Nr. 50 30. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Die Gleichheit erscheint wochentlich Prets: Biersetjährlich 3,60 Mart Inferate: Die 5 gespaltene Nonpareillezetle 1,50 Mart, bei Wiederholungen Rabatt Friedrich Engels Berlin 11. Dezember 1920 Soweit die sozialistische Idee die Menscheit erfaßt und zu Kampfgemeinschaften zusammengeschloffen hat, fanden zur hundertsten Wiederkehr des Geburtstages von Friedrich Engels( am 28. November) Feiern statt, die nicht nur das Gedächtnis diefes großen Mannes und seltenen Menschen ehrten, sondern die sein Wert, seine Tat, sein Leben von nenem vor uns hinstellten. Und das tut not in unserer Zeit, die so arm in jeder Beziehung geworden ist. . Engels war der Sohn eines Großfaufmanns in Barmen. Aus dem Bann einer streng firchengläubigen Erziehung löste er fich als Siebenzehnjähriger und die Schriften Schleiermachers und David Strauß' sind ihm Kampfmittel und Stütze gewesen in diesem inneren Ringen. Ueber das Studium der Philosophie Hegels und Feuerbachs kam er zur Erkenntnis des Sozialismus und nun war es sein Lebenswerk, diese Erkenntnis auf einen so festen Boden zu ftellen und fie in eine solche Form zu bringen, daß sie in die Herzen und Hirne der breitesten Boltsmassen dringen fonnte. Denn diese breiten, werteschaffenden Massen, die in der herrschenden Gesellschaftsordnung so wenig Anteil an den geisti gen und materiellen Gütern hatten, waren nach Engels Erfenntnis berufen, die Träger der sozialistischen Lehre und die Bollender des gesellschaftlichen Erlösungswerkes zu sein. In der Zusammenarbeit mit Karl Mary hat er der Mensch heit die Bahn zum letzten Ziel bereitet. Welchen Einfluß Marr auf Engels ausgeübt hat, ist be kannt. Sein Leben und Streben hat durch Mary die feste Richtung bekommen; wieweit er bestimmend für das Schaffen bon Marg gewesen ist, wird erst mit voller Klarheit im Beitenlaufe hervortreten. Er stellte sich immer in den Schatten seines Freundes. Engels, dieser univerfale Geist und gütige Mensch, hatte einen Begriff der Freundschaft, wie er heute verlorengegangen ist. Eduard Bernstein nennt ihn ,, ein Genie der Freundschaft", und aus dem„ Briefwechsel zwischen Karl Marx und Friedrich Engels"( Verlag Dieß Stuttgart) fowie aus dem im Verlag von Springer, Berlin 1920, erschienenen Buche von Gustav Mayer Engels Schriften der Frühzeit" geht uns das Verständnis für das Wesen eines Menschen auf, der solche Freundschaft üben fonnte. Genosse Heinrich Cunow schreibt in einem Gedentartikel über das Werden und Sein von Friedrich Engels: Friedrich Durch die Beschäftigung mit den Schriften des Jungen Deutschland schon mit achtzehn Jahren hatte er einige Ileine kritische Beiträge für Karl Gußtows Telegraph" geliefert und den Verlehr mit mabibalen Junghegelianern entwidelte sich des jungen Engels' politisches Glaubensbekenntnis immer mehr zum revolutionären Radikalismus. Sozialist im eigentlichen Sinne mar je< doch Engels zu jener Zeit noch nicht. Er ist es erst geworden, als er nach Ableistung seines Dienstjahres im Spätherbst 1842 auf Wunsch seines Vaters nach Manchester ging und dort zu seiner weiteren faufmännischen Ausbildung in die Firma Ermen u. Engels, deren Mitinhaber sein Vater war, eintrat. In Nordengland, damals der Zentrale der europäischen InDie Frau und ihr Haus Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Mortsplan 14740 Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 dustrie, erschloß sich dem mit scharfer Beobachtungsgabe ausgestat teten jungen Engels das Verständnis für das kapitalistische Wirt schaftsgetriebe und die in seiner Entwidlung zum Durchbruch tommenden Tendenzen. Hier lernte er die höchste Entwicklungsstufe des Mapitalismus und zugleich die damalige höchfte Form der europäischen Arbeiterbewegung, den englischen Chartismus, und die sozialistischen Lehren Robert Owens tennen. Unter dem Gindruck seiner neuen Beobachtungen wurde Engels bald Mitarbeiter am Hauptblatt der Chartisten, dem Northern Star" und revolutionärer Sozialist. Nicht Anhänger des utopistischy philanthropischen Sozialismus, der, ausgehend vom Gedanken einer gefeßmäßigen sozialen Entwicklung, die Grundlage seiner Bestrebungen in der politischen Oekonomie und die Träger seiner zukünftigen Berwirklichung in den proletarischen Massen fand, Die Abhandlung„ Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie", die Engels damals in den Deutsch- Französischen Jahrbüchern" beröffentlicht hat, sowie seine Schrift über die Lage der arbeiten den Klaffe in England" liefern für diesen Entwicklungsgang des jungen Engels die Beweise. Zwei Jahre darauf verließ Engels Manchester wieder. Er fuhr über Baris und besuchte Marg, mit dem er schon vorher in brieflichen Verkehr getreten war. Die Folge ihres beiderseitigen Gedankenaustausches über die politischen Zeitfragen war jener enge vierzigjährige Freundschaftsbund, der erst 1885 durch den Tod von Marg gesprengt wurde. Fortan arbeiteten Marg und Engels gemeinsam. Die erste literarische Frucht dieses Bundes war die gegen Bruno Bauer gerichtete Spottschrift„ Die heilige Familie" und darauf die Abfaffung des seitdem fast in alle Kultursprachen übersetzten„ Kommunistischen Manifests". Die Ausführung weiterer geplanter Arbeiten wurde durch den Ausbruch der Revo Iution in Frankreich und Deutschland verhindert. Aufs tiefste von der revolutionären Strömung ergriffen, gingen beide mach Deutsch Land zurück und gründeten dort in Köln das erste sozialdemokra tische Tageblatt Deutschlands, die„ Neue Nheinische Zeitung". Als dann aber über die Rheinlande die Reaktion hereinbrach, ver, tauschte Engels die Feder mit dem Schwert. Er schloß sich dem rheinischen Aufstand an, ging in die Pfalz und trat in das Wil lichsche Freischarenkorps ein. Nach der Niederwerfung der deutschen Revolution flüchtete Mary nach England. Ihm folgte Engels. Er ging wieder nach Manchester und trat aufs neue in die Firma Ermen u. Engels ein. Im stetigen brieflichen und mündlichen Verkehr mit Marg nahm er an dessen Arbeiten regsten Anteil, unterstützte den in dürftigen Verhältnissen lebenden Freund, wo er konnte, durch Geld und schrieb eine Reihe Korrespondengartikel über das politische und wirtschaftliche Leben Englands für die New York Tribune", sowie ferner mehrere Abhandlungen und politische Broschüren. Obgleich Engels den Tag herbeisehnte, wo er dem„ verfluchten Kommerz" den Rücken behren fonnte, gelang es ihm doch erst 1869, sich aus der Spinnereifirma, deren Mitinhaber er inzwischen ge worden war, zurüdzuziehen. Sofort übersiedelte er nach London, um im ftetigen persönlichen Verkehr mit Marg zu bleiben und ihm einen Teil der sich rasch mehrenden Arbeiten abzunehmen, die die Leitung der 1864 gegründeten Arbeiter- Internationale mit sich brachte. Auch als im Jahre 1883 Mary starb, gönnte sich der be reits 62 Jahre alte Engels feine Ruhe. Er übernahm nicht nur die ausgedehnte Korrespondenz, die Marx als anerkannte Autorität mit den Führern der sozialistischen Parteien aller Weltteile gepflogen hatte, sondern ging auch sofort an die Aufgabe, den literarischen Nachlaß seines Freundes durchzusehen und heraus zugeben. Zunächst veröffentlichte er 1884, geftüßt auf ein Macgre 406 Die Gleich beit sches Manusko pt, die bekannte Schrift Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates", der darauf 1885 die Herausgabe des zweiten und 1894 des dritten Bandes des„ Kapitals" folgte. Außerdem hat Engels manchen Beitrag für sozialistische Zeitungen und Beitschriften geliefert, vornehmlich für den Züricher und später den Bonboner Sozialdemokraten", sowie für die„ Neue Beit". So finden wir Engels noch im Alter von mehr als siebzig Jahren unermüdlich tätig als Förderer, Ratgeber und Theoretiker der fich über alle Kulturstaaten der Erde austehnenden sozialistischen Arbeiterbewegung, stets dort eingreifend, wo sein Nat und seine Silfe gefordert wurde, bis schließlich der Tad am 5. August 1895 der raftlosen Tätigkeit dieses Mannes ein Ende setzte einer Tätigkeit, nicht um des Erwerbs oder äußerer Chren willen, sondern im Dienst eines großen Kulburideals zum Nuben des um seinen sozialen Aufstieg fämpfenden Kopf- und handarbeitenden Proletariats. Allen, die müde werden wollen an den Kämpfen und der Selbstsucht unserer Zeit, wird Friedrich Engels Leben, werden seine Werke eine Wegleuchte sein, die sie immer wie der mahnt, durch Vollendung des eigenen Ich und durch den Kampf für die Allgemeinheit der Verwirklichung der sozialistischen Gesellschaftsordnung zuzustreben. Aus dem Gedicht ,, Ein Abend" Von Friedrich Engels( um 1840) Doch wann wird jene neue Sonn' erſtehen? Wann wird die alte Zeit zufammenkrachen? Wir lab'n die alte Sonne untergehen, Wie lang wird uns die finire Пacht umdachen? Durch Wolkenfchleier lugt der trübe Mond, Der Mebel lagert auf den Tälergründen; Im Nebel ruht, was auf der Erde wohnt, Wir, die wir wachen, tappen wie die Blinden. Geduld, die Wolken, die den ilond umringen, Scheucht vor fich her die Sonne schon im Steigen, Die Nebel, die fich durch die Täler schlingen, Sind morgendhauch- geweckte Geiſterreigen. Im Often tanzt der Morgenstern empor, Blutrote Strahlen durch die Nebel schießen Seht ihr nicht Blumen schon den Kelch erfchließen, Schmettert nicht schon der Vöglein froher Chor? Der halbe Himmel itrahlt im lichten Scheine, Schneegipfel werden Rolenedeliteine; Die goldnen Wolken, die dort aufgefchoffen, Die Häupter find's von edlen Sonnenrollen; Schaut dorthin, wo die dicht'ften Strahlen fließen, Die junge Sonne jubelnd zu begrüßen! Der Kampf gegen die Volksseuchen Soll der Kampf gegen die Volksseuchen überhaupt Ausficht auf Erfolg haben, kann die Mithilfe der großen Masse der Bevölkerung, und besonders ihres weiblichen Teiles, nicht entbehrt werden. Das hat sich gezeigt bei dem Kampf gegen die Tuberkulose, und es zeigt sich jetzt wieder bei dem Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten. Auch diese müssen wir als Bolfsseuche bezeichnen, weil die Krankheit eine so ungeheure Ausbreitung erfahren hat. Wie groß die Zahl der mit Geschlechtskrankheiten behafteten Personen ist, läßt sich nicht feststellen. Kenner der Ver. hältnisse behaupten, daß es besonders in größeren Städten aum eine größere Familie gibt, in der nicht mindestens ein Mitglied von einer Geschlechtskrankheit befallen ist oder an ihr gelitten hat. Bei der Ansteckungsgefahr, die hier unter Umständen größer ist als bei der Tuberkulose und bei anderen Prankheiten, müssen solche Mitteilungen uns mit größter Besorgnis erfüllen und mit dem Wunsche, nach Kräften die Bestrebungen zu fördern, die der Bekämpfung dieser Krankheiten dienen. Erste und wichtigste Voraussetzung zur wirksamen Bekämpsung ist neben Vorbeugungsmaßnahmen schnelle und sachgemäße Hilfe bei eingetretener Erkrankung. Diefe wird aber Nr. 50 in den meisten Fällen nicht nachgesucht. Erleichtert wird den Erkrankten dies dadurch, daß die Krankheit in der Regel in der ersten Zeit keine oder doch nicht nennenswerte Beschiverden macht. Wenn solche dann eintreten, ist Silfe nicht mehr leicht zu gewähren, und oftmals find inzwischen bereits Ansteckungen erfolgt. Die Schmerzlosigkeit ist aber nicht der wichtigste Grund für das Hinausschicben der Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe. In der Hauptsache geschieht dies, weil die Kranken sich schämen. Sie quälen sich lieber, um nur nicht laut werden zu lassen, woran sie leiden. Geschlechtsfranke gelten bei uns bekanntlich im allgemeinen als moralisch minderwertig und nicht wie andere Kranke, als bedauernswerte Geschöpfe. Das ist der hauptsächlichste Gruns für die Geheimhaltung der Krankheit, die andernfalls viel wirksamer bekämpft werden könnte. Haben wir nun ein Recht zu solchem Werturteil? Wir hätten es, wenn nachgewiefen werden könnte, daß alle nicht mit Geschlechtskrankheiten behafteten Menschen nach der geltenden Moral in jeder Beziehung einwandfrei sind und waren. Da dies aber nicht der Fall ist und da außerdem feststeht, daß zahlreiche Geschlechtskranke sich die Krankheit ohne jegliche eigene Schuld zugezogen haben, also durch Ansteckung ohne jeglichen intimen Verkehr man denke doch nur an die vielen infizierten Kinder, so ist ein folches Werturteil überhaupt nicht am Plazze. Könnten wir er an reichen, daß die Mehrzahl der Bevölkerung venerisch Er. frankte als Kranke betrachtet, denen Hilfe in erster Linie gebührt, dann wäre auf dem Wege zur wirksamen Bekämpfung dieser fürchterlichen Volksseuche ein großer Schritt vorwärts getan. Zu dieser Auffassung aber konnte sich selbst die Tagung des Bundes Deutscher Frauenvereine nicht entschließen, über die ausführlich allerdings unter Fortlassung dieses Punktes in Nr. 45 der Gleichheit" berichtet worden ist. Diesbezügliche Ausführungen der Schreiberin dieser Zeilen wurden von der nachfolgenden Rednerin, der deutschnationalen Abgeordneten Paula Mueller, bekämpft. Die Verfammlung ließ feinen Zweifel darüber, daß sie in ihrer Mehrheit dieser Rednerin zustimmte. Auch die Referentin äußerte in ihrem Schlußwort Zweifel an der Wirksamkeit der von mir in Verbindung mit anderer als jetzt üblicher Bewertung Geschlechtskranker geforderten größeren Aufklärung der Bevölkerung über die Gefahren der Geschlechtse frankheiten unter Anführung von zwei Fällen, in denen trotz Aufklärung Ansteckung erfolgte und innige Gemeinschaft mit einem Erfrankten gesucht wurde. Was nuben aber alle Verordnungen über Behandlungs zwang und Meldepflicht( für die wir eintreten, die wir aber noch nicht einmal haben) der Aerzte, wenn die Kranken aus falscher Scham, in Rücksicht auf die herrschende Moralanschauung der Mehrheit des Volkes. nicht rechtzeitig zum Arzt gehen und schließlich Mittel und Wege suchen und manchmal ficher auch finden, um sich der ärztlichen Meldepflicht und der Befahr, die in der Ausbreitung der Geschlechtskrankheiten liegt, handlung zu entziehen. Sind wir überzeugt von der Gedann fort mit allem, was der energischen Bekämpfung dieser furchtbaren Volksseuche irgendwie hinderlich sein könnte. Mit Sittlichkeitskonferenzen und Kursen, die der Hebung der Sittlichkeit dienen sollen, kommen wir nicht aus. Gertrud HannaFrauen als Helferinnen in der Krüppelfürsorge ( Schluß) Von Bürgermeister E. Gräf, Frankfurt a. M. Die Hebammen müssen daher darüber belehrt werden, Neugeborene auf angeborene Verkrüppelungen zu untersuchen und namentlich darauf zu achten, daß das sogenannte Blauwerden und die Atemlosigkeit der Neugeborenen eine große Nr.50 ie Gleich beit Gefahr bedeutet und häufig auch die Ursache für angeborene Gliederstarre ist. Die größten Hoffnungen sett man natürTich auf die Mithilfe der Aerzte sowie auch der Lehrer, welche nach§ 4 des Gesetzes, wenn sie gelegentlich des zur Erfüllung der gesetzlichen Schulpflicht erteilten Unterrichts oder des Ersakunterrichts hierfür bei ihren Schülern Verkrüppelungen wahrnehmen, verpflichtet sind, diese Schüler namhaft zu machen. Das neue Gesetz bestimmt auch den Begriff des Krüppeltums in§ 9: 407 Anstalten sich aus bestimmten Gründen als nicht zweckmäßig erwiefen hat und beide Teile darunter leiden müssen. Viele Mütter trennen sich auch ungern von ihren verfrüppelten Kindern und hintertreiben so aus falscher Mutterliebe die notwendige Kur. Es ist ja begreiflich, daß eine Mutter solche Kinder doppelt lieb gewinnt; deshalb muß gerade in diesen Fällen die Aufklärung der Frau einsetzen, daß die Fürsorge nur im Interesse des Kindes steht, dessen Zufunft auf alle Fälle gesichert werden muß. „ Eine Verkrüppelung im Sinne dieses Gesetzes liegt vor, wenn eine Person( Krüppel) infolge eines angeborenen oder Was sollen wir zu Weihnachten schenken? erworbenen Knochen-, Gelenk-, Muskel- oder Nervenleidens oder Fehlen eines wichtigen Gliedes oder von Teilen eines folchen in dem Gebrauch ihres Numpfes oder ihrer Gliedmaßen nicht nur vorübergehend derart behindert ist, daß ihre Erwerbsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkte voraussichtlich wesentlich beeinträchtigt wird." Da die Krüppel als Kranfe zu betrachten sind, so hat natürlich in erster Linie der Arzt zu entscheiden, wie die Heilung durchgeführt werden kann. Während noch vor 30 bis 40 Jahren die Heilkunst auf diesem Gebiete verhältnismäßig wenig gefördert war, hat sich inzwischen als Sonderfach der Medizin die Orthopädie entwickelt, deren soziale Betätigung die Krüppelfürsorge darstellt. Sie bedient sich heute verfchiedener Methoden und technischer Hilfsmittel, um diese Gebrechen zu heilen, und das soziale Endziel, nämlich die Herstellung der Erwerbsfähigkeit des Krüppels, muß auch bon Anfang an ausschlaggebend für die Aufstellung des Heilplanes fein. Wenn aber trotz aller Bemühungen doch noch eine Anzahl bon Unheilbaren übrig bleibt, die als Sieche den bestimmten Heimen zugeführt werden müssen, dann ist darauf zu achten, wie auch aus den Motiven des Gesetzes flar hervorgeht, daß Jugendliche mit Erwachsenen nicht zusammengelegt werden dürfen, da eine Mischung Erwachsener mit Kindern in solchen Feuilleton Deichbruch Bon Heinrich Grube, Cuxhaven. * Die Sturmflut in der Nacht vom 24. zum 25. Nobember 1717 riß an der deutschen Nordseeküste mehrere tausend Meter Deich fort. Ihr fielen Hunderte von Menschen, mehrere tausend Stück Vieh zum Opfer; ganze Dörfer und Gehöfte verschwanden aus der Küstenlandschaft, und unerseßliche Werte wurden bernichtet. Wie schön ist's im Sommer in Watt und Sand! Boll lachenden Lebens sind Deich und Strand. In farbiger Klarheit glänzt das Meer; Blau prangt der Himmel darüber. Die Sonne leuchtet hell und hehr; Lau fächelt der Süd herüber; Und alles in Wonne und Fröhlichkeit Jauchzet zu herrlicher Sommerzeit Und badet in schmeichelnder Welle. Doch braust der Herbst vom West ins Land, Dann braust die Woge wild zum Strand; Und Deich und Sand find öd' und leer, Grau stürmen Wolken darüber. Kein Sonnenstrahl blitt auf im Meer; Laut brüllt der Nord herüber. Ein Wellenbersten und Brausen und Wehn. Als sollte Himmel und Erde bergehn, So wirbelt und donnert die Woge. I. Es stand eine alte Mühle Auf hoher Wurt im Küstenland. Das Drehen ihrer Flügel War sichtbar weit nach See und Land. Gin alter Müller schaffte In ihrem hölzern Bau. In der Arbeiterschaft wird der Gabentisch mit jedem Weihnachten fleiner. Das Lebensnotwendige ist so teuer, daß für Schönheit und Freude nur wenig übrig bleibt. Und dennoch ist jeder bestrebt, den anderen zum Weihnachtsfefte eine Gabe der Liebe, und sei sie noch so flein, zu bringen. Was soll man nun schenken? Ein Geschenk, welches immer erfreut, welches nie unnüt ist, ist ein Buch. Ein gutes Buch kann viel Freude bringen, es kann in stillen Stunden der treueste Freund sein. Leider wird aber nur so oft nicht das richtige Weihnachtsbuch gewählt. Und doch gibt es fobiel Gutes auf dem Büchermarkt, daß kein Mensch zu etwas Schlechtem greifen braucht, zumal beides im Preise gar nicht unterschiedlich ist. Für dasselbe Geld, das man für einen Duzendroman mit oberflächlichem, meist sogar verlogenem In halt ausgibt, kann man so schöne, inhaltsreiche, ja erhebende Erzählungen und Romane guter Schriftsteller und Dichter haben. Auch unsere Klassiker und Neuklassiker, wie Goethe, Schiller, Shakespeare, Hebbel, Kleift, Heine seien nicht vergessen. Ihre Werke bleiben ewig jung. Wir haben so viele guter Schriftsteller, deren Bücher jeder gelesen haben sollte, daß es uns hier an Plazz mangelt, fie fämtlich aufzuführen. Wir wollen uns daher darauf beschränken, nur einige von ihnen hervorzuheben, um dieser oder jener Genoffin, die sich noch im Unklaren befindet, was sie wählen soll, einen Hinweis zu geben. Von den neueren nennen wir: Wilhelm Raabe,„ Der Hungerpastor"," Chronik der SperGr achtete des Räderwerks, Des Wetters und des Wind's genau. Er kannte jede Wolke, Er fühlte jeden Hauch; Er sagte Sonnenschein voraus Und Sturm und Regen auch. Was rafft der Alte hurtig Heut' seine Segel ein? Was läuft er Mühle auf und ab Und sieht so düster drein? Es steigen westwärts überm Meer Biel Wölflein grau und weiß; Die Sonne wird so fahl und bleich Und trüb der Himmelskreis. Der Wind, der eben südlich stand, Schlägt plötzlich um nach Nord; Und Haucht er vordem weich und mild, So bläst er rauh von dort. Der Müller lugt nach. Westen aus Weit über Wasser und Land. Er sieht der Wellenkämme Weiß, Er sieht den wirbelnden Sand. Sieht Wetterwolfen düster und groß; Er hört der Möven Schrei'n, Und sieht die Vögel in banger Haft Gespenstisch flattern landein. Er stolpert hinab; er taumelt ins Haus, Ruft Frau und Tochter geschwind. Er drängt besorgt; er packt und rafft. Die Tochter säuget ihr Kind. Ihr wird so bang. Sie wird so blaß: ,, Ach, Vater, laß mich im Haus! Die Mühle ist so rauh und lalt, Mein Söhnchen hält es nicht aus. Will beten still um meinen Mann, Daß er das Wetter besteh', Mit Schiff und Ladung überkomm', Gefund uns wiederseh' 1" 498 Die Gleich beit ungsgaffe"; Ricarda huch, Erinnerungen von Ludolf Ursleu bem Jüngern; Liliencron, Novellen und Gedichte; Her mann Hesse, Peter Camenzint"; Thomas Mann, „ Die Buddenbrooks"; Heinrich Mann. Der Untertan"; Clara Müller- Jahnte, Ich bekenne"; Bernhard Kellermann,„ Der Tunnel"," Das Meer"; Ludwig Finth,„ Der Graspfeifer", Rapunzel"; Clara Biebig. „ Töchter der Hekuba"; Ger,„ Grwedt" und noch viele, biele andere. Auch für die Jugend gibt es so sehr viel Schönes. Wir wollen nur nennen: Hermann Lön 3. Mümmelmann" ,,, Das Tal der Lieder"; Jürgen Brand, Illenbrook"; Agot Gjems- Selmer, ,, Als Mutter flein war"; Lely Kempin ,,, Die heilige Insel"; Otto Ernst, Asmus Sempers Jugendland"; Ernst Alms. loh, Aus meinen vier Pfählen"; Karl Gwald, Märchen und Was Mutter Natur erzählt"; und für die ganz Kleinen die Bücher von Sophie Reinheimer, ferner Jugendland" von Heinrich Moser und Ulrich Rollbrunner,„ Die Wiesenzwerge" von Ernst Kreidolf u. a. m. Die Buchhandlung Vorwärts" hat eine wunderschöne Aus stellung von Büchern und Bildern kürzlich eröffnet. Für jeden Geschmack findet sich bort etwas, und alles ist gut und empfehlens wert. Wir möchten daher jeder Genossin raten, ehe sie Bücher fauft, sich, wenn es ihr möglich ist, in der Buchhandlung Vorwärts" umzusehen oder sich einen Prospeft von dort schicken zu lassen. Dann kann sie ihren Lieben ein Geschenk machen, daß bleibenden Wert besitzt. Aus der Frauenbewegung des Auslandes Der Standpunkt der weiblichen Trade Unionist( Schluß) Von Mary Macarthur. Uebersetzt von Jd a Braun Um unser Ziel zu berwirklichen, müssen Frauen beschäftigt sein: a) mit genügender Bezahlung, um ihren Lebensunterhalt voll und ganz bestreiten zu können, b) mit der gleichen Bezahlung, welche Männer für dieselbe Arbeit erhalten, c) mit ähnlicher Bezahlung für ähnliche Arbeit, d) unter Bedingungen, welche die geistige und förperliche Entwidlung fördern und nicht hindern. Die Müll'rin flagt; der Müller warnt: ,, So dräuend sah ich's nie. Es braut ringsum, es zieht heran. Gott gnade Menschen und Viehl Hört, wie der Sturm das Haus umtobi! Er wühlt an Tür und Tor. Grabdüster wird's am offnen Tag. Hoch geht die See empor." Die beiden Alten, mit Decke und Luch Sie drängen burch den Sturm Die Wurt hinan, die Treppe hinauf. Hinein in den hölzernen Turm. Und drunten im Hause Mutter und Kind Der Vater fern auf dem Meer. Die Welt so fürchterlich drohend umher, Und allen das Herze so schwer. II. Huhihu! Der Wind pfeift her. von See. Horrido! Jauchst die springende Flut. Aus tiefen Wolfen wetterschwer Zudt greller Blize Glut. Es hagelt dicht auf See und Land, Und Donner brüllt darein: Der Herbst ist da; der Herbst ist los! Heut soll sein Sturmfest sein. Zehn Stärken hart rast her der Wind Und fegt und peitscht das Meer. Er zerrt der Welle nasses Haar Und reißt und wütet sehr. Er rauft der. Läume dürr Gezweig Und kreischt und heult ums Haus; Bricht pfeifend Dach und Fenster ein Und treibt die Menschen heraus. So wogt heran die Tagesfiut Mit Donner und mächtigem: Wehn. Es kniet im finstern Mühlenturm Der Müller in heißem Flehn: Nr. 50 Es gibt zwei Methoden, durch welche dies erreicht werden kann: 1. Durch wirkjame Gewerkschaftsorganisation, 2. durch Vermittlung des Staates. Meiner Ansicht nach sind beide Methoden brauchbar, doch der Prüfstein für eine vorgeschlagene Staatsvermittlung müsse darin bestehen, ob sie die Gewerkschaftsorganisation fördert oder hindert. Die Gewerkschaftsbewegung unter den Frauen hat zweifellos seit Beginn des Krieges große Fortschritte gemacht. Seit August 1914 hat sich die Zahl der Frauen in der Gewerkschaftsbewegung mindestens verdoppelt. Im Mai 1918 waren in England ungefähr dreiviertel Millionen Frauen organisiert. Man ist allgemein der Anficht. daß in den Fällen, wo Frauen im gleichen Gewerbe wie Männer tätig sind, sie demselben Ver bande angehören sollen. Man muß jedoch darauf achten, daß sie nicht nur Mitglieder auf dem Papier sind. Sie sollen ermutigt werden, an der Verwaltungsarbeit und der Festsetzung der Richt linien teilzunehmen. Der ständige verbündete Ausschuß der industriellen Frauenorganisation schlägt in seinem Berichte über die Lage der Frauen nach dem Kriege vor, daß in gemischten Berbänden zur Vertretung von Frauen in der Verwaltung besondere Vorkehrungen getroffen werden sollen und daß in den Verbänden besondere Einrichtungen zur Organisierung der Frauen für ihre besonderen Bedürfnisse und Beschwerden geschaffen werden müssen. Der Ausschuß schlägt vor, dies durch einen Frauenrat zu bewerkstelligen, dessen Ent scheidungen und Arbeit dem Allgemeinen exekutiven Rat vorgelegt werden oder daß ein besonderes Komitee des Grekutiven Rats dafür eingerichtet wird. Lancashire( im Norden Englands) wurde oft. als ein Vorbild der Gewerkschaftsbewegung angeführt. Die Mehrheit der Angestellten in der Textilindustrie sind Frauen. Sie bilden auch die Mehrheit der Verbandsmitglieder und haben für gleiche Arbeit den gleichen Lohnsatz wie die Männer. Vis vor ganz kurzer Zeit jedoch überließen sie die Verwaltung des Verbandes gänzlich den Männern. Trotzdem ich die letzte wäre, die hervorragende Arbeit der Männer von Lancashire für die weiblichen Mitglieder herunterzusetzen, so bedauere ich doch den Verlust an Kenntnissen und Erfahrung auf seiten der Frauen. Am Gnde besteht doch der Hauptwert der Gewerkschaftsbewegung in der Erziehung, die um ..Herr, wehr unsrer Not und schüß unsern Deich! Herr, hilf uns und fehr unser Weh!" Er fleht für die Tochter mit ihrem Kind Und für den Mann auf der See. Im Häuschen drunten die Tochter sitzt, Hält wiegend ihr Kindchen im Arm. So web ist ihr, so wund das Herz, So sehr quält die Sehnsucht und Harm. Und draußen auf See ringt der tapfere Mann Mit Woge, Wetter und Wind. Die Liebe gibt Hoffnung, Mut ihm und Kraft, Hart fämpft er für Weib und Kind. Schwarz sentt sich bald herab die Nacht. Laut Sturm und Woge drohn. Aus deutschem Nordsee- Küstenland Jst Schlaf und Nuh geflohn. Eng sitzen groß und flein zuhauf Und horchen bang hinaus Drei Schüsse dröhnen dumpf und schwer Durch Nacht und Sturmgebraus. Der Warnruf macht den Kindern Grau'n, Den Frauen Angst und Not, Die Männer aber ruft er jäh Zu höchstem Pflichtgebot. Die Flut ist hoch! Der Deich bedroht! Nun gilt es schivere Tat. In Nacht und Wind der Deichvogt steht Und hält in Bangen Rat. Da liegt der Deich, nicht hoch, nicht breit. Nicht, wie er soll, gepflegt; und tief in seine Flanke frallt Die Flut vom Sturm gefegt. Viel Männer stehn in grauser Nacht Mit Stein und Busch und Sand. Ein Wunsch glüht heiß in aller Brust: ,, Du, lieber Deich, halt stand! Nur dieses Wetter halte aus. Dann wirst du auch gepflegt; Nr. 50 Die Gleich beit so wichtiger ist, da jetzt die Frauen die Rechte und Pflichten bes Bürgerrechtes besitzen. Den organisierten Frauen ist es klar, daß die Gewerkschaften noch weiterhin vom Staate ergänzt werden müssen mit Bezug auf die Regulierung der industriellen Bedingungen. Außerdem be anspruchen sie neue und berstärkte Fabrikgesebe, beginnend mit der Herabsetzung der Arbeitsstunden auf ein wöchentliches Magi mum von 48 Stunden. Weiter wird gefordert die Abschaffung aller Geldstrafen und Lohnabzüge, die Abschaffung aller Systeme des Tauschhandels, die Verbesserung der sanitären Einrichtungen sowie die Schaffung ordnungsmäßiger Umkleide-, Rube- und Eräume. Sie berlangen die gründlichsten Vorsichtsmaßregeln gegen alle giftigen Prozesse und gefährlichen Gewerbe, die Ersetzung des bescheinigenden Fabrikarztes durch den Schularzt eine sehr eine sehr wünschenswerte Reform-, und eine größere Anzahl von Fabrikinspektorinnen. Außerdem muß ein geschlicher Minimallohn festgesetzt werden, welcher ausreichend sein muß, um die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Arbeitenden zu erhalten. Dies muß für jedes Gewerbe und jebe Industrie festgelegt werden. Ferner wird ein besonderer Mutterschaftsschuß verlangt. Für wenigstens drei Monate vor der Geburt des Kindes und drei Monate nach der Geburt soll eine hinreichende staatliche Unterstübung gewährt werden. Keine schwangere Frau oder stillende Mutter soll auf Gefahr ihrer eigenen Gesundheit und der Gesundheit ihres Kindes gezwungen sein, einer gewinnbringenden Beschäftigung nachzugehen. Das jezige System der Arbeitslosenunterstützung soll durch ein neues und verständiges System ersetzt werden. Auch soll dafür gesorgt werden, daß Frauen und Mädchen während aufgezwungener arbeitsloser Zeiten nicht herunterkommen. Es liegt sowohl im Interesse der ganzen Nation wie jeder einzelnen Frau, daß diese Beiten für Erholung und Schulung be mutzt werden sollen. Erzieherische Reform muß das schulpflichtige Alter auf 16 Jahre festjeben mit teilweiser Erziehung bis zum 18. Jahre. Die teilweise Erziehung( Fortbildungsschule) sollte auf die körperliche und seelische Entwicklung und die Charakterbildung beschränkt sein und nicht zur Ausbildung in einem Handwerk oder in technischen Kenntnissen dienen. Gewerbe- und technische Schulen sollten für Lernende unter 18 Jahren gar nicht in Betracht kommen. Dann machen wir dich groß und stark. Wirst allzeit gut gebegt!" Der Deich liegt schwach und elend ba Im Kampf mit Sturm und Flut: ,, Ei, liebe Menschlein, geht doch heim, Viel Sorgen tut nicht gut. Was steht ihr bang im Wettergraus? Habt mein doch nie gedacht; Und heute laßt ihr Weib und Mind allein, Allein in böser Nacht?" Die Nachtflut steigt. Der Wind nimmt zu. Der Himmel klart sich auf. Durch Wolkenrisse glänzt der Mond Und Sterne leuchten auf. Demanten auf ben wilden Gischt. Der See fällt Monbeslicht. Es blitt und glibert wunderhell Wie Edelsteine dicht. Blindwütend aber stürzt ins Land Mit Riefenkraft der Sturm, Bläst wild die Wolken vor sich her. Wirft Baum und Mast und Turm. Da schreit der Mensch und jammert sebr, Zu groß wird ihm die Not: ,, Wenn nur der Deich, der Deich nur häft!" Der Deich ist jetzt sein Gott. Dem aber ist der Rüden wund; Hart beißt die Flut hinein. Die erste Welle überspringt Ihn schon im Mondenschein. Und eine nach der anderen platsch Herab aufs feste Land. 409 Gin Ueberblid über die wirtschaftliche Zukunft der Frauen wäte ohne Erwähnung der politischen Berleihung des Stimmrechts nicht bollkommen. Ich war nie der Meinung, daß die Verleihung des Frauenstimmrechts einen neuen Himmel oder eine Welt bedeuten werde, doch mußte diese Maßnahme eine große allgemeine Ume wälzung zur Folge haben. Die Politiker sind von nun ab gezwungen, denjenigen Fragen größeres Interesse entgegenzubrin gen, welche von besonderem Interesse für die Frauen sind; und jeder Versuch, die Frauen auszubeuten, von welcher Seite er auch fommt und es mag deren viele geben ist im voraus des Mißerfolges sicher. Entscheidende Haushalts- und Wirtschaftsfragen fagen den Frauen am meisten zu, insofern sie das Wohl ergehen der Kinder beeinflussen, und ich wage es vorauszusagen, daß dieser Gesichtspunkt in allen neuen Plänen und in der Gefeßa gebung mit der ausschlaggebendste sein wird. Die Teuerung im Auslande. Das englische Arbeitsministerium hat festgestellt, daß die Steigerung der Preise für Nahrungsmittel in England von November 1914 bis November 1920 158 Proz. betragen hat. Die Kleinhandelspreise insgesamt( enthaltend auch bie Preise für Licht, Heizung, Wohnung) haben sich um 152 Proz erhöht. In Holland sind die Kosten für den Lebensunterhalt etner Arbeiterfamilie seit 1918 bisher um 111,5 Proz. für Ernährung und um 103,8 Proz. für Kleidung, Wohnung usw. gestiegen. In Italien ist eine durchschnittliche Verteuerung aller Waren bon Juli 1914 bis Juni 1920 um 570 Proz., anderer Lebensmittel unt 480 Proz. und Textilwaren um 666 Proz. zu konstatieren. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika ist von Juli 1914 bis März 1920 eine, Berteuerung der Lebenshaltung um 95 Broz. eingetreten. In Japan( Tokio) waren die Lebensmittelpreise in Mai dieses Jahres um 186,4 Proz. höher als im selben Monat 1914. Indien. In einer im September von 18 Organisationen aller Klassen und Bekenntnisse einberufenen großen Frauenversamme lung in Bombay wurde gegen den Ausschluß der Frauen bout passiven Kommunalwahlrecht protestiert, der auf ein Gesetz vom Jahre 1888 zurückzuführen ist. Eine Petition in gleichem Sinne wurde nach zweistündiger Debatte mit bedeutender Mehrheit von ben städtischen Körperschaften zustimmend beantwortet. Nach diesem günstigen Ergebnis sehen die indischen Frauen dem Bea Sie steigt und reißt, sie schlägt und gräbt; Sie tobt mit Wucht und Wut. Nicht Mensch, nicht Vieh, nicht Baum noch Haus, Nichts läßt sie ganz und gut. Das weite deutsche Küstenland Ein wildes, wogendes Meer; Und jauchzend braust wie Sieggefang Der Sturwind drüber her. III. Ein neuer Tag schlägt träumerisch Sein lichtes Auge auf. Das Wasser glänzt, der Himmel blaut; Die Conne steigt herauf. Was tief in Nacht und Schlaf gebannt, Wedt lodend froh das Licht. In Schall und Farbe lacht die Welt Nur an der Küste nicht. Wo gestern grünte junge Saat Und blühend Leben war, Wo reich in buntem Wechsel sich Bot Wald und Hausung dar, Da sieht der gold'ne Morgen nur Noch weite, stille Flut, Auf der wie Wehmut lind und sanft Der Glanz des Frührois ruht. Ein Segel treibt mit halbem Mast Von See her langsam ein. Der junge Schiffer steht an Bord Die Augen starr landein. Er sieht und sinnt. Er weiß nicht Nat. Die Stirn wird kalt und bleich: und teuflisch unterwählt die Flut Des Deiches lockren Saub. Doch als ber Wellen höchste kommt Und schlägt die Branten ein.. Da bricht der Wall, und donnernd branst Die tolle Flut herein. ..Wo ist die Mühle? Ist das Land? Mein Häuschen, wo am Deich? Wo sind uun Eltern, Weib und Mind? Ich seh nicht Haus nicht Feld. Rur weite, wüste Wasserbahn Und tot und leer die Welt!". 410 Die Gleich beit scheid der Regierung mit Zuversicht entgegen und hoffen, daß es nicht nur binnen furzem weibliche Stadträte in Bombay geben, sondern daß diese Entscheidung auch die weiteren Bestrebungen um das Frauenstimmrecht günstig beeinfluffen wird. Soziale Rundschau Zu den Schwangerschaftskosten gehört auch der Arbeitsverbienst ber unehelichen Muiter. Nach§ 1715 des B.G.B. hat der uneheliche Vater der unehelichen Mutter, falls infolge der Schwangerschaft oder der Entbindung weitere Aufwendungen notwendig werden, auch die dadurch entstehenden Kosten zu ersehen und nach§ 1716 B.G.B. kann das Gericht anordnen, daß der erforderliche Betrag für sämtliche Schwangerschaftskosten schon vor der Geburt des Kindes hinterlegt wird. In den in diesen Baragraphen erwähnten aufwendungen" gehört auch der Arbeitsverdienst, welcher einer unehelichen Mutter durch die Schwangerschaft entgeht. Das Landgericht Bochum sagt darüber in einer rechtskräftig gewordenen Entscheidung vom 20. März 1920, Attenzeichen 5 T. 61-20, folgendes: Der erste Richter hat den Antrag vom 26. Februar 1920 auf Sicherstellung des Lohnausfalles der Tochter des Antragstellers für mindestens 60 Tage in Höhe von 600 Mt. abgelehnt, da der unehelichen Mutter nach§ 1715 Abs. 1 B.G.B. kein Anspruch auf Ersatz des Lohnausfalles gegen den Vater des Kindes zustehe. Die hiergegen gerichtete, form- und fristgerecht eingelegte sofortige Beschwerde erscheint begründet. Ter durch die fortgeschrittene Schwangerschaft entgehende Arbeitsverdienst für zwei Monate, dessen Ersatz der Antragsteller noch verlangt, ist unter die Soften zu rechnen, die durch die weiteren Aufwendungen infolge der Schwangerschoft notwendig werden. Zwar ist es nicht unbestritten, ob unter diesen Begriff der Aufwendungen auch der entgangene Arbeitsverdienst fällt; es handelt sich aber im Grunde nicht um Gifah entgangenen Arbeitsverdienstes, sondern um Ersatz von Aufwendungen, zu deren Bestreitung die Tochter des Antragstellers auf ihren Arbeitsverdienst angewiesen ist. Sie ist näm lich bei ihren Vermögensverhältnissen im Falle der Arbeitsunfähigkeit gezwungen, ihre Ersparnisse anzugreifen oder durch Aufnahme von Darlehen oder Eingehen sonstiger Verbindlichkeiten Aufwendungen zu machen. Da fie täglich 10 mt. verdient, ist anzunehmen, daß sie den Ausfall dieses Einkommens während der Dauer ihrer Arbeitsunfähigkeit durch solche anderen Aufwendungen erfeßen muß( Entsch. des O. L. G. Bd. X, S. 275). Es entspricht daher der Billigkeit, den Antragsgegner auch für Möbel Ganze Wohnungs- Einrichtungen, Zimmer- u. 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In der Gründungsversammlung wurden etwa 15 Mitglieder gewonnen, außerdem: traten die Stadtverordneten und Magistratsmitglieder unserer Partei dem Ausschuß bei. Zurzeit ist ein Bestand von 35 Mitgliedern aufzu weisen. Dieser Ausschuß hat unter sich einen Arbeitsausschuß von fünf Mitgliedern gewählt, zu dem ein Beirat von zehn Mitgliedern gehört. Der Ausschuß hat sich nach seiner Bildung durch Besuch eines Vorstandsmitgliedes bei den städtischen Behörden angemeldet, desgleichen schriftlich bei der Kreisbehörde und dabei auch seinen Anspruch, bei allen Wohlfahrtsaktionen herangezogen zu werden, geltend gemacht. Der Ausschuß betrachtet es u. a. als feine Pflicht, den Schwachen und Armen überall zu ihrem Recht zu verhelfen, wobei auch schon in vielen Fällen gute Erfolge erzielt wurden. Um der augenblicklichen Not entgegenzutreten, wurde eine Geld und Wäschesammlung veranstaltet. Es wurden Stoffe gekauft, die in gemeinsamen Nähabenden zu Erstlingsund anderer Kinderwäsche verarbeitet wurden. Gleichzeitig finden Besprechungen statt, um die Genossinnen für die Aufgaben, die ihrer harren, zu schulen. Der Anfang ist gemacht, und wir wünschen von Herzen, daß auch diese Arbeit viele gute Erfolge zu verzeichnen haben möchte. Dora Jahnte. Infolge verschiedener in letzter Zeit an uns ergangener Anfragen und Beanstandungen machen wir hierdurch unsere Beserinnen darauf aufmerksam, daß die Redaktion mit der Inseratenannahme nichts zu tun hat. Inseratenteil und redaktioneller Teil werden völlig getrennt geführt, und letzterer hat auf Annahme und Ab lehnung der Inserate keinen Einfluß, ist also für den Inhalt des Inferatenteils unseres Blattes nicht verantwortlich. Die Nedaktion. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bohm- Schuch. Druck: Vorwarts Buchdruderet. Verlag: Buchhandlung Borwärts Paul Ginger G. m. b. S. fämtlich in Berlin SW 68. Emdenftraße 3 BYROLIN schöne und gesunde Haut Überall zu haben. 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Graff, Schiller, Ichwarz 41, 41, 37,50 " " " 35, # 26, " 35, " 82, IF III. . 62. Corn. Mar, Borfröhling, schwarz 63. Harbers, 3m Schwarzwald, 20 mm 64: Rembrand, Die Nachtwache, schwarz 65. Caravaggio, Der Falschspieler, Biedermeier 66. Thamm, Schwäbisches Städtchen, schwarz 67. W. Georgi, Am Marktbrunnen, schwarz. 68. Büchtger, Frühling an der Sempi, schwarz 69. Zorn, Unfer tägt Brot, schwarz 70. Hey, Nachbarn, hell Satin 37,50 Mt. 32,50 " 42, . H . 35, 39,50 37,50 и " e " 42, . " 46, " 29, " . . 35, " 30,- MRI. 53, " 37,50 " VIII. 71. A. v. Dyf, Kinder Karls I., opa! 72. Lampe, Deuticher Junge " 24. H. Thoma, Märchen, bell Biedermeier. 53, " 25. B. d. Hooch, Die Borratsfammer, schwarz 35, " 73. Hagen, Hamburger Fleet, ichwara 20 mm 74. E. Rörner, Großfladtiintel, Biedermeier • . . 38,- Mr. 28, 46, 46, " 1 " " 26. Richter, Junilandschaft, hell Satin 42, 75. F. Schreyer, Drei Bitfen, schwarz 9 35, " " 27. Pfeiffer- Rohrt. Frühlingsreigen, schwarz • 33, " 76. Millet, urenlejerinnen, Mahagoni 28. Zumbusch, Herbil, hell Satin 29. Spitzweg, Nil mali hic intret, hell Biedermeier 30. Bumbu ch, Der Sündenfall, schwarz. 37,50 26, 28, 77. Hanet, Amperufer, Ichwarz 41, 35, " " " " " 78. Mafovsin, Am Piano, Biedermeier 79. Bafilice, Am Tiber, schwarz • 35, 11 • IV. 31. Waldmüller, Mädchen mit Blumen, oval. 32. Reller Reutlingen, Waldbach, schwarz 33. Leubach, Wagner, schwarz " 34. Richter, Brautzug im Frühling, hell, Satin. 35. Rüdifühlt, Mythologischer Hain, Biedermeier 36. Keller Reutlingen, 3m Schwabenland, dunkel Biedermeier 37. Keller- Reutlingen, Abend im Dachauer Moos, Biedermeier 38. F. v. Uhde, Schwerer Gang, schwarz T 56,- Mr. 49, 37,50 42, 39,50 " 80. Hoeß, Rauhenzeli im Allgäu, schwarz 81. Ridelt, Berchtesgadener Mädchen, oval. 26, 30,- H 11 IX. 37 50 mt. 11 82. Sen. Späte Sonne, hell Biedermeier # " 83. Rembrand, Die Staaimeefter, Ichwarz 84. Thamm, Schwäbischer Bauerngarten, schwarz. 85. Claudius, Bor 100 Jahren, Biedermeler 46, 37,50 " M 37,50 46, " " 37,50 D 86. H. Thoma, Im Taunus, Mahagoni 46, " 87. F. Beder, 3m Barggarten, schwarz 46, " 39. Schwind, Hochzeitsreise, schwarz. 40. P. Rieth, Rendezvous, schwarz F. 80, 35, 37,50 28, " " · IT 41. Jumbusch, s' Cuiserl, oval 42. Zumbulch, Schwarzwaldbua, schwarz 43. Lippmann, Herbst im Odenwald, schwarz 20 mm 46, 44. H. Thoma, Schwalbenflug, dunfel Biedermeler. 35, 45. F. Hals, Der luffige Zecher, schwarz 65,- Mr. 19.B 19 94. Schwindt, Hochzeitsreise, Biedermeier 35,-" 46, " 35, " 46. W. Claudius, Rähtisch am Fenster, Biedermeier 46, 47. Bracht, Rochlik an der Mulde, schwarz 48. Keller- Reutlingen, Dorfftraße, fchwarz H 95. Thamm, Alte Häuser in Besigheim, fchwarz.. 96. Thoma, Sehnsucht, schwarz 35, " 29, " 39,50 " f 28, " 1 97. Boeschmann, bend in Rotenburg, Mahagont 98. Spigweg, Festwiesenschein, Biedermeier. 31,50 " • 49. R. Blos, Sonntagnachmittag, Bledermeier 28, # 99. Schwindt, Morgenstunde, Biedermeier 26, 39,50 " " 50. Zumbusch, Johanna, Mahagoni 32,50 100. Janssens, Holländischer Innenraum, Biedermeier 26, 88. Sied, Oftermorgen im Eriengrund, schwarz 89. Aufnahme von H. Boll, Zimmerede mit altberliner Möbeln, schwarz 90. Spigweg, Der Antiquar, schwarz 91. Zumbusch, Kind mit dem Ball, ova! 92. Büttner, 3m Heidelberger Schloßhof, Hohlfehle 53, 93. Tizian, Der Herzog von Airi, schwarz 28, " . 26, 32,50 " 17 X. 39,50 mt. " " Wir bitten um zwanglose Besichtigung unserer Weihnachts: Ausstellung in den jetzt bedeutend erweiterten Verkaufsräumen. Umtausch, auch nach dem Fest, gestattet. Briefliche Bestellungen werden postwendend und bestens beliefert. Buchhandlung Vorwärts, Berlin GW. 68, Lindenstraße 2