Nr. 22 31. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Die Gleichheit erscheint 2 mal im Monat Preis: Vierteljährlich 3,- Mart Berlin Inserate: Die 5 gespaltene Ronpareillezetle 3,- Mt. und 30% 15. November 1921 tariflichen Teuerungszuschlag, bet Wiederholungen Rabatt Wintersorgen Von Elli Radtke Grau, düster und falt steigen die späten Novembertage herauf. Langsam dämmernd beginnen sie, um am frühen Nachmittag schon wieder zu verblassen. Es wird viel Beleuchtung verbraucht und sie ist teuer; teuer wie alles. Trübe sehen wir in die nächste Zukunft. Die Hausfrau, die mit spähendem Blick die Waren in den Geschäften mustert, der Mann, der seinen Wochenlohn oder Monatsgehalt überzählt und dabei an die notwendigsten Ausgaben für Wohnung, Kleidung, Heizung, Lebensmittelbeschaffung denkt, sie alle tragen einen müden und versorgten Ausdruck im Geficht. Der Winter beginnt. Und dieser Winter scheint noch forgenvoller werden zu sollen als die der letzten Jahre. Daß wir uns in allem einschränken und auf vieles verzichten müssen, was auch notwendig wäre, haben wir schon seit langem gelernt. Aber es scheint, als drohen uns noch ernstere Gefahren. Das notwendigste Nahrungsmittel des überwiegend größten Teiles der Bevölkerung, die Kartoffel, ist kaum zu faufen. Aus allen Teilen des Reiches häufen sich in den letzten Wochen die Alarmnachrichten, daß es an Kartoffeln fehlt und sie nur zu unverhältnismäßig hohen Preisen zu erhandeln sind. In den Großstädten werden 95 Mt. für den Rentner gefordert, das ist eine dreißigfache Steigerung des Friedenspreises, die weder zu den heutigen Löhnen und Gehältern, noch zu den Erzeugerkosten in irgendeinem Verhältnis steht. Die Bevölkerung wird dadurch natürlich in eine nur zu begreifliche und berechtigte Erregung versetzt. Wo ist die Schuld an diesen unhaltbaren Zuständen zu suchen? Sie trifft in erster Linie unsere Landwirte und Bauern. Sie sind diejenigen, die die Kartoffeln zurückhalten und noch weiter zurückhalten wollen, bis ihnen solche Preise gezahlt werden, die sie für günstig genug ansehen, um zu verkaufen. Bis dahin mieten sie die Kartoffeln ein. Zu ihnen gesellen fich die unlauteren Elemente des Großhandels. Vorgeschoben wird als Grund der Not der Wagenmangel auf der Eisenbahn. Der Reichsverkehrsminister Groener hat sich fürzlich in einem Artikel dahin ausgesprochen, daß die Preisentwidlung im Kartoffelhandel in der Hauptsache auf andere Momente und weniger auf den Wagenmangel zurückzuführen ist. Selbst Anhänger und seinerzeit eifrige Berfechter der freien Wirtschaft rusen heute schon nach staatlichem Eingreifen, da fie sehen, wohin wir treiben. Die Profitsucht der Landwirte geht sogar soweit, daß sie die Kartoffellieferungsverträge, die in früherer Zeit mit ihnen fest abgeschlossen worden sind, einfach nicht innehalten und fich weigern, die Kartoffeln zu dem vertraglich festgesetzten niedrigeren Preise abzugeben. Sie wollen die Mengen nur dann liefern, wenn ihnen die jetzigen Wucherpreise gezahlt werden. So achten diese Leute auf Treu und Glauben abgeschlossene Verträge. Und so entziehen sie der schwer arbeitenden städtischen Bevölkerung das Allernotwendigste, die tägliche Nahrung. Es ist klar, daß hier von seiten der ReDie Frau und ihr Haus Zuschriften sind zu richten an die * Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Moritplag 14838 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 gierung etwas geschehen muß. Wir können nicht darauf warten, bis die Landwirte auf dem Wege des Rechtsstreites durch das Haftpflichtgesetz gezwungen werden, der Erfüllung ihrer Verträge nachzukommen. Das ist ein langwieriges Verfahren, bis zu dessen Austragung die hungernde Bevölke rung nicht vertröstet werden kann. So erleben wir nun den Segen der freien Wirtschaft. Die Sozialdemokraten haben sich nach Kräften gegen die Auf hebung der Zwangsbewirtschaftung gewehrt. Gewiß hatte die letztere ihre Schäden; man hätte jedoch einen Uebergang finden müssen, der die Schäden der Zwangswirtschaft sowohl wie die Auswüchse des freien Handels in den lebensnotwendigen Waren verhütete. Wie bei den Kartoffeln liegen die Dinge genau bei anderen Lebensmitteln. So war es bei der Milch, die beispiels. weise in Groß- Berlin im freien Handel auf 5 Mt. für den Liter angelangt ist. Die Begründung für die letzte Erhöhung war, daß die Milch in ein Verhältnis zum Butterpreis gebracht werden müsse. Ebenso ist es bei dem Zucker. Als der Zucker seinerzeit frei wurde, kostete er 4 Mr. und 4,50 Mt. das Pfund. Wer kauffräftig genug war, fonnte sich nach Belieben mit Zucker eindecken. Einzelne gutfituferte Ver braucher, vor allem auch die Landwirte, kauften Mengen von einem halben oder einem ganzen Zentner. Dadurch wurde selbstverständlich die gesamt vorhandene Zuckermenge aufgekauft. Bei der naturgemäß jetzt eingetretenen Knappheit müssen nun die kleinen Leute, die immer nur für ihren je. weiligen Bedarf faufen können, für ein Pfund Zucker 6 Mt. bis 10 Mt. zahlen. Diejenigen also, die schon weniger kauffräftig sind, müssen fast das Doppelte zahlen wie die, die über genügend Geld verfügen. Das Ungesunde dieses Zustandes leuchtet jedem ein. Die Rationierung hätte eben noch nicht aufgehoben werden dürfen. Man wird sie nicht wieder einführen können; doch muß ein anderer Ausweg gefunden werden. Es fönnte beispielsweise angeordnet werden, daß von einer bestimmten Ware an eine Person nur eine bestimmte Menge abgegeben werden darf, so daß für jeden Berbraucher ein entsprechender Anteil gesichert ist und die Kauf panit mit ihrer preissteigernden Tendenz vermieden wird. Wir wissen es längst, daß die heutigen Löhne und Gehälter mit den Kosten der Lebensführung in feinem Zusammenhang mehr stehen. Die Kluft zwischen Einnahme und Ausgabe ist zurzeit vielleicht größer denn je. Wir stehen wieder vor erbitterten Lohnkämpfen. Sie müssen durchgefochten werden, denn es ist ein Ringen um die Eristenz der gesamten Arbeiter und Angestelltenschaft. In diesem Zusammenhange foll hier ein Vorschlag erwähnt werden, den die Gewerkschaft", das Organ des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter, ihren Mitgliedern macht. Es handelt sich um die Aufstellung eines Haushaltungsbudgets für die einzelne Familie. Dieses Budget soll als zahlenmäßiges Unterlagsmaterial bei Lohnforderungen dienen. Es genügt nicht mehr, zu behaupten, die Löhne stehen in keinem Verhältnis zu den erforderlichen Ausgaben. Es muß für diese Behauptung der ziffernmäßige, der Wirklich 214 Die Gleich beit feit entnommene Nachweis erbracht werden. In den letzten Jahren hat man sich zur Ermittlung des Lebensbedarfes der Statistiken bedient und zwar hauptsächlich derjenigen von Dr. Kuczynski und Dr. Silbergleit. Früher schon richtete man sich nach den Statistiken von Calwer. Diese Statistiken aber tönnen letzten Endes doch kein wirklich einwandfreies, zuverlässiges Gesamtbild von den Kosten der Lebenshaltung eines Arbeiterhaushaltes geben. Sie sind auch unter heutigen Verhältniffen zu leicht überholt. Wertvoller erscheint der Gedanke des Haushaltungsbudgets, wie ihn der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter seinen Mitgliedern empfiehlt. In einem dazu bestimmten Formular werden sämtliche Einnahmen und Ausgaben eingetragen, und diefe Eintragungen zeigen dann der Arbeitgeberschaft und der Oeffentlichkeit genau, wie der Arbeiter zu leben und zu wirtschaften gezwungen ist. Die Richtigkeit der Aufzeichnungen ist ja dadurch, daß es sich immer um eine bestimmte Arbeitergruppe handelt, jederzeit nachzuprüfen. Derart erbrachten Beweisen fann sich eigentlich kaum ein Arbeitgeber entziehen. Ich glaube, daß sie ein wirklich wertvolles Material bei den fommenden Lohnkämpfen bilden können. Nr. 22 mannes, die ehelichen Kinder unter 16 Jahren den ihres Baters und uneheliche den ihrer Mutter. Die Unterstügung wird in der Regel von der Wohnsitgemeinde gewährt und dann von ihr mit der Unterstüßungswohnfiß- Gemeinde verrechnet. Maßgebend sind die Sätze der Unterstützungswohnfiz- Gemeinde, auch wenn fie, was bel vom Lande in die Stadt gezogenen Arbeitern häufig vorkommt, niedere Säße zahlen als die Aufenthaltsgemeinde, deren Lebensmittelpreife nicht angemessen sind. Häufig fommen auch Abschiebungen in die Unterstützungswohnsiz- Gemeinde vor. Die Leistungen der Armenpflege werden durch Landesbestimmungen und Ortsstatute geregelt. Als Mindestbedarf notwendigsten wird meistens Unterkunft, Deckung des Lebensbedarfes und Fürsorge für Krante und Alte angesehen. Als Unterkunft wird Obdach oder ein Mietzuschuß gewährt, als Lebensbedarf ein sehr geringes Monatsgeld, manchmal nur für die Kinder, Zuschuß für Kleidung, im Winter Kohlen. Gebrechliche, Krante, Sieche und alte Leute erhalten Arztbehandlung, Heilmittel und Hauspflege oder Unterbringung in Krantenhäusern und Anstaltspflege. Kinder, dabei kommen hauptsächlich uneheliche oder Waisen in Auch hier gilt es gerüstet zu sein. Das vorgeschlagene Rüft- Frage, werden in Familien- oder Anstaltspflege untergezeug müssen vor allem die Frauen schaffen. nur nicht verzagen! Will man euch drücken, Ducken und bücken, Richtet empor euch, feid ftolz und feid frei. Trotz aller Laften, Dürft ihr nicht raften. Trotzt doch dem Schickfal, wie schwer es auch fei. Tur nicht verzagen! Nach dunklen Tagen Strahlt einit der Sonne warmgoldenes Licht. Ihr müßt in Flöten Schamvoll erröten, Wenn es an Kraft euch zur Arbeit gebricht. Laßt euch nicht irren, Euch nicht verwirren. Arbeit allein Ichafft uns Brot und auch Glück. Fallche Propheten Mögen lie beten, Treiben die Zeit nicht voraus, nicht zurück. Valentin Salick. bracht. Prozeßtoften können im Armenweg bewilligt werden, ebenso die Beerdigungskosten. Die Berwaltung der Armenpflege erfolgt heute in den mei ften Städten mit Hilfe ehrenamtlicher Kräfte. Die Städte werden zu diesem Zweck in Bezirke eingeteilt, an deren Spike ehrenamtlich ein Armenvorsteher oder eine Armen vorsteherin steht, an deren Seite Armenpfleger und Armenpflegerinnen arbeiten. Sie nehmen die Anträge an und be willigen fie, falls es fich nicht um dringliche Anträge handelt, nach eingehender Ermittlung und Beratung. Beansprucht ein bestimmter Fall Mittel in einer gewiffen Höhe, fo muß das Armenamt oder die zuständige Deputation die Zustimmung geben. Früher bedeutete der Bezug von Armenpflege Verlust des Wahlrechtes. Dieser Makel haftet seit der Revolution der Armenpflege nicht mehr an. Dennoch ist sie die unerfreu lichste Art der Fürsorge; denn sie setzt erst ein, wenn die Armut da ist, statt zu versuchen, die Armut zu verhüten. Sie gibt feinen Rechtsanspruch, sondern verweist auf den Weg der Bitte. Durch die Arbeitslosenfürsorge sind etwa 400 000, durch die Kriegsfolgenpflege etwa 5 Millionen Menschen der Armenpflege entzogen. Aber immer noch fallen ihr viele anheim und voraussichtlich werden wir immer ein allgemei nes Wohlfahrtspflegegesetz brauchen für Fälle, auf die die einzelnen speziellen Gliedgesetze, die hier behandelt worden Was muß die Wohlfahrtspflegerin von find, z. B. das kommende Jugendwohlfahrtsgesetz, keine Ander sozialen Gesetzgebung wissen? Bon Hedwig Wachenheim Die Armenpflege ( Fortfegung) Wir haben im Verlauf dieser Aufsätze die Reichsgesetze kennengelernt, die für bestimmte Notstandsfälle: wie Krankheit, gewerbliche Unfälle, Invalidität, Wochenbett, ArbeitsTofigkeit, Kriegsbeschädigung eine bestimmte Hilfeleistung festsehen. Aelter als fie alle ist das Reichsarmengesetz mit Namen„ Reichsgesetz über den Unterstützungswohnfig" vom 6. Juni 1870, das durch Novellen von 1894 und 1908 ergänzt ist. Die Armenpflege bekämpft nicht besondere Uebelstände, sondern gewährt bei Hilfsbedürftigkeit, nämlich wenn je mand nicht hinreichende Kraft besigt, sich und seine nicht ar beitsfähigen Angehörigen den notdürftigen Lebensunterhalt zu verschaffen, und wenn er solchen weder aus eigenem Ber mögen bestreiten kann, noch von einem dazu verpflichteten Berwandten erhält", ein Mindesteinkommen aus öffentlichen Mitteln. Träger der Armenpflege sind die Orts- und Landarmenverbände, und zwar find unterstützungspflichtig nicht die Wohnsitz-, sondern die Unterstützungswohnsitz- Gemeinden. Unterstützungswohnsiz- Gemeinden sind diejenigen, in denen der Unterstützungsbedürftige zuletzt ein volles Jahr gewohnt hat. Die Ehefrau hat den Unterstühungswohnsitz ihres Ehe wendung finden können. Deshalb ist die Reform der Armenpflege eine bedeutungsvolle Aufgabe der Gesetzgebung. Schlußbetrachtung Wir haben gefehen, wie zersplittert die Gesetzgebung und die Durchführung der Wohlfahrtspflege ist. Dadurch werden in unserer finanzschwachen Zeit ungeheure Mittel und Ar beitskräfte vergeudet. Dazu kommt, daß die Leistungen der meisten Gesetze ungenügend find und nur an den Symptomen furieren. Wir brauchen eine gesetzgeberische Regelung, die eine ein heitliche, umfassende Wohlfahrtspflege mit möglichst einheit lichen Trägern und gutes Mit- und Ineinanderarbeiten der Träger garantiert. Sie muß die Verhütung der Armut, die Heilung der Schäden und die Versorgung der Unheilbaren in den Border grund stellen, um die Kräfte, die in den einzelnen Menschen liegen, möglichst frei zu machen zu produktiver Arbeit, zu ihrem eigenen Glück und zur Förderung der Gesellschaft. Diefe Ausgestaltung der Wohlfahrtspflege ist nur möglich auf dem Wege der Gesetzgebung, also auf politischem Wege, durch Stärkung des Einfluffes der Sozialdemokratie, die sich die Förderung der Gesellschaft und nicht den Schutz des wirtschaftlichen Eigennuzzes zum Ziel gesetzt hat. Den Ein Nr. 22 Die Gleich beit fluß der Sozialdemokratie stärkt man, indem man ihr Mitglied wird und indem man bei Wahlen ihre Vertreter wählt. Und damit beschleunigt man auch die Erreichung der Ziele der Sozialdemokratie, die Umgestaltung unserer wirtschaftlichen Berhältnisse, die allein die wahre Berhütung des Massen elends ermöglicht. 215 b) Soziales, von Dr. Sophie Schöfer. 1. Die Frau hat im öffentlichen Leben die Rolle der Hüterin und Schüßerin des Menschenlebens zu übernehmen. Die Menschenökonomie muß höher stehen als die Güterwirtschaft. Die Frau hat in der Politik den Gedanken der Wirtschaftlichkeit mit Menschenleben durchzusetzen. Die menschenökonomischen Aufgaben der Frau sind umfassend Aufgabe. Leitsätze der auf der Görlitzer Reichs- jozial. Die eigentliche soziale Arbeit ist nur ein Teil dieser frauenkonferenz am 17. September 1921 gehaltenen Referate Die Frau in der Gemeinde. a) Wirtschaftliches, von Stadtrat Wutfy. 1. In der revolutionären Umwälzung des Jahres 1918 hat die Arbeiterklasse die Rechte und Freiheiten der Männer und Frauen erkämpft, welche für die Eroberung der politi schen Macht auf dem Wege der Demokratie unerläßliche Voraussetzung find. Da zur Erlangung der sozialistischen Gesellschaftsform aber vor allem die Umgestaltung der kapitalistischen in eine Gemeinwirtschaft notwendig ist, so muß in Staat und Gemeinde der Kampf um dieses Ziel mit aller Energie aufgenommen und durchgeführt werden. 2. Bei der besonderen Bedeutung und Bielgestaltigkeit der Aufgaben der kommunalen Wirtschaft, die in hohem Maße den Bedarf des täglichen Lebens entscheidend beeinflußt, ist es insbesondere von großem Werte, daß die proletarische Frau in der Gemeindeverwaltung den Platz einnimmt, welcher ihr als Schaffende sowohl wie auch als Hausfrau zukommt und für den sie vermöge ihrer Sachkenntnis in den Lebensbedürfnissen der Arbeiterfamilien unbedingt berufen ist. 3. Der entscheidende Einfluß der Frau ist in der Gemeinde wirtschaft also schlechthin unentbehrlich; ihre Mitarbeit sowohl im Gemeindevorstand und in der Gemeindevertretung, als auch in allen Verwaltungsdeputationen und Kommissionen muß daher nachdrücklich gefordert werden. * Feuilleton Gefühl der Gegenwart * In diefen Abenditunden, da des бimmels ferne Weiten In Nebel Ichwinden, müd im Dunite fich verziehn, Schreit ich gelaffen, doch ganz ohne Traurigkeiten, Ueber die Erde, voll von Toten, hin. Stark laß ich, daß fie's hören, meine Schritte klingen, Damit im dumpfen Schlaf fie derer denken, die Die Welt aus neuer Glut, mit reiferem Vollbringen Nun herrlicher vollenden als einſt fie. Denn fie, fie wollen nicht, daß unfruchtbare Klagen Tränend hinrauschen über ihrer ftummen Gruft, Sie willen wohl, daß unfrer Werke ftolzres Ragen Auch unire Luft und Freude höher ſtuft. Thr Geilt lebt uns tiefinnen, doch nicht zu verwirren Sucht er uns in der Labyrinte dunklem Gang, Von ferne reden fie und fanft wie Bienenfchwirren, Doch uns nur, uns allein, ziemt der Gefang. Denn unfer iſt die Stunde! Und das Licht, das schöne, Die Erde, Flüffe und die Kräfte all, die facht Mit furrendem Gefchwärm durchs Weltall tönen, Sind einzig unfern Werken zugedacht. Huf denn, irdiích Vollbringen, irdisch heißes Wollen. So hoch empor, als Glut und Geift euch Schwingen leihn, Denn бaß und Liebe, ewig neue für uns follen Sie ob der Erde, voll von Toten, ſein! Emile Verbaeren. 2. Für ihre menschenöfonomische Aufgabe muß die Frau tämpfen im allgemeinen: durch die Unterstützung der Politik des Völkerfriedens, der wirtschaftspolitischen For berungen, die zur Gemeinwirtschaft führen, durch das Eintreten für eine planmäßige, umfassende Ausgestaltung der Sozialpolitik. 3. Im einzelnen haben die Frauen in der Gemeinde folgende soziale Aufgaben: die Verteidigung der Frauenerwerbsarbeit, aller Einrichtungen des Mutterschutzes, Errichtung von Schwangerschaftsfürsorgestellen, Errichtung von Heimen für Wöchnerinnen, von Entbindungsanstalten und Mütterheimen; die gesamte Kinder- und Jugendfürsorge, vom Säugling bis zur heranwachsenden Jugend und deren Ausbau in den Jugendämtern. Das Jugendamt soll in Ergänzung und Ersetzung der Familienerziehung die Säuglings- und Kleinkinderfürsorge, die Fürsorge für die Schulkinder außerhalb des Unterrichts, für Hilfsschüler und nichtschulpflichtige Kinder, die Pflege der schulentlassenen Jugendlichen, die Fürsorge für die gefährdete Jugend übernehmen; die soziale Fürsorge für die Kranten und Schwachen in Krankenhäusern und Spitälern durch Organisation der Hauspflege; aber auch alle Maßnahmen zur Hebung der Boltsgesundheit; ebenso die soziale Fürsorge für die sozial Gefährs deten( Prostituierte, Geschlechtskranke, Trinker); ferner alle Maßnahmen zur Wohnungsfürsorge; Die Geranien auf dem Grabe meines Bruders Die Geranien auf dem Grabe meines Bruders blühen so rot. Im tiefen Gold der Herbstsonne sind sie wie blutend, sind wie frische Wunden. Die Geranien auf dem Grabe meines Bruders sind heiße, lebensvolle Blüten. Sie sollen feine Totenblumen sein. Sie sollen schöne Zeichen der Liebe sein, geweiht dem Anbenten eines jungen, frohen, sonnigen Mannes, eines Mannes, der das Leben geliebt, der der Liebe gelebt, eines Heiteren, der Freude und Glück, der Lachen um sich streute, dem Schwermut und Trauer unbegriffene Dinge waren. Und tarum haben ihn alle geliebt. Darum hatte er feine Feinde. Das wissen die Geranien auf dem Grabe meines Bruders. Das erzählen sie jedem, der es hören will. Sie flüstern es, wenn die Herbstsonne leuchtet und das Efeudunkelgrün nicht dazu. Sie wissen auch die Geschichte von den schönen, rätselvollen Mädchenaugen, die dem Heiteren das Herz verbrannten. Augen, groß, grau, in denen goldene Lichter tanzten. Augen, tief, zaubervoll, verwirrend und treulos.- Die Geranien auf dem Grabe meines Bruders tennen diese Augen. Denn dieser Augen Blid ruht manchmal düster und traurig auf ihren roten Blüten. Wenn die grauen Abendschatten ziehen, sind die Geranien auf dem Grabe meines Bruders dennoch Totenblumen. Ge heimnisvoll umhüllt, flackert ihre rote Glut aus blassen Nebelstreifen, und die runden, vollen Blumenbälle sind wie die Schwermut selbst. Tröpfelt ein rotes Blütenblättlein zur Erde, ist's, als weine die Schönheit, dem Tode vermählt, ihr Herzblut aus. 216 Die Gleich heit auch die Fürsorge für die wirtschaftlich Gefähr deten durch Armenpflege, durch Erwerbslosen- und Arbeitslosenversicherung. 4. Auch die Organisation der Fürsorgearbeit ist soziale Frauenaufgabe in der Gemeinde. Die Frauen müssen in ihren Gemeinden auf gut organifierte Wohlfahrtsämter dringen; vor allem müssen sie die Anstellung von Frauen als Familienfürsorgerinnen durchsetzen. c) Vereinsarbeit, von Hedwig Wachenheim. Zur Erläuterung der Zusammenarbeit zwischen unseren Parteiorganisationen und den Vereinen, der Gemeinde und den Vereinen und der Umgestaltung des Vereinswesens werden im folgenden die Vereine dreier Arbeitsgebiete ausgewählt: der Frauenbewegung, der Wohlfahrtspflege und der Volksbildung: Die bürgerliche Frauenbewegung verkennt die Bedeutung des Klassenkampfes für die Lösung gesellschaftlicher Fragen, wenn sie glaubt die Frauenfrage durch Zusammenschluß der Frauen der Lösung näher führen zu können. Die Frauenfrage fann ebensowenig wie eine andere, aus dem Gesamtfomplex gesellschaftlicher Fragen gesondert, gelöst werden. Die Frauenvereine dienen und wir kommen hier auf das Wesenselement des bürgerlichen Vereins einem be= ftimmten engen Zweck. Die Zusammenarbeit der Mitglieder ist eine gelegentliche und erlaubt auch andere Bindungen. Die Organisationen der Arbeiter sind davon grundverschieden. Sie münden alle in eine das Denken, Wollen und Gestalten umfassende, geschlossene Gemeinschaft. Die sich in ihr ergebende Wechselwirkung von Einzelpersönlichkeit und Gemeinschaft ist in heutiger Zeit die Vorbedingung sozialer Leistung. Aus diesen Gründen kommt eine Arbeit sozialdemokratischer Frauen innerhalb bürgerlicher Frauenvereine nicht in Betracht. Gegen eine gelegentliche Zusammenarbeit in den Gemeinden bestehen feine Bedenken. Die Sozialdemokratie tann Umfang und Art nur bei der öffentlichen Wohlfahrtspflege mitbestimmen. Nur in der öffentDie Geranien auf dem Grabe meines Bruders flüstern im Abendschatten ein trauriges Lied. Von der ersten ungläubigwehen Falte in des Heiteren glatter, weißer Stirn, und von der dicken Zornesader, die jäh aus den goldenen Haarwurzeln quoll, herab zur schmalen, geraden Nase, als die schöne, ge= liebte Frau untreu ward. Wie wunderfüß ist der Geranien Lied im Abendgrauen! Mit wehem Lächeln raunen sie davon, daß die Falte nicht mehr schwand aus des Heiteren schöner, weißer Stirn. Wie das strahlend junge Antlitz erblich, hart und finster wurde im Blutgeheul des Krieges, im Wahnsinn der Schlacht. Im Wahnsinn der wilden Schlacht. In Rußlands weiten, eintönigen Steppen, wo der Tod seinen dunklen Schmerzensfang so haßlos singt. Wo ein Grauen und ein Ahnen wohnt, wo eine wunderlich fangende Schwermut ist, unergründlich, voller Geheimnisse, wie die Seele des Volkes, des Heimat diese Steppen sind. Die Geranien auf dem Grabe meines Bruders sind weise Künderinnen. Wenn die dunkle Nacht ihre Lichter aufsteckt und der Mond wie ein goldenes Ei aus den Nebeln steigt, fünden die Geranien des Todes mächtiges Lied, des Todes, der ein heiliger Erlöser ist, der den Frieden bringt. Horch, wie sie flüstern vom Tode, der den traurig ge= wordenen Heiteren erlöste, der das franke Herz zerbrach! Der die Falte fest und tief hineinschnitt in die schöne, weiße Stirn als sein Mal der Erlösung! Das alles wissen die Geranien auf dem Grabe meines Bruders. Davon flüstern sie im Herbstgold, im Abendschatten und im Dunkel der Nacht. Im Dunkel der Nacht, wenn sie Ichwarze, erloschene Totenblumen geworden sind. Anna Juffen. Nr. 22 lichen Wohlfahrtspflege sind Rechtsgarantien dafür gegeben, daß das im politischen Kampf Festgesetzte zur Durchführung fommt. Sie allein kann Massennöte bekämpfen. Deshalb ist der Ausbau der öffentlichen Wohlfahrtspflege, die von den Gemeinden durchzuführen ist, zu fordern. Die Gemeinde muß die noch bestehende freie Wohlfahrtspflege in ihre Organisation einreihen, um Geld- und Kräftevergeudung zu hindern, und ihre Arbeit kontrollieren, falls sie ihr öffentliche Gelder zuwendet. Die Ausschüsse für Arbeiterwohlfahrt schaffen keine selbständigen Wohlfahrtseinrichtungen, sondern sammeln und schulen die Anhänger der Sozialdemokratie für die öffentliche Wohlfahrtspflege, besonders der Gemeinden. Sie sind von der geschilderten Gesinnungsgemeinschaft mit der Gestaltung dieser Sonderaufgabe betraut. Erziehung ist Aufgabe der Gemeinschaft. Solange die Gesetze für die Bildungsarbeit an den Erwachsenen diesen Grundsatz noch nicht anerkennen, muß diese, im folgenden hier Volksbildungsarbeit genannt, von freien Organisationen geleistet werden. Aufgabe der Volksbildungsarbeit ist es, Persönlichkeiten zu erziehen, die Träger und Schöpfer einer wahren Gemeinschaft aller sein können. Da nur in der Arbeiterschaft ein starker Wille zu einer neuen menschlichen Gemeinschaft lebt, sind die Arbeiterorganisationen die besten Träger der Volksbildungsarbeit. Die Bildungsausschüsse der Partei sind nicht in der Lage, alle Mittel der Wissenschaft in den Dienst dieser Aufgabe zu stellen. Sie und die anderen Arbeiterorganisationen müssen deshalb mit allen Vereinen und Gemeinden, die bereit sind, in diesem Sinne zu wirken, zusammenarbeiten. Die Gemeinden haben außerdem die Aufgabe, die zersplitterten Volksbildungseinrichtungen aller Art, die meistens weder einen bestimmten Teilzwed verfolgten, auszugleichen und zusammenzufassen. So scheidet der freie Berein als Träger einzelner Aufgaben allmählich aus. Die Gemeinde muß zum Träger aller örtlichen Gemeinschaftsaufgaben gemacht werden. Aus der modernen weltanschauungsgemäß gebundenen privaten Organisation fließen ihr die Hilfskräfte zu. Die Menschwerdung des Kindes Zur Psychologie des Kindes find dicke gelehrte Bücher geschrieben worden, die tiefe Einblicke in die Seele des Kindes gewähren Die Resultate dieser psychologischen Untersuchungen find leider meist tot für die Millionen von Müttern und Vätern, die sich praktisch mit der Erziehung ihrer Kinder beschäftigen. Unser Genosse Heinrich Schulz hat ein treffliches Büchlein verfaßt, das diese Mütter und Bäter in das Werden der Kinderfeele spielend einführt.*) Man lese einmal sorgfältig das folgende dem Buche entnommene Kapitel: an wird Mensch- sozusagen! J Er war natürlich schon immer Mensch. Aber nur so ein halbfertiger, wie alle Menschen, wenn sie zur Welt kommen. Die gelehrten Forscher über die Entstehung des Menschengeschlechts sagen: einstens, in undenkbar weit zurückliegenden Zeiten, haben sich die Vorläufer des Menschen dadurch von der Tierwelt erhoben und sich zum Menschsein entwickelt, daß sie sich auf die Hinterbeine stellten und zu sprechen begannen. Der aufrechte Gang auf zwei Beinen und der Gebrauch der gegliederten Sprache seien die zwei wichtigsten Kennzeichen, durch die sich der Mensch vom Tier unterscheide. Insofern ist Jan zurzeit bemüht, sich vom Tierischen zum Menschlichen zu erheben. Also Jan versucht, auf seinen eigenen Beinen zu stehen. Der Versuch glückt noch nicht immer. Oft knickt er mitten im schönsten Stehen ein. Außerdem muß man ihn noch vorsichtig stützen. *) Der kleine Jan." Ein Jahr aus seinem Leben. Mit Zeichnungen von Traugott Schalcher. Buchhandlung Borwärts, Berlin SW. 68.( Preis geb. 10 mt.) Nr. 22 Die Gleich beit 217 Z 218 des Strafgesetzbuches Von Dr. med. Emily Stricker Es Ist noch gar nicht lange her, daß in Deutschland eine Gesetzes- oorlage aufgetaucht war, nach welcher jeder Abort, wohlgcmerkt, jeder von einem Arzt vorgenommene Abort, unter Angabe seiner Indikationen der Behörde gemeldet werden sollte! Das war in den letzten Zeiten des sich oerblutenden Machtstaates, der sich nach trügerischen Stützen umsah, um seinen drohenden inneren Zusammenbruch aufzuhalten. Er vergaß, daß Gesetze kein Leben zeugen können, daß solche Gesetze geradezu Leben zerstören, weil sie Tausende in die Hände von Kurpfuschern treiben. Wir leben nicht mehr im Machtstaat. Er ist tot, oder soll tot sein. Wir leben in einem Staat, der ein Rechtsstaat sein will. Er hat der Frau dieselben bürgerlichen Rechte gegeben wie dem Manne. Wir erwarte» von ihm, daß er der Frau auch die freie Verfügung über ihren Körper gibt. Es ist ein Unding, von einer Frau zu verlangen, ein Kind zu tragen, in sich zu nähren, das sie nicht haben will. Der Paragraph 218 kennt keine Ausnahmen. Jedes Kind muß ausgetragen werden, jede Abtreibung ist strafbar, auch der von einem approbierten Arzt herbeigeführte Abort, es sei denn, daß schwerwiegende ärztliche Gründe vorliegen, die eine Fortdauer der Schwangerschaft als un möglich erscheinen lassen. Also muß auch jedes unter den ab stoßendsten Momenten empfangene Kind ausgetragen werden. Ver gewaltigte müssen das Kind ihres Schänders tragen, junge Töchter die Kinder Ihrer unmenschlichen Väter, Frauen die elenden Früchte alkoholverblödeter und geisteskranker Männer. Der Machtstaat brauchte Menschen, nach ihrer Qualität fragte er nicht. Ein Gegen stück zum Machtstaat bildete die Kirche, vornehmlich die katholische Kirche. Auch die katholische Kirche in ihrer Machtstellung brauchte Menschen. Daher oerbietet sie jede Unterbrechung der Schwanger schaft, ja, auch jede Verhütung der Empfängnis. Sie giht die genausten Vorschriften über den ehelichen Verkehr: Vorscyristen, die alle den Zweck verfolgen, der Unfruchtbarkeit zu steuern, die natürliche Fruchtbarkeit möglichst uneingeschränkt zu erhalten, auf welch letzterem Wege der alte Staat ihr zu folgen im Begriff war. Er erschwerte den Erwerb empfängnisverhütender Mittel, die nur noch auf ärztliche Vorschrift hin erhältlich waren, aufs äußerste; ein harter Zwang, besonders für die ärmere Bevölkerung. Auch wir bekämpfen die auf diesem Gebiete betriebene schamlose Re klame, wir oerlangen aber eine gründliche und sachliche Aufklärung, und die erleichterte Zugänglichkeit dieser Mittel für alle diejenigen, Aber man spürt doch die wachsende Kraft und den Willen zur Selbständigkeit. Noch mehr als das Stehen liebt Jan das Laufe,.. Wen er von den anderen Genüssen seines Daseins genug hat, wenn er seine Spielsachen eines nach dem anderen die Fallgesetze hat erproben lassen, so braucht ihr Jan nur mit den Füßen aus den Boden zu stellen und zu sagen:„Will Jan tippeltappel machen?" Hei, wie er dann lacht und die Beine wirft! Du kannst kaum so schnell mitkoinmen, wie er vorwärts strebt. Eins zwei, eins zwei, eins zwei! Sobald wird er des lieblichen Spiels nicht müde. Eher passiert es dir schon, daß du nicht länger mit krummem Rücken neben ihm herlaufen und seine zappelnde Beweglichkeit stützen kannst. Das ist der erwachende Stolz auf die eigene Kraft. Jan spürt dann die erste Ahnung von dem beglückenden Bewußtsein, auf eigenen Beinen zu stehen und zu gehen. Und Mensch zu sein. Aber auch am zweiten Zeichen der Menschwerdung läßt Jan es nicht fehlen. Er lernt sprechen und denken. Beileibe nicht mit Absicht und Willen und erst recht nicht nach irgendeiner Methode. Er folgt seiner eigenen Methode, die aber genau übereinstimmt mit der Methode anderer Menschenkinder seines Alters und mit der Methode, die seinerzeit das Menschengeschlecht anwandte, als es allmählich die tierischen Naturlaute zur gegliederten Sprache entwickelte und dabei das Denken erlernte. Zuerst war die Umgebung für Jan ein einziges großes, unklares Etwas. Unterscheiden konnten seine Sinne noch nichts. Das lernten sie erst allmählich die Ihrer bedürfen. Es ist die persönliche Angelegenheit eines Menschen, ob er Kinder zeugen will und kann oder nicht. Gebote und Verbote vermögen hier nichts. Die sittliche Persönlichkeit allein kann und wird diese Frage entscheiden. UnserZiel muß da her sein, solche Persönlichkeiten zu erziehen. Der Wert des Z 218 ist ein ethisch negativer. Ebensowenig wie die Beibehaltung der Todesstrafe Verbrecher vom Morden abhalten kann, ebensowenig schützt der Z 218 vor Angriffen auf das keimende Leben. Wird weniger abgetrieben, weil wir einen Ab treibungsporagraphen haben? O nein. Es wird nur von un sauberen, unberufenen Händen im dunkeln gearbeitet, wo geschulte und lautere einzig und allein am Platze wären. Anstatt sich einem gewissenhaften Arzte anvertrauen zu können, gehen unzählige Frauen zu zweifelhaften„Heilkundigen" und büßen dabei oft Ge sundheit und Leben ein. Daß dem Rechtsstaat aus der Abschaffung des Z 218 ernste Ge fahren erwachsen könnten, ist nicht wahrscheinlich. Die Abschaffung eines solchen Paragraphen ist ein Zeugnis der Reife eines Volkes. Damit sagt ein Volk: Ich schaffe ab, was doch nur Heuchelei war. Niemals hat ein solches Gesetz Menschen davon abgehalten, eine Tat auszuführen, die sie ausführen wollten oder mußten. Es hat den unlautersten Elementen vorgearbeitet, und die Menschen ge zwungen, ihr Wohl und Leben in unreine Hände zu legen, es hat gemeine Ausbeutung und Denunziation begünstigt. Die gewolds- mäßige Abtreibung durch Unberufene ist zu bekämpfen und aufs strengste zu bestrafen. Es muß aber jedem mbeimgestellt sein, sich den dazu Berufenen anzuvertrauen und dort Hilfe zu find-n. Es ist eine Ehre, ein gesundes Kind zu gebären. Es i't ein« Schande für jede Staatsbürgerin, ein Kind, das sie unter normalen Verbäl'nissen empfangen, und unter geistig und leiblich gesunden Bedin gungen tragen könnte, nicht tragen zu wollen. Auf Menschenproduktion aber verzichten wir. tS»iuK iolgt) � Konsumgenossenschastliche Rundschau � Zu den Konsumgenossenschaktcn, die eigene Landgüter be sitzen, gehört seit dem Jahre 1917 auch der Allgemeine Konsum verein Düsseldorf. Sein Gut Söbberinghofs ist mit mustergültigen Einrichtungen versehen und steht in bezug auf Lohn- und Arbeits bedingungen an erster Stelle. Es ist besonders interessant, daß die Verwaltung trotzdem mit den von der Regierung festgesetzten Preisen für Umlagegetrcide mehr als gut zurecht kommt. Jetzt ist er aber schon lange imstande, Einzelheiten zu unterscheiden, und langsam beginnt er auch ihre Namen und ihre Beziehungen zueinander kennenzulernen. Und nebenbei muß Jan noch so vieles andere lernen: stehen l'Nd gehen, laufen und springen, essen und trinken, mit Menschen umgehen und sich gesittet betragen. O, es ist eine schwere und große Leistung. Aber Jan spürt nichts davon. Ihm ist das alles ein Leichtes, eine Freude, ein Spiel. Gesegnet sei das Spiel, sein bester Freund und Helfer. Der Bauer und der liebe Gott ... Und Gott, da ihm das Jammern der Menschen über die stetig steigende Teuerung zu Herzen ging, ließ den Bauern vor seinen Thron kommen. „Weshalb hast du die Kartoffelpreise wieder herausgesetzt?" „Ja, schau, lieber Gott, es war halt so ein nasser Sommer." Und Gott ließ im nächsten Jahre die Sonne scheinen. Und die Kartoffelpreise stiegen abermals. Und Gott befahl den Bauern wiederum vor seinen Thron. „Weshalb setzest du schon wieder die Kartoffelpreise herauf?" „Ja, schau, lieber Gott, es war halt gar ein so trockner Sommer." Da ward Gott zornig und sprach:„Wenn ich es dir gar nicht recht machen kann, so setze du dich auf meinen Thron und mache selbst das Wetter!" Und der Bauer kletterte aus den Thron, machte es sich be quem und sprach:„Kraft meiner Allmacht setze ich hiermit für das nächste Jahr den Kartosselpreis heraus!". 218 Die Gleich beit Die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine in Ham burg hat in Geestemünde, dem bedeutendsten Seefischhandelsplat Deutschlands, einen eigenen Seefischverfand eingezichtet, mittels dessen sie in der Lage ist, die Vereine mit diesem wichtigen Bollsnahrungsmittel aufs befte und preiswerteste zu versorgen. Den Binnenschiffern war es bis jetzt infolge ihrer„ fahrenden" Lebensweise fast unmöglich, ihren Bedarf in den Konsumgenossenschaften zu decken. Sie bekamen die Nachteile der Versorgung durch die Krämer besonders zu spüren, weil man bei ihnen Reklamationen in bezug auf Preis und Gewicht nicht zu fürchten hatte. Die Wünsche der Schiffer, in alien Konsumvereinen faufen zu können, scheitern vorläufig an den Bestimmungen des Genossenschaftsgesetzes, das eine ambulante Mitgliedschaft nicht zuläßt. Eine in Aussicht stehende Aenderung des Genossenschaftsgesetzes bietet hoffentlich die Möglichkeit, auch den Wünschen der Binnenschiffer gerecht zu werden. " Besonders beachtenswerte Berschmelzungen wurden in den letzten Monaten durchgeführt. Es vereinigte sich der Haushaltverein in Linden mit dem Konsumverein in Hannover. Der Harburger Konsumverein schloß sich an den Konsum-, Bau- und Sparverein Produktion" in Hamburg an. Die Konsumgenossenschaft Solingen. Ohligs ging in der Konsumgenossenschaft ,, Hoffnung" in Köln auf. In Baden- Baden tagte Mitte Juli der 18. ordentliche Genoffen Schaftstag des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine. Die Be deutung des Kongresses fand ihren Ausdruck auch in der Anwesen heit zahlreicher Vertreter von Ministerien, sowohl des Reichs wie auch der Gliederstaaten. Auch das Ausland hatte eine ganze Reihe von Vertretern entsandt. Im Berichte konnte gesagt wer den, daß die im Zentralverband angeschlossenen 1291 Ronfumvereine 2,7 Millionen Mitglieder zählen und mit ihnen einen Umsag von 2800 Millionen Mark im letzten Jahre tätigten. In der Eigenproduktion wurden für 340 Millionen Mark Waren hergestellt. Als nächste und wichtigste Aufgabe wurde die Ausdehnung der Warenverteilung auf alle Bedarfsartikel bezeichnet. In einem recht interessanten Referat wurde die konsumgenossenschaftliche Fleischversorgung behandelt. Die Wiederholung der alten For derung auf unbedingte parteipolitische Neutralität führte zu leb hafter Diskussion, bei der insbesondere auch die kommunistischen Delegierten zu Worte famen. Der Genossenschaftstag sprach sich mit übergroßer Mehrheit erneut für den bewährten Grundsatz aus, daß der politische Kampf aus den Genossenschaften fernzu halten sei. Nach achtjähriger Bause trat im August in Basel die genoffen. Die etwa fünf, schaftliche Internationale wieder zusammen. hundert Delegierten aus fast allen europäischen und auch einigen außereuropäischen Nationen repräsentierten nicht weniger als etwa 42 000 Genossenschaften mit mehr als 24 Millionen Mitgliederfamilien. Der Kongreß beschäftigte sich mit der inter nationalen Genossenschaftspolitit, den Brinzipien des internationalen Rechts, sowie mit der Organisation des internationalen Großeinkaufs. Die große russische Genossenschaftsbewegung, welche eine Zeitlang außerhalb der Internationale stand, wurde durch Zulassung ihrer Vertreter wieder in diese aufgenommen. Unsere Genoffinnen dürfte es besonders interessieren, daß in das Inter nationale Zentralfomitee auch zwei Frauen, und zwar die Genossin Emmy Freundlich aus Wien und Frau Dr. Po. lovtsev als Vertreterin Rußlands gewählt wurden. Alle Vertreter der verschiedenen Nationen zeigten das ehrliche Bestreben, durch den internationalen Ausbau der genossenschaftlichen Wirtschaft das friedliche Zusammenarbeiten der Völker zu fördern und dadurch künftigen Kriegen die Grundlagen zu entziehen. Eine Entschließung für den Völkerfrieden fand begeisterten Widerhall. Auch in England werden die Konsumvereine von Steuerplänen der Regierung bedroht. Diese verfiel auf den Gedanken, die Konsumgenossenschaften einer Körperschaftsgewinnsteuer zu unterwerfen. Es bedurfte nicht geringen Geschickes, der Regierung nachzuweisen, daß sie damit die Ersparnisse der Aermften des Volkes besteuere. Es gelang zur großen Freude der englischen Genossenschafter, dieses Unrecht zu verhüten. Der Präsident des Genossenschaftsverbandes in Nordamerika, Prof. J. P. Warbasse, hielt im Juli dieses Jahres in Hamburg einen außerordentlich interessanten Bortrag über die amerikanische GenossenschaftsElsa Rupprecht. bewegung. Soziale Rundschau In Genf tagte im Oktober der zweite Internationale Arbeiterinnenfongreß unter Borsiz der Präsidentin Mrs. Raymond Robins. Der Kongreß wandte sich in erster Linie gegen die Haß Nr. 22 propaganda und den Wirtschaftsimperialismus. Außer pazifiſtischen Gedanken und Frauenstimmrechtsfragen wurden sozialpoli tische Maßnahmen erörtert. In warmen Worten gedachte man auch Mary Macarthurs, der verstorbenen Bizepräsidentin des Washingtoner Kongresses. * Die Unterhaltsrente für uneheliche Kinder. Das Rammergericht hat in der Frage der Bemessung der Unterhaltsrente für uneheliche Kinder in Groß- Berlin den in einem früheren Beschluß vom 26. Februar d. I. vertretenen Standpunkt, daß ein Durchschnittsbetrag von 150 Mt. monatlich zum Unterhalt eines unehelichen Kindes ausreichend sei, nunmehr aufgegeben, und sich in einem neuerlichen Beschluß vom 28. September d. I. dahin ausgesprochen, daß nach den Teuerungs- und Einkommens verhältniffen, wie sie sich inzwischen gestaltet haben und von der Stadt Berlin ermittelt, auch aus den Reichsindegziffern ersichtlich sind, die auf Zubilligung einer höheren Unterhaltsrente als 150 Mt. monatlich gerichtete Rechtsverfolgung erfolgversprechend erscheint, Da es sich um eine Entscheidung des gleichen Zivilsenats handelt, so dürfte der angeführten Entscheidung grundsätzliche Bedeutung beizumeffen sein. Aus unserer Bewegung Bezirk Hessen- Darmstadt. Im Oktober tagte im Gewerkschaftshaus in Offenbach eine Konferenz der sozialdemokratischen Frauen des Freistaates Hessen. Genoffin Rern gab Bericht über die Wohlfahrtstagung und Frauenkonferenz in Görlig; Genoffin Dr. Olga Essig hielt einen ausgezeichneten Bortrag über die Tätigkeit der Frau in der Gemeinde, wobei sie sehr stark das Gebiet der Schulen unter Berücksichtigung der Elternbeiräte, die in Hessen noch nicht vorhanden sind, behandelte. Neben den Vertreterinnen der Parteiorganisation nahmen auch die in Hessen tätigen weiblichen Stadtverordneten an der Konfe renz teil. Die Aussprache war daher eine sehr vielseitige und fruchtbare. 27 Nach den Vorträgen und der anschließenden Debatte fand eine Aussprache über die Möglichkeit der obligatorischen Einführung der Gleichheit" unter gleichzeitiger Erhöhung des Beitrages statt. Ein abschließendes Resultat konnte leider darüber nicht erzielt werden, der Bezirksvorstand wird die Sache noch weiter beraten müssen. Die Konferenz war auch zugleich Auftakt für die hessischen Wahlen. Wohlfahrtspflege Ausbildungskonferenz und Fürsorgetag. In der letzten Oktoberwoche tagte in Weimar die Reichsgemein schaft von Hauptverbänden der freien Wohlfahrtspflege. Sie hatte als Berhandlungsgegenstand die Frage der Ausbildung zur sozialen Arbeit nach verschiedenen Richtungen hin auf die Tagesordnung gefeßt. Neben Bon Bedeutung war es, daß die Referenten aller Richtungen der Wohlfahrtspflege immer wieder die Notwendigkeit betonten, Frauen und Mädchen der Arbeiterschaft zur beruflichen Mitarbeit an der Wohlfahrtspflege heranzuziehen. Genoffin Bronsky sprach auf der Konferenz über Ausbildungswege für die werktätige Bevölkerung. Sie machte dabei den Vorschlag, für junge Mädchen eine praktische Diese Lehrzeit könnte zunächst in Lehrzeit durchzuführen. Anstalt, Säuglingsheim, Krankenhaus usw. erfolgen. dieser praktischen müßte eine theoretische Berufsausbildung hergehen. Frau Wronsky schlug dann nach dem Ablauf dieser drei Jahre noch weitere drei Jahre als eine Art Gesellenzeit, wie sie sie nannte, vor. Dann erst sollte die Vorbereitung auf einer sozialen Frauenfchule erfolgen, um die staatliche Anerkennung als Wohlfahrtspflegerin zu erlangen. Die Dauer der Schulzeit würde nach dieser Vorbildung auf ein Jahr zu bemessen sein. Man tann gegen diesen Vorschlag manches einwenden; er hat aber doch auch sehr viel für sich. Man wird bei einem jungen Mädchen, das eben von der Schule fommt, noch nicht mit Sicherheit auf ihre Begabung für den sozialen Beruf schließen können. Zeigt sie sich aber während der Zeit der Lehrlingsausbildung anftellig und ausbildungsfähig, dann wird sie nach Ablauf der dreijährigen Lehrlingszeit und der weiteren dreijährigen Gesellenzeit soviel für das praktische Leben gelernt haben, daß sie kaum einen Verlust zu beklagen hat, selbst wenn sie dann nicht in den eigentlichen sozialen Beruf geht. Ganz neu ist dieser Er ist auch Gedanke der praktischen Ausbildung nicht. in der Fachpreffe bereits angeregt worden. Wir bringen unten eine Notiz aus der Sozialen Praris" Nr. 35( 1921) zum Abdruck. Die Konferenz nahm eine Resolution in dem Sinne an, daß sie Nr. 22 Die Gleich beit für die Uebergangszeit bis zur Durchführung der Einheitsschule Möglichkeiten für die Frauen der Arbeiterschaft verlangt, um neben dem durch die Prüfungsbestimmungen gegebenen Gang über die foziale Fachschule weitere Wege für die Ausbildung zu eröffnen. Von dem Grundsatz höchster Forderung an die Qualität der Ausbildung ist im Interesse der Arbeit und der Arbeiter unter feiner Bedingung abzuweichen. Wir müssen aber auch nach Wegen fuchen, um der reiferen Frau, die mit ihren praktischen Lebenserfahrungen gerade für die Fa milienpflege, auch für die Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenenfürsorge, wie sich das bereits in verschiedenen Fällen gezeigt hat, besonders geeignet ist, Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen. Das wird eine besondere Aufgabe des Hauptausschusses für Arbeiterwohlfahrt sein, und es ist auf der Tagung in Görlitz auch dieser Punkt in einer Entschließung festgelegt worden. An diese Ausbildungskonferenz schloß sich der Fürsorgetag und die Jahresversammlung des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge an. Hier stand die Frage der Finanznot sowohl für die freie wie für die öffentliche Wohlfahrtspflege zur Beratung. Wir behalten uns vor, auf diese Verhandlungen noch zurüdzuH. tommen. Cehrstellen in der Wohlfahrtspflege. Die„ Soziale Braris"( 1921 Nr. 35) berichtet von einem in Frankfurt a. M. gemachten Versuch, Lehrstellen in der Wohlfahrtspflege zu schaffen, um die langwierige und teure Berufsausbildung zu verbilligen und eine gründliche Ausbildung zu erreichen. Die neue preußische Prüfungsordnung fordert für das Examen eine praktische Berufsausbildung( Kranken- und Gäuglingspflege, Kindergärtnerin, Lehrerin u. a.) oder eine dreijährige Berufstätigkeit in der Wohlfahrtspflege. Diese drei Jahre werden bei den Versuchen in Frankfurt a. M. zu einer systematischen Lehre in der Wohlfahrtspflege ausgestaltet. Die Lehrlinge erhalten für ihre Tätigkeit von Anfang an eine Vergütung mit der entsprechenden Teuerungszulage. Diese Lehrzeit soll fein Ersatz der Wohlfahrtsschule, sondern eine Borbereitung auf diese sein. * ⭑ H. Den Teilnehmern der Wohlfahrtskonferenz ist in Görlig ein Buch„ Gegen Proffifufion und Geschlechtskrankheiten" vom Genoffen Dr. Mag Quard überreicht worden. Das Buch kostet im Laden 10 Mt. Um dem Buch aber eine größere Verbreitung zu fichern, ist der Verlag bereit, eine Bolfsausgabe herzustellen. Mindestbestellung pro Organisation sind zehn Stück. Die Preise sind wie folgt gestaffelt: 10 Stück a 4,50 Mt., 15 Stück a 4,25 Mt., 20 Stück a 4 Mt., 50 Stück und mehr a 3,75 Mt. Das Buch enthält neben einer Abhandlung des Genossen Dr. Quard: 1. Den vielumstrittenen Gesetzentwurf zuz Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. 2. Die polizeilichen Vorschriften aur Reglementierung der Brostitution in Groß- Berlin. 3. Den französischen Gesetzentwurf von 1906. 4. Den Beschluß der Regierung Zürich von 1920. Also ein sehr wertvolles Material für alle, die sich informieren wollen, ebenso für Referenten und für alle im öffentlichen Leben und in der Fürsorge stehenden Persönlichkeiten, die auch dann, wenn sie nicht ganz restlos allem zustimmen, was der Verfasser 219 Wir sagt, doch auf die strittigen Punkte hingewiesen werden. wünschen deshalb dem Buch weltefte Berbreitung und bitten daher von dem Angebot Gebrauch zu machen. Bestellungen find an die Unterzeichnete zu richten. Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt Mazie Juchacz, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. Frauenbildung und Wirschaftsform So lautete das Thema einer Tagung, die der Bund entschiedener Schulreformer in Lanfwig bei Berlin, einberufen hatte. Im Bordergrund stand die Lösung der Frage, wie die Frau, besonders die Hausfrau und Mutter, ihre spezifisch weibliche und mütterliche Betätigung in Einklang bringen fann mit ihrer Anteilnahme am staatsbürgerlichen und geistigen Leben. Es war ein ehrliches Suchen und Findenwollen. Von den Frauen, die sich im Rahmen diefer Tagung rednerisch an der Lösung des schwierigen Problems beteiligten, seien genannt: Anna Siemsen, Ilse Müller- Destreich, Helene Simon, Clara Bohm- Schuch, Johanna Heymann( für Fräu lein Irene Witte), Lisa Albrecht, Olga Essig. Anna Giemfen betonte, daß der Hauptgrund unserer wirtschaftlich- geistigen Not in unserem heutigen Wirtschaftssystem begründet liege, das die Produktion in den Vordergrund gestellt hat und nicht den Menschen. Ilse Müller- Destreich wandte sich an die Frau als Konsumentin und verlangte, daß das Verantwortungsbewußtsein als Ronfumentin in der Frau gestärkt und gesammelt werde. Clara Bohm- Schuch sprach über" Beruf und Mutterschaft". Durch den Krieg find viele Frauen zum Geldverdienen gezwungen worden, und leider zuerst die Mütter, die die meisten Kinder zu ernähren hatten. Es muß alles getan werden, die Lage der doppeltbelasteten Frau zu erleichtern, durch den Ausbau der fozialen Gesetzgebung, durch Einführung eines fürzeren als achtstündigen Arbeitstages für berufstätige Mütter, durch die Halbtagsbeschäftigung usw. Auch zur Aechtung der unehelichen Mutterschaft nahm sie gebührend Stellung und forderte durch eine neue Erziehung die freie Persönlichkeitsentwicklung der Frau für Beruf und Mutterschaft. Helene Simon brachte fehr gute Ausführungen über das Thema„ Beruf und Persönlich feit". Unser Ziel muß die Ueberwindung des bloßen Erwerbs berufes durch den Eignungs- und Leistungsberuf sein. Erst dann fann eine Frau eine Persönlichkeit werden, wenn sie in einem Johanna Beruf steht, der ihrer besonderen Eignung entspricht. Heymann verlangte eine vernünftige Arbeitsteilung der Frauenarbeit und bezeichnete den Einzelhaushalt, so wie er heute geführt wird, als überlebt. Dabei tauchte die Frage des Einfüchenhauses auf. In der Diskussion beschäftigte man sich lebhaft mit dem GeE. Rdt. hörten. Besonderer Umstände halber war es unserem Mitarbeiter Gen. Dr. Caspari nicht möglich, die laufende Artikelreihe in legter Zeit fortzusetzen. Der nächstfolgende Artikel wird aber in der Nummer der„ Gleichheit" vom 1. Dezember erscheinen. Die Redaktion. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bohm- Schuch. Druck: Vorwärts Buchdruckerei. Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. S. fämtlich in Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Sind Lungenleiden heilbar! 70 Jahren ist Bei Afthma, Lungen- u. Kehlkopftuberkulofe, Schwindfucht, Lungenfpitzen- Katarrh, veraltetem Huften, Verfchleimung, lang beftehender Heiferkeit lese jeder die San.- Raf Dr. Strahl's Broschüre mit obigem Titel. Der Verfasser, Herr Dr. med. Guttmann, Chefarzt der Finsenkuranstalt, zeigt darin in volksverständlicher Weise natürliche Wege zur Beseitigung dieser schweren Leiden. Jeder Kranke erhält diese Broschüre auf Wunsch vollständig umsonst. Man schreibe nur eine Postkarte an Haussalbe Puhlmann& Co., Berlin 126, Müggelstr.252. ten, Bein- und KrampfNasen- u. Gesichtsröte, rote Hände beseitigt, blütenzarter Teint, weiße, glatte Haut werden in kürz. Zeit erreicht durch mein. altbew. unübertroff. Krem ,, Pura". Sommersprossen, Mitesser, Pickel, Runzeln und Fältchen verschwinden. Rote und großporige Haut wird schnell beseitigt. Tube 3,-, Doppeldose 5,-. Drogen- Haus H. Bocatlus, Berlin N., Elsasser Straße 38. b. 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