Nr. 20 31. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Die Frau und ihr Haus Die Gleichheit erscheint 2 mal im Monat Preis: Vierteljährlich 3,- Mart Inserate: Die 5 gespaltene Nonpareillezeile 3,- Mart, bel Wiederholungen Rabatt Unser Weg Berlin 15. Oktober 1921 Bon Clara Bohm- Schuch Sonnengold lag über der schönen schlesischen Stadt während der ganzen Zeit unserer Verhandlungen. Das trug wesentlich zur Friedfertigkeit der Teilnehmer bei und es gab fröhliche Leute, die behaupteten, daß der Parteivorstand sogar mit Petrus eine Koalition geschlossen hätte. In der letzten Nummer der„ Gleichheit" sprach ich den Wunsch aus, daß die gesamten Görlitzer Verhandlungen Wegleuchten für die dunkle Zukunft werden möchten. Der Wunsch war fühn, und wenn wir in Görlig etwas gelernt haben, so ist es dies: wer nicht enttäuscht werden will, tut gut, weder zu wünschen noch zu wollen, sondern abzuwarien. Man erlebt dann vielleicht nur noch angenehme Ueberraschungen oder gar keine. Die Weisheit aller flugen Leute ist dies schon immer gewesen, und wenn wir Frauen fie so schwer erfassen können, wenn für uns diese Erkenntnis so ungeheuer bitter ist, so beweist das am Ende die Richtigkeit der Behauptung verschiedener Parteigenossen mir gegenüber, daß solche Frauen für das öffentliche Leben und für die Politik nicht taugen". Oder beweist es das Gegenteil? Ich halte mich nicht für objektiv genug, diese Streitfrage zu entscheiden, denn ich gehöre zu denen, die überrascht und enttäuscht und ein wenig müde aus Görlig heimgekommen sind. Und einen Weg, durch die dunklen nächsten Monate zu kommen, sehe ich auch jetzt noch nicht; das haben übrigens die klugen Leute mit uns törichten gemeinsam. Der Tagung des Hauptausschusses für Arbeiterwohlfahrt über die an anderer Stelle unseres Blattes noch berichtet wird wohnten neben den Delegierten zahlreiche Gäste bei. Das äußere Gepräge entsprach dem Sinn der Veranstaltung. Schwarz- rot- goldene Fahnen grüßten am Eingang, Blumen schmückten die Tische und über der Rednertribüne mahnte Goethes höchste sittliche Forderung:„ Edel sei der Mensch, hilfreich und gut." Die beiden Referate von Helene Simon und Dr. Caspari gaben Veranlassung zu einer außerordentlich sachlichen und fruchtbringenden Aussprache. Bedauern kann man, daß bei der Fülle des sehr gut zusammengestell ten Materials, welches Genossin Simon behandelte, manche Frage nicht so erörtert werden konnte, wie es für die Ver wendbarkeit in der Praxis wünschenswert ist. Den Bericht über die bisherige Tätigkeit des Hauptausschusses gab Genoffin Juch a cz. Es ist viel Arbeit zu leisten gewesen, ganz große Aufgaben liegen noch vor uns und sie können nur erfüllt werden durch engste Zusammen arbeit mit den tommunalen Wohlfahrtspflegestellen sowie durch regste Mitarbeit unserer Genofsinnen und Genossen. In der Diskussion stand der Austausch der Erfahrungen in den einzelnen Orten und Bezirken im Vordergrund. Es herrschte vollste Uebereinstimmung darüber, daß die Wohlfahrtsausschüsse im Rahmen der Partei bleiben, daß unsere Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morigplag 14838 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 sozialistischen Grundsäße und Ziele für diese fürsorgende Arbeit immer die Richtlinien geben müssen. Man war sich aber auch darüber klar, daß in der Praxis die Gefahr sehr groß ist, diese Grenzen zu verwischen. Und es ist eine ernste Mahnung an alle in der Wohlfahrtspflege Tätigen, nicht einen Augenblick zu vergessen, daß sie Mitglieder der Sozialdemokratischen Par tei sind. Folgende Entschließung des Hauptausschusses fand einstimmige Annahme: „ Die Wohlfahrtspflege erstrebt die zur Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Lebensfreude erforderliche Lebenshaltung aller Volksgenossen. Denn diese sind Voraussetzung der Steigerung der gesellschaftlichen Gütererzeugung und der kulturellen Höherentwicklung. Mithin berührt sich die Wohlfahrtspflege mit Wefens elementen des Sozialismus. Die Sozialdemokratische Wohlfahrts. konferenz fordert deshalb die Schaffung eines einheitlichen Reichs. wohlfahrtsgesetzes gemäß Artikel 9 der Reichsverfassung. Die Ausübung der Wohlfahrtspflege ist in die Hand der Selbst. verwaltungsförper zu legen." Die Reichsfrauenkonferenz war inhaltlich eine Fortsetzung der Wohlfahrtstagung. Die Aufgaben, welche die Frau in der Gemeinde auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet zu erfüllen hat, wurden vom Genossen Stadtrat Butzky Neukölln und von der Genossin Dr. Sophie Schöfer Auwed aus München in ausführlicher Weise dargestellt. Wies Genosse Wuzky den Plazz, an dem die Frau wirken kann, so sagte Sophie Schöfer, wie sie wirken soll. Sie stellte alles unter die eine große Aufgabe für Staat, Gemeinde und Familie: Menschenökonomie zu treiben. Nur durch Menschendasein und Menschenarbeit kann das Bolt, der Staat sich erhalten. Die Ausführungen waren so vorzüglich, daß nur gewünscht werden kann, daß viele unserer Genofsinnen sie im stenographischen Bericht nachlesen mögen. Das gleiche gilt von dem Referat der Genossin Hedwig Wachenheim über die Vereinsarbeit. In flarer Weise wurden die Ziele, welche die einzelnen Vereinsgruppen sich gesetzt haben, erläutert und die besonderen Aufgaben der Wohlfahrtsvereine in sich selbst und in ihrer Mitarbeit bei der kommunalen Fürsorge dargestellt. Arbeitsgemeinschaften für die Arbeiterwohlfahrtsausschüsse mit bürgerlichen Vereinen wurden da empfohlen, wo es für die Erreichung eines bestimmten Zieles zweckmäßig erscheint. Am zweiten Tage erstattete Genossin Ju chacz den Bericht über den Stand der Organisation und gab in ihren Ausführungen Winke für die Agitation, der wir uns nach dem bedeutenden Rückgang der weiblichen Mitgliederzahl mehr als bisher zu widmen haben. Dieses Moment wurde in der anschließenden Diskussion wohl beachtet, aber man stand immer wieder unter dem Eindruck einer Zerrissenheit der Kräfte, die wirksame Mittel zur Gewinnung neuer Mitglieder schwer finden läßt. Erfreulich ist, daß die Abonnentenzahl der„ Gleichheit" erheblich gestiegen ist. Das Lesen unseres Blattes ist sicher der beste Weg für die poli tische Schulung der Frauen. Die obligatorische Lieferung der„ Gleichheit" an alle weiblichen Mitglieder wurde nicht 194 Die Gleich beit beschlossen, dagegen ist es den Bezirken, welche das Obligatorium tragen können, warm empfohlen, es einzuführen. Die Hauptsache zur Erreichung eines guten Erfolges wird aber bleiben, daß jede Genoffin für die„ Gleichheit" wirbt. Am Sonntag, den 18. September, mittags 2 Uhr, waren die Frauentagungen vorüber und um 6 Uhr wurde der Parteitag eröffnet. Wer seine Zeitung in den Tagen gelesen hat, weiß, mit welch unterschiedlichem Interesse die Frauenveranstaltungen und der Parteitag behandelt wurden. Das ist vollkommen verständlich, beweist aber nur mehr die Richtigkeit des von mir vertretenen Standpunkts, daß gesonderte Reichsfrauenkonferenzen nicht mehr stattfinden sollten, wenn nicht besondere Umstände dafür sprechen, dagegen den Frauen auf dem Parteitag mehr Raum gegeben werden muß. Der künstlerische Teil der Eröffnungsfeier war sehr schön: Orgeltonzert, ein von dem Regiffeur des Görlizer Stadttheaters meisterhaft gesprochener Prolog, Männergesang, Begrüßung durch unseren alten Görliger Genossen Keller. Dann kam die an den Journalistentischen mit Spannung erwartete Rede des Parteivorsitzenden Hermann Müller. Sie war eine scharfe Kampfansage an die Deutsch nationalen und dennoch eine Vorbereitung dessen, was kommen sollte. Beachtenswert aber war es, daß in allen Ansprachen der ausländischen Gäste als Leitmotiv widerklang: verbreitert die Regierungsto a lition, wenn es geht, nach rechts und links. Im Ausland wird also die Vereinigung der deutschen Sozialdemokratie mit bürgerlichen Parteien in einer Regierungsgemeinschaft anders beurteilt als bei uns. Bis Görlitz hatten unsere höchsten Parteiinstanzen in lebereinstimmung mit der Reichstagsfraktion und der Mehrheit. der Parteimitglieder es abgelehnt, mit der deutschen Volkspartei in eine Regierungsfoalition zu gehen. Eine Berbrei. terung der Regierungsbasis war dagegen nach den Wahlen vom 6. Juni 1920 unfer Wunsch und unser Ziel, und es ist von unserer Parteileitung alles getan worden, dieses Ziel zu erreichen. Die Unabhängigen lehnten die verantwortliche Mitarbeit in einer Regierung mit den Demokraten und der Zentrumspartei ab, sehr zum Schaden des arbeitenden deutschen Volkes und obwohl sie infolge des Mandatszuwachses, den ihnen die Wahlen gebracht hatten, dazu verpflichtet waren. Uns blieb damals bei der Hal. tung der Unabhängigen nichts anderes übrig, als den bürgerlichen Parteien mit Einschluß der Deutschen Boltspartei die Regierung allein zu überlassen. Der Erfolg dieser rein bürgerlichen Regierung war schließlich das Ultimatum der Entente an Deutschland, über welches in Nr. 5 und 10 Der„ Gleichheit" geschrieben worden ist. Die Unterzeichnung dieses Ultimatums lehnte die Deutsche Volkspartei ab. In schwerster Stunde stellte diese Partei ihre eigenen Intereffen über die Interessen des gesamten Voltes, wie oft zuvor. Und die Sozialdemokratie sprang ein, um die Besetzung des Ruhrgebietes in zwölfter Stunde zu verhindern. Die Unabhängigen billigten wohlwollend unser Tun, weil sie wie wir überzeugt waren, daß die Besetzung das Ende Deutschlands bedeutet hätte, aber selber Hand anzulegen bei der Regierungsarbeit, dazu konnten sie sich auch jezt nicht entschließen. Durch diese Haltung der Deutschen Volkspartei und der unabhängigen Sozialdemokratie murde die Regierungsumbildung in Breußen, die nach dem Ausfall der Landtags wahlen notwendig geworden war, start beeinflußt. Die Unabhängigen wollten auch dort nicht mit in die Regierung gehen und mit der deutschen Volkspartet, die sich im Reiche in schwerster Stunde als so unzuverlässig erwiesen hatte, wollten unsere Genossen nicht zusammenarbeiten. Der Erfolg war, daß in Preußen sich eine rein bürgerliche Regie Nr. 20 von rung bildete, wie zuvor im Reich, nur noch um ein Teil reattionärer. So waren also im Staatenverbande der deutschen Republik die Regierungen der beiden größten Bundesstaaten Bayern und Preußen unter dem starken Einfluß von Par teien und Männern, die Monarchisten sind. Das bedeutet für die Republit eine ungeheure Gefahr, die nur gebannt werden konnte und auch jetzt nur gebannt werden kann durch die Zusammenarbeit der beiden sozialistischen Parteien. Ganz aufgezeigt wurde diese Gefahr erst durch die Ermordung des Abgeordneten Erzberger, wie anderseits durch die gewaltigen Demonstrationen gegen dieses Verbrechen offenbar wurde, welche Macht zum Schutze der Republik bereit ist. Einfach liegen die Dinge gewiß nicht, aber ich glaube, daß sich jeder Sozialist dieser Tatsache bewußt ist. Die Verpflichtungen, welche aus der Annahme des Ultimatums die Grenze der Leistungsfähigkeit erfüllt werden. Die Zahneuem für das deutsche Volk erwachsen sind, müssen bis an lung der ersten Raten war ungeheuer schwierig; die kapitalfräftigen Volksfreise haben nichts getan, um dem Reich die Zahlung zu erleichtern. Im Gegenteil, es ist durch unerhörte Devisenspekulationen der Wert unseres Geldes im Ausland die Lebenshaltung des deutschen Arbeiters immer mehr verherabgedrückt worden wie nie zuvor. Dadurch wieder wird schlechtert, während anderseits durch den minderen Wert deutschen Geldes die deutsche Ware im Ausland zu Breisen zu haben ist, die es den dortigen Kapitalisten einträglicher erscheinen läßt, die eigene Fabrikation stillzulegen, was wiederum, z. B. in England und Amerika, eine ungeheure Arbeitslosigkeit zur Folge hat. Amerika ist aus diesem Grunde bereits zur Abwehr der deutschen Einfuhr gekommen, und wenn dieses Verfahren sich durchsekt, bedeutet das vermehrte Arbeitslosigkeit und Zahlungsunfähigkeit Deutschlands. Was kann nun gefchehen, um diese fast unübersehbaren Schwierigkeiten zu überwinden? Hier ist nun unsere Parteileitung zu der Antwort gekommen, daß ein Durchkommen nur möglich ist, wenn weiteste Boltstreife, vertreten durch die Parteien, sich zu der Mitarbeit in Landes- und Reichsregierung zusammenfinden. Die Konsequenz dieser Erkenntnis war, daß der Parteivorstand für etwaige Verhandlungen mit anderen Parteien die Hände frei haben wollte, und zu diesem Zwecke mußte die Bindung, welche durch den Beschluß des Deutschen Volkspartei einzutreten, bestand, gelöst werden. Kaffeler Parteitages, in keine Regierungskoalition mit der Deshalb wurde dem Parteitag in Görlitz eine Entschließung vorgelegt, welche als grundsätzliche Forderungen für eine Zusammenarbeit innerhalb einer Regierung folgende aufstellt: ,, Anerkennung und Berteidigung der Republik. Sicherung des demokratischen Selbstbestimmungsrechtes des Bolles in Reich, Staat und Gemeinde. Demokratisierung der Berwaltung und Republikanisierung der Reichswehr und der Polizeiorgane. Sicherung und Ausbau der Sozialgesetzgebung. Politik der Völkerverständigung. Loyale Erfüllung des Friedensdiftates in den Grenzen unserer Leistungsfähigkeit und Aufbringung der dadurch bedingten Lasten in erster Linie durch weitestgehende Heranziehung des Besizes." Sie wurde vom Parteitag mit 290 gegen 67 Stimmen angenommen. Dieser Beschluß des Parteitages erregte in weiten Kreisen der Mitgliedschaft das größte Befremden, und zwar nicht so sehr um seiner selbst willen, als um der Begründung willen, die ihm auf dem Parteitag gegeben wurde. Hätte der Parteivorstand die sehr plögliche Aenderung feiner Parole: nicht mit der Deutschen Boltspartei, welche er bis furz vor dem Parteitag vertrat, mit der tatsächlichen Entwicklung der Dinge begründet, hätte er sie als die lette, bitterste Notwendigkeit hingestellt, dann wäre die Wirkung wahrscheinlich eine etwas andere gewesen. Aber beweisen zu wollen, daß dieser Beschluß in der Linie der bisher vertretenen Ansicht liege, Nr. 20 Die Gleich beit war etwas zuviel des Guten. Noch in der Parteitagsnummer der„ Neuen Zeit" schrieb ein Vorstandsmitglied: " Freilich mit Stinnes und mit jener Gruppe, die seinen Spuren folgt darüber kann ein Zweifel nicht bestehen fann die deutsche Sozialdemokratie nicht zusammen in einer Regierung arbeiten." Und wenige Tage später wurde die Zusammenarbeit mit jenen Leuten empfohlen, wenn sie nur die aufgestellten Grundforderungen unterzeichneten. Es kann sein, daß der Besitz anders zu den Leistungen herangezogen werden kann, wenn seine Vertreter mit in der Regierung sind. Es fann aber auch sein, daß sie nur deshalb mitregieren wollen, um so gesicherter vor dem Eingriff des Staates in ihre Vermögenswerte zu sein. Nach den Erfahrungen, die in den drei Jahren seit der Revolution mit biesen Leuten gemacht wurden, vor allem nach den Erfahrun gen des 12. Mai, wäre Vertrauen nach dieser Richtung mehr als Dummheit. Von Spaltungstendenzen in der Deutschen Volkspartei ist geredet und geschrieben worden, weil auch dort Kräfte am Werke seien, die den ehrlichen Willen haben, die Republik zu schützen. Das mag wohl sein, aber dadurch werden noch lange nicht die fapitalistischen Interessen gelöst, die diese Kreise verbinden, so eng verbinden, wie das fozialistische Interesse der Arbeiterschaft, trotz aller äußeren Trennungen. Die deutschen Nationalisten hofften während des Krieges auf die Spaltung der Entente, auch heute gibt es noch viele dieser hoffnungsvollen Toren. So ungefähr ist es aber, wenn jemand auf die Spaltung innerhalb der Deutschen Volkspartei baut. Die Reichstagsfraktion hat den Görlizer Beschluß so interpretiert, wie es allein geschehen darf. Darauf ist unsere Bartei nochmals mit der unabhängigen Sozialdemokratie wegen der Mitarbeit in der Regierung in Verbindung getreten. Die Entscheidung über das Geschick der deutichen Arbeiterschaft liegt nochmals, wie nach dem 6. Juni 1920 und im Mai 1921, bei den Unabhängigen. Werden sie jetzt tun, was sie müssen, * Feuilleton Arbeitshände Wie fein und still die Frauenhände ruhn, flun fie vom Cun ermattet find Wie eines Kindes nähm' ich gern mich ihrer an, Und Streichelte die Hände, die fo viel getan. Sie fagen Dinge, die die Augen mir verschweigen, Ein ganzes Dafein zeigen diefe feinen Linienzeichen, Als wären alle weichen Lebensdinge Längst für fie am Ende, Und nichts um Freude, nur um tragisches Gefchehen Wüßten diefe Hände. So müde find fie, wie sie dort im Schoße liegen, * Als trügen fie die Laften taufender geknechteter Gefchlechter, Und find doch mütterlich und voller Gütigkeit Voll Fleiß und Пery und unerhörter Tapferkeit Wie ruhevoll sie sind und doch wie voller Kraft und Spende! Sie haben eine and're Schönheit Als die der weichen arbeitslofen Hände, Die am Ende nur mit den Dingen spielen, Sie fühlen in das Herz des Lebens, Und nicht vergebens Tragen fie die Schönheit einer Seele. Frieda Winckelmann. Klara Müller- Jahnke zum Gedächtnis 98 Gestorben am 4. November 1905 Von Friedel Schirbel enn die Maiensonne so recht frühlingswarm auf die märkische Heide schaut, wenn Lerchenlieder ins Menschenherz strömen, dann kann der lustige Wind gar oft einen Bauchzer von Menschenlippen holen und ihn zu den Wolken 195 werden sie mit uns die Berantwortung tragen und den Fort schritt erkämpfen helfen? Die Steuergesetzgebung steht be. vor. Neue Lasten muß das deutsche Volk auf sich nehmen, wenn es nicht untergehen will. Nur wenn die Unabhängigen mit in der Regierung sind, fann der Besiz so belastet wer den, daß die übrige Last für die arbeitenden Massen tragbar bleibt. Werden wir durch die Entwicklung gezwungen, die Reichsregierung wieder, wie nach dem 6. Juni, den bürgerlichen Parteien allein zu überlassen, so daß sich deren Politik hemmungslos entfalten kann, dann wird es traurig für die Arbeiterschaft. Die Meinungsverschiedenheiten innerhalb unserer Bartel werden wir austragen und ausgleichen, wie es bisher stets geschehen ist: sachlich und ehrlich. Auf keinen Fall dürfen wir uns durch Enttäuschungen, die verständlich und berech tigt sind, von der Parteiarbeit zurückziehen. Im Gegenteil, auch Görlig fann nur ein Ansporn sein, so zu arbeiten und zu werben für unsere Sache, daß wir einmal, gestützt auf un fere eigene Kraft, ohne die Hilfe anderer Parteien die Ge schicke des Volkes führen können. Und darum möchte ich, daß wir Frauen in der Politik doch nie die Weisheit der flugen Leute erlernen. Ausblick Caßt uns schauen ins Licht, in den hellen Tag, Wer hell und ficher zu schauen vermag. Im Licht nur enthüllt fich der ewige Wert: verheert. Zielicharfe Tat, die erbaut und Flammen auflodern, Flammen erglühn; Laßt uns mit brennenden Fackeln ziehn. Löfcht aus jeden schwächlichen, müden Verzicht, Bannt es zur Erde, das ewige Licht. Freie find wir! Frei unfer Tun. Laßt uns nicht schwanken, noch zögernd ruhn. Wirkende Arbeit, läuternde Kraft: Und neu der Mensch feine Erde erfchafft! tragen. Sind nun aber viel solche Menschenlippen und viel solche Jauchzer da, dann gibt das ein Singen und Klingen in der blauen Luft, daß die Bögel erstaunt in ihrem Ge. zwitscher innehalten. Ja, aber dafür ist's auch Sonntag, Ihr kleinen gefiederten Freunde, und Sonntags habt Ihr immer Konkurrenten, das sind frohe, alltagvergessende Men schenkinder. Doch heute wollen die einmal nicht jauchzen, sondern ernst und still eine Totenfeier halten. Kommt mit uns, Ihr sollt dabei sein, und Du, liebe Maiensonne, auch Dich laden wir ein, strahle, gib uns Gold, hier steht ja die Jugend am Grabe Klara Müller- Jahnfes. Du hast diese Frau doch nicht etwa schon vergessen, keine hat Dich und Deine Herrlichkeit in schönere Worte zu fleiden vermocht und Der Menschheit damit frohere Stunden gegeben, feine hat Dich inniger angebetet und feine hat Dich tiefer erkannt. Komm mit zu Ihrem Grabe, Du sollst die Tote sprechen hören." Ganz still und einsam auf der Höhe, weit weg von den übrigen Gräbern des kleinen Heidefriedhofes, da, wo sonst die Ausgestoßenen schlafen, wo aber die Vögel desto schöner singen und die Blumen üppig und wild blühen, da ist's, dort trägt ein großer Granitstein ein Frauenbild mit scharfen markanten Zügen und einem vom festen Willen sprechenden Mund. Um diesen Stein hucken Wachholdersträucher wie fleine grüne Männchen, und auf ihren Köpfen halten die Waldvögel die Totenwacht.„ Goldene Sonne, Du wirst denken: Wie ist es den jungen Menschen? indern möglich, tros Frühlingswind und Vogelsang mit so ernsten Augen und andächtigen Mienen, aus denen tiefes Miterleben spricht, dazustehen und zu lauschen, zu lauschen den Worten einer Frau, die rote Rosen in den Händen hält als Gruß der Lebenden an die Tote und Worte spricht, die sich warm und 196 Die Gleichheit Nr. 20 Erste Arbeiterwohlfahrtstagung in Görlitz ,, Und Menschen werden wieder Menschen sein," so flang es im Lied, das zur Begrüßung der Arbeiterwohlfahrtstagung gesungen wurde. Und daß dies auch das Ziel der ganzen Wohlfahrtspflege sein muß, dieser Gedanke fehrte immer wieder. Zweck der Tagung ist es vor allem, den jenigen, die der Arbeiterwohlfahrtspflege feindlich und steptisch gegenüberstehen, zu zeigen, wie und in welcher Richtung die Wohlfahrtspflege von der Arbeiterschaft gefördert werden fann. Die Arbeiterwohifahrt will durchaus nicht die Unzahl der privaten Wohlfahrtsvereinigungen vermehren; sie will fein gewöhnlicher Wohltätigkeitsverein sein. Das herrschende Motiv der Tagung war gewiß nicht die Frage: Wie betreiben wir Wohltätigkeit? sondern: Wie bauen wir die Wohlfahrtspflege so aus, daß die Wohlfahrt aller auch wirklich erreicht wird, wie überbrücken wir den Zwiespalt zwischen Notwendigkeit und Möglichkeit? Durchdrungen waren die Beratungen von dem Gedanken: Wir wollen und wir wer= den uns durchsetzen, weil wir den Dingen am nächsten stehen. Und Menschen, die den Dingen am nächsten stehen, sprechen auch zu den Themen, Menschen, die der Not des Lebens auf den Grund gesehen haben, Menschen, die sich in ihrer Tagesarbeit mit den theoretischen und praktischen Fragen der Wohlfahrtspflege und ihrer Ausübung befassen, Menschen, die helfen wollen beim Umgestalten, nicht beim Helfen! Nicht Hilfe um der Hilfe willen! Aber Hilfe aus innerer Notwendigkeit, Hilfe aus erlebter Erkenntnis der Elendswurzel! Genossin Helene Simon hatte die schwierige Aufgabe, das weite Gebiet der sozialen Wohlfahrtspflege in großen Zügen zu umreißen, die Ziele aufzudecken und die Zusammenhänge zwischen Arbeiterwohlfahrt und sozialer Fürsorge klarzulegen. Von der Voraussetzung ausgehend, daß Aufgabe und Ziel der modernen Wohlfahrtspflege in der weich in die Herzen stehlen! Ja siehst Du, wenn solche Worte flingen, dann gibt's offene, empfangende Seelen und die Andacht ist wunderbar, gewaltig und heilig, es ist eine wahre Andacht, die freier ist als die hinter bunten Kirchen fenstern und mit Orgelspiel fünstlich erzeugte. Und wenn Du von dort oben aus nicht gut hören kannst, was die Frau mit den roten Rosen erzählt, dann will ich's Dir noch einmal fagen. Sie redet von den Kämpfen und Siegen, von dem immer nur furzen Glück der großen Toten. Wie die Schönheitsdürstende mit feinem Empfinden die Leiden ihrer Mitmenschen linderte, wie sie sich in ihrer frühesten Jugend aufbäumte gegen alles, was sie für ungerecht erkannte, wie sie tapfer fämpfte für geistige Freiheit und noch tapferer fämpfte ums tägliche Brot. Kaum angelangt auf dem schwer erfämpften Glückspfade, bereit, ihre große reine Liebe in Ruhe und Freude auszustreuen, riß sie der Tod hinweg. Sie, die Frau des Volkes, durfte diese arabe, araudine Beit mitt mahr erleben, ihren Mitschwestern nicht die bittern Tränen trodnen, sie durfte nicht in ihren wunden Herzen lesen; nie hätte das stille Heldentum der Frau schöner geleuchtet, wenn sie berufen gewesen wäre, es zu erkennen. Das sind die Worte, die der Toten gelten; fie liegen schwer tief drinnen im Innersten der jungen Zuhörer und legen einen Trauerflor um all die Frühlingsherrlichkeit, die sie umgibt. Doch jetzt, liebe Sonne, Du lachst wieder, freust Du Dich über jenes junge Mädchen, das jetzt den Platz am Grabe der Dichterin einnimmt, um Dir das ermächtnis der großen Toten zu übergeben? Hat man Dir jemals schöner gehuldigt, ich glaube nicht, denn Du warst noch nie den Menschen so nah. Hörst Du, jener Mädchenmund fündet Dir non der großen Sonnensehnsucht der Dichterin, von der Sehnsucht nach Leben, Licht und Kraft. Jetzt schau in all die klaren, allmählichen Ersetzung der Armenpflege durch Verhütung der Klassenarmut wurzeln, deckte sie die Zusammenhänge auf zwischen sozialer Wohlfahrt und Sozialismus. Will der Sozialismus allen Menschen gleichen Anteil an allen Kulturgütern schaffen, so will die allgemeine Wohlfahrtspflege jedes Sinken unter ein der jeweiligen Kulturwirtschaft entsprechendes Verbrauchsmindestmaß verhüten. Ist die allgemeine Wohlfahrtspflege auch ihrer Natur nach unpolitisch, so ist ihre Erfüllung doch an gewisse politische Voraussetzungen gebunden. Der Inhalt der Wohlfahrtspflege umfaßt im allgemeinen die Summe der vorbeugenden, heilenden und versorgenden Maßnahmen, die ers forderlich sind, um die Gesamtheit des Bolles gesund und lebenskräftig zu erhalten. Die soziale Wohlfahrtspflege muß vor allem gesetzliche Grundlagen erhalten. Sie muß durch Zusammenfassung aller Kräfte, durch Vereinheitlichung und Systematisierung schneller und durchgreifender zu einem Höchstmaß von Wirksamkeit kommen. Sie wird mit geringerem Kostenaufwand tiefere Wirkungen erzielen als geschäftiges, zersplittertes Neben- und Durcheinanderarbeiten. Genosse Dr. Caspari sprach über die gesetzlichen Grundlagen der Wohlfahrtspflege. Er hebt namentlich den Unterschied zwischen Wohlfahrtspflege und Wohltätigkeit hervor, diese zmei Begriffe, die so ähnlich flingen und so wesensverschieden sind. Er betont, daß die Wohlfahrtspflege nötigenfalls auch mit 3wang arbeiten muß, daß gesetzliche Bestimmungen zur Sicherung der Wohlfahrtspflege unerläßlich sind, daß die Zusammenfassung der übergroßen Zahl verschiedenster Wohlfahrtsgesetze in einem Reichswohlfahrtsgefez erfolgen müsse. Auch der Zusammenhang zwischen Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik ist zu erfassen. Die Sozialpolitik ist nur ein Teilgebiet der allgemeinen Wohlfahrtspflege; wendet sich diese an alle, so erfaßt die Sozialpolitik nur bestimmte Schichten der Bevölkerung; auch fehlt ihr das Merkmal der persönlichen Fürsorge. Die Formen der allgemeinen Wohlfahrtspflege sind zahlreiche, vor allem Vorbeugung, Heilung und Versorgung. glänzenden Augen; es richten sich alle Dir zu; eine einzige große Erfenntnis spiegelt sich in ihnen wider: Wie lebten wir bisher in einer kleinen niedrigen Welt. Wir wollen, wir müssen Dir entgegen, Sonne, wir wollen mehr von Deinem Gold, von Deiner Schönheit und Wärme; wir müssen von alledem ein bißchen in die Stadt zu den andern tranen, die noch gar nichts haben, weil sie arm und müde sind, Dich zu fuchen!" Ueber all diefer Sonnenanbetung singen die Vögel fo fchön, als wüßten auch sie der Dichterin zu danken. Soviel Gold streust Du gute Sonne über all die jungen, fchweigsamen Ge= stalten aus, als wolltest Du sie einhüllen in goldene Mäntel aus Dankbarkeit für die Ehrung, die man Dir gab. Du wirst das stille, einsome Grab, von dem wir jetzt scheiden, auch weiterhin im Bunde mit den kleinen Waldvögeln behüten und die roten Rosen, unseren Lebensgruß, weithin in die Heide leuchten lassen, daß jedermann sehe, wer hier schläft. I Das war doch etwas Bon Alfred Fritsche n unserem Hause wohnt der fleine Franz Schmidt. Der wurde heute eingesegnet. Das heißt, man hatte ihm lange Hosen über die dünnen Vogelbeine gezogen, ein grünes Pflänzchen an das Jakett gesteckt, einen schwarzen Hut auf den Kopf gestülpt, eine Zigarette gefchenft, einen Napftuchen gebacken, ihm gesagt, daß er nun nicht mehr in die Schule zu gehen braucht, sondern jetzt ins Leben tritt". Der Pastor hatte dasselbe mit gefalbter Stimme wiederholt und nunnach all diesen aufgeregten Stunden, die in einem guten Mittagessen ihre Krönung fanden, nun fikt der kleine, Nr. 20 Die Gleich beit Grundsatz der Wohlfahrtspflege muß sein: die vorhandenen Kräfte und Möglichkeiten müssen ausgenutzt und gefördert, die verlorenen Kräfte müssen wieder ersetzt werden, die völlige Hilfslosigkeit muß versorgt werden. Zur einheitlichen Durchführung der sozialen Fürsorge ist ihre Zusammenfaffung in Wohlfahrtsämtern notwendig. Bei der ganzen Wohlfahrtsarbeit müssen wir uns als Sozialisten immer deffen bewußt sein, daß wir aus Sozialismus Wohlfahrtspflege treiben müssen. Ist doch die Wohlfahrt aller unser politisches wie unser soziales Ziel! Nach einer ausgiebigen Debatte, in welcher namentlich manch flares mütterliches Wort aus Frauenmund gesprochen wurde, schloß der theoretische" Teil der Tagung, der eine Fülle von praktischen Fragen aus der Wohlfahrtspflege erörtert hatte. G. G. Die Mitarbeit unserer Genossinnen in der Wohlfahrtsarbeit als Notwendigkeit Tagungen sind dazu da, um zu klären und zu fördern, Aussprache herbeizuführen und Meinungen auszutauschen. So viel ich beobachten fonnte, ist die erste Tagung der Ausschüsse für Arbeiterwohlfahrt in Görlitz auch dazu benutzt worden. Dabei aber machte sich eines für mich ganz besonders bemerkbar. Frauen, die Jahre schon in der Wohlfahrtsarbeit standen, auch Frauen, die in einem unserer Parlamente, also Landtag oder Reichstag, oder auch in Stadtverwaltungen mitarbeiten, fanden sich zur Aussprache leicht zusammen. Sie waren eben geschult und ihnen war die Arbeit miteinander als Notwendigkeit dieser Tagung klar. Aber unsere Frauen, die noch wenig in der Oeffentlichkeit mitwirkten, oder denen es noch an Redemut fehlte( und das sind nach meiner Empfindung sehr viele sehr wertvolle Frauen aus Arbeiterfreisen), kamen nicht zu ihrem Recht. blasse Franz Schmidt auf dem Fensterbrett, starrt auf den Hof und denkt darüber nach, ob wohl noch ein Verwandter heute zu Besuch kommt und daß er nun, ins Leben getreten" sei. Das ist ihm bis jetzt ein ziemlich blutleeres Erlebnis gewesen. Da friegt er plötzlich einen Schreck. Fünf Männer traben über den Hof, haben Trompeten in der Hand und kommen direkt auf den Treppenaufgang zu, der zu Schmidts Wohnung führt. Aha, denkt der kleine Franz und erschauert in Glückseligkeit, die bringen Dir jetzt ein Ständchen! Wie bei den andern allen, die vor ihm eingefegnet wurden. Da war er auch immer mitgelaufen und hatte sich nach einem Konzert gesehnt, das nur ihm galt. Ihm zu Ehren! Dem kleinen blassen Franz Schmidt zum Ruhm. Und jetzt winkt seinem Wunsche die Erfüllung! Richtig, da fängt es schon an. Erst mit schwerem Baß und dann geht es leichter hinauf: Trarara ra trara! ra Irgendwo flappern Fenster. Nachbarn stecken die Köpfe heraus, biegen die Ohren nach vorn und blicken auf den fleinen Schmidt. Der strahlt. Leichenblaß vor Aufregung ist er. Trarara! machen die Trompeten. Und dann ist es still. Ganz ftill. Man klopft an die Türe von Schmidts Wohnung. Die Mutter öffnet. Ein Mann tritt herein, der hält in der einen Hand feine Trompete, in der anderen schwenkt er einen Zylinder. Der Mann reißt den Mund auf, sieht den kleinen Franz Schmidt groß an und hält eine Rede nicht lang. Dann schüttelt er ihm die Hand und hält die seine geöffnet. Die Mutter drückt ein paar Papierscheine hinein, die Musiker berbeugen sich und fangen wieder an zu spielen. Aus der Jugendzeit aus der Jugendzeit tra ra 197 Es ist begreiflich, daß eine erste so große Tagung sie in mancher Weise überschüttet mit Neuem, das gar nicht so schnell überwunden werden konnte. Außerdem aber will es mir scheinen, als ob wir, die wir schon alt sind in Arbeit der Wohlfahrt und gewandt, oft schon durch unsere Erziehung und unser Leben im Elternhause, nicht immer die nötige Rücksicht nehmen auf unsere ungeschulten Genoffinnen und noch weniger ihnen unsere überflüssige Zeit bei solchen Tagungen zur Verfügung stellten. Ich habe auch gefunden, daß manche Genoffin bei der Besichtigung von Anstalten( Kinderheimen usw.) viel weniger Kritik anwendete oder anwenden konnte, als wir, die wir lange im Beruf stehen, sie anwenden können. Eine große Verantwortung haben wir Frauen, die wir uns der sozialistischen Partei angeschlossen haben, auf uns genommen. Wenn wir auch nur einen Hauch von anderem Geiste in die Reihen unserer Genoffinnen tragen, als wir verantworten können, verfündigen wir uns an der ganzen Partei. Unsere Genossinnen aber viel mehr noch, viel ernster noch, viel bewußter noch zur Mitarbeit heranzuziehen, ihnen die verantwortlichen Stellen in unserer Partei erreichbar zu machen, dies sei unsere höchste und vornehmste Aufgabe. Die nächste Wohlfahrtsbewegung im Bezirk, ihre Zusammensetzung, die abendlichen Zusammenkünfte der Genossinnen und der Zusammentlang unserer Arbeitserfahrungen wird lehren, ob wir aus diefer ersten Tagung lernten. 11 Gewerkschaftliches Lotte Möller. Der Gewerkschaftlichen Frauenzeitung" entnehmen wir folgende Ausführungen der Genoffin Martha Hoppe: Bei der vom 27. Juni bis 2. Juli in Breslau tagenden 14. Generalversammlung des Deutschen Textilarbeiterverbandes waren 520 Delegierte erschienen, 473 männliche und 47 weibliche, die 560 000 Die Mitglieder vertraten. Stimmberechtigt waren davon 478. Mitgliedschaft des Verbandes besteht zu zwei Drittein aus weibfrau faltet die Hände über den Bauch und die Kinder, die auf den Treppenstufen sizzen, bohren sich vor Verwunderung in der Nase. Franz glüht. In seiner Brust weht heißes Feuer. Ganz vergeht er in dem Rausch der Blechmufit. Die Augen sind geblendet von den gelben, blanken Messingtrom= peten. Die schaufeln nun wieder auf den Schultern der Männer die Treppe hinunter. Die Musiker gehen. Schwer und stampfend. Die Kinder laufen davon, die Fenster der Nachbarn flirren zu und eine Treppe höher sagt eine Stimme: „ Das ist nun etwas, solche Bettelei mit die Musike!" Franz hat das Gott sei Dant nicht gehört. Das hätte ihm den Schritt ins Leben unmöglich gemacht. Denn graue Tage liegen vor ihm, aus deren Eintönigkeit manchmal ein Trom= petentusch emporschmettern wird. In diesen Stunden werden seine Augen einen blendenden Glanz empfangen, der von gelben, blanken Messinginstrumenten herrührt. Wenn mich jemand um die Aermlichkeit solch einer Feier befragt und auf schönere hinweist, so denke ich an unser Haus, den kleinen, blassen Franz und an das Trompetenkonzertdas war doch etwas. Wie kann man fich felbft erkennen? Durch Betrachten niemals, wohl aber durch бandeln. Verfuche, deine Pflicht zu tun, und weißt gleich, was an dir ift! Was aber ift deine Pflicht? Die Forderung des Tages. * Goethe, Arbeit ist das einzige, aber auch ein ausreichendes Mittel gegen muß, der hat den Schweriten Teil desselben schon überwunden. alles Web des Lebens. Wer nach einem großen Leid viel arbeiten Burow. ra ra Fröhliche Menichen find nicht bloß glückliche, fondern in der Regel auch gute Menfchen! Weber. raaa!" Erst Baß und dann ein bißchen höher. Der Mutter treten die Tränen in die Augen, die Nachbars 198 Die Gleich beit lichen, so daß die Delegation der weiblichen Mitglieder in einem Berhältnis zu ihrer Zahl in der Organisation stand. Der Verband verfügt zurzeit über einen Kassenbestand von 11 174 600 mt. Dazu kommt noch ein nach den Beschlüssen der 13. Generalversammlung in Plauen angelegter Streiffonds von über 9 Millionen Mart. Unter den Ausgaben stehen Arbeitslosenunterstützung mit 3 877 561 Mt. und Streitunterstützung mit 3 428 621 Mt. an erster Stelle. Es folgen Krankenunterstützung mit 1783 473 Mt. und andere Unterstützungen mit zusammen 301 722 Mr. Aus der Tätigkeit des Verbandes ist hervorzugeben, daß nehon den zahlreichen Tarifverträgen, die weiter ausgebaut wurden, well sie meist nur auf Mindest- oder Richtlöhne eingestellt waren, 1102 Lohnbewegungen ohne Streit geführt, die 902 749 Beteiligten eine wöchentliche Lohnerhöhung von zusammen 33 852 Mark brachte und 4824 eine Verkürzung der Arbeitszeit um durchschnittlich 4% Sturde. Es handelte sich zumeist um solche Betriebe, welche mit der vom Verband eingeführten 46stündigen Arbeitswoche noch im Rückstande waren. 82 Angriffsstreils, fast restlos mit Erfolg geführt, brachten 47 990 Personen eine möchentliche Lohnerhöhung von 1876 421 Mt. Bei 18 Abwehrstreits mit 4426 Beteiligten handelte es sich hauptsächlich um Abwehr gegen beabsichtigten Lohnabbau der Unternehmer, der ausnahmslos abgeschlagen wurde, wobei für 688 Personen noch eine Lohnerhöhung herausfprang. An allen diesen Bewegungen, wie auch in den Betriebsräten, deren es in Tertilbetrieben 16 976 gibt, find ent sprechend threr Zahl auch Arbeiterinnen vertreten. Der Bericht des Vorstandes, von den einzelnen Mitgliedern des selben erstattet, gab Kenntnis von der umfangreichen Arbeit, die in allen Abteilungen geleistet wurde. Es hat sich gezeigt, daß trotz aller Anstürme doch immer die alten Methoden die Grundlage der Erfolge waren. Die bisher durch die gewaltige Arbeit der legten Geschäftsperiode etwas vernachlässigte Erziehungsarbeit der neuen Mitglieder soll etwas energischer betrieben werden. Die Debatte brachte noch scharfe parteipolitische Auseinandersetzungen. Dringend wurde aber gemahnt, über die verschiedene parteipolitische Stellung nicht das hoce, oie Einheit und das einheitliche gewerkschaftliche Handeln zu vergessen. Die Arbeiterschaft bezige kein Verständnis mehr für die Reibereien ihrer Führer, sie verlange einheitliche, praktische Arbeit auf den gegebenen Grundlagen. Die Mahnung zur Einigkeit flang auch aus dem Referat:„ Der gewerkschaftliche Kampf, die Politik der Gewerkschaften und der Textilarbeiterverband". Der Referent, Borstandsmitglied und der= zeitiger fächsischer Arbeitsminister Jädel, rechnete scharf ab mit den tommunistischen Gewerkschaftszerstörern. Er wies alle Be hauptungen der Kommunisten, die Gewerkschaften wären Verräter am Klaffenfampf, energisch zurüd. Den Klaffenfampf führe man durch Aufklärung und Erziehung der Maffen für den Kampf, nicht aber durch Anwendung brutaler Gewaltmittel. Eine Fülle von Anträgen lag vor, die einzeln zu nennen unmöglich ist. Beschlossen wurde, die Verbandsbeiträge unter Beibehaltung eines Stundenlohnes als Grundlage für die Höhe der Beiträge, diese gestaffelt von 1 bis 6 Mt. pro Woche, zu erheben. Go ging auch dieser, manchmal stürmisch bewegte Verbandstag zu Ende. Seine Vertreter verließen Breslau mit dem festen GeLöbnis, nie zu vergessen, daß die Einigkeit der Arbeiter ihre Macht ist und daß diese Einigkeit gepflegt und erhalten werden muß, wenn die Gewerkschaft ihre Ziele erreichen will. Nur die soziale Organisation der Arbeiter fann den Kapitalismus überwinden. Soziale Rundschau Arbeitsgemeinschaft fozialhygienischer Reichsfachverbände Die Deutsche Vereinigung für Säuglingsschuh, das Deutsche Zentralfomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose, die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, die Deutsche Vereinigung für Krüppelfürsorge und der Deutsche Verein gegen den Alkoholismus haben sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen( Geschäftsstelle: Charlottenburg 5, Frankstraße). Der Zwed ist, ein engeres Zusammenarbeiten der vereinigten Ber bände herbeizuführen, sich gegenseitig zu fördern, zu ergänzen und zu unterstützen und zu Gefeßgebungs- und Verwaltungsmaßnahmen gemeinsam Stellung zu nehmen. Aus der Frauenbewegung des Auslandes Schweden. Wirkung des Frauenwahlrechts. Ueber den Einfluß des Frauenwahlrechts in Schweden veröffentlicht die dortige Presse folgendes Resultat: Es wurden abgegeben bei den letzten Wahlen Nr. 20 im Bezirk Staane: für die Sozialdemokraten 41 245 Stimmen, für die Konservativen 22 806, für die Liberalen 3311 Stimmen. Bei der vorletzten Wahl entfielen auf Sozialdemokraten 12 351, auf Ronservative 7891 und auf Liberale 1476 Stimmen. Die stärkste Zunahme hat also im Verhältnis die Sozialdemokratische Partei durch die Frauenstimmen erfahren. Aus unserer Bewegung Eine Frauenkonferenz der fränkischen Sozialdemokratie tagte vor einiger Zeit in Kulmbach. Genosse Grunom eröffnete als Vertreter des Bezirksvorstandes die Tagung und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die hier versammelten Frauen Mittel und Wege finden mögen, um die Frauenbewegung vorwärts zu bringen. Genossin Füll. bed, Mitglied des Bezirksvorstandes, gab den Geschäftsbericht, aus dem hervorging, daß die Mitgliederzahl, die während des Krieges sehr zurückgegangen war, in den letzten zwei Jahren ganz gemaltig gestiegen ist. Die Genossin besprach dann ausführlich die heutigen Wirtschaftsverhältnisse und forderte zum gemeinsamen Vorgehen mit den Parteigenossen gegen unsere politischen Gegner auf. Mit dem Wunsche, daß der Kreis der für die Partei tätigen Frauen ein immer größerer werden möge, daß die Frauen un ermüdlich seien in der Aufklärung der Massen und es als eine lebensnotwendige Aufgabe betrachten sollten, für die„ Gleichheit" und die Parteipreffe zu wirken, schloß Genoffin Füllbeck ihre trefflichen Ausführungen. Hierauf erstattete Genossin Bfülf, M. d. R., ein Referat über die Frau und die Politik. Genoffin Pfülf bedauerte, daß die Frauen bei den letzten Wahlen versagt haben und ihre Stimme den Parteien gegeben haben, die Schuld find an der Not und dem Elend, unter dem gerade die Frauen am meisten zu leiden haben. Sie müssen nun mitarbeiten, um ihre Lage zu verbessern. Die Gleichgültigkeit der Frau ist sehr gefährlich, weil die Frauen bei den Wahlen die Mehrzahl der Wählerschaft bilden und die Politik dadurch sehr beeinflussen. Unentwegt müssen die Frauen daher arbeiten, wenn wir den Sozialismus erreichen wollen. Genau so wichtig, wie die Arbeit im Parlament, sei die Kleinarbeit, die von den Funktionärinnen geleistet werden muß. Genossin Bfülf schilderte die Zeit, der wir entgegengehen, als eine äußerst schwere, in der wir manche unangenehmen Dinge erleben werden. Nicht feig, sondern mutig müssen wir sein und die Fackel folange tragen, bis unsere Kraft versagt und eine andere sie weiterträgt. Es wurde eine Resolution, die sich mit aller Entschiedenheit gegen eine weitere Erhöhung der wichtigsten Lebensmittel und Bedarfsartikel wendet, angenommen. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie wurde die eindrucks volle Tagung geschlossen. Lina Ammon. Aus dem Saargebiet. Kürzlich fand hier eine Reihe von Frauenversammlungen, darunter die erste Sozialdemokratische Frauen fonferenz, statt. Es war wohl seit der Besetzung zum erstenmal, daß eine Genoffin aus dem unbesetzten Gebiet bei uns weilte. Nicht ohne weiteres dürfen Genossen oder Genoffinnen hier im Saarlande zu ihren Gleichgesinnten oder sonst im Interesse unserer Partei sprechen. Ist mit vieler Mühe die Einreise erwirkt, dann wird von den heute im Saarlande Herrschenden und auch Gebietenden verboten, über Saarlandsfragen zu sprechen. Ganz wie früher im alten Obrigkeitsstaat werden die Versammlungen von den Hütern des Gesetzes" überwacht. Alle möglichen Schwierig keiten werden gemacht. Trotzdem hatte Genoffin Wohlgemuth, Mitglied des preußischen Landtages, es sich nicht nehmen lassen, zu uns zu kommen, um im Sinne des Sozialismus zu wirken. Wenn fie auch manche Fragen äußerst vorsichtig behandeln mußte, so hat sie es in ihrem Referat doch verstanden, unsere Frauen auf viele neue Gebiete zu führen. In St. Ingbert, Homburg, Bölklingen, Neunkirchen, Friedrichstal, Fraulautern, St. Wendel und Saarbrücken sprach Genossin Wohlgemuth über das Thema„ Die Frau im öffentlichen Leben und der sozialen Fürsorge". Die Versammlungen waren überall sehr gut besucht. Es waren nicht nur Frauen, sondern auch zahlreiche Männer erschienen. Die Ausführungen der Genossin Wohlgemuth waren jedem von uns aus dem Herzen gesprochen. Das bezeugten auch während ihren Ausführungen die lebhaften Zustimmungen und am Schluffe der langanhaltende Beifall. Selbst unsere sonst hier so radikalen Gegner von links wagten nicht zu widersprechen trotz der mehrfach gemachten Aufforderungen zur Aussprache. Nur in Bölklingen, der Nr. 20 Die Gleich beit Hochburg der Kommunisten, meldeten sich einige zum Wort. Nachdem ihre Schlagworte, wie Noske, Scheidemann usw., erledigt waren, suchten sie die Sache ganz auf das gewerkschaftliche Gebiet zu schieben. Mit großer Schärfe wurden sie aber von der Referentin widerlegt. Sie haben hier eine schwere Niederlage erlitten, und zwar durch eine Frau. es Die Frauenkonferenz selbst fand in Saarbrücken statt. Genossin Wohlgemuth referierte hier zu dem Thema: Die Frau in der Partei". Die Rednerin führte aus, daß es angesichts der immer stärker werdenden Zusammenballung des Kapitalismus zum Zwecke der Ausbeutung der Massen Pflicht der Ausgebeuteten und Unterbrückten ist, sich zusammenzuscharen, um sich gemeinsam gegen den Feind zu wehren. Zu den Unterdrückten und Ausgebeuteten gehören in erster Linie die Frauen, und darum müssen sich die Frauen der Partei der Unterdrückten anschließen. Das ist die Sozialdemokratische Partei, in der die Frauen als Kameraden und Mitstreiterinnen den Männern zur Seite stehen. Durch die Revolution hat die Sozialdemokratische Partei die Frauen zu gleichAber bleibt noch berechtigten Bolfsgenossen gemacht. vieles zu tun übrig. Genoffin Wohlgemuth ging dann auf alle politischen, sozialen, wirtschaftlichen und ethischen Fragen ein, in denen die Frau überall ein entscheidendes Wort mitzureden hat. Sie warnte auch vor den sogenannten chriftlichen Barteien, die die Frauen weiter einzulullen bestrebt sind und fie in Wirklichkeit nur für ihre reaktionären Zwecke dienstbar zu machen fuchen. Der beifällig aufgenommene Vortrag flang aus in den Appell an die Proletarierinnen an der Saar, sich zusammenzuscharen In der großen und starken Sozialdemokratischen Partet Deutschlands, um dort Seite an Seite mit den männlichen Genossen einzutreten für die Rechte der Frau, für die Rechte der Menschheit, um einem neuen und glücklicheren Menschengeschlecht den Boden zu bereiten. Eine lebhafte und ausgiebige Diskussion schloß sich den Ausführungen an. Neue Mitglieder und Abonnentinnen der Gleichheit“ wurden gewonnen. Uns tätigen Frauen wurde mancher neue Weg für unsere Ar beiten im Interesse der Partei gezeigt. Hoffen wir, daß wir in unferer schweren Arbeit auch später recht oft von unsern Genoffen und Genossinnen jenseits der Saar unterstützt werden. Wohlfahrtspflege Frau Raab. Von der praktischen Wohlfahrtsarbeit im Landkreise Hörde Nur von zwei Teilen aus unserer Arbeit will ich hier berichten, bem Kreiskinderheim in. Binz auf Rügen und der Walderholungsstätte im Kreise selbst. Im Februar fam ich von Mecklenburg- Streliz auf einen Ruf hin in unseren Kreis und habe die Arbeit als Kreisfürforgerin aufgenommen. Ich bin bei jedem meiner Gedanken für diese Arbeit gestützt und gestärkt worden durch unseren Genossen Küch, der als Direktor des Wirtschafts- und Wohlfahrtsamtes des Landkreises Hörde hier arbeitet. Als Wichtigstes erschien mir die sofortige Inangriffnahme praktischer Hilfsarbeit für unsere Kinder. Nach einigem Suchen fanden wir in Binz auf Rügen ein uns passendes Haus, in dem 50 Kinder im Sommer und 30 Kinder im Winter untergebracht werden konnten. Wir kauften vom Kreise aus das Haus am 15. April, und schon am 2. Mai fuhren wir mit 50 Kindern und einigen jungen, erholungsbedürftigen Helferinnen unferes Kreises hinauf. Seitdem ist ein zweites, unmittelbar daran gelegenes Haus dazugekauft, so daß jetzt zurzeit mindestens 100 Kinder untergebracht werden können und noch einige Jugendliche dazu Aufnahme finden. Die Erholungszeit ist auf sechs Wochen bemessen. Luft-, Sonnen- und Seebäder haben im Sommer uns ein prächtiges gesundheitliches Resultat verschafft! Gewiß, der Anfang war sehr schwer. Kampf mit vielerlei Schwierigkeiten, die uns, die wir Heime leiteten, nur zu bekannt sind. Aber wie klein sind diese Schwierigkeiten, wenn wir die Listen unferer Kinder nachsehen und uns die Erholungsfolge wieder vor Augen führen! Bei der Versendung entscheidet ja nur körperliche Notwendigkeit. Die Kosten, zurzeit auf eine Zuhilfe von den Eltern von 5 Mr. auf den Tag gesetzt, werden da, wo sie nicht ersetzt werden können, von den Gemeinden übernommen. Die Kost ist einfach, aber fräftig. Vor allem wird für genügend Milch( in vielerlei Form gegeben) gesorgt. Für den Westfalen ist die Soft vielleicht sehr eintönig, zu wenig Fleisch und Sped herzeigend! Uns machte vor allem die Beschaffung von frischem Gemüse( auf ber Insel nur zu Bucherpreisen erhältlich) Mühe. Aber das waren Unfangsforgen. Sie gehörten zum Werden des Ganzen. Genoffe 199 Küch und ich nennen unsere Kinderheim Jugendglück" in Binz ja auch noch immer unser Sorgenfind. Trotzdem ist es unsere ganze Freude! Wie viele Kleine haben dort sich Erholung, Rück bildung der Drüsen, Hebung des Allgemeinbefindens und Kräfti gung geholt! Und bei Luft-, Sonnen-, Sand- und Seebädern hatten wir bei unseren Kindern Gewichtszunahmen bis zu 10 und 11 Pfund in sechs Wochen, bei helferinnen aber bis zu 18 Pfund zu verzeichnen. Gewichtszunahmen sagen ja aber nichts. Erst der Winter soll Beweise liefern, erst die Entwicklung der Kleinen, die in Binz waren, unsere Wahl des Ortes an der Ostsee als richtig beweisen. Da das eine Haus heizbar ist, werden wir auch im Winter bis zu 50 Kinder zur Luftkur hinauffenden können. Unfere beiden Häuser haben Veranden nach der Sonnenseite. Diese gedenke ich für Liegefuren zu verwerten. Wie groß die Bedeutung von richtig durchgeführten Liegefuren an der See in den Monaten Februar bis April sein wird, hoffe ich zu beweifen zum Gegen unserer außerordentlich gefährdeten Kinder. Der Erfolg unserer Kuren allerdings hängt von der Mitarbeit unserer Lungenfürsorgestelle ab, die jedoch nicht versagen wird, und außerdem non dem Verständnis und der Mithilfe der Mütter der Kinder. Diese aufzuklären und helfend zu machen, erscheint mir als eine meiner wichtigsten Aufgaben. Daß wir in unserem Heim eigene Kleidung und eigene Wäsche für unsere Kinder einführen und schon gut auf dem Wege dazu sind, soll nicht unerwähnt bleiben. Ich sehe in einer richtigen Bekleidung eine Möglichkeit des Heilerfolges. Luft und Körperflege sollen sich die Hand reichen. Unsere zweite praktische Arbeit war die Errichtung einer Walderholungsstätte im Kreise selbst. Der Plan ist nun schon seit Wochen fertig und wird in der Zeit, in der dieser Aufsatz gedruckt wird, hoffentlich schon vom Kreise bewilligt sein. Nur eine halbe Stunde von unserem dumpfen Hörde entfernt liegt, in einem unferer ländlich gelegenen Aemter, auf schöner Sonnenhöhe eine von drei Seiten durch Wald eingeschlossene Wiese. Ein junger Genosse, ein eifriger Mitarbeiter, hat sie uns für unseren Plan gezeigt und hat auch sonst in jeder Weise geholfen, ihn zu fördern. Der Gedanke ist folgender: Eine nach Süden geöffnete Halle, Holzbau, die eine kleine Küche, Speiseraum, Liegeraum für 40-50 Betten usw. umfaßt, wird von einem freien Platz( Spiel- und Sonnenbad) umgeben. Von dem anschließenden Walde werden 8-10 Morgen als Luft- und Lichtbad und Spielplatz dazugenommen. Die Er. holungsbedürftigen des Kreises( Lungenkranke, denen Liegefuren verordnet sind in eigener Wohnung) werden an dem Orte, der mit der Elektrischen und von dem Amte selber leicht zu erreichen ist, in Kur genommen. Eine Schwester führt die Aufsicht und hat auch die Beobachtung in bezug auf die Vertellung der Mahlzeiten usw. Ob die Liegehalle im Sommer für Kinder benutzt wird, denen die Walderholungsstätte Ersatz für eine Kur an der See oder im Sool bade sein soll, ist noch nicht bestimmt. Es wäre nun noch mancherlei von den Plänen für unsere praktische Arbeit zu sagen, doch will ich lieber von diesen Plänen berichten, wenn sie ihrer Verwirklichung näher sind. Auch von unferem Wirtschaftsamt, das unter großen Schwierigkeiten von dem Genoffen Küch geführt wird und Angriffe ungerechter Art ohne Zahl aushalten muß, will ich heute nicht berichten. Es erfüllt seinen 3wed, wirft preisdrückend oder preisregulierend und vermittelt unferer Bevölkerung gute und preiswerte Waren. Die praktische Wohlfahrtsarbeit für mich ist von großer Ausdehnung. Zum Teil kann ich durch Anregung wirken, zum Teil fann ich selber eingreifen, zum Teil wirke ich durch die Presse, durch Wort( Bersammlungen aller Art, Volkshochschule usw.), zum Teil durch die Tat, auch der eigenen Lebensführung. Kein Mittel er scheint mir, darf ungenügt bleiben, für das große Ziel zu wirken. 2. M. Der Bund der freien Schulgesellschaften Deutschlands hält am 15. und 16. Oktober 1921 in Köln a. R h. seine zweite Bundestagung ab. Der Bund hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit allen Mitteln für die Einführung der weltlichen Schule einzutreten, in der Bevölkerung für den Gedanken der weltlichen Kindererziehung zu werben und die bereits vorhandenen Kräfte zur gemeinsamen Arbeit zu sammeln. Vielleicht ist es Genossinnen, die in Köln und in der Kölner Umgebung wohnen, möglich, an der Tagung teilzunehmen. Eifrige Arbeit bringt uns dem erhofften Ziele näher. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bohm- Schuch. Druck: Vorwärts Buchdruckerei. Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. S fämtlich in Berlin SW 68, Lindenstraße 3 200 Die Gleichheit Nr. 20 Sind Lungenleiden heilbar! Bei Afthma, Lungen- u. Kehlkopftuberkulofe, Schwindfucht, Lungenfpitzen- Katarrh, veraltetem Huften, Verfchleimung, lang beftehender Helferkeit lese jeder die Broschüre mit obigem Titel. Der Verfasser, Herr Dr. med. Guttmann, Chefarzt der Finsenkuranstalt. zeigt darin in volksverständlicher Weise natürliche Wege zur Beseitigung dieser schweren Leiden. Jeder Kranke erhält diese Broschüre auf Wunsch vollständig umsonst. Man schreibe nur eine Postkarte an Puhlmann& Co., Berlin 126, Müggelstr.25a. Konsum- Genoffensch,„ Hoffnung" Köln a. Rhein u. Umgegend Eingetr. Genoff. m. beschr. Haftpfl. Wir suchen für unser Sekretariat eine füchtige Genossenschafterin. Berlangt wird: Rednerische Begabung, agitatorische Erfahrung. Aufgabe: Bropaganda und Aufflärungsarbeit in weiblichen Berbraucherkreisen. Bewerbungen, schriftliche erwünscht nur von wirklich fähigen, mit den GrundGenoffenschaftswesens vertrauten Kräften. Beizufügen ist: Lebenslauf, Gehaltsansprüche und selbst. verfaßte Darstellung, wie die Lö Chemische Waschanstalt u. Färbereiung der geftellten Aufgaben geReinigung und Reparatur von Herrenund Damen- Garderoben, Zimmer- und Dek. Stoffen, Gardinen, Spitzen usw. OSWALD NAEFE Fabrik Britz, Rudower Straße 34, Fernsprecher Nr. 208 Filialen in allen Stadtteilen v. Groß- Berlin Ausführung in kürzester Zeit Eilsachen in 3 Tagen Wollen Sie dick werden? Damenftrümpfe Dann gebrauchen Sie„ Erha" Kraftnahrung, Büchse 12,- M. Porto extra. Vers. d. Nährmittelfabr. Richard Hartmann, Chemnitz L., Sa. in Baumwolle, Flor u. Seidenflor sendet an Private und zu billigen Frauenvereine Preisen, K.Sandner, StrumpfFabrikation, Seib i. Bayern. Muster gerne zu Diensten. Der Weg zum Erfolg dacht ist. Adreffieren an den Vorstand Köln- Hall, Rodder gaffe41-75 Um die Fahne der Republik Von Dr. Ed. DAVID Eine neue Schrift aus Geschichte u. Gegenwart wider die Verächter der Republik und ihrer Farben. Preis Mark 2, Buchhandlung Vorwärts BERLIN SW. 68, Lindenstraße Nr.2. Dir vollkommenen NGELMARDY Biere Möbel Ganze Wohnungs- Einrichtungen, Zimmer- u. Küchen- Einrichtungen, sowie jedes Stück einzeln zu den billigsten Preisen in guter, gediegener Arbeit empfiehlt WILHELM LAMBRECHT, Berlin SW. 68, Simeonstraße 19. Lagerbesichtigung erbeten! Das Univerfalmittel Bei LAUROL Korpulenz ( gel. gefch.) gegen Flechte u. Krätze Haar-, Bart-, trockene und näffende, Juck-, SchuppenFlechte, Kopfgrind und fonft. Hautausfchläge. Zu haben in den Apotheken. Vers. d. Hofapoth. Biebrich Rh. ist leicht zu finden, wenn man ohne Störungen arbeiten kann und nicht an Kopfschmerzen oder Drücken über den Augen, Nervosität oder Flimmern vor den Augen leidet.-In den meisten Fällen hebt ein sorgfältig angepaẞtes Augenglas alle diese Beschwerden, deshalb scheue niemand, der an diesen Erscheinungen leidet, die kleine Mühe, die Augen untersuchen zu lassen bei Optikermeister Max Trusch, Berlin SO, Dresdener Str. 131( Kottbuser Tor). Ihre Sehkraft wird gewissenhaft und vollständig kostenlos geprüft. Garantie für gut passende Augengläser. Flache Gläser 8,- Mk. pro Paar, gebogene( Menisken) Gläser 18,- Mk. pro Paar, Doublé- Kneifer 10,-. 13,50. 18,50 Mk., Nickel- Kneifer 6,-, 8,- Mk. Fettleibigkeit sind Dr. Hofbauers ges. gesch. Entfettungs- Tabletten ein vollkommen unschädliches und erfolgreiches Mittel ohne Einhalten elner Diät. Keine Schilddrüse. Kein Abführmittel! Broschüre auf Wunsch. Elefanten- Apotheke Berlin, Leipzigerstr. 74. Dönhoffpl. Zentr.7192. Butter und Schmale billiger Lurch Reichelk MR MI FU in allen 146 Filialen der vereinten Firmen Loreley Union Reichelt AssmannLadewig