Nr. 44 30. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Die Gleichheit erscheint w ochentlich Preis: Vierteljährlich 3,60 Mart Inserate: Die 5 gespaltene Nonpareillezeite 1,50 Mart, bet Wiederholungen Rabatt Berlin 30, Oftober 1920 Die Frau und ihr Haus Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morigplag 147 40 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Parteitage Große Erwartungen hatten wir Frauen auf unsere Frauenfonferenz und den Parteitag in Kassel gefeßt. Sind sie alle erfüllt worden? Es ist wohl unsere Schwäche und Stärke z11gleich, daß wir immer mehr erhoffen, als in den Grenzen des augenblicklich Erreichbaren liegt. Dadurch können leicht Enttäuschungen und Entmutigungen eintreten, andererseits bewahrt uns dies rastlose Streben nach ferneren Zielen davor, behaglich Nuhende und Selbstzufriedene zu werden. Solange wir Frauen Suchende sind, werden wir auch mit unseren Kindern, mit den nach uns Kommenden eng verbunden sein und gerade unsere Partei braucht diese Verbindung von Gegenwärtigem zu Zukünftigem mehr als jede andere, weil fie eine neue Welt gestalten will. Gerade das ist aber in Kassel betont worden. Auf keinem früheren Parteitag wurde wohl die Notwendigkeit der Gewinnung und Schulung der Frauen für unsere Partei so einmütig anerkannt. Es ist viel fleißige und gute Arbeit geleistet worden, die unserer gefamten Bewegung also auch den Frauen nußen wird. Innere und äußere Politik hängen in jedem Lande fest zusammen; für Deutschland sind sie durch den Versailler Friedensvertrag ineinander geschmiedet. Dieser Vertrag, der den Frieden Europas in jeder Stunde gefährdet, darf uns einen neuen Krieg nicht bringen, weil das unsere voll fommene Vernichtung wäre. Darum muß er erfüllt werden, soweit das überhaupt möglich ist. Diese Grenzen des Möglichen sollen der Entente ehrlich gezeigt werden. Kein Handeln und kein Feilschen darf es mehr geben. Wir können etwas oder wir können es nicht. Nur so fans die Arbeiterschaft der anderen Länder wieder Vertrauen zu uns gewinnen; nur dann kann der Vertrag von Versailles an der Unmöglichkeit seiner Erfüllung scheitern. Nur dann sind Auslegungen des Vertrages unmöglich, wie sie jetzt von der Entente beliebt werden in der Forderung, daß Deutschland 810 000 Milchkühe abzuliefern und damit Hunderttausende feiner Säuglinge selbst zu töten hat. Daß sämtliche Dieselmotoren abzuliefern bzw. zu vernichten sind und neue nicht gebaut werden dürfen, wodurch jede Entwicklung unseres Kraftmaschinenbaues unterbunden würde und eine ungeheure Arbeitslosigkeit die Folge sein müßte. Die Wiedergutmachung soll in erster Linie erfolgen durch den Neuaufbau der zer störten Gebiete mit Hilfe der deutschen Arbeiterschaft. Auf diesen Boden stellte sich der Parteitag und zeigte damit, wie ernst es der Sozialdemokratie mit dem Willen zur Erhaltung des Friedens iſt. Zur Erfüllung des Vertrages- also zur Erhaltung des Friedens und um die deutsche Industrie vor dem Untergang zu bewahren, ist es aber notwendig, unsere Rohstoffquellen, vor allem den Kohlenbergbau, zu sozialisieren, d. H. aus dem Besitz der einzelnen Grubenherren in den des Reiches zu überführen. Sollte die Vollsozialisierung an dem Widerstand des Reichstags scheitern, so will der Parteitaa, daß eine Volksabstimmung herbeizuführen ist. In der Frage des Wohnungswesens vertraten die beiden Referenten sowohl wie die Diskussionsredner den Standpunkt, daß der Neubau nur auf gemeinwirtschaftlicher Grundlage erfolgen dürfe, wenn wir die Not überwinden wollen. Auf dem Wege der Pflichtgenossenschaften für alle Wohnungsuchenden glaubt man dieses Ziel am schnellsten zu erreichen. Ein Antrag, der die Sozialisterung der Baustoffabriken verlangt, wurde einstimmig angenommen und bereits am 23. Oktober trat eine, innerhalb unserer Reichstagsfraktion gebildete Kommission zusammen, die die Frage schnellstens bearbeiten soll. Auch zu dem Kampf um die wirtschaftliche Gleichberechti gung der Frauen wurde Stellung genommen und der Reichstagsfraktion eine Entschließung zugewiesen, welche sich mit der Entrechtung der Frauen durch die Regierungsverordnung zu den Kaufmanns- und Gewerbegerichten befaßt. Ueber die Materie selbst sind die Genossinnen durch den Artikel von Lene Greek in der letzten Nummer der„ Gleichheit" unterrichtet. Die Angelegenheit ist im Verfolg der Kasseler Resolution ebenfalls am 23. 10. von uns dem sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags nochmals vorgetragen worden. Derselbe wird sich in der nächsten Sigung damit befassen, so daß einige Hoffnung vorhanden ist, daß diese Rechtlosmachung der erwerbstätigen Frauen, welche mit der Verfassung in Widerspruch steht, beseitigt wird. 1 Unsere Partei ist trotz aller Widerstände gewachsen; eine Million zweihunderttausend Mitglieder zählt sie. Eine statt. liche Zahl und doch. Ganz andere Massen gehören nach ihrer Sehnsucht und nach ihren Lebensbedingungen zu uns. Wir müssen sie erfassen. Und deshalb hätte ich gewünscht, daß die Frauenkonferenz oder der Parteitag neben den alten neue Wege gefunden hätten zur Heranziehung der uns noch Fernstehenden, vor allem der Frauen und Jugendlichen. Die Agitation in den Betrieben, die Schulung durch die Bildungsausschüsse muß m. E. viel intensiver betrieben werden. Hier liegen große Aufgaben für die Kommission, welche zur Ausarbeitung eines neuen Parteiprogramms eingesetzt worden ist. Zeigte so unser Parteitag eine einmütige Entschlossenheit, auf demokratischem Wege unaufhaltsam dem sozialistischen Ziel näher zu kommen, so bot der Parteitag der Unabhängigen, der vom 12. bis 16. Oktober in Halle tagte, das Bild trostlosesten Zerfalls. Die Diftatoren, welche in Moskau über das russische Bolt regieren, verlangten, daß auch die deutsche 1. S. P. D. sich ihren Befehlen beugte. Da der gesunde Sinn eines Teiles der unabhängigen Arbeiterschaft sich gegen solche Diktatur auflehnte. taten es auch die Führer und so zersplitterte in Halle die Partei der ehemaligen Zersplitterer der deutschen einheitlichen. Arbeiterbewegung. Nun tritt der eine Teil entschlossen für die Gewaltherrschaft, für die ruifischen Methoden ein und der andere Teil steht, wie bisher, unentschlossen zwischen Demokratie und Diftatur. Und doch gibt es hier kein Zwischending: entweder Mitarbeiten am Wieder 358 Die Gleich beit aufbau unseres Wirtschaftslebens und damit am Weiterbau unserer Republik, so, wie wir es in Staffel gezeigt haben; oder der Versuch, durch die Gewalt, durch ein wahnsinniges Blutvergießen zur Macht zu gelangen. Beide Wege streben zu demselben Ziel: die Menschen auf Erden glücklich zu machen. Aber alle, die nicht durch die Blut- Suggestion eines Sinowiem irre geworden sind, müssen jetzt erkennen, welcher Weg wirklich zu dem ersehnten Ziel und welcher ins Berderben führt. Und sie müssen sich entscheiden, welchen sie gehen wollen. Clara Bohm- Schuch. Nicht müde werden! Пlicht müde werden! Warum immer hoffen auf Cohn? Tat ift lich selbst genug, Braucht nicht vergo'denden Schimmer, Braucht nicht Lob und nicht Fluch! Пicht müde werden! Du Itehit nicht allein! Was du schaffit, foll allen gehören! Du wirkit am Menfchneitsgedeihn: Drum wirke voll Kraft und in Ehren! Nicht müde werden; aufwärts- voran! Unfichtbare Laft gilt's zu heben; Tur darin zeigt fich der Mann, Kann er anderen gut' Beispiel geben! Ein suchender Mensch, eine Notwendigkeit Von Erna Büsing Ueberall Gärung, Spaltung und der Schrei nach Klarheit. Das Sehnen nach Neuerungen von Dauerwert kämpft mit der Sucht nach Experimenten, freudige Hoffer auf die Zukunft ringen mit den Anbetern des Vergangenen. Dabei sprengt ungezügelte Leidenschaft sehr oft die Form, die Kampfesweise büßt ihre Wohlanständigkeit ein und artet in unichönes Gezank aus. Das macht die Frauen oft mißgestimmt und widert sie in höchstem Maße an. Denn aus einem sehr verständlichen Anlehnungsbedürfnis heraus möchten fie Anschluß an eine gefestigte, sie stüßende Sache nehmen und dem Kampf möglichst entgehen. Wer sich aber jetzt der Mühe des Prüfens entziehen will, begeht eine Sünde gegen sich selbst. Er erweitert nur den Bustrom der Rückschrittler, die überlebte Formen als Allheilmittel für alle Zeiten preisen. Stets wollen wir Hochachtung vor Erfahrungen und erlerntem Wissen haben, doch darf Hochmut dem Lernenwollen kein Ende setzen. Wir müssen unser Wissen immer zu erweitern suchen und wir fönnen auch sogar gezwungen werden, auf Grund vorher nie geahnter Tatsachen und nach härtester Selbstprüfung unsere Ansicht zu revidieren. Nur Angelerntes reicht für uns nicht aus, namentlich nicht in dieser Zeit. Angelerntes verwertet auch ein Tier. Aber Prüfenkönnen, ob das Angelernte in diesem Augenblick der Allgemeinheit gegenüber auch das Richtige ist, das bleibt uns Menschen vorbehalten. So find die Kämpfe mit sich selbst und mit anderen unvermeidlich. Daß aber ihre Austragsweise gemildert wird, daß Hochachtung jedem ehrlichen Wollen und Ningen gezollt werde. das ist ohne Zweifel, Mitaufgabe der Frau und hauptfächlich der proletarischen Frau, deren ganzes Dajein ohne ihr Butun auf Kampf gestellt ist. Rann und will jedoch die Frau zurückgezogen leben, dann darf sie keinesfalls den Suchenden ein Hemmnis werden, den Kämpfenden in den Rücken fallen. Und gerade, was für die Frauen so wichtig ist, in den Erziehungsfragen muß dem Suchen Raum gegeben werden. Ohne Kampf kommt keiner zu einer Weltanschauung. Der Mensch mit festumrissener Anschauung jedoch, der dabei noch ftets gewillt ist, feinen Gesichtskreis zu erweitern, ist natürlich Nr. 44 der beste Erzieher, weil er den Suchenden versteht. Er besitzt auch Autorität aber eine Autorität, die emporzicht und nicht eine, die erdrückt. Dieses Wort„ juchen" umschfteßt viel Mühe, vicle Rämpfe, viele Enttäuschungen, aber es verheißt das Finden. Das Suchen, wir wollen es ehren, denn es ist eine Lobpreifung jeder Tätigkeit, eine Anwaltschaft auf das Weiterwachsen. Ihr Mütter, helft fuchen! Ein Suchender bedingt doch nichts Trennendes, sondern er verlangt von euch die Stütze im Kampf um die Selbsterkenntnis. Die suchenden Menschen sind eine Notwendigkeit, auch für den Sozialismus. Wirtschaftliche und politische Konstellationen und Fragen der Taktik werden seine Wege be. stimmen, jedoch im Sozialismus als Endziel fönnen sich so biele Suchende finden, denn er birgt Ewigkeitswerte. Hausangestellte, Hausfrau und Einzeltüche IV. Zu diesem Thema gehen uns ständig weitere Er widerungen auf den Artikel in Nr. 36 der„ Gleichheit" zu. Wir bringen auch die nachfolgenden Ausfüh rungen unseren Leserinnen zur Kenntnis, wenn wir auch mit der Ansicht der Verfasserin nicht immer übereinstimmen. Die Red. Zu dem zur Diskussion gestellten Aufsatz: Hausangestellte, Scusfrau urb Gingellüche" ron Else Echeuer- Insel möchte ich folger des sagen, indem ich das in seinen ersten Säßen besprochene Verkänis der Hausfrau zu ihren Dienstboten und deren wirts schaftliche Lage übergehe und nur die mir wichtiger scheinende Frage der Großfüche berühre. Der Gedanke der Großküche ist schon alt. 3hre in letzter Beit von mancherlei dealisten neuerdings geforderte Einführung würde wohl der erste Schritt zur Sozialisierung der Hauswirtschaft sein, die schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts vor hervorragenden Vertretern des utopistischen Eozialismus als zur freien Entfaltung, zum bcllkommeren Idealzustand der Menschheit unbes dingt erforderlich verlangt wurde. Hauptsächlich waren dies der Engländer Owen, der eine gänzlich heruntergewirtschaftete Baumwollspinnerei durch seine großartigen Arbeiterwohlfahrtseinrich tungen auf eine von der ganzen Welt bewunderte Höhe brachte, und der Franzose Fourier, der, durch wirtschaftliches Mißgeschick beranlagt, einen heftigen Kampf gegen den Zwang der gesellschaftlichen Verhältnisse führte. Daß es Männer waren die so einschneidende Veränderungen auf dem ihnen doch naturgemäß fremden Gebiet der Hauswirt. nicht, daß sie als Utopisen, als phantastische Schwärmer, den schaft machen wollten, ist nicht ganz gleichgültig. Gtenso auch Boden der Wirklichkeit verließen, um mit allerhand stolzen zu funftsplänen die Welt zu verbessern. Männern aber fönnen wir Hausfrauen keine Kompetenz über Fragen, die den ganzen Aufbau des Haushalts betreffen, zugestehen. Nicht dem verheirataten Mann, noch weniger dem Junggesellen. Aber auch nicht der alleinstehenden, unverheirateten Frou! Die beiden Lettgenannten find fast immer genötigt, die Sorge für ihr leibliches Wohl einem größeren Unternehmen anheimzustellen gegen eine Bezahlung, die vielen von ihnen fast unerfchwinglich ist in diefen Zeiten. Für fie wäre die Frage der Ge nossenschaftsküche eher diskutabel. Anders aber ist es für den selbständigen Haushalt. Gar mancher Mann heiratet, um aus dem Leben in der Fremde", diesem alle fleinen persönlichen Wünsche so gänzlich ausschaltenden Benfionewohnen herauszukommen. Er sucht sozusagen eine indivi duelle Behandlung, eine liebevolle Rücksichtnahme auf seinen Gaumen und auf seinen Magen. Wer hätte nicht schon junge Männer, die nach längerem Aufenthalt in der Fremde ins Elternhaus zurückkehrten, ihre Freude über das Glück, wieder aus Mutters Kochtopf effen zu können, äußern hören? Daß die mit bescheidenen Mitteln rechnende Hausfrau nicht auf Rofen gebettet ist, braucht nicht betont au werden. Und ganz besonders ist es nidyt diejenige, die Hausfrau und Dienstbote zugleich ist! Nr. 44 Die Gleich beir Aus bald dreißigjährige Erfahrung fann ich da ein Liedlein fingen. Dennoch aber, so viel ich mir auch dann und wann eine Entlastung wünsche, in der Art der kasernenmäßigen Massenspeisung möchte ich sie nicht haben! Nein, das Wenige, das ich für die Zubereitung des Wah'es anschaffen kann, will ich nach persönlichem Geschmad wählen und mit Liebe und Sorgfalt zubereiten etwas, was beim Massenbetrieb ganz ausgeschaltet ist, wenn die Sache für den fleinen Mann mit mehiköpfiger Familie erschwinglich sein soll. Denn die Großküche fönnte fein teures Gasthaus sein, in dem man, was man gerade wünscht, für teures Geld haben kann. Sie wäre nur auf einfachste Kost zugeschnitten. müßte schr billig fein bei reichlichem 3umaß, wenn sie das Leisten wollte, was eine tüchtige, praktische Hausfrau leistet. Vielleicht würde die Großküche im Verbrauch einzelner Rohprodukte und der Brennmaterialien rationeller wirtschaften fönunter sehr guter Leitung, die natürlich dazu Bedingung wäre als die Ginzelküche. ten 1 Der Krieg brachte uns neben so mancherlei Sparsamkeitsmaßnahmen bereits einmal die Großküche in Gestalt der Kriegsfüche. Obwohl damals, in der Zeit des bittersten Mangels, ihre Zwangseinführung für alle Haushaltungen und damit die Aufhebung der Einzelküche von Volkswirtschaftlern aus praktischen und sozialen Gründen oft gefordert wurde, fand dieser Gedante gar feinen Anklang, selbst nicht bei denen, die nichts..hinten herum" bekamen. Mit gemischten Gefühlen gedenke ich noch der Tage, da auch ich manchmal der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe vor diesem undefinierbaren Etwas aus der Kriegsfüche faß und nach Art der Kinder mit der Gabel darin bezumstocherte, weil mein Appetit, wie bas Bahnweh beim Zahnarzt, wie weggeblasen schien. Manchem wird diese unselige Erinnerung kommen beim Lesen des Wortes: Großküche! Und wie verschwanden sie schnell, diese Kriegsfüchen, als nur ein flein bißchen mehr an Lebensmitteln auf dem Markt war! Geradejo ging es mit den Kantinen. Nur wer von den Arbeitern noch unbedingt mußic, sei es, daß der Weg von Hause für das Bringen des Mittagemahls gar zu weit war sei es, daß die Mittagspause zu fnapp war, az schließlich noch in der Kantine. so daß die meisten Kantinen ihren Betrieb schon lange einstellten. Die Männer selbst sehnten sich wieder nach dem eigenen Herd". Aber jene Zeit barg für manchen Nörgler eine heilsame Lehre, denn feineswegs ist der Kochlöffel immer ein Machtmittel in der Hand der Hausfrau. Gar mander Nerger bliebe ihr sicher erspart, wenn der gestrenge Ehemann samt den lieben Kleinen zufrieden sein müßte mit dem, was die Großküche„ serviert". Außerdem ist die Einrichtung von Großküchen bei der heutigen * Feuilleton So: in Schönheit zu leben... * In fich felber klar und still und die Dinge umber Ale überiehbar offen und in ruhigem Gelelle... Eines mit fich und mit der Welt... Arbeiten dürfen, nicht arbeiten müffen... Ich denke immer: So eigentlich müffe das Leben fein, das fich der Mensch auf feiner Erde schaffen müffe.. Und nicht diefes rubelole, immer unfinniger werdende Gehalte und Gehetze unierer Städte. Der Wolfspelz Calar Flaischlen 1. ( Schluß) Bon Artadi Awertschenfo Deutsch von Werner Beier Barsen( München) scheburachinst war zwar eine leine Etadt, aber eine eigene Beitung hatte sie doch. Fünf Minuten nach der Ankunft Eoofilows zivinferte der Veranstalter des Konzerts ihm vertrau lich zu, zog eine Nummer des Tscheburachinster Boten" aus der Tasche und zeigte ihm die folgende angestrichene Stelle: „ Wir schäßen uns glücklich, den befannten Bianisten Goofilow begrüßen zu dürfen, der in unserer Stadt eingetroffen ist, um allhier ein Klavierkonzert zu geben. Wir sprechen zugleich die Erwartung aus, daß das Publikum dem Künstler, der allen Unbilden des Winters zum Trotz zu uns gekommen ist, die ver biente Aufmerkjamleit schenken werde. Bei dieser Gelegenheit 359 Wohnungsnot weder sozial noch rentabel. Unheure Betriebs. kapitalien wären nötig. Was müßte an dem Essen verdient wer den, um sie zu verzinsen und um die hohen Löhne der vielen Ana gestellten zu zahlen? Und gange Industries und Handelszweige würden notleidend werden bei der Umwälzung unsres modernen Haushaltssystems. Es wurde auch gesagt. die Dienstmädden sollten in andere, ihnen passende Berufe gehen. Ja, in welche denn? Es herrscht ja bereits an weiblichen Arbeitsfrästen ein starkes Ueberangebot, ausgenommen an Hauspersonal, das noch immer viel zu fnapp ist. Man sollte vielmehr jedes Mädchen, auch die gewerbliche Arbeterin zur tüchtigen, praktischen Hausfrau heranbilden, die einst bem Mann eine gute, treue Hüterin feines Heims, eine Mehrerm seines Wohlstandes sein kann. Reineswegs soll es der Frau, die den Familienunterhalt zu bestreiten oder die für alte, eraverbsunfähige Eltern zu sorgen hat, erschwert werden, lohnenden Erwerb außerhalb der Hauswirtschaft zu finden. Aber dem planlosen Gindrängen der Mädchen und Frauen, leiber nur zu oft der plattesten Mittelmäßigkeit. in das Betätigungsfeld der Männer, fann man wohl kaum das Wort reden. Sie machen es dem Mann immer schwerer, einen Hausstand zu gründen und damit das Weib seinem natürlichen Beruf als Hausfrau und Mutter zuzuführen. Sie lassen sich nur zu häufig als Lohnbrücker verwenden und schädigen damit ihre männlichen Arbeitskollegen und deren Familien.. Sie verachten die Hausarbeit und alle, die sie verrichten, und so geben sie später die vielen untüchtigen, arbeitsungewohnten Hausfrauen. für die der bedauernswerte Mann nie genug verdienen kann. Für sie allerdings ist die Großküche wahrscheinlich recht zwedmäßig. Meines Erachtens aber stellen sich wenigstens unter den heutigen Berhältnissen der Errichtung von Großküchen die schwersten ideellen und materiellen Bedenken entgegen. Noch ein Wort er die Großwäscherei". Auch diese Institu tion hatten wir während des Krieges in vielen Großstädten. Sie muß nicht besonders starf frequentiert gewesen sein. denn sie war recht bald wieder eingeschlafen. Die Devise: Billig und schlecht! hat niemals Bugkraft. Wenn etwas geleistet werden soll. Foster es heute viel Geld und auch die Einrichtung der Zentralwaschanstalt würde für den großen Haushalt zu teuer sein, ganz abgesehen davon, daß der Wäschebestand der fleinen Leute feinen Großbetrieb mebr vertragen kann, der ihm hurtig den Garaus machte. Nur sorgsamste. schonendste Behandlung kann das fadenscheinige, fümmerliche Dasein dieser' usendfach gestopften und geflidten Wäschestücke noch eine Weile verlängern. Minna Heimannsberg Frankfurt. sei eine pikante Einzelheit aus dem Leben des Konzertanten ecwähnt: man erzählt, daß der sorglose Künstler in Ermangelung warmer Kleidungsstüde seine Tournee in einem windigen, fadenscheinigen Mäntelchen antreten wollte, und daß die Situation erit im letzten Augenblick durch einen seiner Freunde, dem Beamien Trupafin, gerettet wurde, der ihm für die Tauer einer Woche einen noch sehr guten Wolfspelz lieh. Hiernach erst vermochte der begabte Künstler, um ein 2ort ber Alten zu gebrauchen, den Rubikon zu überschreiten." Soofilow speiste nach dem Konzert in Gesellschaft seines Im presarios und einiger Verehrer. Es wurde viel getrunken und getoaftet: auf Goofilow, auf die Kunst, auf die Verehrer, auf Beethoven ,, Meinen herzlichsten Tank für den warmen Empfang," sagte Soofilow, sich bie Tränen aus den Augen wischend. „ Nein," rief der Impresario, der um diese Stunde bereits leicht angeheitert war, trinken wir lieber auf das, was Soofilow weit mehr und weit besser erwärmt hat, als unser Empfang: trinken wir auf Trupaling berühmten Wolfspela!" Soofilow sprang mit einem so plöglichen Sah empor, bas fein Stuhl umfiel. " Halt!" schrie er. Ich kann nicht mehr! Einen Lataren herf Un Himmelswillen! Wan bringe mir einen Kataren!..."*) ..Hallo?" sagte Trupakin, den Hörer nehmend. Wer ist am Apparat? Anna Spiridonowna? Guten Tag! Was? Wie! *) Jn vielen Gegenden Rußlands liegt der Handel mit alten Sleidern fast ausschließlich in den Händen der Tataren. Det Ueberseger. 360 Die Gleich beit Briefe über Kindererziehung " VI. Da würde was Schönes herauskommen," schreiben Sie mir, meine verehrte, temperamentvolle Freundin, wenn ich meinen Jungen und Mädeln in allen Dingen Freiheit lassen wollte! Da Tennen Sie die Bande schlecht!" Nun, Sie müssen sie ja besser fennen und es wäre verwegen, wollte ich Sie in Ihrer liebenswürdigen Charakteristik Ihres Fleisches und Blutes eines Besseren belehren. Aber fassen wir die Frage lieber von einem weiteren Horizont, als von dem Ihrer Kinderstube ins Auge, so sind wir da mitten in einer überaus schwierigen Streitfrage, nämlich bei dem theologisch- philosophisch- biologischen Problem, ob der Mensch, also das frischgeborene Kind, von Natur gut oder böse sei! Natürlich wird Ihr Scharfsinn sofort bemerken, daß die Fragestellung selbst zu töricht ist, um eine vernünftige Antwort erwarten zu Jassen. Sie sett nämlich voran, daß es einen allgemeingültigen Begriff davon gebe, was denn unter allen Umständen gut oder böse sei, während gut und böse doch nur Beziehungsbegriffe find, die nur in Beziehung auf den Beurteiler und auf einander einen bestimmten Sinn ergeben. Was gut und böse ist, weiß niemand," fagt Nietzsche, es sei denn der diese Begriffe Schaffende!" Es ist der Mensch selber, der sich sein Gut und Böse schaffen muß, wenn anders seine Sittlichkeit eine freigewollte, nicht eine slavisch erzwungene sein soll. Doch das führt uns hier zu weit. In Ermangelung einer wissenschaftlichen Antwort hat man daher seit alters die Frage dogmatisch gelöst; die rechtgläubige christliche Theologie mußte ja wohl die junge Menschenseele möglichst schwarz und durch Erbsü: ide" vergiftet malen, um die göttliche Erlösungstat und die kirchliche Rettungsarbeit ins hellste Licht zu stellen und fand dabei die Magddienste einer gewissen Philosophie. Auch Kant hat bekanntlich, nach Schopenhauers Ausdrud, leider seinen reinen Philosophenmantel mit dem ,, radikalen Bösen" beschlabbert; dafür schwärmte dann die naive Aufklärung von der engelhaften Reiheit der unschuldigen Kindesseele. Heute, wo man die schwere Tatsache der Vererbung körperlicher und geistiger„ Anlagen" genauer kennt, lassen wir den theoretischen Streit am besten ganz beiseite und sehen praktisch in jedem Kinde unendliche Möglichkeiten der Entwicklung, die als gut oder böje zu klassifizieren eine Torheit ist, weil die Natur diesen Unterschied nicht kennt, mindestens aber eine Voreiligkeit. Ja, sollen wir denn aber unseren Kindern nicht wenigstens das, was wir gut und böse nennen, einprägen dürfen?" werden Sie fragen. Und da kommen wir wieder auf das Freiheitsprinzip. Ja, schlecht. Ich alter Narr glaube halt immer noch an die Menschen. Und das machen sie sich zunuke. Nun size ich da und denke nach, ob es noch einen Zweck hat, jemandem Gutes Was? But fun. Na, passiert ist eben, daß ich gutmütiges Schaf diesem elenden Soofilom auf eine Woche meinen Wolfspelz geliehen habe, und er... Was meinen Sie wohl, was er macht? Nicht mehr und nicht weniger: Er verkauft ihn an einen Tataren und vertrinkt das Geld mit seinen liederlichen Kumparen. Soll man wohl hiernach noch... Was? Ja, auf Wiedersehen!" Trupakin hing den Hörer ab, schüttelte trübselig den Kopf und trat in das Vorzimmer hinaus. „ Ich gehe, Palaschka Ja, siehst Du, Balaschka, da haben sie mir altem Efel mal wieder für meine Vertrauensseligkeit heimgezahlt. Ein Wolfspelz und futsch! Nein, die Gutmütigkeit ist nicht mehr angebracht heutzutage.. Gott schütze...!- Gibt es denn überhaupt noch Menschen? Ich sage nein! Tiger gibt es, nur Tiger!" Trupafin trat auf die Straße hinaus, rief einen Schlitten an, schnupperte in die kalte Luft und sagte: ,, Dieser Frost ist immerhin nicht von Pappe!" Ja... Der zieht durch..." ,, Da hat ein armer Deubel ohne Pelz nichts zu lachen..." ,, Das soll wohl seine Richtigkeit haben . " ,, Aber heutzutage, Bruderherz, gibt es ja feine Menschen mehr, sondern nur Leoparden. Kam da zu mir mal so ein Musikant: ,, Ach, gib mir doch Deinen Belz Gib mir doch Deinen Wolfspelz..." So fror ihn, siehst Du wohl. Na, ich gebe ihm auch richtig den Belz. Und was glaubst Du wohl, Bruderherg. was er mit ihm gemacht hat--?!" Nr. 44 Eigentlich dürften Sie mir, wenn ich schon die„ Gesinnungs. bildung" dem Elternhaus zuweise und überhaupt von Erziehung rede, solchen Unfinn nicht zutrauen! Den Unterschied, den die Natur nicht fennt, setzt eben der Mensch, insofern er, trotz oder vielleicht sogar wegen seiner Eigenschaft als Naturwesen, ein Kulturwesen wird, d. h. den Höhenweg der Natur über das Tierische hinaus so fortjeßt, wie einst der Wurm über die Pflanze, das Amphibium über den Fisch, der Vogel über die Eidechse und der Mensch über den Affentypus emporgestiegen ist. Nur daß in der Kultur geistige Wandlung ist, was dort förperliche Umbildung war. Darum haben die Begriffe Gut und Böse ihre Geschichte, die von dem, was einst von den Göttern erlaubt und verboten", später vom Stamm, von der Gemeinde, von der Allgemeinheit als„ nützlich und schädlich" Erkanntem, von den edelsten Geistern als„ menschenwürdig und unwürdig" Bezeichnetem sich verfeinert zu dem was ich, nämlich mein bestes Jch", mir erlauben oder verbieten muß. Und am vorläufigen Ende dieser Geschichte stehen Sie, liebe Frau Margarete und Ihr Mann, mit den Begriffen, die Sie nun von Gut und Böse haben! Da ist es nicht nur Ihr Recht, sondern Ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit, das Ihnen aufgegangene Licht, und wenn es nur eine trübe Funzel wäre, dem kommenden Geschlecht zu überreichen, wohlgemerkt aber nicht als„ heilige" Kerzenflamme, an der zu tippen Tod= sünde wäre, sondern zur gefälligen Verbesserung! Es brennt wahrlich noch trübe genug! Das Kind soll wissen, was wir für gut und böse halten, aber es soll nicht daran wie an ein heiliges Evangelium gebunden sein! Daß es dazu eine gewisse Reife braucht, daß es den Menschheitsweg von autoritativer Gebundenheit, willigem Gehorsam, freiwilliger Unterordnung und Selbstzucht in seiner persönlichen Entwicklung wiederholen muß, das versteht sich von selbst! Da haben Sie einfach Häckels„ biogenetisches Grundgeset", wonach das Kind im Mutterleibe alle Stufen der allmählichen Menschwerdung in abgekürzter Form wiederholen muß, aus dem Körperlichen ins Geistige übersetzt! Schematisch fönnen Sie also vier Erziehungsstufen unterscheiden, die natürlich allmählich ineinander übergehen: 1. Erziehung durch Gehorsam. Da steht einfach der Wille der Eltern hinter dem Gebot. 2. Erziehung durch Gewöhnung. Da schiebt sich, dem Kinde unbewußt, langsam an die Stelle des Gebotes der mechanisch im eingefahrenen Geleise trottende Kindeswille. 3. Erziehung durch Leitung. Da beginnt das Kind, von den Eltern selbst dazu ermutigt, den Grund von Gebot und Verbot der Eltern einzusehen; es beginnt über Gut und Böse selbst nachzudenken. 4. Statt Erziehung Selbstsicht. Das Kind, das damit eben aufhört, Kind zu sein, weiß, was es will und will, was Ei Brüderliche Zaungäste in vornehmes Kaffeehaus der Großstadt.... Meterhohe Kristallspiegel werfen das blendende Licht der farbensprühenden Lüster zurück. An zierlichen Marmortischchen, in lauschigen, jammtverhüllten Nischen, sitzen Hunderte von gutgefleideten Men= schen auf weichen Sesseln. Hier trisst sich der liebessehnsüchtige Backsisch besserer Kreise mit seinem Stern". Hier macht der Großschieber. schon im übereleganten Aeußeren den eigenen Aufstieg demonstrierend, die gewohnten unsauberen Geschäfte. Um dieses Gemisch von Menschen herrscht eine besondere Luft von Parfüm und Zigarettenrauch. Die Luft ist trüb und wird von Stunde zu Sturde noch trüber. Das Gespräch der Gäste wirft rücksichtslos breite Lärmwellen, aus denen hie und da ein glucksender Sprißer aufsteigt. Die Streichmufit spielt. Das Largo von Händel. In der Wiedergabe wahrhaft künstlerisch und weit über das Gewöhnliche der in Kaffeehäusern gebotenen Kunstgenüffe hinausragend. Erhaben perlen die Töne zum Publikum, offene Ohren suchend. Das denkt nicht im Geringsten daran zuzuhören, sich von Erhabenheit und Größe einfangen zu lassen. Der Student tuschelt seiner Nachbarin weiterhin schlüpfrige, alberne Worte zu, und der Schieber handelt seelenruhig fort, ohne auch nur die schmalzige Stimme zu dämpfen. Ach, von wegen Musike!" Die Augen des ersten Geigers leuchten. Singerissen von den Tönen seiner Violine fibriert das anziehende, bewegte Künstlergesicht. Er schaut auf, um die Wirkung beim Publikum zu sehen. Da! er sieht die Unaufmerksamen, und ein Efelgefühl läßt den feinen Mund erzucken. Die Kellner haben die meiten Eingangstüren geöffnet. Abend fühle streicht herein und teilt die verwolfte Luft. Vor dem Ein Nr. 44 Die Gleich beit es weiß. Es ist aus der Naturgebundenheit zur Freiheit des Kulturmenschen vorgedrungen. Vergleichen wir, um nicht immer bei der Gärtnerei zu bleiben. den Kindeswillen mit einem Fuhrwerk, so haben Sie erst einen Wagen, den Sie mit Ziehen und Schieben, mit Lohn und Strafe ,, Zuckerbrot und Peitsche vorwärts bringen müssen. Dann setzen Sie ihn auf Geleise, auf denen ihn schon ein leiser Anstoß reibungslos zum Rollen bringt. Jest schaffen wir drittens das Pferd ab und setzen an seine Stelle den Motor im Innern. Das Automobil fährt vorzüglich, Sie müssen es nur noch mit leichtestem Steuerdrud lenken. Endlich hebt es sich ganz und gar vom trogenden und hemmenden Boden und schwebt, dem Willen des Fliegers gehorchend, im Schrankenlosen. Abstürzen kann es freilich immer noch aber es fonnte auch schon unter den Rädern des Leiterwagens Hals und Bein brechen und schließlich Ist es nun nicht doch etwas Schönes, was bei der Freiheitserziehung herausgekommen ist? Getreulich Ihr Dr. Benzig. Aus der Frauenbewegung des Auslandes Die Macht der englischen Arbeiterfrauen. Wie die Morning Best" berichtet, versucht nicht nur die National Political League, sondern auch die Primrose League, eine Vereinigung fonservativer und imperialistischer Politiker in England, einen Einfluß auf die neue Organisation der englischen Arbeiterfrauen zu ge= winnen. Agitatoren der Primrose League sammeln die Frauen der vor dem Streitbeschluß stehenden Arbeiter in kleinen Gruppen und warnen se vor den Folgen eines Etreits, um eine Aftion der Arbeiterfrauen gegen ihre Männer zu unterstützen. Man sieht daraus, mit welchen Mitteln von kapitalistischen Kreisen überall versucht wird, Arbeiterkämpfe unmöglich zu machen. Die Basel. Wählbarkeit der Frauen in Kirchenbehörden. Synode der evangelisch- reformierten Kirche von Baselstadt nahm in ihrer ordentlichen Herbsttagung eine Revision der Kirchenverfassung vor. Ter Religionsunterricht wird von nun an von der Schule getrennt; die Kirche übernimmt ihn allein. Eine sehr lange Lebatte ging der Verfassungsänderung voraus, welche die Wählbarkeit der Frauen in die Kirchenbehörden vorschlägt. Der Antrag errang sich schließlich die Zustimmung der Synode. Das firchliche Frauenstimmrecht ist, wie bekannt, in Basel seit einigen Jahren in Anwendung. gang stehen junge Arbeiter und lauschen. Sie kommen von der beendeten Mittagschicht. Und der Geiger, die Zaungäste, seine gewöhnten Zuhörer erblidend, grüßt ihre ernsten Jungmenschenaugen. Dankbar nickt er den proletarischen Kunstfreunden zu. Wir sind Brüder die Arbeiter und die Künstler! Bücherscha u Franz Osterroth. Nikolaus Ofterroth. Vom Veter zum Kämpfer", Buchhandlung ,, Vorwärts", Berlin W., Lindenstr. 3. Tas Buch ist die Geschichte einer Jugend, oder besser gesagt, die Geschichte einer Entwicklung. Es sind die gesammelten Jugenderinnerungen eines Genossen, der heute als eifriger Kämpfer in unseren Reihen steht. Als kleinen, nichtsnußigen Bub lernen wir Nikolaus Osterroth fennen, als Eprößling einer finderreichen Familie, die aus einstigem Wohlstand immer tiefer in wirtschaftliche Vedrängnis versinkt. Und so begleiten wir den Jungen, den eine frommgläubige Mutter mit aller Gewalt zum ,, Heiligen" machen will, durch die mannigfachen Leiden und Freuden der Jugend hindurch, bis er am Ende seiner Militärzeit ein Wissender, Erkennender, ein reifer Mensch, ein ,, Kämpfer" geworden ist. Es ist sehr viel in diesem Buche, was zum Nachdenken Anlaß gibt. Und es ist ja auch nicht die Geschichte eines Menschen, es ist die der Befreiung unserer Zeit überhaupt. Das Schidsal dieses einen ist ein Spiegelbild des ganzen heutigen Proletariats. Mit erschütternder Tragik finden wir die Kinderarbeit in der Ziegelfabrik geschildert, die so verheerend auf die Gesundheit der jugendlichen Arbeiter wirkt. daß sie alle, Jungen und Mädchen, nach kurzen Monaten, blutspeiend und in wirren Fieberphantafien stammelnd, zusammenbrechen. Aber 361 Norwegen. Ebenso wie in Dänemark ist auch hier das Prinzip des gleichen Lohnes bei gleicher Leistung durchgeführt. Die staat lich angestellten Männer und Frauen erhalten für die gleiche. Arbeit die gleichen Gehälter, und man geht dabei auch von dem Grundfaz aus, daß die Zuschüsse für die Kindererziehung Angelegenheit des Staates find.* Weltfrauenrat in Kristiania. In der ersten Hälfte des Monats September fand in Kristiania der Kongreß des Weltfrauenrates statt. Bon. etwa 29 Ländern waren zirka 150 Delegierte entsandt, ausschließlich Vertreterinnen bürgerlicher Frauenvereinigungen. Der Bund deutscher Frauenvereine" hatte die offizielle Entsendung von Vertreterinnen zu dieser Tagung abgelehnt mit der Erklärung, erst dann wieder an den Tagungen teilnehmen zu wollen, wenn Deutschland Mitglied des Völkerbundes ist. Der Kongreß beschäftigte sich im wesentlichen mit allgemeinen Mütter-, Erziehungs- und Schulfragen, sowie der Forderung nach politischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Gleichstellung von Mann und Frau, und befaßte sich des ferneren mit dem Thema Völkerbund. Es wurde allgemein bebauert, daß die deutschen Frauen nicht anwesend waren. Bereits vor einiger Zeit hatte Genossin Hedwig Wachenheim in der„ Gleichheit"( Nr. 28 und 29) zu dem Beschluß des Bundes deutscher Frauenvereine" Stellung genommen und die Ablehnung der Einladung seitens der deutschen bürgerlichen Frauen vom Standpunkte der Völkerversöhnung scharf kritisiert. K Aus dem Bericht des Internationalen Frauenrates in Kristiania wäre über den Fortschritt der Frauenbewegung in den einzelnen Landern noch folgendes zu erwähnen: Der ständige Ausschuß für Frauenstimmrecht berichtet in den letten sechs Jahren Erfolge in 23 Ländern. Die führende Rolle scheint Skandinavien zu spielen. In Norwegen hat seit 1915 das uneheliche Kind Anspruch auf eine Erziehung, die im Verhältnis zum Einkommen des Vaters fteht; ferner hat es dasselbe Erbrecht vom Vater wie die ehelichen Kinder. Außerdem ist die Verantwortlichkeit des Vaters in Norwegen vom Gesetz schärfer erfaßt. Mit zwei Jahren Gefängnis kann bestraft werden, wer die Mutter seines Kindes vernach Tässigt. K Schweden hat fürzlich ein neues Ehegesetz angenommen, dessen Prinzip zweifellos in den zukünftigen Gesetzgebungen anderer immer neue Echaren Kinder kommen und füllen die Fabrikräume, denn sie müssen ja mitverdienen, und sie bekommen doch 85 Pf. für den Tag, an dem sie zehn Stunden lang bis zur Erschöpfung gearbeitet haben! Und dann die Arbeit in der Tengrube. So fann nur jemand schildern, der es miterlebt hat, und man begreift, wie ein Mensch, der dieses ganze Proletarierelend gesehen, erlitten und erkannt hat, von dem heißen Willen erfüllt wird, an der Befreiung seiner Klasse mitzuarbeiten. Aber über all das Traurige seiner Jugend breitet Osterroth den freundlichen Schimmer eines urwüchsigen, nicht tot zu kriegenden Humors. Geradezu köstlich ist es zu lesen, wie er in sarkastischem Tone von der Henchlerischen Salbaderei der katholischen Geistlichen und Würdenträger und der stumpfsinnigen Frömmelei seiner Dorfkameraden erzählt. Nein, ein Heiliger" im Sinne des hohen Klerus ist Osterroth nicht geworden, wenn er auch selbst als dreißigjähriger Mann, der schon mehrere Male als sozialdemokratischer Breßsünder hinter Schloß und Riegel gesessen hatte, immer noch in den Listen des Kindheit- JesuVereins" geführt wurde. Sein Buch ist ein Bekenntnis zur Nächstenliebe, zur Religion der Erlösung der geknechteten Menschheit durch den freien menschlichen Geift! Elli Radtke. Der Selbitgerechte Er wirft den Kopf zurück und spricht: Wohin ich blicke, Lump und Wicht!" nur in den Spiegel blickt er nicht. * Julius Sturm. Das ist kein Mann, wo das Größere zu gewinnen iſt, am Kleinen lich genügen läßt. 362 Die Gleich beit Länder entscheidend wirken wird. Dieses Gesetz beabsichtigt Mann und Frau in ihren Beziehungen zueinander und ihren Kindern gegenüber gleiche Rechte einzuräumen. Es ist Pflicht beider Ehegatten, für die Aufrechterhaltung des Haushalts zu sorgen. Dieser Beitrag muß jedoch nicht in barem Gelde erfolgen, denn es wird besonders erwähnt, daß die Arbeit der Frau im Hauss halt als Beitrag zur Unterstützung der Familie angesehen werden muß. Wenn der Vater nicht für die Familie sorgt, kann er ge zwungen werden, einen festen Betrag zu zahlen. Iba Braun. Aus unserer Bewegung Unterbezirk Siegen- Wittgenstein. Einem Bedürfnis und biela seitigem Wunsche entsprechend, hatte nach längeren Verhandlungen der Unterbezirksvorstand unsere Genoffin Reichstagsabgeordnete Berta Schulz in Herne für eine Agitationsreise gewonnen. Die Tour hatte zur Aufgabe, einmal eine Frau zu Frauen, aber auch zu Männern sprechen zu lassen. Während der Wahlzeit konnte diesem Bedürfnis wegen der Ueberlastung der Rednerit nicht Rechnung getragen werden. Zur Einführung der Frauen und Männer in das politische Leben war deshalb das Thema: Die Aufgaben deutscher Frauen und Männer in Gegenwart und Zukunft" gewählt worden. Die Versammlungen verteilten fich auf die Orte Eiferield, Niederscheiten, Eiegen- Etadt und Weidenau im Kreise Siegen- Schwarzenan, Berleburg und Laasphe im Kreise Wittgenstein. Die Besucherzahl schwankte von 50 bis 200 Perften, wovon ein Drittel bis zur Hälfte als Frauen ges' zählt werden konnten. Für die biesige Gegend bedeutet das schon sehr biel. Hatten die Versammlungen im Kreise unter dem Bejuche etwas zu leiden, so wurde die Genossin Schulz int Wittgensteinischen Kreise reichlich dafür belohnt. Genossin Schulz verstand es in ausgezeichneter Weise, hier auf diesem steinigen Boden vorwiegend ländliche Gegend sich die Herzen der Zuhörer, insbesondere der Frauen zu gewinnen. Mit schlichten, einfachen Worten fesselte sie die Zuhörer und legte die verschiedenen Gebiete des sozialen, wirtschaftlichen und politi schen Lebens an Hand von praktischen Beispielen und Lebens. erfahrungen bar. Unter größter Aufmerksamkeit der Zuhörer schaft behandelte sie in allen Versammlungen neben den allge. meinen Fragen speziell die Frauenfrage, Bevölkerungsprobleme und die Gefahren her Geschlechtskrankheiten. Manche bittere Wahrheit wurde be.. bürgerlichen Moralpredigern gesagt und mancher Schlag nach rechts und links geführt. In zwei Verfammlungen gab es Disfuffionen mit Vertretern der II. S. P. D., welch lettere glatt abgefertigt wurden. Dem Sekretär des Bezirks, Genoffen Schmidt, bot sich dabei Gelegenheit, auf die Organisationsarbeit hinzuweisen und die Genossin Echulz in den rein örtlichen Fragen zu unterstüten, wodurch mancher Wunsch der Zuhörer der Genoffin Echulz mit auf den Weg gegeben werden konnte. Unsere Genoffinnen und Genossen mögen das Gehörte beherzigen und für weitgehendste Berbreitung sorgen. Schmidt, Siegen. Oberkaufungen. Auch hier wurde anläßlich des Parteitages eine öffentliche Volksversammlung einberufen, in der Genossin Bartels Hildesheim über den Kampf für Demofratie und Sozialismus sprach. In knappen Umrissen zeichnete die Rednerin ein Bild von den Kämpfen, die die Partei tròs der Revolution und aller sich daraus ergebenden Vorteile noch täglich zu bestehen habe. Durch häufigen Beifall und zustimmende Zwischenrufe gaben die zahlreich Erschienenen ihr Ein verständnis mit dem Gehörten fund. Die nach dem Referat einsetzende interessante Aussprache endete in dem feierlichen Ge. Löbnis aller, mutig ben Kampf mit allen Feinden aufzu nehmen, sich nicht irremachen zu lassen durch unangebrachte Kritik und alle Hindernisse beiseite zu räumen auf dem Wege, der uns sicher zu unserem Biele führt, zum demokratischen Sozialismus. Wohlfahrtspflege Die Ergebnisse der Sonderlehreänge für Arbeiterinnen zur Ausbildung in der Wohlfahrtspflege Bon Alice Salomon. Man wird sicherlich nur mit größter Vorsicht von Ergebnissen eine Lehrganges sprechen können, dessen 8med die Ausbildung zur Berufsarbeit is, folange nicht die Bewährung der Schüler Nr. 44 im Berufsleben während eines längeren Beitraumes beurteilt werden kann. Immerhin dürften die Erfahrungen, die bei einem ersten Versuch systematischer Berufsausbildung von Arbeite rinnen für die Wohlfahrtspflege gemacht wurden, schon allein unter pädagogischem Gesichtspunkt für weitere Kreise von Juters esse sein. Nuht doch legten Endes bei allen politischen und wirt. schaftlichen Umwälzungen dieser Zeit die einzige tief begründete Hoffnung auf gerechtere soziale Zustände auf einer Reform des Erziehungs- und Bildungswesens, die den Begabten den Weg zu voller Entfaltung ihrer Kräfte und zu einer ihren Gaben entsprechenden Wirksamkeit öffnet. Von der Veranstaltung des halbjährlichen Lehrganges, der auf Anregung sozialdemokratischer Frauen und unter Beteiligung der Reichs- und Staatsministerien, der Gewerkschaften und au terer Körperschaften an der Sozialen Frauenschule in Berlin stattfand, ist bereits vor Eröffnung des Lehrganges berichtet worden. Gingen damals die Veranstalter der Eache mit Epan nung und Freude entgegen, so kann jetzt, nach Abschluß des Unterrichts, festgestellt werden, daß der Verlauf in vollem Umfange den Hoffnungen entsprach. Obwchl die Zeit zur Vorbereitung und zur Bekanntmachung des Plans außerordentlich furs war, hauptsächlich weil die sehr beträchtlichen Mittel zur Gewährung von Unterhaltsgeldern für 30 Echülerinnen zuerst gesichert werden mußten, bewarben S 181 Personen um Zulassung, von denen 84 aufgenommen wer den durften. An der Bedingung, daß die Teilnehmerinnen bein Arbeiterstand angehören, ihre Echulbildung in der Volksschule erhalten haben und im Alter von 22 bis 40 Jahren stehen sollten, wurde unbedingt feftgehalten. Die Auswahl unter den Eewerberinnen wurde von bem leitenden Ausschuß in enger Ver bindung mit den Gewerkschaften getroffen, sowie mit dem Reid) s. arbeitsministerium, da vereinbart war, daß 15 Pläte mit ge iverkschaftlich organisierten Frauen, 10 mit Striegssinterbliebenen bejezt werden sollten. Ta Teilnehmerinnen aus allen Teilen Deutschlands zugelassen werden sollten, mußte die Entscheidung über die Gesuche auf Grund von schriftlichen Unterlagen getroffen werden. Dabei waren maßgebend einmal das Ergebnis des Echulbesuchs, dann Mitteilung des Lebenslaufs, die auf allgemeine Tüchtigkeit, Berufsbemäbrung und Charakterfestigkeit schließen lassen; schließlich die Tatsache, ob die Bewerberinnen einen entwickelten Gemeinfinu durch irgendwelche öffentliche Betätigung bewiesen hatten. Zum Beispiel: Aufgenommen wurde eine Arbeiterin, die 19 Jahre in derselben Fabrit gearbeitet und sich dort eine geachtete Stellung erworben hatte. Sie lebte bei ihren Eltera und nahm am politischen Leben teil. In der Fabrik hatte sie einen starken Einfluß auf die jüngeren Arbeiterinnen erlangt, den sie besonders nußbar machte, um den Sinn für gute Literatur zu wecken. Aufgenommen wurde eine Frau, die ihrem unche lichen Knaben durch ihre Arbeit den Besuch eines Gymnasiums ermöglicht hatte; ferner eine jüngere Arbeiterin, die ihre Ersparnisse benutzt hatte, um einen furzen Lehrgang in der Kranten- und Säuglingspflege mitzumachen; eine andere, die Tochter eines Sozialdemokraten, die selbst in einer freien Ge werkschaft organisiert, sich im Gegensatz zu den Anschauungen ihrer Familie als Gemeinschaftschristin bekannte. Ferner einige Frauen, die in der städtischen Armenkommission oder in der Kinderschutzkommission der Sozialdemokratischen Partei mitge gearbeitet hatten. Niemals aber wurde jemand auf Grund einer solchen veremzelten Tatsache, die eine zufällige, äußerliche und wesensfremde sein kann, zugelassen, wenn nicht auch die anderen oben angegebenen Merkmale auf Geeignetheit für die Ausbildung und für den sozialen Beruf schließen ließen. Abgelehnt wurden alle, die nicht die oberste Klasse der Volksschule erreicht hatten, die in ihrer Arbeit sehr unbeständig waren und keine Zeichen eigener Cirebjamkeit und Entwidlung aufweisen konnten, bei denen der Wunsch nach Eintritt in den sozialen Beruf mehr dem größeren Ansehen als der verantwortlicheren, größeren Leistung galt. Eine Bewerberin schrieb: Mein bisheriges Alles war nichts." Ich flog von Etelle zu Stelle. Nicht alle Bewerbungen waren so charakteristisch. Viele mußten abgelehnt werden, weil eben nur für die am geeignetst Echeinenden Platz und Mittel vorhanden waren. Im ganzen hat sich die Auswahl bewährt. E3 mar geradezu erstaunlich, wie seyr die Leistungen der Schülerinnen, ihre Eigenart der Begaburg dem Bilde entsprach, das man aus ihren Papieren gewonnen hatte. Nur drei Schülerinnen verließen den Lehrgang vor seiner Beendigung, zwet veranlaßt durch eigene Erkrankung bgtp. Strankheit der Mutter; nur eine, weil sie offenbar nicht Freube Leben? Nr. 44 ie Gleich beit daran hatte. 8mci weitere Teilnehmerinnen wurden vom Lehrerkollegium am Schluß des Lehrganges als ungeeignet bezeichnet und für Webernahme einer sozialen Berufsstellung nicht empfohlen. Alle anderen haben sich sowohl bei der theoretischen wie bei der praktischen Unterweisung in befriedigender, zum Teil in sehr guter Weise bewährt. Ganz Ausgezeichnetes leiftete die bereits oben angeführte Arbeiterin, die 19 Jahre in der gleichen Fabrik gearbeitet hat. Sie wird ohne Zweifel eine besonders wertvolle soziale Berufsarbeiterin werden. Sie hat übrigens nur nach leberwindung besonderer Echwierigkeiten in den Lehrgang eintreten können, die als Keitrag zur Charakteristik des industriellen Systems erwähnt zu werden verdient. Die Betreffende trat, als ihre erst furz vor Beginn des Lehrganges gemachte Bewerbung berüdjichtigt wurde, an ihren Arbeitgeber mit der Bitte heran, sie ohne Innehaltung der Kündigungsfrist nach neunzehnjähriger treuer Arbeit mit Rücksicht auf diese einmalige Aussicht auf einen Lebensaufstieg zu entlassen. Ihre Bitte wurde abgeschlagen, und da es nicht angängig fehien, bei diesem ohnehin so sehr kurzen, zusammengedrängten Lehrgang einige Wochen aut spät einzutreten, teilte fie tief enttäuscht der Leitung mit, daß sie nun auf die Teilnahme verzichten müsse. Die Leitung des Lehrganges wandte sich darauf ihrerseits in einer ausführlichen Darlegung der Bedeutung, die diese Eache für die Zukunft des Mädchens haben könne, an den Unternehmer, und erhielt gleichfalls eine ganz kurze, ablehnende Antwort, daß aus den bekannten Gründen", d. h. ohne rechtzeitige Kündigung, die Arbeiterin nicht entlassen werden könne. Sontraftbruch wollte die Arbeiterin nach einer so langen Zeit ehrlicher und treuer Arbeit die Etelle nicht verlassen. Zufällig begann wenige Tage darauf in der Fabrik ein Streit, dem die Stillegung des ganzen Betriebes folgte, und die Arbeiterin war frei. Aber wer molte sich wundern, wenn sie aus diesem Erlebnis mit revolutionärer Besinnung hervorgegangen wäre! Die vollkommenen BELMARDT Biere Beinleiden offene Füße, Flechten, Venenentzündungen, Hautjucken, alte Wunden, Haemorrhoiden, Hautleiden, wunde u. rissige Haut, Pickel, Nervenschmerzen etc heilt selbst i. d. hartnäckigst.Fällen Sute Joke Dumex- Salbe Ein unschätzbares Hausmittel, welches auch bei d heftigsten Schmerzen u Jucken, sofortige Lindegung u. Heilung bringt. Sch 2.5, 6,-, u. 14,- in d. Apotheken, wo nicht, bestelle man direkt. an Laborator. Miros, Berlin NO. 18 T Gr. Frankfurter Str. 80. Mit 363 Ein Zurückbleiben hinter dem Durchschnitt der Klasse in der Ausnahmefähigkeit sowohl wie in bezug auf die Intensität der Hingabe an die neuen Aufgaben zeigte sich bei einem Teil der Kriegerwitwen. Es machte sich eben, abgesehen davon, daß sie durch ihr eigenes Echidsal und die Verantwortung für die Kinder stark absorbiert waren, auch bemerkbar, daß ihre gangen Lebenshoffnungen eben schon lange nicht mehr auf die Erfolge des Berufslebens gerichtet waren. Die Rückkehr zur Berufsarbeit, auch in einer neuen und höheren Form, erschien ihnen nicht wie den anderen Frauen und Mädchen wie eine Erfüllung, wie ein Aufstieg, ein neuer und schöner Lebensinhalt, sondern nur als Erleichterung in dem traurigen Echicksal, dessen Echwere ihnen immer bewußt bleibt, und das zu mildern Pflicht von Staat und Gesellschaft ist. Aber auch unter ihnen waren einige, die über solche Betrachtungsweise hinauswuchsen. Jedenfalls aber sollte bei weiteren ähnlichen Unternehmungen möglichst ver micden werden, nach irgend anderen Gesichtspunkten als denen der Begabung und Eignung auszuwählen. Die Herkunft der Teilnehmerinnen verteilte sich folgendermaßen: 20 waren Töchter von Arbeitern, 10 von Handwerkern, 4 von Unterbeamten. Der eigene Beruf war bei 18 Fabrikarbeit, 4 Heimarbeit, 8 häuslicher Beruf, 10 Berfäuferinnen und Angestellte, 2 Pflegerinnen; 2 waren berufstoße Ehefrauen. In Berlin lebten 21; die anderen tamen aus Pommern, Eachfen, Hannover, Westfalen, Rheinproving, Thüringen, Medlenburg, Bayern und Württemberg. Organisiert waren 10 im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund, 3 in den christlichen. 1 in den Hirsch- Dunderschen Gewerkvereinen, 11 waren Angehörige von ( Schluß oigt) Kriegshinterbliebenencrganisationen. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Kiara Bobm- Schuch. Druck: Vorwärts Buchdruckerei. Berlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. B. fämtlich in Berlin SW 68. Pindenstraße 3 Badensa Rettung aller Hämorrhoidal- Leidenden Von Autoritäten glänzend begutachtet Prospekte grafis Möbel Ganze Wohnungs- Einrichtungen, Zimmer- u Küchen- Einrichtungen, sowie jedes Stück einzeln zu den billigsten Preisen in guter, gedlegerer Arbeit empfiehlt WILHELM LAMBRECHT. Berlin SW. 68, Simeonstraße 19. Lagerbesichtigung erbeten! 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