Nr. 1V 30. Zahrganq Zeilschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder.— Die Frau und ihr Saus V.-MN TUe«leiebheil erscheint wöchentlich Preis: Monatlich 1,2« Marl, Sin,cin>iui!ner Zo Psennlq Durch die Polt bezogen vierieisäbrlich ohll« Bestellgeld Z,llN Mar!:„aler Zlreuzband t.Zö Marl Nwai-M. Zufchriiicn sind zu richten an die Redaktion der LVeirhbeit. Berlin SW K8, Lindensiraß« � Fernsprecher: Ami Morispla» i<74i> kkzpedirion: Berlin SW iiil, rinden straft« Z Der Gesetzentwurf über die Grundschule Von Hedwig AlZ Preußen vor IlX) Jahren daniederlag, richteten sich die Gedanken der großen Reformatoren darauf, aus dem Preußi- scheu Untertanenvolk ein Staatsoolk zu erziehen. Dem galt unter anderem die Heeresreform VoyenS, Mit die Städteord nung Steins, die durch die Selbstverwaltung der Gemeinde den Bürger für die Aufgaben des Staates schulen wollte, galt Humboldts Arbeit für die Volkscrziehnng und der Ruf Fichtes nach einer nationalen Erziehung. In Verbindung mit Ruß land und Oesterreich gelang die Niederwerfung Napoleons, ehe die durchgeführten Reformen Früchte tragen konnten. Aber die Mißachtung der ihnen zugrunde liegenden Idee hat sich an Preußen und Deutschland im vorigen Jahrhundert und im Weltkrieg gerächt. Ter Gedanke der allgemeinen Wehrpflicht >oar entstellt worden durch die Kluft zwischen Offizieren und Mannschaften, der Sinn der Städteordnung und des allge- Nieuien Wahlrechts durch die Kluft zwischen Regierenden und Negierten. Den Reformatoren der Schule aber erging es, wie fast allen großen Pädagogen, ihre Lehre fand zwar Anhänger, aber keine Durchführung. Tie deutsche Schule hat nicht ver mocht, deutsche Staatsbürger zu erziehen. Das wollte sie auch nicht. Sie war im wesentlichen eine Berufsschule, in den ein- öcluen Bundesstaaten mehr oder minder streng in Schulen für Besitzlose, denen sie die für den Militärdienst, die Staats- bedürfnisse und den landarbeitenden Beruf notwendigen Kenntnisse gab, und in Schulen für Besitzende, dcnen�sie die nötige Schulung für selbständige geistige Arbeit und Führer- ftellungen im Heer und Staatswesen vermittelte, geteilt. Das Vollsschulkind galt im Grunde auch 1914 immer noch für die Entlassung reif, wenn es die für einen vernünftigen Menschen seines Standes notwendigen Kenntnisse Sesaßt hatte", wie es im Allgemeinen Landrecht von 1794 hieß. Man hst zu Beginn des Krieges oft gesagt, der deutsche Volksschullehrer sei der Sieger im Weltkrieg und hat damit sogen wollen, daß das Verständnis der Massen für die Lage Teutschlands, dein deutsä�n Heere die Stoßkraft oerleihe. Dieses Verständnis war nicht durch die Erziehung der staat- liehen Schule, sondern inan kann fast sagen, trotz der staat lichen Maßnahmen entstanden. In der Selbstverwaltung ihrer Trganisationcii waren die Arbeiter zu Bürgern größerer Gr- meinschaftcn erzogen worden. Nicht die jungen, zuletzt aus der schule Entlclss Zu berücksichtigen. Die Be fürchtung liegt nahe, daß bei der Beschäftigung beider Ge- schlechter nebeneinander iunerhalb einer Berufsgruppc in sehr vielen Fällen den männlichen Vertretern der Vorzug gegeben werden wird, daß die Franen sich unter dem bedrückenden Bewußtsein ihrer durch mangelhafte Berufsbildung und ge- werksckxastliche Schulung mindcrentlohntcn Arbeitskruft be scheiden und damuf verzichten werden. Geschlechtszenossinnen aufzustellen und durchzudringen. Es ist naturgemäß auch gar nicht in Frage zu stellen, daß Männer auf dem Gebiete der Betriebsleitung nnd Organisation sowie der allgemeinen Ver tretung von Arbeitnehmerinteresten infolge jahrzehntelangst Vorzugsstellung auf dem Urbeitsmarkte und langer politischer Schulung gegenwärtig einen gavaltigen Vorsprung vor den Frauen haben müssen. Da außerdem fast überall die Frauen noch einen sehr geringen Einfluß in den Gewerkschaften haben, alle Schulungseinrichtungen für Betriebsräte, soweit sich bis jetzt übersehen läßt, nahezu ausschließlich von Männern ge leitet und ausgeführt, infolgedessen vorwiegend wo nicht aus schließlich auf ihre Bedürfnists zugeschnitten werden, so nimmt die Gefahr zu. daß den arbeitenden Frauen ein ihrer Zahl und Bedeutung in der Volkswirtschaft entsprechender Einfluß innerhalb der Betriebsvertretnngen vorenthalten werden könnte. Als Beweis für die Berechtigung derartiger Besorg nisse sei eine Beobachtung neuesten Datums angeführt. Vom Gewcrkschaftskartell einer Westdeutschen Großstadt wurden zu nächst Abendkurse für Betriebsräte veranstaltet. Unter den nahezu 1000 Teilnehmern befanden sich noch keine 20 Frauen, von denen keine einzig« bis zum Schluß der Lehrgänge durch hielt. Die Fortsetzung bildete ein vierwöchiger Tages- Nr. 10 Die Gleichheit 75 kiirsus, für den die Teilnehmer unter Fortzahlung des Lohnes von den Arbeitgebern beurlaubt wurden. Unter den rund b0 jrursisten befand sich keine Frau, weil keine Meldungen Vorlagen. Das gibt zu ernsten Ueberlegungen Anlaß. Wir sahen, daß Männern und Fraueil auf Grund des Be triebsrätegesetzes gleiche Rechte und Pflichten zugefallen sind. Im Interesse einer fruchtbringenden Verwirklichung der neuen Befugnisse ist gründlichste Schulung geboten. Die Ar beiter Hachen infolge ihrer seitherigen Vorzugsstellung in Wirtschast und Politik einstweilen noch einen erheblichen Vor sprmig Nor den Frauen, sowci: Wissen und Können, dem gemäß auch Mut und Selbswertrauen in Frage konimeu. Nun erstrecken sich die Ansgaben der Betriebsvertretnnge» aber auch auf Gebiete der Hygiene, Wohlsahrtopflege, Sozial fürsorge, auf denen erfahrungsgemäß die Frauen den Man- ncru— entsvrechende Schulung vorausgefetzt— überlegen sind, wo soiiar, solveit Frauen Objekte dieser Tätigkeit sind, Männliche Arbeit mitunter auü Gründen des Taktes und der Schicklichkeit zu unterbleiben hrwen wird. Es müßte daher als eine schwer gutzumackteude Unterlassung der arbeitenden Frauen bezeichnet werden,»venu sie nicht mit größtem Ernst und ganzer Krafteinsetznng danach ringen wollten, sich zu- saninien mit den männlichen Kollegen das Rüstzeug anzu eignen, das die Arbeitnehmerschast braucht, lvcnn das neue Recht da� werden soll, was seine Pioniere von ihm erhoffen. Als Weg zu diesem Fiele möchten wir Sondeweranstaltnn- gen für Frauen nicht das Wort reden. Viel ersprießlicher cr- l'cheiin eine rege, systemamckte Protxrganda unter den Frauen, dir sie tider Inlialt und Bedeutung des Gesetzes und die be sonderen Ausgaben, die ihnen als Frauen innerhalb seines lllohmens obliegen, ausklärt und zu zahlreicher Beteiligung an allen Schulungs- und sonstigen vorber-eitendeu Veran staltungen für die Wahlen veranlaßt. Gleichzeitig wird dafür zu sorgen fein, daß bei allen diesen Vorbereitungen den vor- hm gekennzeichneten besonderen Franenansaaben der gebüh reude Raum gewährt werde. Dazu muß von den veranstalte Il de» Ausschüsieu, Schulen usw. verlangt werden, daß sie sach- verständljze Frauen als Mitarbeiter heranziehen, um auch da mit in Arbeitcrinnenkreisen das nötige Pertrauen und den � Feuilleton» lller glsudl leine llinäer Mügeln 2u können öurck herndlet�en vncl llcnörgcln ibrer Lacke, begebt einen tolgenschlveren fekler. riidclli Nsu?. Glauben und Wisien Aus!„AuZ mcincn vier Pfählen� von Ernst Almsloh Verlag Kaden u. Eo., Dresden aric hat mit dein Vater Schularbeiten gemacht. Beim Einpacken ihrer Bücher kuüpst sie noch ein Gespräch an. „Was liabeu wir morgen sür Stunde»?— Warle mal Deutsch— ei. das habe ich gern— Turnen— ah, das ist Meine Lieblii'.gsstimde— und Religion— die mag ich nicht. Dir liegt auch nichts dran, nicht lieber Vater?" ..Die Stunde interessiert mich»ich?" .Ach. was da alles vorkommt! Wir sind jetzt bei den Kömg�». Tente nur um!, Vater, kein König isi bis jetzt ohne Sünde gewesen." „Was? Kein König olmc Sünde?" ,.Fa, alle haben ne geniedie.t i Sanl, Tavid. Abialoui im, der ern. der hat schon von Ansang an gesündigt- und Salomo», der hat so hohe Stenern rvrhangt,»nd dann l>zt de'r zwei Frauen.'omme» lassen. Rur rincr ist ohne Sünde gewesen, das tvar der Herr Feins. Der Ww aber auch-hin König." � Ter Pater zündete sich beschaulich eine Fßzarre an. „Vater, nicht, T» bist Diisid»'ni?" Der V«iter nickt. Mut zur Teilnahme wachzurufen. Derartige psychologische Rkvinente dürfen bei der heutigen Frauengeneration gar nicht unterschätzt werden. Es gilt also, nni es auf eine kurze For- mel zu bringen, t. in den Reihen der Männer die Erkenntnis zu verbreiten, daß sie innerhalb der Aufgaben des Betrievsrätegesetzes der Mitarbeit von Frauen nicht entratc» könuen. lvcnn auf sozial. politischen,, sozialpädagogischein und betriebshygienischem Ge biete wirklich vorbildliche»nd fortschrittliche Arbeit geleistet werden solt; 2. in de» Frauen das vielfach noch iiiangelnde Interesse und Verständnis für die neuen Rechte und Pflichten zu wecken und sie dafür zu schulen. Das bedeutet schnelle und intensitw Arbeit', sollen doch schon in wenigen Wochen die erstmaligen Wahlen zn den BetriebS- Vcrtrctungcn stattfinden und damit die Arbeitnelimer die Mit verantwortung für tSedeih und Verderb der Betriebe und jomit der deutschen Volkswirtschaft übernchnien. Trotz der Dringlichkeit der Gegenwart sanfgaben für die hcntioe Arbeitnehmersckiast darf rechtzeitige Btickstellnng auf eine zweckmäßige Vorbereitung der heramvacksieiiden Gene ration ans das gleiche»nd höhere Ziel nicht verianmt tverden. Das bedeutet Reform des Lehrlingswcfens, Nenordnnng des gesamten Fortbildungs-»nd Fachschulwesens elnschließlich der sozialen Franenschnlen und eine von neuem Geiste ge tragene staatsbürgerliche Erziehung und Unterweisung). Ueber den immittelbaren materiellen Wert des Brtriebs- > itegeü'tzes sind die Meinungen febr geteilt. Für die in den Artikeln 150 und 105 der Reickw-versasinng verheißene Ueber- führnng der kapitalistischen in die sozialistische Wirtsck>,fts- ordmmg bedeutet d«is Gesetz kaum den ersten, zagl>ist-zögern- den Schritt. Von einer gleichberechtigten Geinein- > Vergl. dazu„Uns-cre FoewilSungs- und Fachschulen in G> s hichte uns Gegenu'art'' von Dr. Olga Essig in Ar. 257 dcc „Frankfurter Volkssnnriue" vom 3. November WNU, von der gleichen Versa sie rin.-»Das Interesse der Arl�itersck)<>ft an der Ae.nordint.ng des Fachschulwesens" in Ar. Kl der.Frantsurler Volksslimmc" vom IS. Januar 1KA);»Die ncn.'n Fraueirbernss- schuwn" in Ar. 42 irnd 43 der„Gieichheit" vom Dezember IVIll. „Fch doch auch, nicht?" .Du auch." „Ach. denke Dir nur. neulich sragte Fräulrin, wer katho lisch sei. Da meldeten sich zwei. Und dann, wer jüdisch sei— drei, zusamincn fünf. Also, sagie Fräulein, fünf von eimmd- vierzig bleiben 30, die evangelisch sind. Ei, da habe ich mich aber gemeldet und gesagt, ich tvärc dissidentisch." „Und lvas sagte Fräulein da?" „Ach richtig, Du bist disfidentisa'. Und nach der Stunde fragten mich Anneliese Menke und Friederike Meier, nxis das wäre, und ob ich denn nichts glaubte." ..Was hast Tu denn drauf gesagt?" ,. Nichts, lvas sollte ich denn sagen?" „Sage nur. Du„glaitbsi" überhaupt nickt. Tu willst Wir ten, bis Du groß und gescheidt bisi, und dann wolltest Du wissen."„Vater, warum glauben denn die Menschensoverschiedenes? „Weil sie nicht wisse», �ich»ml ans de», Fenster, da siehst Dil iit der Ferne das Tenkmat, siebst Du es?" „Fa. aber nur sehr mckentlich'. es ist schon so dunkel." „Run denke Dir. es träte hier einer hin und sagte:„Fck glaube, der Mann, den das Denkmal darstellt, ickv.nt nach ünks: ieöen kann ich es znxn nicht, es ist ickwn dunkel, aber ich glaube es!"— Eilt anderer Plann aber träte ans und sagte:„Wie töricht von Dir, daß Tu glaubst, der Mann scixtue nach links. Ich glaube er icl>nst nach rechts. Setzen kam, ich es zwar nicht, es ist so dunkel. Aber ich glaube es. lind »nein Glaitbe ist der richtige'." Und nun stellen sich viele Menschen hinter den ersten und rufe» mit ihm:„Er jckfaut nach links." Ebenso viele Menschen stellen sich aber hinter--!> zweite»»nd rnsrn mit ihm:„Er schaut nach rechts/ Und 76 «Die Gleickbeit ??r. w schaftsarbeit der Arbeiter. Angestellten und Unternehmer an der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung der produktwen Kräfte sind wir noch weit cntsemt. Von der Tatkraft. Im- tiative und dem soliden Wissen und Können der Arbeiterncr- trctnngen wird es abhängen, wie hoch ihr Einfluß im Wirt schaftsleben auf Grund des Bctriebsrätegcsetzes veranschlagt werden darf. sl?!ag der materielle Erfolg gering oder groß sein, er wird niemals den ideellen Wert aufwiegen, den wir darin erblicken. daß der arbeitende Mensch in Zukunft nicht nur um Lohn und Profit für das Gedeihen der WirtsckAst schaffen, sondern durch Gemeinschaftsarbeit Errungenes in Gemeinschaft genießen wird, und daß zu dieser neuen Staats- und Wirtschafts- gemeinschaft auch wir Frauen unicrn vollen Anteil beitragen dürfen. Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten Von Henr. Fürth lSchwtz» Es ist verständlich, daß dieser rechtlich festgelegte Uebcl- stand, der eine moralische und soziale Ungeheuerlichkeit in sich begreifen kann, die Empörung feiner einpsindender Slcrzte auslösen, ihren Widerstand hervorrufen muß. Diese Em pörung hat sich im Lauf der letzten zwei Jahrzehnte zii einem Kampf gegen den Z 3(X) verdichtet, dessen heutige hauptsächliche Wortführer Prof. Flesch, Frankfurt, und v. Zumbusch, Mün chen. sind. Von ihnen wird bei gleichzeitiger Erstreckung der Schweigepflicht auf das gefamte Personal der Gesundheits- behördc. der Kranken- und Versicherungsanstalten, dre Melde pflicht der Aerzte an die zuständigen Stellen verlangt. Ebenso will Flesch die Aufhebung der ärztlichen Schweigepflicht in Eheschcidungsprozesscn. So weit, so gut. und auch wir können uns vorbehaltlos anschließen, wenn die guten Absichten und möglichen Wirkun gen dicfcr Maßnahme nicht durch den Umstand durchlrenzt würden, daß nach Einführung der Meldepflicht die böswilligen Kranken sich sorglich hüten würden, den zur Meldung ver pflichteten Arzt aufzusuchen. Ebenso alle die. die nichts mehr fürchten als irgendeine Form des Vekanntwerdens ihrer Krankheit. Alle diese Selbstsüchtigen, Leichtfertigen und Ge wissenlosen werden leider zu dem der Meldepflicht nicht unter worfenen Kurpfuscher gehen. Nun ist der Vorschlag gemacht worden, die Meldepflicht auch auf die Kurpfuscher auszudch» nen. Aber selbst wenn man das täte, hätten diese Leute immer noch die Möglichkeit, diese Verpflichtung durch die Erklärung zu umgehen, daß sie die meldepflichtige Natur der Krankheit nicht erkannt hätten. Deni Arzt wird man eine solche Ent schuldigung nicht durchgehen lassen. Ihn wird man auch für etwaige.Kunstfehler" zur straftrechtlichcn Verantwortung ziehen, während der Kurpfuscher hier wie dort straffrei bleibt. Daher wird die Meldepflicht das Gc.!enteil ihres Zweckes erreichen Es wird eine große Abwanderung zum Kurpfuscher stattfinden und die Geschlechtskrankheiten werden sich mehren statt mindern. Auch der Einwand, das Publikum werde sich ebenso rasch und selbstverständlich an diese wie au irgendeine andere Meldepflicht gewöhnen, ist solange mcht stichhaltig, als es nicht gelingt, die Massen von der seelischen Seite her dazu zu bringen, in dieser Ärt Erkrankung nicht länger einen Schimpf, sondern eben eine Gefahr zu crblickcck. die man wie jede andere bekämpfen muß. Solange wir noch nicht soweit sind, bleibt nichts iveiter übrig, als dem Kurpfuscher die Be- Handlung solch einschneidender Erkrankung und ebenso ibre sogenannte Fernbchandlung zu verbieten und Zuwiderhand lungen streng zu bestrafen. Wäre das durchgeführt, so könnte man unbedenklich zunächst der beschränkten Anzeigcpflicht zustimmen, die die Sachver ständigenkommission der D. G. B. G. wie folgt gefordert hat: Meldung ist zu erstatten: a)„wenn der Kranke die Kur unterbricht, ohne den Nach- weis zu bringen, daß er sich in andere ärztliche Behandlung begeben hat', d) wenn der Arzt in Erfahrung bringt, daß der Patient im ansteckenden Swdium geschlechtlich verkehrt" Von, Arbcftsausjchuß zur Bekämpfung der Geschlechtskrank heiten wurde hier noch voraefck'lagen als Ziffer „e) wenn der Arzt erfährt, daß der Kranke durch seine berufliche Tätigkeit oder seine persönlichen Verlwltnisse eine crhcblickv Gefahr für feine Umgebung bildet." Während noch beide Parteien sich anschreien, kommt ein dritter Mann und sagt:„Was schreit Ihr so? Er schaut nicht nach links und nicht nach rechts: er schaut geradeaus. Sehen kann ich zwar nicht. eS ist noch immer dunkel. Aber ich glaube es. Und mein Glcnche ist der einzig wahre und der alleinselig machende." Und auch hinter diesen Mann treten Menschen und rufen mit ihm:„Er schaut geradeaus." Wenn Du Nim an diesen drei streitenden Haufen vorbeikämst, zu welchem würdest Du gehen?" »Ich? Zu keinem!" „So ist's richtig! Aber warum denn nicht?" „Ich würde näher an das Denkmal hrrangchen, um genau zu sehen, oder ich würde warten bis es Heller geworden ist." „Ganz recht! So macht's Dein Vater auch mit dem Glau ben. Er läßt die Juden und die Katholiken und die Pro- tcstanlen sich streiten über das. was sie glauben: er selbst ober sucht sich über das, was noch im Dunkeln ruht, auszu- klären. Wenn die Menschen immer mit dem zufrieden gewrien wären, was sie glaubten, so wären wir noch weit zurück: aber die Menschen sind langsam vom Glanben znm Wissen fort geschritten, und was einstmals dunkel war, das ist jetzt hell und klar. Nun gibt es viele Menschen, denen gefällt's in der Dunkelheit besser. Dir auch?" „Nein, ich bin lieber, wo es hell ist!" „Ich auch. Dann wollen wir znsanimen gehen, ja?" „�a. lieber �atcr, mit Dir gehe ich überall hin." ""'°�cst. wenn Dir irgend �was das Herz bedruckt, dann fragst Du mich, jn? Ich werde Dir unmer die Wahrheit sagen. Du wirst mich zwar nicht ttnmer gleich verstehen- hast Du verstanden, was ich Dir vorhin gesagt habe?" � »Ja— alles zwar— so ganz genau— ich glaube nicht." „Nun, das ist auch nicht nötig: wir sprechen noch öfter darüber, und was Dir heute noch unklar ist. wird Dir morgen schon klar werden. Nur bitte ich Tick,: frage mich stets, als wenn ich Dein Freund wäre. Ich möchte nämlich auch Dein Freund sein" „Tu? Tu bist doch mein Vater!" „Ja. aber wenn ich außerdem noch Dein Freund sein könnte, würde ich mich sehr, sehr freuen. Tann wäre ich ordentlich stolz." „Ach Tu!" Ein kleiner weicher Mädchenarm schlingt sich um nieinen Hals, und eine stürmische Liebkosung sagt mir mehr, als Worte vermöchten. Wie ich als Frau den Krieq sah LuS TagebuckbläNern von Erna Buking cilortli Armand ist tot. <�krmand ist tot. In Snkel Ottomar? Hmis hat man Vev- bindungcn, und daher bekamen wir auch diese Nachricht aus dem sogenannten Feindesland. Onkel Ottomar brachte sie mir zart und ruhig. Ich weiß, er wird diese Nachricht in unserm Bekanntenkreis weitergeben, vornehm im Schmerz und dabei sich selbst beweihräuchern. Armand ist tat. Er fiel auf dem sogenannten Felde der Ehre. Er war Offizier. Ich weiß, das ist ein Beruf, der nur einer kleinen Kaste vorbehalten ist und daß sich daS Sebnen und Streben manches Merftchen nach ihm vergebens müht. Er war Offizier: für mein Empfinden ist das nur ein Nr. 10 �»eve,t Die Meldung soll zunächst an die öffentliche Beratungsstelle für Geschlechtskranke erfolgen, die den Kranken vorladet! erst tvenn er der Aufforderung der Beratungsstelle nicht nach- komnit. soll diese eine Anzeige an die Gesundheitsbehörde (beamteten Arzt) erstatten. Dies alles unter dem Vorbehalt, daß die Kurpfuscherbelxmd« (ung, die Fernbehandlung und das unlautere Annoncieren streng bestraft wird. Tie D. G. B. G. schlägt in dieser Rieh- tung vor: �..Bestraft wird: I. wer Geschlechtskrankheiten und Krankheiten der Ge schlechtsorgane nickst auf Grund eigener Wahrnehmung an der erkrankten Person behandelt: ll. wer sich öffentlich in unlauterer Art zur Behandlung solcher Krankheiten anbietet: lll. wer. ohne die staatliche Anerkennung als Arzt zu be> fibcn. solch? Kranke in Behandlung nimmt." Entsprichst der Gescbgebcr diesen billigen Forderungen, so bürd zweifellos nach der beschränkten auch die allgemeine Meldepflicht sich einbürgern und eine wirksamste Waffe im gegen die Geschlechtskrankheiten wird gewonnen sein. Neugestaltung des Hebammenwesens Von Eduard Graf II. Auch die Jahresversammlung des Hauptverbandes Deut scher Ortskrankenkasten zu Leipzig drängte auf eine gründliche Aenderung des Gesetzes über die Rcichsivock)cn Hilfe, dessen Mängel sich in der Praxis von Tag zu Tag fühlbarer machen. -�!cz hatte zur Folge, daß eine Ncuzestaltung des Hebammen- ivesens unbedingt erforderlich ist. Zahlreiche Krankenkassen baüen inzwischen ihre Wochenhilfe ausgebaut, um wirkliche D�ölkerungSpolitik zu treiben. Sie gewähren nicht allein lreie Hebainnicnhilfe an ihre Versicherten, sondern auch an »rauen ihrer Mitglieder. Ein Teil der Kasten zahlt einen bestimmten Betrag laut Statut den Mitgliedern aus und überläßt es diesen, sich mit den Hebammen auseinander zusetzen, während wieder andere freie Hcbammenhilfe garan- leercr Raum. Nicht darum, weil er gegen mein Vaterland z°g. ach. das tut ja nichts zur Sache: aber, weil er sich zum Morden hergab und das etwaS Böses ist. was er nicht hätte tun dürfen. Sie tun eS ja alle, das stimmt: aber ich hatte ihn � lieb, daß ich ihn stärker glaubte als alle andern. Eine Frau betet die Stärke an. darin besteht dock, ihre Liebe zum Mann. Darum kann man ihr auch gar keinen Vorwurf �chcn. wenn ihre Liebe wechselt: sie sucht eben, wenn sie einen Mann schwach gesehen hat. stets erneut die Stärke, an �sie sich anlehnen kann. . v>ch hätte weder getötet, noch zum töten kommandiert: wenn ich dann hätte morden sollen, dann hätte ich mein eigenes T�ben gemordet. Ich wäre nicht in den Krieg gezogen. Tann bätte man mich wohl erschossen wegen Feigheit vor dem Feinde, Heldentum vor der Menschheit und Ehrlichkeit gegen fuich selbst. Ich wäre bestimmt nicht gegangen: daher weiß ich, "b bin stärker als Armand es war. Mitbin wäre meine Lrebe zu ihm zerbrochen, denn eine Frau versteht und vcrgiat viel, uur nicht ein„Stärkcrsein" als der Mann. Armand und ich würden in Zukunft hilflos Berührungspunkte aus umcrm sriiheren Leben gesucht und um alles Epusthaste herumgeredet b�ben. Darum ist es gut. daß er gleich in den ersten ��gs- wgen sirl und keine allzu großen Flecke auf das Bild der Vergangenheit fallen können. Ich glaube sogar, ich kann wieder beten, denn das Gefühl, was meine Seele jetzt erfüllt, oas niuß ein Dankgebct sein. Ich war beim Frisrrir. Ich war nie schön, aber ich bin blaß, schmal und intcrestant, und Onkel Ottomar weiß, welche Frisur mich kleidet. Darum wuß ich mein Haar ondulicrca lassen. 77 tieren. Die Reichswochenhilfe hat nun diese Frage erschwert, da die gezahlten Sätze niit den heute geforderten nicht mehr in Einklang stehen. Eine gründliche Neforin des Hebammen- Wesens ist deshalb notwendig geworden. Will man allen Frauen unentgeltliche GeburtS- und Wochenhilfe garantieren, kernen Unterschied mackren zwischen reich und arm, gute und ausreichende Hilfe auch sicherstellen, ro muß die Hebamme auch Beamteneigenschaft erhalten und nicht mehr Gewerbctrerbe» de sein. Erfreulicherweise verdichteten sich die Beratungen des Ausschusses für Bcvölkerungsvolitik der preußischen Landes- versammlnng zu nachstehenden Anträgen, die jetzt der Landes- verianimlung und dem Ministerium für Volkswohlfahrt als Unterlage für ein neues Hebammengeietz dienen. 1. Die Hebamme erhält Beamteneigenschaft. 2. Die Hedamme ist der KreiS-Hebammenstellc unterstellt. Tie KreiS-Hebammenstelle besteht auZ dem Kreisarzt, einem Verrreter der Kre Sbehörden, zwei frei gewählten Hebammen und zwei gewäbltcn Müttern de» Kreises. Bei der Provinz ist sinngemätz eine Provinzial-Hebammenstelle als Berufungs instanz«inzurichten. 3. Ter Hebamme wird ein Einkommen gewährleistet, da» zur Lebenshaltung genügt. Jeder äußerberufliche Neben erwerb darf nur mit Genehmigung der vorgesetzten Behörde ausgeübt werden. 4. Die Zahl der Hebammen muß in allen Landesteilen aus reichend sein. 5. Die Hebamme hat den Frauen unentgeltlich GeburtS- und Wochenhilfe zu gewähren. K. Die Ausbildung der Hebammen ist zu erweitern und organisch mit dem Unterricht in der Kranken- nnd Säuglings pflege zu verbinden. 7. Die Auswahl der Hedammen schülerinnen muß mit größter Sorgfalt unter Beriicksichligung der körperlichen und geistigen Eignung und unter Mitwirkung der Kreis-Hab» ammenstelle erfolgen. Es ist eine abgeschlossene Schulbildung zu verlangen. Ten Lehrern der Hebammenschule muß die MSglichkcit gewahrt bleiben, als ungeeignet sich erweisende Schülerinnen zu entlassen. BcrufungSstelle ist die Provinzial- Hebammenstelle. 3 Tie Zahl der zur Ausbildung zuzulassenden Hebammen ist dem Z'edürfniS entsprechend zu regeln. Durch UcbergangS- Heute nun lernte ich beim Fnicur eine Frau kennen, die sich ihr Haar ondulieren und mit Parfüm einreiben ließ und währenddem glückstrahlend erzählte, daß ihr Sohn mit seinen Leuten einer französischen Patrouille den Garaus gemacht hätte und dieserhalb zum Eisernen Kreuz I. Klasse vor geschlagen sei. Ich war starr. So konnte eine Mutter sprechen? Wäre ich eS gewesen, mich hätte ein Grauen vor meinem eigenen Kinde gepackt und mein ganzes Sein wäre Haß geworden gegen die, welche die Jugend in das alles verzehrende Feuer des Krieges Werfen. Aber hier zu Hause geht alles seinen Weg weiter. Onkel Ottomar, denke mal, da draußen lassen sie ihr Leben, sie werden zum Krüppel, sie haben nicht mehr die gering fügigste Bequemlichkeit, und Du willst nicht einmal mich als Spielpuppe entbehren. Sie pflücken Sckmrpic. Onkel Ottomar meinte, ich sollte an den Wohlfahrtsein- richtungen tätigen Anteil nehnien. Darum ging ich heute nachmittag in einen vornehmen Damcnkrcis, der in Wobl- tätigkeit macht. Sie saßen bei Kaffee und recht viel Kucken und pflückten Scharpie. Sie rühmten ihre Sparsamkeit, ihre große Geschicklichkeit, sowie ihr Anpassungsvermögen im Kochen, tauschten gegenseitig die neuesten Kriegskuchenrezepte aus und pflückten Scharpie. Neben ihren dicken Tiamant- ringen trugen sie eiserne Trauringe, weil sie„das Gold dem Vaterlandc" gaben nnd pflückten Scharpie. Ich habe sehr viel kostbaren Schmuck, der. weil er eitel Tand ist. mich nicht er götzen kann und nur Geschenkwert für mich hat: doch gebe ich kein Stück ab, denn bei mir bleibt er ungefährlich, während 78 Die Gleichheit Nr. 10 bestimmunHen sind den jetzt tätigen Hebammen bestimmte Ar- beitSbezirke Anzuweisen. Tie Forderung einer Nachprüfung ist von Fall zu Fall zu prüfen. Kommt dieses Gesetz zustande, woran nicht zu zweifeln ist, so wird Preußen unter allen Bundesstaaten Deutschlands in dieser wichtigen Frage den Vormarsch antreten. Gut vorge bildete Hebammen, die auch Säuglings- uird Krankensimorge treiben können, werden dann auch in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen, in Veamteneigenschrst ausreichend befahlt, ihr ganzes Wisse» und Können in den Dienst des Volkes stellen unr) werden dann nicht mehr der Gefahr ausgesetzt sein, durch strafbare Handlungen wie Abtreibungen usw. ihr unsicheres Einkommen zu erhöhen. Es entstand nun die Nebenfrage, wie dann die Krankenkassen die Neichswochen- hilse, ihre Hebammenkosten zu bezahlen haben. Einmiitiz wurde dann vom Ausschuß für Bevölkerungsvolitik ein An trag der Landesversammlung unterbreitet, und von dieser rinmütig angenommen, nach welchem die Staatsregierung zu ersticken ist. bei der Reicksregierung dahin zu wirken, daß mit tnnlicksier Beickienuigung die gesetzlicken Bestimmungen über die Reickswochenhilse vom 20. Sesttember 191V und die Be- stiiniiiungen der ReichsversickerungSordnung über Woärenhilse durch die Krankenkassen so abgeändert Nrerdcn, daß sie mit den Rickllinien, die in der Preußischen Landesversammlung über die Neuregelung des Hebammenweseus angenommcii Wordeil sind, nickt im Widerst'ruck stehen. Die Hebammeilhilse wird dann also künftig in nntni-r ge- währt werden, die Versicherungsträger können diese Gelder den Wohlfahrtsämtern direkt zuführen. Die einzelnen Wöch nerinnen erhalten also unentgeltliche Geburts- und Wochen- hitse, alle hierzu nötigen Heiiniittel und Hilfsmittel, Des- insektionsmittel usw. Auch freie ärztliÄfe Hilfe wird gewährt werdeil müst'eii.weun man wirkliche Bevolkerungspolitik treiben will, der Arzt wegeil Mangel an Mitteln nickt gerufen wird oder nicht kommen will, wenn es sich nm arme Leute handelt. Durch deu Antrag aus Abänderung der gesetzlillfen Bestim- mimgen der ReichSwockenhilfe werden anck die vielen Mängel bicsem Gesetze jfenommen, wclckfes in eiliger Beratung zu stande kam. nm eine Lücke in der Reichswochenhilse ab 1. Lk- «r bei seiner Abiieserung anch in den Kriegsdienst gestellt würde. Sie sprachen über die alltäglichsten Sackten, unter hielten sich über die neueste Operette, über die Untugenden der Tienstimidchen, die schönen Rchaugen eines jetzt sehr in Vtode kommenden jungen Zahnarztes, sie sprachen icher den „Fliegenden Holländer" und über den„Jurbaron" und Pslück- trn Scharpie. � Schließlich warf ich den ganzen Kram hin und sagte, daß ich nicht mebr mitmache, da die ganze Sache mir unglaublich lächerlich und niitzios vorkäme. Da blieb der Frau Senator ein Stück Marmeladenkuche» un Halse stecken. Ich siude mich nickt znreckt. Ich verstehe mich mit keiner Frau, nickst mit den Wohlsahrtsdamen. die, wenn sie ein Wenig Scharpie pflücken und in den Lazaretten Besuche ab statten oder Pflegen, ihrerseits sckon mit dem Lriege fertig geworden sindz nicht mit den jimgen Munitionsarbeiterinneu. die ich neulich jauchzen hörte: Unsere Granaten": nickt mit den Frauen, die sick, geduldig wie die Schafe, anstellen,»m ein Paar Gramm Eßlvaren; nicht mit den Fmucn, die auf gefressen und ausgesogen werdeil bon ihren Sorgen und alles für ilnabnnderlich hiilnehmeii. All diese Frauen find tatsäcklick so sckhvack und matt, daß auch eine große Krast mit lh»:> Nichts ansangen könnte. Trotz meiner den Frauen so osteiisickutich rntgegei'.gcsetzten Aickchten bilde ick mir deinloch nickst ein, umveiblick zu iein. Erich. Erich mein B. a.dcr. ist m» vieles jünger als ich. Tarum suhle ich inich ei» gut Teil verantwortlich für ihn. AlS er, gletch nach Kliegs,inSbrnck, bei mir zu Besuch stxülte preßt- tober 1919 nicht eintreten zu lassen. Die einzelne Hebamme wird nicht mehr auf ein unsicheres Einkonunen angewiesen sein, sondern ihre ganze Kunst dem Volke zur Verfügung stellen, in sicherer Aussicht, im Alter versorgt zu sein. Dies ist für arme Orte sehr wichtig, da diese nicht in der Lage sind, die niit Recht geforderten höheren Kosten für Hebammen aus zugleichen. Die Lasten werden also ans beide Schultern ver teilt; die Gemeinden, der Kommnnalverband, die für Heb- annnen und Aerzte zu sorgen haben, werden eher gegen Uebergnfse vorgehen können, als dies dem einzelnen Fa milienvater heute möglich ist. Aus unserer Beweguurs Aue i. Er.zgcb. Nachdem»mnnchr das schreckliche tZvIkcrmardeii wenigstens für uns Teutsche oecndet ist, beginnen anch die Ge nossinnen in unserem Oric sich wieder zu regen. Bereits bor dem Kriege war In er der Versuch unlernommen worden, die Arveitersraue» desond.rs aus die Notlvcndigteil der polltischeii Bctäligung aufmertsaul zu machen. Durch Abhalluug vo» össcutlicheii Fraucnveiiamiuluugcu wurde versuchl, die Frauen für unsere Belvegung zu gewiuncii. Es war auch berens gelungen, eine größere Anzahl unsere: PoKSgciiossi.incu dem So�ntdemokraüschen Verein als Mit glieder zuzuführcii. Durch die Einsührung von Diökusfions- abcndcn wurde versucht, de» Genofsinneii die Idee des Sozialis mus verständlich zu machen, und cS lvar auch bereits gelungen, eine größere Anteilnahme für unsere Bewegung bei den Ge- nosfiunc» zu er.vecken. Der Krieg hatle d,rS so schön bcgouuene Werk leider mit eine»! Echlage wieder vernichtet. Die Torgen um de» im Feidc stehenden Ernähre und alle anderen durch den Krieg hervorgerufenen Bedrückungen lasteten so schwer auf unsere Franc», beiß es unmöglich lvar, sie für uiisere Tache zu lutcresfieren. Trotzdem hiellcu noch M Genofsiuiicn dem Verein anch während des Krieges die Treue. Ticsc Zahl ist nun bis jetzt auf 81 angewackste». die Wlederaujuahme der Disiussionsabende, die jeden Millwoch. abends 8 Uhr, im Ncitaurant„Reichsh«rlle", stattfinden, hoffen die hlcnosfinncu sich zu schulen, damir sie auch selbst für einen größeren Zuwachs von Mitgliedern Sorge zu I ragen ver mögen. Es soll Mc umsangrcickze Agitation zur Gewi»»uug ich ihn wild ail mich. Ich wußte, die Stimmiina ini Hamc und die Stiinnumg in der Schule würden ihn bald in den Ki' ieg werfen. Er lackte, als ich ihn an mich zog und sagte: „Du wirst wohl noch zärtlich auf Deine alten Tage." Bald ging Erich als Freiwilliger. Die Lust, in der er lebte, von dir er sich genährt hstte, bestimmle ihn dazu. D-.r Zusainmenbriich kam schnell..Körperlich ist er den schuxreil Aiisorderiingeii nickt geimcksen, und die Flamme seiner Begeisterung ist erloschen, weil er zu viel kleinliche Niedertiächtigkeften'ah. Nun vegetiert er. Er liegt bald da, bald dort im Lazarett, wird von den Aerzten Drückeberger geickzolten und vorzeitig entiassen, ist bei den Kameraden un beliebt. weil er ein schlapper Kerl ist und wird vom Fcld- lvebel nnd Unteroffizier aeguält, weil er sie schon durch sein bloßes Dasein reizt.„Wer die Anstrengniigen nicht allshalten kann, der niiiß eben krepieren", das ist daS einzige Lied, das aber dasür iir allen Tonarten ihm gesungen wird. Für ihn ist augenblicklich der Begnjj vo» Starte nird Brutalität nnd von Sckiwäcke nnd Glitimii gleickibedeniend, silier wendet er sich an die Scklvackx'n, und so schreit er anklammernd, bilse- silchend in Briefen ,zn.mjr. Erich, ick kann Dir nickt helirn: aber ich>vil! zeitleben-. zu den Scknxlcken stehen, und ick, werde für meinen Teil mit da sür sorgen, daß das Gute in den Franen eNvickt, daß die Gedanken der Liebe nnd der Versöhnung, die in ihre»! llnter- bewnßtseiii icklummern, anjnxlckx',. diirßm: ick!vill mit dafür sorge», daß es nickt für ewige Zeiten ein Fluch bleibt, ein Weib z» sein. peg» neuer Mitglie!>cr in die Wege geleiisi werden. Wir boffen da? Zu erreichen durcü Mchaltung öffentlicher Frauenversammlnngcn, iLerieilung der„iKleichheit" und Vroichürcn. Für die„Glcich- heii" soll gleichfalls eine l>esondere Agitation gemacht werden. Emil Richter. Zum Kampf der Post- uud Telegrapheubeaiiiriuntu um ihre, nach der Verfassung gewährleistete, Gleichstellung uiit den männlichen Kollogen ging uns folgende Entschlie ßung zu: In der heute ff, Münster i. W. im Frauenbundihause von den Post- und Telegraphenbeomtinnen einberufenen starkbesuchten Bersamnuung, zu der auch die Frauenvereine Münsters er schienen sind, wird einstimmig schärfster Widerspruch erhoben vcgen die Miuderbcmertung der Frauenarbeit durch die Ein reihung der Post- und Telegraphenbeamtmnen in die Besol dungsgruppe 3. Wir fordern, unfern Annahmebedingungen entsprechend, mindesten» Einrcihuug in die 4. Bcsoldm�zsgruppe und lehnen, hinweisend auf die im Kriege ycleistet« Arbeit in beeren Stellen, die 3. Besoldungsgruppe mit aller Enischieden- hcit ab. Wir beiiterken hierzu, dast die sozialdeniokratlsche Fraktion absolut den Wünschen der Beamtinnen mif Einreibung in Lohnklassc 4 beitritt, sotveit die Leistungen dieselben sind tvie die der BstMiten im mittleren Dienst. Arbeitsgelegenheit für weibliche Personen Während dcS Weltkrieges war �ie Frauenarbeit in der Jndu- strie eingeführt wie nie zuvor. Alle Kriegsindustrien Ware» ge- �tezu vollgestopft mit weiblichen Arbeiterinnen, und Leistungen imd vollbracht worden von Fcaucnhäudeu, die vordem nieniaud �5. möglich gehalten hätte. Wit Abschluß des Wassenstillstandr'Z hat sich das Bild in sein Seitenteil verkehrt. -lkben der grohen Arbeitslosigkeit der männlichen Dcvölke- ist eine solche für weibliche Personen in noch erhöhterem " Zu verzeichnen. Nach dem„NcichSarbeitsblatt" Nr. S dcS Umgangs XVIl ist, mit Ausnahme der Landwirtschaft und -meustbotenberufe, in allen Industrien und im Handelsgewerbe hiesiges Ueberangedot von weibliche» ArbeitSkrästen vorhaudeu. >m der Landwirtschaft werden gegenwärtig die wenigsten �I�ncn Stellen beseht, nämlich von lvll nur 42. Dann fehlen � mid HanSpersonal, wo von den freien Stellen nur in wurden. Bei der Kategorie Herd- und Küchenmädchen tv-r wtmirtschaften konnten nur KV Proz. Bewerber gefunden Auch bei dem Kochpcrsonal und Zimmermädchen in Hotel» und Gastwirtschaften waren l» rcsp. 21. Proz. mehr Platze zu besetzen, als Bewerberinnen sich meldeten. �, Dagegen ist da» Angebot der weiblichen Arbeiffucheuden»> «cn verschiedenen Industrien zum Teil über sechsmal giu'v-r al, Arbeitsplätze zu verzeichnen sind. Bei einzelnen Jlidusirien ist die schwierige Beschaffung der Rohstoffe die Hauptlirsache der geringen Beschäftiguiizs Möglich keit, wie z. B. in der Spinnstoff-, Talmi Industrie nsw. Aber auch im HandciSgcwerb« ist das Angebot au ArbeitSlrüflcn beinahe viermal gröster als die Nachfrage. Damit unsere Leserinnen sich jedoch ül'er die Verhältnisse in den einzelnen Berufen eingehciid informieren können, bringen wir nachstehend eine Zusanunensielliing über die Zahl der ArbeitSvermittelungen nach den Angaben der zur Meldung der- Für die weiblichen in der Industrie und im Handel bisher tätig gewesenen Personen ist voraussichtlich für die nächsten Monate nur geringe Aussicht auf Wiedcrbeschästigung vorhanden und dürste es manchen Mädchen nicht allzu schwer fallen, ihren früheren Beruf in der Landwirtschaft oder im Dienstver hältnis irgendwelcher Art wieder aufzunehmen, da dort, wie oben ersichtlich, große Nachfrage vorhanden ist und auch die ArbeitSver- hältnisse durch die politisch« Uiiiwälznng in Deutschland doch ganz bedeutend freiere, bessere und menschenwürdigere geworden sind.! b. ______..>.1�___________.!..>! ------ gZeraMworiUcb für dl» RedaMo»� lZrau.Maro Modm-Schnch. Drücke vo«»>1rl« Buchdriilteret. Verlag: Buchhandlung Bonoärrs Bant Stngir G. m d.». lZmtiich U» Berlin SW SS. vindc.mrahe 3 öi.'- �>vt«aer ö» B L/tgern, Pioiinen, S-ttarr-n.i I-Ndolin.u.«l-t-u- o k.w. 0«i.k»ckre.d-a.- Uc.relllax avloet unc»o, in-i grülleren mevr. Lenaunser. von aullerNald verSen prompt erlev-zt. lNeeaZlirdmali«!NarIaa»en»te->0« 14,»n uer' au dussr iZrUc!:« 4.mi Sioriwplalr l0<-Z8, Sledenensenluv LksZsuTs, vefsznzen Linsensunk von 1�5 v?«»neck. 7viA»eoAekat»I!eks»eoseküre» 5le dringt iünen Qlück rmck �uirisckenNeit. VersanckgeseNält Urogi?» p»ul NAnsal, vuizdurz-�tleinianck, Lieverstrssse lradaul von prlii.kl», sc:liv>.ü»kc», titinen, k»nila,«Zolck uack Aiiden Ali cke» kLcl»«:en?«Zse�pZ'e>«ev. Q. �iock�etrittn. 210, kclce XoekKtv. »iZ»LM»«S�»�'KLkSS » w>«»»In«- u. l4L>v>«rte»n>i»N olloeol SI Lpo.» k-li»«>«lorlor NIi»»t»ep«rI» UsdvesII»u dndonl»» 5 V2SI.5»« e.2S, VSKVe!.5?K«L5» Kr. Sil z LZMWZß'-RsZz ÄÄSi'stt srkÄiMekZ 80 Die Gleichheit Nr. 10 -G- LZne Rodllsl»ß» «ur frsuen»wd die eliem eckten»ensiruslionzmiltei Kapanol- � l iopken u. U zzees Veclsng. Sie zni. aus», i'toü". eceri! V. t), püeei, pieullö»»» V6. l-ielec� aliec SsnilÄlsz�l�kel. >l-MdIeelitZ?Melii' KMMKiMeitell! Von vr. ürosl Leberl pi-eiZlSk.l.�.fvrloiops. >?u de?ieN?n KucNkanälunx I Vol'V?Ns.ksrlin,l�ln6en8lf..Z ?rsllLvI(!iSlZÄ v�'.un!?! Ptei8 1�0»k.. pono in i�i vueltkandlunx VoetvSe«», kerlin>>V.«i, l-Indeintlcell- Z. Buchhandlung vorwärt», Be- lln Sw.. Lindcnslr. 3 AtliiMbus Vas alte und das neue Credo Lstsrrim censeo Ole Morjeillaise des Ehriflenlums FretdenlerlschkGedlchte von Friedrich Krasier preis S0 pfennia Wüillg! VWg sSr lZlle Eilerv AWW! deren Kinder Ostern die Schule verlassen! Die Berusswahl mit Rücksicht auf die Tauglichkeit für den Beruf Von Dr. med. Zadel, Berlin Dieses Äeft gibt Aufklärung über die für die Kinder wichtigste Lebensfrage und sollte daher vor der Entscheidung von jedem Vater, jeder Mutter gelesen werden Preis l,2l) Mark, Porto lv Pfennig WlMlMvi; VölMts.SM'iU. LilMM.Z AeiiklbeiiejllöilVoge! skLesciiOkisen, v/enn sie Ikre �StsSisdSZciS l-NZj ÄZZSlSLN!! nur an micti verksuscn. �iitile üdd» den in den reßezteitunxen itücitziinstrierien l�reis. ttöctisie Annonce miwrint-en. LiSöll- ll.!«Llsj!g5liiii,.Ä.8L?l!Iitt Ueupt! esckült: Neukülla, I.lderdastr. reteptioa: 040S. /.«eixzteilcn! ttermsnnvi.«. N-Nimisclie Ätr. IStn. Niclietdpi.) Ucilw, ScNSntinu-er �liee ISI. Niickierztr. ZZ.> «dröllere Posten verden ukxekolt. Post- u. LittinsendunLon Verden prompt erledig' ilzss-WMde-Äsi�! itn-»entl>Z> tscrsrdei- en, rr->ns iorm.ntio neu.?SpIr us«. Ue�r ürd., dion d>er..Kopl-«esctren, Ondu- Ueren. �lii!V..I!ü!o«z!i'»Zl:�. �«eieeeücpiill. SclrSnederx I.uilnoids'reae dir. Zt. ticke »sr>in-l.u-Iier 8tr»lle. jAsKs Mr gAMell-k05tüms I»tr. 20.—. Z0.-.«o.—. zo- iierren tillZligs ! Nrr. ZU.—, 60.—. 20.—. 80.- luctiioxer >i(oK.l?'.d.!l. getl>iil!.,Kii1tZii!!teinIt.ZII/Z1. I Verksulsreil vond—?ttpr ciasiictrt-, �eiioidiü-liromsii tierkerten, per luou Stck. 82 5». iuo Sick. 8, zu. Pleiten diiiiz t.>ste Irei. kot» Indiizirie, tieri.'n SV.<8, priedriciistrsSe 2Z? t. ÄiöeinUunijei'l deseitiel S.-i?. Or. Sireiii's s «ÄULSSldlZ �ureu" sctila);, Zuciten, desonck. ve!»-! gckacken,!!f!1? u. N3. imtzWi Alvcnzlcbenslr. 2Z. ychb.Biilowskrcche. S— 12. 2—6. Sonntags 9-12. 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