Nr. 23 31. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Die Frau und ihr Haus Die Gleichheit erscheint 2 mal im Monat Prets: Vierzeljährlich 3,- Mart Inferate: Die 5 gespaltene Nonpareillezetle 3,- Mt. und 30% tariflichen Teuerungszuschlag, bet Wiederholungen Rabatt Ferdinand Lassalle Berlin 1. Dezember 1921 Der Name besitzt einen hohen Klang in der deutschen Arbeiterschaft. Und mit Recht, denn Lassalle war nicht nur der glänzende Organisator und Agitator, sondern er war ein Mensch von überlegener Geistesfraft; ein geborener Bahnbrecher und Führer. Den Frauen stand er im Leben sehr nahe; er liebte sie( soweit man bei seiner herrischen Natur den Begriff anwenden kann) und wurde von ihnen geliebt. Als er im blühendsten Mannesalter in dem von ihm selbst provozierten Pistolenduell fiel, geschah es um eine Frau: Helene von Dönniges. Und dennoch darf wohl behauptet werden, daß er uns Sozialdemokratinnen von heute( wenigstens soweit die breite Masse der Genossinnen in Frage tommt) innerlich ziemlich fremd geblieben ist. Vielleicht beruht das zu einem Teil darauf, daß fast alles, was bisher über Lassalle geschrieben wurde, sowohl wie auch seine eigenen Schriften immer nur den fertigen Menschen vor uns hinstellt. Was wir aus seiner Jugend wußten, wies große Lücken auf. Wir sahen ihn nicht organisch wachsen und werden. Diese Lücke füllen nun die„ Briefe von und an Lassalle" aus seinem Nachlaß, deren ersten Band Gustav Mayer im Frühjahr dieses Jahres bei der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart her ausgegeben hat. Fünf Bände soll dieser Nachlaß füllen; der vorliegende enthält die Briefe von 1840-1848. Die Arbeit der Zusammenstellung sowohl wie das Vorwort sind so ausgezeichnet, wie wir es bei Mayer, dem Herausgeber der Jugendbriefe Friedrich Engels, gewöhnt sind. Das Buch ist umfangreich, aber das würde kein Hemmnis sein für seine Verbreitung in der Arbeiterschaft, weil das Bild, welches sich beim Lesen ergibt, so fesselnd ist, daß es uns nicht losläßt. Außerdem haben Briefe den Vorteil, daß man sie nicht in einem Zuge lesen braucht, was bei dem Mangel an Zeit, um den gerade wir Frauen zu klagen haben, ins Gewicht fällt. Aber das Buch kostet auch leider viel Geld( wenn es auch an sich nicht teuer ist) und die Arbeiterschaft hat wenig Geld, und das wenige sehr nötig zur Bestreitung der notwendigsten Lebensbedürfnisse. Dadurch werden diese Briefe gerade von unseren Genossinnen wenig gelesen werden können. Und das ist schade. Wahr scheinlich würden diejenigen, die sich überhaupt ein Bild Laffalles gemacht haben, enttäuscht sein; viele Charakterzüge des jungen Menschen, wie er uns aus den Briefen entgegentritt, stoßen ab, und doch würde uns diese Persönlichkeit im ganzen näherkommen, wenn wir seine Entwicklung auf uns wirken ließen. Starkes Selbstbewußtsein lebt schon in dem Knaben. Das geht soweit, daß er als Fünfzehnjähriger glaubt, das Breslauer Gymnasium, welches er besucht, nicht mehr ertragen zu können. Er will Kaufmann werden und zu diesem Zweck die Handelsschule in Leipzig besuchen. Sein Vater ist einverstanden, der Versuch beginnt. Die Briefe aus der Leipziger Zeit verraten hier und da wohl Ueberheblichkeit, Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Moritplag 14838 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 aber auch das sehnende, hoffende und enttäuschte Kind. Die geistige Ueberlegenheit Menschen und Dingen gegenüber tritt Die Tagebuchaufzeichnungen des hier bereits zutage. Handelsschülers aus dem Sommer 1841 geben den besten Einblick, wie alles Schöne und Häßliche in der Seele des Jungen stritt. Abstoßend wirkt, was er über die Dresdener Sittenverhältnisse auszeichnet und fast noch mehr, wenn man liest, welche Gefühle ihn in der Dresdener Galerie vor den Offenbarungen göttlichster Kunst beseelen.- Seine Liebesbriefe an Lonny Grodzka sind ein Gemisch von Hochmut, Naivität, ernstem geistigen Streben und brutaler Herrschsucht. In den Liebesbriefen an unbekannte Frauen dagegen strömt sich eine flammende Sinnlichkeit aus. Sie wirken so unmittelbar, daß man es nicht gut begreifen kann, wie diese Gefühlsergüsse erst im Konzept und dann in Reinschrift geschrieben werden konnten, zumal sie zu einem Teil fast vier Druckseiten umfassen. Wenn man das gelesen hat, wird man das Gefühl des Unechten nicht mehr ganz los.- Schön ist dagegen, was in verschiedenen Briefen verstreut sich an Empfinden für Mutter und Schwester, vor allem für lettere, fundgibt, und groß und schön ist auch die Freundschaft, die uns aus den Briefen an Arnold Mendelssohn entgegentritt, Der junge Lassalle hat aber nicht nur überragende Geistesfähigkeiten; daneben zeichnen ihn geradezu ungeheurer Fleiß und eine Zähigkeit, das einmal gesteckte Ziel zu erreichen, aus. Als er es nach einem Jahre in Leipzig satt hat, kommt er nach Breslau zurück und macht nach zwei Jahren trok größter Schwierigkeiten bereits sein Abiturienteneramen, um die Universität besuchen zu können. Sein Vater willigt jetzt ein, ihn studieren zu lassen. Einem Kreis interessanter Persönlichkeiten des damaligen geistigen Deutschlands begegnen wir in den Briefen; be= sonders interessiert das Bild der Geisteskultur der jüdischen Intellektuellen. Seine Freundschaft für die Gräfin Haßfeldt ist der Grund des Konfliktes mit Heinrich Heine. Die Art, wie er diesen erledigt, ist unverständlich und unangenehm. Was Lassalle so sest mit der Gräfin Haßfeldt verband, wird auch aus diesen Briefen nicht ganz klar. Die elegante Aristokratin wirfte wohl, obgleich sie fast zwanzig Jahre älter war als er, gleichzeitig auf sein erotisches Empfinden und auf seine Eitelkeit. Die geistig bedeutende, fluge Frau stand ihm innerlich sehr nahe. Er selbst war von der Reinheit der Gräfin und damit von der Berechtigung des Kampfes, den er für sie führte, fest überzeugt; andere Freunde dieser Frau hatten diese Ueber zeugung in dem Maße nicht. Von der Bedeutung Lassalles für die Arbeiterbewegung sprechen die Briefe dieses ersten Bandes nicht, und doch zeigen sie in der ganzen Entwicklung des jungen Menschen flar den zukünftigen Führer. * Von anderer Art, aber nicht minder wertvoll ist die Laffalle- Biographie von Hermann Onden, die er neu durchgearbeitet und um„ Historische Perspektiven" vermehrt 222 Die Gleich beit nach Abschluß des Weltkrieges bei der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart herausgegeben hat. Als Onden einst, tief im Frieden, die erste Auflage schrieb, hatte er die ausgesprochene Absicht, mit seinem Buche dem Gedanken der sozialen Reform und der Ueberbrückung der Klaffengegenfäße zu dienen. Er glaubte dies am besten erreichen zu können, indem er Lassalles Leben und Wirken objektiv behandelte. So ist seine Biographie die reichhaltigste, die wir über Lassalles Leben befizen, aber sie hat auch eine bestimmte Tendenz. Oncken sieht in Lassalle den nationalen Ahnen der heutigen Sozialdemokratie im Gegensatz zu den Marg und Engels des fommunistischen Manifestes. Nicht national in dem Sinne, in dem dieses Wort bei uns vor und nach dem Kriege zu Parteizwecken mißbraucht wurde, denn Laffalle war zeit seines Lebens Republikaner und sein Ideal war das„ Deutschland minus die Dynastien", sondern national in dem Sinne, als er mehr im Boden des Staates wurzelte. Aber findet das nicht seine genügende Erklärung in der Tatsache, daß Lassalle das„ Glück" hatte, während der entscheidenden Wochen der 48er Revolutionszeit von der preußischen Justiz ins Gefängnis geworfen zu sein, so daß ihm im Gegensatz zu Marg, Engels, Freiligrath das Eril erspart blieb? Erklärt sich sein Gegensatz zu Marr auch in der Folgezeit nicht zum großen Teil daraus? Auf diese verschiedene Bodenbeschaffenheit als Quelle fruchtbringender Arbeit wird der Nachlaß an Briefen, den Gustav Mayer jetzt herausgibt und den Onden noch nicht benutzen konnte, sicher noch manches Licht werfen. Onckens hergebrachte Einstellung auf den nationalen, von Fichtes Idealismus herkommenden Lassalle verleitet ihn auch, Lassalle eine übertriebene Fernwirkung auf die Haltung der Sozialdemokratie während und nach dem Weltkriege zuzuschreiben. Wenn die Sozialdemokratie während des Krieges nicht„ vaterlandslos" war, so deshalb, weil sie es auch vorher nicht gewesen ist. Die Stellungnahme der Sozialdemokratie zum 4. August 1914 wurde nicht von dem toten Lassalle beeinflußt, sondern von dem toten Bebel, wenn sie überhaupt Bon Bebel, der von einem Toten beeinflußt wurde. prophetisch vorausgesagt hatte, daß es in einem kommenden Weltkrieg um das Sein und Nichtsein Deutschlands gehen würde. Und wenn nach dem Weltkriege die deutsche Sozialdemokratie zum Staat ein anderes Verhältnis fand, so ist das nicht auf Hegels und Fichtes Ideen vom Staat als sitt licher nationaler Gemeinschaft zurückzuführen, sondern erklärt sich einfach daraus, daß das Proletariat der Republik ganz selbstverständlich eine andere Gesinnung zu beweisen hat, als dem die Arbeiterklasse brutal fnechtenden vorrevolutionären Obrigkeitsstaat. Die Republit, als die einzig mögliche Staatsform zur Durchführung des Sozialismus, zwingt in ganz anderer Weise zur positiven Arbeit aus dem Gebot ihrer Erhaltung heraus. Die Folgeerscheinungen des verlorenen Krieges machen der Republik das Leben furchtbar schwer. Laffalles Wirken zeigt uns, wie ein seines Zieles bewußter, mit Begeisterung erfüllter Führer sich gegen eine widerständliche Welt, allen Schwierigkeiten zum Trozz, den Weg nach vorwärts bahnte. In diesem Sinne wird Lassalles Leben immer vorbildlich wirken, nicht zuletzt auch auf den denkenden Arbeiter, der es durch Ondens fleißige Arbeit kennenlernt. Zur Bertiefung der geschichtlichen Forschungen werden die beiden vorgenannten Werke viel beitragen; daß weiteste, Kreise Lassalles Leben näher kennenlernen, werden sie wenig helfen. Deshalb ist es nur zu begrüßen, daß im Verlag von J. H. W. Dietz Nachf., Stuttgart, ein fleines Büchlein herausgekommen ist, welches diesen Zwed in vorzüglicher Weise erfüllt.„ Ein Lebensbild Ferdinand Lassalles", der Jugend erzählt von Dr. Willy Cohn, ist leicht verständlich ge= schrieben und gibt doch ein so gründliches Material, daß es den Zweck, die Persönlichkeit unseres Vorfämpfers vor uns hinzustellen, voll erfüllt. Die Briefe aus dem Nachlaß haben Nr. 23 auch in dieser Arbeit noch keine Verwendung finden können. Das ist vielleicht gut, weil sonst mancher Schatten auf das Bild, wie es Cohn uns zeigt, hätte fallen müssen. Der Preis von 5 Mt. fommt unserem Wunsche, die Schrift viel ver= breitet zu sehen, entgegen. Bruder, du schaffender Bruder Von Kurt Klaeber* Bruder, du ſchaffender Bruder, Ich habe den бaß und das Leid, Das dir aus gramerfüllten Augen fah, In Worte gezwungen, Und was aus deinem Herzen und deiner Seele Und all den faufenden Rädern geklungen, Habe ich Tag für Tag in meine Seele geprägt. Bruder! Und wenn man heute meine Seele in deine bände legt, Dann glaube, Das meine schaffende Kraft und mein junges бerz mit dir klingt und schlägt Und mein Arm Stein um Stein zu deinem beilgen Altar Trägt: Dem Altar der Freiheit. * Aus der Sammlung ,, Neue Saat", Gedichte von Kurt Alaeber, Volksbuch bandlung G. m. b. 5., Jena, 1,50 lk. Das Buch als Weihnachtsgeschenk In wenigen Wochen ist wieder einmal Weihnachten. Wehmütig denkt man an die Weihnachtsfeste der Jahre vor 1914 zurück. Wenn es auch noch so sparsam herging, zu Weihnachten erübrigte doch schließlich jeder ein paar Groschen oder auch ein paar Mart, je nachdem man es sich leisten konnte, und kaufte nach langem Ueberlegen etwas, womit man seinen Angehörigen oder guten Freunden eine Freude machen wollte. Und dann gab es frohe und glückliche Gesichter zum Fest. Damals galt die Mark noch hundert Pfennige. Und für ein paar Mark gab es schon so manches Schöne. Das ist nun heute leider anders geworden. Der Geldwert unserer Mark ist auf ein paar eiende Pfennige gesunken. Und doch will man das Weihnachtsfest nicht ohne die Freude des Schenkens vorübergehen offen. Und das ist auch recht so, denn gerade in heutiger Zeit braucht man ein wenig Freude. Da ist es gewiß am Blake, auf den Wert eines guten Buches als Weihnachtsgeschenk hinzuweisen. Ein Buch ist ein immer will kommenes Geschenk, und gute Bücher werden gute Freunde, deren man sich in stillen Stunden dankbar erinnert. Zudem sind gerade Bücher auch in jezigen Berhältnissen zum größten Teil immer noch erschwinglich. Unsere Parteibuchhandlungen in den größeren Städten haben stets eine Auswahl guter, lesenswerter Bücher. Da läßt sich gewiß für jeden etwas finden. Ein paar Empfehlungen werden aber sicherlich gut aufgenommen werden Unterhaltungsliteratur. Die Berlagsbuchhandlung„ Borwärts", Berlin, Lindenstraße 3, hat fürzlich einen sehr guten Roman von Henny Lehmann. herausgegeben,„ Die Frauen aus dem Alten Staden Nr. 17". Preis schön gebunden 12,50 mt. Es ist eine Schilderung aus dem Leben von Proletarierfrauen in den Kriegsjahren. Henny Lehmann führt uns in die altersgraue Gasse einer kleineren Stadt und macht uns mit den Bewohnern zweier alter Häuser bekannt. Die Männer sind im Felde und die Frauen müssen sich, so gut es eben geht, durch die Nöte der Zeit hindurchfämpfen. Wie sie mit ihrem Schickfal fertig werden, die eine so, die andere so, das läßt uns die Ber fasserin miterleben. Es ist viel Trauriges und Wehes in der Ge schichte, aber man muß lesen und verstehen. Die Bewohner des Alten Stadens Nr. 17 und 18 wird man so leicht nicht vergessen. Ein sehr gutes, ernstes Buch ist„ Untergang", ein Lebens fragment von A. M. de Jong, berechtigte Uebertragung aus dem Holländischen von Georg Gärtner; ein Roman im Form von Tagebuchaufzeichnungen. Es ist die Ge schichte eines Mannes, der sich mit seiner gutfituierten Familie überworfen hat und aus seinem Heimatlande, Holland, geht, um fich in London selbst eine Existenz zu gründen. Das erschütternde Nr. 23 Die Gleich beit hingen um die Existenz ist in dem vorliegenden Buche mit allen Schärfen und Feinheiten geschildert. Der Mann fämpft verzweifelt und scheitert dennoch, wie so viele andere, die arbeiten wollen und schließlich trotz alledem auf den Weg des Bettels und Verbrechens getrieben werden. Seine Erlebnisse sind eine flammende Anklage gegen die heutige Gesellschaft. Der Preis von 12 Mt. für das inhaltsreiche Buch muß unter den gegenwärtigen Verhältnissen als mäßig bezeichnet werden. Erschienen ist es im„ Borwärts"-Berlag. Auch Clara Müller- Jahntes„ Ich bekenne" soll hier wieder gedacht werden. Ein Frauenbuch voll wahren, echten Empfindens liegt hier vor uns. Aus dornenvollen Tiefen ringt sich die starke Seele einer Frau zu den sonnigen Höhen des Menschentums und Liebesglücks empor. Das Buch ist von großer dichterischer Schönheit und startem Erleben. Es foftet im schönen Geschenkeinband gebunden 12,50 Mt. Erschienen ist es ebenfalls im ..Borwärts"-Berlag. Glücklichen Eltern und Kinderfreunden macht man eine große Freude mit dem feinen Buch von Heinrich Schulz ,, Der kleine Jan", auf das wir bereits in der vorigen Nummer hingewiesen haben. Ein Buch sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche ist Nikolaus Osterroths„ Bom Beter 3um Kämpfer". ( ,, Vorwärts"-Berlag, 7,50 mt.) Leidvolles und Fröhliches aus der Jugendzeit eines Proletariers, sein Streben und Kämpfen wird hier geschildert. ,, Butu Simbas Mission in Europa" von Thurow ist ein Tauniges und oft auch recht nachdenkliches Buch, das uns mit einem Neger bekannt macht, der den Weltkrieg miterlebt hat. Es stammt gleichfalls aus dem„ Borwärts"-Verlag und ist nicht teuer, 6,- Mt. Politische Schriften. Man braucht natürlich nun nicht nur schöngeistige Bücher und Romane zu schenken. So mancher ist gerade für ein ernstes und belehrendes Buch dankbar. Unterhaltung und Belehrung zugleich gibt ein sehr hübsches Büchlein von Julius Bruhns,„ Es flingt im Sturm ein altes Lied". Berlag Buchhandlung„ Borwärts". Preis 14 Mr.( Durch die Drganisationen bezogen wesentlich billiger.) Es ist die Schilderung des Aufstiegs der Sozialdemokratischen Partei, und zwar nicht die trockene Schilderung der historischen Entwicklung, sondern persön liche, lebendfrische Erzählung. Mit Bruhns eigener Jugendzeit erleben wir die Jugendzeit der Sozialdemokratie, und ebenso wie den jungen, begeisterten Zigarrenarbeiter verfolgen wir die junge fozialdemokratische Bewegung auf dem Wege zur Entfaltung. Trau rige und düstere Zeiten ziehen an uns vorüber und lassen uns voller Dankbarkeit derer gedenken, die für uns in jahrzehntelangem Mühen den Weg freigemacht haben. Aber auch so manches Erheiternde taucht in der Erinnerung auf. Das frische Büchlein sei ganz besonders denen zur Lektüre empfohlen, die noch nicht allzulange in unserer Bewegung stehen. Sie werden zu gleichen Teilen Freude und Nugen daran haben. Die Genoffin Ottilie Baader hat nun auch auf vielseitigen Wunsch ihre Lebenserinnerungen gesammelt, die ja aufs innigste mit der Geschichte der soziademokratischen Frauenbewegung ver bunden sind. Sie kommen unter dem Titel„ Ein steiniger Weg" im Borwärts- Diez- Berlag heraus und sind ein schönes Geschenk für die Frauen und Mädchen unserer Partei. Karl Kautsky hat fürzlich im Berlag Dietz- Stuttgart unter dem Titel„ Rasse und Judentum" eine Schrift erscheinen lassen, die sich mit Raffentheorie in Verbindung mit dem Antisemitismus auseinandersetzt. Die Frage dürfte zurzeit sehr interessieren. Der Preis ist 8,- Mr. Werte Ein äußerst wertvolles und hervorragendes Werk ist die„ Marrfche Geschichts-, Gesellschafts- und Staatstheorie", von Heinrich Cunow, die soeben im Vorwärts"-Verlag erschienen ist. Es find zwei stattliche Halbleinenbände, die allerdings zu Jammen 100 mi. kosten. Wenn man jedoch die ungeheure Arbeit bedenkt, die in einem solchen historisch wertvollen steckt, so wird man den Preis auch verstehen fönnen. Es wird natürlich schwer fallen, sich ein solches Wert anzuschaffen. Cunow gibt hier eine Darstellung der Maryschen Soziologie. Er hat nicht nur aus gelegentlichen verstreuten Marrschen Ausführungen über Wirtschaft, Gesellschaft, Klaffen gliederung, Klassenfampf, Staat usw. eine Margsche Soziologie aufgebaut, nein, er hat diese in wesentlichen Punkten erweitert und vertieft. Das Werk wird viel zur theoretischen Klärung in der Partei beitragen. Es wäre sehr zu wünschen, daß es boch diesem und jenem möglich wäre, die Bücher von Cunow zu kaufen. 223 Wir müssen uns heutzutage stärker denn je für die brennenden Fragen der Bevölkerungspolitik interessieren. Eine gute Handhabe bietet hier ein Buch von Henriette Fürth,„ Die Be fämpfung der Geschlechtskrankheiten".( Berlag Hermann Minjon, Frankfurt a. M.) Genossin Fürth behandelt die Frage der Be. fämpfung der Geschlechtskrankheiten als bevölkerungspolitisches, soziales, ethisches und gesetzgeberisches Problem. Sie gibt zunächst einen furz zusammengefaßten Ueberblick über die Geschlechtsfrantheiten selbst und die ihr nahe verwandte Prostitution. Dann er. läutert sie die Bekämpfung der Krankheiten durch Erziehung und Unterricht sowohl wie durch gefeßliche Maßnahmen zur Ver hütung, Heilung und Bestrafung. Ihre Ausführungen zeugen von großer Sachkenntnis und enthalten eine Anzahl praktischer Vorschläge. Nicht nur die in der Kommune tätigen Männer und Frauen, sondern einfach je de Frau und Mutter sollte sich mit dieser Frage befassen. Die vorliegende Schrift gibt allen der Sache noch Fernstehenden einen guten und sicheren Ueberblick, der auch schon mit Rücksicht auf das demnächst zu erwartende Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten für jeden denken. den Menschen unbedingt erforderlich ist. Ein als Anhang auf geführtes umfangreiches Verzeichnis der einschlägigen Literatur gibt Gelegenheit, sich noch weiter in die Materie zu vertiefen. Seguelle Probleme. Seguelle Probleme gehören zu den wichtigsten Fragen des menschlichen Lebens. Sie berühren das Tiefste und Geheimnis. vollste, den Ursprung des Lebens selbst. Noch immer liegen Schleier über den letzten Geheimnissen, und es ist selbst für die Wissenschaft schwer, in das Dunkel des Unerforschten einzudringen. So begrüßt man dankbar die Bücher, die uns von der emsigen und raftlosen Arbeit der Gelehrten Kunde geben und uns die Resultate wissenschaftlichen Schaffens übermitteln. von Nachdem über die Verjüngungstheorie von Prof. Steinach und seine Experimente schon viel gesprochen und ges schrieben worden ist zum Teil auch von gänzlich unberufener Seite ist das Erscheinen eines Buches sehr wertvoll, das in streng wissenschaftlicher und doch ganz populärer Weise die Ver suche und Erfolge des Prof. Steinach behandelt. Die Schrift „ Ueber Berjüngung und Verlängerung des persönlichen Lebens", dem Wiener Physiologen Paul Kammerer, der als Laboratoriumsgenosse Prof. Steinachs ebenfalls an den Bersuchen mitgearbeitet hat, erläutert in gemeinverständ licher Form das Wesen der Steinachschen Entdeckung und schildert den Verlauf der Behandlung sowohl an Versuchstieren wie an Menschen. Photographische Abbildungen bringen das Gesagte klar zum Verständnis.- Da die Steinachsche Berjüngungstheorie in heutiger Zeit mit im Mittelpunkt des Interesses steht und auch in der Gelehrtenwelt zu heftigem Widerspruch Anlaß gegeben hat, ist eine Orientierung über die Frage empfehlenswert. Das Buch kostet geh. 7,50 Mt. und kommt in der Deutschen Verlagsanstalt, Stuttgart, heraus. " die in leicht Ein anderes sehr gutes wissenschaftliches Buch ist das von Dr. med. Mathilde von Remnit,. Erotische Wiedergeburt". Erschienen ist es im Verlag Ernst Reinhardt, München, Es und kostet broschiert 6,- Mt., gebunden 10,- Mr. ist eine aufrichtige, ernste Forscherarbeit, faßlicher, allgemeinverständlicher Form geschrieben ist und sich mit dem gegenwärtigen Stand des feguellen Lebens beider Geschlechter befaßt. Das besonders Wertvolle des Buches ist. daß es von einer Frau, die Aerztin ist, geschrieben wurde, daß sich gerade eine Frau mit diesem Problem eingehend befaßt. Ihr erschließt sich alles das, was dem männlichen Arzt aus verschiedenen Gründen bisher unerforschtes Land geblieben ist. Sie deckt Irrlehren auf, die bisher selbst in wissenschaftlichen Kreisen über die Sexualität der Frau weiteste Berbreitung fanden, da sich ihr als der Geschlechtsgenossin für vieles Verborgene der Blick öffnet. Es ist nicht möglich, im Rahmen einer furzen Besprechung Erschöpfendes über das Werk zu geben. Es kann nur der Wunsch ausgesprochen werden, daß möglichst viele Frauen sich in die Ausführungen des Buches vertiefen und es in seinen einzelnen Abschnitten durchstudieren. Es gibt Antwort auf viele Fragen, die in das innerste Seelenleben so mancher Frau einschneidend ein= gegriffen haben, und es wird gewiß dazu beitragen, für manche seelische Konflikte, wenn auch vielleicht keine Lösung, so doch aber eine Klärung zu finden. Dr. med. Mathilde von Remnih legt in sachlicher und verständlicher Weise das Vorhandensein von Gesetzmäßigkeiten im feruellen Leben und die sich daraus ergebenden Folgerungen dar. Sie stellt neue Tatsachen für das Rätsel der T 224 Die Gleichheit ,, falten", der empfindungslosen Frau feft. So erklärt sie, daß die große Anzahl Frauen, die in der sexuellen Gemeinschaft die Jeguelle Beglückung nicht erleben, nicht etwa franke oder degene rierte Frauen find, wie vielfach angenommen worden ist, sondern daß es sich hier nur um die natürliche Folge entwicklungsgeschichtlicher Zusammenhänge handelt. Sie zeigt ferner an Hand logischer Folgerungen die Ursachen für den jetzigen Tiefstand des erotischen Lebens. Wir werden auf die Gefeßmäßigkeiten des Liebeslebens der Geschlechter hingewiesen und erhalten interessante und wichtige Aufschlüsse über den inneren Grund so mancher Enttäuschung im erotischen Leben. Die Verfasserin führt uns furz durch das traurige Gebiet der feguellen Abirrungen und Perversitäten und gibt ein flares Bild von beiden Geschlechtern, wie sie sind und warum fie so geworden sind. Ihr Ziel ist, den Weg zu weisen, auf dem die Menschheit aus dem Sumpf des niederen erotischen Trieblebens aufwärts steigen fann zu einer reineren, vergeistigten Form der Erotik. Das ist nur möglich durch eine Umgestaltung der sexualmoralischen Vorstellungen beim weiblichen Geschlecht selbst. Die Aufgabe, hier bessernd und veredelnd zu wirken, legt M. v. Kem nig in die Hände der Frau, und zwar der wertvollen, hochstehenden Frau, die die Ursachen des sexuellen Elends erkannt hat und ihren Einfluß auf den Mann dazu benutzt, in ihm den Sinn für die hohe Bedeutung der Erotik wieder zu wecken. Erotische Wiedergeburt ist für sie die Erziehung der Geschlechter für einander, das Aufwärtsstreben durch die Erotik. Im letzten Abschnitt des Buches, der„ Segualmoralisches Neuland" überschrieben ist, zeichnet die Verfasserin in wenigen Strichen das Bild einer Zukunft, in der die Erotik in ihrer höchsten, vergeistigten Form das ist, was sie dem Menschen sein soll: eine töftliche Bereicherung des Daseins, ein Liebesglück, das die Menschen aufrecht und freudig durchs Leben schreiten läßt. Seguelle Belehrung. Unsere Jugend muß bereits im Sinne des vorerwähnten Buches erzogen werden. Man muß in den Kindern die Ehrfurcht nicht allein vor der Fortpflanzung, sondern auch vor der Erotik felbft erziehen, und so, wie man die heranwachsende Jugend vor den Geschlechtskrankheiten bewahren will, soll man sie auch vor unzeitigen sexuellen Erlebnissen und vor demoralisierenden Einflüssen schüßen. Seguelle Erlebnisse haben die innigsten Beziehun gen zum gesamten Seelenleben, und gerade die ersten sexuellen Erlebnisse sind es, die bestimmend für das ganze spätere Leben Jein tönnen. Es kann den Eltern nicht oft genug vor Augen geführt werden, wie notwendig es ist, mit den Kindern in liebevoller und verständnisvoller Weise rechtzeitig vom Geschlechtsleben zu sprechen. Unendlich viel Leid und Unglück könnte vermieden werden, wenn diese heilige Pflicht von Eltern nicht so oft versäumt werden würde. Nun ist es gewiß mitunter schwierig, das richtige Wort zu finden. Auch hier können Bücher gute Dienste tun. Im Nachfolgenden ist eine Anzahl Bücher aufgeführt, die sich mit der Frage der sexuellen Aufklärung des Kindes beschäftigen und den Vätern und Müttern so manchen guten Fingerzeig geben können. „ Der Lebensquell", vom Dürerbund herausgegeben; ,, Bom Wunder des Lebens", von Gertrud Prellwig; „ Aus meinen vier Pfählen", von Heinrich Schulz; „ Die geschlechtliche Aufklärung in der Arbeiterfamilie", von Dr. Julian Marcuse; „ Vom werdenden Leben", von Baul und Maria Krische; „ Die Doktorsfamilie im hohen Norden", von Agot Gjems- Selmer, das im Anhang die sexuelle Erziehungsfrage sehr gut behandelt. Das letztere Buch ist ja gewiß etwas fromm, aber man fann ganz gut darüber hinwegsehen. Alle diese Bücher und Schriften find in jeder Buchhandlung fäuflich. Sollten sie nicht vorrätig sein, so fönnen sie jederzeit beftellt werden. Ich hoffe mit dem Angeführten den Genossinnen Elli Radtke. beim Bücherkauf nüßlich sein zu fönnen. * * * Mag Barthels ist den Leserinnen der Gleichheit" fein Fremder. Aus zahlreichen Veröffentlichungen in ihrer Zeitschrift werden sie den Dichter liebgewonnen haben und sich deshalb für seine Werke Interessieren. Barthels wurde im Jahre 1893 in Loschwih b. Dresden als der Sohn eines Maurers geboren. Als junger Fabrikarbeiter schrieb er feine ersten Berse. Er durchwanderte Deutschland, Italien, Desterreich, Holland und lebte einige Monate in der Schweiz, bis ihn der Krieg in die Schüßengräben der Argonnen führte. Hier reiften seine ersten Gedichtbände:" Verse aus den Argonnen" und Nr. 23 " Freiheit!"( beide erschienen bei Diederichs in Jena; jetzt vergrif= fen). Nach der Revolutionszeit schloß er sich den„ Spartakisten" an, faß furze Zeit im Gefängnis und ist jetzt aus Rußland zurüc gekehrt. Seit der Revolution erschienen im ganzen sechs Bücher, in denen er die Ernte von bald einundeinhalb Jahrzehnten ge sammelt. Die Titel der Bücher heißen:„ Utopia"," Arbeiterseele" ( Berlag Diederichs, Jena),„ Das Herz in erhobener Faust"," Die Faust. Eine Dichtung"( Berlag Kiepenheuer, Potsdam), Lasset uns die Welt gewinnen"( Berlag Hoffmann u. Campe, Hamburg Berlin) und Revolutionäre Gedichte"( Berlag der Kommunistis schen Jugendinternationale). Die kleine Sammlung Utopia" vereint Gedichte aus den Wanderjahren Barthels und aus der Revolutionszeit. Wer sich den Dichter zum Freund machen will, muß zunächst diese Samm lung lesen, da ihre Gedichte für die Art und Eigenart Barthels charakteristisch sind. Die Sammlung„ Arbeiterfeele" ist das eigentliche Bekenntnisbuch des Dichters. Hier finden wir Gedichte, die er als junger Fabrifarbeiter, auf der Wanderschaft, im Krieg, im Gefängnis und der Revolutionszeit geschrieben. Auch der Abschnitt des prächtigen Werkes, den er„ Das vielverliebte Herz" betitelt, vereint viele der schönsten Gedichte Barthels. Das Büchlein„ Das Herz in erhobener Faust" sammelt„ Balladen aus dem Gefängnis", die ein monotoner, aufpeitschender Rhythmus beschwingt. Die hundertseitige Sammlung Die Faust" enthält wieder ältere und neue Gedichte, die fast alle in den kurzen, wuch tigen Bierzeilern geschrieben sind, wie die Klage der Arbeiterfrau: ,, Das Leid zerfraß mir oft die Kehle, In bangem Schluchzen schrie der Leib: Auch ich hab Seele, Seele, Seele! Bin Mensch und nicht nur Weib und Weib!" In dem Büchlein„ Lasset uns die Welt gewinnen" schlägt Barthel wieder die zarten Töne des„ vielverliebten Herzens" an. Doch finden wir auch schöne Kampfverse in dieser Sammlung. Die ,, Revolutionären Gedichte" sind jetzt in zweiter, vermehrter Auflage erschienen: das 10. bis 20. Taufend! Diese hohe Auflage empfiehlt das Büchlein selbst; die neuen Gedichte in dieser Samm lung gehören zu dem Schönsten, das May Barthel geschaffen. W. Sch. An alle, die Kinder beschenken! Unsere Gaben sollen den Kindern dienen. Wir wollen sie nicht allein erfreuen, sondern auch fördern. Wir wollen, daß die Kinder, die wir jetzt beschenken, einmal leichter atmen fönnen als wir. Darum wählen wir mit Sorgfalt die Gaben, die wir in ihre Hände legen. Kann es nur wenig sein in dieser schweren Zeit, so wird dies wenige um so größere Wichtigkeit haben. Die Kinder haben größere Freude an Dingen, die sie selbst entstehen lassen, als an fertigen Dingen. Darum schenken wir ihnen Arbeitsmaterial: Buntpapier, Plastilinafarbstifte und -fästen oder vertrauen Blumen und Tiere ihrer Pflege an. Unter feinen Umständen aber schenken wir Abbilder der Dinge, die den Schrecken des Krieges wieder heraufbeschwören könnten. Keine Epielsoldaten, keine Uniformstücke, keine Waffen Ge wehre, Unterseeboote, Maschinengewehre als Spielzeug, feine Kriegsbücher auf den Gabentisch der Kinder! Nicht spielend sollen sie sich daran gewöhnen, mit Mordwerf zeugen umzugehen! Nicht spielend Freude am Vernichten lernen, nicht im Spiel schon von Feindschaft, Haß, Rache, Tod sprechen, als verstehe sich dies alles von selbst! Durch die Hand der Mutter dürfen solche Geschenke am wenigsten gehen. Wie könnte sie im Spiel vorbereiten, was al schauerlicher Ernst sie und alle Mütter der Welt am schwersten trifft. Gaben an unsere Kinder sollen den aufbauenden Kräften dienen. Keine Bücher, Bilder, Spielsachen, die zerstörende Triebe fördern, von Haß und Rache sprechen solche Dinge in der Kinderstube werden einstmals wiederum die Menschheit ins Ver derben stürzen. Luft an Pflege und gestaltender Tätigkeit mögen unsere Gaben erweden, nicht an Zerstörung und Vernichtung. Wer schenkt, trägt eine große Verantwortung! Ihr alle, die ihr Kinder beschenkt, tragt mit euren Gaben dazu bei, daß die Liebe in der Welt vermehrt werde. Mr. 23 Die Gleich beit Recht und Wohlfahrtspflege Bon Bürgermeister Dr. Caspari( Brandenburg a. d. 5.) A. Familienrecht Elterliche Gewalt der Mutter. 1. Solange der Vater die elterliche Gewalt ausübt, beschränkt sich die Gewalt der Mutter auf die Sorge für die Person des Kindes. Zur Vertretung des Kindes ist die Mutter nicht berechtigt; bei Meinungsverschiedenheiten der Eltern geht die Meinung des Vaters vor(§ 1634). Hieraus folgt aber auch andererseits Recht und Pflicht der Mutter, das Vormundschaftsgericht anzurufen, wenn der Vater seine elterliche Gewalt mißbraucht. Ebenso steht die Mutter nach§ 1698, wenn für das Kind ein Vormund bestellt ist, z. B. wegen Ruhens oder Verwirkung der elterlichen Gewalt des Vaters. Man denke 3. B. an den Fall, daß der Vater die elterliche Gewalt verwirkt hat, die Ehe zwischen Vater und Mutter aber fortbesteht. In solchen Fällen erhält das Kind einen Vormund (§§ 1685, 1773). 2. Ist der Vater an der Ausübung der elterlichen Gewalt tatsächlich verhindert oder ruht seine elterliche Gewalt, dann übt bei Bestehen der Ehe die Mutter die elterliche Gewalt, jedoch ohne die Nuznießung, aus. Die Nutznießung verbleibt dem Vater(§ 1685, I). Ist der Vater an der Ausübung der elterlichen Gewalt tatsächlich verhindert oder ruht seine elterliche Gewalt, ist aber die Ehe geschieden oder die eheliche Gemeinschaft durch Urteil aufgehoben, dann ist ein Vormund zu bestellen, neben dem die Mutter die tatsächliche Sorge für die Person des Kindes hat. Das Vormundschaftsgericht muß aber im Falle des voraussichtlich dauernden Ruhens der elterlichen Gewalt des Vaters( z. B. wegen unheilbarer Geisteskrankheit) der Mutter auf ihren Antrag die Ausübung der elterlichen Gewalt übertragen, sofern in ihrer Person nicht Gründe für das Ruhen oder die Verwirkung ihrer elterlichen Gewalt vorliegen. Solchenfalls erlangt die Mutter auch die Nutznießung am Kindesvermögen(§ 1685 Abs. 2). * ☆ Feuilleton Bleib feſt! Bleib feſt! es eilt mit nichts: Gut Ding will Weile! Пur fei klar dir, wohin du zielft Und wiffe, ob du Wohnhaus oder Wirtshaus Oder Kirche bauen willft! Dann aber weg' und waggemut ans Werk Von Berg zu Berg! * Und wenn sie kommen und... fie kommen immer Und wiffen immer beffer, was du follſt, Als je du felbft: Bauft du ein Wohnhaus, wollen sie ein Wirtshaus! Bauft du ein Wirtshaus, wollen fie eine Kirche! Und ihre Gründe o! find immer gut: Für fie ift's ein Geschäft, das du bezweckit! Für dich ein Teil von dir! Laß fie und lach! Und bau und mach Getroit, was du für gut hältft, weiter! Mur büte dich vor Schnörkeleien! Die großen Linien find es, die entscheiden; Die halte rein! Ferienkinder Bon Carl Diesel agt, was ihr wollt, aber ich ich glaube an das Evangelium der Liebe! Mein Herz ist weit geworden beim Lesen eines Buches, das von keiner„ berufenen Feder" geschrieben wurde, dessen Autor keinen berühmten Namen 225 3. Ist der Vater gestorben, dann steht der Mutter ohne weiteres die volle elterliche Gewalt einschließlich der Nut nießung vom Tode des Vaters ab zu(§ 1684 Abs. 1, 1). Ist der Vater für tot erklärt, dann steht der Mutter ebenfalls die volle elterliche Gewalt von dem Zeitpunkt ab zu, der als Zeitpunkt des Todes des Vaters gilt(§§ 1684, 18). Sollte aber der Vater noch leben, so erhält er die elterliche Gewalt wieder durch eine diesbezügliche Erklärung gegenüber dem Vormundschaftsgericht. Dann endet die elterliche Gewalt der Mutter. Die von ihr in der Zwischenzeit getroffenen Anordnungen bleiben jedoch in Kraft(§ 1679 Abs. 2 und Reichsgesetz über Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit § 32). Hat der Vater die elterliche Gewalt verwirkt, dann gestaltet sich die Rechtslage hinsichtlich der elterlichen Gewalt der Mutter verschieden, je nachdem, ob die Ehe aufgelöst ist oder ob sie noch besteht. Ist sie aufgelöst, dann steht die elter liche Gewalt von der Verwirkung an der Mutter zu(§ 1681 Abs. 1). Besteht die Ehe jedoch weiter, dann ist für das Kind ein Vormund zu bestellen und die Mutter behält nur die Sorge für die Person des Kindes(§ 1684 in Verbindung mit§ 1689). Wird die Ehe später aufgelöst, dann erhält die Mutter die volle elterliche Gewalt. Grundsätzlich finden auf die elterliche Gewalt der Mutter die für die elterliche Gewalt des Vaters geltenden Borschriften Anwendung. Es besteht jedoch ein wichtiger Unterschied: Gemäß§ 1697 verliert die Mutter die elterliche Gewalt, wenn sie eine neue Ehe eingeht, wogegen der Bater, wenn er eine neue Che eingeht, die elterliche Gewalt behält. Die Mutter verliert also auch die Nuznießung am Kindesvermögen. Sie behält jedoch das Recht und die Pflicht, für die Person des Kindes zu sorgen. Selbst wenn die neue Ehe der Mutter durch Tod des Mannes oder Scheidung aufgelöst wird, erhält die Mutter die elterliche Gewalt über ihr Kind aus der früheren Ehe nicht wieder. Häufig wird in Fällen der Wiederverheiratung der Mutter diese zum Vormund(!) ihres Kindes bestellt, wozu sie der Genehmigung ihres neuen Ehemannes bedarf(§§ 1783, 1777). Ein unträgt; in dem die große menschliche Liebe nicht behandelt" wird, sondern in dem sie frei und machtvoll strömt und dann wieder ganz tief und klar sich zeigt. Und von dieser Liebe legen diejenigen Zeugnis ab, die sie genossen haben: die deutschen Kriegs- und Ferienkinder. Das schöne Buch:" Briefe deutscher Ferienfinder aus Skandinavien", das soeben im Verlag Eugen Diederichs, Jena, zum Preise von 24 Mt. erschienen ist, wirkt wie eine ganz wundervolle Verkündung: Glaubt an die Liebe!— Fünfundzwanzigtausend Briefe und Postkarten deutscher Ferienkinder hat der Herausgeber, Walter Georgi, eingesehen, und aus dieser gewaltigen Zahl hat er mit so viel Geschick und Treue und herzlicher Wärme diejenigen herausgesucht, die am meisten zu geben haben und die in ihren Worten die Seele des Kindes am hellsten zeigen. Auf solche Art ist diese eigentümliche und durchaus einzigartige Briefsammlung zu einem prächtigen Kinderbuch geworden, das denkenden, tief veranlagten Eltern unendlich Schönes gibt. Es läßt sich denken, daß jeder dieser Briefe einen anderen Charakter trägt. Da sind ganz trockene und fachliche, man möchte beinahe sagen: Geschäftsberichte, in die mittenhinein etwas so echt Kindliches purzelt, daß man laut auflacht; dann Briefe der innigsten Rindesliebe und Sehnsucht; köstlichurwüchsige ,,, jottvolle" Episteln Berliner Kinder; andere, von denen man glaubt, daß ein Briefkünstler sie verfaßt haben muß; Briefe, die oberflächlich sind, die nur vom Essen Essen Essen handeln; andere, die ganz und gar von seiner und starker Beobachtungsgabe zeugen. Egoistische und selbstlofe, traurige und kuglich- luftige, derbe und trozige. 226 Die Gleichheit Nr. 23 würdiger Zustand, dessen Aenderung unbedingt zu er streben ist. Eine Besonderheit, die das BGB. auch nur bei der elter lichen Gewalt der Mutter kennt, ist die Beistandschaft. Nach Z 1687 hat das Vormundschaftsgericht der Mutter einen Bei stand zu bestellen— der Beistand kann natürlich auch eine Frau sein—: 1. wenn der Vater die Bestellung durch letztwillige Ber- fügung angeordnet hat; 2. wenn die Mutter die Bestellung beantragt; 3. wenn das Vormundschaftsgericht aus besonderen Grün den. insbesondere wegen des Umfanges oder der Schwierigkeit der Verwaltung des Vermögens oder in den Fällen der§8 1666. 1667 die Bestellung im Interesse des Kindes für nötig erachtet. Der Beistand kann für alle Angelegenheiten, für gewisse Arten von Angelegenheiten(z. B. Vermögensangelegen heiten) oder für einzelne Angelegenheiten bestellt werden (8 16»«). Seine Aufgabe ist, innerhalb seines Wirkungskreises die Mutter bei der Ausübung der elterlichen Gewalt zu unter stützen und zu überwachen: er mutz insbesondere dem Vor mundschaftsgericht jeden Fall, in dem es zum Einschreiten berufen ist. unverzüglich anzeigen(§ 1689). Im allgemeinen hat der Beistand die Stellung des Gegenvormundes. Das Bormundschaftsgericht kann in den Fällen des§ 1687, 2 und 3, die Bestellung des Beistandes jederzeit aufheben, aber nicht in dem Falle, daß sie der Vater durch letztwillige Ver fügung angeordnet hat. Ruht die elterliche Gewalt der Mutter wegen Minder jährigkeit, so erhält das Kind einen Vormund. Die Mutter hat nur das Recht und die Pflicht, für die Person des Kindes zu sorgen. Zur Vertretung des Kindes ist sie nicht berechtigt. Soweit der Mutter die Sorge zusteht, hat der Vormund des Kindes nur die rechtliche Bestimmung eines Beistandes(8 1696). Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Mutter und Vormund entscheidet die Meinung der Mutter. Alles aber Kinderbriefe! O, es ist eine ganz köstliche Sammlung! Und beinahe jeder Brief gibt Kunde von einer herzlichen Dankbarkeit des Kindes zu den Pflege eltern, zugleich aber auch von etwas anderem: von der dämmernden Erkenntnis der Not ihres Vaterlandes. Ich glaube, die Verbindungen, die hier durch Kinder geschaffen worden sind, sind von Dauer. So manches der Kleinen hat ein Stück seines Herzens in Dänemark, in Schweden, Finnland, Norwegen gelassen: manches Ver sprechen, wiederzukommen,„wenn ich groß bin", wird ein gelöst werden. Laßt nur erst die Erkenntnis dessen kommen, was hier gegeben wurde! Diese Kinder sind das neue Ge schlecht, das in Liebe wirkt und schafft, weil es Liebe empfing.„Irgendein Saatkorn Liebe," sagt der Herausgeber im Vorwort,„ist von einer unsichtbaren Hand in sast jedes Kinderherz gestreut worden, mag auch der Anlaß, der es hineintrug, in jedem einzelnen Falle ein verschiedener ge wesen sein."„Mein Junge spart jeden Pfennig, um seinen alten Pflegeeltern ein Andenken aus Deutschland schenken zu können," schreibt mir ein Vater. Dieser Junge ist mir ein Symbol für die in den Kinder geweckte Kraft, außerhalb ihres engen Ichs über den Weg der Liebe in ein höheres Ich hineinzuwachsen. Dann hätte die Kinderversendung außer ihren begrüßenswerten sichtbaren Folgen in der ge sundheitlichen Stärkung der Kinder noch einen unsichtbaren Erfolg von tiefster ethischer Wirkung aufzuweisen. Da ist ein Kind, dem es durch fünf dänische Schlosser gesellen, die sich von ihrem Wochenlohn die Unterhaltskosten für ein deutsches Kind absparten, möglich gemacht wurde, in einer trefflichen Kopenhagener Arbeiterfamilie für Wochen, Ruht die elterliche Gewalt der Mutter aus anderen Gründen als Minderjährigkeit(z. B. wegen tatsächlicher Ver hinderung, Geschäftsunfähigkeit), so ist ebenfalls ein Vor mund zu bestellen. Es steht ihr in diesen Fällen aber nicht die Sorge für die Person des Kindes zu. Zusammenfassend ist zu sagen: Die Regelung der elter lichen Gewalt der Mutter im BGB. entspricht nicht der Stellung der Mutter als tatsächlicher Erzieherin der Kinder im Leben der Familie. Veraltete Anschauungen geben der Mutter kein Mutterrecht. Hier Wandel zu schaffen ist eine Kulturforderung, die ihren gesetzlichen Ausdruck finden muß. Z 218 des Strafgesetzbuches Von Dr. med. Emily Stricker(Schluß) Bei einigen der berühmtesten Völker des Altertums war die Ab treibung straflos, so zum Beispiel bei den Griechen und Römern. Die Battrer, die alten Meder und Perser und die Juden bestrasten sie. Erst die Kirchenväter erklärten sie für einen Mord. Das Ge setzbuch der Mohammedaner verbietet zwar die Abtreibung, doch ist sie praktisch im Orient straflos, in der Türkei bis zum S. Monat, da angenommen wird, daß vorher noch kein Leben im Foetus sei. Der Gesetzentwurf, welcher von einem Teil der sozialdemokra tischen Fraktion im Sommer 192V dem Deutschen Reichstag zuging, zeigte eine gewisse Verwandtschaft mit dieser Auffassung. Der Abortus soll nur innerhalb der drei ersten Monate gestattet sein. Es ist immer eine strittige Frage gewesen, ob und von welchem Zeitpunkt an der unentwickelte menschliche Foetus Persönlichkeits rechte hat, da nach dem deutschen bürgerlichen Gesetzbuch die Rechts fähigkeit des Menschen erst mit der Geburt beginnt. Der sozial demokratische Antrag umgrenzte also eine Periode, während welcher man von einem Individuum kaum sprechen kann, ganz abgesehen davon, daß diese Einschränkung auch vom ärztlichen Standpunkt auch gerechtfertigt erscheint, da der künstliche Abortus einen um so leichteren Eingriff darstellt, je früher er unternommen werden kann, die zeitliche Umgrenzung also durchaus im Interesse der Geschwän gerten liegt. Die neuzeitlichen Bestrebungen, um die Bevölkerungszahl zu heben, z. B. in Frankreich, haben gezeigt, daß man mit Gesetzen und anderen Bemühungen die Geburtenziffer nicht steigern kann. Monate dem Elend des Vaterlandes fern zu sein.— Die Liebe will und die Liebe gibt Taten. 1- Außer den Kinderbriefen und dem Vorwort des Heraus gebers enthält das Buch einige Briefe von Pflegeeltern und die prächtige Ansprache an die heimkehrenden Kriegerkinder von Pfarrer Gustav Nordling in Sundsvall. Eine Anzahl recht guter Bilder schmückt das schöne Werk, und vor allem lustig ist das erste Bild: ein frischer, frei und trotzig blickender blonder Junge in weißem Matrosenanzug. Er hat unter seine Photographie geschrieben: Liebe Mutti! Ich bin jetzt glücklich hier angelangt. Ich habe es sehr gut und werde vieles mitbringen.— Unter den drei Karten befindet sich eine darunter, da sind drei Kreuze, das sind meine Bräute, die dicke das ist die beste. Das Kalb das drauf ist, ist nicht sehr alt.— Ich bin jetzt schon ein richtiger Norweger. Ieg kan snakke norsk. Mange tusen hilsener og kyß din Kurtemann. Der Eine und die Vielen in Mensch wanderte und sein Weg führte ihn durch ein Gebirge. Da kam er an einen Ort, an dem ein großer, schwerer Fels, der über die Straße gerollt war, seinen Weg versperrte. Und außerhalb des engen Pfades gab es keinen Durchgang, weder zur Rechten noch zur Linken. Als nun dieser Mensch sah, daß er nicht weiterwanoern konnte, weil der Fels seinen Weg sperrte, versuchte er, ihn fortzurollen: aber er konnte ihn nicht bewegen. Er ermüdete schwer bei seiner Arbeit und alle seine Anstrengung war ver gebens. Nr. Z3 Die Gleichheit 227 Der Rückgang der Geburtenzahl hängt sicher nicht allein von der heimlich gepflegten Abtreibung ab. Es sind auch sicherlich nicht die besten, die sittlich gesündesten Frauen eines Volkes, die regelmäßig ihre Früchte abtreiben, z. B. um sich jung und begehrenswert zu erhalten, wie es bei Orientalinnen Sitte ist, eine Sitte, die in engem Zusammenhang mit dem Haremsleben steht. Es ist das Normale, daß eine geistig und körperlich gesunde Frau sich ihrer Mutterschaft freut, vorausgesetzt, daß sie ihrem Kinde gesunde Lebensbedin gungen schassen kann. Die Einschränkung der Geburten dürfte da her eine Qualitätsverbesserung des Menschenmaterials bedeuten. Ueberall besteht ein enger Zusammenhang zwischen den Lebens formen und Gebräuchen der Völker und der habituellen künstlichen Abtreibung. Abgesehen von sozialen Rücksichten, die bei den primitivsten Völkern bestehen können, so ist z. B. die Knappheit des Lebens unterhalts des öfteren ein Grund der Geburteneinschränkung, steht die Abtreibung in engem Zusammenhang mit der herrschenden Moral. Die unmenschliche Unsitte der Hindus und Chinesen z. B., die Witwen zur Keuschheit zu verurteilen, spielt eine ebenso unheil volle Rolle wie unsere heutige Forderung der geschlechtlichen Ab stinenz unzähliger Frauen. Die Abtreibung wird verboten, zu gleich aber die uneheliche Mutterschaft geächtet. Hier muß der Hebel ansetzen, wenn ein blühendes, gesundes Geschlecht heranwachsen soll. Die Achtung vorder Mutterschaft muß so groß werden, dahesfüreineSchandegllt, nichtMutter sein zu wollen, wo man es unbeschadet der eige nen sowie der Existenz des Kindes sein kann. Mit einer solchen Ethik wird viel mehr erreicht werden als mit Gesetzes paragraphen. Selbstverständlich kann der Geburtenrückgang ein Zeichen des Verfalls sein. Ich erinnere nur an die Ausbreitung der Geschlechts krankheiten und ihre Folgen. Er kann aber auch andererseits ein Zeichen davon sein, daß die Menschen gelernt haben, ihre Triebe zu beherrschen, daß sie gewillt sind, weniger, aber bessere, gesündere, vollkommener ausgebildete Kinder zu erziehen. Es ist eine be kannte Erscheinung, daß mit den ersten Anfängen des sozialen Auf stiegs in unseren modernen Kulturstaaten auch die Einschränkung der Kinderzahl beginnt. Nur der völlig Besitz- und Ziellose, der ärmste Paria des Lebens, setzt wahllos Kinder in die Welt. Wenn die materielle Verantwortlichkeit erwacht, tritt auch bald die seelische neben sie. Das Kind soll erzogen werden, gut erzogen, es soll gefördert werden, eine höhere Stufe erNimmen als die Eltern. Der reifende Geist der Eltern fordert Rechenschaft von sich selber. Des- Als er seine Ohnmacht erkannte, setzte er sich nieder, er schöpft und traurig, und er fürchtete sich.„Was wird aus mir werden?", sagte er,„wenn die Nacht kommt und mich in meiner Einsamkeit überrascht? Ich habe nicht Nahrung und nicht Obdach, und bald schleichen die wilden Tiere durch die Nacht, um nach Beute zu spüren." Und während er ganz erfüllt war von dem Schreckbild dieses Gedankens, kam ein anderer Wanderer und wollte vor übereilen. Und als er sah, daß der Fels seinen Weg sperrte, versuchte er, ihn fortzurollen. Er ermüdete schwer, aber alle seine Anstrengung war vergebens. Schweigend setzte er sich nieder und verzagt beugte er das Haupt. Und nach diesem kamen andere Wanderer. Keiner von ihnen konnte den Fels bewegen und sie standen traurig da und ihre Furcht war groß. Endlich sagte einer von ihnen:„Meine Brüder, laßt uns zu unserem Gotte beten, der im Himmel wohnt und unsere Not sieht; laßt uns unfern Gott bitten, daß er Mitleid habe mit unserer Schwäche und den Stein fortrolle, der unfern Weg sperrt." Und alle horten auf diese Worte und sie beteten zu ihrem Gott, der im Himmel wohnt. Aber der Fels blieb liegen und er bewegte sich nicht. Da stand einer von ihnen auf und rief, und in seiner Stimme lag der Sieg, als er sprach:„Meine Brllderl Jeder von uns wollte den Stein fortrollen, und keiner hat es ge konnt, denn seine Kräfte waren zu schwach. Laßt es uns zu- ,ammen orestickM, da!« ist«nf-re Kraft groß und e» wird uns gelingen!" Und alle erhoben sich und stemmten sich gegen den Fels, und der Fels bewegte sich, und ihr Weg wurde frei, und sie wanderten weiter in Frieden und Freude. halb wird auch der sozialdemokratische Staat der Zukunft, der nicht nur das materielle Wähl aller, sondern auch die seelisch-sittliche Entwicklung aller im Auge hat, der, kurz gesagt, Persönlichkeiten schaffen will, verantwortliche Persönlichkeiten, aus dem Gebiete der Menschenerzeugung keine Massenproduktion kennen können. Und der neue, auf Recht, auf Gedanken der Völterversöhnung gegründete Staat sollte die Menschen nicht dazu drängen und zwingen, minder wertige Massen in die Welt zu setzen. Der neue Staat braucht nicht Herdenstumpfheit, er braucht Erkenntnis, nicht Masse, aber Wert. Er braucht Frauen, die nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten begehren, die steudig ihre höchste Pflicht erfüllen wollen, die, Kinder zu empfangen und zu gebären, die sie vor ihrem ver antwortlichen Gewisien empfangen und gebären dürfen. Briefe über Kindererziehung XVIII. Verehrte Freundini „Ich sollte Sie nicht mit schwierigen philosophischen Erörte rungen langweilen"? Bitte gehorsamst: Nach Ihnen! Sie langweilen sich dabei, und verraten damit nur, daß Sie nicht denken! Denn denken ist das Kurzweiligste von der Welt; man vergißt darüber bekanntlich alles! Ja, wenn man die Kindesseele so einfach zurichten könnte, wie etwa nach dem Kochbuchrezept eine Kalbsleber: man nehme ein möglichst frisches, fehlerfreies Exemplar, schneide die schadhaften Stellen heraus, klopfe sie ge hörig mürbe, pfeffere sie ein, dämpfe sie mit etwas Kraftbrühe bei lindem Feuer, ohne das Ganze zu stark aufwallen zu lasien und gebe sie dann mit ein paar(Vorschuß-) Lorbeerblättern auf!... Nein! So billig kommen Sie nicht davon! Aufgeben wollen wir sie, die Kindesseele nämlich, schon gar nicht und„zu richten" auch möglichst wenig; denn sie ist ja etwas Lebendiges, dem man nur„Richtung" geben und„Aufgaben" stellen kann. Wie helfen wir dem jungen Menschen zu dem freien Willens- entschluß, sich ohne Rücksicht auf sog. göttliche, elterliche, staat liche und gesellschaftliche Gebote grundsätzlich für„das Gute" zu entscheiden, d. h. die Willkür seiner Triebe unter ein selbstgewähl tes Pflichtgesetz zu beugen?(Wollte ich wirklich„philosophisch" orakeln, so würde ich sagen: wir suchen jetzt die natürliche Sank tion für die autonome Moral!) Nun, die Hauptsache ist schon ohne unser Zutun getan: der Was nun ist der Sinn dieser Worte? Die Zahl der Wan derer. das ist das Volk; der Weg, das ist das Leben; der Fels, das ist all das Elend und die Not, die dem einzelnen seinen Weg zur Freude sperren bei jedem Schritt. Kein Mensch kann allein den Fels bewegen. Aber denen, die zusammen wandern, ist er kein Hindernis; denn ihre Kraft ist groß, wenn ihr Wille geeint ist. Sie rollen jeden Fels fort, der ihre Straße sperrt, ui d ihr. Weg führt aufwärts zur Freude und zum Siege. Martin Kahle, Jesus nimmt Abschied von seiner Mutter Von Wilhelm Scharrelmann Aus Scharrelmanns Buch„Jesus der Jüngling", Verlag Quelle u. Meyer, Leipzig, 21.60 Mk. Es sollen hier Ereignisse und Charakterzüge aus dem Leben des Jünglings Jesus in dichterischer Form und voll endet schöner Sprache geschildert werden. m Abend aber nahm Maria ihren Sohn beiseite und sprach: Was war es, das heute über dich kam? Stehe» deine Ruhe war dahin und der Eifer machte deine Worte hart. Antwortete Jesus ihr: Kann jemand auch mit einem stumpfen Pfluge den Acker brechen, und kam ein Wort aus meinem Munde, das nicht aus der Wahrheit war? Maria sprach, und in ihrer Stimme war Trauer und Bangen: Die Leute lächeln über dich, und deine Brüder halten dich für irre. Da neigte Jesus sein Haupt und sagte: Ich will dir ein Wort im Verborgenen sagen, das die Spötter nicht hören 228 Die Gleich beit natürliche Wille jedes Kindes ist stets auf das Gute gerichtet, d. h. auf das ihm als einem Menschenkinde wiflich Heilsame und Wert volle. Verirrt sich der Wille auf diesem Wege- bewußt das Böse wollen ist ein ebenso grundsäglicher Widerspruch in sich, als das Sterbenwollen für ein Lebendiges, so kann die Ursache nur Irrtum des Verstandes oder Störung des Gemütslebens sein. Was hat nun aber ein halbwegs normal erzogener junger Mensch an fruchtbaren Gedanken und wirksamen Gefühlen gewonnen? Er ist Schritt für Schritt eingeführt worden in seine erst kleine, dann sich immer vergrößernde Umwelt, hat als Kind schon unterscheiden gelernt zwischen den Herrlichkeiten einer fünftlerisch geschaffenen Phantasiewelt, in der sich's schön und andächtig träumen läßt, und der harten Wirklichkeit, in der es zu handeln gilt. Das wundervolle Gefüge von Ursache und Wirkung, Grund und Folge hat sich vor ihm aufgebaut: aus nichts wird nichts, aber alles, was ist und geschieht, hat nach allen Richtungen unendliche Kraftwirkungen. Seine eigenen Kräfte Leibes und Geistes hat er brauchen lernen im Spiel und in der Arbeit; auch ihr Mißbrauch und dessen Folgen haben ihn flüger gemacht. Mit dem Erkennen der Grenzen seiner Kraft ist er inne geworden des ungeheuren Kraftzuwachses, den richtiges, nämlich freiwilliges Gehorchen verleiht: an der Beugung unter einen fremden Willen übte er unbewußt die Spannkraft, mit der seine bloßen Triebe sich seinem eigenen Vernunftwillen unterordnen müssen, wenn anders sein Ich Herr über sein Leben bleiben soll. Aber wie klein ist nun dieses Ich geworden, das ursprünglich so unendlich groß und einzig war, daß ihm alle Dinge und Menschen dienen mußten! Es hat sich begreifen müssen als eins unter unendlich vielen; hat in eine Zeit geblickt, wo es noch nicht da war, und in die Ewigkeit, wo es nicht mehr da sein wird. Und doch ist es ins Riesengroße gewachsen: es weiß sich als ein Nochniedagewesenes, Niewiederkommendes. Wie aber sein Blick in die Werkstatt der ,, ewigen Weberin" Natur eingedrungen ist, und staunend wahrnahm ,,, wie ein Tritt tausend Fäden regt, die Schifflein hinüber, herüber schießen, die Fäden, sich begegnend fließen, wie ein Schlag tausend Verbindungen schlägt"..., so hat ihm die Kulturkunde die Augen geöffnet für das Gegeneinander, aber auch Mit- und Füreinander der menschlichen Gesellschaft, das Ineinandergreifen der Milliarden von Zahnrädern der Wirtschaftsmaschinerie und das Pulsieren lebendiger Blutströme im sozialen Organismus; er sah sich als den Erben einer ungeheuren Kulturarbeit von Jahrtausenden, und fühlte sich schon durch sein bloßes Dasein verfettet mit dem Schicksal seiner Bolts- und Zeitgenossen, ja als veres sollen und das vor ihren Ohren verborgen bleiben soll, wie der Hauch des Windes, der durch blühende Gärten geht. Der Frühling hat sein Ende. Die Blüte des Granatapfelbaumes hat ihr Ende. Sonnenschein und Regen haben ihr Ende, die Felsen haben ein Ende und die Berge werden nicht immer sein. Der Bogel fliegt unter dem Himmel und hat seine Zeit, der Weinstock blüht und trägt Früchte, und wenn seine Beeren am süßesten sind, fommen die Vögel und naschen davon, und die Sonne trocknet die anderen zu Trebern. Die Lilie läßt ihre Blätter fallen und der Himmel feine Sterne, wenn es an der Zeit ist. Nun ist meine Zeit gekommen, daß ich den Frieden meiner Jugend lassen muß und die Ruhe meines Herzens. Denn alles hat seine Zeit, und ich muß fahren wie ein Wind unter welfe Blätter, und niemand wird wissen, woher es braust, und die Einfältigen werden fragen: Woher kam die Kraft? Und viele werden auferstehen und sagen: Er ist vom Satan, und werden mich nicht erkennen, und die Spötter werden sagen: Was ist in ihn gefahren? Ist er nicht der Sohn Josephs, des Zimmermanns in Nazareth? Was erregen wir uns da? Und werden sein wie Blinde, die nicht wissen, wer an ihnen vorüberging, wenn sie den Schritt des Wanderers vernehmen, der von den Bergen fommt. Du aber weißt, von wannen ich bin. Darum laß nun Ruhe in dir sein und Frieden, bis daß meine Stunde kommt und ich tue die Dinge, um die ich gefandt bin. Dein Auge bleibe fanft wie der Abendhimmel, wenn er ohne Wolken steht, und deine Seele sei still wie der Hain zu der Stunde, wann die Bienen schwärmen. Sieh, ich muß nun scheiden von dir. Wie der Tau auf den Wiesen lag deine Liebe auf mir. Nr. 23 antwortungsvollen Träger der Zukunft seiner Familie, feines Landes, der Menschheit. Und hier verbindet sich die Gefühlswelt des Jugendlichen von selbst mit seiner Gedankenwelt. Das Gefühl unbedingter Ab hängigkeit von der Umwelt knüpft den nach Abschüttelung aller Bande lüsternen Geist an seine irdische Vergangenheit, an die Geschichte seiner tierischen und menschlichen Ahnen. Pietät hemmt den Fortschritt nicht, aber bewahrt ihn darin, ein Sprung ins Dunkle zu werden. Die Erinnerung an die Zeit befriedigten Anlehnungsbedürfnisses, da man als Kind in der Mutter Schoß flüchtete und das Gebot des Vaters als willkommene Willensstüze empfand, wirkt leise zurückhaltend auf den ungestümen Drang nach Neuem, den tollkühnen Wagemut des Erfahrungsverächters, Wohl uns, wenn den Jüngling trotzdem das glühende Kraftgefühl beseelt:„ Mit mir beginnt eine neue Epoche der Welt! Ich bin gekommen, die aus den Fugen geratene wieder einzurenken! Die alte Zeit ist tot- es lebe das Leben!" Und da wollen wir bange sein um eine Jugend, die bei solchem starken Selbstgefühl doch das Mitgefühl mit dem Nächsten nicht verloren haben wird, da sie schon mit der ganzen belebten und kraftdurchflossenen Natur ein so enges Gemeinschaftsgefühl verbindet, wie es die in Weltverach tung aufgewachsene, religiös erzogene Jugend nie auch von ferne nur fannte? Die den sozialen Geist schon mit der Muttermilch eingesogen hat, das lebendige Beispiel brüderlichen Zusammen haltens nie aus den Augen verlor und in das Bewußtsein der Verpflichtung des einen für das Ganze hineinwuchs? An die Stelle der„ religiösen Sanktion der Moral", die aus Ehrfurcht, Dankbarkeit und Liebe gegen einen Gott der Phantasie seine Ges bote zu erfüllen mahnt, setzen wir die soziale Sanktion": den machtvollen Gedanken einer die Natur, die Kultur und vor allem sich selbst siegreich beherrschenden Menschheit, die unsere Erde zur Wohlfahrt aller gemeinsam verwaltet, und das beseligende Gefühl innigster Berbundenheit mit allen Menschen, den gewesenen, lebenden und kommenden, so daß des Nächsten und des Fernsten Wohl auch mein Wohl, sein Leid auch mein Leid ist. Zeigen Sie diesen Hochgedanken, diesen dem Leben Sinn gebenden höchsten Wert nur einem jungen Herzen, und das Ideal ist da, das mit innerer Gewalt jeden Strebenden verpflichtet! Da für bürgt Ihnen Ihr alter Freund Dr. Benzig. Schweigen gebührt dem Menschen, der sich nicht vollendet fühlt. Wenn ich einsam in den Bergen war und meine Seele dürr wie der Sand der Wüste, wenn sie am heißesten ist, habe ich mich nach dir gesehnt, wie der Staub sich sehnt, vor dem Winde zur Ruhe zu kommen und unter dem Tau der Nacht sich zu feuchten, und still und schwer zu werden wie die Wolke, die am Tage durch heiße Lüfte trieb. Du sagst, daß mein Auge anders ist als das der Jünglinge, und trauriger blickt als das meiner Brüder. Weißt du nicht, daß noch Nacht ist in mir und die Zeit der Morgennebel? Siehe, die Zeit der Frühe, die licht ist und voll Freude über die Stunde, da die Sonne aufgeht, ist noch nicht da, und mein Herz ist noch voll Unruhe, wie eine Schelle am Halfter des Saumtieres. So laß mich nun von dir gehen, leicht, wie sich die Barke des Schiffers am Morgen vom Strande trennt, wo sie zur Nacht gelegen, und nur ein Winfen ist hinter ihr, und die Wellen verwischen die Stelle, wo ihr Kiel den Sand berührte. Denn nun fommt die Zeit, daß ich sein muß wie ein Feld, über das ein neuer Morgen kommt, und der Wanderer erhebt sich und geht voll neuer Kraft und achtet der Dornen nicht, die auf ihn warten. Maria erschrak über diese Worte und sprach: Mein Sohn, wohin willst du gehen und was bewegst du in deinem Herzen? Leise antwortete Jesus ihr: In der Nacht, da Ihr schliefet, habe ich die Stimme vernommen. Haltet mich nicht. Mein Weg ist noch dunkel, aber selbst die Nacht hat ihre Sterne. Was man zu heftig fühlt, fühlt man nicht allzu lang." Nr. 23 Soziale Rundschau Ein Kinderfürsorgegefeh in Schweden. Die Gleich beit Ein Gesezentwurf betr. die öffentliche Kinderfürsorge ist in Schweden der Deffentlichkeit unterbreitet worden. Der Entwurf sieht die Uebertragung der Kinderfürsorge an die Gemeinden vor unter Beseitigung der bisherigen Aufteilung zwischen Schul-, Gesundheits- und Armenbehörden. Das Kinderfürsorgeamt foll aus einem Pfarrer, einem Lehrer( Lehrerin) und aus wenigstens drei anderen Persönlichkeiten bestehen. Ein Mitglied muß stets eine Frau sein. Ein Arzt soll hinzugezogen werden. Die Kosten sollen in erster Linie von den Gemeinden unter Beteiligung der Kreise und des Staates beftritten werden. Das Schuhalter der von der Fürforge erfaßten Kinder endet mit dem 15. bzw. 16. Lebensjahr, doch können in besonderen Fällen auch Kinder über 15 bzw. 16 Jahre in Schußerziehung genommen werden. Die Fürsorge felbst soll sich auf den nötigen Unterhalt und Erziehung in Einzelpflege oder in Kinderheimen erstrecken.- Bedürftigen unehelichen oder sonst alleinstehenden Müttern kann vom Kinderfürsorgeamt ein Pflegebeitrag für das Kind gewährt werden, ebenso kann solchen Müttern 6 Wochen vor und 6 Wochen nach der Niederkunft eine Unterstüßung vermittelt werden.( Dies ist eine Annäherung an das dänische Alimentationsgesetz.) Zusammenlegung der Angestellten- und Invalidenversicherung. Auf Veranlassung des Bureaus für Sozialpolitik ist von sachverständiger Seite ein Gefeßentwurf ausgearbeitet worden, der zwar die bisherige Sonderversicherung der Angestellten aufrechterhalten, die Behörden und Träger der Versicherung aber zufam menlegen will.( ,, Soz. Praxis.") Verschmelzung der Kriegsbeschädigtenorganisationen. In Weimar fand fürzlich eine gemeinsame Reichskonferenz des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Kriegerhinterbliebenen und des Einheitsverbandes deutscher Kriegsbeschädigter und Hinterbliebener zur Fortsetzung der Einigungsverhandlungen statt. In allen Fragen wurde eine restlose Uebereinstimmung erzielt. Die endgültige Verschmelzung der Organisationen wird im Januar vellzogen werden. Die neue Organisation wird eine Million Mitglieder zählen. Soziale Filme. Die Deulig- Film- Gesellschaft hat einen Film hergestellt, der die Unfallverhütung in gewerblichen Betrie ben" zeigt. Der Film ist unter Mitarbeit von Prof. Dr. Chajes und Dr. Schmidt, Dozenten an der Technischen Hochschule Charlottenburg, entstanden. Er verfolgt den Zweck, den Arbeitern, Gewerbeaufsichtsbeamten, Technikern usw., die Schußeinrichtungen gegen Berufsunfälle und Berufskrankheiten zu erklären und die Anwendung derselben geläufig zu machen. Der Gedanke an sich ist sehr gut und es ist sehr wohl zu denken, daß ein derartiger filmmäßig lebendiger Anschauungsunterricht gute Dienste leistet. Nur wäre ein noch bedeutend weiterer Ausbau nötig. Aber ein Anfang ist gemacht, und es ist zu wünschen, daß solche Lehrfilme in Arbeiterkreisen, Gewerkschaften usw. recht viel vorgeführt wer= den. Ganz besonders wichtig wäre es 3. B. für Betriebsräte, die doch die Vorschriften der Gewerbehygiene genau kennen müssen, um eine wirksame Kontrolle ausüben zu können. Aus der Frauenbewegung des Auslandes Rdt. Aus London wird gemeldet, daß die Lebensbeschreibung Reir Hardies, des Gründers der britischen Independent Labour Party Das ( Unabhängige Arbeiterpartei), demnächst erscheinen soll. Buch, von W. Stewart geschrieben und mit Vorwort von J. RamJay Macdonald versehen, wird von dem„ Keir Hardie Memorial Committee" veröffentlicht und ist durch dessen Sefretär. Francis Johnson, 8 Johnson's Court, E. C. 4, um den den Preis von 15 Schilling zu beziehen. Das Buch enthält eine ausführliche Beschreibung von der Tätigkeit Keir Hardies und dessen Einfluß auf die sozialistische Bewegung in Großbritannien, mit der Hardie sein ganzes Leben hindurch verbunden war. Es wird von großem Nußen für diejenigen sein, die sich für die Geschichte der englischen Arbeiterbewegung intereffieren. Der Verband der englischen Frauengewerkschaften( Women's Trade Union League), der im Jahre 1874 gegründet wurde, hat 229 anläßlich des allgemeinen britischen Gewerkschaftstongresses, der vor einiger Zeit in Cardiff tagte, seine Selbständigkeit aufgegeben und gehört dem neuen Generalrat der Gewerkschaften nun als " Frauengruppe" an. Der Präsident des Gewerkschaftskongresses dankte der Vorsitzenden des Frauenverbandes, Miß Gertrude Tuckwell, für ihre Tätigkeit im Namen der vereinigten Gewerkschaften. Cl. L. * England. Die Arbeitsgemeinschaft englischer Frauengewert schaften erläßt einen Appell an die öffentliche Meinung Englands, in dem sie auf die sozialen Gefahren schlecht bezahlter Frauenarbeit hinweist. In den Industrien, in denen immer noch keine Schiedsgerichte eingerichtet sind, herrschen in bezug auf die Frauenarbeit geradezu furchtbare Zustände. Es werden noch Stundenlöhne von 2 bis 3½ Pence gezahlt. Als wichtigste Organe zur Verhütung der Ausbeutung werden die Gewerbeinspektoren an gesehen, deren Zahl jedoch lehthin in England verringert wurde. In England ist jetzt die zweite Frau in das Unterhaus gewählt worden. * Eine französische Frauenliga gegen den Krieg. In Paris hat sich eine ,, Liga der Frauen gegen den Krieg" gegründet, die jede Beteiligung am Kriege, sei sie direkt oder indirekt, ablehnt. Gie bekämpft jeden Militarismus. Als Mitglieder werden Frauen aller Länder aufgenommen, die das 16. Jahr vollendet haben und auf dem Boden der Grundsätze der Liga stehen. Noch ehe die Gründung erfolgte, hatten sich bereits 150 Frauen zur Mitarbeit gemeldet. Die Liga besitzt auch eine Zeitschrift. * Washington. Die neunationale Frauenpartei Ameritas sammelte im Laufe der letzten Wochen alle ihre Kräfte zu einer Kampagne für die Abschaffung aller für die Frauen noch vorhandenen gesetzlichen Hindernisse. Dieser Kampf um die völlige Gleichberechtigung der Frau hat jetzt begonnen. Vor allem erwartet man vom Prästdenten Harding, daß er seine und der Regierung Unterstützung einer weitgehenden Gesetzesvorlage gewähren wird, die sich gegen alle gesetzlich festgelegten Verschiedenartigkeiten in der Behandlung der Geschlechter richtet. Das Gesez sell Maßnahmen einschließen, die die amerikanischen Frauen unabhängig von der Nationalität ihrer Ehegatten macht und soll alle die Unterschiede abschaffen, unter denen die Frauen im Staatsdienst zu leiden haben, und die Gesetzesungleichheiten, die im sogenannten„ District of Columbia" F. P. herrschen. Aus unserer Bewegung Frauenkonferenz des Bezirks Niederrheins. In Berfolg der in Görlitz auf der Wohlfahrts- und Frauentagung gegebenen Anregungen berief die Bezirkssekretärin Genoffin Arning für den 1. und 2. November eine Bezirksfrauenkonferenz nach Duisburg ein. Die Konferenz wies einen erfreulich starken Besuch und rege Anteilnahme an den Verhandlungen auf. Bürgermeister Genosse Dr. Caspori Brandenburg sprach mit einleuchtender logischer Präzision und überiegener Beherrschung des Sachgebiets über Zweck und Aufgaben der Arbeiterwohlfahrtspflege". Seine scharfen und sehr flaren Begriffsunterscheidungen zogen den heute mehr denn je notwendigen Trennungsstrich zwischen der Arbeiterwohlfahrtspflege und bürgerlich- konfessioneller Wohltätigkeit und wiesen den Eigenweg der Arbeiterwohlfahrt zur Kommunalisierung und späteren Sozialisierung. Nach ihm sprach die Ge noffin Klara Bohm- Schuch über das aktuellste Problem der Frauenfrage, die Bevölkerungspolitik". Ausgehend von den bis tief in die Genossenkreise hinein herrschenden gänzlich verkehrten Anschauungen über benölkerungspolitische Probleme, mies sie den fünftig in diesen Fragen zu gehenden Weg und sein Ziel auf, dabei einige der brennendsten Fragen, wie die der unehelichen Mutter, der Selbstbestimmung der Familiengröße, der Abänderung des § 218 usw. besonders illustrierend. Am zweiten Tage sprach die Bezirkssekretärin Genoffin Marie Arning eingehend und anfeuernd über„ Organisation und Agitation" innerhalb der Frauenbewegung am Niederrhein. Sie gab ein plastisches Bild des Standes der Frauenbewegung im Bezirk Niederrhein, wies die Er. folge der„ Gleichheit" nach und bereitete die demnächst einsetzende Frauenwerbewoche vor. Sie gab dann noch aus der Praxis nützliche Winke zur Agitation, Organisation und Weiterbildung. 230 Die Gleichheit Nach einer sehr ausgiebigen Diskussion wurden die von der Ges noffin Arning vorgelegten Richtlinien für die Arbeiterwohlfahrts. pflege im Bezirk Niederrhein einstimmig angenommen. Ebenso gelangten eine Resolution der Genoffin Junk- Düsseldorf auf Frei laffung der zur Zeit der Hungerkrawalle in Fürsorgeerziehung übergebenen Jugendlichen sowie eine Resolution der Genoffin Strat mann- Neuß auf Abänderung des§ 218 und gegen die Ausnahme. behandlung der unehelichen Mutter einstimmig zur Annahme. 2. Stratmann. Vor einiger Zeit hielt der sozialdemokratische Parteiverein zu Leipzig eine Boltsversammlung ab, in der Genoffin Ryned über ,, Die Tätigkeit der Frau in Staat und Gemeinde und die Sozialdemokratie" sprach. Rednerin führte in flaren deutlichen Worten den Anwesenden vor Augen, wie von jeher die Frau nur in untergeordneter Stellung im Verhältnis zum Manne gelebt habe, wie fic bis zum Ausbruch der Revolution jedes Rechts entbehrte. Man stelite früher die Frauen mit den Idioten auf eine Stufe, denn im Bürgerlichen Gesetzbuch ist festgelegt, daß Frauen und Idioten nicht wählen dürften. Von allen öffentlichen Arbeiten in den Gemeinden hielt man die Frauen fern. Erst im Jahre 1908 wurde der Grundstein gelegt, daß auch die Frau am Wohle für die Aermsten der Armen mitarbeiten durfte, indem eine Kinderschuhkommission gegründet wurde. Bald waren die Frauen auch als Armen- und Waisenpflegerinnen tätig. Während des Krieges mußten nun die Frauen die Arbeit der Männer machen, und als sie eingesehen hatten, daß sie es fonnten, wollten sie sich auch nach dem Kriege nicht wieder rechtlos beiseite schieben lassen. Nun haben ja die Frauen das Wahlrecht, aber leider haben wegen der politischen Unreife weiter Frauenfreise bis jetzt gerade die Bürgerlichen den größten Nutzen davon gehabt. Genossin Ryned schilderte dann furz, welchen Standpunkt die bürgerlichen Parteien bei der Beratung des Gesetzes für den Schuh der unehelichen Mutter und ihr Kind eingenommen haben, und wie sie sich zu der beantragten Abänderung der§§ 218, 219 StGB. stellen. Sie gab der Hoffnung Ausdruck, daß es dem Reichstag recht bald gelingen möge, ein Gesetz durchzubringen, das die unterschiedliche Behandlung der unehelichen Kinder beseitigt. In furzen Ausführungen streifte Rednerin noch andere wichtige und notwendige Gesetze, so das Jugendwohlfahrtsgesetz. Leider lasse es so lange auf sich warten. Man beabsichtige von bürgerlicher Seite, die Arbeit so lange als möglich hinauszuziehen, damit die Fortschritte der kommunalen Fürsorge unterbunden werden. Dies sei ein ganz besonderer Grund, unsere Vertreter in den in Frage kommenden Körperschaften zu Berhandlungen zu drängen. Ferner sprach Genoffin Ryned davon, daß den Frauen auch die Befähigung als Schöffen zu fungieren, abgesprochen wird. Sie führte einige Fälle an, in denen die Frauen ganz besonders als Schöffen geeignet wären. Selbst beim Jugendgericht will man sich nicht bequemen, die Frauen zuzulaffen, obwohl gerade die Frau die Berufenste dazu wäre. Zu der Frage der Bulaffung von weiblichen Schöffen und Geschworenen haben die Frauen auf Grund des Beschlusses in Görlig eine Entschließung ge= faßt, die dem Reichstag vorgelegt werden wird. Auch die Wählbarkeit der Frauen zu den Kaufmanns- und Gewerbegerichten ist von den bürgerlichen Parteien, einschließlich der Demokraten, abgelehnt worden. Auch von der so wichtigen Ernährungs- und Wohnungsfrage wurde gesprochen. Die jetzigen Zustände sind die Folgen der freien Wirtschaft, und hier zeigt sich die verderbliche Politik derjenigen Parteien, die nicht früh genug die freie Wirtschaft einführen konnten. Dann sprach Rednerin noch über die Aufgaben der Frau in der Gemeinde. Die Ausführungen gipfeiten darin, daß, wenn die Frauen einen Haushalt in der Familie führen, sie auch in der Lage sein müßten, einen Hausstand in der Gemeinde führen zu können. Genoffin Ryneck verstand den Versammelten flar zu machen, wie gerade die Frauen und Hausfrauen die Wirtschaftspolitik in erster Linie zu fühlen bekommen. Darum müssen bei allen Wahlen genügend Bertreter der Sozialdemokratischen Partei in die Parlamente entsandt werden. An der Diskussion beteiligten sich die Genossin Elfriede Schön, Genoffe Hagen und Genossin Hoyer. Wohlfahrtspflege Rückblick auf schöne Ferientage. M. H. Gerade jeßt, in diefen nebelgrauen naßfalten Novembertagen ist es gut, an den schönen Sommer, an die goldenen Herbstwochen, an lachende spielende Kinder auf grünem Rasen zu denken. Eine Reihe von Berichten liegen uns vor, die mit frohen Worten die Wanderungen, die Ferienfahrten mit den Kindern, die sonst feine Nr. 23 Gelegenheit zum Land- oder Seeaufenthalt hatten, schildern. Es ist eine alte liebe Pflicht unserer Parteigenofsinnen, gerade diesen Kindern sonnige Tage zu verschaffen, und sie lassen sich diese Pflicht auch jetzt, wo durch die Arbeiterwohlfahrt das Aufgabengebiet größer geworden ist, nicht nehmen. Ueberall im Lande, in Ditpreußen und in Bayern, in der Pfalz, in Oldenburg und Holstein, in Rheinland- Westfalen, in Berlin und Schlesien kommen die Kinder in Scharen, wenn es heißt: Die Ferienfahrten der Arbeiterschaft beginnen. In den meisten Fällen wurde von der Stadtverwaltung ein Geldbetrag bewilligt, hier und da wurde von den Parteigenossen gesammelt. Aus den Beständen der Auslandshilfe wurde Mehl, Kakao und Milch für den Zweck bewilligt. Kinder jubelten, wenn ihnen freundliche Frauen schneeweiße Brötchen und Kakao, einen Teller Suppe oder sonst etwas Nahr. haftes brachten. Die Ein großes Programm hatte der Ausschuß in Hannover für die Sommer- und Herbstferien aufgestellt, und man sah ein luftige Kindergewimmel, wenn man die Sammelpläge und die Orte, wohi abmarschiert wurde, besuchte. Der Glanzpunkt war die Fahrt nac Hildesheim. Die schöne alte Stadt wurde ihnen gezeigt, und di Hildesheimer Genossinnen schafften ihren kleinen Gästen eine frohen Tag. Arbeiterjugend, Arbeiterturner sind fast immer dabe: Und die Kinder fragten, ob es in den Weihnachtsferien wieder hinausgeht. Lachende Gesichter schauen uns auf den Bildern entgegen, die der Ausschuß in Mülheim a. d. Ruhr eingeschickt hat, und die Zahlen sind nicht mehr trocken, sondern sie erzählen mancherlei, wenn es heißt, daß an dem ersten Ausflug 80 Kinder teilgenommen haben, beim zweiten kommen schon 130 und beim fünften Ausflug sind es 215 Kinder. Die Hamburger erzählen von ihrem Ausschuß, daß er nach fünf Vierteljahren noch in den Kinderschuhen steckt, aber die sind von riesigem Format. Und mit diesen Riesenschuhen marschiert er. faum selbst fest organisiert, schon an der Spiße der Wohlfahrts organisationen Hamburgs. 700 erholungsbedürftige Kinder konnten auf das Land geschickt werden. In dem kleinen erzgebirgifchen Städtchen Aue sammelte der rührige Ausschuß für Arbeiterwohlfahrt die Kinder, in 3 wid au wanderten sie zweimal wöchentlich ins Freie und den Abschluß machte ein großer Kinderspieltag in den Anlagen des Naturheil vereins. In Brake( Oldenburg) fand man eine andere Form der Kinderversorgung während der Ferien. Etwa 150 kränkliche Kinder be. famen täglich 2 Liter Milch und ein gutes Butterbrot. Das wurde in den Herbstferien fortgefeßt. Der Ausschuß in Halle a. d. S. machte Ferienwanderungen, die so viel Freude machten, daß aus ihnen regelmäßige Spielabende wurden. Der Ausschuß in Halberstadt hatte auch in diesem Jahre über 50 Kinder zum Teil in Heimen, zum Teil bei Parteigenossen auf dem Lande unter. bringen können. Ludwigshafener Arbeiterkinder wurden zweimal für je vier Tage in dem Ferienheim der ,, Naturfreunde" bei Elmstein untergebracht. Von da aus wurde gewandert. Auch die Nürnberger Genossen wanderten mit den Kindern und launig erzählt der Bericht von einem Nachmittag, als die Kinder im Freien saßen und auf das Besperbrot warteten, wie da ganz plötzlich große Tropfen auf die blonden und die braunen Köpfe klatschten, und wie sie schreiend und lachend flüchten mußten, weil auch noch Blitz und Donner folgten. Drinnen aber gab es Knad wurst und schönes weißes Brot und kalten Tee! Wer fragte ba noch nach dem Gewitter! In Berlin hatte das Jugendamt die Sache in die Hand ge nommen und die Arbeiterwohlfahrt stellte Helfer und Helferinnen. Die Vorortbezirke machten zum Teil eigene Veranstaltungen. So sammelte Steglitz zweimal wöchentlich die Kinder in dem hübschen Barfrestaurant„ Südende". Auch die Lantwiter Kinder waren dabei. Schokolade gab es und zwei schöne weiße Schrippen. Das sind nur wenige Beispiele aus der Fülle der Ferienveranstaltungen im letzten Sommer und Herbst. Mancherlei Arbeit und Mühe war dabei, aber Arbeit mit dem Ziel: Sonnenbraune Kindergesichter, lachende Augen und frohe Herzen zu schaffen. Das ist bei Tausenden von Kindern gelungen. Und mancher Gedanke wandert aus den grauen Tagen zurück zu den fröhlichen sonnigen J. H. Stunden. Verantwortlich für die Rebattion: Frau Klara Bobm- Schuch. Druck: Vorwärts Buchdruckeret. Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. S. fämtlich in Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Nr. 23 Die Gleich beit 231 Wie entstehen Kunzein? Warum altert zuerst das Gesicht und erst viel später Arme, Schultern und Raden usw.? Um diese Frage zu beantworten, muß man weiter fragen: Wird das Gesicht anders behandelt als die übrigen Körperteile? Und da haben wir die Lösung sofort: Das Gesicht wird häufiger und auch stärker mit Wasser und Geife behandelt. Der Organismus bildet Fett und sondert durch die Haut Fett ab. Nicht um diesen wertvollen Stoff zu verschwenden, denn der Organismus verschwendet nichts, sondern um die Haut zu schüßen. Die Geife aber löst Fett auf, verwandelt es ebenfalls in Seife. Hätte die Natur die Poren der Haut durch Seife schüßen wollen, statt durch einen feinen Fetthauch, so wäre ihr das ein leichtes gewesen. Sie wollte aber Fett, und der Mensch verwandelt es in Geife. Die Völker des Altertums tannten keine Seife, sondern reinigten den Körper durch SalStoffe für ben. Damen, welche alle Geheimnisse der Schönheitspflege kennen, tun es heute noch. Wer darin Erfahrung hat, kennt sie unter Tausenden heraus: Sie altern nicht! An eine solche Dame, Ninon de Lenclos, knüpft sich eine tragische Begebenheit. Thr eigener Sohn, der seine Mutter nicht kannte, verliebte sich in fie, als sie schon eine Greifin, aber dem Aeußeren nach ein junges Mädchen war, und erschoß sich, als er die Wahrheit erfuhr. Die vor noch nicht langer 8eit auf Schloß Löbichau in Thüringen im Alter von über 90 Jahren verstorbene Acarenca Pignatelli, Herzogin von Kurland, bezauberte noch im Alter von 60-70 Jahren die Herzen der Männer. Auch heute noch gibt es Damen, denen man ihr Alter nicht im entferntesten ansieht. Wir find nicht so ungalant, das wahre Alfer einer bekannten Bühnenschönheit zu verraten, aber ihr Toilettegeheimnis wollen wir enthüllen, es heißt Marylan- Creme". 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