Nr. 9 31. Jahrgang Die Gleichheit Seitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Die Frau und ihr Haus Die Gleichheit erscheint 2 mal im Monat Prets: Vierteljährlich 2,70 Mart Inserate: Die 5 gespaltene Nonpareillezette 2,- Mart, bet Wiederholungen Rabatt Berlin 1. Mai 1921 Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichbett, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morigplag 147 40 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Das Lied vom Mai Von Klara Müller- Jahnke O du glühende, blühende Maienzeit! Der Himmel so blau und das Herz so weit, Vergessen die Schmerzen und Sorgen Und was im Finstern begraben lag, Das hebt die Augen und grüßt den Tag Und lacht in den strahlenden Morgen! Und aus den Toren der Städte zieht Eine festliche Schar, und ein jubelndes Lied Steigt hoch in die schimmernde Wolfe, Ein Lied von der Zeiten wechselnder Flucht, Von den Tagen der Blüte, den Monden der Frucht, Einem freien, glücklichen Wolfe. Das Lied der Zukunft! Es tönt und klingt, Auf filberschimmernden Flügeln schwingt Es sich in die dunkelste Kammer Und strömt wie liebliche Maienluft Und haucht wie schwellender Rosen Duft In des Elends erstickenden Jammer. Das Lied der Zukunft! Es rauscht und braust, Auf feuermähnigem Rosse saust Es wie die Walküre der Sage Durch die zitternde Schwüle, die dräuenden ReihnUnd der Kampf ist sein, und der Sieg ist sein, Und es jauchzt dem vernichtenden Schlage! Das Lied der Zukunft, das Lied vom Mai Aus den Banden des Alltags macht es Euch frei: Heut seid Ihr des Frühlings Gäste. Und mit Euch segnen auf weitem Rund Die Völker der Erde den heiligen Bund Und feiern das Fest der feste! Zum 1. Mai Bon Clara Bohm- Schuch Es ist teine Zeit, um Feste zu feiern. Schwer lastet die Macht des siegreichen Ententetapitalismus auf Deutschland. Am 1. Mai soll es sich entscheiden, ob uns als Volt überhaupt eine selbständige Lebensmöglichkeit bleiben wird. Zweieinhalb Jahre nachdem der Krieg zu Ende ist. Der Friede von Bersailles wurde vor fast zwei Jahren unterzeichnet, um das Fortbestehen Deutschlands zu sichern; um eine feste Grundlage für den inneren Wiederaufbau zu schaffen. Daß er unter den Bedrückungen und Hemmnissen dieses Vertrages furchtbar schwer sein würde, darüber waren fich die Unterzeichner klar. In dem Streit der Meinungen für und gegen Unterzeichnung hat die„ Gleichheit" seinerzeit flare Stellung genommen. Jezt stehen wir vor der Tatsache, daß der Friede von Bersailles Beine feste Grundlage, sondern ein schwankender Boden für uns geworden ist. Die Schuld liegt bei den Nationalisten und Racheschreiern hüben und drüben. Und wie im Krieg, bezahlt das arbeitende Volk hüben und drüben die Beche. Die arbeitenden Maffen aber sind die Bannerträger des Sozialismus, und wenn in diefem letzten Kampf zwischen dem Kapitalismus der Siegerstaaten und Deutschlands die Kraft der Arbeiterschaft zerrieben wird, dann wäre die Hoffnung auf Erfüllung der sozialistischen Gesellschaft tot für lange Zeit. Darum müssen wir in diesen Sturmtagen wirtschaftlichen und politischen Kampfes unser Banner ent rollen, mutiger und zukunftwollender als je. So feiern wir den 1. Mai! Und jede Frau und jeder Mann soll wissen, um was es geht. Seit dem 20. April ist laut den Pariser und Londoner Beschlüssen der Entente eine Zollgrenze am Rhein errichtet, wonach alle ins besetzte Gebiet gehenden Waren mit einer hohen Ausfuhrabgabe belegt werden. Wird die deutsche Ware um diesen Betrag teurer, dann kauft sie niemand mehr; soll sie in der Her stellung um so viel billiger werden( damit sie im Verkauf den heutigen Preis behält), wird es auf Kosten der deutschen Arbeiter geschehen, durch Herauffeßen der Arbeitszeit und Herabdrücken der Löhne. Für die Verkürzung der Arbeitszeit demonstrieren wir am 1. Mai und wehren uns damit gegen die Verlängerung derselben. Das Recht auf Arbeit fordern wir. So viele Hände und Hirne sind arbeitslos nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt. So. weit muß die Arbeitszeit für den einzelnen verkürzt werden, daß alle schaffen können, um zu leben. Die Entente will am 1.. Mai mitteilen, welche Gesamt 82 Die Gleich beit fumme Deutschland für Wiedergutmachung an die Kriegsgegner schuldet und ferner soll Deutschland bis zu diesem Zeitpunkt Sachgüter im Werte von 20 Milliarden Goldmark geliefert haben. Die deutsche Regierung bewertet die bisherigen Leistungen höher als 20, die Entente beziffert sie nur mit 8 Milliarden Goldmark; die abgetretenen und auf Zeit zur Nutzung überlassenen Gebiete( wie das Saargebiet) follen nicht eingerechnet werden. Die Lasten, welche der Krieg und der Friede des verlorenen Krieges Deutschland bisher schon auferlegt haben, erschweren den Ausbau der fozialen Fürsorge des Staates, des so notwendigen Arbeiterschutzes ungeheuer. Um so dringlicher müssen die Ententeregierungen am 1. Mai an ihre Verpflichtung erinnert werden, die Möglichkeiten für die Durchführung der Beschlüsse der Internationalen Arbeiterschußfonferenz in Washington zu schaffen. Diese Beschlüsse, die den Schutz der Frauen, Jugendlichen und Kinder in allen Ländern besonders vorsehen. Deutschland kann seine anerkannten Verpflichtungen nur erfüllen, wenn es immer mehr zur Gemeinwirtschaft sich ents wickelt und damit die wirtschaftlichen und politischen Inter essen des Privattapitals ausschaltet. Deshalb müssen wir entschieden für die Sozialisierung der Bodenfchätze eintreten, wie starke Hindernisse von innen und außen auch fommen mögen. Der Macht des Kapitals, die das zertrümmerte Europa nicht wieder aufbauen will, weil der Profit bei gemeinsamer Arbeit nicht groß genug wäre, muß sich die Macht und der Wille der internationalen Arbeiterschaft entgegenstellen. Die Konferenzen der sozialistischen Parteien und des Internationalen Gewerk schaftsbundes, die Ende März und Anfang April in Amsterdam stattfanden, haben gezeigt, daß eine solche Macht der Arbeiterschaft vorhanden ist. Ihre einige Meinung, daß Deutschland bis zur Grenze seiner Leistungsfähigkeit die Kriegsschäden wieder gut machen muß, daß aber die gewaltsamen Mittel der Entente zur Durchsetzung dieses Zweckes zu verwerfen sind, muß durch die Feier des 1. Mai unterstrichen werden. Dem Ideal der Bölferversöhnung und des Völkerfriedens huldigten wir in unseren Maifeiern, und wir tun es auch in diesem Jahr. Nur in friedlicher Entwicklung können unsere übrigen Forderungen sich erfüllen. Wir, die deutsche Arbeiterschaft, wollen den Frieden, und gegen andere Strömungen in Deutschland werden wir diesen Willen durchsetzen. Will die Entente neuen Krieg? - Die Ausführung der angedrohten Sanktionen wäre der Anfang. Darum muß die Arbeiterschaft in jenen Ländern sich dagegen wehren wie wir. Hätten wir doch alle gemeinsam an den Folgen zu tragen; tragen wir nicht alle an den Folgen des gewesenen Krieges schwer genug? Nach jedem Winter wird es Frühling und in jedem Jahr wieder vollendet sich des Lebens Schönheit in der Natur. In diesem Jahre feiern wir das Fest der Arbeit in Blüten, trog all der dunkelen Schwere, die als Volk auf uns lastet. Und für wahrhaft heilige Güter: Für den Frieden, für die Heilung der Wunden, die der Krieg geschlagen, für den Wiederaufbau der Kultur, für den Sieg des Sozialismus erheben wir unsere Stimme am 1. Mai. Hinauf zum Licht Steilt auf, ihr Silhouetten Schmaler Pappeln, Greift nach des Aethers blitzdurchfurchten Zonen! Steilt auf ihr Wünsche, qual- und kettenschwer, In denen letzte Dinge für uns fronen! Zerbrich die Mauern, бerz, die dich umdunkeln, Die schon von deinen Stößen zitternd wanken! Steigt auf zum Flug, ihr flammenden Gedanken, Verlaßt den Kerker, Iteiget auf ins All-Hans Pflug Schutz der unehelichen Mutter Nr. 9. Der Verein der Post- und Telegraphenbeamtinnen des Oberpostdirektionsbezirks Berlin versendet zurzeit ein Rundschreiben, in welchem zu den Verhandlungen in der Reichstagssigung vom, 17. März Stellung genommen wird. Es heißt in diesem Schreiben u. a. wörtlich: In den Reichsberatungen über den Posthaushaltsplan wurde der Antrag eingebracht, die Ausnahmestellung, die in der Entlaffung bei unehelicher Mutterschaft besteht, für die Postbeam. tinnenschaft sowie unsere Aushilfskräfte aufzuheben. Der Antrag ist mit 137 gegen 136 Stimmen abgelehnt, aber der weitaus größte Teil der Beamtinnenschaft fürchtet mit Recht, daß bei Wiederholung des Antrages derselbe angenommen werden könnte und den staatsauflösenden Folgen der wilden Ehe Tür und Tor geöffnet wird. Die Postbeamtinnenschaft ist tief erregt und findet es unerträglich, daß unser Stand als Versuchs. objekt herausgegriffen wird und fordert mit allem Nachdruck, daß Richtlinien aufgestellt werden, die diese tiefeinschneidende Frage für alle Verwaltungen gleichmäßig regeln." Bekanntlich hatte der Herr Reichspostminister Giesberts bei Be handlung der Frage der Entlassung unehelicher Mütter aus dem Postdienst in der fraglichen Reichstagssigung sich auf den Standpunkt gestellt, daß die Entlassungen zu Recht beftünden. Er stützte sich dabei auf den Beschluß des Verbandes der Post- und Tele graphenbeamtinnen auf ihrem Verbandstage zu Hamburg, zu dem hier in der„ Gleichheit" schon des öfteren Stellung genommen worden ist und der auch in dem oben angeführten Schreiben wieder deutlich zum Ausdruck kommt. Es entspann sich darauf eine längere, sehr erregte Debatte, an der Abgeordnete verschiedener Parteien teilnahmen, und zwar für unsere Partei die Genoffin Luise Schröder, die mit allem Nachdruck gegen die Auffassung des Herrn Bostministers Stellung nahm. Im gleichen Sinne sprach Frau Zieh für die Unabhängigen, während Frau Neuhaus von der Zentrumspartei und Lic. Mumm von den Deutschnationalen die bekannten reaktionären Ansichten ihrer Barteien in dieser Frage verfochten. Genofsin Schröder trat den Ausführungen des Herrn Reichspostministers in flarer und unzweideutiger Form etwa mit den folgenden Worten entgegen: " Ich muß gestehen, daß ich, als ich damals die Entlassung der Beamtinnen gelesen habe, mich im tiefsten Innersten geschämt habe, daß Frauen eine solche Entschließung annehmen konnten. Ich meine, wir Frauen sollten uns alle auf den Standpunkt stellen, daß die, die dort diese Entschließung angenommen haben, nicht wußten, was sie taten. Aber wenn der Herr Reichspostminister sich nun heute hinter diese Entschließung verkriecht ich finde kein anderes Wort dafür. dann will ich ihn doch nur fragen: woher nimmt eine Berufsvertretung das Recht, einfach eine Abänderung der Verfassung zu beschließen? Woher nimmt ein Minister der deutschen Republik, der doch auf die Verfassung eingeschworen ist, das Recht, sich bei einem Verfassungsbruchund um einen solchen handelt es sich hier hinter einer Berufsvertretung zu verkriechen? Der Herr Reichspostminister hat gemeint, es würde ja nicht jede Beamtin, die uneheliche Mutter wird, entlassen. O ja, es wird so gut wie jede Beamtin, die uneheliche Mutter wird, entlassen werden. Ich selber habe hier einen Fall, wo eine Beamtin, die 13 Jahre im Dienst war und voll und ganz ihre Schuldigkeit getan hat, die noch eine gelähmte Schwester unterhielt, im Amt angesehen und beliebt war, entlassen wurde. Eine andere Beamtin, die bereits lange im Dienst war und ein Kind von vier Jahren hatte, das sie selbst ernährte, wurde entlassen, als sie die Kinderzulage für ihr uneheliches Kind verlangte. Auf einem kleinen Postamt in Sachsen wurde einer jungen Beamtin, die der unehelichen MutterSchaft entgegensah, lediglich aus diesem Grunde die Stellung von einem Tage zum andern gekündigt mit dem Bemerken, daß sie die bereits im voraus empfangenen Dienstbezüge bis zum Schluß des Monats zurückzuzahlen hätte. Nun stellen Sie sich eine Frau vor, die vor der Entbindung steht, mittellos ist, die von einem Tage zum andern entlassen wird, und von der man dann noch die Zurückzahlung der bereits ausgezahlten Gehälter verlangt! Wohin treiben Sie diese Mutter!?" Jedes Wort der Genossin Schröder ist zu unterstreichen. Wir fehen in der Maßregelung einer unehelichen Mutterschaft je ben Berufes, die lediglich aus Gründen ihrer unehelichen Mutter Nr. 9 Die Ge * Delt schaft erfolgt, einen Verstoß gegen die Reichsverfassung, in der sich in Art. 119, Abs. 3 die Bestimmung befindet, daß die Mutterschaft Anspruch auf Schutz und Fürsorge des Staates hat. Damit ist also bie Anerkennung jeder Mutterschaft ausgesprochen, gleich, ob fie ehelich oder unehelich ist, und keiner Verwaltung steht das Recht zu, aus der Tatsache der unehelichen Mutterschaft einer Beamtin oder irgendwie Angestellten das Recht der Entlassung herzuleiten. Ebensowenig ist, wie Gen. Schröder auch sehr gut ausführte, eine einzelne Berufsorganisation berechtigt, an Verfassungsbestimmungen etwas zu ändern, und Ministerien und Verwaltungen haben sich nach der Verfassung zu richten und nicht nach den Anschauungen einer doch verhältnismäßig fleinen Gruppe von beruflich Inter effierten. Entlassungen und Maßregelungen unehelicher Mütter seitens amb licher Stellen sind außerdem doppelter Verfassungsbruch, da ja damit neben Art. 119 Abs. 3 auch gegen die in Art. 128 enthaltene Bestimmung verstoßen wird, wonach alle Ausnahmebestimmungen gegen weibliche Beamte beseitigt werden müssen. Was anders aber ist die Entlassung einer unehelichen Mutter aus dem Beamtendienst weiter als eine Ausnahmebestimmung gegen die Frau, da doch bel männlichen Beamten uneheliche Baterschaft noch niemals zur Ent laffung oder Degradierung geführt hat? Aber nicht allein im Beamtinnenberuf, sondern in jedem anderen Beruf und Dienstverhältnis bedarf die Frau, die uneheliche Mutter wird, des Schußes. Jede Entlassung aus diesem Grunde ist auf das schärffte zu bekämpfen. Man denke sich beispielsweise das Los einer Bureauangestellten, einer Verkäuferin, einer Hausangestellten, die der unehelichen Mutterschaft entgegensieht. Es ist fast immer so, daß die Betreffende in dem Augenblid, da ihr Zustand nicht mehr zu verbergen ist, die Stellung verliert und in der Zeit der größten Schonungsbedürftigkeit einfach auf die Straße gesetzt wird. Das Bild der jungen Mutter, die mit ihrem wenige Wochen alten Kinde stellungslos, mittellos und oft dann auch obdachlos durch die Straßen irrt, ist vielleicht das erschütterndste, was es überhaupt geben tann. Das sollten sich alle diejenigen vor Augen halten, die so gedanken los ihr Urteil fällen. Eine besondere Schuld trifft hier auch den Redner der Deutsch nationalen, den Abg. Lizentiat Mumm Verletzend und empörend für die Frauen war der Ton, in dem er von der unehelichen Mutter als einer„ Gefallenen" sprach. Das sind Ansichten und Ausdrüde, die in ein Boltsparlament unserer Zeit einfach nicht mehr hinein. paffen. Wenn eine Frau fich entschließt, ihr Leben einzusetzen, um einem Kinde das Leben zu geben, wenn sie die Sorgen, die Ver. antwortung und die Gefahr auf sich nimmt, so ist das ihre eigene Sache und niemand hat das Recht, sie in pharifäerhaftem Dünkel als eine„ Gefallene" zu bezeichnen. Wir erblicken ganz im Gegen teil in der Geburt eines Kindes eine staatsbürgerliche Leistung der Frau, für die sie den Schutz des Staates und die Unterstützung der Allgemeinheit zu beanspruchen hat. Der Staat ist laut Verfassungsbestimmung verpflichtet, der Mutter also auch der unehelichen, und ganz besonders dieser die nötige Fürsorge angedeihen zu lassen und sie vor Schädigungen, vor allen Dingen solcher wirtschaftlicher Natur, zu schüßen, gleich, in welchem beruflichen Dienstver hältnis fie steht. Vor allen Dingen aber ist es Aufgabe der Abgeordneten in den Volksvertretungen, dafür zu mirfen, daß eine junge Mutter nicht brotlos gemacht wird. Elli Radtte Frühlingsfeier Von Wilhelm Cennemann Der Glanz der Frühe liegt auf Feld und Saaten; Die Lerche wacht und Schüttelt sich im left, Steigt auf und ruft in jubelnden Kantaten Die Erde auf zu einem Frühlingsfelt. Die Bäume ftehn in Tau und grünen Schleiern Erwartungsvoll wie bange Bräute da. Des Himmels füße Bläue will mitfeiern, Und alle Sehnsucht ist erfüllungsnah. Um alle Hütten flammt die Morgenfonne, In alle Seelen fließt ihr reicher Schein Und rauscht ein Strom heiligfter Liebeswonne: Beut dürfen wir und wollen Brüder fein! Zur Sonne recken fich Millionen bände; Und wer nie ichwor, jetzt ftimmt er braufend ein: Die Zeit der blutigen Eifen hat ein Ende, Weltfriede foll der Völker Cofung fein! Recht und Wohlfahrtspflege Bon Bürgermeister Dr. Cafpart,( Brandenburg a. d. 5.) A. Familienrecht V. Ehestand 83 Eine Bestimmung von besonderer Bedeutung ist die des § 1357, der die sogenannte Schlüsselgewalt behandelt: Die Frau ist berechtigt, innerhalb ihres häuslichen Wirfungsfreises die Geschäfte des Mannes für ihn zu besorgen und ihn zu vertreten. Die Frau hat also eine gesetzliche Bertretungsmacht für den Mann, jedoch nur innerhalb ihres häuslichen Wirkungsfreises. Wie weit dieser geht, wird sich nach der Lage des Einzelfalles richten. Nimmt nun die Frau innerhalb des häuslichen Wirkungskreises Rechtsgeschäfte vor, so gelten sie als im Namen des Mannes vorgenommen, wenn nicht aus den Umständen sich ein anderes ergibt. Dieser Saß ist von größter Tragweite. Kauft die Frau beim Bäder, beim Schlächter oder sonstwo, bestellt sie für sich oder die Kinder Kleidung, fo haftet einzig und allein der Mann. Dies gilt selbst dann, wenn er der Frau das Geld für die Anschaffung gegeben hatte, sie es aber anderweitig verwandt, z. B. vergeudet hat. Wiederholt bin ich von Ehemännern gefragt worden, ob sie beispielsweise Sammelwerke, die ihre Frau auf Abzahlung entnommen, oder Zeitschriften, die sie bestellt hat, bezahlen müssen. Es ist bekannt, daß gerade gegenwärtig viel Haufierer von Tür zu Tür ziehen und den Frauen irgendein Werf, z. B. ein Kochbuch, auf Abzahlung anbieten. Die Frau unterschreibt dann häufig ein ihr vorgelegtes Formular, und zwar, wie leider auch in der Regel der Fall ist, ohne sich die einzelnen Bestimmungen genauer durchzulesen. Dann hat der Mann die Freude, dieses Buch bezahlen zu dürfen. Leben die Ehegatten dauernd getrennt, so besteht kein häuslicher Wirkungskreis. Die Frau besitzt also auch nicht mehr die Schlüffelgewalt. Hierbei ist es gleichgültig, ob die Frau ihre Zustimmung zu dem Getrenntleben gegeben hat oder nicht. Angesichts der schweren Folgen, die die Schlüsselgewalt der Frau für den Ehemann haben kann, fann der Mann das Recht der Frau beschränken oder ausschließen. Wenn sich aber diese Beschränkung oder Ausschließung als Mißbrauch feines Rechts darstellt( die Frau hat z. B. völlig einwandfrei ihre Schlüsselgewalt ausgeübt), dann kann die Handlung des Mannes auf Antrag der Frau durch das Bormundschaftsgericht wieder aufgehoben werden. In der Provinzpresse häufiger noch als in der großstädtischen Bresse findet man in den Inferatenteilen der Zeitungen Annoncen etwa folgender Art:„ Für Schulden meiner Frau tomme ich nicht auf und ersuche, ihr nichts zu borgen." Der Ehemann, der eine solche Annonce in die Zeitung setzt, glaubt sich nunmehr vor allen Fährnissen des Schlüsselgemaltsparagraphen sicher. Weit gefehlt! Die Beschränkung oder Ausschließung der Schlüffelgewalt ist Dritten gegenüber mur wirffam, wenn sie ihnen zur Zeit der Vornahme des Rechtsgeschäfts durch die Ehefrau bekannt war oder wenn zu dieser Zeit die Eintragung in das Güterrechtsregister des zuständigen Amtsgerichts erfolgt mar(§§ 1357, 1435). Hat also z. B. die Frau sich bei dem Schneidermeister S. ein Kleid bestellt und war zur Zeit der Vornahme der Bestellung die Ausschließung der Schlüffelgewalt schon im Güterrechtsregister eingetragen, dann haftet der Mann für diese Schuld nicht, auch wenn der Schneider nicht die geringste Kenntnis der Eintragung in das Güterrechtsregister hatte: Hatte der Mann aber diese Eintragung nicht bewirkt, sondern eine Annonce obigen Inhalts aufgegeben, die der Schneidermeister nicht kannte( daß der Schneidermeister sie doch kannte, muß obendrein noch der Mann beweisen), dann haftet der Mann gleichwohl für die Schuld beim Schneider. Die Geschäfts- und die Verpflichtungsfähigkeit einer Frau wird dadurch, daß sie sich verheiratet, in feiner Weise berührt. Die Frau kann sich mithin auch ohne Einwilligung des Mannes zu allen möglichen Leistungen verpflichten, ins i e Gleichheit Nr. 9 besondere auch zu rein persönlichen Dienstleistungen. Es liegt auf der Hand, daß dies unter Umständen zu starken Konflikten Innerhalb der Ehe führen muß, da die Frau dann ihre Verpflichtung als Leiterin des Hauswesens häusig nicht wird erfüllen können. Dem trägt das Gesetz insofern in Z 1358 Rechnung, als es den Mann berechtigt, die von der Frau übernommenen Verpflichtungen zu einer von ihr in Person zu bewirkenden Leistung(z. B. als Bureauange stellte), zu kündigen, wenn er auf seinen Antrag vom Vor mundschaftsgericht dazu ermächtigt ist. Das Vormundschasts- gericht muß die Ermächtigung erteilen, wenn sich ergibt, daß die Tätigkeit der Frau die ehelichen Interessen beeinträchtigt. Der Mann kann dagegen nicht kündigen, wenn er der Ver pflichtung seiner Frau zugestimmt hat oder wenn seine Zu stimmung auf Antrag der Frau durch das Vormundschafts gericht ersetzt worden ist. Hierzu ist das Vormundschasts- gericht ermächtigt, wenn der Mann durch Krankheit oder durch Abwesenheit an der Abgabe einer Erklärung verhindert und mit dem Aufschubs Gefahr verbunden ist oder wenn sich die Verweigerung der Zustimmung als Mißbrauch seines Rechts darstellt. Das letztere ist nicht selten. Mir klagte neulich die Frau eines Arbeitslosen ihre Not. Sie hatte an gesichts der Arbeitslosigkeit des Mannes Arbeit angenom men. Dies wollte der Mann nicht dulden, da er dadurch um die Zusatzunterstützung für die Frau käme! Er lieferte allerdings weder seine eigene noch die Zusatzunterstützung für die Frau ab, sondern vergeudete das Geld, während die Frau von ihrem geringen Verdienst den Aufwand für sich und die Kinder bestritt. Als Grundsatz des Gesetzes gilt, daß der eheliche Aufwand vom Manne zu tragen ist. Hierunter fällt auch der Unter halt für die Frau. Nach Z 1360 BGB. hat der Mann der Frau nach Maßgabe seiner Lebensstellung, seines Vermö gens und seiner Erwerbsfähigkeit Unterhalt zu gewähren. Hierbei ist es gleichgültig, ob die Frau Einkommen aus eige nem Vermögen oder Erwerbe zieht, oder ob sie sonst hilfs- bedürstig ist. Auch daraus kommt es nicht an, ob der eigene standesgemäße Unterhalt des Mannes durch Gewährung des Unterhalts an die Frau leidet. Allerdings muß auch die Frau, wenn der Mann außerstande ist. sich selbst zu unter halten, dem seiner Lebensstellung entsprechenden Unterhalt nach Maßgabe ihres Vermögens und ihrer Erwerbsfähigkeit gewähren. Die Frau ist also dem Manne erst unterhalts pflichtig, wenn er außerstande ist, sich selbst zu unterhalten, während bei der Unterhaltspflicht des Mannes gegenüber der Frau dies nicht in Betracht kommt. Der Unterhalt ist in der durch die eheliche Lebensgemeinschaft gebotenen Weise zu gewähren. Das bedeutet grundsätzlich: Unterhalt in natura: der Mann muß also Wohnung, Kleidung, Essen usw. usw. gewähren. Leben die Ehegatten aber getrennt (Z 13K1), so ist, solange einer von ihnen die Herstellung des ehelichen Lebens verweigern darf und verweigert, der Unter halt durch Entrichtung einer Geldrente zu gewähren. Be sondere Bedeutung hat die Bestimmung, daß in diesem Falle der Mann der Frau auch die zur Führung eines gesonderten Haushalts erforderlichen Sachen aus dem gemeinschaftlichen Haushalt zum Gebrauch herausgeben muß, es sei denn, daß die Sachen für ihn unentbehrlich sind oder daß die Frau sonst Vermögen hat. Ist also eine Frau berechtigt, die Herstellung des ehelichen Lebens zu verweigern, dann kann sie erste«s ihren Unterhalt von dem Manne in Form einer Geldrente verlangen und zweitens die zur Führung ihres eigenen Haushalts erforderlichen Sachen aus dem gemeinschaftlichen Haushalt zum Gebrauch herausverlangen. Bei getrenntlebenden Ehegatten fällt, die Unterhalts pflicht des Ehemannes fort oder beschränkt sich aus die Zah lung eines Beitrages, wenn der Wegfall oder die Beschrän kung mit Rücksicht auf die Bedürfnisse sowie auf die Ver mögens- und Erwerbsverhältnisse der Ehegatten der Billig keit entspricht, z. B. die getrenntlebende Ehefrau hat eine gute Stellung gesunden; der Ehemann ist ohne Arbeit. Was muß die Wohlfahrtspflegerin von der sozialen Gesetzgebung wissen? Von Hedwig Wachenheim(F.ris.tzunÄ Die Wochenhilfe. Die gesetzliche Wochenhilfe war ursprünglich in beschränk tem Umfang für Versicherte und Ehefrauen von Versicherten in der Krankenversicherung niedergelegt. Im Kriege wurde für die Ehefrauen der Kriegsteilnehmer eine umfangreichere Wochenhilfe geschaffen. Die Wochenhilfe ist dann nach dem Krieg abgeändert und zuletzt im Gesetz vom 30. April 1920 festgelegt worden. Ich teile hier nur die allerwichtigsten Bestimmungen des Gesetzes mit, weil es schon verschiedentlich in Aufsätzen der„Gleichheit" behandelt worden ist(vgl. Nr. 47 u. 48 Jahrg. 1920). Wöchnerinnen, die im letzten Jahr vor der Niederkunft mindestens 6 Monate hindurch auf Grund der Reichsversiche rung oder bei einer Knappschastskasse gegen Krankheit ver sichert gewesen sind, erhalten Wochenhilfe und Krankengeld. Die Wochenhilfe besteht aus einem einmaligen Betrag zu den Kosten der Entbindung in Höhe von 50 Mk.. einem Wochengeld in Höhe des Krankengeldes, jedoch mindestens aus 1,50 Mk. täglich, einschließlich der Sonn- und Feiertage, für zehn Wochen, von denen vier in die Zeit vor und sechs in die Zeit nach der Entbindung fallen. Das Wochengeld für die ersten vier Wochen ist mit dem Tage der Entbindung fällig: einer Beihilfe bis zum Betrage von 25 Mk. für Heb ammendienste und ärztliche Behandlung, falls solche bei Schwangerschaftsbeschwerden erforderlich werden; au» einem Stillgeld in Höhe des halben Krankengeldes, solange sie ihre Neugeborenen stillen, jedoch mindestens 0,75 Mk. täglich, ein schließlich der Sonn- und Feiertage, bis zum Ablauf der 12. Woche nach der Niederkunft. Die Satzung kann die Dauer des Wochengeldbezuges bis auf 13 Wochen, des Stillgeldbezuges bis auf 26 Wochen er weitern. Die Satzung kann mit Zustimmung des Oberver sicherungsamtes das Wochengeld höher als das Krankengeld, und zwar bis zur Höchstgrenze von drei Vierteln des Grund lohnes, bemessen. Stirbt eine Wöchnerin bei der Entbin dung oder während der Zeit der Unterstützungsberechtigung, so werden die noch fälligen Bezüge aus der Reichswochenhilfe an denjenigen gezahlt, der für den Unterhalt des Kindes sorgt. Wochenhilfe erhalten auch die Ehefrauen sowie die Töchter, Stief- und Pflegetöchter der Versicherten, welche mit letzteren in häuslicher Gemeinschaft leben, wenn sie nicht selbst ver sichert sind, aber der versicherte Gatte oder Vater im Jahre vor der Niederkunft der Betreffenden 6 Monate ver sichert war. Das Wochengeld für die empfangsberechtigten Angehörigen von Versicherten beträgt 1�0 Mk.; das Stillgeld 0,75 Mk. Die Satzung der Kasse kann den Betrag des Wochengeldes und des Stillgeldes bis je aus die Hälfte des Krankengeldes des Versicherten erhöhen. Sie kann auch Krankenpflege an solche Familienangehörige der Versicherten, welche darauf nicht anderweit nach diesem Gesetz Anspruch haben, und Sterbegeld beim Tode des Ehegatten oder eines Kindes eines Versicherten zubilligen. Es kann für den Ehegatten bis auf zwei Drittel, für ein Kind bis auf die Hälfte des Mitglieder sterbegeldes bemessen werden und ist um den Betrag des Sterbegeldes zu kürzen, auf das der Verstorbene selbst gesetz lich versichert war. Das Gesetz gewährt ferner Wochenfürsorge an minder bemittelte deutsche Wöchnerinnen, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Inland haben und für die nach den vorstehen den Vorschriften kein Anspruch auf Wochenhilfe besteht, aus Mitteln des Reichs. Sofern nicht Tatsachen die Annahme rechtfertigen, daß eine Beihilfe nicht benötigt wird, gilt eine Wöchnerin als minderbemittelt, wenn ihr und ihres Ehe mannes Gesamteinkommen oder, wenn sie alleinsteht, ihr Nr. 9 Die Gleich beit eigenes Einkommen in dem Jahr oder Steuerjahr vor der Entbindung den Betrag von 4000 Mt. nicht überstiegen hat. Dieser Betrag erhöht sich für jedes vorhandene Kind unter 15 Jahren um 500 mt. Die Wochenfürsorge wird durch die Allgemeine Ortsfrankenkasse, in deren Bezirk der gewöhnliche Aufenthaltsort der Wöchnerin liegt, und, wo eine solche Kasse nicht besteht, durch die Landkrankenkasse geleistet. Als Wochen fürsorge wird die bereits erwähnte Leistung gewährt. Dabei beträgt das Wochengeld 1,50 mt., das Stillgeld 0,75 Mt. täglich. Die Ansprüche werden durch Borlage des Geburtsscheines bei der Kaffe geltend gemacht. Bezüge, die die Minderbemittelten von der Allgemeinen Orts- oder Landfrankentaffe ihres gewöhnlichen Aufenthaltsortes erhalten, werden der Kasse vom Reich ersetzt. ( Fortsetzung folgt) Geschlechtliche Aufklärung Ein Umschwung im christlichen Lager Bisher stießen wir auf große Empörung und erregten Wider. stand bei der Kirche und den der christlichen Kirche nahestehenden Streifen, wenn wir forderten, daß unsere Jugend nicht blind ins Leben hineingestoßen werden sollte. Wenn wir behaupteten, daß Schule und Elternhaus die Pflicht hätten, die Jugend aufzuklären über die wichtige Frage der Herkunft des Menschen, über die Gefahren der Geschlechtskrankheiten, der ge schlechtlichen Ansteckung, der geschlechtlichen Ausschweifung. In jenen christlichen Kreisen hielt man nach wie vor Unwissenheit für Tugend, um dann auf die, nur zu oft aus eben diefer Unwissen heit gefallenen" Mädchen den ersten Stein zu werfen und über die Unfittlichkeit der heutigen Jugend zu zetern. Wobei die Großstadtjugend natürlich stets besonders schlecht wegkommt. Die viel geschmähte November- Revolution hat aber auch hier. ,, revolutionierend" gewirkt. Ja, im Hinblick auf die Ansicht über die Notwendigkeit der geschlechtlichen Jugendaufklärung kann man geradezu von einem Umschwung im christlichen Lager sprechen. In der Weiblichen Jugend", der Fachschrift für weibliche Ju gendpflege, herausgegeben vom evangelischen Verband für die weibliche Jugend Deutschlands, wird mit bemerkenswerter Frische und Offenheit dieses Thema angeschnitten. Mit den alten Bor. urteilen wird gründlich aufgeräumt: Bon ber Sittenreinheit der * Feuilleton * Zwei Gedichte von Marthe Rose Thomas Mur nicht... Schickfal, du gabit mir den Schmerz. Nun gib mir die Kraft, ihn zu tragen. Gib mir den Mut, der mit eifernen Feffeln zwingt Die entfelfelte Sehnsucht. Laß mich hart fein und töte, Was an weichem Begehren mir lebt. Schickfal, fei kalt, fei Stahl, Trink mir das Herzblut Aber gib Kraft!- Kraft! nur nicht Erliegen ertrinken ich duld' es Bereitschaft Wenn der Tag kommt, mußt du gerüstet stehn, Hell dem Morgen ins Auge fpähn, Was er dir bringt an Freud und Leid, Was an Gewinn für die Ewigkeit. Und dann ans Werk! Aufrecht und grad. Nach keinem Umfchau, von keinem Rat. Dein eigner Weg, deine eigne Kraft, Die fei's, die aus Morgen den Tag dir schafft. 85 Landbevölkerung fann taum noch geredet werden." Die„, erschreckende(!) Entdeckung" wird gemacht, daß in vielen Bauerndörfern ,, durchweg das Zweifinder- System" herrscht. Aber was für mich das Erschreckendste war heißt es weiter daß der Mann mit Wissen der Frau sein Dienstmädchen als Kebswelb nimmt. Eine Tatsache, die ein Pfarrer der dortigen Gegend mir bestätigte. Die Gemeindeschwestern haben die Dienstmädchen in ihren Jungfrauenvereinen, und wundern sich, daß ihre Arbeit an ihnen so wenig Früchte bringt!" Natürlich hat die böse Sozialdemokratie an allem schuld. Eine Seite weiter aber wird richtig erfannt: ,, Solange durch die Woh. nungsnot dem Laster der Unsittlichkeit Vorschub geleistet wird, solange hilft alles Reden und Bredigen nicht." Aber troß dieser Erfenntnis ist die erschreckende" Gedankenlosigkeit viel zu groß, als daß man den vollkommenen Widerspruch bemerkte, einmal die Sozialdemokratie und einmal die sozialen Mißstände als Ursache für die sittlichen Schäden unserer Zeit zu beschuldigen. Zum Teil geht man noch sehr vorsichtig an das Problem der geschlechtlichen Aufklärung heran: ,, Aber wo wir jetzt die Jugend nicht mehr davor schützen können, daß sie von all diesen Dingen hört, so soll sie wenigstens durch uns davon hören, sonst tommt sie leicht auf den Gedanken, die Vereinsleiterinnen feien ein wenig rückständig und wüßten nicht, wie es in Wirklichkeit zugeht... aber die Aufklärung muß doch vorsichtig gegeben werden..." Auch von der Geschlechtertrennung scheint man nichts mehr wissen zu wollen: ,, Schön ist es, wenn wir in voller Harmlosigkeit, Natürlichkeit und Reinheit Jungen und Mädchen im Verein zusammen. bringen können." und in einem anderen Auffaz: ,, Einen reinen, offenen, geselligen Verkehr zwischen Jungen und Mädchen in unferem Berein herbeizuführen", wird als eine der wichtigsten Aufgaben unserer evangelischen Jugenderziehung" bezeichnet. ,, Eine gänzliche Veränderung unserer Erziehungsmethoden" wird gefordert ,,, womit das Elternhaus den Anfang machen muß". Noch zielflarer heißt es in einem anderen Heft:„ Ein bloßes Ver. schweigen und Darüberhinweggleiten tann nie und nimmer das Rechte sein. Eine bewußte Erziehung muß auch auf diesem Gebiet einsetzen. Daß sie bisher so völlig gefehlt hat, das rächt sich ja heute so furchtbar!" Das bedeutet eine völlige Abkehr von den bisher beschrittenen Wegen. Man fommt eben allmählich zu der Erkenntnis, daß das alte Erziehungssystem in diesem Punkt restlos versagt hat. Ist es nicht geradezu ein Zusammenbruch der alten Erziehung, wenn man feststellen muß, daß ,, Mädchen in diesem Alter( 14-18 Jahre) sich fast nie ber Mutter gegenüber aussprechen"!? Gerade in dieser Zeit der Entwicklung, des Uebergangs! Eine Zeit, in welcher jedes Emil Gött Bon Charlotte Buchow ( Schluß) Lnd dieses Leben der Welt dreht sich für ihn immer um die beiden Pole: Mann und Weib, und strebt zum Menschentum. Wie weit aber faßt er diesen Begriff! So schön werden, daß die Seele teines Schleiers mehr bedarf, außer um ihre eigene Schönheit zu verhüllen so start werden, um den anerkannt besten und edelsten Grundzug des eigenen Wesens in unwandelbarer Treue zu bedienen ist sein Streben, seine Lat ,,, das eigene Leben herrisch lebend, dem Ganzen dienend untergehen" sein heiliger ernster Wille. nein Und das Weib muß mit ihm auf diesem Wege zur Höhe, denn die schweifende, irrende, suchende Mannesseele würde in den Schauern der Unendlichkeit vergehen, wenn sie nicht in der mütter. lichen Geborgenheit des Weibes ausruhen und neue Kräfte fammeln könnte, aber ihre Seele darf nicht unbeweglich sein, nur Hafen, nur Antergrund sie muß mit der seinen wachsen und sich dehnen, es muß bei ihr„ Raum sein für eine Mannesseele". Aber dafür gelobt er sich und dem Weibe auch immer wieder: ,, Ich muß werden, so werden, daß sich mir die Liebe und Sehnsucht des Weibes zuwendet und auch die noch schmelzen möchte, die mich gestern verschmäht hat" oder seine Selbstbesinnung im Ge danken an eine Freundin: Meine Liebe zu dir ist wieder ein tieferes Gebet geworden zu dem Mädchen, das ich denke, und eine Erschütterung vor dem, was mir zum blizenden Manne fehlt". Was will bei einer solchen seelischen Durchdringung der Liebe noch die körperliche Erfüllung bedeuten: Wenn es eine Lust ist, in dein Auge zu blicken, in deine Seele zu tauchen, 86 te Gleich beit Mädchen so dringend nach der Hand und dem Rat eines Führenden perlangt! Dabei haben jene christlichen Frauentreise auch nicht die leiseste Ahnung, daß fie mit ihrer Abfehr von den alten und dem Bechreiten neuer Erziehungswege langsam aber sicher in die Bahn ber modernen Frauenbewegung hinübergleiten. Und damit Nach. folgerinnen werden jener von ihnen soviel geschmähten Frauen, jener Predigerinnen der neuen Ethik und freien Liebe", deren Namen( es werden Anita Augsburg, Helene Stöcker und Ellen Ren genannt) jenen Kreisen schon genügen, um es verständlich zu machen, daß sie die Zeit der legten 20 Jahre vor dem Krieg als moralische Verfallsepoche bezeichnen müssen“. Die Entwicklung bricht sich auch hier unwiderstehlich Bahn. Aber während man in den christlichen Kreisen noch mühsam vorwärtstaftet, sehen wir Sozialisten bereits hinaus über die Irrungen und irrungen, die unserer Zeit- wie jeder Uebergangszeit- anhaften. Erkennen wir in der Ferne bereits das Ziel und sehen es aufleuchten. Gewiß, vielen unter uns geht die Entwicklung noch piel zu langsam. An dem Umschwung, der sich in der christlichen Frauenbewegung anbahnt, tönnen wir aber an einem Beispiel erfennen, wie rasch in Wirklichkeit die Entwicklung vorwärtsschreitet. Die Revolution brach die alten Dämme. Noch branden, schäumen und überſtürzen sich die Wellen. Aber bald werden sie ruhiger, und bamit stärker und stetiger fließen und uns hinübertragen zu neuen Ufern einer neuen Zeit. Kurt Heilbut. Ein Hausgehilfengesetz Im Reichsarbeitsministerium ift der Borentwurf eines Haus. gehilfengefeßes fertiggestellt worden. Der Entwurf umfaßt, wie uns in einer amtlichen Darstellung mitgeteilt wird, das Hauspersonal in weitem Umfange, soweit es nicht zu den Angestellten im Sinne des Versicherungsgesetzes für Angestellte gehört. Dagegen rechnet grundsäßlich nicht zu den Hausgehilfen, wer außer Arbeit im Hause landwirtschaftliche Arbeit leistet oder überwiegend In andrer Weise, namentlich gewerblich beschäftigt ist. Der Entwurf will den berechtigten Interessen sowohl der Hausgehilfen als ihrer Arbeitgeber gerecht werden und regelt unter diesem Gesichtspunkt die Rechte und Pflichten aus dem Hausgehilfenvertrage, insbe sondere die Dauer der Arbeitsgemeinschaft, sowie die Ruhepausen und Freizeiten. Der Entwurf sieht ferner nach österreichischem Borbild einen Personalausweis vor, der lediglich die Feststellung der Identität des Hausgehilfen ermöglichen soll und dessen Ausstellung grundsäßlich nicht versagt werden darf. Paritätisch zusammenge fetzte Hausdienstausschüsse, die nach Bedürfnis zu errichten sind, mit deinem Geiste zu spielen so ist in deinem Schoße nur deine letzte Süßigkeit ( in der du der Erde zurückgegeben wirst, weil sie von Erde ist), Wenn es aber keine Lust ist, in dein Auge zu schauen, in deine Seele zu tauchen, mit deinem Geiste zu spielen, in dem Dufte, dem Lichte, der Glut deines Lebens zu baden so ist auch keine mehr in deinem Schoße, nur ein schmutziges Vergründen, von dem satt in Efel scheidet! Entsprechend dieser Lebens- und Liebesauffaffung ist feine Stel lung zur Ehe. Er schreibt an eine mütterliche Freundin Frau S.: Ich gönne diesen Namen keiner Vereinigung von Mann und Weib, wo sich die Gatten nicht wirklich gegenseitig Bater, Mutter, Bruder, Schwester, Freund und Freundin sind, wo eins mit, durch und in dem andern wächst:„ Die Erfüllung, Vollbringung und Vollendung des Lebens liegt in dem Bogen, den Mann und Weib gegeneinander spannen. Alle Zucht hat sich dahin zu richten, Helle, Reinheit und Glut in die Ehen zu bringen. Die höchsten Menschen haben thre Höhe noch im Bau threr Ehe zu bewähren. Dem Niedern die Unzucht, dem Krüppel die Askese, dem Hohen und Gesunden bie Ehe." Die beiden Briefe, benen diese Stellen entnommen sind, find wohl mit das Erschütterndste und Schönste, was von dem Menschen Gött spricht. Sie gelten einer Mutter, deren Tochter er liebte, und die er in einem wundervollen Lebens- und Glücksrausch vielleicht etwas stürmisch zu eigen begehrte. Das Mädchen schlug ihn aus, einmal, weil sie sich anderweit gebunden fühlte, zum andern aber wohl eine Bemerkung zu Anfang des Briefes - Nr. 9 dienen zur Schlichtung von Einzelstreitigkeiten zwischen Hausgehilfen und ihren Arbeitgebern. Dem Schuße der jugendlichen Hausgehilfen ist angemessen Rechnung getragen. Soweit die amtliche Darstellung. Es geht aus ihr leider nicht hervor, welcher Art die Bestimmungen über die Arbeitsbereitschaft" usm. find, warum gerade die ländlichen Hausgehilfen, die nebenher landwirtschaftliche Arbeit verrichten, ausgenommen werden sollen und vor allem, weshalb man den Hausangestellten den Bersonal ausweis aufzwingen will, den feine andere Arbeiterschicht fennt und der deshalb als Steckbrief für Hausangestellte empfunden wird. Der Zentralverband der Hausangestellten hat wiederholt und eindringlich vor diesem Steckbrief" gewarnt. Rümmert euch um eure Einkommensteuererklärung! Nach der Verordnung des Reichsministers der Finanzen vom 1. Februar 1921 haben alle Steuerpflichtigen, also auch alle Lohnund Gehaltsempfänger, beren Einkommen im Kalenderjahre 1920 den Betrag von 10 000 Mt. überstiegen hat, innerhalb einer vom zuständigen Finanzamt bestimmten Frist eine Erflärung über ihr Einkommen abzugeben. Auch diejenigen Arbeiter und Angestellten, denen ein Bordruck für die Steuererklärung bisher nicht übersandt worden ist, sind verpflichtet, eine solche Erklärung abzugeben. Es liegt aber auch im eigensten Interesse eines jeden, der im Kalenderjahre 1920 weniger als 10 000 Mt. verdient hat, den Bordrud zur Steuererklärung( das Beranlagungsformular) beim zuständigen Finanzamt bzw. seiner Steueramtsstelle möglichst sofort abzuholen und ihn auszufüllen. Nur dann hat er die Möglichkeit, alle die Abzüge geltend zu machen, auf die er Anspruch hat, also Fahrt. kosten von und zur Arbeitsstelle, Arbeitskleidung, Gewerkschaftsbeiträge, Brämien für Lebensversicherungen usw., und etwaige Steuernachlässe zu erwirken, z. B. bei außergewöhnlicher Belastung durch Krankheiten in der Familie, Unfälle, Unterhalt und Erziehung der Kinder usw. Das aber ifts: dem Leben auf den Grund fchauen und doch den Mut haben, zu sagen: Welt, wie bist du schön. Hibert Sergel. Wenn ich eine Religion haben müßte, fo würde ich die Sonne anbeten, denn sie ist die Quelle alles Lebens, fie ilt der wahre Gott der Erde Napoleon I. läßt dies vermuten weil die äußeren Verhältnisse Götts derart waren, daß weder Mutter noch Tochter trotz aller Freundschaft, die sie mit dem Dichter verband, den Gedanken einer ehelichen Bindung in den Bereich des Möglichen gezogen hatten. Man müßte die Briefe mortgetreu abdrucken, wollte man den ganzen Adel dieser Mannesseele, die ungeheure seelische Spannkraft des in der Tiefe seines Wesens und Wollens durch die Art der Ablehnung verwundeten Mannes, den erschütternden Stolz und die fast übermenschliche Würde, die feine Worte atmen, auch nur annähernd erschöpfen. Kein Leid ist so tief, daß es ihn zerbräche fein Glück so himmelstürmend, daß er seiner selbst vergäße. ,, Das soll/ die Weisheit meines Lebens sein, die mich vor allen meinen Lehrern auszeichnet: Nicht ausweichen dem Sturm und dem Weltbeben und dem Schmerz und selbst dem Glück nicht annehmen, aufnehmen, auflösen in mir oder mich in ihnen." Welche Schauer der Scham und Ehrfurcht vor so viel Größe müssen Frau S. beim Lesen dieser Zeilen überjagt haben, wenn sie nur annähernd dem Bilde entsprach, daß Gött sich selbst von ihr und ihrer Tochter gemacht hat. Es ist ja überhaupt beinahe unmöglich, von Gött anders als mit seinen eigenen Worten zu reden, weil in jedem Gedanken, jedem Sazdas Blut seines Herzens pulfiert, dieses leidenstarken und freudetrunkenen Herzens, daß man mit einer Inbrunst liebt, die fast an Anbetung grenzt. So sieht der Mann aus, den die Frauen lieben wollen, bies Bild trägt jede von uns in geheimster Herzenstammer. Ach, daß doch Emil Gött recht viele Brüder hätte! Auf seine eigentlichen Werte soll hier nicht näher eingegangen werden. Sie bewegen fich völlig in der Kurve vom Mann- und Weibmenschlichen hinauf zum Göttlichen, und man spürt in ihnen jede Phase seines eigenen Ringens mit Gott und Welt, seines heißen starten Wollens und Bollbringens. Denen aber, die Gött Nr. 9 Die Gleich beit Konsumgenossenschaftliche Rundschau Die Ausbreitung der Konfumgenossenschaften hat sich in Deutschland auch im Jahre 1920 fortgefeßt. Der Zentralverband deutscher Konsumvereine, der in seiner Organisation den weitaus größten Teil der deutschen Konsumvereine erfaßt hat, kann eine Mitglieder. zunahme von 400 000 aufweisen. Am Jahresschluß beträgt der Mitgliederbestand im Zentralverband deutscher Konfumvereine zirka drei Millionen. Da es sich hier um Mitgliederfamilien handelt, die im Durchschnitt etwa fünf Röpfe aufweisen dürften, so find also insgesamt etwa 15 Millionen Deutsche den Genossenschaften bes Zentralverbandes angeschloffen. Unsere Ge noffinnen mögen es sich einmal ausmalen, was es für die Gesamtwirtschaft des deutschen Bolles bedeutete, wenn diese 15 Millionen Deutsche fämtliche Lebensmittel und Bedarfsgegenstände nur ihren Konsumgenossenschaften entnehmen würden. Damit würde ein sehr großer Bruchteil des deutschen Wirtschaftslebens durch die freien Genossenschaften sozialisiert sein. Leider muß gesagt werden, daß sehr viele Mitglieder der Konsumvereine und darunter auch manche Sonst zielflare Genossen in ihrem Berhältnis zur Konsumgenossenschaft noch nicht zum Ausdruck bringen, daß fie die wahre Bedeutung des organisierten Konsums verstanden haben. Der Preis abbau, den wir gegenwärtig glücklicherweise erleben, bildet in vielen Fällen einen starten Prüfstein für genossen. schaftliche Treue der Mitglieder. Das plötzliche Heruntergehen der Preise stellt selbstverständlich eine starke Erschütterung des Wirtschaftslebens dar. Die Preisänderungen sind vielfach sehr rasch erfolgt und betragen bei sehr vielen Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen erhebliche Summen. So sind unter anderem Fett waren zum Teil um 50 Proz. im Preise heruntergegangen. Es ist zu verstehen, wenn die Arbeiterfrau, die mit geringem Eintommen haushalten muß, diejenigen Geschäfte ausfindig zu machen sucht, in denen der Preis am schnellsten ermäßigt wurde. Dabei follte sich aber die Arbeiterfrau überlegen, daß die in der Konsumgenossenschaft lagernden Waren den Mitgliedern der Genossenschaft gehören, und daß es auf jeden Fall zum Schaden der Mitglieder ausläuft, wenn sie eines kleinen Augenblicsvorteils wegen ihrer Genossenschaft untreu wird. Die Konsumgenossenschaften haben liberall die durch die Marktlage gebotenen Preisermäßigungen mit. gemacht und find schon ihrem Programm gemäß geneigt, so schnell wie irgend möglich den Abbau der Preise herbeizuführen. Ein Preis abbau liegt im allgemeinen Boltsinteresse. Ein Preis. fiurz dagegen fann tatastrophal wirken. Die Mitglieder müssen der Konsumgenossenschaftsleitung Bertrauen entgegenbringen und dürfen nicht in dieser Periode, die auch an den Genossenschaften nicht aus seinen Tagebüchern, Briefen und Aphorismen kennen, will es scheinen, als sei es ihm in seinem dichterischen Schaffen nicht restlos gelungen, das zu verwirklichen, was als Idee in ihm nach Ausdrud rang; ein Gefühl, das er selbst anscheinend niemals über. winden konnte. Hat er sich doch zu Lebzeiten nicht entschließen fönnen, seine Dichtungen der Deffentlichkeit zu übergeben. Ihn peinigte einmal der Gebanke, um des Geldes wegen schaffen zu müssen, hauptsächlich aber wohl das Gefühl, sein Letztes und Höchstes im Kunstwert nicht in ganzer Fülle ausgeschöpft zu haben. Diese Gewissenhaftigkeit ist um so bewundernswerter, wenn man bedenkt, daß er wirtschaftlich meist einem nackten Nichts gegenüber. stand, und daß die Lockung, durch einen Erfolg" seiner Not ein Ende zu machen, sicher nicht ausgeblieben ist. " Als Sohn schlichter Eltern am 13. März 1864 in Jechtingen in Baden geboren, wuchs er in denkbar einfachen Berhältnissen heran. Seiner Mutter Liebe öffnete ihm die Tür zum Gymnasium und damit den Weg zum Studium überhaupt. Aber sein suchender ringender Geist tonnte sich feinem Brotstudium befreunden, um so mehr, als nun auch das eigene Schaffen sich meldete, gepaart mit einer starken Begabung für Probleme der praktischen Technik und dem Drang nach einem tätigen Leben in und mit der Natur. So war er Student und Wanderbursche, Erfinder und Bauer auf eigener kleiner Scholle, der Leihhalde nahe der Zähringer Burg, Dichter und Politiker. Ein schweres Herzleiben vergrößerte die Rot seines inneren und äußeren Lebens und seine Tagebuchblätter melden nur allzu oft das Stocken seiner Produktion und seiner sonstigen Arbeit infolge der häufigen schmerzhaften Anfälle. Im Kampf gegen Not und Krankheit, die ihn oft mit dem Tode ZwieSprache halten läßt und mehr als einmal vor die Versuchung stellt, dem Leben eigenhändig ein Ziel zu setzen, bleibt er Sieger ,,, er hält selbst sterbend zum Leben" und liebt es mit grenzenloser Inbrunst. Totsiech, so erzählt Roman Woerner, der Herausgeber 87 ohne Wirkung vorübergeht, den Leitungen die Situation noch er schweren, indem sie zum Krämer gehen. Der Einzeltaufmann ist als Besizer von Waren gegenüber dem großen Organismus der Genossenschaften in der Preisänderung etwas beweglicher. Er hat das auch bewiesen zu der Zeit, als die Preise stiegen, wo man in Privatgeschäften immer zuerst die hohen Preise finden fonnte. Das sollten sich die Mitglieder in Erinnerung bringen, wenn sie heute, in der Zeit des Preisabbaues, Vergleiche zwischen der Genossenschaft und Privatgeschäften aufstellen. Ein internationaler Genossenschaftstag findet In der Zeit vom 21. bis 25. August in Basel statt. Die sehr wichtige Tagesordnung enthält unter anderem folgende Punkte: Der Völkerbund; Das internationale Arbeitsamt; Die Revision der Glasgower Friedensresolution und die Grundsätze des Bölkerrechts im Geiste des Genossenschaftswefens; Internationale Genossenfchaftspolitit; Die Feststellung der Beziehungen zwischen dem internationalen Genossenschaftsbund und der internationalen Großeinkaufsgesellschaft; Die Beziehungen der Genossenschaften zu den Gewerkschaften. Gewerkschaften. Der Internationale Genossenschaftsbund hat besser wie alle anderen internationalen Organisationen den Krieg und die Entfremdung der Völker überstanden und ist daher von ihm auch wieder am schnellsten eine fruchtbare internationale Arbeit zu erwarten. Es darf barum angenommen werden, daß die Tagung ber Genossenschaften in Basel zur Verbesserung der internationalen Beziehungen der Völker beitragen wird. Die genossenschaftliche Produktion von Stahl. waren ist in Solingen aufgenommen worden. Die dortige Konsumgenossenschaft hat gemeinsam mit der Genossenschaftsbuchbruderet ein Unternehmen gegründet, das die genossenschaftliche Erzeugung Solinger Stahlwaren durchführen will. Die Produktion ist aufgenommen und zahlreiche deutsche Konsumvereine beziehen bereits diese Stahlwaren vermittels der Großeinkaufsgesellschaft in Hamburg. Unsere Hausfrauen fönnen, wenn sie Einfäufe für ihren Hausbedarf vornehmen, diese genossenschaftlichen Produkte an dem Warenzeichen Solidarität", das die eigenartige Form eines Schlüsselbundes zeigt, erkennen. Die Gründer der Genossenschaft erwarten, daß fie, begünstigt durch die eigenartige Struktur der heimindustriellen Stahlwarenerzeugung in Solingen, sich in Arbeiterkreisen rasch durchsetzen werden. Eine Weinkellerei hat der Konsumverein Mannheim in Ruppertsberg in der Pfalz errichtet. Es ist dies das erste Unternehmen dieser Art. In den süddeutschen Konsumvereinen spielt der Wein eine weit größere Rolle als in anderen Teilen Deutschlands. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn es durch diese genossenschaftliche Einrichtung auch möglich würde, die gegenwärtigen Bucherpreise für Wein auf ein erträgliches Maß herabzudrüden. seiner Schriften, von ihm, als er es weder sigend noch liegend mehr aushalten konnte, erfand er eine Vorrichtung, eine Art Trapez, das an der Decke befestigt war. Mit beiden Armen über bie in Brusthöhe schwebende Querstange hängend und leise mitwiegend, diftierte er im Flüsterton- jeder Satz durch Atemnot in Stücke zerbrochen den Helfern Briefe und Szenen. Am 12. April 1908 ftarb Emil Gött. Aber es trifft ein, was er geahnt:„ Einst, wenn ich nicht mehr bin, werden die edelsten Seelen ebenso nach mir zucken, wie ich rückwärts und rundum nach den Toten, Fernen und Fremden sehnlich lange." Wir weinen um ihn, ohne ihn perfönlich gekannt zu haben, wie um einen lieben, lieben Freund; wir fönnen es nicht fassen, daß er von uns gegangen ist, ohne daß wir ihm einmal in die gütigen Augen schauen durften. Wir Frauen aber wollen ihm sein Leben und Ringen nicht vergessen, wir wollen den Glauben an die berauschende Schönheit der Mannesseele als heiliges Vermächtnis in uns lebendig halten und folche Seelen fuchen gehen, auf daß wir gegenseitig gebend und nehmend mit dem Manne zu dieser Lebenshöhe wachsen, wir wollen diese Männer suchen gehen, auf daß sie unsern Kindern Bäter werden. Tulsidas, der Dichter Qulsidas, der Dichter, wanderte tief in Gedanken am Ganges, in jener einsamen Gegend, wo sie ihre Toten verbrennen. Er fand ein Weib sizend zu Füßen der Leiche ihres Gatten, fröhlich gefleidet wie zu einer Hochzeit. Sie erhob sich, als sie ihn sah, neigte sich vor ihm und sprach: ,, Erlaube mir, Meister, mit deinem Segen meinem Gemahl zu folgen zum Himmel." Warum folche Eile, meine Tochter?" fragte Tulsidas. Ist nicht die Erde auch sein, der den Himmel erschaffen?" 88 Die Gleich beit Die genossenschaftliche Fischversorgung hat die Großeinkaufsgesellschaft in die Hand genommen, indem sie in Geestemünde, dem größten Fischhandelshafen Deutschlands, eine Abteilung errichtete, welche die Versorgung mit frisch en Seefischen für die deutschen Konsumvereine zu organisieren hat. Außerdem wird am Hauptorte der deutschen Fischindustrie in Altona eine Fischräucherei und Marinieranstalt der Großeinkaufsgesellschaft errichtet. Also auch hier ein Fortschritt auf dem Gebiete der Sozialisierung durch die Genossenschaften, der insbesondere für unsere Genoffinnen recht beachtenswert erscheint. Adolf Rupprecht. Soziale Rundschau Obligatorische Kinderversicherung in der Schweiz. In der Schweiz erstrebt man, auf Grund der ausgezeichneten Erfahrungen, die einzelne Kantone in dieser Hinsicht machten, die Einführung einer obligatorischen, sich auf alle Kinder bis zum 15. Lebensjahr erstreckenden Versicherung gegen Krankheit. Das Bundesgesetz über die Kranten- und Unfallversicherung von 1911 berechtigt zwar alle Kranfenfassen, Kinder zu versichern, allerdings nur für die ärztliche Behandlung und Arznei, wie es in Deutschland auch bei der Familienversicherung der Fall ist. Es gibt aber auch Raffen, die ausschließlich die Familienversicherung betreiben, die dadurch noch besonders in Beziehung zu den Schulen stehen, daß in der Verwaltung Bertreter der Lehrerschaft ſizen. Der Ranton Solothurn hat seine Gemeinden ermächtigt, die Kinderversicherung obligatorisch zu machen und sich zur Zahlung eines jährlichen Beitrages von 1 Fr. für jedes Kind verpflichtet. Die Folge davon ist, daß in fast allen Gemeinden jedes Kind, unab hängig vom Einkommen der Eltern, gegen Krankheit versichert ist. Wie viele Vorteile aus solchen Einrichtungen für die körperliche Entwicklung des Kindes sich ergeben, bedarf teiner weiteren Er. läuterung. * Wichtig für Kriegsbeschädigte. Die Durchführung des Reichsversorgungsgefezes erfordert eine Umanerkennung der ben Rentenempfängern nach den bisherigen Gesetzen zustehenden Renten. Hierzu ist die Mitwirkung der be troffenen Kriegsbeschädigten erforderlich. Ein großer Teil der Rentenempfänger hat den Aufenthalt gewechselt, ohne daß die Ver forgungsbehörde Renntnis davon erhalten hat, weil der An- und Abmeldezwang fortgefallen ist. Das führt zu einem langwierigen Schriftwechsel zwischen dem Versorgungsamt und der Pensionsrege. lungsbehörde, der selbstverständlich die Arbeit der Umanerkennung zum Nachteil des Rentenempfängers verzögern muß. Es liegt ,, Nach dem Himmel verlangt mich nicht," sagte die Frau. Ich will meinen Mann." Tulsidas lächelte und sprach zu ihr:„ Kehre heim in dein Haus, mein Kind. Bevor der Monat vorüber ist, wirst du deinen Gemahl finden!" Das Weib ging heim voll freudiger Hoffnung. Tulsidas fam zu ihr jeden Tag und gab ihr hohe Gedanken zu denken, bis ihr Herz erfüllt war bis zum Rand mit göttlicher Liebe. Als der Monat taum vorüber war, tamen die Nachbarn zu ihr und fragten:„ Weib, hast du deinen Mann gefunden?" Die Witwe lächelte und sprach:„ Ja." Eifrig fragten sie: Wo ist er?" In meinem Herzen ist mein Herr eins mit mir," sagte das Weib. Rabindranath Tagore. D Schatten en ganzen Tag hat es heute geregnet, du, den ganzen Tag! Und alles war grau und trofilos ben ganzen Tag! Endlos dehnten sich die Stunden und leer mar jede. Ich weiß nicht, alles war still und traurig um mich. Nicht die kleinste Freude konnte ich finden. Ich mochte auch gar nicht darüber sinnen. Meine liebsten Bücher tonnten mir heute nicht helfen, ich war so verlassen, bu, und so einfam. Gleichmütig lief meine kleine Uhr ihren Weg aber die Stunden krochen. Du magst wohl sehr geschäftig sein, es sind ja tausend Dinge, die dein Tag bringt und die dich beanspruchen bis in den Abend. Du wirst wohl heute nicht zu mir kommen, heute wohl nicht. Und grab' heut' sehne ich mich so unbändig, daß deine liebe Stimme, dein warmes Lachen die Zimmer füllen möge, du, grad' heuf... Nr. 9 daher im Interesse des Kriegsbeschädigten, der aus dem Bereich seines bisher zuständigen Versorgungsamtes( früher Bezirkskom. mando) verzogen ist, dies unter Angabe des nunmehrigen Wohnfizzes mitzuteilen, damit das Versorgungsamt das Aftenmaterial dem jetzt zuständigen Versorgungsamt übersenden kann. Weiterhin liegt es im Interesse des Kriegsbeschädigten, sich die für diese Um anerkennung erforderlichen Unterlagen rechtzeitig zu beschaffen, und zwar in der Hauptsache folgende Urkunden: Heirats- und Sterbe urkunden, falls die Frau verstorben ist; Geburtsurkunden der Kinder. Für die letzteren sind Bescheinigungen in abgefürzter Form zulässig, die von den Standesbeamten tostenfrei ausgestellt werden. Die Geburtsscheine für die Kinder sind nicht beizubringen, wenn die Richtigkeit der Angaben des Beschädigten in den Spalten des Fragebogens amtlich bescheinigt wird. Wenn Familienstammbücher vorhanden sind, können diese beigefügt werden. Alle Urfunden werden zurückgegeben. Eine polizeiliche Bescheinigung, aus der zu erkennen ist, wie lange der Beschädigte an dem Ort wohnt, dient als Unterlage für die Festsetzung der Ortszulage. Aus der Frauenbewegung des Auslandes Der wirtschaftliche Kampf zwischen Mann und Frau. Von Gertrud Beer. Der unheilvolle Wettbewerb zwischen Mann und Frau, der sich gegenwärtig auf dem deutschen Arbeitsmarkt bemerkbar macht, wird bei uns so oft als Folge des verlorenen Krieges angesehen. Er macht sich aber auch in immer steigendem Maße bei den Siegern bemerkbar. Namentlich in England zeigen fich ähnliche Erschei mungen. In unserem englischen Schwesterorgan:" The Labour Woman"( Die arbeitende Frau") wird gegenwärtig eine leb. hafte Korrespondenz darüber geführt. Genoffin Winifred Moore schreibt in der Novembernummer darüber folgendes: „ Die Frage der gleichen Arbeitsgelegenheit für Männer und Frauen auf dem Gebiete der Industrie ist eine derjenigen, mit denen erwerbstätige Frauen sich dringend beschäftigen müssen. Ungeheure Fortschritte in der Richtung auf Gleichstellung sind in der Beamtenschaft( Civil Service) und den freien Berufen gemacht worden. Die bürgerliche Frau erhält in rasch wachsendem Maße volle Frei heit, ihr Brot zu erwerben und der Allgemeinheit ihren Fähigkeiten entsprechend zu dienen. Dieser Fortschritt wurde von Männern und Frauen der Arbeiterpartei innerhalb und außerhalb des Par.. laments sehr wesentlich gefördert. Rein theoretisch hat die Arbeiterpartei stets eine fortschrittliche Haltung eingenommen, sobald es sich um volle Menschen und Bürgerrechte für Mann und Frau handelte. O du! Es wird auf einmal hell bei mir! Die grauen Wolfen jagen einander und zerstieben und da bricht eine rötliche, noch ein bißchen trübe Abendsonne aus dem Gewölt. Weit öffne ich die Fensterflügel der würzigen Luft. Es tropft noch schwer von den Bäumen, aber der Regen hat nachgelassen. Ich stehe am offenen Fenster und sinne und denke an dich. Da klingt ein Kindersang zu mir hinauf, ein Reigenspiel. Helle jubelnde Mädchenstimmen, aus denen die Freude lacht. Wie eine Last fällt es von meiner Seele. Und als ich mich vom Fenster wende, da spür' ich's, daß all die grauen Schatten fort sind aus meinen Zimmern, ein Sonnenstrahl und ein paar Kinderstimmen haben sie gebannt und es wird hell bei mir, so hell.... Und wenn du nun doch noch fämst? Ach, und da ertapp' ich mich auch schon dabei, wie ich das weiße Linnen hole und die bunten Tassen, die du so gern siehst, und wie ich die letzten Blumen, die du mir brachtest, in die fleine Schale ordne. Und in mir ist mit einemmal eine jubelnde Gewißheit: Du tommst heute doch! Maria Harmuth. Sonnenaufgang Ein Purpuriaum färbt rot und blutig den äußersten Horizont, das neue Licht verkündend, Mebel und Wolken raffen fich auf, ballen fich zufammen und werfen fich dem Morgenrot entgegen, feine Strahlen momentan verhüllend- aber keine Macht der Erde vermag das langfame und majeftätische Auffteigen der Sonne felbft zu bindern, die eine Stunde später, aller Welt lichtbar, hell leuch tend und erwärmend, am Firmament steht. Was eine Stunde ift in dem Пaturfchaufpiel eines jeden Tages, das find ein, zwei Jahrzehnte in dem noch weit impofanteren Schauspiel eines weltgefchichtlichen Sonnenaufgangs. Ferdinand Callalle. Mr. 9 Die Gleich beit Ganz anders aber find die Zustände auf dem Gebiete der Industrie; man konnte es türzlich von verschiedenen Seiten hören, daß nur die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter bereit sind, die Frauen auf die Straße zu werfen, wo sie hungern fönnen, damit Männer die Stellen bekommen, die bis jetzt die Frauen innehatten. Oberflächlich betrachtet, scheint dies nur allzu wahr zu sein. Auf allen Gebieten haben zurückkehrende Soldaten und andere Männer, erwerbslos und verzweifelt, arbeitende Frauen bedroht, hauptsächlich aus dem Grunde, weil sie an ihre eigenen zu Hause in Not sich befindenden Frauen und Kinder dachten. Diese Handlungsweise ist menschlich begreiflich und natürlich. Das Verlangen, für feine Angehörigen zu sorgen, ist ein Grundzug im Charakter eines jeben anständigen Menschen, aber diese Kampfesweise gegen Frauen Der eigenen Klasse tann nur Unheil bringen. Dies hat nichts zu tun mit der Frau, die eine Stelle an einen Mann wieder abgibt, die er vor dem Kriege innehatte, das tam nie in Frage. Der Angriff ist ein allgemeiner und das Ergebnis ist turz folgendes: eine Frau hat fein Recht, in der Industrie ihr Brot zu erwerben, solange noch ein Mann ohne Arbeit ist. So brutal ausgedrückt, ist die Sache natürlich unmöglich. Die Frau muß leben, und um zu leben, muß sie arbeiten. Der Arbeiter tann die Frau nicht aus der Industrie verdrängen, wohl aber fann er sie zu schlecht bezahlter, wenig leistungsfähigen Streitbrecher konkurrenz gegen die qualifizierte Arbeiterschaft drängen. Nur in wenigen Fällen fönnen geistige und körperliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern als Grund für den Versuch, Frauen aus einer bestimmten Industrie zu verdrängen, gebraucht werden. Der Krieg zerstörte das. Die ganze Frage löst sich in einen Streit um die Futterkrippe auf, und als sowohl die öffentliche Meinung wie auch das Gefühl auf seiten des Familienvaters find, wird die Frau in bezug auf anständige Arbeitsbedingungen untergehen und wird wiederum nichts weiter fein als eine Gefahr für die gesamte Arbeiterschaft. Ich glaube, die organisierte Arbeiterschaft muß ernsthaft überlegen, wohin dies führt. In erster Linie wird es dem Arbeitgeber ein unbeschränktes Angebot von billigen Arbeitskräften liefern. Die Bewegung für Lohnabbau wird einen großen Anfporn bekommen, und bei den gegenwärtigen Zuständen wird keine Gewerkschaft, und sei sie noch so start, einen Streit einfach gegen Frauenarbeit mit Erfolg durchkämpfen tönnen. Der zweite Grund wird in wachsendem Maße für jeden Beobachter einleuchtend sein. Er wird ein anderer Hebel sein, der gegen die Solidarität der Arbeiterklasse in Bewegung gesetzt werden kann. Ich bin überzeugt, daß der Versuch, eine Kluft zwischen Mann und Frau der Arbeiterklasse zu machen, ein gefährlicher ist. Unsere Kapitaliftenfreunde mögen es bei den Frauen der Bergarbeiter nicht erreicht haben, aber laßt ihnen nur Beit. Wenn die Frauen der Arbeiter an ihrer Liebe für Heim und Kinder angefaßt werden, so werden sie ihre Macht immer gegen jeden wirtschaftlichen Kampf zur Geltung bringen; und die alleinstehende erwerbstätige Frau fann in einen feindlichen Gegensatz hineingetrieben werden durch die falsche Stellungnahme der Arbeiter. Dann wird die Arbeit unsern Gegnern um so leichter gemacht. Gebt den Frauen Arbeitsgelegenheit und eine freie Bahn, sie verlangen feine Begünstigung. Agitiert für gleichen Lohn, macht fie zu gleichberechtigten Mitgliedern in den Gewerkschaften, und dann arbeitet alle zusammen an der Beseitigung der wirklichen Ursache der Arbeitslosigkeit der kapitalistischen Gesellschaftsordnung Bekämpft euch nicht gegenseitig und gebt den herrschen den Klassen nicht wieder Gelegenheit, die Wahrheit ihrer nüzlichsten Marime zu begründen: Teile und herrsche." Die Leferinnen werden finden, daß die englischen Verhältnisse auf diesem Gebiete den deutschen sehr ähnlich sind. Amerita. In einem New- Yorker Krankenhause ist eine BabyWaschanstalt eingerichtet worden. Sie steht allen Müttern offen, die zu Hause nicht über die nötige Bequemlichkeit verfügen. Die Kleinen werden in einem gut erwärmten Raum, in richtig temperiertem Wasser gebadet, alle Gefäße usw. find äußerst sauber, so daß Infektionen nicht vorkommen tönnen. Die Mütter erhalten Unterweifung und gewöhnen sich so an eine sachgemäße Reinigung und Behandlung der Kinder. Aerzte kontrollieren den GefundheitsZustand der Kleinen. Im Arbeitsministerium in Washington wurde fürzlich ein Film vorgeführt, der ein Propagandamittel ist für Arbeiterinnenschuh und für die Forderung der gleichen Bezahlung von Frauen- und Männerarbeit. Die Bilder zeigen zwet junge Mädchen, die in ver schiedenen Werkstätten und unter ganz verschiedenen Bedingungen arbeiten. Es soll der Einfluß der Arbeitsbedingungen auf Gefund. 89 heit und Leistungsfähigkeit veranschaulicht werden, z. B. Acht stundentag und unbegrenzte Arbeitszeit, Nachtarbeiten und Ar. beiten mit ausreichenden Ruhezeiten. Außerdem wird an Hand der Bilder die Frage erörtert: ,, Ist eine Arbeit weniger wert, weil eine Frau fie tut?"- Die Frauenorganisationen werden sich dieses Films als Propagandamittel gewiß mit Erfolg bedienen. In New York haben sich eine Reihe von Frauenausschüssen zu einer umfassenden Organisation zusammengeschlossen, zu dem Zwede, in den nächsten Wochen in den Bereinigten Staaten überall Massenversammlungen zu veranstalten, in denen die Beschränkung ber Rüstungen gefordert werden soll. In den Bereinigten Staaten wurde durch die Annahme Der Lehlbach- Borlage das gleiche Prinzip für alle Beamten ohne Unterschied des Geschlechtes in allen Gemeinden zum Gefeß erhoben. * England. Die Labour Party beabsichtigt, als Chrung für die verstorbene Mary Macarthur die Vormundschaft über deren zehn. jährige Tochter Nancy zu übernehmen. Es ist den Wäschereibesitzern der englischen Stadt Fulham gelungen, durch Gerichtsbeschluß die Schließung der Gemeinschaftswaschküche, über die seinerzeit in der„ Gleichheit" berichtet wurde, zu erzwingen. Eine Aktion gegen das Urteil ist im Gange. * Schweden. Frauenwahlrecht. Der schwedische Reichstag hat die im Jahre 1919 beschlossenen Berfassungsänderungen, wodurch u. a. die Frauen das volle politische Wahlrecht erhalten und wodurch das Wahlrecht nicht länger von der Steuerzahlung abhängig gemacht wird, endgültig bestätigt. Aus unserer Bewegung Zur Reform der Frauenabende. Die in Nr. 5 der„ Gleichheit" wiedergegebenen Beobachtungen, an die Genoffin Wachenheim ihre Schlußfolgerungen knüpft, werden von den meisten Referentinnen und Referenten der Frauenabende bestätigt werden. Frauenabende sollen Bildungsabende sein, die den durch die großzügige Agitation gewonnenen Anhängern der fozialdemokratischen Ideen in der Erfassung dieser Ideen behilflich fein follen. Nun ist aber bei der Art, ein Thema fortlaufend zu behandeln, vieles in Betracht zu ziehen: Zunächst dürfen die Baufen zwifchen den Vorträgen keine vier Wochen betragen; mindestens alle vier. zehn Tage müßte die Fortsetzung stattfinden. Man kann das bei den Kursen sehr gut feststellen, daß, je zusammenhängender die Zeit, desto besser auch das Behalten und Verarbeiten des Stoffes ist. Ein zweites Wichtiges ist die Person des Vortragenden. Ist der Redner oder die Rednerin in der Lage, den Stoff anziehend zu gestalten, ihn fesselnd, nicht ermüdend, darzustellen, dann wird die Hörerschaft auch bei der Stange bleiben". Sehr sympathisch ist der Borschlag, nach Vorbild der Volkshochschulen die Arbeitsgemeinschaft zu bilden. Doch dazu werden verhältnismäßig wenig die Gefolgschaft leisten. Und dann sind diese Arbeitsgemeinschaften eben keine Frauenabende im herkömmlichen Sinne mehr, sondern Oberstufen, die einen gewaltigen Schritt vorwärts bedeuten. Etwas Aehnliches hatten die Neuköllner Genoffinnen längere Zeit vor dem Kriege eingeführt. Wir nannten die Einrichtung damals ,, Musterlefeabende", eine Bezeichnung, die vielleicht anfechtbar ist, aber dennoch nicht den Spott verdiente, den die männlichen Genossen damals für die Einrichtung übrig hatten. Jedenfalls aber habe ich damals sehr großen Gewinn geistiger Art durch diese Einrichtung gehabt; und meine Aufsätze von damals, die ich heute noch gern nachblättere, zeigen mir, wie lebendig wir Probleme be völkerungspolitischer, ehegesetzlicher, entwicklungsgeschichtlicher und wirtschaftlicher Art erörterten. Diese, und die von Genoffin Wachenheim als Beispiel genannten Fragen verdienen insgesamt die allergründlichste Behandlung. Den Distrikts- oder Bezirksführerinnen, den weiblichen Bor standsmitgliedern und Frauenabendleiterinnen liegt hier eine Frage vor, die sie aufs gründlichste zu prüfen haben. * Elisabeth Röhl. Frauenkonferenz im Bezirk Meißen- Großenhain. Bor einigen Wochen tagte im Deutschen Haus" in Niederau eine gutbesuchte Frauenkonferenz. Genoffin Schilling, Döbeln, prach in einem längeren Referat über„ Die Aufgaben der Frau für den Sozialismus". Ausgehend von der Grundlage, die für das wirken der Frau durch die Revolution im Wahl 90 Die Gleich bett recht und in der wirtschaftlichen Gleichberechtigung geschaffen wor ben sind, zeigte sie an Hand von Beispielen die Erfolge und das ungeheuer weite Arbeitsfeld. Die Hemmniffe zur rafcheren Be wältigung der Aufgaben liegen in der vom alten System vernachlässigten Schulbildung und zum Teil in den noch nicht geänderten gefeßlichen Bestimmungen. Das erftere muß und fann beseitigt werden durch Selbstschulung und gemeinsame Weiterbildung. Die Frau muß sich ebenfalls an den Bildungsmöglichkeiten( Bolkshoch schule, Kurse) beteiligen. Sie muß sich auch Eintritt verschaffen in die Betriebsräte, damit sie die Interessen ihrer Geschlechtsgenoffin nen vertreten fann. Rednerin geht dann des weiteren auf die Ge biete der Wohlfahrtspflege, Mutter, Kinder- und Jugendschutz, Heimarbeiterinnen, Wohnungs- und Ernährungswesen mit großer Sachkenntnis ein. Der Erfolg für unsere Arbeit wird uns aber erst blühen, wenn wir die proletarische Frau dafür gewonnen haben. Das geschieht dadurch, daß wir die Frauen unseren Organisationen zuführen. In unseren Frauenabenden müssen Berichte aus den Gemeindeparlamenten und den Wohlfahrtsausschüssen von Ge noffinnen gegeben werden. In der Diskussion erstatteten die einzelnen Vertreterinnen Bericht über den Stand und die Tätigkeit der Frauenabteilungen. Nach diesen ist die Frauenbewegung im Kreise gut. Sehr befruchtend war der Meinungsaustausch, der in den einzelnen Gemeindeparlamenten tätigen Genoffinnen. Nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten erreichte die Konferenz in den frühen Nachmittag stunden ihr Ende. Unseren Genoffinnen rufen wir zu: Frisch ans Wert zu neuen Erfolgen! Wohlfahrtspflege Arbeiterwohlfahrt in Stuttgart - e. m. Eine außerordentlich rege Tätigkeit in der Wohlfahrtspflege wird von unseren Genossen in Stuttgart und darüber hinaus in Württemberg betrieben. Es besteht dort ein Orts- und Bezirks. ausschuß für Arbeiterwohlfahrt unter der rührigen Leitung des Genossen Otto Schindler. In alle Ausschüsse, für alle gemeinsamen Aufgaben entfendet der Ausschuß für Arbeiterwohlfahrt seine Mitarbeiter. So arbeiten unsere Genossen selbstverständlich bei der Quäterspeisung, bei der Verteilung der Auslandsgaben und bei der Kinderhilfe mit. Die Stuttgarter Genossen und Genoffinnen, die in der Arbeiterwohlfahrt arbeiten, hatten den Vorteil, sich von vornherein auf eine bestehende Wohlfahrtseinrichtung der Arbeiterschaft stüßen zu können. Im Herbst 1919 ist dort der Berein Arbeiter. jugendhilfe für Stuttgart und Umgebung E. V. gegründet worden, der sich in der kurzen Zeit seines Bestehens sehr gut entwickelt hat. Der Verein hat die Jugendpflege und fürsorge praktisch in Angriff genommen, noch bevor der Ausschuß für Arbeiterwohlfahrt damit beginnen konnte, heute arbeiten beide Organisationen Hand in Hand. Im Sommer 1920 find drei Ferienwaldheime in Haslach, Gaisburg und Sillenbuch errichtet worden. Etwa 800 Kinder wanderten täglich aus Stuttgart dort hinaus, wo sie auch den ganzen Tag verpflegt wurden. Es ist eine durchschnittliche Ge. wichtszunahme von 3 bis 4 Pfund festgestellt worden. Im Herbst 1920 konnte der Verein sein eigenes Vereinshaus„ Pestalozzi" be ziehen. Er hat in diesem Hause zweckmäßige Bureauräume, die er auch dem Ausschuß für Arbeiterwohlfahrt zur Verfügung gestellt hat. Vor allem aber ist hier ein Zentraljugendheim für die organi fierte arbeitende Jugend geschaffen worden. Ein altoholfreies Speisereftaurant, das gut besucht wird, soll die Kosten des ganzen Unternehmens tragen. Wenn dem Berein erst das ganze Haus zur Berfügung steht( es find vorläufig noch eine oder zwei Wohnungen vermietet), ist geplant, auch ein Ledigerheim und ein Mütterheim dort einzurichten. Sehr wichtig ist die Anstellung von zwei eigenen Fürsorgeschwestern. Es sind dazu frühere Schülerinnen der Sonder lehrgänge für Arbeiterinnen zur Ausbildung für den sozialen Beruf gewählt worden, die sich sehr gut eingearbeitet haben und die in ihrer Arbeit bewiesen haben, daß die Mädchen aus den arbeiten. den Kreisen gerade hierfür außerordentliche Fähigkeiten und Ver. ständnis für die Not ihrer Klassengenoffen mitbringen. Eine neue Einrichtung des Vereins ist der Wochen- und Krankenpflegedienst. An der Leitung des Vereins sind die Mitglieder des dortigen Ausschusses für Arbeiterwohlfahrt maßgebend beteiligt. Organi satorisch aber bestehen beide, Berein Arbeiterjugendhilfe und Ausschuß für Arbeiterwohlfahrt, nebeneinander und arbeiten Hand in Hand. Der Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt hat schon eine Anzahl weiterer Ortsausschüsse in seinem Arbeitsbereich gebildet, so daß auch dort die Organisation der Arbeiterwohlfahrt in feste Bahnen gelenkt wird. J. H. Bücherschau Nr. 9 Im Rhein- Berlag zu Basel und Leipzig ist die deutsche Uebers setzung des Buches einer Französin erschienen, das bereits die Auf merksamkeit der literarischen Kreise verschiedener Länder auf sich gezogen hat und auch wirklich Beachtung verdient. Es handelt sid um den Roman„ Weib" von Magdeleine Marg. Man fans mit gutem Gewissen sagen, daß dieses Buch eine völlige Abweichung von der bisher üblichen Schilderung der Frau darstellt. Es ist das Buch der neuen Frau, die mit beiden Füßen fest und sicher in der heutigen Zeit steht, sich ganz auf den individualistisch- egoistischen Grundzug, der ja doch unverkennbar zu einem großen Teile unfere Zeit durchströmt, eingestellt hat und bewußt mit allen bisher gelten den Anschauungen und Ueberlieferungen bricht. Das Weib in derz Buche der Magdeleine Marg ist freier Mensch, selbständiges, für sta allein verantwortliches Wesen, das keine anderen Gesetze anerkenn als die, die es sich selber für sein eigenes Ich schafft. Den Eltern, die sie an den von ihnen gewählten Gatten verheirates wollen, fetzt sie erfolgreichen Widerstand entgegen; sie gesteht dem ehelichen Treueschwur, der die Frau zeitlebens an einen ein. zigen, wenn auch geliebten Mann bindet, feine Berechtigung zu fie sieht thre Bestimmung als Frau nicht in dem Mutterwerden allein erfüllt. Alles, was in ihr Leben tritt, die Eltern, der Gatte, der Geliebte, ist für sie nur Episode. Selbst das Kind .. wenn ich sehr suche, finde ich dich nicht im Tiefsten meines Daseinszweds." Und doch ist sie weit davon entfernt, gleichgültig oder leichtfertig zu sein. Sie liebt diese Menschen, die in ihr Leben treten, mit einer echten, tiefen, hinreißenden Liebe. Aber sie bleibt dabei nicht stehen. Diese Frau ist ein Mensch, ber das ganze Leben erfassen will. Sie ist schön und flug und lieb ihre eigene Schönheit und Klughelt. Sie will geliebt werden, gibt sich selbst aber nur da, wo ihr eigener Wunsch, ihr eigenes Begehren es ihr befiehlt. So ist sie das Gegenteil der Frau, die mehr oder weniger widerstandslos hinnimmt, was sich ihr zufällig im Leben bietet. Sie ist durch und durch Persönlichkeit. Ihr Handeln ist nicht triebhaft, sondern von ihrem vollkommen eigenen Willen gelenkt, aber ohne Rücksicht auf irgendwelche gesellschaftlichen Moralbegriffe. Es ist der reife Mensch. Das Weib, das seine Erlösung nicht mehr vom Manne erhofft, dem die Liebe nur eine schöne, glücklichs Bereicherung des eigenen Daseins ist.„ Die Liebe ist nicht das Wesentliche, sie ist schließlich nur des Lebens schönster Augenblick." Die neue Frau geht weiter, den langen, schmerzensreichen Weg zur eigenen freien Persönlichkeit und zerstört wissentlich das Bild, das sich der Mann, sich selbst als der Beglücker fühlend, immer von der Frau gemacht hat. Man braucht nicht alles bedingungslos zu unterschreiben, was Magdeleine Marg in ihrem Buche sagt. Vieles ist so, daß man es als eine Erlösung betrachtet, daß es einmal von einer Frau rüc haltlos ausgesprochen wird. haltlos ausgesprochen wird. Und anderes wieder wird man abs lehnen. Wir wissen auch nicht, ob der Typus der Frau, den Mag beleine Marg uns zeigt, auch wirklich der einzig maßgebende der Jezigen und der kommenden Zeit sein wird. Was das Buch aber wertvoll macht, das ist die unbedingte Aufrichtigkeit, die darin zum Ausdruck kommt, der Wille zur Wahrheit, der aus dieser Frau in dem Buche zu uns spricht. Und schon das allein ist eine Erlösung, die gerade von Frauen doppelt dankbar empfunden werden wird. Und dann steht der Verfasserin eine Sprache von vollkommener dich terischer Feinheit zur Verfügung, die es ihr ermöglicht, die zarteften Schwingungen der Frauenseele und die aufwühlendsten Geschehnisse im Leben des Weibes so zu schildern, wie es wenigen Schrifts stellerinnen möglich ist. E. R. Wir bitten unsere Leserinnen, freundlichst davon Kenntnis nehmen zu wollen, daß die Schnittmuster für die Abbildungen in der Beilage„ Die Frau und ihr Haus" nicht von der Redaktion der„ Gleichheit", sondern von der G. Braunschen hofbuch. handlung, Karlsruhe in Baden, Karl Friedrich. Straße, zu beziehen sind. Die Modebeilage wird nicht in Berlin, sondern in Karlsruhe verlegt. Redaktion der Gleichheit". * Kann mir eine Genoffin für die Sommermonate, in schöner Gegend Deutschlands, ein einfach möbliertes Zimmer mit Küchenbenuhung für mich und meinen achtjährigen Sohn gegen Bezahlung überlaffen bzw. anweisen? Gefl. Angebote sind zu richten an die Redaktion der„ Gleichheit". Frau Anna Mosegaard. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bohm- Schuch. Druck: Vorwärts Buchbruceret. Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. S. sämtlich in Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Nr. 9 Die Gleich beit MESSMER'S THEE: Wie neu wird eine Bluse für 1 Mark ein Anzug für 5 Mark mit Quedlin die chemische Wäsche zu Hause! Wilhelm Braunsb.m. Quedlinburg ( Fabrikanten der weltberühmten Brauns'schen Haushaltsfarben). H. Quedlin ist überall erhältlich, wo Brauns'sche Farben verkauft werden. Verlangen Sie unser lehrreiches Gratisbüchlein Nr. D über Haushaltsfärberei. Ein fchönes u. reines Geficht erhalten Sie in kurzer Zeit durch meine Spezialmethode Sommerfproffen, Pickel, Miteffer, Leberflecke, Warzen, Gefichts- und Nafenröfe, läst. Haare, schlechter Teini usw. verschwinden bald. Auf Wunsch Blutuntersuchung. Tätowierungen werden auch entfernt. G. Andres. Kosmet. Inftitut, Berlin N 4, Invalidenstraße 147, 1. Et., Edie Bergitrage. Sprechstunden: 10-1 und 4-8. Sonntags 10-12. 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