Nr. 9 30. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Die Gleichheit erscheint wöchentlich Preis: Monatlich 1,20 Mart, Einzelnummer 30 Pfennig Durch die Post bezogen vierteljährlich ohne Bestellgeld 3,60 Mart; unter Kreuzband 4,25 Mart Berlin 28. Februar 1920 Die Frau und ihr Haus Sufchriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morisplay 147 40 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Das Betriebsrätegesetz und die Frauen Bon Dr. Diga Essig, Frankfurt a. M. Neue Rechte bedeuten neue Pflichten und Verantwortlichfeiten. Das soll im folgenden hinsichtlich des Betriebsrätegesetzes in seiner Beziehung zu den arbeitenden Frauen unterfucht werden. Bei oberflächlicher Betrachtung erscheint hier kein Objekt des Studiums besonderer Frauenfragen gegeben. Nach§ 20 des Gesetzes find alle mindestens achtzehn Jahre alten männlichen und weiblichen Arbeitnehmer, die sich im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befinden, wahlberechtigt; wählbar alle mindestens vierund3lvanzig Jahre alten reichsangehörigen Wahlberechtigten, bie nicht mehr in Berufsausbildung sind und am Wahltage mindestens sechs Monate dem Betrieb oder dem Unternehmen, soiwie mindestens drei Jahre dem Gewerbezweig oder dem Berufszweig angehören, in dem sie tätig sind. § 22 verspricht hinsichtlich der Zusammensetzung des Betriebsrates möglichste Berücksichtigung der im Betriebe befchäftigten verschiedenen Berufsgruppen männlicher und weiblicher Arbeitnehmer. Die Zahl der Betriebsratsmitglieder schwankt zwischen 3 und 30, je nach der Zahl der Arbeitnehmer(§§ 15 und 16). Zur Vertretung besonderer wirtschaftlicher Interessen von Arbeitern und Angestellten gegenüber dem Arbeitgeber bilden die Arbeitermitglieder und Angestelltenmitglieder des Betriebsrates den Arbeiterrat bzw. Angestelltenrat(§§ 6 und 15 ff.). An die Stelle des Betriebsrates tritt nach§ 2 ein Obmann, wenn der Betrieb in der Regel weniger als zwanzig, aber mindestens fünf wahlberechtigte Arbeitnehmer beschäftigt, deren mindestens drei gemäß§§ 20 und 21 wählbar sein müssen. Die Aufgaben und Befugnisse der Betriebsvertretungen werden durch die§§ 66 ff. für die Betriebsräte und die $ 8 78 ff. für die Arbeiter und Angestelltenräte geregelt. Wir wollen sie wörtlich wiedergeben. Nach§ 66 hat der Betriebsrat die Aufgabe: 1. in Betrieben mit wirtschaftlichen Zweden die Betriebs. leitung durch Rat zu unterstüben, um dadurch mit ihr für einen möglichst hohen Stand und für möglichste Wirtschaftlichkeit der Betriebsleistungen zu sorgen; 2. in Betrieben mit wirtschaftlichen Zweden an der Einführung neuer Arbeitsmethoden fördernd mitzuarbeiten; 13. den Betrieb vor Erschütterungen zu bewahren, insbesondere borbehaltlich der Befugnisse der wirtschaftlichen Vereinigung der Arbeiter und Angestellten(§ 8) bei Streitigkeiten des Betriebsrats, der Arbeiternehmerschaft, einer Gruppe oder eines ihrer Teile mit dem Arbeitgeber, wenn durch Verhandlungen feine Einigung zu erzielen ist, den Schlichtungsausschuß oder eine vereinbarte Einigungs- oder Schiedsstelle anzurufen; 4. darüber zu wachen, daß die in Angelegenheiten des gesamten Betriebs von den Beteiligten anerkannten Schieds. sprüche eines Schlichtungsausschusses oder einer vereinbarten Einigungs- oder Schiedsstelle durchgeführt werden; 5. für die Arbeitnehmer gemeinsamie Dienstvorschriften und Aenderungen derselben im Rahmen der geltenden Tarifberträge nach Maßgabe des§ 75 mit dem Arbeitgeber zu ver einbaren; 6. das Einvernehmen innerhalb der Arbeitnehmerschaft sowie alvischen ihr und dem Arbeitgeber zu fördern und für Wahrung der Vereinigungsfreiheit der Arbeitnehmerschaft einzutreten; 7. Beschwerden des Arbeiter- und Angestelltentats entgegenzunehmen und auf ihre Abstellung in gemeinsamer Verhand lung mit dem Arbeitgeber hinzuwirken; 8. auf die Bekämpfung der Unfall- und Gesundheitsgefahren im Betriebe zu achten, die Gewerbeaufsichtsbeamten und die sonstigen in Betracht kommenden Stellen bei dieser Bekämpfung durch Anregungen, Beratungen und Auskunft zu unterstüßen, sowie auf die Durchführung der gewerbepolizeilichen Bestim mungen und der Unfallverhütungsvorschriften hinzuwirken; 9. an der Verwaltung von Pensionskassen und Werkswohnungen sowie sonstiger Betriebswohlfahrtseinrichtungen mitzuwirken; bei letzteren jedoch nur, sofern nicht bestehende, für die Verwaltung maßgebende Satzungen oder bestehende : lektwillige Verfügungen von Todes wegen entgegenstehen oder eine anderweitige Vertretung der Arbeitnehmer vorsehen. Die Aufgaben des Arbeiterrates und des Angestelltenrates weichen von denen des Betriebsrates ab, obliegen diesem aber auch in allen den Fällen, wo besondere Räte der Arbeiter und Angestellten nicht bestehen. Wir geben auch hier den Wortlaut gemäß§ 78 wieder: Der Arbeiterrat und der Angestelltenrat oder, wo ein solcher nicht besteht, der Betriebsrat hat die Aufgabe: 1. darüber zu wachen, daß in dem Betriebe die zugunsten der Arbeitnehmer gegebenen gesetzlichen Vorschriften und die maßgebenden Tarifverträge sowie die von den Beteiligten an erkannten Schiedssprüche eines Schlichtungsausschusses oder einer vereinbarten Einigungs. oder Schiedsstelle durchgeführt werden; 2. soweit eine tarifvertragliche Regelung nicht besteht, im Benehmen mit den beleiligten wirtschaftlichen Vereinigungen der Arbeitnehmer bei der Regelung der Löhne und sonstigen Arbeitsverhältnisse mitzuwirken, namentlich auch bei der Festsetzung der Akford- und Stücklohnsätze oder der für ihre Festsetzung maßgebenden Grundsätze, bei der Einführung neuer Löhnungsmethoden, bei der Festsetzung der Arbeitszeit, insbesondere bei Verlängerungen und Verkürzungen der regelmäßigen Arbeitszeit, bei der Regelung des Urlaubs der Arbeitnehmer und bei · Erledigung von Beschwerden über die Ausbildung und Behand lung der Lehrlinge im Betriebe; 3. die Arbeitsordnung und sonstige Dienstvorschriften für eine Gruppe der Arbeitnehmer im Rahmen der geltenden Tarif verträge nach Maßgabe des§ 80 mit dem Arbeitgeber zu ver. einbaren; 4. Beschwerden zu untersuchen und auf ihre Abstellung in gemeinsamer Verhandlung mit dem Arbeitgeber hinzuwirken; 66 Die Gleichheit b, in Streitfällen den Schlichtungsausschuß oder eine vereinbarte Einigungs- oder Schiedsstelle anzurufen, wenn der Betriebsrat die Anrufung ablehnt; 6. auf die Bekämpfung der Unfall- und Gesundheitsgefahren feiner Gruppe im Betriebe zu achten, die Gewerbeaufsichtsbeamten und die sonstigen in Betracht kommenden Stellen bei dieser Bekämpfung durch Anregungen, Beratung und Auskunft zu unterstützen, sowie auf die Durchführung der gewerbepolizeilichen Bestimmungen und der Unfallverhütungsvor schriften hinzuwirken; 7. bei Kriegs- und Unfallbeschädigten für eine ihren Kräften und Fähigkeiten entsprechende Beschäftigung durch Rat, Anregung, Schuß und Vermittlung bei dem Arbeitgeber und den Mitarbeitnehmern tunlichst Sorge zu tragen; 8. soweit eine tarifvertragliche Regelung nicht besteht, nach Maßgabe der§§ 81 bis 83 mit dem Arbeitgeber Richtlinien über die Einstellung von Arbeitnehmern der Gruppe in den Betrieb zu vereinbaren; 9. nach Maßgabe der§§ 84 bis 90 bei Entlassungen von Arbeitnehmern der Gruppe mitzuwirken. Bon besonderer Wichtigkeit in dieser allgemeinen Struktur des Gesetzes ist der letzte Satz des§ 81, der besagt, daß in den nach§ 78 Abs. 8 aufzustellenden Richtlinien über die Einftellung von Arbeitnehmern nicht enthalten sein darf, daß die Einstellung von der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Geschlecht abhängig gemacht wird. Hiermit sind jene Demobil machungsverordnungen für die wirtschaftlichen Betriebe endlich beseitigt, die Ausnahmegesete gegen die arbeitenden Frauen darstellten und in ungezählten Einzelfällen infolge schematischer Auslegung zu großen Härten geführt haben. Ist somit das Betriebsrätegesetz der verfassungsmäßig gewährleisteten grundsätzlichen Gleichberechtigung" der Geschlechter formell gerecht geworden, so bleibt seine Wirkung für die weiblichen Arbeiter und Angestellten unter der Herr fchaft der derzeitigen Wirtschafts- und Rechtsordnung und unter Berücksichtigung des heutigen Standes der Frauen arbeit in den Betrieben zu prüfen. Dabei ist von der Tatsache auszugehen, daß in den Betrieben heute noch fast allgemein die Frauen unter ungünstigeren Lohnverhältnissen arbeiten als die Männer. In den weitaus meisten Fällen sind die Arbeiterinnen ungelernte, bestenfalls angelernte Kräfte. Die sozialpolitische Gesetzgebung hat die Frauenarbeit mehrfach ausnahmsweise behandelt, jo hinsichtlich des Verbots der Nachtarbeit, der Arbeit unter Lage, des Schutzes der Schwangeren und Wöchnerinnen, der Betriebshygiene u. a. m. ( Schluß folgt) Jugendweihen Nun ist wieder die Zeit, wo Taufende lieber Jungs und Mädels die Schule verlassen, um hinauszugehen ins Leben mit all seinen Schönheiten und Stürmen. Und für viele Eltern ist damit der Gewissenskonflikt zwischen eigener Weltanschauung und derjenigen, in welcher die Schule ihre Kinder 8 Jahre hindurch erzogen hat, von neuem gegeben. Sie möchten ihre Kinder nicht so ganz ohne Festtagsstimmung und Weihe Abschied nehmen lassen von der Kindheit; aber fie können sich als ehrliche Menschen auch nicht mit der Kirchlichen Konfirmation befreunden, weil für sie Freiheit in Glaubensdingen erstes Gebot ist. Die Kinder selbst werden naturgemäß schon während der letzten Schuljahre diesen Widerstreit der Empfindungen hineingezogen, und in den meisten Fällen werden sie schließlich die Entscheidenden sein in der Frage, ob sie an der kirchlichen Konfirmation teilnehmen wollen. Die ausschlaggebenden Gründe find sehr verschieden, oft rein äußerlicher Art: die Kleidung, was die Leute sagen", Furcht vor dem Spott der Mitschüler usw. Sie lassen das Kind zu einer ernsten Ueberlegung und Prüfung seiner innersten Gefühle gar nicht kommen, so daß der Zweck: dem jungen Menschenfinde eine ernstschöne Stunde gegeben zu haben, deren hohe Helle durchs ganze Leben hinin Nr. 9 durch nicht mehr verblaßt,- überhaupt nicht erreicht wird. Ich selbst habe einst eine solche Stunde erleben dürfen; unser alter Dorfpfarrer sprach uns über das Gleichnis vom verlorenen Paradies, und er zeigte uns dabei das Leben in all. seiner köstlichen Fülle. Ich weiß also, daß es wohl kirchliche Feiern geben kann, die hohe Werte enthalten. Aber darum darf ich auch aussprechen, daß sie Seltenheiten sind und daß ich sie trotz ehrlichen Suchens- nirgends mehr gefunden habe. Die Jugendweihen der freireligiösen Gemeinden entsprechen natürlich mehr unseren Anforderungen und Anschauungen; aber viel Hohes und Schönes habe ich oft auch in ihnen vermißt. Anders ist es mit den ganz freien Jugendweihen der Arbeiterschaft, wie sie z. B. in Bremen, Hamburg, Berlin seit Jahren üblich sind. Diese Weihen sind schön, sie bilden einen Festtag noch in einent ganzen Leben voll Alltagen. Nicht zu einer Weltanschauung werden hier die Kinder verpflichtet, sondern zum Streben nach reinem Menschentum. Und dieses ideale Ziel umfängt die jungen Seelen, trägt sie empor, läßt sie den Flügelschlag der Verantwortung fühlen, welche sie als Menschen für die Menschheit tragen sollen. Und all die Kraft und Schönheit, welche aus ihnen selbst erwachsen soll, läßt sie erschauern wie den Baum im drängenden Werden des Vorfrühlings. So habe ich es wieder und wieder erlebt. Köstlichstes Erleben, wenn junge Menschenseelen sich erschließen und man in heiliges Land schauen darf. Darum sollten überall solche Jugendweihen geschaffen werden. Heute, wo in jedem Ort Schulräume für solche Zwecke zur Verfügung stehen, ist es viel leichter als vor der Revolu tion, wo solche Feststunden so oft an dem geeigneten Raum scheiterten. Die ganze Veranstaltung ist gar nicht schwer und ohne große Kosten zu treffen, wenn nur einige schönheitsliebende und tattvolle Menschen sich in gemeinsamer Arbeit finden. Als wir im Jahre 1911 in Neukölln den Entschluß faßten, eine freie Jugendweihe zu veranstalten( Berlin hatte sie damals noch nicht), standen uns feinerlei Mittel zur Verfügung. Die Parteiorganisation lehnte jede Beteiligung ab. Geld hatten wir im Jugendausschuß nicht, aber viel Begeisterung, vor allem bei unseren Jungs und Mädels in der Jugendbewegung. In unserem Orte blieben damals viele Kinder von jeder Feier fern, weil die Eltern nicht die Mittel batten, neue Kleidung zu beschaffen, und so machten wir dann von vornherein darauf aufmerksam, daß unsere Feier nichts mit der Kleidung zu tun haben solle; ein Sonntagsfleid oder anzug, wenn es ginge, ohne jede Rücksicht auf Farbe oder Art, und wer kein Sonntagskleid habe, folle im SchulFleid kommen. Und es meldeten sich dies erstemal 28 Rinder. Da machten wir uns an die Schmückung unseres gerade errichteten Jugendheims; für 3 Mr. Tannenreis und roter Stoff( den wir hatten) ergab ein feftliches Gepräge. MärzSonnenschein lachte und vor den Blumenläden standen Blechwannen voll Beilchensträußchen. Und da fauften wir 28 Stück, um fie mit einem kleinen Büchlein als Erinnerung zu geben. Zwei unserer jungen Mädchen( heute sind sie durch hartes Kriegserleben Kommunistinnen) kauften von dem eigenen fargen Geld noch zwei für meinen Mann und mich. Mit kargen Geld noch zwei größerem Herzklopfen bin ich nie vor meine Zuhörer getreten, aber auch wohl kaum je mit innigerer Liebe verstanden worden. Ein Musikstück( von dem Streichquartett unserer Jugendlichen wunderschön ausgeführt) leitete die Feier ein; dann sangen die Kinder ein gemeinsames Lied. Darauf folgte meine Ansprache und mit Streichmusik und Lied schloß die Feier. Der erste Verfuch hatte Mut gemacht und Unterstützung gebracht. Der künstlerische Teil konnte ausgestaltet werden, und bald war es nötig, vier Feiern zu jeder Schulentlassung zu veranstalten. In Berlin übernahm Genosse Wissell die Weiherede, und heute dürfen die Berliner Feiern wohl als ganz besonders gut und gelungen angesprochen werden. Nr. 9 Die Gleich beit Der Versuch, Jugendweihen in diesem Sinne zu veranstalten, sollte also überall gemacht werden. Es kommt so sehr darauf an, daß unsere Kinder voll innerer Froheit und Schönheit ehrlich und ernst über die Schwelle des Kinderlandes ins junge Leben treten. Helft überall dazu. Clara Bohm- Schuch. 67 Vorschlag aufzunehmen, den der frühere Polizeiarzt Dr. Dreum in einem an die Preußische Landesversammlung gerichteten ,, Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten" dahin zusammengefaßt hat:„ Wer zwangsweise vom Gesundheitsamte... einem Krankenhaus oder AmbuIatorium überwiesen ist, darf diese Anstalt nur mit ärztlicher Genehmigung verlassen. Im Falle der Nichtheilung wird solchen Kranken bei der Entlassung eine Abschrift zur Unterschrift vorgelegt, auf dem sie davon Kenntnis nehmen, daß sle Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten darauf aufmerksam gemacht sind, Von Henr. Fürth VII. Aerztliche Belehrung, Anzeigepflicht und Kurpfuschertum. Statt des§ 4 der Notverordnung vom 11. Dezember 1918: Wer eine Person, die an einer mit Ansteckungsgefahr verbundenen Geschlechtskrankheit leidet, ärztlich untersucht oder behandelt, soll sie über Art und Ansteckungsfähigkeit der Krankheit sowie über Strafbarkeit der im§ 3 bezeichneten Sandlung belehren", wurde von der Sachverständigenkommission der D. G. B. G. die folgende Fassung vorgeschlagen: Wer eine Person, die an einer mit Anstedungsgefahr verbundenen Geschlechtsfrankheit leidet, ärztlich untersucht oder be handelt, hat sie über Art und Ansteckungsfähigkeit der Krantheit sowie über Strafbarkeit der im§ 3 bezeichneten Handlung zu belehren, soweit nicht von der Belehrung eine schwere unmittelbare Gefährdung der Förperlichen oder seelischen Gesundheit zu besorgen, oder falls der Kranke unter 15 Jahren ist. In letzterem Falle hat der Arzt die Eltern oder Pflegeeltern des Fürsorgepflichtigen zu belehren. In die Belehrungsfarte soll ein Hinweis auf die zivilrechtliche Verpflichtung zum Ersatz des durch die Ansteckung verursachten Schadens kommen.)" Es ist zu begrüßen, daß hier das„, sol!" der Verordnung durch das verpflichtendere, hat" ersetzt ist. Ebenio entsprechen die einschränkenden Schlußfäße einem Gebot der Menschlichkeit. Dagegen sollte in dem Hinweis neben der zivil- auch die unerläßliche strafrechtliche Berant. wortung genannt sein. Als Ergänzung wäre vielleicht ein Feuilleton Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht, Vor dem freien Menschen erzittert nicht! * 11 Wie ich als Frau den Krieg sah Krieg Aus Tagebuchblättern von Erna Büsing Krieg zicht ins Land. Schiller. zieht ins Land. Ich weiß es, denn ich lebe in Onfel Ottomars Haus und dort hat man Verbindungen. Was man hier mutmaßt, das trifft meistens ein, und man weiß immer, was dem Bolfe einzureden ist. Ich finde mich darin nicht zurecht, und darum wird ja auch oft verächtlich gesagt:„ Ich sei keine komplizierte Natur." Ich begreise nur, daß das Volk( doch dieses Wort ist in diesem Falle nicht angebracht) oder wenigstens diese Masse der Dentfaulen, der Nachplapperer, der Affen, der Mitläufer immer das denken muß, das denen, die im Hause Onkel Ottomars ein- und ausgehen, Vorteil bringt. Sonderbar, sie beuten hier nie Menschen aus, indem sie sie für sich arbeiten lassen, sie regulieren nur ihr Denken. Und plötzlich kam Armand. Er ist mein Verlobter. Aber das bedeutet nichts; ich muß fagen, er ist mein ein und alles. Er ist der einzige Mensch meines Bekanntenkreises, der sich die Mühe gibt, mich zu verstehen. Wie dankbar und wie ergeben bin ich ihm dafür. Ich schenkte ihm meine Seele. Er war in Staatsgeschäften im Orient. Was er dort tat? Was weiß ich davon!- Es waren Staatsgeschäfte; diese Tatfache zieht den Schleier über alles Geschehene. Was ist über1. daß ich noch an Syphilis oder nicht völlig geheiltem Tripper leide; 2. daß meine Krankheit voraussichtlich noch wenigstens ... Monate... Jahre ansteckend ist; 3. daß es strafbar ist, wenn ich in irgendwelcher Wette andere der Ansteckung aussehe; 4. daß ich eine Erklärung über das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtsfrankheiten richtig erhalten habe." Behand lungszwang für Geschlechtskranke."" Beitschr. für Bek. b. Geschl." Bd. 18 S. 1 1917. In gleichem Zusammenhang fordert Block neben der Behandlungspflicht:„ Wenn eine solche Person in die Behandlung eines anderen Arztes übergeht, hat sie dem bisherigen Arzt unverzüglich Anzeige unter Nennung des Namens des neuen Arztes zu machen... Bleibt eine an Geschlechtsfrankheit leidende Person ohne Angabe eines genügenden Grundes aus der Beobachtung oder Behandlung eines Arztes fort, so ist sie vom Arzt schriftlich zum Erscheinen aufzufordern und, wenn sie dieser Aufforderung innerhalb zweier Wochen nicht Folge leistet, dem beamteten Arzte anzuzeigen." Die Notwendigkeit all dieser Maßnahmen ist so offensichtlich, daß sie feiner näheren Erläuterung bedürfen. Wohl aber bedürfen sie zu ihrer Verwirklichung eines anderen: Es muß die Möglichkeit geschaffen werden, säunige Patienten zur Fortsetzung der Behandlung zu zwingen. Das heißt aber, der Arzt muß das Recht und die Pflicht haben, solche Säumige Haupt der Staat? Ich habe tatsächlich keinen festumrissenen Begriff für ihn. Er wurde zu einer Form, die die Herrenmenschen erfanden, um uns Andersdenkende in sie hineinzupressen, um unsern Entwicklungsgang zu hemmen und alles von der Gewohnheit Abweichende zu erdrosseln. Er ist jetzt ein Etwas, das alle Handlungen entschuldigen läßt; darum lernte ich ihn haffen. Armand ist Franzose. Er mußte eilen, um aus Deutschland fortzukommen. Wir schritten durch Hamburgs Straßen, in denen eine wildbewegte Menschenmenge wogte. Ich ging so starr, und da wir oft bewußt den Schritt hemmten, um die Minuten auszukosten und uns dann wieder eilten, weil die Unrast uns trieb, verfielen wir in die mannigfachsten Gongarten; schließlich verlief ich mich, als ob ich ihm noch hastend alle Sehenswürdigkeiten der alten Handelsstadt zeigen wollte. Auf dem Altonaer Hauptbahnhof, wo uns trußig und fest Kriegsgesänge entgegenschallten, flammerte ich mich an Armand und schrie:„ Nimm mich mit!"„ Das darf ich nicht", fagte er bestimmt und löste meine sich in seinen Modärmel frampfenden Finger, die ihre spißen Nägel scharf in seinen Oberarm bohrten. Dann nahmen wir mit einem Scherzwort Abschied. Ich raste den Bahnsteig entlang, lief dem Zuge nach und winkte, solange ich Armands weißen Panama, den er lebhaft schwenkte, sehen konnte. Meine Augen waren leuchtend und strahlend. Unwillkürlich hatte ich mich aufgerafft. Unsere Liebe war etwas Schönes, Helles, und das will nun die fommende Zeit in Dreck und Blut ersäufen. Doch mich sollte Armand freundlich im Gedächtnis behalten und daher glänzten meine Augen. Nun soll er bald für sein Vaterland gegen mein Vaterland kämpfen. Ach, an mir prallt der künstlich geschürte Haß so ab, daß ich nur ein Hohnlachen für ihn übrig habe. Was ist 68 Die Gleich beit der mit Zwangsbefugnis ausgestatteten Gesundheitsbehörde zur weiteren Veranlassung anzuzeigen. Diesem Zwecke fönnen, wie gezeigt wurde, die ausgebauten Beratungsstellen dienen. Es gibt aber über den Bereich der in diesem Sinne meldepflichtigen Fälle hinaus andere Fälle, in denen die Patienten zwar in Behandlung bleiben, also nicht im Rahmen der heutigen Kompetenz der Beratungsstellen an die Gesundheitsbehörde weiterzumelden find, fich aber durch ihr übriges Verhalten als Schädlinge erweisen, die aus hygienischen, sozialen und moralischen Gründen vom Arzt zur Anzeige gebracht werden müßten, die er aber darum heute nicht melden kann, weil ihm im§ 300 StrGB. Schweigepflicht über alles auf erlegt ist, was er innerhalb seines Berufes erfährt. Zwei besonders drastische Fälle dieser Art seien nach Flesch,„ Das ärztliche Berufsgeheimnis und die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten", 2. Kongreß der D. G. B. G., München, hier mitgeteilt.„ Ein Arzt hat sich bei einer Operation an einem Finger syphilitisch angesteckt. Trotz genauer Kenntnis dieser Tatsache verlobt er sich und heiratet, ohne auf die von ihm konsultierten Kollegen zu hören, im ansteckungsfähigen Stadium der Krankheit. Die beteiligten Aerzte müssen schweigen. Ihr Drängen, die Ehe zu verschieben, bleibt wirkungslos. Im Vollbewußtsein seiner Krankheit, im vollen Bewußtjein der Gefahr, der er seine junge Frau aussetzt, geht der Unglückliche seinen Weg: zur Vergiftung des jungen Weibes, das sich ihm anvertraut hat, zur Erziehung siechen Nach wuchses, zum eigenen Tod an Paralyse, der nach wenigen Jahren erfolgt ist. Ein anderer Fall. Ein Arzt, mit florider Gonorrhöe in die Ehe getreten, infiziert seine junge Frau und macht ihre Heilung dadurch unmöglich, daß er, selbst von der Krankheit nicht belästigt, die eigene Heilung vernachlässigt, jede Heilung seiner Frau aber durch Fortsetzung des ehelichen Verkehrs, damit sie keinen Verdacht schöpfe", vereitelt". Man erinnere sich in diesem Zusammenhang auch des verfilmten Theaterstücks von Brieur:„ Die Schiffbrüchigen". Unendliches, nicht wieder gutzumachendes Unheil geschieht. Der Arzt weiß davon, aber das ärztliche Berufsgeheimnis legt ihm Schweigen auf. ( Schluß folgt) denn überhaupt Vaterland oder gar die Heimat? Für mich ein Stückchen Erde, auf das mich die Geburt durch Zufall stellte. Ein Stückchen Erde, an dem sich die Erinnerungen meiner Kindheit festgesogen hatten. Ein Stückchen Erde, das mich, als ich reif wurde, enttäuschte, da ich mir draußen in der Welt einbildete, in ihm zu wurzeln, um, als ich dann nach Hause kam, zu fühlen, daß ich meinem Kreise entwachsen bin. Und doch müßte uns die Heimat mehr sein und mehr sein können, denn auch in uns, den von der Heimat hart Enttäuschten, brennt nie erlöschend die Sehnsucht nach Heimat liebe. Mit Armand ging das Gute, das Schöne aus meinem Leben. Dabei ist Armand Offizier, wie lächerlich. Nun soll sein Wollen zum Guten, sein Mut zum Besten in den Dienst gestellt werden, Menschen zu töten, Menschen, die meine Sprache reden. Was ist das Vaterland? Was ist dieses wesenlose Etwas, für das man sich die Köpfe einschlägt? Ich habe wohl tatsächlich kein Vaterland, denn wie konnte ich sonst eben, in der verzweifeltsten Stunde meines Lebens mich an den Angehörigen eines fremden Stammes anklammern und flehen: Nimm ich mit!". Ich hätte keine Angst, in sein Volk zu gehen, das ich liebe, weil er ihm angehört. Süben und drüben die Menschen mit dem Willen zum Besten sind die nicht ein gemeinsames Guthaben? Ja, Onkel Ottomar, ich verstehe Dich und Deinesgleichen; es ist Euern Interessen nicht zuträglich, wenn der Mensch im Menschen seinen Bruder sieht, denn die Liebe fennt keine Furcht, die Liebe ist größer als Euer sogenanntes Vaterland, und darum schürt Ihr den Haß und seid so frech und dreist, Euch vaterländisch zu nennen. So raubt Ihr uns unser Vaterland, weil Ihr nur Euern engbegrenzten Interessen darin Nr. 9 Neugestaltung des Hebammenwesens Bon Eduard Gräf 1. Der Beruf einer Hebamme wird in weiten Volfskreisen noch gründlich verkannt und auch unterschätzt. In mehr als 90 Broz. aller Fälle steht die Hebamme allein am Bette der Wöchnerin, hat also dann zwei Menschenleben in ihrer Hand. Ja, fie findet sehr oft in der Wohnung der Proletarier faum die notdürftigsten Einrichtungen für diesen wichtigen Aft vor, in dem das Leben der Wöchnerin oder das der Kinder auf dem Spiele steht. Warmes Wasser. Seife, reine Handtücher usw. find verhältnismäßig felten genügend zu finden. Der Vater in der Arbeit, die Kinder umstehen das Lager der leidenden Mutter. Fühlt nun die gerufene, endlich erschienene Hebamme mit der armen Mutter und deren Familie, so wird sie alles, ihr ganzes Können einsetzen, um über diese enormen Schwierigkeiten hinwegzukommen, die sie oft nicht voraus ahnen fonnte. Ihr Beruf ist deshalb in diesem Fall doppelt schwer, jedenfalls viel schwerer als im Haufe der Reichen, die schon vorher den Arzt telephonisch verständigen konnten, Wartefrauen, Dienstboten usw. zur Verfügung haben. Ja, in reichen Familien ist die eigentliche Hebamme entbehrlich geworden ,. denn entweder wird die Entbindungsanstalt erster Klasse vorgezogen, die schon mehrere Tage vor Eintritt der Wehen die Wöchmerin aufgenommen hat, oder der Hausarzt, Frauenarzt, wartet geduldig am Bette, umgeben von Wartefrauen usw. Es wird ja gut bezahlt! Auch hier diese Gegensätze, die durch nichts mehr begründet sind, wenn man ernstlich Bevölkerungspolitik treiben, die neue Zeit verstehen will. Jede Wöchnerin muß deshalb einen Anspruch auf freie Wochenhilfe haben, die nicht allein freie Hebammenhilfe, sondern auch ärztliche Hilfe, Heilmittel unv. umfassen muß. Wie oft wird der Arzt nicht an das Wochenbett gerufen, weil kein Geld vorhanden ist! Die arme Mutter muß sich verbluten, das Kind wird tot geboren und zwei Gräber sind mehr zu schaufeln. Gar nicht selten weigern sich auch Hebammen, zur Wöchnerin zu eilen, wenn fie Sorge um ihre Bezahlung haben, oder gar Raum gönnen wollt; so mordet Ihr unsere Menschenrechte, weil Ihr die Nationen künstlich aufeinander hetzt. Krieg. Der Krieg ist erklärt. Die Truppen marschieren, und alles wartet fieberhaft auf den ersten Zusammenprall. Feldgran gekleidetes Schlachtvieh durchzieht die Straßen Hamburgs. Im Alster- Pavillon bewerfen sie sich vor Ueberpatriotismus mit Stühlen und schlagen die Marmortische entzwei. Bor Lederers Bismarc, dessen gewaltige Playwirkung mich stets nahezu erdrückend padt, ziehen junge Burschen und Redakteure der rechtsstehenden Zeitungen und halten dort, wenn sie angesäufelt find, schwungvolle Hetreden. Onkel Ottomar ist gelassen und verbindlich wie immer. den, kannst Du so gelassen zusehen, wie Menschen zum MorOnkel Ottomar, kümmert Dich denn gar nicht fremdes Leiden und„ Sich- morden- lassen" befohlen werden? Onkel Ottomar, ich weiß nicht, ob ich Dich wegen Deiner Ichsucht, Deiner Unempfindlichkeit gegen das Leid anderer bewundern oder hassen soll. ( Fortsetzung solgt) Aus der französischen Gefangenschaft zurück! Endlich ist der erste Zug mit den aus Frankreich entlassenen Vormittags deutschen Kriegsgefangenen eingetroffen. tele phonierte man mir, ich möchte zur Begrüßung an die badischwürttembergische Grenze kommen. Ich fuhr mit der Vorsitzenden der Frauenliga zur Heimholung der Gefangenen auf den be sonders festlich geschmüdten kleinen Bahnhof von Mülacker. Auf die Minute traf der Zug ein. 25 Wagen mit 1025 Gefangenen. Unsere Herzen flopsten. Wie würden sie aussehen? Wie würde Nr. 9 Die Gleichheit das letzte Wochenbett nicht bezahlt wurde. Mag dann Mutter und Kind zugrunde gehen. Gibt es nicht auch Aerzte, die erst vorsichtig am Telephon nach dem Stand der Familie, Wohnung, Zugehörigkeit zur Krankenkasse usw. fragen? Bei reichen Leuten saust das Auto, bei armen Broletariern wird erst gefragt, um dann durch faule Ausreden diese wichtige Hilfeleistung zu versagen. Man stelle sich nun die Verzweislung der armen Entbindenden vor, des Ehemanns, der von Straße zu Straße in dunkler Nacht eilt, um die ärztliche Hilfe zu rufen. Minuten werden da zu Stunden und sehr oft entscheidet eine verhältnismäßig furze Zeitspanne über das Leben von Mutter und Kind. Und dann die Zahl der zur Verfügung stehenden Hebammen und deren Ausbildung. Es steht hier wie bei den Aerzten auch. In Großstädten eine ansehnliche Zahl von Aerzten und Hebammen und ein gewisser Mangel an Patienten und Geburten, während wieder auf dem Lande ein erschreckender Mangel an Aerzten und auch Hebammen zu verzeichnen ist, die unmöglich ausreichende Hilfe bringen können. Man beachte auch die riesigen Entfernungen, die in diesem Falle in Frage kommen und daher doppelt den Mangel zutage treten lassen. Mehr als in den Großstädten kommen deshalb auf dem Lande Todesfälle bei Geburten vor, da ja die ärztliche Hilfe viele Stunden weit erst gerufen werden muß. Es fönnen viele Stunden, ja ganze Tage vergehen, bis der Arzt erscheint. Hier ist die Hebamme dann ganz allein auf ihre Kunst angewiefen und hat dabei oft mehrere Ortschaften zu versorgen. Man denke, jedes Bauerndorf hat eine Kirche und feinen Pfarrer, jedoch keine Mittel, sich einen Arzt oder eine Hebamme leisten zu können. Der Arzt der Seele" geht eben vor. Da eilt die nicht immer gut vorgebildete Hebanıme bei Wind und Wetter in dunkler Nacht durch Eis und Schnee auf elenden Feldwegen, um Hilfe zu bringen. Ist dann noch die alte Dorfhebamme von ihrer Gicht geplagt, oft eine Folge ihres Berufes, so kann es vorkommen, daß Mutter und Kind ohne diese wichtige Hilfe bleiben. Es ist leider auch kein jeltener Fall, daß Dorshebammen noch im Streit mit ihren Gemeinden um ihre bescheidenen Gebühren geraten. Der . die Stimmung sein? Und nun stiegen fie aus. Schulkinder hatten fich aufgestellt und sangen Heimatlieber mit den Lehrern. Frauen und Mädchen brachten Kaffee, Brot, Aepfel, Bigarren. Wie geblendet waren die Männer, die aus den Wagen strömten. Tränen sah man in manchen Augen, als die Kinderlieder ertönten und als ihnen von allen Seiten der schwäbische Willkommensgruß, das innige„ Grüß Gott!" entgegenflang. Wir gingen von Gruppe zu Gruppe und sprachen Begrüßungsworte. Und immer und immer wieder hörten wir: Ja, ist das das neue Deutschland? Hat man so an uns gedacht, daß man uns so herzlich begrüßt?" Und wir sagen es ihnen immer wieder: Das neue Deutschland hat auf euch gewartet. Die Regierung des Voltsstaates hat Frieden geschlossen, damit ihr endlich frei werden. In der Nationalversammlung, in den Landesversammhungen hat man immer wieder sich an die Ententemächte geandt mit der Bitte, daß man euch heim läßt. Wir alle, beJonders wir Frauen, haben nicht nur mit Jammer und Sehnsucht an euch gedacht. Wir sind euch so unendlich dankbar, denn was ihr erleiden mußtet, ihr. habt es erduldet, weil auch ihr hinausgezogen seid, weil auch ihr geholfen habt, uns die Heimat zu schüßen.„ Das hat man uns alles ganz anders geschildert," fagten sie.„ Wir glaubten, das neue Deutschland hätte uns vergeffen. Wir dachten, auch hier wäre alles in Unordnung. Auch hier läge alles in Schutt und Trümmer, hier tenne man nur Haß und feine Liebe!" So oft und so herzlich ist mir wohl nie im Leben die Hand geschüttelt worden, wie an diesem 29. Januar. Erfreulicherweise ist der Gesundheitszustand der meisten der aus französischer Gefangenschaft Heimgelehrten weit beffer, als wir befürchteten. Sie sind in den letzten Monaten besser verpflegt worden. Für ihre Arbeitsleistungen erhielten sie Bons auf Lebensmittel, die sie verhältnismäßig gut und reichlich erHielten. Die Behandlung war verschieden. Zum Beispiel hatte der eine der franzöfifchen Begleitoffiziere jedem Gefangenen zwei Apfelfinen und Zigaretten geschenkt. Der andere hatte sie mit Der Reitpeitsche mushandeld. Leider hat diese lange Zeit der 69 Kreis hat ihnen z. B. ein Mindesteinkommen aus drei Gemeinden von 800 Mt. garantiert. Die Gemeinden, sogar reiche Gemeinden, weigern sich dann, die garantierte Summe zu zahlen und machen der Hebamme noch den Vorwurf, daß sie selbst nicht für Mehreinnahmen gesorgt hat, um auf das Mindesteinkommen zu gelangen. Ist die Hebamme nun gar noch als sozial" verschrien, so hat sie auch keine Hilfe beim allmächtigen Landrat, der ja zu den Bauern hält, zu erwarten, obwohl er selbst den Vertrag unterschrieben, die Gemeinden verpflichtet hatte. Entweder verzichtet die Hebamme nun auf ihre gesetzlich und vertraglich zugesicherten Rechte oder sie erhebt Klage gegen die Gemeinden auf Zahlung ihres garantierten Hungerlohnes und wird sich dadurch erst recht zwischen zwei Stühle sezen. In einigen dieser Fälle ist es bekanntgeworden, daß die Gemeinden dann einfach den Antrag stellten, eine neue Hebamme ausbilden zu lassen, nur um die verhaßte standhafte Frau los zu werden. Egoismus beherrscht jetzt mehr denn je die Welt und auf dem Lande wird die Hebamme auch eher ihre Hilfe spenden, wenn sie aus dem reichen Bauerndorf Geld oder Lebensmittel, Butter und Eier, als Bezahlung erhält. Was kann da die arme Wöchnerin dagegen bieten? Mehr Arbeit der Hebamme, die im Notfall mürrisch ans Lager eilt. Und doch ist ein gutes Wort, ein Trostblick wahre Medizin für die leidende Frau, die ängstlich in den Augen dieser weisen Frau ihr Schicksal lesen will. Wer kann es daher Männer und Frauen des Volkes verdenken, wenn sie über die oft himmelschreienden Mißstände zornig sich äußern und gegen Staat und Gesetzgebung heftige Vorwürfe erheben? Man beachte auch, daß man wahre Bevölkerungspolitik nicht treiben kann, folange die Moral des wichtigen Hebammenstandes nicht gehoben wird. Solange das klingende Geld oder die knisternden Geldscheine ihre Schritte beschleunigen, vorausgesehene Armut die Hilfe versagt, wird es auch Hebammen geben, die für gute Bezahlung sich der Abtreibung hingeben und sich am Volke verfündigen. Es nutzt alles nichts, dann über die Urteile der Schwurgerichte fich zu entsetzen. Gefangenschaft( einige waren seit August 1914.gefangen) eine ungeheure Erbitterung gegen die Franzosen erzeugt. Die Herzen der meisten sind von Haß und Rachegedanken erfüllt. Es wird nun alles darauf ankommen, den Heimgekehrten das Leben zu Hause so leicht als möglich zu machen. Sie brauchen viel Liebe, aber fie müssen auch herangezogen werden zum Aufbau im neuen Deutschland. Sie müssen die neue Zeit, die neuen Verhältnisse begreifen lernen. Und sie müssen vor allem erTennen, daß ohne die Revolution und ohne die Annahme des Friedensvertrags, dessen schwere Folgen wir alle kennen und fühlen, ihre Heimkehr auch jeht noch nicht möglich wäre, und daß diejenigen eine auch gegenüber den Kriegsgefangenen unverantwortliche Sche betreiben, die den Mehrheitsparteien der Nationalbersammlung aus der Annahme des Friedenvertrags einen Vorwarf zu machen fuchen. Die Stunden, die ich mit diesen aus französischer Kriegsgefangenschaft Heimgekehrten erlebte, gehören zu den ergreifendsten meines Lebens. Die Heimgelehrten stammen aus allen Teilen Deutschlands und sind nach aveitägigem Aufenthalt im Durch gangslager in ihre eigentliche engere Heimat gefahren. Aber jeder versicherte mir, daß er diese erste Begrüßung im deutschen Vaterland, die ihnen die Württemberger bereitet, immer in Anna Blos, M. d. N. Herzen behalten werde. An unsere Leserinnen! meisten Schnittmusterbogen. Um vielfachen Wünschen zu entsprechen, haben wir den Bezug von Schnittmusterbogen vorgesehen. Bogen 1 enthält eine Anzahl Schnittmuster von Heft 3, 4, 5 und 6. Für kommende Hefte werden die Bogen rechtzeitig angekündigt. Preis des Schnittmusterbogens 50 Pf. und 5 Pf. Porto bei Einsendung des Gutscheins aus der Beilage„ Die Frau und ihr Haus". Bestellungen richte man an den Berlag G. Braun, Karlsruhe, Karlfriedrichstr. 14. 70 Die Gleich beit Eine gründliche Reform, eine Neugestaltung des Hebammenvejens, ist heute mehr denn je nötig. Die preußische Bandesversammlung hat sich deshalb mit dieser wichtigen Frage beschäftigt, weil eine reichsgesetzliche Regelung noch auf sich warten läßt, wie wir im nächsten Artikel sehen werden. Zur Religionsfrage ( Schluß) Ein Von M. Heimannsberg, Frankfurt a. M. Nun meint die Verfasserin, religionslose Menschen sähen häufig auf religiöse mit spöttischem Mitleid herab? Warum? wahrhaft frommer Mensch, der im tiefsten Innern alles glaubt, was er betet, der nicht grübelt, den fein Zweifel quält, der nach den Behren und Geboten seiner Religion lebt, nicht nur sein firch liches, sondern auch sein weltliches Leben, nötigt auch dem Religionsfeindlichsten Achtung ab. Er ist insofern ein glücklicher Mensch, als er das Erdenleben mit seinen Möten geduldig trägt. Fatum alles, was ihm begegnet! Bestimmung von Gott! Ob er aber innerlich reicher ist als der andere, der durch Wissen und Forschen teils als Sage, teils als Erfindung verflossener Kirchengrößen erfannt hat, was jener gläubig berehrt? Reicher ist stets der, den die Wunder der Erde, das ewige Werden und Vergehen in der Natur, ihre geheimnisvollen Sträfte zu steten Forschungen, zur steten Bereicherung seines Wissens drängen. Der Dichter sagt: Wer Kunst und Wissenschaft besitzt, der hat Religion, wer diese beiden nicht besitzt, der habe Religion." Das ist wohl so auszulegen: Etwas muß der Mensch haben, das ihn über das Tier erhebt, das seine Seele beschäftigt und sie über den grauen Alltag mit seinen Beschwerden und Anfechtungen trägt. Weiter wird gesagt, man dürfe seinen Kindern den Weg zum inneren Reichtum der Religiosität durch gewaltsame Zurückhaltung vom Religionsunterricht nicht versperren. Gar mancher, der im späteren Leben von tiefer Religiosität erfaßt worden sei, habe seinen Eltern das Aufwachsen ohne das hohe Glück der Religion nie verzeihen können. Weit größer aber ist gewiß die Zahl derer, die, aus streng religiösem Hause stammend, völlige Atheisten wurden, als sie im Leben standen. Die Verfasserin des fraglichen Artikels sagt nicht, daß sie etwa die religiösen Menschen für die besseren Menschen hält. Sie weiß gewiß sehr gut, wieviel Heuchelei, wieviel Schlechtigkeit, wieviel Niedertracht im Gewande des„ Gottgefälligen" einhergeht! Was alles den allwissenden" Gott durch Beten und Singen zu täuschen bersucht. Wie der Gewissenszwang in vielen streng religiösen Familien Kinder und Gesinde zu Heuchlern und Augenverdrehern macht. Wie in manchen Ländern und selbst in Teilen unseres Waterlandes, in denen die Kirche noch eine große Macht über ihre Glieder besikt, ein fittlicher Tiefstand, eine unglaubliche geistige Rückständigkeit herrscht. Die Kirche, vor allem die katholische, fürchtete immer Bildung und Forschung. Geistig arme, in millfähriger Knechtschaft unter die Herrschaft einer ihre Macht schlau ausnußenden Kaste sich beugende Menschen sind die von ihr erzogenen Gläubigen gewesen. Wo sie es nicht im guten fertig brachte, wandte sie die grausamsten Maßregeln an. Man lieft mit Schaudern in der Weltgeschichte von furchtbaren Verbrechen, die Diener der Kirche, wahnsinnige Fanatiker oder abgefeimte Schurken im Namen der Religion an der Menschheit verübten. Daß das Schulfompromiß eine üble Errungenschaft der Koali tionsregierung ist, weiß feiner beffer als wir Sozialdemokraten. Das Zentrum als Stübe der katholischen Stirche hat alles aufgeboten, daß deren Einfluß auf die Schule gerettet wurde, was dann natürlich den anderen religiösen Gemeinschaften ebenso zu gute kommt. Der Meligionsunterricht ist ordentliches Lehrfach der Schulen geblieben. Damit ist der Sieg der Kirche offenbar. Neu ist nur, daß die Teilnahme am Religionsunterricht und an firchlichen Feiern dem freien Willen desjenigen überlassen bleibt, der über die Erziehung der Kinder zu bestimmen hat. Die Verfasserin von Zur Religionsfrage" wünscht nun diesen legten freiheitlichen Sak gestrichen und ganz und gar den alten Zwang wieder eingeführt. Ich glaube nicht, daß sie damit vielen Anklang findet. Ganz besonders nicht mit der Religionsstunde im Bekenntnissinn. Diese Religionsstunden waren fast stets Eltern und Kindern gleiche Greuel! Stundenlanges Auswendig Ternen sprachlich wenig schöner und schaver verständlicher Sprüche, Fragen und Antworten ellenlanger biblischer Geschichten machten den Schmerz manches nicht so sehr begabten Kindes und seiner bedauernswerten Mutter aus. Nr. 9 Religion nach diesem System war leider stets in den Boltsschulen, besonders in den Dorfschulen, wichtiger als Rechnen unb Rechtschreiben, zumal der Herr Schulinspektor fast immer ein Geistlicher war. Ich glaube kaum, daß diese Religionsstunde wahrhaft religiöse Menschen erzogen hat, wie sich Religiosität ja überhaupt nicht anerziehen oder gar einpauken läßt. Religion ist eine Lebensanschauung, zu der sich nur ein reifer Mensch betennen kann, wie eben zu jeder anderen materialistischen Lebensanschauung auch. Kinder aber haben noch keine Lebensanschau ung, fie plappern nur nach, was man ihnen vorschwätzt. Man mag ruhig den Kindern einen religionsgeschichtlichen Unterricht geben, mag ihnen erzählen von den Helden, die für ihre Glaubensüberzeugung stritten und litten, so wie man ihnen aus dem Leben der Gewaltigen im Reiche der Kunst und der Wissenschaft erzählt. Das wird nur veredelnd wirken aufs findliche Gemüt. Ja, Persönlichkeiten, freie, wissende, nach höchster Menschenvollendung strebende Menschen sollen wir aus unseren Kindern machen, wir Eltern und die Schule. Lehren wir sie Natur und Kreatur lieben. Der bunte Käfer, der am Wege friecht, das Vöglein, das seine Jungen füttert, die Blume auf der Wieje predigen mit lauterer Zunge die Wunder der Schöpfung als der beste Kanzelredner; die sieghaft aus den grauen Dämmerschatten des jungen Morgens brechende Sonne wedt heiligere Ehrfurcht im jugendlichen Herzen, als ein bom zitternden Kerzenlicht be schienener Altar im mystischen Dunkel der dumpfen Kirche. Daseinsfrohe Geschöpfe, nicht Berneiner des Lebens, nicht Asteten und Verbieter alles irdischen Genusses sollen unsere Kinder sein. Alles Gute und Gole, den Sinn für das Wahre, für das Schöne wede Schule und Haus im jungen Menschen durch Lehre und Beispiel. Dazu ist kein Kirchengeset und kein Dogmenschwulst fähig. Das Leben ist ein Kampf. Es fordert von dem einzelnen Willensstärke und Selbstvertrauen, nicht passive Ergebung in über finnliches Walten geheimer Kräfte. Nicht mit Beten und Kasteica werden wir unser vernichtetes Vaterland wieder aufrichten. Nur Arbeit, nimmermüde Arbeit der Köpfe und Hände kann die Bruchstücke der Kultur wieder aneinanderfügen, kann neue Stulturwerte schaffen aus bis jetzt unerforschten Quellen. Dann wird es auch wieder Frieden werden in den gepeinigten, aufgewühlten Seelen der Völker. Schaffen wir, die das namenlose Unglüd auf der Höhe des Lebens traf, daß wir unseren jungen Kindern wieder ein Haus zimmern, in dem der Friede wohnt, die Freiheit und die Menschen würde. Aus dem herrlichen Gedicht:„ Mein Glaube" von D. Schula mögen hier die Schlußverse folgen, die mir das lauterste Bekennt nis zum Sozialismus zu sein dünken: Ich glaube, daß für dieses Erdenleben. Glaub's zuversichtlich, trotz der Deutler ZunftZwei schöne Güter mir der Herr gegeben. Das eine: Herz, das andere heißt Vernunft. Das lettre lehrt mich prüfen und entscheiden, Was ich für Pflicht und Recht erkennen soll. Laut schlägt das erste bei des Bruders Freuben, Nicht minder wenn er leidet, warm und boll. So will ich denn mit regem Eifer üben, Was ich als Recht, was ich als Pflicht erkannt, Will brüderlich die Menschen alle lieben Am Belt, am Hudson und am Gangesstrand. Ihr Leid zu mildern und ihr Wohl zu mehren, Sei stets mein heiligster Beruf; Durch Taten glaub ich würdig zu verehren Den Geist, der mich wie sie erschuf. Und tret ich einst dann aus des Grabes Tiefen Sin bor des Weltenrichters Angesicht, So wird er meine Taten strenge prüfen, Doch meinen Glauben? nein, das glaub ich nicht! Aus unserer Bewegung Bon der Frauenkonferenz der Unabhängigen( Schluß) Den Glanzpunkt der Konferenz soll das zweite Referat, das jenige über das Rätesystem, gebildet haben. Welche Ge danken die Vortragende entwickelte, veranschaulicht sehr gut bie angenommene Resolution: Die Frauen- Reichskonferenz der 1. S. P. D. in der Erkennt nis, daß die Befreiung des Proletariats aus ber wirtschaftlichen Knechtschaft und der Aufbau eines sozialistischen Gemeinwesens Mr. 9 Die Gleich heit nur verwirklicht werden kann durch die Diktatur des Prolelariats, wirksam im revolutionären Rätesystem, fordert die Genoffinnen und Genossen auf, für die Verwirklichung dieses Ge bankens alle Kräfte einzujeßen. Darum muß gefordert werden, daß die weiblichen Berufstätigen nicht nur an den Wahlen ihres Betriebes cher Berufes teilnehmen, sondern auch prozenfual der Anzahl der weiblichen Beschäftigten ihre Delegierten in den Betriebsrat zu entfenden haben. Die Konferenz erwartet daher, daß unverzüglich in allen Bezirken ans Werk gegangen wird, auf daß auch die sozialistischen Frauen als Bahnbrecherinnen an der Seite der revolutionären Arbeiterschaft zum Neuaufbau des revolutionären Rätesystems schreiten. Zum Zwede der Einbeziehung der proletarischen Hausfrauen beim Aufbau des politischen Rätesystems empfiehlt die Reichsfonferenz Schaffung von Wahlverbänden der proletarischen Hausfrauen t bezirksweiser Untergliederung. Wahlberechtigt resp. wählbar sind nur solche Frauen, deren HaushaltseinTommen nicht aus unbezahlter Arbeit herrührt( Binsen, Grundrente, Unternehmerprofit), die keine fremde Arbeitskraft aus beuten und die fich zur Diktatur des Proletariats durch die Räte bekennen. Die Aufstellung der Wählerlisten erfolgt durch Wahlkommisfionen der Arbeiterräte nach Bildung der Wahlkörper und voraufgegangener Aufklärung und Aussprache über die Aufgaben der Frau im Rätesystem." Also der Aufbau des sozialistischen Gemeinwesens fann nur berwirklicht werden durch die Diktatur des Proletariats, wirtfam im revolutionären Rätesystem! Wir sind anderer Meinung und mit uns bekanntlich auch angesehene führende Köpfe der U. S. B. Gehr lehrreich ist in dieser Beziehung das Buch Karl Kautskys: Terrorismus und Kommunismus", dessen Studium auch den Mitgliedern der unabhängigen Partei angelegentlichst empfohlen werden kann. Mit dem Verlangen nach mehr weiblicher Vertretung in den Betriebsräten tann man nur einverstanden sein. Bei der Durchführung dieses Grundfahes wird allerdings die U. S. P. die Erfahrung machen müssen, daß ebenso wie bei den Männern auch bei den weiblichen Betriebsräten die Auswahl der Berufenen gar nicht vorsichtig genug getroffen werden kann. Entschieden die weitestgehende Forderung liegt jedoch in dem Ruf nach Schaffung von Wahlverbänden der prole larischen Hausfrauen, die in irgendeiner Form dem ( natürlich nur„ revolutionär" gedachten) Rätesystem angegliedert werden sollen. Die 1. S. P. soll darin die Initiative ergreifen, und sie wird es wahrscheinlich auch tun. Gegen eine Organisierung der Hausfrauen wäre nichts einzuwenden, ebensowenig gegen das Zusammenfassen nur der proletarischen Frauen. Und wenn es gelingen würde, diese organisierten Hausfrauen in vernünftige Fühlung mit den Arbeiterräten zu bringen, so wären unsere Parteigenoffinnen die letzten, die sich dagegen sträubten. Aber darum ist den Geistern der U. S. P. ja gar nicht zu tun, nicht einmal um die rein organisatorische Zusammenfassung aller proletarischen Hausfrauen. Eine Wohltat Japanolfür Frauen sind die allein 71 Was fie eigentlich wollen, geht flar hervor aus dem Satz der Resolution, der fich mit der Wahlberechtigung zu dieser Körperschaft befaßt. Es sollen nur diejenigen Hausfrauen das attive und passive Wahlrecht haben, deren Einkommen nicht aus unbezahlter Arbeit stammt, die keine fremde Arbeitskraft ausbeuten und die sich zur Diktatur durch die Näte belennen. Das letztere sagt alles. Die Arbeiter- Hausfrauen, die nicht von der alleinseligmachenden Allgewalt der proletarischen Dittatur überzeugt sind( und ich habe Grund zu hoffen, daß sie weitaus die Mehrzahl bilden), dürfen weder wählen, noch können fie gewählt werden. Schade nur, daß nicht gleich gesagt wird, wie die konzessionierte Ueberzeugung bewiesen werden muß, ob man nur die unabhängige Zeitung vorzeigen braucht oder ob ein feierlicher Schwur auf das revolutionäre Rätesystem verlangt wird. Dieser Hinweis genügt, um zu zeigen, wie eine an sich nicht unberechtigte Jdee vom Parteifanatismus sehr schnell in ihr Gegenteil verkehrt werden kann. Unsere Genosfinnen werden aber dafür sorgen, daß zu gegebener Zeit die Spekulation der 1. S. P. auf die Unwissenheit und politische Unreife vieler Frauen gründlich fehlschlägt. Daran lönnen auch die temperamentvollsten Reden auf der Frauenkonferenz der U. S. P. nichts ändern. Um das Gesamtergebnis der Leipziger Tagung kurz zusammenzufassen: Unter vieler Epreu wenig Weizen, und diese kleine Anzahl Weizenförner wird einen ungeeigneten Boden vorfinden, auf dem nur wenige gute Früchte zu erwarten find. Wir dürfen hoffen, daß die Frauenkonferenz unserer Partei, die sicher in diesem Jahre wieder im Anschluß an den Parteitag stattfinden wird, mit besseren praktischen Resultaten wird aufwarten können. J. Begier. ⭑ Kreisfürforgerinnentag. In Anbetracht der Tatsache, daß hin. fichtlich der Ausbildung, Stellung, Tätigkeit und wirtschaftlichen Lage der Kreisfürsorgerin, überhaupt der ländlichen Fürsorgerin in Preußen noch Unklarheit herrscht, hat sich die Preußische Landeszentrale für Säuglingsschutz entschlossen, die Erörterung dieser Frage als alleinigen Berhandlungsgegenstand auf die Tagesordnung ihrer 5. Preußischen Landeskonferenz für Säuglingsschuß zu setzen und einen Kreis. fürsorgerinnentag gemeinsam mit den staatlich an erkannten Wohlfa isschulen in Berlin, Breslau, Charlottenburg, Cöln a. Rh., Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Münster und Kiel zu veranstalten. Es sollen folgende Referate gehalten werden: 1. Ausbildung der Kreisfürsorgerin. 2. Tätig. feit der Kreisfürsorgerin mit besonderer Berücksichtigung ihrer Aufgaben auf dem Gebiete der Säuglingsfürsorge. 8. Wirtschaftliche Stellung der Fürsorgerin. An die Referate schließt sich eine Aussprache an. Der Kreisfürsorgerinnentag findet am Mitt woch, den 3. März d. J., vormittage 10 Uhr, im großen Sibungsjaal des Ministeriums für Volkswohlfahrt, Berlin W., Leipziger Straße 3( früher Herrenhaus) statt. Einlaßkarten find von der Geschäftsstelle der Preußischen Landeszentrale für Säuglings schub, Berlin- Charlottenburg, Frantstraße, anzufordern. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bohm- Schuch. Druck: Vorwärts Buchdruckerei. Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. S. fämtlich in Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Altmetalle Kupfer kg 22, J0—23 echten Menstruationsmittel Kupfer, Messing, Zinn, Zink Tropfen u. Dragees. Verlang. und Biel, auch Edelmetalle kauft höchstzahlend Sie sof, aust. Prosp. gratis vMetall- Einkaufs- Zentrale, Lieferg aller Sanitätsa tikel. Kot buser Damm 68. Mpl.13580. 0. Fürst, Neukölln 66. Messing 13,00 bis 13,50, Kupfer 22,00 bis 22,50, Blel 8,00, Rotguß 19,00 bis 20,00, Zink 6,00 bis 6,50, Reinzinn bis 65,00, Weißmetall bis 30,00, Aluminium 14,00 bis 17,00 zahlt per Kilo, bei größeren Posten mehr. Sendungen von außerhalb werden prompt erledigt. Metallschmelze Mariannenstraße 24, an dor Kottbuser Brücke. Am Moritzplatz 106 58, Nebenanschluß Jugendliederbuch Preis 1,50 MK. Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Messing.. kg 12,20-13 Rotguß. Blel. .. 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