Nr. 51/52 30. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Die Frau und ihr Haus Die Gleichbeu erscheint wochentlich Preis: Vier.eljährlich 3,60 Mart In'erate: Die 5 gespaltene Nonpareillezette 1,50 Mart, bet Wiederholungen Rabatt Berlin 18. Dezember 1920 Zuschen sind zu richten an ou Redaktion der Gleichbeit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernipie ber: Aunt Morigplan 147 40 Erpedition: Ber in 28 68, l'indenitrake Destede 414 Die Gleichheit Die Zeit ist nah Von Klara Müller- Jahnke Ein Gloria fingend geht die Winternacht Durch Schneegefilde; keines Sternbilds Pracht Schaut aus den Schwarzverhüllten bimmel nieder. Durch eisbereifte Fenſter aber bricht Ins Straßendunkel eine Flut von Licht Und eine Woge kindhaft füßer Lieder. In Bethlems Tälern nicht, nicht weltenfern Und himmelhoch glänzt heut der Weihnacht Stern, Nach deffen Strahl die Bruft fich fehnend weitet: Die Zeit ist nah, wo licht und hüllenlos, Wo neugeboren aus der Menschheit Schoß Die Liebe durch des Elends Пlächte schreitet. Genossinnen! Parteivorstand und Parteiausschuß haben den Beschluß gefaßt, bie„ Gleichheit" vom 1. Januar 1921 ab zweimal monatlich erscheinen zu lassen. Für unsere Kinder" und„ Die Frau und ihr Haus" werden abwechselnd beigelegt werden, so daß wieder jede Nummer, wie früher, eine Beilage hat. Der Preis wird 90 Pf. im Monat betragen. Genossinnen! Unserer Frauenkonferenz in Kaffel lagen verschiedene Anträge vor, in denen von den betreffenden Bezirken der Wunsch ausgesprochen wurde, den weiblichen Mitgliedern unser Blatt obligatorisch liefern zu können. Obwohl nun der bisherige Preis für eine Wochenschrift gewiß billig war, so war er doch für die obligatorische Lieferung zu teuer. Andererseits waren bei den jetzigen Papier- und Herstellungskosten so große Zuschüsse der Gesamtpartei erforderlich, daß bei der bisherigen Erscheinungsart eine Erhöhung des Abonnementspreises unver meidlich gewesen wäre. Das hätte aber einen Rückgang der Leserinnen zur Folge gehabt, da jede Frau in dieser Zeit gegwungen ist, die persönlichen Ausgaben auf das äußerste zu beschränken. Durch die getroffene Neuregelung hoffen wir, unserm Blatt die Verbreitung zu sichern, die es im Interesse unserer Partei und der politischen Aufklärung der Frauen haben muß. Wenn alle Genofsinnen ihre Pflicht tun, kann es nicht schwer sein, ueue Leserinnen der„ Gleichheit" und damit neue Kämpferinnen für den Sozialismus zu gewinnen. Und nun and Werk! Redaktion der„ Gleichheit". Weihnachten Das Wort„ Weihnacht" hat einen gar bitteren Klang für die arbeitende und schaffende Menschheit bekommen. Liebe, Frohsinn, Freude, Ausruhen, Stillesein, glückliches Genießen, alle Begriffe, die mit diesem Fest zusammenhingen, find verklungene Afforde. Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen", so verkündeten nach der frommen Legende die Engel vom Himmel den Menschen die Geburt des Heilandes vor neunzehnhunderteinundzwanzig Jahren. Schrillt nicht ein Hohnlachen durch den Weltenraum? Friedel Land unserer Sehnsucht, in dem allein die Menschenliebe und alles Gute gedeihen kann, du bist versunken in der Flut des Leides und Hasses, der brutalen Selbstsucht, welche uns der letzte Krieg gebracht hat. Und heute schwingen Not und Sorge ihre Geißeln in jeder Stube, wo Menschen wohnen, die von dem Ertrag ihrer Arbeit leben sollen. Ein unaufhaltsames Versinken droht. Der Staat ist so arm, daß er die notwendigsten Anforderungen, welche seine Arbeiter und Beamte an ihn stellen, nicht mehr erfüllen fann. Um die äußeren Lasten, welche als Folgen des Krieges auf unferem Lande ruben, abzutragen, müssen die Opfer des blutigen Wahnsinns und die Opfer der Arbeit als Rentenempfänger des Staates hungern. Und das schlimmste von allem ist, daß Deutschland nicht einmal die Kraft findet, die Quellen jeines Bestehens, seiner einzigen Entwicklungsmög Die Zeit iſt nah, wo jede Klage fchweigt, Wo jedem Flehn ein meníchlich berz lich neigt, Das Bruder heißt den Irrenden und Armen, Wo sich der Keim aus brauner Scholle drängt Und Licht und Wärme als fein Recht empfängt Und nicht als Bettelgabe aus Erbarmen! Die Zeit iſt nah: Schon blüht ein bleiches Rot Im Often auf, I schon zuckt in beißer Пot Nr. 51/52 Ein letztes Wehe durch der Menschheit Glieder; Sie ruft und ringt der Dämmerung Schleier fällt: Eriölungsfreudig iteigt zur dunklen Welt Das himmelskind, die goldne Liebe, nieder. lichkeit, seiner eigenen Zukunft: die Kin. der, zu schüßen. Die Regierung fordert im Reichsetat wohl die Mittel für den Bau eines Kreuzers- und bezeichnet sie als notwendig, aber für die hungernden und frierenden Kinder geht man betteln. Soviel Liebe und Scham sollte jeder Mensch der diefen Namen verdient empfinden, daß er mit einem darbenden Rind teilt, was er hat; nicht nur das Almosen gibt, welches ihm entbehrlich ist. Aber der Staat sollte es zuerst tun. Es ist die sittliche Pflicht der Gemeinschaft, die Staat heißt, für seine schußlosesten Glieder mit ganzer Kraft einzutreten. Nur wenn er diese volle Verantwortung anerkennt, kann er wieder die volle Verantwortlichkeit der Einzelnen für das Ganze verlangen. Kinder und heranwachsende junge Menschen erzieht man nicht durch Moralpredigten zu fittlicher Größe, sondern durch das Beispiel der Tat. Soll die heranwachsende Generation ganz hinabgleiten, soll Deutschland in ihr sich auflösen, dann muß sie weiter auf Almosen verwiesen werden. Ein anderer Gang der Dinge ist nur möglich, auf der Basis der gegenseitigen Verantwortlichkeit und die Leitung des Staates hat hierbei die Führung zu übernehmen. Die gegenwärtige Regierung wird sich diese einfache Erziehungslehre nie zu eigen machen. Die Mittel sind nicht vorhanden, wir sind zu arm, wir fönnen nicht", das ist die einzige Antwort. Ja, der Staat als solcher ist so bettelarm, wie der Grund, auf dem er steht: die proletarische Masse. Aber es gibt Bevölkerungsschichten in ihm, die soviel Geld befizen, daß sie es mit beiden Händen verschwenden können. Die Armen geben heute von ihrer Armut was des Staates ist, die Reichen entziehen ihm den Pflichtteil, welchen sie zu zahlen schuldig sind. Hier muß genommen werden, um es nach der anderen Seite zu geben. Die Erlösung der Menschheit wurde einst von dem Jefus von Nazareth erhofft, der in Armut im Stall, beim tierischen Schrei der Not geboren war. Aus der Tiefe sollte die Nettung fommen. Jett muß sie aus der Tiefe kommen. Es gibt keinen anderen Weg. Der Glaube an den Sozialismus, welcher nach dem Kriege durch das ganze arbeitende Deutschland flammte und der sobald in so vielen erlosch, er muß zur Wahrheit werden. Nicht ein Einzelner fann uns helfen in unserer tiefen Not, sondern nur die ganze geeinte Masse der schaffenden Menschen. Heute sind wir weit entfernt von diesem Ziel des einen Willens zum Sozialismus und nicht Glaube und Hoffnung allein bringt uns ihm näher. Arb iten, unser ganzes Menschentum einfegen für unsere Idee und nicht müde werden, das ist es, was not tut. Die Landtagswahlen in Preußen stehen vor der Tür. Sie sollen ein Ausdruck des Volkswillens sein und sie sind von folgenschwerer Bedeutung für das Geschick des gesamten deutfchen Wolfes. Was an uns liegt, müssen wir sorgen, daß sie ein Bekenntnis zum Sozialismus werden. Das ist schwer, Nr. 51/52 Die Gleich beit weil die meisten Wahlberechtigten, besonders die Frauen, noch nicht erkannt haben, daß hier allein der Weg zur Rettung ist; daß alles, was ihnen die Politik der bürgerlichen Parteien geben kann, eine Augenblickshilfe bleiben muß. An der Spike unseres Blattes steht der Beschluß des Par teivorstandes und des Parteiausschusses, mit der ernsten Mahnung, für die Verbreitung unferer„ Gleichheit" zu wer ben. Dies ist die erste Arbeit, die zu leisten ist, wenn wir überzeugte Sozialdemokratinnen sind. Wenn wir Helfer der leidenden Menschheit und nicht nur ihre Wohltäter sein wollen. Weihnachten bedeutet für uns nicht nur Kindheitserinnerung, Traum, Christuslegende. Wir feiern es als das Fest der Wintersonnenwende. Die Sonne hat ihren Tiefstand erreicht, sie wendet sich, sie steigt langsam aber stetig auf zur Höhe. Nach Dunkelheit und Kälte wird der Frühling kommen, weil er nach ewigen Naturgesezen kommen muß. Helft, daß es auch politisch Sonnenwende werde. Clara Bohm- Schuch. Recht und Wohlfahrtspflege Von Stadtrat Dr. Caspari( Brandenburg a. H.) Die Umwälzung des 9. November hat dem deutschen Volk nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten gebracht. Zu diesen gehört in erster Linie die Pflicht der intensiven Mitarbeit der Arbeiterschaft in der Kommune. Es ist bezeichnend, daß die Kreise, die früher den Einfluß der Arbeiterschaft auszuschalten verstanden, sich, wenn auch nicht überall, so do viel fach den ihnen obliegenden Pflichten der Mitarbeit am Gemeinwohl zu entziehen versuchen. Besonders fällt dies dem in der Wohlfahrtspflege Tätigen auf. Für die deutsche Arbeiterschaft ist es höchstes Gebot der Selbsterhaltung und Selbstachtung, den Platz, der ihr durch die Neugestaltung der Dinge geschaffen worden ist, auszufüllen. Dazu gehört aber nicht nur selbstlose Hingabe und Gemeinsinn, dazu gehört nicht nur ein gutes Herz und soziales Empfinden, son9117 no bitos model 909 1 870 FR dn * Feuilleton So müßte unire Weihnacht sein! So müßte unire Weihnacht sein: Enträchtiges Schreiten Ohn бaffen und Streiten Ins freie Zukunftsland hinein. * Schwerter und Flinten müßten verftauben. Es länke in Nichts der Zwiefpalt, der Пeid. Die Menschheit hätte nur e nen Glauben, Den Glauben an Liebe in Ewigkeit. Wir fallen einander bei der Hand Wie Schwestern und Brüder. Und fingen wie einft im Kinderland Glückfrohe Weihnachtslieder. Und alles strahlt in goldnem Glanz. Die Tannen funkeln im Schein der Kerzen. Wir tanzen den fröhlichften Kinderta z Mit beitrer Seele und glücklichem herzen. Maria und das Kind Von Julius Berfaß R. Bluhm. 415 dern dazu gehören nicht zuletzt positive Kenntnisse, die die Arbeiterschaft sich erwerben muß, wenn wir die errungenen Positionen behalten und weue erobern wollen. Allenthalben in Deutschland finden wir kommunale Wohl. fahrtsämter. Diese Behörden können nur bestehen und eine segensreiche Tätigkeit ausüben, wenn sie das Vertrauen der Bevölkerung genießen und sich auf der anderen Seite der Mitarbeit aller Kreise der Bevölkerung, besonders aber der Arbeiterschaft und hier wiederum in erster Linie der Frau, erfreuen. Die Voraussetzungen für das erstere werden bielfach abhängen von der leitenden Persönlichkeit des Amtes, von dem Geist, den sie in die Behörden einziehen läßt. Das lettere aber hängt von uns selbst ab. Es ist eine nicht wegzuleugnende Tatsache, daß leider auch vielfach in den Kreisen der. Arbeiterschaft der gerade auf dem Gebiet der Wohlfahrts. pflege unbedingt notwendige Gemeinsinn nicht in der wünschenswerten Weise zum Ausdruck kommt. Hier muß die Zeit und die Erkenntnis der Lebensnotwendigkeiten heilen, was ich als Kriegsfolge ansehen möchte. Aber auch da, wo die Arbeiterschaft das lebhafteste Bestreben zur Mitarbeit befundet, erlahmt häufig allzu früh die Freude an der Mitarbeit und schließlich diese selbst. Worin liegt hierfür der Grund? Nach meinem Dafürhalten in erster Linie darin, daß der Arbeiterschaft, daß insbesondere unseren Frauen die notwendigen Rechtskenntnisse abgehen, ohne die eine praktische Betätigung der Wohlfahrtspflege nicht möglich ist. Ich habe diesen Mangel allerdings nicht nur bei Frauen unserer Kreise gefunden; er ist allgemeiner Art, und auch die auf den sozialen Frauenschulen vorgebildeten Frauen und Mädchen besitzen nach meinem Dafürhalten nicht das Maß von Rechtsfenntnissen, das erforderlich ist, um in der Wohlfahrtspflege in einer befriedigenden Weise praktisch tätig sein zu können. Es genügt z. B. nicht, daß man die Grundzüge des Vormundschaftsrechts kennt. Man muß den Aufbau und die wesentlichen Bestimmungen unseres Fami. lienrechts beherrschen, man muß das Unterlächelte mit tränenreichem Blick. Jede Träne eine strahlende weltliche Glückseligkeit. Neben ihr, in einer alten, rosenbemalten, himmelblauen Wiege schlummerte ihr neugebornes Knäblein und der Kerzenschein spielte mit seinem engelzarten Atem. In der Kammer standen nur ein paar armselige Stühle, ein gebrechlicher Tisch und eine Kommode. Man merkte wohl, daß hier nur die Herberge und nicht die bleibende Stätte flüchtiger Erdenmenschen war. Alsbald trat leise eine Frau herein und stellte auf den wackligen Tisch ein kleines Bäumchen; daran hingen einige Aepfel, steckten einige Kerzen und ein paar dünne Strähnen Silberfäden, die wohl aus dem Haar einer alten Zaubermuhme stammen konnten, fielen vom Gipfel über die schwanken Zweiglein herab. Die Frau wandte ihr faltiges Gesicht der blassen, glückstrahlenden Mutter in den blumigen Kissen zu und zündete dann mit zitternden Fingern die Kerzen an, deren Lichtgeflimmer das ganze Zimmer nach einem traulichen Flecken absuchte und schließlich nur die Augen der Mutter Maria fand. In diesem zitternden Scheine konnte man sehr wohl sehen, daß auf ihren Lippen ein Lied schwebte, das, ach so gerne zu flingen wünschte. Ein helles, himm lisches Lied. Während das Lichterbäumchen seinen Kerzenschimmer an den kahlen Wänden verschwendete, blickten die beiden Frauen unverwandt in den hellen Schein, als fähen sie in Hundert silberhelle Bogenlampen hingen gleich Monden weite, grenzenloje Fernen. Tann sagte die eine unvermittelt über den Straßen, Tausenden von Sternen gleich sandten einsam stehende blasse Laternenlichter ihren beschränkten Schein in Gassen und Nebenstraßen und hundert. tausend Sternlein blinzelten durch die Aeuglein der großen Häuser Ein Stück Himmel schien auf die Straße gefallen zu sein. Maria, die junge Mutter, lag auf hartem Strohbett und und hart: Ich würde das Büblein doch nicht nach seinem Bater nennen, der euch in eurer Drangjal allein gelassen. Heißt doch den Knaben anders!" ,, Nein", antwortete die schmerzensreiche, bleiche Mutter, und ihre Stimme flang wie zitternder Geigenton,„ ich werde ihn Hermann heißen, wie er heißt; es klingt so schön und 416 Die Gleichbe... stüßungswohnsißgesez und seine Ausfüh. rungsbestimmungen fennen, man muß im in derichußgefeß und in vielen anderen Gesetzen be. wandert sein, um so mitarbeiten zu fönnen, daß einem die Arbeit selbst Freude bereitet und daß die Bevölkerung das Vertrauen zu den freiwilligen Helfern der kommunalen Wohlfahrtsämter hat, das notwendig ist, damit das Wohl fahrtsamt seinen Namen nicht nur trägt, sondern auch verdient. Wie können wir hier helfen? Die Herausgeberin der ,, Gleichheit" ist an mich mit dem Vorschlag herang. treten. eine Folge von Aufsäßen mit dem Thema„ Recht und Wohlfahrtspflege" in der Gleichheit" für unsere Frauen zu veröffentlichen. Ich komme dieser Aufforderung um so lieber nach, als ich aus der Praris miß, wie bitter not diese Kenn: nisse unseren Frauen sind, und ich auch in den Vortragsfurien tiefes Verständnis bei unseren Frauen für die rechtlichen Grundlagen der Wohlfahrtspflege gefunden habe. Ich will nicht die in der Wohlfahrtspflege mitarbeitenden Frauen und deren Zahl darf nicht gering iein! zu fleinen Rechtsanwälten auf diesem Gebiet ausbilden, aber ich will ihnen das Maß von Rechtswissen vermitteln, das notwendig ist, um nicht nur dem Worte nach Mitarbeiterin in der Wohlfahrtspflege zu bleiben. Hoffentlich ist der von mir eingeschlagene Weg dazu angetan, das Intereffe zur Mitarbeit in der Wohlfahrtspflege bei den Frauen, bei denen es schon borhanden ist, zu erhöhen und bei den noch abicits Stehenden zu erweden. Beethoven Neberall im Lande hat man in diesen Tagen den 150. Geburtstag eines großen Mannes gefeiert, des Komponisten Ludwig van Beethoven, der am 16. Dezember 1770 in Bonn geboren wurde. Ein herbes Schicksal hatte dieser Künstler, dem wir jo unend ich viel verdanken. Er stuf uns Werke von unsterblicher, nie erreichter Größe. die alle mit heiliger Ehrfurcht vor dem göttlichen Schaffen eines Genies erfüllen, und ihm selbst war es stolz. Und ich will ihn mit meinen schmerzhaften Brüsten fängen, damit er am Brunnen der Liebe trinft. So wird er immer vom Luelle des Lebens zehren und dem Schatz der Opferschaft verpflichtet sein. Immer wird meine Herzenskraft in ihm icin und mein rastloies Herzblut wird ihn zwingen, zu beglücken, so wie auch ich beglückte, gab und empfing., wenn der Mann nur den großen, jüßen Schmerz weiblichen Empfangens wüßte. Er würde in seinem Verschwenden ernster und lustloser sein und uns Mütter beneiden." Des Kindes Lippen bewegten sich, als wollte etwas Er. innerungsdunkles ans Chr der Menschen pochen, in die Quelle der Sonne strömen. Die Lichter am Baume, verlöschten eins nach dem andern. Nur die große Kerze stand schließlich in ihrem eioenen Strahlenquell und die Mutter fuhr fort, indem die Worte ihrem Innerften wie ferner Tomgeiang entquollen: Ich habe mir immer einen Knaben gewünscht, durch den ich mit meiner Güte und Heiterkit die Rauheit und Selbstigkeit seines Vaters und meine Demut zu überwinden vermöchte. Und nun habe ich einen Knaben und ich habe plötzlich einen festen Glauben und eine unüberwindliche Freudigkeit. Ich sehe ihn heranwachsen und meine Bachjamfcit fordern. Ich höre ihn schreien, wenn er auf die Brüste warten muß. Ich iche ihn, wie er Spielzeuge zerstört, um in das Innerste zu blicken. Sche, wie er um sich schlägt, wenn man an ieinen Rechten rührt, f.he, wie er in die Wiesen springt und mir Blumen zubringt, wie er dem Lehrer lauscht und zugleich an Bäume, Vögel, Wolken und Flüsse denkt. Und ich che ihn. wie er mir frühzeitig hilft. uniere Not zu überwinden. C. er wird fleißig werden mein Junge, und er wird ferren und man wird sagen, daß man etwas für ihn tun muß. Und 97r. 51/52 verjagt, die herrlichen Klänge seiner Sinfonien zu hören. Echon frühzeitig machte sich ein Gehörleiden bemerkbar, das nach einer Reihe von Jahren zur völligen Taubheit führte. Infolge dieses Leidens und seiner sonstigen familiären Ver. hältrisse wurde Beethoven ein scheuer, berbitterter, verschlossener Mensch. Und doch klingen seine Werte in ein machtvolles und ergreifendes Bekenntnis zur Freude aus. Allen, die jemals eine Aufführung seiner machtvollen Neunten Einfonie erlebt haben, wird der Eindruck unvergeß ich sein. Beethoven war ein Künstler, der die Töne meisterte, wie nie jemand zuvor. Und seine Sinfonien sind heute für uns Quellen der Schönheit und der Erhebung, Stunden der Weihe in ernster, dunkler Zeit E. R. Die Notwendigkeit der Ausbildung für die Wohlfahrtspflege Das jetzt zu Ende gehende Jahr verzeichnet ein wichtiges Ereignis inn.rhaib unserer Frauenbewegung: die Gründung des Hauptausschusses für Arbeiterwohlfahrt für das Reich in Berlin und zahlreicher Orts- und Bezirksausschüsse in allen Gegenden des Reiches. Diese Gründungen sind nur der äußere Ausdruck der organisatorischen Zusammenfassung dessen, was notwendig mit der politischen Gleichberechtigung der Frau und dem Beginn der Demokratisierung der Verwaltung sowieso geschah, des Eindringens unserer Frauen in die Wohlfahrtspflege. Hier traten sie als Stadtverordnete und Bürgerdeputierte in die Deputationen oder Kommissionen für die Wohlfahrts-, Jugend- oder Wohnungsämter ein, dort arbeiteten sie mit in der Verwaltung des Ar. bitsnacweises oder des städtischen Säuglingsschutzes. da wurden sie Vorsteher eines Armen- oder Waisenbezirkes und wurden mit Unterstüßungs- und Vormundschaftssachen befaßt, oder sie waren Waisenpflegerinnen und hatten als solche für Vormundschaftsfälle, anderweitige Unterbringung von Kindern, Unterstützung von Jugendlichen zu arbeiten. Se traten auch in Provinzialverwaltungen ein, z. B. als Fürsorgerinnen auf dem Lande. In die höheren Verwalio wird er gewiß ein großer Mann, den man beneidet und wohl gar anfeindet. Aber ich werde um ihn sein und wenn er dann um der Liebe und Güte willen im Kampfe steht das wird er gem ß, wird er viele Menichen für sich haben, die ihm folgen und ihn schizzen werden vor denen, die gegen ión stehen. Er wird ein Herrscher werden und ein Prophet und er wird ein Reich gründen, das icine Wurzel in meiner Mutterschaft hat, das nach dem Besitz der ganzen Welt strebt. Liebe will besigen, um restlos geben zu können. Liebe ist so start und mächtig wie die Comme. Liebe ist das große Christwunder." Als dieie Worte ihre Lippen verlassen hatten, stand auf einmal das Bäumlein voller Blüten, die machten die Kammier heller als ein lichterstrahlender Baum das Gemach eines Palastes Das Knäblein in der roienbemalten himmelblauen Wiege ich en im Schlafe zu lächeln. Ueber den Tächern und Türmen wachte der Mond, wie einst der Stern über Bethlehem... b Vom Christkind Aus„ Graspf ifer", von Ludwig FinkG b es wirklich die Flügel anhat, von denen die Mutter erzählte, silbrig wie Echwanenflügel? Cb es nie älter und größer wird, immer neu dasteht mit goldenen Locken? Es ist jedem Herzen cinneboren wie die Mutterlicbe, und so ganz im hintersten Winkel meiner Ecele glaube ich immer noch ein wenig daran, obschon ich ein alter Bursche und ausgewachsener Mensch geworden bin mit Falten auf der Etirn und im Herzen. Weiß einer noch die Zeit. da er ein Kind war, zahm und wild? Sea Wochen vor Weihnacht wurde ein Stück Kreide geholt und mit vieler Mühe an der Innemvand der Türe eines nicderen 97r. 51/52 Die Gleich beit tungsbehörden sollten Frauen einziehen, die mit der Arbeiterbewegung verwachsen waren. Alle diefe Frauen waren von dem Wunsche erfüllt, für die notleidenden arbeitenden Massen zu wirken und hatten in dieser Arbeit das Gefühl, für die Volkswohlfahrt etwas zu leisten. Sie befanden sich auf einmal mitten in einer Tätig. teit, deren Erfolg sich nicht nur in einem Stimmenzuwachs bei den Wahlen zu erkennen gab, und dessen Wert auch dann nur den Einsichtigsten begreiflich werden kann, sondern in einer, deren Ergebnis in manchen Fällen doch wirklich sicht bar wurde. Sie wurden hineingezogen in das Getriebe der öffentlichen Verwaltung, von deren Fehler Väter. Brüder und Gatte soviel gesprochen und sie jahrelang befämpft batten. Sie standen nun mitten drin, zur Leistung berufen und konnten ihrer Weltanschauung hier durch die Tat Aus. druck geben. Das alles erfüllte sie mit Liebe für diese Arbeit. Aber das viele, doch Fremde, was auf sie hereinstürmte, ließ den Wunsch nach einem geistigen Mittelpunkt erstehen, der Busammenhalt und Führer war. Das zu sein, ist die Aufgabe der Ausschüsse, und aus dieser Aufgabe erwuchs ihnen bald cine neue: die Schulung der Parteigenossinnen für die Wohlfahrtspflege. Es wird so oft geglaubt, eine Arbeiterin branche nicht die Schulung für die Wohlfahrtspflege, wie das Mädchen aus bürgerlichen Streifen. Daran ist wahres und Falsches. Die Arbeiterin fennt das Leben der Arbeiterfamilien, die Söhe ihrer Einnahmen und die Kosten des Lebensunterhaltes, der daraus bestritten werden muß. Sie kennt aus Erfahrung den engen Rahmen, der fich daraus ergebend das Leben der Familie einengt. Die Mädchen aus gutfituierten bürgerlichen Kreisen erfahren davon in den iozialen Frauenschulen oft zum erstenmal, und es ist das für sie ein erschütterndes Er. lebnis, was sie erst innerlich verarbeiten müssen. Das fällt für die Arbeiterin weg. Aber die Kenntnis von Haushaltsführung und Gesundheitspflege, die man haben muß, wenn mon in anderen Familien auf Crdnung und Sauberkeit und gesundheitliche Fürsorge hinweisen soll, müffen ebeniogut Kaftens vierzig saubere und gerade Striche gemalt, und jeder Strich galt einen Tag. Am Morgen aus dem Bett gesprungen und hingefniet und mit Wonne einen Strich ausgelöscht, das war der Brennpunkt und die Tat des Tages, das Ziel der ganzen Zeit, die auf irgendeine Weise vollends totgeschlagen werden mußte. Das bedeutete nichts anderes, als vierzig Tage an den Fingern abzuzählen, jeden Tag nur einen Finger, und jeden Augerbid bloß daraufhin anzusehen, daß er vorüber war, und die feierliche Ungeduld des Herzens zu bezähmen bis ja bis. Bierzehn Tage vor Weihnachten ereignete es sich wohl, daß cs an einem Abend, wenns dunkel war, ans Fenster klopfte; hoch oben über der Straße in der Etube im zweiten Etod! Das Herz stand einem still. Und wenn die Mutter so beherzt war, das Fenster zu öffnen und hinauszusehen, so sab fie eben noch das Christkind in den Himmel hinauffliegen, fie sah noch einen Bipfel feines werken Kleides. und auf dem Sims stand dann ein Tellerlein voll Aepfel und Gutsle. Dann wußte man das Christkind vergißt einen nicht. Aber acht Tage vor dem Fest am Abend stampft etwas die Treppe herauf, poltert an die Tür, ein Spalt acht auf und Nüsse rollen herein. Das ist ein Ecred, heillos! Denn ein ganz reines Gewissen hat man als Knabe nie, und der Pelzmärte hat eine rauhe Art mit Buben umzu gehen, ein Bär ist er. Am Tage vor dem heiligen Abend war ich still und blaß vor Erwartung. Die Nacht schlief niemand auf der ganzen Welt, das glaub ich nicht, und dann frühmorgens war der Weihnach13= tag da. Der letzte Strich von vierzig. Aber eine Schnecke friecht nicht so langsam wie die Zeit. Am Nachmittag versteckten wir uns unter Fetten und Tischen vor heimlichem Echauern, bloß mein Bruder, der immer ein Lausbub war, ging einmal durch und wurde am Abend wieder heimgebracht von einem Feldhüter: er habe in allen Weinberghäuschen die Echeiben eingeworfen; wir anderen warteten uns das Herz ab und lauschten auf Geräusche hinter verschlossenen Türen, bis es Abend wurde und das Christfind blics. E3 blics auf einer winzigen glasfilbernen Trompete. Und dann, und dann ich war der jüngste 417 wie die unentbehrlichen Grundlagen der Sozialpolitik auch von ihr erworben werden. Wie will sie einen Kindergarten einrichten, wenn sie nicht weiß, wie er seine Aufgaben für die förperliche, geistige und seelische Erziehung der Kinder erfüllen fann? Auch die Kenntnis unierer sozialpolitischen Geschg.bung, unserer Wohlfahrtseinrichtungen und die Grundzüge unseres Verfassungs- und Verwaltungsrechts muß die Wohlfahrtspflegerin beherrschen. Warum, erklärt sich einfach am Beispiel: Sie fommt zur Witwe eines Kriegs beschädigten, von der sie hört, daß sie sich in matericller Not befindet. Die Frau ist io ichuver vom Echicial gebeugt, daß sie nicht in der Lage ist, ihre Angelegenheiten selbst zu ordnen. Die Wohlfahrtspflegerin fann ihr nicht allein mit Mitleid und Aufopferungsbereitschaft heffen, wenn sie nicht genau weiß, auf welche Renten die Frau Anspruch hat, bei welchen Behörden von Reich, Staat oder Gemeinde sie beantragt werden müffen. Sie muß wissen, wo die Kinder untergebracht werden fönnen, wenn die Frou so weit erholt ist, daß sie vormittags etwas verdienen fann. Sie muß wissen, wo die Frau beraten wird, welchen Beruf fie ergreifen fann. Dazu gehört nicht nur ruhige Ueberlegung, sondern auch Sachfenntnis. Die Berufsarbeiterinnen auf dem Gebiete der Wohlfahrtzpflege müssen eine umfassendere und andere Schulung baben als die ehrenamtlichen Kräfte. Aber auch die letteren müffen, menn ihre Arbeit wirksam werden soll, die gesetzliche und organisatorische Grundlage der Wohlfahrtspflege beherrschen. Altes ändern und Nenes schaffen kann man ja doch nur, wenn man weiß, was besteht, welche Wirkungen es hat, und welche Menderungen wirkliche Verbesserungen find Die Ausschüsse für Arbeiterwohlfahrt können durch Vorträge, Kurie ihre Mitarbeiterinnen belehren und muß diefe B- lehrung durch die schriftliche Aufklärung durch unfere Breffe, vor allem durch die Frauenzeitschrift Tie Gleichheit" ergänzt werden. Das schriftlich Vorgebrachte hat den Vorteil, daß sein Klang nicht im Chr verwehet", sondern daß es immer wieder zum Nachschlagen dienen kann. " und mußte voran Herzklopfen und Glück und Lichter, und cine Festung und eine Apotheke. In dieser alten, schöngeschnitten Apotheke bom Großvater her standen Mörser, die einen Klang gaben, und eine Wage mit Gewichtchen, und Töpfe und Krüge und Schachteln und Schubladen lockten, so wie es in der großen Apotheke war. Genau wie dort stand der lateinische Name an allen Tingen und sie gehörten mir, zum Essen und zum Verkaufen, ich brauchte sie nicht zu stibißen wie in Vaters Avotheke. wo der Bärendred, das Hustenleder, die Zibeben, die Mandeln und die Feinen in mir sehr gut bekannten Schubladen lagen. bereit, den Weg in unsere Hand und in den Mund zu finden. Aber diese Apotheke unterm Christbaum war doch tausendmal schöner als die rechte. Bloß daß das Christkind eines Weihnachtstanes, vielleicht im Trange der Geschäfte, sich auf die lateinischen Namen nicht mehr besann und wahllos seinen Tegen in den Schubladen verstreute. Als ich die crite froh herauszog, um nach der Aufschrift füße Mandeln zu finden, war Pfefferminz darin, und in der zweiten lag Schnupfpulver, Schneeberger statt gestoßenem Zuder; erst war ich bloß erschrocken über die Vergeßlichkeit und Flüchtig keit des Christkinds; aber als ich in dem dritten Fach statt Schokolade Wurmsamen vorfand, versiente der Tränenstrom, mit dem ich kämpfte, und ich fand die zornigenttäuschten Worte: D das Christkindle hat mi b'ichisse." Es war das erstemal in meinem jungen Leben, daß mein Glaube an etwas Heiliges erschüttert wurde. Später betrug sich das Christkind noch öfters so unlauter. Und ich habe es ihm nie verzeihen können, daß es mir einmal anstatt eines beißersehnten Märchenbuches den alten Kaiser brachie, rechts Moltke und links Bismard, alle drei in einem dicken Golde rahmen. Was gingen mich gemalte Uniformen an, wo ich nach alten Märchen verlangte? Seither haßte ich die drei, trotz aller Liebe, und wenn meine Vaterlandsliebe nachher einen argen Stoß erlitt und ich lange mit manchem nicht mehr einverstanden war, was der Kaiser tat, jo hatte er es dem Christkind von damals zu danten. ( Schluß folgt) 418 Die Gleich beit Wenn die„ Gleichheit" jetzt diese Aufgaben erfüllt, dürfen die Leserinnen, die nicht in der praktischen Wohlfahrtsarbeit stehen, sich nicht benachteiligt fühlen. Auch vor ihren Augen wird ein Gebiet unseres Gesellschaftslebens enthüllt, das so wichtig ist, wie nur irgendein anderes. Auch von hier aus lernen fie erkennen, welche Mächte im Staatsleben miteinander ringen, und auch hier werden ihnen Wege gewiefen, die zu einer Umgestaltung des Gesellschaftslebens führen. Wer aus Klassenbewußtsein und sozialem Pflichtgefühl heraus an dieser Umgestaltung mitarbeitet, dem kann es nicht gleich gültig bleiben, wie bis zur Vollendung dieses Werkes den dem Elend Preisgegebenen geholfen wird. Hedwig Wachenheim. Frauen als Gemeindewaisenräte Es dürfte noch nicht allgemein bekannt sein, die Praxis bestätigt diese Auffassung, daß nun auch an Frauen das Amt eines Gemeindewaisenrats übertragen werden kann. Mit der rechtlichen Gleichstellung der Frau als Bürgerin mit dem Mann, ist diese Möglichkeit eingetreten, wenn auch meines Wissens bisher eine befondere Verordnung nicht ergangen ist. Das Preußische Gesetz vom 15. Juli 1919( Preußische Gesezsammlung Nr. 31 Seite 113) sagt in seinem ersten Baragraphen: Bürger- und Gemeinde recht steht in den Stadt- und Landgemeinden unter den gleichen Voraussetzungen wie den Männern auch den Frauen zu." Worin besteht nun das Bürger- und Gemeinderecht? Nach§ 5 der Städteordnung( Westfalen) besteht es in der Befähigung zur Uebernahme unbesoldeter Aemter in der Gemeindeverwaltung und zur Gemeindevertretung. Diese Befähigung haben die Frauen erlangt. Die weitere Frage ist nun die:„ Ist das Amt eines Gemeindewaisenrats ein Gemeindeamt im Sinne der Städteordnung?" Die Antwort gibt der Artikel 77 des Preußischen Ausführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch, der diese Frage bejaht. Demnach können Frauen zum Waisenrat bestellt werden. Unsern Genossinnen fann nur emp= fohlen werden, von diesem neuen Recht ausreichenden Gebrauch Binder Bielefeld. eu machen. Briefe über Kindererziehung Werte Freundin! Das Lustgefühl der Abhängigkeit" versehen Sie mit einem Fragezeichen und verraten dadurch, daß Sie meine ,, manchmal viel zu gelehrten" Auseinandersetzungen doch noch nicht immer verstanden haben. Ob das an meiner Unklarheit denn das meinen Sie ja doch unter„ Gelehrtheit"-, oder an Ihrer, na, fagen wir einmal friedlich: Unaufmerksamkeit liegt? Natürlich an der ersteren! Also bessern wir uns! Das wir" können Sie aber ruhig im Sinne von wir Beide" nehmen! Das Wchl- und Luftgefühl der Rettung aus beschmutzten Windeln, mein erstes Beispiel davon, wie das Kind das Eingreifen einer höheren" Macht freudig empfindet, liegt Ihrem Gedächtnis offenbar schon zu fern oder sollten Sie am Ende völlig stubenund windelrein zur Welt gekommen sein? Buzutrauen wäre es Ihrem Reinlichkeitssinn! Aber vielleicht haben Sie noch eine nebelhafte Erinnerung an Ihre ersten Gehversuche? Wenn nicht, genügt auch die Beobachtung an Ihrem Jüngsten. Da haben Sie nämlich die beiden Lustgefühle, sowohl der Abhängigkeit wie der Eigenkraft hübsch nebeneinander. Ererbtem Menschendrange folgend will fich das Kind, überdrüssig des ewigen Klebens am Boden, erheben: es gelingt; mit hellem Jauchzen begrüßt es den selbsterrungenen Sieg über die Erdenschwere. Aber o weh! Die Beinchen knicken und torkeln, die Händchen greifen suchend umher, das eben noch strahlende Gefichtchen verzieht sich zum Weinen. Da erfaßt es die rettende Mutterhand und wieder jauchzt es froh auf, diesmal aber über die Erlösung aus peinlicher Gefahr, und es fühlt sich geborgen im Schutz der Helfermacht. Ein paar Tage später hascht es noch willig nach der Hand, die seine wackelnden Schrittchen leitet, und stößt sie nach kurzer Zeit doch eigenwillig beiseite, wenn es zeigen will, daß es schon ganz bon selbst" zu gehen versteht. Sicherlich ist beim gesunden Kinde die Lust an der eigenen Kraftbetätigung größer, aber angenehm war doch auch das Sichgeborgenfühlen und Nicht selbstsorgenmüssen in aufregender Lage. Solche Lagen kommen dem Heranwachsenden immer wieder; neue Aufgaben fordern ein Handeln von ihm und doch Nr. 51/52 traut es sich dazu ohne weiteres meist die Kraft nicht zu. Willkommen ist da das gebietende oder verbietende Wort, das sein Handeln be. stimmt; um so mehr, je öfter es die Erfahrung macht, daß es gut dabei fährt. Vertrauen zur Leitung schleicht sich in sein Herz; Sichführenlassen und Gehorchen gewährt eine Sicherheit, die selbstwilliges oder gar ungehorsames Handeln niemals zu bieten bermögen. Man beruhigt sich dabei, eindeutigen Weisungen zu folgen und fühlt sich jeder Art von Verantwortung für das Ges schehende enthoben. Das alles sind Lustgefühle, denen ein nicht allzu starker Wille sich gern ergibt, zumal eben dies Fehlen jedes Auflehnungswillens noch das ungeheuchelte Lob der Gebietenden findet: man ist ein folgsames, artiges Kind, dem es wohl ergehen wird und langes Leben auf Erden verheißen ist. Eben das gleiche spielt sich später im Leben ab. Unbedingter, blinder Gehorsam, Strammstehen und nicht mit den Wimpern zuden bei Unbill waz noch vor kurzem das Jdeal des Soldaten; der Beamte hatte im Dienst" teine eigene Meinung, mindestens keinen Willen, der dem des Vorgesezten" sich hätte widersetzen können. Dafür gab es dann verschiedene Annehmlichkeiten, von der Freude am bunten Rock an über allerhand Bevorzugung vor dem Zivilisten, festes Gehalt, Alters- und Waisenversorgung bis zu der Dienstschnalle, dem allgemeinen Ehrenzeichen oder gar dem roten Adler vierter Güte. Verstehen Sie jetzt das Lustgefühl der Abhängigkeit"? Der alte Tolstoi hat einmal auf die grauenhaft ernste Kehrseite dieses die Menschen zu Puppen erniedrigenden Mandarinensystems aufmerksam gemacht: das ist die teuflisch) raffiniert aus. geflügelte Art, wie immer der Untergebene angeleitet wird, alle Verantwortung für sein Tun auf den Vorgesetzten" abzuschieben. Der Soldat und der Henker tötet, aber er ,, tut nur seine Pflicht"! Malen Sie sich das selber weiter aus. Ach ja, es ist etwas sehr Tröstliches und Lebenserleichterndes, wenn man jemand hat, auf den man ,, scine Sorgen werfen kann", von dem man sich vertrauensvoll und demütig leiten läßt, dem man zuletzt alle Verantwortlichkeit zuschiebt mit dem frommen:„ Er wird's wohl machen!" Merken Sie nun, wo wir hinauskommen? Es ist der Gang der religiösen Erziehung, den ich Ihnen schilderte, von dem nach der Mutterhand langenden Kindchen über das Be= tenntnis: Mit unserer Macht ist nichts getan" und ,, Nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe" bis zu dem Schrei eines ge= quälten Herzens nach Erlösung aus Gnaden allein!" Mißver stehen Sie mich nicht: ich ta dele nicht etwa diese Erziehung: ich zeige nur, wie eine ganz klare und deutliche Linie hier von der natürlichen Ohnmacht des Menschenkindes hinaufführt zu der bewußten Sehnsucht nach göttlicher Hilfe und Erlösung aus der ebenso natürlichen Ohnmacht des reifen Menschen gegenüber den ihm gesetzten Schranken seines Denkens( die Wahrheit bleibt ihm verborgen!), des Könnens( ,, allmächtig" wird er nie!) und des Wollens( Heiligkeit bleibt ihm versagt!). Daß August Horneffer einmal diese Sehnsucht die ,, weibliche" genannt hat im Gegensaz zu der auf Selbsterlösung durch eigene Kraft gerichteten ,, männ lichen" Sehnsucht, werden Sie ihm hoffentlich verzeihen, wenn Sie bedenken, daß es weibische Männer" und das entsprechende Gegenstück reichlich im Leben gibt. Eind wir aber einmal über die Torheit hinaus, den Unterschied zwischen echter Weiblichkeit und ebensolcher Männlichkeit als einen Wertunterschied zu fassen, dann werden Sie auch verstehen, daß ich das religiöse Anlehnungsbedürfnis und die Entwicklung der frommen Abhängigkeitsgefühle nicht schlechtweg für einen Jrrweg der Erziehung halten kann, trägt doch jedes Kind und jeder Mensch ein halb weibliches und halb männliches Herz in seiner Brust, nur daß die Hälften" nicht eben auf der Goldwage abgemessen sind. Die Entwicklung der ,, männlichen" Charakterseite, die nun der sittlichen Erziehung obliegt, fönnen Sie sich jetzt leicht selber vorstellen. Jene Lust, selbst, ohne stüßende Hand gehen zu wollen, fündet ihn an; der unbändige Trieb, dem Gebot und Verbot ein Schnippchen zu schlagen, setzt ihn fort. Im Troß und im Ungehorsam drängt sich der„ Eigensinn" vor. Man will durchaus seine Erfahrungen, so unangenehm sie mitunter sind, selbst machen und lehnt das fremde Gesetz ab. Cache weisester Erziehung ist es, diesem Drang dadurch entgegenzukommen, daß möglichst überall jenes Fremdgesetz durch Uebernahme in die eigene Vernunft zum Selbstgesetz werde, daß der Heranwachsende mit einem Minimum von Irrtum. Sünde und Mißerfolg seine Eigenerfahrung bereichere und so die im Kindesalter doch nicht völlig zu entbehrende Geho- samserziehung zur Selbstzucht veredele. Selbstverständlich bleibt am Schlusse des tätigen Lebens wie übrigens auch beim Frommen ein gewaltiger Fehltetrag zwischen Gewolltem urd Erreichtem, dessen Tedung wirklich nicht in unserer Macht" liegt. Ob wir dann von der Gnade des Weltrechenmeisters die Mr. 51/52 Die Gleich beit Streichung dieser Schuld erflehen oder stillgemut und gefaßt das Buch schließen wollen das bleibt dem Gewissen jedes einzelnen überlassen. Auf den erneuten Vorwurf der Gelehrtheit, ja diesmal ver. schärft: der„ Gottesge: ahrtheit" reumütig gefaßt Ihr Dr. Penzig. Christentum und Sozialismus Nach einem Vortrage vom Genossen Krebs- Hamburg ,, Religion ist Privatsache." Dennoch kann das Problem nicht einfach beiseite gestellt werden. Der Hang an alten Formen läßt das Tenken gern in den alten Gleisen sich bewegen. Die rührende Gestalt des Jesus und so manche Bibelstelle, die sich gegen die Ausbeutung der Armen durch die Reichen wendet, gaben den Anlaß dazu, daß es Sozialisten gibt, die Jesus für den ersten Sozialdemokraten halten. Wir haben es ja mit dem Christentum zu tun als eine der am stärksten gewordenen Weltreligionen. Die christliche Lehre ist ein Extrakt aus den damals vor 2000 Jahren vorhandenen indischen, und griechischLabylonisch- persischen, ägyptischen, jüdischen römischen Religionen. Auch Zarathustra wie Buddha werden vor ihrer Geburt ihrer Mutter besonders angekündigt. Der zwölf= jährige Buddha wird gesucht und unter einem Baum bei Schrifts gelehrten gefunden. Auch wird er, wie später Jesus, versucht, Jesus und ebenfalls hält er sich 50 Tage in der Wüste auf 40 Tage. Auch Buddha sagt die gleichen Worte seinen Jüngern: ,, Gehet bin in alle Welt und lehret alle Bölfer!" Ja, der Sonnen gott Osiris stirbt und feiert am dritten Tage Auferstehung! Und Feine Priester rufen laut:„ Er ist wahrhaftig auferstanden! So werdet auch ihr erlöst werden." Auch Taufe und Abendmahl, jede firchliche Form oder christliche Idee waren schon viel früher in anderen Religionen vorhanden, besonders in der Etoa, wie auch Sofrates aus fe nem Gespräch mit Dirtima über die Liebe mitteilt. Ob Jesus lebte, ist nicht nachweisbar. Keiner der Evangelisten hat ihn selbst gesehen oder gehört und die auf uns überkommenen Lebensbeschreibungen find 70 bis 200 Jahre nach seinem Tode schon im Dienst einer Kirche geschrieben. Besonders im Interesse der katholischen Vorherrschaft verübte Fälschungen sind von Humanisten aufgedekt worden. Jesu Lehren sind in der Bergpredigt enthalten. Man muß woh! unterscheiden zwischen seinen Lehren und den Lehren über Jesus Christus. Er hat als Neues die Gottesfindschaft verkündigt. Mit unendlichem Vertrauen baute er bis zum seelischen Zusammenbruch in der Todesstunde auf seine Liebe. Er erwartete wie ein Kind Hilfe von dem Stärferen. Er betet aber nicht, um in den Himmel zu kommen, sondern: Dein Reich komme!" Und so beteten und hofften seine Nachfolger. In den unterdrückten Volksstämmen schuf die Lehre des Proletariers, daß alle Menschen vor Gott gleich seien und daß sein Reich auf dieser Welt komme, eine Hoffnung in den gequälten Armen, die den Herrschern schnell gefährlich wurde. Das Wort vom Kreuz: Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein", mappnete die Märtyrer mit Todesverachtung. Aber je mehr die Masse der Gläubigen Organisatoren und Führer brauchte. desto mehr verflechte die ursprüngliche Jesulehre. Eine Reihe von Priestern stellte sich zwischen Religion und Menschen und bestimmte, wie und was geglaubt werden sollte. Da wurde Jesus zum Zauberkünstler und der Jenseitsglaube zum Herr schaftsmittel der Reichen, da erst nach dem Tode vor Gott die Gleichheit kom. Dies bewog auch Konstantin und die römischen Kaiser, das Christentum zur Staatsreligion zu machen. Jesu Lehre, durch ein reines Leben, durch Menschenliebe bis zur Selbstaufopferung den Himmel auf Erden zu bringen, war durch die Lehrsäße der Kirche, oder richtiger Kirchen denn es gibt ca. 400- verflacht, entstellt und veräußerlicht. Die Sündenbergebung, in die Hand der Priester gegeben, statt daß sich jeder selbst erlöse, wurde auch zum Herrschaftsmitfel. Wir wissen, daß nichts das naturgesetzliche Geschehen unterbricht und jede Handlung unsererseits ihre notwendige Folge hat daran würde der Glaube an Sündenvergebung nichts ändern. Aber wir wissen, daß wir sterben müssen nach der Vollkommenheit, daß wir die Sünde, das heißt jedes Unrechttun, meiden müssen. ,, Wer immer strebend sich bemüht, der wird erlöst." Die Hingabe bis zur Selbstopferung an eine hohe sittliche Idee fordert auch unsere Anerkennung und Nachahmung, aber die Ergebung in bestehende Zustände, wie die Kirche es verlangt, lehnen wir Sozialdemokraten ab. Die höchste Tragik erreicht Jesu Leben, 419 indem er selbst an seinem Gottesglauben angesichts des Todes Schiffbruch leidet. Er läßt sich gefangen nehmen und wehrt denen, die ihn befreien wolien, denn er glaubt, daß es nur einer Bitte bedarf, dann würde der himmlische Bater helfen. Noch unter den Kreuzesqualen lächelt er trostvoll zum armen Schächer an seiner Seite, aber dann lesen wir: Er schrie auf: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!" Er mußte also selbst an seiner Jdee der Gottesfindschaft vers zweifeln, denn einen Vater, der sein Kind sterben läßt, obe wohl er die Macht hat, es zu retten, kann der sittliche Mensch nicht lieben. Aber dies entsprach den Ueberlieferungen, denn Kindess opfer waren weit früher gebräuchlich( siehe Abraham und Isaat). Einen reinen Menschen für die Schuld der anderen( und gar bis zum Tode!) büßen zu lassen, ist aber im höchsten Grade unfittlich. Der soziale Grundgedanke: Wir alle sind eins! wird auch von uns anerkannt; aber den Jenseitsglauben lehnen wir ab, viel mehr wollen wir durch unser Streben nach größter Vervollkomm rung mit und füreinander den Himmel auf Erden, d. h. ein menschenwürdiges Dasein schaffen. Dieser sozialistische Gemeinschaftsgedanke ist Religion. Und diese verlangt auch unsere ganze Hingabe, dann befriedigt sie unser Empfinden. Der Sozialismus ist die Religion für uns! Ella Wierzbitti, Rüftet zum Frieden! Ein Wort an unsere Mütter Keiner hat durch den Krieg mehr gelitten und mehr verloren als unsere Mütter. Zu der Angst um die Söhne draußen im Feld, zu dem Schmerz um die Gefallenen, Vermißten, Verwundeten, Verkrüppelten kam die Not um die Daheimgebliebenen, fam die Sorge, ihre Lieben vor Hunger und Kälte zu schützen. Meiner hat mehr durch den Krieg gelitten. Keiner trägt aber auch größere Schuld. keiner hat weniger getan, den Krieg unmög lich zu machen, als unsere Frauen und Mütter. Nicht aus Absicht oder bösem Willen. Aber aus unglaublicher Gedankenlosigkeit und Unverstand. Leichtsinn kann man es nennen, wenn Mütter ihren Jungens Waffen, Uniformen, Bleisoldaten und ähnliches Kriegsspielzeug schenken und damit die Kindesseele von Klein auf vergiften. Wie wollt Ihr Eure Kinder zu Kriegsgegnern erziehen, wenn Ihr sie von Jugend auf zum Kriegspielen anleitet? Darum richte ich die innige Mahnung an unsere Arbeitermütter: Schenkt Euren Kindern feine Coldaten, teine Waffen, teine Uniformen, feine Bücher, Bilder und Bilderbücher, die den Krieg und das Soldatenleben verherrlichen! Dentt an die Verheißung der Weihnachtszeit: Friede auf Erden! Und handelt danach! Der alte Römerspruch: Wenn du den Frieden willst, rüfte zum Krieg!" hat sich als ein schwerer Irrtum erwiesen. Wenn du den Frieden willst, rüste zum Frieden!" muß es heißen. Bei den Kindern müssen wir damit beginnen. In ihr junges, unverdorbenes Herz wollen wir den Abscheu pflanzen gegen alle Gewalt, gegen Krieg und Massenmord wie gegen das Töten eines einzelnen Menschen. Euch Müttern ward die hohe Aufgabe, das kommende Geschlecht zu erziehen. Tut es als Sozialisten und im iozialistischen Geift! Weckt in Euren Kindern die Liebe zu den Menschen, zum Zusammengehörigkeits- und Gemeinschaftsgefühl. Von den Seelen Gurer Kinder hängt es ab, ob es fünftig Kriege geben wird oder nicht. Mit den Kinderspielen fängt es an. Frauen und Mütter: rüftet Auf dem Spieltisch und in den Herzen Eurer Kinder zum Frieden! Kurt Heilbut. Aus der Frauenbewegung des Auslandes Amerika. Wie ,, Evening World" aus Washington meldet. be absichtigt Harding, aus Erkenntlichkeit für die Teilnahme der amerikanischen Frauen an den Präsidentschaftswahlen, den Kon greß zu ersuchen, ein neues Unterrichtsministerium zu gründen und eine Frau an die Spitze dieses Departements zu stellen. England. Sämtliche großen politischen und gewerkschaftlichen Frauenorganisationen veranstalteten Anfang November einen großen Demonstrationszug und eine Massenversammlung auf dem Trafalgarsquare, an der sich viele Tausende beteiligten, um ,, Gleichen Lohn für gleiche Leistung" von der Regierung zu verlangen. Eine scharfe Protestresolution gegen die diesen Grund 420 Die Gleich beit sak verleugnenden Maßnahmen wurde einstimmig angenommen und eine Teputation an den Premierminister zur Vertretung der Frauenforderungen einstimmig beschlossen. Das Recht der unehelichen Kinder in England. In einer Kom mission des englischen Unterhauses wurde fürzlich ein Gesetz entwurf beraten, der die rechtliche Stellung des unehelichen Kindes festiegen soll. Ter Entwurf entfesselte lebhafte Grörterungen, so z. B. über die Frage, ob die uneheliche Mutter, die wissentlich falsche Angaben über den Vater ihres Kindes macht, wegen Mein eides bestraft werden soll und ferner, ob ein uneheliches Kind durch die Heirat seiner Eltern legitimiert werden soll. Streitobjekt ist auch die Frage, ob ein uneheliches Kind als„ Bastard" oder als„, illegitimes Kind" bezeichnet werden soll. Ter Entwurf soll betitelt werden:„ Children and Unmarried Parents Bill" ( ,, Kinder- und unverheirateter Eltern Gesez"). Aus unserer Bewegung Darmstadt. Am Sonntag, den 21. November, tagte hier im Gewerkschaftshaus eine Landestonferenz der in unserer Partei organisierten Frauen. Aus allen Teilen des Freistaates Hessen waren sozialistische Frauen und Mädchen erschienen, um in ernsten Beratungen zu den die Frauen besonders berührenden Fragen Stellung zu nehmen. Vertreten waren 20 Orte durch 36 Genossinnen. Vom Bezirksvorstand waren delegiert: Bezirkssekretär Genosse Widmann und die Genojsinnen Frau Steinhäuser und Frau Kürner- Offenbach. Außerdem aus den Agitationsbezirken die Eefretäre: Dey, Lub, Riegel, Wittig und Häuser. Eine Ver treterin des städtischen Fürsorgedienstes von Mainz war als Gast anwesend. Als weitere Gäste waren noch anwesend: Genosse Dr. Quard Frankfurt a. M. und Staatspräsident Genosse Karl Ulrich Darmstadt. Bezirkssekretär Genosse Widmann eröffnete die Konferenz und begrüßte die Erschienenen. Genossin Frau Müller- Darmstadt gab dann einen furzen Ueberblick über die sozialistische Frauenbewegung in Darmstadt wie auch im Agitationsbezirk Darmstadt- Groß- Grau- Erbach. Eie schloß mit dem Wunsche, daß dieje Konferenz dazu beitragen möge, die sozialistische Frauenbewegung in Hessen zu fördern. Vor Eintritt in die Tagesordnung brachte der Arbeiter- Gesangverein Sängerfreis" als Be grüßungslied den Chor: Holde Eintracht" zu Gehör. Sodann wurde der Genojsin Frau Dr. Quard Hammerschlag das Wort zum ersten Punkte der Tagesordnung: Wohlfahrtspflege und Jugendwohlfahrt" erteilt. All die viclen Zweige der Wohlfahrtspflege wurden von Genossin Quard, welche auf diesem Gebiete durch kangjährige praftische Betätigung in Frankfurt a. M. eine reiche Fülle von Erfahrungen gesammelt hat, erörtert, um an Beispielen zu zeigen, wie die sozialistischen Frauen im Interesse der arbeitenden Klassen gerade hier ein großes und erfolgversprechendes Betätigungsfeld im Sinne und Geiste des Sozialismus finden können. Rednerin stellte sodann für die Wohlfahrtspflege Leitsätze auf und bat, sich dieselben zu eigen zu machen und in den örtlichen Organisationen für deren Durchführung zu sorgen. Auch gegen den Beschluß der Postbeamtinnen, welche die uneheliche Mutter als nicht gleichwertig betrachten, wandte sie sich scharf. Tie vortrefflichen Ausführungen der Genossin Quard wurden mit großem Interesse entgegengenommen und mit reichem Beifall gelohnt. = In der Diskussion gab Genosse Widmann den organisatorischen Aufbau, wie der Bezirksvorstand ihn beschlossen hatte, bekannt. Es soll ein Zentralausschuß gebildet werden mit dem Eit in Ofenbach. Für Offenbach sind bereits die Genossinnen Fran Derbürgermeister Granzien und Frau Steinhäuser in Vorschlag gebracht worden. Es sei nun zu empfehlen, daß aus den einzelren Agitationsbezirfen je eine Genossin dazu gewählt würde. Au soll neben dem Bertreter des Bezirksvorstandes ein Vertreter der Arbeiterfamariter hinzukommen. Sodann soll ein geschäftsführender Ausschuß gebildet werden, wozu die einzelnen Berufsgruppen je einen Vertreter bestimmen. An die Ausführungen schloß sich eine lebhafte Disfussion an, in der u. a. auch die Zusendung der„ Gleichheit" angeregt wurde. Eodann wurde noch die Notwendigkeit des Kampjes gegen die Geschlechtsfrankheiten erörtert und eine im Sinne des Neferats der Genossin Quard verlesene Resolution einstimmig angenommen. Es folgte nunm.hr ein zweites Referat über:„ Die poli tische Betätigung der Frau im Volfsstaat", wel ches von der Genossin Reichstagsabgeordnete Frau Elfriede Ryned- Berlin erstattet wurde. Die Referentin verstand es, den Anwesenden all die Borausschungen und Notwendigkeiten dar. Nr. 51/52 zulegen, die die Proletarierfrau zur politischen Mitarbeit zwingen. Frau Ryneck betonte u. a. die Wichtigkeit der Kenntnis der Weimarer Verfassung, behandelte die Nöte des unehelichen Kindes und der unehelichen Mutter und die Abänderung der§§ 218-219 des Strafgesetzbuches. Des weiteren fam sie auf die Wohnungsfalamität zu sprechen, berührten die Frage der Elternbeiräte und die gesamte Jugendbewegung überhaupt. Rednerin schloß mit dem Wunsche, das Gehörte hinauszutragen und neue Kräfte für die Partei zu gewinnen. Auch ihre Ausführungen wurden mit größtem Interesse und lebhaftem Beifall entgegengenommen. In der sich daran anschließenden Diskussion betonte Genosse Widmann ( Bezirkssekretär) die Zweckmäßigkeit, in den Agitationsbezirken weibliche Vertrauenspersonen zu haben. weibliche Vertrauenspersonen zu haben. Zur Frage der Frauenzeitung, Die Gleichheit", ist er der Ansicht, daß, wenn diese in ihrem Umfange beschränkt und verbilligt würde, die Kosten vielleicht zum Teil von der Partei getragen werden fönnten. Die gesamte Disfussion bewegte sich in zustimmendem Sinne, dabei einzelne wichtige Punkte des Referats herausgreifend. Auch die Wichtigkeit der Gleichheit". des Kampforgans der Frauen, wurde in den Vordergrund gestellt, und diesbezügliche Wünsche wurden der Genossin Ryned mit auf den Weg gegeben. Diese interessant und harmonisch verlaufene Konferenz hat uns gezeigt, daß es angebracht und auch zweckmäßig ist, in allen denjenigen Fragen, die das Interesse der Frauen besonders berühren, diese selbst urteilen und beraten zu lassen. Damit wird ohne Zweifel auch der Gesamtbewegung gedient. H. Riegel. Bücherschau ,, Das Weimar der arbeitenden Jugend. Niederschriften und Bilder vom ersten Reichsjugendtag der Arbeiterjugend." Das ist der Titel des Weimarer Buches" der Arbeiterjugend, das nunmehr vorliegt. Das Buch ist ein Wert von vielen seine einzelnen Teile und Teilchen sind aber derartig geschict zusammengefügt und innerlich verbunden, daß es wie aus einem Guß erscheint. Das Buch wird in der Arbeiterliteratur und in der gesamten deutschen Jugendliteratur eine besondre Stellung einnehmen und für alle Zeiten behalten. Es ist ein Manifest der arbeitenden Jugend, ein Zeugnis ihres geistigen Aufstiegs. Junge Arbeiter haben hier selbst geschrieben, gedichtet, wie sie die drei Weimarer Tage selbst gestaltet haben, die auch wie eine Dichtung waren, Die Jugend, die in dem Buche schreibt, meistert das Wort und bleibt doch echt jugendlich. Die Ausstattung des Buches ist dem Inhalt gut angepast. Wunderschön fügen sich muntere Strichzeichnungen in den Text ein, geben ihm einen bestimmten Rhythmus. Das Buch ist in diesem Jahre das Geschenkbuch für die Arbeiterjugend zum Weihnachtsfest. Es ist zu beziehen vom Hauptvorstand des Verbandes der Arbeiterjugendvereine Deu: schlands, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 und durch alle Buchhandlungen. Preis 10 Mt. einschließlich Verpadung und Porto. Jugendvereine erhalten( Bestellung beim Hauptvorstand) Nabatt. * Als Weihnachtsgeschenk eignet sich ferner auch der von der Buch. handlung Vorwärts herausgegebene Vorwärts- Almanach" für das Jahr 1921. Er ist mit einem Bild August Bebels auf der Titelseite geschmückt und bietet sich im großen und ganzen in einem schönen Gewande dar. Der Inhalt entspricht der äußeren Form. Gute Artikel aus der Feder unserer bekanntesten Parteigenossen wechseln mit Gedichten und Erzählungen ab. Er ist zum Preise bon 4 Mt. in jeder Parteibuchhandlung erhältlich. * Ebenso sei bei dieser Gelegenheit auf den Arbeiter Notizfalender 1921 hingewiesen, gleichfalls in der Buchhandlung Vorwärts er. schienen. Er enthält auger dem Kalendarium alle notwendigen Parteiadressen, ein Verzeichnis der Parteipreffe und Parteibuchhandlungen, der Gewerkschaftsadressen, Arbeitersekretariate, Gewerkschaftshäuser in Deutschland usw. und ist somit für jeden Parte genossen und-genossin unentbehrlich. Er kostet 3,50 W. und ist ebenfalls in allen Parteibuchhandlungen zu haben. Das Titelbild der heutigen Nummer unseres Blattes stammt von der Hand Wilhelm Cesterles, dessen Arbeiten zurzeit in der Buchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 3, ausgestellt sind. Berantwortlich für die Redaktion Frau Sara Boomuch) Druck: Borwarts Buchdruderet. Verlag Buchhandlung Borwarts Paul Stager G. m. b. S. jämtlich in Berlin SW 68, Lindenstraße 3