da die Aerzte festgestellt hätten, das Kind sei tot zur Welt gekommen. Und weil man nichts Bestimmtes wußte, so glaubte man eben das Schlechteste. Aus Karlina, oder der Schwedin, wie man sie furgweg nannte, war nichts herauszukriegen. StarTina arbeitete für zwei, das war dem Gutsherrn angeneh Starlina beanspruchte einen geringen Lohn, das war ihm noch angenehmer; und Karlina murrte nie, fie war worffarg, fein Wort sprach sie, weder bei noch nach der Arbeit, das war den Gutsherrn noch viel lieber. Und so vergingen vierzig lange Jahre im ewigen Einerleis Arbeiten, essen, schlafen. Von den Dörflern war und blieb die Schwedin gemicden. Die Kinder liefen davon, wenn sie die Schwedin des Weges kommen sahen. Und wahrhaftig, Furcht konnte sie einem einflößen! Das einst so schöne Gesicht war tief durchfurcht." Runzeln" nennen es die Leute. Ru nen sind es, die Alter, Kummer und Sorge dort eingegraben haben. Stets lag ein boshafter, ingrimmiger Zug um den eingefallenen Mund. die klugen grauen Augen blickten so feindselig in die Welt. Karlina ging tief gebückt; aber nicht das Gebüctiein des Greifenalters war es. Wenn man sie ansah, bekant man eher den Eindruck, als sei es die Eisen. faust der Not, die den stahlharten Körper mit Macht knickte. Und was das Ungeheuerlichste war: Starlina ging nie zur Kirche, sie war eine„ berstodte Sünderin". Das ärgerte die Dörffer am meisten; aber sonst konnten sie ihr ja eigentlich auch nichts am Zeuge flicken. Da war niemand, dent die Schwedin was schuldete. Stets ging fie sauber gekleidet einher. Und arbeiten konnte sie noch immer troß ihrer 67 Jahre. und sparsam war siel Wie hatte sie sich sonst das Hittlein erwerben können? Drinnen gewesen war freilich noch nie 348 Die Gleich beit Ein Mann wie Friedrich Schiller, dessen Werk weit über feine Zeit hinaus bis in eine ferne Zukunft hinüberragt, war trotz seiner einsamen Stellung so innig mit seinem Zeitalter verwachsen wie Goethe; er erkannte es flar trotz der vielfachen Verschlungenheit und Verworrenheit und wies prophetisch auf neue wundervolle Möglichkeiten der politischen Geftaltung hin. Doch war auch ihm das nicht ohne weiteres möglich. Aber eben darin offenbart sich seine Größe, daß er nicht auf halbem Wege innehielt, daß er sich nicht mit dem Erreichten begnügtz. Bon der Verneinung des Bestehenden gelangte er zur Aufstellung eines Jdeals, das, positiv und fest gegründet im Boden praktischen Wirklichkeitsfinnes, erreichbar war für eine Menschheit, die bemüht war, sich über sich selbst hinaus zu erheben. Und es ist bezeichnend, daß den Weg zu diesem Ziele nicht der Dichter, nicht der Dramatiker anbahnte, sondern der Philosoph. Mit seinen auf eine wundervolle Grundlage gestellten ästhetischen Betrachtungen hat Schiller Richtlinien geschaffen, deren überragende Bedeutung bei weitem noch nicht erkannt und gewürdigt ist. Kann einem Menschen eine noch weitgehendere Forderung zugemutet werden als die, seine Zeit zu verstehen? Man denke nach: wer begreift die Gegenwart, wer ist imstande, ihre geschichtlichen Wirkungen zu übersehen? Ist nicht unser Weitblid" in recht enge Grenzen gebannt? Und wie stehts mit unserer Objektivität den Erscheinungen unseres Beitalters gegenüber? Auf alle diese Fragen müssen wir mit einem bedauerndablehnenden Achselzuden antworten. Und doch läßt sich viel leicht auch dieser Mangel an Erkenntnisfähigkeit wettmachen; das menschliche Gehirn ist andauernd in der Entwidlung begriffen, die Grenze seines Fassungsvermögens noch feineswegs erreicht. Von Jahrtausend zu Jahrtausend wird es bereichert; welchen unendlichen Besiz hat es aufgespeichert im Laufe der Jahrmillionen. Und die Zukunft? Nr. 44 ,, Eines der höchsten Ziele aller Wissenschaft ist die Vorausficht dessen, was feiner unserer Sinne in der Gegenwart wahrnimmt, der Blick in die Zukunft.... Die Kultur ist eine fortschreitende Bewegung, und diese Bewegung vollzieht sich nicht aufs Geratewohl, sondern nach festen Gefeßen und in bestimmter Richtung, Wenn es gelingt, die großen Linien der Entwicklung festzustellen, so können wir... erraten, auf welches 8iel sie hinsteuern und was wir für die Zukunft zu erwarten haben. Je größer die uns bekannte Entwicklungsstrede ist, um so sicherer werden wir die nächsten Phafen, die durchlaufen werden, voraussehen können.... Allerdings ist die Soziologie noch viel zu sehr im Werden, und ihr Gegenstand zu verwickelt, als daß sie der Aufgabe der Voraussage schon gewachsen wäre. Immerhin vermag sie auch jetzt schon in das Dunkel der Zukunft hinauszuleuchten, und sicherlich wird sie nicht dazu verurteilt sein, den kommenden Ereignissen für immer nachzuhinken." Gortfegung tolgi) 11 Staatssozialismus und Staatskapitalismus Rudolf Goldscheid, der berufene Freund und Führer des Volkes, der früher schon die alte sozialistische Forderung des cllseitigen Menschenschutes in ein wohlgeordnetes und nach allen Seiten hin fest begründetes System gebracht hat,( vgl. Höherentwicklung und Menschenökonomie", Leipzig 1911) hat in seinem 1917 erschienenen vorausschauenden„ Staatsfozialismus oder Staatskapitalismus"( Anzengruber- Verlag, Wien- Leipzig 1917; Goldscheid: Ein finanzpolitischer Beitrag zur Lösung des Staatsschuldenproblems. XII u. 1859) einen gangbaren Weg zur Ueberwindung der Schwierigkeiten gewiesen, die sich bei Umwandlung des privaten Eigentums an den Produktionsmitteln in gesellschaftliches naturgemäß Herausstellen. Die sich in dieser Richtung zunächst ergebende Aufgabe ist Man höre, was Müller- Lyer, der zu zeitig verstorbene So- die Ueberführung des heutigen Schuldner- in den Gläubigerziologe, in feinen Phasen der Kultur" sagt: 17 mand, höchstens ein vorüberziehender Bettler, und der fam stets mit freudestrahlendem Gesicht heraus. Freilich die Hielt es eben mit den„ Bagabunden". Als Karlina vierzig Jahre auf dem Gutshof in Arbeit stand und der Gutsherr ihr in Anerkennung der treuen Dienste eine silberne Brosche überreichen wollte, da hatte sie laut gelacht und so gräßlich geflucht, daß alle davonliefen. Von dem Tage an war man sich einig: Die Schwedin steht mit dem Teufel im Bunde." Aber man behielt sie trotzdem auf dem Gutshofe, bis sie eines Tages Zengin einer Liebes Szene wurde. Der Herr Verwalter und ein dralles Melfmädchen standen engumschlungen im Ruhstall und füßten sich. Karlina wollte sich erst davonschleichen, aber als sie jah, daß es Annemarie war, Annemarie, die von der Gemeinde großgezogen war und somit als herreuloses Gut galt, da fuhr sie dazwischen: ,, Annemarie! Bist' denn toll geworden? Annemarie, kei Heimat haste!" schrie sie grell auf. Da pacte sie der Verwalter und wies fie vom Gutshof. Farlina war gegangen. Sie hatte nicht gefleht, aber noch gebückter wurde ihre Haltung, noch drohender ihr Blick. Nun, es war gerade zur Erntezeit, da gebrauchte man Menschen hände. Starlina ging zu einem Bauern in Tagelohn. Und als es Winter wurde, da verschanzte sie sich in ihre Hütte, wie ein Maulwurf, der in der Erde überwintert. Sie hatte ja Kartoffeln, Mehl und Ziegenmilch, was brauchte sie mehr, um fich durchzuschlagen. Satte sie ihr bißchen Hausarbeit gemacht, dann saß sie am Fenster und sah hinüber zum Friedhof. Die Leute erzählten sich wunderliche Sachen. Im Herbst hätte sich die Schwedin eine Grabstelle gekauft, der Sarg, die staat. Nicht fiskalischer Staatssozialismus darf die AntTotenfrau, alles sei schon bezahlt. In einem Kästlein bewahre sie die quittierten Rechnungen. Sie wollte bei ihrem Ableben keinem Schererei" machen, nicht mal der Pastor sollte sich um sie bemühen. Und jeden Sonntag, wenn die frontmen Dörfler zur Kirche gingen, guckten sie der Schwedin zum Fenster hinein, ob sie noch da sei. Starlina aber jaß am Fenster, hatte die mageren Hände übers Knie geschlungen und starrte auf die beschneiten Gräber. Gar nicht begreifen konnten es die Leute, daß die Schwedin nicht sterben fonnte. Aber frant war jie ja auch gar nicht, und viele Leute werden noch älter als 70 Jahre. Am Weihnachtsabend nun, als die Leute geputzt aus der Stirche tamen, alle fröhlich im Gedanken an den leckeren Schweinebraten, jas Karlina wie gewöhnlich am Fenster. Als letzte kam Mutter Jakobsen, des Dorfes weise Frau, bedächtig dahergewadelt. Einen ganz neuen Mantel hatte die an. Karlina öffnete das Fenster und steckte die Nase hinaus. ,, Karlina, schämen solltest Du Dich!" wetterte da Mutter Jakobsen los. Gar fein recht's Christenmensch biste, nicht ' mal am heiligen Abend gehste zur Kirche! Denkste denn gar nicht daran, daß Du' mal sterben mußt? Wie willſte unserm Herrgott' mal Rede stehen?" Karlina aber fireute in größter Gemütsruhe Brotfrumen hinaus, damit es die hungrigen Vögel morgen finden sollten. Die weise Frau walzte wiitend borilber. Und Karlina dachte darüber nach, wie wunderlich Mutter. Jakobsen doch sei. Würde sie nach dem Herrenhause gerufen, um der Gutsherrin beizustehen in ihren Schmerzen und auf der Tischkante lagen 10 blanke Taler und gar noch ein Klumpen Butter und ein Stieg Eier, da leuchtete ihr fettes Gesicht. Mußte aber eine arme Tagföhnerfrau ihre Hilfe in Nr. 44 Die Gleich beit wort auf die veränderte Finanzsituation des Staates sein, sondern durch und durch sozial orientierter Staatsfapita lismus, der den Staat befähigt, vom bedrücktesten Träger negativen Kapitals zum mächtigsten Bildner pofitiven Kapitals aufzusteigen.... Der Staat muß, statt als der größte Schuldner seines Landes dazustehen, zum mächtigsten Rapitalisten werden, um hierdurch die Fähigkeit zu erlangen, die Leitung der im Interesse der Produktivitätssteigerung der Wirtschaft erforderlichen Kapitalaffumulation, Betriebsfonzentration und Erweiterung des Produktionsmechanismus selbst in die Hand nehmen zu fönnen.... Es ist feineswegs gesagt, daß die im Interesse wirtschaftlichen Fortschritts gebotene Kapitalskonzentration ausschließlich oder selbst nur vorwiegend Konzentration in den Händen Brivater sein muß. Konzentration des Kapitals in der Hand des Staates vermag die gleichen, ja weit höhere Dienste für die Intensifikation der Volkswirtschaft und gwar namentlich angesichts der hierdurch ermöglichten Hebung des Massenfonsumis zu leisten." Dieses erstrebenswerte Ziel fann weder durch Steuern und feien sie noch so hoch noch durch Konfistation, sondern nur dadurch erreicht werden, daß sich der Staat zum Mitbefizer der werbenden Anlagen macht. Wollte der Staat konfiszieren oder erpropriieren, so würde er zwar zum mächtigsten oder alleinigen Rapitalbefizer, es wäre damit aber zugleich das Moment des persönlichen Unternehmergeistes aus dem Wirtschaftsprozeß ausgeschaltet. Diese Klippe zwischen fapitalistischem Privat- und Staatsmonopol will Goldscheid dadurch vermeiden, daß der Staat zwar nicht zum ausschließlichen, wohl aber zum einfluß reichsten Mit besiger after werbenden Anlagen wird. Denfen wir uns, der Staat defretiert zur Deckung feiner Kriegstoften, jeder habe ein Drittel feines Besizes in natura an ihn abzuführen; dann würde z. B. ein Drittel der Aktien eines Unternehmens, das einen Gesamtertrag von 60 000 Mr. abwirft, an ihn übergehen. Die Rentabilität des Unternehmens wäre also die gleiche geblieben, nur die Verteilung der Aktien wäre insofern eine andere geworden, als Anspruch nehmen, dann empfing fie den kleinen Erdenbürger mit wisten Nebensarten. Und wenn erst gar eine Ledige" nach ihr schickte! All die gräßlichen Geburtsschmerzen, sie waren gar nichts gegen die Qualen, die Mutter Jakobsen der Mermsten bereitete, um sich daran zu weiden und die Sünderin" zu bessern. Ließ sich aber ein feines Stadtmädchen, das einen Fehltritt begangen hatte, bei ihr anmelden und drückte ihr gar beim Kommen einen Hunderter in die Hand, - da dienerte Mutter Jakobsen, da floß ihr der Mund nur so über von große Ehre" und strengste Diskretion". Ja, so sind die Menschen," dachte Karlina und schloß das Fenster. In der Kirche erloschen die Lichter, das Geläut verstummte, der Friedhof lag in mattem Halbdunkel. Das Mondlicht und der weiße Schnee, sie wetteiferten mit ihrem Lichte. Starlina saß noch immer am Fenster. Die Uhr schlug zehn, bailand fie auf. Sie wollte sich schlafen legen. Eagellte ein Schrei durch die abendliche Stille. Stalina fuhr zusammen. Was war das?" Sie redte den dinnen Sals und fah hinüber zum Friedhof. Ihr Herz krampfte sich zusammen. Was ging dort vor sich? Ihre scharfen Augen erkannten die Gestalt einer Frau, die bals ein Kreuz uniflammerte, niedersant, sich wieder erhob, ein Stück des Weges wanderte und wieder zurückging. Slina befann sich nicht lange. Mit einem Satz war sie draußen und eilte hinüber, um sich der Verlassenen anzunehmen. Die lag auf einem flachen Hügel und krümmte fich in ihrem Schmerz. Annemariel" schrie Starlina, als sie die Unglückliche erfannte. ,, Karlina, Du bift's? Oh, oh!" Weiter fam sie nicht. Annemarie, was haste doch auch?" 349 der Staatsbesit auf Roften des Privatbejibes an Umfang zugenommen hätte." Der Vorschlag Goldscheids ist recht eigentlich das Ei des Kolumbus. Mit einem Schlag ist der Staat als wesentlicher Mitbesitzer( die Quote müßte nach heutiger Sachlage nach Vorwegnahme der Kriegsgewinn- und Vermögenssteuer auf die Hälfte des dann noch inbestierten Kapitals erhöht werden) des gesamten werbunden Kapitals in der Lage, seine Schulden mit Leichtigkeit zu verzinsen und zu amortisieren. 17 Als willkommene Nebenwirkung des neuen Systems ergäbe sich eine Neuordnung sowohl der Zoll- wie der Steuerpolitik. Die Gestaltung der Zölle und Steuern hört auf, von der Finanzmisere des Staates, wie von den Profitwünschen des syndizierten Privatfapitals bestimmt zu werden. werden. E3 braucht nicht mehr Industrien, die an der Volksgesundheit zehren, wie etwa die Alkoholindustrie, zu fördern, nur weil er auf seinen Gewinnanteil aus diesen nicht zu verzichten vermag. Die Höhe des Zollschutes für alle Gebiete der Produktion hängt nun allein von den immanenten Erforderniffen der Wirtschaft ab. Es müssen keine Privatinteressen mehr geschützt werden, die mit den Gesomtintereffen in Widerspruch stehen. Das gleiche gilt für alle Steuern und Abgaben. Steuern sind ja jezt für den Staat nicht mehr die Basis seiner wirt. schaftlichen Existenz. Er wird darum nur dort Steuern erheben, wo es entweder darauf ankommt, arbeitslose Einkommen zu treffen oder wo er eine Ausgleichung der Einkommen@ verschiedenheiten herbeiführen will. Nun erst wird soziale Gerechtigkeit zum obersten Steuerprinzip aufrüden können. Hingegen werden bemahe von selbst alle Zölle und Steuern verschwinden, die eine entwicklungshemmende Belastung des Maßenterbrauchs dorstellen oder die Initiative der schöpferischen Individualität lähmen.... " Erst durch diesen Mittefig wird der Staat auch die Mög lichfeit gewinnen, Aufgaben wie Erweiterung des Bahnnetes, Regelung der Flüsse, Wccfioration des Bodens, Ausbau von Straßen, Förderung von Handelsniederlassungen Oh, oh!" stöhnte Annemarie. Ich hab' immer gedacht,' 3 fieht's kein Mensch, es wird gehen bis Weihnachten, dann sind die Menschen nicht so böse gestimmt, dann macht es nichts, wenn ich im Bett liege. Aber sie haben es doch gemerkt - und da ist die Tür! Karlina! Oh, oh!" ,, Und der Verwalter?" feuchte Starlina, und stützte Annemarie. Oh still, Starlina. Es darf ja keiner wissen, daß es von ihm ist." Und was willste denn hier?" ,, Ach, Karlina, ich hab' ja niemanden, und da dachte ich: das Beste ist schon, du gehst gleich dahin, wohin Du gehörst." Und schon wieder packte sie der Schmerz, rüttelte und schüttelte er den jungen Körper. Da schleifte die Greisin das gebärende Weib durch den Schnee, hinüber in ihre Hütte. Bald steckte Annemarie bis an die Nasenspitze im warmen Bett, und Karlina rannte, so schnell sie ihre zittrigen Beine tragen wollten, ins Dorf, zu der weisen Frau. Karlina stolperte, fiel, raffte sich wieder empor, oft watete sie bis an die Knie im hohen Schnee. Die grauen Saarsträhnen flebten nur so an den eingefallenen Schläfen, als sie ihr Ziel erreicht hatte. Mutter Jakobsen hatte ihre Freunde und Bekannten um die Bunschterrine versammelt. Sie hatte gerade das Bunschglas erhoben und wiederholte vor den Bersammelten Bruchsticke aus des Herrn Bastors wunderschönen Weihnachtsrede", als Karlina eintrat. Das war ein Gelächter, als Mutter Jakobsen die Schwedin anfuhr, ob denn die Kaze in die Wochen käme? Erst als Karlina ihr das Geld für ihre Bemühungen im voraus bezahlte, ging sie mit. Gegen Morgen war alles vorüber. Karlina aber konnte • feinen Schlaf finden. Ganz still saß sie am Fenster und lauschte den ruhigen Atemzügen der jungen Mutter. Das 350 Die Gletch bett Im Ausland, Riefeninvestitionen für Hebung und Mehrung der Volkskraft us." erfolgreich in Angriff zu nehmen. Dem widerstrebenden Kapitalbesitzer gegenüber will Goldscheid dem Staat als selbstverständliche Ergänzung der vorgeschlagenen Neuordnung das Recht auf Zwangsenteignung zuerkannt wissen. Um aber der Diftatur des Gesamtwillens" zu begegnen und dem Produktionssystem den schöpferischen Einzelwillen uneingeschränkt zu erhalten, soll das soziale Optimum im Verhältnis von Staat und privatem Unternehmertum in der Weise herbeigeführt werden, daß beide ihre Rech nung fänden. Dabei fönnte die gesamte Verwaltung nach twie vor privatwirtschaftlich organisiert und nur durch ein entsprechendes Aufsichtsrecht des Staates ergänzt sein. Heute ist es, legten Endes die reine Rentnerexistenz des Gegenwartsstaates, die diesen zivingt, alle seine Maßnahmen von Der Rücksicht auf die Interessen, des syndizierten privaten Großfapitals jeglicher Art bestimmen zu lassen, in diesem, weil sich in seinen Händen das ganze verbinde, mehrwertschaffende Naturalfapital des Landes befindet, den beinahe alleinigen Inspirator der Gestal tung seines Haushaltes zu erblicken." In einem Punkt hat Goldscheid begreiflicherweise geirrt. Er spricht von einem unverlierbaren Befit eines von VerSchuldung nicht faßbaren nationalen Junnobiliarkapitals, das es möglich mache, daß unsere Schulden größer werden als unser Nationalvermögen. Heute sind wir soweit, daß der nicht nur von Goldscheid für unmöglich gehaltene Zall der Verpfändung der Heimischen Mecker, der heimischen Naturschäße, des heimischen Produktionsmechanismus an das Ausland in unheildrohende Nähe gerückt ist. Es wird des Mufgebotes unserer letzten Straft bedürfen, um diesem Schicksal zu entgehen. Diese Sachlage macht es ams zur dringenden Pflicht, nichts muveriucht zu lassen, was zur Abwendung oder Ueberwindung des Unheils geschehen Könnte. In diesem Zusammenhange erlangt das GoldScheibfche Buch eine frühere und größere Attualität, als man bei seinem Erscheinen vor Jahresfrist hätte vermuten kön nen. Es ist zu kennzeichnen als ein wertvoffer Beitrag zur runglige Antlig verjüngte sich, ein glückseliges Lächeln berSchönte die häßlichen Züge. Du bist fein recht's Christenmensch," hatte Mutter Jakobsen zu ihr gesagt. Karlina lachte still vor sich hin. Na, wenn sie auch kein recht's Christenmensch" war, zwei blühende Menschenleben hatte sie doch den Krallen des Knochenmannes entrissen, hatte der Annemarie und dem Kinde eine Heimat gegeben, nun mochte der Tod Tommen und sie holen, sie war bereit, fie fürchtete ihn nicht. Die zitternden Hände öffneten ein kleines Stästchen, das sie der Kommode entnahm, mit großen, unschönen Buchstaben schrieb sie auf ein weißes Stück Papier:„ Die Hütte und alles, was darin ist, gehört der Annemarie und ihrem Kinde." Danit legte sie das Schriftstück in das Kästchen, schloß dieses forg fältig ab und verbarg den Schlüssel in der Tasche ihres u tersten Rockes. Darauf lachte sie noch einmal so recht von Herzen, so, wie sie seit Jahren nicht mehr gelacht hatte. Dann ging sie zur Ruhe, kroch ins Bett zu Annemarie. Und sie schlummerten beide süß und friedlich, die junge Mutter dem Leben, die Greisin dem Tode entgegen, An die heilige Jungfrau Maria, wohl habe ich Jahr für Jabr Die Weihnachtsgefchichte geleien; Doch heute empfand ich finnig klar Dein menschlich göttliches Wefen. Der Jofeph und du, ihr hattet euch lieb; Und Jofeph in heißem Verlangen Begehrte den Leib; nicht aber als Dieb Wollt' er das höchfte empfangen. Nr. 44 Lösung des Problems der Probleme, wie man unser Land vor Schuldknechtschaft bewahren und die Ueberführung der nur privaten Produktion in die auch vergesellschaftete in einer Weise bewirken fönnte, die die ichöpferische Initiative des Privatinteresses in weitestem Umfang für das gemeine Ganze nußbar macht. Henr. Fürth. Verfassungsbelehrung für Frauen Immer näher rüdt die große Entscheidung herbei, da die Frauen mit ihrer Stimme entscheiden werden über das Schicksal unferer neu gewonnenen deutschen Freiheit die erste ordentliche Reichstagswahl unter der Republik. Um Ostern herum iicb sie voraussichtlich fallen. Welche Arbeit ist bis dahin zu leisten! Politische Arbeit der Frauen mit den Männern, politische Belehrung der Männer für die Frauen, aber auch Bildungsarbeit der Frauen an fich felber! Und für diese eigene Bildungsarbeit der Frauen ist ihnen jept eine Hilfe erschienen, die wir ihnen warm empfehlen möchten. Genosse Dr. Quard, der bewährte Milfämpfer für Frauenrechte, hat im Vorwärts- Verlag em fleines handliches Schriftchen erscheinen lassen, das den Titel trägt:„ Die neue Reichsverfassung, ihre Entstehung und ihr Aufbau"( Berlin 1919, 36 Seiten, Preis 1 Met.). Da führt ef gerade diejenigen, die ohne juristische Vorbildung die Verfassung kennen Ternen möchten, also auch die Frauen, in einfacher und volfstümlicher Sprache und Karen Gedankengang von der Entstehung der Revolution bis zum Zwed und Ziel der Verfassung. Möchten unsere Frauen diesen Führer nügen und sich von ihm in die Stenntnisse bineinbegleiten laffen, die sie als Rüstzeug zur Belehrung ihrer Mitsdyrestern und ihrer heranwachsenden Kinder gebrauchen! Mit den Wurzeln, die die Verfassung im Weltkrieg hatte, be ginnt Quard seine Darstellung und eine Probe aus dem Leben macht gerade den Frauen diesen Zusammenhang gut flar: .Die beispiellose Hingabe der deutschen Arbeiter an die Bandesverteidigung während des größten Teil des Bellfriege Hatte etwas von der Stimmung der Freiheitsfriege von 1812. Biele unserer Leute zogen todesmutig in fürchterliche Stampfes schrecken, weil sie hefften, wenn nicht durch ihre FriebensLeistungen, so jetzt durch ihre Striegsopfer die Wolfsrechte zu erstreiten, die ihnen solange durch Feudalismus und Sapitalismus vorenthalten waren und noch vorenthalten wur Die Scheu des Mädchens hat er geehrt Und den wilden Sinn bezwungen. Da hat, Maria, dich ein Engel belehrt; Sein Wort hat also geklungen: Maria, fieh nicht als Sünde an Das heiligfte Glück im Leben. Es foll dem inniggeliebten Mann Das Weib fich ganz ergeben. Maria, bange nicht, glaube nur!" Als nun der Engel verfchwunden, baft du den mächtigen Trieb der Natur Als göttlichen Willen empfunden. Da wurde dir leicht und froh zu Sinn, Da mußte das Bangen fchweigen, Du gabit dich willig dem Jofeph bin Und wurdeit ganz sein eigen. Und weil du in Demut des Weibes Los Als ein heiliges bingenommen, So durfte wohl aus deinem Schoß Das Gotteskindlein kommen. Maria, ich habe wie du gebebt Vor der nächtlichen Liebesftunde; Da ift ein Engel herabgefchwebt, Der brachte mir bimmlische Kunde. Gebeiligt ward mir der Liebe Brauch Und mein feligites Glück auf Erden. O, möchte mein Kind wie deines auch Ein Gotteskindlein werden! 9, 44 Die Gleich beit den. In einer Frantfarter Frauenversammlung, der ich beiwohnte und die sich im ersten Kriegsjahre gegen die bamalige Rechtlosigkeit der Frauen aussprach, erhob sich uniqufgefordert ein junger geldgrauer und rief in den Saal:„ Wir bluten ja mit ffir Euch, damit Ihr's besser bekommen sollt!" Und mein blühender Junge, der in den wahnwinigen Kämpfen vor Verdun fallen mußte, schrieb mir ständig von seinen Kameraden und sich als Freiheitskämpfern", die für mehr Licht, Luft und Wärme daheim stritten und litten. Nicht für erhöhten Militarismus, sondern für erhöhtes Volfstum starben die Hun derttausende. Schlimm, daß dies neben vielen Deutschen auch unsere Gegner noch heute verkennen, wenn sie von der Kriegsschuld des deutschen Voltes" reden wie die Blinden von der Farbe. Noch schlimmer freilich, daß auf unserer Seite die Ludendorffe und Genossen niemals eine blasse Ahnung von jenem Freiheitsopfer hatten, das in der Seele unserer vier Jahre lang kämpfenden Brüder und Söhne brannte! Auch daher ihr fürchterlicher Mißerfolg, auch daher der Horn, mit dem unser Heer schließlich die Waffen gegen seine Führer kehrte. Die deutsche Novemberrevolution entflammte dem entsetzlichen Widerspruche, daß diejenigen, die das Bolt zu ben furchtbarsten und verzweifeltsten Opfern im Felde anspornten, in der Heimat nicht das geringste grundsätzliche 30geständnis in den Bolfswillen machen wollten, ber sich doch jest doppelt mündig fühlte." Aus dieser im Krieg gewonnenen und teuer erfauften Mündig feit entsproß dann die Verfassung für den neuen Volksstaat. Wir trollten ein neues Gesetz für die Ordnung unferes öffentlichen Zusammenlebens, ein freiheitliches und boltstümliches, statt des jenigen des Militär- und Fürstenstaates. Und in dieser neuen Wolfsverfassung find die Frauen einer der Hauptpfeiler der Vollsfreiheit, wenn sie sich flar und reif machen. Welches Interesse aber die Männer an dieser Klarheit und Reife der Frauen haben, bas sagt Genoffe Quard in folgenden Säßen: „ Wenn die Männer Wahlfiege erfechten wollen, haben fie jezt die Nötigung vor sich, die Fraten politisch einzuweihen und reif zu machen, weil sonst ihre Männerarbeit aufgehoben wird durch die Stimmen der Frauen. Sie haben also alle Ursache, darüber zu wachsen, daß die beiden ersten Säße der Grundrechte ernsthaft und restlos durchgeführt werden: Alle Deutschen sind vor dem Gefeße gleich. Männer und Frauen haben grundsäh lich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten"( Art. 109). Eie bürgerlichen Parteien haben mit dem Zufaß grund fäßlich" einschränken wollen; es soll nach den Verhandlungen in Weimar heißen: in der Hauptsache, aber nicht in allen Bunften. Die Arbeiter müssen gegen diese Einschränkung sein und haben ihre Abschaffung zu erfämpfen. Natürlich ist die Frau anders geartet als der Mann, nachdem die Natur zweierlei Geschlechter zur Fortpflanzung entwidelt hat. Aber dieses Andersgeartetsein ist kein Grund zu einer minderen Rechtsstellung für die Frau. Dieser Spieß tönnte ja mit demselben Recht einmal umgekehrt werden! Auch die Männer find nicht gleichartig. Das Große und Erfolg versprechende an der Demokratie ist und bleibt gerade, baß so biele verschieben geartete Volfskräfte, fich gegenseitig ergänzend und helfend, unter gleichem Rechte zusammen leben und arbeiten. Der Arbeiter weiß außerdem, daß Millionen von Frauen in Kopf und Hand wie er ihre einzige Lebensmöglichkeit haben und tatsächlich hart arbeiten müssen. Arbeitstellung und Ma schinentechinit befördern diese Entwidlung, mittelbar, indem fie immer mehr häusliche Arbeiten überflüssig machen, unmittelbar, indem fie den Frauen neue industrielle und kommerzielle Arbeitsmöglichkeit schaffen. Gerade der Arbeiter muß also alle fleinbürgerlichen Anschauungen abstreifen und für die vollständige Gleichberechtigung der Frauen auf allen Rechtsgebieten fein." Knapper und schlagender tann, man kaum das gemeinsame Interesse von Männern und Frauen an dem Fortschreiten des Sozialismus barlegen! Ebenso gilt natürlich für granen wie für Männer, was bas Schriftchen am Schluß sagt. Genosse Quard erklärt ganz richtig, weshalb bisher das Interesse der Genossen im Land für die Verfassung mäßig war. Aber das muß jetzt aufhören. Möge auch in allen Frauenherzen lebhaftes Echo finden, was er warmherzig. barlegt, dann können wir dem Stampfe getroſter entgegensehen: „ Die Verfassungsarbeit in Weimar fiel in so bewegte Beiten, daß das Mitschaffen, ja sogar das Interesse der Arbeitermassen 351 im Lande an dem neuen Bau der deutschen Republit fast fehlten. Die vom Volf unter dem freiesten Wahlrecht der Welt gewählten Vertreter haben nach demi bom Volt bestimmten Stärfeverhält nis der Parteien ihre Arbeit unter voller Kontrolle der Oeffent lichkeit so gut und so schlecht gemacht, als sie konnten. Jetzt ist der Bau geworden, wie er unter diesen Verhältnissen werden mußte. Nun gilt es, nicht länger nur als Zuschauer und Kritiker dabei zu stehen, sondern rüftig aufchaffen im neuen Boltsstaat, der troballen Widerständen gegründet ist. Ob er feststeht und wohnlich ausgebaut wird, das liegt nunmehr wiederum am Volte. Deshalb rührt euch politisch, deutsche Arbeiter! Ma cht euch die weitgehende Demokratie der Bere faffung geistig zu eigen. Dann handhabt sie und laßt euch ihre geschickte Benußung weder verefeln durch schtvärmende oder verantwortungslose Weberradikale, noch durch hämische Reaktionäre. Schafft und organisiert mit der neuen Verfassung unermüdlich für die erhabenen Gemeininteressen, die euer fieghaftes Programm waren und bleiben müssen!" So sollen es auch die Frauen halben und mit Hilfe des Büch Teins lernen und handeln. Danu dürfen wir hoffen, unsern Bollé ftaat zu behaupten! Bücherschau Wir möchten noch auf ein sehr gutes Buch hintveifen, welches sich ganz besonders als Weihnachtsgeschenk für die. heranwachsende Jugend, auch für Mütter eignet. Die heilige Insel", eine Sommergeschichte nennt Lely Kempin diese feine, sinnige Erzählung, deren naturwissenschaftlicher Reiz durch 20 Abbildungen nach Lichtbildern der Verfasserin noch erhöht wird. Mit der kleinen Inge, diesem reinen Naturkinde, durchstreifen wir die einsame Insel, erleben mit ihm die schönen Sommermonate und sind glücklich und fröhlich wie es selbst. Den Müttern werden die Tagebuchblätter der toten Mutter Inges unendlich viel geben. Preis, durch die Buchhandlung Vorwärts bezogen, 10,10 Mr. Aus unserer Bewegung Am 26. November 1919 hielt Herr Dr. Heinichen in der dritten Lindener Abteilung des Wahlvereins einen Vortrag über den Kampf gegen die Tuberkulose. In ergreifender Weise schilderte der Referent, wie sehr während ber lezten Jahre die Sterblichkeit an dieser Krankheit zugenommen habe. Leider muß der größte Teil der arbeitenden Klaffe in Wohnungen leben, die jeder Hygiene Hohn sprechen; dadurch ist das schnelle Umfichgreifen der Tuberkulose zu erklären. An Hand statistischer Erhebungen zeigte der Referent, daß es unbedingt notwendig fei, ein Tuberkulosegefeß zu schaffen, damit diese entfetzliche Volkskrankheit auf das Mindestmaß herabgedrückt werden fann. Serr Dr. Heinichen wies dann auf die Vorbilder anderer Großstädte hin, wie Straßburg 1. Elf. und Frankfurt a. M., wo durch Niederreißen ganzer verseuchter Straßenfluchten der furchtbaren Krankheit Einhalt getan wurde. Die franken Menschen zogen in bie neuerbauten Gartenborstädte, in luftige, mens schenwürdige Heime. Sollte es nicht möglich sein, hier in Han nover- Linden, ebenso borzugehen? Sehr warm trat der Redner für die Sozialisierung der Aerzte ein, durch die Krankenkassen seien wir schon auf dem besten Wege dazu. Durch die Verstaatlichung der Aerzte und durch die Bereitstellung der nötigen Mittel, die vom Reiche ausgefeßt werden müssen, wird es möglich sein, alle auf diesem Gebiete gemachten Erfindungen und Erfahrungen in die Praris umzusetzen. Besonders wichtig seien bor allem die staatlichen Schulärzte, damit bei der Feststellung der Strofulofe oder Tuberkulose erfolgreich gearbeitet werden fann. Denn bei dem geringen Entgelt, welches die bisherigen Schulärzte für ihre Tätigkeit bekommen, wird niemals ganze Arbeit geleistet werden können. Zum Schluß forderte der Referent die Versammelten auf, durch Aufklärung und etwaige Meldung bekannter Tuberkuloseerfranfungen am Rampf gegen dieses Bolfsübel mitzuwirken. Therese Lohmann. Berantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bobm- Schuch. Druck: Vorwärts Buchdruckeret. Berlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. S. fämtlich in Berlin SW 68, Lindenstraße 3 352 Die Gleich beit Nr. 44 Timner- Essig überall erhältlich! FRANZ ABRAHAM Messina- u, Römertrank- Kellerel Spez: Päseldorfer Klosterperla Ueberall zu haben! BERLIN C. 25, BARTELSTRASSE Nr. 8 a B 差 Wie ein Wunder beseitirt S.-R. Dr. Strahl's Haussalbe jeden Hautaus schlag, Flechten, HautJucken, besond. Bein schaden, Krampfadern der Frauen und dergi.. in Originaldosen 6,25, 9,75 erhältl. in der ElefantenApotheke, Bin.204> W.19. Leipziger Str. 71. Dönhol Photographen m Für Schwerhörige| LABUH D. R. G. M. ,, Margophon wirkt verb ütf. Beseit. Ohrgeräusche, nervöse Ohrenschmerz. Unnat. Grösse sichtb. beq. zu tragen. 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Guttmann, Chefarzt der Eisenkuranstalt über das Thema: ,, Sind Lungenleiden heilbar?" Um allen Kranken Gelegenheit zu geben, sich Aufklärung über die Art ihres Leidens zu verschaffen, haben wir uns entschlossen. iedem cieses Buch umsonst zu übersenden. Man schreibe an Pahlmann& Co.. Berlin 128, Müggelstraße 25 a.