AMZNr. 7 31. Jahrgang Die Gleichheit Seitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Berlin Die Gleichheit erscheint 2 mal im Monat Preis: Bierietjährlich 2,70 Mart Jnferate: Die 5 gespaltene Nonpareillezeile 2,- Mart, bel Wiederholungen Rabatt 1. April 1921 Die Frau und ihr Haus Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichbeit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morigplay 147 40 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Schütze Schun115 58 te Gleich beit Deutsche Ostern Wieder weht ein Frühlingshauch Rings aus Busch und Bäumen, Und die wintermúde Welt Liegt in Ofterträumen, Doch fein Auferstehungslied Will die Mär uns deuten Durch die dumpfen Lüfte zieht Sterbeglockenläuten. Lastend wie Karfreitagsweh Hängt die Wetterwolfe Eränenreich und blitzeschwer Ueber unserm Volke. Was da sproẞt im Sonnenschein, Will ihr Zorn begraben Durch die deutsche Frühlingsflur Flattern schwarze Raben. Klara Müller- Zahnle Nr. 7 Ostern Dunkel und schwer lastet das Schicksal über Deutschland. Viereinhalb Jahre Krieg haben Menschheitswerte zerschlagen, bie unwiderbringlich sind. Diese Tatsache sollte die Völker einen, nachdem der Blutrausch verflogen; gemeinsame Last, gemeinsames Leid sollte sie verbinden, nach außen und innen neue Werte zu schaffen und aufzubauen. Dieses Interesse an dem Aufbau einer neuen Menschheitskultur, die nur auf einer neugeregelten Weltwirtschaft möglich ist, hat die schaffende Bevölkerung der ganzen Welt. Wann wird die Erkenntnis sich durchringen? Inzwischen bestimmen nicht die Völker den Gang der Entwicklung, sondern die Regierungen, welche heute noch überall die Interessenvertretung der besitzenden Klassen darstellen. Als solche halten sie zäh fest an dem Syftem der wirtschaft lichen Bormachtstellung des Einzelbefizes: an der fapitalisti schen Wirtschaftsordnung. Nur solange dieses herrscht, kann ein Mensch den, anderen Menschen, fann ein Staat den anderen Staat unterdrücken und ausbeuten. So ist die ganze furchtbare Tragödie des Weltkrieges im letzten Grunde ein Kampf um die wirtschaftliche Weltmacht zwischen der Entente und den mitteleuropäischen Staaten gewesen. In seinen Auswirkungen ist er zu dem Entschei dungsringen um die kapitalistische oder sozialistische Wirt schafts- und Gesellschaftsordnung geworden. Und weil es so ist, darum haben wir so hart an den Folgen des verlorenen Krieges zu tragen. Deshalb laftet das Diktat der Sieger so schwer auf uns. Die Pariser Bedin. gungen sind nicht zu erfüllen. Daran ändert auch das Ergebnis der Londoner Konferenz nichts, welches die Befehung weiteren deutschen Gebietes zur Folge hatte. Es ist auch taum anzunehmen, daß die leitenden Staatsmänner ber Entente daran glauben, durch neue friegerische Maßnahmen- wie sie die Belegung und der gleichzeitig verhängte Belagerungszustand darstellen mehr Geld und Baren aus Deutschland herauszuholen. Wenn es wirklich cuf die Erfüllung der Forderungen anfäme, fönnten ihre Bedingungen nicht so widersinnig sein. Wenn wir 226 Mil liarden Goldmart in 30 Jahren wirklich zahlen sollten, müßten so viel Waren zu solchen Preisen nach dem Ausland verkauft werden können, daß aus dem Berdienst die Leistung an die Entente möglich wäre. Da aber Deutschland gleich zeitig 12 Proz. Ausfuhrzoll auferlegt werden sollten, müßte ein größerer Absatz als bisher auf dem Weltmarkt infolge der hohen Preise unmöglich sein. Es ist an dieser Stelle schon einmal darauf hingewiesen worden, daß die Erfüllung nur auf Kosten der deutschen Arbeiterschaft möglich wäre, indem durch Berlängerung der Arbeitszeit und Herabsetzung der Löhne eine Verbilligung der Warenher stellung erzielt würde. Und dagegen wehrt sich die deutsche Arbeiterschaft; dagegen müßte sich die Arbeiterschaft ber Welt wehren, wenn sie nicht noch weiter in Berelendung und Unfultur versinken will. Wir haben einen Krieg ver loren und eine Revolution nicht gewonnen. Um so fester müffen wir die an sich vielleicht geringen, doch für uns äußerst wertvollen wirtschaftlichen und politischen Er. rungenschaften der Revolution halten. Ihre Erweiterung ist der einzige Weg, auf dem wir die sozialistische Gesellschaft erreichen können. Deshalb hat die Sozialdemokratie das Pariser Diktat einmütig abgelehnt. Aber ebenso einmütig werden wir jeden Bersuch einer Gewaltanwendung deutscherseits ablehnen, einerlei, ob sie von Nationalisten oder Kommunisten fommt. Alle Maß nahmen der Entente erschweren unsere Arbeit auf diesem Gebiete ungeheuer. Die Errichtung neuer Zollschranken gegen das Reich für die westrheinischen Gebiete und die Be sezung der rheinischen Kohlenhäfen haben natürlich den 3wed, die westlichen deutschen Provinzen wirtschaftlich an Frankreich anzulehnen und sie vom Reiche zu trennen. St dagegen gewaltsam aufzulehnen, hätte aber bei der absoluten Machtlosigkeit Deutschlands gar feinen Zwed; es gäbe viel mehr der Entente nur den Schein der Berechtigung für eine fofortige, offene Annegion dieser Gebiete. Wir müssen vie mehr beweisen, daß wir es ehrlich meinen mit der Weige rung zur Annahme unerfüllbarer Verpflichtungen, indem wir die durch das kaiserliche Deutschland angerichteten Kriegsschäden mit allen Kräften wieder gutmachen wollen. und in dieser Richtung müssen wir zu neuen Verhandlungent tommen. Verhandlungen, von denen gewünscht werden muß, daß sie in weiterem Umfange unter Beteiligung der Bölles geführt werden. Auch bei uns. Nach dem furchtbaren Erlebnis des letzten Krieges darf es nicht wieder möglich werden, über die Bölker hin zu ver handeln. Sie haben das Recht und die Pflicht, zu dem Inhalt geplanter Besprechungen Stellung zu nehmen und fo die Entscheidungen mit zu treffen, denn die breite Masse hat die Folgen zu tragen. Nur so fann das Mißtrauen im Lande und gegenüber dem Auslande schwinden. Das Mißtrauen ist aber der schlimmste Feind jeder friedlichen Entwicklung. Ostern ist es wieder und Frühling. Das große, selige Auf erstehen geht von neuem über die Erde. Ueberall teimt, quillt und fnospet das neue Leben, vollzieht sich wie in jedem Jahr das hellige Wunder, unbefümmert um der Menschheil Haß und Streit. Und so wird auch der Menschheit Ostertag einmal tommen, so wird sich die wirtschaftliche Entwicklung vollenden. Wie schwer und dunkel die Zeit auch sein mag, wir haben dennoch den Mut und die Kraft, an die Er. 18fung durch den Gozialismus zu glauben, weil wir sie wollen. Clara Bohm- Schuch. Str. 7ie Giet cb bei T Einige Gedanken über den sozialen Frauenberuf Bon Marie Juchacz, M. d. R. Die Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse fühlten sich mit Recht stets verlegt über ihre Zurückseßung bei der ehrenamt lich geleisteten Arbeit in der allgemeinen Wohlfahrtspflege und der Besehung der jogenannten sozialen Frauenberufs. ftellen. Das erstere lag vor der Revolution an unseren politischen Verhältnissen. Der Krieg, der das soziale Leben umstellte, hat hier der Demokratie Vorarbeit geleistet. Für die Eingliederung der Arbeiterinnen in die sozialen Berufsstellungen sind auch heute noch eine Reihe von Hindernissen ju überwinden. Die Borschriften über die staatliche Prü fung von Wohlfahrtspflegerinnen"*) schreiben nicht mehr die Lyzeumsbildung als unbedingtes muß vor und eröffnen den bereits praftisch tätigen Frauen die Möglichkeit der staatlichen Prüfung, auch wenn sie nicht den bisher vorschriftsmäßigen Weg der Ausbildung gegangen sind. Durch die Gliederung in drei Hauptfächer: 1. Gesundheitsfürsorge, 2. Jugendwohlfahrtspflege, 3. Allgemeine und wirtschaftliche Wohlfahrtspflege ist es für Fach 2 und 3 nicht unbedingt nötig, das staatliche Eramen für Kranken- und Säuglingspflege mitzubringen. Aber es gibt auch heute noch viele Hindernisse zu überwinden. Vor allen Dingen find es die Rosten, die gerade unsere Frauen hindern, sich diese Ausbil bung zu verschaffen. Das staatliche Eramen in der Säug lings- und Krankenpflege- wenn das erste Fach oder die Gesamtausbildung gewünscht wird und der mindestens zweijährige Lehrgang in einer sozialen Frauenschule er fordern eine ganze Menge Geldmittel. So müssen wir nach Mitteln und Begen suchen, um bilfiger zum gewünschten Ziele zu kommen. Ueber die Sonderlehrgänge haben wir in der Gleichheit" Nr. 44 und 45, Jahrgang 1920, berichtet. Auch sonst sind wir durch Betei ligung an Kurfen und durch eigene Beranstaltungen eigene Wege gegangen, die den der sozialen Betätigung zustrebenden Frauen helfen konnten. Ein weiterer Weg müßte sein, daß aus Reichs, Staats- und Gemeindemitteln Stipendien für den Zweck der Ausbildung gegeben werden. Diese Betrachtung foll hauptsächlich den 3wed haben, diese Fragen nicht aus dem Gesichtswinkel des Esistenzkampfes zu betrachten, sondern aus der sozialen Bflicht der Staatsbürgerin gegen die Allgemeinheit. 59 dern muß ihr ganzes Arbeitsgebiet überblicken können. Sie muß imitande jein, neue Ideen zur Berbesserung der Ar beitsmethoden zu fassen und auszuführen. Nicht immer geht das so glatt. Oft genug sind Widerstände zu überwinden, die zum Teil in den Berhältnissen liegen, aber auch bei Borgejezten, im Kreis der Kolleginnen zu finden sind. Ausdauer im Verfolgen eines bestimm. ten Siels, dabei viel persönlicher Taft, eine sichere Ruhe im Berkehr mit Menschen sind ebenfalls wichtige Eigenschaf ten, die nicht gut entbehrt werden können. Das, was aber ganz unerläßlich ist, das ist neben dem Taft die Ruhe, die auch im Verkehr mit der Bevölkerung zum Ausdruck kommt, die Fähigkeit, sich psychologisch einzu. fühlen in das Denten und Seelenleben der zu betreuenden Menschen. Wer diese natürliche Gabe nicht hat, soll lieber auf dem Wege stehen bleiben und Umschau halten nach einem anderen Beruf. Man muß mit einem von der Not gepeitschten Menschen fprechen fönnen in der Weise, daß das Gefühl ihm sagt, hier wirst du verstanden in deiner Not. Hier spricht ein Mensch zu dir, der dir helfen will, ohne daß er überschwengliche und unerfüllbare Hoffnungen erweckt und nährt. Aber auch bei dem physisch schwachen Menschen, denen schlechte Erziehung im Zusammenwirken mit Elend und Not schon das Rückgrat gebrochen haben, so daß sie nicht mehr den Mut zur Selbst. hilfe haben, muß die Fürsorgerin es verstehen, die guten Eigenschaften zu wecken, nicht mit sentimentalem Mitleid, sondern mit der Ruhe und Sicherheit, die durchblicken läßt, Ich verstehe deine Not und will helfen, wenn du selber dich auch aufraffft. Jede produktive oder gütererhaltende Tätigkeit ist eine ftaatsbürgerlich wichtige Leistung und muß von dem Ausführenden und der Allgemeinheit so bewertet werden. Diese allgemeine Wertschätzung der Arbeit würde zweifellos auch für die Demokratie sehr viel bedeuten. Was für jede Arbeit Grundsaß sein müßte, ist für die soziale Arbeit eine unbe bingte Notwendigkeit. Die Frau, die beruflich fozial tätig fein will, muß wohl durch diesen Beruf ihre Eristenz finden, das sollte selbstverständlich sein. Aber mehr wie auf jedem anderen Gebiet, ist die Eignung der einzelnen Bersönlichkeit für diesen Beruf von Wichtigkeit. Die Wohlfahrtspflegerin und Fürsorgerin muß förperlich und feelisch volltommen gesund sein. Die Vorbildung als Kranken- und Säuglingspflegerin, als Hortnerin, Kindergärtnerin oder Jugendleiterin bringt nicht nur die praktischen Kenntnisse für die spätere Laufbahn, sie muß auch Prüfstein fein für die Charaktereignung der künftigen Fürsorgerin. Gerade in diesen echt weiblichen Tätig. teiten können wir bemeisen, ob wir dauernd imitande sind, unsere Person hinter der Sache zurückzustellen. Die Kunst der Selbstlosigkeit, der selbstverständlichen Unterordnung unter Notwendigkeiten des Berufs ist erste Vorbedingung. Die Fürsorgerin darf nicht nur schematisch arbeiten, son, * Borschriften über die staatliche Prüfung von Wohlfahrtspflegerinnen vom 22. Oftober 1920. Karl Heymanns Verlag, Berlin W. 8, Verlagsarchiv 7028. Haben wir uns selbst geprüft und gefunden, daß wir diese Charaktervorbedingungen besitzen, und haben wir den Wil len, sie weiter auszubilden, dann sollten wir die Borschriften über die staatliche Prüfung von Wohlfahrtspflegerinnen gründlich durchsehen und uns für einen der darin vorgeschrie benen Wege entscheiden. Genoffinnen, die Rat und Auskunft in der obigen Frage haben wollen, mögen sich brieflich an den Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt, Adresse: Marie Juchacz, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, menden. Arbeitsnachweisfragen Bon Gertrud Hanna. Fri Fibliothek Bonn * In den letzten 5 bis sechs Jahren, und insbesondere nach dem 9. November 1918, sind auf zahlreichen Gebieten Refor men geschaffen oder doch in Angriff genommen worden, um Die die Arbeiterorganisationen vor dem Kriege vergeblich oder doch mit nur geringem Erfolg gekämpft hatten. Wir wollen heute nur hinweisen auf die Reichswochenhilfe und uns dann etwas eingehender dem Problem zuwenden, für das eine Lösung oder doch der Bersuch dazu- in nächster Zeit zu erwarten ist: dem Arbeitsnachweiswesen und den bamit zusammenhängenden Fragen. Das Arbeits nach weis mesen war bis jetzt das Stief find der Gefeßgebung. 1910 wurde freilich das Stellenver mittlergesez verabschiedet, das die Schäden der gewerbsmäßigen Stellenvermittlung einschränken sollte. Das Gesetz gelangte in einer Form zur Berabschiedung, die es so gut wie wirkungslos bleiben ließ. Bei den Gewerkschaften bildete in den ersten Jahren der Arbeitsnachweis vielfach den hauptsächlichsten Halt für die Mitglieder. Der Arbeitsnachweis war ihnen Kampfesmittel. Das änderte sich, als die Gewerkschaften sich anderer Mittel zur Erreichung ihrer Ziele bedienen tonnten. Sie und die Sozialdemokratische Partei haben auch als erste die volkswirtschaftliche Bedeutung einer geregelten Arbeitsvermittlung anerkannt und versucht, die Gefeßgebung dafür zu intereffieren. Inzwischen hatte aber das Unternehmertum erkannt, AMZ115 60 D i e Gleichhelt Nr. 7 welches Machtmittel für sie unter Umständen der Arbeits» Nachweis fein kann, selbstverständlich der in ihren Händen befindliche. Die Praktiken der Unternehmerarbeitsnachweise, die nichts anderes waren, als gut organisierte Masireglungs» bureaus, haben wiederholt Gegenstand der Kritik durch unsere Genossen in den Parlamenten gebildet, ohne daß es gelang, die Gesetzgebung zum Eingreifen und zu Reformen zu ver- anlassen. Erst die Kriegsnot ließ weite Kreise erkennen, daß die ge« schliche Regelung des Arbeitsnachweiswessns notwendig sei, und daß im Zusammenhang mit der Arbeitsvermittlung ein« ganze Reihe von Fragen auf baldige Lösung drängen. So steht z.B. dteArbeitslosenunterstühungtm engsten Zusammenhang mit dem Arbeitsnachweiswesen. Sie wurde erst gegen Ende des Krieges brennend, drängt aber jetzt gebieterisch, die gesetzliche Regelung des Arbeitsnach» weiswesens in die Hand zu nehmen. Bis jetzt hat man sich ' mit Verordnungen beholfen. Dem Reichstag ist bereits vor einigen Monaten der Entwurf zu einem Arbeitsnachweis- gesetz zugegangen. Daher ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, die Fragen zu erörtern, die im Zusammenhang mit der Arbeitsvermittlung stehen und die für die Frauen aus verschiedenen Gründen besonders beachtenswert sind. Eine Arbeitsvermittlung, die volkswirtschaftliche Bedeu» wng haben soll, hat mehr zu tun als nur offene Stellen den gerade vorhandenen Arbeitslosen bekanntzugeben und sie an die steten Arbeitsplätze zu schicken. E» kommt darauf an. den richtigen Menschen an den richtigen Platz zu stellen. Das haben eine Reihe von Arbeitsnachweisen auch bereits erkannt und sie haben deshalb für die neu ins Erwerbsleben eintretenden jugendlichen Arbeitskräfte Berufsberatungs- stellen geschaffen. Die Berufsberatung so durch- zuführen, daß sie den Arbeitskräften und der Volks- Wirtschaft dienlich ist, ist nicht leicht. Htndernisie btl- den dabei u. a.: Vorurteil der Eltern gegen be- Stimmte Berufe und über die Leistungsfähigkeit(vor allem ilc geistige) der Kinder, Unkenntnis über den Arbeitsmarkt und damit über die Berufsaussichten, Unkenntnis über die Anforderungen, die der Beruf an die Arbeitskräfte stellt. So sind z. B. in den Schulen zur Entlastung kommende Mädchen stark beeinflußt wurden, eine handwerkliche Lehrstelle anzunehmen, ohne Rücksicht darauf, ob die in Frage kommenden Handwerke den jungen Mädchen auch Gelegenheit zur Ausbildung und zu späterem Fortkommen geben konnten, das die Aufwendungen für eine mehrjährige Lehre rechtfertigt. Jetzt erfahren wir auch von Einwirkungen zur Annahme häuslicher Dienststellen und Lehrstellen in Haus- Haltungen uitd auf dem Lande. Eine solche Beeinflussung kann zu schweren, wirtschaftlichen Schädigungen der Familien der jungen Arbeitskräfte und zu körperlicher Schädigung führen und hat schon dazu geführt. Eine zweckmäßige Berufsberatung kann nur ausgeübt werden unter Zusammenarbeit von Elternhaus, Schule, Jugendamt, Arbeitsnachweis und der Organisationen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Die Schul« muß das Kind auf feine geistigen Eigenschaften hin prüfen und auf sein« Geschicklichkeiten, z. B. im Zeichnen, Nähen usw. In Ver- bindung mit den Resultaten der schulärztlichen Untersuchun- gen werden diese Ergebniste ein viel brauchbareres Material für die Berufsberater abgeben als die Schulzeugniste. Die Berufsberatung darf aber nicht in der Schule oder von der Schule erfolgen, sondern von Leuten, die mit der Lage de» Arbeitsmarkt» sowie mit den Berufen und ihren Arbeits- Methoden vertraut sind. Da» Zusammenarbeiten mit Schul- ärzten und Lehrem ist natürlich notwendig, ebenso das Zu- fammenarbetten mit den Verbänden der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, das den Zweck hat, die Berufsbedingungen für die jungen Arbeitskräste, sei es als Lehrlinge oder zu anderer Arbeitstätigkett, günstig zu gestalten. Heute sind erst Ansätze tzn e'-k solchen Berufsberatung vorhanden. Sie jetzt durch- zuführen, ist besonders schwierig, well so wenig Arbeits- gelegenheiten vorhanden find. Aber nicht nur die Berufsberatung jugendlicher Arbeits- kräfte ist ein Problem, das der Lösung harrt. Besonder» jetzt zeigt sich, wie notwendig Einrichtungen sind, auch denerwachsenenArbeitskräften, besonder» denweiblichen.andleHandgehenzukönnen- Diese haben häufig genug Rücksichten zu nehmen auf Fa- milienangehörige, z. B. kleine Kinder, die ihnen eine Arbeits- stelle in der Näh« ihrer Wohnung, halbtägige Beschäftigung — oder gar Heimarbeit— lieb und notwendig machen und die manchmal überhaupt nur eine Arbeit annehmen können, wenn für ihre Kinder anderweitig gesorgt wird. Aus diesem Grunde haben besonders während des Krieges die Arbeits- nachweise mit Fürsorgeorganisationen Verbindung gehabt. Es wäre zweckmäßig, solche Verbindung überall in die Wege zu leiten und, wenn notwendig, Fürsorgeeinrichtungeic zu schaffen. Das letztere ist z. B. notwendig besonders für die Hausangestellten und andere Arbellskräfte, bei denen Kost- und Logis einen Tell des Arbeitseinkommens bildet und die bei Arbeitslosigkeit auch zugleich obdachlas sind. Daß sich solche Einrichtungen nur schaffen lassen bei gut durchgeführter Zentralisation de» Arbettsnachweiswesens leuchtet wohl ein. Reben diesen Aufgaben müssen dann die Arbeitsnachweise sich bemühen, Gelegenheit zur Umlernung und unter Umständen auch zur Anlernung von Arbeits« träften zu schaffen, wie dies heute schon vereinzelt geschieht. Es hat sich in der letzten Zeit doch gezeigt, daß die Arbeits- vermitllung als ein wichtiger Faktor für die Wiederaus- rtchtung unseres Wirtschaftslebens gewertet wird und daß sich Kräfte ernsthaft auch um die Lösung der damit zusam- menhängenden Probleme bemühen. Das gibt uns die Hoff- nung, daß die Lösung oder doch der Versuch dazu nahe bevorsteht. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß auch hier erst die Not der Zeit die Triebfeder war, eine Sache in An- griff zu nehmen, um die die Arbeiterschaft sich jahrzehntelang bemüht hat, ohne Verständnis zu finden, und daß es auch jetzt noch der ganzen Kraft der Arbeiterorganisationen bedarf, um ein Resultat zu erzielen, das der Arbeiterschaft von Nutzen ist. Unsere Vorkämpferinnen Emma Ihrer Eine der erfolgreichsten, beliebtesten und bekanntesten Agitatorinnen war durch mehr als zwei Jahrzehnte die am 8. Januar 1911 verstorbene Genossin Emma Ihrer, deren Name auch mit der„G l e t ch h e i t" unlösbar verknüpft ist. Die älteren Parteimitglieder im ganzen Reich erinnern sich heute noch in Liebe und Verehrung der lebhaften, klugen und stet» hilfsbereiten Ge- noffln, der die Herzensgüte aus den lieben Augen leuchtete. Emma Ihrer entstammte kleinbürgerlichen Verhältnissen. Si« war am 3. Januar 1857 in Glatz geboren und von einer streng- gläubigen katholischen Mutter in ihrer Entwicklung stark be» einflußt worden. Sie kam zur Arbeiterbewegung über die bürgerliche Frauenbewegung, die sich in den siebziger und achtziger Iahren de» vorigen Jahrhunderts miederholt auch um die Organisierung auch der Arbeiterinnen bemühte. Frei- ltch hauptsächlich nur, um ihr« Sittlichtelt zu heben. Emma Ihrer erzählt davon in ihrer 1898 erschienenen Broschüre „Die Arbeltertn im Klassenkampf", die un, ein in- teressante, Bild zeigt von den tastenden Versuchen, die von einer kleinen Schar mutiger Arbeiterfrauen und bürgerlichem Hertom- men entstammten Sozialistinnen immer wieder unternommen wur- den, um die Arbeiterfrauen und-töchter zu organisieren und für den Klassenkampf zu gewinnen. Emma Ihrer schloß sich bald diesen an und erlangte unter ihnen bald eine führend« Stellung. Si« und alt« Freunde haben später oft davon erzählt, wie sie sich anfangs gesträubt habe, eine andere Funktion als da» Schriftführeramt zu übernehmen, well sie ja doch «nicht reden" könne. Emma Ihrer wollte dadurch auch ander« zag- Haft« Seelen mutig machen, die, wie z. B. dt« Schrelbertn dieser Zeilen� lange Zeit vor dem öffentlichen Auftreten als Rednerii» Nr. 7 i e> e i<1, li e i t 61 turückschreckren. Sie war unermüdlich und immer wieder ersolg» reich im Lzerausfinden neuer Methoden zur Erreichung des ge- steckten Zieles, denn oft genug verfielen die kaum erst gegründeten vereine der polizeilichen Auflösung. Der 188S gegründete Ver- kiner„Verein zur Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen" «nd seine Cchwestervereine, der„Verein der Mäntelnüherinnen" und der„Nordverein der Arbeiterinnen" wurden z. B. nach kaum einsährigem Be» stehen wegen„Beschäftigung mit Politik" aufgelöst, weil der chauptverein «n den Berliner Magistrat wegen Zu» lassung der Frauen zu den Ge» werbeg»richten petitioniert hatte. Die Borstandemitglieder wurden bestraft. Emma Ihrer gründete eben wieder neue Vereine und gab Anregungen dazu überall, wohin sie auf ihren vielen Agitationsreisen durch ganz Deutschland kam. Sie ver- stand es auch meisterhast, Kräfte heraus- zufinden heranzubilden und an die Sache zu fesseln Ihr liebenswürdiges, heitere» Wesen und ihr klarer Blick waren dazu wie «eschafsen. Sie erkannte bald, daß zur Schulung der Arbeiterinnen ein eigenes für ste ge- schriebenes Organ nötig sei. Der Erkenntnis solche bald die Tat. Mit finanzieller chilfe einer stets hervorragend opser- bereiten wohlhabenden Parteigenosstn ldie sich aber stets bescheiden im Hintergrund hielt) und zum Teil aus eigenen Mitteln schuf sie I89l„Die Arbeiteriu, Zeltschrist für die Interessen der Frauen und Mädchen de» arbei- t e n d e n Volkes", ein Wochenblatt, desien Redakteurin sie wurde und das im Verlage des ebenfalls Immer hilfsbereiten Ge- Nossen Fr. Meyer in Hamburg gedruckt wurde. Von„Der Ar- beiterin" existiert nur ein Jahrgang. Sie ging mit Beginn des Lahres 1892 in den Verlag von I. H. W. Di est in Stuttgart über. Emma Ihrer konnte sich nicht ent- schließen, Ihren Wohnsitz in Velten zu verlassen, wo ihr Mann eine Apotheke besaß, und nach Stuttgart überzusiedeln, und so mußte denn eine neue Redakteurin gesucht wer- den, und Emma fand diese in Clara Zetkin, die nach dem Fall des Sozialistengesetzes aus Paris zurückgekehrt war. Die Zeitschrift erhielt den Namen„Die Gleichheit". Sie wurde bekannt- lich von Clara Zetkin redigiert bis zur unglückseligen Spaltung unserer Partei. Emma Ihrer blieb bi» zu ihrem Tode Mitarbeiterin. Nach 1890 widmete sie sich in hervorragenderem Maße neben der politischen Propaganda der gewerkschaftlichen Tätigkeit, und sie wurde als erste Frau in die 1890 gegründete Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands ge- wählt. Auch in diesem Zweige der modernen Arbeiterbewegung hat sich Emma Ihrer ein bleiben- des Denkmal gesetzt, und zwar nicht nur durch die Gründting des Blumen- und Federarbeiterver- bandes, desien Vorsitzende und Redakteurin der Verbandszeitung sie bis zu ihrem Tod« war. .M irken für andere war ihres Glücke» er- liebigster Quell' lautet der Spruch aus ihrem- Grabstein aus dem Berliner Zentralfriedhos in Friedrichsseld«, wo sich beim Begräbnis desien, was sterblich an ihr war, eine große Zahl Ge» uossinnen und Genosien aus Partei- und Gewerkschastskreisen zu- sammengesunden hoiten in Trauer um die viel zu früh Dahin- gegangene und in dem Bewußtsein, daß ein guter und für die Arbeiterbewegung, besonders für die Arbeiterinnenbewegung un- ersetzlicher Mensch seine Erdenlaufbahn beendet habe, der in der Ar- beitcrbewegung aber wohl niemals oergesien werden wird. G. H. Emma Ihrer Dr. med. Hope Bridget AdamS-Lehmanu .Laß dich nicht irren, laß dich nicht wirren durch goldene Acpfel in deinem Lauf!" Wie oft haben die gütigen Lippen dieser Frau das Dichterwort gesprochen, warnend vor den falschen Göttern. Niemand hatte mehr Recht dazu als sie. für die das Gebot Inner- lich anerkannter Pflichten allein wegbe- stimmend gewesen ist Und wer so seelisch blind gewesen ist, das zu bezweifeln, der mußte es erkennen, ils H. B. Adams-Lchmann, eine der be- rühmiesten und gesuchtesten Frauenärzte Deutschlands, am 10. Oktober 1916 in aller Stille heimgegangen war. Sie ist arm gestorben. H. B. Adams-Lehmann gehörte unserer Partei als eine der ältesten Kämpfe- rinnen an. Sie Sozialistin— nicht nur in der Theorie, nicht in der beruhigenden Zuversicht, daß die ethischen Forderungen unseres Programm» sür den einzelnen erst bindend sein würden, wenn eine neue Wiltschostsordnung heraufgeführt sein werde, nein, sie lebte uns So- zialismus vor. Persönlich bedürsnis- los, lteß sie alles, was sie über den Be- darf ihrer Familie hinaus verdiente, den großen allgemeinen Zwecken der Gesell- schast wieder zufließen. Und das geschah so selbstverständlich und unauffällig, daß wohl nie jemand ihren Namen in den Listen der großen Wohlsahrtsaktionen gelesen haben wird. So fern lag ihrem Wesen die Unkeuschhcit persönlicher Wohltätigkeit. „EiewareinGeniedesHerzens'— so ruft ihr junger Freund Hanns Tiefenbach erschüttert nach ihrem Tode aus— und damit ist das wesentlich« von dieser Frau gesagt. Hier lag die Quelle ihrer schier unerschöpflichen Arbestskraft. Dom frühen Morgen bis Mittag Operationen und Krankenbesuche, am Nachmittag bis tief in die Nacht hinein Konsultattonen, das war der gewöhnliche Gang der Dinge. Und welche Kraft hat diese Frau ausgestrahlt auf alle, die mit ihr in Berührung kamen. Nie wurde ihr der Beruf zum Hand- werk. Nie kam es vor, daß sie für einen, der sie brauchte,„keine Zeit hatte", nie war es der„Fall", der sie beschäftigt«— mit jenem raschen und absolut sicheren Ber- stehen eines vollkommen gütigen Herzens nahin die Aerzttn den ganzen Menschen mit all seinen Leiden und all seinem Leid in ihre Pflege. Und jeder ging mit stär- kerein und reinerem Lebenswillen von ihr. ..Eie war ein Genie des Herzens' und sie verband da» mit einen klaren, nüchternen Ber- stand. Eie erkannte die Welt, wie sie war und sie liebt« sie dennoch. Mit ttefer Leidenschaftlichkeit suchte sie in den einzelnen Menschen und in der Menschheitsentwicklung da» Gute, das Positto« herauszuheben, Emma Ihrer sie befaß den Glauben, der Berg« verfetzt. Jeder war ohne Verstellung besier in ihrer Nähe, weil er fühlte, daß da jemand ist, der die innerste Sehnsucht seines Wesens erfaßt Hab«. Kein Wunder, daß die Besten sich um sie scharten. Polittker wie Bebel. Bollmar, der alte Liebknecht. Clara Zetkin. Viktor und Friedrich Adler standen in enger Berührung mit ihr. Hervorragende Schriftsteller und Mediziner fanden ein offene» Haus bei Hope und Carl Lehmann, mit dem sie eine selten innige Ehe verband. Sie war«in Genie des Herzens und sie stellte dieses Genie In den Dienst auf- bauender sozialistischer Arbeit. In der„Neuen Zeit", in den.Sozialistischen Monatsheften", in der.Gleichheit" sucht sie für ihre Idee» Bundesgenosse». Nr. 7 Mit besonderer Wärme tritt sie ein für eine Veredelung der erotischen Beziehungen. Das Verhältnis von Mann und Weib, harmonisch ausgestaltet, gilt ihr als Quelle aller körperlichen und geistigen Kraft In Wort und Schrift und Tat bekämpft sie die Unmoral der heutigen Moral. Kein Strafgesetzparagraph vermag sie davon abzuhalten, auch in ihrer ärzllichen Praxis zu tun, was ihr soziales Gewissen ihr vorschreibt. Und wäre es nach ihren Berufs» kollcgen gegangen, dann hätte die edle Frau ihr Leben wohl im Zuchthaus beschlossen. Vierzehn Tage vor ihrem Tode aber schickt sie als letztes Mahnwort eine Ar- beit an die Strafrechtszeitung, in der sie sich gegen den Klassen- charatter der 8§ 218, 219 wendet und die Straffreiheit der Unter- brechung der Schwangerschaft for- dert. Aber schon viel eher hat sie den Plan eines großen Frauen- Heims entworfen und dafür Freunde geworben, hat sie durch Einrichtung eines mustergültigen Versuchskindergartens, durch Sie- delungspläne, durch praktische Auf- klärungsarbeit gezeigt, wie das Bevölkerungsproblem in sozialisti- schem Sinne zu lösen ist. Und doch ist ihr die wirtschaftliche Frage nicht das Primäre. Was wir brauchen, ist ein neues Herz, pflegte sie zu sagen Und aus dieser Erkenntnis er- wächst ihr glühende? Interesse für Unterrichts- und Erziehung?- fragen, an deren Lösung sie in ihrem Wirkungsort München mit aller Energie, deren sie fähig ist, arbeitet. Aber auch da kommt es ihr nicht so sehr darauf an, daß ihr Name genannt wird, als daß geschieht, was ihr werwoll erscheint. Pädagogen von europäischem Ruf haben von ihr Anregung und Hilfe bckom- men Und als die Philister ihr am Ende ihr liebstes Kind, die Münchener Versuchsschule, aus den Händen rissen, da waren sie sich wohl bewußt, daß das der einzige Schmerz war, den man der' Sechzigjahrigen nach dem Heimgang ihres Lebensgefährten noch anzutun vermochte.— Der Krieg hatte sie in vieler Be- ziehung noch härter getroffen als die meisten von uns. Sie war geborene Engländerin und liebte ihre Kinderheimat mit der ihr eigenen Treue. Nicht minder verwachsen aber war sie mit Deutschland, in dem sie vierzig Jahre fruchtbarer Arbeit verlebt hatte. Im Oktober 1914 geht sie unter falschem Paß nach Eng- land, tritt dort in lebhaste Be- ziehung zu Ramsay Macdonald, Norman Angell und anderen führenden Geistern der englischen Friedensbewegung. Erst im Januar 191S kommt sie mit wertvollen Aüfschlüsien über das politische Leben in England nach München zurück und macht mit ihrer kleinen Schrift.Kriegs- gegner in England� den mutigen Versuch, den lodernden Völterhaß zu bekämpfen. Ein gütiges Geschick hat Hope Bridget Adams Lehmann davor bewahrt, diesen Frieden mitzuerleben. Und doch sehe ich sie auch in diesen Tagen tiefster Vvlksnot. frei von Haß, mit einem kleinen, mutig/n Lächeln und den klaren Augen in die Ferne schauen:.Kind, täuschen wir uns nicht, es ist nur Märzensturm, der Völkerfrühling muß kommen!" Antonie P s ü l f. Dr. med. Hope Bridget Adams Lehmann Als ihre Gesundheit dafür verschiedenes, Mäntelnähen u. Ottilie Baader-Diedrichs Ottilie Baader-Diedrichs Die, von der wir zuletzt sprechen, ist eigentlich die Erste. Un- zenrennlich ist da» Erwachen der arbeitenden Frauen mit ihrem Namen verknüpft. Und der Lebenden dürfen wir unseren Dank bringen. Bald 7S Jahre zählt Ottilie Baader an Jahren, aber ein quellfrische» Jungsein strömt aus von dieser schlichten, wundervollen Frau. Ottilie Baader ist 1847 in Frankfurt a. d. O. geboren. Der Vater arbeitete dort in einer Zuckerfabrik. Sie war die zweite von vier Geschwistern. Die Mutter starb früh, und Ottilie mußte schon mit sieben Jahren für den Haushalt sorgen. Als Ottilie 13 Jahre alt war, zog der Vater mit den Kindern nach Berlin. Sie hatte in Frankfurt einige Jahre eine Mittelschule besucht, in Berlin war es aber dann mit dem Schulbesuch vorbei und sie mußte arbeiten. Sie leinte zuerst Wäschenähen, noch mit der Hand, wie es damals üblich war, hat dann später in einer Wollfabrik gearbeitet und dort alle Leiden der Fabrikarbeiterin um die KOer Jahre herum kennengelernt. nicht mehr reichte, versuchte sie a., dann aber lernte sie Maschine- nähen, kaufte sich dann später selbst eine Maschine und hat dann auch das Los der He-mardeiterin während vieler Jahre hindurch gründlich kennengelernt. Sie lebte mit ihrem Vater, der nicht mehr arbeiten konnte, zusammen. Aus der Kirche ist Ottilie Baader erst in ihrem 30. Jahre ausgeschieden. Sie war, wie sie selbst erzählt, eine tiefreligiöse Natur, vor allem in ihren jungen Mäd- chenjahren, aber die Kirche hat sie in vielen ihrer Formen ge- radezu abgestoßen. So ist sie einmal zu Ostern in die Kirche des bekannten Berliner Predi» gers„Tränenschulze" gegangen und hat dort mit einer Schwä- gerin zusanimen das Abendmahl genommen. Als sie aber aus der Kirche kamen, haben sie sich beide nur angesehen und dann gesagt:„Nie wieder!"— Sie hat dann aber auch alle Leiden, all die Mutlosigkeit der älter werden- den Frau, die nur für die Arbeit von morgens in aller Frühe bis in die späte Nacht hinein da ist, die von allem Lebenswerten und Schönen ausgeschlossen ist, durch- machen müssen. Einen Inhalt bekam ihr Leben erst, als sie mit der Sozialdemokratie in Bcrüh- rung kam, als sie anfing, sozial- demokratische Versammlungen zu besuchen. Das war kurz vor Erlaß und während des Soziolistenge- setze». Diese Versammlungen wur- den natürlich nicht als„sozial- demokratische" angekündigt, son- dern es waren Versammlungen der Schästeorbeiter, der Maurer und anderer Berufe. Eingeführt wurde sie in diese Kreise durch die „Freie Gemeinde", der sie und ihr Vater sich nach ihrem Austritt aus der Kirche angeschlossen hatten. Sie erzählt selber, wie sie zu- erst erstaunt aufhorchte, wenn sie die Menschen in diesen Versamm- limgen so frei von der Leber weg sprechen hörte. Auch sie hat dann fast durch einen Zufall sprechen gelernt. Und es dauerte nicht lange, Nr. 7 D i e Gleichbeit 63 da stand sie mit den Frauen, die inzwischen auch in die Bewegung hineingewachsen waren, in Verbindung, sie gründeten selbst, sogar noch unter dem Sozialistengesetz, eigene Vereine, so den Verein der Schäftearbeiterinnen, und es ist sehr hübsch, sie von der ersten von den Frauen selbst einberufenen und geleiteten Versammlung sprechen zu hören, wie feierlich ihnen dabei zumute war, wie sie sich ihre besten Kleider angezogen und wie sie zu Hau» die ein» leitenden Worte sorgfältig eingeübt hatten. Ottilie Baader ist dann nach dem Fall de» Sozialistengesetze» sehr rasch in die Bewegung hineingekommen, sie hat die Frauen» und Mädchenbildungsvereine mit gegründet, sie vielfach geleitet, und hat selbst viele Versammlungen abgehalten. Auch in der Welt ist sie dann viel umhergetommen: sie war aus den internationalen Tagungen in Pari», London, Brüssel, Kopenhagen und hat al» Vertreterin der Frauen an den Parteitagen teilgenommen. Im Jahre 1897 wurde sie dann zur Vertrauensperson der so- zialdemokratischen Frauen Deutschlands gewählt. Diesen Ehren- posten hatte sie inne bis zum Jahre 1908, dos den Frauen endlich im Vereinsgesetz das Recht zur Zugehörigkeit zu politischen Ber- einen gab. Nun steht Ottilie Baader am Abend ihres Lebens, und wir Jüngeren sehen mit Staunen und Bewunderung, wie diese Frau mit jugendsrischem Eiser immer noch im Dienste der Partei arbeitet. Sie leitet ihre Abteilung, ist bei allen Parteiveranstal- tungen zu finden, nimmt an allen Dingen da» regste Interesse und beteiligt sich an jeder Parteiarbeit wie eine der Jüngsten. Ottilie Baader hat in späteren Jahren geheiratet und eine sehr glückliche Ehe geführt, doch mußte sie nach wenigen Jahren den treuen Kameraden hergeben. Aber auch diesen Schmerz hat ihr« stark« Persönlichkeit schließlich überwunden, und heute leuchten ihre Augen in Erinnerung de» Glücks, wenn sie von ihrem Wanne spricht. Vor einiger Zeit hat sie ihre Lebenserinnerungen niederge» schrieben, die demnächst im Lorwärts-Verlag erscheinen werden. Sie werden für uns Jünger« gewiß sehr viel Interessante» und Wissenswerte» enthalten. 3. H. Die Frauen und die Presse Aus die Macht und den Einfluß der Presse kann nicht oft genug hingewiesen werden. Je größer die Abonnentenzahl sozialdemokratischer Zeitungen ist, um so wirkungsvoller der wirtschaftliche und politische Kampf. Die Frauen insbefon» dere können viel zur Ausbreitung und Vertiefung sozialisti- scher Ideen tun. Aus lieber alter Gewohnheit duldet die Arbeiterfrau in der Großstadt den„Generalanzeiger" in ihrem Heim. Der„schöne" Roman und der lokale Teil entspricht so ganz ihrem Gefühls- und Auffassungsvermögen. Ein süßlicher Ton, vermischt mit phantafievollen dunklen Andeutungen, fesselt so manche Leserin. Zum Schaden ihrer selbst I Denn auch ihr sollte bekannt sein, daß die Wirklichkeit ganz anders aussieht. Das eigene Leben sowohl wie das der Umwelt liefert dafür Beweise genug. Doch die tägliche Lektüre der Klatschpresse übt ihre Wirkung aus, sie tötet den G e i st. So manche Frau empfindet die Täuschung gar nicht niehr, weil sie regelmäßig das Gift zu sich nimmt. In der Kleinstadt und in den ländlichen Ortschaften ist es noch schlimmer. Das K r e i s b l a t t ist für die Frauen recht oft das„goldene Buch". Sie hängen mit einer Zähigkeit an der Kreisblattpresse, weil man durch sie erfährt— wer sich verlobt und verheiratet und wer geboren hat. Die Welt ist in der Tat für viele, viele Frauen recht klein! Mauern und Grenzpfähle werden auf ungeeignetsten Plätzen errichtet. Die Abhängigkeit der Schriftleiter vom Verleger tut ein übriges, die„Wohltaten" der Reichen und der gebildeten Leute in den Vordergrund zu rücken. Ein altes und doch immer wieder hervorgeholtes Lied. Denn aufkommende Zweifel müssen erstickt werden. In der Zeit des F r a u e n w a h l» rechtes noch mehr als früher. Gilt es doch, die Frauen» stimmen insbesondere für die bürgerlichen Parteien zu erhalten. Sind wir diesem Verhältnis gegenüber machtlos? O nein! Frauenkräfte sind genügend vorhanden. um den eingeschläferten Geist so mancher G e sch l ech t s g e n o f s i n wieder wachzurufen. Die Wählerversammlungen haben den Boden für die Aus- klärungsarbeit gut vorbereitet. Müde Augen leuchteten auf, als die Frauen aus Frauenmunde hörten von den Kämpfen der Besitzlosen gegen die Besitzenden. Das war ein Stück eigenes Leben und Erleben. Sie begriffen, daß über die Familie hinaus es«in Gemeinschaftsinter» * Feuilleton* Vorfrühling Von Wilhelm Cennemann Arn Berghang Ithmiizt der letzte Schnee, Die Üälder lind voll Duit und Cränen, flach Ichwerer Cage herbem Weh Stehn nun lie da im(üfkn wähnen. €ln Schluchzen Ichauert durch den Wald, £in lüg£rinnern..... und verstohlen €in tiefes Rautchen, und das ballt wie ein befreites Atemholen. Die Winde fluten warm und weich, Und die geheimsten Dielen gären; Das Leben aller Gnaden reich Will lieh in Wundern neu gebären. Die Saat, die durch die Schollen bricht, Die flöckchen an zertprungnen Rinden; Blüht alles(eiig auf zum Licht, Und alles(oll lein Ostern finden! Auferstehung gtln wundervoller Gang war's heute, all dl« lieben Wege«nt- � lang! Es liegt«in so eigener Reiz in diesem verträumten, langsamen Schlendern. Ein blahblauer Märzenhimmel steht über der Erde und dort, ganz hinten vor dem Knicks, liegen violette Schleier, die unendlich seine Hände gesponnen haben. Seidig sind sie und hauchzart. Von den braunen Erdschollen steigt ein herber, frischer Dust empor, urwüchsig, lebenspendend! Und ei» Klingen liegt in der Lust— leise, seine Töne, die sich finden, sich vereinigen, zur Melodie werden, wieder auseinanderstieben, wie neckische Kobold« im lustigen Spiel. Am Wege stehen die Birken, herb und«war- tungsvoll. Ihre Aefte sehen au» wie ein duftige» Gespinst. Schnell und geschäftig schwirren Wildtauben in der Lust; sie bauen ihr« Nester in diesen Wochen. Und auf den Feldern, den Aeckem und Wiesen regen sich fleißige Hände, überall pulsiert dos Leben, das kräftespendend«, warme Leben. Ein frischer Frühlingswind fegt Über das Land mit brausenden Fanfaren. Ach, es ist ein wundersam Schreiten und Schauen und Genießen! Ist's dir nicht, als sei eine neue, frische Spannkrast in dir? Mir will scheinen, Deine Augen haben heute einen helleren Glanz als fönst? Und die Hand, die die meine sucht, wortlos und still— es geht eine leise Freude von ihr aus, ich fühl es wohl. Ich weiß, ich weiß, es ist dies Loslösen vom Alltag, das dich beglückt, du bist dir selber nah hier draußen und in dir geht ein leis Verwunder» um, daß du immer die lange Zeitspanne legst zwischen diese kleinen Wanderungen. Sieh, das tomint. weil du untertauchst in de» All- tags Lasten und Sorgen, die dich hetzen, die dir keine Ruh lasten und keine Zeit zum Besinnen und zur Beschaulichkeit. Sieh doch nur, hier draußen ist es nun schon Frühling geworden, ganz un> merklich— und wir wußten es noch gar nicht. Bei uns da in der Stadt zwischen den grauen Mauern da hockt in den Ecken und Win- kein immer noch der Winter und murrt und spöttelt— da kann man ja nicht fröhlich werden. Aber laß den Griesgram nur— wir wissen'» ja nun, daß es vorbei ist mit setner Macht—, wir haben den jungen Springinsfeld, den Frühling, heute selbst gespürt und empfunden, nicht wahr? Komm, wir wollen un» die silbergrauen Weidenkätzchen holen dort am Bach und ein paar Haselstauden dazu, und dann stellen wir un» die Frühlingsvorboten in unser Zimmer— du sollst sehen, die Sonne wird noch einmal so hell zu uns hineinschauen! E» ist doch so: wir haben immer zuviel Erdenschwere und die» und da», e» drückt und ist doch so Nein, so winzig, wenn man'» in Gegensatz setzt zu allem, was da» Leben bietet an Schönem. 64 9ie Gleich beit esse gibt. Die Schulfrage war für die Mütter von befonderer Bedeutung. In diesem Zusammenhang auf die Ar beiterpresse hingewiesen, die das Sprachrohr der kämpfenden Arbeiterklasse ist, verfehlte seine Wirkung auch auf die Frauen nicht. Jezt müssen die Genossinnen in Stadt und Land ein wetteres tun Im mündlichen und, wo es angeht, schriftlichen Verkehr an Verwandte und Freunde die Frage richten, ob auch die sozialdemokratische Zeitung gelesen wird. Aus einer Wählerin muß eine überzeugte sozial. demokratische Rämpferin werden. Der Geist ist es, der die Macht verkörpert, und daher muß die Macht der bürgerlichen Bresse gebrochen werden. Berben wir alle unermüdlich für die Arbeiterpresse! Denn damit streuen wir die Saat, die, einmal zur Reife gediehen, uns eine reiche Ernte beschert. Johanna Reize Sozialistische Jugend Bon Klara Bils Es gibt eine Erscheinung in unserer Partei, der bisher viel zu wenig Aufmerksamkeit, zu wenig Intereffe zugewendet wurde: der Jungsozialismus. Junge Menschen beiderlei Geschlechts um die Wende des zweiten Jahrzehnts sind es, die in der Jungsozialistischen Vereinigung um die Enthüllung des Gesichts des Jungsozialismus kämpfen. Die Jungsozialistische Vereinigung ist nicht die Stufe zwischen Arbeiterjugend und Partei, der Uebergang zwischen beiden. Dieser unrichtigen Auffassung muß widersprochen werden. Der Jungsozialismus ist geistige Revolution, ist Ausdruc einer seelischen Umwälzung, ist Anfang des sozialistischen Menschen. Die jungsozialistische Bewegung fonnte nur aus dem Boden wachsen, den die Sozialdemokratie in jahrzehntelanger Arbeit geschaffen hat. Durch die Alten sind eine Reihe schwerster Hindernisse für die Auswirkung der jungsozialistischen Idee überwunden Die elementaren Staatsbürger- und Arbeit. Weißt Du noch, die Kinder heute, mit dem Flachshaar und den. leuchtenden Augen? Weißt Du noch, wie sie Ringelreihen spielten und Haschen, und wie die Zöpfchen flogen? Mir mar, als ob die Nr. 7 nehmerrechte sind erfämpft, die Lohn und Arbeitsbedin gungen wesentlich verbessert, die Beschränkung des Rechts der Teilnahme an Vereinen und Versammlungen für die Jugend weggeräumt. Nun bleibt uns, den Jimgen, Zeit und Energie übrig für geistige Höherentwicklung. Die Alten haben grundlegende Arbeit für das Gebäude geleistet, das die sozialistischen Menschen der Zukunft beherbergen soll, sie haben angefangen, uns das Haus zu bauen. Nun sind wir in ernstem Schaffen an uns selbst bestrebt, dieses Erbes wert zu werden, neue Menschen zu sein. Wir erkennen dankbar die Bedeutung dessen, was die Alten für uns geleistet haben, an. Und dennoch gibt es Unterschiede zwischen ihnen und uns. Als Jugend, als Menschen, als Sozialisten ist uns Sozialismus kein Wirtschaftsprogramm, feine ökonomische Frage allein; er ist uns in erster Linie geistig- seelische Angelegenheit. Nachdem die Alten für die Ueberwindung trasfesten äußeren Elends ihre besten Kräfte eingesetzt, verwenden wir die unseren auf die Er neuerung von innen heraus. Das Wesentliche im Jungsozialismus ist das Streben nach neuem Inhalt. Da durch unterscheiden wir uns von anderen, bei denen die Form und das Suchen nach neuen Formen im Vordergrunde stehen. Form ohne Inhalt ist uns leer und wertlos; Sehnen nach Bertiefung, Berinnerlichung erfüllt uns. Aber wir verlieren uns nicht in blasser Romantit, in blauen Nebeln. Wir wissen, daß es verhängnisvoll wäre, die Forderungen des realen Lebens gering zu achten oder zu übersehen. In uns ist die Erkenntnis, daß unsere Flügel wie die des Ikarus an der Sonne zerschmelzen und wir ab stürzen müßten, wollten wir uns nur immer in höheren geistigen Sphären bewegen. Wir haben gegen Heerhaufen erbitterter Feinde zu kämpfen, die uns den Boden wieder nehmen wollen, aus dem ganz allein unsere neue Kultur, die Lebenskultur, der sozialistischen Menschen wachsen kann. Wenn der Kapitalismus seine Machtstellung zurückeroberte, die Reaktion an Einfluß gewänne, dann würden bald hohe, schwarze Mauern den Garten unserer Hoffnung, unferes Wollens umgeben und ihm Sonne und jeden frischen Wind versperren. Wir wissen genau, welche Bedeutung die wirtTraum Von Gustav Radbruch. ehrwürdigen, fnorrigen Eichen am Dorfeingang leise lächelnd zu. Die Straße ist endlos. Es regnet. Licht und Farbe find für fahen und sich behutsam wiegten und mit den Köpfen nickten, ein bissel wehmütig, ein bissel erinnerungsfreudig. Sieh, was weiß dies lachende, jubelnde Jungvolt von unserer Schwere, die uns immer wieder hineinzieht in den grauen Alltag und die wir uns selber schaffen und die, wenn wir sie im hellen Sonnenschein betrachten wollen, mit einem Male gar nicht mehr da ist. Sieh doch nur, ist es nicht wie ein Flammen zwischen den bunflen, ernften Tannen dort? Langsam in erhabener Schön. in erhabener Schön helt, scheidet die Sonne, der fleine, lustige Bach liegt wie in Gold getaucht. Wie eine Berheißung ist die Symphonie der Farben am Horizont, eine Berheißung tommender Wunder. Komm, wir wollen nur noch die Freude einlassen bei uns unb wenn überall in den Gärten die gelben Narzissen den Frühling einläuten Du, dann wollen wir unsere leuchtenden Augen wiederhaben! Maria Harmuth. Brief 21 de, Mutter, es ist hier schön! Aber schöner iſt es, zu wandern und zu kämpfen. Ich habe diese Nacht im Ich habe diese Nacht im Traum ein Bild gesehen, das ich immer vor mir behalten will. In der Winterlandschaft vor dem Frühling, wann der fchmutzige Schnee noch nicht zerfloffen ist, sah ich einen Wan bernden, mit ganz großen Schritten. Der erste, der es wagt! In den Armen eine Geige, mit der er den Frühling herbeigeigt. Er weiß: noch ist es falt und hart, aber es treibt ihn hinaus. Und er sucht, troß Kälte, Nässe und Ungewißheit, fein Glüd. immer gestorben. Die fahle Welt verwest. Langsam rückt das Ende näher. Langsam.. rückt das.. Ende.. näher. Langfam.. rückt das.. Ende.. näher. Die entfeelten Worte vergewaltigen in unentfliehbarer finnloser Wiederholung meinen Geist; so tidt, wenn Du des Nachts aus schwerem Schlaf aufschrickst, mit fürchterlich eindringlicher Gleich gültigkeit Deine Taschenuhr, immer lauter, immer dröhnender, jeden Gedanken betäubend. Ich erleide ein Gefühl, das kraftloser ist als Grauen und grauenhafter als Verzagtheit, eine unwidersteh liche Behr und Willenlosigkeit, eine unaufhaltsame Entwirklichung meiner selbst und aller Dinge. Die wenigen Herren, die sich mit hochgestellten Kragen, die Hände in den Ueberziehertaschen ver. graben, an mir vorüberschleppen, müssen ein jeder in unrettbarer Einsamkeit gefangen, denselben troftlosen Mißmut der Auflösung empfinden. Plöblich geschieht etwas ganz Alltägliches und doch höchst Wunder. bares. Ich höre eine rufende Stimme, in steter Wiederholung brei Silben: einen Auftakt, einen lang ausgehaltenen hohen Ton, einen furzen, fintenden Nachtlang, erst mehr einer Klage gleich, dann, ohne sich doch verändert zu haben, einem Weckrufe ähn licher. Der Rufende ist ein junger, magerer und bartloser Bauer in einem blauen Leinenkittel, der auf einem von zwei Pferden langfam fortbewegten Wagen sigt, mit baumelnden Beinen, Peitsche und Bügel in lässiger Hand, den Rücken gegen einen Sad gelehnt, der prall gefüllt die Umrisse fnolliger Früchte verrät. Wie der fleine Bauer gemächlich und rufend durch die Straße fährt, öffnen sich wie die Augen eines Erblindeten bald rechts, bald links die Fenster und die Tore der stummen Häuser, Mädchen und Knaben, fünfzehne, sechzehnjährige, lugen neugierig heraus, stehen Nr. 7 D i e Gleichheit 65 schastlichen Verhältnisse für unser Leben, unser physisches, geisUges, seelisches Dasein, unsere Kultur, unsere Entwicklung haben. Darum lehnen wir Phantasten und Schwärmer ab, die Gefahr für uns sind. Wir lächeln des wirklichkeitsfremden Träumers, der die wechselseitigen Bedingtheiten zwischen So- zialismus, Kultur und Wirtschaft in Abrede stellt. Im ge- meinsamen Kampf mit den Alten vertreten wir in Partei und Gewerkschaft politische und wirtschaftliche Forderungen, kämpfen für die Umgestaltung der Wirtschaft. Daneben arbeiten wir innerlich an uns, um die Harmonie zwischen innen und außen zu schaffen. Disses geistige Ringen bestimmt unsere Form, sie wird Ausdruck des Kulturinhalt» werden. So arbeiten wir, wo es notwendig ist, mit den alten zu- sammen; darüber hinaus aber nehmen wir in Anspruch, unser Leben frei nach unserm Gewissen zu gestallen, einen neuen Lebensstil, eine neue Seelenkultur aus uns werden zu lassen, Iungsozialisten, Menschen zu sein. Erziehungslehre an der Volkshochschule Es ist durchaus nötig, daß wir Frauen unsere Bildungskraft steigern. Die Schule allein kann nicht Bildungswerte, Erziehung übermitteln, ohne daß es immer eine gewisse Halbheit bleibt. Denn ehe ein Kind in irgendeines Menschen Hände kommt, damit Bil- dung und Erziehung an ihm getan werde, sollte und inüßtc die Erziehung schon fertig sein mit dem größten, bedeutendsten Teil, der Grundlegung zum Charakter. Ist erst einmal schon das schulpflichtig« Alter da. und hat indessen eine Stümperhand Gemüt, Verstand und Sinn gemodelt, ist da« so wonnevoll un- bewußte Neuland der Seele falsch behandelt worden, so gibt e» gar schwierige Arbeit. Und da die Schule nicht Einzelerziehung ist und sein kann im engsten Sinn, so kann in ihr allein nicht Erziehungsarbeit geleistet werden. Unser aller Erziehung ist nicht so vollkommen, wie sie sein könnt« nach dem Stande der Erziehungswissenschaft. Nie und nirgends hat inan uns gelehrt, wie man als Mutter, als Eltern Erziehung ausüben muß. Von irgendeiner planmäßigen Einwirkung auf das Geistes- und Seelenleben des Kindes kann in sehr vielen Familien unsere« Volkes nicht die Rede sein. Wir Mütter, die wir nicht nur Schöpferinnen leiblichen Lebens, sondern auch Weckerinnen geistigen Lebens, Charakterbildnerinnsn sind und sein sollen,— wir sind die einzigen, denen man die Technik des Berufes vorenthielt, die man unwissend in einen Lebensberuf hmemgehcn ließ. Ist es nicht u n g e- h e u e r l i ch, daß grundlegende Erziehungsarbeit, und dadurch doch auch Kulturarbeit in Händen von Lehrlingen liegt, die, ohne irgendwelche Lehrmeisterinnen als die eigene erst zu er- werbende Erfahrung Neubildnerinnen sein müssen? Denn mir sind doch alle Lehrlinge, wenn wir Mutter werden. Man lehrte uns an keiner öffentlichen Stätte körperliche Pflege, geistige, seelische Behandlung unseres Kindes. Und doch wundert man sich über sittlichen und geistigen Tiefstand, erwartet sittliche Erneuerung und geistigen Aufschwung der Masiey! Wahrlich, das Herz tut einem weh, wenn man selbst zum„Volk" gehört und täglich davon liest, ohne daß allumfassende Wege nicht nur gezeigt, sondern auch gangbar gemacht werden für jeden einzelnen. Denn wer richtig darüber nachdenkt, für den muß es doch ganz klar und offen zu erkennen sein, daß aus der Gesamtheit nichis dergleichen zu erwarten ist, wenn nicht jeder Einzel- person und dadurch zusammenfassend der Gesamtheit die Er« fahrung und Theorie der Jahrhunderte nahegebracht wird, und zwar nicht nur durch den Buchstaben, sondern durch das lebendige Wort. Nun kam die Volkshochschule. Auf sie setzen wir Eltern, wir Mütter unsere Hoffnung: Sie muß, will sie unseren Anforderungen an eine Erwachscnen-Schule gerecht werden, Erziehungs- arbeit leisten, Erziehungsarbeit lehren! Wir wollen recht tun, was wir tun müssen, weil wir Mütter sind. So muß eine ausgiebige Erziehungslehre ein Hauptieil der Fächer der Volkshochschule sein. Wir müssen lernen, be- wüßt zu erziehen, dürfen nicht länger nach Anlage und Willkür Erziehung ausüben, die schweren Schäden solcher unbewußter, ge- dankenloser Elternlauheit zeigen sich ja seit langem erschreckend deutlich. Deshalb müssen wir überall und immer die Forderung nach Er- ziehungslehre an der Volkshochschule stellen. Wir müssen zeigen, daß wir wissen, was wir wollen, wollen müssen— uin unserer Kinder willen—, wenn wir es auch nicht wissenschaftlich zerglledern können. Aber den Kernpunkt, der die Ursache unserer Forderung zeigt, den müssen wir darlegen, und man wird sich seiner tief- ernsten Bedeutung nicht verschließen können! Johanna Martin. schüchtern an den Pfosten, tun ein paar zögernde Schritte, kommen errötend einander näher.... Nun sind es schon hunderte. Sie gehen alle dem Wagen mit dem singenden Bauern nach, sechs oder sieben in einer Reihe, Mädchen und Knaben ijand in Hand, im Tanzschritt die verschlungenen Hände taktmäßig auf und nieder bewegend. Ich aber bin sehr fröhlich... Ich marschiere in einem unabsehbaren Heere schwarzgekleideter Männer. Nagelbeschlagene Schuhe tönen im Takt, immer lauter, betäubend laut, wie fallende Eisenhämmer. Aus dem Takt ist unversehens eine übertönende Melodie geworden, ein anschwellender Chor voll Todesbereitschaft, Siegeszuversicht und Manncsgliick. Ich verstehe erschüttert den Text, obgleich er ganz sinnlos ist, etwa so: Wir, wir, wir alle! und in endloser Wiederholung: Wir, wir, wir alle! Dieser Singsang läßt mich in selige Tränen zerfließen, schwemmt alle festen Grenzen in mir wonnevoll fort in ein Meer von Glück. Ich lege in überwallender Liebe meine» Nebenmännern die Arme um den Nacken. Jetzt ziehen wir alle, die Arme um die Schultern verschränkt, Mauern aus Menschen gebildet, singend die Straße entlang, und ich suche mit einer zu wunderbar neuer Klangfülle erlösten Stimme alle anderen zu übertönen: Wir, wir, wir alle! Hinter uns aber gehen Frauen, Kinder an der Hand und auf den Armen Kinder, die sie aufjauchzend zuweilen emporheben, daß sie mit blanken Augen über den Zug hinschauen... Ganz vorn ist der Leichenwagen, den ein junger, inagerer und barlloser Bauer in einem blauen Leinenkittel kutschiert. Ich spüre den strengen Wohlgeruch nmnnigfacher Nadelgewächse. Sie kitzeln und stechen mich am Kinn, denn ich bin ganz von ihnen bedeckt. Ich fühle mich in einem offenen Sarg, auf Rädern dahingetraaen, zuweilen von einem Pflasterstein ruckweise emporgestoßen, dann wieder sanft fortbewegt. Ich blicke starr in einen dunkelblauen Himmel, der voll Gesang ist: Wir, wir, wir alle! Nicht daß die Tausende mir das Geleit gäben. Ich darf, tot in meinem Totenwagen, nur so mitziehen im Zuge der Lebendigen. Sie verargen es mir nicht, daß ich nichts als ein toter Mann bin. Ei» dulden mich sreundlich in ihrer Mitte, unter den Marsch- kolonnen der Männer, den Schwärmen lachender Mädchen, den Retgenscharen der Kinder und den langsam wandelnden Gruppen der Frauen, die gesegneten Leibes find. Sie schließen inich auch in ihr Lied mit ein: Wir, wir, wir alle! Der Verliebte achend schritten die junge Menschen die breite Treppe hinunter, welche sich vom Gebäude des Ausstellungsparkes in die Straß« ergoß. Ein junges Mädchen und zwei junge Männer. Das Mäd- chcn ging in der Mitte. Grad' verjuchtc sie sich einen Handschuh zuzuknöpfen, wobei ihr beide Begleiter mit vielen lustigen Gesten und Scherzworten behilflich sein wollten. Sie wehrte vergeblich ihrem Eiser, besonders dem des Begleiters an ihrer linken Seite. Der mußte wohl»sehr verliebt in sie sein. Er hieß Robert. Der andere inachte wohl jeden Scherz stets erneut belustigt mit— aber eben nur um des Spaßes und der eigenen Lustigkeit willen. So schritte» sie alle drei vergnügt in den warmen Novembertag hinein. 'Des Mädchens Lachen läutete ihnen wie eine silberne Glocke voran. Sie hatte ein rotes keckes Hütchen über die brennend rot- goldenen Haare gestützt und ein fester grauer Mantel wallte an ihren kräftigen Gliedern herab. Sie schritt frisch aus. Plaudernd und. lachend, ganz leuchtende Heiterkeit, gingen sie ihren Weg. Da faßte das Mädchen den Begleiter zur Rechten neckend um den Arm und blickte Robert kecklachend an. Der gab ihr einen Ktaps auf die Wange. Lachend quittierte sie, er- rötete aber doch. Roberts ftöhliche Erregung steigerte sich ins Tiefverliebte. Iln- merklich sah er das Mädchen von der Seite an— und seine Augen erstarrten. Dann wurde er stumm und blieb es auch den wetteren Weg. Sein Freund stutzte. Das Mädchen blieb sorglos und so wurde es Roberts Freund auch wieder. Bis sie sich von dein Mädchen trennten. Alz dieses ein Weilchen fort war, blickte sich 6S D i e Gleichheit Nr. 7 llnä..... leifc Wie der Frühling kommt bei Hacht Und auch den kleinlten, armiten Garten Jung Und froh und blühen macht..... Gehe Itill zu jedem einzelnen und läge: €iner allein kann es nicht! fluch nicht hundert! Wir mülfen alle mithelfen! Groß und klein! Jeder In feiner Weife! Und guter Wille ilt schon halber Sieg! caiar Fiaiwiien. Die Neuregelung der staatlichen Prüfungsvorschriften für das Kranken- Pflegepersonal in Preußen Da» preußische Ministerium für Volkswohlfahrt hatte für Montag, den L4. Januar 192t, Vertreter und Vertreterinnen der 55rankenpfleger-Organisationen, Ärankenpslege-Genossenschasten und der Aerzteschaft zu einer Besprechung eingeladen, die sich mit der Frage der Abänderung der staatlichen Prüfungsvorschristen für das Krankenpslegepersonal beschästigen sollte. Neben Vertretern der Arbeltgeber- und Arbeitnehmerorganisationen hatte auch der Magistrat der Stadt Berlin eine Kommission entsandt. Das frei- gewerkschaftlich organisierte Krankenpslegepersonal war durch die Leitung der Reichsseition„Gesundheitswesen'" des Verbandes der Gemeinde« und Staatsarbeiter vertreten. Als Vertreter des Mi- nisteriums waren Herr Dr. Gottstein und Herr Dr. Krahne er- schienen, und unsichtbar, aber doch für jeden fühlbar, war auch der Geist des allen reaktionären Preußen im Saale vertreten. Nach den Borschlögen des Vorsitzenden sollte die Versammlung folgende V Punkte zur Grundlage ihrer Besprechung machen: 1. Verbesserung der Ausbildung. 2. Die Herabsetzung der Altersgrenze siir die Zulassung zur Prüfung. 8. Den Ausbildungsplan. 4. Die Regelung der Prüfung. 6. Die staatliche Anerkennung ohne Ablegung einer Prüfung. 6. Die Entziehung des Prüfungszeugnisses. Gegen diese Tagesordnung wurde von dem Genossen Dittmer namens der Vertreter der Stadt Berlin Einspruch erhoben und folgende Vorschläge für die Grundlage der Behandlung der Aus- bildungsfrage gemacht: Robert um und meinte:„Vorhin— als ich sie ansah— ach— sie hotte Schmutz im Ohrläppchen— Pfui Deibel!" Sprach's, spuckte verächtlich über den Fahrdamm hin und zog den erstaunten Freund mit fort. � Alfred F r! tz s ch ,. Von der Religion Aus Leo Tolstoss Kinderweisheit. �Snabe:„Warum hat die Kinderfrau sich heute so geputzt und mir die neue Bluse angezogen?" Mutter:„Weil heute Feiertag ist und wir in die Kirche gehen" Knabe:«Was für ein Feiertag?" Mutter: Himmelfahrt." Knabe:„Was heißt das— Himmelfahrt?" Mutter:„Das heißt, daß unser Herr Jesus an diesem Tage in den Himmel gefahren ist." Knabe:„Was heißt das— in den Himmel gefahren?" Mutter:„Das heißt— er ist hinausgeflogen." Knabe:„Wie denn hinaufgeslogen— aus Flügeln?"„ Mutter:„Nicht auf Flügeln— einfach hinaufgeflogen, weil er doch Gott ist und Gott alles kann." Knabe:„Wohin ist er denn geflogen? Papa hat mir doch ge- sagt, daß der Himmel nur etwas Scheinbares ist, daß dort gar nichts ist, nur die Sterne, und hinter den Sternen wieder Sterne, und daß der Himmel kein Ende hat. Wohin ist er denn da ge- flogen?" Mutter(lächelnd):„Es gibt Dinge, die man nicht begreifen kann, die man glauben muß." Knabe:„Warum?" Mutter:„Weil ältere Leute es sagen." Knabe:„Du hast mir doch selbst gesagt— damals, weißt du, wie fch sagte, daß jemand sterben wird, well Salz verschüttet worden ist: da sagtest du mir, man müsse nicht alle Dummheiten glauben." Mutler:»Dummheiten soll man auch nicht glauben." 1. Obligatorische Ausbildung und Prüfungsbestimmungen. 2. Ausbildungszeit 2 Jahre mit 300 Stunden, Einrichtung von einjährigen Spezialkursen. 8, Einheitliche Ausbildungsstätten für männliches und weib, liches Personal. 4. Vereinsachen der Prüfungsbestimmungen. L. Einrichtung von obligatorischen Fortbildungskursen für das gesamte Krankenpslegepersonal. H. Für die Uebergangszeit sofort staatliche Anerkennung nach dreijähriger Tätigkeit in der Krankenpflege, falls von der Leitung einer staatlich anerkannten Pflegefchule die Vor« bildung als ausreichend erachtet wird. 7. Schaffung einer einheitlichen Berufsttacht. Gegenüber der Forderung der obligatorischen Ausbildung erklärten die Vertreter des Wohlfahrtsministcriums, daß sie dieser sehr sympathisch gegenüberstehen, sie für notwendig, aber nicht für durchführbar hallen und daß die Regelung nur auf reichsgesetz- lichem Wege geschehen könne. Trotzdem auf die Zwecklosigkeit der ganzen Verhandlungen hingewiesen wurde, wenn die obligatorische Ausbildung nicht anerkannt werden sollte, ergab eine Abstimmung über diese Frage, daß die Mehrheit der Versammlung dagegen war. Damit war von vornherein klargelegt, daß an eine grund- legende Aenderung der Vorbildung des Pflegepersonals nicht ge- dacht wird und daß es nur daraus ankommt, einige kleine Reformen an den bestehenden Bestimmungen vorzunehmen, um damit di« Erledigung der grundsätzlichen Frage wieder auf einige Jahre hinauszuschieben. Auch die Mehrzahl der anwesenden Sachver- ständigen sieht die jetzige Ausbildungszeit von einem Jahr nicht als ausreichend an. Bon verschiedenen Seiten wurde die Hauswirt- schaftliche Ausbildung der Pflegerinnen verlangt. Es wurde eine Einigung dahin erzielt, die Ausbildungszeit von einem Jahre auf zwei Jahre zu verlängern und den theoretischen Unterricht von 200 auf 300 Stunden auszudehnen. Interessant war dabei die Stellungnahme der einzelnen Vertreter und Vertreterinnen. Während z. B. SchwesterAgnesCarll.die Vertteterin der Berufsorgantsation der Krankenpflegerinnen, für die Verlängerung der Ausbildungszeit auf 3 Jahre eintrat, stimmte sie und mit ihr ein großer Teil der anwesenden Schwestern gegen die Er- Weiterung des theoretischen Unterrichts von 200 a u f 300 Stunden! Ein Regierungsvertreter aus Düsseldorf begründete feine Bedenken gegen die Verlängerung der Aus- dildnngszeit damit, daß die Krankenhäuser bereits heute unter einem Mangel an Pflegepersonal litten. Die Vertreter der Berliner Magistratskommission wiesen darauf hin, daß diesem Knabe:„Woran erkennt man denn, was Dummheiten sind und was nicht?" Mutter:„Woran?— Man soll an die wahre Religion glauben und nicht an Dummheiten." Knabe:„Und welches ist die wahre Religion?" Mutter:„Das ist unsere Religion.(Für sich): Es scheint, daß ich selbst Dummheiten rede.(Laut): Nun lauf und sage dem Papa, daß wir gleich gehen. Und laß dir die Schärpe umbinden." Knabe:„Und gibt es dann Schokolade nach der Messe?" Der Kinderwagen ines Mittags begann es. Es traf mich völlig ahnungslos. Draußen schien eine trügerische Sonne, Februarsonne, mit dem fanatischen Glanz des Frühlings In einer noch kalten, winterlichen Well. Meine Frau legte plötzlich die Gabel hin. Und sagtet „Wir brauchen einen Kinderwagen." Meine Frau ist sehr be- scheiden in ihren Ansprüchen für sich, was selten bei Frauen vor- kommen soll, aber sehr hartnäckig bei der Erlangung des Wenigen, was sie notwendig beansprucht. Ich tat, als hätte ich nichts gehört. Wie das schlechte Ehemänner so machen.„Das Kind muß in die Sonne," sagte meine Frau. Ohne Zweifel, das Kind muhte in die Sonne. Ich bin immer für die Sonne. Morgen» Sonne, mittags Sonne, abends Sonne. Der Weg meines Kindes aber in die Sonne ist noch nicht geebnet. Es gehört ein Kinder- wagen dazu. Seit jenem Mittag beschäftigt sich meine Frau nur noch mit dem Problem: Wie beschaffe ich mir einen Kinderwagen? Zuerst la» sie alle Zeitungen und suchte Angebote. Schrieb. Las. Schrieb. Es kostete kein Wagen unter 600 Mk. Dann mußte ich mit ihr sämtliche Altwarengeschäfte der Groß- Jtadl durchwandern. Wo uns unterwegs ein Kinderwagen be- �r. 7 D i e Gleicbbeit 67 Uebel dadurch abgeholfen werden könne, daß die Existenz der Auszubildenden gesichert wird, was aus dem Grunde sehr gut möglich sei, da diese vom Beginn ihrer Tätigkeit an nutzbringende Arbeit zu l e i st e n haben. Das Beispiel Groß-Berlin wurde hier zur Nach» ahmung empfohlen und darauf hingewiesen, dah in Groß- Berlin bereits jetzt an die in den Anstalten tätigen Pfleger und Pflegerinnen das Gehalt auch während der Aus» bildungszeit gezahlt wird und daß für die Lehr» schwestern Gehälter von 60— 120 Mk. pro Monat festgesetzt sind. Der Herabsetzung der Altersgrenze für die Zulassung zur Prüfung von 21 auf 20 Jahre wurde ohne Debatte zugestimmt. Die Frage, unter welchen Bedingungen einer staatlich geprüften Krankenpslegeperson die staatliche Anerkennung entzogen werden kann, brachte die Geister hart aneinander und lieh so ganz die Rück- ständigkeit der hier vertretenen Weltanschauung erkennen. Herr Dr. Krahne wies an Hand der Tatsache, daß eine Schwester ein Liebesverhältnis mit einem verheirateten Oberpfleger, der bereits mit seiner Frau in Scheidung lag, in derselben Anstalt unterhalten habe, die Notwendigkeit nach, besonderen Wert auf die sittlichen Eigenschaften der Pflegerinnen zu legen und in solchen Fällen das Zeugnis zu entziehen. Herr Geheimrat Pütter von der Charite-Berlin trat dieser Ansicht bei und bekräftigte das damit, daß seit dem Bekanntwerden der Verpflichtung zur Zahlung der Kinderzulagen zu den Gehältern auch für uneheliche Kinder die Direktion der Charite für 50— 60 uneheliche Kinder, von deren Bor» handensein fie bis dahin keine Ahnung hatte, diese Zulagen zahlen muß. In der Erkenntnis, daß alle in Frage kommenden Pflege- rinnen nicht entlassen werde» können, hat nun die Charitedirektton den Ausweg gefunden, diejenigen Pflegerinnen zur weiteren Aus- Übung ihres Berufes als unwürdig nicht anzusehen, deren Kind nur kinen Vater Hot, während in den Fällen, wo eventuell mehrere Väter in Frage kommen, die Würdigkeit aberkannt wird. Gegen diese Art der Sittlichteitsschnllffelei wandte sich die Genossin Friedrich vom Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter und betonte, daß schon allein die Tatsache, daß diese 50— 60 Pflegerinnen solange ihren Beruf einwandfrei ausgeübt haben, ein Beweis dafür sei, daß die uneheliche Mutterschaft nichts mit der Eignung zur Krankenpflege zu tun habe. Es müsse auch sonderbar berühren, daß ausgerechnet die Mutterschaft die Pflege- rinnen zur Ausübung ihres Berufes unwürdig erscheinen lassen sollte. Sie fragte, ob man auch die Pfleger und Aerzte vom Beruf ausschließen wolle, die Väter unehelicher Kinder sind, denn man könne doch an dieser Stelle unmöglich eine doppelt« Moral ver» gegnete, stieß sie einen Ruf der Bewunderung und der Sehnsucht aus. Es war ein Martergang und leider ein zweckloser. Dann mußte ich mit ihr sämtliche Kinderwagen in sämtlichen Warenhäusern besichtigen. Als ob dort etwas Billigeres zu er- hoffen gewesen wäre! Aber so sind die Frauen. Logik?! Sie sprach nur noch von Kinderwagen. Beim Aufstehen, beim Essen, beim Schlafengehen, lm Traum. Sportwagen mit Vor- hängen, ohne Vorhänge, seidenen Wagendecken, leinenen Wagen- decken, Gummirädern, Eisenrädern. Ich sagte: Warte noch. Warte, bis mein Drama aufgeführt wird. 5)!er drohte ihr ein Ohnmachtsanfall. Sie knirschte mit den Zähnen(allerliebsten Zähnen):„Ich muß, muß muuuß einen Kinderwagen haben T Ich träume nur noch von Kinderwagen. Sie fahren vor mir aus in endloser Reih«. In jedem liegt ein schreiender Erdenbürger. Es sind alle Größen, olle Sorten da. Und keiner kostet unter 600 Mark. Ich fürchte mich schon, ins Bett zu gehen. Tie Nacht ist unerträglich. Ich sehe mich selbst in einem Kinderwagen, meine Frau im Kinderwagen, meinen Hund im Kinderwagen. Meine Frau wird trank, ich werde krank. Sie hat abenteuerliche Pläne. „Wir müssen einen Monat hungern." Wogegen ich energisch protestiere.„Ob ich den Schrank verkaufe? Oder das Sofa?" fragt sie. Ich denke daran,»nein« Bibliothek zu veräußern. Wir sind uns noch nicht einig darüber. Aber sie bringt höchstens drei- hundert Mark. Es ist kein einziger Roman von der Courths- Mahler darunter. Jedenfalls kann ich keinen Kinderwagen mehr sehen, ohne die Flucht zu ergreisen. Wahrscheinlich werden wir doch den Schrank ver kaufen. Weil sowieso nichts darin hängt. Das Sofa brauchen wir. Ich Hab« mich noch nie so intensiv mit einem Gedanken be- schästigt. Mein achrwöchiges Töchterletn zeigt an all dem gar kein Interesse. Wenn es schreit(und es schreit viel!), sagt meine Frau:„3m Kinderwagen würde es nicht schreien. Man kann es in den Schlaf fahren. Natürlich. In den Schlaf. In die Sonne. In den Schlaf.. treten. Eine Antwort aus diese Frage wurde leider von den Ver- tretern dieser Art von Sittlichkeit nicht erteilt. Die Beratungen waren damit zu Ihrem Ende gelangt. Das Ergebnis der Verhandlungen muß als recht mager de- zeichnet werden. Man hatte einen großen Apparat aufgeboten und war doch ängstlich bemüht, einer grundsätzlichen Aenderung der ganzen Frage aus dem Wege zu gehen. Man ist für die 5)ebung des Berufes, erkennt die Schäden der mangelhaften Ausbildung an, verlangt die höchsten sittlichen, ethischen, moralischen, beruflichen und sonstigen Qualitäten von allen denjenigen, die sich im Pflegeberuf ausbilden wollen, und lehnt dann die obligatorische Ausbildung ab. Für uns dürste damit erwiesen sein, daß von diesem Ministerium und diesen Sachverständigen nichts für die Durchsetzung der not- wendigen Reformen zu erwarten ist. Unsere Genossinnen im Lande, die sich als Reichstags-, Land- tags-� Kreistagsabgeordnete oder Stadwerordnete mit der öffent- lichcn Gesundheitspflege zu befassen haben, sollten deshalb überall im Interesse der Kranken für die Einführung der obligatorische» Ausbildung des Personals eintreten. Diese Ausbildung mag so ge- regelt werden, daß es den Angehörigen aller Volkskreise möglich ist, sich daran zu beteiligen. Die Ausübung der Krankenpflege darf nicht wie bisher ein Privileg der„Töchter höherer Stände" fein. Der freie Krankenpflegeberuf hat dank des tatkräftigen Eingreifens der„Reichssektion Gesundheitswesen" des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter eine so durchgreifende Aenderung in bezug auf die Arbeitszeit, Bezahlung und die Wahrung der persönlichen Frei- heit erfahren, daß er den Vergleich mit anderen Berufen sehr wohl auszuhalten vermag. Maria Friedrich. Inzwischen hat am 12. Februar 1921 erneut eine Sitzung statt- gefunden, in der folgender Beschluß gefaßt wurde: „Der Ausschuh hält einstimmig die baldige Einbringung eines Reichsgesetzes für nötig, durch das eine obligatorische Aus- bildung und staatliche Prüfung aller derjenigen Personen fest- gelegt wird, die hauptberuflich in der Krankenpflege tätig sind." Dr. Krahne gab die Erklärung ab, „daß die Medizinaloerwaltung vorbehaltlich der Zustimmung des Herrn Ministers, mit größter Beschleunigung der Reichsregie- rung den Antrag vorlegen würde, ein solches Gesetz, betreffend die obligatorische Ausbildung des Krankenpflegepersonals, aus- zuarbeiten und baldmöglichst zur Annahme zu bringen". Dle Redaktion. Ich bin verzweifelt Ich taxiere immer wieder sämtliche Gegen- stände meiner Wohnung. Um zu finden, daß keiner einen Wert von 600 Mark hat. Meine Frau will jetzt eine Anzeige aufgeben: „Eine komplette Zweizimmerwohnungseinrichtung gegen einen wenig gebrauchten Kinderwagen mit Vorhängen und Gummirädern zu tauschen." Aber ich habe wenig Hoffnung. Wer einen Kinderwagen hat, behält ihn. Weil man nie wissen kann... Und wer keinen hat, dem geht's wie uns... Arme Leidensgefährten!... Hans Gathmann. Ulsnenlieä. Von Paula DelrnieL ITlaria herzt ihr Kindlein Und küßt(ein rotes Mündlein! Sie weiß es nicht, Daß einlt zu Golgatha lein Kreuz wird aufgericht*. Der Wind mit Blumendüften Cut des Kindes Bärlein lüften; Hiebt weiß der Wind, Daß einlt zu Golgatha unkhuldig Blut verrinnt Sein Lämmlein kommt gesprungen, Spielt um den holden Zungen, Sieht nicht von fern, Daß man zu Golgatha einlt höhnt den teuren Berrnl Ihr sorgend Hlutterherzcn Müßt es fein Iii» verschmerzen, Ihr wißt es nicht, Wann einlt dem teuren Kindlein fein Kreuz wird aufgericht*! 68 Die Gleich eit Liebe junge Freundin und Genossin! Ihr lebhafter Wunsch, einige Ansichten über Kleidung und Kultur von mir zu hören, läßt mich diesen Brief schreiben. Bufällig las ich, wie immer um die Osterzeit, in diesen Tagen Den Faust". Sie kennen ihn gewiß. Vielleicht geht es Ihnen auch so, daß Sie beim Lesen des herrlichen Spaziergangs( Fauft, I. Teil, G. 905-940) jo reines Glück und tiefe Freude empfinden, wie ich erneut in jedem Jahr, wenn alles um uns sich dehnt und man bei jedem Atemzug draußen empfindet: Es wird Frühling! Wie sehnsüchtig erwarten wir doch alle die Sonne! Wie freuen wir uns, wenn ihre Strahlen endlich die wärmende Kraft besitzen, daß wir die Winterhüllen ablegen können. Unwillkürlich bringen wir an unferer Kleidung etwas Helles und Freundliches an. Und wir tun recht daran, wenn wir unserm Glücksgefühl und unserer Freude durch frohere Farben, durch einen neuen Bestandteil unserer Kleidung äußerlich Ausdruck geben. Damit drüden wir nicht aus, daß wir äußerlich sind und unsere Gedanken auf den Schein richten. Denn das, liebe Freunbin, wäre ein sehr oberflächliches Tun, und Oberflächlichkeit wollen wir uns doch nicht vorwerfen lassen; genau so aber wollen wir uns auch nicht nachfagen laffen, daß wir Sklavinnen der Mode feien, b. h. daß wir all das in unferer gesamten Kleidung übernehmen, was gerade modern", was nur schick" und fesch" ist, und wie die Fachausdrücke der Dame" alle heißen. Und da lassen Sie mich noch einmal den" Faust" anführen, Die Stelle, wo Goethe. den Mephisto sagen läßt: " Du bist am Ende r 7 diese Kleidjorm in den verschiedensten Farben und Stoffen mit kleinen Abarten ausgeführt, fann jahrelang für uns das Baffende, kann unser Stil" sein. Sie lächeln, liebe Freun din. Ich trage seit Jahren die Kleidform, die in ihrer Urform, der sogenannten Leibchentracht, der ältesten deutschen Tracht, entspricht. Entweder ziert eine schmale Stickerei oder ein Batist- oder Spizenfragen den Halsausschnitt. Als kleine Abwechslung liebe ich die Schoßbluje im Kimonoschnitt. Sie brauchen das nicht absolut schön zu finden; aber Sie müssen mir zugeben, daß ich nicht auf der großen Heerstraße zu finden bin, unter den Dutzenden, die den gerad üblichen Blusen oder Rockschnitt zeigen, meil jetzt alles solche Form trägt". Nein, liebe Freundin, seien wir auch in unserer Kleidung die nach Weiterentwicklung Strebenden und die nach Selb. An Zwei Kleider für junge Mädchen in einfacher, schöner Form für Frühlingsund Sommertage was du bist, Seh dir Perücken auf von Millionen Loden, - Set deinen Fuß auf ellenhohe Soden, du bleibst doch immer, was du bift." Wenn wir uns modisch fleiden, dann handeln wir unbewußt nach dem Vorbild der Modedame, deren höchstes Tun tarin besteht, ein Weibchen zu sein, das die Blicke der Männer auf fich zieht, um zu gefallen. Wir find arbeitende Frauen, ganz gleich, ob unsere Dienststelle der Haushalt, das Bureau oder die Fabrik ist. Wir sind uns unferes Wertes im Wirtschaftsleben und als selbständige Persönlichkeit bewußt. Und dann ziehen wir uns wie die Modedame, die Drohne im Menschenstaat, an, oder doch fo ähnlich? Warum sollen wir nicht eine echte, wahre Kultur erringen fönnen in unserer Kleidung, wir schaffenden Frauen und Mäd. chen? Wir brauchen nicht durch einen gefuchten Ausdruck in der Kleidung, durch übertriebene Einfachheit und dergleichen auffallen:„ Du bleibst am Ende was du bist." Wir Jollen uns eine Kleid form aussuchen, die zu uns paßt. Und ständigkeit Ringenden. Schmücken wir uns, das ist ein selbstverständ liches Tun, aber schmücken wir uns, um selbst die reinste Freude zu haben. Seien wir am Ende, was wir sind: Arbeitende, aber freie Menschen, feine Stlaven, die sich unter die Tyrannel der Mode beugen, die heute dies und morgen jenes vor schreibt, die den Körper der Frau bald in ein Korsett, das die Hüften wegschnürt, bald in jenes steckt, das den! c> fannten„ Eppigen Bus sen" zeigt; die heute Spike Schuhe und mor gen folche mit fünfzehn Zentimetern hohen AbJägen vorsieht. Ueber dieses Problem ließe sich noch sehr, sehr vieles fagen. Aber Sie wiffen ja, liebe junge Freundin und Genossin, daß wir eine flei. ne Zeitschrift als Beilage („ Die Frau und ihr Haus") zu unserer Gleichheit" haben, in der alle Fragen der Kleidung und Lebensfultur besprochen " werden. Lesen Sie diese Zeitschrift genau so aufmerksam, wie Sie die Gleichheit" lesen, und Jammeln Sie die Num mern alle, denn insgesamt erst gibt die Zeitschrift ein Bild, wie„ modern" sie mit ihren nicht veraltenden Abhandlungen und Bildern ist. Sie und alle Gleichgesinnten grüßend, Ihre Genoffin Elisabeth Röhl. Licht muß wieder werden Nach diefen dunklen Tagen. Laßt uns nicht fragen, Ob wir es fehen. Es wird gefchehen: Auferftehen wird ein neues Licht. War in unfern Besten nicht Ein wanderndes Sehnen, unerfüllt, Пach Licht, das da quillt, Von ihnen noch ungelehen? Es wird gelchehen. Laßt uns nicht zagen. Licht muß wieder werden Flach dielen dunklen Tagen. Bermann Claudius, Nr. 7 Die Wiener Konferenz Die Gleich bett In der letzten Februarwoche fanden sich in Wien bie Bertreter aller jener fozialistischen Parteien, die aus der zwelten Inter nationale ausgetreten sind und sich zum Eintritt in die dritte Inter nationale nicht entschließen tönnen, zu einer mehrtägigen Be sprechung zusammen. Es waren 73 Delegierte anwesend aus Deutschösterreich, der Tschechoslowakei, Frankreich, England, Rußland, der Schweiz; aus Deutschland nahmen 10 Unabhängige an der Konferenz teil. Die Besprechung war eine Fortseßung derjenigen, ble bereits im Dezember v. 3. in Bern stattgefunden hatte. Im Bordergrund der Debatten stand die Frage über Methode und Dr. ganisation des Klaffenkampfes. Man glaubt den Zustand der Diktatur dem Proletariat nicht ersparen zu fönnen, während man wiederum auch die Demokratie nicht ganz verwerfen will. Bet einer derartigen Untlarheit und Unentschiedenheit der Haltung ist es dann natürlich nicht verwunderlich, daß die Konferenz ohne irgendein nennenswertes Resultat verlief. Bum Ueberfluß wurde noch die Frage der Kriegspolitit von 1914 wieder aufgerollt und erklärt, daß dies der einzige Grund des Gegensatzes zur zweiten Internationale sei. Man weiß, daß die Einigung des gesamten Proletariats angesichts der Moskauer Theorie und Praxis heute noch nicht möglich sei, möchte aber Mittel und Wege dazu suchen. Als Ergebnis der Verhandlungen wurde beschloffen, daß die Bereinigung den Namen Internationale Arbeitsgemeinschaft foglaliſti scher Parteien" führen solle. In bas Egefutivfomitee wurden für Deutschland Criſpien und Ledebour gewählt. So sehr wir jede Zusammenkunft und Aussprache mit auslän bischen Sozialisten begrüßen, um so mehr bebauern wir es, wenn man sich dabei auf Betrachtungen und Besprechungen beschränkt, bie immer fruchtlos bleiben müffen, weil Sinn und Logit in den Anschauungen fehlen. Man muß wissen, was man will unb mohin man gehört. Und darum wird auch die Internationale CER. 2½" nur eine vorübergehende Erscheinung sein. Ofterwunich. Meiner Seele weiße Taube, Stille Sehnsucht, fliege aus, Frühlingshoffen, Ofterglaube Trägt dich leichtbefchwingt hinaus! Brich durch all die Wolkendecken Jubelnd in des Hethers Blau! Unter dir der graue Schrecken; Ueber dir der Sternenbau! Steige, fteige lerchenfröblich Zu der Sonne Strahlenthron, Bring' ihr grüßend, lichtesfeelig, Diefen Wunich vom Erdenfohn: Gieß' mit neuem Feuerglanze Licht und Wärme ftrömend hin Ueber Menfchen, Cier und Pflanze, Weltenauferweckerin! Schmilz zu Tau das Пebelgrauen, Eis und Schnee zerstrahl' dein Schelng Laß uns deinen Himmel blauen Wieder frühlingstief und rein! Rufe, wecke, heb' lebendig, Was in Winternacht erftarrt Daß mein Volk millionenhändig Reckend deines Aufgangs harrt! Aus der Möte Schauernächten Hoffend, glaubend lichtwärts fieht, Wo der Lenz mit Morgenprächten Durch das Schickfalsdunkel glüht; Daß die Wetterwucht des Leides, Daß der Schmerz um Wird und War, Daß wie Winternebel beides Tauend finke wunderbar. Daß in jedes Herz ein Funke Deiner Feuerfeele geh, Jeder, ftark vom Lichtestrunke, Catenfroh gen Morgen feh! Deß von Flammen neuer Liebe, Neuer Menichenadligkeit, Jede Bruft im Tatentriebe Lenzjung leuchte wahnbefreit! Beinrich Grube. Aus der Frauenbewegung des Auslandes 69 Die Frauen in den englischen Gewerkschaften. Die englischen Gewerkschaften verzeichnen in den letzten Jahren, d. h. in den Jahren 1918, 1919 und 1920, einen ganz gewaltigen Zuwachs. Während die Zahl am Ende 1918 6 645 000 betrug, stieg ste bis Ende 1919 auf 8 024 000, alfo um 21 v. 5., und am Ende 1919 war die Gesamtzahl fast zweimal so groß wie vor dem Kriege. Das Verhältnis der weiblichen Mitglieder zu den Gewerkschaften gestaltete sich ganz eigenartig. In den Jahren 1917 und 1918 stieg die Zahl der weiblichen Mitglieder allerdings um nicht weniger als 40 v. H., aber diese Zahl wurde im Jahre 1919 nicht eine gehalten. Im Transportwesen ging die Zahl der weiblichen Mit glieder infolge der Demobilisation der Eisenbahner und anderer Transportarbelter fast um 80 p. 5. zurüd, und auch in der Gruppe der ungelernten Arbeiter( General Labour) ist ein Rückgang von 10 v. H. zu verzeichnen, zum Teil bedingt durch Uebertragung ber Arbeit der Frauen in den Munitionswerkstätten auf andere Ber schäftigungen. Dagegen ist unter den Angestellten im öffentlichen Dienst die Gesamtzahl der Frauen nicht zurückgegangen, troß ber Verminderung der weiblichen Angestellten bel der Post und in anderen Zweigen des Zivildienstes. * Mätterversicherung in Frankreich. Nach einer Havas- Meldung beabsichtigt der französische Arbeitsminister neben der obligatorischen Versicherung gegen Krankheit, Invalidität und Alter auch eine Berficherung für Mütter ber arbeitenden Bevölkerung aus arbeiten zu lassen. * Japan. Das Parlament hat den von den Oppositionsparteien eingebrachten Antrag auf Einführung des Frauenstimmrechts mit 249 gegen 137- Stimmen abgelehnt. Dänemart. Die dänische Regierung hat einen Gefeßentwurf eingebracht, ber vorsieht, daß alle staatlichen und tommunalen Aemter Frauen und Männern unter den gleichen Bedingungen zur gänglich sein sollen. Eine Einschränkung wird lebiglich für ble militärischen und geistlichen Aemter gemacht. ★ England. Im April wird in Manchester ein Reichsfrauen tongreß ber Labour Party zusammentreten. Es werben über 600 Delegterte erwartet. * Indien. Eine Konferenz indischer Frauen in Madras stellte u. a. folgende Forderungen für Indien auf: allgemeine Schulpflicht für die Kinder beiderlei Geschlechts, gefeßliche und praktische Maße nahmen zum Schuße der Kinder, aktives und passives Frauenwahla recht. Eine Inderin, Frau Sirnavasa Iyenger, führte den Vorsi. * Norwegen. Schuh von Mutter und Kind. Seit 1892, wo man in Norwegen anfing, sich mit den Aufgaben der Frau im Verhälba nis zu ber modernen Gesellschaftsentwicklung zu beschäftigen, bla zur Gegenwart ist ein gewaltiger Fortschritt zu verzeichnen. Bea stimmungen und praktische Einrichtungen bringen den Schuh fibe Mutter und Kind zum Ausdrud, so in den Fabritgefeßen, bem Gesetz über Kinderfürsorge, in Mütterheimen, Mitchstationen u. Der größte Fortschritt war das Gefeß über uneheliche Kinder, ba biese in juristischer Beziehung den ehelichen völlig gleichstell Witwen, geschiedenen Frauen, unverheirateten, verlassene Müttern wird eine Mütterpension gewährt, die ihnen eine forg fältige Erziehung ihrer Kinder ermöglichen foll. Durchgreifenbe Reformen im Gebiet der Rinberfürsorge und der Hebammenaus bildung sind in Borbereitung, so baß im allgemeinen ber Schu von Mutter und Kind in Norwegen weiter geblehen ist als bei uns. ( N. H. K.J Aus unserer Bewegung " The follt nicht vergeffent" Diese vier Worte waren das Thema zu 100 Bersammlungen bie an einem Tage im Kreise Teltow Beestom zu den Breußene wahlen stattfanden. Ganz selbstverständlich war es Aufgabe ber Referenten, an Hand der Tatsachen den Zuhörern den Sinn bee Worte vor Augen zu führen. Wie paffenb gerade dieses Thema war, bewies uns besonders das Auftreten deutschnationaler Diskussionsrebner. Diese nämlich wandten sich in erster Linie ba gegen, daß man immer noch an die früheren Zustände erinnerte bas follte boch endlich einmal aufhören: Man sollte überhaupt ben Streit ber Bartelen aufgeben, als guter Deutscher für sein armes 70 Die Gleich beit Baterland wirfen, und vor allen Dingen follten Deutschlands Frauen fich in diesem Streben zufammenfinden. Wir wissen sehr gut, warum es gerade den Deutschnationalen un angenehm ist, über dieses Thema Ausführungen zu hören. Sie er sählen ihren Wählern und hauptsächlich den Frauen, daß die Recolution und die rote Regierung an dem ganzen Unglüd, das wir jezt zu tragen haben, schuld set. Sie tämpfen mit den schofelsten Mitteln, fcheuen bie schlimmsten Lügen nicht, um unsere Bertreter, die in schwerster Zeit die Verantwortung mit übernommen haben, herunterzureißen. Das alles aber nur darum, um dem Bolle Sand In die Augen zu freuen, damit es vergißt, wer die wirklich Schuldigen find. Leider läßt sich ein großer Teil Frauen noch badurch beeinflussen und unterstützt Parteien, bie niemals baran gedacht hätten, den Frauen das Wahlrecht zu gewähren. Die vor bem Kriege predigten, die Politik tauge nicht für die Frauen; sie follten als züchtige Hausfrauen am häuslichen Herd schaffen, bie uns mit Zuchthäuslern und Idioten auf eine Stufe stellten. Als dann der Krieg erst einige Monate dauerte, da holte man alle die züchtigen Hausfrauen zur Fabrikarbeit heran. Obwohl der Mann im Felde stand, mußte die Frau oft täglich 12 bis 14 Stun ben beruflich tätig sein, immer von dem Gedanken gepeinigt, daß av Haus die unmündigen Rinder ohne Pflege und Aufsicht sind. Ran magte es fogar, Frauen, die sich weigerten, außer dem Hause zu arbeiten, die Kriegsunterstützung vorzuenthalten. Als dann im Herbst 1918, anläßlich der preußischen Wahlrechtsbewegung, auch die Frauen das Wahlrecht forderten, hielt gerade die konservative, Jetzt deutschnationale Partei, die Frau für zu zart besaitet, um in bie politische Dredlinie gezogen werden zu fönnen. Und das im Bahre 1918, als schon all das Leid und die Entbehrungen eines sterjährigen Krieges auf unseren Schultern lafteten. Als dann im November 1918 nach dem Zusammenbruch Bertreter der fozialistischen Arbeiterschaft, das traurige Erbe anfraten, mar es eine felbstverständliche Pflicht, zuerst dem Volke Männern und Frauen vom 20. Lebensjahre an das gleiche Wahlrecht zu geben. Bei den nun folgenden Wahlkämpfen erlebten wir, daß alle bürgerlichen Barteien, troß der früheren Gegnerschaft zum Frauenwahl recht, ein wahres Wettlaufen um die Stimmen der Wählerinnen veranstalteten. Mit einer bewunderungswürdigen Unverfrorenheit erzählten sie, wie sie von jeher bemüht waren, den Frauen ihr Recht zu geben und wie einzig und allein die Rechtsparteien im wahren Boltsinteresse wirken. Und ein großer Teil der Wählerinnen hat wirklich alles vor und in dem Kriege Erlebte vergessen und leistet ben Parteien Gefolgschaft, die niemals im Ernst daran denken, die Frauen und Mädchen des Proletariats als gleichberechtigte Staatsbürger gelten zu laffen. Die Stimmen der Frauen sollen ihnen bie Mehrheit bringen, auf daß fie wieder allein herrschen fönnen. Und fehr bald würden die Frauen merken, daß diese Herrschaft in der Hauptsache benutzt werden würde, uns das Wahlrecht wieder zu nehmen. Das darf aber nicht geschehen; wir müssen vielmehr unsere ganze Kraft einsetzen, daß wir Vertreter in die Parlamente schicken, die nicht mur bestrebt sind, das Errungene zu halten, sondern die auch bei den fünftigen Aufgaben thr Augenmerk darauf richten, daß alle Gefeße aufgebaut werden auf dem Boden des gleichen Rechtes aller Staatsbürger. Und zwischen den Wahlen ist es notwendig, sich um die Politik au bekümmern, in den Organisationen zu arbeiten und unsere Presse zu lesen und zu verbreiten. Die Frauen müssen reif werden, zur Busübung ihres Staatsbürgerinnenrechts, für die Betätigung ihrer politischen Freiheit. Elfriede Ryned. Soziale Rundschau Erwerbslosenfürjorge des Reichs. Der Hauptausschuß des Reichstages bewilligte am 4. Februar 1 Milliarde Mart für unterüzende und produktive Erwerbslosenfürsorge. Ueber die Ver. wendung der Mittel berichtete Ministerialrat Dr. Weigert( Reichsarbeitsministerium): In dem Aufwand von 1 Milliarde an Reichsmitteln für die Erwerbslosenfürsorge steden 600 Millionen für die unterstützende und 400 Millionen für die produktive Erwerbslofenfürsorge. Für Wohnungsumbauten und reparaturen find zunächst in Groß- Berlin 9 Millionen Mark aus der produktiven Erwerbslofenfürsorge bereitgestellt worden. Das gleiche soll auch für andere Bezirke mit großer Erwerbslosigkeit geschehen. In Groß- Berlin find biefe Mittel bisher nicht so start in Anspruch genommen, wie wir es gewünscht hätten. Das liegt zum Teil baran, daß Mieter und Vermieter für den Rest der Kosten herangezogen werden müffen und fich vielfach nur schwer dazu bereitfinden. Daneben gelgen aber auch die Arbeitgeber eine Zurückhaltung gegenüber blefen Mitteln, deren Gründe wir noch bemüht sind aufzuklären. Bücherschau Mr. 7 Die rationelle Haushaltführung. Betriebswissenschaftliche Stu dien von Chriftine Frederick, überseẞt von Irene Witte.( Berlag Julius Springer, Berlin 1921.) Von der Uebertragung des Taylor- Systems auf die Hauswirt. schaft handelt die vorliegende Schrift. Das Taylor- System ist betanntlich jene Form der Betriebsführung, bei der durch eine bis ins fleinste ausgearbeitete Gestaltung und Bereinfachung des ge. famten Arbeitsprozesses Zeit und Kraft gespart und die Leistungsfähigkeit auf ein Höchstmaß gesteigert wird. Fruchtbar für jeden Betrieb kann es seine von störenden Nebenerscheinungen befreite Wirkungsmöglichkeit am reinsten da entfalten, wo es in der Hauswirtschaft sich um einen durchaus individuali. fierten Allein- oder mit wenig Hilfskräften arbeitenden Betrieb handelt. Die Verfafferin zeigt, wie durch zweckmäßige Einteilung bes Arbeitsstoffes, ebenfolche Anordnung und Bereitstellung des Arbeitsgerätes und endlich durch eine Reihe fleiner Behelfe und Hilfsmittel die hauswirtschaftliche und die Küchenarbeit erleichtert, pereinfacht und der Zwed behaglicher Lebensführung in einem wohlgeordneten und sauberen Hauswesen weit beffer und billiger erreicht werden kann, als dies heute zumeist der Fall ist. Sehr zu begrüßen ist die Forderung genauer und übersichtlicher Buchführung. Die hier auch in bezug auf Wäsche, Bücherbestände, Adressen, Rezepte usw. gegebenen Winke und Vorschläge seien allfeitiger Beachtung empfohlen. Eine ganz besondere Aufmerksam. teit verdient das Rapitel Hausfrau und Hausangestellte". Bon besonderem Bert ist auch jenes Kapitel, das in eindringlicher Weife die Wichtigkeit der hausfraulichen Vorbildung und Wert, Würde und kulturelle Bedeutung hausfraulicher Arbeit fennzeichnet. Außerordentlich beachtlich sind die Winke, die der Frau als Ronsumentin gegeben werden. Die Frau als Konsumentin ist eine wirtschaftliche Macht. So erwächst ihr angesichts unserer wirtschaftlichen Notlage die Pflicht, unter Berzicht auf Mode und Modetorheiten den Bedarf für sich und ihre Angehörigen so zu becken, daß der gerechte Kaufmann ordnungsmäßig disponieren und dabei auch bestehen kann und daß Schwindel- und Schleuderware dem verdienten Schicksal des Liegenbleibens verfällt. Hier wäre übrigens der Ort gewesen, auf Wesen und Bedeutung der Ronfumgenoffenfchaften einzugehen. Daß das nicht gefah, ist als ein Mangel des Buches zu bezeichnen. Es geht nicht an, auf den reichen Inhalt der Schrift im Einzelbeispiel näher einzugehen. So ist nur das eine zu sagen, daß dies Buch mit seiner ebenso übersichtlichen wie flaren, faßlichen und zwingenden Darstellung in die Hand einer jeden denkenden Haus» frau gehört. Henr. Fürth. Besonderer Umstände halber ist es Genossen Dr. Cafpari nicht möglich gewesen, den folgenden Artikel der Serie Recht und Wohlfahrtspflege" zu schreiben. Wir bitten daher unsere Leserinnen, fich bis zur nächsten Nummer gedulden zu wollen. Die Redaktion. Ein fozialdemokratischer Kulturfag findet vom 23. bis 28. März 1921 in Dresden statt. Wir werden in der Gleichheit“ über diese erfte derartige Beranstaltung ausführlich berichten. Bei Bestellungen auf die Gleichhelt" ist am besten das Boft. abonnement zu wählen. Die einzelnen Bestellungen tönnen dem Wahlverein des Wohnortes überwiesen und dort gesaminelt wer ben, von wo aus fie dann zusammen der Boft aufzugeben find. Bestellschein. Ich bestelle Exemplar Die Gleichheit" Name: Ort: Straße und Hausnummer: Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bobm- Schuch. Druck: Borwärts Buchdruckerei. Verlag: Buchhandlung Borwärts Paul Singer 6. m. b. S. fämtlich in Berlin S2 68, Lindenstraße 3 Rr. 7 Die Gleich beit 9 BORUSSIA Gummiwaren Caramel- Bier wieder anerkannt vorzüglich Berolinaris" feinstes Tafelwasser, mindestens gleichwertig allen anderen Brunnen. ,, Si Si" vornehmstes alkoholfreles Getränk. Himbeersaft" rein natüri, mit Zucker Borussia- Brauerei A.-G. Berlin- Weißensee. Telephon: Weißensee 112 u. 113. Wie new wird eine Bluse für 1 Mark ein Anzug für 5 Mark mit Quedlin die chemische Wäsche zu Hause! Wilhelm Braunsin Quedlinburg ( Fabrikanten der weltberühmten Brauns'schen Haushaltsfarben). Quedlin ist überall erhältlich, wo Brauns'sche Farben verkauft werden. Verlangen Sie unser lehrreiches Gratisbüchlein Nr. D über Haushaltsfärberei Wollen Sie dick werden? Sommerfpreffen Dann gebrauchen Sie Erha" Kraftnahrung, Büchse 12- M. Porto extra. Vers. d. Nährmittelfabr. Richard Hartmann, Chemnitz L., Sa. Damenbinden vertreibt man in 5 Min, wie abgewaschen. Garantie. 5 Mk. W. Wenck, Wöllstein( Hessen). 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