Nr. 13 31. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands -- amt den Bellagen: Für unsere Kinder.— Die Frau und ihr Saus Die Gleichheit erscheint 2 mal im Mona« PreiS: Bt-rleljährlich Z,- Marl Inserat«: Die 5 gespalten« Nonparsillezetle 2,— Mark, bei Wiederholungen Rabatt_ Berlin l. Juli 1921 Zuschriften sind zu richte» an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW W. Ltndenstraße 2 Fernsprecher: Am« Morihplah ItSZ» tkrpeditio»! Berlin SWS«, Lindenstraße z Am Sonnabend, den 47. September ISN, vormittags W»/« Uhr, findet in Görlitz, Stadthalle, die diesjährige statt. Reichsfrauenkonferenz Tagesordnung: Nie Arbeit der Krau in der Gemeinde. s) Wirtschaft. d) Soziale Aufgaben. c) VereinsarbeA. Redner werden noch bekanntgegeben. Schwere Zeiten Immer schwerer lasten die Folgen des Krieges auf Deutsch- land und seinem schaffenden Volke. Den Weg, der allein aus der Last und dem Leid führen kann, hat die Sozial demokratie langst gewiesen und- wo sie an der Regierung teilnahm, beschritten, indem sie sich der Tatsache fügte, daß Deutschland einen Weltkrieg verloren und deshalb die Be dingungen der Sieger bis an die Grenzen der Leistungsmög lichkeit zu erfüllen hat. Die Regierung, welche mit Hilfe der Deutschen Volkspartei und unter Ausschaltung der So zialdemokraten vom 6. Juni 1920 bis 12. Mai 1921 das Staatsschiff steuerte, hat einen etwas anderen Kurs befolgt. Unter dieser Führung kam uns aus Paris das Ultimatum und in seinem Gefolge die Besetzung der rheinischen Kohlen häfen. Dann wurde in London verhandelt mit dem Er folge, daß wir ein neues Ultimatum mit neuen Bedingun gen bekamen, deren Nichtannahme die Besetzung des Ruhr- tohlengebietes gebracht hätte. An dieser Stelle wurde da mals betont, daß die Regierung, die uns in die neuen Lasten geführt, also an erster Stelle die Deutsche Volkspar tei— nun auch die Verpflichtung hätte, diese Lasten auf sich zu nehmen und uns, unter Einsetzung aller eigenen wirt schaftlichen Kraft, hindurchzubringen. Aber die Deutsche Volkspartei dachte gar nicht an das deutsche Volk, sondern nur an die Partei, und weigerte sich, den Schlußpunkt unter die eigene Politik zu setzen. Unsere Partei stellte, wie so oft vorher, das Volksinteresse an die erste Stelle. Sie glaubte die Besetzung des Ruhrgebietes nicht verantworten zu kön nen, und so trat sie von neuem in die Regierung ein. Sie Nahm mit Zentrum und Demokraten von neuem die Ver pflichtung auf sich, die Erfüllung der unendlich harten wirt schaftlichen Forderungen der Entente— die über den Frie densvertrag hinausgehen— zu versuchen. In den Ententeländern herrschte überall Befriedigung über diese Lösung der deutschen Regierungskrise, weil man dort natürlich genau weih, daß die sozialdemokratische Ar beiterschaft die stärkste Trägerin der deutschen Republik ist. llm so unverständlicher ist es, wenn von der Entente so wenig geschieht, was uns die Durchführung der übernommenen Verpflichtungen erleichtern könnte und daß im Gegensatz dazu soviel unternommen wird, was dazu beiträgt, die inneren und äußeren Schwierigkeiten zu vergrößern, die Verständi gung zu erschweren und dem gegenseitigen Völkerhaß neue Nahrung zu geben. In Bayern beseitigen sich allmählich die militärischen Schwierigkeiten, die Waffenablieferung soll bisher befriedi gend vor sich gehen, aber der Widerstand gegen die Entente hat sich nur in einen wilden Haß gegen die eigenen Volks genossen freiheitlicher Parteirichtungen gewandelt. Die mon archistisch orientierte bayerische Landesregierung und die ihr herzensverwandten Kreise im übrigen Deutschland bezeich nen es als„Ordnung", wenn jede freiheitliche Voltsregung rücksichtslos unterdrückt wird. Das geht soweit, daß der mehrheitssozialistische Abgeordnete Saenger aus dem Hinter halt verprügelt und der Führer der Unabhängigen Sozial demokratie Münchens, Gareis, aus dem Dunkel meuch lings ermordet werden konnte. Das Verhalten der„völki schen" Presse sowohl wie das der Vertreter derselben Geistes richtung im Reichstag anläßlich der Behandlung des Falles Gareis zeigen eine Verrohung des Empfindens, einen Tief stand der Moral in diesen Kreisen, die nur als eine Folge des Krieges sich erklären läßt. Wenn diese Leute jemals wieder die Herrschaft in Deutschland erlangten, dann wehe jedem anständigen Menschen. Will die Entente zur Herbeiführung solcher Zustände hel fen? Wenn sie es nicht will, dann ist es höchste Zeit, daß mit einer Politik Schluß gemacht wird, wie sie sich in O b e r- s ch l e s i e n seit dem 3. Mai auswirkt. Seit 7 Wochen ver suchen es die Polen durch die Jnsurgentenkämpfe das für Deutschland günstige Abstimmungsergebnis in Oberschlesien auf ihre Weife zu korrigieren. Entsetzliches ist geschehen. Auf beiden Seiten, gewiß! Aber veranlaßt ist es durch den bewaffneten Einfall der Polen, und beendet wird das schau derhafte Gemetzel erst dann, wenn die Entente durch die Interalliierte Kommission dafür sorgt, daß die Polen in ihre Schranken zurücktreten. Darf man ein besiegtes Volk so de mütigen, daß man es absolut rechtlos macht? Die deutsche Regierung muß sich fügen, weil sie machtlos ist und ein Wi derstand deshalb Wahnsinn wäre. Jeden gewaltsamen Wi derstand kann die Entente leicht verhindern, aber verhin dern kann sie nicht, daß dem Nationalismus und Chauvi nismus aus solcher Unterdrückung, wie sie in Oberschlesien getrieben wird, immer neue Lebensquellen sprudeln. An Oberschlesien kann die am 13. Mai aus der Not zusammen geschmiedete Regierung zerbrechen. Und dann? Die fortdauernde Besetzung der rheinisch-westfälischen Koh lenhäfen, die nach der Annahme des Ultimatums am 12. Mai keine Berechtigung mehr hat, trägt ebenfalls nicht dazu bei, die für alle Völker so notwendige Verständigung zu fördern. Sollen wir über die inneren Schwierigkeiten, die aus den neuen Verpflichtungen erwachsen, überhaupt hinwegkommen, dann muß die Entente die äußeren beseitigen, und dazu ge hört nicht mehr, als ein Verständnis für unsere Lage und der gute Wille. Denn die Macht zur Aenderung hat ja die Entente: auch die Macht zur Gerechtigkeit, wenn sie will. 122 Die Gleichheit Nr. 13 Neue Steuerquellen müssen erschlossen werden, und da die besitzenden Kreise nicht so bereit sind, die Folgen des ver lorenen Krieges— dem sie zum großen Teil so sympathisch gegenüberstanden— zu tragen wie die Arbeiterschaft, wird es voraussichtlich harte Kämpfe zwischen den Parteien geben. Wir wissen, daß unter dem Druck Englands indirekte Steuern nicht zu vermeiden sind, aber wir sind nicht bereit, die Le benshaltung der nichtbesitzenden Bevölkerung noch mehr zu belasten, che wir wissen, in welcher Höhe der Besitz zu den notwendigen Leistungen herangezogen wird. Durch die Zu rückziehung des Reichszuschusses bei der Einfuhr von Brot getreide wird schon jetzt das Brot teurer; nun hat die bür gerliche Mehrheit des Reichstages für die nächste Ernte auch die Bewirtschaftung des inländischen Getreides aufgehoben. Die freie Wirtschaft wird also auch für Brot vom Herbst att herrschen gegen den Willen der Sozialdemokraten, und es muß leider befürchtet werden, daß dies eine neue Verteue rung des täglichen Brotes mit sich bringt. Um so mehr haben wir Veranlassung, indirekte Steuern abzuwehren, so weit das überhaupt möglich ist. Die bürgerlichen Parteien möchten das umgekehrte Verfahren anwenden, erst indirekte Steuem und dann— wenn es noch nötig ist— direkte. Wird die Regierungskoalition diesen Stürmen, zu denen noch manche andere kommen werden, standhalten? Vielleicht. Wir haben kein Interesse an neuen Wahlen, aber wenn sie notwendig werden, sollen wir gerüstet sein. Wir müssen die Dinge sehen wie sie sind. Ehe das deutsche Volk durch die Wahlen nicht eine Reichstagsmehrheit zustande bringt, welche eine Politik im Interesse der Gesamtheit und zum Schutze ihrer schwächsten Glieder macht, solange wird auch die Unstetigkeit und Unruhe im Staats- und Wirtschaftsleben nicht beseitigt werden können. Wir müssen arbeiten, daß uns neue Wahlen, wann sie auch stattfinden mögen— nach Jahren oder nach Monaten — diesem Ziele wenigstens näherbringen. Clara Bohm-Schuch. Arbeiterinnen Von äer gieicben Nlübe stets umgeben 6ekn äie �sge grau an mir vorbei. Nennt es wie ibr wollt, nur nennt's nickt Leben, vieles stumpfe, öäe Einerlei. Sckon in meine trüben lllääckenlräume Ureilckte Näclerlurren, lckrill unä laut. Üläniie ltaud- unä lärmersüllter Uäume Kaden meinem ülelken augelckaut. Oer Nlalckine kier, davor ick ltebe, ülar ick lange vor dem Mann vermäklt. Was-erbrack in dieser harten Lke, Vit kad ick es trauernd überzählt. ktleick lind meine kände nie gewesen, (ilen ist lo hart last wie die Not. Sckaut hinein und wollt: Ikr könnt drin lesen Von dem schweren Kampf um Lickt und Krot. Zwischen fron und kleiner freude geben Üleiterbin die vage grau vorbei. Llnmal aber muö die Sonne leben Nuf das trübe, stumpfe Einerlei. Usr! IrSzer. Recht und Wohlfahrtspflege Don Bürgermeister Dr. C a s p a r i(Brandenburg a. d. H.) Familienrecht VIII. Unterhaltspflicht(BGB. ZZ 1601 bis 161S). Nach Z 16(11 sind nur Verwandte in gerader Linie ver pflichtet, einander Unterhalt zu gewähren. Es besteht also keine gesetzliche Unterhaltspflicht unter den Seitenverwandten und unter Verschwägerten: insbesondere gilt nicht mehr die Unterhaltspflicht der Geschwister, auch nicht die zwischen Schwiegereltern und Schwiegerkindern. Die Unterhalts pflicht der Ehegatten hat das Gesetz, da die Ehegatten mit einander nicht verwandt sind, nicht in diesem Abschnitt, son dern in den 8Z 1360, 1361 behandelt(siehe„Gleichheit" 81. Jahrgang Nr. 9, 1. Mai 1921, Seite 84). Gleichwohl kommt es häufig vor, daß nahen Verwandten oder Verschwägerten Unterhalt gewährt wird, obwohl keine gesetzliche Unterhaltspflicht besteht. Eine solche Unterhalts gewährung ist Schenkung, die aber, da sie einer sittlichen Pflicht entspricht, weder zurückgefordert, noch widerrufen werden kann(BGB.§ 534). Das Gesetz setzt für die Unterhaltspflicht bestimmte Vor aussetzungen. 1. Bedürftigkeit der Unterhalts berechtigten. Nach Z 1602 Abs. 1 ist unterhaltsberechtigt nur, wer außer stande ist, sich selbst zu unterhalten. Es genügt nicht, daß derjenige, der einen Unterhaltsanspruch geltend macht, weder aus dem Ertrag seiner Arbeit noch aus den Einkünften seines Vermögens sich unterhalten kann; sondern grundsätzlich wird auch gefordert, daß er zunächst sein eigenes Vermögen, also dieses selbst, nicht bloß die Einkünfte, für seinen Unterhalt verwenden muß. Nur für ein minderjähriges, unoerheiratetes Kind macht 8 1602 Abs. 2 hiervon eine Ausnahme. Ein minderjähriges, unverheiratetes Kind kann von seinen Eltern, auch wenn es Vermögen hat, die Gewährung des Unterhalts insoweit verlangen, als die Einkünfte seines Vermögens und der Ertrag seiner Arbeit zum Unterhalt nicht ausreichen. Eine Besonderheit gilt hier wieder für die unehelichen Kinder. Wird einem unehelichen Kinde von seinem Vater statt der Rente eine Abfindungssumme gezahlt, so hat das Kind keinen Unterhaltsanspruch mehr gegen ihn; denn dieser hat ja nach dem Gesetz den Unterhaltsanspruch des Kindes durch die Zahlung der Abfindungssumme abgegolten. Unterhalts pflichtig sind dem Kinde jetzt nur noch seine Mutter und die anderen Verwandten aufsteigender Linie(Eltern der Mutter, Großeltern der Mutter usw.) Das uneheliche Kind kann diese (Mutter und andere Verwandten gerader Linie) erst als unterhaltspflichtig dann in Anspruch nehmen, wenn die Ab findungssumme verbraucht ist. da diese nicht als ein Ver mögen gilt, von dessen Erträgen das Kind leben soll, sondern als kapitalisierte Rente, deren Substanz also unmittelbar dem Unterhalt des Kindes dienen soll. Wer Unterhaltsansprüche geltend macht, hat zu beweisen, daß er außerstande ist, sich selbst zu unterhalten. 2. Leistungsfähigkeit des Unterhalts pflichtigen. Gemäß 8 1603 Abs. 1 ist nicht unterhaltspflichtig, wer bei Berücksichtigung seiner sonstigen Verpflichtungen außerstande ist, ohne Gefährdung seines standesmäßigen Unterhalts den Unterhalt zu gewähren. Wie der Unterhaltsberechtigte seine Bedürftigkeit nachweisen muß, muß also der Unterhalts pflichtige seine Unfähigkeit zur Unterhaltsleistung beweisen. Auch hier sind die minderjährigen unverheirateten Kinder vom Gesetz berechtigterweise begünstigt. Ihnen gegenüber sind die Eltern verpflichtet, alle verfügbaren Mittel zu ihrem und der Kinder Unterhalt gleichmäßig zu verwenden. Den minder jährigen unverheirateten Kindern gegenüber müssen also die Eltern sich die größte Einschränkung auferlegen, ausge nommen, wenn ein anderer unterhaltspflichtiger Verwandter vorhanden ist, oder das Kind selbst Vermögen besitzt, aus dessen Stamm sein Unterhalt bestritten werden kann. (§ 1603 Abs. 2.) 3. Reihenfolge der Unterhaltspflichtigen. Bei einer Mehrheit von Unterhaltspflichtigen einem Unter haltsberechtigten gegenüber hat das Gesetz folgende Regelung getroffen: Nr. 13 Die Gleichheit 123 Die Verwandten des Bedürftigen haften erst nach dessen Ehegatten, es sei denn, daß dieser bei Berücksichtigung seiner sonstigen Verpflichtungen außerstande ist, ohne Gefährdung seines standesgemäßen Unterhalts den Unterhalt zu gewähren. Wenn also der A. unterhaltsberechtigt wird, so haftet seine Ehefrau vor seinen Eltern(Z 1608). Unter Verwandten hasten die Abkömmlinge vor den Ver wandten der aufsteigenden Linie. Die Reihenfolge der Unter haltspflichtigen ist also: erstens Kinder, zweitens Enkel, drittens Urenkel usw. und erst dann kommen viertens die Eltern, fünftens die Großeltern, sechstens die Urgroßeltern usw.(Z 1606). 'I- Konkurrenz mehrerer Bedürftiger. Bei Vorhandensein mehrerer Bedürftiger muß der Unter haltspflichtige grundsätzlich allen Unterhalt gewähren. Ist er aber dazu außerstande, so gehen unter den Bedürftigen die Abkömmlinge(also Kinder, Enkel usw.) den Verwandten der aussteigenden Linie(Eltern, Großeltern usw.) vor, und zwar verdrängen immer die näher Verwandten die entfernter Ver wandten. Wenn also der A. bedürftige Kinder und bedürf tige Enkel und außerdem noch bedürftige Eltern hat, so kommen zuerst die Kinder, dann die Enkel, dann erst die Eltern als unterhaltsberechtigt heran. Zu beachten ist aber, daß der Ehegatte den minderjährigen unverheirateten Kin dern gleichsteht und anderen Kindern und den übrigen Ver wandten vorgeht. Hat also der genannte A. noch eine be dürftige Ehefrau, so muß er zuerst seine Frau und die min derjährigen unverheirateten Kinder versorgen, dann kommen erst die anderen Kinder, dann die Enkel, dann die Eltern usw. Ein geschiedener Ehegatte geht den volljährigen oder verheirateten Kindern und den übrigen Verwandten vor (8 1609). Das Maß des zu gewährenden Unterhaltes bestimmt sich � Lebensstellung des Bedürftigen(standesmäßiger Unterhalt§ 1610 Abs. 1). Der Unterhalt umfaßt den ge samten Lebensbedarf, bei einer der Erziehung bedürftigen Person auch die Kosten der Erziehung und der Vorbildung zu seinem Berufe. Dagegen kann derjenige, der durch sein sittliches Verschulden bedürftig geworden ist, z. B. durch Trunksucht oder sonstige Ausschweifungen, nur den notdürf tigen Unterhalt verlangen. Ebenso ist der notdürftige Unter halt nur dann zu gewähren, wenn Abkömmlinge, Eltern und Ehegatten sich einer Verfehlung schuldig machen, die den Unterhaltspflichtigen berechtigt, ihnen den Pflichtteil zu ent ziehen z. B. Lebensnachstellung, vorsätzliche körperliche Miß handlung usw.(Z 1611 und Z 2ZZ3). Der Unterhalt ist nach 8 1612 durch Entrichtung einer Geldrente zu gewähren und Zwar immer für 3 Monate voraus(8 760). Allerdings kann der Verpflichtete verlangen, daß ihm die Gewährung des Unterhalts in anderer Weise gestattet wird, wenn besondere Gründe es rechtfertigen; z. B. Naturalverpflegung im Hause des Unterhaltspflichtigen aus dem Grunde, daß der Unter haltsberechtigte ein Verschwender ist und das ihm behändigte Geld nutzlos ausgibt. Unverheirateten Kindern gegenüber haben Eltern das Recht zu bestimmen, in welcher Art und für welche Zeit im voraus der Unterhalt gewährt werden soll. Aus besonderen Gründen kann das Vormundschaftsgericht auf Antrag des Kindes die Bestimmung der Eltern ändern. Diese Regelung trifft also nicht nur Minderjährige, sondem lllle Kinder, wenn sie unverheiratet sind. Wichtig ist die Bestimmung, daß für die Zukunft auf den Unterhalt nicht verzichtet werden kann. Ein solcher Verzicht wäre nach 8 134 BGB. nichtig. Besonders riskant ist es, die Geldrente für mehr als 3 Monate im voraus zu zahlen. Solche Zahlung befreit den Verpflichteten bei erneuter Be dürftigkeit des Berechtigten nicht. Der Unterhaltsanspruch erlischt mit dem Tode des Unterhaltsbcrechtigten oder-ver pflichteten, soweit er nicht auf Erfüllung oder Schadenersatz wegen Nichterfüllung für die Vergangenheit oder aus solche im voraus zu bewirkende Leistungen gerichtet ist, die zur Zeit des Todes des Berechtigten oder des Verpflichteten fällig sind. Im Falle des Todes des Unterhaltsberechtigten hat der Unterhaltspflichtige die Kosten der Beerdigung zu tragen, soweit ihre Bezahlung nicht von den Erben zu erlangen ist (8 1615). Die Lehrerin als Mutter In Bismark, Provinz Sachsen, ist seit mehr als vier Iahren eine Lehrerin tätig. Im Mai v. I. verheiratete sie sich, blieb aber weiter im Amt, einmal, weil ihr die Arbeit in der Schule Freude machte, dann aber auch, weil sie mit dem Verdienst des Mannes allein einen eigenen Hausstand noch nicht hätte gründen können. Bald nach ihrer Verheiratung begannen Treibereien gegen sie, die sich zu einer richtigen Hetze verstärkten, als sie ein Kind erwartete. Man fand es„schamlos" und„unanständig", daß die Lehrerin in diesem Zustand In die Schule ging. Als die Frau nach der Ent bindung schwer krank daniederlag, fielen in der Stadtverordneten versammlung von bürgerlicher Seite beleidigende Aeußerungen gegen sie und ihre Entlassung wurde gefordert. Der Bürgermeister fuhr nach Magdeburg zur Regierung und holte sich dort den Be scheid, daß die Stadt die Lehrerin auf Grund der Verheiratungs- klausel, die sich in Ihrer Anstellungsurkunde befindet, kündigen könne, was dann auch geschah. Zum 1. Juli d. I. wurde sie jedoch seitens der Regierung, die das Besetzungsrecht für die Stelle hat, wieder angestellt. Damit gab man sich jedoch in Bismark nicht zufrieden. Der Fall kam in der Schuldeputation zur Sprache und der Geistliche des Ortes nahm die Gelegenheit wahr, die Lehrerin, die„Sozial demokratin", persönlich anzugreifen. Er behauptete, die Lehrerin hätte dadurch, daß sie in diesem Zustande Kinder unterrichtet habe, diesen Gelegenheiten zu unanständigen Aeußerungen gegeben. Viele Leute wären zu ihm gekommen, um sich darüber zu beklagen, daß die Frau es„immer noch gewagt" habe, sich vor den Kindern zu zeigen. Nun soll die nächste Stadtverordnetenversammlung das Geld für eine Klage der Stadt gegen die Regierung betreffs ihrer Wiederanstellung bewilligen. Man sollte ein derartiges Vorgehen gegen eine Mutter in heutiger Zeit nicht für möglich halten. Die Tatsache, daß eine verheiratete Frau Mutter wird, wird von bürgerlichen Kreisen als größtes Aergernis empfunden. Man findet es„schamlos" und„unan ständig", daß diese Frau Kinder unterrichtet und setzt alle nur möglichen Hebel In Bewegung, die Frau, die natürlich unter dieser ganzen Hetze in ihrem schonungsbedürftigen Zustande gesundheitlich schwer gelitten hat, aus ihrer Stellung zu bringen. Gewiß spielt hier Mißgunst gegen die erwerbstätige verheiratete Frau eine nicht unbedeutende Rolle; man hat vielleicht auch schon lange auf eine Gelegenheit gewartet, der sozialistischen Lehrerin Schwierig keiten bereiten zu können. Geradezu ungeheuerlich aber mutet es an, wenn man hört, daß Mutterschaft— auch bei einer ver heirateten Frau— als„unanständig" bezeichnet und daraus ein Entlassungsrecht hergeleitet werden soll. Sabotieren wir den Krieg! Die schön ausgestattete Num»ner 25 vom 1. Juni 1921 der Monatsschrift„L ck u c u t i a v— I! e o r 6 n t i o n"(„Er ziehung und Erholung"), das Organ der Arbeiterbildungs zentrale in Brüssel(Belgien), beschäftigt sich in der Haupt sache mit dem Krieg. Ein in flammende Worte gesetzter, leitender Aufsatz: Sirdotons la Ouerrol unseres Genossen HenrikdeMan wendet sich gegen den Militarismus, das Weltübel; vor allem gegen den neuen, den Frankreich nach Niederwerfung des furchtbaren deutschen Militarismus weiter pflegt. Den Krieg, als technischen und chemischen Krieg, als Maschinen- und Gistgaskrieg, kennen wir seit 1914. Er macht keinen Unterschied zwischen Bewaffneten und Unbewaffneten, zwischen der Front und der Heimat. Es gibt keine Sieger, noch Besiegte mehr. Dieser Krieg ist einfach ein gegenseitiger Selbstmord. Das was ein Volk tun kann, um seine Freiheiten zu retten, ist deren Beschneidung durch den Militarismus zu verhindern. Beseitigen wir also überall den Militarismus und damit den Krieg! Selbst ein vorgeblicher Verteidigungs krieg ist ein Uebcl, ein Verbrechen, ein Wahnsinn. Der ein- 124 Die Gleichheit Nr. IZ mulige Widerstand einer ganzen Bevölkerung, wie ihn Belgien im Weltkrieg gegen seine Unterdrücker geübt, die Weigerung, auch im Denken dem Kriege nachzugeben, der wirtschaftliche Kampf in allen Abstufungen des Klassen kampfes mit dem Gipselpunkt der Verweigerung jeglicher Arbeit: dagegen kommt auf die Dauer kein Heer auf, das sind die wirksamsten Mittel gegen jede Waffengewalt. Ueben wir diese unblutige Art der Verteidigung unserer Rechte. Opfern wir nicht wieder erst Millionen von Menschen, wie in den Iahren 1914 bis 18. Warten wir nicht ab, wie die Arbeiter von Berlin, die blutige Enttäuschung der Niederlage. Machen wir von vornherein gemeinsame Sache miteinander. Genosse H. de Man schließt damit, daß er den Militarismus als den Feind der Völker, aller Völker, erklärt. Jedes Heer wesen ist der schlimmste Feind seines eigenen Landes. Im Kampfe gegen den Militärgeist, den Militarismus, erhebe sich überall der Aufschrei: Jeder Krieg ist verflucht— sabo tieren wir denKrieg! Entwaffnen wir unsl Dieser gemeinsame Wille sei das Bündnis des internationalen Pro letariats, das schon genug gelitten hat unter dem blinden brudermörderischsn Haß! In diesem Sinne ist auch die Entschließung abgefaßt, die der Kongreß der Federation der Jungen sozialistischen Garde am 15.— 16. Mai 1921 im Volkshaus zu Brüssel in bezug auf die militärische Frage eingenommen hat. Alma Horn. Pflegemütter Von Eduard Gräf. Wir geben die Ausführungen des Genossen Gräf hiermit zur Kenntnis, die ja gewiß an sich sehr richtig sind. Unbedingte Voraussetzung müßte jedoch sein. daß das gezahlt« Pslegegeld auch hoch genug ist. Die Verhältnisse liegen doch heute leider so, daß viele Leute gern ein oder zwei Kinder mehr haben würden, wenn sie sie ernähren könnten. Gewiß würden viele Arbeiterfrauen große Freude daran haben, einem armen Kinde die Mutter zu ersetzen. Nur darf das nicht so geschehen, daß die eigene Familie oder das Kind selbst darunter leidet. Die Redaktion. Mit der zunehmenden Frauenarbeit und der allgemeinen Teue rung reduziert sich leider auch die Zahl der Mütter, die bisher be reit waren, Pflegekinder anzunehmen, um so diesen armen Wesen das Elternhaus zu ersetzen. Der Egoismus der Menschen ist eben stark geworden, je mehr der Kampf ums Dasein erschwert wurde. Kein Wunder, daß die Zahl der Pflegemütter weniger geworden ist, während andererseits wieder die Zahl der Kinder sich enorm vermehrt hat, die man in eine geordnete Pflege geben muß. Mit einem Schlage wäre aber diese wichtige Frage gelöst, wenn sich alle Arbeiterfrauen bereit erklären würden, ein Pflegekind anzu nehmen, die dazu in der Lage sind, Lust und Liebe an dieser wich tigen sozialen Tätigkeit haben. Es unterliegt keinem Zweifel, daß bis jetzt diese Frage viel zu nebensächlich betrachtet worden ist, der ganze Lebensgang eines verwaisten oder verwahrlosten Kindes durch eine geeignete Pslegestelle aber beeinflußt werden kann. Man spricht so viel von dem Wert der proletarischen Erziehung, lehnt aber eine Pflegestelle ab. Die Kinder des arbeitenden Volkes sind doch entschieden in erster Linie besser aufgehoben, wenn sie bei einfachen Arbeitern in gute Pflege kommen und entsprechend erzogen werden. Arbeiterfrauen, die selbst ein Kind haben, werden sicher dem armen, oft verstoßenen Schützling des Jugendamtes eine zweite Mutter werden und dem Kinde gerne die Familie er setzen, die ja zur Erziehung und Entwicklung des Kindes dringend nötig ist. Auch der Pflegevater kann aus dem Kinde ein brauch bares Glied der menschlichen Gesellschaft machen, wenn er sich mit Lust und Liebe dem Kinde widmet. Prächtige Einzelfälle haben schon den Beweis hierfür geliefert und in Arbeitervertrctcrn den Wunsch gestärkt, Pflegekinder nicht aufs flache Land zu geben, son dern in Arbeiterfamilien am Heimatsort erziehen zu lassen. Ich denke dabei in erster Linie an kinderlose Leute, die sehr gut in der Lage sind, sich um die verwaisten Kinder ihrer Klassengenossen zu kümmern, die aber sich lieber einen Hund halten und dann über die Verwahrlosung der Jugend, Unzweckmäßigkeit der Fürsorge erziehung, jammern. Ich denke ferner an Familien, in denen nur ein Kind vorhanden ist und dem ein Spielkamerad sehr gute Dienste leisten wird: beiden Kindern wäre dann geholfen. Aus den vorliegenden Berichten unserer geplagten Fürsorgerinnen tönt der allgemeine Schrei nach guten Pflegestellen. Elternliebe läßt sich ja bekanntlich nicht ersetzen, deshalb ist auch nicht jede Mutter geeignet, einem fremden Kinder eine Mutter zu sein. Es ist schwer. sich dem zarten Kindergemüte anzupasien und in seiner Eigenart ihm immer das rechte Verständnis, die Liebe, entgegenzubringen. Auf alle Fälle ist die Pflegestelle vom größten Einfluß auf die Entwicklung des Kindes selbst, sei es, daß die Kinder in ihrer Ge sundheit gefährdet erscheinen, oder daß verderbliche Einflüsse das so weiche empfindliche Kindergemüt schädigen. Es bieten sich ja oft Frauen an, die des Gewinns wegen sich mehrere Kinder in Pflege nehmen möchten. Das ist natürlich nicht das richtige. Die Kinder sollen um ihrer selbst willen in Pflege genommen werden. Wohin will man nun bei dem Mangel an Pflegestellen die armen Kinder bringen? Gewiß hält die große Teuerung, die Woh nungsnot sehr viele Leute davon ab, dem Wunsche des Jugend amtes zu entsprechen. Daß das gezahlte Pflegegeld niemals die Mühen ersetzen kann, die die Pflegemütter mit dem fremden Kinde haben, ist wahr. Gedankenlose wundern sich ober, wenn das Jugendamt angebotene Pflegestellcn ablehnt, da man mit Recht an Leumund, Sauberkeit, Ernährung, Wohnung usw. hohe An forderungen stellen muß. Die Iugendpflegerinnen sind berufen, geeignete Pflegestellen zu ermitteln. Es gilt in erster Linie, jene Leute ausfindig zu machen, die kindcrliebend sind und im Pflege kind keine» Erwerb suchen, vielmehr eine hohe Befriedigung darin finden, verlassenen Kindern ein Heim und Erziehung zu bieten. Die Erfahrung zeigt da auch, daß bei einfachen Leuten oft in ganz kurzer Zeit fremde Kinder sich sehr gut eingewöhnen, auch besser untergebracht sind als bei gutsituierten Frauen, die, selbst keine Arbeit gewöhnt, die Kinder vielleicht als Spielzeug behandeln möchten. Bei der Auswahl der sich darbietenden Stellen muß man auch darauf achten, daß Leute, die sich um Zuweisung eines Kindes bewerben, selbst in einigermaßen auskömmlichen Verhältnissen leben, daß vor allem die Hausmutter die notwendigen Kenntnisse von der Pflege eines Kindes, besonders des Säuglings, hat und sich mit Liebe und Sorgfalt des pflegebedürftigen Kindes annimmt. Eine richtige Iugendpslegerin muh sich auch mit der Person des Kindes selbst vertraut machen, für das sie eine passende Pflegestelle sucht. Sie wird sich um Einzelheiten bekümmern, um der Eigen art des Kindes gerecht zu werden. Man wird z. B. zwei Ge schwister, ein Vjähriges und ein 3jähriges, scheues, stilles Kind, welches ohne das 7jährige Geschwisterchen gewiß körperlich und seelisch stark leiden müßte, ohne wichtigen Grund nicht trennen, sondern in einer Familie zusammen unterbringen. Einen schwer erziehbaren Jungen, der sich oft selbst überlassen war, die Schule schwänzte, die Aufgaben wenig oder gar nicht machte, wird man am besten zu energischen Pflegeeltern bringen, die vielleicht einen gleichaltrigen Jungen haben, der dann mit dem Pflegling gemein sam die Schule besucht und als Vorbild dient. Ein stilles, in sich verschlossenes Kind, das von den eigenen Eltern verstoßen wurde, bringt man am liebsten in eine Familie, in der bereits einige Kinder vorhanden sind,' mit denen es lustig spielen kann und die Liebe findet, die das arme Geschöpfchen bis jetzt vermißte. Nicht allein auf den Leumund der Pflegeeltern, sondern auch auf deren Gesundheit, Verhältnisse, Alter usw. muß größter Wert gelegt werden, weil ja das Kind selbst einer großen Gefahr ausgesetzt werden kann. Einer lungenkranken Frau wird man nicht ohne weiteres Pflegekinder anvertrauen, einer geistig minderwertigen Familie auch nicht Pflegekinder geben, hingegen können körperliche Mängel nicht immer Ablehnungsgrund sein, wie Einzelfälle ja beweisen. Dauernde Ucberwachung der Pflegestelle ist eine dringende Not wendigkeit, da ja die Liebe zum Kinde allein nicht ausreicht, wenn sich z. B. die häuslichen Verhältnisse wesentlich verschlechtern. Ein vierjähriges Kind befindet sich z. B. seit zwei Jahren in einer Ar beiterfamilie, die an sich schon in dürftigen Verhältnissen lebte. Bei der zunehmenden Erkrankung der Pflegemutter und Verar mung der ganzen Familie liehen aber die körperlichen und geistigen Fortschritte des Kindes nach, so daß schon die Beratungssielle darauf aufmerksam machte, daß aus dem sonst so fröhlichen Jungen ein scheues und trauriges Kind geworden war. Manche Pflege mütter finden es lästig, daß die Iugendpslegerin sich laufend noch um das Kind bekümmert. Die Erfahrung lehrt aber, daß diese Ueberwachung unbedingt nötig ist, schon deshalb, weil sehr oft für ärztliche Hilfe für das Kind gesorgt werden muß. Unterbringung in einem Krankenhause, der B«such einer Beratungsstelle für Säuglinge, der Krüppelfürsorgestelle usw. muß angeordnet werden. Nr. lZ Die Gleichkeit 125 Besonders schwer ist es natürlich, für kränkliche oder verkrüppelte Kinder Pflegestellen zu finden, da ja begreiflicherweise die meisten Pflegeeltern nur gesunde und schöne Kinder haben möchten. Bett nässer— leider bei verwahrlosten Kindern häufig zu finden— sind bekanntlich noch schwerer in Pflegestellen unterzubringen, müssen aber doch auch untergebracht werden. Wiederum finden sich Arbeiterfrauen, wahr« Heldinnen, die oft ohne großes Zu reden sich bereit erklären, solch armen Geschöpfen eine gute Mutter zu werden und sich mit großer Liebe dem verwahrlosten Kinde hin geben. Leider ist die Zahl dieser Pflegemütter noch zu gering und die Zahl derer größer, die in erster Linie nach der Höhe des Pflegegeldes, der Kleidcrausstattung usw. fragen. Biele Frauen wollen nur Mädchen, aber keine Buben nehmen. Was will man mit den armen Buben anfangen? Die schlauen Bauern wollen nur Mädchen über 12 Jahre haben, damit sie recht bald ein billiges Dienstmädchen ausnutzen können. Deshalb ergeht der Ruf an Stadt und Land:„Arbeiterfrauen, nehmt euch dieser Kinder an, die doppelt auf eure Liebe angewiesen sind, deren ganzer Lebens weg durch ein wenig Liebe beeinflußt werden kann!" Die Bewegung gegen den Mutter schaftszwang in Oesterreich Von I o h. Ferch-Wien. Nach einem Jahre schwerer Auftlärungs- und rastloser Propa- gandatätigkeit gelang es im Dezember 1920 dem Bunde gegen den Mutterschastszwang in Wien, seine bekannte Forderung(berechtigte Hilfe des Arztes bei durch soziale Motive erzwungener Schwon- gerschastsunterbrechung während der ersten drei Monate der Schwangerschaft sowie Straffreiheit der Mutterwerdenden für diese Zeit) durch die sozialdemokratische Partei in der österreichischen Nationalversammlung einzubringen. Die bürgerliche Mehrheit ver meinte, diesen Antrag im Archiv entschlummern lassen zu können, obwohl die Genossin Popp mehrmals den Irrtum der Hoffenden auszeigte. Die ganze Kulturwelt kennt das entsetzliche Elend der breiten Schichten Oesterreichs, das immer wieder erklärt, seine Jugend ohne Hilfe des Auslandes nicht erhalten zu können. Jedes Kind mehr wird zur Katastrophe für die Mütter, denen Leinen, Brennstoff, Nahrungsmittel und Kleider für das Neugeborene fehlen. Nur 13 Prozent der Wiener Schulkinder sind normal ernährt, 83 Prozent sind unterernährt. Man erwäge diese Ziffern, um zu erkennen, daß der Entschluß, unter solchen Verhältnissen die Kinder zahl auf das äußerste zu beschränken, ein Gebot primitivster Elternverantwortlichkeit ist. Gegen die Forderung der Reform der berüchtigten ZZ 111—118 (gleich dem deutschen Z 218,„Verbrechen" gegen das keimende Leben) in obigem Sinne ziehen die Klerikalen in einer geradezu wütenden Hetzkampagne zu Felde(obwohl es doch klar ist, daß ihre Frauen in den Sanatorien bei Zahlung von Ricsenhonoraren ungestraft das gleiche„Verbrechen" begehen). Die ältesten Phrasen der religiösen Sittlichkeit werden hervorgeholt und in dem Ver leumdungskrieg verwendet, Kanzel und Beichtstuhl werden— wie noch nie zuvor— in den Dienst gegen die Bewegung gestellt. Und während die Kinder- und Muttersterblichkeit fortschreitet, arbeiten die Gerichte in einer harten Klassenjustiz gegen die besitzlosen Mütter (nur gegen diese), in kurzen Intervallen werden harte Urteile gefällt, wenngleich bei der immer wieder beklagten„Ueberlastung der Gerichte" Schieber, Lebensmittelfälscher und Wucherer seit Iahren auf ihre Aburteilung warten können. Die klerikale und kapitalistische Presse heißt die Urteile gut, die angeblich dem „Dirnenkultus" und der Unmoral der„Luxusweibchen" wehren sollen. Diese Entstellung und Fälschung unserer Bewegung für die Be freiung der Frau von einem schändlichen Klassengesetz wurde durch eine Verhandlung vor dem Wiener Landgericht, die kürzlich statt fand, klar beleuchtet. Drei Mütter mit 13, 7 und 4 Kindern„ver fehlten" im Mai 1920 gegen das Gesetz. Der Gatte der Hebamme, ein verwahrloster Trunkenbold verriet sie. Nach fast einem Jahre! Sofort Bewegung des Apparats, Recherchen usw. und Erheben der Anklage gegen die Mütter in wenigen Tagen. Urteil: eine Woche Arrest, bedingt, also eigentlich keine Strafe(anstatt Strafe von 1 bis 3 Jahren Kerker). Warum? Weil diese ausgemergelten Mütter nicht einmal stehend verhört werden konnten, dermaßen unterernährt und schwach waren sie. Darunter befand sich eine vorzeitig zur Greisin Gewordene mit weißen Haaren, die bei den letzten zwei Geburten mit den Sterbesakramenten versehen wurde, schwer nervenleidend ist und während der Verhandlung ohnmächtig wurde; ferner eine Mutter, die 12k Monate ihres Lebens in Schwangerschaften verbrachte(zehneinhalb Jahre): die dritte Mutter ist tuberkulös und wohnt mit vier Kindern in einer Schreber gartenhütte(ein Raum). Es konnte einfach kein anderes Urteil gefällt werden, weil der Richter und der Staatsanwalt durch den Feuilleton � Drei Leäickte von Martka kose Hkpmas LslZt mich erst Strom sein... Lokt mich erlt Strom lein, Der wilä brsult unä lckäumt, Ld' über meinem Lrunä Die Aeiäe träumt. LslZt mich erlt Sturm lein, Oer an Mauern tobt, Lb' ikr als lsnften ltlinä Mich preist uncl lobt. LslZt mick erlt Kranä lein, Oer �um Himmel strebt, CK' mir sls funke nur Die Clut nock lebt. SaiZt mick ein Menlck erlt lein, Der kämpft unä irrt, CK' ikr ins /llltszsjock ven Seilt mir lckirrt. Kraft Ikr könnt mick nickt drecken, ikr könnt mick nickt biegen, Ick Islse mick nickt euren formen einlckmiegen. llnä kslll ikr mick ärum— lo wek es mir tut— Cs sei äenn, lo ltäkl euer HslZ meinen Mut. Komm. Wetter unä Sturm, komm, ksmpttollcs Leben, Ick will beiäe Hänäe äir krzftvoll geben.— Mein warmes Her? wollte keiner verltekn— llun mul) es mit eisernem willen gekn. /Ausblick Lskt uns lcksuen ins Lickt, in äcn kellen Csg, wer kell unä licker?u lcksuen vermag. Im Lickt nur entküllt lick äer ewige wert: Aellcksrfe Tst, äie erbaut unä— verheert. flammen sulloäern, flammen ergliikn: LalZt uns mit brennenäen fackeln?ickn Lölckt aus jeäen lckwäcklicken, müäen Ver?ickt, Kaimt es?ur Cräe, äas ewige Lickt. freie linä wir! frei unler Sun. Lallt uns nickt lckwanken, nock aögernä rukn. wirkenäe krbeit, läuternäe Uralt: llnä neu äer Menlck seine Cräe erschallt? Frauengestalten des 19. Jahrhunderts Von Anna Blas tSchluU Karoline v. Humboldt, geb. v. Dachröden s ist ja gerade das Besondere, daß Karoline v. Humboldt, eine Frau, die in der Kunst schwelgte, ein so umfassendes Wissen be saß, dazu ein feines Urteil, dem ein Mann wie Goethe den höchsten Wert beimaß, ihre Kräfte keineswegs auf diesen Gebieten er schöpfte, sondern daß sie daneben und vor allem die treueste, sorg samste Mutter, die praktischste Hausfrau war, die um alles wußte, die sich um alles kümmerte. Aber KaroNne war eine so starte Persönlichkeit, als daß sie ohne schwere Konflikte sich ohne weiteres in die Beschränkungen, die jede, auch die glücklichste Ehe mit sich bringt, gesunden hätte. Jeder Mensch, der heiratet, muß ein Stück von sich selbst ausgeben und es kommt dann wohl ganz darauf an, was er dafür eintauscht, ob er für dieses Verzichten, dieses Aufgeben etwas, das liebevolle 126 Die Gleichheit Nr. 13 Anblick der auf die Anklagebank Gequälten und durch die Ver teidiger menschlich dazu gebracht wurden. Und es soll gesagt sein: Weil sie die Kulturschande erkennen mußten, daß man derartige Mütter, deren Körper von Wunden des heiligsten Opfermutes wahrer Mutterschaft bedeckt ist, dem Kerker überliefern will. Diese Vorgänge lösten in der arbeitenden Klasse eine stürmische Protestbewegung aus. die zur raschesten Beratung des der Ver schleppung überantworteten Gesetzentwurfes drängt. Die bürger liche Mehrheit muß gebrochen werden mit Hilfe der Tausende von Frauen, die bis dahin dieser brennenden Frage noch immer gleich gültig gegenüber gestanden haben. Das Gesetz muß geändert werden. Eine neue Novelle zum Strafgesetz ist In Vorbereitung, der Nationalrat hat die Pflicht, bei dieser Gelegenheit auch die Forderung der Frauen zu beachten. Ihre Stimme muß so laut ertönen, daß auch die rückständigsten Herren im Nationalrat sie werden hören müssen. Was muß die Wohlfahrtspflegerin von der sozialen Gesetzgebung wissen? Von Hedwig Wachenheim cgoniehung) Die Atters-, Invaliden- und hinlerblicbenenversicherung Die durch die Wartezeit erworbene Anwartschaft auf die Rente kann auch erlöschen, wenn während zweier Jahre weniger als 20 Wochenbeiträge auf Grund der Versicherungs pflicht oder Weiteroersicherung entrichtet worden sind. Militär- und Krankheitszeiten, Zeiten des Bezugs von Invaliden-, Alters- oder Unfallrenten gelten als Zeiten mit bezahlten Wochenbreiträgen. Die Anwartschaft lebt wieder auf, wenn die zwischen dem Eintritt in die Versicherung und dem Ver sicherungsfalle liegende Zeit zu mindestens drei Vierteln durch ordnungsmäßig entrichtete Beitragsmarken belegt ist. Die Versicherungsleistung besteht aus einem Beitrag der Versicherungsanstalt und einem festen Reichszuschuß. Dazu kommen jetzt wegen derTeuerung noch besondere Beihilfen aus den Mitteln der Ver sicherungsanstalten. Der Reichszuschuß beträgt jährlich 50 Mk. für jede Invaliden-, Alters-, Witwen- und Witwerrente und 25 Mk. Verständnis, die Achtung vor dem Persönlichkeitswert, der Persön- lichkeitsfreiheit findet, die beide Gatten, Mann wie Frau, fordern müssen, wenn die Ehe glücklich werden soll. Das Zeitalter des Hu manismus, die hohe Kulturstufe, auf der Persönlichkeiten wie Hum boldt in diesem Zeitalter standen, machten es möglich, daß Karo line in einer Zeit des Unausgefülltseins, wie sie wohl im Leben jedes Menschen, der nicht ganz auf den Alltag eingestellt ist, oor- krmmt, zwei große Leidenschaften erlebte, ohne daß daran das Glück ihrer Ehe zerschellte. Humboldt quälte sie nicht mit klein licher Eifersucht, spielte nicht den Gekränkten. Er forderte nichts für sich, sondern ehrte das Recht der Persönlichkeit seiner Lebens gefährtin und die Freiheit Ihrer Gefühle. Das gegenseitige Ver trauen war so unendlich groß, daß es nicht zu Heimlichkeiten, nicht zu Betrügereien kam. So fand sich Karoline wieder zu ihrem Gatten zurück, der sie vielleicht verloren hätte, wenn er nicht be griffen hätte, daß niemals Zwang den Menschen zum Menschen zu rückführen kann, um so mehr aber gegenseitige Achtung und Ver trauen. Aus dieser Beobachtung heraus konnte Varnhagen, dessen Ehe mit Rahel auf ähnlicher Harmonie basierte, von den beiden Humboldts sagen:„Mit größerer Grazie war noch niemand ver heiratet, völlige gegenseitige Freiheit gebend und nehmend." Aus der tiefen Erkenntnis, dem völligen Verständnis für den Wert seiner Lebensgefährtin heraus konnte Humboldt ihr schreiben: „Wieder jetzt in Deutschland, wo ich doch viele Frauen geseh-n, tiberall fühle ich, daß Du einzig bist, daß so viel Selbständigkeit und so viel Liebe, so viel tiefe Größe und so viel himmlische Weib lichkeit nirgends in der Welt sind als In Dir." Die politischen Verhältnisse in Deutschland und die Stellung und die Rolle, die Humboldt in der damaligen schweren Zeit einnahm, erforderten eine häufige, oft sehr lange dauernde Trennung der Familie. Wie eng die Gatten geistig verbunden bleiben, das zeigen die langen eingehenden Briefe, in denen sie ihr geistiges Leben weiterspinnen, so daß es fast keine räumliche Trennung für sie zu geben scheint. Mit feinem Gefühl und Verständnis erlebt Karoline all die großen geistigen und politischen Ereignisse des Weltschau für jede Waisenrente, und einmalig 50 Mk. für jedes Witwen geld und 16,75 Mk. für jede Waisenaussteuer. Der Beitrag der Versicherungsanstalten wird nach der Zahl der Beitragswochen und der Höhe der Beiträge berechnet und zerfällt bei der Invalidenrente in einen Erundbetrag und in Steigerungssätze und besteht bei der Altersrente in einem festen Jahresbeitrag. Bei den Wit wen- und Witwerrenten beträgt der Anteil der Versicherungs anstalten drei Zehntel, bei Waisenrenten für eine Waise drei Zwanzigstel und für jede weitere Waise ein Vierzigstel des Grundbetrags und der Steigerungssätze der Invalidenrente, die der Ernährer zur Zeit seines Todes bezog oder bei Inva lidität bezogen hätte. Die Renten der Hinterbliebenen dürfen nicht mehr betragen als das Anderthalbfache der Invaliden rente, die der Verstorbene zur Zeit seines Todes bezog oder bei Invalidität bezogen hätte. Die Waisenrenten allein dürfen zusammen nicht mehr betragen als die Invalidenrente. Beim Ausscheiden eines Hinterbliebenen erhöhen sich die Renten der anderen Hinterbliebenen bis zum zulässigen Höchtbetrag. Als Witwengeld wird der zwölffache Monatsbetrag der Witwen rente, als Waisenaussteuer der achtfache Monatsbetrag der bezogenen Waisenrente gewährt. Bemerkt sei, daß Waisengeld und Waisenaussteuer nur gewährt werden, wenn die Witwe zur Zeit der Fälligkeit der Bezüge selbst die Wartezeit für die Invalidenrente erfüllt und die Anwartschast aufrecht erhalten hat. Die neuerdings gewährte Beihilfe steht Emp fängern von Renten aus der Invalidenversicherung zu, wenn sie nicht auf Grund des Reichsversorgungsgesetzes vom 12. Mai 1920 oder anderer Militärversorgungsgesetze eine Versorgung erhalten. In diesem Falle erhalten sie sie nur, wenn die Beihilfe die erwähnte Versorgung übersteigt. Die Beihilfe beträgt für Empfänger einer Invaliden-, Alters-, Witwen- oder Witwerrente monatlich 40 Mk., für Empfänger einer Waisenrente monatlich 20 Mk. Renten und Beihilfen werden in Teilbeträgen monatlich auf volle 5Pf. aufgerundet und im voraus von derPost ausgezahlt. Platzes mit. In allen politischen Wirren und Nöten bewahrt sie sich ein unbeirrbares klares Urteil und vielleicht gerade weil sie in der Fremde ist, entwickelt sich bei allem Weltbürgertum, das ihrem hohen Geist entspricht, die Liebe zum Vaterland. Aber auch-diesem Liebling der Götter und Menschen blieb der Schmerz nicht erspart. Zwei liebe Kinder mußte Karoline her geben und sie, die zärtlichste Mutter, braucht lange Zeit, bis sie das große Rätsel Tod zu lösen vermag.„Die Tiefe und Unendlichkeit des Lebens" tut sich vor ihr auf und die Gewißheit, daß das Großmenschliche nur da ersteht,„wo das Individuum sich weder im Genuß des Glücks noch des Schmerzes schont". Das Zusammenleben mit den anderen Kindern gestaltet sich um so inniger. Das schwere Geschick, das durch die Napoleonischsn Kriege über Deutschland hereinbricht, schränkt die offizielle Gesel ligkeit völlig ein. Karoline verlebte den Winter 1814 in Wien mit nur wenigen vertrauten Freunden:„Ein Weltgericht wird ge halten, wie noch nie eins war und beschäftigen sich die Leute da mit, sich Galakleider sticken zu lassen." Daß sie selbst dem ge schichtlichen Weltschauplatz fern sein muß, ist ihr ein großer Schmerz:„Die Natur hat es wunderbar im Weibe gemacht, so be schränkte Kräfte und so unbeschränkte Wünsche!" Humboldt war im Großen Hauptquartier In Prag, der sechzehnjährige Sohn im Felde. Karoline aber ist nur von dem Gedanken erfüllt,„daß die Knaben ihr Leben für nichts opfern als für das Recht, daß die Mädchen einst nur Männern angehören, die ebenso gesinnt sind. Denn einmal siegen muß doch das ewig Wahre und Rechte". In diesem Sinne entwickelt sich Karoline mehr und mehr zur Staatsbürgerin, deren Ideale sich in den Begriffen Volk, Heimah Staat zusammenfassen. Dabei bleibt sie die Seele des Hauses, die alles belebende und beglückende Sonne und so wunderschön faßt sie den Zauber Ihres Wesens in dem Erziehungsideal ihre Kinder zusammen:„Es gibt Schmerzen und Verworrenheiten im Men schenleben— daß doch ja keiner richten wolle über den anderenl Jede Hilfe leisten, jede Freude spenden, mit der man vom Herzen zum Herzen dringt, jede Träne ehren, jedes Gemüt, soweit man es Nr. 13 Die Gleichheit 127 Die Renten aus der Invalidenversicherung sind auch schon vor dem Kriege so niedrig gewesen, daß sie weit unter dem Existenzminimum blieben und in fast allen Fällen ergänzende Fürsorge notwendig machten. Dagegen waren die die Invalidität verhütenden Mahnahmen der Landesversicherungsanstalten schon lange von Bedeutung. Sie haben das angesammelte Vermögen zum Kampf gegen Tuberkulose und Geschlechtskrankheiten und anderer Volts seuchen, zur Errichtung von Krankenhäusern, Siechenhäusern, Volksheilstätten und Erholungsheimen verwandt. Dort sind die Versicherten, für die nach dem Gesetz, um die infolge einer Krankheit drohende Invalidität abzuwenden, ein Heil verfahren eingeleitet werden kann, untergebracht worden. Es sei bemerkt, daß derartige Anträge bei der zu ständigen Landesoersicherungsanstalt eingebracht werden können. Von Arbeitnehmerseite ist in der letzten Zeit häufig die Behauptung aufgestellt worden, daß die Kriegsanleihe zeichnungspolitik und andere Verwaltungsmaßnahmen der Versicherungsanstalten eine wesentliche Ursache des Rückgangs der außerordentlichen Leistungen sind, der auch heute noch trotz der wesentlichen Beitragserhöhungen anhält.(Fortsetzung tolgt) Inzwischen ist dem Reichstag ein Gesetzentwurf zur Abänderung der Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung zugegangen. Er soll erst, nachdem er in der vorgelegten oder in veränderter Form Gesetz geworden ist, hier behandelt werden. Frauenrecht, Frauenbeiträge und Frauenzeitschrift Gewitz, wir besitzen heute gleiches Recht sür Mann und Frau, soweit es die politischen Rechte betrifst. Wir besitzen es, soweit es die verfassungsmäßigen und sonstigen Rechte betrifft— wenn auch in den meisten Fällen nur auf dem Papier. Selbst in Parteikreisen stößt die Anerkennung des gleichen Rechtes für die Frauen nicht selten auf Schwierigkeiten und Widerstände. Bei der Wahl von Delegierten, Abgeordneten usw. kann man das nur zu häufig beobachten. Und wenn es eine Selbstverständlichkeit ist, daß die gleichen Rechte unlösbar mit den gleichen Pflichten ver bunden sind, so müssen wir feststellen, daß dieser Grundsatz in unserer Partei von vornherein durchbrochen wird durch die zweierlei Beiträge, die Mann und Frau bezahlen. Die Frage der gleichen Beiträge für Mann und Frau ist ja schon vielfach hin und her besprochen worden, ohne daß bisher ein befriedigendes Ergebnis gefunden wurde. Sie sei deshalb noch einmal zur Besprechung gestellt, und zwar in Verbindung mit unserer Frauenzeitschrift„Die Gleichheit". Wie wäre es, wenn die Frauen die gleichen Beiträge bezahlten wie die Männer, und wenn ihnen dafür die„Gleichheit" unentgelt lich geliefert würde? Wir würden damit endlich auch das so lang ersehnte Ideal verwirklichen: Unseren Frauen die so notwendige Bildung und Bildungsmöglichkeit auf allen Gebieten der Frauen bewegung zu geben. Und wir würden zugleich unserer Frauen zeitschrift den Verbreitungskreis verschaffen, der ihr gebührt und den sie braucht. An der finanziellen Seite braucht der Vorschlag nicht zu scheitern. Die Auflage würde sich so bedeutend vermehren, daß es vielleicht möglich wäre, die„Gleichheit" zu den erhöhten Beiträgen(rund 45 Pf. im Monat) zu liefern. Sollte das nicht angängig sein, so müßte der andere Weg eingeschlagen werden: Es wird den Frauen für den erhöhten Beitrag nur die eigentliche Zeitschrift(ohne Bei lagen) geliefert. Wer die Kinder- und Modenbeilage wünscht, müßte monatlich 50 Pf. zuzahlen. Dieser Betrag ist so gering, daß sich voraussichtlich viele Frauen und besonders viele Mütter die beiden Beilagen dafür halten würden. Sicherlich aber doch so viele, wie wir Leserinnen der„Gleichheit" augenblicklich überhaupt haben. Vielleicht trägt die Anregung dazu bei, für die Frage der Frauen beiträge und Frauenzeitschrift eine befriedigendere Lösung zu schaffen, als sie bisher gefunden wurde. K u r t He i l b u t. Briefe über Kmdererziehung XIV. Werte Freundin! Das letzte Wort meiner, im übrigen von Ihnen gut aufgenom menen„Strafpredigt" macht Ihnen Kopfschmerzen? Nun, so müssen wir es noch einmal erläutern. Wenn ich schrieb, wir wollten erkennt, zu begreifen suchen, strenge gegen sich, nachsichtig gegen vnderel" Noch einmal nahm die Familie Aufenthalt in dem geliebten Nom, und wieder fand sich die Künstlerwelt in dem gastfreien Humboldtschen Haus zusammen, wo die schöne Mutter und die aufblühende, ebenso schöne Tochter Anregung gaben zu manchem hervorragenden Kunstwerk, das noch heute die Welt entzückt. In Thorwaldsens Hoffnung, der Statue, die sich auf der Säule be findet, die den Begräbnisplatz der Familie Humboldt In Tegel schmückt, finden wir Karolinens Züge. Schadow malte die dritte Tochter Gabriele, Schick malte die beiden Schwestern Adelheid und Gabriele, Rauch schuf die ganz entzückende Statue der ältesten Tochter, auch einer Karoline, als Psyche.— Außer den erwähnten Künstlern fanden noch andere gastfreie Aufnahme und fein empfindendes Verständnis im Humboldtschen Haus. Endlich kam dann die Stunde, in der Karoline, die von ihrer Lieblingstochter, die als Gesandtin in London eine Rolle in der großen Welt spielen mußte, gesagt hatte:„Sie ist eigentlich zu gut dazu mit ihrem stillen, tiefen, in sich geschlossenen Wesen", sich in der Wiedervereinigung mit Humboldt aus der Welt des Scheins i» die Welt des Seins zurückziehen tonnte, die auch ihr so sehr zu sagte. Die Familie lebte auf Schloß Tegel, das der berühmte Bau- weister Schinkel ausbaute. Die Familie kann sich nun erst so recht arm innigsten Familienleben widmen und sieht in der Veränderung der äußeren Verhältnisse einen Gewinn, während sie von anderen beklagt wird. Aber es will Abend werden in dem reich bewegten Leben Ka rolinens, und so schreibt sie wehmütig an ihre in London weilende Tochter Gabriele:„Man geht aus Nacht in Sonne, man geht aus Schmerz in Wonne, aus Tod in Leben ein." Denn ihr ist der Tod der freundliche Götterbote, der nicht scheidet, sondern eint. Aber sie leidet unter dem Kranksein, das den Menschen peinigt, sich viel wit dem eigenen teuren Ich zu beschästigen. Und die Enkelkinder fehlen ihr, deren Anblick ihr mehr Erquickung geben würde als all» stärkende Medizin.„Nur der findet süß den Ton der Flöte oder der Zimbel, der nie das Geschwätz der Kinder gehört," zitiert sie sehnsüchtig einen Spruch aus dem Talmud. Sie weiß, nun ist bald „ein Mensch fertig". Am 26. März 1820 nahm sie Abschied von ihren Lieben, heiter und gefaßt, und bat sie:„Seid ruhig, weint nicht!" Ihr letzter Wunsch war, im Tegeler Park begraben zu sein. „Man sieht da das Schloß," sagte sie, bei der großen Eiche und den dunklen Tannen. Dort, nicht wie sie einst geträumt hatte, in römischer Erde unter Pinien und Zypressen bei den geliebten Kindergräbern unter der Cestiuspyramide in Rom, schläft Karoline v. Humboldt den letzten Schlaf. In freier Erde, von einem ein fachen Gitter umgeben, liegt das schlichte Grab. Darüber erhebt sich der ganz weiße Marmorsockel mit der Inschrift. Schlank steigt die dunkle Granitsäule empor, und auf ihrem jonischen Kapitäl steht in ihrer gänzlichen Schönheit die Gestalt der Hoffnung, die Karoline vor Iahren bei Thorwaldsen bestellt hatte. Nach und nach haben all ihre Lieben sich um Karoline ver sammelt, und noch ist Schloß Tegel mit seinem schönen alten Part und dem stimmungsvollen Begräbnisplatz darin der Wallfahrtsort für viele, in denen das Gedächtnis an diese so durch und durch im guten Sinn des Wortes vornehme Menschen weiterlebt. Und gerade In diesen Tagen, da Deutschland seine schwersten Stunden durchkämpft, da sollten wir uns der Worte der Frau in ähnlich schwerer Zeit erinnern, die sich nicht beirren ließ in den furchtbaren Schicksalsschlägen, die auch vor hundert Iahren unser Land und unser Volk trafen. In der festen schönen Zuversicht:„Von dem Glauben soll nichts uns trennen, daß nur das Gute siegt und daß kein reines schönes Gefühl in dem Menschen, der es ernst mit sich meint und Eitelkeit und Selbstsucht in sich niederkämpft, ver loren geht." stier lick selbst reckt kennt, kann lekr bslä slle anäeren Menlcken kennenlernen. Ls ist slles Zurllckstrsklung. ci»tem>«rz. !2« Die Gleichheit Nr. I Z zur Freiheit, nicht zur Tugend erziehen, so lehnen Sie zwar mit wir das etwas lederne Wort„Tugend" ab, stellen aber die Gegen frage, ob denn nicht Tugend eben„Tauglichkeit fürs Leben" bedeute und ob das nicht ein sehr berechtigtes Erziehungsziel wäre. Ganz recht. Tugend kommt von Taugen, und wenn Eltern ihr Kind lebenstauglich gemacht haben, dann kann man nicht mehr verlangen. Nur fragt man bei dem Worte„taugen" nicht bloß, wozu jemand taugt, sondern auch wem? Wem kommt es schließlich zugute, daß jemand„tüchtig" oder„tauglich" ist?„Ihm selber", antworten Sie,„und auch der Gesellschaft"! Diese Antwort habe ich von Ihnen erwartet, obwohl es Leute geben soll, die daran denken, daß ihre Kinder ihnen selbst einmal tüchtige Helfer im Geschäft, beim Geldverdienen, in der Landwirtschaft usw. werden sollen, und die sogar von ihnen die„Stütze ihres Alters" erhoffen. Das ist— in aller Unschuld— so ungefähr der Standpunkt des Pferdezüchters oder Jägers, die sich ein Füllen zum Rennpferd und einen Welpen zum Vorstehhund„erziehen" wollen. Ich habe doch selber einmal Hunde gezüchtet, und da war das höchste erstrebenswerte Ziel das, die Tiere soweit zu bringen, daß sie, mit Hilfe ihrer natürlichen Anlagen, die durch Züchtung verbessert wurden, und mit nur leiser, nicht gewalttätiger Anleitung ihre, dem Menschen dienlichen Auf gaben möglichst„von selbst", jedenfalls aber mit Lust und Freude erfüllten. Also„in Freiheit dressiert" und„zur Freiheit erzogen"! Und das waren dann nicht etwa nur die für uns tauglichsten, sondern auch, wenn man sie mit ihren ursprünglichen wilden Art genossen vergleicht, die edleren, die dem Jdealtypus Hund und Pferd am nächsten Kommenden! Sie sehen, was die Freiheit zustande bringen kann— aber einer Sozialistin braucht man ja dies Evan gelium nicht erst zu predigen! Bleibt nun aber das Tier, auch wenn in Freiheit erzogen, doch dem Menschen dienstbar, so daß dieser bestimmt, was an ihm„Tugend" und„Untugenden" sind: (nämlich die dem Menschen unwillkommenen„Freiheitsäußerun gen", wie das Bocken und Reiterabwerfen beim Pferde, das Nach setzen und auf eigene Rechnung Jagen beim Hunde), so hat uns u. a. Kant gelehrt, daß der Mensch' niemals bloß dienstbar, ein bloßes Mittel für sreinde Zwecke sein dürfe, und der Sozialismus ist auf seinem Siegeszuge dabei, diese schöne philosophische Theorie in die Praxis umzusetzen. Merkwürdiger weise aber setzt er dem von Tyrannenwillkllr und Kapitalherrschaft befreiten Arbeitsmenschen einen neuen Herrn auf den Nacken: die „Gesellschaft", ganz, wie Sie vorhin schon sagten. Jeder Mensch soll ein Diener der organisierten Menschengemeinschaft und als solcher freilich auch ein gleichberechtigter Nutznießer der Gesell schaftsgüter sein! Der„unabhängige Anarchist" lehnt das bekannt lich mit Entrüstung ab. Wer hat nun recht?— Sie sehen, das ist dieselbe Frage, die Sie mir, nur ins Pädagogische übersetzt, gestellt haben, ob nämlich das Kind zur schrankenlosen(anarchischen) Freiheit, oder zur Tauglichkeit für seine menschliche Umwelt er zogen werden solle. Und daß meine„Erziehung zur Freiheit" mit Notwendigkeit zu zügelloser Wildheit des Kampfes aller gegen alle führen müsse, haben mir schon zum Ueberdruß auch die Freunde der Erziehung gesagt, die den Menschen im religiösen Sinn tugend haft machen wollen, also tauglich zum Gotteskind und Himmels bürger. Aber lassen wir diese vor lauter Gottesglnuben zu Un gläubigen an der Menschheit Gewordenen ihres Glaubens selig werden! Soll nun Ihr Junge ein guter Sozialist werden oder einer jener„Anarchisten", wie sie heute, nicht als Produkte einer Erziehung zur Freiheit, sondern des absoluten Mangels an Erziehung zu Tausenden herumlaufen?— Die Antwort liegt in dem ersten Worte: Erziehung ist auch zur Freiheit nötig, ja gerade da am allernötigsten! Freiheit gleicht einem„Bistouri"— Sie wissen doch, was das ist: das auf beiden Seiten haarscharf geschliffene Messer des Chirurgen—, mit dem umzugehen man erst lernen muß. In ungeschickter Hand verletzt es den es Führenden wie den damit Bedrohten. Jene grünen Burschen, die wie soeben aus dem Kommiß entlaufene Sklaven mit ihrem Freiheitsmesser (es können auch Handgranaten und gestohlene Gewehre sein!) in der Welt herumfuchteln, unbekümmert um die Freiheit und das Leben der anderen, haben nie begriffen, daß Freiheit gar nichts anderes bedeutet, als strengste Selbstzucht, daß man erst ein mal Herr seiner selbst sein muß, und nicht williger Knecht seiner wildesten Lüste und Begierden, seiner Launen und willkürlichsten Einfälle, wenn man für andere ein Sendbote der Freiheit werden will, der reine Hände und ein reines Herz haben muß. Wer nur seine Freiheit austoben will, der entwürdigt die hehre Frauengsstalt zu seiner Lustdirne und hat keine Ahnung von der verehrenden Liebe, mit der der wahre Freiheitsfreund sie, gerade an anderen, achtet und schont. Zur Freiheit erziehen heißt zur Rücksicht und Umsicht und Borsicht und Einsicht erziehen, mit denen man seinen Weg mitten durch die anderen, unangefochten, aber auch selbst nirgends anstoßend, seiner selbst sicher und eben darum von höchster Tauglichkeit für seine Mitwanderer, machen kann. Merken Sie nun, daß Erziehung zur Freiheit und Erziehung zur Tugend oder menschlichen Tauglichkeit nur zwei Ausdrücke sind Der Hund �ie Stadtbahn gleitet hinaus zum nahen Wald. Es ist Früh- nachmittag an einem Sonntag. Nur wenige fahren hinaus. Die anderen hält die Mittagsstunde noch in der Stadt zurück. Sie kommen später. Väter und Mütter mit fröhlichen Kindern. Mit Lärm und mit Lachen. Aber jetzt ist es noch einsam. Im Abteil sitzen vier Personen. Ich habe mich in eine Ecke gedrückt, die Sonnenstrahlen aufzufangen, die flugs in den fahrenden Zug durchs Fenster hineinsteigen. Draußen laufen die Felder und Gärten vorbei. Telegraphenstangen biegen sich kichernd zu Boden -- es ist Sonntag. Aber hier drinnen ist es einsam und leer. Die gelben Bänke höhnen. Neben mir sitzt eine Frau, die ein schlafen des Kind im Arme hält. Rosig die Bäckchen, der Atem wie Fliegen summen. Ein glücklicher Anblick. Gegenüber ein Paar. Nicht zu jung— nicht zu alt, wohl einige Jahre verheiratet. Gut gekleidet. Aber das ist es, von ihm kommt die Leere her! Und Bangigkeit vom Weibe. Aus ihrem Schoß steigt sie auf. Dort liegt ein Hund. Auch schlafend. Aber— ein Hund. Kein Kind— kein Menschlein. Und das muß wohl die Frau drüben plötzlich begreifen. Blaß starrt sie auf das Kind, das ihr gegenüber schläft, rosig, träumerisch. Dann blickt sie auf ihren Hund— ein Terrier, weiß und schwarz gefleckt. Man hat ihn ihr wohl geschenkt. Zum Trost. Vielleicht war er ihr bisher auch ein Trost-- für das verlorene Kind, das noch nie da war— nie kommen wird. Diese Gewißheit brennt sich jetzt tief in das Herz der Frau. Der Mann starrt zum Fenster hinaus. Die Frau neben mir hält das rosige Kind— mir gegen über liegt ein Tier in einem Frauenschoß und zwei nasse Augen sehen ins Leere-- Alfred Fritzsche. weikt äu. welcher im Leben lein eigener frcunä ilt?— Der ist es, äer wie ein ffeinä wacker lich leider deliämpft. öemerUnz. X t)hne ffreuäe taugt äer Kelle nicht. wz»er von-!-r Voze>>v«>-le. Feldblumen c>�>eine große, weiße Vase mit dem blauen Rand ist mit Feld- blumen gefüllt. Ist mit einem Riesenstrauß wunderbunter, schöner, frischer Feld blumen gefüllt. Blaue Kornblumen stehen schlank und lieblich in herbem, leisem Duft. Wie flammende Kelche sind die Mohnblumen. Ihre große», muschelartigen Blätter sind wie von roter Seide, und wenn man in ihre geheimnisvollen Kelche hineinsieht, ist man wie gebannt. Feine, schwarzseidene Haare umschmeicheln die Staubfäden das fremdartige Mohnköpfchen. Ueber der roten Mohnblüte liegt es wie ein schwermutvolles Lächeln: Ich muß so bald sterben.— Margaretenblumen, deren schmale, weiße Blumenblättchen wie Strahlen um goldene Augen gereiht sind, schneiden seltsame Mienen. Sie sind wie lustige Spötterinnen. Ein paar rötliche Kornraden schauen aus grünem, fünszackigem Stern, und stolz prangt der blaßblaue Rittersporn. Wie rote Kerzen brennen Kleeblüten, und langhaarige, sanft- geneigte Gerstenhalme nicken das feine Lied vom blühenden Lande. Um die leuchtende Pracht dieses Straußes, der alle Schönheit, allen Reichtum der Welt in sich schließt, windet sich süßduftende Ackerwinde, wie eine weißleuchtende Girlande.— Mein Feldblumenstrauh ist der schönste Strauß der Erde. Welche Farben, welche Glut! Das Blau des Himmels, das glühende Rot des Herzblutes, der Sonne Gold, das Weiß der Schneekronen ewiger, unerreichter Firnen und das Grün nie welkender, zukunfts froher Hoffnung. Mein schöner Feldblumenstraußl Und er kostet nichts. Ach- Blumen dürfen nichts kosten. Sie haben so zarte, leichte Seelen, daß sie sterben müssen, wenn sie verkauft werden. Blumen mußt du suchen, wie man das Glück sucht. Mußt si� finden und pflegen. Blumen mußt du lieben. Denn sie sind die Schönheit selbst. Anna Jussen. für den gleichen Inhalt? Nur daß der heutigen Jugend Freiheit besser klingt, als Tugend! Aber noch eins kommt hinzu. Das Pferd, den Hund, Haustiere und Pflanzen veredelte der Mensch, indem er sie zur Taug- lichkeit für seine Zwecke erzog. Dadurch, daß er auch Seinesgleichen. seinen Mitmenschen, für die Zwecke der Gesellschaft erzog. veredelte er ihn desgleichen zum Kulturmenschen. Die Ge- sellschast aber ist etwas Wandelbares. Solange die Eltern ihre Kinder nur zur Tauglichkeit für die gerade b e st e h e n d e Gesell- schast erzogen, wurden aus ihnen brave Spießbürger, gute Durch- schnitts-xemplar- Bis man anfing, sein Kind für die kom- wen de Gesellschaft, die bessere von morgen und übermorgen zu erziehen! Bis man sich erinnerte, daß auch die Jugend selbst ihr« m eigenen Trufte zum Bau der künftigen Welt mit hineinzugeben yn. �is man inne wurde, daß der bloße unendlich wiederholte Ausguß der Urväterweisheit notwendig zuletzt schal und ungenieß bar werden mußte. Bis man— eben im Sozialismus— über die heutige und kommende Gesellschaftsordnungen den Seherblick auf die Entwicklung der Menschheit richten lernte! Seitdem ist Erziehung zur Freiheit, Erziehung zu höchster Tauglichkeit oder Tugend und Erziehung zu einem, von der Knechtschaft aller Rassen- und Klassenunterschiede, Konfessionen und Weltanschauungsdogmen, Standes- und Bildungsvorurteilen, ja den wirtschaftlichen Ungleich heiten freien Menschentum ein und dasselbe. Dr. Pen zig. Waisenrente und Adoption. In der„Sozialen Kriegerhinterblicbenenfürsorge"<1920 Nr. 12) wird darauf hingewiesen, daß der Fortfall der Waisenrente bei Adoption eines Kindes im neuen Reichsversorgungsgesetz ebenso wie im Militärhinterbliebenengesetz von 1907 nicht erwähnt wird. Da als Gründe des Erlöschens für Witwen- und Waisenrente nur Verheiratung, Tod oder Bollendung des 18. Lebensjahres ausge führt werden, hat das Reichsarbeitsministerium bestätigt, daß die für das Militärhinterbliebenengesetz geltende Auffassung, nach der ""Seführten Gründe, aber nicht Adoption die Waisenrente kl» � 55 fortfallen lassen, auch für das Reichsversorgungsgesetz Adovt°n von � � Interesse einer Förderung der Adoption von Waisenkindern zu begrüßen, da vielfach Familien I an Kindes Statt anzunehmen, wenn ihnen die icherheit gegeben wird, daß die Waisenrente des Kindes durch die Adoption nicht fortfällt. � Absindung bei Wiederverheiralung. Im RVVl. betont das Rcichsarbcitsministerium ausdrücklich, daß die Anträge auf Bewilligung der Abfindung bei Wiedcroerheiratung der Kriegerwitwen mit besonderer Beschleunigung zu behandeln sind. Es ist daher zweckmäßig, den Antrag aus Absindung bereits vor der bestimmt in Aussicht stehenden Wiederoerheiratung bei dem bisher zuständigen Versorgungsamt zu stellen. Aus der Frauenbewegung des Auslandes � Reichskonscrenz der sozialistischen Frauen Englands. Dem offiziellen Bericht über die Reichskonscrenz der englischen Sozialistinnen entnehmen wir noch folgendes: Im Anschluß an einen Paragraphen des Friedens- und Völkerbundsvertrages hatte in Washington bekanntlich vor einiger Zeit eine Arbeiterschutz konferenz getagt, auf der u. a. beschlossen worden war, in allen angeschlossenen Staaten einen Wöchncrinnenschutz von im ganzen k2 Wochen einzuführen. Bis jetzt aber hat England diesen Vertrag noch nicht ratifiziert, da die Regierung staatsrechtliche Schwierig keiten macht, welche Stelle— Parlament oder Kabinett— zur Aatisikation internationaler Konventionen berufen sei. Die Washingtoner Konvention sieht neben der Arbeitsruhe volle staat liche Unterstützung für Mutter und Kind vor, während das alte englische Fabrikgesetz nur 4 Wochen Ruhe nach der Entbindung und eine einmalige Beihilfe von 2 Pfund Sterling gewährt. Es >st also für die arbeitenden Frauen Englands von allergrößtem �ert, daß ihnen dieser erweiterte Wochenschutz gewährt wird. Die Frauenkonferenz forderte deshalb in einer Resolution die Re- Sierung auf, die Vorlage endlich dem Unterhaus vorzulegen, und aie Konvention so schnell wie möglich zu ratifizieren und durch zuführen. Ebenso erklärt sich die Konserenz für die schleunige Durchführung des demnächst dem Parlament vorliegenden Gesetzentwurfs zum Schutz des unehelichen Kindes, für das über den Gesetzentwurf y'naus im Prinzip die völlige Gleichberechtigung mit den ehelichen Kindern gefordert werden müsse. 129 Hinsichllich der allgemeinen Erwerbslosensrage forderte der Kon greß vor allem die Fürsorge für Fortbildung und Unterhalt der unbeschäftigten Jugendlichen. Ferner wird die Regierung zum Ausbau einer produktiven Erwerbslosenfürsorge durch Stellung öffentlicher Arbeiten aufgefordert. Bei der Besprechung der Frage weiblicher Schöffen und Friedens richter weist der Kongreß darauf hin, daß es keinerlei Rücksichten auf besondere Fälle, die für Beratung und Besprechung durch Frauen für nicht geeignet angesehen werden könnten, geben dürfe. Man erschwere damit den Frauen, die sich um die juristische Lauf bahn bewerben, die Zulassung zu ihrer Karriere. Die Versammlung verlangt ferner die Abschaffung aller Bedingungen des Grund besitzes oder sonstiger Eigentumstitel, die bis jetzt die Boraussetzung der Wählbarkeit von Frauen zum Schöfsenamt sind. Die Frauen aller Stände werden nochmals aufgefordert, keine Ausnahme vom Schöffendienst, auch in weniger angenehmen Fällen, für sich in Anspruch zu nehmen. Die Labour Party wird aufgefordert, dahin zu wirken, daß für den Aufstieg der Frauen aus den unteren Posten zur höheren Beamtenlaufbahn keine Schwierigkeiten gemacht werden und der Grundsatz der„gleichen Bezahlung für gleiche Leistung für Männer und Frauen" überall durchgeführt wird. Für alle Frauen, die für Kinder zu sorgen haben, wird eine ausreichende Erziehungsbeihilfe verlangt, wie es die Labour Party in einem Gesetzentwurf schon 1920 gefordert hat. Das Jugcndbildungsgesetz von 1918, das Schulpflicht bis zum 10. Lebensjahr vorsieht, soll endlich durchgeführt werden und für unbemittelte Eltern sollen Erziehungsbeihilfen gegeben werden. Erwerbsarbeit für Kinder bis zu 14 Jahren ist zu untersagen. Jugendliche, die sich auf den Arbeitsnachweifen melden, sollten an die gegen Kriegsende geschaffenen Bildungszcntralen verwiesen und mit einer Unterstützung zu ihrem Besuch versehen werden. Die Konferenz verlangt ferner außer der Einführung des allge meinen Wahlrechts für Frauen— das englische Frauenwahlrecht ist noch immer von einem bestimmten Besitz abhängig— den freien Zugang der Frau zu allen Bernsen und Industrien, mit Ausnahme derjenigen, für die die Frau aus Gesundheitsrücksichten nicht geeignet ist.(Der von Dr. Marion Philips auf der Konferenz erstattete Bericht über die Frauenorganisation in der Partei während des letzten Jahres soll das nächste Mal besprochen werden.) � Dr. M. Frauenwahlrecht bei den belgischen Provinzlalwahlen. Der am 2. Juni vom Minister des Innern eingebrachte Gesetzentwurf zu den Provinzialwahlen gibt den Frauen das passive Wahlrecht. Die Mitglieder der linksliberalen Gruppe in Kammer und Senat haben fast einstimmig erklärt, daß sie die Erteilung des Wahlrechtes an die Frauen für verfrüht halten. Dr. M. � Ans unserer Bewegung � Zur Reform der Arauenabende. Als Leiterin derselben Frauenabteilung, in welcher Genossin Wachenheim den Vortrag„Republik oder Monarchie" gehalten hatte, möchte ich mich folgendermaßen äußern: Es ist ein Irrtum anzunehmen, daß an den Frauenabenden der SPD. nur Mitglieder erscheinen: vielmehr sind stets auch Gäste und Parteifreunde anwesend. Aus diesem Grunde Ist meiner An sicht nach ein wenig Agitation niemals von Schaden, weil vor allen Dingen zu berücksichtigen ist, daß ein großer Teil der Zu hörerschaft leider noch immer viel zu wenig politisch geschult ist und daher deutlich darauf hingewiesen werden muß, um welche Lebensgüter es eigentlich geht. Referate, die an sich hochinteressant und lehrreich sind, wirken auf die Zuhörerschaft oft überlastend und ermüdend, weil sie für ihr Auffassungsvermögen zu hoch gehalten sind und diese zuletzt dem Vortrag nicht mehr folgen können. Das typische Zeichen da für ist eine leis«, mit Flüstern ausgefüllte Unruhe und Unauf merksamkeit. Ter Referent oder die Referentin haben dann nicht das Glück gehabt, ihre Zuhörer so zu fesseln, daß diese bis zu Ende interessiert und atemlos lauschen I Gewiß wäre es für strebsame Genossinnen sehr empfehlenswert, eine Thema auf länge, e Zeit weitergeführt zu sehen, um so etwas wirtlich Wissenswertes dargeboten zu erhalten. Die Sache hat ober einen Haken: ist de«' Vortrag nicht so spannend und fesselnd gehalten worden, daß ihgi bis zum Ende mit voller Aufmerksam keit gefolgt wird,— dann allerdings hat die Genossin Wochenheim recht, wenn sie schreibt,„die Frauenabendleiterinnen fürchten", man würde nun den Zusammenkünften fernbleiben! Mit ziem licher Sicherheit behaupte ich aber, daß dagegen ein verständnis- Die Gleichheit � Soziale Rundschau � 130 Die Gleichheit Nr. 13 voller, anregender Vortrag ebenso nachhaltig wi�ien wird, wie gute Musik, deren Melodien man voll Wonne und Begeisterung noch lange nachher vor sich hinsummt, weil sie einem unvergeßlich geblieben sind. Hat daher ein Referent oder eine Referentin das Talent, wirtlich zu fesseln und zu begeistern, so könnte ein bestimmtes Wissens gebiet getrost aus längere Zeit weitergeführt werden, zum Nutzen aller. Was Zusammenkünfte im kleinen Kreise, gemütlich am Tisch sitzend, betrifft, so glaube ich, daß jede einigermaßen in- teressierte Leiterin diese selbst durchzuführen sucht und dazu kaum eine Referentin braucht. Es muß dabei nur darauf Bedacht gelegt werden, daß solche zwanglosen Plauderstunden stets ihre politische Grundlage behalten. So manche scheue Frau ist da schon aus sich herausgegangen, hat kleine Aufsätze in Form von Referaten nieder geschrieben, sie im engsten Kreise vorgelesen, um zum folgenden Frauenabend mit Hilfe ihrer Niederschrift sich bei der Diskussion zum Wort zu melden. Zur Reform unserer Frauenabende gehört auch, alle Steifheit und übertriebene Organisationsweise zu vermeiden, damit sie un gezwungen und unterhaltend wirken. Nur so entwickelt sich Ge meinsinn zur Gemeinschaftsarbeit, und das stolze Gefühl wird ge weckt: wir gehören zusammen und tragen im kleinen dazu bei, daß an irgendeiner Stelle etwas erreicht wird, um das menschliche Gemeinschaftsleben zu oerbessern. Margret Arnold-Heilemann. Bezirksverband Halle(Delitsch). Auch hier im roten Herzen Deutschlands geht es mit der Frauenbewegung vorwärts. Nachdem in Halle und Merseburg Frauengruppen gegründet worden sind, ist dieses nun auch in Delitsch gelungen. Zu diesem Zwecke war die Genossin M. Nöpert aus Halle erschienen und sprach über die Notwendigkeit der politischen Organisation der Frauen und über sozialistische Bestrebungen. Sämtliche anwesende nichtorgansier- ten Frauen traten der Partei bei. Die Zusammenkünfte finden nun- mehr monatlich statt unter Beisein eines Mitgliedes des örtlichen Vorstandes. Sehr zu begrüßen ist, daß sich ein Genosse(Lehrer) diesen Abenden widmen wird, um mit den Genossinnen das Wert Bebels„Die Frau und der Sozialismus" zur Förderung der poli- tischen Schulung durchzustudieren. k. � Wohlfahrtspflege Aus der Arbelt der Ausschüsse für Arbeiterwohlfahrt. In Brake in Oldenburg ist eifrig und auf vielen Gebieten praktisch weitergearbeitet worden. Ein bedeutsamer Erfolg ist darin zu verzeichnen, daß dem Ausschuß ein Raum in einer früheren Schule überwiesen wurde, für dessen Ausstattung Partei und Ge werkschaft 8000 Mk. zur Verfügung stellten. Der Zusammenhalt unter den Ausschußmitgliedern ist naturgemäß ein größerer, wenn der Ausschuh ein eigenes Heim hat. Das fördert auch dos gute Zusammenarbeiten. Auch die Veranstaltungen für die Kinder, Lese- und Handarbeitsstunden, finden hier statt. In Brau»schweig haben die Parteigenossen, die den Aus schuß für Arbeiterwohlfahrt bilden, die praktische Arbeit so an gefangen, daß sie alle in der Armen- und Waisenpflcge tätigen Genossen regelmäßig zusammenberufcn und durch Vorträge immer mehr Verständnis für die Arbeit zu wecken versuchen. Trotz des anfänglichen Widerstandes gelang es, eine Anzahl von Partei genossinnen sowohl in das Wohlfahrtsamt wie in andere Kom missionen hineinzubringen. Einen sehr starken Einfluß haben sich die Vertreter des Ausschusses für Arbeiterwohlfahrt in dem Landes ausschuß der Kinderhilfe gesichert. Sie haben dadurch freilich auch den HaupUcil der Arbeit aus sich nehmen müssen. In Bochum haben sich die Frauen für die soziale Hilssarbeit zusammengetan und einen Ausschuß gebildet, der sich an allen allgemeinen Wohlfahrtsarbsiten beteiligt. Aber auch dort verfolgt man den richtigen Grundsatz, daß die soziale Fürsorgearbeit nicht nur Sache der Frauen ist, sondern daß auch die männlichen Parteigenossen an ihrem Teil mit daran arbeiten müsien. Die Parteigenossen, die sich in Bremen zu dem Ausschuß für Arbeiterwohlsahrt zusammenschlössen, haben die Arbeit sehr plan mäßig aufgenommen. Der wichtigste Erfolg ist wohl die geschlossene Teilnahme der Ausschußmitglieder als Pfleger im Jugendamt. Wo die Proletarierin bisher nur die beamtete Helferin oder in der Hauptsache Frauen der ihr fernstehenden Kreise beim Jugendamt sah und dabei häufig dos Empfinden hatte, daß Schulbildung und äußerer Schliff nicht immer auch Herzenstatt und Wärme be dingen, kann sie sich jetzt selbst bei der Pslegearbeit an unserem kostbarsten Volksgut, den Kindern, beteiligen. Auch im Fürsorze- rat und als ehrenamtliche Fürsorgerinnen haben die Genossinnc: ihre nicht immer leichte Arbeit geleistet: gar zu oft erkannten si daß ihrem Begriff der wirklichen Hilfe allzu enge Grenzen gezogen sind. Der Gesichtskreis mancher Genossin hat sich bei dieser Arbeit erweitert Soziale Mitarbeit in unserem Sinne muß fördernd auch auf das politische Verständnis wirken, weil sie die völlig un zulängliche Hilfe, die die heutige Gesellschaftsordnung leisten kann und will, erkennen läßt. In Hannover hat der Ausschuß für Arbeiterwohlsahrt sich einem unserer wichtigsten Aufgabengebiete zugewandt: der Schulung von Helferinnen in der Fürsorgearbeit. Dank der Bemühungen des rührigen Vorsitzenden ist es gelungen, sachkundige Persönlich keiten als Dozenten zu gewinnen und es ist ein gut zusammen gestelltes Vorlesungsverzeichnis, aus dem nur die folgenden Vor tragsreihen angeführt sein mögen: Bevölkerungspolitik, keim- schädigcnde Gifte, Fürsorge für Wöchnerinnen, Säuglingsfürsorge, Fürsorge für das Kleinkind, das Schulkind, das uneheliche Kind, gesetzliche Fürsorgebestimmungen, Tuberkulose und deren Ver hütung, Geschlechtskrankheiten, praktische Fürsorgearbeit. Die Vor lesungen fanden in den Nachmittagsstunden statt, während die Vormittagsstunden zu Besichtigungen benutzt wurden. Es ist eine außerordentlich erfreulich« Tatsache, daß 85 Parteigenossinnen, Frauen der arbeitenden Kreise, es während eines ganzen Monats möglich machen konnten, diesen Lehrgang zu besuchen. Das wird bei manch einer Frau Opfer gekostet haben. Das anhaltende Interesse der Frauen zeigte sich auch darin, daß an der Schluß- prüfung von den ursprünglich 85 Teilnehmerinnen noch 83 teil nahmen. Die Prüfung ergab, daß die Ausbildung, die bei der kurzen Zeit natürlich keine gründlich« sein konnte, doch eine sehr praktische war. Zur Deckung der Unkosten waren vom Magistrat der Stadt Hannover 3«- Ausbau der kindersürsorg« durch die Gemeinde. Von Dr. Sophie Schöfer-Auweck. Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68. Preis 2.75 Mk. Den Genossinnen, die in den Kommunen oder in der Wohlfahrts pflege tätig sind, gibt Dr. Sophie Schöfer-Auweck mit ihrer kleinen Broschüre einen ausgezeichneten Leitfaden an die Hand. Sie be schäftigt sich in dem 36 Seiten starken Heft mit den vielgestaltigen Ausgaben, die notwendig sind, um dem allgemeinen tieftraurigen Kinderelend erfolgreich zu steuern. Nach einein kurzen Ueberblick über den heutigen Stand der Gesundheit der Kinder, der infolge des Krieges stark gestiegenen Verwahrlosung und Strasfälligkeit der Jugend betont die Verfasserin die dringende Notwendigkeit einer möglichst baldigen und gründlichen Hilfe, die nur in einem durchgreifenden und planmäßigen Ausbau der Kinderfürsorgt möglich ist. Zu erreichen Ist dieses Ziel nur durch die Kommunali sierung der Kindersürsorg«. Dr. Schäfer versteht unter dieser Kommunalisierung die planvolle, zielbewußte, lückenlose Erfassung der Jugend durch städtische Aemter, was durchaus noch nicht dem Begriff der Sozialisierung entspricht. Bis zur Sozialisierung der Wohlfahrtspflege ist»och ein sehr weiter Weg, so daß vorläufig nur eine Kommunalisierung in Frage kommt. Da zurzeit das Reichsjugendwohlfahrtsgefetz dem Reichstag zur Beratung vorliegt, ist die Schrift von Dr. S. Schöfer von aktuellem Wert. Sie behandelt die Kindersürsorge hauptsächlich ooM Gesichtspunkte des Gesetzentwurfes und zeigt, wie die gesamte Arbeit vom Jugendamt erfaßt wird. Die Verfasserin gibt in sehr klarer und verständlicher Weise einen Ueberblick über den organi' satorischen Aufbau des Jugendamtes mit seinen Unterabteilungen: Säuglings- und Kleinkindersürsorge. Vormundschaft und Waisen- pflege. Schulpflege. Jugendpflege im allgemeinen, Jugendfürsorge (Fürsorge für die gefährdete Jugend). Die Aufgaben der einzelnen Unterabteilungen werden kurz dargelegt und die Möglichkeit der Kominunalisierung sämtlicher Zweige der Jugendfürsorge wird be wiesen. Dr. S. Schöser ist ebenfalls der Ansicht, daß die Mitarbel von privaten Organisationen und Vereinen sehr gut möglich's Wenn diesen auch die geplante Zentralisierung durchaus nicht an genehm ist, so wird sich ein nennenswerter Widerstand schon>- halb kaum ergeben, weil alle die privaten Organisationen auf oM' liche finanzielle Unterstützung angewiesen sind. Selbstverständlr haben auch die Kommunen mit ungeheuren finanziellen Schwier'Z Nr. 13 Die Gleichheit 131 leiten zu kämpfen, die sich dem weiteren Ausbau der Kindersürforge lähmend entgegenstellen: die traurigen Verhältniffe zwingen jedoch gebieterisch zu weiteren, umfassenden Maßnahmen.— Die An schaffung des Büchleins sei allen Genossinnen dringendst empfohlen. C. R. Der Frauen Hausschah betitelt sich ein demnächst im Verlage von Auer u. Co. in Hamburg erscheinendes Jahrbuch für Arbeiter- srauen und-Mädchen. Das Erscheinen dieses Buches ist mit Freude und Genugtuung zu begrüßen, denn es süllt eine Lücke aus. di- sich von Jahr zu Jahr im Gegensatz zur bürgerlichen Frauenlite- ratur starker bemerkbar machte. Auf den reichen Inhalt dieses �ucyes, das in keinem Arbeiterhaushalt fehlen darf, werden wir seinerzeit ausführlicher hinweisen. Der Kleingärtner als Selbstversorger. Ein praktischer Ratgeber von Richard Dahlinger. Leipzig, Hesse u. Becker Verlag. ISO Seiten. Mit zwei farbigen Tafeln, fünf Gartenplänen und vielen Abbildungen im Text. 4, SO Mk.— Ein brauchbares und zeit gemäßes Büchlein! Unentbehrlich für jeden, der bereits glücklicher Besitzer eines Gartens ist oder sich einen solchen anlegen möchte. Dahlinger, ein erfahrener Berufsgärtner, macht nicht viele Worte, trifft aber meist den Nagel auf den Kopf. Reichlich über das Büchlein verstreute Abbildungen sorgen für die gerade in diesem Falle so nötige Anschauung: besonders wertvoll sind zwei farbige Tafeln, die in höchster Genauigkeit die Gartenschädlinge darstellen. Genosse Dr. Eduard hcimann hat im Berlag„Gesellschaft und Erziehung", Berlin, einen Vortrag, den er in einem Frauen- abend zehalten,„Die Sozialisierung. ihre Aufgaben und ihre Form" veröffentlicht. Der Vortrag zeichnet sich durch eine klare Dis position, eine einfache, leicht verständliche Sprache und eine kurze, aber umfassende Behandlung der wichtigsten Fragen der Soziali sierung aus. Cr eignet sich aus diesem Grunde vorzüglich als Muster für alle, die Vorträge in Frauenabenden über das Soziali- sierungsthema halten wollen. Man wird aber auch mit dieser Broschüre Erfolg haben, wenn man in einem Frauenabend ein paar Seiten liest und dann gemeinsam mit seinen Hörerinnen das Gelesene bespricht und am nächsten Frauenabend damit fortfährt, bis man zu dem hübschen Schluß des Vortrages kommt, an dem es heißt:„Wenn wir den wahren Sozialismus wollen, das Reich der Freiheit und Brüderlichkeit, so lassen Sie uns mit ganzer Kraft dahin streben, daß wir und alles Volk von einem wahrhaft frei- heitlichen und brüderlichen Geist ergriffen werden." h. W. -> Bei dieser Gelegenheit machen wir aus die zweimal monatlich er scheinende Zeitschrift„Der Elternbeirat" aufmerksam, die im Verlag für Sozialwissenschaft in Berlin SW. 68, Lindenstraße 114, her auskommt. Die Zeitschrift ist ein sachgemäßer und fördernder Berater für Elternbeiräte. Sie umfaßt jedesmal 32 Seiten und kostet vierteljährlich 8,S<1 Mk. Veraunvorllich für die Redaltioni Frau Klara Bohm-säiuch. Druck: Vorw«rt« Buchdruckeret. Berlaz: Buchhandlung Borwirt« Paul Singer S. m. d. S. i-inttlich in Berlin SW SS, Lindensiraße z ver MK zum MM ist leiedi ru lincken, Venn man obne StörunLen arbeilen kann unck nlcbt an iIen meisten HSUen bebt ein sorMItig an SepuStes /iugenglas alle Nisse Seacbueräen, ckesbalk scbeue nicmanch äer an Niesen ksrscNeinungen lei-Iet, ckic kleine iVilibe, lile �ugen untersuchen IU lassen bei«ytUlarinetzter klo» IPusM, verlin so, vresciener Str. IZl lXottduser Selikrait vlrck gevlexenbast unker ö—. 8,— bik._ M »lerjeinst Angler lAelerei v«tter cklrekt sb Meiere! an Verdrsuckier ?Ä' �? ffunc! tin I I junu.8tuchen)p. diachnabme ru isen. Scj»iKscIr, Tagespreise kienso: urz, dloräerstr. SZ. Vie Ich von»cbverem l-un- genlelclen(Tuberkulose) oe- bellt vurcle, teile IcN jecker- mann gerne mit.(llückporto erdeten). PMüspiue nutzer. Xalserslsulern(plalr), öirnstrsLe ZZ. oitsns küöo, kleodtou, Vsueuovtzüuäuiigsu, Lautjuokeu, alte Vau- tleu, Haemorrboiäen, AauUeiäen, vunäe u. rissige blaut, Pickel, diervensckmerren vte. keM»eldst i. 6. tuu-tnäckiest.k'ütlell Lin ullsekiNKditrev ttsu«' mtttel.veiot»«»«ncd dvl it. tiettixiteo Lekmer-so �uclcen,»otorttgH l-i»» u. tteUune Seil. 2L0. S.—, u. 14.-� io ä. vc> desielle Ärvtct. sa v-rlw tiO 13? Qr. Ltiv Qsnn gebräücüen?>e„vrba" kraltnllbrung, öiicbse I?,— M. Porto extra. Vers.>!. klÄbr- mlttelfabr.glcdarck Nartmann, Lbemnllr I... Sa._ MeueMMer«alaneltilü »snä U-Visodtllodei' ösretiLiitö.flsiiellesllxllii'llzj lielert dilligst ttov Nexer, biecb. Weberei, cirokscnvnau i. Sa. ist mein patentamll. gescb. „Verstellbarer Xoblen-Spar- ring m. kuitkanai Illr X lieben- beräe", VI» vo»/. veonn- stotlerapvenl».(Zaraniis suk icUes Stvck. preis: /Nk. 31,50e llratisbroscbliren über intime Xilrperpilege. Porto K0 PI«, bitte d-illigen. 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