Nr. 11 31. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Die Gleichheit erscheint 2 mal im Monat Preis: Vierteljährlich 2,70 Mart Inserate: Die 5 gespaltene Nonpareillezelle 2,- Mart, bel Wiederholungen Rabatt Berlin 1. Juni 1921 Die Frau und ihr Haus Zuschriften find zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morigplatz 14838 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Der Eintritt der Sozialdemokraten Die Sozialdemokratie erkennt die Verpflichtung der Wieder in die Regierung Am 10. Mai nachts wurde im Reichstag die Annahme des Ultimatums beschlossen. Zugleich war damit der Wiedereintritt der Sozialdemokratischen Partei in die Regierung besiegelt. Man muß die außen- und innerpolitische Entwicklung in allen Phasen intensiv miterlebt haben, um sich mit diesem Umschwung der Dinge abzufinden. Die Annahme des Ultimatums war schwer, unendlich schwer. Man glaubte die Tage von Weimar noch einmal zu erleben, die Unterzeichnung des Friedens ,, vertrages" von Versailles. Was stand auf dem Spiel? Die militärische Besetzung des Ruhrgebiets, nachdem die drei rheinischen Kohlenhäfen bereits besetzt wurden, die Zollschranke errichtet war. Man muß die Besetzung des Ruhrgebiets mit seinen möglichen und wahrscheinlichen Folgen ermeffen können, um den ganzen Ernst der Situation zu begreifen. Das Ruhrgebiet und die Rohlengruben Oberschlesiens sind ein Fundament unserer Bolkswirtschaft, das erstere der Besetzung ausliefern, bedeutete unweigerlich den Verlust der letzteren, bedeutete den Krieg mit neuem Blutvergießen und unzweifelhafter Niederlage, bedeutete die Berreißung Deutschlands. Der Zu fammenhang Deutschlands ist durchaus nicht so fest und unlösbar, wie mancher glaubt. Ganz gewiß umschlingen uns Preußen, Bayern, Württemberger, Hessen, Badenser, Sachsen usw. gemeinsame Bande des Blutes, der Kultur und der Sprache, ganz gewiß sind auch die Fäden unseres Wirtschaftslebens eng gefnüpft, aber auch in bayerischen Hochöfen und Fabriken, wie in Küchenherden brennen Kohlen aus dem Ruhr- und Saargebiet, wenn sie unter französischer Protektion dorthin geliefert werden. Im Zusammenhang mit diesen wirtschaftlichen Möglichkeiten sehen wir aber auch die ganze Gefährlichkeit der Haltung der bayerischen Regie rung in der Entwaffnungsfrage. Die Einwohnerwehren müssen bis zum 30. Juni entwaffnet und aufgelöst sein, damit burch ihre Weiterexistenz nicht doch noch der Vorwand zum Einmarsch gegeben werden kann. gutmachung in den Grenzen des Möglichen ja so wie so an. Außerdem haben die Arbeiter, wenn sie nicht den neuen Krieg wollen, auch gar nicht die Möglichkeit, sich den Folgen der Niederlage mit ihren Konsequenzen zu entziehen, ebensowenig wie sie sich von den üblen Begleiterscheinungen des Krieges befreien konnten, während gewisse Schichten der besitzenden Klassen doch nicht so start unter den Entbehrungen in ihrer verschiedenen Gestalt zu leiden haben. Es ist das wir es auch in früheren Krisenzeiten beobachten mußten, vom eine Begleiterscheinung des kapitalistischen Zeitalters, wie wirtschaftlichen Aufstieg erhält der Arbeiter mit seiner Familie einen fleinen Anteil, beim Unternehmer fummiert sich dieser Anteil nach bestimmter Gesetzmäßigkeit, der in entsprechender Weise wieder zur Befriedigung von Kultur- und Lurusbedürfnissen dient. Beim Abstieg, gewöhnlich verbun den mit großer Arbeitslosigkeit, aber sieht man, wie auch jetzt wieder, neben der Entbehrung alles Notwendigen in breiten Schichten die stark aufreizende Entfaltung einer ungeheuren Verschwendung in anderen Kreisen. Wäre es den Rechtsparteien ebenso ernst mit der Erfüllung doch nun einmal vorhandener nicht wegzuleugnender Pflichten, fühlten sie wie wir die ganze Verantwortung für das Geschick des Landes und des Volkes, so durften sie die Abwendung der Gefahr nicht allein den sozialdemokratischen Parteien, dem Zentrum und einzelnen Demokraten" überlassen. Dann durfte aber auch die Volkspartei sich nicht im entscheidenden Moment, nachdem sie wahrhaftig in monatelanger Regierungszeit den Beweis ihrer ganz besonderen" Fähigkeit schuldig geblieben war, vor der Verantwortung drücken. Es scheint die historische Aufgabe der Sozialdemo fratie zu sein, in den Stunden der Gefahr für das Baterland als Retter einzuspringen. Die Regierung hat eine schmale Basis. Die USB., die wohl für Annahme des Ultimatums gestimmt hat, ist nicht an ihr beteiligt. Ueber ihr weiteres Berhalten wird uns die Zukunft belehren. Eine ihrer Par lamentarier entsprechende Wählerschaft stützt sie im Lande nicht mehr. Wohl gab es in der Fraktion Genossen, die schon früher der Meinung waren, daß wir in die Regierung eintreten müßten, wenn wir die Annahme des Ultimatums vollziehen wollten. Jedoch die Mehrheit konzentrierte ihre ganze Kraft darauf, der Regierung fernzubleiben. Erst im letzten Moment, als die politische Feigheit der Volkspartei feinen anderen Ausweg mehr ließ, fanden sich die Genossen mit dieser Situation ab. Nun zum Eintritt in die Regierung. Am 9. Mai noch faßten Parteiausschuß und Reichstagsfraktion einen gemeinsamen Beschluß, in dem zum Ausdruck fam, daß wir als Partet bereit seien, unter dem Druck der militärischen Gewaltandrohungen mit ihren in ihrer ganzen Furchtbarkeit unübersehbaren Folgen für Deutschland und sein Volk, die Annahme des Ultimatums zu bejahen und jeden ernsthaften Versuch zur Erfüllung des Londoner Diktats zu unterstützen. Aber Fraktion und Parteiausschuß waren sich vollkommen Soweit es sich übersehen läßt, hat die Parteigenossenflar darüber, und das kam in der gefaßten Entschließung schaft unseren Schritt verstanden und gebilligt. Die breiten deutlich zum Ausdruck, daß mit der Annahme des verhäng- Kreise der klassenbewußten Arbeiter wissen, daß das nisvollen Ultimatums auch die Verpflichtung für alle Volks teile entstand, sich an der Durchführung seiner Forderungen zu beteiligen. Die Vertreter der Partei sagten sich mit Recht, daß dieser Zweck besser erreicht werden kann, wenn diese Bindung durch eine bürgerliche Regierung erfolgt. Schwerste, die Erfüllung der Bedingungen des Ultimatums, uns bevorstehe und seine Gefahren nicht endgültig beseitigt find. Unsere Frauen und Mütter atmen, für einen Augenblick von dem Alp der Kriegsangst befreit, auf. Mögen alle daran denken, daß die schlimmsten wirtschaftlichen Bedräng 102 Die Gleich beit nisse uns im Falle der Nichtannahme des Ultimatums geblieben wären, daß sie sich aber gepaart hätten mit den Folgen ber Nichtannahme. Das muß uns die fittliche Kraft geben, unsere Verpflichtung zu erfüllen, in dieser Zeit die Partei mit allen Kräften zu stüßen und zu fördern. Die„ Sympathie" für die Bolkspartei ist in der Arbeiterschaft durchaus nicht gestiegen. Auf die Haltung Lloyd Georges hat die Annahme des Ultimatums augenscheinlich günstig gewirkt. Hoffen wir, daß endlich und für die Dauer Bernunft und Einsicht im In- und Ausland siegen werden. Du Volk, Du Volk Von Kurt Klaeber Marie Juchacz. Nicht in Gott liegt deines Leidens Wende, Nicht in Gott liegt deine bittre Not. Tein, in deine harten Arbeitshände Legte man dein Leben, deinen Tod. Und nun fieb: Des Schikfals heil'ge Wage Sank auf Sterben, Sank von бaß erfüllt. Du mußt fterben, Wenn nicht Deines Herzbluts Heiße Liebe In die Lebensichale quillt. Und nicht Gott kann dir die Liebe geben, Tlein, aus deinem eignen wilden Herzen Muß fie Itrablend über deine Gaue Ichweben Und fich neigen über Leid und Schmerzen. In die Hütten muß fie gebend gehen, Hus Paläiten muß fie gebend gleiten, Ueber Feld und Acker muß fie fäen, Ueber Not und Weh die Schwingen breiten. Und dann wirft du, Volk, erwachend fchreiten Ueber Haß und Blut Und Macht und Tod Aus der Feinde Gier, Die dich umloht, In der Liebe heil'ge Himmelsweiten. Rus der Sammlung Neue Saat", Gedichte von Kurt Klaeber, Volksbuchbandlung G. m. b. 5., Jena, 1,50 k. Akademie der Arbeit Mit einer ebenso schlichten wie würbigen und eindruckspollen Feier wurde am 2. Mai die Akademie der Arbeit eröffnet. Der Nachfolger Haenischs, Kultusminister Becker, begrüßte in ihr ein Werf der Opferwilligkeit der Gewerkschaften und setzte ihr das Ziel, durch Erkennen und Wissen die Menschen der Solidarität entgegenzuführen. Genoffe Thomas führte als Bertreter der 13 Millionen Gewerkschafter, die hinter dieser Kulturtat einer Akademie der Arbeit stehen, in ebenso formschöner wie tief durchdachter und warmherziger Weise aus, daß hier, fern von den durch die Berhältnisse aufgezwungenen materiellen Lebensfämpfen, Menschen geformt werden sollen. Nicht Titel und Orben follen hier erlangt, sondern eine Spikenfultur geschaffen wer ben, von der Ströme befruchtenden Wissens, hohen Idealis. mus in das Land des Lebens hinausgehen. Keine Parteisache, eine deutsche Sache, eine Menschheitssache tut sich da auf, und das Grundgesetz der Akademie sei:„ Erfenne die Wahrheit durch die Wahrheit wirst du frei werden." Und ein Stüd Universitätsreform wird fich da entwickeln. Der Arbeiter wird die Schwere geistiger Arbeit erkennen und würdigen lernen, ber Afademiter einen Begriff davon bekommen, welche fostbaren schöpferischen Kräfte unter einem schlichten Arbeitsfittel, unter einer berußten Müze verborgen sind. Möge die Akademie der Arbeit werden ein Wahrzeichen für unsere geistige Kraft." Der Leiter der Akademie, Dr. Rosenstock, betonte in marNr. 11 figen und geiftoollen Ausführungen den streng wissenschaft. lichen und neutralen Charakter der Neufchöpfung. Eines aber, und das muß gerade an dieser Stelle start unterstrichen werden, blieb ungesagt: von den Frauen war mit feinem Worte bei dieser ganzen feierlichen Eröff nung die Rede. Das erklärt sich nicht damit, daß, wie mir ein fozialdemokratischer Professor begütigend sagte, vom Selbstverständlichen nicht erst geredet werden müsse. Wäre das fo selbstverständlich, wie fommt es dann, daß dem Lehrförper der Akademie, ebenso wie ihrem Berwaltungsrat, nicht eine einzige Frau angehört, und daß, was noch viel schlimmer ist, die freien Gewerkschaften nicht eine einzige Frau delegiert haben, so daß von den beiden einzigen Schülerinnen die eine von der Postbehörbe, die andere von einer christlichen Gewerkschaft entsandt wurde. Einen Kommentar ersparen wir uns. Henr. Fürth. Recht und Wohlfahrtspflege Bon Bürgermeister Dr. Caspari,( Brandenburg a. d. H.) A. Familienrecht VII. Berwandtschaft, Schwägerschaft und eheliche Abftanimung. Berwandt find nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch nur die Personen, die voneinander oder von einem gemeinsamen Dritten abstammen. Die Blutsverwandtschaft ist also auch für Das Recht maßgebend. Es ist zu unterscheiden zwischen Berfonen, die miteinander in gerader Linie, und solchen, die in Der Seitenlinie miteinander verwandt find. In gerader Linie find solche Personen miteinander verwandt, deren eine von der anderen abstammt, z. B. Großvater, Bater, Sohn, Entel usw. In der Seitenlinie find solche Personen mileinander verwandt, die zwar nicht in gerader Linie verwandt Jind, aber von derselben dritten Person abstammen, z. B. Geschwister(§ 1589). Der Grad der Verwandtschaft beftimmt fich nach der Zahl der sie vermittelnden Geburten. Mit meinem Vater bin ich also im ersten, mit meinem Bruder im zweiten, mit meinem Better im vierten Grade verwandt. Nach§ 1589 Abs. 2 gelten ein uneheliches Kind und dessen Bater nicht als verwandt. Diefer mit Recht heißumstrittene und bekämpfte Sah erhält eine wesentliche Einschränkung burch§ 1310 Abs. 3, monach eine Verwandtschaft im Sinne der Cheverbotsvorschriften auch zwischen einem unehelichen Kinde und dessen Abtömmlingen einerseits und dem Bater und dessen Verwandten andererseits besteht. Es ist zu hoffen, daß die Bestimmung des§ 1589 Abs. 2 durch eine neue Gesetzgebung beseitigt bzw. geändert wird. Die Verwandten eines Chegatten sind mit dem anderen Ehegatten verschwägert. Die Linie und der Grad der Schwägerschaft bestimmen sich nach der Linie und dem Grade ber sie vermittelnden Verwandtschaft(§ 1590). Mit meiner Schwiegermutter bin ich also im ersten Grad verschwägert; mit der Schwester meiner Frau bin ich in der Seitenlinie zweiten Grades verschmägert. Stiefeltern und Stiefkinder find fonach ebenfalls miteinander verschwägert. Schwägerschaft im Rechtsfinne besteht nur mit den Verwandten, nicht aber auch mit den Verschwägerten des Ehegatten. Mit dem Manne feiner Schwester ist man nicht verschwägert, obwohl man ständig von dem„ Schwager" spricht. Die rechtliche Bedeutung der Verwandtschaft und Schwä gerschaft zeigt sich in vielfacher Hinsicht. Beide können ein Chehindernis bilden(§§ 1310, 1311, 1327). Auf der Verwandtschaft beruht die gesetzliche Unterhaltspflicht(§ 1601 ff.). Ebenso wichtig ist die Berwandtschaft u. a. für das Erbrecht und das Pflichtteilrecht(§ 1924 ff.,§ 2303 ff.). Ein für das Privatrecht wie für das öffentliche Recht gleich wichtiges Gebiet ist das der ehelichen Abstammung(§§ 1591 bis 1600). Die Abstammung von der Mutter ist naturgemäß in der Regel leicht festzustellen. Viel schwieriger dagegen ist Nr. 11 Die Gleichheit der Beweis, daß das Kind auch vom Vater abstammt. Die Römer hatten daher das richtige Rechtssprichwort geprägt: mater semper certa est, pater est, quem nuptiae demonstrant d. h.: die Mutter ist immer feststellbar, als Vater des Kindes dagegen gilt der mit der Frau Verheiratete. Das Bürgerliche Gesetzbuch stellt nun folgende Vermutun gen auf: 1. Ein Kind, das nach Eingehung der Ehe geboren wird, ist ehelich, wenn die Frau es vor oder während der Ehe empfangen und der Mann innerhalb der Empfängniszeit der Frau beigewohnt hat(§ 1591). Als Empfängniszeit gilt nach§ 1592 die Zeit vom 181. bis 302. Tag vor dem Tage der Geburt des Kindes mit Einschluß sowohl des 181. als des 302. Tages; steht fest, daß das Kind innerhalb eines Zeitraumes empfangen worden ist, der weiter als 302 Tage vor dem Tage der Geburt zurückliegt, fo gilt zugunsten der Ehelichkeit des Kindes dieser Zeitraum als Empfängniszeit. 2. Nach dem Gesagten ist also das in der Ehe ge borene Kind ehelich, wenn die Frau es vor oder während der Ehe empfangen und der Mann innerhalb der Empfängniszeit der Frau beigewohnt hat. Das Gesez verlangt also nicht etwa, daß nur dieser Mann innerhalb der Empfängniszeit dieser Frau beigewohnt hat. Es geht aber zum Schutze des Kindes noch einen erheblichen Schritt weiter. Nach§ 1591 Abs. 2 wird nämlich vermutet, daß der Mann innerhalb der Empfängniszeit der Frau beigewohnt habe. Bestreitet der Ehemann dies, damit also auch die Ehelich feit des Kindes, so muß er die Nichtbeiwohnung beweisen. Grundsätzlich gilt aber diese Vermutung nur, soweit die Empfängniszeit in die Zeit nach Eingehung der Ehe fällt. Gerade die letzten Jahre haben hier sehr viel praktische Fälle gezeitigt. Während des Krieges ist mancher Mann durch die Nachricht, er fei Bater geworden, überrascht worden. Wollte er die Ehelichkeit des Kindes nicht gelten laffen, so mußte er beweisen, daß er der Frau innerhalb der Empfängniszeit nicht beigewohnt habe. Ist es den Umständen nach offenbar unmöglich, daß die Frau das Kind von ihrem Manne empfangen hat, dann gilt es als nichtehelich( S 1591 Abs. 1 Gaz 2). Zum Beispiel das Kind der beiden blonden Ehegatten ist ausgesprochener Mulatte oder die Frau ist schon vor der ersten Beiwohnung bei ihrem Ehemann schwanger gewesen usw. Will der Mann die Ehelichkeit des Kindes bestreiten, so ist er auf den Rechtsweg angewiesen. Er muß die Anfechtungsklage gegen das Kind, das dann in einem solchen Prozeß durch einen Pfleger vertreten wird(§ 1909), erheben (§ 1596). Die Anfechtung der Ehelichkeit kann nur binnen Jahresfrist seit dem Zeitpunkt erfolgen, in welchem der Mann die Geburt des Kindes erfährt(§ 1594). Anfechtungsberechtigt ist, solange der Ehemann lebt, nur er, nicht etwa auch die Frau, nicht etwa auch das Kind. Ich habe in der Braris verschiedentlich Fälle erlebt, in denen Ehefrauen ge beten haben, für ihr Kind einen Vormund zu bestellen, da das Kind nicht von ihrem Manne stamme. Sie wollten in folchen Fällen von dem, den sie als unehelichen Bater des Kindes aussprachen, Alimente beziehen. Das ist nicht mög lich, auch wenn das Kind feststehend nicht von dem Ehemann der Frau herrührt, falls dieser nicht die Anfechtungsflage erhebt. Mir ist noch ein Fall in lebhafter Erinnerung, in dem eine Frau, ohne von ihrem Mann geschieden zu sein, mit einem anderen Manne zusammenlebte und von diesem Kinder bekam. Diese Kinder waren sämtlich ehelich, da der Ehemann der Frau, der sich um seine Familie nicht fümmerte, nicht zu bewegen war, die Ehelichkeit der Kinder anzufechten, es also auch keine Möglichkeit gab, den Freund ber Frau, d. h. den wirklichen Bater der Kinder, als Bater in Anspruch zu nehmen. Die Frage der Anfechtungsberech tigung bedarf der gesetzlichen Menderung. Ist der Bater, ohne das Anfechtungsrecht verloren zu haben, gestorben, 103 dann kann jeder, also auch das Kind und die Mutter, die Unehelichkeit des Kindes geltend machen(§ 1593). Nach dem Lode des Kindes erfolgt die Anfechtung der Ehelichkeit durch Erklärung gegenüber dem Nachlaßgerichte; die Erklärung ist in öffentlich beglaubigter Form abzugeben(§ 1597). Nach § 1598 ist die Anfechtung der Ehelichkeit ausgeschloffen, wenn der Mann das Kind nach der Geburt als das feinige anerfennt. Eine wichtige Bestimmung gibt noch§ 1600. Wird von einer Frau, die sich nach Auflösung ihrer Ehe wieder verheiratet hat, ein Kind geboren, das nach den§§ 1591 bis 1599 ein eheliches Kind sowohl des ersten als auch des zweiten Mannes sein würde, so gilt das Kind, wenn es innerhalb 270 Tagen nach Auflösung der früheren Ehe geboren wird, als Kind des ersten Mannes, wenn es später geboren wird, als Kind des zweiten Mannes(§ 1600). Was muß die Wohlfahrtspflegerin von der sozialen Gesetzgebung wiffen? Bon Hedwig Wachenheim Die Unfallversicherung ( Fortfegung) Das Gesetz über die Unfallversicherung besteht aus drei Teilen, die die gewerbliche, die landwirtschaftliche und die Seeunfallversicherung behandeln. Es ist durch Reichsgeseh vom 11. April 1921 abgeändert worden. Der Unfallversicherung unterstehen die Betriebe. Gleichartige Betriebe sind zu Berufsgenossenschaften zusammengeschlossen, bei denen der Unternehmer seinen Betrieb und die Zahl der Versicherten und deren Löhne und Gehälter anmeldet. Der Gewerbeunfallversicherung unterliegen, um nur die wesentlichsten zu nennen, Bergwerfe, Steinbrüche und verwandte Betriebe, Fabriken, Werften, Hüttenwerke, Apotheken, Brauereien, Gerbereien, alle Arten Baubetriebe, das Schornsteinfeger, Fensterputzer- und Fleischereigewerbe, der Betrieb der Eisenbahner, der Post- und Telegraphenverwaltung, die Binnenschiffahrt, der Speditionsbetrieb, der Lagereibetrieb, der Packerbetrieb, also alle besonders unfallgefährdeten Betriebe. Als Fabriken gelten die Betriebe, die gewerbsmäßig Gegenstände be- oder verarbeiten und hierzu mindestens zehn Arbeiter regelmäßig beschäftigen, und dann auch solche Betriebe, die mit Sprengstoffen arbeiten, elektrische Kraft ähnliche Betriebswerke verwenden. Es foll hier der Kürze erzeugen und nicht bloß vorübergehend Dampfkessel oder halber im besonderen die gewerbliche Unfallversicherung behandelt werden, da die Abweichungen der landwirtschaftlichen und Seeunfallversicherung dann ohne weiteres aus dem Gesetz begriffen werden fönnen. Gegen Unfall find versichert Arbeiter, Gehilfen, Gesellen und Lehrlinge, außerdem Betriebsbeamte mit einem Einfommen bis 8000 Mt. Die Sagung tann sich erstrecken auf Unternehmer und Betriebsbeamte, deren Jahresarbeitsverdienst nicht 40 000 Mt. an Entgelt übersteigt. Als Betriebsbeamte gelten auch Werkmeister und Techniker. Die Versicherten haben Anspruch auf die Leistungen der Unfallversicherung, wenn sie einen Unfall erlitten haben, der in Zusammenhang mit der Betriebstätigkeit steht. Berbotswidriges Handeln schließt die Annahme eines Betriebsunfalls nicht aus, dagegen besteht kein Anspruch auf die Leistungen der Versicherung, wenn ein Unfall vorfäßlich herbeigeführt worden ist. Geleistet wird eine Unfallentschädigung, die einen Ausgleich für den entstandenen Schaden bieten soll. Diese Ent schädigung besteht also folgerichtig in ärztlicher Behandlung und Arznei und in einer Rente, die den entgehenden Arbeitsverdienst ersetzen soll und sich also dem entgangenen Arbeitsverdienst anzupassen sucht. Bei Berlegungen sind vom Beginn der 14. Wache da vorher in der Regel die Krankenkasse einzutreten hat- nach dem Unfall zu gewähren: Krankenbehandlung, die die ärztliche Behandlung 8 104 Die Gleichheit und Versorgung mit Arznei, anderen Heilmitteln sowie mit den Hilfsmitteln, die erforderlich sind, um den Erfolg des Heilverfahrens zu sichern oder die Folgen der Verlegung zu erleichtern, wie Krücken- und Stützenvorrichtungen, umfaßt; ferner eine Rente für die Dauer der Erwerbsunfähigkeit. Die Rente beträgt, solange der Verlegte infolge des Unfalls völlig erwerbsunfähig ist, zwei Drittel des Jahresarbeitsverdienstes. Eine solche Rente heißt Vollrente. Solange der Berletzte teilweise erwerbsunfähig ist, erhält er eine Teilrente, nämlich den Teil der Vollrente, der dem Maße der Einbuße an Erwerbsunfähigkeit entspricht. Solange der Verletzte infolge des Unfalls so hilflos ist, daß er nicht ohne fremde Wartung und Pflege bestehen kann, ist die Rente entsprechend, jedoch höchstens bis zum vollen Jahresarbeitsverdienst, zu erhöhen. Die Teilrente kann bis zur Vollrente erhöht werden, wenn der Verletzte infolge des Unfalls unverschuldet arbeitslos ist. Wie schon gesagt, wird die Rente nach dem Jahresarbeitsverdienst berechnet. Als solches gilt das Berufseinkommen, das der Verletzte während des letzten Jahres im Betrieb bezogen hat. Uebersteigt der Jahresarbeitsverdienst 10 200 Mark, so wird der darüber hinausgehende Teil nur mit einem Drittel angerechnet. Aber nur bis- 40 000 Mt., es sei denn, daß die Sagung anderes bestimmt. Außerdem werden wegen der Teuerung Zulagen zu den Renten seit Mai 1920 gewährt, die jetzt verdoppelt worden sind. Die Erhöhung wird ohne Antrag ausbezahlt. Wenn der Versicherte durch den Unfall getötet wird, ist ein Sterbegeld zu gewähren, das den 15. Teil des Jahresarbeitsverdienstes ausmacht, jedoch mindestens 50 Mt. Außerdem wird den Hinterbliebenen eine Rente gewährt; diese beträgt ein Fünftel des Jahresarbeitseinkommens für die Witwe bis zu ihrem Tode oder ihrer Wiederverheiratung, und für jedes Kind, soweit ihm der Verstorbene nach gefeßlicher Pflicht Unterhalt gewährt hat. Die Witwe erhält bei ihrer Wiederverheiratung drei Fünftel des Jahresarbeitsverdienstes als Abfindung. Die Witwe hat, wenn die Ehe erst nach dem Unfall geschloffen ist, feinen Anspruch auf Rente, falls die Genossenschaft eine solche nicht aus bestimmten Gründen gewährt. Die Bestimmungen über die Rente gelten auch bei Tötung einer Ehefrau, die wegen Erwerbsunfähig keit des Ehemannes ihre Familie ganz oder überwiegend erhalten hat. Auch Eltern, die der Verstorbene ganz oder überwiegend erhalten hat, kann eine Rente von zusammen ein Fünftel des Jahresarbeitsverdienstes für die Dauer der Bedürftigkeit gewährt werden. Das gleiche gilt für hinterlaffene Enkel, doch darf die für einen Berlegten gewährte Rente im ganzen nicht drei Fünftel des Jahresarbeitsverdienstes übersteigen, sonst wird sie gekürzt, und zwar für Chegatten und Kinder gleichmäßig. Wird der Anspruch schon erschöpft, das heißt werden schon drei Fünftel des Jahresarbeitsverdienstes ausbezahlt, so erhalten die anderen Verwandten nichts mehr. Ein erfolgter Unfall ist binnen drei Tagen vom Unternehmer der Berufsgenossenschaft anzuzeigen. Der Fall wird dann polizeilich untersucht und die Berufsgenossenschaft erteilt, wenn der Grad der Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit durch ärztliches Gutachten festgestellt ist, dem Verletzten oder seinen Hinterbliebenen Bescheid, ob und in welcher Höhe sie bereit ist, Entschädigung zu leisten. Das Heilverfahren geht von der Berufsgenossenschaft aus, die Rente wird durch die Post ausgezahlt. Die Genossenschaften haben die Mittel für die Aufwendungen durch Mitgliederbeiträge aufzubringen, die den Bedarf des abgelaufenen Wirtschaftsjahres decken müssen. Auch eine Ansicht Vor einem blüh'nden Rosengarten ſtand Ein Efel und rief ärgerlich hinein: ,, O wie verwüftet ihr das fchöne Land! ( Fortjeßung folgt) Das müßt' ein Boden für die Difteln fein!" Julius Sturm. Nr. 11 Zur Frage der Reglementierung Die Frauen im Reichstag führen zurzeit einen hartnäckigen Kampf gegen die weiße Schmach", gegen diese Kulturschande. Seit Jahrhunderten gehen Millionen weißer Frauen als Opfer der Prostitution durch die ungezügelten Begierden der„ männlichen Kulturwelt" zugrunde. Unsere gesitteten Kulturstaaten dulden, ja fördern die physische und seelische Bernichtung eines Teiles der Frauenwelt. Staatsmänner verteidigen diese Einrichtung als besonders hygienisch und gesundheitsfördernd! Die Reglementierung und Bordellierung der unglücklichen Opfer begann schon im Mittelalter und verbreitete sich allmählich über ganz Europa. Zulegt faßte die Reglementierung in England Fuß, und dort erwuchs dieser Hydra der Menschheit auch die starke Gegnerschaft, die sie in England bald wieder zu Fall brachte. England ist das Geburtsland der bekannten abolitionistischen Föderation. Eine zarte, schüchterne, stille Frau, Frau Josefine Butler, loderte auf in heiligem Zorn, weil sie sah ,,, wie die große soziale Schmach, die empörende Ungleichheit in der Beurteilung geschlechtlicher Sünden beim Mann und beim Weib von der Welt gutgeheißen wurde, anstatt flammende Entrüstung zu erregen". Sie, die nie für die Deffentlichkeit geschult war, die nie daran gedacht hatte, in einer Versammlung als Rednerin aufzutreten, die erst das tiesinnere eigene Widerstreben überwinden mußte, die wußte, daß die Verachtung, der Hohn, ja sogar die Empörung der sog. guten Gesellschaft über sie herfallen würde, sie entschloß sich, aus ihrem stillen Hause herauszutreten und in aller Deffentlichkeit für die Aermsten ihres Geschlechts zu kämpfen, die es ihr selbst nicht einmal dankten. Sie mußte einen förmlichen Kreuzzug führen; unter heftigster Opposition, unter böswilligen Verleumdungen und Beschimpfungen leitete fie eine großzügige Agitation ein. Frau Butler bereiste das ganze Land und hielt überall Versammlungen ab. Treu hielt sie bei ihrer Sache aus, immer furchtlos, niemals müde, stets beharrlich. Sie bewahrte ihre echte Weiblichkeit, ihre rührende Güte, trotz mancher Steinwürfe und vieler Schmähungen. Ihr Bemühen wurde in England mit einem vollständigen Triumph belohnt. Die Königin Viktoria unterzeichnete schon im Jahre 1886 die Abschaffung der Reglementierung in England. Möge der Kampf der Frauen und Genoffinnen in der Bolksvertretung gegen die weiße Schmach in Deutschland im Jahre 1921 zu einem guten Ende geführt werden! Dr. Sophie Schöfer. Die Entlassung unehelicher Mütter Die Genossin Elli Radtke hat in Nr. 10 der„ Gleichheit" berichtet von dem Verlaufe der Reichstagsfißung, in welcher der Antrag unferer Fraktion, die uneheliche Mutterschaft nicht als Grund für leider die Entlassung einer Beamtin anzusehen, behandelt und mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt wurde. Daß trotzdem unser Antrag und seine Begründung nicht ohne Eindruck auf die Behörden geblieben war, davon zeugte eine Gigung, welche im Reichsministerium des Innern am 6. Mai stattfand. Zu dieser Besprechung waren vom Ministerium des Innern geladen und erschienen Vertreterinnen des Allgemeinen deutschen Lehrerinnenvereins, des Vereins fatholischer deutscher Lehrerinnen, des Verbandes der Reichs- Post- und Telegraphenbeamtinnen, der Reichs- Eisenbahnbeamtinnen, der württembergischen Verkehrsbeamtinnen, des Verbandes preußischer Lehrerinnen und des Deutschen Verbandes der Sozialbeamtinnen. Von den Reichstagsfraktionen waren außer unserer Fraktion die Unabhängigen, Rommunisten, Demokraten und das Zentrum vertreten, bezeich nenderweise dagegen nicht die Deutschnationalen und die Deutsche Volkspartei. Krasser als durch diese Sizung konnte wohl durch nichts bewiesen werden, wie unendlich viel Arbeit noch zu leisten sein wird, um mit der falschen Moral zu brechen, unter der mir heute leiden. Während die Reichstagsverhandlung bei den Be hörden dahin gewirkt hatte, daß sie versuchte, in Form von Richt linien ein gewiffes Kompromiß zwischen den Verbandsbeschlüssen Nr. 11 Die Gleich beit der Reichs- Post- und Telegraphenbeamtinnen und der dementsprechenden heutigen Praris sowie dem Verlangen eines großen Teiles des Reichstages nach Beseitigung dieses Zustandes zu schaffen, glaubten die Vertreterinnen der Beamtinnen auf ihrem Standpunkt beharren zu sollen. Und doch: wie wenig bedeuteten diese Richtlinien"! Während heute ohne weiteres jede unehelich Mutter werdende Beamtin entlassen und erst dann geprüft wird, ob im einzelnen Falle eine Wiedereinstellung in Frage kommen fann, soll das Zustandekommen der Richtlinien vorausgesetzt in Zukunft gegen lebenslänglich angestellte Beamtinnen wegen unehelicher Mutterschaft ein Disziplinarverfahren eröffnet werden können; bei nicht lebenslänglich angestellten Beamtinnen soll die oberste Dienstbehörde entscheiden. Wie wenig Garantien dadurch geboten sind, zeigt die Einleitung der„ Richtlinien", in der ausdrücklich gesagt ist, daß die außereheliche Mutterschaft an sich sehr wohl einen hinreichenden Anlaß zu einem disziplinaren Vorgehen geben könne, und daß hierin ein Berstoß gegen die Verfassung nicht zu erblicken sei! Mit Ausnahme der Vertreterin der Sozialbeamtinnen, die dieser Frage vorurteilsfreier gegenüberstehen, genügte dies den Organisationsleiterinnen nicht! Was auf feinen Mord, auf keinen Diebstahl steht, nämlich die unbedingte Mußvorschrift für die Eröffnung des Disziplinarverfahrens, das verlangten die Beamtinnenund Lehrerinnenvertreterinnen für ihre Kolleginnen, die es wagen, ohne standesamtliche Sicherheit für ihre Versorgung einem Kinde das Leben zu geben. Das verlangten sie unter der Fahne der Sittlichkeit!„ Die Geseze müssen so sein, daß sie das sittliche Volfsempfinden nicht abschwächen, sondern stärken", führte die Bertreterin der katholischen Lehrerinnen aus, und begriff nicht, daß durch ihr Vorgehen Lüge und Heuchelei, also direkte Unfittlichkeit gestärkt wird! Auf eine wie schiefe Ebene sich die Damen begeben hatten, zeigte ihr eigenes Auseinandergehen in bezug auf die Begründung ihrer Forderungen. Wollte die eine die ,,, doppelte Moral" beseitigen, das heißt den Mann ebenso wie die Frau behandelt wissen, so meinte die Vertreterin des Zentrums, daß Mutter Natur durch die äußeren Erscheinungen die Frau so gekennzeichnet hätte, daß die Behörden sich mit ihr beschäftigen müßten; ein Ausspionieren privater Verhältnisse beim Manne dagegen sei nicht an gängig! Alle Versuche, die Damen eines Besseren zu belehren, die vor allem von unserer Genossin Juchacz sowie der unabhängigen Vertreterin Frau Wurm gemacht wurden, scheiterten an dem Gefühl der Selbstgerechtigkeit der Gegenseite. Das änderte sich auch nicht, als der Vertreter des Reichspoftministeriums eine geradezu un* Feuilleton Kindesfeele Was eine Kindesfeele Aus jedem Blick verspricht, So reich ist doch an бoffnung Ein ganzer Frühling nicht. * Wie uns ein Veilchen kündet r Den Frühling fchon im März, So wird dein Kind ein Frühling Für dich, o Mutterherz. v. Fallersleben. Marjellchen Bon Anna Mosegaard. 105 glaubliche Rede hielt, die uns das letzte Zutrauen zu den unterbreiteten Richtlinien nehmen mußte. Wir stehen auf dem Standpunkte, daß die uneheliche Mutterschaft sich unter feinen Umständen mit der Würde der Postbeamtin verträgt, und werden deshalb die uneheliche Mutter immer entlassen." In diesem Sage gipfelten feine Ausführungen. Unter diesen Umständen glaubten wir der Sache ein Ende machen zu müssen, und die Unterzeichnete gab deshalb die Erklärung ab, daß an sich die Richtlinien" einen Fortfchritt gegenüber der Forderung des Beamtinnen- Verbandes bedeuten, daß aber die Ausführungen des Herrn Bertreters des Reichs. postministeriums uns gezeigt hätten, in welchem Sinne sie ausgelegt werden würden; unter diesen Umständen könnten wir nur sagen, daß wir an unserem Grundsage festhalten müßten, die uneheliche Mutterschaft sei an sich nichts Ehrenrühriges und deshalb auch kein Grund zur Entlassung. Dafür würden wir weiter kämpfen. Das, Genossinnen, laßt uns tun, ganz besonders in den Reihen der Frauen! Louise Schroeder. Immer wieder die doppelte Moral Wie dringend notwendig die Aufklärungsarbeit nicht nur unter den Frauen, sondern auch unter den Männern noch ist, beweist ein Vorkommnis, das uns Genosse Kurt Heilbut aus Thüringen schildert. " Dort hatte der Arbeiterverein eines fleinen Dörfchens Fahnenweihe. Aber der Verein hatte Bech". Denn die Trägerin der Fahne wurde einige Monate später Fahne wurde einige Monate später Mutter. Weil aber der Vater des Kindes das Mädchen nicht geheiratet hat, das Kind also ein uneheliches ist, galt die Fahne als„ beschmußt". Sie mußte darum noch einmal geweiht" werden, was denn auch vor wenigen Tagen geschehen ist. Die Arbeiterschaft kämpft für die Gleichberechtigung der unehelichen Mütter. Sie fämpft dafür, daß diese Gleichberechtigung in Recht und Gefeß und damit auch von den Bürgerlichen anerkannt wird. Genau so, wie wir uns gegen das zweierlei Recht für arm und reich mehren, wenden wir uns gegen das zweierlei Maß, mit dem die beiden Geschlechter immer noch gemessen werden. Dazu ist aber in erster Linie notwendig, daß wir uns selbst von der engstirnigen bürgerlichen doppelten Moralanschauung freimachen, die bei Mädchen und Frauen verurteilt, was sie beim Mann stillschweigend mit dem Mantel der christlichen Nächstenliebe verdeckt. Wir müssen uns von den überkommenen Anschauungen dir die Sache über. Du konntest scheinbar gar nicht verstehen, wie man zur Maienzeit, an solch lachendem, leuchtendem Frühlingstag so trübe in die Welt schauen konnte! Freudetrunken hieltest du dein Angesicht der Sonne entgegen und ließest dir den Blütenschnee auf dein blondes Köpfchen schneien. Bis auch das dir zu langweilig wurde. Unruhig rutschtest du auf deinem Platze hin und her. Du hattest mir ja so viel Schönes zu zeigen. Das sab ich deinen strahlenden Augen an, und so gingen wir. Erst zu deinen Kaninchen. Sieben herzige Junge lagen da im Neste, dick und rund, behütet und bewacht von der Kaninmutter. Und mit Bestimmtheit glaubtest du, daß deine Kaninmutter in diesem Som mer noch viele, viele kleine Kaninchenkinder friegen würde, weil du fie doch so reichlich mit gutem Futter versorgtest! " Dann machten wir„ Radgad", deiner Ente, einen Besuch. Radgad war ein fluges Tier. Wie ein Hündchen folgte sie dir, fraß dir aus der Hand, ließ sich streicheln und legte dir an jedem zweiten Tage ein großes Ei. Und weiter ging's zur Mede", deiner schneeweißen Ziege. Mit vor Freude glühenden Wangen erzähltest du mir, daß deine Mecke bald ein Zicklein haben würde. Mutter hatte es dir anvertraut, damit du auf deinen Spaziergängen mit Mede ja behutsam mit ihr umgehen solltest. Und das tatest du, liebes Marjellchen; davon habe ich mich überzeugt, als wir drei, du und ich und Mecke durch Wald und Wiese streiften. War das ein Blühen und Grünen überall! Dazu lachte die Maien. sonne so goldig, so strahlend. Bergan wolltest du mich führen, um mir von dort alle Schönheiten deiner Heimat zu zeigen. Aber nein, das ging ja nicht, Mecke durfte ja nicht mit da hinauf, fie könnte ja fehltreten, abstürzen oder sich sonstigen Schaden zuWie gut, daß du die Mecke am Strick führtest! Ihr zuliebe schrittest du langsam fürbaß, wiewohl du selbst viel lieber davongesprungen wärest wie ein junges Bicklein! Wie rein, wie schön leuchtete dein Auge, als du mich fragtest:„ Ob es wohl möglich sein könnte, daß Mecke zwei Zicklein auf einmal bekäme! ft muß ich deiner gedenken, liebes, fleines Marjellchen! Als wäre es gestern erst gewesen, so sehe ich dich vor mir stehen, fühle wieder den festen Druck deiner kleinen Hand, durch den du mich im Hause deiner vortrefflichen Mutter willkommen hießest. Deine großen, blauen Augen, die so tief, so flar wie ein Bergfee find, sahen mich strahlend an, dein roter Mund lachte so frühlingsfroh! Dein goldenes Haargelock, deine reine, weiße Stirn,-alles an dir ist Freude, echte Maienlust! Du stelltest dich mir vor, aber sagen ,, ich heiße Marie- Ellen Sie nur„ Marjellchen", so nennen sie mich alle." Im Garten faßen wir, fügen! unterm blühenden Kirschbaum,- deine Mutti, du und ich. Soviel wichtige Dinge hatten deine Mutti und ich zu beraten, zu besprechen. Recht troftlos, schwarz und düfter sah es damals in unser beider Herzen aus. Ein Weilchen lauschtest du mit ernstem Gesicht unserem Gespräch, dann aber war 106 Die Gleichheit Nr. 11 lossagen. Wenn wir in der Mutterschaft die Erfüllung des weib- lichen Geschlechts sehen, dann dürfen wir keinen Unterschied machen zwischen Mutter und Mutter. Dann müssen wir die Mutter schlecht- hin als solche verehren und nicht danach fragen, ob der Mann— der Vater des Kinde»— das Mädchen geheiratet oder— im Stich gelassen hat. Denn darauf läuft doch die.Schuld" der unehelichen Mutter in den weitaus meisten Fällen hinaus, daß sie zu gläubig und vertrauensvoll war und sich von einem Manne täuschen, be lügen und betrügen ließ. Mädchen, Frauen und Mütter! Schützt die unehelichen Kinder und Mütter vor der doppelten Entrechtung als Frau und Prole tarierin I Protestiert und kämpft gegen die doppelte Moral, wo immer ihr könnt! Vor allem räumt in unseren eigenen Reihen mit dergleichen Anschauungen auf, die geboren sind aus dem klein lichen bürgerlichen Philistertum und nichts gemein haben mit unseren hohen sozialistischen Ideen von der Gemeinschaft aller Menschen. Internationale kommunistische Frauen konferenz in Moskau Am IS. Juni soll in Moskau die zweite internationale kom munistische Frauen konferenz stattfinden, nachdem am 1. Juni der dritte Weltkongreß der Kommunistischen Internationale in Moskau getagt hat. Die kommunistische Frauenkonserenz soll sich nach bisher vorliegenden Mitteilunzen unter anderem befassen mit der Förderung der internationalen Beziehungen zwischen den An gehörigen der Partei in den einzelnen Staaten und den dringendsten nächsten nationalen und internationalen Aufgaben. Es sollen ganz bestimmte Forderungen aufgestellt werden zum Schutze der Mutterschaft, der Arbeitskrast der Frau und zur Herstellung der völligen politischen und rechllichen Gleichstellung mit dem Manne. Auch die Auftichtung von Frauenorganen und Frauenseiten in den kommunistischen Tagesblättern wird gefordert, um durch die Politi- sterung der Frau die Bewegung zu stärken und Ihre Aktionsfähig keit wirksamer zu gestalten. Die Kommunistische Internationale besitzt im übrigen ein eigenes internationales Frauensekretariat, dessen leitende Sekretärin Alex andra Kollontay ist. Die Konferenz wird auch über dep weiteren Ausbau dieses internationalen Sekretariats beraten. Räch Schluß der Konferenz wird das Wesentlichste über ihren Verlauf hier berichtet werden. E. R. Dann hättest du Zwillinge,— das müßte herrlich sein!»Ja,— möglich konnte das schon sein." Da schlangst du beide Arme um den Hals der Ziege und schmeicheltest:„Gute, liebe Mccke, dann sollst du es recht, recht gut haben und deine Kinderchen nehmen wir jeden Tag mtt aus die Wiese." Dann batest du mich, ob ich M«ke einmal so lange am Strick festhalten wollt«, damit sie sich recht satt fressen könne im Gras, indessen du für dein Kaninchen Futter pflücken könntest. Natür lich,— gern wollt« ich dir den Gesallen tun. Leichtfüßig wie ein Reh sprangst du davon. Löwenzahn pflücktest du vor allem, weit da so viel Milch darin sei. Das sei etwas für die Kaninmutter, die müsse ja doch Milch trinken, damit sie wieder Milch für die Kleinen habe. Und richttge Milch,— o nein,— die war nicht zu haben. Behende sprangst du hierhin,— dahin,— in der linken Hand «in Bündel saftigen Löwenzahn für die Kanin, dazwischen etwas junges, zartes Gras für Rackgack,— in der Rechten einen Strauß für die Mutter. Sumpsdotterblumen, Gänseblümchen, Buschwind röschen, ein paar Stengel Waldmeister.— alles bunt durch einander,— so zogen wir heim. Alles Düstere, Schwere, was mich bedrückte, war auf diesem Spaziergange von mir gefallen. Eines Tages, als wir unseren Streifzug wiederholen wollten, war Marjellchen sehr traurig: Mecke durfte uns nicht begleiten, well sie schwerfällig geworden war und nicht recht mehr gehen wollte. Mutti hatte gesagt, nein, Marjellchen, laß Wecke nur zu Hause, Mecke hat Schmerzen. „Was für Schmerzen, Mutti?" „Mutterschmerzen."„Mutterschmerzen?!" Bang fragend sah Marjellchen mich an:„Wird Mecke sterben müssen?"„Wir wollen es nicht hoffen, Marjellchen, aber große Schmerzen wird Mecke ausstehen müssen, wenn sie dir ein Zicklein schenkt." Vom Kinderelend Von Eduard Gräf Von München aus wird eine kleine Broschüre versandt» welche sich„Das Münchener Kind nach dem Kriege" betitelt. Dem Inhalt nach könnte dieses lehrreiche Büchlein von jeder Großstadt herausgegeben sein, denn die darin geschilderten furchtbaren Verhältnisse treffen aus Berlin wie Frank«> furt a. M. und viele andere zu. Der Inhalt der Broschüre selbst stellt das Ergebnis einer öffentlichen Tagung vom. H 11. bis 11. Januar 1921 im Hörsaal der Münchener Uni versität dar, die von den ärztlichen Organisationen Münchens veranstaltet und ausschließlich der physischen und geistigen Not des Kindes gewidmet war. Oberarzt Dr. Husler berichtete über die Not des kranken s Kindes, die Tätigkeit der Kinderhilfe während des Krieges und die heutige Lage derselbeiu Er machte auf all die Ee» H fahren aufmerksam, die der körperlichen Entwicklung und dem Gedeihen unserer Kinder drohen durch Stumpfheit und i Indolenz weiter Volkskreise. In allen Großstädten klagt man über die Zunahme der Krätze, die ganze Familien er faßt hat. Bei einer Durchuntersuchung in größerem Stile wurden nahezu 73 Proz. der geprüften Kinder, darunter viele aus sogenannten. besseren Familien» verlaust be funden. Auch über die Zunahme der Syphllis bei Kindern wftd berichtet. Bei all diesem furchtbaren Elend müssen städtische Milchküchen für Säuglinge wegen Mangel an Betriebsmitteln geschlossen werden. Krankenhäuser sind im Abbau begriffen, weil die Pflegekosten nicht mehr gekragen 1 werden können. Ergreifende Worte über die Not der Säuglinge fand die Oberschwester Wörner, die den alten Satz bestätigte: „Die Not nimmt in den kinderreichen Familien langsam aber stetig zu. geht mehr und mehr auf die Allgemeinheit, auf die gesamte Bevölkerung des Arbeiters und des Mittelstandes über." Nur einem Drittel der Säuglinge und Kleinkinder könnte noch verschafft werden, was sie zur Erhaltung der Gesund heit, des bloßen Lebens nötig haben. Ernst und schweigend ging es heute durch den Wald. Die besten! Kräuter wurden für Mecke gepflückt: jedes Wort, das sich mühsam über Marjellchen? Lippen stahl, galt Mecke. Allmählich erst wurde das Kind gesprächiger. Erzählte mir von den vielen Tränen, die Muttt geweint habe, damals, als Boter im Kriege gefallen sei. Marjellchen hatte den Vater sast nicht gekannt und erzählte so viel Liebes und Schönes von ihm. Von der großen Sorge, die Vater gehabt habe in der Zeit, als er draußen im Schützengraben ge legen habe und ihm daheim sein Marjellchen geboren werden sollte. Wie zart, wie innig sprach das Kind hiervon,— und wie selbst verständlich! Mir war bei diesem Geplauder so leicht, so froh,— so,— als schritte der Frühling in Menschengestalt neben mir einher. Am nächsten Morgen mußte ich reisen. � Marjellchens Sorge war noch nicht gehoben. Mecke lag am Abeiü) matt auf dem Stroh und sah uns angst voll an. Wie menschenähnlich solch ein Tierauge im Schmerz werden kann. Marjellchen kniete neben Mecke und kraute ihr das weiße Fell:„Gute Nacht, Nebe Mecke." In dieser Nacht fand ich wenig Schlaf. Ich hatte kurz vor dem Schlafengehen einen Artikel über„die zunehmende Verrohung der Jugend" gelesen, der gab mir zu denken. Das Fknster in meinem Schlafzimmer war weit geöffnet,— dunkel und sternenlos war die Frühlingsnacht. In den Bäumen rauschte der Nachtwind. Süßen Fliederduft wehte er mir ent gegen. Fest schloß ich die Augen, um den Schlaf gewaltsam zu er zwingen. Da sah ich im Geist« Marjellchen vor mir stehen, sah sie in ihrer lichten, blonden Schönheit,— sah, wie das Kind, zart und behutsam, die hochtragende Ziege durch den Wald führte, mitten durch die flimmernde Sonnenpracht schritt es,— wohin es trat, war eitel Sonnenschein. Das gab mir Ruhe,— Frieden. Nr. N Die Gleichheit 107 Interessant ist auch die Mitteilung über den Bestand an Betten und Bettwäsche in Münchener Familien. Im Herbst 1920 wurden bei 305 unbemittelten und bemittelteren Fa milien mit 2800 Personen Erhebungen angestellt über den Stand an Betten u,ch Bettwäsche. Danach trafen aus diese 2800 Personen 2051 Betten, und zwar 1329 bezogene, mehr oder weniger vollständige Bellen, 141 unüberzogene und 565 Schlafgelegenheiten, worunter man bestenfalls ein Sofa, gewöhnlich eine Matratze oder einen Strohsack ver- steht, der tagsüber in einem Winkel liegt und nachts auf den Boden gelegt wird, oder bei den meist viel zu kleinen Zim mern auch im fensterlosen muffigen Hausgang, in einer kleinen Kammer aufgeschlagen werden muß. 14 hatten über haupt keine Lagerstätte. Es fehlten 1430 Matratzen und Strohsäcke, d. i. 51 Proz.. 744 Deckbetten, d. i. 26 Prvz., 133 hatten überhaupt nichts zum Zudecken. Kopfkissen waren reichlicher vorhanden, weil ursprünglich auf jedes Bett zwei Kopfkissen kamen. Aber gesundheitlich besonders schlimm ist der Mangel an Leinentüchern, der in 45 Proz. der angefrogten Fälle fest gestellt wurde. Man denke daran, daß kein Leinentuch mehr vorhanden war bei Entbindungen, in KrankheitsfSNen, und daß Aerzte, Hebammen und Fürsorgefchwestern hilflos dann am Bette standen! Die noch vorhandene Bettwäsche ist durchschnittlich sehr mürbe und zerrissen und durch die schlechten Waschmittel der Kriegszeit verdorben, so daß schon für die nächsten Jahre mit einem vollständigen Fehlen von jeglicher Bettwäsche bei mehr als der Hälfte der Bevölkerung zu rechnen ist. Die alten Kinderbetlchen können nicht mehr gereinigt und in neue Vettgesäße umgefüllt werden: sie ver erben sich von einem Kind auf das andere, mit allem Schmutz und jenem üblen, scharfen, gesundheitsschädlichen Uringeruch, der uns schon von weitem her aus den Wohimngen ent gegenschlägt. In erschreckender Weise nimmt das Unge ziefer, besonders Wanzen, zu. Man spricht so viel von Peinlichkeit und bedenkt nicht, daß ein einfaches Zinkwönnchen über 110 Mk. kostet. Es wird dann heißes Wasser gespart, die Wanne höchstens hand breit gefüllt. Töpfe zum Auskochen der Wäsche sind kaum noch vorhanden, da ein mittelgroßer Waschtopf schon 72 Mk. tostet. Kinderwagen sind von 35 Mk. aus 800 Mk. bis 1800 Mk., also um das 25fache. gestiegen. Der Vorrat an Kinderwäsche der Wohlfahrtsstelle ist erschöpft. Wohin sollen sich unsere Mütter dann wenden? Die Anschofsungs- kosten für ein Neugsdorencs ini Jahre 1914 und 1920 be trugen: w o-hre ISI« lm Ichr, 102» Für Erstlingswäsche.. 35,— Wk. 4Ü9,— Mk. Korb mit InHall... 58,—. 517,—» Badewanne und sonstiges 30,—» 413,—„ Kinderwagen..... 35,—» 800.—„ Wickelkissen..... 8—„ 200— � Zusammen... Ibü,— Mk.— Mi. Der Gcsamtoe'.brauch für die notwendigsten ersten An schaffungen ist also von 166 Mk. aus 2339 Mk. gestiegen. Das entspricht einem Mehrverbrauch von 1140 Proz. Auf das Jahreseinkommen prozentual berechnet würden die Anschaffungskosten allein für 1914— 9,2 Proz., d. i. ein Zehntel, für 1920— 19,9 Proz., d. t. ein Fünftel des Jahres einkommens eines gelernten Arbeiters bettagen. Neugeborene sind ja nun verhältnismäßig billig in einem Waschtorbbettchen unterzubringen. Eine Bettstatt für größere Kinder kostet heute schon mehr als 260 Mk. So müssen nun viele Kinder das Bett mit Eltern und Geschwistern, die viel leicht tuberkulös sind, teilen. Ost liegen sie, viel zu groß, mit verkrümmten Gliedern, in dem zu klein gewordenen Säuglingskorb oder in einer kleinen Kiste. In dem Bericht heißt es einmal:„Erst kürzlich fanden wir ein sechsjähriges Mädchen in einem Waschkorb, ein halbjähriges Kind auf dem Tisch gebettet, zwei Kinder von drei und vier Jahren in Reisekofssrn, ein einjähriges in einer Hutschachtel!" Hand in Hand mit dem Kinderelend geht natürlich die Wohnungsnot, die in allen Grvßstädtem die gleiche ist. Dr. Kerschensteiner berichtete über Erziehungsnot der Münchener Kinder und setzt einen großen Teil der Minder leistungen in der Schule auf Konto der mangelnden Er nährung. Biels Klassen melden, daß 20 Proz. ihrer Kinder die ganze Woche nur Kaffee oder Tee zu Mittag haben. Tausende kämen ohne Frühstück in die Schule. Auch von den Lehrkräften führen 58 Proz. die Minderleistungen ihrer Kinder auf mangelhafte Ernährungsverhältnisse zurück. Derschwunden war meine quälende Angst um die Verrohung der Jugend. Marjellchens Bild vor Augen, schlief ich endlich ein. Noch herrschte völliges Dunkel, da weckte mich ein merkwürdig klagender Schmerzenslaut. Ein,— zweimal zitterte er durch die Stille. Vom Hofe schien er zu kommen.„Meckel" durchfuhr es mich. Gleich war ich auf,— und stieß auf der Treppe bald mit meiner Gastgeberin zusammen. Dann gingen wir hinunter, Mecke bei zustehen in ihrem Mutterjchmerz. Süß träumend lag Marjellchen in den Kissen. Am Morgen führten wir sie zu Mecke. Ihre Freud« war grenzenlos, als sie die zwei schneeweißen Zicklein sah. Mit Freuden tränen in den Augen umarmte sie die Mecke:„Arme, liebe, gute Mecke,— und wir haben alle geschlafen!" „O nein, Marjellchen! Wir waren bei ihr. Dein Mutti und ich,— wir haben gewacht mit Mecke." Da küßte uns das Kind wortlos die Hände. Voll tiefer Dank barkeit sah es zu uns auf.— Ein paar Stunden später fuhr mein Zug aus der Halle. Lange stand Marjellchen und winkte mit ihrem Taschentuch.— Dank dir, Marjellchen!— daß du mir den inneren Frieden. die Ruhe, das Glück,— dank dir,— daß du mir den Frühling wiederbrachtest! Glauben und Wissen EV�>arie hatte mit dem Vater Schularbeiten gemacht. Beim Ein- packen ihrer Bücher knüpft sie noch ein Gespräch an. .Was haben wir morgen für Stunden?— Watte mal— Deutsch— ei, das habe ich gern. Turnen— ah, das ist meine Liebling-stunde— und Religion— die mag ich nicht. Dir liegt auch nichts daran, nicht, lieber Bater?" „Die Stunde interessiert mich nicht!" „Ach, was da alles vorkommt! Wir sind jetzt bei den Königen. Denke nur mal, Vater, kein König ist bis jetzt ohne Sünde gewesen." „Was? Kein König ohne Sünde?" „Ja, alle haben sie gesündigt: Saul, David, Abschom,— na, der erst, der hat schon von Anfang an gesündigt— und Solomon, der hat so hohe Steuern verhängt, und dann hat der zwei Frauen kommen lassen. Nur einer ist ohne Sünde gewesen, das war der Herr Jesus. Der war aber auch kein König." Der Vater zündete sich beschaulich eine Zigarre an. „Bater, nicht. Du bist Dissident?" Der Vater nickt. „Ich doch auch, nicht?" „Du auch." „Ach, denke Dir nur, neulich fragte Fräulein, wer katholisch sei. Da meldeten sich zwei. Und dann, wer jüdisch sei— drei, zu sammen fünf. Also, sagte Fräulein, fünf von einundvierzig, bleiben sechsunddreißig, die evangelisch sind. Ci. da habe ich mich ober gemeldet und gesagt, ich wäre dissidentisch." „Und was sagte Fräulein da?" „Ach richtig, Du bist dissidentisch. Und nach der Stunde fragten mich Anneliese Menke und Friederike Meier, was da» wäre, und ob ich denn nichts glaubte." „Was hast Du denn daraus gesagt?" „Nichts. Was sollte ich denn sagen?" „Sage nur. Du„glaubst" überhaupt nicht, Du willst warten, bis Du groß und gescheit bist, und dann wolltest Du wissen." „Bater, warum glauben denn die Menschen so verschiedenes?" „Weil sie nicht wissen. Sieh mal aus dem Fenster, da siehst Du in der Ferne das Denkmal, siehst Du es?" „Ja, aber nur sehr undeutlich, es ist schon so dunkel." „Nun denke Dir, es träte hier einer hin und sagte:„ich glaube, der Mann, den das Denkmol darstellt, schaut nach links, sehen kann 108 Die Gleichheit Nr. N Amtsgerichtsrat Rupprecht sprach über die Verwahrlosung und Straffälligkeit der Jugend und führte an, daß z. B. die Zahl der verurteilten jugendlichen Diebe allein beim Jugend gericht von 203 im Jahre 1914 auf 539 im Jahre 1920 ge stiegen sei. Frau Großmann berichtete über die Erfahrungen der Schulpflegerinnen. In einer arbeitsamen Familie waren für e l f K i n d e r nur e i n H e m d vorhanden. Eine Mutter konnte ihre drei kranken Kinder nicht zusammen in die Klinik führen, weil sie ebenfalls nur ein Kinderhemd besaß. 41 Proz. der Münchener Volksschulkinder haben auch im Winter keine Unterkleider an, bei 37 Proz. sind die Strümpfe höchst mangelhaft oder fehlen ganz. 11 Proz. haben überhaupt keine Schuhe, 63 Proz. völlig zerrissene, 84 Proz. gehen auch im Vorfrühling und Spätherbst bei Regen und Schnee noch barfuß in die Schule. Die Tuberkulosesterblichkeit schilderte Dr. Ranke. Er stellte fest, daß die Erkrankungen an Tuberkulose erschreckend häufig geworden sind, und zwar wieder ganz besonders im frühen Kindesalter. Besonders sind auch die Mädchen, die ihr Ent wicklungsalter während der furchtbaren Entbehrungsjahre des Krieges durchzumachen hatten, schwer und dauernd ge schädigt worden. Die dem Büchlein beigefügten Illustrationen zeigen das furchtbare Kinderelend einer Großstadt noch deutlicher. Die Frauen und der Elternbeirat Seit etwa einem Jahr haben wir in Preußen die Ein richtung der Elternbeiräte. Sie sind bei uns eingeführt auf Grund des Ministerialerlasses vom 5. November 1919. Der Elternbeirat soll der Förderung und Vertiefung der Be ziehungen zwischen Schule und Haus dienen und den Ellern wie der Schule die Arbeit miteinander und den Einfluß auf einander gewährleisten. Seine Tätigkeit ist beratender Natur. Sie erstreckt sich auf Wünsche und Anregungen des Elternkreises, die sich auf den Schulbetrieb, die Schulzucht und die körperliche, geistige und sittliche Ausbildung der Kinder beziehen, und die über den Einzelfall hinaus von ich es zwar nicht, es ist noch dunkel, aber ich glaube es."— Ein anderer Mann aber träte auf und sagte:„Wie töricht von Dir, daß Du glaubst, der Mann schaue nach links I Ich glaube, er schaut nach rechts. Sehen kann ich es zwar nicht, es ist so dunkel. Aber ich grit u b e esl Und mein Glaube ist der richtige." Und nun stellen sich viele Menschen hinter den ersten und rufen mit ihm: „Er schaut nach links!" Ebenso viele Menschen aber stellen sich hinter den zweiten und rufen mit ihm:„Er schaut nach rechts!" Und während noch beide Parteien sich anschreien, kommt ein dritter Mann und sagt:„Was schreit Ihr so? Er schaut nicht nach links und nicht nach rechts: er schaut geradeaus. Sehen kann ich es zwar nicht, es ist noch immer dunkel. Aber ich glaube es! Und mein Glaube ist der einzig wahre und der allein seligmachende." Und auch hinter diesen Mann treten Menschen und rufen mit ihm: „Er schaut geradeaus." Wenn Du nun an diesen drei streitenden Haufen vorbei kämest, zu welchem würdest Du gehen?" „Ich? Zu keinem!" „So ist's richtig! Aber warum denn nicht?" „Ich würde näher an das Denkmal herangehen, um genau zu sehen, oder ich würde warten, bis es Heller geworden ist." „Ganz recht! So macht's Dein Vater auch mit dem Glauben. Er läßt die Juden und die Katholiken und die Protestanten sich streiten über das, was sie glauben: er selbst aber sucht sich das, was er noch nicht weiß und über das, was noch im Dunkeln ruht, aufzuklären. Wenn die Menschen immer mit den: zufrieden ge wesen wären, was sie glaubten, so wären wir noch weit zurück: aber die Menschen sind langsam vom Glauben zum Wissen fort geschritten, und was einstmals dunkel war, das ist jetzt hell und klar. Nun gibt es viele Menschen, denen gefällt's in der Dunkel heit besser. Dir auch?" „Nein, ich bin lieber, wo es hell ist!" „Ich auch. Dann wollen wir zusammengehen, ja?" „Ja, lieber Vater, mit Dir gehe ich überall hin." allgemeiner Bedeutung sind. Soll bei schwerwiegenden Ver fehlungen gegen einen Schüler(Schülerin) die Verweisung von der Schule ausgesprochen oder ihm im Abgangszeugnis eine Sittennote gegeben werden, die ihm das Fortkommen erheblich erschweren oder ihn in den Augen der Allgemein heit herabsetzen würde, so ist mit Zustimmung der Eltern des Schülers der Elternbeirat vorher zu hören. Der Elternbeirat beruft in Verbindung mit dem Lehrkörper Gesamt-Eltern- versammlungen ein, um wichtige Fragen durch Vorträge und Aussprache klarzustellen. Wählbar in den Elternbeirat sind auch die Mütter. Der Frau als Mutter kommt im Elternbeirat eine wichtige Auf gabe zu. Wer wäre wohl geeigneter, an der Tätigkeit der Elternbeiräte aktiven Anteil zu nehmen, als die Frau, die Mutter, die bis zum Eintritt ihrer Kinder ihre Erziehung und ihren Unterricht, der allerdings kein planmäßiger war und sein konnte, bei dem aber das Kind im Laufe des vor schulpflichtigen Lebensalters mehr gelernt hat als in der ge- samten späteren Zeit, geleitet hat. Alle Fragen, die das leibliche Wohl der Schulkinder betreffen, werden bei ihr volles Verständnis finden. Sie kann mit ihrer mütterlichen Milde ein wohltuendes Gegengewicht gegen die mehr sach liche Art der Männer bilden. Sie ist nicht überflüssig im Elternbeirat von Knabenschulen, sie ist aber besonders not wendig bei der Vertretung der Elternschaft in Mädchen schulen. In der Regel finden die Elternbeiratsversammlungen monatlich einmal statt. Hierfür muß die Mutter sich frei machen können. Nun können nicht alle Mütter dem Eltern beirat angehören, denn auf je 50 Kinder kommt ein zu wäh lender Vertreter der Elternschaft. Die Mütter können aber recht regen Anteil nehmen an den Elternabenden der Schule. Bei diesen Veranstaltungen sollen sie sich an den Aussprachen beteiligen. Auf die Form kommt es dabei nicht an. Das öffentliche Reden lernt man schon, auch wenn man noch keine Uebung darin hat. Die Hauptsache ist, daß man etwas zu sogen weiß, daß man mit dem Herzen bei der Sache ist. Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Die Frage der Schulspeisungen, der Schulreirigung, der „Und wenn Du etwas wissen möchtest, wenn Dir irgend etwas das Herz bedrückt, dann fragst Du mich, ja? Ich werde Dir immer die Wahrheit sagen. Du wirst mich zwar nicht immer gleich ganz verstehen— hast Du verstanden, was ich Dir vorhin gesagt habe?" „Ja— alles zwar— so ganz genau— ich glaube nicht." „Nun, das ist auch nicht nötig, wir sprechen noch öfter darüber, und was Dir heute noch unklar ist, wird Dir morgen schon klar werden. Nun bitte ich Dich: frage mich stets, als wenn ich Dein Freund wäre. Ich möchte nämlich auch Dein Freund sein!" „Du? Du bist doch mein Vater!" „Ja, aber wenn ich außerdem noch Dein Freund sein könnte, würde ich mich sehr, sehr freuen. Dann wäre ich ordentlich stolz!" „Ach Du!" Ein kleiner weicher Mädchenarm schlingt, sich um meinen Hals, und eine stürmische Liebkosung sagt mir mehr, als Worte ver möchten.— Ernst Almsloh. (Aus dem sehr empfehlenswerten Buch„Aus meinen vier Pfählen", Verlag Kaden u. Co., Dresden.) Es kommen Stunden... s kommen Stunden, da wir Flügel zu haben glauben, Flügel, dem Alltag zu fliehen, und Kraft, die Sterne zu zwingen. Alle» atmet dann Frühling und Sonne. Alles. Selbst die Steinkästen der Großstadt werden dann erträglich und die fiebernden Straßen. Das sind die Stunden, da der Genius jauchzen durste: Seid um schlungen Millionen...1 Das sind die Stunden des Glücks, die Stunden der großen Liebe. Sie kommen wie ein lichter Morgen, so hell, so rein, so still. Sie sinken wie ein schöner Sommerabend. Langsam, ganz langsam. Nichts bleibt uns dann als die tiefe Sehnsucht unserer schwingenden Seele.— WalterSfingler. Nr. Il Die Gleichheit 109 körperlichen Züchtigung, die häuslichen Aufgaben, die Schul arztsrage, körperliche Reinlichkeit und Sauberkeit der Schüler und vieles andere mehr, das sind Angelegenheiten, für die besonders die Frauen als Mütter im Elternbeirat und in den Elternversammlungen zuständig wären. Hier bietet sich ein weites Gebiet für die Betätigung der Frauen, ein Gebiet, das viel Segen und viel innere Befriedigung schaffen kann. R. P a u l i. Kind und Kunst Der Blind entschiedener Schulreformer hatte zu Mittwoch, den 4-, und Donnerstag, den S. Mai, seine Freunde und Anhänger zu einer pädagogischen Kunsttagung nach Berlin-Lankwitz geladen. Es handelte sich darum, wie auch in den einleitenden Worten von Paul Oestreich zum Ausdruck gebracht wurde, die Frage der künst lerischen Bildung in ihren verschiedenen Formen innerhalb des Erziehungsproblems zu untersuchen und zu klären. Nicht eine Er ziehung zur Kunst soll angestrebt werden, sondern die Weckung und der Ausbau aller schöpferischen Kräfte, die im Kinde nach Aus druck ringen, sei es als Wort, Ton, Linie, Farbe. Körper oder Rhythmus. Förderung der Produktivität des einzelnen Kindes ist das gewollte Ziel einer solchen Erziehung. Auf dieser Grundlage bauten sich auch die Referate sämtlicher Redner der Tagung auf. Die Veranstaltung war überaus reichhaltig an Wissenswertem und Interessantem. Nach den mehr einführenden Worten von Franz Hilter sprach der Kunstgelehrte Prof. Oskar Wulif über:„Die psychologischen Grundlagen der Kinderkunst" und zeigte an Hand von Lichtbildern die stufenweise Entwicklung des kindlichen Darstellungsvermögcns. Es folgten Vorträge über„Kulturwissen schaftliche Grundlagen der musikalischen Erziehung" von Gesang- lchrer Walter Kühn, der Ziel und Zweck der Musikerziehung ebenfalls im Wecken der künstlerischen Gestaltungskraft sieht, ferner über„Körper und Rhythmus" von Siegfried Kamera u.— Otto Ostrowski sprach über Marionettenspiele in der Schule als Mittel zur Auswirkung der kindlichen Gestaltungskraft, zur Unterstützung für alle die Fächer, die kein Anschauungsmaterial be- sitzen. Er betonte die vielerlei Möglichkeiten, die die Schaffung eines Puppentheaters in der Schule für die Beschäftigung der Kinder gibt. Auch die Dienstbarmachung des Films für erzieherische Zwecke kam zur Sprache. Der zweite Tag begann mit Erwin Heckmanns Vortrag über den Zeichenunterricht,„Wege zum schöpferischen Gestalten". Seine Ausführungen wurden ergänzt von Otto Möller,„Ziele und Wege des Zeichenunterrichts". Der Nachmittag war den Ver tretern der Musik vorbehalten. Fritz I ö d e sprach über das Ver hältnis der Musik zur Kultur, HeinrichIacoby über die„Auf gaben der Musik in der allgemeinen Erziehung". Er will das musikalische Ausdrucksvermögen in allen Menschen wecken. Den Beschluß der Tagung bildeten rhythmisch-gymnastische Vorführungen der Schulen Dalcroze und Rhoden-Langgaard. Eine mit der Tagung verbundene Ausstellung von Kinder arbeiten. Zeichnungen, Malereien, Entwürfen, Plastiken usw. zeigte deutlich, daß es wirtlich nur der Anleitung und der Pflege bedarf, um in den Kindern die Fähigkeit zum Gestalten und die Freude an dieser Betätigung zu wecken. Manche der ausgestellten Arbeiten waren sogar hervorregend. Man verließ die Veranstaltung mit dem Gefühl, Menschen ge- senen zu haben, die von ernstem Suchen und Forschen beseelt und von dem festen Willen erfüllt sind, den einmal eingeschlagenen Weg bis zum Ende weiter zu schreiten. E. R. Soziale Rundschau__ � Heilversahren der Angeslelllenversicherung Nach dem Bericht der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte ist die Zahl der Anträge auf Heilverfahren von 42 7S7 in lS19 »»f SV S3S in 1920 gestiegen. Durchgeführt wurden 1919: 26 276 und 1920: 34 071 Anträge. Von den letzteren sind 22 977(1919: 17146) durch Bewilligung von Heilverfahren erledigt worden, und Zwar in Lungenheilstätten 7784(6314), in Sanatorien 6819(4642) und in Bädern 9347(7290). Außerdem wurden in 1397(1076) Fällen Zuschüsse zu einer Kur bewilligt uird 8726(6994) Zuschüsse zum Zahnersatz. Die 9brigen 971(1060) durchgeführten Fälle fanden durch Bewilligung einer spezlalärztlichen Behandlung und von Zuschüssen zu Heil- Mitteln Erledigung. Die Kosten der Heilverfahren sind um weit mehr als da» Doppelte gestiegen. Die Im Jahre 1919 bewilligten Heilversahren kosteten 19 716 806 Mk., 1920 dagegen 44 917 694 Mk.. die au» dem Vorjahre übernommenen Fälle 1919: 1963 783 Mk., 1920: 6 897 267 Mk. Dazu kommen noch besondere Ausgaben: 1919: 168 270 Mk. und 1920: 116 000 Mk., so daß die gesamten Kosten 1919: 21847 860 Mk. und 1920: 61 929 861 Mk. betrugen. Die Sozialdemokratie für die Erwerbslosen Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat einen Antrag ein gebracht, der im wesentlichen die Forderungen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes zur Bekämpfung der Arbeitslosig keit enthält. Er geht auf eine Steigerung der produktiven Er werbslosenfürsorge hinaus, und enthält einigermaßen angemessene Unterstützungssätze für die Erwerbslosen, die nicht beschäftigt wer den können. Bis zur Neuregelung der Erwerbslosenunterstützung fordert der Antrag, daß die für die Wintermonate gewährten Unterstützungssätze bestehen bleiben. Wir werden später noch aus führlicher darüber berichten. � Aus der Frauenbewegung des Auslandes"� Der erste wahlgang der belgischen Frauen. In Belgien fanden kürzlich Gemeinderatswahlen statt, bei denen zum ersten Male Frauen ihr Wahlrecht ausüben konnten.' Schon 1896 hatte Van- dervclde das Frauenwahlrecht für die Kommunen beantragt, war aber abgewiesen worden. Und jetzt setzten gerade die alten Gegner des Sozialismus große Hoffnungen auf die Frauen und selbst die sozialistischen' Parteien zweifelten an dem Ausgang der Wahlen. Besonders die Klerikalen drohten die Frauen einzusangen und rechneten, dem Anwachsen der Sozialisten gehörig Abbruch zu tun. Der Ausgang der Wahlen hat glänzend bewiesen, daß die Frauen unabhängig genug geworden sind, um zu erkennen, daß ihre eigenen Interessen, die ihrer Kinder und ihrer Familie nicht von der ortho doxen Reaktion geschützt werden, die ihnen noch immer geistige Hörigkeit, Ungleichheit dem Manne gegenüber als„die gottgewollte" hinzustellen und sie so ihren Interessen dienstbar zu machen versucht. Die belgischen Wahlen sind ein Ruhmesblatt in der Geschichte der sozialistischen Frauenbewegung. In 12 Bezirken, die seit langer Zeit klerikaler Besitz waren, haben die Frauenstimmen diese in die Minderheit gedrängt. Statt eines Abbruchs haben die Sozialisten in 218 Kommunen jetzt die Mehrheit davongetragen. Wenn in ein zelnen Gemeinden hier und da die Frauen auch einmal überwiegend klerikal gestimmt haben, so kommt dies bei dem überaus günstigen Gesamtergebnis gar nicht in Betracht. Wir begrüßen die belgischen Schwestern zu ihrem schönen Erfolg. Mögen sie tapfer und unbeirrt auf Ihrem Wege weiterschreitenl Washington. Die Gleichberechtigung der Frauen» und Männerarbeit wird noch einmal Gegenstand einer be- sonderen Beratung im amerikanischen Kongreß sein, nachdem be reits früher in dieser Frage der Kongreß eine Entscheidung gefällt hatte, die sich gegen das Frauenarbeitsamt und damit gegen all« Frauen richtet. Bei Verabschiedung des Staatshaushaltsplans wurde ein Gesetz angenommen, das die Löhne der weiblichen Ex perten im Frauenarbeitsamt herabsetzt und ihre Zahl stark oer mindert. Hiergegen wendet sich die Liga der nationalen Frauen gewerkschaften. Das Frauenarbeitsamt, das gegründet wurde, um den Bedürf- � nissen von über 12 Millionen lohnempfangender Frauen zu dienen, soll seiner geübten Expertinnen und Inspektoren beraubt werden, von deren Arbeit hauptsächlich die Unterstützungs- und Eingriffs- möglichkelt des Amtes abhängt. Die Entscheidung gegen das Frauenarbeitsamt wird noch rigoroser durch die Weigerung des Kongresses, den Frauensachverständigen den sogenannten„Bonus", eine Gratifikation von 240 Dollars jährlich, zu gewähren, der allen anderen Staatsbeamten gezahlt wird. Ethel Smith, die Vorsitzende der Liga der Frauengewerkschaften sagt:„Es ist bezeichnend, daß dies Gesetz von einem Kongreß an genommen wurde, in dem nur Männer vertreten sind. Er hat sich durchaus über die Idee der wirtschaftlichen Gerechtigkeit hinweg gesetzt, hat sich sogar dieser Idee feindlich gegenübergestellt." Aus unserer Bewegung Zur Reform der Frauenabende. Genossin Wachenheim hat mit Ihrer Anregung in Nr. 6 der „Gleichheit" wohl mancher, wenn nicht allen Funktionärinnen aus der Seele gesprochen. So möchte auch ich es nicht unterlassen, einige 110 Die Gleich beit Worte hierzu zu sagen. Oft schon habe ich über die bessere Aus gestaltung unserer Frauenabende nachgedacht, wie diefelben intereffanter und lehrreicher auszubauen wären. Wie oft macht man bie Erfahrung, daß die Frauen, zumal solche, die tagsüber einem Erwerb nachgehen müffen, förperlich und geistig müde in die Ver fammlung fommen und einem Vortrag nur schwer folgen können. Mag das Thema noch so wichtig und interessant für sie gewählt sein, die Augen und Ohren versagen ihren Dienst und das beste geht verloren, wird überhört. Wie ganz anders wäre dies, wenn sich die Referentin, im Sinne von Genoffin Wachenheim, einem bestimmten, unserer Zeit angepaßten Gebiete widmen fönnte und dies im kleinen Kreise, nach ihrer Methode tiefgründig behandeln und so gewiß großen, nachhaltigen Erfolg erzielen würde. Das ist ein Weg, der in Wahlkreisen, in denen es an guten Kräften nicht fehlt, leicht zu gehen wäre. Wie soll aber dort geholfen werden, wo es überhaupt an wirklich geschulten Leiterinnen folcher Frauenabende mangelt? Ich habe hier besonders die abgelegeneren Kreise bzw. Orte im Auge und halte gerade hier intensivere Bearbeitung und Aufklärung für ganz besonders wichtig, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie wissensdurftig aufgeweckte Frauen da find, wo nicht die Bildungsmöglichkeiten wie in der Großstadt, in der sich meist die belehrenden Kräfte tonzentrieren, vorhanden sind. Ich bin mir der finanziellen Schwierig. feiten für unsere Partei wohl bewußt, die aus solch gründlicher Bildungsarbeit erwachsen, aber diese Opfer müssen im Interesse unferer Sache und bei der außerordentlichen Bedeutung, die die Frau seit der Erlangung des Wahlrechts für unsere Bewegung gewonnen hat, gebracht werden. Der Parteivorstand muß unverzüglich an diese Frage herantreten und überall dort, wo nicht so fähige und geschulte Leiterinnen vorhanden sind, Sekretärinnen anstellen, die nach dem, von Ge noffin Wachenheim angeführten System, diese vernachlässigten Kreise bearbeiten. Der Erfolg wird nicht ausbleiben und die Genossinnen werden freudig zur Erleichterung der materiellen Seite beitragen. In kurzer Zeit wird sich ein solcher Bosten von selbst bezahlt machen. M. Segler. Württemberg. In der ersten Maiwoche fand in Württemberg eine Reihe von Versammlungen statt, in der Unterzeichnete über " Frauenforderungen und Sozialdemokratie" referierte. Der Landesparteivorstand von Württemberg- Hohenzollern hatte eine gute Ver fammlungseinteilung vorgenommen, so daß die größeren Städte vom Süden bis zum Norden hinauf mit einem Referat bedacht werden konnten und die Versammlungsberichte wiederum den Pleineren Orten das Referat übermittelten. Einen besonders guten Boden für Frauenagitation fand ich in den Städten, wo die„ Gleichheit" obligatorische Einführung gefunden hatte. Besonders bemerkbar machte sich das in den Schwarzwaldorten, wo doch ein gut Teil der Frauen erst nach der Re volution zu uns gekommen ist. Das Sicheinleben in unfere sozia listische Weltanschauung ist für die Frauen leichter, wenn sie neben dem Parteiorgan ständig eine Zeitung lesen, in der die besonderen Frauenfragen und forderungen erörtert werden. Durch fritische Stellungnahme zu den einzelnen Fragen werden die Meinungen geklärt und die Frauen werden zum Denken angeregt. Gerade in solchen Versammlungen war auch der Bertrieb von sozialistischen Zeitschriften und Broschüren sehr rege. Die Gleichheit" wird den Frauen hier von der Partet unentgeltlich geliefert, wenn sie den er. höhten Parteibeitrag und die 10 Pf. Postzustellungsgebühr zahlen. Dem Landessekretär Steinmeyer ist es also zu danken, wenn hier ein langgehegter Wunsch der Frauen praktisch zur Durchführung gekommen ist und die Erfolge werden sich noch immer mehr be merkbar machen. 17 Ein guter Stamm von alten Genoffinnen war in allen Versammlungen rege tätig; ihnen zur Seite standen neue Mitkämpfe rinnen. Die Versammlungsbesucherinnen mußten sich sicher wohl gefühlt haben, denn nach Schluß der Versammlung hatte man es gar nicht eilig, heim zu kommen, sondern nur langsam leerten sich die Versammlungsfäle. Bersammlungen fanden statt in Alpirsbach, Schramberg und Schwenningen, dann in Ulm und Göppingen, weiter in Stuttgart und Waiblingen und in Heilbronn- Pochingen war Schluß. In der Stuttgarter Bersammlung wurde eine von der Genoffin Blos eingebrachte Resolution einstimmig angenommen, die sich scharf gegen die beabsichtigte Freigabe der Milch und der daraus hergestellten Produkte wendet, da dadurch die Gefahr der Ueber teuerung entsteht. Helene Grünberg, Nürnberg Wohlfahrtspflege Nr. 11 Die Sozialbeamfinnen zum Reichsjugendwohlfahrtsgesetz Der Deutsche Verband der Sozialbeamtinnen hielt in der ersten Maiwoche seine vierte Hauptversammlung ab und beschäf tigte sich dabei auch mit dem tommenden Reichsjugendwohlfahrts gesetz. Dr. jur. Margarete Berent referierte vor Berbandsmit gliedern und Gästen über„ Die Stellung der Sozialbeamtinnen zum Reichsjugendwohlfahrtsgefeh", und zwar gab sie hauptsächlich die positiven Gesetzesbestimmungen zur Kenntnis, während Elsa v. Liszt als Korreferentin die kritischen Bemerkungen zu dem Gefeßentwurf übernahm. Die Ausführungen Frl. Dr. Berents waren sehr klar und fachlich. Frl. v. Liszt trat der in manchen Kreisen verbreiteten Met nung entgegen, daß nach der amtlichen Regelung der Jugend- und Wohlfahrtspflege nun ein trockener, bureaukratischer Geist in die Arbeit einziehen werde. Es handelt sich hier um die plan volle 3ufammenfassung aller bestehenden Einrich tungen, um ein finngemäßes Hand- in- Hand- Arbeiten. Das Be stehende soll weiter beruht, und da, wo noch nichts ist, soll etwas geschaffen werden. Die Sozialbeamtinnen werden zeigen, daß sie feine vertnöcherten Beamten find, sondern Menschen, die mit Freude ihren Beruf ausfüllen. Die Referentin nahm dann zu einzelnen Punkten des Gefeßes Stellung. Bei Besprechung des § 1 betonte sie ausdrücklich, daß immer darauf hingearbeitet wer den wird, Eltern und Kinder zusammenzulassen. Der Zusammen hang der Familie müsse gewahrt bleiben. Sie tritt ferner für un bedingte Beibehaltung des§ 4 des Gesetzes ein. Das Jugendamt soll eine Behörde sein, die alle Maßnahmen für die gesamte Jugend umfaßt, nicht nur der verwahrlosten, sondern für je bes Kind. Sie würde es sehr bedauern, wenn im Hinblick auf die Kosten die vorbeugende Fürsorge, die im§ 4 zum Ausdruck kommt, fallen gelassen würde. Selbstverständlich hält sie die zur Ver fügung gestellten 50 Millionen zur Durchführung des Gesetzes für viel zu gering. Von der Person des hauptamtlichen Leiters des Jugendamtes verlangt sie eine besondere fachliche Ausbildung, so wohl theoretisch als auch praktisch. Auch verwaltungstechnisch durchgebildet muß der Betreffende sein, ganz abgesehen davon, daß es eine starke Persönlichkeit sein muß, die der ganzen Arbeit den Geift gibt. Frl. v. Liszt wendet sich auch dagegen, daß die leiten. den Posten etwa ausschließlich Männern übertragen merden und den Frauen nur die Außenarbeit zufällt. Es muß jeder auf dem Bosten arbeiten, für den er befonders geeignet ist. Die Rednerin schloß ihre Ausführungen mit den Worten:„ Wir Sozialbeam tinnen begrüßen das Gefeß aufs wärmste. Wir wollen an seiner Ausgestaltung und Durchführung mitarbeiten in dem Wunsch, un serer Jugend zu helfen." Diese Auffassung tam auch in der anschließenden Aussprache zum Ausdruck. Es meldete sich auch u. a. Frau Ministerialrat Genossin Dorothea Hirschfeld zum Wort, die ganz besonders auf die viel zu geringe Summe von 50 Millionen für das ganze Reich hinwies. Sie schlug vor, sich bei der Durchführung des Gesetzes der Mitarbeit der Jugendausschüsse der Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge zu bedienen. Die Versammlung beschloß, an den 29. Ausschuß des Reichs tages, der das Gefeh berät, eine Eingabe zu richten mit der Bitte, aus dem§ 4 die vorbeugende Fürsorge nicht herauszunehmen. Dies stelle teine Ersparnis dar, da dieselben Ausgaben dann später bet der kriminellen Jugend wieder auftauchen. Eine Abschrift dieser Eingabe soll an den Reichsfinanzminister gesandt werden mit einem Antrag auf Erhöhung der für die Durchführung des Gefeßes bereitzustellenden Mittel. In einer am darauffolgenden Tage stattgefundenen Fachver sammlung der Polizeifürsorgerinnen sprach Polizeifürsorgerin Margarete Dittmer( Berlin) über das Thema:„ Wie können Polizeifürsorge, Jugend- und Wohlfahrtsämter erfolgreich zu fammenarbeiten?" Positive Vorschläge an sich brachte die dies bezügliche Aussprache nicht. Es wurde eine Kommission gebildet, die dem Reichstag einen Antrag zugehen lassen soll, sich mit der Frage der Zusammenarbeit zwischen den genannten Organisas tionen zu beschäftigen und sich ferner auch dazu zu äußern, daß in dem Reichsjugendwohlfahrtsgesetz die Stellung der Polizeifür forgerin nicht erwähnt worden ist. Beachtenswert war die Aeußerung einer seit vielen Jahren in ber Berliner Polizeifürsorge tätigen Schwester. Sie wünscht nicht, daß die Polizeifürsorgerinnen alle Jugendlichen dem Jugendamt zur Pflege abgeben müssen, denn sie wollen ihre Freude an der Nr. 11 Die Gleich beit Arbeit ihrer Sonnenfinder" behalten. Ob dies an sich richtig ist, fann man dahingestellt sein laffen; es ist aber ein Beweis dafür, baß die Beamtinnen mit wirklicher Liebe und Interesse in ihrem Beruf arbeiten. Elli Radtke. Bücherschau Bon Marie Juchacz ist eine Neubearbeitung der„ Praffischen Winte für die fozialdemokratische Frauenbewegung" erschienen, die auch tatsächlich praktische inte für die gesamte Tätigteit in unserer Bewegung enthält. Die Schrift wird vom Parteivorstand, Berlin, Lindenstr. 3, herausgegeben und ist für alle Funktionärinnen und fäfigen Genoffinnen unentbehrlich. Empfehlenswerte Neuerscheinungen des Vorwärts- Verlages find: " Wilhelm als Diplomat", ein außenpolitischer Rückblick von Dr. Adolf Köfter, Preis 1,50 Mt. Die Sozialisierung der Kohlenwirtschaft", von Otto Hue, Breis 1 mi. „ Die deutsche Volkswirtschaft", eine Einführung von Georg Gradnauer und Robert Schmidt, Preis broschiert 12 Mt., ge= bunden 15 Mr. „ Die Krise in der Kaliindustrie", von Georg Werner, 3,50 Mt. „ Die weltliche Schule", von Heinrich Bahlfe, 1,50 Mt. „ Die englischen Arbeiter gegen die Entente- Forderungen", ein Manifest der Labour Party über Arbeitslosigkeit, Frieden und Entschädigungsfrage, 1,25 mt. „ Die Gewerkschaften vor und nach dem Kriege", von Braun111 Müller( in Borbereitung). Preis des ersten Bandes 40 Mt. Gewerkschaftlich organisierte Genoffen erhalten eine Preisermäßigung. „ Ausbau der Kinderfürsorge durch die Gemeinde", von Sophie Schöfer- Auwed. Preis 2,75 Mt. Eine ausführliche Besprechung werden wir demnächst bringen. Un die Berliner Genofsinnen! 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Diese Notiz möchten wir noch dahin richtigstellen, daß die Adresse für den Schnittmusterbezug nicht G. Braunsche Hofbuch handlung, sondern G. Braunsche hofbuchdruderei und Verlag, Karlsruhe i. B., Karl Friedrich- Straße 14, lauten muß. Buchhandlung und Buchdruckerei sind zwei gänzlich getrennte Firmen. Die Redaktion. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bohm- Schuch. Druck: Borwärts Buchdruckerei. Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. S. sämtlich in Berlin SW 68, Lindenstraße 3 ,, Husten, Heiserkeit, Verschleimung, Auswurl, Nachtschweiß, Stiche im Rücken und Brustschmerzen hörten auf!"- Appetit und Körpergewicht hoben sich rasch!"- Allgemeines Wohlbefinden stellte sich ein!" So und ähnlich lauten die täglich bei uns eingehenden Mitteilungen über die Wirkung unserer Rotolin- Pillen. Erhältlich zu Mk. 6.- in allen Apotheken, nötigenfalls auch durch uns von unserer Versandapotheke. !! 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