Nr. 15 31. Jahrgang Die Gleichheit Seitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Die Gleichheit erscheint 2 mal im Monat Preis: Viertelfährlich 3,- Mark Inserate: Die 5 gespaltene Nonpareillezeile 2,- Mart, bei Wiederholungen Rabatt Berlin 1. August 1921 Zum Ausgleich zwischen Lohn und Lebenskosten Bon Henriette Fürth In der Nr. 18 des Reichsarbeitsblatts"( 30. Juni 1921) ist ein für großstädtische Arbeiterkreise darum besonders lehrreicher und bemerkenswerter Aufsatz erschienen, weil in thm an der Hand schlüssiger Ziffern der Nachweis erbracht wird, daß trotz der gestiegenen Löhne auch heute noch ein entschiedenes Mißverhältnis zwischen Einkommen und Auskommen weitester Volksschichten besteht. Der Verfasser, Staatsbaurat Staude( Bremen) entnimmt seine Angaben den Mitteilungen des Bremischen Statistischen Amtes, kombiniert mit der Wirtschaftsrechnung eines Schiffszimmerers aus dem Jahre 1909 und zufällig aufgefundenen vertrauenswerten Mitteilungen über Brot- und Kartoffelpreise und Ausgaben aus dem Jahre 1854. Es wird gezeigt, daß die Kosten der Ernährung, die sich im Jahre 1913 auf etwa 50 Proz. der Gesamtausgaben beliefen, in den folgenden Jahren, und awar bis zu 95 Proz. im Jahre 1916 anstiegen. Das heißt also, daß von 100 Mt. Einkommen nur 5 Mark für andere Zwecke( Wohnung, Kleidung usw.) zur Verfügung standen. Im Jahre 1917 bringen dann die Teuerungszulagen eine tleine Besserung, bis 1918 das, was der Verfasser eine sprunghafte Lohnerhöhung" nennt, ein Abfinken der Ernährungsquote auf 63 Proz. vom Einkommen herbeiführte. Das reihefolgende Neusteigen aller Preise brachte es dann zuwege, daß zwischen 1918 und 1920 die Kosten der Ernährung 63 bis 92 Proz. des Gesamteinkommens aufzehrten. Diese nüchternen Zahlen spiegeln das, trotz steigender Löhne immer schlimmer werdende Elend deutlich wider. Kaum eine Möglichkeit, die Miete zu zahlen. An Wäsche, Kleider, Schuhe, an Ergänzung von Wäsche und Hausrat fann nicht gedacht werden. Kulturaufgaben kommen überhaupt nicht in Frage. So sieht, durch die Brille nüchterner Wirklichkeit gesehen, die Kehrseife der vielverleumdeten Lohnsteigerung überall da aus, wo nur ein Ernährer für alle Bedürfnisse der Familie und, wohlgemerkt, einer nur aus 4 Personen bestehenden Familie vorhanden ist. Man sollte nun meinen, aus dieser Sachlage müßte der Autor mit Notwendigkeit zu der Forderung einer entsprechenden Lohnerhöhung kommen. Er argumentiert aber gerade umgekehrt, indem er sich die landläufige Anschauung au eigen macht, daß nicht die wachsende Geldentwertung einschließlich unserer Beziehungen zum Ausland, sondern die unverhältnismäßige Lohnsteigerung an der übermäßigen Berteuerung aller lebensnotwendigen Bedarfsgüter schuld sei. Als Beweis führt er an, daß die Verkaufspreise der ElektroIndustrie infolge der hohen relativen Unkosten, Löhne und Materialpreise auf eine von der Elektroindustrie als ungesund empfundene Höhe getrieben seien. Der Lohnanteil, bezogen auf 1 Kilogramm fertige Ware, stieg von 40 Pf. im Jahre 1913/14 auf etwa 2 Mt. im Jahre 1919 und auf etwa 4 Mr. In 1920. Die Gesamtlohnsumme stieg bei wenig veränderter Die Frau und ihr Haus Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morigplag 14838 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Belegschaft von 59 auf 278 Millionen Mart. Der Verfasser verschweigt leider die Umsatz- und Gewinnziffer der betreffen. den Unternehmungen und übersieht auch, daß nach den vor. liegenden Inderziffern die Warenpreise gegen 1914 um das Fünfzehnfa che gestiegen sind, während sich nach den obenstehenden Angaben aus einer Qualitätsindustrie die Löhne um das tnapp Fünffa che erhöht haben. Ebenso steht es mit dem Hinweis auf den angeblichen zusammenhang zwischen Lohn- und Unwirtschaftlichkeit der großen Verkehrsunternehmungen. Wenn die preußische Staatseisenbahn statt eines vormaligen Betriebsüberschusses von 800 Millionen Mark jährlich im Februar eine Zubuße von rund 14 Millionen Mark täglich erforderte, so ist das neben der bekannten Tatsache, daß man die Eisenbahnen dem Reich weit über Gestehungskosten aufgehängt( wenn ich mich recht erinnere: 38 statt 18 Milliarden Mark) und dieses nun die hohen Zinsen herauszuwirtschaften hat, dem zuzuschreiben, daß bis zur Stunde die Tariferhöhung mit der Steigerung des Zinsendienstes, der Materialkosten und Löhne nicht Schritt gehalten hat. Wo man, wie z. B. bei der Frankfurter Straßenbahn, da zu übergegangen ist, eine der Sachlage entsprechende Tarifgestaltung vorzunehmen, ist mit Sicherheit die Umwandlung des Zuschuß- in einen Ueberschußbetrieb zu erwarten. " Ist man sonach genötigt, den aus den Lohnsteigerungen gezogenen Schlüssen Staudes mit Entschiedenheit entgegen. zutreten, fo gilt erfreulicherweise nicht dasselbe von dem von ihm gemachten Endvorschlag. Stin begrüßenswertes Endziel ist die Besserung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter. Als Gradmesser dient ihm eine Lebenshaltung, bei der die Ausgaben für die Ernährung einer Familie mit zwei Kindern nach Möglichkeit 50 Proz. der Einnahmen nicht überschreiten und die verbleibenden 50 Pro3. für die Bestreitung der Kosten der übrigen Lebensbedürfnisse verwendet werden können... Das Ziel fann nur innerhalb der wirtschaftlichen Möglichfeiten und nur schrittweise erreicht werden". Diese schrittweise Anpassung der Löhne an die Kosten der Lebenshaltung will der Verfasser dadurch erreichen, daß aus zuverlässigen Erhebungen über die Ernährungskosten in den zurückliegenden drei Monaten das Mittel errechnet und für die folgenden drei Monate ein um 5 Proz. erhöhter Lohnsatz bezahlt werde.„ Betragen beispielsweise die Kosten der Ernährung einer Arbeiterfamilie mit zwei Kindern in den Monaten September, Oktober, November in Mittel 69,5 Proz der Einnahmen, so werden sie für die folgenden drei Monate auf 65 Proz. dadurch zurückgeführt, daß die Löhne entspre chend erhöht werden." Mit Hilfe dieser gleitenden Lohnstala hofft der Verfasser dahin zu gelangen, daß das gesunde Verhältnis der hälftigen Teilung zwischen Ernährungs- und sonstigen Lebenskosten herbeigeführt werde. Er hofft, daß diese gleitende Skala eines Tages auch einmal nach unten wirksam gemacht werden könnte, wenn erst, und zwar mit infolge diefer kampflosen und an sich durchaus einwandfreien Methode der Lohnfestsetzung, eine gewisse Beruhigung und Ge 142 Die Gleichheit fundung der Boltswirtschaft, soweit sie durch Lohnregelung überhaupt erreichbar ist, herbeigeführt sein werde. ,, Soweit sie durch Lohnregelung überhaupt erreichbar ist." Wir möchten das in diesem Satz liegende Bedenken start unterstreichen. Sind doch die Lohnkämpfe nicht, wie der Verfasser meint, die Ursache, sondern lediglich die Wirtung fapitalistischer und weltwirtschaftlicher Konstellationen, auf die die Arbeiterschaft leider heute noch keinen Einfluß hat. Eine durchgreifende Aenderung kann erst eintreten, wenn der lebenvernichtende Einfluß des Privattapitalismus gebrochen und das Kapital, das ist aber die Summe aller Betriebsmittel, in der Hand des schaffenden Volkes zu der mächtigen Esse geworden sein wird, in der das Glück alles dessen, was Menschenantlig trägt, geglüht und gehämmert werden soll. Das ist das Endziel. Trotzdem sollten Borschläge wie der von Staude sorglich geprüft und diskutiert werden. Gelingt es, fie in einer handlichen Form zur Ausführung zu bringen, so können sie helfen, dem Größeren, das tommen soll, bie Wege zu bereiten. Der Arbeiter Vor der Stadt erft fiel ihm alles ein, Als er trunken in die uferlofe Weite ging, Als ibn Himmelsbläue fanft umfing, Was es heißt, ein Mensch zu fein. Alles schrie in ihm vor Luft. Пiegefühltes ftürzte in die längit verdorrte Seele. Lieder rauschten auf in feiner Keble Und zeriprengten feine fchmale Bruit. Alles, was vergraben war und schlief In den dunklen, harten Arbeitswochen, War nun plötzlich braufend aufgebrochen, Daß es ihn nach Wundern, Iliegefchautem rief. Felderbreiten fluteten im Sonnenschein Wolken, Bäume jauchzen ihm entgegen, Blüten sprangen auf an allen Wegen Ob er dachte: fo muß Gott wohl fein, Und er ging und ging von Freude übervoll, Die ihn bis ins Tieffte heiß durchglühte; Daß die große Liebe und die Menschengüte Mit ihm über Stadt, Fabrik und Horizonte quoll. Karl Brinkmann. Recht und Wohlfahrtspflege Bon Bürgermeister Dr. Caspari( Brandenburg a. d. H.) A. Familienrecht IX. Elterliche Gewalt. Das Gesetz spricht von elterlicher Gewalt. Es fennt weder eine väterliche noch eine mütterliche Gewalt. Wohl aber stellt das Gesetz den Vater auch hier wesentlich über die Mutter, denn wie§ 1634 sagt, hat die Mutter nur neben dem Vater während der Dauer der Ehe das Recht und die Pflicht, für die Person des Kindes zu sorgen. Sie hat diese Rechte zwar selbstständig, aber nur neben dem Vater! Zur Vertretung des Kindes ist sie grundsätzlich nicht berechtigt. Ausnahmen( vgl.§ 1685 Abs. 1) bestätigen nur die Regel; und bei einer Meinungsverschiedenheit zwischen den Eltern geht die Meinung des Baters vor. Man braucht nicht Frauenrechtler zu sein, um zu erkennen, daß diese Stellung der Mutter gegenüber dem Kinde mit dem Leben in traffem Widerspruch steht. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ist nicht der Bater der Erzieher der Kinder, sondern die Mutter. Dessenungeachtet hat das BGB. diese Regelung getroffen. In den§§ 1627 bis 1683 behandelt es die elterliche Gewalt des Baters, in den§§ 1684 bis 1698 die elter= liche Gewalt der Mutter. Die Mutter, die natürliche Erzieherin der Kinder neben dem Bater" ist berechtigt Nr. 15 und verpflichtet, für die Person des Kindes zu sorgen! Würde in den Ehen nach dem Buchstaben des Gesetzes verfahren werden, so fämen die Ehegatten aus den Kompetenzstreitig. teiten kaum heraus. Das ausschließlich von Männern geschaffene BGB. hat dem Recht den schwersten Zwang an getan, indem es Bestimmungen, Rechtsäße, geschaffen hat, die mit dem Leben in schärfstem Widerspruch stehen und die das natürliche Recht und die natürlichste Pflicht der Mutter, Erzieherin ihrer Kinder zu sein, mißachten. I. Elterliche Gewalt des Vaters. Kraft der elterlichen Gewalt hat der Vater das Recht und die Pflicht, für die Person und das Vermögen des Kindes zu sorgen(§ 1627). Die Sorge für die Person und das Ver mögen umfaßt die Vertretung des Kindes, d. h. die Vors nahme von Rechtsgeschäften und Rechtshandlungen für das Kind(§ 1630). Der Vater ist demgemäß der nächste gesetzliche Vertreter des Kindes, solange es minderjährig ist. Die Bertretung steht dem Vater insoweit nicht zu, als es sich um Interessenkonflikte zwischen ihm und dem Kinde handelt. Das Nähere hierüber regeln die§§ 1630 und 1795. Auch fann das Vormundschaftsgericht dem Vater nach§ 1796 die Vertretung entziehen. In solchen Fällen erhält das Kind einen Pfleger(§ 1909). Man denke sich folgendes Beispiel: A ist Eigentümer eines Hauses, auf dem eine Hypothek des B lastet. Das Kind des A, C, beerbt den B. Es wäre ein unerträglicher Zustand, wenn der Vater A das Haus verwalten und zugleich die Gläubigerrechte seines Kindes gegen sich selbst ver. treten sollte. Deshalb erhält das Kind in solchem Falle zum Zwecke der Wahrnehmung seiner Gläubigerrechte als Hypo. thekengläubiger gegenüber seinem Vater einen Pfleger. Wie eingangs betont, hat die Mutter neben dem Vater während der Dauer der Ehe das Recht und die Pflicht, für die Person des Kindes zu sorgen. Wohlgemerkt nur für die Person, nicht für das Vermögen! Sie besitzt auch wie gesagt feine Vertretungsmacht für das Kind und bei Meinungsverschiedenheiten geht- selbstverständlich!-die Meinung des erziehungskundigen! Vaters vor(§ 1634). Also Sieg des starken Geschlechts auf der ganzen Linie, wenigstens auf dem Papier, genannt Familienrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches. Wie wir weiter unten sehen werden, übt während der Dauer der Che die Mutter die elterliche Gewalt, aber wieder ausgenommen die Nußnießung, in vollem Umfange aus, wenn der Vater an der Ausübung der elterlichen Gewalt tatsächlich verhindert ist oder seine elterliche Gewalt ruht. 1. Die Sorge für die Person des Kindes. Die Sorge für die Person des Kindes umfaßt das Recht und die Pflicht, das Kind zu erziehen, zu beaufsichtigen und den Aufenthalt zu bestimmen(§ 1631). Bei dieser Bestim mung sollte und konnte nicht etwa gesagt werden, daß die elterlichen Gewalthaber nun unumschränkte Herrschaft über ihr Kind befäßen. Die Interessen der Allgemeinheit kollidieren notwendig mit dem Individualinteresse der sogenannten Familie. Man denke an den Schulzwang, an die Berufsschulpflicht, an das Recht der Fürsorgeerziehung und an Be Stimmungen der Armengesetzgebung. Je mehr wir fortschreiten wollen in der sozialen und fulturellen Gesetzgebung zum Schuße der Jugend, um so mehr werden sich Konflikte ergeben zwischen dem von manchen Seiten mit besonderem Nachdruck betonten Interesse der Familie, des Eiternhauses, und dem Interesse der Allgemeinheit; die Sozialgesetzgebung soll an den Individualrechten des einzelnen nicht vorübergehen, feineswegs aber dürfen diese auf Kosten der sozialen Gesetzgebung erhalten oder noch erweitert werden. Kraft des Erziehungsrechts fann der Bater angemessene Buchtmittel gegen das Kind anwenden. Dieses Recht können die Eltern auch anderen Personen übertragen, z. B. Erziehern, Pensionseltern und dergl. mehr. Nr. 15 Die Gleichheit Auf Antrag hat da» Vormundschaftsgericht den Vater durch Anwendung geeigneter Zuchtmittel zu unterstützen. Hierzu gehört sogar letzten Endes die Hinzuziehung von polizeilicher Hilfe. Man denke aber auch an die Bestim mungen des Fürsorgeerziehungsgesetzes. Nach Z 11 BGB. teilt das Kind den Wohnsitz, in der Regel auch den Unterstützungswohnsitz des Vaters(vergl. Unterstützungswohnsitzgesetz§ 16 sf.). Die polizeiliche Zurllckführung entlaufener Minderjähriger regel! das öffentliche Recht. Der Vater kann unmittelbar oder durch Vermittlung des Vormundschaftsgerichts die Polizei angehen: wie gesagt, kann er aber auch nach§ 1631 Abs � die Unterstützung durch das Vormundschaftsgericht beantragen. Die geistige Not der jungen Mädchen in den Fabriken Wir bringen diesen erschütternden Notruf einer jungen Sozialistin zum Abdruck mit der herzlichen Bitte, daß sich unsere Genossinnen überall dieser großen Aufgabe annehmen und unseren jungen Mädchen helfen. Es fügt sich, daß uns gleichzeitig die Arbeit eines jungen Mannes vorliegt, aus der dieselbe Not spricht, nur in einer anderen Form. Wir bringen anschließend auch diese unseren Leserinnen zur Kenntnis. Die Redaktion. Vor einiger Zeit ging ich durch die Säle einer Zellulose fabrik. Hier standen sie, die Sklaven des Alltags und der Arbeit, die Tag für Tag dasselbe Maß Arbeit schassen müssen, die im ewigen Einerlei das Grau des Werktags um gibt. Die oft aussehen, als kämen sie aus einer Mühle, so dicht und weiß lagert sich der Staub auf ihrem Haar, Gesicht und Kleidern ab— hier stehen sie, alte Frauen, junge Frauen I Alte, ältere und junge Mädchen, viele knapp Jahre alt, noch Kinder fast und sind doch schon ein gespannt in das Joch der Fabritarbeit, stehen vom Morgen bis zum Abend im Staub des Alltags. Und den meisten dieser Mühseligen hat die Not, die geistige Not wohl noch mehr als die körperliche, mit scharfem Griffel diese Runen ins Gesicht gezeichnet. Viele von ihnen sind tot, ihre Seele ist krank geworden vor übergroßer geistiger Not und ist dann verdorben, gestorben. Es stimmte mich so überaus traurig, wie sie, so jeden Gefühls bar. über das Heilige in unserem Leben spöttelten, mit frivolen Worten darüber her- fielen und es vernichteten. Sie sind stumpf geworden, nur das Häßliche bereitet ihnen noch Vergnügen. Bei vielen von diesen Armen wird jeder Versuch der Hilfe sehlschlagen, aber es gibt doch hier so viel, viel Arbeit. Unter den jungen Mädeln fand ich einige Genossinnen der Arbeiterjugend. Tapfere, frische Mädel, die mit ihrer Iugendkraft auch den Staub besiegen. Sie klagten nur, daß sie gezwungen seien, all diese wüsten Gespräche mit anhören zu müssen: wehrlos. Daß so manches junge Mädel, das jung und frisch beim Ein tritt, nach ein paar Wochen schon ein« Beute des Lasters geworden sei, dem Gift der toten Seelen erlegen. Deshalb ergeht an die Frauen der Fabrik der Hilferuf der jungen Mädchen: Nehmt Rücksicht auf uns! Denkt bei euren Gesprächen an unsere jungen Seelen, die unter dem Echmutz elend oerkommen müssen. Wir wollen nicht ver kümmern, sondern gesund und stark soll unsere Seele werden, joll sich freuen können an allem Reinen und Schönen. Denkt an uns! Genossinnen! Vor allen ihr Mütter, die ihr eure Töchter Zur Fabrik senden müßt, versucht es doch, das Elend, die öroße geistige Not der jungen Fabrikarbeiterinnen zu lindern. Helft, wo ihr könnt. Wirkt dem Gift entgegen. Es wird keine leichte Aufgabe sein, viele werden vielleicht am Ge lingen zweifeln. Und doch muß es gewagt werden. Denkt, büe viele junge Seelen der Gefahr ausgesetzt sind, geistig zu verelenden. Versucht es doch, an euren Frauenabenden auch die Frauen zu erfassen, die in den allermeisten Fällen ge werkschaftlich organisiert sind, aber uns doch innerlich fern stehen. Versucht es, Einfluß auf sie zu gewinnen, um unseren jungen Mädchen doch wenigstens etwas zu helfen. Die geistige Not der jungen Mädchen ist viel, viel größer, als die meisten denken, und darum tut Hilfe, schnelle und wirk same Hilfe wirklich Not. Martha Borchers. Wir Einsamen Und wir jungen Arbeiter sahen ein, daß allem Ver gnügen der Jugend etwas Unwahres anhaftet, daß der Tanzsaal eine Stätte der Roheit, das Kino ein Ort des Schmutzes ist. Wir erkannten, daß Wahrheit, Herzensgllte und echte Freundschaft, wahre Liebe hier nicht zu finden ist. Und in unserer Sehnsucht nach Wahrheit und Licht gingen wir in unser Studierkämmerlein und vertieften uns, währenddem die Gleichaltrigen auf die Brautschau gingen, sich bei Tanz und in Kinos ergötzten, in die Schätze der Wissenschaft. In späten Abendstunden, an denen andere unseres Alters in den Armen ihrer Mädchen lagen, da lernten wir fremdsprachliche Vokabeln, drangen in das Wunderreich der Chemie ein, lasen mit Begeisterung die Freiheitskämpfe der Arbeiterklasse oder standen ehrfurchts voll vor den Werken unserer Klassiker. Und doch lernten wir einmal das Schiller'sche Wort emp finden:„Da faßt ein namenloses Sehnen..." Und es zog mit Macht zum Weibe hin, wehmütigen Herzens sahen wir unsere Schulfreundinnen, die wir in der Schulzeit so lieb gewannen, zum Tanze eilen. Wir verstanden uns nicht mehr. Und überall, wo wir junge Mädchen unseres Alters antrafen, erlebten wir«ine Enttäuschung. Wir wollten doch kein„Verhältnis", sondern wir suchten geistige Freundschaften mit Arbeitermädchen. Ist doch gerade ein Weib im Stande, dem Manne hochgeistige Anregung zu gewähren. Welch' neue schöpferische Kraft erhielt doch Goethe durch seine Freundschaft mit Charlotte v. Stein! Und die Geschichte geistig vorwärtsstrebender Männer hat schon so oft bewiesen, welch' segensvollen Einfluß ihnen eine geist volle Freundin gebracht hat. Aber wir fanden bei den Mädchen kein Verständnis; ja, mehr als einmal wurden wir als Außenseiter, die ihre Jugend nicht anzuwenden wissen, mitleidig bedauert. Nur Interesse für Alltägliches, für Kleidung, Vergnügen fanden wir, weiter nichts. Tief betrübt gingen wir zurück in unser Studierkämmer- chen und versuchten zu vergessen. Aber die rechte Ruhe fanden wir doch nicht mehr, es fehlte uns etwas, etwas, das wir nicht finden konnten, etwas, das wir auch heute noch nicht finden. Einsam stehen wir im Lande und haben doch trotzdem die Hoffnung, daß auch uns einmal die Worte aus dem Schiller- schen„Lied an die Freude" zur Wahrheit werden: „Wem der große Wurf gelungen. Eines Freundes Freund zu sein, Wer ein holdes Weib errungen, Mische seinen Jubel drein! Frühlings Erwachen Es gibt Werk«, die unvergänglich sind, weil sie einen un vergänglichen Stoff behandeln. Es mögen neue Kunst epochen heraufziehen, neue Formen der Darstellung gesunden werden, das, was in stets wechselnder Form dargestellt wird, ist ewig jung, kehrt immer wieder. Zu diesen unsterblichen Werken gehört in erster Linie Goethes„Faust". Zu allen Zeiten haben Menschen mit sich und der Welt im Streit ge legen und um ihre Höherentwicklung gerungen. Jeder denkende Mensch ist ein Faust. Aber auch die Literatur der 144 Die Gleichheit neuesten Zeit hat eine solche nie alternde Dichtung aufzu weisen: es ist Frank Wedekinds„ Frühlings Erwachen". Ueber Wedekind und seine Dramen ist viel geschrieben worden, und nicht immer Gutes! Es liegt nicht in unserem Sinne, an dieser Stelle eine literarische Würdigung Wede kind'scher Kunst zu bieten. Wer Frühlings Erwachen" gelesen oder gesehen hatvorurteilsfrei selbstverständlich muß zugeben, daß hier ein Künstler am Werke gewesen ist, daß nicht der Stoff um des Stoffes willen behandelt worden ist, daß hier kein Kitsch gegeben wird, wie man das vielfach behauptet hat. Höhere Interessen haben den Dichter bewogen, die Kindertragödie- so nennt er die Dichtung selbst - niederzuschreiben. Aus realistischer Kunst will Nutz anwendung gezogen werden. Man sollte aller Jugend das Werk zugänglich machen, nicht nur der reiferen: für sie ist es meist zu spät. Vor allen Dingen aber sollten es die Eltern, namentlich die Mütter, lesen und daraus lernen. " Fiesto der Erziehung" könnte man die Wedekind'schen Szenen überschreiben. Was soll mir ein Konversationslerikon, das auf die nächstliegende Lebensfrage nicht antwortet," sagt der unglückliche Moritz Stiefel, den die Schule zum Selbstmord treibt. Was soll mir meine Erziehung, was follen mir Schule und Elternhaus... müßte es eigentlich heißen. Gibt denn die Schule Antwort auf diese Frage?- Nein, denn sie hat, um mit Wedekind'schen Worten zu sprechen, das„ Anstandsgefühl für das dem Menschen eingewurzelte Empfinden für die Diskretion der Verschämtheit einer sitt lichen Weltordnung," das der ehrliche Melchior, der ein m Mitschüler mitteilt, was er weiß, nicht hat. Volksschule und höhere Schule trifft die Schuld; die letztere noch in viel höherem Maße, als die erste. Die Schule allein fann aber die Frage nicht beantworten. Die Aufklärung" tann nicht mechanisch vermittelt werden wie irgendein anderes Wissen. Sie braucht die rechte Stunde und die rechte Stimmung. Der Hauptanteil wird dem Elternhause zufallen. Sagt nun das Elternhaus dem Kinde das, was es werden will? Auf die Frage der Wendla nach dem Geheimnis der Entstehung des Menschen,„ offenbart" ihr ihre Mutter, daß man, um ein Kind zu bekommen, den Mann, mit dem man verheiratet ist, lieben müsse, lieben müsse, wie man einen Mann nur lieben könne. Wie viele solcher Mütter gibt es noch? Wir wollen es nicht entscheiden. Alle Eltern sind überzeugt, die besten zu sein. Und doch verstehen sie meist ihre eigenen Kinder nicht. Ohne Zweifel liegt nach ihrer Meinung die Schuld bei den Kindern. Und doch betrügen die Eltern ihre Kinder zuerst mit dem Märchen vom Storch; und doch stehen die Eltern ihren Kindern in den Entwicklungsjahren verständnislos gegenüber. Sie grämen sich vielleicht, weil die Kinder ihnen gegenüber nicht das Vertrauen haben, das sie erwarten. Sie ahnen nicht, daß die Eltern nicht warten dürfen, bis die Kinder zu ihnen fommen. Vielleicht erkennen sie es auch manchmal und sind zu feige, die Folgerungen zu ziehen. Den Eltern fällt der Dienst am Kinde zu. Die Bedeutung des Kindes wird zu wenig erkannt und wenn sie erkannt wird, wird diese Erkenntnis in falscher Weise verwendet. Erziehen soll nicht„ Verziehen" bedeuten. Es ist richtig, daß viele Eltern, namentlich Proletariereltern, keine Zeit haben, sich mit ihren Kindern zu beschäftigen. Aber diese eine, diese wichtigste Frage muß ihre ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Eltern betrügen nicht ungestraft ihre Kinder. Sie verlieren das Vertrauen ihrer Kinder, weil sie es nicht zu ihnen haben. Wie sagt doch Dostojewski:„ Man kann einem Kinde alles, alles fagen.... Man soll vor den Kindern nicht unter dem Vorwande, daß sie klein sind und es für sie zu früh sei, viele Dinge zu erfahren, alles geheim halten." Und wenn man" es" ihnen nicht sagt? . Nr. 15 " O Mutter, warum hast du mir nicht alles gesagt," ruft die kaum fünfzehnjährige Wendla auf ihrem Krankenbette aus, als sie erfährt, daß sie nicht die Bleichsucht, wie man ihr vorgeredet, sondern ein Kind hat. Und sie war doch nicht verheiratet und hatte nicht geliebt. Aber das ist es ja, daß du nicht verheiratet bist, das ist ja das Fürchterliche." Andere Worte findet die schuldige Mutter ihrem Kinde gegenüber nicht. Sie hat an ihrem Mädchen ja nichts anderes getan, als ihre liebe, gute Mutter an ihr getan hat. Und das Kind muß um einer falschen Moral willen beim Abortus sterben, Oder was sagt der Rentier Stiefel am Grabe seines Sohnes? " Der Junge war nicht von mir, der Junge hat mir von klein auf nicht gefallen." Das ist alles. ,, Selig sind, die reinen Herzens sind," steht auf Wendlas Kinder leben und haben an ihrem Schicksal schwer zu tragen. Grabstein. Sie stirbt, aber Tausende, Millionen anderer sind zur Gewohnheit und zu etwas Alltäglichem geworden, Reiner siehts will es nicht sehen? Sittliche Verfehlungen Eine Gewissensfrage an die Mütter und Bäter:„ Wer von Ihnen fühlt sich frei von solchen Jugendtorheiten? Man geht vielleicht mit einem Lächeln darüber hin: es ist nicht zu sehen. Freilich. Aber die psychologischen Schäden, die in den Kindern angerichtet werden, läßt man unberücksichtigt. Und sind die nicht viel größer als die vielleicht entstehenden körperlichen? Kinder sind meistens gerechter als Erwachsene. Sie schleppen sich mit dem Bewußtsein einer Schuld- wenn man überhaupt von Schuld sprechen will, die nicht die ihre ist. In dem Augenblick, da sie das erkennen, stehen sie ihren Eltern ferner denn je. Eine Entfremdung ist unvermeidlich. Und so geht es von Generation zu Generation. Es liegt eine furchtbare Tragit in den Worten Hänschen Rilows, die er beim Betrachten einer Venusreproduktion ausspricht:... Man merkt..., daß sie eine musterhafte Erziehung genossen hat. Mir gehtesja ebenso. Mirgeht ,, Frühlings Erwachen" will nicht gelesen und nicht gesehen, es will verstanden werden. Die Tragödie ist eine Anflage, eine große Frage an die Eltern, an die von heute und an die kommender Geschlechter. Wie lange noch sollen Eure Kinder an ihrer Erziehung zu Grunde gehen? Herbert Heiland. Der Wert des Zwecklosen Unter diesem Titel hat Moritz Goldstein ein Buch heraus. gegeben. Der Wert des Zwecklosen! Klingt das nicht merk. würdig in einer Zeit, die eigentlich nichts anderes weiß und kennt als den Zweck, weil Zweck gleichbedeutend ist mit Erfolg und als dessen letztes Ziel das persönliche Wohlleben und der Genuß, unbekümmert um jede Verantwortlichkeit vor sich selbst und dem großen Ganzen? Ist dieser Prediger in der Wüste ein Schwärmer, ein Afzet, ein Weltverächter, der da sagt: Alles Jrdische ist eite!!? Nichts von alledem. Er ist einfach ein Mensch, der den Mut hat, unbefangen an die Jahrtausende alten Probleme der Philosophie heranzugehen, und der mit leisem gütigen Lächeln der Frau Philosophie beweist, daß sie die Rätsel des Lebens bisher noch nicht gelöst hat und sie auch nicht eher lösen wird, als bis sie den Menschen selbst als des Rätsels Lösung ansieht. Goldstein beherrscht sein Thema in so geistreicher und spannender Weise, daß der philosophisch geschulte Kopf seine helle Freude daran haben kann; aber er ist zugleich so klar und eindeutig, daß auch der naive Leser ihm willig durch die vielverschlungenen Pfade dieser Wissenschaft folgt. Er fordert nicht, daß man sein einfaches gradliniges Denken zur Umkehrung aller Begriffe zwingt, wie es die Erkenntnistheorie nur allzu häufig verlangt, sondern er führt sie mit sicherer Hand auf ihre beiden Urfragen zurück, auf die Fragen: Woher? und Wohin? Und da er selbst von dem furchtbaren Grauen über die Sinnlosigkeit des Daseins bis in seines Wesens Tiefen durchschüttelt worden ist, weiß er um die Qualen der Suchenden und geht mit ihnen noch einmal den schweren Weg durch alle Abgründe des lebenheischenden, todessehnsüchtigen Zweifels an Gott, Welt und Jch. Er weist nach, daß weder die Philosophie noch die exakte materialistisch gerichtete Wissenschaft den Schleier von den letzten Nr. 15 Die Gleich beit Fragen zu heben vermochten. Vielmehr hat gerade die letztere das Individuum noch tiefer in seine Unbedeutendheit hinabgedrückt, indem es ihm den Himmel nahm( d. h. den ideellen Begriff eines absolut Guten und Vollkommenen) und an seine Stelle Zwede und Ziele setzte, die sich an der menschlichen Schwäche und Unvollkommenheit notwendig totlaufen mußten. Das Verdienst, die Verlogenheit der Zweck- und Wertsetzung unseres täglichen Lebens erkannt und bekämpft zu haben, teilt er Nietzsche zu, aber bei aller Hochachtung vor Nietzsches Wollen und Wissen kommt er doch zu dem Schluß, daß es ihm nicht gelungen ist, Tafeln der Werte" über uns aufzuhängen. ,, Gr hat die Gestalt des neuen Propheten in hinreißenden Büchern bor uns aufgestellt, aber er selber war dieser Prophet nicht." Auch mit Kant setzt sich Goldstein auseinander und auch hier hindert die schuldige Ehrfurcht vor dem genialen Denke: ihn nicht, seine Theorien unter die kritische Lupe zu nehmen und nachzuweisen, daß die Lehre von der Kritik der reinen Vernunft und der Pflicht als kategorischem Imperativ auf einer Voraus seßung beruht, die der damaligen Zeit unanfechtbares Postulat war, uns Heutigen aber verloren gegangen ist, nämlich ,, die finnvolle nach einem Plan auf einen gwed hin geschaffene Welt und den Glauben an ein ewiges Leben der Seele". Für Goldstein steht fest, daß der Zweck der Welt" für die Menschen unerfahrbar ist, und daß es darum ,, die unbedingte Pflicht in Kants Sinne einer kosmischen Notwendigkeit nicht gibt". Ohne Kant und Nietzsche jedoch wären wir heutigen verloren in der entgötterten Welt, denn ohne das Bewußtsein einer Notwendigkeit oder Nüßlichkeit seines Handelns kann fein Mensch leben. Erschütternd malt Goldstein die grenzenlose Verlorenheit des Menschen, der sich vom Zwedbegriff nicht lösen kann.„ Au der schweren Kette der Notwendigkeit trotten wir, einer hinter dem anderen, unseren schmalen Weg über die Erde, vereinsamt in der Unendlichkeit von Zeit und Raum, hilflos und winzig unter bem majestätischen Geheimnis des Daseins, gebeugt und erniedrigt durch den hohnvollen Blick ewig stummer Welträtsel!" Und doch- Durch uns strömt die tote Materie als lebendiger Organismus. Im Menschen erhellt sich das Leben zu Verstand und Vernunft, aus ihm lodert das Selbstbewußtsein als Wille. Der Mensch will, und mit diesem Wunder aller Wunder ist er Anfang und Ende, Schale und Mittelpunkt der Welt." Der Mensch will! Das ist Goldstein der Schlüssel zu jener Weltanschauung, die uns aus der Sinnlosigkeit des Lebens erlösen soll. Was aber will der Mensch? Er will über das Menschliche hinaus, er sucht einen Wert außerhalb und ober* Feuilleton * Denn was in deines Schoßes Macht... Wohl ist mit deiner Mädchenschaft Der keufche Schmelz von dir geftreift, Doch nur, weil einer höb'ren Kraft Dein Wefen ſtill entgegenreift. Und ichlägit du gleich die Augen tief Vor jedem, der des Weges kam: Was dich fo glühend überlief, Ift deiner Seele schönste Scham. Noch bift du dir nicht klar bewußt, Daß du ein höchftes eingetauscht, Seit tief in deiner eignen Bruft Der Quell des Lebens felber raufcht. Und fühlst dich doch von einer Flut Aus Gottes reinſtem Born betaut, Пun deiner mütterlichen Hut Ein neues Leben anvertraut. Ich aber flüg'le meinen Schritt Und grüß das neue Leben laut. Viel taufend Stimmen grüßen mit Und fingen dir, du Lebensbraut! Denn was in deines Schoßes Пacht Moch träumt und Blut von dir erhält, Wird einft, zum hellen Licht erwacht, Vielleicht der Heiland einer Welt. Karl Bröger. " 145 halb der Menschen, einen Wert, der bliebe, wenn wir mit unseren Unzulänglichkeiten gar nicht oder nicht mehr wären". Das ist aber, wenn man sich nicht in irgendeiner Form zu Gott be. fennt, ein Unding, weil es einzig und allein der Mensch ist, der Wertungen schafft, Maß und Ziel also aus sich selbst heraus in das Weltgeschehen hineinstellt. Jeder Mensch richtet sein eigenes Tun und Lassen sowie sein Urteil über die Handlungen anderer nach der ihm ganz persönlich eigenen Grundwertung", die wiederum durch seine Veranlagung bestimmt und durch die Grundwertung seiner Zeit- und Artgenossen bedingt ist. Sier nun scheidet sich zum ersten Male klar das Edle vom Gemeinen Gewöhnlichen. Jedes lebende Wesen wertet nach dem, was ihm nüßt und schadet. Wer im Essen und Trinken, im animalischen Genuß und Behagen Zweck und Inhalt des Lebens erblickt, wird den Nebenmenschen niemals begreifen, der einer Idee zuliebe mag sie nun greifbaren oder eingebildeten Wert haben in den Tod zu gehen fähig ist. Im Verhältnis des Menschen zur Idee wird also das an sich Zwecklose tatsächlich und wirklich zum Wert, denn nun frage ich nicht mehr: was nüßt es mir, so oder so zu handeln, sondern ich handele wie meine innere Stimme, mein Gewissen es für notwendig und wertvoll hält. Goldstein führt klar den Beweis, daß das Gewissen nicht etwa nur das Produkt der Zeit- und Sittenkonvention ist, sondern daß es einen Ewigkeitswert hat, daß es eine Realität darstellt, die in weit größerem Ausmaß als bisher bestimmenden Einfluß auf unser Sein und Wollen bekommen muß. Gib deinem Leben absoluten Wert und nimm als Maßstab deiner Handlungen die unbedingte, von Rücksicht auf deinen Vorteil oder Genuß befreite Wertung!" Oder mit einfachen Worten: Erfülle deine Pflicht nicht deshalb, weil es unvorteilhaft wäre, ihr aus dem Wege zu gehen, sondern befiehl deinem Willen jede Pflichterfüllung als um deiner eigenen erstes und selbstverständliches Gebot Hochachtung willen! Das ist Goldsteins Forderung. Auch er weiß, daß die Freiheit des Willens physiologisch begrenzt ist. Jm Wollen des Sittlichen jedoch ist sie unbegrenzt, und in dem Bogen, den der Wille von seinen natürlichen Haftpunkten aus hinaufspannt in das persönliche Können und Vollbringen, liegt der unantastbare ewige Wert des Menschen. Und das ist das Schöne an dem kleinen gelben Büchlein, das im Shbillenverlage in Dresden erschienen ist, daß es jeden Menschen zum Brückenbauen aufruft und ihm beweist, daß sein eigenes Sem und Wollen ihn von der Sinnlosigkeit des Daseins erlösen kann, wenn er den Begriff des Zweckes durch den Begriff des wahren lebendigen Persönlichkeitswertes ersetzt. Charlotte Buchow. Vom Tschingdarah und der eigenen Melodie schingdarah!! Tschingdarah! Tschingdarahdabumdarah!!! Aus einer entfernten Straße meht's zu mir her!... Die Menschen, vorher noch gleichgültig durch die Straßen ziehend, merken auf, die Körper straffen sich, die Mienen lauschen gespannt und nun kommt's daher... brausend! flirrend! klingelnd!... den straffen Rhythmus nervenpeitschend allen in die Glieder jagend, und Leben und Bes wegung, vorher nur schwach zu spüren; fommt über alle,-an denen dieser Sput vorbeitost. Ach! himmlisch ist das doch!" sagt ein junges Ding mit strahlendem Blick zu mir. Himm lisch? Für mich ist's mehr teuflisch, und weckt in mir alle traurigsten Gefühle." Ihr starres Erstaunen im fragenden Blick deutet mir an, sie fühlt es nicht, was mich bewegt.„ Ist denn der Krieg so spurlos an Ihnen vorübergegangen, lassen diese himmlischen" Klänge in Ihnen keine Bilder aus unsern trübsten Tagen auferstehen?" Wieder stummes Staunen. Welchen Sinn und Zweck hatte doch diese „ himmlische" Musik während des Krieges gehabt und ver folgt? Sehen Sie nicht in der Erinnerung, wie sie vorweg zieht, die Instrumente blitzend, blank geputzt... tfchingdarah! Tschingdarah! Den ganzen Troß der zum Tode Ber urteilten wie ein großer Magnet hinter sich herziehend? Wohl strafft der peitschende Rhythmus die Muskeln und viele schreien: Hurra! aber dada! Sehen Sie nicht die junge Braut am Arme des kraftvollen Jünglings, sehen Sie die " 146 Die Gleichheit Nr. 15 Frauen im Krieg „Die Formel ist ja so furchtbar einfach: die Menschen wollen glücklich sein, ob Mann, ob Weib; und sind es, wenn sie vom andern Geschlecht geliebt, vom eigenen beneidet werden. Gelte das Interesse der Frauen nicht dem erfolgreichen Skalp- Flieger, gäbe es erst eine Anzahl schöner Frauen und be gehrenswerter junger Mädchen, die für Rekorde im Herunter holen. Torpillieren, für Vernichtungsmedaillen und Töte kreuze nicht mehr jenes Augenleuchten übrig Hütten, das die Urlaubstage so reizvoll gestaltet: wer glaubt, daß dann nicht Tausende und aber Tausende von Männern erleichtert mit dem Geständnis herausrückten: sie seien in Wahrheit gar keine Helden und wünschten nichts sehnlicher, als es gestehen zu dürfen."(Aus einem im Frühjahr 1918 erschienenen Aufruf„Frauen im Krieg". Verlag Max Nascher, Zürich. Was muß die Wohlsahrtspflegerin von der sozialen Gesetzgebung wissen? Von Hedwig Wachenheim lS->rts«tzung> Das Reichsversicherungsgeseh für Angestellte Das besondere Versicherungsgesetz für Angestellte vom Jahre 1906 trennt die Ruhegeld- und Hinterbliebenenversiche rung de» Angestellten von der der Arbeiter. Der Zweck dieser Menschen und Mittel vergeudenden Doppelorganisation ist in dem Wunsch zu suchen, den Angestellten das Bewußtsein eines besonderen Standes über der Arbeiterschaft zu erhalten. Er hat sich nicht erfüllt. Die Angestelltenschaft ist heute soweit radikalisiert, daß sie mit demselben Klassenbewußtsein wie die Arbeiter gegen den herrschenden Kapitalismus kämpft. Träger der Reichsangestelltenversicherung ist die Reichs- versicherungsanstalt für Angestellte, die von Beamten und Vertretern von Arbeitgebern und Arbeit nehmern verwaltet wird. Versicherungspflichtig sind für den Fall der Berufsunfähig keit, des Alters sowie zugunsten der Hinterbliebenen vom voll endeten 16. Lebensjahre an im besonderen: 1. Angestellte in leitender Stellung, wenn diese Beschäftigung ihren Haupt- Frau mit dem Knaben, den Mann und Vater in der Mitte, sehen Sie die alte Mutter, wie sie, nicht so siegesfreudig wie die junge Braut, den Sohn begleitet. Sehen Sie sie alle, wie sie in dem Tschingdarah ihres Herzens bangste Sorgen und Qualen oersenken wollen? An den Türen stehen, leise weinend, alte Mütterchen, Kinder johlen und wissen nicht warum, und Tschingdarah... weiter geht's, ihr nach, dieser himmlischen Musik! Vorbei zieh'n sie... und alles, was vor her noch so elektrisiert war, fällt nun wieder in seinen alten Stumpfsinn zurück. Zum Ende dann der Stadt, bis zum Bahnhof, wo sie„verladen" werden sollen, zog sie mit, dann machte sie Kehrt... sie hatte ihren Zweck erreicht. Drinnen in der Stadt, wo der große Riese„Angstnot kummer" herumstreicht, da wird für den Augenblick, wo er zu furchtbarem Aufbrüllen gereizt werden könnte, die„himm lische" Musik aufgedreht, und... racksll geht's durch alle Glieder, vergessen ist alles Leid, und der ewige Hunger nach Lebenslust und Glückgenießen tobt sich da bei den„himm lischen" Klängen für diese wenigen Minuten so recht von Herzen aus! Hat es Sie nie gewackt? Sind Sie nie schnell in die Seitenstraßen eingebogen, wenn dieser Höllenspuk von ferne herantoste? Stets und immer, wenn sie kamen, mit ihrem Geklirre und Getöse, mir wurde der grausame Zweck dieses Betäubungsmittels mit furchtbarem Entsetzen klar. Ich haßte diese„himmlische" Musik, ich bäumte mich auf gegen ihr teuflisches Gift. Deshalb kann ich ihr nicht gut sein, und wenn sie vorbeibraust, sehe ich sie nicht an, die alten Tränen fangen an zu brennen, und die trostlosesten Fragen beruf bildet: 2. Betriebsbeamte, Werkmeister und anders Angestellte in ähnlich gehobener oder höherer Stellung, ohne Rücksicht auf ihre Vorbildung, Vureauangestellte, soweit sie nicht mit niederen oder lediglich mechanischen Dienstleistungen beschäftigt werden, sämtlich, wenn diese Beschäftigung ihren Hauptberuf bildet; 3. Handlungsgehilfen und Gehilfen in Apotheken; 4. Bühnen- und Orchestermitglieder, ohne Rück ficht auf den Kunstwert der Leistungen: 5. Lehrer und Er zieher, soweit ihr Iahresarbeitsverdienst 15 000 Mk. nicht übersteigt und sie beim Eintritt in die versicherungspflichtige Beschäftigung das Alter von 60 Jahren noch nicht vollendet haben. Beamte und Beamtenanwärter und solche Arbeiter und Angestellte, die im Betrieb oder im Dienst des Reichs, eines Landes, einer Gemeinde oder eines Trägers der reichs- gesctzlichen Arbeiter- und Angeftclltenversicherung beschäftigt sind und Anwartschaft auf Ruhegeld und Hinterbliebenen renten haben, sind versicherungsfrei. Wer aus einer ver sicherungspflichtigen Beschäftigung ausscheidet und minde stens sechs Beitragsmonate auf Grund der Versicherungs- pslicht zurückgelegt hat, kann die Versicherung freiwillig fort setzen. Hat er 120 Beitragsmonate zurückgelegt, so kann er sich die bis dahin erworbene Anwartschaft durch Zahlung einer Anerkcnnungsgebühr erhalten. Der Veitrag zur Angestelltenversicherung wird, wie der zur Arbeiter-, Alters- und Invalidenversicherung, zur Hälfte vom Arbeitgeber und zur Hälfte vom Arbeitnehmer ge tragen und dem Arbeitnehmer seine Hälfte vom Lohn ab gezogen. Für die Höhe der Beiträge sind die Gehaltsklassen maßgebend, die sich nach dem Jahresarbeitsverdienst richten. (Siehe Anhang.) Gegenstand der Versicherung sind Ruhegeld und Hinterbliebenenrente. Ruhegeld erhält, wer Be rufsunfähigkeit oder das gesetzliche Alter nachweist, aber auch, wie bei der Invalidenversicherung, nur dann, wenn er die Wartezeit erfüllt und die Anwartschaft aufrecht erhalten hat. Hinterbliebenenrenten werden gewährt, wenn der Verstorbene zurzeit seines Todes die Wartezeit für das Ruhegeld erfüllt und die Anwartschaft aufrechterhalten hat, auch wenn die Witwe nicht invalide ist. Die Wartezeit dauert im allgemeinen beim Ruhegeld für männliche Versicherte 120 drängen sich mir auf, sehe ich„die Masse Mensch", wie sie sich von diesem„Teufelsspuk" immer wieder elektrisieren läßt. Gibt es denn kein anderes Mittel, euch Menschen die Augen leuchten, den Gang leicht und beschwingt, die Seele hofs- nungsfroh und kampfesmutig zu machen? Habt ihr denn nicht im tiefsten Innern eure eigene Melodie mit ihrem be schwingenden Rhythmus, die euch vorwärts zieht in ein Land, nicht wo Tod und Wunden qualvoll blühen, nein, wo Leben und köstliches Ernten aus seinem gesegneten Boden sprießen?! Greift nicht zu künstlicher Aufmunterung eurer Seelen, geht hinaus in die Natur, sie schafft euch Sinfonien, so groß und gewaltig in ihren Klängen, die euch beglücken werden, wie es solch«in„Tschingdarah" niemals kann. Im Innern muß sie tönen, die Melodie, mit ihr könnt ihr wandern durch ein samste Wüsten... sie werden euch ein Paradies dünken durch dieser Melodien Kraft. Wann endlich merkt ihr denn, daß all dies äußerliche Tschingdarah euch immer mehr von euch selbst entfernt? Ja, genießt euer Leben, ihr habt ein Recht daran, aber genießt es so, daß ihr nicht tagtäglich zu Dieben und Schmarotzern werdet, die nur nehmen, und nichts, gar nichts dafür geben. Habt Freude am selbstverdienten Glück, es mag dann so klein sein, wie es wolle, die herrliche Gewißheit„ich selbst schuf mir's" gibt uns unbeschreibliche Kraft zum Weiterwandern. Dann treibt euch eure eigene, wirklich„himmlische Melodie" hinauf auf die Berge, auf deren freien Höhen ihr euch gerade deshalb des Lebens erfreuen werdet, weil ihr ohne Grauen, alles verstehend, in die tiefsten Tiefen blicken könnt! E. G- Nr. 15 Die Gleich beit 147 Witwenrente erhält die Witwe nach dem Tode ihres versicherten Mannes, auch wenn sie nicht invalide ist. Waisenrente erhalten nach dem Tode des versicherten Vaters seine ehelichen Kinder unter 18 Jahren, und nach dem Tode einer Bersicherten ihre vaterlosen Rinder bis zum vollendeten 18. Jahre. Als vaterlos gelten auch uneheliche Kinder. Nach dem Tode einer versicherten Ehefrau, die den Lebensunterhalt ihrer Familie ganz oder überwiegend aus ihrem Arbeitsverdienst bestritten hat, weil der Mann erwerbs. unfähig war oder sich seiner Unterhaltspflicht entzog, steht den ehelichen Kindern unter 18 Jahren Waisenrente zu, ebenso dem Mann Witwerrente, solange er bedürftig ist. Beitragsmonate, also 12 Jahre, wenn die Beiträge hintereinander gezahlt worden sind, und für weibliche Bersicherte 60 Beitragsmonate, bei den Hinterbliebenenrenten 120 Beitragsmonate. Die Anwartschaft gilt für erloschen, wenn innerhalb der zunächst folgenden zehn Kalenderjahre nach dem Kalenderjahr, in welchem der erste Beitragsmonat zurückgelegt worden ist, weniger als acht und nach dieser Zeit weniger als vier Beitragsmonate während eines Kalenderjahres zurückgelegt worden sind oder die Zahlung der Anerkennungsgebühr unterblieben ist. Die Anwartschaft lebt wieder auf, wenn der Versicherte innerhalb des dem Kalender jahre der Fälligkeit der Beiträge oder der Anerkennungsgebühr folgenden Kalenderjahres die rückständigen Beiträge nachzahlt. Als Beitragsmonate werden auch Kalendermonate gerechnet, in denen der Versicherte wegen Krankheit arbeitsunfähig gewesen ist oder zur beruflichen Fortbildung eine Erster Deutscher Gesundheitsfürsorgetag staatlich anerkannte Lehranstalt besuchte oder seine Militärpflicht erfüllte. Die Genesungszeit wird der Krankheit gleichgeachtet. Dasselbe gilt für die Dauer von zwei Monaten bei einer Arbeitsunfähigkeit, die durch eine Schwangerschaft oder ein regelmäßig verlaufenes Wochenbett veranlaßt ist. Ruhegeld erhält: 1. derjenige Versicherte, welcher das Alter von 65 Jahren vollendet hat, und 2. derjenige, der durch körperliche Gebrechen oder wegen Schwäche seiner förperlichen und geistigen Kräfte zur Ausübung seines Berufs dauernd unfähig ist. Berufsunfähigkeit ist dann anzunehmen, wenn seine Arbeitsunfähigkeit auf weniger als die Hälfte derjenigen eines körperlich und geistig gesunden Versicherten von ähnlicher Ausbildung und gleichwertigen Kenntnissen und Fähigkeiten herabgesunken ist. Ruhegeld erhält auch derjenige Versicherte, welcher nicht dauernd berufs unfähig ist, aber während 26 Wochen ununterbrochen berufsunfähig gewesen ist, für die weitere Dauer der Berufsunfähigkeit( Kranken- Ruhegeld). Das Ruhegeld beginnt mit dem Tage, an dem das Alter von 65 Jahren vollendet oder die Berufsunfähigkeit eingetreten ist. Als dieser gilt, wenn sich der Beginn der Berufsunfähigkeit nicht feststellen läßt, der Tag, an dem der Antrag auf Ruhegeld beim Rentenausschuß eingegangen ist. Liebet euch untereinander! Paffet die Kindlein zu mir fommen," sagte einst Jesus- ,, Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" Und was taten die, die sein Wort auslegen sollten? Gie predigten: Herr segne unser tapferes Heer, und schenke den Sieg unseren Fahnen!" Und die Kinder -? Sie erhielten einen schulfreien Tag, wenn ein großer Sieg von den Truppen erfochten war. Was heißt das: großer Sieg? Das bedeutet: unsere Soldaten haben vielen Feinden das Leben geraubt und sie gemordet. Wer sind denn diese Feinde? Das sind auch genau so Menschen wie wir, wie unser Bater, unser Bruder. Und mußten die Soldaten denn die anderen Soldaten töten? Ja und nein! Sie mußten es tun, weil es ihnen befohlen wurde! Wer befahl ihnen das? Das waren Männer, die das Kriegshandwerk als Beruf betrieben und die für menschliche Regungen fein Gefühl hatten. Sie dachten sich ein System aus, mit dem sie die Soldaten zu ihren willenlosen Werkzeugen machten, dabei volltommen ihren Einfluß auf die Soldaten ausübend. Aber die Soldaten hatten als Menschen keine Ursache zum Morden, denn die anderen Menschen hatten ihnen nichts zuleide getan. Diese handelten auch nur auf Befehl ihrer Vorgesetzten. So wurden die arbeitenden Brüder wie wilde Tiere aufeinander gehegt! Was müssen wir nun daraus lernen? Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, auch wenn es ein Fran3ose, Russe, Engländer oder Amerikaner ist. Er ist ein Mensch, ein Bruder! Und wenn die Menschen das erst begriffen haben, dann gibt es auch keinen Krieg, fein Bölkermorden mehr. Walter Eschbach. ( Fortlegung folgt) Am 25. Juni traten in Berlin Aerzte zum„ Ersten Deutschen Es sollte hier die Gesundheitsfürsorgetag" zusammen. Stellung des Arztes in der Wohlfahrtspflege, insbesondere im Hinblick auf das in Beratung stehende Reichsjugendwohl. fahrtsgesetz, von Sozialhygienifern behandelt werden. Die Tagung fand im Hörsaal der Berliner Universitätsklinik statt und war von Aerzten, Barlamentariern sowie Vertretern kommunaler und privater Körperschaften start besucht. In den Begrüßungsworten wurde von Stadtmedizinalrat Dr. Rabnow betont, daß die sozialhygienischen Aerzte noch vor Beendigung der Verhandlungen über das Reichs. jugendwohlfahrtsgesetz zu einigen Punkten Stellung nehmen und den Volksvertretern ihre Mitarbeit anbieten wollen. M Als erster Redner sprach Prof. Grotjahn Berlin über die dringende Notwendigkeit der Neuorganisation des gefamten öffentlichen Gesundheitswesens im Sinne der Zusammenfassung und Vereinheitlichung. Wenn auch in Deutschland schon immer auf dem Gebiete der gesundheitlichen Forschung Bedeutendes geleistet worden ist, so ist doch durch den Krieg die volksgesundheitliche Not so groß geworden, daß die bisherigen fürsorgerischen Einrichtungen nicht ausreichen. Es muß auf die Kommunalisierung der Gesundheitspflege hingearbeitet werden. Die Schaffung von GesundDie blaue Blume er Abendhimmel ist von einer ruhigen Sichtheit, die Balsam für die Augen ist. Schwer wiegen sich die reifen Kornähren. Sie sind fast weiß im bleichen Abendleuchten. Wie endlose, dunkelumschattete Goldtücher find die Weizenfelder, und die Lerchen singen ganz zarte Abendlieder. Eine tiefe, tiefe Traumstille herrscht in den Feldern. Der Mücken leifes Summen stört die Stille nicht, nein, es paẞt zu ihr. Sie hat etwas erlösendes, befreiendes, diese Abendstille, etwas, das vergessen macht. Der Mohn hat sein lebenvolles Rot verloren, ist dunkel und sanft. Die 3yanen find lichte, blaue Sterne. Dust, frischer herber Duft wie leichter Hauch in den Lüften und eines Nachtvogels schwarzer Flügelschlag. Weiß und weich von Staub sind die Wege. Einer führt tief und gerade in die Felder hinein. Gras und Blumen wuchern üppig auf dem Wege und laut. los träumt das reife Korn zu seinen Seiten. Unten aber stehen vier große, dunkeldrohende Ulmen wie Wächter eines Geheimnisses. Stolz steht das Johanniskraut im Gras des Weges, das am Tage glühend gelb ist und jetzt tief golden. Sie schlafen, die goldenen Blumenbüschel schlafen. Kosend faßt meine Hand über die schlafenden Blumen. Da sehen meine Augen etwas ganz Schönes: Eine Glockenblume, die blaue Blume, 148 Die Gleich beit heitsämtern, die eine selbständige Verwaltung führen, ist dringend erforderlich. Ueber die Aufgaben des Gesundheitsamtes im einzelnen referierte Prof. Dr. Krautwig- Köln. Er betonte auch besonders die dringende Notwendigkeit von Gesundheitsämtern, schon mit Rücksicht auf die in absehbarer Zeit zu erwartenden hygienischen Gesetze, wie z. B. das Tuberkulose. fürsorgegesez, das Krüppelfürsorgegeseh, das Gesetz zur Betämpfung der Geschlechtskrankheiten usw. Die Sozialärzte halten aber auch mit dem kommenden Jugendamt die Schaffung des Gesundheitsamtes für unerläßlich, und zwar wünschen sie, daß der Arzt hauptamtlich an der Spitze des Gesundheitsamtes steht und u. a. auch die Säuglings- und Kleinkinderfürsorge, sowie die gesundheitliche Fürsorge für das Schulkind aus dem Jugendamt herausgenommen und dem Gesundheitsamt übergeben wird. Es solle nichts von dem, was gesundheitlich ist, in andere Organisationen ein gefügt werden. Dr. Krautwig ist, wie er hervorhob, fein Freund der Sozialisierung und fürchtet einen unübersicht lich gewordenen Behördenapparat". Der Präsident der Gesundheitsbehörde in Hamburg, Dr. Pfeiffer, erläuterte den Aufbau des Gesundheitsamtes auf Grund der in Hamburg befindlichen Einrichtungen. Das Amt gliedert sich in eine Anzahl Abteilungen. Die Bear beitung von Spezialfragen erfolgt in besonderen Unterabteilungen. Die Abgrenzung der Aufgaben der sozialen Fürsorge will Dr. Pfeiffer so vorgenommen haben, daß das Wirtschaftliche dem Wohlfahrtsamt, das Erzieherische dem Jugendamt und das Gesundheitliche dem Gesundheitsamt überlassen bleibt. Da gesundheitliche, erzieherische und wirtschaftliche Fragen häufig ineinander übergehen, sollen sich die Vorsitzenden der in Betracht kommenden Behörden in gemeinsamen Konferenzen darüber aussprechen. Dr. Pfeiffer wünschte, daß man doch die private Fürsorge nicht vor den Kopf stoßen möge. Auf die Stellung des Gesundheitsamtes innerhalb der Jugendwohlfahrtspflege im besonderen ging Stadtrat Dr. Silberstein- Neukölln ein. Es ist dies die Stellung der sozialhygienischen Aerzte zum Jugendwohlfahrtsgesetz überhaupt. Dr. Silberstein sagte, daß die Uebertragung der gefamten Gesundheitsfürsorge für die Jugend an die JugendNur eine einzige Glockenblume ist wie etwas Seltenes, Kostbares auf dem Wege. Vielleicht trug sie ein zärtlicher Wind aus schönem Walde her. Es ist eine ganz besonders schöne Glockenblume. Lang und schwank der Stengel, groß und blaẞviolett die graziösen Blutenglöckchen. Ein einziger Zweig Glockenblumen, die blaue Blume. Sie verzaubert den ganzen Weg, daß er dunkel und wunderbar scheint, als führe er in das Land des Sehnens. Die Johannisfräuter find goldene Träume geworden und die Ulmen Zauberbäume, die alles wissen. Im Grase wispern plötzlich Blumengeisterchen, das Korn singt, und die Leuchtkäferchen sind Boten einer glücklicheren Welt. Alls durch eine einzige, fleine, feine Glockenblume, die das größte, tiefste Geheimnis ausstrahlt: Die wundersame Schönheit des Werdens, die nur der begreift, der sie sieht. Und wer sie nicht sieht, dem ist die Erde in Wahrheit das verlorene Paradies. Die Schublade Bon Horst Schöttler Anna Jussen. Laß doch!" sagte ich besänftigend zu meiner Frau. Wir waren auf der Hochzeitsreise, daher sprach ich sanft überzeugend. Sie aber zerrte weiter an der verquollenen Schublade herum. Nr. 15 ämter vom Standpunkt der Aerzte aus als unzweckmäßige Maßnahme angesehen und bekämpft werden müsse. Die Aerzte verlangen, daß der Gesetzentwurf in diesen Bunkten geändert werden soll. Die Eingliederung der gesundheit. lichen Fürsorge der Kinder in die Aufgaben des Jugendamtes bezeichnen sie als Zersplitterung der Gesundheitspflege nach Altersklassen". Ebenso wie das Schulwesen aus dem Jugendamt herausgelassen worden ist, wollen sie auch das Gesund heitswesen von der übrigen Tätigkeit des Jugendamtes los gelöst und dies auch im Gesetz zum Ausdruck gebracht haben. In diesem Sinne wurde eine von Prof. Krautwig ver lesene Resolution angenommen. An die Referate schloß sich eine ausgiebige Debatte, an der sich Aerzte, Regierungsvertreter und Parlamentarier beteiligten. Frl. Dr. med. Wygodczynski verlangte eine flare Regelung der Befugnisse des Arztes im Jugendwohl fahrtsgesetz. Genossin Marie I u chacz machte darauf aufmerksam, daß das Gesetz ja nur ein Rahmengesetz sei, das die einheitliche Organisation der Jugendämter erst in die Wege leiten soll. Die Städte und die Landkreise mit ihren Ge meinden werden gewiß einen Weg finden, um die Aerzte zur mitbestimmenden und vielleicht auch vorausbestimmenden Mitarbeit heranzuziehen. In ähnlichem Sinne sprach auch Genossin Toni P fülf. Die Zentrumsabgeordnete Frau Neuhaus wies darauf hin, daß man mit der Teilung nach Wirtschaftliches, Erziehedrei verschiedenen Materien risches, Gesundheitliches wieder drei verschiedene Aemter schaffen würde. Prof. Schloßmann vertrat gegenüber der übrigen Aerzteschaft die Ansicht, daß die Gesundheitspflege hineingehört in die Jugendämter, da Krankheit und Not eng miteinander verbunden sind. Und das ist auch unsere Ansicht. Es geht nicht an, die einzelnen Gebiete so streng zu teilen und z. B. das Gefundheitsamt ohne Zusammenhang mit dem Jugendamte arbeiten zu lassen. Die Sozialisierung und für den Uebergang die Kommunalisierung des Gesundheitswesens ist die einzig mög liche Lösung dieser Frage. E. R. Wer von seinem Verftand zum Schaden andrer Gebrauch macht, oder diefe auch nur dadurch einfchränkt, iſt infofern unmoralisch. Goethe. „ Laß doch!" wiederholte ich noch einmal, Du hast ja alle Sachen schon in den andern Kästen untergebracht!" „ Ich will aber sehen, ob da was drin ist," sagte sie hartnädig und arbeitete weiter an der Schublade herum. Schließ lich sah sie das Vergebliche ihrer Bemühungen ein und warf spöttisch hin:„ Für solche Sachen habe ich mir eigentlich einen Mann mitgenommen!" Ich war hinzugetreten. Nun ja, das Ding mußte natürlich herauszuziehen gehen! Wenn man's vernünftig anfing und dann noch die nötigen Kräfte besaß, da war das gar keine Frage! Ich fing also mit Ruhe an, wurde erregt und brauchte zuletzt rohe Gewalt. „ Laß doch!" sagte meine Frau besänftigend. Aber um feinen Preis hätte ich jetzt meine Bemühungen aufgegeben. „ Laß doch!" wiederholte sie, wir brauchen die Schublade ja gar nicht." So ein Unsinn; darauf kam mir's doch gar nicht mehr an, sondern ich mußte das Ding aufhaben! Schließ lich packte meine Frau an einer Seite an und ich an der andern da sprang die Schublade krachend auf. Berdukt guckten wir uns beide an, es war nichts drin, nichts, nicht einmal ein Stückchen Papier! Eine leere hölzerne Schublade, wie jede andere. Seit der Zeit ist es noch manchmal vorgekommen, daß wir uns um eine Nichtigkeit zu erregen und zu quälen anfingen. Aber nur anfingen! Denn einer von uns beiden kam immer rasch auf den Gedanken, dem andern Schublade" zuzurufen, - das genügte! " Nr. 15 Die Gleichheit 149 Die internationale kommunistische Frauenkonferenz in Moskau Im Moskauer Kreml fand in der Mitte des Monats Juni die Konferenz der Frauen der kommunistischen Parteien aller Länder statt. Es waren im ganzen 28 Länder durch 82 Dele giertinnen vertreten. Die Verhandlungen wurden von Klara Zetkin geleitet, zum Präsidium gehörten außer dem noch Alexandra Kolontai, Lilina, Grete Holst, Collard. Nikolajewa. Bloch. Naser- b e k o w a, Smith. Alexandra K o l l o n t a i, als Sekre tärin des Internationalen Frauensekretariats in Moskau, gab einen Bericht über die Tätigkeit desselben. Sie hob hervor, daß die kommunistische Frauenbewegung am stärksten ent wickelt in Deutschland und Bulgarien ist. In den meisten übrigen Ländern könne man kaum die Anfänge einer kommu nistischen Bewegung aufweisen. Es soll dies vor allem daran liegen, daß das Internationale Sekretariat seine Tätigkeit bisher noch nicht in dem gewünschten Umfange habe aufneh men können. Es wurde von verschiedenen Seiten beantragt, ein Hilfssekretariat in Westeuropa einzurichten. Ferner wurde eine Anzahl Thesen für die Heranziehung der Frauen ausgestellt, in denen u. a. besondere Fraucnagitationsaus- schüsse verlangt werden. Auch auf die Wichtigkeit der Her ausgabe von Propagandaliteratur in verschiedenen Sprachen wurde hingewiesen. Es scheint jedoch, als ob es auf der Konserenz Streitig- . leiten mancherlei Art gegeben hätte. Der offizielle Bericht im Parteiblatt der VKPD. bemerkt, daß die Konferenz„nicht ganz an den großen taktischen. Streitfragen vorübergehen konnte". Sehr interessant ist auch eine Veröffentlichung von Klara Zetkin, die sich gegen den in einer angenommenen Resolution enthaltenen Satz folgenden Wortlauts richtete: ..Seht ihr denn nicht, daß aus den schweren Märzkämpfen das Proletariat Deutschlands noch fester heraus kam?" Klara Zetkin sagt dazu in ihrer Veröffentlichung:„Meine Ueber- Seugung macht es mir zur Pflicht, gegen diesen Satz Zu protestieren. Nach meiner Einschätzung der Lage in Deutschland ist er s a ch l i ch u n r: ch t i g. Ich stutze meine Auffassung auf Ziffern und Tatsachen." Die betreffende Re solution wurde Klara Zetkin nicht mehr rechtzeitig genug vorgelegt, um ihre Bedenken gegen diesen Satz vorher geltend wachen zu können. Sie hat aber trotzdem in ehrlicher Er kenntnis der Tatsachen nichts unversucht gelassen, um diese unrichtige Darstellung der Lage der Kommunistischen Partei in Deutschland klarzulegen.— Auch die Diskussion über die Parlamentsbetätigung zeigte verschiedenartige Auffassungen. Den Schluß der Konferenz bildete eine Rede Trotzkis. �___«.». _ Soziale Rundschau_ ss Die Arbeilslofigkeii in Deutschland. Das Reichsamt für Arbeitsvermittlung gibt eine Statistik über die Arbeitslosigkeit in Deutschland in der Zeit vom 1. Mai 1920 bis zum 1. Mai 1S21. heraus. Danach wurden am 1. Juni 1920 die niedrigsten Zahlen festgestellt. An diesem Stichtage gab es 271 KK0 Bollerwerbslose, während sie im Monat vorher die Höhe von 292 307 erreicht hatte. Vom Juni 1920 ab schnellte dann die Arbeitslosigkeit sprunghast in die Höhe. Schon der Monat Juli brachte 322 923 Erwerbslose und im August waren es bereits �93 835. Im September waren es zirka 9000 mehr. Von da ab bis zum 1. Dezember 1920 war die Arbeitslosigkeit in Abnahme begriffen. An diesem Tage wurden 360 087 arbeitslose Personen w Deutschland gezählt. Die Hoffnung, daß diese Arbeitslosigkeit noch Beendigung des Winters weiter unter diesen Stand sinken würde, hat sich leider nicht bestätigt. Schon im Dezember selbst "ahm die Zahl der Arbeitslosen um 16 000 zu. Am 1. März d. I. hatte sie die höchste Stufe mit 428 939 erreicht. Aber selbst die dann einsetzende wärmere Witterung mit der damit verbundenen Belebung des Baumarktes und die Beschäftigung von 200 000 -Renschen mit Notstandsarbeiten vermochte nicht die Zahl der Er werbslosen bis zum 1. Mai unter die zu Beginn des Winters erreichte Höhe herabzudrücken. An diesem Tage waren zirka 60 000 Erwerbslose mehr gezählt worden, als am 1. Dezember 1920, näm, lich 400 097. Dazu kamen 440 377 Unterstützungsberechtigte(Fa. milienangehörige) der Vollerwerbslosen, so daß am 1. Mai 840 474 Personen vom deutschen Reiche wegen ihrer oder ihres Ernährer» Erwerbslosigkeit unterstützt werden mußten. In der Zeit vom 1. Apil bis 1. Mai d. I. mußten für Unterstützungszwecke 119 943 81k Mk. gezahlt werden. Aus unserer Bewegung Frauenkonferenz des Kreisoerbandes Köln a. Rh. Im großen Saale des Volkshauses tagte am 19. Juni eine Frauenkonferenz. Die Versammlung wurde eröffnet durch die Genossin Berthold(Köln). Die Genossin Ryneck(Berlin), M. d. R., sprach über das Jugend wohlfahrtsgesetz. Sie führte u. a. aus, wie schwierig es ist, gemeinsam mit den bürgerlichen Parteien über daÄ' Gesetz zu be raten und betonte die Wichtigkeit gerade dieses Gesetzes. Sie schloß mit der Aufforderung, daß alle, Männer und Frauen, daran mitarbeiten müssen, das Verständnis für die Wichtigkeit des Iugend- wohlfahrtsgesetzes in die breiten Massen zu tragen und das Ver antwortungsgefühl zu wecken. Die ganze Jugendwohlfahrt ist eine Personenfrage. An das sehr gut aufgenommene Referat schloß sich eine rege Aussprache an.— Genossin Schulte(Köln) wies auf die „Gleichheit" als gutes Orientierungsorgan für die Frauen hin. Dann folgte das Referat der Genossin Röhl über Organisations und Agitationsmöglichkeiten. Sie sagte u. a.: Wenn jeder männ liche Sozialist die Wichtigkeit der Frauenorganisation erkannt hätte, würden wir ein Drittel soviel Frauen als Männer haben. Seit der politischen Gleichberechtigung ist der Kreis der Frauen, die sich politisch interessieren, vergrößert. Wir dürfen nicht vergessen, die Frauenarbeit als Begriff einzubeziehen. Wir müssen die Arbeit, die in der Familie geleistet wird, für die Agitation benutzen. Die Hausangcstelltenfrage kann nur mit der Frauenfrage überhaupt gelöst werden. Wenn die Frau einen Beruf ergreift, muß sie sich der Organisation anschließen. Bei den Unverheirateten müssen wir an die Berufsfragen anknüpfen. Die allgemeinen Wirtschasts- und politischen Fragen müssen bei der Agitation Berücksichtigung finden. Es gibt kein Gebiet und keine Frage, die die Frauen nicht berühren. Wir müssen aushören, unterschiedlich zu denken. Alle politischen Fragen spielen in der Agitation eine Rolle. Die Frage der Kindererziehung, wie sie die sozialistische Familie betreiben soll, ist eine der besten Agitationsfragen. Der Mensch muß von innen h»raus zu seiner Befreiung kommen. Das Wert der Be freiung der Frau muß das Werk der Frau sein. Unsere Mütter lichkeit treibt uns, mitzuarbeiten. Die Gewinnung und Schulung der Frau liegt im Versammlungslcben. Man muh ein Thema nehmen, was interessiert. Rednerin weist auf den Wert der „Gleichheit" hin. Wir müssen den Sozialismus als Gesamtheit weitcrtragen. Kurse Helsen nicht allein. Der Mensch muß aus sich heraus bilden. Wir müssen uns selbst vertiefen und unsere Kinder im sozialistischen Sinne erziehen. Die Aussprache war sehr rege. Die Genossin Vorwart(Ehren feld) sprach über Teilnahme an den Funktionärsitzungen. Genossin Horboldt(Köln)-will mit den Gewerkschaften zur besseren Agitation Fühlung nehmen. Genossin Cichelmann(Dllren) mahnte zur Einigkeit. Genossin Schulte besprach die Notwendigkeit der An stellung einer Sekretärin, Genossin Ottp die Landagitation und die andere Einstellung der Landbewohner. Sie erwähnte die Schwie rigkeiten der ländlichen Verhältnisse. Die eindrucksvolle Tagung hatte gegen acht Uhr ihr Ende er reicht. Unsere Frauen nahmen wertvolle Anregungen mit nach Hause. � Nordwest. Der größte Parteibezirk der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Nordwest, umfassend die S Unterbezirke Hamburg, Bremen, Unterelbe, Unterweser, Blumental, Achim- Verden, hielt in Bremen seinen Bezirksparteitag ab. Es waren die Vertreter von 100 000 Mitgliedern, wovon 21 794 Genossinnen, anwesend. Nach einleitenden gesanglichen Darbietungen des Bremer Volkschors gab Genosse Vogel den Geschäfts- und Kassenbericht., Die Geschäftsführung des Bezirksvorstandes wurde einstimmig ge billigt. Der Genosse Molkenbuhr, einer der geachtetsten unserer Mitarbeiter im Reichswirtschaftsausschuß, sprach über die „Politische Lage" und ging in knappen, für alle Zuhörer sehr wertvollen Mitteilungen auf die praktische Durchführung der Ententeforderungen ein. Er sprach auch über die Negierungs- 150 Die Gleich heit foalition und betonte die Wichtigkeit des Ausbaues der Sozial politit. Seine Schlußworte waren:„ Die Befreiung des deutschen Proletariats ist gleichbedeutend mit der Befreiung des gesamten Proletariats der ganzen Welt!" Die Aussprache nach dem Referat war lebhaft. Am zweiten Tage wurde von Genoffin Reiße über„ Ge. winnung und Schulung der Frau" gesprochen. Frau Die geistige Erweckung der Reize führte etwa wie folgt aus: Frau schreitet nur langfam. vorwärts. Mit der Gewährung des Wahlrechts an die Frau wird die Gesetzgebung durch die Frauen stimme ganz wesentlich beeinflußt. Wo bisher Männer und Frauen getrennt wählten, da haben die Frauen in ihrer Mehrheit bürgerlich gewählt, ein Beweis für die Notwendigkeit, die Frau für die sozialistische Weltanschauung zu gewinnen. Damit wird auch das Ehe- und Gemeinschaftsleben gewinnen, da erst das gegenseitige Verstehen die Vorbedingung für den Kampf um gemein same Ideale schafft. Engherzigkeit und Lebensunluft des einen Ehegatten schmälert auch die Lebensfreude, den Lebens- und Rampfesmut des anderen. Erst nach langen, geistigen, wirtschaftlichen und politischen Kämpfen werden wir unser Ziel erreichen. Wie so mancher unserer männlichen Klassengenossen, wollen auch die Frauen sofort am Ziel ihrer Wünsche sein. Wer aber Steinträger des gewaltigen Baues Sozialismus fein will, der muß von vornherein mit Hemmungen und Widerständen aller Art rechnen. Denn die Nußnießer des fapitalistischen Staates werden mit äußerfter Bähigkeit ihren Platz an der Sonne zu behaupten suchen. Uns erwächst dadurch die Aufgabe, die sozialistische Aufklärungsarbeit so fruchtbar wie nur möglich zu gestalten, so daß in erster Linie auch die Frauen für uns gewonnen werden. Voraussetzung für den Erfolg dieser Arbeit ist, daß der Kreis der Frauen, der sich um die Gewinnung und Schulung der indifferenten Frauen bemüht, sich von fleinlichen Eifersüchteleien frei macht. Allzu oft hat das Nichtverstehen der Genofsinnen untereinander, die doch alle der guten Sache dienen wollten, uns nicht vorwärts, sondern rückwärts gebracht. Es ist eben nichts vollkommen auf der Welt, und so hat auch jeder Mensch gute und weniger gute Eigenschaften. Gewöhnen wir uns daran, über die Schwächen hinweg das Ge funde und Starke unserer Geschlechtsgenoffinnen in den Border= grund zu stellen, dann werden die weniger angenehm empfundenen Eigenschaften unsere gemeinsame Arbeit nicht störend beeinflussen." Wie den müden, abgearbeiteten Frcuenseelen der Sozialismus neuer Lebensinhalt werden soll, wie die Frauen durch Erziehung und Arbeit in engbegrenzter Richtung sich bewegend, geistig umlernen sollen, wußte die Rednerin flarzulegen. Als Mutter und Erzieherin ist jede Frau an der Gestaltung der Wochenhilfe, an unserer Einheitsschule interessiert. Das Jugendwohlfahrtsgesetz und die Beschaffung der Mittel hierfür( Steuergesetzgebung) find Themen für Frauen. Die deutsche Not und ihre Ursachen muß man erläutern. Genoffin Reize empfahl neben anderem guten Material für die Frauenabende die Gleichheit" und außerdem die drei Bände von Bebel: Aus meinem Leben" wegen ihres reichen Inhalts, der zu Vorträgen verarbeitet den Hörern neben dem Bild eines edlen Menschen auch die Geschichte der Arbeiterbewegung übermitteln fönne. Wesen und Ziel der sozialistischen Bewegung fönne den Frauen so zum Verständnis gebracht werden, daß sie zur Herzenssache wird. So ist auch die Gewerkschaftsbewegung wie bie machtvolle Entfaltung der Genossenschaften für den praktischen Sinn der Frauen leicht erfaßlich. So könne auch in fleinen Kreisen fruchtbare Arbeit geleistet werden. Sie schloß mit Klara Müller- Jahnkes schönen Worten: „ Erst müßt ihr freie Menschen sein, Um freie Menschen zu gebären." Das Referat der Genoffin Reite wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. An der Diskussion beteiligten sich zahlreiche Ge noffinnen und Genossen, die ausnahmslos den Ausführungen der Referentin zustimmten. Zur lebhafteren Teilnahme an der Wohlfahrtspflege und über den„ Ausschuß für Arbeiterwohlfahrt" sprach noch Genosse Vogel. Ein Antrag der Bremer Frauenkommission, die Agitation für Frauenversammlungen und Zusammenfünfte im Bezirk planmäßig zu organisieren und entsprechende Mittel bereitzustellen, wurde einstimmig angenommen. Als nach dem Schlußwort des Genossen Leuterik gemeinsam die Marseillaise gesungen wurde, erfüllte unser Herz wiederum die Freude, am stolzen Bau des Sozialismus mitarbeiten zu dürfen. C. B. Nr. 15 Bezirk Niederrhein. Vor nunmehr einem Jahre begann die neu angestellte Sekretärin in Elberfeld ihre Tätigkeit. Die Frauen. bewegung im Bezirk hatte sehr gelitten. Es gab eine ganze An zahl Ortsvereine, die nicht ein einziges weibliches Mitglied hatten. Auch waren sehr wenig Funktionäre vorhanden. Die„ Gleichheit", die den Frauen Aufklärung und Belehrung hätte geben können, war durch die Aufhebung des Obligatoriums in unserem Bezirk fast verschwunden. Die erste Aufgabe der Sekretärin bestand darin, die vorhandenen Funktionärinnen in stärkerem Maße 34 Agitationsarbeiten heranzuziehen und die Frauen für die Partef zu gewinnen und zu schulen. Heute kann man sagen, daß alle Unterbezirke, mit Ausnahme von Solingen, einen guten Funktio närinnenapparat haben. Die Werbewoche, die im November des Borjahres im Bezirk veranstaltet wurde, hatte einen Erfolg von 500 neuen Genoffinnen, von denen der Unterbezirk Elberfeld. Barmen den größten Anteil aufzuweifen hat. Die Agitation wurde mit Flugblättern und Broschüren unterstüßt. Heute ist der Stamm von 150-160 gutgeschulten Funktionärinnen vorhanden und eine Mitgliederzahl um 852 vollzählende Genoffinnen ist gegenüber bem Borjahre zu verzeichnen. Im Herbst d. I. sollen besondere Bildungskurse für Frauen eingerichtet werden, um diese für den fozialistischen Rampf zu erziehen und zu schulen. Wohlfahrtspflege Offenhaltung von Kinderbewahranstalten und Kinderhorten während der Schulferien. Infolge der bevorstehenden Ferien bestand, wie mehrfach dem Reichsbund der Kriegsbeschädigten berichtet worden ist, für viele. Kinderhorte die Gefahr der zeitweiligen oder dauernden Schließung. Dadurch wären viele Kriegerwitmen mit Kindern, die infolge ihrer unzulänglichen Rente auf Erwerb angewiesen sind, zur Aufgabe ihres Arbeitsverhältnisses gezwungen gewesen, oder sie hätten die Kinder während der Ferien ohne Aufsicht lassen müssen. Der Reichsbund ist deshalb mit dem Reichsarbeitsministerium in Ber bindung getreten, das dann den Wünschen des Reichsbundes ent sprechend folgende Verfügung erlassen hat: „ Nach eingegangenen Berichten sollen in verschiedenen Städten die Kinderbewahranstalten und Kinderhorte während der Schulferien geschlossen werden. Diese Maßnahme würde in den Be völkerungsfreifen, deren Kinder während der Abwesenheit der erwerbstätigen Mütter tagsüber auf außerhäusliche Unterbringung und Beaufsichtigung angewiesen sind, stärkste Unzu träglichkeiten nach sich ziehen. Im Interesse der Kriegerkinder, die durch die Maßnahme besonders betroffen würden, bitte ich, in Zusammenarbeit mit den Behörden der allgemeinen Jugendwohlfahrtspflege die Angelegenheit unverzüglich zu prüfen und gegebenenfalls in Berbindung mit den genannten Behörden da hin zu wirken, daß auch während der Ferien die Möglichkeit der außerhäuslichen Unterbringung und Beaufsichtigung der Kinder erwerbstätiger Mütter gesichert bleibt." Die Ortsgruppen des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen werden sich im Einvernehmen mit den in Frage kommenden Stellen die Aufrechterhaltung der Kinderhorte besonders angelegen sein laffen. Bücherschau „ Der Morgen graut," Erzählungen aus dem Proletarierleben von M. Andersen Nerö. Die Vorwärts- Buchhandlung hat soeben einen kleinen Band Erzählungen aus der Feder des bekannten proletarischen Schriftstellers M. Andersen Nerö herausgegeben. Durch eine ganze Reihe von Erzählungen und Romanen ist uns Andersen Nerö schon vertraut geworden. Er ist der Schilderer des Prole tarierlebens, so, wie es wirklich ist. Seine Erzählungsweise ist rein realistisch. Er zeichnet die einfachen, geraden, arbeitsamen Menschen seiner Heimat so beutlich und lebenswahr, daß wir sie persönlich zu kennen glauben und ihr Schicksal uns tief zu Herzen geht. Alle ihre Nöte und Sorgen und ihre bescheidenen kleinen Freuden erleben wir mit. In der Sammlung„ Der Morgen graut" ist eine Anzahl von fürzeren Erzählungen vereinigt. In ihnen leben Gestalten, die das Schicksal auf die Schattenseite des Daseins verbannt hat. Erschütternd ist der Kampf des Arbeiters und der Arbeiterin um bas tägliche Brot gezeichnet. Wer diese kleinen Erzählungen ge lesen hat, wird manches begreifen, was ihm bisher vielleicht noch unverständlich geblieben ist. Der einzelne Proletarier müßte Nr. 15 Die Gleich beit Riesenträfte haben, um sich gegen die Welt von Feinden, die ihn umgibt, durchzusehen, wenn er nicht untergehen will. Es ist notwendig, schreibt Andersen Nerö in feiner Einleitung, daß einer der Gesellschaft auch die unbarmherzigen Wahrheiten sagt. Und er, der selbst ein echtes Proletarierkind ist, ist der Berufene dazu. E. R. Weitere Neuerscheinungen des Vorwärts- Verlags find: Grotjahn Radbruch,„ Die Abtreibung der Leibesfrucht", Preis 2 Mt. Es ist dies die Stellungnahme zweier bekannter Autoren zu der für die gesamte Frauenwelt so wichtigen Frage der Abänderung des§ 218 StGB., die von Mitgliedern unserer Fraktion im Reichstag beantragt ist. Radbruch- Arzt, Die weltliche Gemeinschaftsschule, Preis 4,50 mt. Die fleine Schrift enthält die beiden grundlegenden Re ferate vom Dresdener Kulturtag nebst fachlich wertvollen ergänzenden Ausführungen. Eine ausführlichere Besprechung der genannten beiden Schriften behalten wir uns noch vor.* Unter dem Titel„ Staatsbantrott oder sozialdemo⚫ fratische Steuerpolitit" gibt die Buchhandlung Borwärts eine beachtenswerte Schrift von Gustav Petersmann ( Breis 1,50 Mt.) heraus. Petersmann seht sich darin entschieden für die Durchführung der von den Sozialdemokraten in der Reichsregierung verfochtenen Steuerpolitik ein, unter Hinweis auf die wirtschaftlichen und politischen Voraussetzungen in der Finanzwirtschaft nach dem Kriege. Besonders hebt er die Notwendigkeit der Besitzsteuern hervor und fennzeichnet dabei das Verhalten der reaktionären Parteien. *. Aus dem Vorwärts- Verlag stammt ferner eine kleine Schrift Wohnungsgenoffenfchaften gegen Wohnungsnot" von Wilhelm Engler, Dr. h. c. Genosse Engler, dessen Referat zu diesem Bei 151 Thema auf dem letzten Parteitage allergrößte Beachtung fand, be handelt die Wohnungsfrage und die Wohnungsnot, ihre Ursachen und die Wege zu ihrer Lösung ausführlich. Selbstverständlich steht dabei die Siedlungsfrage und die Sozialisierung der Baubetriebe und der Baustoffindustrie im Vordergrund. Der Preis der kleinen Schrift ist 1,80 Mt. Wir empfehlen sie zur weitesten Verbreitung. * Eine andere fleine aktuelle Schrift, Deutschlands Finanzelend", die Bankerottwirtschaft Helfferichs", von Wilhelm Keil, wird von dem Verlag der„ Schwäb. Tagwacht" in Stuttgart herausgegeben. Sie beleuchtet die gegenwärtige finanzielle Lage Deutsch lands, die Finanz- und Steuerfragen, und zieht scharf gegen das ganze Syftem des ehemaligen Reichsschahmeifters Helfferich zu Felde. Das kommende Reichsjugendwohlfahrtsgesetz wird im 29. Reichs. tagsausschuß beraten. Männliche und weibliche Stadtverordnete, Stadträte, Bürgermeister, Landräte, Wohlfahrtsdezernenten, Refe renten, Männer und Frauen, die in der Wohlfahrtspflege stehen, haben die Pflicht, sich im Hinblick auf das kommende Gesetz vorzubereiten. Zu diesem Zweck empfehlen wir noch einmal 1. Dr. Caspari: Wohlfahrtspflege und Jugendwohlfahrt. 5 Mt.( Protokoll der Frauenkonferenz Kaffel 1920.) 2. Dr. Sophie Schöfer: Ausbau der Kinderfürsorge durch die Gemeinde. Auf Frauenabenden und sonstigen Parteiveranstal tungen sollen die Bücher empfohlen werden. Bei Entnahme von 10 Exemplaren 2 Mt. Bestellungen find an Marie Juchacz, Berlin SW. 68, Linden Straße 3( Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt), zu richten. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bohm- Schuch. Druck: Vorwärts Buchdruckerei. Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. S. fämtlich in Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Theodor Meesters Korpulenz Färberel und demisde Waschanstalt Gegründet 1891 Gegründet Aeltestes bestempfohlenes Unternehmen am Platze Fabrik Lichtenberg, Gürtelstraße 34 Fernsprecher: Königstadt 7404. Filialen: Frankfurter Allee 264 Edie Möllendorfstr. Frankfurter Allee 198 a Ecke Siegfriedstr. Türrschmidtstr.48, Boxhagener Str.75 Beinleiden offene Füße, Flechten, Venenentzündungen, Hautjucken, alte Wunden, Haemorrhoiden, Hautleiden, wunde u. rissige Haut, Pickel, Nervenschmerzen etc. heilt selbst i. d. hartnäckigst.Fällen Lumex Salbe Ein unschätzbares Hausmittel, welches auch bei d heftigsten Schmerzen u Jucken, sofortige Lin derung u. Heilung bringt. Sch. 2.50, 6,-, u. 14,- in d. Apotheken, wo nicht bestelle man direkt. an Laborator. Miros, Berlin NO. 18 T Gr. Frankfurter Str. 80. Schönes und reines Gesicht erhalten Sie in kurzer Zeit durch meine Spezialmethode. Sommersprossen, Pickel, Mitesser, Leberflecke, Warzen, Gesichts- und Nasenröte, lästige Haare, schlechter Teint usw. verschwinden bald. Auf Wunsch Blutuntersuchung. Tätowierungen werden auch entfernt. G. Andres, Kosmet. Inftitut, Berlin N 4, Invalidenffraße 147, 1 Tr., Ecke Bergitraße. Sprechstunden: 10-1 und 4-8. Sonntags 10-12. Fettleibigkeit sind Dr. Hofbauers ges. gesch. Entfettungs- Tabletten ein vollkommen unschädliches und erfolgreiches Mittel ohne Einhalten elner Diät. Keine Schilddrüse. Kein Abführmittel! Broschüre auf Wunsch. Elefanten- Apotheke Berlin, Leipzigerstr. 74, Dönhoffpl. Zentr.7192. Stoffe für Damen- Kostüme:: Herren- Anzüge Tuchlager Koch& Seeland G.m.b.H. Berlin C., Gertraudtenstraße 20/21. Vertrieb feinster Meiereibuffer aus schlesw.- holstein. Meiereien. Tägl, frischer Versand in Postpak, von 9 Pfd. Wollen Sie dick werden? Netto- Inhalt dir. an Private Dann gebrauchen Sie„ Erha" Kraftnahrung, Büchse 12,- M. Porto extra. Vers. d. Nährmittelfabr. Richard Hartmann, Chemnitz L., Sa. Ia Bänder Taffcifcide z. äußerst billigsten Tagespr. frank. Nachn. Carl Nlemann, Generaldepot für SchleswigHolstein. Meiereibut., ItzehoeSude, Holstein, Lindenstr. 190. Frauen jed. Standes! erhalten d. Gratisbroschüre f. Farben: Weiß, rot, rosa, hell- hygien.- pharm.- kosmet, Prädunkelblau etc. parate, Porto 60 Pfg. bitte beifügen. Vers. disk, durch Elisabeth Jentsch, Versand kosmetischer Artikel, Kiel- E, Tirpitz- Allee 33. 9 12 20 Breite 5 Mark 2,50 3,90 5,10 7,20 la Herrenhutband, Ripsselde Breite 20 nur 3,20 Mk. Farben: schwarz, oliv, braun. grau, grün. Musterst, 10 m franko per Nachnahme zollfrei. Frau J. Krütt, Immekeppel, Bezirk Köln. , Husten, Heiserkeit, Verschleimung, Auswurf, Nachtschweiß, Stiche im Rücken und Brustschmerzen hörten auf!"- Appetit und Körpergewicht hoben sich rasch!"- Allgemeines Wohlbefinden stellte sich ein 1 So und ähnlich lauten die täglich bei uns eingehenden Mitteilungen über die Wirkung unserer Rofolin- Pillem. Erhältlich zu Mk. 6. in allen Apotheken. nötigenfalls auch durch uns von unserer Versandapotheke. !! Hals- und Lungenleidende!! erhaiten kostenlos ausführliche Broschüre durch ,, Pharindha"-Gesellschaft m.b.H., Berlin SW 68. Schöne gestrickte Damenbinden aus gutem Baumwollgarn hergestellt, dauerhaft und waschbar, versendet in Paketen von 1 Dutz. per Nachnahme zu M. 40, E. Graf Wwe. Mech. Strickerei, Ellwangen a. J. Wer nicht gesund, verlange Gratisrpospekte über Kräuter- Hauskuren. J. Jung, Bad Harzburg 38. Timper- Essia überall erhältlich! 152 Die Gleich beit Nr. 15 Chemische Waschanstalt u. Färberei Reinigung und Reparatur von Herrenund Damen- Garderoben, Zimmer- und Dek.- Stoffen, Gardinen, Spitzen usw. OSWALD NAEFE Geschenkartikel aller Art. Fabrik Britz, Rudower Straße 34, Teilzahlung Fernsprecher Nr. 208 Filialen in allen Stadtteilen v. Groß- Berlin Ausführung in kürzester Zeit Eilsachen in 3 Tagen Ich schneidere alles selber Neuheit! Kauz'sche Monopolschnittmuster für Kleider und Wäsche für Erwachsene und Kinder. In natürlicher Größe gezeichnet. Kein Abzeichnen ber Schnitte mehr, daher auch für vollkommen Ungeübte. Bon behördlicher Seite als beftes Wert empfohlen. 1. Mappe: Blusen, Röcke, Schürzen. 2. Mappe: Damen- u. Herrenwäsche, Ausstattung f. Mädchen und Knaben mit Mantel. 3. Mappe: Erstlingsausstattung vollständig und großer Strumpfmusterbogen. 4. Mappe: Drei große Umformungsbogen, um Neues aus Altem zu schaffen. 5. Mappe: Schnittmuster für Hausschuhe in natürlicher Größe mit Lehrbuch. Jebe Mappe, auch einzeln, Mt. 8,75. A. Wohlgemuth, G 1, Tauberbischofsheim( Baden). Nasen- u. Gesichtsröte, rote Hände beseitigt, blütenzarter Teint, weiße, glatte Haut werden in kürz. Zeit erreicht durch mein. altbew. unübertroff. Krem ,, Pura". Sommersprossen, Mitesser, Pickel, Runzeln und Fältchen verschwinden. Rote und großporige Haut wird schnell beseitigt. Tube 3,-, Doppeldose 5,- Drogen Haus H. Bocatius, Berlin N., Elsasser Straße 38. Uhren, Schmuckwaren, Lederwaren, Rasierartikel, Photoartikel, Musikinstrumente und Grammophone. Katalege umsonstu.portofrei liefern Jonass& Co., Berlin A.574. Belle- Alliance- Strasse 7-10. Das Univerfalmittel LAUROL ( gef. gefch.) gegen Flechte u. Krätze Haar-, Bart-, trockene und näffende, Juck-, SchuppenFlechte, Kopfgrind und fonft. Hautausfchläge. Zu haben in den Apotheken. Vers. d. Hofapoth. Biebrich Rh. Die vollkommenen Biere ARDT ENGELM Gummiwaren für Familie u. Krankenzimmer Sauger, Eisbeutel, Frauendouchen, Spülapparate usw. Präservativs u. and. hygien. Bedarfsartikel u. Präparate, mediz. Tee usw. zur Gesundheitspflege. Prospekt und Preisliste diskret und kostenlos. O.F.Demasier, Bin- Lichterfelde, Mariannenstr.25 Gesetzlich gefchützt Jede Frau ihre eigene Schneiderin durch mein großes SchnittmusterAlbum Das ganze Werk besteht aus vier großen Schnittmusterbogen I. Blufen, IL Röcke, III. Herren-, Damen- und Kinderwäsche, IV. Kinderkleider nebst ausführl. Anleitung, Abbildungen ufw. Jede Neuanfertigung Lockiges Haar Gallensteine oder Umänderung auch alter eine Zierde! Locken- Essenz, Flasche M 8,-, gibt dauerhafte Locken. L. Lübbecke, Versandhaus, Braunschweig L. 15, Postfach 345. Der Weg zum Erfolg Befreiung schmerzl. innerhalb 24 Std. d. mein Gallin. Zu bez. d. Schwester Hedwig Voßberg, Gotha 2, Dorotheenstraße 28. ist leicht zu finden, wenn man ohne Störungen arbeiten kann und nicht an Kopfschmerzen oder Drücken über den Augen, Nervosität oder Flimmern vor den Augen leidet. In den meisten Fällen hebt ein sorgfältig angepaßtes Augenglas alle diese Beschwerden, deshalb scheue niemand, der an diesen Erscheinungen leidet, die kleine Mühe, die Augen untersuchen zu lassen bei Optikermeister Max Trusch, Berlin SO, Dresdener Str. 131( Kottbuser Tor). Ihre Sehkraft wird gewissenhaft und vollständig kostenlos geprüft. Garantie für gut passende Augengläser. Flache Gläser 8,- Mk. pro Paar, gebogene( Menisken) Gläser 18,- Mk. pro Paar, Doublé- Knelfer 10,-. 13,50. 18,50 Mk., Nickel- Knelfer 6,-. 8,- Mk. Sachen ohne Vorkenntniffe. Elegante Ausstattung. Preis Mk. 7,50. Porto extra. Franz Heil Tauberbischofsheim ( Bd. A 2) J.H.Garich Stallschreiberstr. 56 empf. alle Arten Büsten, auch verstellbare u. Mas 4.Fabritpr. 9-6 geöffnet Reichelk 146 Filialen in Groß- Berlin Zentralbetrieb: Schlesische Straße 28 REICHELT LADEWIG UNION LORELEY ASSMANN