Nr. 14 31. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder.- Die Frau und ihr Haus Die Gleichheit erscheint 2 mal im Monat Prets: Vierteljährlich 3,- Mark Inferate: Die 5 gespaltene Nonpareillezelle 2,- Mart, bel Wiederholungen Rabatt Berlin 15. Jult 1921 Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morigplag 14838 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 An die neue Jugend! Ihr geht ins Leben hinein, Zweige der grünenden Welt in der erhobenen Hand, Um eure jungen Stirnen spielt der aufgehende Schein Einer Sonne, die euch führt in das kommende Land. Was eure Väter voll Müh', Was eure Mütter voll Weh ringend und darbend gebaut, Gab euch den heiligen Grund, drauf ihr in segnender Früh Aufsteigt zum fruchtbaren Tag. Seht, wie das Licht euch vertraut! Seht, wie das Licht euch begrüßt, Kinder der wandelnden Zeit, Jünger des neuen Geschlechts! Vieles, was mächtig bis heut, vieles war traurig und wüst, Aber es wächst in der Welt Ordnung des reineren Rechts. Seht, wie der Kampf euer harrt! Schlechtes noch schreckt euren Schritt, Schatten der Dämmerung sinkt, Zwietracht und niedriger Wahn grauer Vergangenheit starrt. Aber ihr fürchtet euch nicht. Seht, wie die Zukunft euch winkt! Kommende Männer und Frau'n! Bildet in Glück euch und Leid, formt euch in Lust und in Pein! Wandert zu Höhen, weithin, Ströme des Lebens zu schau'n! Schaut und schreitet und wirkt, kühn eine Welt zu befrei'n! Karl Henckell Mütter und Jugend Bon Antonie Pfülf, M. d. R. Ein Kindlein kommt auf die Welt, und siehe, da sind auch schon all die lieben Vettern und Basen." Nein, wie das Kind der Mutter gleicht!"" Seht einmal, es ist der zweite Bater!" Und sie selbst, die Mutter, hat wohl in mancher der vielen Stunden reicher Innerlichkeit, die nun gefolgt sind, geforscht in dem kleinen Menschengesicht, was wohl darin geschrieben stand von Altvertrautem. Und wenn sie eine von den ganz feltenen Müttern war, hat sie auch einmal gesucht, was an Eigenem, Neuem darin angedeutet lag, und dabei ist es ihr wohl geschehen, daß eine plößliche Angst ihr heimlich durchs Herz gegangen ist. Aber dann fam wieder die starke Glückswelle und nahm alles mit fort, nur der Besitzstolz der jungen Mutter, der blieb. Und während in der Wiege das kleine Menschlein seinem Schicksal entgegenschlief, hat sie gewacht und gedacht und einen Lebensweg für es festgelegt, so wie er ihrem Mutterherzen herrlich erschien. Aber das kleine Ding dehnte sich und wuchs und strebte fort aus dem Mutterschoß und tat den ersten Schritt dem eignen Ziel entgegen. Welche Mutter wäre töricht genug, es daran zu hindern? Dem ersten Schritt aber folgt ein zweiter, ein dritter. Er muß nicht fortführen von der Mutter, er muß nicht. Ach, daß es so häufig doch geschieht! Es beginnt die lange schwere Probe auf das tiefste Wesen menschlicher Mütterlichkeit. Kann sie verzichten auf ihr vermeintliches Besitzrecht am Kinde? Versteht sie das junge Menschenfind nur, solange es mit ihr willig den gleichen Weg geht und seinen Lebensrhythmus dem ihrigen anpaẞt? Oder hat sie jenen unbeirrbaren Instinkt des Herzens, der im Kinde auch das Andersgeartete, das Fremde ahnend erfaßt und sie fähig macht, ihm zu helfen, damit es seinen ureigenen Zwecken entgegenzureifen vermag? Und kann sie auch schweigend abwarten? Wohl ihr, wenn sie besteht! Wie die Jungens und Mädels diese Mutter zu den ihrigen rechnen! Sie fliehen nicht vor ihr, so wenig sie in träger Gewohnheit immer in ihrer Nähe bleiben. Nach Tagen und Wochen ernster Arbeit oder froher Wanderlust kommen sie zur Mutter und bringen ihr den Reichtum ihrer jungen Herzen in freiwilliger Geberlust. In den Stunden jugendlicher Erschütterung kehren sie zurück zu dem Schoß, von dem sie ausgegangen sind, hier löst sich ihnen das Rätsel des Lebens, hier finden sie das Gleichmaß ihrer Kräfte wieder. Und in den schönen und festlichen Stunden der Gemeinschaft führen sie diese Mutter als Ehrengast in ihren Kreis. Warum gibt es so wenig Mütter?! 134 Gemeinsame Arbeit Bon Clara Bohm- Schuch Die Gleich beit Auch in diesem Jahre wird mit dem Parteitag, der vom 18. bis 24. September in Görlig stattfindet, eine Reichsfrauenkonferenz verbunden sein. Sie wird am Sonnabend, den 17. September und Sonntag vormittag dem Parteitag vorangehen. Schon zu ber vorjährigen Konferenz in Kassel ist an dieser Stelle betont worden, daß es wesentlich ist, wenn die Entschließungen, die auf ber Frauenkonferenz gefaßt werden, und in denen immerhin einige Wünsche der Genoffinnen aus dem ganzen Reiche ihren Niederschlag finden, in die Beratungen des Parteitages hineinbezogen werden können. Deshalb begrüßen wir, daß die Frauenkonferenzen nicht mehr wie früher sich dem Barteitag anschließen, sondern ihm poraufgehen. Trotzdem aber ist es notwendig, daß die Genoffinnen überall einmal darüber nachdenken, ob die Abhaltung von Reichsfrauentonferenzen mehr ist und mehr sein tann als ein Rotbehelf in dem Uebergangsstadium der Entwicklung unserer Organisation. Unsere Partei ist von jeher für die Gleichberechtigung der Frau eingetreten. Da aber bis zur Revolution die Frauen an der Ge seggebung nicht mitarbeiten fonnten, so ist im Bewußtsein auch der verständnisvollsten Männer das Gefühl vorherrschend geworden, daß es Männer- und Frauenfragen in der Gesetzgebung sowohl wie im wirtschaftlichen Kampf gibt, und daß die männlichen Intereffen zuerst vertreten werden müssen. Darauf ist es zurückzuführen, daß tatsächlich nach dem Gesetz bis auf den heutigen Tag die Frauen minderen Rechtes sind. Je klarer wir dies erkennen, um so schärfer müssen und werden wir betonen, daß es nicht MännerDiese und Frauenrechte, sondern nur Menschenrechte gibt. Menschenrechte sollen durch die Gefeßgebung geschüßt werden, und an diesem Schuß sind naturgemäß beide Geschlechter ganz gleich interessiert. Parteitag und Reichsfrauenkonferenz haben aber die Aufgabe, Stellung zu nehmen zu den Fragen der inneren Organisation unserer Partei, der Entwicklung derselben nach jeder Seite hin und zu der Gesetzgebung, an der wir mitarbeiten. Würden diese Fragen nun nicht alle beffer gelöst werden können in gemeinfamen Beratungen der Genossen und Genossinnen? Bei den getrennten Beratungen auf der Frauenkonferenz und dem Barteitag besteht immer die Gefahr, daß die Frauen die großen politischen Fragen vollständig übersehen. Daß sie vergessen, daß erst die Beschäftigung mit der Politik die ursächlichen Zusammenhänge zwischen fapitalistischer Wirtschaftsordnung und ihren notwendigen Hilfs= mitteln und Folgeerscheinungen, dem Militarismus und dem Imperialismus, aufdeckt. Daß ihnen nicht flar zum Bewußtsein kommt, daß die Auswirkung des Kapitalismus der Krieg fein muß, und daß eben gerade der Krieg immer wieder die Quelle aller Not und alles Elends, der Grund allen kulturellen Niederbruchs ist. Für die Männer aber besteht die Gefahr, daß sie über den großen Linien alle die kleinen Ecken und Winkel übersehen, die das Leben hat und die darum in allen Maßnahmen, welche getroffen werden, berücksichtigt werden müssen. Daß sie alle die Fragen, in denen die Gesetzgebung bis heute ungerecht gegen die Frauen gewesen ist, als, minder wichtig betrachten und dadurch die Notwendigkeit fameradschaftlicher Zusammenarbeit zwischen Männer und Frauen übersehen. Was wir brauchen, ist ein Parteitag, auf dem nicht nur ein Duzend Frauen als Delegierte anwesend find, sondern auf dem in der Zahl der weiblichen Delegierten sich die Stärke des weiblichen Anteils an unferer Organisation und die Wichtigkeit der Frau als Wählerin ausdrückt. Dahin zu kommen, ist Aufgabe der Genofsinnen. Und zu erreichen ist dieses Ziel, wenn wir uns über. all an den Arbeiten und an den Versammlungen innerhalb unserer Partei betätigen. Wenn in der Mitgliederversammlung, welche Wahlen zu irgendeiner Konferenz vornimmt, ebensoviel Frauen wie Männer anwesend wären, dann würden natürlich auch Frauen delegiert werden. Solange wir nicht soweit sind, müssen wir es begrüßen, wenn überhaupt eine Aussprache der Genoffinnen aus allen Teilen des Reiches ermöglicht wird, um zu den dringendsten Problemen Stellung zu nehmen. Gegenwärtig gibt es nun verschiedene Fragen von gleicher Dringlichkeit, und die Berliner Funktionärinnen haben sich in ernster Aussprache mit ihnen beschäftigt. Agitations-, schulpolitische und bevölkerungspolitische Fragen stan den zur Erörterung. Das Ergebnis war, daß der Parteivorstand gebeten wurde, auf die Tagesordnung der diesjährigen Reichsfrauenkonferenz die Bevölkerungspolitik zu setzen, und zwar nicht nur, wie es so oft aufgefaßt wird, die Behandlung der Strafgesetzbuchbestimmungen über die Abtreibung, sondern die ZuNr. 14 fammenhänge des Geburtenrückganges mit der Erwerbsarbeit der Frauen, der Wohnungsnot, der sozialen Fürsorge für Mutter und Kind, der Bekämpfung der Geschlechtsfrankheiten, der Erziehung der Kinder in geschlechtlichen Dingen und der Aufhebung der geseglichen Zwangsmaßnahmen. Der Parteivorstand hat dies abgelehnt. Die Reichsfrauenkonferenz wird sich mit der Gemeinde. politik beschäftigen, und wir Berliner Frauen verkennen nicht, daß auf diesem Gebiete viel Belehrung not tut. Wir wünschen nur, daß es möglich sein möchte, alle die Probleme, welche wir unter Bevölkerungspolitik behandelt haben wollten, und die wohl un streitbar in dieser Zeit die drückendsten für die großen Massen der Frauen find, im Rahmen der festgesetzten Tagesordnung zu behandeln. Frauen im Krieg Zu den Frauen, die„ Erzähle doch, Georg" sagen, führt fein Heimweg. Zu den Französinnen, die einem Menschen, der seit 30 Stunden in dem von der Julisonne durchglühten mit der Waggon schmachtet, das Trinkwasser verweigern Croix- rouge-( Rote Kreuz-) Binde auf dem Arm und dem Wasserkruge in der Hand verweigern!... Zu den Hyänen, die wehrlose, erschöpfte gottverlassene Gefangene, fern von Weib, Kind, Heimat, Muttersprache, einsam in feindlicher Cewalt, als„ Boches" angespien... Zu den deutschen Patriotinnen, die, weil achtzigtausend russischer Mütter Söhne in Sümpfen elendig erfoffen sind, jauchzend die Fahnen vom Speicher holen, ohne Schauder, ohne Mitleid, ohne Empörung; ohne auch nur einen Augenblick daran zu denken, daß achtzigtausend Menschen nach gräßlichem Todeskampfe, noch ein letztes Mal die Mutter, noch ein letztes Mal einen lieben Frauennamen gerufen, geröchelt, gefnirscht, geheult haben, ehe die efle Brühe ihnen für immer die Kehle füllte!... Zu solcher, nicht nur entweibter, nein, entmenschter Weiblichkeit führt fein Heimweg." ( Aus einem im Frühjahr 1918 erschienenen Aufruf Frauen im Krieg". Berlag Mar Rascher, Zürich.) Erntezeit Segen quoll aus taufend Halmen ans Licht. Reif Itehen die Felder und flirren im Sonnenbrand. Senfen fingen in fchwingender Männerband: Bungern follt ihr nun länger nicht! бerzen, notgepreßt, atmen nun wieder befreit. Hoffnung flattert erlöiend um Land und Stadt, Was wir gefät in Sorgen und Bangen und Leid, Reifte und macht nun die hungernden fatt. Alle Trübfal ist nun urplötzlich verweht. Arbeit, dir danken wir diefen lindernden Troft! Ach, die Brandung ward ftill, die frübe und spät Unferen schwankenden Lebensnachen umtoft! Und wir schauten die Zukunft: nicht rolig und licht Breitet sie vor uns, wie einft, ihr goldenes Kleid! Aber wir stehen, geheiligt von Arbeit und Pflicht, Wieder inmitten verheißender Erntezeit! Erweiterung der Wochenhilfe und Wochenfürsorge Bereits im Februar dieses Jahres hatte der Reichstag infolge der Anregung unserer Fraktion einmütig einen Antrag an= genommen, laut welchem die Reichsregierung ersucht wurde, unverzüglich einen Gesezentwurf, der die Leistungen der Reichswochenhilfe in einer der gegenwärtigen Geldentwertung entsprechenden Weise erhöht", vorzulegen. Leider ist das Reichsarbeitsministerium diesem Verlangen erst jetzt, das heißt so nahe vor dem Auseinandergehen des Reichstages, nachgekommen, daß der Entwurf in großer Eile beraten werden mußte und die Möglichkeit, das ganze Problem grundfäßlid) aufzurollen, nicht gegeben war. Nr. 14 Die Gleich beit Immerhin ist es unserer Fraktion gelungen, in dem Gesezentwurf noch einige Verbesserungen hineinzubekommen, so daß die bisherigen Leistungen nicht unwesentlich erhöht worden sind. Dazu gehört in erster Linie die freie ärztliche Behandlung, falls solche bei der Entbindung oder bei Schwangerschaftsbeschwerben erforderlich wird. Diese Bestimmung, welche in Kraft treten wird, sobald die nötigen Vereinbarungen seitens des Reichsarbeitsministeriums mit den Krankenkassen und Aerzten getroffen worden find, bedeutet einen gewaltigen Schritt vorwärts. Nichts ist für die Geburt eines gefunden Kindes und für die Gesunderhaltung der Mutter so wichtig, wie die Möglichkeit, ohne Sorge vor den Roften rechtzeitig den Arzt aufsuchen zu können. Im Nachstehenden geben wir die Leistungen, wie sie nunmehr in Frage kommen, wieder: In den Genuß der Wochenhilfe kommen: 1. weibliche Bersicherte, welche im letzten Jahre vor der Niederkunft mindestens sechs Monate auf Grund der Reichsversicherung oder bei einer knappschaftlichen Krankentaffe gegen Krankheit versichert gewesen sind; 2. Ehefrauen sowie solche Töchter, Stief- und Pflegetöchter der Versicherten, welche mit diesen in häuslicher Gemeinschaft leben, wenn die Bersicherten im letzten Jahre vor der Niederkunft mindestens 6 Monate hindurch auf Grund der Reichsversicherung oder bei einer knappschaftlichen Kranfenfasse gegen Krankheit versichert gewefen find; 3. minderbemittelte Deutsche, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hatten und deren Einkommen oder im Falle der Verheiratung, ihr und ihres Mannes Gefamteinkommen im Jahre oder Steuerjahre vor der Entbindung den Betrag von zehntausend Mark( bisher 4000 Mt.) nicht überstiegen hat. Als Wochenhilfe werden gewährt: 1. ärztliche Behandlung, falls solche bei der Entbindung oder bei Schwangerschaftsbeschwerden erforderlich wird; 2. ein einmaliger Beitrag zu den Kosten der Entbindung in Höhe von einhundert Mt.( bisher 50 mt.); 3. ein Wochengeld für zehn Wochen, von denen sechs in die Zeit nach der Niederkunft fallen müssen. Dieses Wochengeld beträgt: a) für die unter 1 genannten Wöchnerinnen die Höhe des Krankengeldes, mindestens 4,50 Mt.( bisher 1,50 mt.) täglich; b) für die unter 2 und 3 genannten Wöchnerinnen 3 Mt. ( bisher 1,50 Mt.) täglich. * Feuilleton Hüt, vor dem Alltag бüt' vor dem Alltag, was du бeiliges haft! Er verftaubt es dir! Er macht dir's zu Leid Mit feinem Meid, Er macht dir's zu Laft! бüt' vor dem Alltag, was du бeiliges haft! Das Mädchen * ch traf sie an einem Spätsommerabend auf der Brücke. schmerzversunken ins Wasser. Diese völlige Hingabe an das Leid drückte sich in der ganzen Gestalt aus. In diesem Augenblick hatte sie gar nichts Häßliches. Alles an ihr war Schönheit. Als ich an ihr vorüberging, spürte ich plötzlich ganz deutlich etwas wie eine innere Verbundenheit mit ihr. Ich konnte nicht fortgehen, ohne zu wissen, was sie tat.-Sie ging langsam durch die Wiesen am Ufer entlang. Das einfache weiße Kleid leuchtete trotz der Dunkelheit zu mir herüber, und ich erinnere mich genau, wie ich mich schon zurechtmachte, um sie wieder aus dem Wasser herauszuholen. Einfacher war es natürlich, sie von ihrem Vorhaben abzuhalten. Deshalb ging ich zu ihr hin und sprach sie an. 135 Das Wochengeld für die ersten vier Wochen ist spätestens mit dem Tage der Entbindung fällig, das Wochengeld für die weiteren 6 Wochen jeweilig wöchentlich. Für die Zeit nach der Entbindung wird neben dem Wochengeld Krankengeld nicht gewährt; für die Zeit vor der Entbindung gilt diese Be. schränkung nicht; 4. solange die Wöchnerinnen ihre Neugeborenen stillen, für 12 Wochen ein Stillgeld in Höhe von a) für die unter 1 genannten Wöchnerinnen der Hälfte des Krankengeldes, jedoch mindestens 1,50 Mt.( bisher 75 Pf.) täglich, b) für die unter 2 und 3 Genannten 1,50 Mt.( bisher 75 Pf.) täglich; 5. folange die unter 1 genannte ärztliche Behandlung nicht in Kraft getreten ist, eine Beihilfe bis zum Betrage von 50 Mt.( bisher 25 Mt.) für Hebammendienste und ärztliche Behandlung, falls folche bei Schwanger schaftsbeschwerden erforderlich werden. Als weitere Berbesserung ist die Feststellung zu betrachten, daß für den Fall des Todes der Wöchnerin bei der Entbindung oder während der Zeit der Unterstüßungsberechtigung sowohl Wochen- wie Stillgeld an denjenigen zu zahlen sind, der für den Unterhalt des Kindes sorgt; sowie die neue Bestimmung, daß die Familienwochenhilfe auch dann zu gewähren ist, wenn die Niederkunft innerhalb neun Monaten nach dem Tode des Versicherten erfolgt. Durch letzteres wird in erster Linie für die Frau gesorgt, welche während der Schwangerschaft ihren Ernährer verliert. Die sämtlichen Vorschriften gelten auch für Mitglieder einer Erfaßtasse, welche zur freiwilligen Weiterversicherung berechtigt sind. Die unter 1 und 2 Genannten haben nach wie vor den An-trag auf Wochenhilfe bei der in Frage kommenden Krankenkasse zu stellen; dagegen ist seitens der Minderbemittelten in Zukunft dieser Antrag bei dem Versicherungsamt zu stellen, das die Anweisung auf Zahlung an die in Frage kommende Orts- oder Landkrankenkasse weitergibt. Leider hat das Reichsarbeitsministerium ebenso wie die Mehrheit des Ausschusses auch diesmal geglaubt, unseren Antrag auf Einbeziehung der Beamten zur Wochenhilfe nicht stattgeben au Pönnen. Es ist aber der einmütige Wille zum Ausdrud gekommen, dies in nächster Zeit durch ein besonderes Geseh nachzuholen. Es ist bedauerlich, daß wiederum, wie bei Beratung der früheren diese Materie betreffenden Gesetze, auch hier die unab hängige Fraktion es sich nicht vertneifen konnte, aus rein parteiSie antwortete sehr ruhig und mit einer Stimme, die allen äußeren Dingen gegenüber so teilnahmslos flang, wie ich es niemals vordem oder danach gehört habe. Sie wollte mich abwehren, indem sie sagte, daß sie jemanden erwarte. Da ich wußte, daß fie log, nahm ich sie am Arm und führte sie hinweg, ohne noch etwas zu sagen. Wir setzten uns bald darauf ins Gras. Sie fühlte den Menschen, den sie unerwartet gefunden hatte, und weinte. Ich fragte nach ihr und sie nach mir, und jeder erfuhr einige Brocken. Als wir weitergingen, führte ich sie behutsam vom Wasser hinweg und wußte dabei, daß sie sich vollständig mir anvertraute. Sie hatte jeden eigenen Willen vollständig aufgegeben. Die Eigenart der Verhältnisse und die Selbstverständlichfeit, mit der wir zwei fremden Menschen zusammen handelten, als wäre es immer so gewesen, nahm mich auf das äußerste gefangen. Ich sah ihr in die Augen, merkte aber nur, daß sie mich wieder ansah, als wollte sie fragen: Wie meinst du es?" " Es war so dunkel, daß ich ihre Gesichtszüge nicht unterscheiden konnte. Sie trug ihr haar in einem Knoten, und ihre einfache ungefünftelte Art berührte mich angenehm. Ich füßte sie auf die Stirn und sagte ihr, daß ich am nächsten Tag mit ihr bei Helligkeit auf die Berge gehen wolle. Sie wehrte heftig ab und wollte nur abends oder nachts gehen. T 136 Die Gleichheit politischen Gründen einen Mißton in die Beratung zu tragen. Während ihre Vertreter im Ausschuß ausdrücklich erklärten, daß sie sich auf den Boden unseres Antrages stellten, und weitergehende Anträge nicht unterbreiten wollten, um die rechtzeitige Ver. abschiedung des Gesetzes nicht zu gefährden, stellten sie im letzten Augenblick im Plenum eine Reihe von weitgehenden Anträgen, von denen sie ganz genau wußten, daß es ohne nähere Prüfung und besondere Beratung mit den Krankenkassen ganz unmöglich war, sie anzunehmen. Alles, was von der Vertreterin der Unabhängigen zur Begründung dieser Forderungen gesagt wurde, war weder neu, noch hätte man irgend etwas dagegen sagen fönnen; nur wurde von ihr kein Wort darüber gesprochen, wie die Mittel von den Krankenkassen aufgebracht werden sollten. Es ist deshalb von uns beantragt und von der Mehrheit beschlossen worden, den Antrag dem sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages zu überweisen, damit dieser nach dem Wiederzusammentritt im Herbst Gelegenheit hat, einmal das ganze Problem der Mutterschaftsfürsorge durchzuberaten, um den Weg zu einer endgültigen Regelung zu finden. Jetzt aber mußten wir dem Gefeß in der oben geschilderten Form unsere Zustimmung geben, damit dieser wichtige Fortschritt auf dem Wege einer wahrhaften Fürsorge für Mutter und Kind nicht verloren ging oder doch wenigstens um Monate verzögert wurde. Luise Schroeder. Ledige Mutterschaft Es ist an sich schon falsch, von lediger Mutterschaft oder gar von unehelicher Mutterschaft zu reden. Will man Mutterschaft einteilen, so gibt es eine andere Art der Teilung, nämlich Mutterschaft von Frauen, die Mütter sind, und Mutterschaft von Frauen, die nicht Mütter sind. Auch bei dieser Teilung aber möchte ich nicht von guten und schlechten Müttern reden, denn der Begriff von gut und schlecht ist viel zu allgemein gefaßt. Es lohnt aber, den Begriff Mutterschaft einmal ganz flar ins Auge zu faffen. Wir wissen von den äußeren Veränderungen in unserem Körper, wenn wir Mutter werden. Aber wir wissen wenig oder zu wenig von den Veränderungen, die uns die Mutterschaft überhaupt bringt. Es ist merkwürdig, diese Veränderungen an Tieren, an Ziege, Kuh, Pferd, ja Kaninchen und Hühnern zu beobachten. Weit wertvoller aber wäre ein ,, Die Nacht ist traurig", sagte ich. ,, Warum ist die Nacht traurig?" „ Ich weiß nicht, warum, aber sie ist es." Ich fühlte, daß es notwendig war, dieses Mädchen irgendwie zu intereffieren und ihm ein Versprechen abzunehmen; wenn es zunächst auch nur auf einen Tag war. Damit war schon alles gewonnen. Und die Berge sind freudig und lebenbejahend; aber ein stilles Wasser ist leidvoll und traurig und zieht traurige Menschen zu sich hin. Wir verabredeten uns auf den nächsten Abend. Sie gab mir einen filbernen Ring und sagte ebenso teilnahmslos wie fie vorher auf meine Fragen eingegangen war:„ Diesen Ring geben ich Ihnen zum Dank." Am nächsten Abend war ein heftiges Gewitter mit viel Regen und ich traf sie erst zufällig eine Woche später. Nr. 14 Beobachten dieser Beränderung an den Frauen, die Mütter werden. Und diese Veränderung stellt sich bei jeder Frau, die Mutter wird, ein. Sie kommt unter besonderen Umständen mehr zur Entwicklung, und es ist gewiß nicht zu weit gegriffen, wenn man sagt, daß Not und Sorge, Angst und Qual einer von dem Manne nicht geschützten Frau, die trotzdem den Mut hat, Mutter zu werden, weit mehr die Entwicklung einer Frau fördern, als wenn sie in der Ruhe und dem Behagen einer geschützten, d. h. durch das Gesetz geschützten Form der Ehe Mutter wird. Nur eine bewußte Hingabe der Frau adelt sie, adelt ihre Mutterschaft. Diese bewußte Hingabe adelt Mann und Frau, gibt Mann und Frau Rechte und Pflichten, Pflichten und Rechte. Kinder, die aus solchen Ehen entstammen, tragen ein Leuchten in den Augen, mögen diese Ehen vom Staate anerkannt sein oder nicht. Man würde auch nicht zu weit gehen, wenn man nur jene Kinder aus einer anerkannten Ehe, das heißt, aus einer Ge= meinschaft zwischen Mann und Frau, die auf reiner, sittlicher Grundlage beruht, entstammen, als ehelich geborene Kinder bezeichnen würde. Aber auch hier wäre es ein Unrecht, Unterschiede zu machen. Mütter sind nicht alle als starte Persönlichkeiten aufzufassen, wenn sie, ohne nach unseren Gesetzen verheiratet zu sein, Mütter werden, verheiratete Frauen sind nicht als wertvollere Mütter zu betrachten, nur weil sie verheiratet sind nach den Gesezesbegriffen unserer Zeit. Und viele der Kinder, die von weniger moralisch und ethisch starken Frauen in und außer der Ehe geboren werden, tragen doch den Kern des Wertvollen in sich und entwickeln sich in diesem Sinne. Es ist ja zu begreifen, daß so viele Menschen den Begriff uneheliche Mutterschaft"," ledige Mutterschaft" nur einseitig faffen können. Aber die Zeit fordert doch energischer ein Berstehen, will doch eigenes Urteil, will keine Herdenmenschen, deren Lippen nachplappern, sondern fordert Nachdenken und Eigenbegriffe. Und man fann nicht an dem Begriff Mutterschaft vorbeigehen, ohne ihn als eine der wichtigsten Fragen aufzufassen. Solange wir Frauen aber zweierlei Recht des unverheira teten Vaters und der unverheirateten Mutter wissen, fo= Empor Wir kommen aus der Tiefe, Wir kommen aus der Finsternis, Wir gingen ungekannt Vom ersten Tage bis zum Tod In einem Dulderland. Wir wollen aufwärts fteigen. Es führt ein Weg zum höchften Grat Durch Dornen und Geftein. Wir schlagen in die Fellen Die Stufen uns hinein. Blaßroter Mohn Ernit Preczang. In einer Vollmondnacht gingen wir auf die Berge. Wir Als ich auf meiner Ferienreise kürzlich durch Thüringens unterhielten uns heiter und fröhlich. Es war das einzige Mal, daß ich längere Zeit mit ihr zusammen war. Diesesmal fonnte ich ihr Gesicht sehen. Ich erschrat, weil es mir häßlich portam, liebte sie darum aber mehr wie vordem. Ich habe sie später nur von fern auf der Straße gesehen. Sie mied mich, weil sie wußte, daß ich erfahren hatte, daß fie eine Dirne war. Als ich sie eines Abends mit einem anderen Manne sah, versteckte sie sich hinter ihm, und ich mußte an die Armseligkeit unferes Lebens denken. Rho. Lande fuhr, erfreute sich mein Auge an den leuchtend roten Streifen und Flecken in den Feldern. Es war roter Mohn, den ich in meiner Heimat in solcher Menge noch nie hatte wachsen sehen. Am Ende meiner Bahnfahrt mußte ' ich noch ein Stückchen Weg zu Fuß zurücklegen bis zu der Waldmühle, die für kurze Zeit mein Asyl sein sollte. Der Weg führte vorbei an Feldern, wo der Mohn in Mengen stand. Wie herrlich sah das aus! Wie Flammen wiegten sich die roten Blüten auf den schlanken Stielen im gelben Weizenfeld. Ich konnte mir den Wunsch nicht versagen, mir einen großen Strauß davon mitzunehmen. Als hätte ich mir die Sonne selbst ins Zimmer getragen, fo leuchtete mir mein Strauß aus dem weißen Kruge ente Nr. 14 Die Gleich beit lange wir noch gegen Beamtinnen, die unverheiratete Mütter sind und die als Mütter ihre Pflicht tun, uns wenden, solange wir uneheliche und eheliche Kinder kennen und den Begriff der Unfittlichkeit mit dem Begriff einer ledigen Mutter verbinden, find wir allerdings weit davon entfernt, selber uns ein Recht auf Einschätzung der Mütter in wertvolle und unwertvolle zu geben. Lotte Möller. 137 die nichts leisteten, oder noch mehr, die zu viel taten! Wenn ich nun zu der außerordentlich hohen Bedeutung der erwerbstätigen Mutter im Elternbeirat fomme, denke ich zunächst daran, daß niemand besser als sie in der Lage ist, für die geistige und leibliche Ertüchtigung unserer Mädchen zu sorgen. Ganz besonders wichtig erscheint in der heutigen Zeit die körperliche Ertüchtigung des heranwachsenden weiblichen Geschlechts; denn aus ihm sollen einst Mütter hervor. Unsere Frauen im Elternbeirat und in gehen, die, nicht mit Unrecht, als die Trägerinnen der leibElternversammlungen Von G. Valentin, Eulo. In Nr. 11 unserer Zeitschrift hat es die Schriftleitung in dankenswerter Weise unternommen, das Interesse unserer Frauen auf die Aufgaben des Elternbeirats, insbesondere auf die Tätigkeit weiblicher Mitglieder desselben, hinzulenten. In dem kurzen Aufsatz konnte die Bedeutung der Sache für die Frauen des werftätigen Volkes nicht ausführlich behandelt werden. Als Verfechter der Elternbeiratsidee habe ich in Parteizeitungen schon viel über dieses Thema geschrieben. Auch unseren Frauen hätte ich in dieser Sache unendlich viel zu sagen, und ich werde es im Interesse unserer Jugend auch tun, vorausgesetzt, daß unsere Schriftleiterin uns den nötigen Raum in der„ Gleichheit" zur Verfügung stellt! Es ist und bleibt eine traurige Tatsache, daß unsere Frauen bei der ersten Wahl der Elternbeiräte vor einem Jahre nicht überall voll und ganz ihre Schuldigkeit getan haben, sehr zum Schaden unseret Partei und unserer Kinder. Aus Unkenntnis der neuen Sache, aus angeborener Schüchternheit, aus Furcht, reden zu müssen, und schließlich auch aus Bequemlichkeit lehnte manche Arbeiterfrau die Annahme eines Mandats und die Beteiligung an der Wahl rundweg ab. Diese Interesselosigkeit muß in Zukunft jede einfichtige Genossin energisch bekämpfen, zumal bald Neuwahlen und bestimmte gesetzliche Grundlagen über Pflichten und Rechte der Elternbeiratsmitglieder zu erwarten sind. Da dieser neuen Einrichtung des Genossen Haenisch nicht bestimmte Richtlinien gegeben werden konnten, sind naturgemäß viele Fehler gemacht worden. Neben den wenigen Elternbeiräten, welche im richtigen Geiste des Urhebers handelten, gab es sehr viele, gegen und, da das Wetter nicht eben sehr freundlich war und mich fürs erste ans Zimmer bannte, freute ich mich recht von Herzen daran. Doch als die Sonne schien, lockte sie mich zum Streifen in Wald und Feld. So entging mir die Wandlung, die sich indeffen mit meinem Strauß vollzogen hatte. Die roten Blütenblätter maren abgefallen und neue Knospen hatten sich erschlossen. Aber sie leuchteten nicht in Purpurglut, wie ihre verblühten Schwestern, sondern blaßrosa sahen sie mich an, und es traf mich fast wie ein Vorwurf, daß ich ihnen die Sonne, ihr Lebenselement entzogen hatte. Bor meinen Augen verwandelten sich die blaßrosa Blüten in Kinder, die blaß und blutleer im Schatten aufwachsen, die nicht teilhaben an der Sonne, die allen scheint. An Großstadtfinder dachte ich, die in feuchten Kellerwohnungen, engen Hinterhäusern, dumpfen Höfen leben und atmen und im Schatten der Armut und des Lafters ihr junges Leben verbringen. Die die Sonne nur kennen, wenn sie auf die staubige Straße brennt und nicht wissen, wie sie wohltut, wenn man sich auf sonnigen Wiesen tummelt. Ach, wie viele von ihnen lernen nie die sonnigen Auen des Lebens kennen! In den dumpfen Niederungen des Elends bleiben sie hängen ihr Leben lang, wissen kaum, daß sie auch ihren Teil Sonne vom Leben zu fordern haben. Was ist es, was diese Armen an das Elend feffelt, daß sie nie heraustönnen, was drückt sie in den Schatten? Es ist der Riese Kapitalismus, der sich in der Sonne breitmacht, der nicht duldet, daß auch nur ein Strahl Licht auf diese Armen fällt. Wenn sie erst wüßten, wie wohlig es sich in der Sonne leben läßt, würden sie gewiß nicht länger im lichen Gesundheit des Volkes bezeichnet werden. Wenn ich nun auch das Bestreben unserer Arbeiterturnvereine, in denen sich selbstlose Männer und Frauen mit der körperlichen Ausbildung unserer schulpflichtigen Mädchen im Rahmen des Vereins beschäftigen, aufs wärmste anerkenne, und wenn ich zugebe, daß sich die Schulverwaltungen, besonders seit 1906, auch um die Ausgestaltung des methodischen Mädchenturnens verdient gemacht haben, kann doch in dieser Sache nie genug geschehen! Was ist denn erreicht? Gewiß ist in größeren Städten überall der obligatorische Turnunterricht für Mädchen eingeführt worden; wie sieht es aber in den meisten Landgemeinden und in kleineren Städten aus? Dort fehlt fast durchweg der Turnunterricht für Mädchen! Angeblich fehlen die Mittel zur Anschaffung von Geräten und zum Bau von Turnhallen! An einklassigen und mehrklassigen Landschulen, aber auch an sehr vielen sieben- und achtklassigen städtischen Schulen fehlen die für den Turnunterricht vorgebildeten und begeisterten Lehrerinnen. Daher so viele an Muskelschwäche, Nervenkrankheiten aller Art, Bleichsucht usw. leidende Mädchen in solchen Orten! Hier öffnet sich für unsere Frauen im Elternbeirat und in den Elternversammlungen schon gleich ein weites Feld für eine umfangreiche und segensreiche Tätigkeit! Ihr Mütter des werktätigen Volkes, sorgt für die körperliche Ertüchtigung eurer Mädchen! Schafft in Sitzungen der Elternbeiräte und in Versammlungen Aufklärung, bekämpft die verhängnisvolle Interesselosigkeit eurer Mitschwestern! Stellt oder vermittelt Anträge in dieser Richtung bei euren Schulvorständen, Schuldeputationen, Gemeindevertretungen oder Stadtverordneten! Verlangt die Einführung des Mädchenturnens in allen Orten! Sorgt dafür, daß die Mittel zur Beschaffung der Geräte und Schatten bleiben wollen. Schon kämpft ein großer Teil der Beraubten um einen Platz an der Sonne, und Schritt für Schritt muß der Riese zurückweichen, und jeder Schritt zurück bedeutet einen Strahl Sonne. O möchten doch alle, die im Schatten leben, von Sehnsucht nach der Sonne getrieben sich aufraffen, den großen Kampf mitzufämpfen, um sich und ihren Kindern einen Platz an der Sonne zu ermöglichen, damit auch sie, gleich rotem Mohn, aufblühen mögen mit frischen roten Wangen und hellen Augen, strahlend in Schönheit und Lebenslust! O helft, helft alle! Marie Schulze. Roſen im Gärtchen Gründunkler Strauch in des Vorgärtchens Enge, Пeigit dich lo lieblich zum Zaune her, Beutit deine Pracht mir fo düftefchwer: Göttlicher Rofen unendliche Menge. Als Du erftarrt in des Winters Єile, Gründunkler Strauch, da litt ich mit Dir; Unter der Schneelaft, da weint' ich mit Dir Um die Entblätterten, schluchzend und leife Doch bei des Frühlings holdfeligem Kuffe Fühlt' ich wie du der Allmacht Bauch, Bot ich gleich dir, gründunkler Strauch, Meine Seele der Schöpfung zum Gruße. Jetzo, da Regen, der köftliche, klare, Knofpe und Blatt dir mit Perlen belät, Iit auch mein Sein nur ein einzig Gebet, Пeigt sich vor deinem Rofenaltare. Marie Schleeb. 138 Die Gleichheit zum Bau von Hallen bereitgestellt werden. Beantragt, daß eine Fachlehrerin angestellt wird, und daß die Gemeinde etwaige Mehrkosten trägt, oder versucht, von eurer Orts behörde Mittel zu erhalten, die es einer Lehrerin, die Sinn für die Sache hat, ermöglichen, einen Rurfus durchzumachen. Schließt euch aus mehreren kleinen Orten zu einer Schulgemeinde zusammen! Sorgt für bessere Beteiligung der Kinder an den schulfreien Spielnachmittagen! Gerade für euch Proletarierfrauen ist es eine heilige Pflicht, daß ihr eure Töchter, die wegen häuslicher Verrichtungen aller Art nicht oft Gelegenheit haben, sich in frischer Luft, bei fröhlichem Spiel förperlich zu kräftigen, vor einem geschwächten Körper bewahrt, der ein guter Nährboden für alle gefährlichen Krankheiten ist! Auf zur Tatt Eine Aufgabe für Schule und Haus An früherer Stelle der„ Gleichheit" wurde bemerkt, daß..wohl noch niemals sich alle Kreise unseres Volkes so eingehend und Teidenschaftlich mit Erziehungsfragen beschäftigt haben, wie im gegenwärtigen Augenblid". Noch nicht eingehend genug fand ein Erziehungsproblem Erörterung, das nicht leidenschaftlich, aber gründlich behandelt sein will. Es ist die Frage der Erziehung zur Rechtsfriedensgesinnung, eine Aufgabe, die alle Streise der Bevölkerung ohne Unterschied der Partei für sich werben möchte. Schon zu Beginn des Weltkriegs gewann die Erkenntnis immer mehr an Boden, daß unsere Gerichte nicht dazu da seien, eine Stätte eigensinnigen Streitens zu bilden, womöglich in Bagatellsachen, die unter verständigen Menschen nie so weit gebracht werden sollten. Der Gedanke wurde weiter gesponnen. Man sprach von Aenderung der Gesetzesvorschriften, neuen Einrichtungen zur Pflege des Gütegedankens. Ein Wichtiges ist aber namentlich in letter Beit, insbesondere von dem Bonner Rechtsanivalt Felix Joseph Klein, betont worden: Unsere Schulen schon müssen die Frage der Förderung des Rechtsfriedens als eine Erziehungsfrage würdigen. Jung gewohnt, alt getan. Wer in der Jugend ungestört sein vermeintliches Recht durchsetzen darf, fremde Rechtsauffassung nicht achten und häßlichen Streit nicht scheuen lernt, wird als Erwachsener schwerlich zu überzeugen sein, daß er sich nichts vergibt, wenn er einmal freiwillig Verzicht leistet - des lieben Friedens willen. Der frühere preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Haenisch hat schulpraktische Vorschläge, die ihm auf Kleins Anregung von einem Volksschullehrer unterbreitet wurden, als beachtenswert anerkannt und ihre sorgfältige Prüfung zugesagt, so daß Hoffnung auf baldige größere Verwirklichung solcher Erziehungswünsche besteht. Aber auch hier gilt festzuhalten, was schon früher in unserer Zeitschrift gesagt wurde:" Der Schwerpunkt aller Erziehung liegt auch heute noch im Elternhause." Das Elternhaus darf nicht nur die Friedenslehre der Schule nicht durchkreuzen, sondern muß sich als eine Lebensgemeinschaft zeigen, deren Mitglieder auch praktisch unter sich den Rechtsfriedensgeift betätigen. Sozialpolitisches aus dem Reichstag Im volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstags sind nunmehr die Beratungen über die Erhöhung der Getreidepreise und der Erwerbslosen unterstützung zum Abschluß gelangt. Der Ernährungsminister Hermes be gründete die Erhöhung der Getreidepreise und sagte, daß versucht werden müsse, die durch das nun eintretende Umlageverfahren festgesetzten Mengen tatsächlich zu erreichen. Für unsere Fraktion sprach Genosse Georg Schmidt. Er legte den Standpunkt der fozialdemokratischen Fraktion klar, die in der beschlossenen Erfassung von nur 2,5 Millionen Tonnen Getreide nur eine verschleierte Form der tatsächlich eintretenden freien Wirtschaft sieht. Alle Anträge unserer Partei auf Herabsehung der Preise wurden von der Rechten abgelehnt. Der Preis wurde festgesezt für Roggen auf 2100 Mt., für Weizen, Spelz, Einforn auf 2300 Mt., für Gerste auf 2000 Mt., für Hafer auf 1800 mt. Die Brotpreis erhöhung, die durch den Fortfall des Reichszuschusses für ausländisches Brotgetreide sowieso nicht abzuwenden war, wird durch das Umlageverfahren in dieser Form ungeheuer verschärft werden. Bei den Beratungen über die Erwerbslosenfürsorge führte der Vertreter des Arbeitsministeriums aus, da jetzt wieder eine Genfung in den Lebensmittelpreisen eingetreten sei, habe das Nr. 14 Reichskabinett nicht die Ueberzeugung gewinnen fönnen, daß eine Erhöhung der Unterstügung notwendig ist. Schon mit Rücksicht auf die Entente fönne eine Erhöhung nicht erfolgen. Dagegen wandten sich scharf die Vertreter unserer Partei, ebenso die der Unabhängigen und des Zentrums. Wenn die Kosten der Lebens haltung auch zurzeit etwas gefunten wären, so stände doch fest, daß sie in Zukunft infolge der kommenden Brotpreis- und Steuererhöhung erheblich steigen würden. Der Arbeitsminister Br a uns hat nunmehr die Zusicherung gegeben, daß die Erhöhung der Unterstützungssäge im Einvernehmen mit dem Ausschuß geregelt werden soll. Bis jetzt sind monatlich 120 Millionen Mark veraus gabt worden. Die Summe wird erhöht auf 150 Millionen Mart monatlich. Den Kurzarbeitern sollen statt bisher 60 Proz. des Lohnes nur 50 Proz. angerechnet werden. Als Höchſtfäße der Erwerbslosenfürsorge mit Wirkung vom 1. August 1921 ab follen folgende Säze bezahlt werden: 1. für männliche Personen a) über 21 Jahre, sofern sie nicht in dem Hauseines halt andern leben.. b) über 21 Jahre, sofern sie in dem Haushalt eines andern leben.. c) unter 21 Jahren . . 2. für weibliche Personen a) über 21 Jahre, sofern sie nicht in dem Haushalt eines andern leben. b) über 21 Jahre, sofern sie in dem Haushalt eines andern leben. c) unter 21 Jahren. In den Orten der Ortsklassen B A C Du. E 12,- 10,75 9,50 ( 10,-)( 9,-)( 8,-) 8,25 Mart ( 7,-)" 7, " 10,- 9,- 8, ( 8,-)( 7,25)( 6,50)( 5,50)„ 7,25 6,50 5,75 5,-" ( 6,-)( 5,50)( 4,50)( 4,-)" 10,- 9,- 8,- 7, ( 8,-)( 7,25)( 6,50)( 5,75). 7,25 6,50 5,75 5,-" ( 6,-)( 5,25)( 4,50)( 3,50) 4,75 4,25 3,75 3,25 99 ( 4,-)( 3,50)( 3,25)( 3,-)" Die Familienzuschläge, die ein Erwerbsloser erhält, dürfen ins. gesamt das Zweifache der ihm gewährten Unterstüßung, im einzelnen folgende Säße nicht übersteigen: für a) den Ehegatten( früher und Kinder bis zu 16 Jahren. b) die Kinder und sonftige unterstützungsberechtigte Angehörige ( früher sonstige usw) In den Orten der Ortsklassen A B C Du. E 5,- 4,50 4,- 3,50 Mart ( 4,-)( 3,75)( 3,50)( 3,25) " 4,25 4,- 3,75 3,50" ( 3,-)( 2,75)( 2,50)( 2,25) " Die Zahlen in Klammern bedeuten die früheren Sätze. Durch Bereitstellung von Mitteln zur Arbeitsbeschaffung glaubt man die Zahl der Erwerbslosen herabsetzen zu können. Auch eine großzügige Siedlungspolitit gehört dazu, sowie ferner eine Förderung des Baugewerbes in Stadt und Land. Von deutschnationaler und deutschvolksparteilicher Seite erhob sich natürlich gegen die Erhöhung der Unterstützungssäge der übliche Widerspruch, der von unseren Genossen aber beantwortet wurde. Im Steuerausschuß des Reichstages ist das LohnSteuergesetz beraten worden. Es hat auch einige Verbesse rungen erfahren. Die Renten aus der reichsgesetzlichen Ange stellten-, Unfall, Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung unterliegen nun auch dem Steuerabzug, d. h. den Rentenempfängern stehen die Steuerermäßigungen bzw. Befreiungen zu. Aufwandskosten fallen nicht unter die Werbungskosten, sondern sie sind neben den Werbungskosten steuerfrei, sofern sie den erforderlichen Aufwand nicht übersteigen. Die Einkommensgrenze von 24 000 mt., bis zu welcher die Steuerpflicht durch den Abzug als erfüllt gelten fann, fann um 600 Mt. überschritten werden, ehe persönliche Beranlagung zu erfolgen hat. Auch ein Einkommen, das der Lohnsteuerpflichtige aus anderen Quellen als aus Arbeit bezieht, muß mehr als 600 mt. betragen, wenn es der Veran Nr. 14 Die Gleichheit lagung unterliegen soll( gegen bisher 300 Mt.). Das Recht auf Beranlagung steht dem Steuerpflichtigen zu, wenn beim Steuer abzug die Ermäßigungen, auf die er Anspruch hat, nicht voll zur Geltung fommen, wenn die Werbungskosten nachweislich mehr als 2700 Mt. betragen oder wenn Kapitalertragssteuer auf die Einkommensteuer anzurechnen ist. Beim Borliegen besonders ungünstiger wirtschaftlicher Verhältnisse, die eine weitere Steuerermäßigung rechtfertigen, namentlich auch bei Erwerbslosigkeit, ist die beschleunigte Erstattung zu Unrecht vorgenommener Steuerabzüge vorgeschrieben. Erwerbslosenunterstützung unterliegt, neben bei bemerkt, der Einkommensteuer nicht. Der Ausgleich für die in den Monaten April bis Juli 1921 noch nicht im vollen Betrage in Rechnung gestellten Werbungskosten soll dadurch geschehen, daß in den Monaten August bis Oktober erhöhte Ermäßigungen des Steuerabzuges eintreten. Bemerkt sei noch, daß Lohn- und Ge haltsempfänger mit mehr als 24 000 mt. Jahreseinkommen zwar auch künftig dem 10prozentigen Steuerabzug unterliegen, aber am Jahresschluß veranlagt werden und den abgezogenen Betrag auf ihre Steuerschuld angerechnet bekommen. Im Sozialen Ausschuß wurde die Neuregelung der Leistungen und Beiträge in der Invalidenver. ficherung beraten. Bereits im Dezember 1920 hatte der Reichs. tag beschlossen, die Reichsregierung um einen Gesetzentwurf zu er fuchen, durch den der Notlage der Landesversicherungsanstalten abgeholfen wird. Inzwischen ist die Frage noch viel dringlicher geworden, da die Landesversicherungsanstalt Berlin den Beschluß gefaßt hat, die Heilbehandlung so gut wie gänzlich aufzuheben. Nun ist ein Gesezentwurf fertiggestellt worden. Nach diesem sollen neun Lohntlassen gebildet werden. Der Klaffe IX gehören alle Verficherten mit einem Jahresarbeitsverdienst von mehr als 8000 Mt. an. Diese Neueinteilung soll der Geldentwertung und der Steige rung der Löhne entsprechen und macht z. B. eine Erhöhung der obersten Lohnklassen um das Siebenfache aus. Der Wochenbeitrag der I. Lohnklasse foll 3,50 mt. betragen, sich in jeder Klaffe um 50 Bf. steigern bis zu 7 Mt. in der VIII. Klasse. Für die IX. Klaffe find 7,80 Mr. festgesetzt. Die freiwilligen Zufatmarken und die einmaligen Abfindungen, wie Witwengelder und Waisen aussteuern, sollen fallen gelassen werden, weil ihr praktischer Wert zu gering ift. Eine ausführliche Besprechung des neuen Gesetzes werden wir später an anderer Stelle der„ Gleichheit" bringen. Elli Radtte. Die Mietsteuer Der Reichstag hat nunmehr das Mietsteuergesetz unter dem Titel„ Gesetz über die Erhebung einer Abgabe zur Förderung des Wohnungsbaues" verabschiedet. Ueber Besen und Wirken der Mietsteuer fchreibt Genoffe Sollmann im„ Borwärts": ,, Die Mietsteuer wird von den Nutzungsberechtigten aller Gebäude erhoben, die vor dem 1. Juli 1918, also im wesent lichen noch zu normalen Baupreisen, fertiggestellt sind. Demnach müssen nicht nur die Mieter die Abgabe entrichten, sondern auch die Hausbesitzer für die von ihnen zur Benutzung in Anspruch genommenen Gebäudeteile; aber auch für Fabrit gebäude, Kontorräume, Werkstätten, Lagerhäuser, Scheunen, Ställe usw. muß die Steuer bezahlt werden. Befreit find u. a. die für öffentliche Zwecke bestimmten Gebäude des Reiches, der Länder und der Gemeinden, die Armen-, Waisen- und Krankenhäuser, die Kirchen, aber auch solche Gebäude, die den Zwecken eines die Volkswohlfahrt fördern den Unternehmens auf gemeinnüßiger Grundlage dienen. Dazu gehören auch Volkshäuser, Jugendheime, Herbergen, Landheime usw., wenn sie gemeinnüßig betrieben werden. Nicht das Reich, sondern die Länder erheben die Steuer. Es steht ihnen frei, ob sie der Steuer die Form einer Abgabe vom Grundvermögen oder einer unmittelbaren Mietfteuer geben wollen. Im ersten Falle wird die Steuer von den Besitzern der Gebäude erhoben, die den Betrag dann auf die Nutzungsberechtigten( Mieter, Bächter- aber auch sich felbft) umlegen. Im zweiten Falle wird die Steuer unmittelbar von den Nutzungsberechtigten der Gebäude eingezogen. Sie beträgt dann 5 vom Hundert des Nutzungswertes. Dazu müffen die Gemeinden 5 vom Hundert Zuschläge erheben. Mit Genehmigung der obersten Landesbehörde kann der Ge139 meindezuschlag bis auf 10 vom Hundert erhöht werden. Wichtig ist, daß der Abgabe der Borkriegswert( 1. Juli 1914) der Gebäude oder Gebäudeteile zugrunde gelegt wird. Kleinrentnern und solchen Steuerpflichtigen, die durch Krankheit oder Erwerbslosigkeit in ihrem Einkommen stark geschmälert werden, wird die Steuer auf Antrag zurückerstattet. Nehmen wir an, daß die Arbeiter, über das ganze Land genommen, am 1. Juli 1914 durchschnittlich 30 bis 40 Mt. monatlich Miete zahlten, so haben sie also, gleich nach welcher Form die Abgabe erhoben wird, mit einer Mietsteuer von 8 bis 4 Mr. monatlich zu rechnen. Diese Abgabe ist unangenehm, wie jede Steuer. Was uns aber mit ihr versöhnen tann, ist dies: Die paar Milliarden, bie sie bringt, fommen unmittelbar der Maffe der kleinen Mieter zugute, denn die Einkünfte dürfen lediglich zur Verzinsung und Tilgung der für Kleinwohnungen( aus öffent lichen Mitteln) hergegebenen Beträge verwandt werden. Ferner dürfen mit dieser Abgabe Wohnungsbauten nur gefördert werden: 1. wenn die Kosten der Bauausführung, einschließlich der Baustoffe, behördlich genau kontrolliert werden; 2. wenn die Bauten dauernd in öffentlichen oder gemeinnüßigem Eigentum bleiben, oder doch verhindert wird, daß aus der Vermietung oder dem Verkauf ein übermäßiger Gewinn erzielt wird. Die Ergebnisse der Mietsteuer schaffen, hoch gerechnet, 50 000 Wohnungen, während der Bedarf vielleicht 1 Million Wohnungen ist. Es ist also nicht viel, was erreicht wird. Immerhin find 50 000 Wohnungen, an deren Bau hunderttausende Bauarbeiter Beschäftigung finden, doch viel mehr als nichts." Mit einer noch schärferen Faffung des Gefeßes ist unsere Fraktion leider gegen die gesamten bürgerlichen Parteien nicht durchgedrungen. Es sollen nun von einer Unterfommission des Wohnungsausschusses schleunigst Borschläge zur umfassenden Behebung der Wohnungsnot ausgearbeitet werden. Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um die Schaffung von Wohnungen zu ermöglichen. Unbedingtes Erfordernis dabei ist aber für uns, daß eine möglichst starke Erfassung der leistungsfähigen Schichten in Stadt und Land erfolgt und auf die minderbemittelte Bevölkerung weitestgehende Rücksicht genommen wird. Wohlfahrtspflege Die sozialdemokratische Frauengruppe Köslin veranstaltete vor einiger Zeit ein Kindergartenfeft. Um 3 Uhr war der Gemertfchaftsgarten schon dicht besetzt. Das Fest wurde durch die gütige Mitwirkung des Mandolinenklubs verschönt. 23 Mandolinen spielten zur größten Freude der Kinder. Die Kleinen waren unermüdlich bei Spiel und Tanz. 62 Knaben und Mädchen führten auf der Wiese ein Singstüd auf, Des Spielmanns Schuld", das mit großem Beifall aufgenommen wurde. Das wichtigste Ereignis war dann eine photographische Aufnahme. Es war keine Kleinig keit, die ungeheure Zahl der Kinder auf die Platte zu bringen, aber alle strahlten, als der Photograph fagte: ,, Bitte recht freundlich". An dieses Fest sollen sich nun Wanderungen und Spielnachmittage anschließen, im Winter Zusammenkünfte, wo Märchen erzählt werden. Unsere Frauengruppe arbeitet mit großer Freude und alle haben wir die Kinder sehr lieb. G. Graf. Bücherschau In den letzten Tagen des Monat Juli findet in Bielefeld der diesjährige Reichsjugendtag statt. Der Hauptvorstand des Verbandes der Arbeiterjugend- Bereine Deutschlands, Berlin SW., Lindenstraße 3, gibt zu dieser Beranstaltung ein Buch heraus, das den Titel trägt Bon Weimar bis Bielefeld", ein Jahr Arbeiter. jugendbewegung. Die Schrift gibt ein Bild von der erfreulichen Aufwärtsentwicklung der deutschen Arbeiterjugendbewegung. Es ist ein Buch der Arbeit. In einem Umfange von 120 Seiten gibt es in zahlreichen Artikeln und Berichten einen flaren Ueberblick über alles, was in der Arbeiterjugendbewegung im 140 Die Gleichheit letzten Jahre geleistet worden ist. Bilder von Bielefelds Umgebung schmücken das Buch. Gedichte der Arbeiterjugenddichter Schent, Thieme und Ragelmacher zeigen in poetischer Form den Geist, der unsere Arbeiterjugend belebt. Die Schrift wird nicht nur von der Jugend selbst, sondern auch von all denen gern gelesen werden, die die ganze Bewegung mit Interesse verfolgen. * E. R. Der Vorwärts- Verlag gibt zwei beachtenswerte kleine Schriften heraus:„ Sfinnes und feine 600 000 Arbeiter", von Kurt Heinig ( 2,50 Mt.), und„ Ultimatum", von Otto Wels( 1 Mr.). Wer ist Stinnes? Wo stammt er her? Und wie gelangte er zu der Macht, die er heute besitzt? Wie war es möglich, daß bei den hohen Steuern ein Mann sich zum Multimillionär emporarbeiten tonnte? Diese Fragen müssen jeden denkenden Menschen bewegen, wenn ihm aus den Zeitungen und auch im öffentlichen Leben immer und immer wieder das Wort Stinnes entgegenklingt. Auf diese Fragen gibt nun die kleine Schrift von Kurt Heinig Antwort. Es ist notwendig, daß sich auch die Frauen dafür interessieren. Die andere kleine Schrift von Otto Wels behandelt ausführlich und lückenlos die Stellungnahme der Sozialdemokratie zur Annahme und Erfüllung des Ultimatums und zur Regierungsfrage, also auch Dinge, die sozusagen in der Luft liegen und für jedermann von Interesse sind. Die Schrift gibt auch eine gründ Lungenkranke! Broschüre: Die Heilung der Lungenleiden von Dr. med. A. Waldmann, versendet kostenlos u. franko Max Lindner, General- Depot, Dreiha' Dresden, Weißer Hirsch 60. Nr. 14 liche Abrechnung mit den Parteien der Rechten, insbesondere der Deutschen Volkspartei. Wir können die Anschaffung beider Schriften den Genofsinnen nur empfehlen. * Im Vorwärts Berlag ist ein Buch herausgekommen, das sowohl für alle Tierfreunde wie für Kleinviehhalter und Laubenkolonisten von großem Interesse ist.„ Unsere Hausfiere, vom Standpunkt ihrer wilden Verwandten", für Jung und Alt geschildert von Th. Zell. Es ist sehr umfangreich und mit zahl reichen guten Bildern versehen. Einen besonderen Hinweis auf dieses nüzliche und lehrreiche Buch werden wir demnächst für unsere Kleinen in der Kinderbeilage der Gleichheit bringen. Der Preisgeheftet 20 Mt., gebunden 25 Mt. ist in Anbetracht des Umfanges des Buches und der wissenschaftlichen Arbeit, die darin steckt, auch nicht zu hoch. Menschen und Gesekverbesserung", Gesetzesvor schläge auf seguellem Gebiete zur Erbringung und Erhaltung eines törperlich gesunden Menschengeschlechts. Bon Helmut Helfer. Verlag W. Härtel u. Co. Nachf., Leipzig. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bohm- Schuch. Druck: Vorwärts Buchdruckeret. Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. S., sämtlich in Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Gummiwaren für Familie u. Krankenzimmer Sauger, Eisbeutel, Frauendouchen, Spülapparate usw. Präservativs u. and. hygien. Bedarfsartikel u. Präparate, mediz. Tee usw. zur Gesundheitspflege. Prospekt und Preisliste diskret und kostenlos. 0.F.Demasier, Bin- Lichterfelde, Mariannenstr.25 Die vollkommenen ELMARDY Siere Reichelk 146 Filialen in Groß- Berlin Zentralbetrieb: Schlesische Straße 28 REICHELT LADEWIG UNION LORELEY ASSMANN