Nr. 6 30. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Die Frau und ihr Haus Die Gleichheit erscheint wöchentlich Prets; Monatlich 1,20 Mart, Einzelnummer 30 Pfennig Durch die Post bezogen vierteljährlich ohne Bestellgeld 3,60 Mart; unter Kreuzband 4,25 Mark Berlin 7. Februar 1920 Der Säuglingspflegeunterricht. in der Schule Von Elisabeth Röhl, M. d. N. Wir rollen eine vielumstrittene Frage auf. Umstritten in jüngster Vergangenheit und in der Gegenwart. Sie wird auch noch in nächster Zukunft lebhaft diskutiert werden und erst ihre Lösung finden im Aufbau der Einheitsschule, im modernen Ausbau unferes gesamten Erziehungswesens. Für die Betrachtung heute und im Nahmen dieses Artifels wollen wir eine der vielen Fragen so stellen: Ist der Säuglingspflegeunterricht schon gegenwärtig an den Mädchenschulen zu fordern?( Ich denke dabei selbstverständlich auch an die„ höheren" Schulen.) Es gibt Lehrer und Lehrerinnen, die diese Frage glatt berneinen. Es geschieht wohl deshalb, weil die übrigen Lehrfächer gekürzt werden müßten. Das sind natürlich wichtige Einwände; denn es kann nicht von uns gewünscht und herbeigeführt werden, daß die Mädchen deshalb, weil sie Mädchen sind, imd die zukünftigen Mütter, im Lehrstoff benachteiligt werden gegenüber den Knaben. Und zu einer Benachteiligung dürfte es sich auswirken, wenn an wichtigen Elementarfächern der Säuglingspflegeunterricht herausgespart würde. Ich nehme aber an, daß in der Verteilung des Lehrstoffes, in der rechten Ausnutzung der Stunden, eine ganze Menge geschehen kann, um den Unterricht zusammenzudrängen und ihn von manchem Ballast zu befreien, mit dem er noch behaftet ist. Ich spreche mich, wenn dies geschieht, für den Beginn des Säuglingspflegeunterrichtes im letzten Schuljahre aus. Organisch fortentwickelt muß er in der Fortbildungsschule werden, deren Ausbau für alle Mädchen zu erwarten ist.") Für den frühen Beginn dieses Unterrichtes spricht erstens, daß die Kinder besonders in dem Alter empfänglich find für alle Dinge, die mit der Puppe und mit dem kleinen Kind in Verbindung stehen. Wahrscheinlich hängt es mit der ganzen Entwicklung in diesen meist fritischen Jahren zusammen, wenn sich die Mädchen mit Puppen und Kindern besonders zärtlich beschäftigen. Darum stehe ich nicht an zu sagen, daß man diese natürlichen Regungen erzieherisch ausnügen soll. Ganz gewiß spielt auch der Umstand hinein, daß in den zumeist kinderreichen Familien des Proletariats die dreizehnjährigen Mädchen( aus der Not der Familie heraus) die kleineren Geschwister betreuen und oftmals auch pflegen müssen. Ich würdige die daraus entstandene Befürchtung: daß nämlich die Kinder in der Familie durch Säuglingspflege ausgebeutet werden könnten. Jedoch ist hierzu wohl die Betrachtung erlaubt, daß aus Not oder Unver" Ich mache zum besseren Berständnis dieses Punktes auf die in Nr. 42 und 43 der Gleichheit erschienenen Artikel von Dr. Olga Effig aufmerksam. Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morigplay 147 40 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 stand es immer Mütter geben wird, die ihre Kinder aus nützen, ob mit oder ohne Säuglingspflegeunterricht in den Schulen. Schließlich ist doch das erziehliche, auf die Zufunft gerichtete Moment das Entscheidende. Da weiß wohl jeder, der sich auf seine Kinderzeit besinnt, daß die in den letzten Jahren der Schulzeit gewonnenen Eindrücke bei den meisten Kindern recht fest haften. Wenn wir uns also entscheiden sollen für den Säuglingsa pflegeunterricht im letzten Schuljahre, dann kommen die eben behandelten Dinge in Betracht: Fortfall entbehrlichen Unterrichtsstoffes und Fortführung des Unterrichtes in den Fortbildungsschulen. Allein damit ist die Angelegenheit. Teineswegs geklärt. Wir müssen weiter fragen: Wer erteilt den Unterricht? Zu Beginn des Jahres 1917 erfuhr diese Frage die gründlichste Besprechung in der Zeitschrift für Säuglings- und Kleinkinderschutz".( Berlag Georg Stilfe in Berlin NW. 17). Wer die Gedankengänge der führenden Aerzte auf dieseni Gebiete verfolgen möchte, lese die Hefte 4-10 der genann ten Zeitschrift nach. Dort machte Dr. Leo Langstein den Vorschlag, die in Frage kommenden Lehrerinnen in fürzester Frist für den theoretischen Säuglingsunterricht auszubilden, während für die praktische Unterweisung die geübte Säuglingspflegerin vorzusehen sei. Unter den fiinf Aerzten, die sich zu der Angelegenheit äußerten, war mit Ausnahme von Dr. Schloßmann die Meinung vorherrschend, den Unterricht zu teilen. Dann aber waren sich alle Aerzte darüber einig, daß die Ausbildungszeit der Lehrerin eine erheblich längere als die von Langstein borgeschlagene sein müsse. Dr. Schloßmanns Ausführungen, die gar sehr aus nur nur bevölkerungspolitischem Gesichtswinkel die Dinge betrachten, verdienen deshalb besondere Beachtung, weil in ihnen abgclehnt wird, daß neben der Lehrerin, die den theoretischen Unterricht erteilt, die Säuglingssapvester, Fürsorgerin oder der Arzt tritt:„ Den Unterricht Berufspfle gerinnen zu überweisen, ist unzulässig und mit dem Geiste der Volksschule unvereinbar.".... 3u dieser Aufgabe ist die Lehrerin und sie allein in der Schule berufen." To Dr. Schloßmann. Erwähnt muß in dem Zusammenhang noch die Ansicht der Schuldirektorin Frau Elise Deutsch werden, die, in m. E. einseitiger Weise, den Beruf der Säuglingspflegerin den Schwestern zuteilen möchte, die sich allerdings dann noch ihre pädagogische Eignung holen sollen. Bemerkenswert und durchaus zu unterstreichen sind aber folgende Ausführungen von ihr:" Die Schülerinnen nehmen diesen Unterricht etwa wie eine Religionsstunde. Er ist et was Erhebendes, Feierliches für sie; aber dies doch wohl, wil eine Persönlichkeit zu Ihnen spricht, die schon allein durch ihre äußere Erscheinung, durch ihre Stellung im Volksleben Anspruch auf eine besondere 42 Die Gleichheit Achtung hat. Man denke sich diesen Unterricht von einer modern gekleideten Dame erteilt, und man wird mit den Schülerinnen empfinden, daß er an Wirkung verliert... Wird die Lehrerin ihr Aeußeres dem Un terricht anpassen?"*) In diesen Sätzen liegt ungemein viel Wahres. Es soll tein Vorwurf für die Lehrerinnen sein! Aber wie wir sie kennen, kann man sich bei der Mehrzahl nicht vorstellen, daß sie ohne weiteres die Eignung als Säuglingspflegelehrerin mitbringen. Eine befriedigende Lösung der Frage würde man wohl am besten dann finden, wenn man die Lehrerinnen, die Lust und Liebe zu dem Fach zeigen, gründlich in der Säuglingshygiene und pflege unterrichtete. Und dazu würde ein Jahr nötig sein. Im Lehrplan der Volksschule nimmt der Unterricht von der Beschaffenheit des menschlichen Körpers keinen allzu breiten Raum ein. Anzustreben aber wäre, wenn er frü her wie bisher beginnen würde und die Schüler und Schülerinnen die Nuzanwendung des Unterrichtes vollziehen könnten. Es macht ganz gewiß auf die Schülerinnen einen tiefen Eindruck, wenn sie neben dem normal gezeichneten menschlichen Körper einen solchen sähen, der z. B. durch Einschnürung( Korsett, fester Bund) verunstaltet wäre. Daran sich gliedernd, müßte im letzten Schuljahr der Säuglingspflegeunterricht beginnen, der im ersten Halbjahre des letzten Schuljahres vorbereitend theoretisch, im zweiten aber theoretisch und praktisch erfolgen, könnte. Will man aber etwas Gutes erzielen, dann darf man die Ausbildung der in Frage kommenden Lehrperson nicht gering ansehen. Ich könnte mir z. B. vorstellen, daß dreizehnbis vierzehnjährige Mädels heimlich lachen, wenn ihnen ihre Lehrerin, die in einem Achtwochenfurjus ausgebildet wurde, zeigen will, wie man einen Säugling wickelt. Wenn dann diese Lehrerin, die in der theoretischen Belehrung erzählt, daß man den Säugling nicht einschnüren darf, selbst eine moderne Figur" hat, wird ebenfalls stille oder laute Heiterfeit wachgerufen werden. Während des Krieges hat man in deutschen Städten mit der Einrichtung dieses Unterrichts begonnen. In Köln fing man 1915 damit an, in Kassel 1916. Ungefähr wird man wohl allerorts nach den gleichen Gesichtspunkten begonnen haben. In Köln hatte man den Unterricht fursusartig eingeführt. Jekt wird in der zuständigen Kommission der Stadtverordnetenversammlung ein Zentrumsantrag beraten, der dieses Fach als obligatorischen Unterrichtsgegenstand für alle zur Entlassung kommenden Mädchen vorsieht. Es wird allerdings beabsichtigt, den Unterricht ein für allemal der Klassenlehrerin vorzubehal ten. Dem steht unserer Meinung nach die unvollkommene Ausbildung dieser Lehrpersonen im Wege, die in Schnell, furfen erfolgte. Solange noch keine andere Lösung möglich ist, soll man den Unterricht teilen und zu den praktischen Stunden die geprüfte Säuglingspflegerin heranziehen. Unsere Genofsinnen im Reich sehen an den letzten Ausführungen, wie aktuell die heute aufgerollte Frage ist. Zudem ist sie nur ein ganz fletnes Stück von dem Gesamtbereich der Erziehungsfragen, zu denen jede einzelne Frau Stellung nehmen muß. Und wieviel Fragen dieses Bereichs tauchen außerdem noch auf! Was beginnen wir zum Erempel mit unseren 14. bis 16jährigen Mädels? Ist es wirklich nicht bald zu erreichen, daß man sie in den empfänglichsten Jahren noch in der Schule weiß? Bevor wir zur Einheitsschule gelangen, müßte der Mädchenschule eine neunte Klasse aufgebaut werden, die all die technischen Fächer, die jetzt nebenher laufen und vom besorgten Schulmann oft verwünscht werden, gründlicher behandeln: Handarbeit, Haushalt- und Säuglings. *) Heft 5 genannter Zeitschrift, S. 238. Nr. 6 pflegeunterricht. Die Berufswahl wird um ein Bedeutendes leichter vollzogen werden, der Körper kann sich besser entfalten. Schrittweis müssen wir unserem Schulideal näher kommen müssen, das in der Einheitsschule, im modernen Ausbau unseres famten Erziehungswesens liegt." Ich halte aus! Von Hartba- Role Thomas Ich liebe die Sonne, ich liebe das Leben,( Und will es mir Stürmen und Kämpfen nur geben, Ich halte aus! Die Zähne zufammen! Was ſtark ift, das hält, Mag gehen, was schwach ift; mag fallen, was fällt. Das Echte, es bleibet in Kampf und in Пot, Die Kraft und die Sonne, die nimmt kein Gebot. Kommen Stunden, die trübe, Stunden, die Ichwer, Mun gut denn, ich zwing fie und wachi' immer mehr. Nur freier die Stirne, und ftolzer der Gang, Пur leuchtender, tiefer der göttliche Drang. Ich liebe die Sonne, ich liebe das Leben, Bringet es Kampf- bringt es auch Segen. Ich halte aus! geDie schuldhafte Clebertragung von Geschlechtskrankheiten und das Gesetz Es gibt Fälle der geschlechtlichen Krankheitsübertragung, die jede milde Beurteilung ausschließen und die ganze Strenge des Gesetzes herausfordern. Sie wird überall da Dezember 1918 vorliegt:„ Wer den Beischlaf ausübt, obgegeben, wo der Tatbestand des§ 3 der Verordnung vom wohl er weiß oder den Umständen nach wissen muß, daß er an einer mit Ansteckungsgefahr verbundenen Geschlechtsfrankheit leidet, wird mit Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft, sofern nicht nach dem allgemeinen Strafgesetz eine härtere Strafe eintritt. Die Verfolgung tritt, soweit es sich um Ehegatten und Verlobte handelt, nur auf Antrag ein. Die Strafverfolgung verjährt in sechs Monaten." Auch diese Verordnung trifft in voller Schärfe und in ausgedehntem Maße einstweilen nur die Frau, die als Prostituierte von vornherein krankheitsverdächtig und als schuldhafte Infektionsquelle in der Regel leichter nachweisbar ist als der Mann. Aber dieser Umstand darf uns nicht hindern, eine Neuordnung zu begrüßen, durch die ja auch die Prostituierte dann nicht getroffen wird, wenn sie sich den zuständigen sanitären Maßnahmen unterwirft. Es soll zwar nicht verkannt werden, daß für sie diese Unterwerfung; insofern mit großen Schwierigkeiten verknüpft ist, als z. B. die Gonorrhoe der Frau meist chronischen Charakter trägt und eine Ansteckungsfähigkeit immer wieder anfflammen kann, während andererseits die Prostitution für sie doch das Gewerbe, also den Lebensunterhalt, bedeutet. Ferner kann zwischen zwei Untersuchungsterminen eine Ansteckung erworben und weitergegeben werden. Es wird in solchen Fällen zu prüfen fein, ob die Prostituierte pünktlich ihren Untersuchungsverpflichtungen nachgekommen ist. Es wird ferner Vorsorge für unentgeltliche und langandauernde ambulante oder Krankenhausbehandlung in den von uns geforderten humanen Formen zu treffen sein. Bedenklich ist vielleicht die Bestimmung, daß die Verfol gung bei Ehegatten und Verlobten nur auf Antrag eintreten soll. Beantragen wird das vielleicht der Mann gegen die Prostituierte oder umgekehrt, soweit die Prostituierte in Nr. 6 Die Gleich belt der Lage ist, einen einzelnen ihrer Besucher als Ansteckungsiräger nachzuweisen. Wie selten wird es aber vorkommen, daß ein Mädchen sich entschließt, den Verlobten in solchem Busammenhang zur Anzeige zu bringen, und wie tief muß eine Ehe zerrüttet sein, bevor eine Frau den Entschluß zu solchen Schritte jagt! Andernfalls darf freilich nicht verfannt werden, daß durch Umwandlung des Antrags in ein Offizialdelift, das heißt in eine Handlung, bei der der Staatsanwalt von Amts wegen einschreiten muß, einer üblen exprefferischen Denunziation Tür und Tor geöffnet wäre. Es ist in allen folchen Zusammenhängen schwer, schlüssige und allen Möglichkeiten gerecht werdende Faffungen zu finden. Jedenfalls ist es aber ein begrüßenswerter Fortschritt, daß hier wenigstens der Bersuch unternommen werden soll, die schuldhafte Weiterherbreitung der Geschlechtskrankheiten ohne Unterschied des Geschlechts des Ansteckungsträgers der Bestrafung anzuführen. Von der hygienischen Einsicht wie von dem moralischen Berantwortungsgefühl der Frauen sich selbst und der wachenden Generation gegenüber wird es abhängen, wie weit diese Bestimmung toter Buchstabe oder lebendig sich auswirkendes Gesetz sein wird. Da ist aber noch ein anderes, das bis jetzt in allen Entwürfen zur Bekämpfung der Geschlechtsfrankheiten bergebens gesucht werden wird und das doch ungleich wichtiger ist als Strafandrohungen, die den Stall zumachen, nach dem der Schimmel gestorben ist: Wir bedürfen zum Zied der wirksamen Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten au einent entscheidenden Lebenspunkt des Gesundheitszeugnisses als eines bei der Eheschließung obligatorischen Heiratspopiers. Bevor man uns die Erlaubnis gibt zu heiraten, müssen wir nachweisen, daß wir geboren und daß wir nicht schon verheiratet sind. Kein Sohn fräht danach, wie es mit unferer Gesundheit bestellt ist. Und die Eltern sorgen fich fehr um Rang. Stand und Vermögen des Tochtermannes. Nach seirer Gesundheit und gar nach seiner geschlechtlichen Gesundheit zu fragen, fällt den meisten gar nicht ein wird von anderen aus Furcht vor Beleidigung, Lösung des Verföbnisses usw. nicht gewagt. * Feuilleton * Gedanken über Erziehung Erziehung darf kein Zurechtitutzen fein oder ein Hineinzwängenwollen in irgendeine Form, die uns vielleicht die höchfte fcheint; Erziehung kann nur lein das бüten und Pflegen des unendlichen Suchens und Sehnens im Menfchen und das Erwecken des Glaubens an Liebe und Wahrheit. Lisbeth Paus. Von Neugeborenen, Vettern und Basen " Aus: Aus meinen vier Pfählen" von Ernst Almsloh. Verlag Kaden& Co., Dresden Ein Telegramm, Bater!" - „ Ein Telegramm? Aus Bremen? Vom kranken Großvater?" Schnell reißt der Bater das Telegramm auf, und schnell erhellt sich seine beforgte Miene. Ungeduldig stehen die beiden Kinder vor ihm: " It's aus Bremen, lieber Bater? Jst's der Großbater-?" Nein, liebe Kinder, es ist nicht aus Bremen; es ist aus Leipzig, vom Onfel Hermann-" ,, Vom Onkel Hermann? Was will er denn?" Hört zu:„ Kräftiger Sonntagsjunge ist angekommen alles wohl." " Ein Junge ist angekommen? Oh, wie freu ich mich!" Ein großer Junge?" fragt die kleine Grete. Ein großer? Aber Grete! So ein ganz kleiner wie Deine Puppe." Aber der Onkel schreibt doch: ein kräftiger Junge, 43 Wir Frauen haben die Forderung des Gesundheitszengnisses bei der Eheschließung längst erhoben. Die ärztlichen Fachleute haben uns darauf geantwortet, daß die schlüffige Ausschließung einer solchen Erkrankung so schwer sei, daß ein gewiffenhafter Arzt nur selten mit vollkommen ruhigem Gewissen ein solches Zeugnis ausstellen könne. Wir haben darauf geantwortet, wenn auf diese Weise wenigstens die zurzeit nachweisbar ansteckungsfähigen Fälle ausgeschieden und den Ehepartnern das Gewissen geschärft würde, so wäre damit schon viel erreicht. Soll nun im Falle einer vorliegenden Erkrankung die Eheschließung verboten werden? Es wäre vielleicht konfequent, das zu verlangen. Ich finde aber, daß mancherlei im Leben auf keinen Fall in das Schema, sagen wir des fategorischen Imperativs, einzuordnen ist und habe mich daher gelegentlich einer Tagung der D. G. B. G. mit dem verstorbenen Borkämpfer der Bekämpfungssache, Herrn Geh.Rat Neißer- Breslau, dahin entschieden, daß das Gesundheitszeuguis zwar unerläßlich, ein Heiratsverbot aus einem mangelhaften Zeugnis darum nicht zu folgern sei, weil dem Wissenden kein Unrecht geschieht, wenn er den Erkrankten trotzdem heiraten will. Vielleicht könnte man vom raisepolitischen Standpunkt zu anderen Schlüssen kommen. Für mich würde ein Verbot einstweilen einen unzulässigen Eingriff in die persönliche Freiheit bedeuten. Eine andere Strafbestimmung des Entwurfs vom 16. Februar 1918 fann ohne weiteres der allgemeinen Zustim mung sicher sein. Es heißt dort unter§ 7: Mit Gefängnis bis zu 6 Monaten und mit Geldstrafe bis an 3000 Mr. oder mit einer dieser Strafen oder mit Haft wird bestraft: 1. eine Amme, die ein fremdes Kind stillt, ohne im Besitz eines unmittelbar vor Antritt der Stellung ausgestellten ärztlichen Zeugnisses darüber zu sein, daß sie nicht an einer Geschlechtskrankheit leidet; 2. eine weibliche Person, die, wissend, daß sie an einer Geschlechtskrankheit leidet, ein fremdes Kind stillt; Ja nun, damit will er nur sagen, daß der kleine Neugeborene recht gesund ist und kräftig schreit." ,, Vater," fragt die Größere,« Mutter sagte neulich schon, daß bei Tante Sophie bald ein kleines Kind ankommen werde. Woher wußte sie das denn?" ,, Das hat ihr die Tante wohl geschrieben." „ Aber woher wußte es denn die Tante?" „ Nun der kleine Kerl hat sich schon öfter bei ihr gemeldet." ,, Wie hat er denn das gemacht?" " Ich habe Euch doch früher erzählt, daß die Mutter das fleine Kindchen schon lange vorher, bevor es auf die Welt kommt, bei sich trägt. Zuerst ist das Kindchen ganz klein-" Wie flein denn?" ,, Kleiner als ein Stechnadelfnopf! Da staunt Ihr, was? Aber dann wächst es allmählich. In den ersten Monaten ist es sehr zart, es könnte in der freien Luft noch nicht leben. Da würde es gleich sterben. Deshalb trägt die liebe Mutter es bei sich, unter ihrem Herzen, und sie beschützt es und nährt es, damit es allmählich so fräftig wird, daß es ans Tageslicht kommen und uns guten Tag sagen kann." ,, Wer sagt es aber der lieben Mutter, daß es so kräftig geworden ist." „ Das sagt der kleine Kerl selbst. Er wird ungeduldig und macht: Boch!" Poch, poch, macht er?" „ Ei, poch, poch!" Ja, und schließlich ist er so fräftig geworden, daß er herausfrabbelt aus seinem dunklen Kämmerchen an die liebe Sonne." ,, Ev Krabbelt heraus?" Nun ja, so lustig ist das nicht, wie es sich anhört. Das ist eine sehr ernste und schwere Sache." 44 Die Gleich beit 3. wer ein syphilitisches Kind, für dessen Pflege er zu forgen hat, in Stenntnis der Erkrankung von einer anderen Person als der Mutter stillen läßt; 4. wer ein geschlechtstrankes Kind in Kenntnis der Erfrankung in Pflege gibt, ohne die Pflegeeltern von der Erfrankung des Kindes zu benachrichtigen. Straffos ist das Stillen oder Stiffenlassen eines syphilitischen Kindes durch eine weibliche Person, die selbst an Syphilis leidet. Wir fönnen uns dem anschließen mit der Maßgabe, daß je nach Lage des Falles auf härtere Strafen zu erkennen ift. Henr. Fürth. Kinosch und Eberhard Giese, Der Stinoschund und die Jugend."( Verlag der„ Volkswacht"-Buchhandlung, Breslau, 25 Pf.) Eine kleine, aber inhaltreiche Broschüre über Geschichte und Entwicklung des Kinowesens und der Filmindustrie. Eine Flare, packende Schilderung der Gefahren des KinoDramas" und der Aufklärungsfilms. So recht eindringlich wird uns vor Augen geführt, wie die dargestellten Verbrechen auf die Jugend wirken müssen, die ja den Eindruck mit nach Haus nehmen, daß es auch im wirklichen Leben von solchen Verbrechen und Rechtsverdrehungen wimmelt, wie in den Filmdramen. Eine Statistik zählte auf 250 Films 142 Morde und Selbstmorde und 176 Diebstäble! Wer fühlte dabei kein Grausen? Sehr richtig weist Giese darauf hin, daß weder Vorträge, noch Belehrungen, noch die Presse eine Besserung schaffen können; das Stino fann nur durch eine Reform des Kinos selbst bekämpft werden. Der Anfang ist bereits in den Lehr- und Propagandafilms der Ufa gemacht worden, sowie in den Reform- Sinotheatern, wie sie z. B. die Stadt Jena eingerichtet hat. „ Die liebe Mutter hat dann viele Schmerzen, nicht?" " Ja freilich, die liebe Mutter muß dann viel leiden." „ Ich will keine Mutter werden." Ich auch nicht." „ So? So bange seid Jhr? Wenn Eure Mutter auch so bange gewesen wäre! Dann wäret Ihr gar nicht auf der Welt." ,, Ach, unsere gute Mutter! Ich muß ihr schnell einen Kuß bringen." „ Ich auch." Wie der Wind sind sie zur Tür hinaus, und von ferne hört der Vater, wie sich draußen ein kleiner Kampf abspielt. Jede will die erste sein, die der Mutter einen Auß gibt; die Mutter kann sich der stürmischen Liebfosungen faum erwehren. Dann sind sie wieder da. Wie sieht der kleine Junge jett aus, Bater?" Ist er so groß wie mein Elefant?" fragt die Meine. ,, Nein, so groß nicht-" Wie meine Puppe?" „ Ungefähr. Nur hat er einen größeren Stopf." Aber wie sieht er denn aus?" Rot wie ein Strebs" Beide lachen vergnügt. 71 So'n fleiner Bussel!" Nun habt Ihr wieder einen Better mehr." ,, Einen Vetter? Wie viele haben wir denn schon?" Was ist denn ein Better?" ,, Man sagt auch wohl Cousin." Ach sol Wie der Hermi und der Georg und der Frik." " Ja, aber Ihr habt noch mehr Bettern," Nr. 6 Auch er ermahnt die Erwachsenen, die Jugend, die den Kampf gegen den Kinoshund aus eige nem Antrieb aufgenommen hat, nach Kräften zu unterstützen. Vor allem ist es die Pflicht der deutschen Arbeiterschaft, in diesem Kampf mit gutem Beispiel voranzugehen. Er erinnert an die Erfolge, die mit dem Schnapsboykott seinerzeit errungen wurden. Auch hier steht die Arbeiterschaft vor einer Aufgabe von gleicher Wichtigkeit und Bedeutung. Auch hier würde der Boykott als Kampfmittel gegen das schlechte Kino die meiste Aussicht auf Erfolg bieten. Wer sich von der Wichtigkeit des Kinos und der Gefährlichkeit des Kinoschundes ein Bild machen will, der lese die fleine Schrift. R. H. Zur Religionsfrage Der Aufsatz Zur Religionsfrage" von Elfe Lüders, der uns Frauen und Mütter sicher ganz besonders beschäftigt hat, regt mich zu folgender Entgegnung an: Was die Sozialdemokratie bekämpft und stets bekämpfen foll, ist nicht die Religion an sich, sondern es sind die Religionssysteme. Nur durch diese allein ist unter dem Dedmantel der Frömmigkeit so viel Elend und Heuchelei in die Welt gekommen. All diesen dogmatischen Religionssystemen, die die Entwicklung des forschenden Menschengeistes hindern, ist die Sozialdemokratic feindlich gefinnt. Es mag richtig sein, daß die Sozialisten, welche sich in der Tat zu keiner Religion bekennen, als religionslos bezeichnet werden fönnen. Jedoch entbehren diese darum keineswegs eines wahr. haft empfundenen Glaubens, dieses tiefen religiösen Gefühls, das sich in den Jdealen reiner Menschenliebe offenbart, nämlich in der sozialistischen Dreieinigkeit: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Menschen, die mit spöttischem Mitleid" religiös veranlagte Naturen in ihren heiligsten Empfindungen verleben, das find lieblose Menschen, Menschen ohne Glauben und ohne Streben. Dazu gehören durchaus nicht die Religionslosen, da diese fich ja erst nach reiffichem Denken und Forschen zu dem durchgerungen haben, was ihnen allein als wahr und erstrebenswert erscheint. Viel rücksichtsloser sind dagegen die Glaubensfanatifer; sie allein Was ist denn ein Better?" fragt die Grete nochmals dringlicher. „ Ein Better ist der Sohn eines Bruders oder einer Schwefter von einem Vater oder einer Mutter." „ Ach das verstehe ich nicht." „ Kleiner Dummbart! Euer Bater hat doch einen Bruder-" „ Onkel Georg!" ruft die Weltere. Und Onkel Alfred!" schreit die fleine Grete. Du fleiner Dummbart! Das ist der Bruder von der lieben Mutter!" Ich meine Onkel Johann!" Der Vater und die Meltere lachen beide laut auf. Mber Grete wird zornig und schreit: „ Na- a- o! Ihr sollt nicht lachen!" „ Aber Gretelein, Onkel Johann ist der Mann von Batersn Schwefter!" „ Das ist doch dasselbe!" ,, Na, nicht ganz, aber beinahe. Euer Vater hat nur noch einen Bruder, den Onkel Georg, und zwei Schwestern, die Tante Berta und die Tante Sophie. Und die Kinder von allen dreien-" " 1 -find unsere Bettern," unterbricht Marie eilig den Bater, Alle nicht! Nur die Knaben wie heißen sie?" Friß, Georg, Hermi-" Walter, Johann-" „ Ernst-" - Das sind sie wohl alle. Und die Mädchen?" ,, Else, Gretchen, Bili-" „ Ach die Bili-die soll nicht dabei sein! Die Lifi ärgert mich immer neulich auch-" Aber Gretel Du willst doch nicht anschwärzen?" Nr. 6 Die Gleichbeit fennen feine Dulbung, sondern suchen alles in ihren Bannkreis zu ziehen, unbekümmert um anderer Leute Gefühle. Für sie geschicht das alles im Namen Gottes, und sie betrachten sich gewissermaßen als dessen Werkzeug, um ohne jede Toleranz vorzugehen.( Geschichtliche Tatsachen haben dies zur Genüge bewiesen.) Der Religionslose dagegen weiß Religion von Religiofität zu unterscheiden, weil er sich von allen Religionssystemen gänzlich freigemacht hat. Kinder, die in einem religionslosen Hause aufgewachsen und fich später trotzdem zu edlen Persönlichkeiten voll tiefer Neligiöfität entwidelt haben, beweisen damit auf deutlichste, wie auch ohne Religion eine Sittlichkeit möglich ist. Innerlich arm kann nur derjenige sein, der ganz ohne Glauben und ohne Jdeale ist. Sokrates, diefer eble Menschenfreund, der fich zu feiner Religion bekannte, mag als einer der vielen genannt jein, die beweisen, daß religionslos durchaus nicht unreligiös bedeutet. Solange wir in unsern Schulen noch den Religionsunterricht im alten Stile haben, der die naturwissenschaftliche Wahrheit von der Abstammungslehre und die Naturgeseke verleugnet so lange muß Agitation getrieben werden mit den Abmeldungen. Lehrt die Wahrheit unsern Kindern! Gorgt für religionsgeschichtlichen Unterricht! Wäre die beste Lösung der Schulfrage nicht darin au finden, an feiner Schule konfeffionellen Religionsunterricht zu erteilen, sondern die Kinder mit allen ReTiglonen bekannt zu machen, ohne sich an irgendeinen Autoritätsglauben zu binden? Was wissen Kinder von der religiösen Auffassung oder Weltanschauung ihrer Eltern! Durch diese Art religionsgeschichtlichen Unterrichts würde allmählich jede religiöse Unduldsamkeit verschwinden; und in den Kindern ruht unsere Bukunft. Auf diese Weise wird auch Frieben werden in den Seelen unserer Kinder". Ein Friebe, der die Bölfer versöhnt; ein Friebe, der einzig und allein die Sehnsucht nach der Menschenverbrüderung und -berschwisterung ihrem Ziele näher bringen wird. Dazu diene uns als Motto Schillers schöner, tief empfundener Ausspruch: Welche Religion ich bekenne? 87 Keine von allen, die du mir nennst. Und warum feine? Aus Religion. Margret Arnold- Heilemann. Ja, Vater, Grete ärgert die Lili-" Aber Marie! Du willst doch nicht anschwärzen?" Also die Mädchen sind Eure-" 11 -Cousinen!" Ja, oder mit einem deutschen Wort, Eure-na-" Betterinnen!" " Nein, Marie, das Wort gibt es nicht; sie find Eure Balen." Rußland und wir 45 Gin tiefer Rig trennt den Westen Europas von Ost- und Mitteleuropa, trennt die Völker der Sieger von denen der be. siegten Länder. Dieser Riß geht durch das politische wie wirtschaftliche Leben. Er macht auch vor der Arbeiterbewegung nicht halt. Die Internationale von einst, das Zusammengehörigkeits. und Solidaritätsgefühl, wie es früher war, all das gibt es nicht mehr. Das müssen wir uns einmal klar vor Augen halten. Das hat mit Optimismus und Pessimismus gar nichts zu tun. Hier handelt es sich darum, Tatsachen als solche zu werten, und uns und andere nicht darüber fortzutäuschen oder forttäuschen zu wollen. Die Tatsachen sprechen doch eine so flare Sprache: Was hat die Arbeiterschaft Frankreichs und Englands für ihre russi schen Brüder getan? Was hat sie getan, als über ihre Proteste bie Machthaber ter Entente faltlächelnd hinwegschritten? Nichts Sie ließen es bei ihren Teeren Protesten bewenden. Und die russischen Arbeiter waren die Bundesgenossen Frankreichs und Englands gewesen! Beantworten wir uns doch die Frage: Wenn die Arbeitermassen der Entente nichts für ihre russischen Brüder taten oder tun fonnten, was werden sie für uns, für die deutschen Arbeiter tun, denen sie 4% Jahre lang in erbittertem Kampf gegenüberstanden? Was werden, tvas können sie für uns tun? Nichts! Weniger noch als nichts, wenn es das gäbe. Die Internationale, wie sie heute besteht, kann und wird uns nicht das mindeste nüben. Alle, die anders denken, flammern sich an Illusionen. Gewiß wir alle wünschen und hoffen, daß die Internationale einmal wieder eine Macht im Völkerleben werden nird. Aber heute auf sie zu rechnen und auf sie zu bauen, ist Wahnivis. Wir schleppen an einer schweren Kette: aus der militärischen Niederlage ist die wirtschaftliche Abhängigkeit geworden. Wenn wir für die Befreiung von dieser Kette von der Arbeiterschaft der Entente nichts zu erivarten haben von den Ententeregierungen natürlich noch viel weniger. Es ist daher erklärlich, daß wir unsere Blide nach der anderen Seite nach Osten wenden. Aber die Tore, die nach dorthin führen, haben wir selbst verSperrt. Aus Angst vor dem bolschewistischen Gespenst. Die Zeit ist zu ernst für Gespensterfurcht. Wir müssen dem „ Gespenst" nur fest in die Augen sehen: Wer bist du eigentlich? Seien wir ehrlich: Was wissen wir vom Bolschewismus? Was wissen wir von den Zuständen in Sowjet- Rußland? Beschämend Der Vater Jacht. Fragen will ich die Mutter wohl, aber ich glaube nicht, daß sie schon etwas gehört hat." Im Hinausgehen hebt Grete ihre Puppe vom Boden auf und drückt sie zärtlich an sich. " Basen?- hahaha- Basen?" " Ja, Ihr seid ihre Basen!" „ Hahaba!" 81 Du bist Base Grete und Du Base Marie!" Ach Vater, was Du da fagst!" " Ihr habt aber noch zwei Basen." Ich weiß: Lisa und Ella." Richtig! Die beiden Kinder von Mutters Schwester, von Tante Anna und Onkel Adolf." „ Erzähle noch mehr, lieber Bater, von den Bettern und den- ach so'n komisches Wort!" Du kleine Base! Das ist ein sehr gutes altes deutsches Wort. Aber nun babe ich feine Zeit mehr, jett muß ich einen Glückwunsch an Tante Sophie und Onkel Eduard depeschieren." 71 Warum?" 27 Weil sie sich freuen, wenn wir uns mit ihnen freuen." Grete drückt sich noch an den Bater. Sie hat noch etwas auf dem Herzen. Na, Grete? Was ist denn? Willst Du noch was vom Bater?" Lieber Vater, ich möchte auch fo'n kleinen Bruder haben. Frag mal die Mutter, ob bei ihr auch schon ein kleiner Junge poch! poch! gemacht hat." Kants Persönlichkeit Bon Dr. Bertha& ipfmüller reimal iſt er in meinem Arbeitszimmer. Meine Dreieinigkeit, an die ich verehrend glaube, zu der ich aufschaue, hingebend und ohne Zweifel. Stant, mein großer Lehrineister, meine Säule, wenn alles wandelt, wenn alles flackert und zu erlöschen droht. Ich weiß: das Sittengeset bleibt, unauflöslich, und zeigt uns Menschen die Pfade, die aufwärts führen zur Vollendung. Seant war am 22. April 1724 zu Königsberg in Preußen geboren, der Sohn einfacher Bürgersleute. Vier Schwestern und ein Bruder, der Pfarrer wurde, waren seine Jugend begleiter. Die Eltern waren nicht in der Lage, ihm eine höhere Ausbildung zu geben. Dafür trat ein Oheim mütterlicherseits, ein wohlhabender Schulmeister, ein. Ueber Immanuel Kants Jugend ist wenig berichtet. Seine Mutter verfor er mit 13 Jahren*) und damit war ein großer Schmerz in seine Jugendseele getreten. Mit 16 Jahren besuchte er die Universität Königsberg. Anfangs studierte er Theologie, wandte sich aber bald ab, da sein Denkerhirn sich mit Dreieinigkeit, Auferstehung und Himmelfahrt nicht einverstehen konnte. 4 *) Siehe„ Gleichheit" Nr. 4. 46 Die Gleichheit wenig. Noch immer fehen wir in der Bolschewvistischen Bewegung Rußlands etwas Aehnliches wie die der deutschen Kommunisten. In Wirklichkeit ist der Bolschewismus in seinem Kern aber eine Bauernbewegung.( 86 Proz. der russischen Bevölkerung sind Bauern!) Die Bauernbevölkerung ist es auch, die den Bolschewvistischen exfolgreichen Widerstand gegen die reafiionären Generale und gegen die Ententeregierungen ermöglicht. Die Bauern, die mit Recht befürchten, bei der Wiederkehr der Neaktion oder was gleichbedeutend wäre bei einem Sieg der Westmächte, den Grund und Boden wieder herausgeben zu müssen, den sie den Großgrundbesitzern fortgenommen und unter sich verteilt haben. Wir müssen versuchen, diese russische Bewegung verstehen zu Ternen. Dann kann und wird sie uns nicht mehr schreden. Dann werden wir nicht nur das Verhältnis Rupland- Deutschland mit ganz anderen Augen ansehen, sondern wir werden auch den Kampf Rußlands gegen die Entente, vor allem gegen England in seiner vollen Größe und Bedeutung würdigen können. Wir wissen, daß England und Nußland feit Jahrzehnten TodFeinde find. Eine Todfeindschaft, die durch den Wettkampf um die Herrschaft über Asien begründet ist. Nur der unglaublich ungeschickten Politik der deutschen kaiserlichen Regierung haben wir es zu verdanken, daß zwischen England und Rußland ein Bündnis austande fam, welches gegen Deutschland gerichtet war. Nach der Niederlage Deutschlands und der gleichzeitigen Bertrümmerung und militärischen wie wirtschaftlichen Schwächung Rußlands stand England auf der Höhe seiner Macht. Deutschland war in Europa, Rußland in Asien ausgeschaltet. Da kam die russische Nevolution. Die bolschewistische Bewegung machte nicht an den Grenzen Rußlands halt. Sie versuchte auch außerhalb Rußlands, in Europa wie in Asien, festen Fuß zu faffen. Während dieser Versuch, die Bolschetistische Bauernbewegung in die Industriestaaten West- und Mitteleuropas zu tragen, gescheitert ist und naturgemäß scheitern mußte, fand sie in den Bauernländern Zentralasiens den günstigsten Boden. Die boljchewistische Bewegung schlug ihre Wellen bis nach Aegypten und Indien. Das heißt, diese Wellen drohen die stärksten und wichfigsten Stüken des englischen Weltreichs zu unterspülen. Für diese Arbeit des Bolschewismus find wir bisher blind gewesen. Es kann uns doch nur recht sein, wenn die englischen Bäume und Träume nicht in den Himmel wachsen. Wir dürfen den Bolschewismus also nicht immer nur berurteilen, sondern Das war der Riß mit dem Kirchenglauben, dem er zeitlebens ein Gegner geblieben ist. Was mit der Vernunft nicht übereinstimmte, durfte die Brücke seines Denkens nicht überschreiten. Rant hat nicht nur den Kirchenglauben aufgegeben, sondern die Kirche selbst. Er besuchte sie nie mehr, selbst wenn die besten Redner predigten. Nach der Universität fam er zu einer adeligen Familie und wirkte als Hofmeister neun Jahre. Kant stellt sich über seine Wirksamkeit ein schlechtes Zeugnis aus. Er sagt, daß er ,, die Kunst, sich zu Kindern herabzubicken," nie verstanden habe. Es ist sein eigenes Zeugnis. Bei Rants unerfchütterlicher Wahrheitsliebe haben wir keine Urfadje, an seinen Worten zu zweifeln. Und dennoch halte ic fie mehr für einen Ausfluß seiner Bescheidenheit. Denn er liebte die Kinder, und schwerlich hätte die hochgräfliche Familie thn so lange behalten, wenn es einen schlechteren Hofmeister" nie gegeben hätte. Nach Königsberg zurückgekehrt wurde er Privatdozent ohne Gehalt und erst im Jahre 1770 also 46 Jahre alt unter Friedrich dem Großen, der ihn sehr schätzte, bekam er eine Professur der Logik und Metaphysik. D. h. er wurde Professor der Philosophie. Als solcher veröffentlichte er im Jahre 1781, dem Todesjahr Lessings, des großen Aufflärers, jein Werk:„ Die Kritif der reinen Vernunft". Damit war er Bahnbrecher geworden. Die Türen der alten Königin Metaphysik" waren fortan zugeschlossen und das große weite Tor einer neuen Erkenntnislehre öffnete feine weiten Flügel und wies der Menschheit einen neuen Weg, der ins Land der Wahrheit führen sollte". Der Mann, der mit dem Erscheinen dieses Werkes eine europäische Größe geworden, blieb aber in seinem Innern Immer der einfache Mensch, liebenswürdig, menschenNr. 6 müssen ihn auch einmal von dieser Seite betrachten: Wo arbeilet er nicht gegen uns, sondern für uns? Soweit, was die Politit angeht. Aber auch in unferem Wirt schaftsleben müssen wir unsere ablehnende Stellung gegenüber Rußland ändern. Bisher sind wir gezivungen, unsere uns fehlen den Nahrungsmittel von Amerika und den Westmächten zu kaufen, ohne daß eine Aussicht oder eine genügende Gewähr besteht, daß wir diese Lebensmittel mit Industrieerzeugnissen bezahlen können, weil jene Länder eine eigene Industrie besitzen. Mit Rußland wäre das ganz etwas anderes: genau so brennend, wie wir Lebensmittel benötigen, braucht Rußland Maschinen, Werkzeug und in erster Linie landwirtschaftliche Geräte. Nur dürfen wie nicht in den Fehler der Kommunisten verfallen, die uns erzählen, daß wir von Rußland sofort Lebensmittel gegen Industrieerzeugnisse eintauschen können. Das ist, wie der Genosse Peri ( der ehemalige Vorsitzende der Arbeiter und Soldaten- Räte in Petersburg) sagt, nur ein schönes Märchen: Erst wenn wir Nußland ausreichend mit landwirtschaftlichen Geräten unterstützt haben, und selbst dann noch wird es voraussichtlich Jahre dauern, bis Nußland seine Landwirtschaft wieder auf eine Höhe gebracht hat, auf der sich ein genügend großer Neberschuß an Nahrungsmitiein erzielen läßt. Berk ist Kommunist. Er wird also nicht in den Verdacht kommen, die russischen Zustände zu schwarz zu jchildern. Jedenfalls ergibt sich schon aus dieser Tatsache, daß an eine Silfe von Rußland im jejzigen Augenblick nicht zu denken ist, die Notwendigkeit, über eine Berbindung mit Nußland unsere Beziehungen zu den Westmächten nicht zu vernachlässigen. Beides ist eben notwendig. Sind wir so zu einer Umwertung der russisch- kolschelistischen Bewegung gekommen, dann ergeben sich auch für die deutsche revolutionäre Arbeiterbewegung zwei flare Richtlinien: 1. Wir brauchen von Rußland Lebensmittel, die vir nur erhallen fönnen, wenn wir vorher an Rußland Maschinen, Werkzeug und landwirtschaftliche Geräte geben. Um diese möchlichst schnell und in größerer Menge liefern zu können, müssen wir unsere Arbeitsleistung und Gütererzeugung auf das Höchste anspannen: wir müssen planmäßig, zielbewußt und mit Einschung unserer ganzen Kraft arbeiten. Das gilt vor allem für den wichtigsten Zweig vnserer Industrie: für die Arbeit in den Bergwerfen, Wer säumig ist, oder die Arbeit gar sabotiert, der begeht ein Verbrechen nicht nur an Deutfdjfreundlich, prunklos und voll des reinsten Herzensadels. Kant war nicht in dem Sinne Mensch, daß ihm, wie Goethe, nichts Menschliches fremd geblieben ist. Dazu fehlte ihn alles Jupiterhafte. Er war sehr klein, von schwachem Körper, fogar etwas erhöhter Schulter. Es fehlten in seinem Leben wohl deshalb zwei Dinge: Liebe und Weib. Seine intimisten Freunde wußten nicht einmal, ob er in der Jugend geliebt hatte. Er sprach darüber nie. Den Frauen war er fein werbender Liebhaber, aber ein zarter Freund, ganz in dem ätherhaften Sinn, den sein Körper als Träger eines Geistes von ungemessener Größe symbolisch andeutete. Kant, dessen Geist in den ewigen Fernen des letzten Erkennens lebte und webte, fonnte fich troydem leichtbeschwingt in die Sorgen und Mühen einer Hausfrau versehen und verschmähte es nicht, wenn er zu Gast geladen war, sich ganz angelegentlich über die Zubereitung der Mahlzeit zu erkundigen und der Hausfrau seine Anerkennung auszusprechen oder auch sein Mißfallen: Kant war zugleich Chemiker und wenn ihm die Art der Speisezutsammensetzung falsch erschien, machte er kein Hehl daraus. Sein Freund Hippel sagte mehrmals scherzend, er werde wohl noch eine Kritik der Kochkunst" schreiben. Nicht genug damit: er rict den Frauen immer wieder, ihre Töchter täglich eine Stunde Unterricht in der Kochkunst erteilen zu lassen und zwar von einem Koch. Mit gutem Tisch könnten sie sich die Liebe ihres Mannes mehr erobern und erhalten, als mit den gelehrtesten Gesprächen. Damit will aber nicht gesagt sein, daß der Königsberger nicht die Frauen sehr geschätzt hätte, die sich durch Anmut des Geistes auszeichneten. ( Schluß solgt) 9.6 Die Gleichheit land, sondern auch an Rußland! An den russischen Bolschewisten! Die sich genau so sehnen, zu friedlichen, ruhigen Verhältnissen zu fommen wie wir. 2. Die Versuche unserer Kommunisten und Hinabhängigen, die Ergebnisse der russischen Revolution möglichst naturgetreu auf die deutschen Verhältnisse zu übertragen, erscheinen in ihrer ganzen Halt- und Sinnlosigkeit in dem Augenblick, in dem wir erkennen, daß in Rußland unter 100 Menschen 86 Bauern sind, während Deutschland ein ausgesprochenes Industrieland ist. Es kann also nicht unsere Aufgabe sein nur um möglichst rrrevolutionär zu sein oder zu scheinen, die russische RevoTution nachzuahmen, die Fehler, die dort gemacht wurden, zu wiederholen, sondern wir müssen alles daran sezen, die dort ge= machten Fehler zu vermeiden und aus ihnen zu lernen. Im übrigen aber die deutsche revolutionäre Bewegung, die noch lange nicht abgeschlossen ist, in ihren eigenen Bahnen vorwärts zu treiben! Kurt Heilbut. Was unsere Volksschuljugend werden will Die Zentrale für Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung beim Leipziger Arbeitsamt sucht sich durch Fragebogen, die von den zu Ostern die Schule verlassendea Schüler und Schülerinnen in der Schule ausgefüllt und dann ihren Eltern zur Einverständniserklärung vorgelegt werden, über die Berufswahl der Volksschüler zu unterrichten, um so eine Uebersicht über den Bedarf an Lehrstellen zu erhalten. Nach dem Ergebnis der Umfrage wollen bon den Schülern werden: 502 Schlosser, 296 Elektriker, 258 TischTer, 223 Bäder, 228 Kaufleute, 199 Mechaniker, 107 Fleischer, 81 Buchdrucker und Schriftseher, 69 Dreher, 48 Schreiber, 46 Schuhmacher, 41 Buchhändler, 40 Zeichner, 36 Buchbinder, 31 Sattler und Tapezieret, 30 Maurer, 29 Kürschner, 28 Köche, 25 Gärtner, 24 Friseure, 23 Klempner, 22 Schneider, 21 Drogiften, 15 Maler, 15 Schmiede, 14 Zimmerer, 14 Konditoren, 13 Zahntechniker, 12 Stellmacher, 12 Sellner, 11 Gürtler, 10 Mufifer. Für alle übrigen Berufe liegen. weniger als 10 oder nur bereinzelte Meldungen vor. Für die Landwirtschaft zeigen 167 Schüler Neigung. 135 geben schlechthin an, Arbeiter zu werden und 399 waren in der Wahl eines Berufes noch unentschieden. Von den Schülerinnen wollen 664 Stellen im Haushalt annehmen, 292 Kontoristinnen, 214 Schneiderinnen, 177 Verkäuferinnen, 100 Kindergärtnerinnen, 98 landwirtschaftliche Scholarinnen, 60 Putmacherinnen, 52 gewerbliche Arbeiterinnen, 33 Frisensen, 19 Blumenbinderinnen, 19 wissenschaftliche und Fachlehrerinnen und 17 Weißnäherinnen werden. 94 wollen zu nächst die Frauenberufsschule besuchen und vereinzelte wollen Musik studieren, Schauspielerin, Uhrmacherin, Photographin, Dentistin, Sozialbeamtin und Zeichnerin werden. Bei 1989 ist die Berufswahl noch unbestimmt. Aus unserer Bewegung Am 6. Januar d. J. fand in der Zentrale für Arbeiterbildung zu Duisburg eine Streistonferenz der agitatorisch tätigen Geossinnen für den Unterbezirk Duisburg- Mülheim( Ruhr), OberHausen, Hamborn- Sterkrade- Wesel unseres Wahlkreises statt. Diefelbe war von 40 Teilnehmerinnen besucht und wurde um 10% Uhr mit folgender Tagesordnung eröffnet: 1. Geschäftliches; 2. Organisation und Agitation; 3. Die Frau in der Republik, unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und politischen Lage. Im Namen des Kreisvorstandes begrüßte Genoffin Arning. Duisburg die Teilnehmerinnen und führte aus, daß es nach 5 Jahren, in denen die Frauen körperlich und seelisch Großes erduldet haben, das erste Mal sei, wo die agitatorisch tätigen Frauen aufammengefommen seien, um einen Rüdblid über unser Wirken feit unserer Gleichberechtigung zu halten, und was das wichtigste fei, Richtlinien für unsere Arbeiten in der Parteibewegung auf zustellen. Nachdem der geschäftliche Teil, Konstituierung der Konferenz, Festjehung der Tageszeit u. a. m. erledigt war, nahm die Gehossin Arning zu ihrem Referat: Organisation und Agitation das Wort. Sie schilderte in furzen Klaren Worten den Aufbau unferer Frauenbewegung im hiesigen Bezirk. Während der letzten Stiegsjahre habe die Frauenagitation fast vollständig geruht, weil ja die Frau durch die Ernährungsschwierigkeiten, durch die Sorge 41 um die Lieben im Felde, fast ganz in Anspruch genommen sei, so daß sie für Politik nicht Auge noch Ohr übrig hatten, und für Organisation gar nicht zu gewinnen waren. Erst als der Zujammenbruch des Militarismus und damit der der herrschenden Gewalten tam, erwachte bei den Frauen wieder das Bewußtsein, daß auch sie jetzt nicht müßig sein dürften und daß es ihre Pflicht sei, mitzuhelfen am Aufbau des neuen Vaterlandes. Go fam es dann, daß bei Ausbruch der Revolution Frauen in großer, Zahl ihren Beitritt zur politischen Organisation erklärten. Aber schon recht bald erlosch dieses Strohfeuer wieder, weil ja die große Mehrzahl der Frauen von der sozialistischen Weltanschauung nicht durchdrungen war. Das sei auch der Hauptgrund, daß der Nußen des Frauenwahlrechts den bürgerlichen Parteien und vor allem dem Zentrum augute fam. Sodann gab die Referentin einen Ueberblick über den Stand unserer Frauenorganisation und unserer Frauenzeitschrift, der „ Gleichheit". Durch die Aufhebung der obligatorischen Lieferung derselben sei die Gleichheit" bedauerlicherweise sehr zurückges gangen, weil die Frauen neben dem erhöhten Parteibeitrag das Abonnement der„ Gleichheit" nicht tragen können. Ein erheb= licher Fortschritt sei allerdings auch hier erreicht, weil die„ Gleich heit" statt 14tägig wöchentlich erscheint. Alsdann wurden von der Rednerin praktische Winke zur BeTebung der Agitation gegeben und auf die kommenden Wahlen hingewiesen, wo es gelte, der Welt zu zeigen, ob der internationale Kapitalismus oder der Sozialismus für die Zukunft in Deutschland herrschen solle. Der Platz jeder Arbeiterfrau sei in unseren Reihen, mit den organisierten Männern gemeinsam, zu streiten für die Befreiung der Menschheit. Unser soll die Zukunft sein! Hierauf folgte eine recht rege Diskussion. Fragen politischer und wirtschaftlicher Natur wurden erörtert. Es wurde gewünscht, daß, wenn es nicht möglich sei, eine Frauenzeitung für unsern Bezirk herauszugeben, so doch in unserer Tagespresse mehr Raum für Frauenfragen freizustellen. Ein Antrag ging ein, welcher lautet: „ Die Frauen der Konferenz verlangen vom Kreisvorstand eine tatkräftige Unterstützung bei der Agitation. Unbedingt müssen in jeder Filiale givei Genojjinnen bestimmt werden, die die Agi. totionsarbeit übernehmen. Der Kreisleitung wird anheimgegeben, dafür Sorge zu tragen, daß die„ Gleichheit" wieder obligatorisch eingeführt wird mit einem vierteljährlichen Extrabeitrag.. Zu Punkt 2 nahm Genossin Ege Frankfurt, Mitglied der Landesversammlung, das Wort. Sie verstand es, die Frauen vom Anfang bis zum Schluß mit ihren Ausführungen zu fesseln. Als Parlamentarierin fonnte sie unseren Frauen sagen, welche wertvollen Arbeiten Sozialdemokratinnen für unsere Frauen ge leistet haben. Wie sie tapfer die Rechte des unehelichen sindes und seiner Mutter gefordert und zum Teil auch erreicht haben. als weiterer Fortschritt sei zu verzeichnen die Aufhebung des Bölfbats der Lehrerinnen, die Zulassung der Frauen zur Zeitung der Fürsorge- und Erziehungsanstalten, die Verankerung der Frauenrechte in der deutschen Reichsverfassung, das neue Sied lungsgesetz, welches auch für Frauen von besonderer WichtigTeit ist.. Nach längeren Ausführungen sprach die Referentin noch über den schmachvollen Frieden, den wir zu schließen gezwungen waren. Mit welcher Unbarmherzigkeit uns die Entente ihre harte Faust spüren läßt. Dann mahnte sie zur Einigung des gesamten Proletariats, denn nur ein einiges starkes Volk kann sich wirtschaftlich und kulturell wieder erheben, nur ein einiges starkes Proletariat kann die Ziele des Sozialismus verwirklichen! Eine Diskussion hierzu war nicht erwünscht. Genossin Arning faßte noch einmal in ihrem Schlußwort alles Gehörte zusammen und betonte besonders, wie notwendig die Teilnahme der Frau ant politischen Leben sei. Die Bahn sei frei, nun läge es an den Frauen, durch tatkräftige, intensive Arbeit zu zeigen, daß sie die ecrungene Freiheit im richtigen Sinne anguivenden vermögen. Mit einem Hoch auf die deutsche Republik schloß die Konferenz, welche hoffentlich für unsere Bewegung reiche Früchte tragen wird. Marie Arning. Druckfehlerberichtigung. In dem Leitartikel der Nummer 5 muß es in der zweiten Spake, Beile 28, anstatt Möglichkeit"„ Unmöglichkeit" heißen. Berantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bohm- Schuch. Druck: Vorwärts Buchdruckeret. Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. 6. S. fämtlich in Berlin SW 68, Lindenstraße 3 48 Die Gleichheit Nr. 6 Timner- Essig überall erhältlich! Nervöse Schlaflosigkeit wird behoben durch Angloval ( Extr. 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