Nr. 38 30. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder.. Die Gleichheit erscheint wöchentlich Preis: Vierteljährlich 3,60 Mart Berlin Inserate: Die 5 gespaltene Nonpareillezette 1,50 Mart, 18. September 1920 bei Wiederholungen Ravalt. Die Frau und ihr Haus Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morigplatz 147 40 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 m an tat uns diefes an und frug uns nicht! Den großen Tod befchloffen alle Lande, Und uns, uns frug man nicht; uns hört man nicht, Man löichte unfer Wort fo wie ein fchwelend Licht, Umlobt, durchglüht von roten бaffes Brande. Man tat uns diefes an und frug uns nicht, Als ob wir nichts damit zu fchaffen hätten, Als ob nicht wir des Lebens einziges Tor, Nicht wir des heiligen Stromes ewige Betten! Es können Männer nicht verftehn, nicht wiffen, Was töten heißt, was sterben lehen heißt; Sie find von einem Drang hinweggeriffen In Zeugung und in Cotfchlag, und es weift Ihr ganzes Sein zur rafchen, kühnen Tat; Sie fehn das Leben fo wie einen Dom Der Fremde, wenn er dafteht, kühl vollendet, Doch wir, wir find es ja, die ihn gefpendet, Wir die Erbauer, die in unserm Leib Mit heiligem Schauer fügten Zell zu Zelle, Bis er bereit ſtand, um die hohe Welle Des Orgelklanges in fich aufzunehmen,.. Und heut fehn wir das Werk, das wir errichtet, Zu viel Millionen Malen raub vernichtet! Wir Frauen, die wir allzulang gefchwiegen, Doch heute war's zuviel. Es find in uns Die Leiden höher als der und gestiegen, Sie drängen machtvoll fich aus uns beraus, Zum Wort geworden in die Welt zu fliegen! Wir waren Ohr, nun werden wir zum Mund. Wir waren Aug, nun werden wir zur hand. Wir wollen es mit бand und und verbindern, Daß folche Blutzeit unfern Kindeskindern Noch einmal wird! Wir wollen, wenn die blutige Zeit verbrault, Von Land zu Land uns an den bänden faffen Zu einer Kette Timmer- wieder- laffen, So feft, daß nie fie sprengt die Männerfauft. Wir waren Aug, nun werden wir zur band! Aus ,, Der Rauch des Opfers" von Elinore Kalkowska. Das internationale Arbeitsamt Der Internationale Sozialistentongreß in Genf hat in einer Mesolution das Internationale Arbeitsamt als„ stärksten Pfeiler des Völkerbundes" und Grundlage des kommenden internationalen Parlaments begrüßt. Was ist das„ Internationale Arbeitsamt?" Es verdankt seine Entstehung dem Teil XIII des Verjailler Bertrages, der Arbeit" überschrieben ist und die bedeutsamste Konzession des reaktionären Völkerbundes an die Arbeiter bewegung darstellt. in allen Ländern, um die Durchführung der Arbeiterschutzgesetze zu überwachen. Die bahnbrechende Bedeutung dieser Grundrechte liegt nicht darin, daß sie großartige Neuerungen bringen, sondern daß sie zum ersten Male für die Arbeiter und Arbeiterinnen der ganzen Welt gefordert werden. Aufgabe des Arbeitsamts ist es, in allen Staaten ein internationales Arbeiterrecht zur Annahme und Durchführung zu bringen, welches dem Ziel möglichster Einheitlichkeit zustrebt, um die fortschrittlichen Staaten von der Schuhfonfurrenz derjenigen Länder zu befreien, die ihre ArFeiter unbeschränkt ausbeuten. Zu diesem Zweck beruft das Arbeitsamt alljährlich eine internationale Stonferenz ein, zu der jeder angeschlossene Staat heute sind es 48, von den Großmächten fehlen nur Rußland und einen Vertreter der Arbeitnehmer, die Vereinigten Staaten einen Vertreter der Arbeitgeber und zwei Regierungsvertreter Im Teil XIII wird gesagt, daß der Weltfriede nur auf der Grundlage sozialer Gerechtigkeit aufgebaut werden könne", und daß er gefährdet werde durch Arbeitsbedingungen, welche für Lehrungen mit sich bringen". Es werden dann die folgenden des Internationalen Arbeitsamts bilden; Grundrechte der Arbeit festgelegt, die zugleich das Programm entfendet. 1. Die Arbeit soll nicht lediglich als Ware oder Handelsartikel angesehen werden. 2. Volles Stoalitionsrecht für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. 3. Sicherung von Löhnen, die eine angemessene Lebenshaltung gewährleisten. 4. Achtstundertag und 48stündige Arbeitswoche. 5. Wöchentlicher Ruhetag von mindestens 24 Stunden. 6. Jugendlicher. 7. Gleicher Lohn für gleiche Leistung bei Männern und Frauen. 8. Gleiches Recht für ausländische Arbeiter. 9. Systematische Kontrolle 1 unter Teilnahme von grauen Diese Konferenzen können heute noch keine bindenden Gesetze beschließen, aber sie beschließen Entwürfe zu internationalen Abkommen", die die ongeschlossenen Staaten ihren gesetzgebenden Störperschaften zu unterbreiten haben. Wie in den Grundrechten zum erstenmal das Recht der Frau auf gleichen Lohn für eieiche Leistung international festgelegt ist, so hat auch die erste dieser Konferenz in Washington, Cifober 1919, eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, die von ganz besonderer Bedeutung für une Frauen sind: Ueber das Verbot der Nachtarbeit für Frauen und Kinder, das Verbot der Arbeit in gesundheitsschädlichen Betrieben, die Ruhezeit vor und nah der Geburt der Kinder usw. Einen Hauptverdienst an diesen Beschlüssen hat die englische Genojjin Macarthur, die Vochipende das Zentralausschusses der 306 Die Gleich beit englischen Arbeiterinnenorganisationen( mit über zwet Millionen Mitgliedern). Die Genoffin Hanna war leider wie die übrigen deutschen Delegierten durch Schwierigkeiten bei der Ueberfahrt an der Teilnahme verhindert. Das Arbeitsamt seibst hat seinen Sig in Genf, in einer schloßartigen Billa oberhalb der Stadt, mit wunderbarer Aussicht auf See und Montblanc. Direktor ist der französische Genosse Albert Thomas. Unter den 200 Angestellten sind 120 Engländer, 60 Franzosen, 1 Deutscher! Es bestehen besondere Abteilungen fitr Arbeitsrecht, Statistif, Erwerbslofenfragen, Genossenschafts wesen usw. Wissenschaftliche Forschungen und propagandistische Tätigkeit laufen nebeneinander her. Ein Archiv enthält die Anfänge umfassender Sammlungen der gewerkschaftlichen Literatur aller Länder. In jeder dieser Abteilungen arbeiten Frauen. Jede einzelne Abteilung kann sich bei zielbewußter Tätigkeit zu unabsehbarer Bedeutung entwickeln. der heute nur Ganz einerlei, ob es gelingt, den Völkerbund ein Bund der Regierungen ist allmählich zu demokratisieren. und so auf dem Wege organischer Entwicklung zur sozialistischen Weltgemeinschaft zu kommen, oder ob wir dazu über seine Trümmer schreiten müssen, das Internationale Arbeitsamt wird als erster schwacher Versuch zu einem Weltparlament der Arbeit scine Bedeutung behalten. Und ganz besonders wir Frauen sollten seine Entwicklung mit Aufmerksamkeit verfolgen als mächtiger Hebel zur Erreichung der wirtschaftlichen Gleichberechtigung, die wir noch zu erkämpfen haben und ohne die alle politischen Rechte Trug sind. E. Kaemmerer- Leonhard. Ledige Mütter Es ist in vielen Dingen noch immer wie einst- Selbstüberhebung und Vorurteil herrschen ruhig weiter in unserem Bolf. Obwohl wir wissen, daß die Hälfte aller sterbenden Säuglinge am Leben erhalten bleiben könnte, wenn die Mutter in die Lage versezt werden würde, nur zwei Monate lang ihr Kind zu nähren, ist unsere gesellschaftliche Fürsorge noch völlig unzureichend, um den ledigen Müttern diese Mutteraufgabe zu ermöglichen. Wie weit die menschliche Selbstüberhebung in der Verurteilung lediger Mütter geht, ist bereits in Nr. 30 der „ Gleichheit" von Henriette Fürth in dem Beitrag„ Ein Frauenverband zur Unehelichfeitsfrage" dargelegt. Aber fie jagt darin auch sehr treffend:„ Wir können und wir wer den in Zufunft niemals wieder darauf verzichten, Wert, Würde und Recht der Mutterschaft nach dem einzig zulässigen Maßstab des Verhaltens der Mutter zu ihrem Kinde zu bewerten." Und dieser Grundsatz ist auch für uns maßgebend gewesen, daß wir in unserem fleinen landwirtschaftlichen Betrieb von 20 Morgen nahe bei Brandenburg stets nur ledige Mütter als Mitarbeiterinnen beschäftigten. Unter den ledigen Müttern, die vom Lande stammen und nur nach der Großstadt gingen, um dort ihre Niederkunft abzuwarten, befinden sich viele, die sich mit allen Jajern ihres Herzens wieder aufs Land zurückjehnen. In ihren Heimatort dürfen sie zumeist nicht zurückfehren, da die Angehörigen das böse Urteil„ der andern" fürchten und„ die Edande" solange als möglich vor ihnen verborgen sein soll. Bietet sich diesen Müttern feine Hand, die sie zu geregel ter Arbeit zurückführt und ihnen eine Heimat für sich und das Kind gibt, so bleibt den Müttern nur der eine Beg nämlich ihr Kind in Pflege zu geben und das große Heer der ungelernten Arbeiterinnen in der Großstadt zu vermehren. Die Kosten für die Pflege des Kindes übersteigen aber heute gar oft den Arbeitsverdienst der Mutter. In Berlin wird zurzeit für einen Säugling monatlich 150 bis 200 Marf flegegeld gefordert. Und wenn die Mutter Sann als Dienstmädchen Stellung angenommen hat, wird ihr barer Arbeitsverdienst meistens nur 100 bis 120 Mart betragen. Daß auf diese Weise die Muttergefühle oftmals verschwinden, weil die wirtschaftliche Laft für die Mutter Nr. 38 zu groß wird, ist menschlich verständlich. Und daß auf diese Weise auch mindestens die Hälfte der Kinder im ersten Lebensjahr sterben, ist leider feststehende Tatsache. Das Verhalten der Mutter zu ihrem Kinde ist der einzig zulässige Maßstab sür die ledige Mutter, und wenn sie das Verlangen hat, mit ihrem Kinde zusammen leben zu wollen und den Lebensunterhalt für sich und das Kind durch ehrliche Arbeit erringen will, dann muß jeder helfen, ihr Arbeit und Heimstatt zu verschaffen, sofern es in seinent Bereich liegt so dachten wir. Aber unsere Gemeindeberwaltung( zu welcher wir seit 18 Monaten gehören) dachte anders und schickte mir kürzlich folgende Anfrage: 1. Wie kommt es, daß Ihre Haushaltung stets und ausschließlich mit solchen Dienstmädchen arbeitet, die erst furze Zeit entbunden und jedenfalls, wohl in den meisten Fällen, einfach sozu. sagen herrenlos sind, dann bei Ihnen mit Kind aufgenomnen werden? 2. Liegt für die Gemeinde Ihrerseits Garantie vor, daß, im Falle einer gänzlichen Verarmung, auch in dem Falle, welche die gejeßlichen Bestimmungen betrefffen, wenn ein solches Mädel nicht mehr in Ihren Diensten steht, gänzlich unbemittelt an die Gemeinde zurückfallen würde und die Gemeinde hätte dadurch etwaige Armenkosten zu ihren Lasten? Dieses lehnt die Gemeinde energisch ab und verlangt Haftung für solches Mädel Ihrerseits bis zum Ablauf der Gesetzesbestimmungen noch hinaus. Auf dieses Kulturdokument antwortete ich, daß m E. alle Menschen die gleiche Daseinsberechtigung hätten, und daß eine ledige Mutter, wenn sie sich und ihr Kind durch ehrliche Arbeit ernähren wolle, Anspruch auf Arbeit und Heimstatt habe und nicht als„ herrenios" zu bezeichnen sei. Und auf die Garantiefrage würden wir erst dann näher eingehen, wenn mitgeteilt würde, laut welcher geset lichen Bestimmung diese Garantie von uns verlangt wird. Eine Antwort ist darauf nicht eingegangen. In münd licher Rücksprache wurde mir aber gesagt, daß das Ortsstatut verlange, daß jeder Besitzer die Verpflichtung hätte, dafür Sorge zu tragen, daß weder durch ihn, noch durch seine Leute der Gemeinde Nachteil und Schaden entstehe... Als ich darauf erflärte, es sei nie unsere Absicht gewesen, der Gemeinde Nachteil oder Schaden zu verursachen, indem wir ledigen Müttern eine Heimstatt, Arbeit und Lohn geben, wie letzterer ihren Leistungen entspricht, da war der Fall erledigt. Aber uns allen legt dieses Erlebnis doch die Ver pflichtung auf, immer mehr dafür zu sorgen, daß Heimstätten geschaffen werden, in denen Mutter und Kind zu sammenbleiben fönnen und wo erstere gute und lohnende Arbeit findet. M. Friedel Schneider. Die Entwicklung der Hausangestelltenbewegung Als die Vorbereitungen für die am 18. Juni stattfindende Protestversammlung der Hausangestellten gegen die überlange Arbeitszeit in Angriff genommen wurden, da wandte sich der Zentralverband der Hausangestellten an die in der sozialdemo Iratischen Partei organisierten Frauen mit der Bitte, ihn bei der Propaganda zu unterstüben. In den Frauenabenden wurde diese Bitte besprochen und dabei stellte sich heraus, daß verschiedene Genossinnen vom Zentralverband der Hausangestellten noch nichts wußten. Im Johre 1909 fand eine Konferenz von Vertretern der Haus angestelltenvereine statt, die zur Gründung des Zentralverbandes einberufen worden war. This 14 Städten Deutschlands waren die Solleginnen anwesend, und im Beisein der Generalfommiſſion erfolgte nach eingehender Beratung dann die beabsichtigte Gris dung. Festgestellt wurde, daß in 18 Städten Hausangestellten bereine mit insgesamt 5711 Mitgliedern bestanden. Das war der Grundstein des Zentralverbandes, und seit dieser so log Zeit wird unermüdlich weiter gearbeitet. Wenn dieser Verband das an den ungünstigen Verhältnissen, die ihm das Dasein schwerten. In Deutschland bestanden 44 Gesindeordnungen, er= bie Nr. 38 Die Gleichheit den Hausangestellten beinahe jedes Recht nahmen. Bis zum Jahre 1918 war den Leuten, die sich Dienstmädchen halten konnten, das Züchtigungsrecht gesetzlich gewährleistet. Außerdem muß ten die Hausangestellten, wenn ihnen Unrecht geschah, zur Polizei laufen. Die glaubte den Herrschaften aber mehr als dem Mädchen, und letzteres tam selten zu seinem Recht. Es sind dies nur zwei von den zahlreichen Bestimmungen, die den in der Hauswirtschaft Tätigen das Leben schwer machten. Dazu kommt, daß fich Hausangestellte so gut wie gar nicht aufflären fonnten; einmal weil sie über ihre Freizeit, wenn man überhaupt davon reden konnte, freie Verfügung nicht hatten, und weil gerade in diesem Beruf meistens nur eine Angestellte in einem Haushalt beschäftigt wird. In allen Berufen war ein bestimmter Arbeitsschluß, und nach demselben konnte man mit den Beteiligten insgesamt reden. Diese Art der Agitation war in dem erwähnten Beruf nicht möglich. Es sind noch eine ganze Reihe von Gründen vorhanden, die die gewerkschaftliche Arbeit im Hausangestellten Feruf ungemein erschwerten; alle hier anzuführen würde zu weit führen. Während nun für alle gewerblichen Berufsgruppen trotz aller Schwierigkeiten eine ganze Anzahl Verbesserungen geschaffen wurde, es sollen hier nur Gewerbeordnung, Kranten-, Alters, Invaliden- und Unfallversicherung genannt werden, gingen die Hausangestellten leze aus. Es war ja ein Gesez vorhanden, die Gesindeordnung, das zwar Tausende von Menschen zu Sklaven macht, aber was tat das den Herrschaften, was tat das den gesetzgebenden Körperschaften. Die Hausangestellten paßten in die Verordnungen der gewerblichen Arbeiterschaft nicht hinein nach insicht jener Leute, und da blieben sie eben draußen. Es ist wohl angebracht, den Genossinnen einmal die jetzt noch bestehenden Lohn- und Arbeitsbedingungen vor Augen zu führen. Da ist erst einmal die Bezahlung; ich habe auf meinen Agitationsreisen festgestellt, daß sich die meisten Löhne zwischen 10 und 70 Mart bewegen. Wir haben auch Hausangestellte, die bis zu 120 Mt., ja in vereinzelten Fällen auch noch darüber hinaus, erhalten. Aber wie in allen Berufen die höchsten Verdienste selten find, so ist auch hier. Man braucht kein Rechenkünstler zu fein, um herauszubringen, daß bei den heutigen Preisen aller Bedarfsartikel diese Bezahlung viel zu niedrig ist. Es gibt eine Anzahl Mädchen, die während des Krieges die Schule verlassen haben und den Hausangestelltenberuf ergreifen mußten. Es ist hohl nicht zuviel behauptet, wenn man sagt, daß alle diese Mädchen nur mit dein Notwendigsten ausgestattet wurden, und * Feuilleton September * So wie nach einem Tag voll Licht und Glanz und Sonnenglück Man abends feligmüde in die Kiffen finkt, Im Traum das Auge nochmals all' die Schönheit trinkt So denke ich mit ftillverklärtem Blick, Da um mich her das große Sterben nun beginnt, Fahlrot im Nebeldunft der Tag verrinnt, An uni'rer Sommertage Süßigkeit zurück. Ein kurzer Traum, und doch, und doch voll Glück! Aus ,, Menschen im Krieg" Von Andreas Laylo. Elli Radtke. 3" u dem in Nr. 34 der„ Gleichheit" erschienenen Auszug aus Lazlos„ Menschen im Krieg" gingen uns drei Erwiderungen zu, die wir nachstehend veröffentlichen. Was Genossin Mosegaard sagt, trifft wohl am tiefsten den Sinn der Latzloschen Anklage. I. Nicht das ganze Buch kenne ich, nur den Abschnitt, der in Nr. 34 der Gleichheit" zum Abdrud fam. Lange size ich und sinne und finne, bis die legten Worte mich zum Schreiben zwingen. für ihre Eitelfeit. Willst du sie verteidigen?" Die Frauen nämlich. Also, weil wir die Männer hinausschickten zum blutigen Tanz, 307 da muß eben nach und nach die eine oder andere Anschaffung erfolgen. Bei den gezahlten Löhnen ist dies aber so gut wie unmöglich. Die Wohnverhältnisse lassen auch sehr viel zu wünschen übrig. Man glaubt eben zum Teil auch heute noch in Herrschaftskreisen, daß für die Hausangestellte der schlechteste Naum immer noch gut genug ist. Habe ich doch bei meinen Touren licht- und luftlose Räume gefunden, Räume, die eher einer Rumpelfammer als einem Aufenthaltsraum für Menschen glichen. Es ist mir auch berichet worden, daß Herrschaften, um der Zwangseinquartierung zu entgehen, eins oder mehrere Zimmer als Mädchenzimmer bezeichnet haben, aber gar nicht daran dachten, dieses dem Mädchen zum Aufenthalts- und Schlafraum zu überlassen. Die Beköstigung ist auch nicht immer ausreichend und die Behandlung fonnte in vielen Fällen besser sein. Am meisten verbesserungsbedürftig aber ist die Arbeitszeit. 10, 12, ja 14 bis 18 Stunden pro Tag wird in den Häusern gearbeitet. Auch in dieser Angelegenheit erziellen alle Bemühungen des Zentralverbandes der Hausangestellten Deutschlands noch kein befriedigendes Resultat. Die Hausfrauen sträuben sich mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln gegen eine festbegrenzte Arbeitszeit. Selbst Kreise, die sich als sozial bezeichnen, halten eine nach bestimmten Stunden bemessene Suhezeit für ausreichend. Und doch ließe sich mit ein wenig gutem Willen auch für die Hausangestellten eine Regelung finden, die ihnen einen bestimmten Feierabend gewährleistet. Wenn auch mit Hilfe der Organisation schon mancher Vorteil ecreicht worden ist, so bleibt doch noch so viel zu fordern übrig, daß mit aller Kraft gearbeitet werden muß. Arbeiterkinder sind es, die ihre Arbeitskraft denen verkaufen, die es sich leisten können, die ihnen unangenehme Arbeit von sich abzuwälzen. Aber sie sollen ihre Arbeitskraft auch wirklich verfaufen und nicht verschenken. Ein Teil unserer Kolleginnen wird von seinen Eltern unterstützt, wenn sein Verdienst nicht ausreicht. Haben diese Eltern schon einmal überlegt, daß sie ja eigentlich die Herrschaften damit unterstützen? Die Hausangestellten sind eme Bevölkerungsschicht, die dringend der Hilfe bedarf; zeigen wir, daß Solidarität für uns mehr als ein schönes Wort: ſt! Eins kann jede Frau, jedes Mädchen ohne besondere Mühe tua, nämlich alle ihr bekannten Hausangestellten auf den Zentralvers band der Hausangestellten Deutschlands hinweisen, ihnen sagen, daß nur durch gewerkschaftlichen Zusammenschluß die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen erreicht werden kann. Auch die Hausangestellten dürfen in der Kette derjenigen nicht fehlen, die sich als Ziel ein Deutschland gesetzt haben, in dem jeder Ich höre im Geiste das qualvolle Hohngelächter der Tausende Frauen, denen das„ Eiserne" nicht das geringste Hochachten erzwingen konnte, nichts höchstens ein armes, faltes Lächeln. Frauen, die ihren Männern ins Feld schrieben, verzweifelt, schmerzerfüllt, bleib du mir nur erhalten, was frag ich nach solchem Firlejang!" Und oft hatte der Galgenhumor die Feder geführt: Bring nur dein eigenes Streuz heil mit nach Hause, nach dem anderen frage ich nichts." Eine Kriegerwitwe hör ich heute noch qualvoll lachen: Ja,' 3 ,, Eiserne" kriegt man heutzutage viel leichter als einen Tropfen Milch für die hungernden Kinder!" Mag ein großer Teil eitler Frauen geprahlt haben mit ihrem Helden", die Mehrzahl sicher nicht. Wär es anders, wär es zum Verzweifeln. ,, Was das gräßlichste war, willst du wissen?" heißt es zu Anfang des Artikels:„ Die Enttäuschung war das gräßlichste, der Abmarsch, daß die Frauen grausam sind, das war die Weberraschung, daß sie Rosen warfen, daß sie ihre Männer hergaben, ihre Kinder hergaben." Ja, die Frauen, die teils aus Neugier, teils aus heißem Dank, den Ausziehenden die letzte Ehre zu er weisen, blumenspendend an den Straßen, am Bahnhof standen, die sah man. Aber die Tausende, die daheim verzweifelt auf den Knien lagen und heißschluchzend sich in den dunkelsten Winfel verkrochen, die ihre Lieben nicht zum Bahnhof begleiten fonnten, weil der Schmerz sie einfach übermannt, vielleicht ihnen gar den Verstand geraubt hätte, so daß sie sich wirklich vor die Räder geworfen und so den Kindern mit dem Vater auch zugleich die Mutter genommen hätten! Ja, die Ungezählten, die jah man nicht. Auch nicht jene Frauen, die in ohnmächtiger Wut die Hände ballten, wenn die zur Front Ausrückenden mit laut. schallendem„ Gloria Viktoria" vorüberlärmten! Helm und Gewehr mit Blumen geschmüdt, als ging es zur Kirchweih! Ja, gewiß, hätten die Frauen aller Länder geschrien mit Millionen Stimmen: Wir geben unsere Männer, unsere Söhne um sich für uns die Medaille zu holen, das viel besprochene nichi her." Gewiß, fein General hätte etwas machen können, wie » Eiserne" ja, also darum zogen sie hinaus. der Verfasser so schön sagt. Aber hätten die Männer aller Länder 308 Die Gleich beit einzelne fich wohlfühlen kann. Pflicht der Genofsinnen ist es nun, ihr Teil dazu beizutragen, dieses notwendige Glied zu schmieden, damit die Kette vollständig werde. Auf ans Werk! Helft den Hausangestellten bei ihrem schweren Kampf um Berbesserung der Lohn- und Arbeitbedingungen. Sie bedürfen dieser Hilfe am meisten. Der Weg zum Volksstaat Von Carl Diesel m. ( Fortsetzung) Den Zwang eines solchen wirtschaftlichen Näherkommens glauben in Frankreich nur noch die brutalen Machtpolitiker aufheben zu können, etwa durch Gewaltmaßregeln Deutsch land gegenüber, durch die Forderung ungeheurer Kohlen. lieferungen usw. Abgesehen davon, wo hier die Grenze des Erfüllens liegt, berücksichtigen diese Gewaltnaturen nicht, daß ihre Politik des kleinlichen Hasses von der imperialistischen Politik erdrückt wird. Denn man lasse nicht außer acht, daß fich für England die deutsche Frage" zu einem gewissen Teil bereits erledigt hat. Für Großbritannien ist im wesentlichen das Ziel erreicht: der deutsche Imperialismus ist unschädlich gemacht, deutsche imperialistische Tendenzen werden nur dort geduldet und zugelassen( den Umständen nach vielleicht sogar gefördert), wo sie England nüßen. Recht gut erkennt England, daß das Militär der stärkste Schüßer einer national- imperialistischen Politik ist; darum erstrebt es feine Vernichtung; daß dagegen mit dem Kapitalismus, der nationale Eingeengtheit nicht kennt, Hölle und Teufel zu gewinnen ist. Bei geschickter Regie arbeitet der Kapitalismus ja doch nur für einen Herrn! England wird es schwerlich ungern sehen, wenn Frankreich und Deutschland sich noch ein wenig in der bisher üblichen Weise miteinander beschäftigen. Bemüht, sein Imperium nunmehr auch in den Orient- Eroberungen zu festigen, kann es bei diesen Bestrebungen Frankreich wahrhaftig nicht brauchen. Der Fehler der französischen Politik liegt darin, daß seine führenden Staatsmänner dem Reize nicht widerstehen konnten, Frankreichs„ Gloire" auf Kosten des„ Erbfeindes" heller strahlen zu machen. Die Entdeckung, daß dadurch Frankreichs weltpolitische Bedeutung ein tatkräftiges ,, Nein, wir gehen nicht, wir wollen nicht morden", gesagt, wäre jeder Krieg unmöglich gewesen. Aber jedes Volk war ja das angegriffene", das ,, überfallene", jedes Land führte Abwehrkrieg". So hatte man es der Maffe, dem Kanonenfutter beigebracht. Ihr kämpft zum Schutz für Frau und Kind!" Und welcher Mann wollte sich drücken, wenn es heißt, Weib und Kind zu schützen! Hat nicht manche Frau, mancher Mann ratlos den Kopf geschüttelt und sich verzweifelt gefragt: Ja, ist denn die ganze Welt ver= rückt, haben denn die Menschen alle den Verstand verloren?" Rein, wir Frauen haben euch nicht hinausgejagt um unserer Eitelfeit willen. Glücklich die Frau, die ihre Lieben wiederkehren sah mit reinen Sinnen, feinen frivolen und keinen aufge= zwungenen Mord auf dem Gewissen. Zwar schlechte Sol= daten, aber gute Menschen!" Sie dienten ihre vier, fünf Jahre und blieben ,, Gemeine", ohne Eisernes. Viele aber stiegen zu höchstem Ruhm und Ehre, holten sich das Eiserne I. und II. und wurden Gemeine im wahren Sinne des Wortes. Doch wozu all das Grübeln, soll ich sagen, was für mich das furchtbarste war? Nicht der Abmarsch, nicht die Leiden, aber die Tatsache, daß im 20. Jahrhundert ein Krieg möglich sein fonnte, ohne daß die ganze Menschheit in ein Hohngelächter ausbrach ob folcher Zumutung! Setzen wir Mütter aller Länder unsere ganze Kraft daran, die junge Generation so zu erziehen, daß ein Krieg fortan ein Ding der Unmöglichkeit wird. Möge die Jugend von heute einst ihren staunenden Enfeln erzählen von jener grausamen Zeit des Völkermordens, wie böses Märchen: ,, Es war einmal II. Anna Mosegaard. Was das gräßlichste dieses armen Mannes war, die Enttäuschung, welche er an sich erlebt zu haben scheint, macht es mir aur inneren Notwendigkeit, das Gegenteil zu schildern. Nr. 38 fich vermindert, wird drüben böses Blut machen, aber hoffent lich auch Augen öffnen.*) Niemand wird glauben, daß mit diesen Worten eine Billigung imperialistischer Grundsätze ausgesprochen oder gar einem Bündnis Deutschlands mit Frankreich gegen England das Wort geredet werden soll. Es sollte nur an die wirtschaftlichen und staatspolitischen Voraussetzungen erinnert werden, unter deren Zwang eine gegenseitige Annäherung geschehen kann. Ob der so zustande kommende Zusammen schluß auch ein gegenseitiges Erkennen, eine ernste und wür dige Werteinschätzung deutscher und französischer Geisteskultur, kurz: ein geistiges Busammenarbeiten überhaupt zur Folge hat, muß dahingestellt bleiben. Geist und Seele find wirkend in beiden Ländern, jezt mehr als je. Und es ist Forderung des Geistes, die Realitäten zu vereinen mit dem Ideal. Zu künden, an welchem Zeitpunkt die Erfüllung dieser Forderung in diesem Falle liegt, geht über die Grenze des Möglichen. Wir haben in Deutschland die Pflicht, unseren Weg zu suchen und zu erkennen, ganz gleich, ob wir ihn in Gemeinschaft mit anderen Nationen oder allein gehen werden. Es ist immer gefährlich, über zukünftige Geistesgemeinschaft der tikelreihe vor den Verhandlungen von Spa geschrieben bzw. ent*) Es sei darauf hingewiesen, daß der größte Teil dieser Arworfen wurde. Spa bestätigt, was hier gesagt wird. Betreffs der Kohlenfrage schrieb der„ Vorwärts" in seiner Nr. 345 vom 10. Juli 1920( Artikel: Die Kohlenstlaverei"): ,, Auch in der Kohlenfrage wie in der Entwaffnungsfrage hat sich England, soweit man bisher sieht, ganz zum Vollstrecker der französischen Wünsche gemacht. Soweit man bisher fieht, findet man auf der ganzen Konferenz von Spa Frankreich führend, England auf jede eigene Politik verzichtend. Man staunt über diese Entfagung Englands und fragt sich, was wahl als. Frant reichs Gegenleistung ausbedungen sein möge aber Geheimberträge sind ja durch die Völkerbundsatte verboten!" Untersuchungen darüber, wie sich Frankreich mit der ihm zu geschobenen Rolle der Ausgestaltung und Beherrschung des Imperiums Mitteleuropa abfinden wird, sollen an dieser Stelle nicht angestellt werden. noch unmündigen Kinder. Es gibt keine Feder, um meinem feeli schen Schmerz Ausdruck zu verleihen, die mir durch das In- denStrieg- Ziehen meines so sehr geliebten Mannes entstanden sind. Ich hatte weder Lachen noch Weinen und bin im Geiste keine Minute von seiner Seite gewichen; ich habe mit ihm gehungert und gedarbt. In Wirklichkeit habe ich am Tage für ihn und seine mir von ihm geschenkten Kinder um das tägliche Brot ges rungen. Einmal schrieb er:„, Wie ist es möglich, daß du mir so viel schickst, es kann nicht anders sein, als daß du mit den Kindern hungerst?" Daraus, lieber Freund, mögen Sie erkennen, daß es auch Frauen gab, welche mit den Ihren gelitten und gestritten haben. Infolge meiner Beschäftigung kam ich täglich mit 80 bis 100 meiner Leidensschwestern in Berührung, und kann ich Ihnen versichern, daß mancher Gatte und Bräutigam den wahren Wert der Seinen kennengelernt hat. Wie manche Frau hat nach meiner eigenen Erfahrung das Leben oder die Gesundheit für ihren Mann geopfert. Ich kann Ihnen sagen, hätten wir die Kinder mit nehmen können, so wäre mein Mann nicht von uns, sondern wir mit ihm gegangen. Weshalb haben unsere Männer nicht gestreift, die Schienen aufgerissen, damit kein Zug fahren konnte? Warum nicht?! Tausende von Männern wußten, daß sie die Ihren in Not und Elend verfallen sahen. Gebt uns Frauen Antwort, warum habt ihr euch nicht gesträubt?! Warum ließen sich die Männer wie ein Lamm zur Schlachtbank führen?! Aus diesem Fehlen beiderseits lagt uns lernen, und wir alle wollen uns zusammenschließen und mit arbeiten, daß ein solches Morden nicht wieder vorkommen kann. III. Frau Robert Buschardt Laylo sagt, daß wir Frauen grausam gewesen sind, wäre das gräßlichste gewesen? Warum waren wir Frauen denn graufam Auch ich war zur genannten Zeit Gattin und Mutter zweier Waren wir überhaupt grausam? Und wenn wir es waren, waren Nr. 38 Die Gleichheit Völker zu sprechen, denn indem sich ganz bon selbst die Hoffnung zur Gewißheit steigert und bildet, ist dann die Enttäuschung und die Ratlosigkeit um so größer, wenn sich das Rad des Weltenschicksals anders dreht. Stets ist die ErKenntnis des Gegebenen, Klaren, Tatsächlichen die beste, und je mehr der Mensch sich ihrer gerade in diesen Zeiten der Verwirrung und Unruhe, der Haltlosigkeit und Ungewißheit zu bemächtigen strebt, desto eher wird er einen festen Standort gewinnen, von dem aus er Ueberblick halten und Erschautes durchdenken kann. ( Fortsetzung folgt) Lehrerin und Unehelichkeit In einer Berliner Gemeinde des Ostens ist eine Lehrerin mit einem dreizehnjährigen unehelichen Knaben. Die Dame war verlobt und wurde kurz vor ihrer Hochzeit von dem Verlobten verlaffen. Sie war in einem märkischen Städtchen Lehrerin und mußte vor der Geburt ihres Kindes ihr Amt niederlegen; sie hat dann sich und ihr Kind durch Erteilung von Privatstunden durchs Leben geschlagen. Seit November 1918 erhielt sie Vertretungsstellen an Volksschulen. Sie ist Mitglied der S. P. D. und fam in die Schuldeputation. In Anbetracht ihrer Tüchtigleit beschloß die Stadt L., fie fest anzustellen. Da erhebt fich ein Protest des Lichtenberger Lehre rinnenvereins gegen die Anstellung einer Lehrerin mit einem unehelichen Kind. Die Stadt L. antwortete dem Lehrerinnenverein, wies auf die Tüchtigkeit der Dame hin und bestehi auf der festen Anstellung. Der Lehrerinnenverein erklärt sich nun endlich in der Antwort en die Stadt zufrieden, will aber ausdrücklich diesen Fall als Ausnahmefall bezeichnet sehen. Diese Stellungnahme ist leider geistesverwandt jenem Beschluß des Verbandes der Postbeamtinnen( den auch wir gebührend gefennzeichnet haben. Die Red.), wonach die außereheliche Mutterschaft standesunwürdig" machen soll. Und diese Härte und Einfichtslosigkeit in einer Zeit, in der jede siebente Frau ehelos bleiben muß, weil als Folge der großen Zeit" des männer mordenden Krieges fein Mann für sie vorhanden ist. ( Aus der Neuen Generation.) hoir es nicht in erster Linie gegen uns selbst? Mußten wir es nicht sein? Hätten wir weinen, klagen, jammern sollen, anstatt ohne Rücksicht auf unser Herzweh, unsere oft so namenlose Angst, auf unseren mißhandelten, schmerzenden Körper zu schaffen und zu arbeiten, damit unsere Kinder wenigstens einigermaßen satt wurden, und damit uns das Wenige, was wir uns oft mühsam genug gemeinsam mit dem Manne geschafft haben, auch erhalten blieb?! Wir hätten unsere Männer, unsere Liebsten, unsere Knaben, unser eigenes Fleisch und Blut geschickt? Nein und tausendmal ein! Sie alle, die auszogen zu dem entsetzlichen Morden, sie find freiwillig gegangen, sie sind gezwungen worden durch den Staat, nicht durch uns. Denn nicht wir Frauen haben gewußt, wie zwecklos und unsinnig der ganze Krieg war. Wir waren la gar nicht in der Lage, das erkennen zu können. Aber der größte Teil der Männer hat es gewußt! Und die es nicht wußten, erfuhren es gar bald aus eigener Anschauung. Warum haben die Männer micht einmütig erklärt, wir wollen keinen Krieg? Wir wollen unsere Brüder nicht morden? Wir wollen kein Blut bergießen? Wißt ihr nicht, daß es für uns Frauen die größte Enttäuschung war, als wir erkennen mußten, daß der Sozialismus ein so schwaches Band war, das dem ersten Ansturm nicht stand hielt? Das schon bei der ersten Probe erkennen ließ, daß es zerreißen würde. Aus Eitelkeit hätten wir unsere Männer gehen lassen? Gewiß, gar manches Mädchen, manche Frau wird stolz auf ihren Helden gewesen sein. Wird aus diesem Grunde den schaudernden Gedanken unterdrückt haben, daß an seinen Händen vielleicht Blut hängt. Sind wir Frauen daran schuld? Trägt nicht vielmehr unsere Erziehung die Schuld? Diese Erziehung, die uns nur zu dem ausschauen lehrte, der brutal und rücksichtslos war? Die unseren Sinn verwirrte, daß wir unfähig wurden, Truggold von echtem Gold zu unterscheiden, daß wir Prahlerei mit Edelfinn verwechselten, daß wir für gut und recht hielten, was ein Verbrechen war? Sollten wir Frauen, die wir jahrhundertelang gefnechtet und unterdrückt waren wie Sklaven, den Briefe über Kindererziehung IV. Liebe Freundin! 309 Sie mögen den ironischen Ton nicht, besonders nicht in so ernsten Fragen? Schön! Seien wir also diesmal ganz friedlich und freundlich. Gewiß haben Sie auch recht: die Frage nach der Zeit der Hausfrau für ihre Kinder könne nicht so ,, mit ein paar Wizen" erledigt werden. Sie ist in der Tat furchtbar ernst und nur ein fleiner Teilabschnitt des großen Problems unserer Tage, mo denn eigentlich die viele Zeit geblieben ist, die unsere Großmütter und selbst Großbäter noch so reichlich hatten, daß sie ellen= lange Freundschaftsbriefe schreiben, gefühlvolle Tagebücher führen, im geselligen Kreise die schwierigsten Lebensfragen erörtern konnten und doch noch tagtäglich ihren behaglichen Feierabend" genossen. Da meines Wissens die astronomische Tageslänge seitdem nicht abgenommen hat, die durchschnittliche Lebensdauer aber sogar etwas länger geworden ist, da ferner die heutigen Hausfrauen nicht mehr spinnen und weben, Seife tochen, Lichter ziehen, selbst schlachten und einpökeln, ihre Männer sich sogar des nur achtstündigen Arbeitstages erfreuen, bleibt nichts übrig, als zuzugestehen, daß wir die uns bleibende Zeit eben nur etwas weniger idyllisch verwenden, aber doch wohl auch reichlich ausnußen. st das nun ein Fortschritt oder ein Rückschritt? Vergessen wir doch nicht: die Kehrseite jenes geruhigen, tampflosen Lebens vor hundert Jahren war immerhin die fast völlige Gleichgültigkeit gegen alles Politische die Händel der Welt" mochten die Könige unter sich ausmachen das Haus des Kleinbürgers war feine Welt und die öffentlichen Dinge", denen er eine sehr kühle Teilnahme schenkte, waren so ziemlich die erschütternden Neuigkeiten, die heute noch vielleicht in einem verlorenen frähwinkligen Nest vom Ausrufer mit der Glocke jedermann zu kund und zu wissen" getan werden! Wollen wir wirklich diese Zeit zurüdwünschen, selbst wenn damals die Eltern reichliche Zeit hatten, sich der Erziehung ihrer Kinder zu widmen und an ihrer eigenen Vorbildlichfeit" emfig zu arbeiten? Gewiß: die täglich dreimal erscheinende Zeitung mit ihren Beilagen verschlingt ganz erschrecklich viel von unserer Muße; die Teilnahme an politischen Versammlungen, die Vereinsarbeit usw. nimmt unsere überschüssige Kraft voll in Anspruch, und leidenschaftliches Parteinehmen ist wirklich unvereinbar mit der philosophischen Ruhe eines der Selbstveredelung und Erziehung der Nachwelt hingegebenen Geistes. Kommt nun noch dazu entweder die BerufsMut haben, den die Männer nicht hatten? Die Männer, denen doch schon jahrzehntelang der Weg zu Frieden und Freiheit gezeigt wurde? ,, Nicht eine Frau hat gekämpft für ihren Mann, für ihren Sohn, mcht eine in der ganzen Welt!" Kennt ihr die unzähligen Kämpfe nicht, durch die wir Frauen gehen mußten? Wißt ihr nicht, daß Tausende und aber Tausende unzählige Male den Entschluß faßten, ein Halt in die Welt hinauszurufen? Ist es unsere Schuld, daß es unterblieb? Nein, die Schuld lag an der bestehenden Gesellschaftsordnung, die uns nicht gestattete, Menschen zil sein. Die uns zu Arbeitstieren werden ließ und verhinderte, daß wir uns zu aufrechten Menschen entwickelten und wie Menschen fühlen, denken und handeln lernten. Johanna Uhlemann. Kinderbrief aus Dänemark Nur für Mutti! Liebe Mutti! Die Leute verpümpeln mich hier. Sie haben mir eine schöne, wollene Hose geschenkt. Die hat aber gar keine Deffnung. Ich weiß nicht, wie ich sie anziehen soll und stede fie immer in mein Bett. Liebe Mutti, gib mir bloß bald einen Rat, was ich machen soll, damit ich die guten Leute nicht beleidige. Herzlichen Gruß und Auß Deine liebe Tochter. Frisch gewagt ist schon gewonnen, halb ift Ichon mein Werk vollbracht! Sterne leuchten mir, wie Sonnen, nur dem Feigen ist es nacht! Goethe. 310 Die Gleich beit arbeit oder die vieltausendfältigen Kleinsorgen der Haushalt führung oder gar beides, so gut oder schlecht es gehen will, dann Hut ab vor der Frau, die sich dabei noch so viel Spannkraft des Geistes, Gemütsruhe und Willensstärke bewahrt, daß sie als Mutter, Gattin, Hausfrau, Berufsarbeiterin und Parteigenossin boll ihre Pflichten zu erfüllen bermagl Damit und in dem Maße, als ihr das gelingt, ist sie ja nun aber gerade Erzieherin! Oder meinen Sie, die Jugend unserer Tage( ich meine nicht die jüngste, baterlos und unter den schlimmsten Eindrücken heran gewachsene Generation!) sei schlechter mit Vorbildern ernster, schwerer Pflichterfüllung versorgt gewesen, als die für ein schladenloses aber blutleeres Humanitätsideal schwärmenden Romantifer bor 100 Jahren? Ich habe gar nichts gegen die Ideale, aber viel gegen das Schwärmen! Man kann sie sich nicht hoch genug steden, nur nicht soweit in die Himmelswolken, daß man barüber den festen Boden unter den Füßen verliert und über der andächtigen Beschaulichkeit das Arbeiten verlernt. der alte Bebel gegen die Humanitätsduseler" Jdealist reinsten Wassers! men. Wie wütete und war doch und war doch Es gibt zwei Wege, jungen Menschen zu helfen, höher zu komMan zeigt ihnen hoch in den Wolfen eine schimmernde Idealgestalt, den weit über alles Menschenmaß hinausragenden Helden( dem man dazu alles Menschliche" vorher hat wegphantasieren müssen!) und sagt ihnen: ,, Da mußt du hinauf! So werden, wie Er!" Das ist die bisher übliche Erziehung durch Heldenbegeisterung. Oder aber man gibt dem mühselig Hinaufstolpern den die Hand, sagt:„ Hopla! Nun bist du über diesen Stein weg! Seht nehmen wir die nächste Stufel" Am besten vielleicht verbindet man beide Weisen. Das Erste soll die Schule tun, das Zweite das Haus! Nun wissen Sie, was Ihre Sache ist. Dr. N. Penzig. Aus unserer Bewegung Am Freitag, den 6. August, tagte im Märkischen Hof" in Effen unter dem Vorsitz der Genossin Kurscheid eine Konferenz der sozialdemokratischen Frauen für den Unterbezirk Essen. Zum ersten Punkt der Tagesordnung: Organisation und Agitation, referierten Genosse Krismansky und Frau Arning- Elberfeld. Die Frauenbewegung sei heute eines der wichtigsten Glieder unserer Parteiorganisation, weil die Frauen heute als Gleichberechtigte in politischer Beziehung bei wichtigen Aftionen den Ausschlag geben; dann aber auch, weil in den Händen der Frauen die Erziehung der Kinder ruht, die unsere Hoffnung für die Zukunft sind. Weiter wurde auf die große Bedeutung der politischen Frauenbewegung hingewiesen. Es wurden Schulungs- und Bildungsmöglichkeiten der Frauen erörtert, wodurch wir unseren Zielen ein beträchtliches Stück näher fommen. Nach der anregenden Diskussion wurden von den Referenten zur Belebung der Frauenorganisation folgende Vorschläge gemacht: Lese- und Diskutierabende zu veranstalten; der gesellschaftliche Zusammenschluß soll durch Unterhaltungsabende mit schönem Programm mehr als bisher gepflegt werden. Ferienwanderungen der Jugend und die Einführung von Nähabenden follen erwogen werden. Der größte Wert sei bei der Agitation auf die Kleinarbeit, die Agitation von Mund zu Mund zu legen. Im Anschluß an den Bezirksparteitag wird am 28. September in Düsseldorf eine Frauenkonferenz tagen, die sich mit aktuellen Fragen der Frauenbewegung befassen wird. Für unsere Frauen gilt es nun, da ja jetzt nach den Reichstagswahlen eine Ruhepause bis zur nächsten großen Aktion eingetreten ist, die Gleichgültigkeit und Lauheit abzuschütteln und mit den Männern gemeinsam für die Ausbreitung der sozialistischen Ideen und unjerer Organisation einzutreten. Den zweiten Punkt der Tagesordnung: Wohlfahrts= pilege, behandelte Genossin Arning- Elberfeld in ausführlicher Weise. Rednerin betonte, daß die soziale Fürsorge das ureigenste und dankbarste Arbeitsgebiet für die Frauen sei. Nach dem verlorenen Kriege habe eine furchtbare Not und Verelendung un Volfe Plaz gegriffen; hier müßten alle Hände helfen. Durch Pflege der gesamten Sozialpolitik gewinnen wir Eingang in die Arbeiterfamilien, die wir dann leichter für den Sozialismus gewinnen können. Bisher sei die Wohlfahrtspflege nur von den tonfessionellen und vaterländischen Frauenvereinen betrieben worden. In Berlin habe sich der Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt gebildet, dem sich in allen größeren Städten Ortsaus schüsse angliedern. Auch in Essen müsse ein solcher Ausschuß gebildet werden. Die Rednerin gab praktische Anweisungen, wie Nr. 38 sich unsere Frauen in der Wohlfahrtspflege betätigen können; sie fanden allseitige Zustimmung. In der nun folgenden Aussprache wurde beschlossen, den Ausschuß zu bilden und im Sinne der Rednerin zu handeln. Wohlfahrtspflege Von der Stadt Brandenburg a. d. H. liegt der Plan für den Ausbau eines Wohlfahrtsamtes, dessen Direktor unser Genosse Dr. Caspari ist, vor, der wohl das Beste darstellt, was auf diesem Gebiet bisher vorhanden sein dürfte. Was über das grundsäßliche, was für die Errichtung eines Wohlfahrtsamtes gesagt ist, soll wörtlich hierher gesetzt sein: Die Wohlfahrtspflege geht über den Begrifff der Armenpflege wesentlich hinaus. Bei der Armenpflege handelt es sich darum, solchen Personen zu helfen, die aus Mangel an bereiten Mitteln nicht in der Lage sind, für sich und ihre Angehörigen den notwendigsten Unterhalt zu beschaffen. Die Aufgaben der Gemeinde auf dem Gebiete der Armenpflege sind insbesondere durch das Gesetz über den Unterstüßungswohnsis und die hierzu erlassenen Ausführungsgeseze geregelt. Bei der Wohlfahrtspflege handelt es sich um einen bedeutend größeren Tätigkeitsfreis. Wohlfahrtspflege bedeutet die Förderung des Gedeihens der Allgemeinheit durch fürsorgliche Maßnahmen. Eie deckt sich nicht mit der wohitätigkeit. insofern diese nur den einzelnen Personen gewidmet ist und das Verabfolgen von Spenden oder anderen Zuwendungen zum Gegenstand hat, während die Wohlfahrtspflege umfassendere Einrichtungen schafft und durch sie einem größeren Kreis von Personen zu nüßen bemüht ist( v. Frankenberg). Die Wohlfahrtspflege verbindet mithin mit dem Gedanken der Pflege den der Vorbeugung, indem sie den Eintritt der Berarmung und Verelendung auszuschließen oder doch wesent lich einzuschränken sich zur Aufgabe sept. Ihr Arbeitsgebiet ist also, fürsorgerische Einrichtungen vorbeugenden und heilenden Charakters zum Wohle der Allgemeinheit zu schaffen. Demgemäß wird sich die Tätigkeit des Wohlfahrtsamtes auf wirtschaftliche, gesundheitliche und erzieherische Fürsorge erstrecken, wobei betont werden muß, daß sich eine strenge Scheidung der Abteilungen des Wohlfahrtsamtes nach diesen Gefichtspunkten nicht durchführen läßt, da diese drei Arten der Für sorge vielfach eng ineinander übergreifen. Wenn das Wohlfahrtsamt eine einheitliche und straffe Zufammenfassung aller behördlichen und privaten Wohlfahrtsarbeit erreichen will, so ergibt sich notwendig die Forderung einer einheitlichen behördlichen Spizze im Rahmen der Selbstverwaltung. Das Wohlfahrtsamt darf die in der Bürgerschaft vorhandene Sachverständigkeit, Fachkenntnis und Bereitschaft zur Mitarbeit nicht brach liegen lassen. Die Teilnahme der Gesamtheit der Bürgerschaft muß ihren Ausdruck in der Gesamtorganisation des Wohlfahrtsamtes finden. Folgerichtig wird die Verwaltung des Wohlfahrtsamtes einer gemischten Deputation als oberstem Oc gan übertragen. Die Deputation besteht aus: 1. Vier Magistratsmitgliedern, 2. dem Direktor des Wohlfahrtsamtes, 3. dem Stadtarzt, 4. sechs Stadtverordneten, 5. sechs Bürgerdeputierten, und zwar vier in der Wohlfahrtspflege erfahrenen und bewährten Männern und Frauen, einem Vertreter der Arbeitgeber- und einem Ber treter der Arbeitnehmerorganisation Brandenburgs. Den Vorsitz in der Deputation und in den einzelnen Ver waltungsausschüssen( siehe 2.) führt der Dezernent des Wogl fahrtsamtes oder sein Vertreter. Aufgabe der Wohlfahrtsdeputation ist es, alle Angelegenheiten von grundsätzlicher Bedeutung zu erledigen, Richtlinien für die Ausübung der Wohlfahrtspflege festzusetzen und über die Einrichtung neuer oder den Ausbau vorhandener Arbeitsgebiete zu beschließen, die Beziehung zwischen behördlicher und privater Wohlfahrtspflege zu erhalten, Einrichtung und Verwaltung aller Abteilungen des Wohlfahrtsamtes zu überwachen. Das Nähere über Aufgaben und Geschäftskreis der Wohlfahrtsdeputation regelt die noch zu erlassende Wohlfahrtsordnung." Die Frage der Arbeitsgebiete, welche für ein Wohlfahrtsamt in Frage fommen, muß nach den Ausführungen des vorliegenden Blanes je nach dem Charakter der Stadt als Groß-, Mittel- oder Kleinstadt entschieden werden. Brandenburg hat folgende Einteilung getroffen: 9. 38 Die. Gleich beit 1. Sauplabteilung, welche die gesamten Abteilungen umfaßt. 2. Jugendwohlfahrt.( 3u dieser Abteilung gehört natürlich das Jugeridanit.). 3. Fürsorgeabteilung. 4. Gesundheitspflege. 5. Volksbildung. 6. Wirtschaftshilfe. 7. Arbeitsamt( mit Berufsberatung). Der letzte Teil behandelt die Kostenunterbringung. Unseren Genoffinnen, welche in den Gemeindevertretungen fatig sind, fann dieser Organisationsplan nur dringend als Wegweiser empfehlen werden. Ueberall, wo Wohlfahrtsämter noch icht eingerichtet sind. empfiehlt es sich, den Organisationsplan Brandenburgs fominen zu lassen und ihn als Grundlage zu nehmen. C. B.-S. Tuberkulosenfürsorge. Bielo Städte kämpfen mit der Tuberkulosenfürsorge. In den Sommunen fehlt es an Geld, um die Kranken in Erholungsheime schicken zu können. Uns ging es in unserem Städtchen renau so. Viele Mütter können auch nicht auf Wochen fortfahren, lacil fie, solange es geht, den Haushalt versehen müssen. Unser Stadtarzt hat darum in unserem Wald eine ganz einfache Holzballe bauen laffen, die vorne offen ist. Am Ende steht eine kleine geschlossene Halle, die des Nachts die eisernen Betten, Deden, Echälchen usw. beherbergt. Ein alter Mann wacht nachts über diese Sachen, d. h. er schläft draußen im Wald. Morgens stellt er in der offenen Halle alle Betten zurecht, und dann kommt die Fürsorgeschwester und focht die Milch auf. Die Stadtverwaltung hat zwei Straßenbahnwagen zur Verfügung gestellt. Der eine fährt morgens 9 lihr, der andere mittags um 2 Uhr und abends unt 6 Uhr zurück. Die Kranken liegen dort nun vor- und nachmittags in der schönen Waldluft, jeder bekommt einen halben Liter Milch. Sehr freuen sich die Kranten, wenn die Schwester Geschichten borliest oder wenn eine Schulflasse tommt und im Hintergrund im Walde schöne Lieder singt. Wir haben damit unseren Kranken eine schöne und billige Erholungsstätte errichtet. Es wäre wünschenswert, daß alle Städte, die kein Erholungsheim haben, das nachahmen würden. Gerade die Tuberkulose muß auf das schärfste befämpft werden. Gertrud Graf- Köslin. Eingesandt Rad- Jo Der Nr. 188 der Norddeutschen Volksstimme" vom 13. August 1920 entnehmen wir eine Notiz, Schwindel mit Rad- Jo". Für bicses auch lebhaften Absatz findende Mittel macht die Rad- JoBerjandgesellschaft Hamburg ungeheuerliche Netlame. wird u. a. folgendermaßen angepriesen:„ Rad- Jo verhütet Schwangerschaftsbeschwerden, Erbrechen usw."" Es fürzt die Ge burtszeit oft bis auf Minuten ab."„ Es verhütet Krampfadern." „ Es befördert die Milchbildung oft so start, daß die Milchbildung wit nicht bezwungen werden kann."„ Viele Mütter berichten, daß Rad- 30- Kinder weit gesünder, kräftiger entwickelt, hübscher und heiterer find als ihre älteren Kinder, die ohne Rad- Jo geboren Sute Joare 31.1 wurden." Durch den Zusatz„ Geprüft und begutachtet von hervorragenden Aerzten und Professoren, u. a. mit großem Erfolg angewandt an einer deutschen Universitätsfrauenklinik", sucht die Rad- Jo- Firma den läuschenden Anschein zu erwecken, daß die oben angeführten Angaben von ärztlichen Autoritäten anerkannt morden seien. Die wissenschaftliche Nachprüfung des Mittels hat ergeben, daß Rad- Jo die ihm zugeschriebenen Eigenschaften nicht besitzt. Mit den Namen von Aerzten hat die Rad- Jo- Gesellschaft groben Mißbrauch getrieben. Die Direktoren sämtlicher deutschen Universitäts- Frauenkliniken warnen das Publikum vor dem Ankauf dieses Mittels. Die Reflame für Rad- Jo ist gemeinschädlich. Da Rad- Jo zu einem sehr hohen Preise vertrieben wird, werden die Käufer zu einer wirtschaftlich unnützen Ausgabe verführt, die nur dazu dient, den Rad- Jo- Fabrikanten zu bereichern. Wir haben keine Ursache, an der Richtigkeit dieser Notiz zu zweifeln, müssen vielmehr dankbar sein, wenn die Bevölkerung vor dem jetzt so vielfach auftretenden Schwindel auf allen Gebieten gewarnt wird. Was uns nicht einleuchtet, ist jedoch das Gegenstück, das sich schon seit Monaten in der„ Gleichheit" zeigt, wo durch Inserat allen werdenden Müttern in voller Würze RadJo empfohlen wird. Die ,, Gleichheit" als Organ der sozialistischen Frauen hat durch ihre Schreibweise unter den Frauen großes Vertrauen gewonnen. Immer neuen Geist und Rat, Belehrung und Willenskraft haben wir aus ihren Zeilen gesogen. Wenn dann ein großer Teil Frauen auch zu der Empfehlung des Rad- Jo Vertrauen fanden und in der schweigenden Hoffnung lebten, sich ihren Schmerz zu lindern und die Entwicklung der Kinder zu fördern, so ist dieses leicht zu begreifen. Unverantwortlich wäre es aber von der„ Gleichheit", wenn sie lediglich aus Geschäftsinteresse einen großen Teil ihrer Leserinnen finanziell schädigt und sich selbst das Vertrauen ihrer Leserinnen untergräbt. Wir wären der Volksstimme" dankbar, wenn sie die unzweifelhaft auf sachliche Prüfung gestützte Warnung auch der Redaktion der„ Gleichheit" übermitteln wollte. Mehrere schwangere Mütter, Leserinnen der Volksstimme" und„ Gleichheit". " Al3 ,, Geschmack im Alltag." Die Anmeldungen von Teilnehmern un der am 25. September im Schöneberger Rathause zu eröffnenden Ausstellung von Frauen- und Mädchenkleidung und Wohnungseinrichtungen sind überaus zahlreich. Unter anderem werden auch von einer Reihe Hausfrauen selbständig entworfene und eigenhändig hergestellte Kleider ausgestellt werden. Wandschmud der Zimmer dienen Graphifen beteiligter Künstler und musterhafte Reproduktionen. Innerhalb der Ausstellung und in Verbindung mit ihr sollen Vorträge zur Hebung des volfs= wirtschaftlichen und funstgewerblichen Verständnisses stattfinden. Alle Mitteilungen und Anfragen zu dieser Ausstellung sind zu richten an Frau Ilse Müller- Oestreich, Berlin- Friedenau, Menzelstr. 1, Telephon: Steglitz 1512. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bohm- Schuch. Druck: Vorwärts Buchdruckerei. Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. S. fämtlich in Berlin SW 68. 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