Nr. 4 31. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Die Gleichheit erscheint 2 mal im Monat Prets: Vierteljährlich 2,70 Mark Berlin Inferate: Die 5 gespaltene Nonpareillezeile 2, Mart, 15. Februar 1921 bel Wiederholungen Rabatt Die Frau und ihr Haus Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morigplan 147 40 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Die Frauen und der 20. Februar änderte Zusammensetzung erfahren hatte, wurde die Reform Die Auffassung, daß die Politik die Frauen nichts angehe, war schon zu der Zeit falsch, als die Frauen noch nicht das Wahlrecht hatten. Jede Maßnahme, ganz gleich, welcher Art, berührte auch sie. Wir brauchen nur an die Wirkungen erinnern, die die Steuergesetze auf die Verhältnisse der weiblichen Mitglieder der Arbeiterfamilien ausgeübt haben, und an die Beschlüsse und Maßnahmen, die schließlich dazu führten, daß wir in den Krieg hineingeriffen wurden. Nachdem aber die Frauen zu gleichberechtigten Staatsbürgern geworden sind, fällt jeder Grund für sie fort, der Bolitik gegenüber gleichgültig zu sein. Heute haben sie nicht nur das Recht, diefe Politik mit zu gestalten, sondern sie haben heute auch die Verantwortung dafür zu tragen. Jeder erwachsene Mensch, ganz gleich, ob Mann oder Frau, darf deshalb bei Wahlen nicht darauf verzichten, sein ihm zustehendes Recht auszuüben. Die Richtschnur dafür, für wen man am Wahltage seine Stimme abgibt, gibt uns das Verhalten der Parteien in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Nach den Pro grammen, mit denen die Parteien während der Wahlen vor die Wähler und Wählerinnen hintreten, kann man sich nicht richten. Das Programm, das z. B. von der Deutsch nationalen Volkspartei während der Reichstagswahlen im vergangenen Jahre bekanntgegeben wurde, entsprach mit Ausnahme der grundsätzlichen Stellung der Sozialdemokraten und zweier unwesentlicher Punkte im übrigen fast den Forde rungen, um die die Sozialdemokraten jahrzehntelang von den bürgerlichen Parteien verfolgt und bekämpft worden sind. Das Programm allein also macht es nicht, sondern die Handlungen der Parteien, besonders ihre Haltung zu den verschiedensten Fragen muß die Richtschnur für unsere Haltung bei Wahlen geben. Und wir sind auch diesmal Und wir sind auch diesmal wieder in der Lage, zu beweisen, daß einzig und allein die Sozialdemokratische Partei durch ihre Arbeii bewiesen hat, daß sie ernsthaft gewillt ist, die Interessen der minderbemittelten Bevölkerung zu vertreten. Heute wollen wir uns beschränken auf einen Fall, nämlich auf das Verhalten der verschiedenen Parteien zur Frage der Reform des Hebammenwesens. Seit Jahrzehnten kämpfen die Sozialdemokraten in Wort und Schrift hierfür unter Hinweis darauf, daß alljährlich 15 000 Frauen an den Folgen des Wochenbettes sterben und über 40 000 dauernde schwere Erkrankungen davontragen. Eine Reform des Hebammenwesens würde diese Ziffern er heblich vermindert haben und damit unendliche Not in zahl reichen Familien der minderbemittelten Bevölkerung. Das alte Dreiklassenparlament, das infolge der finanziellen Leistungsfähigkeit des alten preußischen Staates wohl in der Lage gewesen wäre, für die Hebung der Volksgefundheit Mittel zur Verfügung zu stellen, hatte erst vom Jahre 1907 qb zunächst jährlich 50 000 mt., dann 100 000 Mr. und zulegt 150 000 mt. für diese Zwecke übrig. Erst nach der Revolution, als das Preußenparlament gegen früher eine verdes Hebammenwesens energischer in die Hand genommen. Auch die Rechtsparteien, Deutschnationale Volkspartei( früher konservative Partei), Deutsche Volkspartei( früher Nationalliberale Partei) und das Zentrum sprachen sich dafür aus. Trotzdem waren sie es, die verhindert haben, daß ein entsprechender Gesetzentwurf vor dem September 1920 an die Preußische Landesversammlung gelangte, obgleich wesentliche Vorarbeiten dazu schon im Herbst 1919 beendet waren. Auch in den Sigungen des Ausschusses zeigte sich die Absicht, nach Möglichkeit das Gesetz von der verfassunggebenden Landesversammlung nicht erledigen zu lassen. Deutlich kam diese Absicht zur Geltung in der Sitzung der Landesversammlung am 18. Dezember 1920. Nur der schlechten Befehung des Hauses, besonders auf der rechten Seite, ist es zu danken, daß die zweite Beratung des Gesetzes nach den Weihnachtsferien auf die Tagesordnung gestellt wurde. Nur vier Tage waren für diese Tagung vorgesehen. Dann ging die Landesversammlung auseinander. Und troßdem kam das Zentrum am 11. Januar mit dem Antrage auf Rückverweisung des Hebammengesetzes an den Ausschuß. Ji Wirklichkeit wäre dies ein Begräbnis der Vorlage gewefen. Nach dem energischen Protest der Linken zog das Zentrum den Antrag allerdings wieder zurück. Der Antrag auf Rückverweisung soll jetzt nur einem Mißverständnis entsprungen sein. Die Rednerin des Zentrums in der Besprechung des Gesetzes in 2. Lesung ließ aber noch nicht erkennen, ob das Zentrum für das Gesetz stimmen wird. Stimmt es dagegen, wird es abgelehnt und die Hebammen und das Volk sind wieder einmal um eine Hoffnung geprelli. Die Gegner des Gesetzes hoffen, daß der neue Landing, der am 20. Februar gewählt wird, anders zusammengesetzt sein wird, wie die verfassunggebende Landesversammlung zusammengesetzt war. Diese Hoffnung müssen die Wählerinnen aus der arbeitenden Bevölkerung zuschanden machen. Bei dem Hebammengesetz hielten Sozialdemokraten, Unabhängige und Demokraten treu zusammen. Trotzdem ist die dritte Lesung nicht mehr zustande gekommen. Trotzdem müssen wir sagen, daß auch die Unabhängigen und die Demokraten schuld daran sind, wenn wir auf absehbare Zeit feine Reform auf diesem Gebiete erhalten. Die Demokraten, weil sie früher ihren Einfluß nach dieser Richtung nicht geitend gemacht haben, und die Unabhängigen, weil sie durch ihre Bekämpfung der Sozialdemokraten den Rechtsparteien Mut gemacht haben, ihre frühere Taktit langsam wieder einzuführen. Dieselben rechnen eben mit der Zersplitterung in der Arbeiterbewegung, die ihre Widerstandskraft lähint und den Rechtsparteien die Möglichkeit gibt, wenigstens einen Teil ihrer früheren Macht zurückzugewinnen. Um so notwendiger ist es deshalb, daß die Anhänger der Sozialdemokratie am 20. Februar alles aufwenden, u in den sozialdemokratischen Listen zum Siege zu verhelfen. Die Frau aus der Arbeiterschaft, die nicht in diefem Sinne wirkt, schädigt sich selbst und die Gesamtheit. Gertrud Hanna. 30 Es fei! Rale, Schickfalsiturm! Rafe, Schickfalsiturm, nur zu. Der du mich nimmer Raften ließeft, noch ruhn, Der du graufam mich warfft Auf die öde Klippe der Not Die Gleich beit 019 Und rillige Wunden mir grubit in die Stirn Eins kannst du nicht: Mir brechen den Mut! Zwingit du mich auch nieder, Stolz erhebt mein Geift fich wieder, Vom göttlichen Hauch der Dichtung getragen, Zum fiegesfreudigen Sonnenflug. Cole, rale nur zu, Ich will indeflen Den Schöpfergelängen lauschen, Die meiner Bruft entlodern Und jubelnd lich der Windsbraut gefellen, Welche im Forit die Wipfel peitichi! Doch wenn der Begeiftrung himmlisches Feuer Langlam einit mir verglüht und erkaltet, O, dann umíchmeichle nicht mein Ohr Mit trügrifchen Hoffnungsklängen: Nein, ichmettre jäh mich hinab Ins ewige nichts Und im stürzenden Tode noch Will ich dich preifen, Sturm! Zukunftshoffnung Ernit Kreowski t. Unseren Hamburger Jugendgenossen war das miterleben eines großen Ereignisses vergönnt. Vor wenigen Tagen wurde die Arbeiterjugendinternationale gegründet und die Hamburger Arbeiterjugend konnte als erste die ausländischen Gäste begrüßen und sie selbst hören. Tausende waren zusammengeströmt, sie tamen mit wehenden roten Bannern und sangen begeisterte Lieder, von der Bedeutung der Stunde durchdrungen. Auch Erwachsene waren herbeigeeilt, um die Weihe des Erlebens mit zu genießen. Hier standen junge Menschen, die noch vor wenigen Jahren mit der blutigen Waffe in der Hand, verblendet und irregeleitet, einander bekämpften, und nun zur Erkenntnis des schändlichen Spieles gelangt, das man mit ihnen getrieben hatte, sich brüderlich die Hände reichten. Franzosen, Belgier, Deutsche nannten sich Brüder und Genossen und gelobten, dem gemeinsamen Gedanken des internationalen Sozialismus treu zu bleiben.„ Und wenn Chauvinisten und Imperialisten neuen Haß säen und neue Verhehung anstiften wollen, so werden die Grenzen gesperrt sein durch die verbrüderte Jugend aller Länder in ihrem Ruf:" Nie, nie wieder Krieg!" Auch Dänemark, Holland und Schweden hatten Vertreter entsandt, die in warmen Worten die Grüße ihrer Länder der deutschen Arbeiterjugend übermittelten. Mit stürmischem Jubel wurden die Reden der ausländischen Genossen aufgenommen. Die Begeisterung der Jugend brach sich Bahn in Kampfliedern und Rezitationen, in Jubelrufen und flammenden Worten. Weit in die Welt leuchtet dieser Hoffnungsstrahl. Es ist die Berwirklichung eines jahrelangen Traumes, der die Herzen aller Sozialisten bewegt. Die Internationale, die unter dem Rasen des Kriegssturmes zufammengebrochen war, will sich wieder erheben. Die zerrissenen Fäden sollen wieder zufammengeknüpft werden, stärker, unzerreißbar, und die Jugend wird die stärkste Bindung sein. Genosse Mar Westphal- Hamburg, Genosse Gaston Vaillant- Frankreich und Genosse Hoyaur- Belgien haben den Krieg am eigenen Körper miterlebt Genosse Westphal hat einen Arm hergeben Nr. 4 müssen und die jungen Menschen haben die Kraft und den Willen, sich über das Grauen des Mordens und die Leichen der getöteten Freunde hinweg in menschlicher Brüderlichkeit zueinander zu bekennen. Das ist eine Tat von weittragendster, weltgeschichtlicher Bedeutung. Es ist ein Lichtstrahl nach langen Tagen der Finsternis, der Glaube an das Wahre, Göttliche, der allein uns aufrecht hält. Recht und Wohlfahrtspflege Bon Bürgermeister Dr. Caspari,( Brandenburg a. d. 5).) A. Familienrecht. II. Eheschließung und ihre Hindernisse. Ein weiteres leichtes Ehehindernis ist die Uebertretung der sogenannten Wartezeit.(§ 1313.) Nach heutigem Recht darf eine Frau, mag fie Witwe, mag sie geschieden sein, erst zehn Monate nach Auflösung ihrer früheren Ehe eine neue eingehen, es sei denn, daß sie inzwischen geboren hat. Hat nun aber eine solche Frau sich vorzeitig verheiratet, so gilt das von ihr geborene Kind als Kind des ersten Mannes, wenn es innerhalb 270 Tagen nach Auflösung der früheren Ehe geboren wird, sonst gilt es als Kind des zweiten Mannes (§ 1600). Die Gründe, die für dieses Ehehindernis sprechen, liegen auf der Hand. Härtere Folgen als die Uebertretung solcher leichten Ehehindernisse hat aber die Außerachtlassung anderer Hindernisse bei der Eheschließung. Eine Ehe, die betrügerisch oder durch 3wang herbeigeführt ist, ist ebenso vernichtbar wie eine Ehe, die gemäß§ 1332 auf einem Irrtum, z. B. über wesentliche Eigenschaften des anderen Ehegatten, aufgebaut ist. Die Frau, die erst nach der Ehe erkennt, daß sie einen Trinfer oder Spieler geheiratet hat, kann innerhalb von sechs Moflage von ihrer Ehe wieder loskommen, ebenso wie der naten seit der Entdeckung ihres Irrtums durch AnfechtungsMann, der etwa eine geschlechtskranke Frau in Unkenntnis dieser Tatsache geheiratet hat. Vielfach verbreitet ist der Glaube, daß Frauen vom 16. Lebensjahre an eine Ehe selbständig eingehen können. Richtig ist, wie oben dargelegt, daß eine Frau zwar schon mit dem 16. Lebensjahre für ehemündig erklärt wird, das will heißen, daß das Gesetz an und für sich keine Bedenken dagegen hat, daß eine Frau von diesem Jahre an in den Ehestand eintreten fann. Ob aber im einzelnen Falle ihre Eheschließung für sie zweckmäßig ist, muß wesentlich dem Urteil des geseglichen Vertreters der Minderjährigen( denn bis zum 21. Lebens jahre ist sie ja noch minderjährig) überlassen bleiben. Des halb bestimmt das Gesetz in§ 1304, daß jeder in der Geschäftsfähigkeit Beschränkte, also auch das minderjährige Mäd chen, zur Eingehung der Ehe die Einwilligung ihres gesetzlichen Vertreters benötigt. Das Gesetz ging eben dabei von der Erwägung aus, daß man zwar den körperlichen Reife grad für die Ehe mit dem 16. Lebensjahre bei einer Frau festsetzen könne, daß sie aber wie jeder in der Geschäftsfähigkeit Beschränkte zur Eheschließung die Einwilligung des gefeßlichen Vertreters haben muß. hat nun beispielsweise ein 17jähriges Mädchen ohne Einwilligung des gefeßlichen Vertreters die Ehe geschlossen( nehmen wir an, es sei dies dem Standesbeamten entgangen), fo ist die Ehe, wie man technisch sagt, anfechtbar, d. h., sie kann, solange die Minderjährigkeit dauert, durch den gesetzlichen Vertreter im Klagewege angefochten und damit durch Urteil vernichtet werden.(§§ 1331 und 1336 Abs. 2, Satz 2). Ich sprach oben von den schweren Hürden, die das Gesetz der Eheschließung entgegenstellt. Das sind u. a. der Tatbestand der Doppelehe, Blutsverwandtschaft bestimmter Schwägerschaft, des Ehebruchs, der Geschäftsunfähigkeit und des unheilbaren Formmangels(§§ 1309, 1326, 1348, 1310, 1327, 1312, 1328, 1317, 1324, 1325). Wer schon verheiratet ist und gleichwohl eine andere Ehe eingeht, dessen neue Ehe iſt Nr. 4 Die Gleich beit nichtig. Ebenso nichtig ist beispielsweise eine Ehe zwischen Vorfahren und Abkömmlingen, zwischen voll und halbbürtigen Geschwistern, zwischen Schwiegervater und der Witwe feines Sohnes, zwischen Schwiegersohn etwa und der Mutter seiner geschiedenen Frau. Gültig dagegen ist die Ehe mit der Schwester der verstorbenen Frau, die Ehe zwischen Onkel und Nichte. Praktisch von größter Bedeutung ist die Bestimmung, daß eine Ehe zwischen einem wegen Ehebruchs geschiedenen Ehe mann und der Frau, mit der der geschiedene Ehegatte Ehebruch begangen hat, nicht geschlossen werden darf. Dies gilt selbst dann, wenn beispielsweise der verheiratete A., der sich der B. gegenüber als unverheiratet ausgegeben hat, nun mehr wegen Ehebruchs geschieden, die B. heiraten will. Bon diesem Berbot ist allerdings Befreiung möglich, und zwar auch noch nachträglich, dergestalt, daß die Ehe sodann als von Anfang an gültig anzusehen ist. Die Befreiung erfolgt in Preußen für preußische Staatsangehörige durch den Justizminister, und zwar auf Bericht des Landesgerichts, vor dem der Scheidungsprozeß in erster Instanz geschwebt hatte. Wenn auch zu beachten ist, daß dieses Eheverbot nur dann gilt, wenn im Scheidungsurteil gerade der Ehebruch mit der Person, mit der er nunmehr die Ehe eingegangen ist, festgestellt ist, so muß dieses Ehehindernis doch aus allgemeinen Gründen als außerordentlich bedenklich erscheinen. Hat z. B. die in einer tiefunglücklichen Ehe lebende A. mit dem B. „ Ehebruch" getrieben und wird nun ihre Ehe mit 2. auf Grund des Ehebruchs mit B. geschieden und heiratet sie nunmehr den B., so ist diese Ehe nichtig, mögen auch beide neuen Ehegatten in ihrer ehelichen Bereinigung ihr Glück gefunden haben! Die Richtigkeit kann hier wie bei all diesen schweren Ehehindernissen sogar durch den Staatsanwalt auf dem Klagewege geltend gemacht werden. Das Notventil, die Möglichkeit der Befreiung von diesem Ehehindernis, ist nur ein schwacher Notbehelf. Die Annahme, durch diese Bestimmung etwa die Ehebrüche zu hindern, die Ehe zu verfitt lichen", ist ein Trugschluß, und es ist zu wünschen, daß die Gesetzgebung hier flarere Wege einschlägt als sie derzeitig bestehen. * Feuilleton Not Sie trugen Blumen durch die Illaienklänge, Ich fab es kaum, Es wuchs in meiner Seele das Verlangen Пach Raum. Was foll das Locken all der feinen Düfte, Das Schmeicheln füßer Schönheit Gunit, Es lodert tief, ganz tief in meiner Seele Der Welten Brunit. Das schreit nach Wahrheit! Weg mit deinen Blumen, du trügrifch Bild, Du Tand und Glanz, Gib mir zu trinken voll den Kelch der Leiden, dann reif ich ganz. * Dann fühl ich, wie die Tot fich an mich klammert, Aus hohlen Augen fieht fie fchon das Licht, Sie ist gereift in dunkeln Quell der Qualen, nun doch beliegt lie lich! Sie trägt die Krone des Erkennens Und hüllt fich in das Kleid des harten muß Und trägt in ihren dürren бänden, Verborgen in den Schalen, Weisheit, Trug. Die Armen, die da greifen nach den füßen Früchten, Die eines Lebens Spanne lich betrügen, Ich will durch Schmerzen und Erkennen Durch Пot und Tod und Dunkel Auf zum Lichte fiegen! Lotte Witte. 31 Was muß die Wohlfahrtspflegerin von der sozialen Gesetzgebung wissen? Von Hedwig Wachenheim Neben bestimmten Abschnitten des Bürgerlichen Gesetz buches, dem Fürsorgeerziehungsgesetz u. a., die für die persönliche Fürsorge besonders wichtig sind, muß die Wohlfahrtspflegerin mit den Gesezen vertraut sein, aus denen der Bedürftige den Anspruch auf bestimmte wirtschaftliche Leistungen des Reiches, der Länder oder Gemeinden herleiten tann. Sie sollen im folgenden behandelt werden. Bir Sozialdemokraten vertreten die Anschauung, daß, solange die kapitalistischen Wirtschaftsverhältnisse nicht überwunden sind, gesetzliche Bestimmungen getroffen werden müssen, um allen, die unverschuldet in Not geraten, einen Rechtsanspruch auf ausreichende Fürsorge durch die Allgemeinheit zu sichern, der sie davor bewahrt, weder bei Privatpersonen, Vereinen oder Behörden betteln zu müssen. Ich Die hier im nachfolgenden behandelten Gesetze sind allerdings nie unter dem alleinigen Einfluß von Sozialdemokraten entstanden; sie sind zum Teil sogar schon lange vor dem Kriege gemacht und sehr verbesserungsbedürftig. Aber sie beruhen doch auf dem vorhin genannten Gedanken. meine in erster Reihe die Invaliden, Kranken- und Unfallversicherung, die Wöchnerinnenhilfe, die Kriegsfolgenpflege, die Arbeitslosenfürsorge. Daß sie heute befonders unzureichend sind, liegt ja zum Teil auch bei der Entwertung des Geldes. Man muß bei einer fritischen Betrachtung der Leistungen diese Tatsache von den Mängeln trennen, die durch den Willen des Gesetzgebers hervorgerufen sind. Warum wird nun von der Wohlfahrtspflegerin verlangt, daß fie diese Gebiete der Gesetzgebung fennt? Die Wohlfahrtspflegerin hat meistens für Familien zu arbeiten, die wirtschaftlich ungünstig gestellt sind oder sich in direkter Notlage befinden, und zwar häufig durch Arbeitslo gkeit, Krankheit, Invalidität, Kriegsfolgen. Sie soll diesen Familien wirtschaftlich helfen. Unzählige wissen gar nichts von ihrem Rechtsanspruch auf Fürsorge und gehen ohne Hilfe zugrunde Frauengestalten des 19. Jahrhunderts Die Bon Anna Blos. Luise Affon. ( Schluß) ie junge schöne Frau schloß sich voller Begeisterung den Beftrebungen für Freiheit und Menschenrechte an. Sie gehört zweifellos zu den interessantesten Frauengestalten der gärenden Zeit, die der Revolution von 1848 voranging. Bald fand fie fich heimisch unter den revolutionären Geistern und war ein eifriges Mitglied der Gesellschaft der Freien", wo fie Bruno und Edgar. Bauer, Mag Stirner u. a. fennen lernte. Mit Klarem Blick erkannte fie die Schäden der menschlichen Gesellschaft und vertiefte fich in das Studium der großen Denker ihres Jahrhunderts. Deren Einwirtung auf ihre eigene schriftstellerische Tätigkeit ist unverkennbar. Mit scharfem Bid erkannte sie, daß Rousseaus Gedanke, in die Urwälder zurückzufliehen, die ganze Kultur als Flittermert und Unnatur von sich zu werfen, der neuen Menschheit nicht mehr möglich ift. Sie stellt den deutschen Philosophen die Aufgabe, solche Ideen auf ihren wahren Gehalt zurückzuführen, ihre innerste Bedeutung aufzufaffen, ihnen ihre richtige Stelle anzuweisen in der Geschichte des Geistes. Hatte sie doch aus eigener Anschauung erfannt, daß die Industrie die Mutter des Proletariats ist, die zugleich den Reichtum und die Armut bringt, den Reichtum für einzelne, welche die Materie repräsentieren, die Armut für die Massen. Sie hat die Armut, die bisher nur in der Knechtschaft Rettung vor dem Hunger fand, zuerst freigegeben und organisiert, so daß sie jetzt als organiFlerte Macht in die Geschichte tritt." Aber sie hatte auch erkannt, daß in der Wohltätigkeit, und meg fie noch soviel mit chriftlicher Liebe prunken, eine Erniedrigung liege für die Bedürftigen, deren ewige Menschenrechte zu einem Gegenstand frommer Herablaffung herabgewürdigt werden. Und je mehr sie die Menschen und das Leben fennen lernte, desto mehr kam sie zu der Ueberzeugung: ,, Die Macht des Gedankens wird und muß sich die Welt unterwerfen." Ihre mehr und mehr sich betätigenden Bestrebungen, auch die 32 Die Gleich beit oder sie betteln. Wer sollte sie auch darüber aufklären, wenn fie z. B. nicht Gewerkschaftsmitglied find? Und gerade bei den Bedürftigen wird man am häufigsten Unkenntnis und Gleichgültigkeit gegenüber den Einrichtungen des Staates finden. Daher muß die Wohlfahrtspflegerin auf das ge= naueste über diese Dinge Bescheid wissen. Sie muß z. B. sofort, wenn sie in eine Familie fommt, in der sich eine Wöchnerin befindet, der alle Geldmittel fehlen, fragen, ob sie ihre Wochenhilfe angemeldet hat und abholen läßt. Und wird ihr dann geantwortet: Nein, die Frau von nebenan hat gesagt, ich hätte keinen Anspruch darauf, weil ich nicht versichert bin", so muß die Wohlfahrtspflegerin wissen, wie man durch Fragen und Einsehen der Papiere feststellen kann, ob das richtig ist. Andernfalls muß sie die Frau belehren und ihr bei Stellung eines Antrages behilflich sein. Damit wird sie einen Teil der Not lindern können, denn die Quellen, die aus einem Rechtsanspruch fließen, strömen meistens reichlicher als diejenigen, die aus der Armenpflege oder privaten Fürsorge flüssig gemacht werden können. Mit einer ruhigen, fachlichen Auskunft kann sie sich auch das Vertrauen ihrer Schüßlinge erwerben. Einiges über den Arbeiterschutz und das Kinderschutzgesetz. Ehe ich auf die oben erwähnten Gefeße eingehe, möchte ich ein paar orte über die Arbeiterschutzbestimmungen sagen. Im Mittelalter und bis zum Uebergang zum absoluten Staat war das Arbeitsverhältnis ein patriarchalisches. Der Arbeitnehmer nahm sich seiner Gesellen, die meistens in seinem Haushalt lebten, bei Krankheiten und wirtschaftlichen Zufällen an. Die Gesellen stiegen meistens dann zu selb ständigen Handwerfstreibenden auf und waren daher im allgemeinen im Alter unabhängig. Den 3ünften als 3u sammenschlüssen der einzelnen Gewerbe lag außerdem die Fürsorge für die Arbeiter durch Errichtung von Hilfs fassen usw. ob. Aber auch schon damals fam es zu Gesellenorganisationen und Arbeitskämpfen. Der abfolute Staat übernahm die meisten Aufgaben der Zünfte selbst. Er griff ganz bewußt in das Gewerbeleben ein, um die lokalen Frau teilnehmen zu lassen an den Segnungen der Freiheit, ihre Rechte zu erweitern und die ihr zwangsweise auferlegten Fesseln zu durchbrechen, zogen bald die allgemeine Aufmerksamkeit auf Luise Aston. Sie war die entschiedenste und bedeutendste Vorfämpferin für die völlige Gleichberechtigung der Geschlechter. Nur wenige wagten so entschieden vorzugehen wie diese junge Frau. In ihrer 1846 erschienenen Schrift Aus dem Leben einer Frau" beschreibt sie ihre Vergangenheit, begründet die Schlüsse, die sie daraus gezogen und als Folgerung ihrer eigenen Lebenserfahrungen tam sie zu der Forderung der Gleichstellung der Geschlechter. Natürlich wurde die für damalige Zeit unerhört fühne Kämpferin vielfach angefeindet. Auch den Behörden erschien sie gefährlich und sie wurde mehrmals ausgewiesen, aus Berlin 1846, aus Hamburg 1848. Die Folge war ihre berühmte Verteidigungsschrift: Meine Emanzipation, Verteidigung und Rechtfertigung". Sie beginnt mit den Worten:„ Eine Frau, die ihre Privatangelegenheiten vor das Forum der Deffentlichkeit bringt, muß entweder grenzenlos eitel sein oder mit der äußersten Notwendigkeit zu diesem Schritt gezwungen werden, eine Notwendigkeit, gegen welche sich aus falschem Schamgefühl zu sträuben ebenso feig als ehrlos wäre." Sie schildert dann, wie der Mann, dessen Ehre getränkt ist, Mittel hat, sich zu rächen. Die Frau ist hilflos. Statt wie früher einmal in blutigen Rämpfen und in Minneliedern verherrlicht zu werden, verlangt die Frau ihren Anteil an der Freiheit des Jahrhunderts. Nach der zerriffenen Karte des Himmels einen Freiheitsbrief für die Erde." Als höchstes Recht sieht sie auch für die Frau das Recht der freien Persönlichkeit an. Dieses Recht ist in ihr beleidigt worden. Sie fonnte die Entwürdigung, der die Frau unter dem weiligen Schuß der Penaten des Hauses, dem Gesetz und der Sitte ausgesetzt ist, nicht ertragen. Sie wollte sich in Berfin zu literarischer Tätigkeit sammeln und bilden, weil sie in dem eigenen Los das Erlebnis vieler Tausende erkannte, denen sie helfen wollte. In einer privaten Unterhaltung mit einem Beamten äußerte sie ihre Ansichten über Religion und Ehe. Darauf erhielt sie den Befehl: Berlin binnen acht Tagen zu verlassen, well sie Ideen geMr. 4 Schranken zu lockern und den Weg zum Merkantilsystem der Nationalwirtschaft freizumachen. Die Industrieentwicklung fonnte aber auch den Staatseingriff nicht mehr vertragen. Die liberale Wirtschaftsidee, der Gedanke der Befreiung von staatlichen Fesseln, siegte und machte den Weg frei zur Eniwicklung der Industrie. Als das patriarchalische Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gelöst und der Arbeiter an die Maschine gestellt wurde, hörten auch alle Eingriffe des Staates zum Schutze des Arbeiters auf. Ein namenloses Elend besonders unter den zu Beginn der kapi. talistischen Wirtschaft in erster Reihe an die Maschine geholten Kindern und Frauen war die Folge. Der Arbeiter war nun ganz auf den Ertrag seiner Arbeit angewiesen, in Krankheitsfällen vollkommen ohne Hilfe. Ebenso erging es ihm in Zeiten der Arbeitslosigkeit, die wegen der vielen Krisen zu Beginn der kapitalistischen Wirtschaft sehr häufig war. Die wirtschaftliche Selbständigkeit war nunmehr nur durch den Besitz von fast unbezahlbaren Maschinen zu erwerben. So waren die Arbeiter also im Alter genau so den wechselnden Zufällen des Wirtschaftslebens ausgesetzt wie in der Jugend und vollkommen ohne Mittel, wenn sie zur Arbeit zu gebrechlich wurden, was durch die Ausnüßung sehr früh der Fall war. Am schlimmsten wirkte die ungeheure Kinderarbeit, gegen die in England, in dem ja die kapitalistische Entwicklung am schnellsten fortgeschritten war, zuerst eingeschritten wurde. Die in den sechziger Jahren entstandenen gewerkschaftlichen Arbeitervereine errichteten zwar. Rassen zur Versorgung franker und arbeitsloser Mitglieder, aber ihre Mittel waren gering und sie umfaßten ja auch nur einen fleinen Teil der Arbeiterschaft; den anderen kam ihre Hilfe naturgemäß nicht zugute. Der Rüdgang der Refrutentauglichkeit in den industriellen Gebieten lenkte in Deutschland zuerst die Aufmerksamkeit des Staates auf die Gefahr der industriellen Entwicklung. Aber obwohl das schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war, wurden erst im Jahre 1879 der Reichsgewerbeordnung Bestimmungen zum Schutze der Arbeiter eingeführt. ( Fortsetzung folgt) äußert und ins Leben gerufen, welche für die bürgerliche Ruhe und Ordnung gefährlich seien." In ihrer Rechtfertigung spricht Luise Aston offen aus, daß sie nicht an die Notwendigkeit und Helligkeit der Ehe glaube. Sie nennt die Ehe ein Institut, das mit der höchsten Sittlichkeit strahlt, während es jeder Unfittlichkeit Tür und Tor öffnet, das einen Seelen b und fanktionieren will, während es meist den Seelen handel sanktioniert. Sie vermirft die Ehe, weil sie zum Eigentum macht, was nimmer Eigentum sein kann,„ die freie Persönlichkeit", weil sie ein Recht gibt auf Liebe, auf die es fein Recht geben kann, bei der jedes Recht zum brutalsten Unrecht wird. Ihre einzige Frauenemanzipation sieht sie darin, das Recht und die Würde der Frauen in freieren Verhältnissen, in einem edlen Kultus der Liebe wiederherzustellen. Doch zu diesem neuen Kultus der Frauenwürde und Frauenliebe gehört nach Luise Aftons Meinung tiefere Bildung und ein höheres Bewußtsein der Frauen selbst. Bildung erst gibt dem Leben und der Liebe die höhere Weihe und die innere Freiheit, ohne welche jede äußere Freiheit zur Schimäre wird." Ehe ohne Liebe nennt sie ein Wegwerfen ihrer eigenen Persönlichkeit". Sie erklärte es für gemein, unauf. hörlich nur den Unterschied zwischen Mann und Frau hervorzuheben und hielt es für äußerste Ungerechtigkeit, auf den geschlecht fichen Unterschied Borrechte zu begründen. Auch stellte sie den Satz auf, daß eine Frau, die sich jedem Manne hingebe, nicht vera ächtlicher fei, als ein Mann, dem jede Frau recht sei. Ihr Glaubensbefenntnis nennt Luise Afton ein religiöses, da sie nach der Theorie Schleiermachers Religion als die Form auffaßt, in der jeder einzelne sich mit dem Universum vermittelt. Sie nimmt das Recht für sich in Anspruch, nach ihrer Fasson selig gu werden, ein Recht, das den Frauen so gut zusteht wie den Männert. Sie richtet ihre Klage gegen den allgemeinen Geist der Reaktion, der mit einer zivilisierten Organisation droht: 3th rufe alle freien Männer auf zu meinen Advokaten! Sie werden nicht dulden, daß eine Frau so gewaltiame: Bevormundung unterworfen, daß ihre Seele polizeilich in den Himmel estortiert wird. Auch wir sind mündig und wollen fämpfen für unsere Freiheit, für unser Recht! Nr. 4 Die Gleich beit Linsere weibliche Jugend Die Behandlung und Verantwortung gegenüber unserer weiblichen Jugend stellt ohne Frage die größten Anforderun gen an die Erziehungskunst der Eltern und Erzieher. Während sonst Mädchen leichter zu erziehen und zu behandeln sind als Knaben, ändert sich das in der Uebergangszeit vom Kind zum erwachsenen Menschen, in den sogenannten Flegeljahren der männlichen, in den Backfischjahren der weiblichen Jugend. Wenn die männliche Jugend dann auch äußerst wild und unbändig zu sein pflegt, und Nerven- und Ruhebedürfnis der sie Umgebenden in oft unerträglicher Weise in Mitleidenschaft zieht, so wird sich ihnen gegenüber die Kunst des Erziehers meist darauf beschränken können, die schlimmsten Auswüchse zu beschneiden, und im übrigen die Jugend sich nach Herzens lust austoben zu lassen. Möglichst draußen, im Freien natürlich. Anders bei den Mädchen, deren Charakter sich in der llebergangszeit oft völlig verändert. Diese Veränderung wie überhaupt dieser Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern ist ein ganz natürlicher; weil das erwachende Geschlechtsleben im weiblichen Körper viel gewaltigere Umwälzungen hervorruft als im männlichen. Nichts wäre verkehrter, als nun allgemein gültige Leite sätze aufzustellen für die Erziehung und Behandlung der Mädchen in der Uebergangszeit. Darin bestehen ja gerade die Schwierigkeiten, daß man hier in fast jedem einzelnen Fall verschieden handeln und behandeln muß. Vor allen müssen wir, wenn wir die Jugend verstehen wollen, sie nicht vom Standpunkt der Mutter oder des Erziehers betrachten, sondern von der Jugend selbst ausgehen. Mehr noch: Wir Aelteren müssen uns daran gewöhnen, die Jugend nicht als etwas Halbes, etwas Minderwertiges, son dern als etwas uns völlig Gleichwertiges anzusehen. Auch in der Natur erscheint uns ja ein junges Bäumchen feines wegs wertloser als ein alter Stamm. Denn wenn dieser uns durch sein Holz mehr Nugen bringt, so erfreut uns jenes durch jeine fchlante Schönheit und sein jungfrisches Grün. Ebenso beim Kind. Welche Mutter hat nicht schon das Gefühl gehabt, daß die Freude, der Sonnenschein, der von ihrem geDie höchste Freiheit aber ist, daß wir wählen dürfen zwischen Himmel und Hölle!" In diesen Jahren entfaltete sich nun Luise Astons Dichtergenie. Sie schrieb die schon oben erwähnten Werte Aus dem Leben einer Frau“ und„ Meine Emanzipation". Ferner veröffentlichte sie einen Roman Lydia", dann Freischärferreminiszenzen"," Revolution und Konterrevolution" und ihr seinerzeit weitberühmtes Gedichtbuch ,, Wilde Rosen". Die Zeitschrift ,, Der Freischürler", die Luise Afton ins Leben ge rufen hatte, wurde 1848, als die Wrangel- Manteuffelsche Reaktion über Berlin hereinbrach, verboten. Der alte Wrangel galt als nicht hartherzig gegen Damen. Als er aber Luise Aston, wie Corvin erzählt, in dem Schloß, wo er sein Quartier hatte, eine Wohnung anweisen wollte, angeblich, um sie besser überwachen zu fönnen, lehnte sie diesen Vorschlag ab. Die Folge war, daß sie zum zweiten Male aus Berlin ausgewiesen wurde. Nun hatte Luise als Demokratin und als Dichterin der ,, Wilden Rosen" von den Behörden, wohin sie auch fam, alle möglichen Schikanen und Ausweisung zu befürchten. Sie ging deshalb nach der einzigen größeren Stadt in Deutschland, wo sie auf Schutz hoffen konnte, nach Bremen. Dort gab es schon damals eine sehr starte Demokratie, die eine neue freifinnige Berfassung geschaffen hatte. Dort erschien unter der Leitung des radikal- demokratischen Pfarrers Dulon die Tages- Chronit", die damals als Moniteur der Demokratie" bezeichnet wurde. Aber auch hier gewann die Reaktion die Oberhand. Die Bremer Demokraten ließen sich durch die Drohungen des Bundestags einschüchtern. Die neue Berfassung wurde aufgehoben, mit ihr die Breß- und Vereinsfreiheit. Die ,, Tages- Chronit" wurde verboten und Pfarrer Dufon mußte Bremen verlaffen. Nun war auch Luise Astons Verbleiben in Frage gestellt. Sla war des ruhelosen Lebens müde, und als ihr ein Dr. Meier, dessen Bekanntschaft sie in dem Feldzug nach Schleswig- Holstein gemacht hatte, jeine Hand antrug, nahm sie seinen Antrag an. Sie schloß die Ehe, eine Institution, die sie vorher so leidenschaftlich bekämpft 33 funden Kind ausgeht, daß sein herziges Lachen mehr wert ist, als all unser Wissen und unsere Erfahrungen, die wir im Leben mühsam gesammelt haben, und die nur zu oft auf recht schwachen Füßen stehen. Schon das kleine Kind ist ein vollwertiges, in sich abgeschlossenes Wesen mit eigenem Denken, Fühlen und Wollen und eigenen Ausdrucksmöglichkeiten. Wieviel mehr erst das der Kindheit entwachsene Mädchen. Lernen wir, die Jugendliche als Persönlichkeit zu achten! Das ist die Grundlage, auf der einzig und allein Verständnis und gegenseitiges Vertrauen zwischen Eltern und Kind, zwischen Mutter und Tochter erblühen kann. Für die körperliche Erziehung in den llebergangsjahren muß ganz besonders auf eine gesunde Lebensweise und auf Regelmäßigkeit in der Tageseinteilung( Arbeiten, Mahlzeiten) geachtet werden. Die Kost muß möglichst reiz los, das heißt wenig gesalzen, gepfeffert oder gewürzt sein. Gerade in diefen Jahren ist Gemüse viel dienlicher als Fleisch. Das Geld für Fleisch und Wurst sollte lieber dazu verwendet werden, recht viel Obst zu kaufen. Wir können unseren Kin dern gar nicht genug Obst zu essen geben. Jeder Alkoholgenuß ist unbedingt zu vermeiden! Die Mädchen sind nach Möglichkeit zu förperlichen Arbeiten heranzuziehen. Sitzende Tätigkeit muß durch fleißiges Wandern, Sporttreiben oder Turnen ergänzt werden. Nicht weniger Beachtung verdient die geistige Kost. Hierüber herrscht noch immer eine unglaubliche Gleichgültigkeit. Mütter, die es verabscheuen würden, ihren Kindern verschimmeltes Brot, verfaultes Fleisch oder sauer gewordenes Essen vorzusetzen, geben ihnen gedankenlos Bücher und Bilder in die Hand, führen sie zu Kino- und Theaterstücken, die auf den Geist des Kindes genau so verderblich wirken, wie verdorbenes Essen auf den Körper. Mehr noch als anderswo gift hier der Goethe- Spruch:„ Eines schickt sich nicht für alle." Bücher, Theaterstücke usw., die für den Erwachsenen ungefährlich sind, können bei der Jugend den größten Schaden hervor rufen. Wie die körperliche, muß auch die geistige Kost reiz los sein. Vor allem darf die Phantasie nicht fünstlich angeregt werden. Sie ist in diesen Jahren an und für sich schon lebhaft genug! hatte. Aber im Grunde hatte sie ja nur die Ehe bekämpft, die fein Bund der Seelen ist. In glühenden Farben hatte sie oft die Begleiterscheinungen geschildert, welche die Gegenfäße von Geist, Temperament, Charakter, Bildung und sozialer Anschauung in der Ehe zum Unglück führen müssen. Und doch kehrte auch sie zur Ehe zurüd, als ihr Leben und ihre Anschauungen abgeflärt waren und als sie den Mann fand, der ihr Verständnis und Liebe entgegenbrachte. Auch diese Ehe brachte Luise Meier- Afton, wie sie sich jetzt nannte, zunächst teine ruhige Zeit. Sie verheiratete sich im Jahre 1850. 1855 ging das Paar nach Rußland, zwei Jahre später nach Defter reich. Da Luise sich nun öffentlich nicht mehr bemerkbar machte. blieb fie fortan unangefochten. Im Frühjahr 1871 wählte Dr. Meier aus Rücksicht auf die an gegriffene Gefundheit seiner Gattin das reizend gelegene Städtchen Wangen im Allgäu zum Aufenthalt. Allein Luise trug schon den Todeskeim in sich. Am 21. Dezember 1871 fchloß sie die schönen, einst so bewunderten Augen. Ihr Gatte starb bald nach ihr im Jahr 1873 in der Jrrenanstalt Kreuzlingen am Bodensee. In Wangen weiß niemand etwas von der Bedeutung Luise Meier- Aftons für die Frauenfrage. Nur ein paar Klatschgeschichten tursieren noch von dem außergewöhnlichen Ehepaar. Die Grabs steine find an der Mauer des fleinen Friedhofs eingelassen und werden als Kuriosität gezeigt. Meiers Grabschrift, die er in seinem Testament selbst bestimmt hat, lautet:„ Der mitleidsvolle Tod gönnt Ruh und Rasten- Dem mitleidslos gehezten Einfuß MeierAfton."( Der Meier hatte ein künstliches Bein.) Dr. E. Meier, geboren in Bremen 1812, verheiratet den 25. November 1850, ver bannt 1854, gest. 1873. Daneben ist Luisens Grabstein: ..Luise Aston- Meier, geb. Hoche, geb. 25. November 1814, geft. 21. Dezember 1871. Nad Kampf Frieden." Und ist nicht das Endziel von unser aller Leben, Kämpfen und Ringen der Frieden? 34 Die Gleich beit Das Zu diesen allgemein gültigen Richtlinien muß, wie schon erwähnt, die größte Verschiedenartigkeit und Mannigfaltigfeit treten in der Behandlung unserer Mädchen in den Entwicklungsjahren. Jeder plumpe Eingriff ist zu vermeiden. Jedoch darf eine zarte und verständnisvolle Behandlung nicht mit Beichlichkeit und Schwäche verwechselt werden. rechte Verständnis für dieses Lebensalter werden wir aber nur gewinnen, wenn wir stets bedenken, daß alle die bekannten Erscheinungen der Uebergangszeit: der häufige Wechsel der Stimmungen, Launenhaftigkeit, Niedergedrücktheit, im nächsten Augenblick wieder Ausgelassenheit und Uebermut, die Ueberempfindlichkeit, leichte Neigung zum Weinen, Gekränkt- und Beleidigtfein, zuweilen sogar Frechheit und Faulheit( Abneigung gegen jede Tätigkeit) nichts sind als die natürliche Begleiterscheinung der Veränderungen, die sich in dem Körper des Mädchens vollziehen. Gerade in diesen Jahren des Hin- und Herschwankens ist die feste Hand des Erziehers nötiger als je. Und mehr noch als sonst muß der oberste Grundsatz einer vernünftigen, zielbewußten Erziehungsweise befolgt werden: Festigkeit bei Vermeidung jeder Härte, Berständnis bei Bermeidung jeder Schwäche. Unsere Frauenorganisationen sollten diesem wichtigen Thema einen besonderen Abend widmen. Anschließend an einen Vortrag( möglichst von einer Lehrerin der MädchenFortbildungsschule) oder wo das nicht angeht, im Anschluß an das Vorlesen obigen Artikels, dürfte eine Aussprache zu einem gegenseitigen Austausch der Erfahrungen führen. Ueberhaupt würden wir unseren Frauen empfehlen, fich öfters über Erziehungsfragen zu unterhalten. Hierüber weiß jede Mutter etwas zu sagen. Und die Aussprache von den gemachten guten oder schlechten Erfahrungen trägt sicher dazu bei, unseren Müttern die Erziehung ihrer Kinder zu erleichtern. Und das ist notwendig. Denn fraglos ist die körperliche und geistige Erziehung unserer Kinder in der Nachfriegszeit nicht leichter, sondern ganz bedeutend schwieriger geworden. Kurt Heilbut. † Frieda Duensing War fie Sozialistin, die unlängst verstorbene Leiterin der Münchener sozialen Frauenschule, die begeisterte Gründerin eines Lehrganges zur Ausbildung von Arbeiterinnen für soziale Berufe? Eine der ersten demokratischen Zeitungen jagte:„ Sie war eine von fozialem Beiste erfüllte Demokratin." Ebensogut und noch besser fönnte man behaupten, sie sei eine von demokratischem Geist erfüllte Sozialistin gewesen. Ihre ganze, namentlich die letzte Entwicklung beweist es. Man braucht nur die annähernd ihrer langen Tätigkeit an der Berliner Zentrale für Jugendfürsorge herausgegebenen Berichte, einen ihrer vielen Borträge im Dienſte jozialer Tätigkeit" aufmerfiam zu lesen, fo spürt man zwischen den Beilen, was sie vorahnend als notwendig tommen sieht: die Umwandlung unserer sozialen Zustände in eine neue Gesellschaft", wie sie selbst es nennt. Aus allen ihren Arbeiten weht ein Geist, Der deutlich besagt, daß in dieser Frau alles vorhanden war, um fie zu einer der erfolgreichsten Kämpferinnen für unsere Sache zu machen. Verschieden sind die Wege, auf denen die Entwicklung vorwärtsschreitet; der eine führt auf die Bahn der weithin sichtbaren agitatorischen Stellung, der andere in die Stille abgeschlossener Tätigkeit. Der Kern bleibt die foziale Gefinnung. Und die besaß Frieda Duensing in einem so hohen Maße wie nur wenige. Ein langes Leben voll mancherlei Enttäuschungen, das sie immer wieder zum Menschen und seiner Weiterentwicklung, zur Hilfe an den Bedürftigen und Unmündigen zurückführte, sowohl als Juristin wie in den Jahren als Volksschullehrerin, die den Untergrund ihres Wissens um die Nöte des Volkes bildeten, lag hinter ihr, eine Fülle von Streben und Entbehrung. Daß sie nicht allen helfen konnte, war der Stachel in ihrem Herzen, das einmal so veranlagt war, nach etwas Bollkommenen sich zu sehnen. Solche Menschen finden nur Ruhe im Zun und in der Arbeit. Nr. 4 Die Akademie der Arbeit und die Frauen Hätte es noch eines Beweises für die unverwüstliche Innenkraft unferes Boltes bedurft, so hätte die Gründung der ersten deutschen Akademie der Arbeit in Frankfurt a. M. diesen Beweis erbracht. Inmitten eines Niederbruchs ohne gleichen, inmitten einer schweren Notlage und eines schier unertragbaren Druces von außen hat die deutsche Arbeiterschaft sich zu einer Kulturtat aufgerafft, die, selbst wenn sich nur ein Teil der in sie gesetzten Hoffnungen erfüllt, zu einem Martstein und Ausgangspunkt wissenschaftlicher Reifung, tultureller Hebung, wirtschafts- und staatspolitischer Schulung der schaffenden Massen zu werden verspricht. Den Arbeitern, bislang Bettler am Tische der Wissenschaft, soll nun das Mahl bereitet werden, das sie zu Kulturträgern machen und sie befähigen soll, aus eigener Kraft und Berantwortung die Leitung des Gemeinschaftslebens in allen feinen Teilen und Beziehungen übernehmen zu können. So ist der Grundstein gelegt. Nun aber gilt es, das Berständnis für die kulturelle Großtat, die sich in aller Stille vollzogen hat, in die Massen hinauszutragen und sie der tätigen Teilnahme an dieser Schöpfung einmal als Lernende, zum andern als Geldgeber zu gewinnen. Dieser Ruf richtet sich in erster Linie an die Frauen. Auch wir Frauen sind nicht länger vom Tische des Lebens und des Wissens ausgeschlossen. Verfassung und Gefeß gaben uns die Gleichberechtigung mit den Männern auf manch einem Gebiet, ganz gewiß aber ouf dem vorliegenden. Berfaffung und Gesetz find aber nur tönende Worte, sind Formen ohne Inhalt. So wird es an den Frauen sein, ihnen den rechten Inhalt zu geben, der for. Braris zu gefellen. Das fann und wird aber nur dann geschehen, malen Gleichberechtigung auch die materielle, der Theorie die wenn der Gleichberechtigung auch die Gleichbefähigung entspricht, wenn man uns Frauen nicht immer und immer wieder sagen darf: Laßt die Finger davon! Bon diesen Dingen versteht ihr nichts." So wollen, so müssen wir verstehen lernen unfertwillen, denn wir sind Menschen und wollen Persönlichkeiten werden. Um unserer Kinder willen, denn wir sind Mütter und wollen Erzieherinnen sein können. Um des Gemeinwohls milien, denn wir sind Staatsbürgerinnen. Als solche müssen wir alle Ber antwortungen mittragen. Darum wollen wir uns die Beran mortungsfähigkeit an denselben Quellen holen wie die Männer. Wir wollen und müssen die Fähigkeit erwerben als Mütter, als Hausfrauen, als Sozial, Wirtschafts-, Gewerkschafts- und Kom munalbeamtinnen unseren Platz auszufüllen, unsere Schuldigkeit zu tun. um Die Akademie der Arbeit steht auch uns offen. Gehen wir denn hinein. Ihr gewerkschaftlich, politisch und fozial organisierten Frauen, forgt dafür, daß möglichst viele aus unseren Reihen als Lernende an diese neue Bildungs- und Kulturstätte entsandt werden. Delegiert selbst, soweit ihr reine Frauenorganisationen seid. Sorgt dafür, daß aus den gemischten Organisationen mindestens soviel Frauen als der prozentualen Teilnahme von Frauen an der atademie entfandt werden. Und bringt Opfer dafür, gleich den betreffenden Organisation entspricht, als Studierende zur ArbeiterMännern. Es gibt Millionen und Millionen arbeitender Frauen. Wenn jede von ihnen im Jahre nur eine einzige Mark( nicht soviel als heute eine Tasse Kaffee draußen foftet) hingibt, so können 100 und mehr Frauen ausgebildet und zur Erfüllung all der schweren, uns fünftig erwachsenden sozialen, wirtschaftlichen, erziehlichen politischen und Selbstverwaltungsaufgaben tauglich gemacht werden. Auch unter den Frauen ist eine große Sehnsucht nach allseitiger Bertiefung und Lebenserfüllung, nach wertschaffender und wert voller Arbeit im Dienst der Gemeinschaft und des Gemeinwohls wachgeworden. Das beweisen die in Verbindung mit Volkshochschulen gebildeten Arbeitsgemeinschaften für Frauen, in denen unter regster Anteilnahme aller Frauentreise die vertiefende Schulung zu erreichen versucht wird, die die Arbeiterakademie in fyftematischer Durchbildung zu geben unternimmt. Darum, noch einmal, ihr Genoffinnen, sorgt, das möglichst viele aus unseren Reihen der Segnungen dieser neuen Bildungsstätte teilhaftig Henr. Fürth. werden können. * Zur Erläuterung des Obenstehenden die folgenden Angaben: Bom 1. April 1921 an wird in Frankfurt zunächst für zwei Se Ich suchte. ich fragte.. ich hungerte... nun ruhe ich mester von je vier Monaten Hochschulunterricht für nicht akademisch aus und bin fatt!" ist ihe selbstgewählter Grabspruch. Wir wollen ihr Andenken in Ehren halten! vorgebildete Personen aus den Kreisen der Angestellten, Arbeiter und Beamten zur Wahrnehmung ihrer Tätigkeit in der wirtschaftBerta Duenfing. lidhen, politischen und fozialen Selbstverwaltung erteilt. Zu 3 Nr. 4 Die Gleichheit gelassen werden Hörer beiderlei Geschlechts! Borausgesetzt wird, daß die Teilnehmer das zum erfolgreichen Besuch der Veranstaltung ausreichende Alter, die notwendige Reife des Geistes und Charafters besigen und eine bestimmte Berufsbildung und längere Berufstätigkeit nachweisen. Neben den von den vertragschließenden gewerkschaftlichen usw. Berbänden präsentierten Hörern fann die Unterrichtsverwaltung geeignete, von anderer Seite, insbesondere von wirtschaftlichen of er fommunalen Berbänden vorgeschlagene Personen unter den gleichen Bedingungen zulassen Die präsentierenden Unternehmungen und Verbände tragen die gesamten Unterhaltskosten der von ihnen entsandten Teilnehmer und zahlen für jeden Teilnehmer am Beginn jeden Semesters 300 Mt. Hörergebühr als Ausgleich für alle unterrichtlichen Aufwendungen. Die zum Lebensunterhalt erforderlichen Beträge müssen sonach von den entsendenden Verbänden und Vereinen auf dem Wege entweder der oben vorgeschlagenen Ertrasteuer von 1 Mt. jährlich oder durch eine entsprechende kleine Erhöhung der Beiträge aufgebracht werden. Der Unterricht wird hauptsächlich Wirtschafts- und Gesellschafts-. lehre, Rechts- und Staatslehre, daneben Naturwissenschaft und philosophische Bildung zum Gegenstand haben. Es soll die Teilnehmer dazu befähigen, innerhalb der kommunalen Selbstverwaltung, wie in Staat und Reich, Gewerkschaft und sozialer Fürsorgearbeit, auch in der höheren Berwaltung usw. fruchtbringend mit. zuarbeiten. Ist das Intereffe der Frauen an dieser Bildungsgelegenheit genügend groß, so soll auch ein Frauenreferat eingerichtet werden, das den die Akademie besuchenden Frauen die Möglichkeit gibt, sich neben den obengenannten Lehrfächern auch in Bolks und Hauswirtschaft, Bevölkerungspolitik, Seuchenbekämpfung, furz in all den Dingen zu unterichten, die die Frau dahin bringen sollen, erfolgreich sowohl auf ihren Spezialgebieten mie im allgemeinen Rahmen der staatlichen und gemeindlichen Führer- und Verwaltungsarbeit mitzuwirken. Anmeldungen sind an die Unterrichtsverwaltung der Akademie der Arbeit zu Frankfurt a. M., am sichersten vielleicht zu Händen des Genossen Prof. Dr. Pape zu richten. Aus der Frauenbewegung des Auslandes Schweiz. Der Kantonsrat von Basel hat einen Gefeßentwurf vorbereitet, der die Lehrerinnen zwingen soll, bei ihrer Verheiratung aus dem Amt zu scheiden. Diese Maßnahme würde für die Schweiz nichts neues bedeuten, da sie bereits in verschiedenen Schweizer Kantonen zu Recht besteht und auch die im eidgenössi schen Dienst stehenden Telephonbeamtinnen ihr unterworfen sind. Die Lehrerinnen sprechen sich mit aller Entschiedenheit gegen den Entwurf aus. * Japan. Die Frauenerziehung in Japan macht bedeutende Fortschritte. Die schon im Jahre 1911 errichtete Frauen- Universität wird jetzt von über 1100 Schülerinnen besucht, die sich mit Pädagogit, Nationalliteratur, englischer Literatur und häuslichen Fertig feiten beschäftigen. Jezt sollen drei weitere Fakultäten für Medizin, Musik und Zeichenfunft angegliedert werden. Höhere Mäd chenschulen gibt es in Japan schon über 200, die ausschließlich auf das praktische Leben vorbereiten. Chemische Waschanstalt u. 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Januar d. I., fand in Neßschkaui. V. eine Frauenkonferenz statt, die außerordentlich gut besucht war. Der Bezirkssekretär Abg. Richard Meier begrüßte die zahlreich erschienenen Genoffinnen und Genossen und gab einleitend ein Bild über den Stand der Organisation im Bezirk. Während im letzten Halbjahr eine erfreuliche Zunahme an männlichen Mitgliedern zu verzeichnen sei, könne die Zahl der weiblichen Mit glieder keinesfalls befriedigen. Zwar müsse die besonders im oberen Vogtland seit mehr denn sechs Jahren herrschende Arbeitslosigkeit und nicht zuletzt auch die bedauerliche Parteispaltung berücksichtigt werden. Aber trotzdem könnte die Zahl der weiblichen Mitglieder eine größere sein und die heutige Konferenz habe die Aufgabe, ge eignete Mittel und Wege zu finden, um eine Stärkung der Organis fation zu ermöglichen. Hierauf sprach Abg. Genossin Ryned. Berlin über: Wie kann die Agitation unter den Frauen und Mädchen erfolgreich betrieben werden?" In großzügiger Weise behandelte Genossin Ryned ihre Aufgabe. Die Verleihung politischer Rechte an die Frauen verpflichte sie zu verstärkter Anteilnahme an der Organisationsarbeit. Wohl sei den Frauen das Wahlrecht gegeben, aber noch sehr viel sei zu tun, um endlich die völlige politische Gleichberechtigung der Frau zu erreichen. Sier restlos mitzuhelfen, sei eine Aufgabe, der sich keine Frau und fein Mädchen entziehen sollte. Nachdem Genoffin Ryned eine Reihe praktischer Anregungen und verschiedene Fingerzeige für die Arbeit in den Ortsgruppen gegeben, schloß sie ihre interessanten, mit leb haftem Beifall aufgenommenen Ausführungen. An der sich an. schließenden interessanten Diskussion beteiligten sich eine Anzahl Genofsinnen und Genossen im Sinne der Referentin, wobei auch die örtlichen Verhältniffe gebührende Beachtung fanden. Allgemein kam der Wille der Genossinnen zum Ausdruck, mehr als bisher für Werbung neuer Mitglieder und Stärkung der Sozialdemokra tischen Partei sich einsehen zu wollen. Nach einem kurzen an feuernden Schußwort des Genossen Meier, das Gehörte zu be herzigen, in den einzelnen Ortsgruppen für Stärkung der Organi sation, Ausbreitung der Parteipresse und auch der., Gleichheit" un ermüdlich tätig zu sein, fand die harmonisch verlaufene Konferenz ihr Ende. r. 1. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bohm- Schuch. Druck: Vorwärts Buchdruckeret. Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. B. fämtlich in Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Stoffe für Hienfong- Essenz extrastarke beste Qualitat, pro Dutzend 15,50 Mk. H. Goldmann, Frankfurt a. O., Große Müllroser Str. 11. Damen- Kostüme:: Herren- Anzüge Bett- u. Leibwäsche Tuchlager Koch& Seeland G.m.b.H. 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