Ur. 89. Abomements-frttnpngtn: Dbonns.nenIS-Pr«iS pränumerando! vierteljährl. 3L0 Ml., monall. I.lvMl., wöchentlich 28 Pfg. frei WS Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags« Nummer mit iNustrtrter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettungs» Preisliste für 1393 unter Dr. 7S76. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. 13. Jahrg. Die Inftrtions- Gebühr beträgt für die fschsgefpaltene Kolonel- teile oder deren Raum so Pfg.. für BereinS- und BerfammlungS-Anzeigen, sowie Arbeitsmarkt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müsse» dt« S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis ö Uhr vormittags geöffnet. Erscheint täglich nutzer Wol>k»g». Vevlinev VolksblÄkk. Fernsprecher: Nnill, Dr. 1508. Telegramm-Adresse: „S»>wld-»wkrnk Berlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Htednkllott: SW. 19, ZZeuly-Straße 3. Dev FnnnnasVevbAnd deutscher VttugetVevksntoiltev bat, nach dem eigenen Geständnisse des Grafen Posa- d o w s k y, den letzten Anstoß zu dem berühmten Tezember- Rundschreiben des Reichsamtes des Innern gegeben. In einer Petition an den Reichstag und den Bnndcsrath beweist dieser Verband soeben von neuem, lveß Geistes Kind er ist und ivelche konipromittirende Schlitzheilige Graf Posadoivsky sich für seine Sozialpolitik gewählt hat. Einmal unterstützt die Denkschrift die im Vorjahre vor- geschlagene Aenderung der Strafprozeß-Ordnung, daß Personen, welche auf frischer That betroffen oder »erfolgt und vorläufig festgenoimneii sind, von der StaatSamvalt- fchaft ilnimttelbar dein zuständigen Gericht mit dem Antrag aus sofortige Aburtheilnng vorgeführt werden sollen, in welchem Falle das Gericht ohne schriftlich erhobene Anklage und ohne eine Entscheidung über die Eröffnnng des Haiiptversahrens sofort oder spälestens am zweiten Tage nach der Vorführung zur Hauplverhandlnng zu schreite» und dabei über die Verhaftung oder Freilassung des Angeklagten zu ent- scheiden haben würde. Dieser Pfeil der biederen Freiheitskänipfer— die Petition wiiumelt von Worten wie„persönliche Freiheit",„freier Wille",„freie Ueberzeugung"— gilt natürlich nicht Mördern und Dieben, sondern streikenden Arbeitern: Gerade in den Fällen, in welchen fortarbeitende Arbeiter durch ihre dem Arbeiterausstande angeschlossenen Mitarbeiter ver- gewaltigt, also durch Beschimpfnnge» oder Thätlichkeile» in ihrem Rechte auf Arbeit beschränkt werden, dürfte sich dieses ab- gekürzt« Strafverfahren gegen die auf frischer That verhafteten Störer der öffentlichen Ruhe und Ordnung günstig bewähren, weil es die Sühne der begangene» Schuld unmittelbar folgen läßt, auch gleichzeitig den Strafzweck erfüllt, einer Fort- s e tz u n g der Slrasthat vorzubeugen und andere davon abzuschrecken. Also erst verlangt man eine Verschärfuilg des Klassen- kampfes gegen die Arbeit dadurch, daß bisher noch zulässige, friedliche Mittel des Lohnkampfcs in Zukunft für strafbar er- klärt werden sollen. Dann fordert man weiter Aburtheilung der künstlich ins Unrecht gesetzten Arbeiter sofort, in der Erregung des Augenblickes, um„vorzubeugen" und„ab zuschrecken." So sehr das an die Halsabschneiderei-Praxis unserer Bau- löwen erinnert, so menschenfreundlich und fürsorglich geberden sich die Herren im zweiten Theile ihrer Bettelschrift. Die Baugciverksmeister lassen sich bekanntlich öfters„Körper- Verletzungen" und sogar„Tödtungen" zu Schulden kommen— verschuldet durch Verletzung der berufsmäßigen Aufmerksamkeit, wie es in der Sprache unseres Rechtes heißt. Für diese Verwüstung von Menschenleben ver- langen die Freunde des Grafen Posadoivsky freiere Bahn; die zünftigen Richter hätten kein Verständniß für die Profit- bedürsnisse eines Baugewerksmeisters und seine„geiverbc- gebräuchlichen Gepflogenheiten" und kämen so zu Schuldfest- ftellungen, welche— man verbeiße sich das Lachen!—„das Vertrauen auf eine gerechte Strafrcchtspflege erschüttern." Nicht einmal die zu Gutachten herangezogenen Sachverständigen taugen ctivas; als„theoretische vorgebildete" Baubeamte wissen sie nichts von den„gebräuchlichen Hnntirunge» im Banivesen". lieber Bauunfälle sollen also Schöffen aus der Zahl der „Banknndigcn" abnrtheilen; die Sachverständigen sollen sie sich unter ihresgleichen, unter„praktischen Bangewerksmeistern" aussuchen. Welch' eine beispiellose, aufdringliche Dreistigkeit! Welch' eine Verhöhnung der heutigen Rechtsprechung und der Rechts- gleichheit überhaupt! Aburtheilung der friedlich um eine bessere Lebenshaltung kämpfenden Arbeiter möglichst vor ausgemachten Feinden und in der Wuth des Streik- kampfes! Verhandlung gegen die des Todtschlages angeklagten Unternehme r vor latiler mitfühlenden und bei Gelegen- heit auch mitschuldigen ehrbaren Zunftgenossen! Wir erlauben uns, dem Grafen Posadowsky den einzig richtigen Gegenvorschlag zu unterbreiten: Zuweisung aller sogenannter Streikvergehen vor fach- verständige Vertrauensleute der Arbeiter, Aburtheilung der auf Fahtfläsfigkeit der Unternehmer zurückzuführenden Betriebsunfälle durch Vertretungen der betroffenen und bedrohten Angestellten. Ob Arbeiter terrorisirt worden sind, werden wohl Arbeiter am besten„sachverständig" entscheiden könne». Dieser Vor- schlag ist also das Gegenstück zum zweiten Theil der Petition. Soweit, einen schuldige» Unternehmer im Augenblicke des Uli- falls vor ein Volksgericht zu stellen, wollen wir um des lieben Klasscnfricdcns willen nicht gehen. Aber entsprechend dem sonstigen ersten Theile der Verbandseingabe wäre die Ab- urtheilnng der Angeklagten durch Angehörige der gegnerischen Klaffe, also der Unternehmer durch Arbeiter. Welch ein Wuthgeheul würde durch die gesammte bürgcr- liche Presse gehen, wenn wir diese Forderungen ernstlich er- beben. In der Dreistigkeit der Bangewerks-Jnuuugen wird Graf Posadowsky vielleicht wieder eine beachtenswerthe politische Anregung sehen!—__ politische Mrbeefichk. Berlin, 15. Februar Zlus dem Reichstage. Der Etat für Zölle und Steuern fand heute seine Erledigung, ohne daß es dabei noch zu weit- ausholenden Debatten gekommen wäre. Ebenfalls in fried- sicher Weise fand die Vorlage über die freiwillige Gerichts- barkeit ihre Erledigung, indem sie ohne von irgend einer Seite Widerspruch zu begegnen, Annahme fand. Die Postdampfervorlage in ihrer neuen und erweiterten Ge- stalt wurde vom Generalpostmeister von Podbiclski eingeführt und in längerer Rede begründet. Dem Minister folgte der Vertreter für Bremen, Frese, der sich eingehend über die steigende Bedeutung des europäischen und speziell auch des deutschen Güter- und Personenverkehrs mit Ostasien ausließ und selbst- verständlich f ü r die Annahme der Vorlage, nachdem sie erst eine Kvmmissionsbcralhung durchgemacht, sich aussprach Hierauf wurde Vertagung und Fortsetzung der Debatte am Donnerstag beschlossen. Morgen ist Schwerinstag. Zweite Lesung des Vereins- gesetz-Antrages und einige kleine Anträge aus dem Hause. Im preußischen Abgcoidnetcnhanse wurde die Verhandlung über die Jnterpcllaiio» Szinula, beir. de» Mangel an ständigen Dienstboten und landwirthschastlichen Arbeitern vertagt, weit sowohl der Landwirlhschaflsnnnifier als auch der Minister des Innern durch dringende dienstliche Geschäfte am Erscheinen verhindert ivaren. Eine lebhaste Debatte einspann sich bei der nun folgenden ersten Lesung des Gesetzentwurfs betr. Erhöhung des Grund- kapitals der Zentral-Genossenschaftskasse. Grund- sätzlich ablehnend gegen diese neue Forderung des Finanzministers Dr. v. M i q u e I verhielten sich nur die Freisinnigen, in deren Namen der Abg. Richter einen kritischen Rückblick auf die vor einigen Jahren gegründete Kasse warf, die ihren Zweck völlig ver- fehlt und aus einem Geschäftsnnlernehmeu ein Wohllhäligkeils. Institut geworden sei, ans dem man zu möglichst niedrigem Zinsfuß Gelder heranspnmpe. Ein großer Theil der Richter'schen Rede war der Verherrlichung der Schulzc-Delitzsch'schen Kassen geividmet Die Antwort des Finanzministers war weniger ein sachliches Eiin gehen ans die Vorlage, als vielmehr eine nicht uninteressante Ent. Wickelung seiner uationalökonomischen Ansichten, wie fie Miguel von Zeit zu Zeit gern zu geben pflegt. Am interessantesten daraus war wohl die Bemerkung, daß der Staat verpflichtet sei, den am meisten Bedrängten zu Hilse zu kommen. Hoffentlich erinnert sich Herr Miqnel dieser Wort« auch einmal, wenn es sich um Bessening der Lage des Arbeiterstandes handelt. Für die Vorlage traten ein die Abgg. G r a w(Z.), L ü ck hoff(frk.), v. Bockelberg(k.). der Direktor der GcnossenschaftS- kaffe Frhr. v. Huene(Z) und Dr. Sattler(natl.), der als waschechter Nationalliberaler im ersten Theil seiner Rede zur Vor- ficht mahnte und eine Prüfung in der Richtung anrieth, ob nicht durch die Kasse die Gefahr einer nngesnnden Kreditcntwickelung herausbeschworen werde, dann aber sich nicht n»r zur Bewilligung der Erhöhung des Grundkapitals auf 50 Millionen bereit erklärte, sondern sogar eine solche auf 100 Millionen nöthigenfalls zu ge- währen geneigt war. Die Vorlage wurde der Budgetkominission überwiesen. Morgen: Initiativanträge. DaS Herrenhaus trat heute nach längerer Pause wieder einmal zusammen. Ohne Widerspruch nahm es die Erklärung des Land- wirthschafte-Miyislers entgegen, daß die Regierungsmaßregelu zur Verhütung der Hochwasserkalastrophen vertagt werden. Morgen versammelt sich wieder das„hohe Hans", dessen Mit- glieder die„agrarische Woche" zur Abhaltung einiger Sitzungen aus- nützen.— Die„Sa>nnicl"-Politik. Herr Miqüel hat das Wort von der Sanuuluug der nationalen Parteien aufgebracht. Die holden Zeiten des Bismarck-Kartells möchte er wieder herbeiführen, um mit einer gefügigen Reichstags-Mchrheit bequeme Arbeit zu verrichten. Das Wort von der„Samnilung" hallt, seitdem der schlaue Miquel es gefprochen. Gaffe aus Gasse ab. Die Regierung thut ihr möglichstes, um das Wort zur Wahrheit zu machen, und die Parteien, welche jetzt im Reichstage eine reaktionäre Minorität bilden und sich nach der Kartellzcit Maienblnt zurücksehnen, sind eifrigst bemüht, die Bemühungen der Regierung zu unterstützen. Aber ach, die Sache ist nicht so einfach. Schon das Zentrum macht ein großes Loch in die Spekulationen und Hoffnungen der Sammeieifrigen. Das Zentrum weiß, daß die Sammelpolitik, wenn sie auch jetzt nicht unmittelbar ihm den Krieg erklärt, schließlich doch seine Kreise zu stören, ihm die große ausschlaggebende Stellung in der deutschen Reichspolitik zu rauben gedenkt. Das Zentrum steht daher den Sanimel- bestrcbnngen sehr skeptisch gegenüber. Aber auch sonst wachsen die Bäume der Sammelpolitiker nicht in den Himmel. Gerade diejenigen, die gar eifrig für das Sammeln predigen, sträuben sich aufs heftigste, ivenn das Sammeln von ihnen einige Entsagung fordert. Auf dem konservativen Parteitag in Dresden wurde die Sammclpolitik verherrlicht, im Zirkus Busch wurde dieselbe Politik von den Bündlern gefeiert, die Autiesmiten sind für das Sa mmeln und die Nationalliberaleu sind nicht weniger für das Sammeln. Doch jede dieser Richtungen denkt sich das Sammeln so, daß sie selbst den Mittelpunkt bilden soll und die anderen sich gefügig an sie anschließen. So giebt es Zwist und Hader in Fülle unter den Miquel- jünger». In Dresden würbe gesammelt»nd gleich nach Dresden fuhr man nach allen Richtungen auseinander. Jetzt dasselbe Schauspiel; der Bund der Landwirthe spricht sich fürs Sammeln aus und tags darauf schwirren die Pfeile zivischen den feindlichen Brüdern hin und wider. Die„Kreuz-Ztg." klagt, daß der Aiitiscmitenführcr Lieber- mann v. Sonnenberg im Zirkus Busch nur„keinen u n- berechtigten Einbruch" in konservative Kreise begehren will, und sie fragt, was der Herr unter„berechtigt" ver- stehe. Und hinter diese Klage verbirgt sich das noch größere Herzeleid, daß der Bund nicht rückhaltlos eine Absage an die Reformpartei ergehe» lassen will, daß der Bund Kirpeditlon: 8V. 19. Ueuty-Stnche 3; sich ctablirt als eine Sonderorganisation über den Parteien und auf Kosten der konservativen Partei. Der Bund selbst aber spricht in seiner Resolution deutlich ans, daß er zwar einer Politik der Sammltmg zustimmt, aber daß er sich diese Politik etwas anders denkt als die Regierung. Was die Regierung der nothleidenden Landwirth- schaft bieten zu können glaubt, gilt den Bündlern noch viel zu gering. Ihnen schweben nicht nur erhöhter Getreide- zoll und vielerlei„kleine Mittel" vor, sondern Antrag K a in tz und ähnliche„Ideale". Dies aber stößt wieder die N a t i on a l l i b e r a l e n, die mit in der Sammlung sein sollen, wie sie mit im Kartell waren, vor den Kopf. Die„Nationallib. Korrcsp." wehrte sich schon mehrfach in scharfen Worten gegen eine extrem agrarische Politik, so daß ihr die„Kreuz-Ztg." erklärte: „Wenn die Regierung ans die Wünsche der„National- liberalen Korrespondenz" einginge, so würde sie damit nichls anderes thun, als das Zusaiinneiigchen der Eriverbs- stände, das sie selbst so dringend wünscht, in Frage zu stellen, um einige nalionalliberale Mandate in Hannover retten zu Helsen. Diesen Weg würden Konservative und Agrarier natürlich nicht n, und so würde es für die„Politik bald nichts mehr z» mitmachen könne» der Sammlung" sehr „s a m ni e l n" gebe»." Und henke wieder schreibt die„Nat.-lib. Corr." über das Bündlerprogramm vom Zirkus Busch: „Und i» dieses Programm, das zwar eine klare Stellung- nähme verhieß, sich aber i» allgemeinen Wendungen bewegte, wurden von den keilenden Männern des Bundes die alte» extremen For- derungen hineinkommentirt. mit dem Anspruch,, daß damit auch die Interessen der Industrie vertreten würden, obivohl deren maßgebende Vertreter das wirthschastSpolilische Bnndesprograinm nöchdrücklich zurückgewiesen haben, im Interesse der Jndttstri« mid der Arbeiter, die sie zu ernähren hat. Und mit welchem Recht beansprucht die Bundesleitinig, statt der Regierung ihrerseils den Milterpunkt des wirthschasisvolitischen Ausgleichs zu bilden,«nd der Maßslab für die anderen Parteien zu sein, ob diese die vater- läudische Produktion fördern wollen oder nichl?..." Herr Miqnel sieht wohl, das Sammeln ist nicht so ein- fach. Die Interessengegensätze zwischen den verschiedene» Gruppen der Kapitalistenklasse sind zu tief, als daß eine Einigung leicht und dauerhaft zu stände gebracht werde» könnte. Einigkeit herrscht bei den Sammelpolitikern nur in Einem: Im Haß gegen die Arbeiterklasse. gegen die Sozialdemokratie. Gegen diese Partei soll die Sammel-Parole dienen, diese Partei soll durch die Sammlung bei den Wahlen niedergeworsen werden. Aber die Sozialdemokratie wird den Kampf auch mit de» Samnicl- Parteien ausnehmen, mag ihnen die Sammlung besser oder schlechter ge lingen. Und sie wird mit ihnen fertig werden, wie sie niit den Kartellparteicn fertig winde. Die Wahl von 1890 zeigte das Bismarck'sche Kartell in voller Auflösung. Mit den Wahltagen von 1898 wird die Firma Miquel-Posadowsky de» Bankerott ihrer Sammlungs- Politik ansagen müssen!— Nene Artillericfordmnige»! In der Budgetkommission des Reichstags gab der Abg. Müller- Fulda der Meinung Ausdruck, es werde noch im Laufe dieses Jahres eine erheb- liche Verstärkung der Artillerie gefordert werden. Diese Bemerkung des Abg. Müller wurde von den Regiermigsvertretern in der Kommission ohne jeden Widerspruch hingeuomme». Auch die Konimissionsntitglicder nahmen keinen Anlaß, an diese Aenßernng eine Besprechung zu knüpfen, was sich ivohl da- durch erklärt, daß die Meinung, welcher Abg. Müller Ausdruck gab, in Reichstagskreisen allenthalben verbreitet ist. Man ist schon jetzt der Ueberzeugung, daß die Regiermig beabsichtigt. mit Ablauf des Militärgesetzcs vom Jahre 1893, das heißt zum 1. April 1899, neue Erhöhungen der Friedeuspräsenz» stärke der Armee, insbesondere eine Vermehrung der Artillerie eintreten zu lassen. Daß diese Ueberzengnug richtig ist, be- weist jetzt das Schweigen der Negierungs-Kommissare in der Kommission. Es stehen also nicht nur Reufordernngen für die Durch- fiihrnng der Untgestaltung des Artilleriematerials in Aussicht, sondern auch Neusordernngen für eine Vermehrung der Artillerie. Die Aussicht ans diese kolossalen militärischen Forderungen läßt aber die jetzigen M a r i» e f o r d e r u n g e n des Herrn Tirpitz um so bedenklicher erscheinen. Auch jeder bürgerliche Politiker, der sich nicht aller Rücksichtnahme auf die Steuer- traft der arbeitenden Klassen des deutschen Volkes überhoben hält, muß sich aufs ernstlichste fragen, ob er ein derartiges ungeheuerliches Anschwellen des Etats des Heeres und der Marine befördern darf!— Die Nniioualliberale« und das NeichStags-Wahl- recht. Der ehemalige nativitalliberale Rcichstags-Abgeordnets Professor Georg Meyer, Lehrer an der Heidelberger Uni- versität, hat letzthin in einer Rede über die Entstehung und Ansbildung des allgemeinen Stimmrechts die Meinung aus- gesprochen, er vermöge„in den vielfach erhobenen Ruf nach Abschaffung des allgemeinen Stimmrechts nicht einznstimmeu". Professor Meyer schilderte das allgemeine Stinimrecht als nothivendifjes Ergebniß einer langen geschichtlichen Entivickliinz und er wird dafür in der gemäßigt-liberale» Presse eifrig gefeiert. So weit ist es schon gekommen, daß ein Nationalliberaleu sich besonderes Lob erivirbt, wenn er nicht in den Ruf nach Abschaffnng des allgemeinen Wahlrechtes mil ein- stimmen Win. Und nicht mit imvccht wird der Heidelberger Professvr gelobt. Tum nationallibcral sein und Gegner des Reichstags-Wahlrechts seht, ist beut, gen Tages schon f a st g l e i ch b e d e n t e n d. Waren es in Sachse n doch gerade die N a t i o n a l l i b e r a l e n, welche am eifrigsten für die Beseitigung des früheren Landtags- Wahlrechts und die Einführung des Dreiklassen-Wahlsystems ein- traten. Und auch der Professor Weyer ist, so weit wir sehen, nnr gegen die Beseitigung des„allgemeinen" Stimmrechts ein- getreten; vom gleichen und vom direkten Wahlrecht bat er nicht gesprochen. Nach der Nationalliberalen bis- berigen Thaten ist anch den scheinbar nnversänglichsten ihrer Worte nicht einen Augenblick zu trauen! Tie Kretafrage steht noch auf dem alten Fleck. Rußland verlangt die Einsetzung des Prinzen Georg von Griechenland als Gouverneur. England und Frankreich sind damit ein- verstanden. Der Sultan sträubt sich heftig. Oesterreich-Ungarn protcstirt und Deutschland niacht Miene, den„Konzertsaal" zu verlassen. Rußland hat erklärt, die anderen Mächte sollten andere Vorschläge.'machen und suchen, ob dieselben durchführbar seienj Von solchen Vorschlägen verlautet aber bisher nichts. Der Name des früheren Kandidaten für die Gouvernenrstclle, des Schweizers Nnuia Droz, wurde zwar dieser Tage wieder viel in der Presse genannt, aber von einem osfizicllen Vorschlag dieser Kandidatur durch eine der Mächte ist nichts bekannt ge- worden. Die Sache ist. wie es scheint, auf den todten Punkt gerathen. In Athener Hofkreisen hält man, wie gemeldet wird, die Kandidatur des Prinzen Georg für durchaus gesichert.! Der Prinz werde seine Rundreise durch Europa bis Ende April ausdehnen und Anfang Mai von Rußland aus auf einem russischen Kriegsschiffe durch den Bosporus fahren, um dem Sultan einen Huldiguugsbesnch abzustatten. Alsdann wird er am Bord desselben Schiffes nach Kreta fahren, wo zugleich englische und französische Schiffe zu seiner Begrüßung und Unterstützung eintreffen sollen.— Der indische Grcnzkrieg kam am Montag im englischen Unterhaus zur Besprechung. L a w s o n> W a l t o» mißbilligte die dauernde Besetzung vo» Tschitral und die Aufrechterhaltung der Festungen aus der Straße vo» Peschawar durch das Gebiet unabhäiigiger Stämme und beklagt die daraus entstandenen Folgen; die Sicherheit und Wohlfahrt des indischen Reiches werde am beste» durch die Achtung der Unabhängigkeit der Greuzstämme und die Vermeidung der Besetzung ihres Gebietes gefördert. Der Staatssekretär für Indien Lord Hamilton verlheidigte daraus die Politik der Regierung. Eine Vorwärtspolitik sei nothwendig i n- folge deS Vordringens Rußlands in Zentral- asten und infolge der Verträge mit dem Eniir vo» Afghanistan. Aber, möge nun die Vorwärtspolitik richtig oder unrichtig fein, beide Parteien seien verantwortlich dafür. Was die Zu- kunft betreffe, so habe England, während es bemüht sein müsse, freundliche Beziehungen mit den Bergstämmen herzustellen, auch die Pflicht, feine Gewalt über die Straßen aufrecht zu erhalten. F o w l e r unterstützte das Amendement Wallon's und meinte. Eng- lands Politik an der indischen Grenze solle eine Politik der Konzen tri rung sei. Die größte Gefahr, welche die Nordwest- grenze bedrohe, sei die Politik deS aggressiven Mili- t a r i s in u s.— Zur Situation i» China. Aus Shanghai meldet das „Bureau Reuter": In Port Arthur liegen jetzt sechs russische und drei chinesische Kriegsschiffe. Die Russen errichten Kohlen- schuppen. Sie haben bereits ein Depot errichtet, das 4000 Tonnen enthält. Der Korrespondent der„Times" in Odessa erfährt, daß zwischen Nußland und der Türkei Verhandlunge» schweben über die Frage, einem russischen Panzerschiffe der Schwarzineer-Flolte die Durch- fahrt durch den Bosporus zu gestalten, um dem Schiffe zu ermögliche», zu der russischen Flotte in Osiasien zu stoßen.— Deutsches Reich. — Das Flottengesetz wird in dieser Woche in der Budgetkommission, da diese noch vollauf beschäftigt ist, nicht mehr zur Berathnng gelangen. Die„Nat.-Lib. Corr." bemerkt dazu: „Der„ausschlaggebenden Partei"(Zentrum) eilt die Sache nicht sehr, denn sie hat bisher immer die gesuchte Marschliuie noch nichi gesunden. Ueber die Stellungnahme der polnischen Fraktion gehen verschiedene Versionen durch die Blätter. Die neueste lautet, die Fraktion habe ihren Konimissionsvertreter instruirt, gegen das Flottengesetz„in der vorliegenden Fassung" zu stimme». Da in der polnischen Fraktion nach Fraktionsstalut die jeweilig anwesende Mehrheit die Stellungnahme aller entscheidet, so kann sich, diese je nach der Stärke der in der Fraktion jeweilig hervortretenden Strö- niung noch im letzten Augenblick ändern. Jetzt leidet die polnische Fraktion unter demselben AbsentiSinus wie der Reichs- tag....." Die Beschleunigung der Verhandlungen in, Abgeordnete»Hause durch den neuen Präsidenten v. Kröcher fällt allgemein ans. Die„Freisinnige Zeitung" bemerkt dazu: „Nicht nur, daß die Plenarsitzungen länger in den Nachmittag hinaus forlgesetzt werden, kündigt Herr v. Kröcher schon jetzt Abendsitzungen an. Man will daraus enlnehinen. daß in Uebereinstinunnng mit der Regierung ein Schluß der parlamentarischen Saison auch des Landtages bis O st e r» beabsichtigt wird und daß die Neuwahlen auch zum Landlage schon in diesem Frühjahre statlfinden solle». Be- kanntlich hat auch einmal der Landivirlhschafts- Minister in einer Rede angedeutet, man habe das Haus mit Borlagen nicht überlastet. um den Mitgliedern nachher Zeit für die Wahlagitation übrig zu lassen." — DaS System E t e p h a n- F i s ch e r ist in der Post- Verwaltung etwas gelockert worden. Dafür soll es desto energischer im Reiche des Herrn v. Miqiiel angewandt werden. In einein Erlasse des Finaiiziniiiisters heißt es: Besonders habe» schon seit längerer Zeit diese Bestrebungen ur Gründung und allgemeinen Ausbreitung von Vereine» ge- ührt, die es sich zur Ausgabe mache», die dienstlichen Standes- intereffen ihrer Mitglieder zil vertrete», insbesoudere Rang- erhöhungen, Verbesserung des Einkoinmens und dienstliche Erleichterungen zu erreichen, sei es durch Maffenpetilione», sei es durch die Agitation in der Presse, wobei mehr oder»veniger versteckt zum Ausdruck gebracht wird, daß die Verwaltung kein Berstäudniß für de» Werth der Leistungen der Beamten und für ihre Bedürfnisse oder kein Interesse für die Besserung der Lage einzelner Beanitenklasse» zeige. Da solchen Vereinsgründunge» der Gedanke zu gründe liegt, daß man durch ein derartiges Zu- sammenschlieben einen verstärkten und daher erfolgreichere» Druck auf die Eutschlicßunge» der Vorgesetzten auszuüben vermöge, so könuen sie nicht geduldet»verde», wenn nicht die Disziplin ge- lockert werde» soll. Vo» der Fürsorge der Zentralstelle werden die Beamten durch diesen Erlaß kaum völlig überzeugt»Verden.— — DaS R e g u l i r n» g s p r o j e k t der schlefischen Gebirgsflüsse scheint nunmehr greifbare Gestalt anzunebmen. Wie die„Echles. Ztg." hört, sind die Melioralionsbau-Jnspektore» augewresen, ihre Arbeitsdispositioiien so zu treffen, daß sie nach er- solgter Bewilligung der erforderlichen Mittel durch den Landtag sofort in aiiSgedehnlem Maße, unter Zuziehung»veiterer Hilfskräfte, »nit der Aufstellung der Projekte beginne» können. Zunächst sollen sür die Ausstellung der Projellentivürse in betracht koimnen der Bober mit Zacken und Queis, die Weistritz, die Glatzer Neiffe und die Hotzeuplvtz. Nach den Miltheilungen deS Landwirthschafts-MiuisierS im Herrenhause über die heutige K»onrathssitzung dürste selbst bis zur Fertigstellung der Projekte»och recht geraume Zeit verstreichen.— — Zum Kampfe gegen das a mexikanische Petroleum-Monopol. Wie bereits vor einiger Zeit mit- gelheilt»vurde, beabsichtigt die preußische Eisenbahn- v e r>v a l t»« g die E i» f u h r von Petroleum und R o h- benzin aus Ungarn durch Gewährung von Fracht. e r m ä ß i g u» g e n zu fördern. Wie»vir hierzu weiter mitiheilen könuen, soll Ungarn als Gegeiileistuiig für diese Fracht- ermäßiginig deutschen Maaren in Ungarn Fracht- Vergünstigungen geivähren. Es sind deshalb Gntachlen eingefordert worden, sür welche deutschen Ausfuhrgüter Frachtermäßigungen wüuschensrverth sein würden. Ungar» kommt sür die Petroleumversorgung Deutschlands vor- »ehmlich durch seine große» Rasfinerien russischen Petroleums in Finine, seinen Hase» an» adrialische» Meere, in Frage, so daß ei» iveiter Landlransport erforderlich sein würde.— — A n ch die Vereinigung der Steuer» und Wirthschastsreformer ist min znsaminengetreten. Graf Mirbach- Soranilten eröffnete die Sitzung mit einer Sammlung aller agrarischen und bimetallistische» Beschwerden. Elster Verhandliingsgegeiistniid war: Erlaß eines Gesetzes be- treffend den Verkehr mit Füller- und Düngemitteln soivie Sämereien. Einstimmig wurde folgende Erklärung aiigeiiomnie»: „Der Erlaß eines Gesetzes gegen die Verfälschung vo» kirnst- lichen Düngemitteln und Krafisuttermitleln erscheint in Rücksicht ans die vielen schweren Schädigungen, welche die Landwirthschasl im Handel mit Tüuge- und Futtermittel» erleidet, uolhiveiidig. Es ist aber»vünscheiisiverth, ein solches Gesetz auch aus de» Handel mit Saatgut auszudehnen." In den Vorstand werden hierauf gewählt: Graf Mirbach- Sorqnitten(1. Vorsitzender), Frhr. v. Manteuffel(2. Vorsitzender) und Dr. v. Freg«(Stellv) Der Ausschuß wird wieder ge>vählt. Hierauf tritt eine Pause ein. Nach der Pause sprach LandtagSabgeordneter Dr. Otto Arendt über die Frage: „Welche Schritte sind znr Förderung einer internationalen Verständigung über die Währungsfrage zu thun,»achdem das Londoner Großkapital die englische Regierung zu einer der Lösnng dieser Frage feindlichen Stellungnahme gezwniigen hat?" Seine Ausführungen gipfelten»» dieser Resolnlion: „Die ablchnende Hallung der Londoner Cily der Mährungs- frage gegenüber hat deren Lösung erschivert, aber ihre Bedeutung nicht abgemindert. Die Lösung bleibt das unverändert anzu- strebende Ziel weitsichtiger Volkswirlhschast und einer praktischen wirkniigsvollen Sozialpoirlik." Auch diese Resolutio» fand einstiinmige Annahme, was IN ehr für die Halsstarrigkeil und Deulfaulhcil als für das Wissen der Herren und ihre Einsicht in die wirthschafiliche Entwickelnng spricht. Es folgte ein ausführliches Referat des Rechtsainvalls Dr. Eschen- bach über die Frage: Welche Maßnahmen sind erforderlich, um der Landwirthschasl eine» billigen Personalkredit zuzusühren— unter besonderer Berücksichtigung des Lombardkredils. I» Genieiiischaft mit den» Korreferenten Abg. v. Kardorff legte er folgende Resolution vor: 1. Soweit das PersonabKreditbedürfniß des größeren Grund- besitzes nicht aus dem geivöhnliche» genossenschaftlichen Wege be- friedigt»verde» kann, sonder» die Lvmbardirung von Produkten erheischt, empfiehlt sich folgender Weg: „Die Interessenten eines größeren Umkreises gründen eine Genossenschast mit beschränkter Haftpflicht; die z» lom- bardirenden Produkte»Verden in— event. dem betreffende» Besitzer von der Genossenschaft abgemielhete— Räume geschafft und bis zu*13 des Tagespreises verpfändet. Der Ver- psänder hat,— unter strenger Kontrolle— für die Fort- dauer guter Beschaffenheit der Waare zu basten. 2. Es ist eine Aenderung des Statuts der Reichsbank erforder- lich, welche ihr durch Verstärkung ihrer Fonds, durch Erleichlerung der vermehrten Notenausgabe und durch andere Vorschriften die Möglichkeit gewährt, zu ähnlich niedrigen Zinssätzen wie die französische Bank Kredit zu geivähre»." Die Hetze gegen die Geiverbegerichte. die eine Zeit lang geruht hat, wird vo» der großkapilalistischen„Köln. Ztg." wieder aufgenomuie». Sie fordert nichts»veniger als Abschaffung der Wahlen der Gcwerbegerichts-Beisitzer und Berufung bez� Ans- wähl derselben, ähnlich ivie bei den Schöffe» und Geschworene», und Unterstellung der Gewerbegerichten unter das Justizministerium. Wenn uian den Geiverbegerichle das Vertrauen, daß sie sich nicht nur bei den Arbeitern erworben haben, rauben will, dann schaffe man die Wahle» ab. Als Arbeit für den sozialen Frieden stellen sich die Vorschläge der„Köln. Ztg." nicht dar.— — Vier chinesische Orden vom doppelten Drachen sind an Beamte des Reichs- Marine- Amtes verliehen ivorden. In»velcher Beziehnng dieser Segen»nit der Besetzung vo» Kiaotschau steht, können»vir nicht feststelle».— Verna», 15. Februar. Bei der heutigen Landtags-Ersatz- wähl im 4. Wahlbezirke des Regierungsbeziiks Polsdam an stelle ves verstorbenen Abgeordneten Frethcrrn v. Eckardstein wurde nach amtlicher Feststellung der Reichstags-Abgeordnele Professor Paull zu Ebersivnlde(freikonservativ) mit 63! von 63« abgegebene» Stimme» gewählt.— München, 14. Februar.» der weiteste» Oeffentlichkeit die Ueberzeugung hervorzurufen, daß nicht blos eines, sondern sehr vieles faul und mangelhaft sein müsse. Es»»iß,»venu man erreiche» will, daß die älteren, erfahrenere», Leute in» Dienste bleibe», die Behandlung der Leute besser werden. Der n, i l i t ä r i s ch e Z o p s, Drill, Gamaschendienst m u ß v e r s ch»v»» d e>», und Sicherheitsbeamte dürfe» nicht»vi« R e k r u t e n be- bandelt»verde». Dazu ist aber nolhivendig, daß die Oifiziere in der Gestalt,»vi« sie bis jetzt bestanden und wieder als„Polizei-Offiziere" vorgeschlagen sind, wegfalle». An stelle von Offizieren ließen sich Inspektoren annelle». Für den Dienst der Kr i m i» a l g e n d a r m e» nillssen»veltläufige, sprachkundige, anpaffungsfähige Leute gewonnen, nicht schlechtivrg die nächstbeste» Militäranwärler genommen»verde». Gegenwärtig»st die Zahl der Sicherheilsbeamlen viel zu gering, sie haben«ine so große Arbeitslast, daß sie diese kaum beivätligen könne» und daher»vird der Dienst vielfach rein formalisiisch. Unter dem Mangel a» P.lsonal leidet namentlich das Meldeiveseu. Redner motivirt sodann seinen Antrag, den er als geeig>i<.'t be- zeichnet, die Frage der Organisationsänderung in viel eiiisncherer und praktischerer Weise z» lösen, als die Regierungsvorlage. Redner führt noch aus, daß heule,»vo die Zeitnuge» ein großes Jntercsse haben, richtige Berichte über die Versammluiige» zu bringe», es unnöthig sei. alle politischen Bersaininlungcn über- »vachen zu lassen. Sehr oft habe er jene Koininissare bedauert. -wenn sie tagsüber i» ihrem Bezirk lhälig waren nnd dam» abends von S bis 12 Uhr»och den versainuilmigen anwohnen und danach lange Berichte verfassen mußte». Ferner spricht Redner noch kaustisch über die Art und Weise, ivie von Seile der Polizei die Bühneiizensur geübt werde, und erwähnt namentlich das Vorgehen gegenüber einzelnen Slücke». ivie E. RvsinerS„Däunne- rung". G. Hauptniann's„Weber", Hebbel's„Maria Magdalena" und andere. Bedenklich sei auch die mangelhafte Qnalität des polizeilichen Hilispersoimls, das sich zusammensetze aus Leuten mit und ohne Vorbildung, mit und ohne Befähigung, Lenle mit mehr oder iveuiger gutein Leumund. Auch das ProieklionSiveseu greife in sehr uiiaugeiiehm fühlbarer Welse in die Besörderuuge», namentlich in die Anstellung der Oisiziauten ein. Daher sei eine Prüsmig nolhivendig und eine solche»verde auch vom Personal begehrt.— Karlsruhe i. B.» 15. Februar.(„Volks- Ztg.") In der Ver- sassuiigskomiiiission gab die Regierung die Erklärung ab. daß die Einsührnng des direkte» La»dtags-Wahl rechts nnr „inöglich" sei,»ven» ei» Theil der Abgeordneten durch Bürger- ansschnsse der größeren Städte Aewähit würden. Diese Haliniig der Regierung enlspricht dem frühere»»alionailiberalen Antrag. wodurch 58 direkt und 15 durch Bürgerausschüffe gewählte Abgeordnete gefordert»verde».— — Chronik derMajestätsbeleidigungs-Prozesse. Aus Ralibor wird uns unter dem 14. d. M. geschriebc»: Ter Tischlermeister Theodor Czediwoda aus Hnltschi» ivttrde von der biestge» Straikaminer»vegen M a j e st ä t s b e l e i d i g u n g zu zivei Moiialen Gesäugniß verurlheilt, natürlich unter Ausschluß der Oeffentlichkeit.— Wegen BettelnS, Beamten- nnd Majestätsbeleidigimg, letztere in zwei Fällen, hatte sich der bereits 5S Jahre alte Dachdecker Johann Friedrich Wilhelm Fliets vor dem Landgerichte Kiel zu veraiitivorten. Derselbe»vurde von dein Reservewächier Heinrich dabei abgefaßt, als er bei dem Gastwirth Schramm in der Vorstadl bettelte. Auf den» Wege nach dem Polizeigefängniß hat er dann skaudalirt und soivohl auf offener Straße»vie auch nachher im Polizeigeivahrsam die inkriminirenden Beleidigungen gegen den Kaiser, sowie den Reservewächier Heinrich nnd de» Ge- sängnißausfcher Streich a>tsgesproche». Das Gericht zieht in betracht, daß die Schimpfrede» theilweise öffentlich waren, nnd er- kannte auf eine Gesammlstrafe vo» 7 Monaten Gesängniß und 4 Wochen Haft. Letztere gelten durch die erlillene Untersuchungs- hast als verbüßt. Ans Neberiveisung an die Laiidespolizei wurde nicht erkannt, da der Angeklagte in letzler Zeit Arbeit nachiveisei» konnte. Jedenfalls»vird sich der arme Teufel freuen, daß er wenigstens den Winter über nicht auf der Landstraße zu kampirei» braucht, denn eine» Greis»immt doch so leicht niemand in Arbeit.— Wege» Majeftälsbeleidignng»vird am 25. Februar gegen den Redakteur des„Südd. Postillon", Genosse Ed. Fuchs, vor den» Münchener Schwurgericht verhandelt.— Ungarn. Budapest, 15. Februar. Abgeordnetenhaus. Beider Berathnng des Kultnsdudgels«»klärte der Unterrichlsniiiiister Wlasstcs, er beabsichtige das Unterrichtsgesetz einer vollständige»» SHeviston zu»»»lerziehen»»iter möglichster Berückstchligung der kon» fesstonellen Gefühle, doch könne die konfessionelle Engherzigkeit nickt geschont»verde». Er sei kein Freund der Verstaatlichung der Volks- Ichlilen, doch forderten die Nalioimlitäteii unh besonders die Ru- mänen die Vermehrung der Volksschulen, da a» denselben anch ihre Muttersprache unterrichtet»verde. Er beabsichtige eine stnfeniveise Ansbefferung der Lehrergehäller. Was die Mittelschule» angehe, sa gehöre die Zukunft der einheitliche»» Miltelschnle. Ferner erklärw der Minister, er beabsichtige«ine Akademie der bildenden Künste zu errichten und an ausländische» berühmten Kunstanslallen eine>»»- garische Kolonie zu unterhalten. Das Ha>ls nah»» die Erklärungen des Ministers»nit lebhaste»» Beifall auf.— Budapest.(„Magdeb. Ztg.") Großes nnd peinliche? Aussehen erregte in» Abgeordnetenhause heute die Rede des liberalen Ab- geordneten Rohonczy, der sagte, zur Be»vältigung des A g r a r s o z i a l i s m u s würden nicht drei, sondern z e h» R e g i n» e i» t e r Soldaten n ö t h i g sein. Angesichts des Bauern eleu ds halte er für nolhivendig, zu bekennen, daß er im vergangenen Jahre zu seiner Wahl 5000 Gnlden erhallen habe. Er sei bereit, diese zurückzuzahlen. Die liberale Parle» verausgabte drei Millionen Gnlde»» bei de»» Wahlen; möchten die anderen Gewählten ebenfalls das enipfangene Geld zurückgeben. Die Kandidaten der Volksparte» hätten von den Bischöfen Geld erhalten. Der Abgeordnele Rahonczy erklärte feine» Anstritt aus der liberalen Partei. Seine gestrige» Enthüllungen werde» zu erregten Erörtmiiigen führen. Tie B a» e r n b e w e g u n g nimmt größeren Uinsang nn. In der Gemeinde Ezigand brach offener Aufruhr aus. Die Bauen» er- brachen die Kirche», zogen die Stnringlocken und»vidersetzle» sich dem ansrückenden Militär. Es entspann sich ein förmlicher Kanipf. Acht Bauern»vurde»» verivundet.— Budapest, 15. Februar. Aus dem Szabolczer Komitate»verde» Z»» s a ui in e» st ö h e z»v i s ch e>» Bauern nnd d e»v a s s» e t e r Macht gemeldet. Nach zahlreichen Orlen»vnrde Diililär entsendet. Das jkoinitat Zemlii» verlangt dringend die V e r h ä»» g u» g des S t a»i d r e ch l s. An einen. Orte solle» bereits Verivundungen vor- gekommen sein,»vorüber jedoch Einzelheiten noch fehlen.— Budapest, 15. Februar. Aus dem Theißgebiete»nd ver« schiedenen anderen Bezirken laufen alarniirende Nachrichten ei». Die Bauern befinden sich in vollem Aufruhr, greisen das inlervenirende Militär an. sodaß es bereits zu mehrere»» blutigen Znsainmeiistößen gekommen ist.»vobei es ans beide» Seilen Tobte»nd Verivundet« gab. Eine Anzahl Nädelssührer sind ver- hastet»norden, große Militärverstärkniigen sind in das Aufruhrgebiet abgegangen. �ranfreich. PariS, 15. Februar. Dem„MakiN" zufolge beabstchiigen mehrere Eenaloren angesichts der im Prozeß Zola erfolgten Enl- hüllnngen über die Dreysus-Angelegenheil demnächst zu inler- pelliren. Der Sachverständige Crepieux-Jawain bezeichnet die Aussage Teyffoiiniöres, betreffend den angebliche» Bestechnugsversnch in «»»»«»» offenen Brief als eine» absurden und adschenlichen Jioiiian. Da Jaurös gegenüber dem Dementi des Rcdnltenrs Papilland dabei bleibt, Papilland hätte thatsächiich die ihn» von Janrös im Prozeß Zola zugeschriebenen Aeußerunge» über Esterhazy gelha», jo hat Papilland Janrös seine Zeuge» geschickt. Bclgici». Lüttich, 15. Februar.(„Magdeb. Ztg.) Die Auarchiflen haben gester» in Berviers eine» Kongreß abgehalle», de»n ctiva 40 Drle- girle beiivohnlen. Es»vnrde beschloffen, in verschiedenen Wahlkreisen Kandidaten gegen die Sozialisten anfznstellen. Ei» anarchistisches Organ unlerdein Namen„Mirabean" soll gegründet»verde». Spaniel». Madrid, 15. Februar. Ter amerikanische Gesandte Woodford stellte gestern de»» Ministerpräsidenten Sagasta eine Note bezüglich des Schreidens des spanischen Gesandten in Washington Tnpu»» de Lome zu, i» welcher von Sagasla verlangt»vird, die den P>äst- demei» Mae Kinley beleidigenden Ausdrücke in den» Schreiben Dupuy de Lonie's ausdrücklich zu desavonire». Der Mimstmaih trat gestern Abend zusamme»,»im die Angelegenheit zu prüs«»». Man glaubt. baß er beschloß, dahin zu antworten, die freiwillige Demission Dupuy de Loine's und die Ausdrücke, in welchen das betreffende Dekret, worin die Demission angenommen wird. abgefaßt ist. seien eine ausreichende Geniiglhuung. Es heißt. Woodford dürfte eine nicht anitliche Miltbeilung von der Eni- scheidung des Ministerratbes erhallen und dieselbe in einem chiffrirlen Telegraiiiin»ach Washington gesandt haben. Der Diinisterrath beschloß ferner, Luis Polo Bernabe zum Nach- solger Dupily de Lome's zu ernennen. Ferner wurde beschlossen, die Kaunner vor Ende Februar einzubernfen, damit die Neuwahlen am LO. März statifinden können. Dnpuy de Lome wird sich am Mittwoch nach Liverpool ein- schiffen. Canalejas hat bei seiner Negierung um Rückerstattung des Briefes D»p>iy de Loine's angehalten, um die Diebe des Briefes gerichtlich zu belange». Madrid, 14. Februar. Ein Nachspiel zum Phi- l i p p i» e n- A u f st a n d. Große Beunruhigung erregt hier die anS Hongkong eingetroffene Meldung, daß mehrere an dem letzten Auf- stände ans de» Philippinen betheiligie Führer, welche sich uuter- worfen hallen»nd»lil Agnianaldos auf eine», spanischen Schiffe nach Hongkong gebracht waren, dort von einer englische» Firma fünf kleine Dampfer erworben habe», mit denen sie angeblich in den alislialischen Gewässern Perlenfischerei betreiben wollen. An Agninnoldos war spanischcrseils eine Abfindungssumm« von IV« Millionen Peseten gezahlt worden, und scheine» dieselben mit dem Gilde eine kleine Dmnpferflotte zu neue» Freibeuterznge» ans- rüste» zu wollen.— Rumänien. Nnkarest, 14. Februar. Ter Minister des Innern hat an smn uiche Präfekten solgende» Befehl depeschirt:„Der wahre Mörder S t a in b u l o w' s heißt Halia Sulia Myhai. Er ist 31 Jahre all, blond, von miltlerem Wuchs, kräftige. gut entwickelte Brust; die rechte Hand nnd der rechte Arm weisen je eine Narbe ans. Leiten Sie eine Unlersuchnng ein, um den Mörder ausfindig zu machen, und theilen Sic sofort das Resultat Jhicr Forschungen mit. Senden Sie dringlichst dem Ministerium eine Naniensstalistik aller bulgarischen und serbischen Unterthanen, welche sich i» Ihre», Distrikte aushalten, und erwähnen Sie dabei auch den Berns eines jeden."— Türkei. Koiistautiiiopek, Ib. Februar. Ter Koinmandant der thessalischen Armee E d h e in Pascha hat Befehl erhalten, sich nach U e s k ü b zu begeben, und dürste bereits dorthin abgereist sein. Edhem soll eine Uiiterfuchuiig der Vorfälle im Vilajet einleiten; außerdem soll die Anwesenheit des siegreichen Heerführers aus die aufgeregte Bevölkerung einwirken. Verschiedene Mächte habe» die Ausmerksam- keit der Pforte ans die bedauerlichen Zustände in Uesklib gelenkt lind entsprechende Maßregeln angerathe».— Im Iildiz-Palast ist man eifrig mit der kretischen Gou verneursrage be- schästigt, Vorschläge von seilen der Türkei dürsten jedoch wahr- scheinlich erst nach dem Ramazan zu erwarten sein. � Griechenland. Nthen» 14. Februar. Fähnrich KokkoriS wurde nach fünf- tägiger Verhandlung freigesprochen. Derselbe war wegen eines während des griechisch-türkischen Krieges an den damaligen Marine- minister Levidis gerichteten Telegramines, welches schwere Be- schuldigungen gegen den Koininodore Sachturis enthielt, vor das See-Kriegsgericht gestellt worden.— Afrika. Prätoria, 14. Februar. Die außerordentliche Tagung des Volksraad wurde heute unter den herkömmlichen Feierlichkeiten eröffnet. Nachdem Präsident Krüger das Budget besprochen hatte, bemerkte er, daß die Frühjahrstagung des Volksraad sich nur mit Maßnahmen über die Vertretung der Repnblik im Auslande, über die Anlage neuer Eisenbahnen und über die Aufnahme der Anleihe für öffentliche Arbeiten zu beschäftigen haben werde; die Fragen der Gesetzgebung und die Reformen würden indessen von der Re- gierung eifrig betrieben werden.— Amerika. Washington, 14. Februar. Das Repräsentantenhaus nah», eine Resolution an, in welcher die Vorlegung des Schrift» Wechsels verlangt wird, der ans de» Ausschluß a m e r i k a» i» scheu Rindfleisches, Obstes und amerikanischer Pferde seitens Deutschlands bezug hat.— Ncw-Dork» 4. Februar.(Eig. Ber.) Nun ist also richtig die Gerichtskomödie in der Hazleton-Mordaffäre im Gange. ES ivar zuerst angenommen worden, daß man Mittel und Wege finden würde, um die ganze Geschichte im Sande verlaufe» zu lassen. Das hat man denn doch nicht gewagt, besonders wohl deshalb nicht, weil die österreichische Gesandtschaft sich der Sache angenoinnien halte, um eventuell für die Hinterbliebenen de? Gemordete» Echadenersatz-Ansprüche geltend zu machen. Wird für die Angeklagten ein freisprechendes Verdikt erzielt, resp. kann sich die Jury nicht einige», so ist diese Sache erledigt. Andererseits ist eS den Kohlenbaronen wohl darum zu thn», gerichtlich feststellen zu lassen, daß es ihr„gutes Recht" ist, die mit Engerschnallen des Hnngerrieniens nicht einverstandene» Arbeiter einfach niederzuknallen!— Es ist bekannt, daß die Privatpolizei der vereinigten Grubengesellschaften Pcnnsylvauiens seit Ans- sertiginig der Liste der Personen für den Geschivorenendienft bis ins genaueste gehende Ertundigunge» über deren Anlezedenzien ein- gezogen hat, so daß die Verthcidignng sehr gut darüber informirl war, wen sie ohne Bedenken akzeptire» konnte, während der Staats- anmalt sich damit begnügte, festzustellen, ob der betreffende mit eineni der Angeklagte», der beiheiligten Grubenbesitzer oder der gelödtcte» und verwundeten Arbeiter verwandt oder bekannt sei. In bezug aus letzteren Umstand muß«r zudem nicht einmal sorginltig'.'erfahren sein, denn die erkorenen zwölf weise» Männer(säinnitlich geborene Anierikaner, deren Vorfahren meislens schon vor Generationen einwanderten), find fast alle Leute, die von den Grnbengesellschasten abhängen, indem sie für dieselben Arbeiten lieser». Sind jene doch überhaupt thalsächlich die fast uneingeschränkten Herrscher in den Kohlenreviere», in denen sie selbst die öffentlichen Wege al§ zu ihrer alleinigen Nutznießung vorhanden betrachten!(Es war ei» solcher öffentlicher Weg, ans dem das Massnlre stallfand.) Die Belastungszeugen sind fast ausschließlich an der Affäre betheiligt gewesene Arbeiter, mit Ausnahme eines katholischen Priesters und eines evangelischen Pfarrers, welche der Mörderei von Ferne zugeschaut, aber nichts von den vorher ge- falle»?» Worten vernommen haben. Von dem Schnlineister und dessen Assistentin, welche sich den ersten Meldungen über das Blut- bad gemäß in unmittelbarster Nähe besunde» hatten, ist nichts erwähnt!_ V!e MnrfÄtzlfenev im fächfischen Vandkag. Dresden, IS. Februar. Ter Vater ber sächsischen Ko n su m v e r e i n s- S o n d er- b e st e u e r u» g, Abg. und Bürgermeister Rüder aus Roßwei», hat mit seinen konservativen Genossen eine Interpellation im Landtage eingebracht über die Stellinig, welche dieRegierung zu der seitens derGe- ineinden vorgenoinniene» Umsatzsieiler einnimmt. Tie betr. Umsatzsteuer ist erst durch eine Verordnung der Regierung vom 12. Mai 1S96 ermöglicht worden. Rüder begriindet seine Jiilerpellation unter Bezugnahme aus diverse Petitionen, die zum Schutze des Kleinhandels eine be- sondere Besteuerung für Filialen von großkapitalistischen Ver- einigungen auf dein Gebiete des Detailhandels fordern. Redner bemängelt die verschiedenartige Handhabung dieser Verordnung seitens der KreiShauptmnnnschaflen, die die Gemeinden zu keinem einheitlich-» und energischen Vorgehen kommen lassen. Minister des Innern v. M e y s ch niinnit Bezug auf spätere Verordnnngc» vom Mai und September 1837, durch die auch Einzelpersonen mit dieser Umsatzsteuer belegt werden könne», um die großkapitalistischen Vereinigungen in der gewünschte» Weise zu kreffe». Wen» die Konsumvereine für den Kleinhandel große Nach- � iheile hätten, so hätten sie doch auch für den Konsumenten gewisse Vorlheile nnd hätte» vor allen Dingen Bresche gelegt in die unselige Borgwirlhschast. Die Verordnung vom 12. Mai 1836 sei allen Kreishauplmannschaften mitgetheilt worden, mit der Maßgabe, über den Erfolg zu berichten. Berechtigt fei die Umsatz- steuer nur dort, wo durch Konsumvereine und andere Vereinigungen die Gefahr entstehe, daß der ortsansässige Kleinhandel ruinirt werde. Dieser Schutz des Kleingewerbes habe auch die spätere Verordnung bedingt, daß auch Einzelpersonen durch die Umsatzsteuer ge- troffen werden könne», da es für die Existenz des Kleingewerbes gleichgillig sei, ob es von einer groß- kapitalistischen Vereinigung oder von einer großkapitalistischen Einzel- Person bedroht werde. Dre Steuer sei von den Gemeinden zu er- hebe», da sie am beste» das örtliche Bedürfniß zu beurtheile» wüßte». Eine höhere Besteuernng als mit 2 pCl. des Umsatzes sei„vor der Sand" nicht zngelasse». Eingeführt sei die Steuer in elf tädten nnd 3 Landge»iei»ben, in 11 andere» Städte» »nd 13 Landgemeinden sei sie geplant. Die Negierung wolle den Mittelstand schützen, wo und wie sie könne. sie könne aber die Umsatzsteuer nicht einführe», wo eine direkte Ge- fährdung der großkapitalistischen Betriebe, insbesondere auch der Konsumvereine, zu befürchte» sei. Er für seine Person habe gelinde Zweifel, ob die Umsatzstener den pewünschten Erfolg haben werde; das Kleingewerbe müsse sich auch selber rühren, insbesondere de» Werth der Interessengemeinschaften erkenne». Abg. Seifert(Soz.) konstatirt, daß der Antrag Rüder die Regiernng»ur in eine arge Klemme gebracht habe; das gehe aus der Antwort des Ministers hervor. Erst habe man nur die Konsum- vereine fasse» wolle», die Verhältnisse haben die Regierung ge> zwunaen, die großkapitalistischen Betriebe auch heranzuziehen, ohne daß der gewünschte Erfolg eintreten werde. Warm» wolle man nur de» Handelsstand fassen und nicht die großen Be- triebe überhaupt, die großen Fabriken, die großen Ritter- guter u. s. w.? Das gehe einfach nicht; man könne die wirthschaft- liche Entwickeliing nicht zlirrickschraube». Der Handelsstand sei gefaßt worden, weil sich hier Arbeitergenosseiischaften gebildet hätten. Die Gemeinde» richtete» die Steuer so ein, daß nicht die Einzel-Groß- betriebe, sondern nur die Konsumvereine getroffen würden. Die Stadt Roßwein, wo Rüder Bürgermeister sei, habe die Umsatzsteuer abgelehnt. Die projektirte Verinögenssteirer sei als Vermögens« Konfiskation bezeichnet worden, man scheue sich aber nicht, die armen Mitglieder der Konsninvereiue besonders zu besteuern. Die Maßregeln gegen die Konsrimvereine seien beständig verschärft worden, hätte» aber nur die Mitgliederzahl erhöht. Dieser Zuwachs beiveise das vorhandene Bedürfniß. Wer hier einen Antrag auf Be- seiligung der Fabriken einbringen wollte, um das Hand- werk zu schützen, den würde man wohl von einem Irre»- arzt untersuchen lassen. Die gesetzliche Zulässigkeit der Steuer sei durchaus nicht zweifelsfrei. Redner legt weiter die Vortheile der Korsriinvereine für die unleren Volksklassen dar. Abg. Groß mann(k.) meint, man habe in der Schanksteuer bereits eine» Vorgänger der Umsotzsterier; er will besonders die Filialen getroffen wiffen nnd würde sogar für eine Steuer von 3—4 pCt. zu haben sein. Die hohen Dividende» der Koiisnmvereine würde» nur durch minderwerlhigc Wnaren erzielt. Die Konsum- vereine seien nurVersorgungsstälten für sozialdemokratische Agitatoren' die Lagerhalter seien die„Slöckeladvoknlen" sür die Arbeiter; dorl holen sich die Arbeiter in allen Frage» Auskunft. Die Beamten- 51o»sumverei»e seien etwas Anderes; sie ruinirten nicht den Handel durch eigene Unternehmnnge», sonder» sicherte» ihren Milgliedern billigeren Einkauf bei den Geschästslenle». Abg. Dr. Schill(»all.) erklärt sich naiiienS seiner Partei gegen die Umsatzsteuer, weil sie nur die Mindestbenrillelten treffe. Wenn»>a» einmal etwas thun wolle, müsse man die Steuer so hoch bemessen, daß man die Konsumvereine dadurch ruiuire. Die Unisatzsteuer stehe in Widerspruch m i l der Vi e i ch s- G e w e r b e- O r d» u« g. Der Kleingeiverbestand gehe nicht zurück, sonder» vermehre sich in ungesunder Weise. Der Großbetrieb lasse sich»ur schwer definiren. Abg. F r ä ß d o r f(Soz.) vermnthet hinter der Jiiterpellation andere Motive, denn die Konservativen hällen die Meinung der Negierung privatim erfahre» könne». Die Interpellation sei Wahl- Politik; nian wolle de» Antiseiniten für die Retchstags-Wahlen»ur den Wind ans den Segeln»ehmen und sich a» das Kleingewerbe anvettern. Die Sozialdeniokratie habe mit den Konsiimvereinen nichts zu thun, diese seien Privatiinlernehiiiiingen. Wen» man die Konsumvereins- Posten als Sinekuren sür Agitatoren be- zeichne, so seien die Gemeilidevorslands- Posten Sinekure» für die konservativen Parteigänger.(Große Unruhe.) Groß- mann habe vom Zukunstsstaat gesprochen. Was verstehe ein sächsischer Gemeindevorstand vom Zukiiiiftsstaat?(Große Heiterkeit.) Der kürzlich stattgesunde»e Konsumvereins- Ver- tretertag habe um Abordnung eines Regierungsverlreters ersucht, damit die Regierung sich über die Wünsche der Konsum- vereine informire; für Arbeiterversaminlungen aber habe man wohl 43 bis 53 Gendarinen, aber keinen ViegierlingS- Vertreter zur Verfügung. J» Deuben bei Dresden«volle i»a» eine Umsatzsteuer über den Kouslimverein verhängen, nicht»»> dem Kleingewerbe zu helfen, sondern um eine» sozialdemokratische» Boykott über einen Gasthof»iederznschlagen. Das sei eine Rache- polilik; die Umsatzsteuer führe in diesem Falle zur Korruption, zum Unsinn. Anderwärts plane man die Ermäßigung der Griliidsteuer auf Kosten der Umsatzstener; man werde die Steuer schließlich noch zu Bisniarck-Denkmälern verivenden. Warum solle der Arbeiter gerade die Krämer erhallen? Weil i»a» sich das ordmmgsparieiliche Stimmvieh erhalten wolle. Den Arbeiler» habe mau das Wahl- recht genommen, jetzt wolle man ihnen das Vereins- und Ver- saininliliigsrecht und das Koalilionsrecht nehme», und anßerdei» wolle man ihnen noch die Umsatzsteuer aufhalse»; die Verniögens- stener aber, die die Besitzende» treffe, lehne man ab. Ata» möge die indirekten Steuern und die Vlnlfteuer ermäßige», das werde dem Mittelstand mehr helfe», als die Umsatzsteuer.(Der Präsident zählt eine ganze Reihe Verstöße gegen die parlamentarische Ordnmig auf und rnft de» Redner zur Ordnung, bedauernd, daß ihm andere Mittel nicht zur Verfügung stehe». Minister v. M e tz s ch: Die Versammlung der Konsumvereins- Vertreter sei eine Protestversammlung gewese», die sich gegen die geplante Uiiisatzsteuer gerichtet habe; da könne i»a» dem Ministerium nicht zlimilthen, sich vertreten zu lassen. Es sprachen dann noch die sozialdemokratischen Abgeordnete» p o r» nnd Grünberg gegen die Steuern, der Kaininer- ortschrilller Streit für Besteuerung der Filialgeschäfte, ebenso der konservative Abg. Leupold, Bürgermeister von Dresden, für die Steuer. Der Abg. Rüder(kons.) erklärte: Wenn mau ei» gleich guteS Mittel wie die Umsatzsteuer auch für die Großbetriebe i» der Produktion a»z»geben wisse, sei«r auch hier sür den Schutz des Mittelstandes zu haben. Ei» Schlußaiilrag machte der Debatte ein Ende.— Der Schluß des Landtags ist aus de» 27. April angeordnet worden. Bndgrtkommisstou. Die Kominisfio» erledigte ohne erhebliche Debatte» die Kapitel 20 biS 23. Bei Kapitel 24, G e l d- Verpflegung der Truppen, fragt Abg. Paasch- an. ob es wahr sei, daß bei der Artillerie eine Anzahl überzähliger Sekonde- lieuteiiantS vorhanden seien, die ei» Jahr und länger mit Fähnrichsgehalt auskommen müßte» und ob, da bei der Infanterie Offiziere maiigelten, nicht für jene eine Ge- katlsüberiveisung eintreten könne. Der Vertreter der Militär- Berivaltung bestätigt das Borhandeiisein eines Ueberschnsses von Artillerieoffiziere». Die etatrechtlichen Bestiinninngen erlaube» aber keine Ueberiragung der Gehaltsposttionen. Uebrigens sei der Ueber- schliß an Offiziere» vorübergehend. Abg. Müller-Fnlda: Der Abg. Paasch« möge sich beruhigen, eS werde noch im Laufe dieses Jahres eine erhebliche Verstärk»»g der Artillerie gefordert>v erden. alSdann kämen die über- zähligen Ossiziere unter. Bei Titel 2 Kapitel 24 weift bei? Referent Abg. Graf R o o n darauf hin, daß ein erheblicher Mangel an j ii» g e re n A e r z t e>» vorhanden sei, es sei driiigend geboten, die Gehaltsverhältnisse dieser Herren zu verbessern. Bei den Assistenzärzten sollten nicht weniger als 67 pCt. fehle». Im Laufe der Debatte macht der Major Mantel inlerefsante Mitlheilnngen über die Thätigkeit des hygienischen Laboratoriums, insbesondere sei neuerdings ein Mittel erfunden worden, scklechles Trinkwasser in gules zu verwandeln, durch Beimischung eines chemischen Präparats. Abg. Bebel fragt a», ob die ungemein großen Manquenients unter den Assistenzärzte» nicht zu einem großen Theil darauf ztirückzufiihre» sind, daß man jüdische Aerzte nicht zu Assistenzärzten heranziehe. Die Inden stellten heute ein großes Konlingeiit zu den Aerzte». blieben diese bei der Hcran- ziehiliig zur»lilitärische» Slellnng außer betrachl, so fei ihm das ManqneineiitS erklärlich. Die Armee brauche aber recht viel Aerzte, die beznglicheii Einrichtlwgen feien für den Ernstfall durchaus n»- zulänglich. Gen.-Major v. d. Boeck: Es bestehe keinerlei Be- stiminung, wonach jüdische Aerzte nicht Militär- Aerzte iverden könnten, bis vor kurzem hätte es auch»och solche in der Armee gegeben. Abgeordneter Bebel: Das letztere sei ihm bekannt, aber die Antwort genüge nicht. Er glaube auch, daß keine Vorschriften beständen, daß jüdische Aerzte »icht Militärärzte werden köinilen, aber es habe sich vermuthlich eine Praxis herausgebildet, die jüdische Aerzte als Militärärzie fernhalle. Die jüdische» Aerzte bildete» hier in Berlin sicher weit über S0 pCt. aller Aerzte, darunter viele von erster Bedeutung, diese seien in der Armee sehr schwach vertrete». Don Antisemiten möge mibeqnein sein, wenn er sage, daß gerade die Jude» auf dem medizinischen Gebiet großes geleistet; warum wolle nian ihre Kräfte für die Armee nicht verwerthen?— Die Forderung des Titels wird bewilligt. Bei den Forderungen für Büchsenmacher n» d Sattler kommen Peiitiolieli derselben zur Sprache. Der Referent Abgeordneter Graf Roon bedauert im Interesse der Disziplin, daß Militärbeamte peliiionirte», Abgeordueler Lieber nimmt die Petenten in Schutz. Abg. Nadbyl bringt einen Fall zur Sprache. wonach ein Aspirant von der Wahl zum Offizier ansgeschlossen worden sei, weil er einer katholische» Stiideiitenverbindung an- gehörte, die das Duell perhorreszire. Generalmajor v. d. Boeck er- klärt: Dieses sei unzulässig. er bitte den Vorredner um nähere Angabe», damit er den Fall verfolge» könne. Bei Kap. 24 Tit. 2ö koinint die Verwendung der Fahr- r ä d e r sür die Armee zur Sprache. Abg. Gröber ist bedenklich, ob eine Forderung für Fahrräder i» Höhe von über 300 000 M. zu be- willigen sei, wie sie im Kap. S Tit. 3 als eilimalige Ausgabe gesordert werde. Die Technik sei noch in voller Entwickelung nnd bei n»s»och mangelhaft. Generalmajor v. d. Boeck befünoortet dringend die geforderte Snmme zu beivilligeii. Das Fahrrad habe sich bis jetzt sehr gut bewährt und wären die Anforderungen der TrnPpentheile an Fahrrädern weit größer, als man durch die Geldfordenmg befriedige» könne. Insbesondere Frankreich, aber auch Rußland feie» in dein Gebrauch des Fahrrads Deutschland voraus, aber man habe auch nicht die Absicht, dem Beispiel Frankreichs zu folgen. Abgeordneter v. Maffow befürivortet, daß die jungen Aerzte möglichst daS Radfahren erlerne». Generalmajor v. d. Boeck sagt zu, diese Aiiregung zu be- achten. Die Forderung im Kapitel S Tilel 3 für Beschaffung von Fahrrädern 310 030 M. wird bewilligt, ebenso Titel 2S im Kapitel 24. Bei dem Kapitel Naturalverpflegiing ergreist Abg. Meister das Wort, um ein Vorkommniß im Proviant- amt Hannover zur Sprache zu bringe», wonach infolge des Ankaufs und der Vernichtung feuchten Getreides dein Staat sehr großer Schaden erivnchs, außerdem aber auch das verdorbene Mehl, gemischt mit gutem, für die Soldaten verbacken ivorde» fei. Das Mehl sei in eineni Ztistande gewesen, daß die mit der Bear- beitilng desselben beschäftigten Arbeiter es vor dem Geruch kann» aushalten konnte». Ge»erallie>ite»a»l v. Gemmingen erklärt, daß ihi» von dem ganzen Vorgang nichts bekannt sei. Im weiteren entsteht eine Debatte über die Verwendung von Melasse als Pferdefutler, woran sich die Herren Paasche, Müller- Fulda, v. Kardorff nnd General- Lienteiiant v. Genimingen betheilige». Angeblich soll sich die Fütlerung mit Melasse gut bewähren. Die Sitzung wird ans Mitlivoch VormUtag 10 Uhr verlagt. Tie sechste Kommission deS Reichstages berieth in ihrer heutige» Sitzung zniiächst de» zurückgestelllen§ 18 des Gerichts- verfassiiiigs-Gefetzes. Nach längerer Debalte wnrde aus Antrag des Abgeordneten v. Euny solgende Resolution ein- stimmig beschlossen: „Den Herr» Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage eine Ziisamiiienstellung derjenigen bürgerliche» Rechtsitreitigkeite» über Materien, die dem Gebiete des Bürgerlichen Gesetzbuches angehören, vorzulegen, für welche ein Bedürfniß zur Beibehaltung der Zuständigkeit von Ver- waltun gSbehörden oder Verivaltungsgerichten besteh l." Sodann ging die Kominission zur Berathung deS vom Abg. v. S a l i s ch beantragten Gesetzentwurss( betr. Reform der Vereidigung) über, ohne indeß bereits zu einem Beschluß zu komuieii.— Tie Unterrichts- Kommission deS RbgcordneteiihanscS ist über die Peliiion um Zulassung der Frauen zum Uni- v e r s i t ä t s st n d i» i» nnd zu den Staatsprüfungen mit Rücksicht auf die vorn Regierungskoniniiffar in der vorigen Tagimg abgegebenen Erklärungen, die auch heute noch volle Geltung haben, zur Tagesordnung übergegangen.— ZVnhlbewcgnng. In Frankfurt a. O.- L e b n S haben die Konservativen den bisherigen Verireler des Kreises im Reichstage Herrn Haake- Letschin wieder aufgestellt. I m 6. s ch l e s>v i g- h o l st e i n i s ch e n Wahlkreise hat sich in der Person des Herrn Hosbesitzers Benkwoldt endlich ein nationalliberaler Dnrchfallskandidat gefunden. Die Zentrunispariei hat in einer Reihe von Wahlkreisen die Kandidalenfrage erledigt. In Saarbrücke» kandidirt der Schreinerineister Enler-Bensberg. R» stelle des Domvikar Wenzel ist für den bayerische» Wahlkreis Bamberg Domvikar Dr. Schädler aufgestellt, während Dr. Heim für Kronach-Lichtenfels an- genommen hat. Von der Freisinnigen Volkspartei ist in Hof nicht Wagner. wie ivir gestern berichteten, sondern Dr. Kaiser aufgestellt.— In Erfurt kandidirt A. Träger. Korket""MsifzviiJiten. Ans Südafrika. Der englische Sozialisten-Klnb in der Kapstadt ist gegenivärtig 28 Mann stark. Todtenliste der Partei. Aus Adelaide i» Sndanstralien wird nnS geschrieben, daß der Führer der sozialistischen Arbeiler- parte! im slidanstralischen Parlanienl, Mac Pherson, gestorben ist. Pherson war ein geborener Schotte, hatte das Schristsetzen gelernt»nd kam i» seinein 22. Jahre nach der Kolonie. Er ivnrde bald der Führer der dorligen Geiverkschaste», leitete mit großem Geschick den Hafenarbeiterstreik im Jahre 1383 und wurde schließlich als erster Arbeiter-Bbgeordnetcr ins Parlament gewählt. Der Dahingeschiedene, der kaum 38 Jahre alt geworden ist, wnrde nnlcr Beiheiligting von tauseiide» vo» Arbeitern nnd fast sämmtliche» Abgeordneten beerdigt. An seine Stelle ist Hutchinson als Kandidat der Partei aitfgestellt. Polizeiliches, Gerichtliches»e. — Das Reichsgericht verwarf die Revision, die der Redakteur Vahle vo» der Magdeburger„Volksslinime" gegen ein Erkenntniß des dortigen Landgerichts eingelegt halte, das ihn ivegen Beleidig»»« der Magdeburger Polizei zu einem Monat Gesängniß venirlheilte. — Di«„VolkSwacht" in Breslau hatte der„Bretkauer Zeitung" cincu Bericht über einen Prozeß des Sieinbruchsbefitzers Brcslaner in Jalkenberg gegen den Grasen Frankenberg- Tilloivitz entnoinnie». worin u. a. eine Aeußerung des Klägers 'viedcrgegeben war. wonach ihm gegenüber der Graf sein Amt als Vlintsvorsteher von Tillowitz zu persönlichen Zwecken mißbraucht hätte. Der Graf stellte wegen dieses Berichts lediglich gegen die „Bolkswacht" Strafantrag ivegen Beleidigung und die Staatsanwalt- tchaft übernahm die Sache im öffentlichen Interesse, was gegenüber der„Volksivacht" regelmäßig geschieht. Während des Verfahrens starb der Graf. In der Verhandlung gegen den Nedaktcur Neukirch, die am Sonnabend vor dem Breslaner Landgericht vor sich ging, wurde ein Schreiben der Witlwc des Grafen verlesen, des Inhalts, daß sie den Strafautrag zurückzöge; da aber die Slaatsanwalischast die Sache übernommen halte, so änderte die Maßnahme der Wittwe des Grasen nichts am Gang der VerHand- lung. Die Beweisaufnahme ergab nun. daß der Gras in der Thal bei einem Nechlsstreit, den er als Privatbesitzer einer Chaussee gegen den Stcinbruchsbesitzer Breslaner vor dem Kreisausschuß geführt hat, von einer Urkunde Gebranch machte, die ihm in seiner aint- lichen Eigenschaft bekannt geworden war. Dennoch beantragte der Staatsanwalt gegen den angeklagten Redakteur Neukirch nicht weniger als 3 Moimte Gefnngniß, wobei er als strnsschärseiid angesehen wissen wollte, daß der Angeklagte den Grasen nicht gekannt hat. Der VcrlbeidigcrZ beantragte Freisprechung. Das Gericht erkannte Neukirch der Beleidigung zwar für schuldig, verurcheille ihn aber nur zu 100 M. Geldstrafe, weil der Wahrheitsbeweis wenigstens zum theil gelungen sei. GewevkfchSlfMches. Berlin und Umgebiiug. Tie Fordcrnngcu der Schuhmacher in bezug ans den Arbeitsnachweis der Fabrikanten bildeten gestern Abend den Gegen- stand von Beralhungen des Fabrikanlenbundes. Die Resultate der Versammlung, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit tagte, sollen nun de» Arbeiter» unterbreitet werden. Wie bürgerliche Blätter melden, sollen die Fabrikanten gemäß ihre» vor dem Einignngsamt abgegebenen Versprechen in Unterhandlungen eintreten wollen. Eine Maurrrvcrsainmlung. die am Montag den Saal der Tonhalle bis auf den letzten Platz süllte, verfiel schon während der Bureauwahl der polizeilichen Auflösung. Sowohl von lokaler wie von zentraler Richiung war je ein Bureau vorgeschlagen worden. Der Einberufer Silberschinidt koustatirte in Uebereiustiminung mit einem Theil der Slimmzähler, daß die Vorschläge der zentrale» Richtung angenommen seien. Darauf erhoben die Lokaliflen einen lärmenden Protest, es gab eine Geschäslsordnungsdrbatte, schließlich schlug Silberschmidt vor, man möge, um beiden Theile» gerecht zu werden, ein neues Bureau aus Anhängern beider lltichlungen wählen. Dieser Vorschlag fand keinen Anklang, die Lokalisten ver- laugten stürmisch die Anerkennung ihres Bureaus und in der Versammlung herrschte eine allgemeine Unruhe. Dann sprach der überwachende Beamte die Auflösung„wegen Tumults" aus. Zlls Tclegirtcr für de» zweiten internationale» Kongreß der graphischen Arbeiter und Arbeiterinnen, der deinnächü in Bern abgehalten werden wird, wurde in einer öffentliche» Ver- sammlung der Lithographen der Lithograph S ch ö p k e ge- wählt. In das Berliner Geiverkschastskarlell wurden Weikops und Tische n dörfer dclegirt. Eine schwarze Liste der Teminzianteii beabsichtigen die Berliner Bäckermeister zum Schutze gegen diejenigen Bäckerei- Arbeiter, Gesellen und Lehrlinge, anzulegen, welche gewohuheits- mäßig gegen ihre Arbeitgeber wegen Ueberschreilung der Vor- fchriften über den Maxiinalarbeitstag Anzeige» erstatte».— Wie schwer doch den„kugelrunden" Bäckermeistern das bischen Ein- schränkung ihrer Ausbentungsfreiheil ankommt. TcutscheS Reich. Aufruf a» aste Lagerhalter in Konsniu- und ähnliche» Bereinr» DcntschlandS. Wenige Wochen trennen uns noch von der Generalversammlung des Verbandes der Lagerhalter, die in Halle a. S. im Weißbiersalon abgehallen wird. Ter Verband hat sich trotz seines kurzen Bestehens bereits eine Achtung gebietende Stellung bei denjenigen Vereinen und Verwaltungen erivorben, deren Lagerhaller sich ihm angeschlossen haben. Eine Anzahl drakonischer Kontrakte find in verschiedenen Vereinen gebessert und übermäßig lange Geschäftsstunden gekürzt worden. Weiter ist in einer Ver- sammlung des Verbandes sächsischer Konsumvereine, die kürzlich in Chemnitz tagte, auf Anregung des Lagerhalter-Veibandes eine Koni- Mission von beiden Theilen zur Regelung allgemeiner Streilsragen gewählt worden. Jeder Lagerhaller, der es ehrlich mit sich»ud seinem Verein meint, wird mit uns der Meiiiniig fein, daß es besser ist, häusliche Streitsragen ans diese Weise ausznfechten. Wenn alle Kollegen dem Verbände angehören, wird es ein leichtes sein, an allen Orten, wo sich Vereine befinden, die Lagerhalter beschäftigen, geregelte Zustände zu schaffen. Alljährlich werden vom Verbände statistische Erhebungen über Lohn und Arbeitszeit, sowie über Mankovergttlnngen und alles sonst wissenswerthe veranstaltet und in Form einer Broschüre ver- öffentlicht, die jedem Mitglied zugesandt wird. Ferner leistet der Verband seinen Mitgliedern Rechtsschutz. Bei Differenzen erfolgt so weit wie nur möglich persönliche I n t e r v e»> i o n. Es ergeht nun an alle Lagerhaller die Anssorderung, die statistischen Erhebungen zu unterstütze», Mitglied des Verbandes zu werden und sich an der Generalversammlung in Halte zu betheitigen. Die Geschäftsstelle des Verbandes befindet sich in Leipzig, Nürnbergerstr. 22, bei Karl Buhl. Zu dem Streik der Töpfer der Firma R o s s i n u. Galle in Lindow i. Mark wird derichtet, daß die Firma jetzt bemüht ist, vier von den Streikenden zu gewinnen; diese sollen nach dem bisher üblichen Lohntarif bezahlt werden. Die Firma, die bekannt- lich den Arbeitern zuniuthete, sich eine weitere Reduktion der ohnehin iniserabten Akkordlöhne um 25 pCt. gesallen zu lassen, begründete ihr Vorgehen mit ihrem Geschäftsverlust, der im verflossenen Jahre ca. 9(100 M. betragen haben soll. Nachdem die Arbeiter aber ein- mülhig dies Ansinnen zurückgewiesen haben, sucht man einen Theil von ihnen zu ködern. Die durch das Vorgehe» der Firma in den Streik getriebenen Arbeiter schildern die Zustände, unter denen sie bisher zu arbeiten gezwungen waren, als äußerst unwürdige und erwarten, daß kein Töpfer bei der Firma Rosfin n. Galle Arbeit nimmt. Von Dauer sei die Beschäslignng dort ja doch nicht und könne ein etwaiges Engagement nach Lindow den daraus reflektirenden Arbeitern nur Enttäuschung bringen. Eine Znsainmenkunft von Steinsetimeistern Teutschlands wird gegenwärtig in Halle a. S. im Restaurant zum Winlergarieii abgehalten. Von den erwarteten 000 Personen ist aber bis jetzt nur etwa der zehnte Theil erschienen. Zweck der Zusauimenkunst soll sein die Bildung eines Ringes gegenüber den gewerkschastlichen Bestrebungen der Arbeiter. Die Verhandlungen sind nicht öffentlich. Ter Jahresbericht des Kieler GcwerkschaftS-KarteUS giebt in dem Kassenbericht für 1697 eine Einnabine von 1650.93 M. an, von welcher Summe die Gewerkschaften 453,52 M. durch regelmäßige Beiträge aufbrachten. Di« Ausgabe beträgt 1390,24 M., davon für Streiknnlerstütznug 453,07 M., für die Gewerbegerichlsbeisitzer-Wahleii 108,50 M., für Agitation 221.05 M., für weilere Agilatio» 300 M. Verwendung fanden. Der Kassenbestand am 1. Februar betrug 266,69 M. Außerdem gingen II 106.25 M. freiwillige Sammlungen für die Hainburger Hafenarbeiter ein. Die Zahl der gewerk- schaftlich organisirlen Arbeiter beziffert sich am Schlüsse deS Jahres aus 2720. Ausland. Für die euglische» Maschinenbauer sind bei der General- kommission bis zum 10. Februar insgesamint Mark eingegangen. Da der Streik bezw. die Aussperrung deendigl ist, erklärt jetzt die Generalkoniniission die Sammlungen für geschlossen. Die noch eingehenden Gelder werden dem Streikkoiüitee noch zu- gesandt werden.____ Nvozeß Zol«. Paris, 15. Februar. Der Andrang in der Nähe des Gerichlsgebäudes und im Innern deffelben hat auch heute nachgelassen; es ereigneten sich keine Zwischen» fälle; doch war der Saal bei Eröffnung der Sitzung um 12�/« Uhr dicht gefüllt. Zunächst wird der Gerichtsbeschluß bekannt gegeben, durch den die Anträge der Verlheidigung abgewiesen werden, daß die Schrift- verständige» Erklärungen über die von ihnen vor dem Eslerhazy- Kriegsgerichte nach Ausschluß der Oeffentlichkeit geniachlen Aussagen abgeben sollen. General G o n s e giebt eine Erklärung gegen den Deputirten Janrss ab, welcher ausgesagt hatte, der Generalstab hätte, da er kein Licht in der Sache wolle, dem Major Esterhazy eine„Herz- stärkmig", d. h. das„erlösende Schrifistttck", zukommen lassen. General Gonse stellt diesen Angaben das entschiedenste Dementi ent- gegen. Niemand, sagt er, wünsche mehr als er, daß Licht, volles Licht geschafft werde und dazu werde er für sein Theil mit allen Kräften beitragen. Advokat Labori sagt hieraus: Da Sie dazu beitragen wollen, daß Licht geschafft werde, so bitte ich Sie, beim Kriegsminister folgendes zu be- antragen: l. daß er den General Mercier ermächtige, sich über das geheime Schriftstück nii-znlassen, das, wie wir wissen, dem Kriegsgerichte niilgeiheilt worden ist; 2. daß Oberst Picqnart vom Amlsgeheimniß entbunden werde; 3. daß das ursprüngliche Borderean hierher gebracht werde; 4. daß die Schriftstücke, dir als Material für die Schristbegiitachlung Bertillon's dieiiieii, hierher gebracht werden; 5. daß Bertillon aufgefordert werde, Aussagen zu inachen; 6. daß die Sch�>flverstäiidigen im Esterhaztz- Prozeß gleichfalls ansgesordert werden. Aussagen zu machen. General Gonse antwortet hierauf, er fei nicht'befugt, dieses Ersucben an den Kriegsminister zu übermitteln. Labori versetzte alsdann: Nun, so spreche man uns auch nicht mehr von Licht schaffe»! Es wird nunmehr zur Vernehmung des Schriftgutachlers Crepieur-Jamain geschritten. Derselbe protestirl mit äußerstem Nachdruck gegen die gestrige« Aeußeruiigeii des Zeuge» T e y i s o ii n i e r e s, der ihn beschuldigte, er hält« ihn iiniiicns der Familie Dreysus zu bestechen versucht. Das ist nicht allein eine Persidie, sagt C'öpieux, es ist der reine Roiumi. Er berichtet, Teyfsonniöres habe zu ihm folgendes gesagt: Es ist nicht Berlillon gewesen, der die Ver- urlheiliing des Dreyfns herbeiführte, Berlillon ist verrückt(Ge- lächler); ich habe Licht in die Sache gebracht und auf meinen Bericht bin ist er verurlbrill worden, nur auf meinen Bericht.(Verschiedene Ausrnfe in der Ziihörerschafl.) Sodann wirft Cröpieux dein Schristverständigen Teyssonniöres vor, dieser habe seine Korrespondenz der„Libre Parole" angeschuldigt, i» der Hoffnung, daß man darin die vier Zeilen finde, die»ach dem Worte Laubordemout's genügte», um einen Menschen hänge» zu lassen. Ria» habe aber diese vier Zeilen nichl gesunden. Teyssonniores sei nnzusnedeii gewesen, daß er, Crepieiix, seine Meinung über die Schuld Dreysus' nicht theilte und hier liege zweifellos das .Geheimniß seiner Haltung ihm gegenüber. Zeuge versichert, er habe den eisten Bericht über das Borderean versaßt und zwar als Dilettant, weil man ihn daniin ersucht hat. Das Clich« habe nicht veiändert werde» können. Hierauf wird Professor Pank Meyer vom College de France, der Tirektor der Ecole des Chartes, vernommen. Auf eine Frage des Advokaten Labori. ob der Zeuge Israelit sei, erklärt dieser, daß er sranzösischer Abstammung und Knlholik sei. Zur Sacke führt Professor Meyer aus: Ich prüfte die Fnlsiinila des Boidereau, welche so genau, wie nur möglich sind, eingehend. Zeuge giebt so- dann eine wissenschaftliche Anseinandersetznng über die Beräuderiuig des Kiichees, welche das Abziehen aus einer Rotalionsinnschine mit sich bringen kann. Em Zeuge bat ausgesagt, dies erinnere sehr an eine Fälschung. Es war General Pellienx, welcher bier derartige Aenßernngen gethan hat. Ich erkläre, daß nichts daran ist. Ich war tief beliübl, als ich sah, daß inan in dieser so ernste» Sacbe Bertillon mit der Ex- pertise betraut hatte, dessen Verfahren jeder Methode, jeden vernünftigen Sinnes entbehrt.(Lachen.) Hinsichtlich der Schritt Ksterhnzy's erklärt Zeuge, daß dieselbe durchaus der- jenigen im Borderen» gleiche. Labori will hierauf an die Schreib- Sachverständigen Conrad, B e l h o ni»i e und Barinard Fragen stellen und bittet den Präsioenien, dieselben wieder aufzii- rufe». Der Präsident verhält sich jedoch durcdans ablehnend. Labori verliest alsbald einen Antrag, der Gerichlshos möge itmi be- nikunben lassen, daß der Präsident, noch ehe der Bertheidiger eine Frage formulirt hatte, ihm nntersagie, dieselbe zu stellen. Der Gerichtshof lehnt auch dies unter Hiiiweis auf Artikel 270 der Slrasprozen-Ordniing ab. Der Präsident bemerkt hierzu: So wird es jedesmal geschehen, wenn Sie unnütz fragen. Labori sagt: Das ist also ein Beschluß mit regleinentsmäßiger Kraft! Präsident: Jawohl! Mo linier, Professor am Collöge de France, sagt ans, er köinie bei semer Seele und feinem Gemiffen bestätigen, daß alle Formen der Schrift Esterhazy's genau denjenigen im Borderean glichen, von dein er ein Falsiniile vor Augen gehabt habe. Der Präsident fragt Molinier: Für wen haben Sie diese Unter- suchnngen angesteilt? Antwort: Aber für mich persäniidi, denn die Angelegenheit interefürte mich, wie sie, wie ich glaube, alle Franzosen inicressirt.(Bewegung.) Advokat C l e in e ii c e a u bringt hierauf den Antrag ein, das Geridst möge beschließen, einen Richter zu Frau B o u l a n c y zu senden, der die Genannle darüber befragen soll, ob in den in ihrem Besitz befindlichen Briefen nicht folgende Stellen vorkommen: 1.„General Snussier ist ein Clown bei uns, die Deutschen wiimn ihn nicht in den Zirkus stellen." 2.„Wenn die Preußen bis Lyon kämen, so könnten sie ihre G""ehre fortwerfen und brauchten nur die Laden öcke behalten, um die Franzosen vor sich her zu treiben." Es folgt die Vernehmung dreier Sachverständigen, die sich ans Liebhaberei mit Untersnchimg von Handschristen beicbäftigen, nämlich M o l i n i a, Archivar-Paläograph am Lonvre. C e l l e r i n, Professor am College von Fontainebleau.imd Bonimon, Paläograph; alle drei versichern, daö Faksimile sei eine getreue Reprodukiion der Schrift Esterhazy's. Es wird nun der Brüsseler Advokat Felix F r a n ck vernommen, der erklärt, er brauche für seine Demonstraiion, die ungefähr eine Slunde dauern würde, eine schwarz« Tafel. Während die Schm.g snspendirt wird, läßt Labori eine schwarze Tafel herbeischaffen. Nach Wiederaufnahme der Sitzimg beginnt Franck seine Demonstration. Er befestigt ans der schwarze» Tafel daS Faesimile des Bordereaus und der Schrift Esterhazy's, und ergebt sich in langen Aiiseinandersetzuiigen über dieselben, an deren Sck'lnsse er sagt:„Jcki erkläre auf mein Gewissen, daß eine einzige Person das Dokument geschrieben hat, daß Esterhazy allein in der Welt es hat schreiben können.(BeivegnngZimd Unterbrechungen.) Franck ruft: Ich wollte schließen, da man mich aber unterbricht, fahre ich fort. Präsident: Ich bitte Sie, vor dein Gerichtshöfe eine ander« Sprackie zu führen. diese ist impasseiid. Labori: Und ich. Herr Präsident, bitte Sie, die Zu- Hörer zum Schweige» on'zufordern. Wie Sie sehe», sind es nicht niehr Advokaten, die Kundgebungen machen." Franck fährt fort: Ich finde, daß der, welcher das Borderean geschrieben hat, einen germanischen Geist hat und schließt mit der Prophezeiung, einen oder den anderen Tag werde man zu der E r k e n n t n i ß g e- langen, daß das Borderean nicht von dem ge» schrieben worden ist, den man vernrtheilt hat. (Lärm.) Hierauf wird G r i m a n d. Mitglied des Institut de France und Professor an der polytechnischen Schule, vernommen. Grimand erklärt, er habe den an die Deplilirteukaininer gerichleten Protest miiimterzeichnet, weil er gefühlt habe, daß es sich um die Achtimg des Gesetzes und um die Etzre des Vaterlandes handle. Er Hobe in beiden Affären so seltsame Dinge enldeckl, daß er sich in seinem Gewissen beunriidigt gesuhlt habe; alles in dem Verfahren der Sachverständigen und der sieben Mitglieder d«S Kriegsgerichts, die sich mit Erfteren getäuscht hätten, fei ihm seltsam erschienen. Grimand fügt hinzu:„Trotz aller versteckten Drohungen und E i» s ch ü ch t e r u n g s v e r s» ch e versichere ich, daß die Revision des Prozesses unabweisbar ist, und daß wir alles daran setzen werden, sie zu erlangen. Labori fragt: Bon welchen Einschüchterungen sprechen Sie'i Grimand: Als ich den Prolest unterzeichnet halte, ließ der Kriegs- minister mich offiziös fragen, ob ich wirklich den Protest unlerzeichnet habe. Ich habe dann erfahren, daß der Kriegsminister am folgenden Tage dem Ministerralhe ein Dekret unterbreitet hat, in welchem trotz meiner 3 4jährigen Dienstzeit meine Amtsentsetzung ausgesprochen wurde. Man bezweifelte meinen Patriotismus: Ich bin mehr Patriot, als irgend jemand. Beleidigungen, Drohiingen mit Absetzung, nichts wird mich be- rühren; wir wollen die Wahrheit und wir werden sie baben, was man auch thun möge, wir werden sie trotz allein haben. Grimand zieht sich zurück und»rnchl dabei eine Bemerkung zu Labori, der ihm sogt: Ich bitte Sie, laut zu sagen, was Sie mir eben gesagt haben. Grimand: Ich sagte, ich kannte Zola nicht, ich sähe ihn heute zum ersten Mal. Havel, Mitglied des Institut de France und Professor am Collöge de France erklärt, er habe, wie so viele andere, eine Untersuchung über das Borderean und über Briefe Dreysus' und Esterhazy's angestellt. Zeuge fübrt einen Brief Dreysus' an, in welchein der Satz vorkommt:„Ich babe denen, die mich haben vernriheilen lassen, eine Pflicht vermacht, der sie sich, ich bin dessen sicher, nicht entziehen werden", und er- bietet sich, vor den Geschivorenen den Beweis zu führen, daß die Buchstaben in diesen Worten nicht den Buchstaben in dein Borderan gleichen. Zeuge kommt zu dem Schluß, daß es fast iminöglich sei, daß das Borderean nicht von Esteihazy berrühre. Nach der Ber- »ehinung Havet's wird die Sitzung geschlossen. Soziases. Ueber die grlvcrkschaftlichen Bestrebnngc» der Arbeiter sagt die b a d i s ch e F a b r i k i n s p e k l i o n in ihrem 1897er Jahres- berickt:„Mehr als in den letzten Jahren wahrgenommen wurde, beschäftigen sich die Arbeitervereiiiigiingen mit der Frage ivenigstens des derzeitige» Standes der Lebenshaltung der Arbeiter. Auch dort, wo nur befürchtet wird, daß die errungenen Lohn- erhöhimgen oder Verkürzungen der Arbeitszeit in Gefahr seien zurückgenommen zu werden, giebt dies Anlaß zu -iiiein festeren Zusammenschluß der Vereiiiignngen. Es kann auch zugegeben werden, daß die V e r t h e i d i g u n g ni i n d e st e n s der jetzigen Lebenshaltung nicht nur für die Arbeiter, sondern auch für die gesain inte V o I k s w i r t H s ch a s t von der größten Bedeutung ist. Dieser Aufgabe lverdeu aber die A r b e i t e r- B e r e i n i g n n g e n wohl am b e st e n gerecht weiden, weil ivirlhschaftliches Herunter- steigen am schwersten einpfiiiiden wird, und sich ihm daher der nach- hnlligste und eiiininlhigste Widerstand enlgegensetzt. Dies ist zugleich auch ein Grund dafür, daß leichlserlige und ohne genügende Aussicht auf Erfolg unternommene Arbeitscinstellungeii mehr uiiierlasjen wurden als in de» Vorjahren, und daß man sich klngeriveise mit dem schrillweisen Erreichen kleiner Borlheile begnügte." Weiler heißt es in dein Bericht:„In der Arbeiterbewegung traten seitens der Leiter von Verfaniniliingen und der anfgetrelenen Redner mehrfach eifreuliche Anzeichen hervor. Es wurde nicht nur jedes leidenschaslliche und turbulente Vorgehen vermieden, da hierfür bei de» Besuchern der Versammlungen nicht die geringste Slininning vorhanden zu sein schien, sondern es wurde auch bei Besprechung auszustellender Arbeitsbedingungen besonders zu Nüchternheit und Besonnenheit ermahnt für de» Fall, daß ein Ausstand unvermeidbar sein sollte. Insbesondere wurden die Arbeiter ermahnt, vor Nieder- legiing der Arbeil die bestehenden Kündigungssrifien einzuhollen. Offenbar war man bestrebt, die Fehler, die im vorigen Jahre bei Arbeilseinstellnngeii gemacht wurden, zu vermeiden. Es gilt dies ivenigstens von den Rednern in solchen Versamniluiigen und von der überwiegenden Mehrzahl ihrer Theilnehnier, naturlich aber nicht von jedem einzelnen Theilnehnier. Es ivurdeu vielmehr dann mich in einem Iheils leichlfertigen, theils unreifen Optimismus Stimmen laut, die im Falle eines Streikes ans die Unterstützung der gesainmleii Arbeilerschast und die zu diesem Zwecke bereiten großen Geldmittel verwiesen. Der Einfluß derartiger Personen müßte die Interessen der Arbeiter schädigen, da ihre ganze Beurlheiluiig der Berbältnisse auf imrtchiigen Voranssetznngen beruht. Jeder, der sich mit diesen Dingeii befaßt, weiß, daß die organisirle Arbeilerschast nichts weniger als geneiat ist, sich bei jedem beliebigen Streik mit den Aussländigen solidarisch zu erklären. Es wurde aber auch gar nicht ivahrgeuommeii, daß derartige Slimiiien sich in dem Berichlsjahre irgend welchen Einfluß verschaffen konnten." Dasselbe läßt sich von der Gewerkschaftsbewegimg ganz Deutsch» lands sagen. Ueberall üben die Gewerkschaste» einen mehr oder minder großen erzieherische» Einfluß aus die Massen aus, der sich denllich genug bemerlbar macht und iiiir von Leuten geleugnet werden kann, die nicht sehen wollen. Depesiszen nnd letzke Mktchvichten. Haniburg» 15. Febr.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei den heutigen Bürgerschaslsivadien erzielten die sozialistischen Kandidaten erhedltche Mtnoriläien, gewählt wurde Niemand. Es wurden für unsere Kandidaieti in zwanzig Bezirken ca. 3600 Stimmen abgegeben. Die Wahlbetheiligung war eine im- gewöhnlich starke. Außer dein Anliseniiteii Raab gehören säuinitliche Gewählte den alten Bürgerschasisparleten an. London, 15. Februar.(38. T. B.) Lord William Nevill ist heute ivegen Betruges zu sitnf Jahren Zwangsarbeit vernrtheit wölben. Derselbe Halle seiner Zeit einen reichen jungen Offizier unter falschen Vorspiegelungen veranlaßt, Schuldscheine ans 11000 Pfund zu unterschreiben, ohne den Offizier den Inhalt der Dokuineiile. welche er uulerzeittmele, sehen zu lassen. Nevill ver- schaffte sich darauf von einem jüdischen Geldverleiher mehrere lausend Piiind. indem er diese Schalascheine als Sicherheit gab. Warschau, 15. Februar.(B. H.) In Dubno wurde eine ans acht Köpfen destehende Fallchuiünzerbande verhaftet, welche sich mit der Herstellung von Hundert- Rubelnolen und goldenen Jmpnials befaßte. Christiania, 15. Februar.(W T. B.) Wie verlautet, haben die eheinnligen Minister Thieleseu und Konow heule eingeivilligt, ins Steen'sche Ministerium eilizutreteii. Koustautiliopcl, 15. Februar.(B. H.) Wie verlaniet, wird die uirkische Regierung gegen den gegenwärtig 20000 Manu betragenden Stand der egyplischen Armee prolestiren. weil letzlere verlragemäßig nur 18 000 Mann betragen soll. Koustautiliopel, 15. Februar.(B. H.) Seit mehreren Tagen herrscht iviedernni heftiger Schneefall. Zwei Soldaten sind in der Nacht auf einer Brücke erfror«». In Konstanliiiopel selbst herrscht Thenernng und Mangel an Heizmaterial. Ans dem Schwarze» Meere toben fortgesetzt heftige Slürme, sodaß die Post- lind Passagier- dampfer nicht auilausen können. Koustautiliopcl, 15. Febr.(B. H.) Bon türkischer Seite wird seit gestern die Kandidalnr eines gewissen Morell Bey für den krelensischen Gouveriieurposten lancirt. Derselbe ist angeblich ein Franzose von Gebart nnd war ehemals Sekretär beim versloibeiien Rnstein Pascha, als dieser Botschafter in London war. Morell Bey soll seit längerer Zeit in egyplischen Diensten stehen. Sofia, 15. Februar.(B. H.) Große Aufregniig hat die Mel- düng verursacht» daß Edhein Pmcha das Oberkommando in Makedonien überliehlnen soll. Man befürchtet, daß die türkische Be- völkerimg Makedoniens dies als Signal zu einem Christeiiniasfakre beimhen werde und schwere Ereigniffe eiiilreteii können. Jedenfalls wird die bulgarische Regierung zur sosortigeii«erinehrniig der Grenz- trnppen schreiten. Berfliitl» ottlicher giedalteur: Angnst Jacobry in Berlin. Für den Jvseratemheil veranlwvttlich:»h. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu» Brilagrn u. Nnterhaltuugsblatt Nr. 39. 15. imrpg. 1. leildge VeickzskÄg. 41. Sitzung. Dienstag, den is. Februar 1898. 2 Uhr. An, Bundesrathstifche: Frhr. v. Thielmann, Graf Posa- d o w s k y, N i e b e r d i» g. Die zweite Beralbung des Etats wird fortgesetzt bei de», Etats- theil„Zölle und Berbranchsstenern-, und zwar beim Titel„Zucker- fteuer". Abg. Graf v. Stolbcra(k.) verlangt nicht im Namen seiner Partei, soiidern„ur seiner Person die Aushebung sämmllicher Zucker- präniieii im Juterefse der gcsammte» Zuckerindustrie, ebenso miisse die Betriebsstener voUkoiinuen beseitige werden, wie auch die Kontingeutirung, für die»ach Aufhebung der Prämien jeder Grund wegfalle. Abg. Rösicke(wildlib.) stimmt den, Vorredner im allgemeinen zu. Der Vorschlag jedoch, der gemachl worden sei,»ur die deutsche» Zuckerprämie» aufzuheben, um Amerika zu veranlassen, seinerseits die Zollzuschläge sallen zu lassen, sei verfehlt. Deutschland müsse doch mit Wellmarktpreise» rechnen. Abg. Dr. Paasche(»all.) erklärt, daß die Ausführungen, die der Abg. Barth vorgestern vorgetragen, den thatsächlichen Verhältnisse» nicht entspreche». Abg. Graf v. Stolbcrg(k.): Ich habe vorhin mich für die Aufhebung der Koutiugeutirung ausgesprochen; natürlich meinte ich dies nur für den Fall, daß die Zuckerprämie» gänzlich beseitigt werde». Die Diskusston wird geschlossen, der Titel bewilligt, ebenso der Titel„Salzstener". Veim Titel„Branntweinsteuer" spricht Abg. Basscruiann(»all.): Es ist hervorgehoben worden, daß seit der Einführung der Brauntweinsteuer die deutsche Zelluloid- fnbrikalion sich so gehoben hat, daß sie für de» einheimischen Konsum a» sich ausreichen würde, wen» sie nicht durch die Branntweinsteuer bennchtheiligt werden würde dadurch, daß das französische Zelluloid billiger imporlirt iverden kann wegen des niedrige» Zollsatzes. Die Mannheimer Handelskaunncr bittet daher in einer Eingabe um Er- höhung des Zelluloidzolls, die ichZuur befürworten kann. Direktor im Rcichsschatzamt v. Körner: Die verlangte Er- böhuug des Zolles aus Zelluloid würde daS Gegentheil von dem bewirken, was man mit ihm beabsichtigt. 9lbg. Ganip(Neichsp.) stimmt de» Ausführungen des Abg. Bassermanu bei; er empfiehlt die Bonifikation der Brauntweiiisteuer bei der Zelluloidfabrikatio». Nach weiterer unwesentlicher Debatte wird der Titel bewilligt. Zum Titel„ B r a u st e u e r" befürwortet 'Abg. Rösilkc(wildlib.) den Erlaß eines Surrogatverbots. Die Verwendttug von Surrogaten sei bei dem heutigen Stande der Technik durchaus entbehrlich, daher solle man mit diese», Erlaß nicht länger zögern. Redner bittet den Staatssekretär um Vor- legung einer Statistik über die Verwendung von Surrogaten in den Fabriken, und wendet sich im besondere» gegen die überhandnehmende Verwendung des Saccharins. Dies sei nicht zu erreichen durch Ei». beziehung des Saccharins unter die Braustener, da es sich um verhältniß. Mäßig kleine Quantitäten dieses auch in sehr kleinen Mengen außer- ordentlich stark wirkenden Surrogats handele, aNein nützen könne deshalb nur ein direktes Verbot des Saccharins beim Braue». Auch der Deklarationszwang könne nichts helfe». Der Titel Brausteuer wird darauf bewilligt. Beim Titel„Aversen" macht Abg. RadwanSki(Z.) auf die Gefahren aufmerksam, die unserer Viehzucht d»rch de» Schaden drohe», daß mittels Schmuggels Viehseuchen eingeschleppt würden. Präsident v. Bnol bittet den Redner, sich kurz zu fassen, da feine Ausführungen nichts mit der Sache zu thun hätten. Der Titel wird darauf bewilligt. Der Etat der Reichs-Stempelabgaben wird debatteloS ge- nehmigt. Bei dem hierauf folgenden Etat des„Rechnungshofes" fragt Abg. Dr. Picschel(natl.) a», ob der Reichsschatzsekretär die Verantwortung für die justifizirende Kabinetsordre übernehme. Reichsschatzsekretär Frhr. v. Thielnian» erklärt, daß er die Verantwortung ebenso w,e sein Amtsvorgäuger übernehme. Der Etat des„Rechnungshofes" wird hierauf genehmigt, ebenso debattelos der Etat des Reichsschatzamts. Es folgt die zweite Beraihung des Gesetzentwurfs betr. die An- gelegeuheit der freiwilligen Gerichtsbarkeit. Auf Antrag des Abg. Bassermann(natl.) wird das Gesetz in zweiter Berathung en bloc angenomine» nach den Beschlüsse» der Kommission. Debattelos werden die von der Kommission beantragten Resolutionen betr. die einheitliche.Regelung des Kosteuweseus und Notnriatswesens angenommen. Das Haus tritt hierauf in die erste Berathung der Novelle zu dem Gesetze betreffend Postdampfschiffs-Verbindung mit überseeische» Länder». Staatssekretär v. PodbielSki: Die Vorlage ist bedeutend ver- bessert, die Dampfer machen jetzt statt 13 Knoten 14 Knoten. I», überseeischen Handelsverkehr ist Deutschland jetzt von der vierte» Stelle i» die zweite Stelle nnler den Nationen gerückt, die Vorlage erhält natürlich größere Bedeutung durch die Besitzergreifung Deutschlands i» Ostasie». ES wird wohl jeder jetzt der Meinung sei», daß Ostasie» für de» überseeischen Handel jetzt mehr in Frage kommt. Die Geschichte wird Herr» Bamberger, der gesagt hat, wir hätte» kein Interesse an Ostasie», unrecht geben. Von Ostasie» ist mehr für uns zu erwarte», als von den afrikanischen Kolonien. Wir Haffen, daß das Hans die Vorlage mit Wohlwolle» auf»ehn,e>l wird im Jutereffe der Kultur, des Welthandels und der guten Post- Verbindung, inbezug auf welche ja Deutschland stets au der Spitze marschirt ist.(Beifall.) Abg. Frese(srs. Vg.): Die Regiernng hat sich durch die Wiedereinbriugung der Vorlage eln VerdienK erworben, namentlich aber durch das beigebracht« statistische Material. Es zeigt, daß der Verkehr mit den oftasialischen Plätze» von großer Bedeutung ist. Daraus erklärt es sick, wenn man nicht nur sür die Ausrechterhalluug sondern für die Erhöhung der Subveutio» ist. Wenn die frenide» Völker sehe», was für schöne Dampfer wir haben, erkennen sie darin, was deutsche Industrie und deutscher Unternehmnugsgelst leisten. Nachde», wir Kiaotschau i» Besitz genommen haben, ist es besonders nothwendig, die Fahrten der Posidampfer zu verdoppeln. Wenn diese Verdoppelung ohne Reichszuschuß zu erreichen wäre, würde ich als Kaufmann nichts dagegen habe», aber die Erfahrungen anderer Länder haben gezeigt, daß bei rasche» und langen Fahrten ei» Staatszuschuß nothwendig ist. Der Vertrag, de» wir mit de», Lloyd abschließen solle», ist außerordentlich günstig für das Reich; der Lloyd macht mit de» Fahrte» nach Ostasien vorläufig kein Geschäft; er hat bis jetzt 5 Millionen zugesetzt. Jetzt wird er die Fahrte» mit der vorgeschriebenen bedeutend vermehrten Fahrgeschwindigkeit nur mit ganz neue» Schiffen ausführen könne». Alte Schiffe sind aber schwer verkäuflich.— Die Möglichkeit eines häufigen, schnellen und prompten Verkehrs wird auch der von Rußland herauf- beschworene» Konkurrenz der sibirischen Eisenbahn zu begegne» ver- »löge». Der Wasserweg wird für die Reisenden auch nach Voll- «»düng der sibirischen Bahn immer bequemer sein.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Mittwoch 2 Uhr. Tagesordnung: Zweite Lesiiug des Antrages Auer u. Gen. auf Schutz des Vereins- und Koalilionsrechtes. Erste Lesung des Antrags Li-berman» von Sonneuberg(Reform-P.) betreffend das Versicherungswefeu. Schluß 5'/* Uhr. ilts Llwiick" Hervenhsuts. 3. Sitzung vom Ib. Februar. 2 Uhr. Am Ministertische Freiherr v. H a m m e r st e i n und Kom- Missarien. Zur Berathung steht der Antrag des Herzogs v. R a t i b o r. die Regierung»in eine schleunige Vorlage zu ersuche», in welcher die erforderlichen Miltel bereit gestellt werden zur Verhütung künftiger Hochwasser-Katastrophen durch dauernde Verbesserung der Abflußverhältuiffe, Regulirung der Flußläuse und — wie ei» besonderer Zusatz-An trag des Grafen Pfeil- Hausdorf bezweckt— durch forstliche Anschonung entwalteter Höhen und Verhütung schädlicher Entivalduuge». Die Kommission schlägt folgende Beschlußfassung vor: Im Vertrauen, daß die küuigl. Staatsregierung mit thun- lichster Beschleunigung alle geeiguelen Maßregel» treffen wird. die vorliegenden Anträge der Staalsregierung als Material zu überweise». Nachdem Oberbürgermeister B ü ch t e m a n n- Görlitz als Referent der Kommission diese Anträge empfohlen und in der Debatte die Herren Herzog von R atibor, Graf P ü ck l e r. Graf Mirbach und Herr von Levetzow wesentlich im Sinne der Kommissionsauträge gesprochen. schließt die Be- sprechung mit einer Darlegung des Laudwirthschastsministers Frei- Herr v. Hauuuerstein, welcher mittheilt, daß in einem soeben ab- gehaltenen K r o n r a t h beschlossen worden sei. von der Ein- bringung einer Vorlage beim Landtage ab- zusehen, weil das erforderliche Material noch nicht vollständig vorhanden ist und im S o m»> e r unter Verwendung aller verfügbaren Kräfte vervollständigt werden soll. Das legislative?)laterial soll dann in einer besonderen Herbstsessiou den Provinzial-Landtagen von Schlesien und Brandenburg vorgelegt und nach deren Aeußerungen dem Landtage im nächsten Winter als umfassender Gesetz- entwurf zugehen.(Beifall.) Angesichts der ganz absonder- lichen Lage wird der Staat auch finanziell eintreten. Auch wird die neue Organisation der Wasserverwaltung eingehend beralhe» und die Beschlüsse hierüber werde» schon in nächster Zeit bekannt gemacht werden. Hierauf wird der Kommissionsantrag einstimmig a». genommen. Morgen(Mittwoch) 2 Uhr: Amtskaiilioiien, Anerbenrecht. Petitionen. Schluß 4 Uhr. UoltÄles» Seit einiger Zeit versenden einzelne Gastwirthe aus der Um- aegend Berlins, deren Lokale nur für den persönlichen Ver- kehr frei sind, Einladungen an Vereine u. s.w., für de» Sommer jetzt schon die Dampfer-Landparthie» nach ihren Lokalen sestzulcgen. Die»uterzeichuete Komniissio» niacht hiermit alle Vereine. Fabriken oder sonstige geschlossene Gesellschaften daraus aufmerksam, daß die für den persönlichen Verkehr freigegebenen Lokale von geschloffeuen Gesellschafte» u. s. w. unter allen Umständen zu meiden sind. Es ist mit aller Sorgfalt daraus zu achten, daß nur solche Wirthe mit Parthien, Eommervergnüngeu». f. w. bedacht werden, ivelche ihre Säle der Arbeiterschaft zu Versammluuge» zur Verfügung stellen und aus der Lokalliste verzeichnet sind. Die Lokalkottimission. I. A.: Oskar Mahle. Zur Lokalliste. Die Mitglieder der Lokalkommission werde» ersucht, alle Aenderungen der Lvkalliste ihrer Kreise resp. Orte bis spätestens Sonntag, den 20. Februar, an den Unterzeichnete» eiuzu- senden. Die Genossen des Kreises Teltow-Beeskow senoen die Liften an Genossen Jahn, Ober-Schöneiveide, Siemensstr. 7. I. A.: Oskar Mahle, Berlin 8., Prinzcustr. S, Seitenflügel I. Ter Wahlvcrein deS dritten Kreises hält heute Abend 8�/, Uhr in Krieg er's Salon, Wasserthorstr. 68, eine Ver- sammlnng ab, in der Reichstags-Adgeordnetcr Ewald Vogt Herr über„Chinapolitik" spreche» wird. Gäste haben Zutritt. sNeue Mitglieder werden in der Versammlung ausgeuounnen. Rege» Besuch erwartet Der Vorstand. Achtung, sechster Wahlkreis? Sonntag, den 20. Februar. abends 6 Uhr, findet im„Kösliner Hos", Köslinerstr. 8, eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen statt, in ivelcher der Genoffe Dr. Wey! einen Vortrag„Der HypnotiSmus und seine Bedeutung sür den politischen Kampf" halten wird. Aus diese iuter- essante Versammlung machen wir die Genossen und Genossinnen besonders aufmerksam. Nach der Versammlung findet ein gemülh- liches Beisammensein statt. Tie VolkShcilstätte am Grabowsee, die der„Volksheil- stätten-Verein vom Rothen Kreuz" unterhält, ist eher als die städti- scheu Heimstätten sür Genesende in der Lage, sich ihre Pfleglinge aussuchen und e i n l ä n g e r e s V e r>v« i l e n in d e r A n st a l t zur A»> f n a h m e b e d i n g u n g machen zu können. ES kommt aber, wie ivir erst kürzlich gezeigt haben, trotzdem auch hier oft genug vor, daß Kranke auS Sorge um ihre und ihrer Familie Existenz die Kur vorzeitig abbreche» und die Anstalt verlassen, um sich wieder Arbeit zu suchen. Bei dem.Volksheil- stätten-Verein" besteht deshalb eine besonder« D a m e n g r u p p e, die die Aufgabe hat, die Angehörigen der in der Heil- stätte am Grabowsee verpflegten Lungenkranke» thunlichst vor Roth zu schützen. Von den ärztliche» Berathern des Vereins war es gleich bei der Begründung als ein unbedingtes Ersorderniß sür di« Durchführung deS Heilverfahrens bezeichnet worden, die Kranken, soweit augängig, von der Sorge um die Existenz ihrer Angehörigen zu befreien und ihnen damit nicht nur ein gewisses Maß seelischer Ruhe, fondern auch die Möglichkeit zu geben, bis zur Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit in der Heil- stätte zu bleibe». Der kürzlich veröffentlichte Rcchenschasts- bericht über die Thätigkeit der Damengrnppe konstatirt nun(wie das Vereinsorgan„Das rothe Kreuz" mitlhei»), daßdie gestellte Aufgabe „bisher mit Erfolg" gelöst worden sei. Aus de» durch ei» Wohlthätigkeilsfeft gewonnenen Mitteln habe» 40 Familien Unter- stützunge» im Gesammlbetrag« von nahezu 4000 M. erhallen,„wobei es(fügt das„R. Kr." hinzu). alS ein erfreuliches Zeichen für den vortrefflichen Geist, der unter den Kranken der R. Kr.-Heilstälte gedeiht. anzusehen ist, daß bei den von de» Mitgliedern der Damen- gruppe mit Sorgfalt ausgeführten Ermittelungen nur eine verschwindend g e r i» g« Z a h I v o n U» t e r st ü tz u n g s- gesirchen sich als nicht degründet herausgestellt hat." Die Unterstützungen bestanden i» wöchentlichen Zu- schliffen von 5—10 M. oder in einmaligen Gaben zur Bezahlung rückständiger Miethe, früherer Arzt- und Apolhekerrechnungen:c. Mit diesen Angaben ist nicht recht in Einklang zu bringe», was in dem vom Chefarzt erstatteten Bericht über die Kraukenbewegung in der Anstalt gesagt wird. Dort wird zu der großen Gruppe der vor Beendigung der Kur als nur gebessert ent- lassen en Pfleglinge— es sind i» den«rsteu l'/z Jahren seit Eröffnung der Anstalt 281— 71,5 pCl. aller Entlassenen! — ausdrücklich bemerkt. die Entlassung fei erfolgt„vor- wiegend wegen Sorge um die Familie oder um ihr« Stellung bezieh itngs weis« tvegen Mangel an Mitteln". Danach muß man annehmen, daß jene Damen- gruppe über das, waS man„mit Erfolg" arbeiten nennt, sehr viel bescheidenere Ansichten als andere Leute hat. Es versteht sich uatür- lich von selbst, daß die Bemühungen der Privat wohlthätig- keit um die Familien der Lungenkranken auch dann nicht nachdem Geschmack der Arbeiterklasse sein können, weun si« künflig erfolg- reicher sein sollten als bisher. Di« Arbeiter dürfen verlangen, daß ( Uitlmch, 16. Mm 1898, die Frage der Fürsorge sür die Familie», die so oft die unabweis- bare Vorbedingung sür die Einleitung und erfolgreiche Durch- sührnng des Heilverfahrens ist, fammt der Heilsiältensrage überhaupt. in einer Weise gelöst wird, die ihnen ein g e s e tz l i ch e s A n r e ch t darauf gewährt. Die JnvaliditätS-»nd AlterS PersicherungSaustalt Berli» hat im Jahre 1896, wie aus dem erst jetzt veröffentlichten Kassen- abschluß ersichtlich ist, für verkaufte Beitragsmarke»» 5 429 128 Mark eingenommen(in den 3 Vorjahren 1895, 1394, 1393: 4 938 970. 4 746 387, 4 750 863 M.) Nach Abzug der auf ver- »ichtete Beitragsmarke» fallenden Beträge blieben als Einnahmen ans Marke» 5 405 935 M.(4 968 227. 4 717 971, 4 691813 M.). Rente» wurde» nur 490 773 M.(425 143, 343 196, 252 979 M.) gezahlt, nämlich Invalidenrente» 213981 M.(196308 102 221, 45 942 M.) und Sl l t e r s r e n t e n 276 792 M.(259 340, 240 975, 207 037 B!.). Die Erstattung von Beiträge» im Falle der Verheiralhung oder des Todes, die»ach 5 Beitragsjahren zulässig ist, ist diesmal bereits in größerem Ilmsange erfolgt. Bei V e r h e i r a t h u» g e» wurden gezahlt 105 197 M.(1895: 12 075 M, 1394: nichts), bei Todesfällen 23 093 M.(1895: 3090 M. 1394: nichts). Für das von der Versicherungsanstalt in geeigneten Fällen eingeleitete Heilverfahren(zur Verhütung des Eintritts der Invalidität) wurden 90 325 M.(34 996, 150 475, 921 M.) aus- gew-ndet. Wieviel de» Familien der dem Heilverfahren überwiesene» B cherten an U n t e r st ü Hungen gezahlt wurde, ist aus dem Kaisenabschluß nicht ersichtlich; die Beträge scheinen in de» obige» Gesammtauswendungcn für das Heilverfahren mit einbegriffen zu sein.— Am Schluß des Jahres halte die Anstalt als Kassen- bestand 29 591 1l7 M. in Baar, Werlhpapieren und Grundbesitz (in den Vorjahren: 23 449 797, 18 448 254, 13 830 666 M.). Es ist ei» ganz anständiges Kapital, das sich hier allmälig— und zum großen Theil aus den Taschen der Arbeiter— angesammelt hat. „Der deutsche Bauer wird fromm bleibe» oder er wird nicht bleiben", rief der Chefredakteur der„Deutschen Tageszeitung", Herr Dr. Oertel, am Montag mit Emphase in die Versammlung des Bundes der L a n d w i r t h e hinein. Nicht ganz so bibelfest schätzt offenbar der Besitzer der B l u m e» s ä l e den deutschen Bauer ein. Gestern prangte an allen Anschlagsätilen die An- kttudigung, daß zu„Ehren der hier anwesenden Herren Land- wirthe" ein K o st ü m f e st im genannten Lokale stattfinde, zu welchem ganz besondere Veranstaltungen getroffen seien. Die Er- fahrungen früherer Jahre lassen daraus schließen, daß dieses Ver- guüge», auf welchem die Huldinnen des Cafa National bekanntlich eine wesentliche Rolle spielen, auch heuer bei dem deutschen Bauern sehr anspricht, und daß mithin die Frömmigkeitslogik des Herrn Dr. Oertel ein Loch hat. Oder sollte die Sorte Religion, dl« der Wortführer des Bundes der Landwirthe seinem Volk erhalten wisse» will, von so robuster Natur sein, daß sie ganz gut nebe» de» Amorsäle» ihre Stätte finden kau»? Tie Polizei und die Baroniu V. L. Das„Kleine Journal� meldet vom Dienstag:„Ein schwerer Mißgriff ist der Polizei wiederum am gestrigen Tage widerfahre». Im Hotel Monopol tvohnt seil drei Monaten ei» Rittergutsbesitzer Baron v. L., Neserveosfizier eines unserer vornehmsten Kavallerie- Nlegimenter, welcher sich infolge eines Arinbrnches in Behandlung des Herrn Professor von Bergmann befindet. Am gestrigen Bormittage unternahm seine Galtin. von der Gouvernante und ihrem Töchterchen begleitet, eine Ausfahrt, um Besorgungen zu machen. An der Ecke der Leipziger- und Friedrichstraße trat ein unisormirter Schutzmann auf sie zu und erklärte sie sür verhaftet. Das geschah in dem Moment, als sie die Droschke verließ und bezahlen wollte. Ver- geblich suchte sich die Frau Baronin zu legitimiren, der Schutzman» erklärte, sie sei eine gesuchte Frau Heimalh aus Budapest und müsse zur Wache. Die Geängstigle schickte die Gouvernante»nit dei» Kinde in das Hotel Monopol, um ihren Mann zu holen. N»»e mehr mußte die Arme, begleitet vo» einer konipakte» Menschenmasse, die Leipzigerstraße entlang den Weg»ach der in der Charloltenstraße belegenen Wache antrete». Da di« Dame selbstverständlich keine Legitimationspapiere, nach de»e» sie gefragt wurde, bei sich hatte, wurde sie einem genaue» Verhör unterzogen. Nach etwa einer halben Stunde er- schien der Wirth des Monopol-Hotels nnt dem Gatten, woraus die Danie freigelassen wurde. Der Herr Baron v. L. begab sich zun» Polizeipräsidium, um sich zu beschweren. Die Frau des Barons v. L.. ivelche zu den angesehensten Familien vo» Danzig gehört, liegt kraul darnieder. Wie wir hören, wird der Regimenlskommandeur. welcher zugleich Flügeladjutant Sr. Majestät des Kaisers ist, direkt über diesen Vorfall an Se. Majestät berichten." Wir gönnen nieinandem etwas Unangenehmes, aber in diesem Falle mochten wir im öffentlichen Interesse unserer Befriedigung darüber Ausdruck geben, daß auch einmal eine„Danie von» Stande'' der modernen Polizeiivirlhschaft zum Opfer gefallen ist. Auf ein« Aeuderung der heutigen Zustände läßt sich am ehesten hoffe», wenn recht bald noch einige Damen und Herren aus„hohen und höchsten" Kreisen in ähnlicher Weise mit der Polizei in Berührung kommen. Ein Ziel aufs innigste zu wünschen wäre auch, daß einmal ei» Regierungsrath und ein höherer Richter eines der berühmte» Abenteuer auf der Polizeiwache erlebten. Solange nur das„geivöh»- liche Kroppzeug" in Frage konimt, wird ja doch kaum aus eine durch- greifende Reform zum Bessere» zu rechnen sein. Lokalverbot für Schutzlente. Die„Berk. Ztg." schreibt; „Zu ganz eigenartigen Maßnahmen scheint die Berliner Polizei- behörde gegen ihre Suballerubeamten schreiten zu müssen, wenn es daraus ankommt, dieselben zur strikten Jnnehaltung der In- struktion zu zwingen. So ließ sich gestern der Vorstand des I. Reviers, Polizeilientenant Sacolowsky, etwa 30 Schanl- wirthe in sein Bureau rufen uud eröffnete ihnen zu ihrem nicht geringen Erstaunen, daß sie vo» jetzt ab sännutliche» Schutzleuten den Eintritt in ihr Lokal streugsleus verwehren müßlc» und den Beamten niemals Getränke verabreichen dürste». Die Gast- wirthe mußten sich hierzu schriftlich verpflichten; im WeigernngS- oder Uebertretungsfalle— so wurde ihnen zu verstehe» gegeben-• hätten sie in, gegebenen Falle auf eine Konzessiouserlheilung oder -Verlängerung nicht zu rechnen."— Vielleicht denkt der Polizei- lieutenant, daß Schutzleute im nüchternen Zustand« vor etwaige» Ausschreitungen geschlitzt sind. Eine Eingabe an das Polizeipräsidium und an die Ober- Staalsanwallschast wegen augeblich uusilllicher Darstellungen im Apollo. Theater habe» einige Damen aus der Fraueubewegiuig ein- gereicht. Es handelt sich um eine Vorführung des„cstausoir" icher die Liebe mit dem Kehrreim:„Man muß es nur versteh»." Die sich beschwerenden Damen erkläre», daß diese Vorführung„bei ihnen und bei anderen Personen öffentliches Acrgeruiß erregt hat und die sittliche» Begriffe des Volkes verwirre". Sie bitte» deshalb„im Juleresse der öffentlichen Sittlichkeit, bei derartige» Schaustellungen eine strengere Zensur zu handhaben". Darauf ist vom Ersten Staatsauwalt bei dem kgl. Landgericht I ein ablehueudev Bescheid eingegangen, worin er sagt, daß die vom Polizeipräsidium nicht beanstandete Ausführung sich in sittlicher Beziehung nicht vo» Aufführungen, wie sie in solchen Theater» staltzufinde» pflege», unter- scheide. Es fei im Publikum bekannt, welcher Art diese Aufsüh, rungen sind. Der Direktor und die DarsteNeriuueu können also nicht annehme», daß die Besucher des Theaters, unter dcueu sie weder Kinder noch Damen mit empfindlichem Silllichkeilsgesühl verniuthe» können, an den Aufführungen Aergerniß nehmen werde». Handelten sie ohne Bewußtsein und ohne de» Willen, solches zu erregen, so können sie strafrechtlich nicht verantwortlich gemacht werden. Die Dame» beabsichtigen, wegen dieser Antwort Beschwerde bei dem Justizmiuifter zn erhebe». Die Antwort vom Polizeipräsidium ist noch nicht eingetroffen. Die snristische Tprechstiuidc findet bis zmn 5. März a»> STioiung, Donnerstag und Sonnabend abends von 7Vz bis 8>/s Uhr statt. Zu der im Tclcphonbetricbe geplanten Neuerung, von jetzt ab bei Fernsprechanlagen den Apparat nur noch mit einem Fern- Hörer zu versehen und einen ziveiten nur ans Wunsch des Theil- nehiners und gegen Zahlung von 10 M. zn lieser», liegen jetzt Aenßeruuge» von Fachleute» vor, ivelche sich entschieden gegen diese Berlheuerung aussprechen. Man behauptet nbereinstimniend, in den letzten Jahren sei an den Hörern keine Verbesserung vorgenoniinen, die sie noch gebrauchsfähiger machte. Die Verbesserung des Mikro- Phons liege auch schon ivciter zurück und sei übrigens auch noch »ucht ganz durchgesührt. Ob die Apparate, die in Berlin zur Ver« »vendnug gelangen, besser sind als die anderer Länder, sei noch sehr fraglich, jedenfalls besitze Skandinavien ebenso vollkommene Apparate wie Deutschland, sonst sei es unverständlich, daß Deutsch- land dessen Einrichtungen im Allgemeinen nachahme. Daß der ziveite Hörer bei starkem Geräusch unentbehrlich ist, wird von allen Seiten betont. Ter Deutsche Thierschntz- Verein hat einen Versuch mit Filzschuhen gemacht, die das schnelle Ausstehen der ans der Straße gefallenen Pferde ermögliche» sollen. Dieser Versuch soll zur vollen Zufriedenheil ausgefallen sein. Um ganz sicher zn gehen und um die Dauerhaftigkeit und Haltbarkeit der Schuhe sestzustellen,»vill der Verein einen Versuch in größerem Maßstab ailssühren. Zu dem Zweck wird er den Droscdkeukutschern, die sich von dem praktischen Nutzen der Schuhe persönlich überzeugen wollen, solche unenlgeltlich zur Verfügung stellen. Die Schuhe können auf dem Bürcau des Vereins(Lindeustr. 74) in Empfang genoinmen werden. Tie Arbeite« für die eigentliche Verlegnug dcS Bo- tanischen Gartens, d. h. für die Verpflanzung von jüngere» Bäumen a»S dem alten Garten nach dem bei Dahlem gelegenen neuen Terrain, haben schon jetzt ihren Anfang geuommen. Eine kurze Strecke hinter der Steglitzer Schloßstraße dient zur Aufnahme der jüngere» Bäume, welche bereits in der nächsten Zeil aus dem alten Botanischen Garten hierher gepflanzt werden, um die Anlage des neuen Gartens zu erleichtern, für den das eingezäunte Stück Land also gewissermaßen eine Baumschule bilden wird. Die Bäume »verde» dann auf Wagen nach Sieglitz tran-porlirt und dort vor- läufig auf dem bezeichneten Stück Land aufs neue verpflanzt, um dann im Laufe der nächsten Jahre nach und nach wieder heraus- genommen zu»verden und aus dem Gelände des neuen Gartens dann definitiv eine» Standort zu erhalten. Eine nnangciichme Wirkung des milden WiuterS hat sich schon jetzt gezeigt, und zivar bei den Gastwirthen. Die Inhaber der Eisiverke, die unter einander ans gleich« Preise zu hallen pflegen, haben seit gestern(Dienstag)«ine Erhöhung von 10 Pf. für de» Zentner eintreten lassen. Wenn nicht die nächsten Wochen Frost dringen, so»Verden nach Ansicht der Gaftivirthe die Eispreise allmälig steigen nnd eine»vohl nie dagewesene Höhe erreichen. Obgleich die Eislieseranten in ihren Lagern auf mehrere Jahre Borralh besitzen, machen sie sich den lauen Winter zn nutze. Während der Zentner Eis im Winter SO Pf. kostet und zur Sommer- zeit aus 70 bis 80 Pf. st>:igt— nur»vähreud der Treptower Ge- »verbe-Ausstelluug kostete er für Lieferung a» Ort und Stelle draußen eine Mark—, befürchtet man für den nächsten Sommer eine Steige- rung bis zn 1,50 M. für de» Zentner Roheis. Bei der gestrige» Stadtverordiicten-Ersahtvahl im 4. Ge- vieindebezirk 2. Abtheilung ist Herr Almer geivählt worden. Er erhielt 274 Stimmen, sein Gegner Heimann 180 Stiinmen. KnltuSmiuistcrinm und elcktrischc Bah». Der Betriebs- ver»valtnng der elektrischen SIraßendahn Behrenstraße— Treptoiv ist das Umraugiren der Züge auf der Endhaltestelle in der Behren- straße untersagt worden,»veil die Beamten des KullnSministeriums durch das bei dein Anhängen der Wage» verursachte Geräusch gestört »Verden. Infolge dieser Beslimmung hat die Verwaltung in der Mauerftraße eine Weiche lege» lassen müssen nnd bei den von Treptoiv konimenden Zügen»verde» nun die Wage» an der Französischeustraße abgehängt nnd stehe» gelassen. Die»veiterfahrenden Passagiere müssen in den Motorivagen einsteigen,»vährend der Anhängcivagen auf der Strecke stehen bleibt. Der nachfolgende Zug der Straßenbahn muß dann in der Mauerftraße»varten, bis von der Behrenstraße der Gegenzng zurückkehrt und den stehengebliebenen Auhängeivagen von dem Geleise herunterschafft. Natürlich verursacht diese Einrichtung bei den Passagieren arge Mißstinimung. da durch das Rangiren in der Mauerftraße stets«in größerer Aufenthalt für die Züge ver- anlaßt»vird. Daß man in» Knltusininisterium sehr nervös ist, gehl ja aus manchen Vorkonnnnisse» der letzten Zeil hervor. A,,S Furcht vor Strafe sprang vorgestern Vormittag der Schul- knabe Fritz G. ans einen» Fenster der in, erste» Stock gelegenen elterlichen Wohnung i» der Prenzlauer Allee auf den Hof hinab, blieb jedoch völlig unverletzt. Vergiftung durch Schweine» Pökelfleisch. Im Hause Schtvedterstr. 226a»vohnt die Willwe des Bäckers Schnelle mit ihre» fünf Kindern. Sie bezieht Aruienunterslützung und erivirbt zum Unterhalt der Familie»ach Kräften hinzu. So»var sie an» Montag außerhalb des Hauses beschäftigt. Als sie 10 Uhr abends heimkehrte, halten die Kinder noch keine Speisen erhalten. Die zehn-, acht- und vierjährigen Töchter. Jobanna, Charlotte und Elise,»varen noch»vach, die beiden andere» Kinder halten das Bett bereits auf» gesucht. Die Mutier begab sich nun eiligst zu einein Schlächter in der Kremmencrstraße, kaufte dort Schiveine- Pökelfleisch«in und reichte es den Kleinen gegen den Hunger. Dann ging die Familie zur Ruhe. Einige Stunden später»vurde Frau Schnelle durch ein Verschiedenartiges Geräusch geiveckt; sie fand die drei Kinder, die von dem Fleisch genoffen hatte», mit Schaum vor dem Mund sich erbrechend vor. Gegen Morgen verschlin, werte sich der Zustand der Mädchen noch»nd nun brachte die Mutler die Kinder nach eine», Krankenhaus. Dort sind Zeichen von Vergiftung ärzt- licherseits festgestellt. Die Untersuchung ist noch nicht beendigt, so dah das Ergebniß und der»veitere Verlauf der Angelegenheit erst später berichtet»verde» können. Eine Dicbeöfainilie. Der Arbeiter N. ans der Skalitzerstraße, der vor einiger Zeit»vegen eines Vergehen? an seiner 10jährigen Stieftochter zu 3 Jahren Gefängniß verurtheilt worden ist, hat jetzt seine Ehefrau, von der er glaubt, sie habe ihn denunzirt, angezeigt. daß sie in einem Geschäft, in de», sie beschäftigt war, Maaren, und in Familie», in denen sie bediente, Kohlen»nd dergleichen gestohlen; er selbst sei ihr beim Fortschaffen der gestohlenen Sachen behilflich gewesen. Er beschuldigt sie gegen 400 derartiger Diebstähle. Begreifliche Fnrcht vor der Polizeiwache. Im amtlichen Polizeibericht ist zn lesen: illls in der Nacht znm Dienstag ein Schutzmann in der Chausseestraß« einen Mann zur Wache bringen »vollte, erklärte dieser, er»vürfe sich lieber hin. alS daß er mit dem Schutzmann znr Wache ginge. Als der Schutzmann ihn nun beim Ar», ergriff,»varf sich der Mann so heftig zu Boden, daß der Schutzmann mitgerissen wurde und mit der Stirn auf die Bord- schwelle deS Bürgerfteiges stürzt«. Der Schlttzmann trug eine be- deutende Verletzung an der Stirn davon. Ein hinzukommender z, veiter Beamter bracht« nun den Mann zur Wache, ,vo er als der Buchdrucker Robert S. ans der Chausseestraße festgestellt wurde. Gefährlicher Brand. In» Hause Jnvalidenstr. 129, gegenüber den, Stettiner Bahnhof, entstand an» Montag Abend gegen 12 Uhr in dem Zigarrenladen von F. Fitzner Feuer, das sich sehr schnell verbreitete nnd die Hausbewohner beunruhigte. Bei Ankunft der Fenerivehr»var daS Treppenhans schon verqualmt, so daß die WohnungSinsasse» im vierten Stock sich gefährdet glaubten. Di« Feuerwehrleute beruhigten die geängstigten Personen. Der Laden ist ausgebrannt. I,» Passage-Panoptikum tritt zur Zeit ein Mann auf, den die Berliner schon seit Jahren als alten Bekannten begrüße». Der Zauberer Ben Ali Bei erscheint gleich seiner Tochter Sulamith nur den Fremden als Fremdling; der Spreealhener»veiß, daß das Rüusllerpaar mit der gelungenen Unterhaltnngsgabe so gut wie nur einer in Berlin zu Hanse ist, und daß beide mit ihrem bunten Kaftan und den» übrigen orientalischen Pomp„man blos so thun". Das macht»in» aber gar nichts. Das Stündchen, das man bei Ben Ali Bei verlebt, geht»vie im Traun, dahin, und lange noch nimmt Groß und Klein sich des geheimnißvollen Hokus- pokus, durch den aufs neue die Wahrheit des alte» Wortes bekundet »vird, daß Geschivindigkeit keine Hexerei ist.— Nebe» den Leute» iin orientalischen Gewände treten die Wiener Sängerinnen auf und er- »verbcn sich durch die flotte Darstellung Suppö'scher Operetten leb- hafte» nnd wohlverdienten Beifall. Fenerbcricht. Während der letzten 24 Stunden wurde die Feuerwehr»venig in Anspruch genommen, abgesehen von einem Ladenbrande Jnvalidenstr. 129, über den an anderer Stelle berichtet ivird,»varen nur Friedrich st raße 118» nnd U f e r st r. 18»,»- bedeutende Zinnnerbrände abzulöschen nnd Fürstenbergerstr. 8 ein Bodenbrand. IsilS de»» Nachbarorte»» I» Tegel ist es de» Genossen gelungen, in dem„Linden- p a r k" des Herr» Müller, Schloßstr. 7—8, ein Versammlungslokal zu erhalten. Die Genosse»»verde» ersucht, den Wirth so viel als möglich zu unterstützen. Die Lokalkommission. Wie sehr den» Herr» v. Oppen das moralische Wohlbefinden der Arbeiter ain Heizen liegt, geht ans der nachstehenden vom 12. Februar datirten Verfügung hervor, mit der der Gastlvirth Linden- Hayn beglückt»vorden ist: Die Ihnen ertbeilte Genehmigung zur Abhaltung einer Lust- barkeit am 13. Februar 1893 ziehe ich mit Rücksicht darauf, daß für Ihr Lokal eine öffentliche Versammlung auf de» gleichen Tag angemeldet»vorden ist, hierdurch zurück. Ich stelle anheim, einen Antrag wegen Erhaltung der erhobenen Lustbarkeitssteuer zu stellen. gez. v. Oppen. Außerdem ging Herrn Lindenhayn, der seinen Saal zu einer Arbeiterversammlnng hergab, von deinselben Amtsvorsteher die Auf- forderung zn. sein Lokal am gedachten Tage um 10 Uhr abends zn schließen. Im Weigerungsfälle ist ihm eine Geldstrafe von 60 Mb angedroht»vorden. Die Praktiken des Amlsvorstehers v. Oppen sind bekanntlich vor einige» Tage» im Reichstage durch den Abgeordneten Ztlbeil entsprechend gekennzeichnet»vorden. Wegen des Ausdruckes„Apfelsinenorden" ist am Sonntag Nachmittag ein Berliner Ausflügler in Südende polizeilich festgestellt »vorden. Während er in einem Wirlhsdaus Platz genoinmen hatte, trat ein ziveiter Gast ein, dessen Brust mit der bekannten Erinnerungs- Medaille an die Hundertjahrfeier geschmückt»var. Nun siel die obige Bemerkung, dessen Zurücknahme der Dekorirte verlangte. Als dies nicht geschah, ließ der Ordensmann die Person des andern feststellen. Schwere Folgen hat ei» Raubanfall»ach sich gezogen,»velcher an» Freitag Abend zivilchen Pankow und Weißenfee veiübt»vnrde. Der Destillations-Reisende S ch ü t t begab sich an» späten Abend von Pankow ans.»vo er geschäftlich zu thun gehabt hatte, nach seiner in Neu-Weißensee belegenen Wohnung. In der Nähe seines Wohnortes»vurde Schütt von»nehreren Männern angefallen, die ans ihn einschlugen und ihm Uhr und Portemonnaie zu rauben suchten. Schult»vand sich zunächst los und versuchte die Flucht zn ergreifen, doch stürzte er gleich bei den ersten Schritten über ein« Wafferrinne. die quer über die Straße ging und in der Dunkelheit nicht sichtbar war. Die Straßen- ränber setzten darauf ihre Mißhandlungen fort und traten mit den Füßen auf Schütt herum. Als aber auf das Hilfcgeschrei des Miß- handelten Menschen herbeieilten, ergriffen die Räuber die Flucht. Schütt konnte sich nicht mehr erheben und klagte fürchterlich über Schnierzen im Bein. Er»vurde von der hinzugekommenen Hilfe nach seiner Wohnung gebracht, die Schmerzen steigerten sich aber dermaßen, daß Schütt noch in derselben Nacht nach den« Kranken- banse gebracht werden mußte. Hier»vnrde ei» doppelter Bruch des linken Oberschenkels konslatirt, von dem nicht sestzustellen ist, ob derselbe ans de» Fall oder auf die erlittenen Mißhandlungen zurück- zuführen ist.._ Sozittlv Vorsätzliche Körperverletzung nnd Betriebsunfall. Mehrere Schlächtergesellen und ein Lehrling amüsirten sich eines Tages beim Kaffeetrinken in der Stube der Meisterin über ihren Kollege» W., der Geschichten erzählt«. Sie lachten ihn»vegen der Erzählung ans nnd versetzten W. dadurch in solche Wulh, daß er nach seinem Messer griff und auf seine Zuhörer zustieß. Der Lehrling S.»vurde er- hedlich verletzt. Er beanspruchte eine Unfallrente; alle Instanzen wiese» ihn jedoch ab. Das Reichs-Versichernngsamt führte ans, es liege kein Betriebsunsall vor. Um einen solchen annehme» zu können, müsse die Verletzung derart in erkennbarem ursächlichen Zusammen- hang mit dem Beirieb stehen, daß soivohl die Veranlassung dazu wesentlich in letzteren» beruhe, als auch die verletzende Handlung sich noch als Ausfluß der Betriebsgefahr darstelle. Diese Voranssetzunge» seien hier nicht erfüllt. Geeichks Die Angelegenheiten deS englischen Korrespondenten Mr. Bashford kamen gestern in immerhin bemerkenswerlher Weise bei der Verhandlung einer Beleidigungsklage zur Sprache, die der Engländer gegen den Vertreter mehrerer Wiener Blätter, Redakteur Gustav G n g e l in a n» und den Redakteur ver„Ctaatsb. Zeitung", Dr. Otto B a ch l e r, angestrengt halte. Die Klage»vurde gestern vor dein hiesigen Schöffengericht»mler Vorsitz des Affeffors Dr. Cramer verhandelt. Mr. John Bashford ist der Vertreter des„Daily Telegraph", dessen Austreten im Haupt-Telegraphenaml s. Z. die Oeffenilichkeit lebhaft beschäftigt und zu Debatten im Reichslage nnd Erklärungen des SlaalSsekrelärS Dr. von Stephan Veranlassung gegeben hat. Bald nach jenem Vorfall erschien am 28. Jailnar v. I. in der„Staatsbürger Zeitung" ein Artikel, in welchem mitgetheilt wurde, daß Herr Bashford,„der Held des Tele- graphenamtes und der Jouriialiftentridüne" auch im Lessing-Theater ein artiges Stücklein aufgeführt habe. Bei einer Eeparalvorstellung der sranzösischen Gesellschaft Marcelle Josset sei Bashford im letzten Augenblick gekomnien tuid habe sich aus seinen Platz gesetzt. Gleich darauf sei«in anderer Journalist gekommen, der den Nachbarplatz hatte. Sämmtliche übrige» Platzinhaber dieser Reihe hätte» ihn» bereitivillig den Durchgang gestattet, nur Miner Bashford habe keine Anstallen dazu gemacht, sei sitzen geblieben und habe den anderen überlassen, nnier seinen Beinen durchzukriechen. Erst als dieser mit energischer Stimme gesagt:„Wir sind doch nicht auf dem Haupt-Telegraphenamt!" habe der Engländer mit einer herablassenden Handbewegimg de» Durchgang gestattet. Durch diesen Artikel suhlt sich Mr. Bashford beleidigt und hat nicht nur gegen Dr. Bachler, sondern mich gegen Herr» E n g e l m a n n, der zwar das Rencontre im Lessing-Theater gehabt hat, aber mit dem Artikel in der„Staatsbürger- Zeitung" in keiner Verbindung irgend»velcher Art steht, die Anklage erhoben und damit den einzige» Zeugen für den Beweis der Wahrheit beseitigt. Mr. Bashford er« klärte übrigens gestern, daß ihm von einem derartigen Rencontre im Lesfing-Theater absolut nichts bekannt fei.— Dr. Bachler versuchte »nn, durch Vorführung von Zeugen über andere Vorfälle, in denen Mr. Bashford eine Rolle gespielt, zu de- weisen, daß man sich bei diesem eine? solchen Austretens, wie es der Artikel schildere, durchaus versehen könne. Di« Journalisten B a a k e und L e d e b o u r. die auf der Journalisten- tribüne des Reichstages ihren Platz neben Bashford haben, be- kündeten, daß dieser in einer sonst unter Kollegen nicht üblichen Weise, die allgemeinen Unwillen erregte, sich nicht dazu bequemen »vollte, ihnen die Passage an seinem Stuhl vorbei und damit die Möglichkeit, ihren Platz zu erreichen, frei zu gebe«. Geheimer Raih K n a k, der über die Platzverhältniss« attf der Jonrnaiiftentribune vernommen wurde, vermocht« zur Sache selbst nichts zu bekunden. — Sehr«ingehend war die Vernehmung über Herrn Bafhford's Auftreten dem Ober-Telegraphen-Assistenlen Kaiser gegenüber. Dieser macht folgende Aussage:„An» 10. Mai 1896 kau» Mr. Bashford auf das Haupt-Telegraphenamt, gab mir ein ans mehrere» Formularen bestehendes langes Telegramm auf, sagte etivas. was ick, nicht verstehen konnte und ging gleich fort. Ich zählte die Worte des Telegramms, dann kam der Herr»vicder nnd übergab mir ein ziveites Telegramm. Als ich mich daran machte, es zu zählen,»vurde Herr B. sehr erregt nnd rief:„Was mache» Sie da?" ülnf meine Antwort, daß ich die Worte zähle, kam eine Flulh erregter Worte über mich:„Wie kommen Sie dazu, so ein wichtige-- Telegramm zu verzögern? So ei» Unsinn, so«in Blödsinn! Das ist unerhört! Das ist eine Frechheit! Sie Neuling!" Ich ließ mich trotzdem nicht stören, schließlich aber hat sich der Herr so»veit verstiege», mit einigen Formulare» a u s meine Finger z n klopfen, um mich am Zählen zu verhiuder»,»vobei er rief:„Beeilen Sie sich! Beeilen Sie sich!" Da er noch»veiter schimpfte,»vnrde schließlich der Anssichtsbenmte geholt, in dessen Gegenivart er aber noch einem anderen Beamten eiregt zurief:„Sie sind auch so ei» Neuling, der mich stört!" In Gemäßheil der Dienstvorschriften hielt ich niich sür verpflicktet. dieses Tele- gram»»,»velches de» Chaiakler eines einfachen Privattelcgramms hatte, zu zähle», umso mehr, als»vir direkt den Auftrag erhalten hatten, die Telegramme des Herr» Bashford selbst zu zählen, da dieser bei den von ihm beivirkte» Zählungen sich mehrmals— zu seine»» Schaden— geirrt und Weiterungen in der 5knssent>nchhalterei dadurch verursacht hatte. Herr B. war sehr aufgeregt. Einen» Bote» bat er gesagt: „Sie haben hier gar nichts zu thun. Wenn Sie fertig sind, dann scheren Sie sich hinaus!" Als die Sache mit dem Telegramm vorläufig abgetha» war, hat er mich noch etwa zwei Minute» lang sehr scharf fixirt. Dann nahm er sich ganz demonstrativ ein« Zigarre heraus und brannte sie sich an und als ich ibnl sagte, daß das Rauche» verboten sei. antwortete er:„Nun»vollen Sie mir auch das Rauchen verbieten? Sie rauche» auch manchmal!" Später hat er mich allerdings unl E n t s ch u l d i g u n g gebeten, aber in einer Art nnd Weise, die mich wieder kränken mußte!"— Telegr-phendireklor Ehlers glaubt nicht, daß—»vi« seinerzeit Herr v. Siephan im Reichstage erklärte— eine Vorschrift bestand, daß solche Telegramme ungezählt abgeschickt»verde» sollten. Es sei dies»nr Usus geivefe». Richtig sei es, daß infolge vorgekoinmener Jrrthiimer der AufsichtSbeamtc de» Beamten gesagt habe, daß die Telegramme des Herrn Bashford zn zählen scien. Die Abbitte des Herr» B. fei aller- dings el»vas ungewöhnlich geivesen; er sei ans dem Sopha sitzen ge- bliebe» und habe nur gesagt:„Ich habe Sie beleidigt, Herr Kaiser, ich bitte Sie um Entschuldigung." Den» Zeugen ist gleich am Tage nach den» Vmsnll miigciheill»vorden, daß Herr Bashford auch mit Formularen nach den Fingern des Herr» Kaiser hin gefuchtelt habe.—Das- selbe»vurde von den, Ober-Telegraphennssisteutcn Schott bestätigt, »'ährend Ober- Tclegraphenselrctär P e ss i e r b-kund-te, daß sich Mr. Bashford„sebr anmaßend" benommen habe, so daß er ihn »viederholt ersuche» mußte, sich beleidigender Ausdrücke z>l enthalte». Unter anderem habe er in» Gespräch gesagt: Er»väre in Rußland viel anständiger behandelt»vorden. Wenn ihn» das in London passirt»väre, dann hätte er den Beamten n» i t dem Stock geprügelt, ihn angezeigt und da»» iväre der Beamte noch bestrast»vorden.— Präs.: Das würde»» ja tolle Verhältnisse sein.— Mr. Bashford bestreitet, solche Redens- arten gemacht zu habe».— Der Präsident gab anheim, die Klage zurück zu»ehme». Nech>sa»»valt Nausnitz wollte sich aber hierzu nicht verstehen, er beantragte vielinehr die Bestrafung»vegen Verleumdung und gab anheim, noch den Redakteur der„Tägl. Rundschau". Dr. Pastenaci, zu vernehmen, welcher vor dem Schiedsmann mitgetheilt, daß Engelniann der Ge- »vährsmann des Artikels sei.— Letzterer protestirt nachdrücklichst hiergegen. Er habe weder mit der„Staatsbürger» Zeitung"»och mit dem Artikel das allergeringste zu thnw und es sei ungeheuerlich, daß er dessen uugeachlet angeklagt werde. — Dr. B a ch l e r hielt seine Freisprechung für ganz ziveisellos. Mr. Bashiord sei durch die bekannten Vorkommnisse eine öffentliche Persönlichkeit geworden»md da habe«ine Zeitung das Recht »nd die Pflicht, einen solchen Vorfall,»vie er in» Lessing» Theater vorgekoniuie», mitzuiheile», nnd den betreffenden Herrn zir charnklerisirei», denn es sei nicht einzusehen,»vie die Deutschen dazu komme» sollen, von Leuten, die bei ihnen das Gastrecht genießen, sich fo behandeln zu lassen.— Der Gerichtshof beschloß, die Cache zu trennen, Herrn Dr. Pastenaci vorzuladen, dann zunächst die Sache Engelniann zn erledigen und erst später gegen Dr. Bachler »veiter zu verhandeln. Mit einem Rechtsstreit der Grosicn Berliner Pferde- risenbahn Akticiigcsellschaft gegen den Oberpräsideuten halte sich daS O b e r- V e r w a l t n»> g s g e r i ch t zu beschäftige». Der Berliner Polizeipräsident halte der Gesellschaft aus sanitäts-, ordnungs- und sitteupolizeilichen Gründen verschiedene Auflagen ge» macht. Es sollte die Breite der Sitzplätze ihrer Pferdebahn» »vage»»in» einige Centimeter erweitert und eine Ver- Minderung der Plätze durch eine schnellere Reihenfolge der verkehrenden Wagen ausgeglichen»verde». Ferner hatte der Polizeipräsident vorgeschriebe», daß die Wagen an den Endstationen regelmäßig vom Straßenschniutz gereinigt»verde» sollten; auch sollte» Vorrichtungen getroffen werde»,»velche das Klirren der Fenster bei Kälte verhinderten. Die Forderung nach Heizvorrichiuuge» für den Wagenpark ließ der Polizeipräsident auf Veranlassung des Oberpräsidenle» fallen. Nachdem der Ober- Präsident die Beschiverde der Gesellschaft abgeiviesen hatte, klagte letztere im Verwaltnngs-Slreitverfahren. Ihr Syndikus verlangte schon ans sormalen Gründen die Aushebung der polizeilichen Verfügung. Er machte gellend, an dem Erlaß der Verfügung habe»ach dem Kleinbahngesetz die hiesige Eisenbahndirektion theilnehmen müssen,»veil zwei Linien der Großen Berliner Pferdceiseubahn-Aktieiigesellschafl elektrisch, d. h. mit Maschinenkraft betriebe»»mirden, der ganze Betrieb der Gesell- schast aber ein einheillicher sei.— Der vierte Senat des Gerichts wies die Klag« der Gesellschaft wegen Unzn lässigkeit des Verivaltnngs« streilverfahrens mit folgender Begründnng ab: Der Betrieb der Gesellschaft sei thalsächlich ein einheillicher. Da»u» zivei Linien mit Maschinenkraft betrieben»vürden, so falle der Gesa in»» l- betrieb nach§ 3 des Kleinbahngesetzes unter die Vorschriften dieses Gesetzes. Ans dessen Z 22 ergebe sich aber, daß zu der angefochtenen Verfügung das Einvernehmen der Eisenbahndirektion nothwendig geivesen»väre. Ob nun die Velfügung desivegen»»»giltig sei, weil sich der Polizeipräsident vorher nicht des Einverstniidiiisscs der Eisenbahndirektion versichert habe, brauche das Gericht nicht zu»ntersnchen, den» unbedingt durchgreifend sei Z 52 des Kleinbahnen-Gesetzes. Hiernach finde gegen solche landes- polizeilichen Bersngungen, die von der Polizei in Verbindung mit Eisenbahnbehörde» zn erlassen sind, die Beschiverde an den Minister der öffentltchen Arbeiten statt und nicht das BerivallungsslrcU- verfahren. ES keniizeichnet den beschämenden Znfland unserer Verkehrs« Verhältnisse, daß die Polizei die„Große Berliner" erst zur Erfüllung der selbstverständlichsten Verpflichtungen antreiben muß nnd daß auch dann die Direktion biS znm letzten Momente Obstruktion treibt. TaS VereinSgesetz gegen polnische Katholiken. An» 20. Juni 1897 fand IN Bochum die althergebrachte Frohnleichnams- Prozession statt, die ihre» Ausgang von der Peter- und PanlSkirche nimmt. An der Prozession belheiligte sich auch der St. Josephs- Polenverei» aus Altenbochum. Seine Mitglieder versammelten sich vorher im genannten Orte und marschirten in geschlossenein Zuge »nit flatternde»» Banner nach dem Sammelplatz in Bochum. In diesem Anmarsch znm Ausgangspunkt der Prozession erblickte die Polizei einen öffentlichen Auszug, sür den nach ß 10 des Vereins- gesetzes der Leiter»lindestens 48 Slniide» vor der Zusammenkunft die Genehmigung der Orts-Polizeibebörde nachsuchen müffe und der nur mit dieser Eriaubniß stattfinden dürfe. Da eine solche Erlaubniß nicht nachgesucht worden»var, ivurde der Vorsitzende Grzegonvski als Leiter' »nd Ordner des Aufzuges in«ine Geldstrafe genommen. G. be- antragte richterliche Entscheidung und berief sich a»s die Beftiunnnng des Z 10 des Vereinsgesetzes,»vonach kirchliche Prozessionen, Wall- und Vittgnnz«. wenn sie k» der d-vg-drochte» Art stallflnden/ einer vorherigen Genehmigung und selbst einer Anzeige nicht de» dürfen. Das Schöffengericht sprach ihn denn auch frei, dagegen vernriheilte ihn die Strafkammer ans die Berufung der Slaalsanwaltschaft. Das Landgericht führte ans: Der An- marsch des St. Joseph-Poleiwereins könne nicht als Theil der Prozession angesehen werden, wenn auch nicht zu verkennen sei, daß das geschloffcne Heranführen der Vereins- Mitglieder die Bildung der Prozession und das Eingliedern in die- selbe wesenllich erleichtert habe. Der Anmarsch habe lediglich der Vorbereitung der Prozession gedient und stellte eine» öffent- lichen Aufzug im Sinne der§§ 10 und 17 Abs. II des Vereins- vesetzeZ dar. Der Anmarsch könne auch nicht als althergebracht gelte», denn der St. Joseph-Polenverein bestehe erst seit 1391. Das Kannnergericht wies die tlimsion gegen vorstehendes Urtheil mit der Begründung zurück, daß die Ausführüngen des Vorderrichters durch- ans zulreffend seien. kurzer Zeit berichteten wir über eineu Prozeß wegen fahrlässiger Tödtung, welcher vor der vierten Slraskainmer des Landgerichts I gegen den Oderarbeiter Andreas K a z m a r e ck ver- handelt wurde. Am 3. September vorigen Jahres hatte der Angeklagte zwei Arbeiter angenommen, welche einen am Hnmboldihafe» liegende» Kohlcnkahn zu entladen halten. Einer von diesen, der Arbeiter August Pohl, erwies sich als unzuver- laisig, der Angeklagte mußte ihn wiederholt ans einer benachbarten Schaukwirthschaft Heraushole». Bei dieser Gelegenheit geriethe» sie in ilvortwechsel. Sie standen sich etwa einen Meter von der Böschung entfernt gegenüber. Pohl holte zum Schlage aus, da kam der Angeklagte ihm zuvor, indem er ihn zurückstieß. Der etwas angetrunkene Pohl stürzte hintenüber zu Boden, er schlug mit dem Hinlerkopfe aus die Kante der steinernen Böschung, rollte die letztere hinunter und fiel ins Wasser. Er wurde in betäubtem Zustande herausgezogen und ist nach einigen Tagen verstorben. Die Straf- tammer gelangte auf grund der Beweisaufnahme zu der Ansicht, daß vorsätzliche Körperverletzung mit lödtlichem Ausgange vorliege, sie erklärte sich für unzuständig und verwies die Sache an das Schwurgericht, vor welchem sie schon gestern zur Verhandlung gelangte. Der Verlheidiger, Rechtsanwalt Drucker, suchte den Beweis zu führen, daß der Angeklagte sich im Zustande der Roth- wehr befunden habe. Ans seinen Antrag begaben sich die Ge- schworenen sowie die übrigen Prozeßbetheiligten nach dem Humboldlhafen, um an Ort und Stelle eine Anschauung von der damaligen Sachlage zu gewinnen. Die Verhandlung endete mit der Freisprechung d e S An- geklagten, da die Geschworene» foivohl die Frage der vor- sätzlichen Körperverletzung wie die der fahrlässigen verneinten. Fast kein Tag ohne Schnhuianus-Rohheiten. Ans Stade. 13. Februar, wird der.Volks> Ztg." geschrieben: Als ein„recht netler" Schutzmann entpuppte sich in einer Verhandlung vor der hiesigen Strafkammer der bisherige Harburger Polizeisergeant Lucenz, der sich wegen Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges zu verantworte» hatte. Am 3. November v. I., am Jahrmarktstage, passirte ver Arbeiter Rührs in Harburg gegen 12 Uhr nachts den „Sand". Der Angeklagte, der in Zivil und dienstfrei war. tauchte plötzlich in angetrunkenem Znstande auf und verlangte unter Heranslehrung seiner amtlichen Stellung von dem harmlos seines Weges gehenden Rührs, daß er rascher gehen solle. Um seinen Worten noch mehr Nachdruck zu verleihen, ließ der Polizeibeamle seinen Stock auf de» Rücken des Rohrs verschiedene Male mit voller Wucht»icdersause». Kaum«ine Stunde nachher mißhandelte dieser würdige Gesetzes- Wächter noch zwei andere Personen durch Stöße vor die Brust und Schläge über den Kopf so, daß sie genöthigt waren, ärztliche Hilse in Anspruch zu nehmen. Der Staatsauwalt beantragte mit bezug ans die außerordentliche Rohhcit, die der Angeklagte an den Tag gelegt habe, nuter Versaguug mildernder Umstände, eine G e- s ä» g n i ß st r a f e von sechs Monaten und das Gericht erkannte demgemäß. Bei der Urtheilsbegründung hob der Vorsitzende des Gerichtshofes hervor, daß das Benehme» des Ange- klagte» geradezu roh und ungebührlich zu nennen wäre. Wo solle denn der Schutz des Publikums bleiben, wen» gerade die Polizei- beamten, die doch lediglich für Ruhe und Ordnung zu sorgen hätten. ihre Besugniffe in der gröblichsten Weise überschritten. Ein krasier Fast von Aberglaube»»nd Unwissenheit be- schäftigte gestern die 13k. Abtheilung de» Schöffengerichts. Auf der Anklagebant befand sich die des Betruges beschuldigte Witlwe Amalie H e i d s e l d, eine Frau, die sich durch Kartenlegen ernährt und deren in der Krautstraße gelegene bescheidene Wohnung von Leuten aller Klassen besucht werden soll. Die Angeklagte besaßt sich aber auch damit, abtrünnig gewordene Liebhaber oder Ehemänner wieder dem> früheren Gegenstand ihrer Liebe zurückzuführen, und welche sonderbare Mittel sie dazu anwendet, da? lehrte der Fall des Dienstmädchens Mauk, welcher gestern zur Sprache kam. Die Zeugin Maut erzählte, daß sie z» der Angeklagten gekommen sei. um sich die Karten legen zu lassen. Die Angeklagte habe dabei wie überrascht die Frage ausgeworfen:„Sie kennen gewiß eine» Herrn, der sich von Ihnen abgewendet hat?" Dies war nun allerdings der Fall. Die Zeugin hatte am Kaisers Geburtstag den flollen Ulan Stephan kennen gelernt und war in Liebe zu ihm entbrannt. Stephan halte aber nichts wieder von sich hören lassen, trotz vieler Briefe, worin die Zeugin um Fortsetzung des Verhällnisses gebeten halte. Sie erzählte der Karlenlegerin von der Geschichte.„Den wollen wir bald wieder kriege», ich habe meine Zanbermittel, die nie fehlschlagen" hatte die Angeklagte geantwortet. Und nun begann der Zauber. Das Mädchen erhielt de» Auftrag, eine weiße Taube zu kaufen und der Angeklagten zn dringen. Die Taube wurde geschlachtet, die Angeklagte briet und verzehrte sie. Nur das Herz erhielt das Mädchen mit dem Auftrage, es zu Hanse zu verbrennen und die Asche zu vergraben. Nach acht Tage» würde dann der Mann, der ihr das„gebrannte Herzeleid" angelhan habe, zu ihr zurückkehren. Das Mädchen, das der An- geklagten„für ihre Bemühungen" 2 Mark zahlen mußte, folgte der Weisung. Aber Stephan kam nicht.„Dann müsse» kiästigere Mittel angewendet werden." meinte die Angeklagte. Zunächst die Frosch- keule. Die Angeklagte zeigte dem Mädchen eine solche, und da sie von einem amerikanischen Frosch herrührte, mußte die Zeugin drei Mark dafür zahlen. Die Frosch- keule wurde verbrannt und vergraben— Stephan kam nicht. Nun hatte die Zeugin größere Opfer zu bringen. Die An- geklagte gab an, daß sie ei» Handtuch zum„Anbinden" Slephan's bedürfe, nachdem die Zeugin sich die frisch gewaschenen Hände darin abgetrocknet, daß sie ferner einen Bettüberzug verbrennen und die Kammer des Mädchens mit Ehrenpreis und G l ückswnrzeln ausräuchern müsse. Das kostete der Zeugin viel Geld, aber— Stephan kam nicht.„Dann müssen wir es mit den L i e b e s t r o p s e n der Madame Scholz in Polsdain versuchen, aber die kosten 10 M", erklärte die Angeklagte. Die Zeugin gab ihr 10 M. und erhielt dafür ein kleines Fläschche» Tropfen, die sie ein- nehmen mußte. Man konnte nicht sagen, daß dies Mittel wirkungslos war— sie würde» selbst für Slephan's Magen zu stark gewesen sein— aber er hielt sich nach wie vor fern. Die Zeugin müßte sich bei abnehmendem Mond um Mitternacht an die Spree begeben und flulhauswärls eine Kanne voll Wasser schöpfe», das sie über Brennessel gieße» mußte, aber auch diese Wasser» und Nesselkur prallte an Stephan wirkungslos ab. Nun schritt die Augeklagte zum letzten Mittel. Sie ging mit dem Mädchen»ach der Kaserne, hinter dessen Mauern der Ungetreue weilt«. Vor dem Eingange streute die„Zauberin" unter allerlei leise gemurmelten Beschivöruuge» ein iveißes Pulver— das von ihr erfundene„ T o d t e n p» I v e r". „Wenn das nicht Hilst, Hilst überhaupt nichts", meinte sie beim Fortgehen. Stephan kam nicht. Jetzt kam das cinfällige Mädchen, welches der Angeklagten nach und nach 41 M. geopfert hatte, auf den Verdacht, daß man„faulen Zauber" mit ihr getrieben habe. Sie erstaltete Anzeige. Im Termine behauptete die Angeklagte, daß sie von der Wirksamkeit ihrer„Sympathiemiltel" um so mehr über- zeugt sei, da sie dieselbe» selbst mit Erfolg gegen einen ihrer früheren Ehemänner, welcher reuig zu ihr zurück- gekehrt sei, angewendet habe. Sie berief sich auf ihre halb- taube Auswärterin darüber, daß viele Damen ihren Dank durch Geschenke zu erkennen gegeben hätten, weil die Mittel sich so glänzend bewährt hätte». Dies wurde allerdings von der Ans. Wärterin bekundet, aber auch, daß die Augeklagte sich bisweilen über die Dummheit der Menschen lustig gemacht habe. Der Staats- amvalt beantragte eine Gefängnißstrafe von sechs Monate», der Vertheidiger. Rechtsanwalt Dr. Schöps, ein niedrigeres Strafmaß. Das Urtheil lautete aus drei Monate Gefängn iß. TaS Vohwinkclcr Eiscnbahn-llngliick vor der Strafkammer in Elberfeld.(Vorbericht.) In der Nacht zum 30. August v. I. ereignete sich aus der Strecke Stecle-Elberfeld, kurz vor der Einfahrt in Bahnhof Vohwinkel, ein schweres Eisenbahn-Unglück, bei welchem drei Personen zu Tode kamen und zirka 20 Personen verletzt wurden. DieS Eisenbahn-Unglück verschuldet zu habe», ist der Stations- assistent Otto Zimmeck in Vohwinkel angeklagt. Der Sach« verhalt stellt sich folgendermaßen dar: In der Nacht zum 30. August 1897, elwa 2'/s Uhr, fuhren im Gleis III. des Bahnhofes Vohwinkel die Personenzüge 822(von Dornap ein- lausend) und 8l9(nach Dornap auslausend) aufeinander. Zur Ein- nud Ausfahrt für die Personenzüge von und nach Dornap dient bis zum Stellwerk V das Gleis III; der Betrieb ist damit eingleisig, während er von Stellwerk V zweiglessig wird. Dem durch die ört- lichen Verhältnisse bedingten eingleisigen Betriebe und der vorhandenen scharfen Kurve entsprechend, sind besondere, die Ein- und Ausfahrt angebende Sicherheilsvorkehrungcn getroffen. Das Signal aber, welches den einlaufenden Zügen angiebt, ob die Fahrt frei ist, kommt infolge der Kurve de» Führern erst sehr spät zu Gesicht, so daß sie erst unmitlelbar vor dem Eignalinast zu hallen vermögen. Ebenso steht es mit der Ausfahrt. In der Unfallnacht war der 11,23 nach Dornap fällige Zug 819 infolge des sehr starken Sounlagsverkehrs erst kurz nach 12 Uhr zur Abfahrt fertig. Um 12,8 Uhr wurde der Zug 822 von Dornap abgemeldet. Während nun Zimmeck den Zug 822 liege» lassen wollte, um erst Zug 819 ausfahren zu lassen. vergriff er sich i» den Tasten des Slellwerls, fodaß der Zug 322 freie Einfahrt erhielt. DI« Situation war nun derart, daß beide (Ausfahrt und Einfahrt) Signale aus Freie Fahrt standen, während beide die Weiterfahrt regelnden Signale aus Hall standen. Da aber die letzteren beiden Zeichen wegen der Kurve erst spät zu sehen waren, so näherte» sich die Züge derart, daß ein recht- zeitiges Halten nicht mehr»nöglich war, und fuhren auf einander. Der Angeklagte bestreitet feine Schuld; er behauptet, die Tasten richtig berührt zu haben, und er sieht die Ursache der trotz>ein eingetretenen falschen Wirkung in einer Berührung der dem elektrischen Strom dienenden, die Signale mit dem Stellwerk verbindenden Drähte. Solche Drahtverschlingungen hätten schon häufig falsche Aufträge veranlaßt. Die Anklage nimmt aber nach Lage der Dinge an, daß eine solche Verschlingung nicht statt- gesunden haben kann, weil dann die beiden für die einfahrenden Züge bestimmte» Signale gleich hätten stehen müssen, während thatsächlich ja eines ans freie Fahrt und das nächste auf Halt stand. Besonders interessant dürfte die Darlegung der Vohwinkeler Bahn- Hossverhältnisse werde», die den modernen Ansprüche» nicht genügen. VevJÄmtttfnttgetr. Ter Zweigt'crein Berlin dcS Verbandes deutscher Bar- bier-, Friseur-«nd Perriickcninacher-Grhilfen tagte am 10. d. M. im Restaurant Schiller, Rosenthalerstraße 57. Zunächst wurden die Anträge verhandelt, die der Zweigverein auf dem am 13.— 14. März in Magdeburg stattfindenden Bezirkstage für Norddeutschland stellen wird. Als Delegirte nach Magdeburg wurden hierauf Starosso» und S i m s o n gewählt. Die Holz-«nd Bretterträgcr beschlossen in ihrer letzten Mit- gliederversammlung. de» Märzgefallenen einen Kranz zu widmen. Am Sonntag, den 7. März, soll im Englischen Garten eine öffent- liche Agitationsversanunlung abgehalten und hierzu ein Flugblatt verbreitet werden. Die Modell- und Favriktischler hielten am Sonntag, den 13. d. M.. eine öffentliche Versammlung ab, in der N ä t h e r über die lange Arbeitszeit»nd wie ist dieselbe zn verkürze», reserirte. Redner beleuchtete an der Hand eines reichen Materials die in den hiesigen Fabriken herrschenden Zustände. Vielfach seien die Arbeiter selbst schuld a» den üblichen Ueberftunde», sie drängten sich häufig danach. Er rielh, Werkstatt-Versanunlunge» abzuhalten und durch eine Kommission mit den Direktionen in Unterhandlung zu treten. Vor allem sei es nvihwendig, daß sich die Fabriklischler alle ihrer Organisation, dem Holzarbciter-Verbande. anschließen. Eine Reso- lution im Sinne des Referats fand einstimmige Annahme. A> d«»»,r-St>»»,>a»m,,>l«. Jnselllr.>o, v. e Tr. U» Urrich IS t ur s- in Viede-Uebung(Ucdct den Aufbau der Rede, Besprechung voNSwlrlhschasl-, llcher und anderer Einndfrage») Montags, Dr. Conrad Schmidt! In R a tt an n l ä t an ont te(Die wirihschafttiche Eniwickelung: Großbetrieb»nd, Handwerk; Karleltwesen, ArbeilSmarkl und ArbeilsnachwetS; die Aufgaben der Eew-iklchafien) Mittwochs. SchiisM-ll-r Richard«alwer! in G c f ch t ch t e, Hella»»nd Rom) strettag«. Dr. A. Bertha ld.— Die Blbliolhek ist a» diese» Abenden 00» S-S Uhr geöffnet.— MttgliedSbetlrag monatlich A Pf..«»rfuS(m Abende) I M. pro Fach. Thelluehmer werden aus- genomnie» in der Schule»nd in folgenden Stelle»; Gallfr. Schulz, Admiral- flraße ioa; Reul, Barittmslr. 13; Schiller, Moseitthalerstr.»7; Vl«l»ert, Mull erst, aß e 7», u. i» den Sou»lagL> Versammlung e». Borslhender: Paul M ü rl e ir.» so. Monte» lfrlstr.>3»! Kasstrer: H. KöntgS. s. Diesseubachstr. so. Lai>d»>i»»»ischaft der pchleowig- Kolstriner. Heute Abend Sil Uhr Zusammenkunft tu G. Feuersteines Festsälen, Alte Jakobftr. 75. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet bis zun« 8. März am Montag. Donnerstag und Sonnabend abends von 7 Ve bis 8'/- Uhr statt. Abonnent in Greifswald. Wenn Sie nicht ganz sicher sind, tilei iraks durch Arbeitslosigkeit:c. verhindert zu seilt, regelmäßig Ihre Beiträge zn zahlen, würden mir Ihnen von der Bersichernng abratheu. S.(9. Markgrasenstr. st2, 11. W. M. Im neunzehnten Jahrhundert. H. G., Kulmstr. London. M. R. Wohnt Rathenowerstr. 1. Sprechstunde von 0—11 Uhr. R. M. 81. Solche Freistellen sind vorhanden. Wenden Sie sich an den Rektor der Vemeindeschule. Den Werth der im Prospekt gegebenen Versprechung«» vermögeil wir nicht zu benrthetlen. Barderea»: Liste, Ans- stelluiig. Hier ist Rhodus, hier springe; hier ist Gelegenheit, deine Worth wahr zu machen. Hypochonder t ein Schwermüthiger. BgllternngSIibrrfichl vom 1.?. Februar 1898, 8 Uhr morgens. Wetter-Prognose für Mittivoch, IS. Febrnar 1898. Ziemlich warm, zeitweise heiler, vielfach wollig mit Regenfällen und mäßigen westlichen Winden; nachher etwas kühler. Berliner W e t t e r b n r e a u. Versand-Abteilung Berlin VJ., ' Leipzigerstr. 132123., j•tsy Mittwoch, Poooerjtig, F reitig Oamen�Wäsche Taghemdeo, Hm"dsÄh Pri"enform 1>30 wk. � �~ � Beinkleider sSei 1,40, 1,95 Mk. AdueitchiuM 1,40 Mk. V&vn\XUV9 �achtjacken.„KL 1,30, mÄcL 2 Mk. ""? Hemd u. Beinkleid,.. �.., � >» Rs«S" 1,75 m. Renforcä mit � Mk. Stlckerei-Volant RSHc0ker«hit �.«l-elrlu-- 2,30 Mk. Rtnforcä mit Stickerei-Ein-«. Ansät; und Banddurchzug (Hemd Mk. 4,-, Beinkleid 8,90) zusammen 7,90 Mk. Schirtingröcke,»" Ä"" 2,95«• 4,15™. Herren-Hemden i 50 aus Hemdentuch mit Falten' Mk. Für 1 Deckbett, ca. 130/200 cm gros« Für f Kissen, ca. 84/84 cm gross Renforc� 85 Pf« Dimiti 1,05 Mk. I�enforcö 3 Mk. Dimiii 3,40 Mk. Fertige Bettläken,*utef �z225 cm 1?°« 1,85 Mk. Warenhaus AWcrtheim y den Inhalt der Inserat uberniiniiit die Redaktion dem Publiknin gegenüber keinerlei Bernniwortung. Tlzrstkov. Mittwoch, den 16. Februar. Tchanspiclhans. Der Bibliothekar. Ansang 7V- Uhr. Deutsches. Johannes. Ans. 71/2 Uhr. Lessing. Das grobe Hemd. Ansang 7-/2 Uhr. Berliner. Ein Wintermiirchen. Anfang 71/2 Uhr. Residenz. Sein Trick. Anfang 7-/z Uhr. Rene». Die Schildkröte. Anfang 7-/z Uhr. Ostend. Unter der Polarsonne. An- fang 8 Uhr. Goethe. Der Hiittenbesitzer. Anfang 7'/- Uhr. Schiller. Hans Wurst in Berlin. Anfang 8 Uhr. Unter den Linde». Fatinitza. An- fang 7-/2 Uhr- Thalia. Das neue Ghetto. Anfang 7'/- Uhr. Central. Die Tugendfalle. Anfang 7V- Uhr. Luise». Auf goldenem Boden. An- sang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmstiidlisches. Die kleinen Bagabirnden. Anfang 8 Uhr. Bellc-Alliance. Das Käthchen von Heilbronn. Anfang 8 Uhr. Alexniiderplah. Verlorene Mädchen. Anfang 8 Uhr. Urania. Xanlienftraste 48— Iii). Naturknudl. Ausstellung v. 10 Uhr vormittags ab. Abends 8 Uhr Wissenschaftl. Theater. Jnvalidenstrasje 57'/«2. Täglich (außer Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wissenschaftliche Borträge. American. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Ans. 7� Uhr. Reichshallcn. Spezialitäten. An- fang VU Uhr. Feen-Palast. Spezialitäten. Passage- Panoptikum. Wiener Tanz- und Operetten-Gesellschaft. Szsz i ll e T lz e r (Wallner-Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Hans Wurst in Berlin. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Tugcndwächter. Das Versprechen hinterm Herd. Freitag, abends 8 Uhr: Hans Wurst in Berlin. Ostettd-Theater. Gr. Franksnrlerslr.IZL. Dir. C. Weist. Zum 1. Male: Unter der Polarsonne. Aktuelles AnsstattungSstiick mit Gesaug und Tanz in 5 Bildern von Sondermann und Bischof. Gesangstexte von I. Dill. Musik von Cornelius Schüler. Regie: Jos. Dill. I. Bild: Die geheimnißvolle Abfahrt. L.Bild: Die Katastrophe. 8. Bild: Am Nordpol. 4. Bild: Die schwimmende Insel oder: Lebendig begraben, ö. Bild: Uever's Jahr. Im Tunnel vor und nach der Vor- slelluug: Frei-Konzert. Ansang 7 Uhr. Donnerstag und Sonntag: Unter der Polarsonne. Sonntag Nach- mittag, kleine Preise: Der Pfarrer von Slirchfcld. Luisen-Theater 34. Neichenbcrgerstraste 34. Abends 8 Uhr: Wohlthätigkeits- Borftellung rum Bsoten des Vereins der Schulfreunde. Auf goldenem Doden. Bolköstück mit Gesang in 5 Bildem von W. Frerking. Musik v. G. Steffens. SSW Donnerstag, 17. Februar, abends 71/. Uhr: Zum Besten des Nationaldanks für Veteranen (54. Lokal-Kommissariat) unter dem Protektorat Sr. Mas. des Kaisers und Sr. Kgl. Höh. des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen. Gs» lsl Ise stA l» en d 1. Theater- Vorstellung. Jubel- Ouvertüre von Carl Maria v. Weber. Prolog der Bermanla vom Niederwald. Monsieur Herkules. Sonntags- jiiger oder: Berplefft. DaS Fest der Handwerker. 2. In den vereinigten Gesamint- räumen des Luisen-Theaters: äpy Ballfest.'9Ü Ein Faschlngsmarkt In Fliegenwalde. Central-Theater Alle Jarobstk. 30. Direklton Itichai-d IScIinltz. Mittwoch, den 16. Febrliar 1898; Biiill Thonias a. G. Zum 26. Male: Die Tugeitdfalle. Burleske Posse iuit Gesang und Tanz mit Benutzung eines sranz. Sujets von Jul. Freund und W. Mannstädt. Musik von Jul. Einödshoser. Ansang V28 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Die TnAe«dfalle. V. Noack's Theater Iti'iinncn-Sli'aftse Kt. Jeden Sonntag. Dienstag und Donnerstag: Theater-Vorstellttng. Ihre Tamilie. Volksstück mit Gesang in 3 Akten von Stinde und Engels. Musik von Michaelis. Nach der Vorstellung: trsircknanzecheii.> Urania Tanbenstr. 48/40. Naturkundliche Ausstellung. Täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ah. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr. — Wissenschaftliches Theater.— Invalidensf r. IVo.»7— KÄ. Täglich abends 7 Uhr: — Ausstellungs- Saal und Vorträge,— Näheres die Tagesanschläge. Passase-Panopticum. Im Theatersaal; Bey, der orientalische Magier und die 8 lustigen Wienerinnen. Gastan's � Panopticnm. Friedrichstr. 165. Imllsch- liindiiNta- nische Gaukler — und— Schlange n- ICcetchnürer. BÄRENWEIB. fgeichshallen- Theater. Leipzigerstrasse 77, Der grösste Triumph der Saison! Pawell's Pantomime: Ein ruhiges Zimmer zu ¥ermiethen! worüber sich jeder vor Lachen schüttelt. Ausserdem 30 KunstkrSfte! Anfang �8 Uhr. Entree 50 Pf. Im RcichNhallcn-Tunnel: Kwei neue Kapellen. Heute: 3. Uockbier-Fest. Stangenklettern, humor. Roulette. na Qnarg's bh Vaudeville-Theater Grand-Hotel Alexanderplast. WW Lcstter Monat"TOS des Gastspiels der l. Original- Iludapester. Heute znm letzten Male: Das Mode«. Morgen Donnerstag, 17. Februar: Vremieren-Ahend. Jolkl Geiger. DerBeheme. 4.v'l»! Sonnabend, 13. Febr., bleibt dasVaudeville-Theater Keseblvssien. Dafür Gast-] spiel im Rclchshallcn- Theater. Heues Olympla-KX; (Circus Renz.) Karlstrasse. ItolosHy Kli-alfy's Konstantinopel. Grösste Sensation Berlins. WW Xen!-im Im 3. Bild:„Alt- Wien" Neue humorist. Spezialitäten- Revue.— Auftreten der The jolly british girls. Sensationell! Im letzten Bilde: Constantinope Feuer- n. Flamme« tanz, ausgeführt nicht von einer Person, sond. vom gesammten Ballot-Personal. ca. 1000 Mitwirkende, Anf. 8 Uhr. Sonntags 2Vorst. Nachm. 1 Kind frei. Am Sonnabend, den 19. d. M.: I. gr. Masken-Ball. (Ein Blumenfest In Nizza.) Bestellungen auf Billets werden von heute ab im Bureau angenommen. Entree 8 M.— Damenkarte 3 M. "hau"4' Sanssouci Kottbnser Straste Nr. 4a. Beute wie jeden Mittwoch: Hamhuci-cr 8änger Steidl, Böhmer, Wllh. Wolff etc. Zuin Schluß: Caf6 Brctael, Humor. Ensemble von WilH. Wolff. Jedesmal neues Programm. Ans. 8 Uhr. Ent. 30 Ps.Res. PI. 50 Pf. Partoutkarten sind giltig. Volks-Theater Im �elt-Kestanrant 97. D r e s t> e n e r-S t r a st e S7. Neu! Großer Beifall! Neu! Die heilige Vehme. Operetten- Burleske in 2 Akten von Oskar Victor N 0 e d e r.— Ferner: 3 BmdwiLter Montez, Miniatur-Sängerinnen u.Tänzermnc». Im vorderen Saale: Ipiei' Sängep Alois Ebnen. Ultkilttl»' Sonntags 6 Uhr. Alillliils. Wochentags 7'/, Uhr. Naedr's'rdeater vi-,>iilc»-8tca8«c S4. Täglich!-Mg Theater n. Spezialitäten. Novität! Kolossaler Erfolg! vis Nadel- nnd Radelraadel. Volksstück mit Gesang von Eugen Predx. Musik v Otto Tleke. Nitflittli» Wochentags 8 Uhr. 2lll(llll||. Sonntags 6 Uhr. Preise der Plätze wie gewöhnlich. I Kaufmann's Variete! Heute Hittwoch Doppel-Premieren-Abend im Budapester Possen- und Operetten-Theater Kanfnianu's Variete Direktion: Gebriitler Herrnfeid. SSW I Novität:' dm Ton Dreien der Glficklichste. Schwank von Gebr. Hermfeld. Hauptrollen: Donat und Anton Hermfeld. USP"" II. Novität: 9(4 Zum ersten Mal Im Taridtd. Hauptrollen: Anton und Donat Hermfeld. iMorgen: Dieselbe Vorstellung Anfang präz, 8 Uhr. n Kaufmann's Variete PS Apollo-Theater. Friedrichstr. 218. Dir. 3. Glück. Granto n. Mand. Les Senett's, Lift Fuhr The Milons Mr. Arvey und 30 hervorragende Künstler. Kasseneröffinung 6V2, Anf. 7 r/z Uhr. | Feen-Pala st LS UnrgHtr. LS. Neu! William u. Merry. JameHon- Belly-'l'ruppe. Dazu das glänzende Vrkruur- Programm. Richard Winkler». Wilhelm Fröbel in der einzig dastehenden Operette Das radelnde Berlin Anfang 7e/z Uhr, Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. bis 1,50 M. Am 28. Februar: Letzte Bor- stellung.Sämmtl. ausgegebenen Ehren-, Frei- u. Vorzugskarten haben nur noch bis zum 28. d. Mts. Giltigkeit.— Sonuabend, den 19. Februar: Geschlossen. Loveertdaus I.«Ipsiix«ri»tr.�io. 48 mr Täglich:-*5 lloffmann's Quartett und Humorlsitcn. Sonnabend, 19. Februar: DM- Halircst-Tm des Prinzen Karneval darsiellend die Landung dcrtWqA IZsutlsoiioa 1» I41aot««:iiau arrangirk vom Txll Eulensplegel. Dienstag, den 23. Februar: Fastnaohts- Soiree mit Ball. Hierzu sind Billets im Verein junger Kaufleute, Beuthstraße; Kausm. Hilfs- vcrein Scydelstraße sowie im Verein der Handl.-Kommis, Hamburg 1850, Krausenstraße, zu habe». Olrens Ilnsel» (IlaiinIioF liiir««). Mittwoch, den 1«. Februar 18S8, abends 71/., Uhr: Grande Soiree equestre. 8 Ungarn mit ihren unübertrefflichen Vollblut-Spriiigpferdcn. Unter and.: a) Vollblut-Wallach„Sei pst", Sprung über eine 7 Fuß hohe Barriere mit Reiter, b) Der berühmte Sandor- sprnng über 8 große Pferde. In der Tanzstunde, große Quadrille, geritten in Kostümen der friederizianischen Zeit. Die vorzüglichste» Freincitsdressuren des Dir. Busch. Auftreten des aus- gezeichneten Schulreiters Hm. Foottit- Barghardt. Die großartigen Künstler Geschwister Lorch mit ihren ikarischen Spielen zu Pferde. Gr. Reiterinnen- Potpourri. Außerdem Auftreten aller neu engagirten Künstler. Zaragoxa, Orig.-Manege- Schaustück des Circus Busch. Besonders hervorzuheben: Die weiblichen Fanfarenbläser. Der Sturz von der 60 Fuß hohen Brücke ins Wasser. Der pompöse grüne Akt. Morgen 7l/z Uhr: Elite-Abend. Maurer. » Donnerstag, den 17. Februar er., abends 8 Uhr, im Lokal Bismarckshöhe, Wilmersdorferstraße Nr. SS: Krosse öffentliche Versammlung der Maurer Charlottenba 8. Tages-Ordnting: 1. Wie stellen wir uns als Maurer Charlottenburgs gegenüber den letzten Vor- gängen in den öffentlichen Versammlungen der Maurer Berlins? 2. Diskussion. 3. Eventuelle Ergänzungswahl der Lohnkomnlission. 131/8___ Der Bertrauensmann: Wllh. Schulze, Deutscher Holzarbeiter-Verband. Mittwoch, den (Zahlstelle Berlin.) 16. Februar 1898,''"" abends'S1/« Uhr, bei Cohn, Beuthstraste Nr. 20/81: Vertraitensmättner-Bersammlung für sämmtliche Bezirke und Branchen. Tagesordnung: Die Strafrechtspflege mit besonderer Bcriicksichtigung der KZ 152 und 153 der Gewerbe-Ordnung. Referent: Rechtsanwalt Dr. Heinemann. Werkstattstreiks und Differenzen. Verbandsangelegenheiten.— Jede Werk- statt maß vertreten sein. ! Manrer Rixdorfs mib Donnerstag, 17. Februar, abends 8 Uhr, bei Herr» I-nukner (Hoffmanu'S Festsälel. Bcrgstr. 151- 158): Große offeulllche Versammlung der Maurer. Tagesordnung: 1. Können die Interesse» der Rixdorfer und Britzer Maurer uitker den jetzigen VerhälNtiffen von Berlin intensiv mitvertreten werden? 2. Stellungnahme zur Lohnbewegung im Jahre 1893. 3. Ge- werkschaftlickies. 131/9 Kollegen! Diese so wichtige Tagesordnung muß Euch veranlassen, voll- zählig zu erscheinen. Der Vertmnensmnnn. Aclitüng! Friedrichsfelde. AcMung! Sonntag, dc« 80. Februar, mittags 18V- Uhr, bei Herr« Duke, Prinzen-Allee 30: Große Bolls-Bersammlimg. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Genossen Znbell über: Die politische Lage. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 222/5 IM- Zur Deckung der Unkosten wird ein Entree von 10 Pf. erhoben. Der'Vertrnuenmnunn. Schöneberg. Donnerstag, den 17. Februar 1898, abends 8 Uhr, im Saale der »Schlost-Brauerei«, Hanptstr. 118: AsdeöWtl.Vl>lksversllWlW für Männer nnd Franen. Tages-Ordnung: 1. Das Züchtigungsrecht in de« Schulen. Ref.: Herr Dr. Schlltt«. Bericht der Partejspedition. Wahl der Revisoren. 3. Bericht des Wahl- nitees. 202/9 Der Einberufer. 2. komitees. ilcazar-Theater. Dresdenerstraße 52/53(City-Passage) Annenstraße 42/43. Direktion: Richard Winkler. Vornehmster Familien- Aufenthalt. Uten! Zum 1. Male: Neu! Das Blumengretel aus Nieder-Schönhanse«. Posse mit Ges. und Tanz in 1 Akt. Vorher: Durchs Schlüsselloch. Posse mit Gesang in 1 Akt. Auftreten sämmtlicher Kunst-Spezialitäten. Unkaiia. Wochentags 8 Uhr. MsUItß. Sonntags O'/zUhr. Entrce 30 Pf. Reservirt. Platz 50 Pf. Vorzugskarten haben Giltigkeit. Drts-Iirnnkenknsse xu Berlin. Siebente Abänderung zu dem Statut der Ortskrankcukaffe snr das Goldschmiedegewerbe zu Berlin vom 3. Mai 1803. Artikel L § 58 dieses Statuts wird, wie folgt, abgeändert: § 58. Die Rechnuugs- und Kaffenführung wird unter Beobachtung der Vor- schriften des Krankenversicherungs-Ge- setzes der von der höheren Verwaltungs- behörde anf gnmd des§ 41 Absatz 2 daselbst erlassenen Anordnungen und der Bestimmungen dieses Statuts, sowie nach Maßgabe der vom Vor- stände und der Generalversammlung gefaßten Beschlüsse von einem Ren- danten und den erforderlichen Bureau- beamten wahrgenommen, welche vom Vorstande unter Vorbehalt einer dreimonatlichen Kündigung für den Rendanten und einer vierzehntägigen Kündigung für die Bureaubeamten angestellt werden. Die Gehälter der Beamten werden von der General- Versammlung festgestellt. Die Kautionen bestimmt der Vorstand. Artikel II. Vorstehende Abänderung tritt mit dem Montage nach statutenmäßig er- folgter Bekanntmachung in kraft. Berlin, den 28. November 1897. Der Vorstand dar Ortskrankenkasse für das Goldschmiede-Gewerbe zu Berlin. E. Davids Häuser, H. Staiger, Vorsitzeuder. Schriftführer. Zu 3. Nr. 8714. Gew. II. 98. Vorstehende Abänderung wird hier- durch genehmigt.(71/6 Berlin, den 26. Januar 1898, (L. S.) ztr Der Bezirks- Ausschuß gez. Kayser. j. Nr. 224. Oeffentliche Volksversammlung Mittwoch, den 16. Februar, abends 8V2 Uhr, in den„Arminhallen", Kommandantenstr. 20. Der nationalsoziale Reichstags- Kandidat für Berlin I, Lithograph Dlsekendürrer spricht über: „Recht und Zreihett." Freie Aussprache. Männer und Frauen ladet ein Der uationalsoziale Vertrauens- mann. 340b UnteMKullgsvereilt der Filiale Berlin. Sonnabend, den 1». Februar: Versammlung in Feind's Salon, Weinstraße 11. Beginn punlt 9 Uhr. Das Erscheinen sämmtlicher Mit- glieder ist unbedingt erforderlich. 99/3 Der Vorstand. zmlvllgs-Krallktukllffe der Mschler-Znuung. General- Versammlung am Mittwoch, den 23. Februar, abends 7l/z Uhr, Andreasstr. 21, im großen Saale. Tages-Ordnung: 1. Abnahme der Jahresrechnung pro 1897. 335b 2. Wahl von vier Vorstands- Mitgliedern. Das Quittungsbuch lcgitimirt. Um recht pünktliches Erscheinen wird ersucht. Der Vorstand. llaed der Inventur Großer Ansverkanf » Gardinen und Resten älterer Muster in weiß nnd creme, zu 1—4 Fenstern passend, spottbillig in dem Gardinenfabrik-Lager von Urumo Oütlier, Berlin O., Grüner Weg Nr. 80 part., Eiug. vom Flut(kein Laden). Neuheiten treffen täglich ein. Proben nach außerhalb portofrei. Dttsllel» von 7 Uhr morgens bis 6 Uhr abends: Verkinls frisch gek. schlv. pnls. mlb fiiln. Fleisches. Rindfleisch.... pro Pfd. von 30 Pf an, Schweinefleisch..„„40 Pf.(4041L* Vemaltnng der Koclianstalt Stadt. Sdilaclitliof R Zenit alvereind Bildhauer Tentschlands. Am Montag, den 14. Februar 1898, verstarb nach längerem, schwerem Leiden unser Mitglied, der Holzbildhauer ?anj Runert im 43. Lebensjahre. Ein ehrendes Andenken be- wahrt ihm die Verwaltungs- stelle Berlin. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 17. Febr. 1898, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Zwölf Apostel-Kirchhofes mSchöncberg bei der Südring-Station Ebers- straße aus statt. Um zahlreiche Betheiligung bittet Der Vorstand. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Verwandten die traurige Mittheilung, daß uns unsere liebe Frida am Montag, den 14. d. Mts., vor- mittags IV/, Uhr, im 11. Lebensjahre durch den Tod entrissen wurde. Um stille Theilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen Ferdinand Ewald nebst Familie, Schönleinstr. 6. Die Beerdigung findet am Donners- tag Nachmittag 4 Uhr von der Leichen- halle des Freireligiösen Kirchhofes aus statt. Todes-Anzeige. Am 13. d. M. verschied nach kurzem, schwerem Leiden unser alter Kollege, der Kartonarbeiter Gotttiold Heinrich. Die Beerdigmtg findet Donners- tag, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Jungstr. 49(Frie- drichsberg) aus statt. Um rege Betheiligung bitten 341b Die Kollegen von Ed. lacobsobn. Für die am Grabe meines lieben Mannes, unseres Vaters u. Schwagers erwiesene letzte Ehre sagen wir de» Mitgliedern des 6. Berliner Reichs- tags-Wahlkreises,desZentralverb u l a und Genossen: Ist der Stantsregierung bekannt, daß in den östlichen Pro- vinzeu— speziell in Schlesien— sowohl bei Klein- als Groß- gruudbesitzer» ein derartiger Mangel au ständigen Di-nstboteu und landivirlhschastlichen Arbeitern vorhanden ist, daß die Landwirthe nicht mehr im stände sind, rechtzeitig und rationell ihre Felder zu bestellen und abzuernten? Auf welche Weise gedenkt die Regierung diesen llebelständen abzuhelfen, so- fern die Zulassung russischer und österreichischer Dienst« und Arbeitskräfte— nach wie vor— nicht den Bedürfnissen ent- sprechend gestattet wird? Unlerstaatssekretär Sterneberg erklärt, daß die Angelegenheit gegenwärtig noch Gegenstand der Erwägung im Schöße der Regie- rnng und ein Beschluß noch nicht gefaßt sei. Die Minister des Innern und der Landwirihschaft seien durch dringende dienstliche Geschäfte am Erscheine» gehindert. Sobald die Regierung sich schlüssig gemacht, werde sie den Tag bestimme», an welchem sie zur Beaniivortung bereit sei. Es folgt die erste Lesung der Vorlage betr. die Erhöhung des Grundkapitals der preußischen Zentral-Genossenschaftskasse von 29 aus 59 Millionen. Aug. Lückhoff([vi.) findet die Forderung der Vorlage be- rechligt. Abg. Graw(Z.) lobt die günstigen Erfolge der Genofsenschafls- kasse und wünscht namentlich eine Fortsetzung der Organisation des Geiiossenschaftskredits im Anschluß an die Kasse. Abg. Dr. Sattler(ntl.) ivünscht eine möglichst eingehende Prüfung des Geschästsversahrens der Kasse, deren nützliche Wirkung er anerkennt; der Kasse sei es zu danken, daß die ivirthschaftliche Krisis in weiten Kreisen so leicht überwunden worden sei. Immer- hi» empfehle es sich für die Genossenschaften, bei ihren Kredit- gewährungen die nöthige Vorsicht nicht außer acht zu lassen. Die Erfolge der Kasse hätten sich so segensreich erwiesen, daß feine Freunde nölhigenfalls bereit sein rvürden, das Betriebskapital auch auf 199 Mlllioilen zu erhöhen, denn der günstige Einfluß auf das allgemeine Kreditwesen zeige sich namentlich in der Gruiidllng neusr Genossenschaften. Freilich müsse man auch prüfen, ob nicht auch eine ungesunde Kreditciltwickelung zu fürchten und wie derselben vorzubeugen sei. Abg. v. Föckelberg(k.): Unsere an die Kaste geknüpften Hoffnungen sind insofern erfüllt, als den Produzente» die Möglich- ieit, Kredit zu bekommen, erleichtert ist; das gilt namentlich auch für Handwerker. Abg.Richter ffrs.Vp.): Bedenklich muß doch die plötzliche Steigerung, erst von 5 auf 29 Millionen, jetzt aus 59 Millionen mache». Auf die Zahl der Mitglieder der Genossenschasten kommt es nicht an, sondern auf die Bedeutung der Sache sür de» Bankverkehr. Die Bedeutung der Kasse aber hat sich seit der Gründung völlig geändert. Bei der Gründung sollte die neue Kasse nur die freigeivordene» Gelder an sich ziehen und zu diesem Zwecke, glaubte man, würde ein kleines Betriebskapital genügen. Die Kasse ist ans einem Geschäft- ein Wohlthätigkeits- Institut geworden, aus dem man zu einem unnatürlich niedrigen Zinsfuß das Geld heraus- pumpt. Nicht unbedenklich ist die starke einseitige I,»- anspruchnahme der Kasse durch landwirthschaftliche Genossen- schasten. Man wundert sich, daß Handwerker den Kredit der Kaste nicht in Anspruch nehme». Das erklärt sich aber sehr einfach, die Handwerker konkurriren gegeneinander mehr als die Landwirthe und wollen deshalb nicht ihrem Kon- kurrenten Einblick in ihre Kreditverbältniffe gestatten. Daher ihre Abneigung gegen Genossenschaften. Für den Kredit zur Bestreitung vorübergehender Bedürfnisse wird stets ein höherer Zins genommen, auch bei den landschaftlichen Darlehnskassen, warum nicht auch bei den Genossenschasten? Allerdings giebt der Kassenbericht keine Auskunft über die für Betriebszwecke und über die zur Deckung vorübergehender Bedürfnisse aufgewendeten Summen. Heute giebt die Kasse die Mittel für Zuckerfabriken und Molkerei- betrieben, auch sür Kornhausgenossenschaften. Wenn die Kornhäuser aus Staatsmitteln für die Genossenschaften gegründet werden, so ist dagegen nichts zu sagen; aber Getreidespeknlation soll man doch nur aus Privatmitteln treiben. Infolge der Gründung der Zentral-Genossenschasts- Kasse hat sich eine Treibhauskultur ent- nuckelt, die allmälig ihre nachlheilige» Wirkungen auch gegen die Kasse selbst wieder zur Geltung bringt. Durch die Gewährung billiger Darlehen wird auch die Dividende der Genossenschasten heradgedrückt und die Lust zur Belheiligung unterdrückt. Die Wanderredner erzielen nur Augenblickserfolge; eine große Anzahl von neue» Genossenschaften weisen nur ein Ver- mögen von wenigen Mark, einige sogar nur von wenigen Pfennigen nach.(Heiterkeit.) Diese Gründungen, denen der genossenschastliche Sinn fehlt, sind vom Uebel, und es muß weit gekommen sein, wenn der Landwirthschaftsminister sich genöthigt sieht, vor dem Treiben einzelner Genossenschaften zu warne». Die Schulze-Delitzsch'schen Genossenschaften haben in einem Jahre sechzehn mal soviel Kredit gewährt, als die Zentralkasse in zwei Jahren. Bon den Schulze-Delitzsch'schen Kassen wurde an 445 999 Landwirthe, die ihr angehören, in einem Jahre 1,1 Milliarde Kredit gewährt.(Hört, hört!) Also 19 mal so viel, als die Zentralkasse in zwei Jahren gewährt hat. Und solchen Er- folgen gegenüber pflanzt man ungesunde Triebe auf eine» gesunden Baum, ans de» wir stolz zu sein berechtigt waren.(Sehr richtig! links.) Heute verlangen bereits die kleinen Händler und Gewerbe- treibende» denselben billigen Kredit, wie er de» Landwirthe» gewährt wird. Den Arbeiter» versprach Lassalle ebenfalls Staatshilfe mit einigen 199 999 999 Mark. Diese Lehre ist verschollen. Nun bringt der Finauzminister»ene Pläne, die aber seinem früheren Prinzip„beuge vor" nicht entsprechen, auf die vielmehr das„arbeite vor" paßt. Darum bitte ich Sie: lehnen Sie die Vorlage ab! (Bravo links.) Regierungskonimissar Geh. Rath Hadcustciu betont das Be- durfniß für die Zentralkasse. Die Schulze-Delitzsch'schen Kassen wurden von de» Bauer» nicht benutzt, ihre Zinsen waren zu hoch, ihre Umschlagssrisien zu kurz. Daraus erklärte es sich, daß sie auch von Landwirlhen nicht in Anspruch genommen werden konnte», und wo das geschah, erhielten die Landwirthe nicht den gewünschten Kredit. Erst in neuerer Zeit und unter dein Einflüsse der Zentralkasse» habe» die Schulze« Delitzsch'schen Kasten ihren Zins herabgesetzt. Es ist gerade ei» Hauptverdienst der Zentralkasse, daß sie de» Austausch des Geldes und des Kredites bewirkt, und den Ueberschuß sofort unterzubringen in der Lage ist. Es ist immer in Preußen Grundsatz gewesen, daß schivere 5kalaniitäten unter Zuhilfenahme von Staatsmittel» gehoben werden. Die Verhält- »isse der Zentralkasse sind durchaus gesunde, und es ist un- zutreffend, von einein Auspumpe» der Kasse zu reden. Kornhaus- Genossenschaften werden nicht zum Zwecke der Korn- spekulation gegründet; wo das geschähe, würden sie keinen Kredit finden. Von den 49 Genossenschasten aber, die heute bestehen, ist keine derartige Klage laut geivordcn.(Sehr richtig!) Regierungskonimissar Geh. Rath Hermes: Die von dem Abg. Richter erwähnte Verfügung des Landivirthschastsministers ist ledig- lich ein Waruungssignal. Besorgnisse bezüglich der Sicherheit dek Kasse sind ganz unbegründet.„.. �..... Abg v. Woyna(frk.): Der Grundgedanke der Richter scheu Rede war falsch; seine Einzeleiiuvendungen mag die Konimission prüfen. Der Bauer hat ein gewisses Mißtrauen gegen Handiverker und Kaufleute; er sürchtet von ihnen übers Ohr gehauen zu werden und tritt deshalb auch ihren Genvssenschnslen nicht bei, vou denen doch nicht zu leugnen ist, daß sie viel zu hohe Ziuse» nehnien. Abg. Frhr. v. Hucne(Z): Die Festsetzung des Zinsfußes der Zentralkasse ist nicht von dem Standpunkte des Verkehrs, sondern von dem Standpunkte des Bedürfnisses ans erfolgt. Mit wechselnden» Zinsfüße kann der kleine Handwerker nicht arbeiten; er würde als Pnsscr zwischen den beständig ivechseliide» Zinsfüßen stehen. Die großen Ziffern der Schnlze-Delitzsch'sche» Kassen ergeben sich aus den kurzen Kreditfristen; mau muß die großen Ziffern oft mit 5 oder 6 dividire», wen» man die wahre Höhe des umgesetzten Kapitals finden will. Redner geht dann näher ans einzelne über die Genossenschast verbreitete falsche Nachrichten ein und bittet, die Vorwürfe gegen die Zentralkasse in der Kommission zu prüfen; es werde sich ergebe», daß diese Vorwürfe jeder Begründung ent« behren. Minister v. Miquel: Man kann dem Abg. Richter für serne Anregungen nur daukbar sein, sie geben eine llieihe werthvollcr statistischer Gesichtspunkte. Daß der Staat Helsen inuß, ist sür die Zentralkasse eine abgemachte Sache; ist das Prinzip einmal anerkannt, so ergeben sich die Folgen für die Vorlage von selbst, es kann sich nur fragen, ist die Erhöhung des Betriebskapitals »öthig oder nicht. Die Schulze-Delitzsch'schen Genossenschaften haben Großes geleistet; aber für die Landwirthe eignete» sie sich nicht. Für diese sind die Genossenschaslen neuerer Organisation ein Bedürfniß, von denen auch die Handiverker Nutzen haben. Es handelt sich hier ganz einfach darum, ob Sie dem vorhandenen Bedürfniß genügen, oder ans der vorhandenen Einrichtung einen erstarrenden Torso machen wollen.(Sehr richtig! rechts.) Allgeinei» zu kritisiren ist nicht schwer; vielleicht tritt Herr Richter t» die Komiiiission ein, um dort seine Behauplunge» an den vorliegenden Thalsache» zu prüfe». Wenn Landwirlhe und kleine Haudwerker durch hohe Zinsen bedrückt werde», so muß der Staat hetsen; er- kann am ehesten sei» Geld riskireu, obwohl ernstlich keine Gefahr vorliegt. In dieser Weise wird die Kasse hoffentlich ihre Anfgabo erfüllen.(Beifall rechts.) Abg. Richter würde gern der Kommisston beiwohnen, wenn nur nicht gleichzeitig so viele Vorlage» der Regierung hier und im Reichstage zu bekämpfe»»väreu. Die Zahlen der Schulze-Delitzsch'schen Genosseuschafteu ergebe» jedenfalls, daß das Kredit- Bedürfniß der Landwirlhe bei weiten» nicht befriedigt wird durch die i» der Zentralkasse organisirte» landivirlhschastliche» Genossenschasten. Die Kasse ist in» Laufe der Zeit etwas ganz anderes geworden, als sie anfänglich sein sollte; das übersieht der Minister, iveun er fordert, man solle das anfänglich anerkannte Prinzip durchführe». � Regierungskonimissar Geh. Rath Haveiistei» legt ziffernmäßig dar, daß die Vergleichung des Geschäftsumsatzes der Schulze- Delitzsch'schen Kassen mit dn» der Zentralkasse nicht maßgebend sei wegen der kurzen Umschlagfristen der Genossenschaften. Damit schließt die Berathung. Die Vorlage geht a» die Bndgetkouunission. Morgen(Mittivoch) 1 Uhr: Anträge Weyerbusch(srk.) und Mies(Z.) betr. Aeiidmmg des Kommnnalsteuer- Gesetzes; ferner Antrag G a in p(srk.) betr. Sonntagsruhe und Antrag Herold(Z.) betr. die Ilebernahme der Kosten der thierärztlichc» Untersuchungen aus den Staat. Der Präsident kündigt, wenn die Geschäste des Hauses den schleppenden Fortgang beibehalten, Abendsitzungen an. r x.x;v XX: XXX.-XX"'XX ,..X� X*" x;x:�vX XV Hamburger Engros-Lager st-.f Ct.c/a/idcri&Gj. 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