Nr. 16 31. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Die Gleichheit erscheint 2 mal im Monat Preis: Vierteljährlich 3, Mark Inserate: Die 5 gespaltene Ronpareillezelle 2,- Mart, bei Wiederholungen Rabatt Berlin 15. August 1921 Die Frau und ihr Haus Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morisplay 14838 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Am 17. September, vormittags 10 Uhr, findet in fierten Arbeiterschaft, die in den verschiedenen Zweigen der Görliz( Stadthalle) eine Reichsfrauenkonferenz statt, mit vorläufiger Tagesordnung: 1. Die Arbeit der Frau in der Gemeinde: a) Wirtschaftliches( Referent: Genosse Wuzky); b) Soziales( Referentin: Frau Dr. Schöfer); c) Vereinsarbeit( Referentin: Hedwig Wa che nheim). 2. Bericht über den Stand der Frauenbewegung.( Referentin: Marie Juchacz.) Bur Teilnahme berechtigt sind aus jedem Bezirk ein bis zwei Delegierte, die weiblichen Delegierten zum Parteitag und die weiblichen Mitglieder des Reichstags. Sofern männliche Genossen von ihrer Bezirksleitung mit Mandat versehen werden, sind sie zur Teilnahme an der Reichsfrauenkonferenz berechtigt. Die Bezirksleitungen werden dringend ersucht, dem Parteivorstand die Namen der gewählten Delegierten unter genauer Adressenangabe möglichst bis zum 25. August mitzuteilen, damit ihnen das Mandat, die Vorlagen und sonstigen Mitteilungen zugestellt werden können. Wegen Wohnungsbeschaffung wenden sich die Delegierten möglichst sofort nach ihrer Wahl, spätestens jedoch bis 31. August, nur an den Vorsitzenden der Wohnungstommission; Adresse: Gotthold Lißte, Görlitz, Luisenstr. 8. In allen anderen örtlichen Parteitagsangelegenheiten wende man sich an den Vorsitzenden des Hauptausschusses; Adresse: Redakteur Wilhelm Baumgart, Görlitz, LuisenStraße 8. Berlin, den 25. Juni 1921. Der Parteivorstand. Der Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt veranstaltet am Donnerstag, den 15. September 1921, in Görlit im Restaurant Tivoli seine erste öffentliche Wohlfahrtstagung Tagesordnung: 1. Aufgaben und Ziele der modernen Wohlfahrtspflege, Rednerin: Genossin Helene Simon, Schwelm. 2. Die gesetzlichen Grundlagen und der organisatorische Aufbau der Wohlfahrtspflege. Redner: Bürgermeister Dr. Caspari, Brandenburg. 3. Aussprache. Daran anschließend findet am nächsten Tage, Freitag, den 16. September, im gleichen Lokal die erste beschließende Jahresversammlung statt, in der Genoffin Marie Juchacz über " Die Erfahrungen der Vergangenheit in der Wohlfahrts arbeit und ihre Nuzanwendung" spricht. Teilnehmer find Delegierte aus den Bezirksorganisationen für Arbeiterwohlfahrt. Gäste aus den Kreisen der organiWohlfahrtsarbeit tätig sind, sind zur Teilnahme eingeladen. Anmeldungen werden bis zum 1. September unter der Adresse: Marie Juchacz, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, erbeten. Teilnehmerkarte wird zugesandt. Unsere Zukunft Seit Wochen sind wir Frauen von doppelten Sorgen umschattet: das Brot wird teurer. Es wird so teuer, daß es einer Familie mit mehreren halbwüchsigen Kindern kaum noch möglich ist, an etwas anderes als an das tägliche Brot zu denken. Wenn es so trostlos schon im Sommer aussieht, wie soll es dann im Winter werden, wenn die Kinder Strümpfe und Schuhe und Kleider auf dem Leibe haben sollen, wenn Kohlen gekauft werden müssen? Und deshalb müssen noch vor dem Winter die Löhne allgemein erhöht, der verteuerten Lebenshaltung angepaßt werden. Wird das - vor ohne wirtschaftliche Kämpfe mit dem Unternehmertum abgehen? Vielleicht; richtiger ist es aber, wenn wir allem wir Frauen- uns von vornherein mit klarem Denken auf den Kampf einstellen. Wir müssen unsere Männer stüßen, wenn sie feststehen sollen zu den notwendigen Forderungen, die sie durch die Gewerkschaften erheben. Und wenn wir immer wieder daran denken, was wir während der letzten Kriegsjahre gelitten haben, dann werden wir- so schwer es auch sein mag die Kraft für den Kampf um bessere Lebensbedingungen behalten. Daneben stehen die fortwährend sich erneuernden Lasten des verlorenen Krieges. Oberschlesien ist eine bange Schickfalsfrage für uns alle geworden. Nicht nur deutsches Land, deutsche Kultur steht auf dem Spiele, sondern die Arbeitsmöglichkeit für Massen deutscher Arbeiter, die Möglichkeit, durch Arbeit die Verpflichtungen des Versailler Friedensver= trags zu erfüllen und durch Sozialisierung der oberschlesi schen Bodenschätze einen Schritt zur sozialistischen Wirtschaft vorwärts zu tun. Von der Entscheidung, welche der Oberste Rat der Entente über Oberschlesien fällt, hängt aber vor allem ab, ob wir in ständiger Kriegsgefahr leben sollen. Daß wir den Frieden wollen, haben die machtvollen Kundgebungen von neuem bewiesen, die am 31. Juli in allen großen Städten der Deutschen Republik stattfanden. Den Kriegstreibern hüben und drüben waren sie eine Warnung und den Friedensfreunden eine frohe Zuversicht: die Arbeiterschaft geht nicht wieder in einen Krieg. In diesem Willen zum Frieden schweigen die Gegensäze innerhalb der sozialdemokratischen Parteien; das sollten sich unsere Gegner merken. Das war ein Lichtblick in all dem Grau der Gegenwart. mehr aber als Hoffnung, mehr als Wunsch und Wille war der Reichs- Jugendtag in Bielefeld! Er war die Gewißheit: wir haben eine 3ufunft, trotz aller Vergangenheit und Gegenwart. Als ich am 28. Juli nach Minden tam( wo ich eine Versammlung hatte), wehte mir ein Wald schwarz- weiß- roter 154 Die Gleich beit Fahnen entgegen; die akademische Turnerschaft Deutschlands feierte dort ein Bekenntnisfest an die monarchistische Vergangenheit. Welch harten Kampf wir für Freiheit und friedliche Entwicklung gegen die Reaktion zu kämpfen haben, tam mir wieder voll und schwer zum Bewußtsein. Unsere Bersammlung war schön und doch fuhr ich voll Sorge nach Bielefeld. Würde unsere Republik diesem fortwährenden Anstürmen von innen und außen standhalten? Am nächsten Morgen um 5 Uhr weďte mich Gesang und Das feste, leichte Schreiten junger Menschen. Das erste Arbeiter- Jungvolt kam vom Bahnhof und zog, trotz der Nachtfahrt, frisch und singend zur„ Eisenhütte", dem schönen Parteihaus, um die Quartierfarten in Empfang zu nehmen. Und Diesem ersten Zug folgten ununterbrochen neue; den ganzen Freitag und Sonnabend vormittags. Immer bunter, immer fröhlicher und festlicher wurde das Bild. Eine lose, ungezwungene Masse junger Menschen und doch ein gewaltig geschlossenes Ganzes. Unsere Zukunft! Arbeiterkinder! Jungens und Mädels, die alle mit der harten Not des Alltags ringen müssen, und die doch mit helleuchtenden Augen zukunftsfroh ins Leben schauen. Ueberwältigend in ihrer Bedürfnislosigkeit und Schönheit, in ihrer freien, ungezwungenen Natürlichkeit und in der selbsterzogenen Geschlossenheit. Das Schönste, was ich je erlebte, war, nach der wuchtigen internationalen Jugendkundgebung am Sonnabend auf dem Kesselbrink, der Zug zur Sparenburg. Jede Gruppe geschlossen und doch ein einziger Zug, jede ihre Lieder singend und doch ein einziger Klang. Wie es helljubelnd durch enge Straßen, über spizgiebelige Häuser zum hellen Himmel flog: mit uns zieht die neue Zeit da fingen die Kirchenglocken zu läuten an. Das hatten die Kirchenbehörden nicht gewollt; aber es kam so, daß das sonnabendliche Abendläuten just in diesem Augenblick einseite und sich mit dem Klang jungfroher Menschenstimmen vereinte. Den Rand der StraBen säumte, neben der Arbeiterschaft, viel Bürgertum, darunter wohl mancher unserer Gegner. Aber alle waren sie ergriffen von der Heiligkeit der Stunde. Die da singend und flarbewußt ihres Weges schritten, war Deutschlands lebendige Zukunft. Waren die neue Zeit! Am Abend der Fackelzug, am Sonntag die Spiele auf den Ochsenwiesen und die wunderbare in Bielefeld internatioin Bielefeld internationale Friedenskundgebung auf dem Kesselbrink, die Schlußfeier auf den Ochsenwiesen, das Abziehen der jungen Menschen, die brausenden Frei- Heil- Rufe, das alles wird dem, der es miterlebte, unvergeßlich sein. Und die ernsten Berhandlungen der Jungsozialisten mit der Abendversammlung sowohl, wie der Arbeiterjugend und der Jugendinternationale fügten sich würdig dem Rahmen ein. Das Größte und Unvergeßlichste wird aber für uns alle die Gastfreundschaft der Bielefelder Arbeiterschaft bleiben. Zehntausend junge Menschen wurden in Einzelquartieren beherbergt und verpflegt, und noch mehr hätten kommen können, sie hätten alle Obdach und Nahrung gefunden. Mit roten und schwarz- rot- goldenen Fahnen und Laubgewinden hatten unsere Genossen ihre Wohn- und Arbeitsstätten zum Empfang geschmückt. Alles war nur darauf eingestellt, den jungen Gästen Freude und Schönheit zu geben, Erinnerungen, die nie mehr erlöschen sollen. Und es find doch alles Menschen, die genau so unter der Sorge ums tägliche Brot schaffen wie wir. Aber sie mußten ihre Liebe und Gastfreundschaft, ihre Klassensolidarität und ihr Bekenntnis zur Republik büßen. Alle Arbeiter wurden für einen Tag- Montag- ausgesperrt! Ob das Unternehmertum wirklich glaubt, mit solchen erbärmlichen Mitteln einen Geist, eine sittliche Größe, wie die Bielefelder Arbeiterschaft sie bewiesen hat, niederbogen zu fönnen? Im Gegenteil: die Aussperrung hat Wert und Inhalt der Bielefelder Tage nur noch unterstrichen. Wir haben eine Zukunft, der Sozialismus lebt und schreitet! Clara Bohm- Schuch. Ausklang vom Bielefelder Bezirksjugendtag Singende Tage, fäende Stunden Und ein tiefer Blick in des Bruders Blick, Nr. 16 Und ein Herzschlag: auf ewig dem Bruder verbunden, Auf ewig verbunden zu einem Stück! Singende Tage, fäende Stunden Und kündende Fahnen ins quellende Licht. Und blutjunge Kraft in die Zukunft gefunden, Und ein donnernder Wille: uns zwingen sie nicht! Singende Tage, fäende Stunden Aus jeder Gebärde, aus jedem Gruß, Aus jedem Lied taufend Streiter fich künden, Und die Erde, unfere Erde, jung werden muß! Fritz Cindenkobl, Hamburg. Recht und Wohlfahrtspflege Bor Bürgermeister Dr. Caspari( Brandenburg a. d. H.) A. Familienrecht IX. Elterliche Gewalt. ( Fortsetzung) 2. Die Sorge für das Bermögen des Kindes. Grundsäglich erstreckt sich die Vermögensverwaltung des Baters, d. h. Recht und Pflicht, für das Vermögen des Kindes zu sorgen, auf alle Vermögenswerte des Kindes. Eine Ausnahme besteht für das Vermögen, welches das Kind von Todes wegen erwirbt( z. B. Erbschaft) oder welches ihm unter Lebenden von einem Dritten unentgeltlich zugewendet wird, beides nur, falls der Erblasser durch letzt willige Verfügung oder der Dritte bei der Zuwendung, also nicht erst später, bestimmt hat, daß der Erwerb der Verwaltung des Vaters entzogen sein soll(§ 1638). In solchen Fällen wird für das Kind vom Vormundschaftsgericht ein Vormund bestellt. Einen solchen kann der Erblasser oder der sonstige Zuwendende selber benennen(§§ 1909, 1917). Gelbstredend kann als Pfleger auch die Mutter bestellt werden. Der Vater hat das seiner Verwaltung unterliegende Vermögen des Kindes, welches bei dem Tode der Mutter vorhanden ist oder dem Kinde später zufällt, zu verzeichnen und das Verzeichnis mit der Versicherung der Richtigkeit und Bollständigkeit dem Vormundschaftsgericht einzureichen; also Inventarpflicht des Vaters(§ 1640). Erfüllt der Vater die Inventarpflicht nicht, so fann ihm das Vormundschaftsgericht nach§ 1670 die Vermögensverwaltung entziehen. Wie§ 1630 sagt, umfaßt die Sorge für die Person und das Vermögen die Vertretung des Kindes. Dadurch also, daß der Vater gesetzlicher Vertreter seines Kindes ist, hat er ein starkes Eingriffsrecht in das Vermögen seines minderjährigen Kindes. Er kann mithin das Kind durch das von ihm vorgenommene Rechtsgeschäft verpflichten und grundfählich über Vermögenswerte des Kindes frei verfügen. Wie bereits flargelegt, ist ihm aber die gesetzliche Vertretung genommen in den Fällen des Interessenkonfliktes zwischen ihm und dem Kinde( f. o. vergl.§§ 1630, 1795, 1796, 1909). Ferner hat das Gesetz eine Reihe von Beschränkungen in der gesetzlichen Vertretung des Vaters hinsichtlich der Vermögensfürsorge ausgesprochen; insbesondere bedarf der Vater zu einer Reihe wichtiger Geschäfte, die er für das Kind vornehmen will, der Genehmigung des Vormundschafts gerichts(§§ 1641, 1643, 1644, 1821, 1822). Beachtenswert ist aber, daß der Vater, im Gegensatz zum Vormund, zu einem Lehr, Dienst- und Arbeitsvertrag auch für längere Zeit als ein Jahr nicht der Genehmigung des Vormund schaftsgerichts bedarf. Nach§ 1649 steht dem Vater fraft der elterlichen Gewalt die Nuznießung an dem Vermögen des Kindes zu. Von der Nuznießung ausgeschlossen ist das sogenannte freie Kindesvermögen(§ 1650). Hierzu rechnen insbesondere die Nr. 16 Die Gleich beit ausschließlich zum persönlichen Gebrauch des Kindes bestimmten Sachen, insbesondere Kleider, Schmucksachen, Schmucksachen, Arbeitsgeräte(§ 1650), ferner insbesondere das, was das Kind durch seine Arbeit oder durch einen ihm gemäß§ 112 gestatteten selbständigen Betrieb eines Erwerbsgeschäftes erwirbt. Wichtig zu wissen ist es führt dies in der Praxis häufig zu Konflikten, die Bestimmungen sind in weitesten Kreisen nicht bekannt, daß zwar dieses Vermögen des Kindes der Nutznießung des Vaters entzogen ist, nicht aber seiner Verwaltung. Der Vater hat also beispielsweise das Recht, den Arbeitsverdienst seines Kindes zu verwalten. Er fann bestimmen, wie der Arbeitsverdienst des Kindes anzulegen ist. Der Glaube ist falsch, daß das Kind mit feinem Arbeitsverdienst machen kann, was es will. Nur die Nuznießung des Baters ist ausgeschlossen, nicht aber die Verwaltung! Nutznießung bedeutet, daß der Bater wie ein Nuznießer berechtigt ist, die Nutzungen des Vermögens zu ziehen, also die Zinsen des Geldes, die Früchte des Grundstücks usw.(§ 1652.) Andererseits muß der Vater auch die Lasten des seiner Nugnießung unterliegenden Vermögens tragen(§ 1654); dies auch dann, wenn die Nutznießung zur Deckung der Lasten nicht ausreicht. Er muß also gegebenenfalls die Lasten aus seinem eigenen Vermögen bestreiten, wofern er es nicht nach§ 1662 vorzieht, auf die Nuznießung zu verzichten. Was das Kind an Unterhalt fostet, gehört nicht etwa zu den Lasten der Nußnießung. Die UnterhaltsPflicht der Eltern ihren Kindern gegenüber beruht auf ihrem engen Verwandtschaftsverhältnis und ist völlig unabhängig von der elterlichen Gewalt. Neue Gesetze ( Fortsetzung folgt) neue Lasten Der Kern, zu dem sich die Hochflut der Meinungen und Bestrebungen in der Wohnungsfrage nun langfam, aber deutlich erkennbar verdichtet, ist die Forderung, daß die heutigen Wohnungs inhaber zur Erstellung neuer Wohnungen erhebliche, persönliche Opfer bringen sollen. Obwohl man hier von 10 Proz. der Bevölkerung sagen muß, daß diese neue Belastung eine ungeheure Härte für dieselbe ist, da sie ja jetzt schon bei der wohl verhältnismäßig noch * Feuilleton Strandrube * Wie das große Schweigen liegt das ftumme leere Watt: Ferne, wie ein grauer Streifen, zieht das Meer Sich unter hohem, nebelhellem himmel hin. Sommerlich in lindem Wehen Streicht der Weft die weite Fläche, Raunt und fäufelt weiche Liedchen um die Gräfer, um die Halme, Die den Rand der Küfte fäumen. Bingelehnt in weichem Sande, ftreck' ich läffig Leib und Arme, Fühle kaum, wie ftill und mählig mir verlinken alle Sinne, Und mein Ich fich auflöft in das große, graue Schweigen Sanft im Schlafe. Meine Kinder Bon Schwester Lydia Ruehland Heinrich Grube. Jedes Jahr, wenn die Tage wieder länger werden und der Frühling seinen Einzug hält, wird das Haus gerüstet für die kleinen Gäste, die alljährlich im Kinderheim" Froh finn" Einkehr halten auf Wochen oder Monate, um sich Gesundung zu holen in D. mit seinen filometerlangen Gradierwerken und seiner köstlich salzigen Luft, die, richtig eingeatmet, die Schlacken aus den Lungen gründlich löst. Es beginnt dann das Großreinemachen, wobei es zugeht wie bei der Zerstörung Jerusalems, fein Stein bleibt auf 155 billigen Miete, aber der allgemeinen Teuerung der Lebensführung schon nicht mehr auskommt, kann man aber doch schon aus Gerechtigkeitsgründen diese Forderung nicht mehr ohne weiteres zurückweisen. Denn ob wir wollen oder nicht: bei immer längerem Zögern und Hinausschieben wächst das Heer der Wohnungsuchenden beängstigend an und würde sich über furz oder lang einen eigenen Weg unter Begleiterscheinungen bahnen, denen eine jetzige geregelte Einlenkung unbedingt vorzuziehen ist. So ist denn auch unter diesem eisernen Druck der Entwurf des Reichsmietengefeßes zustande gekommen, welches z. 3t. noch ein Spielball der Parteien im Reichstage ist. Was davon nun in die breitere Deffentlichkeit drang, ist wenig geeignet, bei uns Proletariern Befriedigung auszulösen. Womit ich besonders mich nicht einverstanden erklären kann, ist die einheitliche Norm, nach der jeder Mieter sein Teil beitragen soll. Naturgemäß sind doch die weitaus meisten der jezigen Wohnungsinhaber schon länger als diese letzten Jahre, von denen all das jezige Unheil stammt, verheiratet und haben fast alle mehr oder weniger Kinder zu ernähren, während die jungen Wohnungsanwärter höchstens eins, vielfach aber auch gar feine Kinder haben. Hier hätte unbedingt eine Einschränkung in dem neuen Gesez festgelegt werden müssen, welche schon bei dem Vorhandensein des dritten Kindes Platz zu greifen hat, denn es geht nicht an, daß modern- räumliches, gesundes und auch sonst viel behaglicheres Wohnen der jüngeren Volksgenossen auf Kosten der dadurch noch mehr als bisher zusammengepferchten finderreichen Familien geschehen soll. Daß von jenen schließlich jeder in seinem Bett allein schläft und diese zu fünf, sechs oder gar noch mehr nur zwei Betten aufstellen können bzw. zur Verfügung haben, das ist nämlich heute schon der Fall, wie ich in der hiesigen Armenfürsorge anzutreffen leider schon oft genug Gelegenheit hatte. Weiter beziehen die Jungverheirateten dann lauter neugebaute, saubere Wohnungen, in denen doch naturgemäß auf Jahre hinaus teine Reparaturen notwendig sind, während die meisten anderen in den Wohnungen der alten Häuser weiter verbleiben müssen. Wie ist es denn in Wirklichkeit damit? lichkeit damit? Rein Kitt mehr auf den Fensterscheiben, feine Farbe mehr auf Türen und Böden, die Herde innen dem andern, kein Möbelstück an seinem Plaze und das ganze Haus wird unter Wasser gesetzt. Dennoch ist es rasch getan. Denn die Einzelzimmer enthalten nur Betten, immer je drei in einem Raum. Die Kleider, Wäsche, Schuhe sind in einem mit Regalen versehenen Zimmer, in jedem Stockwerk befindet sich eine solche Kleiderkammer. Das ist hygienischer, als wenn die Kleider verschiedener Kinder in einem Schrank untergebracht sind. Der Waschraum ist im mittleren Stockwert, ein freundliches 3immer enthält bret niedrige Tafelfische, auf denen, wie bei 3wergens", hübsche geschmackvolle Waschbecken mit allem Zubehör stehen.„ Deine Zimmer gefallen mir", sagte einmal eine kleine Fünfjährige, sie sind so filbrig" Bon diesen„ meinen" Kindern möchte ich einiges erzählen. Vielleicht findet der eine oder der andere stammverwandte Züge bei seinen eigenen Kindern wieder. Wenn die Mütter die Pfleglinge bringen, so gibt es erst eine ergiebige Personalbeschreibung, die aber nur selten stimmt. Denn entweder bringen sie nur komplette Engel ins Haus oder Taugenichtse, die streng gehalten werden müssen ihrer Ansicht nach. Häufig ist keines von beiden der Fall. Mit der notwendigen Objektivität ausgerüstet, finde ich die meisten Rinder liebenswert mit ihren Fehlern und Schwächen und ihren Vorzügen. Kinder wollen richtig angefaßt werden und neigen dann weder zu Engeln, noch zu Tunichtguten. Eltern bringen aber die reine Objektivität ihren Kindern gegenüber nur selten auf. Das bleibt dann fremden Erziehern vorbehalten. Also, da ist zunächst„ Hermännchen". Er zählt der Jahre vier. Seine Eltern bringen !S6 Die Gleichheit Nr. IS und außen durchgebrannt: Wasserschiffe sind ein Kapitel für sich und die Treppenhäuser sehen erbärmlich aus. Nun sollen die jetzigen Mieter auch mit für diese erforderlichen Reparaturen aufkommen. Ist das nicht eine ungeheuerliche Doppel belaftung? Außerdem müssen wir Mieter es ganz entschieden ablehnen, heute die zehn- oder zwanzigfach ver teuerten Reparaturen zu zahlen, die der Hausbesitzer aus Bequemlichkeit oder Profitsucht schon seit zehn oder mehr Iahren versäumt und unterlassen hat, welche Unkosten aber immer, auch früher schon, bei dem Bau, dem Kauf und Ver kauf eines Hauses aus die damalige Miete aufgeschlagen waren. Hier kann nur örtliche Entscheidung von Fall zu Fall gelten gelassen werden und wir Mieter werden, um nicht ganz ausgepreßt zu werden, scharf aufpassen müssen. Deshalb, ihr Proletarierfrauen, die Augen und die Ohren auft Marie Schleeh. Zum Entwurf des Neichsarbeits- Nachweisgesetzes Der Entwurf des ArbeitsnachweisgesetzeS ist von der Neichsregierung bereits vor einiger Zeit dem vorläufigen Reichswirtschaftsrat überwiesen' worden. Das kommende Gesetz soll die einheitliche reichsrechtliche Regelung der ge samten Arbeitsvermittlung bringen. Wir wollen aber, daß es sticht allein dazu dient, den Arbeitsuchenden eine Arbeits stelle nachzuweisen, sondern es soll darüber hinaus jeden einzelnen auf den Platz hinstellen, auf den er nach seinen Kenntnissen und Fähigkeiten hingehört. Besonders wichtig ist das auch für die Frauen. Wir haben jetzt'neben den Stellenvermittlungen der Ge werkschaften, Innungen, Handels- und Landwirtschafts kammern, der Vereine, Schulen, Anstalten usw. hauptsäch lich die gewerbsmäßigen Stellenvermittlungen für die Haus angestellten. Diese letzteren haben jedoch soviel Uebelstände gezeigt,' daß die behördliche Zusammenfassung der Arbeits vermittlung äußerst wünschenswert ist. Der jetzt vorliegende Entwurf zum Reichsarbeitsnachweis- gcsetz wird auch, wie Genosse Fr. Kleeis in einem Aufsatz in der„Gewerkschaftlichen Frauenzeitung" zum Ausdruck bringt, den Interessen der Frauen im großen und ganzen gerecht. Der Entwurf sieht vor, daß für jeden Bezirk einer unteren Verwaltungsbehörde ein Arbeitsnachweis errichtet werden muß. Seinen Geschäftsgang usw. regelt eine von der Gemeindevertretung zu beschließeirde Satzung. Für jeden Arbeitsnachweis ist ein Verwaltungsausschuß zu bilden, der aus einem Vorsitzenden und mindesten je vier Beisitzern aus dem Kreise der Arbeitgeber und Arbeitnehmer besteht. Diese werden von den wirtschaftlichen Vereinigungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer vorgeschlagen und nach den Grundsätzen des Verhältniswahlverfahrens von der Ge meindevertretung bestellt. Natürlich können hier auch Frauen berufen werden. Das Gesetz bestimmt, daß als Arbeitgeber auch Ehefrauen von Haushaltunasvorständen gellen, die Hausangestellte beschäftigen. Ebenso können Ehefrauen, die früher Arbeiterinnen oder Hausangestellte waren, als„Ar beitnehmer" berufen werden, wenn sie eine wirtschaftliche Organisation(Gewerkschaft, Verband) dazu vorschlägt. Der Vcrwaltungsausschuß schlägt den Geschästssührer und die Arbcitsverinittler vor, und die Gemeinde bestellt diese. Sie kann von den VorMägen des Ausschusses nur abweichen, wenn wichtige Gründe vorliegen. Es können auch besondere Abteilungen in den Arbeits nachweisen eingerichtet werden, z.B. Fachabteilungen für Hausangestellte. Ebenso können weibliche Abteilungen auch von einer weiblichen Vermittlung geleitet werden, wie dies ja des öfteren jetzt schon geschieht. Die Vermittlung soll unentgeltlich und unparteiisch erfolgen, und zwar muß sich der Arbeitsnachweis an etwa vorgeschriebene Tarifsätze halten. Der Benutzungszwang ist im Entwurf nicht vorge sehen, nur die Einführung einer Meldepflicht für alle offenen Stellen kann angeordnet werden. Auch Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung können dem Arbeitsnachweis ange-. gliedert werden. Die gewerbsmäßige Stellenvermittlung wird unter Ge währung einer längeren Uebergangszeit gänzlich aufgehoben. Der Entwurf des Arbeitsnachweisgesetzes ist im übrigen durch den Verlag des„Reichsarbeitsblattes", Reimar Hobbing, Berlin, zum Preise von 1,25 Mk. zu beziehen. ihn häufig, er ist der Jüngste von acht lebenden Kindern, die Mutter bedarf der Schonung und der kleine Mann ist reichlich temperamentvoll. Wohltuend empfinden die Eltern nach seiner Heimkehr sein„gesittet" Wesen, seine Selbständigkeit— er kann die Serviette jetzt knüpfen, ohne das Band zu verknoten, und die Schuhe schnürt er sich auch allein. In der Küche ist er Stab und Stütze, schält z. B. die gekochten Kartoffeln(im Heim werden sämtliche Kar toffeln nur gedämpft, nie roh geschält) mit einem Eifer, der die größeren Kinder beschämen könnte, wobei er mit Wonne seine Backen heimlich mit Kartoffeln ausstopft, wie ein Paar Hamstertaschen. Am ersten Pfingstfeiertag— wir saßen gerade beim ersten Frühstück, brachte der Postbote die telegraphische Nachricht vom plötzlichen Tode seines Vaters. Hermännchen strahlt:„Du, solch einen Mann haben wir zu Hause auch! Weißt du, das vorige Mal, wie ich von dir abgerißen(abgereist) bin, da hat der Mann der Mutter eine Postkarte von dir gebracht." Als er das nächste Mal wiederkam, erzählte er allen Kindern mit Wichtigkeit:„Der Vater ist nun'estorben, ja! Er lebt nun gor nicht mehr!"— sein Kinderverstand erblickte in dieser Tatsache des Lebens höchstes Ziel. Diesmal hat er Fifi, sein Hündchen, und Teddy, seinen siebenjährigen Bruder, mitgebracht. Fifi macht seinem gequälten Hundeinnern häufig recht unmanierlich Lust und wird dann protestlos vor die Tür gesetzt. Als wir kürzlich an einem frischgedüngten Acker vorübergehen, hebt Her männchen sein Stumpfnäschen, schnüffelt einige Male und sagt dann, Mißbilligung in Wort und Blick:„Hier hat ein Hund gestinkt." Der Gemüsegärtner, das Ziel unseres Spazierganges, züchtet nebenbei auch Schafe. Das ist ein Spaß für die landfremden Stadtkinder, sie stehen und staunen und freuen sich königlich. Mit einem Male ruft Hermännchen entrüstet in die Schar:„Du! Mach doch mäh! Das kleine Schaf beißt dich ja immerzu hinten"— ein Lämmchen saugt sich Labe aus seiner Mutter Euter, das bringt den kleinen Mann so in Harnisch.„Ei, so laß doch das kleine Tier. Als du noch so klein warst, hast du doch auch bei Mutter Mahlzeit gehalten und hast schöne Milch getrunken, bis du satt warst." „Ich hattete aber noch keine Zähnen," erwiderte er, wird aber nachdenklich und schreit das Mutterschaf nicht länger an. Frühmorgens, wenn die kleine Schar beieinander ist, gehen wir immer zuerst in den Garten, um zu allem, was gewachsen ist,„Guten Morgen" zu sagen. Hermännchen ist ein großer Blumenfreund, wünscht sich für seine Mutter einen Strauß Mond(Mohn)blumen und bewundert das über Nacht ge wachsene„Rhabärberchen". Als er einmal zum Frühstück Tomaten erhielt, meint er:„die tue ich in eine Tüte und bringe sie der Mutter mit." Sie schmeckten ihm nicht � für die Mutter mußten sie recht sein. Teddy, sieben Jahre alt, ist ein sogenanntes„schwieriges" Kind. Er phantasiert Unglaubliches zusammen. Die andern Kinder sagen:„Der schwindelt, daß sich die Balken biegen." Der weniger einsichtige Erzieher würde ebenfalls zetern und sagen:„Der Bengel lügt", und nichts davon wissen«ollen. daß es Kinder gibt, denen in einem gewissen Alter eine blühende Phantasie allerhand Streiche spielt, so daß sie Nr. 16 Die Gleichheit Was muß die Wohlfahrtspflegerin von der sozialen Gesetzgebung wissen? Bon Hedwig Wachenheim ( Fortsetzung) Das Reichsversicherungsgefeh für Angestellte Auch die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte fann ein Heilverfahren einleiten, um die infoge einer Erfrankung drohende Berufsunfähigkeit eines Versicherten abzuwenden. Der Krante fann dazu in ein Krankenhaus oder eine Anstalt für Genesende untergebracht werden. Seine Angehörigen, deren Unterhalt er ganz oder überwiegend aus seinem Arbeitsverdienst be stritten hat, erhalten während des Heilverfahrens ein Hausgeld in Höhe von täglich mindestens drei 3wanzigstel des zuletzt gezahlten Monatsbeitrags. Wenn der Erkrankte sich ohne triftige Gründe dem Heilverfahren entzieht, kann ihm das Ruhegeld ganz oder teilweise versagt werden, wenn er auf diese Folge hingewiesen worden ist. Das Ruhegeld( siehe Anhang) beträgt nach Ablauf von 120 Beitragsmonaten ein Viertel der in dieser Zeit entrichteten Beiträge und ein Achtel der übrigen Beiträge. Tritt bei weiblichen Versicherten der Versicherungsfall nach Ablauf von 60 Beitragsmonaten und vor Vollendung von 120 Beitragsmonaten ein, so beträgt das Ruhegehalt ein Viertel der in den ersten 60 Beitragsmonaten entrichteten Beiträge. Die Witwen- und Witwerrente be= trägt zwei Fünftel des Ruhegelds, das der Ernährer zur Zeit seines Todes bezog oder bei Berufsunfähigkeit bezogen hätte. Waisen erhalten je ein Fünftel, Doppelwaisen je ein Drittel des Betrages der Witwenrente. Witwen-, Witwer und Waisenrenten dürfen zusammen den Betrag des Ruhegelds nicht übersteigen, das der Ernährer zur Zeit seines Todes bezog oder bei Berufsunfähigkeit bezogen hätte. Ergeben die Renten einen höheren Betrag, so werden sie im Ver. hältnis ihrer Höhe gekürzt. Beim Ausscheiden eines Hinterbliebenen erhöhen sich die Renten der übrigen bis zum zu läfjigen Höchftbetrag. Ruhegeld und Renten werden in Teilbeträgen monatlich, auf volle fünf Pfennig aufgerundet, im voraus bezahlt. Erträumtes und Erdichtetes für wirklich Geschehenes halten und andere für naiv genug ansehen, ihnen zu glauben. Teddy ist eines dieser Kinder. Seine Geschichten sind mit Borsicht zu genießen und eine starke Zügelung nicht Züch tigung der ihm durchgehenden Phantasie ist durchaus am Plaze. Ich kenne die Familie, kenne alle anderen Geschwister, unter denen prächtige Charaktere sind- Teddy ist -Teddy ist aus der Art geschlagen. Und ich finde leider den Schlüssel nicht, der mir sein Wesen erschließt. Meine Objektivität nüßt nur wenig, mich tröstet nur, daß auch seine Mutter ihm gegenüber vor einem Rätsel steht. Bücherschau ( Schluß folgt) Menschheitsbrandung", Aus Rausch und Rauch des Weltkrieges, fo lautet der Titel eines Buches von Karl Graffinger, das fürzlich beim Meteor- Berlag, München, Wittelsbacherstr. 3, erschienen ist und das das ungeheure Geschehen des Weltkrieges zum Inhalt hat. Dieses Buch ist nicht etwa in die bisher übliche Kriegsliteratur einzureihen. Es handelt sich weder um einen Roman, dessen Helden in die Ereignisse der Kriegszeit hineingestellt sind, noch um eine Berherrlichung der„ großen Zeit". Hier wird uns das wahre Geficht des Krieges unverhüllt und schonungslos gezeigt, allen denen zur Warnung, die so leichtfertig mit dem Worte ,, Krieg" zu spielen Dermögen. Der Berfasser stand als einfacher Soldat an der Westfront. Sein Buch ist die Schilderung förperlichen und seelischen Erlebens während vier langer, schwerer Jahre, und wenn man es aus der Hand gelegt hat, so weiß man, daß es nicht geschrieben worden ist um des Buches willen, sondern daß es ein einziger, beschwörender, erschütternder Kampf- und Warnruf sein soll gegen 157 Wenn eine weibliche Versicherte nach Ablauf der Wartezeit von 60 Beitragsmonaten, ehe sie in den Genuß einer Rente getreten ist, stirbt, und besteht kein Anspruch auf Hinterbliebenenrente, so ist auf Verlangen die Hälfte der für die Versicherte bis zu ihrem Tode gezahlten Beiträge als Abfindung zurückzugewähren. Nacheinander sind auf die Abfindung berechtigt der Ehegatte, die Kinder, der Bater, die Mutter, die Geschwister, sofern sie mit der Verstorbenen in häuslicher Gemeinschaft gelebt haben oder aus ihrem Arbeitsverdienst wesentlich unterhalten worden sind. Dieser Anspruch muß vor Ablauf eines Jahres geltend gemacht werden. Auch bei Verheiratung kann der weiblichen Versicherten die Hälfte der für sie gezahlten Beiträge zurückerstattet werden. Weiblichen Versicherten, die aus einer versicherungspflichtigen Beschäftigung ausscheiden, wird auf Antrag an Stelle der freiwilligen Fortsetzung der Versicherung oder der Aufrechterhaltung der erworbenen Anwartschaft oder der Erstattung von Beiträgen eine Leibrente gewährt, deren Höhe fich nach dem Wert der erworbenen Anwartschaft auf Ruhegeld und nach dem Alter der Antragstellerin richtet und vom Rentenausschuß festgesetzt wird. Inzwischen hat der Reichstag, furz bevor er in die Ferien ging, sowohl eine Erhöhung der Versicherungsgrenze auf 30 000 Mt., als auch eine Gewährung von Beihilfen an Rentenempfänger beschlossen. Die beabsichtigte Aenderung des Versicherungsgesetzes, wobei eine gewaltige Erhöhung der Beiträge vorgesehen ist, wurde auf Betreiben der Abgeordneten unserer Fraktion bis zum Herbst vertagt. Die Erhöhung der Versicherungsgrenze auf 30 000 mt. Einkommen tritt ab 1. August in Kraft. Die Lohn- und Beitragsklassen sind nun wie folgt festgesetzt: Klasse A B über bis zu 550 Mt. bis " C 850 " " H D 1150 6,80 550 Mt. 1,60 Mt. Monatsbeitrag 850 3,20 17 1150 4,80 " 1500 17 " " " " " " " " " " 1500 2000 9,60 " " " " " " 17 F 2000 2500 " " " " 2500 " " " " H 3000 3000 4000 " " " " 13,20" 16,60" 20, " 1 " " " " " LEGO den Krieg. Immer wieder lenkt es den Blick auf die zerstörten Kampfstätten, wo Tausende und aber Tausende vielfachen Tod in entsetzlichster Form erleiden mußten. Und immer wieder sucht es in verzweifeltem Ringen den Sinn zu ergründen: warum? Warum mußte so Grauenhaftes geschehen? Warum standen die Menschen nicht auf und mehrten sich gegen das, was ihnen zugefügt wurde? Grafsingers Buch ist das Resultat unendlich vieler einsam durch dachter Stunden im Schüßengraben, auf Posten, im Eisenbahnwagen. Es ist ein Versuch, durch Pulver- und Rauchwolken hindurch das Geschehene zu überblicken und zu erfassen. Es beginnt mit einem Gedenken, einem kurzen Verweilen am Massengrab der irrenden Menschheit. In dem Teil. der Weltenbrand" überschrieben ist, zeigt es uns das eigentliche Bild des Krieges. Es sind furze, lebendwahre Darstellungen, Teilbilder. Das große Bild ganzen Erlebens dieses ungeheuren Geschehens, das zum Himmel steigt, wäre, vor ein Menschenherz gestellt, hellaufflackerndes, gelbfahles Wahnsinnsleuchten, das, wo es einmal voll hineingeleuchtet, alles auflöst in ein Leßtes, das mit rohen, gewaltigen Fäusten sich in die eigene Bruft bohrt, sich selbst zerreift und dem grinsenden Wahnfinnsgöten als Opfer hinwirft. So aber ist es nur ein Bild, herausgenommen aus dem Ganzen, hingestellt vor die Augen, leicht umfaßt von einem einfachen Rahmen." Wir erleben das alles mit, was jeder einzelne Mann da draußen erleben mußte, und dann fragen wir ebenso verzweifelt: Wie war es nur möglich?" Der zweite Teil des Buches ist ernsten Gedanken und hoffnungs. vollem Aufschauen gewidmet. Rausch und Rauch haben sich ver. zogen, und der Mensch ist wieder erwacht. Viele Fragen harren der Klärung. Ueber allem steht das Selbstvertrauen, die Hoffnung, daß die nach uns kommenden aus dem, was wir noch leiden E. R. mußten, lernen werden. 158 Die Gleichheit Klasse J über 4000 Mt. bis 5000 t. 26,60 Mt. Monatsbeitrag K " " L 5000 10000 10000 33,20 10 W " " 15000 40, " " " " " " " M 15000 30000 " " " 48, " " " Die Bestimmungen, wonach die Frauen als Beisitzer des Rentenausschusses, des Schiedsgerichts und des Oberschiedsgerichts der Angestelltenversicherung minderen Rechts sind als Männer, werden gestrichen. Eine Befreiung von der eigenen Beitragsleistung auf Grund einer Lebensversicherung, wie dies bei dem alten Gesetz der Fall war, ist nach dem neuen Gesetz nicht zu gelassen. Alte Bewilligungen der Befreiung bleiben aber bestehen. Angestellte, die infolge Erhöhung ihres Einkom. mens auf mehr als 15 000 mt. vorübergehend aus der Vers sicherung ausgeschieden waren, müssen, wenn sie den Verfall der früheren Beiträge vermeiden wollen, freiwillige Beiträge für die Zwischenzeit entrichten. Auf die bereits laufenden Ruhegelder werden monatliche Beihilfen von 70 Mt., auf Witwen- oder Witwer. renten monatlich 55 Mr., auf Waisenrenten monatlich 30 Mt. gezahlt. Diese Beihilfe wird den Rentenempfängern rückwirkend bis zum 1. Januar d. I. gezahlt. Im Herbst wird sich der Reichstag nun weiter mit der Aenderung des Reichsversicherungsgesetzes befassen. Briefe über Kindererziehung XV. Liebe Frau Margarete! Sie haben also leider einen Neffen, auf den, wie Sie mir mitteilen, das unvorteilhafte Bild der grünen Jungen", die aus bloßer Arbeitsscheu, Rauf- und Raublust bei jedem Putsch dabei sein müssen, Bug um 3ug so zutrifft, wie ich es in meinem letzten Brief schilderte. Dieser nichtsnußige Bengel fommt mir sehr gelegen und stiftet so wenigstens indirekt einmal Nutzen. Zwar könnte ich nun mit der billigen Weisheit kommen, daß eben die in der ersten Jugend versäumte Erziehung jetzt nicht mehr nachgeholt werden kann, wobei die weitere Korrektur der allerkostspieligsten Schule, nämlich der Schule des Lebens" empfohlen zu werden pflegt. Noch billiger, und darum schlechter, ist das uralte Rezept tiefergrimmter Bäter und sonstiger Despoten:„ Hauen, bis die Schwarte Inact", und wenn das auch nicht hilft bei entsprechenden Ber fehlungen: Ropf ab!" oder" An die Wand stellen!" Beides ist die Bankrotterklärung aller menschlichen Erzieherweisheit. Schlimm genug liegt freilich der Fall, und auch ich kann nicht verhehlen, daß möglicherweise der Spruch auf unheilbar!" Tauten muß, wenn der zu vollkommenster Willkür entartete Freiheitsdrang eines einzelnen alle Tauglichkeit für die Gesellschaft verfchiangen hat. Natürlich ein unheilbar" nur mit den vorsichtigen Einschränkungen des Arztes, der immer wieder einmal das Wunder der die Menschenweisheit lügenstrafenden Naturkraft erlebt. Ihre Frage lautet also richtig gestellt: Wie läßt ich noch ein Willen zu gemeinnüßigem Verhalten bei einem 3.dividuum erwecken, dem alle göttliche und menschliche Autorität einfach murst und schnuppe geworden ist? Und darum ist mir Ihr teurer Neffe willkommen als Gegenbeispiel, als Produkt einer Erziehung, wie sie nicht sein soll: 3war fenne ich seine näheren Verhältnisse nicht, vermute aber, daß das Bild von seiner Erzi hung, das ich auf gut Glüd hier zusammenfable, nicht allzuweit von der wpischen Erziehung" des Großstadtproletariats abweichen wird. Erbliche Belastung verschiedener, aber felten erfreulicher Art. Wohnung: die fattsam bekannten Elendshöhlen in Nord und Ost der Großstadt. Heim: Sobald er friechen kann: Hof und Straße. Erzieher: die älteren Geschwister und die Leidensgenossen draußen; Vater und meist auch Mutter scheiden aus, da ihre Erziehung nur darauf ausgeht, in der spärlichen Zeit ihrer Anwesenheit daheim„ Ruhe zu schaffen"; nämlich für fie! Die Schule: Anfangs erlösender Lichtblick; bald aber verdunkelt durch unerfüllbare Anforberungen an Wollen und Leisten; infolgedessen Hochschule für die Kunst, mit Lift und und Trug dem unbegreiflichen Despotismus der Erwachsenen ein Schnippchen zu schlagen. Mit Müh und Not werden einige flache Kenntnisse und Fertigkeiten am Wege aufgelesen; die Religionsstunde: Quelle wissensschlauer Heiterfeit über den vergeblichen Versuch mit untauglichen Mitteln dem verhaßten Gehorsam einen Heiligenschein umzuhängen! Dann von Eltern Nr. 16 und Kindern ersehnt, von jenen um der wirtschaftlichen Entlastung willen, von diesen in märchenhafter Erwartung von Genußfreiheit: die Konfirmation. Darauf das Arbeitsjoch. Rein Blid in die Herrlichkeiten der Natur, nur verzerrte Einblicke in das zwar nicht vollkommene, aber doch besserungsfähige Ganze der Kulturordnung, Bei den besseren Elementen tritt die Zucht der Partei ein; erst maliges Aufleuchten eines überindividuellen, erstrebenswerten Zieles! Dabei das Bewußtwerden kraftvollen Dranges nicht nur zur Befriedigung der Triebe durch Genuß, sondern auch des Dranges zur Betätigung. Ein wahres Wunder, zugleich eine noch längst nicht genügend gewürdigte Bestätigung des Sates von der ursprünglichen Güte der Menschennatur, das verhältnismäßig doch nur wenig, mehr aus Dummheit und unerfahrenheit als aus Bos heit, auf den Weg des Verbrechertums geraten! Gewiß nicht ganz ohne eigne Schuld! Aber wie riesengroß ist gegen ihr Quentchen Schuld die Schuld einer Gesellschaft, die sich diese Ordnung" gab! Und wie leicht der Schritt vom Gegner dieser Gesellschaft zum Feinde aller Menschengesellschaft! Fragen Sie nun einmal einen dieser Gesellschaftsfeinde, Ihren Neffen z. B., welche Zwecke er mit seinem Tun verfolgt! Ant wortet er Ihnen, wie wahrscheinlich, mit einigen eingelernten bolschewistischen Redensarten, daß nur durch radikalen Umsturz alles Bestehenden und mitleidslose Gewalt die große Weltrevo lution zu erreichen sei, oder ähnlich, so nehmen Sie ihn, ob er nun wolle oder nicht, ganz ernst und zollen Sie dem Idealismus seines Willens volle Anerkennung, der ja nicht seinen persönlichen Vorteil, sondern das Wohl der ganzen Menschheit im Auge habe. Es bleibt dann nur übrig, leidenschaftslos vor der Vernunft zu erörtern, ob der eingeschlagene Weg auch der richtige sei. Betennt er sich aber zynisch zum Egoismus als dem ihn allein leiten. den Ziel, so gilt es, ihm flarzumachen, daß er seinem dauernden eigenen Borteil am besten und sichersten diene durch evtl. sogar opferbringende Förderung des Gesellschaftswohls ebenfalls ein. fach eine Sache theoretischer Belehrung- Ob Sie damit freilich Glück haben, wird einerseits von der Stärke Ihrer Argumente, andererseits von dem Willen und der Fähigkeit des Verständnisses bei Ihrem Partner abhängen. Sie brauchen nun aber ich kenne Ihr Temperament nun! nicht gleich aufzufahren und mir vorwerfen, ob ich mich über Sie luftig machen wollte?" Das, was wir jetzt vorhaben und wozu Ihr ungeratener Schwestersohn den Anstoß gegeben hat, ist nichts anderes, als der Versuch einer weltlichen Begründung der Moral, die ich Ihnen schuldig bin, seitdem ich, ganz wie Ihr junger Bolsche wist, mein Handeln weder mehr durch göttliche Gebote und Ver bote, noch durch die Autorität der Eltern und Urahnen, noch durch die Angst vor dem Staatsanwalt, noch endlich durch Rücksichten auf das Urteil von„ Gevatter Schneider und Handschuhmacher" mir will bestimmen lassen. Davon das nächste Mal! Dr. Penzig. Konsumgenossenschaftliche Rundschau Obwohl die Dienste, welche die zwangsweise Bewirtschaftung der Ernährung des deutschen Volktes in Zeiten der Not geleistet hat, vielfach unterschätzt werden, ist ihr Fortbestehen nunmehr, nach fast völliger Durchlöcherung ihrer Organisation hinfällig geworden. Für die Genossenschaften bringt die Beseitigung der Zwangswirt. schaft auch eine gewisse Bewegungsfreiheit und damit die Möglich teit, die Beschaffung der Lebensbedürfnisse unseres Volkes auf gemeinwirtschaftlicher Grundlage, ohne Preisübervorteilung in die Wege zu leiten. Daß die konsumgenossenschaftliche Warenbeschaf fung als der idealste Ersatz der Zwangsbewirtschaftung von den Konsumenten selbst angesehen wird, beweist die ständige Steigerung der Mitgliederzahlen und Umfäße in den Konsumvereinen. So hat 3. B. der Konsumverein Berlin und Umgegend im letzten halben Jahre eine Umsatzsteigerung von 43,5 Millionen Mart auf 120,8 Millionen Mart aufzuweisen. Entsprechend gute Zahlen bringen die Berichte fast aller deutschen Konsumvereine. Ueberall zeigen sich Bestrebungen, durch Zusammenschluß mehrerer Konsumvereine die materielle und moralische Stoßkraft der Verbraucherorganisationen gegen den sich bereits wieder übermütig gebärdenden freien Handel zu stärken. Wo der genossenschaftliche Gedanke start genug ist, find solche Auswüchse bald zu beseitigen. Ein solches Beispiel unter vielen bringt der Konfumverein Aschersleben, welcher in den letzten zwei Jahren in 9 fleineren Orten Berkaufsstellen errichtete mit dem Erfolge, daß in allen Fällen die ansässigen Krämer nach wenigen Tagen ihre Preise herabfehen mußten. Die Erhöhung der Geschäftsanteile ist in fast allen Ronsumver einen beantragt und in den meisten bereits zur Durchführung ge Nr. 16 Die Gleichheit tommen. Im Berhältnis zu der ungeheuren Geldentwertung sind jedoch die bis jetzt vorgenommenen Erhöhungen völlig ungenügend. Erweiterungen und Berbesserungen der Anlagen erfordern bei dem vorhandenen Betriebskapital in den Leitungen der Konsumvereine oft wahre Finanzgenies. Die hervorragenden Leistungen der britischen Genossenschaften sind nicht zuletzt auf die günstige Finan= zierung derselben zurückzuführen. Im Januar 1916, also während Dorfriegszeitlicher Geldentwertung, betrug der Anteil am Betriebsfapital( also Geschäftsanteil, Reserven und Spareinlagen) ca. 322 Mark pro Mitglied, während in Deutschland nur 78 Mt. Betriebsfapital auf das Mitglied tamen. Die höhere Kapitalfraft bewirkte eine starte Eigenproduktion der britischen Genossenschaften und damit die Möglichkeit der Warenbeschaffung auf allen Gebieten. Eine weitere Folge davon war die Erhöhung des Umsages auf das 2½fache im Verhältnis zum Umsatz der deutschen Genossenschaften. Dessenungeachtet bleibt man in England nicht stehen, sondern agitiert lebhaft für die Erhöhung des Betriebskapitals. Die deutfchen Frauen, vor allen Dingen wir Arbeiterfrauen als die Träger der Genossenschaftsbewegung, müssen daraus lernen und unseren deutschen Genossenschaften durch Hinterlegung unserer Spargelder und volle Einzahlung der Geschäftsanteile über die finanziellen Schwierigkeiten hinwegzuhelfen suchen. Die politische Neutralität der Konsumvereine ist schon von„, den redlichen Pionieren von Rochdale", den ersten Gründern der Genossenschaftsbewegung, als Existenzbedingung aufgestellt worden. wo man von diesem Grundsatz abwich, z. B. in Holland und Frankreich, hat man schlechte Erfahrungen gemacht. Die tschechischen und tschechisch- flowakischen Verbände haben sich nunmehr auch veranlaßt gesehen, diesen alten Grundsatz wieder neu aufzustellen. Hoffen wir, daß auch bei uns, allen Anfechtungen zum Troh, sich die Erkenntnis durchringen wird, daß wirtschaftliche Organisationen wie die Genoffenschaften allen proletarischen Verbrauchern, ganz gleich welcher Barteiangehörigkeit, dienen sollen und dies nur können, wenn ihre Kraft nicht durch innere Kämpfe gebrochen wird. Die Erfämpfung politischer Ziele ist Sache der Parteien und nicht der Genossen fchaften. Andernfalls ist aber der seit einiger Zeit durch Gewerkschaften und Betriebsräte eingeführte Warenhandel ein Uebergriff in das Gebiet der Genossenschaften. Da man, wie nicht anders zu er warten war, auch schon viele Reinfälle damit erlebt hat, wird sich diese Einrichtung bald von allein abwirtschaften. Eine große Anzahl Gewerkschaften hat sich bereits energisch dagegen ausgesprochen. Die internationale Genossenschaftsbewegung hat einige eigen artige Neugestaltungen aufzuweisen. So sind auf der Insel Malta sowohl wie auf den Niederländisch- indischen Insein Konsumvereine gegründet worden. Wie schwierig solche Organisationen zu gestalten sind, kann man ermessen, wenn man beachtet, daß die Bewohner von Niederländisch- Indien zu 97 Proz. Analphabeten sind, und daß sich die Mitglieder nicht nur aus den Landeskindern, sondern auch aus Europäern, Chinesen und Arabern zusammenfezen. Die Hauptstadt Batavia kann in Zukunft für die internationalen Großeinkaufsgesellschaften als Bezugsort tropischer Spezialprodukte große Bedeutung erlangen. In Eger( Ungarn) hat man einen vorbildlichen Beweis genossenschaftlichen Eifers erbracht, indem man der dortigen Genossenschaft burch freie Sammlung aus Mitgliederkreisen einen Borschuß von 1 283 516 Kronen zwecks Warenbeschaffung zur Verfügung stellte. Die Genossenschaftsschule in Hamburg hat am 23. März ihren ersten Halbjahrskursus beendet. An der Hochschule zu Nürnberg ist für das Sommersemester eine Vorlesung über Genossenschaftswesen vorgesehen worden. Die Columbia- Universität in New York hielt ihren ersten genossenschaftlichen Rurfus ab, der von 130 Studenten besucht wurde und außerordentliches Interesse hervorrief. Der befannte Genossenschaftler Charles Gide ist zum Professor für konsumgenossenschaftliches Wesen am Collège de France bestellt worden. In Berlin ist vor einiger Zeit Mar Hoppe, einer der ältesten und bekanntesten Genossenschaftler, gestorben. Er war Mitbegründer des Konfumvereins" Vorwärts" in Dresden, welcher zu den ältesten Deutschlands gehört. In den letzten Jahren bis zu seinem Tode perwaltete er das Lager der Großeinkaufs- Gesellschaft deutscher Konfumvereine in Berlin. Elsa Rupprecht. Soziale Rundschau Die Beihilfe für langfristige Erwerbslose. Der Reichstag hat, wie erinnerlich, eine Entschließung angenommen, wonach den Gemeinden für die langfristig Erwerbslosen, die mehr als 26 Wochen erwerbslos sind, eine besondere Beihilfe zu gewähren ist, die es den Gemeinden ermöglicht, die nötigen An159 schaffungen an Kleidung und Schuhwerk für die. Erwerbslosen und ihre Angehörigen vorzunehmen. Wir erfahren dazu folgendes: 1. Die Sonderbeihilfe sollen auch diejenigen Erwerbslosen erhalten, die in den Tagen vom 12. bis 15. Juli d. J. Arbeit auf* genommen haben. 2. In die Frist von 26 Wochen sind einzurechnen a) Unterbrechun gen durch Arbeit( Bollarbeit, Kurzarbeit, Gelegenheitsarbeit); b) Unterbrechungen durch Urlaubsarbeiten, für die Erwerbslosenunterstützung nicht gezahlt worden ist, und durch Sperrung, wenn hernach Erwerbslosenunterstützung wieder bewilligt worden ist; c) die Fristen auf Grund§§ 11, 11a, 12 und 15 des Berliner Statuts; d) die zu a- c genannten Fristen dürfen insgesamt 24 Arbeitstage nicht übersteigen. Krankheitszeiten, die vor Stellung des Unterstüßungsantrages liegen, sind nicht einzurechnen. 3. Kurzarbeiter und Aussetzer erhalten keine Sonderbeihilfe, wohl aber die Bezieher von Leilunterstützung( bzw. Teilzuschlägen) und die erkrankten Erwerbslosen, deren Angehörige am Stichtage Bus schläge beziehen; auswärts Arbeitende, deren Familien hier die Buschläge erhalten, steht die Sonderbeihilfe nicht zu.. 4. Leben Ehegatten getrennt, fo soll die Sonderbeihilfe entsprechend den Unterstützungsbezügen verteilt werden. 5. Es sollen erhalten( vorbehaltlich der Ergebnisse der statistischen Feststellungen): Erwerbslose ohne Unterschied des Geschlechts über 16 bis zu 21 Jahren 300 Mt., über 21 Jahre, sofern sie im Haushalt eines andern leben, 400 mt.; über 21 Jahre, sofern sie nicht im Haushalt eines andern leben, 500 Mt.; Erwerbslose mit Ehegatten 600 Mt.; für jedes Kind unter 16 Jahren und sonstige zuschlagempfangende Angehörige 50 mt. Der Gesamtbetrag der Sonderbeihilfe für einen Erwerbslosen darf 800 Mt. nicht übersteigen. Aus der Frauenbewegung des Auslandes Rumänien. Der Senat in Buturest nahm mit großer Stimmenmehrheit das Gesetz an, das den rumänischen Frauen das Wahlrecht zu Gemeinderatswahlen bewilligt. Ein Zusatzantrag des Senators Poenaro, der das obligatorische Stimmrecht der Frauen vorfieht, wurde mit 61 gegen 22 Stimmen angenommen. * Finnland. Hier beschäftigt man sich mit einer Landtagsvorlage, die eine Reform der gesetzlichen Stellung der unehelichen Kinder bezweckt. Diese sollen im Erbrecht nach der Mutter und den müt terlichen Verwandten den ehelichen Kindern unbedingt gleichge. stellt werden, bezüglich ver väterlichen Seite nur dann, wenn der Bater das Kind als das feinige anerkannt hat. In allen Fällen soll der Mutter die elterliche Gewalt zustehen, es sei denn, sie habe fich als unwürdig erwiesen. Auch eine gemeindliche Generalvormundschaft für alle örtlichen illegitimen Kinder ist geplant. * England. Ein neues Kindergesetz wurde hier als Novelle zu dem Gesetz über Vormundschaft, Fürsorge und Unterhalt der Jugendlichen angenommen. Nach diesem Gesetz werden beide Eltern in bezug auf elterliche Gewalt und alle daraus hervor. gehenden Rechte als völlig gleichberechtigt anerkannt. Japan. Aktiengesellschaft für Mädchenhandel. Auf dem Kongreß der kommunistischen Frauen in Moskau erklärte die Vertreterin der koreanischen Fraren, daß in Korea japanische Aktiengesellschaften für den Mädchenhandel entstanden seien, weil die Not die koreanischen Frauen dem Laster in die Arme treibe. * Indien. Die Frauen von Südindien, Madras, Cochin, Tra vancore und Jalavar haben nun auch das Stimmrecht erhalten und sind den Männern gleichgestellt. Aus unserer Bewegung Miederplanih. An drei Albenden besprach Gen. Jahn an Hand von Bölsches Liebesleben in der Natur" und dem herrlichen Buch ,, Am Lebensquell" die Sexualfrage, die gerade in letzterem mit viel Zartgefühl und Reinheit dem Kinde seine Herkunft enthüllt. Leider sind viele Frauen infolge ihrer verkehrten Erziehung, insbesondere aber infolge des verderblichen Einflusses der Kirche nicht in der Lage, dem Buche zu folgen. Das trat am zweiten Abend recht deutlich zutage. Es tamen zwei Frauen in unser Zimmer, die ursprünglich nicht zu uns wollten, sondern zu den Bibelforschern, die im gleichen Lofal tagten. Diese beiden Frauen Sprengten nun im Orte aus, es würden bei uns unsittliche Vorträge gehalten, sie hätten den ganzen Abend nicht gewußt, wo sie vor Scham hinblicken sollten. Genosse Jahn las gerade an diesem 160 Die Gleichheit Abend einige Stellen aus dem Buche Am Lebensquell". Wer nun dieses Buch kennt und es gelesen hat, wird wohl nicht verstehen, wo hier etwas Unfittliches sein soll. Dieser Vorfall zeigt aber wieder, mie groß die Rückständigkeit mancher Frauen noch ist und wie notwendig Aufklärung ist. Am vierten und letzten Abend der Vortragsfolge wird der heißumstrittene§ 218 besprochen werden. Es steht zu hoffen, daß endlich auch die letzte Frau ihre Gleichgültigkeit aufgibt und sich in die Reihen der Kämpferinnen stellt. A. Lang. * Im Unterbezirk Waldenburg in Schlesien fand im Juli eine Frauenwoche statt. In 17 sehr gut besuchten Versammlungen, die zum Teil überfüllt waren, sprachen die Genossinnen Ansorge und Schilling, M. d. R., Franz, Menzel und Parteisekretärin 3ils aus Breslau über: Friedensvertrag, Steuern und Brotverteuerung. Das Thema bot reichlich Gelegenheit, den zahlreichen Versamm lungsbesucherinnen zu zeigen, daß die Mitarbeit der Frauen in der Sozialdemokratischen Partei eine Angelegenheit von höchster Be deutung in unserem Kampfe für die Verbesserung der Lebenshaltung der arbeitenden Menschen ist, für ihre wirtschaftliche und geistige Befreiung. In den Diskussionen tamen ausschließlich Kommunisten zum Wort, die aber bei den Frauen feinen Antlang fanden. Man sieht Timmer- Essig überall erhältlich! Nr. 16 in immer weiteren Kreisen ein, daß nicht die Politik der Phrase uns helfen kann, sondern allein die unermüdliche, zähe Arbeit unferer Partei, der Partei der Arbeit und der Frauen. Zahlreiche Aufnahmen und ein weiteres Stück Erziehungsarbeit zum Sozialis mus sind die Früchte dieser Woche. In den Bersammlungen wurde eindringlich Propaganda für die„ Gleichheit" gemacht, als hervor. ragendes Mittel zur politischen Schulung der Frauen. Diese Woche im Waldenburger Bergland war ein neuer Beweis für die werbende CI. 3. Kraft des Sozialismus. Zur Frauenkonferenz und zum Parteitag in Görlich wird die „ Gleichheit" als Doppelnummer( 18/19) in befonders festlicher Aufmachung erscheinen. Das Titelblatt zeichnet Ilfe Schüße- Schur; die Artikel werden sich überwiegend mit der Arbeit der Frau in der Gemeinde beschäftigen. Für Propagandazwede wird diese Doppelnummer mit den beiden Beilagen„ Die Frau und ihr Haus" und„ Kinderland" besonders geeignet sein und wir biffen deshalb alle Genoffinnen, in ihren Bezirken dahin zu wirken, daß Agifafionsegemplare bei der Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, bestellt werden. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bohm- Schuch. Druck: Vorwärts Buchdruckeret. Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. S. fämtlich in Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Gummiwaren für Familie u. Krankenzimmer Sauger, Eisbeutel, Frauendouchen, Spülapparate usw. Präservativs u. and. hygien. Bedarfsartikel u. Präparate, mediz. Tee usw. zur Gesundheitspflege. Prospekt und Preisliste diskret und kostenlos. 0.F.Demasier, Bin- Lichterielde, Mariannenstr.25 Die vollkommenen WHEELMANDY Biere Reichelk 146 Filialen in Groß- Berlin Zentralbetrieb: Schlesische Straße 28 REICHELT LADEWIG UNION LORELEY ASSMANN