Nr. 34 30. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Die Frau und ihr Haus Die Gleichheit erscheint wöchentlich Preis: Viertelfährlich 3,60 Mart Inserate: Die 5 gespaltene Nonpareillezeile 1,50 Mart ,. bet Wiederholungen Rabatt Krieg? Berlin 21. August 1920 1 Zuschriften find zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 5 Fernsprecher: Amt Morigplatz 147 40 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Allgemeinen Gewerkschaftsbundes, der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, der Unabhängigen Sozialdemokratie und der Kommunistischen Partei vom.8. August wurde der ganzen Welt fundgetan, daß in dieser Frage alle Unterschiede der Meinungen schweigen, daß der Wille zuur Frie. den einheitlich ist. B.S. Wieder hängen Kriegswolfen drohend über uns. Noch zittert in uns allen das furchtbare Erleben des letzten Krieges nach. Noch sind die Wunden frisch, die er uns schlug. Die Last des Friedens, der für uns diesen verlorenen Krieg abschloß, drückt uns zu Boden auf lange Jahre. Die Moral Und dieser Wille darf nicht schwankend werden. Ganz beder ganzen Menschheit hat einen Tiefstand erreicht, wie nie sonders müssen die Frauen sich klar zu den Dingen stellen. zuvor. Jahrzehnte hingebendster Arbeit auf allen Gebieten Wir werden feine alte Last durch einen neuen Krieg los. find erforderlich, um einigermaßen den angerichteten Es gibt viele, die glauben, wenn wir jetzt den Kampf mit äußerlichen und innerlichen Schaden wieder gutzumachen. Rußland gegen die Volen und Franzosen aufnehmen wiirUnd troß alledem stehen wir vor einem neuen Weltkrieg.den, dann fämen wir los aus den Fesseln des Versailler VerDie Atmosphäre ist mit Explosivstoff geladen, ein Funke fann trages, dann würden die abgetretenen Gebiete wieder deutsch ihn zur Entzündung bringen und dann sind wir verloren. die Steuerlasten leichter werden. Und es gibt andere, die Deutschland würde Kriegsschauplatz werden. Was das heißt, alles Heil, alle Befreiung von der Einführung der russischen wissen die Genoffen am besten, welche die Verwüstungen in Räteregierung in Deutschland erwarten und aus dem Grunds Frankreich und Rußland miterlebten. möchten, daß wir für Rußland in den Krieg gehen. Auch bei ihnen kommt der Wunsch aus dem Gefühl, unerträgliche Lasten abzuschütteln. Die eine Meinung ist so töricht und falsch wie die andere. Beide vergessen, daß alle unsere gegenwärtige Not ihre Ursache in dem überstandenen Kriege hat und daß jeder neue Krieg uns nur tiefer in das Elend führen könnte. Unser Land würde verwüstet, wir als Volf vernichtet werden. Es besteht wenig Hoffnung, daß der blutige Konflikt zivi schen Rußland und Polen lokalisiert bleibt. Die Mächte der Entente, vor allem Frankreich, wollen die Selbständigkeit Bolens unter allen Umständen aufrechterhalten. Da aber ohne ihre Hilfe Polen unterliegen wird, so werden sie eingreifen, werden versuchen, mit allen Mitteln den ficgreichen Feldzug Rußlands aufzuhalten. Die Ententestaaten, welche den Berjailler Gewaltfrieden gegen Deutschland abgeschlossen baben, müssen jetzt auf dieser Straße brutaler Gewalt weiter, wenn sie den Vertrag aufrechterhalten wollen. Würde die Machtstellung Bolens im Osten vernichtet, würde sich zwischen Deutschland und Rußland nicht dieses Bollwerk befinden, dann fiele der Versailler Friedensvertrag in sich zusammen. Regierte in Frankreich an Stelle blindwütigen Hasses der Verstand die Köpfe, dann würde man ehrlich und stark den Weg der bisherigen Politik verlassen und den wirklich n Frieden mit Deutschland anbahnen. Das würde die Sicherung des Weltfriedens bedeuten. Leider fehlt jede Aussicht auf die Einkehr der Vernunft in Frankreich. Dort regiert Mars die Stunde. Biel besinnlicher und ruhiger ist die Stimmung in Eng land. England möchte zweifellos das Schlinimste verhüten, obwohl es am wenigsten zu verlieren hat. Es ist aber nicht anzunehmen, daß es jein Bündnis mit Frankreich scheitern laffen würde; also auch die Hoffnung auf England zur Verhütung des neuen Weltfrieges bleibt gering. 4 Die Polen im Osten, die Franzosen im Westen haben eine Politik der Unterdrüdung und Gewalt getrieben, die es sicher den Bewohnern jener Gebiete und damit der deutschen Regierung nicht leicht macht, die Neutralität aufrechtzuerhalten. und dennoch muß es geschehen. Wir haben das Mittel des Streiks, der Verweigerung jeder Arbeitsleistung, wenn die Entente Deutschland zwingen will, die Durchfuhr von Munition, Kriegsgerät und Truppen für Polen zu dulden. Hiervon wird und soll im gegebenen Augenblick Gebrauch gemacht werden. Jeder bewaffnete Widerstand aber wäre Wahnsinn, weil er nicht durchgeführt werden kann, aber imsere Seimat zum Kriegsschauplatz machen würde. Alle Opfer, welche wir mit unserer Striegspolitik, unsere Männer, Söhne und Brüder mit ihrem Leben und ihrer Gesundheit, wir alle mit dem Friedensvertrag gebracht haben, wären dann vergeblich gewesen, weil alles doch nur den einen Sinn hatte: den Krieg nicht auf deutsche Erde zu tragen. Gerade weil wir fühlen, was das französische Volf gelitten hat, weil wir erleben, welch Aber damit ist es nicht genug, Genossinnen. Wollen wir, unverföhnlicher nationalistischer Haß auf solchem zerstörten Eine Macht nur gibt es, die die Menschheit vor den Boden wächst, darum wollen wir das Leyte verhüten. In Schrecken der Vernichtung bewahren kann. Das ist der unserem und im Interesse der gesamten Menschheit müssen Friedenswille der Arbeiterschaft in Deutsch und wollen wir neutral bleiben. land und den Ententeländern. Die englischen Arbeiter scheinen nach den letzten Meldungen fest entschlossen, daß der Krieg für immer unmöglich wird, daß wirklich Friede teme Hilfe für Bolen zu leisten, sondern alles zu tun, daß einfehrt und nicht fortwährend drohendes Unheil den Mender Krieg ohne jede Einmischung, allein zwischen Rußland schen alle Freude vergällt, der Jugend die Lust am Aufund Bolen ausgetragen wird. erklärt, daß es für uns nichts wirklichung des Sozialismin 3. einzusehen. Nur anderes gibt als die Wahrung strittester Neutra wärtsstreben ninunt, dann haben wir alle Kraft für die Ber er kann die gequälte Menschheit erlösen. Der großen völfer lität. Durch einen gemeinsamen Aufruf des Deutscher versöhnenden Idee des Sozialismus gilt es immer nene 274 Die Gleichheit Scharen zuzuführen. Das heißt: für den Frieden arbeiten und den Krieg bekämpfen. Hierfür wollen wir Kampfgenossinnen werben, jeder an seinem Plazz. Nicht Tränine geftalten eine neue Welt, sondern die Tat, die aus heiliger Sehnsucht geboren ward. Mit Blut, o Männer Itillt das Blut man nicht. Es willen alle, die im Kampf ergrauten, Wie gleich dem Samen, der die Scholle bricht, Aus blutgetränktem Erdreich zum Gefechte Zwiefältig auferitehn die finftern Mächte! Laßt uns der Völker Jammer einmal enden, Und ſtaft zu rächen unferes Feindes Tat, Laßt uns fein herz zu befl'rer Einlicht wenden, Ein heil'ges Bündnis knüpfte Staat an Staat. Das Reich des ew'gen Friedens laßt uns schaffen, Die Welt bezwingen mit der Liebe Waffen! J. v. Widmann Der Weg zum Volksstaat Von Carl Diesel ( Fortlegung) Nr. 34 nen möglich war; es war die Möglichkeit gegeben, in den ersten Tagen der Revolution bereits die Geister in bestimmte Richtungen zu weisen, aber da fiel auch schon wieder der Schleier und die alte Politik der Lüge, der qualvollen Undie Politik, die Völker gewißheit begann aufs neue, zur Verzweiflung bringen muß. ( Fortsetzung folgt) Die Internationale des Geistes Von Roja Schwann Schneider. Treitschte und Bernhardi wurden so oft als Vertreter des nationalen oder besser nationalistischen Deutschland genannt und aitiert, daß man in Versuchung fommt, zu glauben, in Deutschland feien immer nur nationale Gedanken und Jdeale vertreten worden. Es ist daher wichtig, auf jene Geiftesgrößen deutscher Zunge Hinzuweisen, die den Gedanken des Internationalismus, der Weltverbrüderung vertraten. Solche Aussprüche sind uns zu meist mit Abficht vorenthalten worden. Beginnen wir mit Ierauder von Humboldt aur. Rassenfrage. Er sagt: Indem wir die Einheit des Menschengeschlechtes behaupten, widerstreben wir auch jeder unerfreu lichen Annahme von höheren und niederen Menschenrassen. Alle Boltsstämme find gleich zur Freiheit bestimmt. Das Höchste ift die Jdee der Menschlichkeit, das Bestreben, die Grenzen einseitiger Ansichten aller Art aufzuheben und die gesamte Menschheit als einen großen Stomm zu betrachten." n Herder läßt in seiner Epistel:„ Der deutsche National ruhm" fragen: Shakespeare, Homer und Ossian und Raphael find doch wohl Nationalruhm?" Und die Antwort lautet: ,, Mit nichten! Dem Menschengeift gehören sie und nicht der Nation." Und in feinen Briefen zur Förderung der Humanität jagt er: Der ländererobernde Heldengeist ist ein Würgengel der Menschheit und der Krieg ein unmenschliches, mehr als tierisches Beginnen. Alle edlen Menschen sollten diese Gesinnung mit warmem Menschengefühl ausbreiten, Väter und Mütter ihre Gr. jahrungen darüber den Kindern einflößen, damit das fürchterliche Wert: Krieg, das man so leicht ausspricht, den Menschen verhaßt werde." An diesem Punkte steht das, offizielle Frankreich der Gegenwart, und seine großen Chauvinisten fun, wie die Chauvinisten eines jeden Landes, kraftvoll das ihre, um den Ruhm la gloire- Frankreichs durch leberspannung aller Begriffe und Mittel lächerlich und unmöglich zur machen. Aber schon ist allem Anschein nach ein neuer, wahrhaftigerer Ruhm im Aufstieg, wie ich bereits andeutete; eine von innen her wirkende Krise ist im Anzuge, die sich unter glücklichen Umständen zu einer unerhörten Revolution des Geistes auswachsen kann und deren Wirkungsgebiet schwerlich Frankreich allein umfassen wird. Wie lose oder wie innig sich der Zufammenhang mit der politischen Umwälzung gestalten wird, das zu mutmaßen fann unterbleiben, und ebenso spielt es im Augenblid keine Rolle, zu erfahren, wodurch die Auslösung hervorgerufen wird und von welcher Seite aus überhaupt die eigentliche Anregung und Förderung zu positiver Tat erfolgt. Deutschland, noch erstarrt und im Banne der Hypnose einer geist- und seelenlosen Regierung, der es sich als foirtschaft lich und technisch ungeniein rasch fortschreitendes Bolf nnr allzuwillig unterordnete, Deutschland, noch in einem zu stande der Haltlosigkeit des Schwankens, des Nichtbegreifenkönnens und der Gleichgültigkeit, Deutschland, noch belastet mit den Trümmern eines Systems, das ohnehin zum größten Teil erst in der äußeren Form überwunden worden ist, es befißt noch nicht genügend geistig- seelische Geltungskraft, um derartig auf Hohl zum ewigen Frieden":„ Wenn es Pflicht, wenn zugleich gegrün heit, Banalität, Noheit und Dünfel gegründete Machtfaktoren zu stürzen, ihnen mächtige Wirkungen entgegenzustellen, die der inneren Geschlossenheit und dem heiligen Wollen seiner Seele entströmen. Wer an die Zeit zurücdenkt, da der Waffenstillstand zuftande tam, wird sich erinnern, daß nach Annahme der Bedingungen durch Deutschland, ebenso auch nach Annahme der Friedensbedingungen auf feiten der Entente Deutschland gegenüber mit geradezu erschreckender Ehrlichkeit gearbeitet wurde. Jeder Tag offeübarte Renes, jede Stunde enthüllte Kriegsziele und geheime Abmachungen, die bisher streng geheimgehalten worden waren und jetzt im lebermaß des Rausches frohlockend verkündet wurden. Und fast läßt es sich auf den Tag bestimmen, da wieder die diploma tische Geheimschieberei eingriff. Wenn auch diese Art der „ Ehrlichkeit" gewisse Grenzen nicht überschritt, wenn uns durch sie auch Dinge bekannt wurden, die zu unserem Wollen und Hoffen und zu unseren Idealen in einem unfagbar träffen Gegensatz standen, so kann doch gejagt werden, daß sie wohltuend wirkte, wohltuend nach einer Zeit der gehäuften Lüge, des bergehoch getürmten Schwindels. Man hatte dank dieser„ Ehrlichkeit" Faktoren, mit denen ein bestimmtes RechSchopenhauer fagt über den Nationalismus:„ Die wohlfeilste Art des Stolzes ist der Nationalstolz, denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greisen würde, was er mit vielen Millionen teilt. Wer bedentende persönliche Vorzüge besigt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig bor Augen hat, am deut lichsten erkennen. Aber jeder erpärmiiche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein fönnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er angehört, stolz zu sein." Spricht, sich dieser-temperamentvollste deutsche Philosoph auf diese Weise scharf und sarkastisch aus, so schreibt sein Gegenpol an Temperament,& ant, in seiner ruhigen, sachlichen Weise dete Hoffnung vorhanden ist, den Zustand eines öffentlichen Rechis, obgleich nur in einer ins Unendliche fortschreitenden Annäherung wirklich zu machen, so ist der ewige Friede, der auf die bisher fälscheich so genannten Friedensschlüsse( eigentlich Waffenstillstände) folgt, feine leere Jdee, sondern eine Aufgabe, die nach und nach ausgelöst, ihrem Ziele beständig näherkommt." Und Goethe jagt einmal:„ Und wer franget oder britet, italienert per teutschet, einer will nur wie der andere, was die Eigenliebe heischet." Nun mögen einige Stimmen aus dem Auslande folgen. Der Engländer Norman Angell fragt in jeinem berühmten Buch: Die große Täuschung: Ist es nicht kindisch und primitiv, jich eine Kraft nur in der Gestalt abgefeuerter Kanonen oder vom Stapel gelaffener Dreadnoughts vorzustellen? Kraft ist in der Tai der Meister, aber es ist die Straft der Intelligenz, des Charakters und der Vernunft. Die Menschenrassen lieben Sol daten, gerade wie wir als Knaben Räuber und Piraten gern hatten, und viele von uns bleiben ihr ganzes Leben Knaben. Aber so sicher ist auch die Zeit gekommen, daß wir einsehen müffen, daß so wie wir einsehen lernen, daß wir feine Piraten werden können, Wenn der Staat sich als militärische Macht fortgesetzt erhalten will, jo geht er unter, wenn er blüht und seinen Teil des Weltgetriebes auf sich nimmt, dann läßt er das Militärwesen fahren." wir dem Soldatentum entivachsen- sind. Nr. 34 Die Gleich beit Unter den Russen ist es vor allem Tolstoi, der für die Friedensidee eintritt. In seiner Schrift:„ Besinnet Euch" sagt er: Jeder solle sich nach seiner Bestimmung fragen: der Soldat, dem man eingeschärft hat, Menschen zu töten, der Minister, der es für seine Pflicht hält zum Striege vorzubereiten, der Journalist, der zum Kriege aufreizt, und jeder Mensch. Und wenn das Staatsoberhaupt nicht mehr den Krieg anordnen, der Soldat aufhören wird, Krieg zu führen, der Minister, die Mittel zum Kriege borzubereiten, der Journalist, zu ihm aufzureizen, wird auch ohne alle neuen Inftitutionen, ohne Schiedsgerichte, ganz von selbst diese, boffnungslose Lage aufhören, in die sich die Menschen selbst gebracht haben." Tolstoj glaubt somit an die Kraft der ethischen und religiösen Jdee zur Verwirklichung des dauernden Friedens. Der größte Russe neben Tolstoj, Dostojewsky, fagt in seiner leidenschaftlichen Liebe für das russische Volk:„ Das russische Wolf hat sich gezwungen und gewöhnt, die Europäer zu lieben, als wären es seine Brüder. Es ist unser Bedürfnis, der ganzen Menschheit zu dienen, zuweilen sogar zum Nachteil der eigenen wichtigsten und natürlichsten Interessen. Das ist unsere Aussöhnung mit ihren Kulturen, unser Begreifen und Verzeihen ihrer Jdeale, selbst wenn sie sich mit den unsrigen nicht vertragen. - Bei den anderen Völkern lebt jede nationale Persönlichkeit einzig für sich und in fich, wir aber werden, wenn unsere Beit tommit, gerade damit beginnen, daß wir die Diener aller werden, um der allgemeinen Versöhnung willen. Dies ist durchaus nicht schmählich für uns, im Gegenteil, das ist unsere Größe, denn es führt zur endgültigen Vereinigung der Menschheit. Aus dem Often fagt er wird das neue Wort an die Welt ausgehen, wird dem Sozialismus entgegenziehen und von neuem die europäische Menschheit erlösen." Diese Worte, vor einigen Jahrzehnten geschrieben, sind uns heute besonders interessant, doppelt, weil Dostojewsky ein leidenschaftlicher Feind jener Richtung war, die heute Trozky und Lenin vertreten. Buin Schluß seien noch die Worte eines französischen Gelehrten, Pasteur, wiedergegeben. Er sagte bei der Eröffnung seines berühmten Institutes: Der. Kampf scheint zwei diver gierenden Gefeßen zu folgen: das Gejezz des Blutes und Todes, das alle netten Berstörungsmittel bringt, und die Menschen zwingt, fich ununterbrochen zur Arbeit auf dem Schlachtfelde bereit zu halten, und das Gesetz des Friedens, der Arbeit, des Heils, die Menschen von allen Uebeln zu befreien. Das erste spricht nur * Feuilleton Ableits Es iſt ſo ſtill; die ɓaide liegt Im warmen Mittagsfonnenftrable, Ein rofenroter Schimmer fliegt Um ihre alten Gräbermale; Die Kräuter blühen; der бaideduft Steigt in die blaue Sommerluft. Laufkäfer haften durchs Gefträuch In ihrem goldnen Panzerröckchen, Die Bienen hängen Zweig um Zweig Sich an der Edelhaide Glöckchen; Die Vögel fchwirren aus dem Kraut Die Luft ist voller Lerchenlaut. Ein halbverfallen niedrig haus Steht einfam hier und fonnbefchienen; Der Kätner lehnt zur Tür hinaus Behaglich blinzelnd nach den Bienen; Sein Junge auf dem Stein davor Schnitzt Pfeifen fich aus Kälberrohr. Kaum zittert durch die Mittagsrub Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten; Dem Alten fällt die Wimper zu, Er träumt von feinen Honigernten. - Kein Klang der aufgeregten Zeit Drang noch in diefe Einfamkeit. * Storm. 275 von blutigen Eroberungen, das andere freibt dazu, den Menschen zu Hilfe zu kommen; das letztere schätzt das menschliche Leben höher als alle Siege; das andere. opfert 100 000 Menschenlebent dem Ehrgeiz eines einzelnen." Diese fleine Sammlung von Aussprüchen ließe sich noch be liebig vermehren. Es wäre an der Zeit, daß endlich der Jugend Ansichten dieser Art vorgeführt würden, an Stelle der einseitigen nationalen Ueberhebung, wie es auch heute leider noch geschieht. An Stelle von Haß und Nachsucht muß Verständnis und Liebe für das Ideal der Menschheit in die Kindergemüter gepflanzt wer den, damit sie als Erwachsene unfähig sind, einem anderen Menschen das Schwert in den Leib zu bohren. Fortbildungsschulen für minderbefähigte Mädchen Bon Henni Lehmann Göttingen. Bei Gelegenheit der Reichsschulfonferenz ist ziemlich allgemein als zweckmäßig für die Schüler das System anerfannt worden, das die Schüler nach drei Richtungen hin gliedert. Neben den Hauptklassen für die Durchschnittsbefähigten werden Förderklassen geschaffen für Hochbegabte und Hilfsklassen, oder wie man sie sonst bezeichnen will, für Minderbefähigte. Es ist nicht davon die Rede gewesen, wie man dies System über den Nahmen der Volksschule hinaus weiter. führen will in der Fortbildungsschule, deren Besuch bis zum vollendeten 18. Lebensjahre nach der Verfassung sich an die Volksschulen anschließen soll. Nach den Zeitungsberichten zu urteilen ist überhaupt die Frage der Fortbildungsschulen auf der Reichsschulfonferenz etwas stiefmütterlich behandelt wor den, leider, denn sie ist gerade für die Ausbildung der Mädchen, für die wir bisher allgemein feine obligatorische Fortbildungsschule haben, von besonderer Wichtigkeit. Auf die Frage der Mädchenfortbildungsschule im ganzen, für die man wesentlich drei Schulformen ins Auge gefaßt hatte, die faufmännische, die gewerbliche und die Hauswirtschaftliche Fortbildungsschule, will ich hier nicht eingehen. Hinweisen möchte ich auf den meines Wissens bisher gar nicht beachteten Unter dem Birkenbaum Warmes Sommerlicht spielte über feine Zweige. Junges Grün floß brünstig an ihnen herab. Schneeweiß lockte der Stamm aus dem Boden empor. Wir saßen unter dem Birkenbaum, Und da sah ich dich. Du warst ja nicht bei uns. Warst in der grauen Stadt daheim ge. blieben. Saßest sicher am Fenster, den Kopf fein zurüdgelehnt und schautest in die Wolfen, die deine silbernen Träumedavon trugen. Auch mir wob sie die Nacht in die Seele. Unb jetzt war es am Tage. Aus milchweißem Morgen stiegen wie heraus, ihm entgegen. Und Visionen auf Visionen, nicht mit Worten zu halten, eilten mir zu. Ich saß am Stamme der Birke; den Kopf zurüdgelehnt, die Hände gefaltet. Und träumte. Jch, der Junge! Sah bich träumend in den Reihen diefer gefrönten Jugend, die um uns ihren lebensvollen Reigen aufführte. Sah zum Horizont. Da neigte fich mir die junge 8ukunft entgegen wie eine gütige Fee und füßte mich. Und es war dein A. F. Mund. Der Hellseher Eine Erzählung von Wilhelm Lennemann ( Schluß) er Bauer nickte. Bald darauf umfing ihn wieder die tiefe D Stille des sommerlichen Mittags. Seine Augen durchdrangen Balfen und Stein, sie flogen wie Vögel über den Hof und die Aecker und Felder, sie sogen den Duft und den Glanz des Sommers ein und freuten sich der Erntefülle. Und seine Seele lauschte in die Stille und vernahm ein Raunen aus Weiten und Weltfernen. Der Bauer lag ganz still, alle Tore seiner Seele wapen aufgetan, und die Wunder der Stille flossen ein und füllten sie mit geheimem Wissen. Und da wußte er, daß seine Seele sich lösen wollte vom Körper, daß er sterben mußte. Der Bauer erschrat ni ht; er war sterbensbereit. 276 Die Gleich beit Umstand, daß neben diesen Hauptformen oder etwaigen anderen Normalformen dringend zu wünschen ist, daß gleich zeitig an die Errichtung von Fortbildungsschulen für minderbefähigte Mädchen herangetreten wird. Die Grundzüge für solche Schulen festzustellen wäre es schon jetzt an der Zeit. Es handelt sich da wesentlich um schwächbefähigte Mädchen, die schlecht dem normalen Schulgang zu folgen vermögen, andererseits aber doch geistig nicht so weit von der Norm abweichen, daß ihre Unterbringung in geschloffenen Anstalten fich als notwendig erweist. Die Bahl dieser Mädchen ist nicht so ganz gering. Heut, da wir eine allgemeine Pflichtfort bildungsschule für Mädchen noch nicht haben, bleiben für sie nur zwei Möglichkeiten, durch die sie Anschluß an zwei größere Kreise von Jugendlichen und dadurch Halt und Förderung gewinnen fönnten. Die eine Möglichkeit ergeben die sich felbft frei berwaltenden und erziehenden Jugendvereinigungen, wie sie insbesondere unsere Arbeiterjugend darstellt, die andere ist der Anschluß an Jugendpflegeorganisationen alten Stils, Vereinigungen der staatlichen Jugendpflege, Jungfrauenvereine usw. Beide Arten von Vereinigungen werden aber naturgemäß von den schwachbefähigten Mädchen wenig aufgesucht. Der selbstverantwortlichen Arbeit in den Arbeiterjugendvereinen sind sie nicht gewachsen. In den anderen Jugendvereinen fühlen sie sich bei allerlei Gelegen heiten unbehaglich zwischen den geistig reicheren Mädchen, werden auch manchmal von diesen die Jugend ist mit leidslos nicht freundlich behandelt. Se verfizzen sie ihre Zeit im Elternhaus oder üben vielleicht eine geringwertige und schlecht entlohnte Berufstätigkeit aus, für die ihre Fähigfeiten ausreichen. Sie haben meist neben der minder geiftigen Befähigung auch verminderte Lebenstüchtigkeit und eine geringe Charakterfestigkeit und Widerstandsfähigkeit. So gleiten viele von ihnen abwärts und gehen körperlich und seelisch zugrunde: Professor Neißer in Breslau, der berühmte Spezialist, hatte früher einmal eine Statistik aufgestellt, der zufolge 33 Proz. der Prostituierten sogenannte mbezille" d. h. Schwachbefähigte waren. Das gibt zu denken. Die meisten War er seinem Geschlechte zu nichts nuß gewesen, so wollte er wenigstens einen ehrenvollen Abschlußstrich unter ihn machen. Aber dann dachte er auf einmal an den Hof... der stand und blieb und die Stürme und Zeiten fausten über ihn hin, und die Städter famen auf einen Sonntagnachmittag herüber und refelten fich langweilig durch das Haus. Ihre Blicke allein entweihten schon die heilige Stätte seiner Väter; und dann zündete gar.. Ein Bild flog hoch und schreckte den Bauer. Konnte der Hof nicht mit ihm sterben! Das Geschlecht Lüders war dahin. Drei Jahrhunderte hatte er ihm gedient. Er war todesreif wie feine Herren. Ein großer Entschluß stand gebieterisch in dem Alten auf. Er Troch aus dem Wandbett heraus und zwang sich in die notwen digen Kleider: leise und langsamt schritt er durch das Flett auf die Diele. Eine große innere Kraft hielt ihn hoch und trieb thr vorwärts. Er löste die Tiere von den Ketten, er stieß die Stalllüren auf; er machte den Hofhund frei, und dann schritt er feitlich an dem Hause entlang, wo das Strohdach bis. auf Manneshöhe herabreichte. Die Glut des Erntemonats brütete in dem dürrén Geflecht. Scheu sah sich der Bauer um. Dann griff er in die Tasche. Ein Strich, ein Funke blizte auf und verfing sich im Stroh. Der Bauer stand und sah verloren auf das tnisternde, hüpfende Fünklein. Dann trat er zurüd und ging in den Garten. Und eine Flamme tanzte hurtig am Dache entlang, fie wühlte sich in das verfilzte Strohgeflecht, fie fraß gierig rote Bahnen in, das Dach; schon sprang sie behende an der Giebelverschalung bis zum Dachfirst empor: Allenthalben ledten die roten Zungen, fie spielten über dem wirbelnden Rauch, der die eine Dachfläche einhüllte; und dann plötzlich mit einem dumpfen Knall fiel das rote Feuer auf das breite maffige Dach und hüllte es in ein wütendes wogendes Meer von Flammen. Heuer! Feuer!" Die Bauern rannten von den Aeckern herbei, einige beherzte Männer sprangen in das Haus. Die Tiere liesen ihnen brüllend Nr. 34 dieser armen Mädchen kommen zur Prostitution sehr früh, in den ersten Jahren nach der Schulentlassung, in denen ihre Urteilsreife noch eine außerordentlich geringe ist. Später diesen Beruf wieder aufzugeben, das erfordert eine Charakter. stärke, welche die Mädchen kaum je befizen. Gelänge es aber, ihnen einen Anhalt zu geben in diesen ersten so besonders gefährdeten Jahren nach der Schulentlassung, sie insbeson dere auch ihren Kräften entsprechend berufstüchtig zu machen, dann würde wohl eine ganze Zahl von ihnen vor jenem entwürdigenden Beruf bewahrt bleiben, der die Frau zwingt, sich selber zur Verkaufswäre zu machen. Und es sind soft ausnahmslos Töchter des Proletariats, die diese Ware bilden, vielfach auch gerade Mädchen vom Lande, die in die Städte gekommen sind. Deshalb hat an dieser Frage auch das Land ein besonderes Interesse. Als vor einiger Zeit in der preußischen Landesversammlung die Frage der Aufhebung der Reglementierung, der Polizeikontrolle der Prostituierten, besprochen wurde, meinte ein unabhängiger Redner, dadurch werde die Prostitution auch nicht aus der Welt geschafft. Darin hatte er sehr recht. Die Beseitigung der bekanntlich zwedlosen Reglementierung fann neben anderem höchstens den Wert haben, die Rückkehr in ein geordnetes Leben nicht zu versperren, wie es die Polizeiaufsicht tut. Die Prostitution überhaupt gegenwärtig zu beseitigen ist wohl unmöglich, sie aber einzuschränken ist möglich, und möglich nur dadurch, daß man dem Markt den Bustrom der Waren entzieht. Dazu könnten an den Schulen angeschloffene Fortbildungsschulen für Schwachbefähigte er heblich beitragen. Für den Unterricht müssen ganz bestimmte Formen geschaffen werden. Der Arbeitsunterricht hätte eine erhebliche Rolle zu spielen. Vielleicht ließen sich besondere Berufsschulen angliedern. Vorbilder sind heut in einzelnen geschlossenen Anstalten vorhanden. Man soll aber mit der Unterbringung in Anstalten vorsichtig sein. Das beste für ein junges Menschenkind ist doch der Kreis der Familie und die Luft eines guten Elternhauses. Da soll man sie belaffen, fo lange wie irgend möglich. Für Anstalten sollen nur solche entgegen. Da war nichts mehr zu retten. Aber wo war der Bauer! Endlich fand man ihn im Garten auf einer Bant, wie er ver fonnen in die Glut schaute, lächelnd und wie im wehen irren Glüd. Da stand der Lehrer neben ihm.„ Nun, Lüders, wie ist's, wit ihr noch, wenn der Hof brennt... Der Bauer suchte sich aus weiter Ferne zurück. Er jah den Lehrer unwissend und forschend an. Die Sommernacht, Lilders, da ich euch nach Hause brachte." Der Bauer ging die Tage entlang. Da hatte er ihn. Er lächelte wirr: Ja, ja, Herr Lehrer, nun sehen Sie ja, mas fein muß, das femmt doch." Dann legte er sich zurück und schloß die Augen, und seine Seele machte sich wieder auf die Wanderung. Und der Bauer hielt sie nicht. Er fah Weiten im seligen Glanze, er hörte die Stimmen seiner Väter und Väter- Väter. Und Aecker hoben sich, und Felder rauschten und ein Brausen und Sausen erfüllte ihn. Noch einmal sah er hoch. Und das flammende Sterben des Hofes fiel in seine weiten Augen; noch einmal atmete er tief auf da hatte sich aber auch seine Seele ganz gelöst und schritt befreit am blumigen Rain weit- ferner Roggenfelder. So starb der Bauer, wie er es vorhergesehen in einer hohen Sommernacht. Seine Seele war im Leben der Wunder und Rätsel voll gewesen, mun hielt sie den Schlüssel zu den Geheim nissen des Lebens in thren Händen. Aus ,, Menschen im Krieg" Von Andreas Lablo. ex as das Gräßlichste war, willst du wissen? ſtöhnend W leife, sich unvermittelt wieder an den Philosophen wendend die Enttäuschung war das Gräßlichste, der Abmarsch. Des Krieg nicht! Der Krieg ist, wie er sein muß. Hat's dich über rascht, daß er grausam ist? Nur der Abmarsch war eine Neber Nr. 34 Die Gleich beit Mädchen in Frage kommen, die sehr erhebliche geistige Defette befizen. Budem find in manchen Anstalten auch Mädchen untergebracht, die schon der Prostitution zum Opfer fielen und wieder ungünstig auf andere einwirken. Die Schülerinnen wären diesen Fortbildungsschulen zu überweisen einerseits aus den Hilfsklassen, andererseits aus den verschiedenen Arten der Fortbildungsschulen, wenn sich herausstellt, daß Mädchen dort dem Lehrgang nicht zu folgen. vermögen. Schwierig wird die Sache auf dem Lande liegen, wo es sich nur um vereinzelte Fälle handelt, wie denn ja überhaupt die ganzen Schulfragen, auch die der Einheitsschule auf dem Lande schwieriger zu regeln ist als in den Städten. Würden mehr Lehrerinnen auf dem Lande tätig sein, heut sind es überwiegend Lehrer so würde sich vielleicht auch diese Frage, wie manche andere, die die Mädchen auf dem Lande angeht, leichter regeln lassen. Kulturaufgaben für deutsche Frauen Von W. Schuride „ Das Ewig- Weibliche zieht uns hinan." Das Glaubensbekennt. nis unferes besten Deutschen. Also nicht dem Berstand, sondern dem Gefühl gebührt der Ruhm, den Menschen geleitet zu haben, daß er sich höher und höher aus seinem tierischen Dasein erhob. Und dies Gefühl für das Rechte und Gute, es tritt am reinsten in die Erscheinung im Ewig- Weiblichen. Dieses Goethetvort lenft in unserer Zeit der Not, wo guter Rat, gute Tat und rechter Weg so ernste Notwendigkeiten für uns find, unseren Blick hin zu unseren deutschen Frauen. Wir sind durch den Krieg zum Nachdenken gezwungen worden, ob wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Wir kennen heute die Fehler, die wir gemacht haben: Von Klein an wurden die Standesunterschiebe durch Schule und Haus gezüchtet, so daß das Volk in einzelne sich friedlich betrachtende Lager zerfiel. Dem Talente fehlte vollständig die freie Bahu. In der Körperkultur standen wir ganz tief. Sie stand unter dem Gesichtspunkte, den Menschen zum Kriegswerkzeug zu machen, und war mehr Dressur als Erziehung. In den geiftigen Dingen beherrschte das, was gesellschaftlichen Wert gab, was dekorativ wirkte, das Feld. Prattische Werte wurden nicht für voll raschung. Daß die Frauen graufam find, das war die Ueberraschung! Daß sie lächeln können und Rosen werfen; daß sie ihre Männer hergeben, ihre Kinder hergeben, ihre Buben, die He tausendmal ins Bett gelegt, tausendmal zugedeckt, gestreichelt, aus fich selbst aufgebaut haben, das war die Ueberraschung! Daß fie uns hergegeben haben baß sie uns geschickt haben, geschickt! Weil jede fich geniert hätt', ohne einen Helden dazustehen! Das war die große Enttäuschung, mein Lieber. Oder glaubst du, wir wären gegangen, wenn sie uns nicht geschickt hätten? Glaubst du? So frag' doch den dümmsten Bauernburschen draußen, warum er eine Medaille haben möchte, ehe er auf Urlaub geht. Weil ihn sein Mädel dann lieber hat, weil ihm die Frauenzimmer dann nachlaufen, weil er mit seiner Medaille den anderen die Weiber vor der Naje wegangeln kann! Darum, nur darum. Die Frauen haben uns geschickt! Stein General hätte was machen fönnen, wenn die Frauen uns nicht hätten in die Züge pfropfen lassen, wenn sie geschrien hätten, daß sie uns nicht mehr anschauen, wenn wir zu Mördern werden. Nicht einer wär' hinaus, wenn fie geschworen hätten, daß keine von ihnen ins Bett steigt mit einem Mann, der Schädel gespalten, Menschen erschossen, Men, fchen erstochen hat. Nicht einer, jag' ich euch! Ich hab's ja nicht glauben wollen, daß sie's so tragen fönnen! Sie heucheln nur, hab' ich gedacht; sie halten sich noch zurück. Aber, wenn der erste Pfiff kommt, dann werden sie aufschreien, werden uns herausreißen aus dem Zug, werden uns retten. Einmal hätten sie uns schüßen können, und sie haben nur fesch sein wollen! Auf der ganzen Welt, nur fesch!" Und dann weiter: " Hast du nie was von Suffragetten gehört, die Minister geohrfeigt, Museen in Brand gesteckt, sich an Laternenpfähle haben anBetten lassen für das Stimmrecht? Für das Stimmrecht, hörst bu? Hast du von einer gehört, die sich für ihren Mann vor den Zug geworfen hat? Hat eine für uns Minister geohrfeigt, sich an die Schienen gebunden? Keine einzige hat man wegreißen müssen. 277 angefehen, wenig gepflegt, noch weniger begünstigt. Und diese Verbildung wurde derartig gründlich betrieben, daß der Schüler gezivungen war, ihr seine ganze, Zeit und Kraft zu opfern. So erzogen füllte sich Deutschland mit Bürgern, die Unvernunft für Der Krieg verlangte die Notwendigkeit und Weisheit hielten. Probe auf unser Exempel. Wir ernteten, was wir gesät hatten. Es gilt nun von vorn anfangen, und als neuer Faktor in dem großen Kulturproblem tritt jezt die Frau auf den Plan. Es ist erklärlich, daß man gespannt ist, wie ihre Tätigkeit sich bemerkbar machen wird. Vieles mußte in der vergangenen Zeit unter den Händen der Männer verkümmern, da sie als Ganzes genommen nur eine Seite der Gesellschaft zum Ausdruck brachten. Die Frau wird die Erwartungen, die auf sie gesetzt werden, erfüllen, wenn sie unsere Kultur ergänzt, ihr einen weiblichen Ein schlag gibt und dadurch zur Harmonie führt. Das Moment aber, das die höchste Bedeutung befißt, die Reformation der Gesellschaft zu bewirken, ist die Erziehung. Mit einer erwachsenen Genera tion ist nie viel zu machen, in förperlichen Dingen wie in geistigen, in Dingen des Geschmacs wie des Charakters; seid aber flug und fangt in den Schulen an, und es wird gehen."( Goethe.) Die Natur hat der Frau die Aufgabe gestellt, hier die fundamentale Arbeit zu leisten. Sie, die nicht in dem Maße betroffen wird von all den Dingen, die das Denken der Männer in Anspruch nehmen, ift bortrefflich geeignet, fich dieser hohen Aufgabe zu widmen. Wenn unsere Frauen fest überzeugt werden von der Erkenntnis, daß eine Reform der Erziehung uns not fut, wenn sie die Kon= sequenzen aus dieser Einsicht ziehen und denkend und handelnd dazu schreiten, Gedachtes in die Tat umzusetzen, dann steht bei ihnen zu erwarten, daß sie sich vom Wege nicht abdrängen lassen werden wie einst die Männer, denen allerlei andere Sorgen bald die großen Gesichtspunkte verrückten. Um aber der Lösung des Erziehungsproblems näher zu kommen, wäre die Beachtung folgender Punkte dienlich: 1. Frauen und Lehrer müssen Bundesgenossen werden zum Kampf für ein gemeinfames Ziel. Frauenorganisationen und Lehrer- und Lehrerinnenbereine müßten in Wechselbeziehungen zueinander treten, hinüber und herüber beratend; denn in der Geschlossenheit des Dentens und Handelns liegt das Geheimnis des Erfolgs. 2. Die Ergiehungsfrage ist in den Gesichtskreis des ganzen Volkes als eine Pflicht, die alle Eltern notwendig angeht, die grundlegend für eine fünftige Kultur ist, zu rücken. Mittel zu diesem Zwed: Die Erziehungs- und Unterrichtsfragen werden aus ihrem Schattendafein, in pädagogischen Zeitschriften herausNicht eine hat gefämpft, nicht eine hat uns verteidigt. Nicht eine hat sich gerührt in der ganzen Welt. Hinausgejagt haben sie uns! Den Mund verstopft haben sie uns. Morden haben sie uns ge-schickt, sterben haben sie uns geschickt für ihre Eitelkeit. Willst du fie verteidigen?" Bücherschau Ludwig Leffen. ,, Ein Wanderbuch An deutschen Seen, Flüssen und Buchten." Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. Preis 7,50 Mt. Ludwig Lefsen, der wohlbekannte Dichter, wanderte durch die deutsche Heimat, an Seen und Flußläufen entlang, an still- verträumten Buchten, über grüne Berge, durch altersgraue, berschlafene Städtchen. Und von all dem Schönen, das er geschaut, plaudert er in seiner stillen, beschaulichen Art zu uns, so daß in jedem, der sein Büchlein gelesen hat, der heiße Wunsch aufsteigt, mit eigenen Augen zu sehen, was Lessen uns so bildhaft deutlich und doch so zart- stimmungsvoll verklärt, beschreibt. Lessens Buch ist kein„ Touristen" buch, es ist bestimmt für all die Leute, die abseits der großen breiten Straße geruhsam wandern wollen und es verstehen, den stillen Bauber grüner Waldgewässer, die Poefie einer alten Stadtmauer, einer winfligen Gaffe, die traumhaftmelancholische Stimmung eines Herbstabends am Flußgestade auf sich wirken zu lassen. Und dazwischen plaudert er allerlei Wissenswertes und Interessantes von Land und Beuten, der Chronik einer alten Stadt, dem Getier in Wald und Heide. So zeigt er uns die verborgensten Schönheiten der deutschen Landschaft im Norden, im Süden, in Oft und West. Er weiß zu er zählen von Wandertagen in der Mark, am Bodensee, in Schles wig- Holstein, an der Lahn, an der Elbe und im Böhmerwald. Und über allem liegt wie ein berklärender Schimmer die Liebe zur Heimat. Möge das Büchlein seinen Zwed erfüllen und allen Menschen die G. R. Augen öffnen für die Schönheiten unseres Landes! 278 Die Gleich beit geholt und ins Licht des Tages gesetzt. Die Tageszeitungen räumen diesem Gegenstande, der wichtiger ist als ein Roman, einen Platz ein, Volkshochschulen, Frauenvereine sehen fie auf ihr Programm. Von jedem anderen als dem konventionellen Standpunkt aus betrachtet, erscheint die Tatsache seltsam, daß die Zucht erstklassiger Bullen zwar eine Beschäftigung ist, der ge bildete Männer gern viel Zeit und Nachdenken widmen, daß aber die Erziehung hochstehender menschlicher Wesen eine Beschäftigung ist, die stillschweigend als ihrer Aufmerksamkeit unwürdig verachtet wird."( Herbert Spencer.) 8. Die förperliche Erziehung wird der geistigen vorangestellt. In Haus und Schule ist ihr mehr Zeit zu widmen. Es ist entscheidend über das Los von Volk und Menschheit, daß man die Kultur an der rechten Stelle be= ginnt nicht au der Seele... die rechte Stelle ist der Leib... die Griechen bleiben deshalb das erste Kulturereignis der Geschichte... fie wußten, sie taten, was not tut."( Nietzsche.) 4. In den geistigen Dingen ist eine rein fachliche Trennung vorzunehmen unter dem Gesichtspunkt: Was ist notwendig? Was hat nur dekorativen Wert? Dem Notwendigen wird konsequent der Vorzug vor dem Angenehmen gegeben. Bevor es einen bernünftigen Unterrichtsgang geben fann, müssen wir feststellen, welche Dinge wir am nötigsten zu wissen haben."( Spencer.) Bum letzten Punkt wäre noch zu sagen, daß die Dinge, die wir in unseren Schulen mit besonderem Stolz treiben, meist meitab von den Notwendigkeiten des Lebens liegen. Eine gewaltige Aufgabe liegt vor uns. Es gilt vielfach: Boll ständig umlernen! Dieser Gedanke legte sich stets bei uns wie Reif auf die Frühlingsknospen. Man zog es vor, notdürftig und berdroffen am alten Kleide herumzufliden, und die Gedanken trägheit eines ganzen Volfes bäumte sich gegen den Fortschritt auf. In der ruhigen Beharrlichkeit liegt eine Stärke der Frau. Es steht zu erwarten, wenn sie sich mit dem neuen Geiste durch dringt, ihn in die Jugend von Geburt an pflanzt, die Nation zwingt, ihr Denfen auf ihn als auf eine Notwendigkeit zu- richten, daß es ihr möglich sein wird, uns auf den rechten Weg zu bringen. Damit wäre Butunftsfaat für Deutschland gesät, die zwar nicht morgen schon Früchte trägt, aber es wäre endlich einmal die Lösung des Sulfurproblems mit beharrlichem Ernst an der Stelle begonnen, die die einzig richtige ist. Solide würden die Erfolge sein, praktisch und nützlich, nicht blendend, bestechend. Darum gehört zu diesem Werke uneigennüßig ehrlicher Wille und Liebe zur Wahrheit, zum Rechten. Es blieb dieses Werk übrig zu tun. Wer foll es vollbringen? Wer hat diesen hohen Sinn? Goethe jagt: Das Ewig- Weibliche zieht uns hinan. Möchte es hier sich bewahrheiten. Der Unteroffizier im Hause Von Adolf Domnit Allen in der Arbeiterbewegung tätigen Genofsinnen und Ge nossen, besonders denen, die sich um die Gewinnung neuer Anhänger bemüht haben, wird ein Menschenschlag in unangenehmer Erinnerung gewesen sein. Es waren jene verängstigten, schüch ternen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter, die nie wagten, eine eigene Meinung zu äußern, die aus Furcht vor dem Meister oder Betriebsinhaber nicht aufzubliden wagten, die sich stets nur als die Knechte ihres Arbeitgebers betrachteten. Diese scheuen Dud mäufernaturen bereiteten der sozialistischen Aufklärung die allergrößten Hindernisse. Wir verachteten sie im Grunde unseres Herzens, ein Fluch fam mehr als einmal über unsere Lippen, wenn sie wieder und wieder in ihrer jämmerlichen Feigheit uns bei Arbeitskämpfen in den Rücken fielen. Und doch, haben wir wirklich immer ein Recht, diesen Trau mich nichts" zu fluchen? Sind sie nicht gar zu oft das Opfer einer durchaus falschen, vor allem völlig unsozialistischen Ergiehung? Wer nur ein wenig in die Kulturgeschichte der Menschheit zurückblidt, mer die Erziehungsmethode früherer Jahrhunderte zu ergründen versuchte, der wird der wird mit Staunen und mit Grauen die entsetzliche Brutalität bemerken, mit der die früheren sogenannten Erzieher ihre Böglinge beglüdten". In den Klosterschulen des Mittelalters war vielfach der Mock, auf den der zu bestrafende Schüler während der Erefution geschnallt wurde, wichtigstes Unterrichtsmaterial. Geprügelt wurde meist bis zur Bewußtlosigkeit des Delinquenten, in den Zuchthäusern und Gefängnissen, beim Mili tär, in den Schulen und vielleicht noch viel mehr im Baterhause Gehorsame, demütige und bescheidene Menschen, heranzuziehen Nr. 34 galt als die, vornehmste Aufgabe des Erziehers. Noch heute weisen zahllose Sprichwörter auf die einstmals alleinige Herrschaft dieser Erziehungsgrundsäße hin. -Die Heranbildung freier, ihrer Würde bewußter Menschen ist eine Aufgabe, die erst der neuesten Zeit in ihrer Dringlichkeit bewußt geworden ist, insbesondere in der sozialistischen Arbeiterschaft hat dieser Gedanke am lebendigsten Wurzeln gefaßt. .Doch hait! Hat er es wirklich? Haben vor allem unsere Männer, die Väter, ihren Kindern immer die Freiheit gelassen, die zur Entwicklung eines aufrechten Charakters notwendig ist? Wir wollen nicht gedankenlos verurteilen. Gar zu viel Ursachen tragen noch heute dazu bei, daß in dem Umgang zwischen Eltern und Kindern, meist aber in dem Umgang zwischen Vater und Kind der unerträglichste Zwang, der Geist der slavischen Unter ordnung sich breit macht. Keine Spur von gegenseitigem Ver Irauen. Ich will! Du mußt! Das ist das alleinige Leitmotiv der Erziehungsmethode des Bater in leider noch zahlreichen Familien. Ihm dünkt jede Nichtbefolgung seines Befehles, jede selbständige Regung gegenüber dem väterlichen Kommando als dreiste Unbotmäßigkeit und Ungehorsamkeit. Er ist von seiner Erhabenheit, die sich auf einige Jahrzehnte höheren Alters berufen kann, so erfüllt, daß ihm jede Bertraulichkeit unerträglich erscheint. Wer hätte sie nicht schon beobachten können, diese Unteroffiziere im Hause, deren furze, knappe Befehle wie Peitschenhiebe wirken, die augenblicklich zur Befehlsausführung antreiben. Bitternd, furchtjam tauern sich die Kinder an den Wänden herum. Kein Hauch von gegenseitiger Liebe durchweht den Raum. Feige Furcht oder unauslöschlicher Haß, das sind die scheußlichsten Folgen des dümmsten Stolzes. Im günstigsten Falle Haß, denn der Haß garantiert wenigstens einen selbständigen Charakter, garantiert oft ein plötzliches Berreißen des furchtbaren Zwanges. Wo aber lediglich Furcht vorherrscht, wo allmählich durch die vom ersten Tage der Kindheit an geübte Unterdrückung jeder selbständigen Regung der eigene Wille im jungen Menschenkinde bollkommen gebrochen ist, da wachsen dann diese unglüdjeligen Kreaturen heran, die infolge ihrer Un selbständigkeit, Unterwürfigkeit und Feigheit der Schrecken aller sozialistisch gesinnten Menschen sind. Wie sie vor dem Vater in hündischer Furcht dahinlebten, so wagen fie auch keinen selbstän digen Blid, fein mannhaftes Wort gegenüber dem Vorgesetzten, Arbeitgeber oder Meister. Aus Mangel an eigenem Mut fürchten, ja haffen sie jeden Kollegen, jede Kollegin, die, unerschrocken und aufrechten Sinnes für ihr Wort einzustehen wagen. Entrüstet wird manche Leserin fragen, was soll uns diese Epistel in einer sozialdemokratischen Zeitung? Gibt es denn einen Sozialdemokraten, der sich so töricht gegen seine eigene Ueberzeugung verjinbigen fönnte? Halt, nicht zu früh ablehnen. Die Zahl dieser Sozialdemokraten ist größer als gemeinhin angenommen wird. Gering ist an sich schon die Zahl wirklich mit dem Verstande und dem Herzen gleichmäßig vorgebildeter Genossen. Zu groß die Zahl derer, die ihre sozialdemokratische Gesinnung nur im Munde führen. Nur zu leicht ziehen sie zu Hause mit dem Arbeitskittel auch die sozialdemokratische Gesinnung aus. Das mehr als halbe Jahrhundert der bisherigen Arbeiterbewegung hat ungemein vieles auch hierin schon geändert, aber diese Rabenväter aus dummem Stolz ganz auszuroften, wird erst eine fange Hufflärungsarbeit möglich. machen. Eine vernünf tige Erziehung der Erzieher", von der Salzmann so treffend redet, ist gerade im Interesse der dauernden Erfolge der Arbeiterbewegung dringend notwendig. Wir alle wissen, daß mit dieser schwierigen Aufgabe schon beim Kinde, begonnen, der daß hier endlich mit unterschiedlichen Behandlung von Knaben und Mädchen ein Ende gemacht werden muß Einen gewaltigen Schritt auf dem Wege Deutschlands zu dem gewünschten Ziele hat uns allerdings schon der Zusammenbruch des alten preußischen militärischen Systems gebracht, der wieder hoffentlich recht bald die Beseitigung des unerträglichen Drills in unserem Schulwesen nach sich ziehen wird. Aber wenigstens in dem Arbeiterheim sollte jedes Kind aus reinstem Herzen sagen fönnen: Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein! Wohlfahrtspflege Bericht des Ausschusses für Arbeiterwohlfahrt in Halberstadt. Von Helene Cohn. Im März dieses Jahres wurde auch in Halberstadt ein Aus schuß für Arbeiterwohlfahrt gebildet, der sogleich eifrig zu ar Nr. 34 Die Gleich beit beiten begann. Man sah davon ab, fefte Mitglieder in größerer Bahl zu gewinnen, sondern wählte einzelne Mitarbeiter. Zunächst bekundeten wir unseren Willen, on allen für unsere Aufgaben in Betracht kommenden Wohlfahrtsorganisationen beteiligt zu sein, und stellten verschiedenen städtischen Behörden und Organisationen geeignete Genossen und Genoffinnen aus unserem Kreise für deren Arbeiten zur Verfügung, so dem städtischen Jugendamt, der Säuglingsfürsorge usw. Wir unterbreiteten dem Jugendamt den Antrag, bei der Gewerbeinspektion auf Gewährung eines feststehenden Urlaubs für Handwerkslehrlinge hinzuwirken, und übertrugen einer Anzahl Genossen und Genoffinnen die Arbeiten für die Jugendgerichtsbeihilfe. Diese Mitarbeit am Jugendgericht hat bereits erfolgreich eingesetzt, und wird sich, sicherlich in Zukunft noch recht bewähren. Die Genossen haben die Verpflichtung, sich über die Verhältnisse, in denen die angeklagte jugendliche Person aufgewachsen ist, über die Um gebung, aus der sie stammt, zu unterrichten, sich über die Person des Jugendlichen und fein Bergehen ein möglichst genaues Bild zu machen und auf Grund ihrer Informationen dahin zu wirken, daß die verhängte Strafe möglichst zunächst aufgeschoben und, bei tadelloser Führung evil. später ganz aufgehoben werden kann. 28ir bleiben in Fühlung mit dem Jugendlichen und suchen dafür zu sorgen, daß er in andere Verhältnisse und bessere Umgebung tommt, es ihm ermöglichen wird, auf dem rechten Wege zu bleiben und ihm. die Strafe somit gänzlich erlassen werden kann. In diesem Zweige unserer Tätigkeit betätigen sich bisher fünfzehn Genossen und Genoffinnen. Wir setzten uns ferner mit den Elternbeiräten in Verbindung, Inden die auf dem Boden unserer Partei stehenden Elternbeirats= mitglieder zu unseren Sizungen ein, und wirken so auf die Elternbeiräte ein, ihren Aufgaben im Sinne unserer Arbeit nach zukommen. Dies kann z. B. dadurch geschehen, daß sich die Mitglieder der Elternbeiräte auch um die Sauberkeit in den Schulen, die Reinlichkeit der Kinder und dergleichen bekümmern und in einigen Fällen konnten bereits Mitglieder des Ausschusses in Gemeinschaft mit den zuständigen Elternbeiräten aur Abstellung von Nebelständen beitragen. Als erste größere Arbeit haben wir uns bemüht, Kinder von Genoffen während der Sommerferien bei Genossen auf dem Lande unterzubringen. Wir veranstalteten eine Sammlung, beren Ergebnis von 6000 Mt. teilweise dazu verwandt wurde, auch einige Kinder in Erholungsheime im Harz unterzubringen, während der Rest für ähnliche Zwede späterhin aufgespart bleibt. Ware Gute 279 Es ist uns gelungen, 55 Kinder unterzubringen, und die Vorfizzende des Ausschusses sucht während der Ferien die Kinder auf, um nach ihrer Unterbringung und ihrem Befinden zu sehen. Sobiel fann bereits heute gesagt werden, daß die bisher besuchten Kinder sich alle sehr gut bei ihren Ferien- Eltern behagen und beide Teile, die Wirte und die kleinen Gäfte, miteinander zu frieden sind. Unsere nächste Aufgabe wird es sein, Abendkurse für junge Arbeiterinnen in der Säuglingsfürsorge und in der Krippe einzurichten; sie sollen theoretisch sowohl wie praktisch Anleitung in der Behandlung der Kinder erhalten und ferner in der ersten Hilfe bei Unglüdsfällen unterwiesen werden. Auch beabsichtigen wir, in Kürze eine Auskunftsstelle unseres Ausschusses einzurichten, die ein- und zweimal wöchentlich Sprechstunden abhält. Während der Ferien werden für die in der Stradt verbliebenen Kinder von Genoffen zweimal wöchentlich Nachmittagsspaziergänge in die Umgebung der Stadt veranstaltet. Ein andermal soll von den Erfahrungen berichtet werden, die wir bei der, bereits erwähnten, Unterbringung der Kinder auf dem Lande gesammelt haben; zunächst wollen wir der Rückkehr unjerer, sicherlich recht gut erholten, Ferienkinder entgegensehen. Genossin König aus Leipzig schreibt uns: Der Ausschuß ist gewählt. Wir sind in den örtlichen Ausschuß der Stadt Leipzig zugelaffen. Unsere Tätigkeit besteht vorläufig noch darin, daß eine Person in der Quäferhilfe sitzt. Sie arbeitet mit im Ar beitsausschuß. Eine andere soll nach den Ferien in den Jugendausschuß kommen. Bei uns ist es schwer, weil wir zu flein noch an Zahl sind, aber dennoch sehe ich mit Freuden, daß wir überall ohne Schwierigfeiten hineinkommen und auch unsere Hilfe gern gesehen wird. Aus der Frauenbewegung des Auslandes Genf, 3. August. Das Bureau der internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit, das nach dem Kongreß in Zürich vom bergangenen Jahre nach Genf verlegt wurde, hat sich hier endgültig eingerichtet. * Nach dem 5. Auguft sollen in England die Eisenbahngebühren bedeutend erhöht werden. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bohm- Schuch. Druck: Vorwärts Buchdruckerei. Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer 6. m. b. B. fämtlich in Berlin SW 68, Lindenstraße 3 agesgesprach sind die vereinten 5 Butterhandlag. PT.Assman Ono Reichelt Ernst Cadenig Corelcy Union Gummiwaren Mutterspritzen, Frauentropfen, sanitäre Frauenartikel. Anfragen erbeten Versandhaus Heusinger Dresden 900, Am See 37. Frauenleiden Verg undren Mit einem Anhang: Die Verhütung der Schwangerschaft. Preis: 1,45 Mk., Porto 20 Pf. Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Preise Billige 95 Wir garantieren für sofort. Wirkung unserer Präparate Darum lassen Sie sich nichts anderes aufreden! 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