Nr. 24 31. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Berlin Die Gleichheit erscheint 2 mal im Monat Preis: Viertelfährlich 3,- Mart Inserate: Die 5 gespaltene Nonpareillezeile 3,- Mr. und 30% tariflichen Teuerungszuschlag, bel Wiederholungen Rabatt 15. Dezember 1921 Die Frau und ihr Haus Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morigplag 14838 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 SORRENTIENDE Sonnenwende! Rote Feuer Seh ich zucken durch die Nacht! Seh die Flammen lodernd ragen In die hohe Sternenpracht, Wie die Funken wild zerffieben In die Finfternis hinaus, Wie fie auf- und niederzittern In des Sturmes Nachtgebraus. Sonnenwende! Feft der Feuer, Die der Sturm zum Himmel bäumt! Seh ich deine Riefenflamme, Die die Sternenpracht blutig fäumt, Packt mich himmeljauchzend Wollen, Packt mich kühne KampfesluftHöher noch als deine Feuer Schlägt die Glut in meiner Bruft! Sonnenwende! Deine Sterne Funkeln golden durch die Nacht! Neuer Mut und neue Hoffnung Ift in meiner Bruft erwacht: Ja! es muß der Morgen tagen, Sonnenrot und licht und klar! Neue Sehnfucht,-neues Wagen Sternennacht in uns gebar. Walter Schenk, 2�4 Die Gleichkeit -Nr.?4 Llnsere Weihnachten! von Clara Bohm-Schuch »» Harte, kalte Tage; noch kältere, dnnkle Nächte. Mangel «n Wärm«. Nahrung, Kleidung und keine Hoffnung auf baldige Wende zum Besseren. In dieser Wirklichkeit steht die Masse des deutschen Bolkes nun im 8. Jahre. Da vergeht Märcheirpoesie und Kindertraum: nichts bleibt als die harte Forderung:„Hilf dir selber, so hilft dir Gott".— Kann das deutsche Volk sich noch selber Helsen? Die große, arbeitend« Masse des Volkes tut, was sie kann; mehr kann Pe nicht! Aber alle schassende Kraft dieser Tapferen und Treuen genügt nicht, um sich selbst und die deutsche Republik Lber Wasser zu halten. Die Lasten des verlorenen Krieges Pill» zu schwer. Und der Tell der in Deutschland wohnenden Leute, der mit seinem Reichtum dem Staate und damit der Gesamtheit große Erleichterungen schassen könnte, wenn er selbst nur einen Teil seines Besitzes zur Verfugung stellen würde, tut es nicht. Die deutsche Republik soll entweder ganz zugruirde gehen oder» wenn sie als Staatsform bestehen will, es unterlassen, der Umgestaltnug des Wirtschaftslebens »om Kapitalismus zum Sozialismus auch nur im leisesten Wegbereiterin zu sein. So wollen es nicht nur die deutschen, fondern auch die Kapitalisten der Ententestaaten. Was gilt diesen Leuten Volk und Heimat. Was gilt ihnen die Not der anderen?— Sie wollen leben und herrschen. Ob Volker dabei zugrunde gehen, was schiert es sie? Sie schwimmen «us dem Goldstrom, er ist ihnen Lebenselement: wo er fließt, ist ihnen gleich. Am 15. Januar ist die weitere Reparationszahlung von LÜS Millionen Goldmark an die Entente fällig, Goldmark, b. h. die Mark zu IlX) Pf. gerechnet: unsere Papiennark gilt «der im Auslande nur einige Pfennige. Jetzt, k Wochen vor Ablauf der Zahlungsfrist, weiß die beutsche Regierung noch nicht, woher sie die ungeheure Summe nehmen soll. Der Staat, die deutsche Republik, be- t ja so gut wie keine Sachwerte. Er konnte deshalb keine aren ins Ausland verkaufen, sich keine Devisen schassen. Das konnte nur die Prioatindustrie und der Handel. Nach Zeitungsmeldungen sollen allein in der Schweiz sich deutsche Vermögenswerte befinden, die über eine Milliarde Goldmark betragen. Der Regierung nützt das gegenwärtig nichts. Die beutsche Industrie erbot sich als Retter in der Not: schon vor »intgen Monaten. Damals wurde als Gegenleistung— un- «isgesprochen— verlangt, die Hereinnahme der deutschen Volkspartet in die Reichsregierung und damit Gestaltung der notivendigcn, neuen Steuergesetze nach dem Willen des In dustriekapitals: also: größtmöglichste Schonung des Besitzes. AK unsere Partei keinen Zweifel darüber ließ, daß für uns bie starke steuerliche Belastung des Besitzes e'me unumgäng liche Forderung sei, schwand das Interesse am Mitregieren» «ollen. Zur hilf« für die Reparationszahlung erklärte sich bas Industriekapital auch nun noch bereit, aber es oerlangte nicht mehr und nicht weniger, als daß dafür die Neichseisen- bahnen in seinen Besitz übergingen. Für diese Leute gibt es keine Bolks- und Staatsnotwcndigkeiten, für die auch Opfer xebracht werden muffen,— für sie gibt es nur Geschäfte. Während der 4� Jahr« Krieg, die Gut und Blut der Volks massen vernichteten, machten sie Geschäfte, und auch die Not des verlorenen Krieges muß ihren Geschäften dienen. Der Arbeiter gibt 1l) Proz. seines mühseligen Verdienstes dem Staat,— er kann keine Steuern hinterziehen, wie sehr die »ägitch« Verteuerung der Lebenshaltung auch dazu locken mag: das Kapital will seinen Pflichtteil»täglichst nicht geben, und was darüber hinausgeht, das gibt es nur gegen gleiche »der bester« Werte.— Das unerhörte Ansinnen wurde von der Reglerrmg. gestützt aus den einmütigen Willen der Ar- detterschaft. abgelehnt. Die Verhandlungen über die Beschaffung der Kredite Bngen welter. Im In- und Ausland. Die Erfassung der Sachwerte kam nicht einen Schritt vorwärts.— Die Mark fiel, der Dollar stieg im Wert. In Deutschland stieg die Teuerung, in Amerika die Arbeitslosigkeit. In Washington tagte inzwischen eine von Amerika einberufene Konserenz der alliierten Mächte, die sich mit der Frage der Rüstungs beschränkungen befaßte. Die Ententestaaten drohen an den Folgen ihres Sieges wirtschaftlich in dieselbe Lage zu ge raten, wie wir durch die Niederlage. Sieg und Niederlage sind eben Folgen des Krieges mü» Krieg heißt Ver derben für Menschen und Völker. Darum ist jede Zusammenkunft, die sich ernsikich mit der Abrüstungs frage beschästigt, zu begrüßen. Zu einem Ergebnis ist die Konferenz bisher nicht gekommen. England ist zwar bereit, seine Kriegsschiffe um die Hälfte zu vermindern, aber da Japan das Abkommen mit England aufgeben soll, fürchtet es, daß Amerika und England auch nach dem Abbau ihm verhältnismäßig stark gegenüberstehen, und es ist deshalb mit der ihm vorgeschlagenen Beschränkung nicht einverstan den. Deutschimcd besitzt keine Kampfslotte mehr,— die Stärke unseres Landheeres kommt für einen Krieg gar nicht in Betracht. Da aber weite Strecken deutschen Landes von französischen Heeren besetzt sind, hat für uns die Beschrän kung der Rüstungen zu Lande das größte Interesse. Auch England scheint es zu haben. Darauf ließ man sich in Washington nicht weiter«in. Der französische Ministerpräsi dent hielt eine schöne Rede, in der er zu deweisen oersuchte, wie bedroht Frankreich sich durch Deutschland noch immer suhlen müsse und wie notwendig daher alle französischen Maßnahmen gegen Deutschland seien— und damit war die Sache vorläufig erledigt. Die Gedurtsstunde des Welt friedens sind die Verhandlungen in Washington sicher nicht. Für uns hing aber weiter mit dieser Konserenz zusammen, daß Amerika der Kreditfrage erst nach dem Ergebnis der Tagung näher treten wollte. Das heißt also: für die Januar» Zahlung kommt amerikanische Hilfe nicht in Betracht. In zwischen reiste der deutsche Großindustrielle, Herr Hugo Stinnes, nach London in angeblich ganz privaten, geschäft lichen Angelegenheiten. Am 25. November wurde ein Plan der englischen Großindustrie in Deutschland veröffentlich� wonach dem deutschen Staat als solchen die Reparations zahlungen erlassen werden sollten und die JMustrie an fein» Stelle träte. Eine englische Beteiligung an deutschen Sach werten in Form von Hypotheken auf Grundbesitz und Vor zugsaktien auf kaufmännische und industrielle Betriebe, Ka näle. Schiffahrtslinien, Eisenbahnen, soll erfolgen. Der Plan ist geradezu gigantisch, mrd wenn seine Aus führung gelänge, bedeutete das eine Zusammenballung und Stärkung des internationalen Kapitalismus zu unerhörter Machtentfaltung. Für Deutschland wäre es die Errichtung eines ganz unabhängigen Wirtschaftsstaates innerhalb der denwkratischen Republik. Gegen die republikanische Staats- sorm würden in diesem Falle die Kapitakisten und. ihre poli tischen Parteivertretungen nichts mehr einzuwenden haben, sie wäre im Gegenteil bei geschickter Ausnutzung eine Stütz« ihrer Macht. Einem ähnliche» Plan zur Wiederaufrichtung uuh Ausbeutung Rußlands stellten sich bisher— trotz Unter stützung durch die Sowjetregierung— große Schwierigkeiten in den Weg. Gelänge die Durchführung in Deutschland, dann wären die Hindernisse für die Aktion in Rußland ver hältnismäßig leicht zu überwinden. Zurzeit ist der deutsche Wiederausbauminister Dr. Ra thenau in London, um über einen Zahlungsausschub zu oer handeln. Wenn diese Verhandlungen zum Ziele führen, so bedeutet das leider nichts weiter, als daß wir nicht zum 15. Januar 1321, sondern später zahlen müssen; immerhin wäre Zeit gewonnen. Verlausen sie ergebnislos, was dann?! Für die Beteiligung der deutschen Republik an den Sach werten bedarf es gesetzlicher Grundlagen, und dafür wieder um ewe«' Mehrheit Im Reichstag, die einer solchen Gesetzes- vorläge ihre Zustimmung gibt. Jetzt ist eine solche Mehrheit kaum vorhanden. Das gesamte Volk könnte in neuen Reichs- togswahlen um seine Meinung befragt werden. Wie die Nr. 24 te Gleich bett Antwort lauten würde, ob nach den Wahlen eine andere Mehrheit wäre, weiß niemand. Wenn wir am 15. Januar zahlen milffen, kommt zudem jetzt die Erfassung der Sachwerte zu spät; sie hätte früher erfolgen müssen. Es blieben für die Regierung dann nur Möglichkeiten, die von neuem ein Sinfen unseres Geldes zur Folge haben müßten. So wird wahrscheinlich die deutsche Industrie verbunden mit dem englischen Rapitalismus zuguterletzt noch als Retter aus der Not begrüßt werden. Damit wäre zunächst jede weitere Entwicklung zum Sozialismus sowohl im deutschen Staats- wie im Wirtschaftsleben unterbunden. Bielleicht aber hätte dieser Zusammenschluß internationaler Kapital intereffen in flarster Form endlich das Zusammenfinden der Internationalen Arbeiterschaft zur Vertretung ihrer gemein samen Interessen zur Folge. Wir stehen am Anfang des ungeheuersten Kampfes zwischen Besitz und Arbeit, zwischen Kapitalismus und Sogialismus, und der Kampfplatz ist die Welt. Die deutsche Arbeiterschaft allein kann ihn nicht führen. Nur wenn der Sozialismus international flegt, wird Friede auf Erden sein; wird die Menschheit aufsteigen zu einem neuen Menschentum. Schrei der Seelen... Von Ernit Preczang Schrei der Seelen lodert zum Himmel auf, Hechzende Lippen rufen in endlofe Fernen, Blutende Herzen flehen empor zu den Sternen Und die Jahre wandern in fühllofem Lauf. Kerzen Strahlen von filberichimmernden Bäumen, Märchen umglänzen der Cage zerfpliffenes Kleid, Sonnige Gärten erblühen in feligen Träumen Schlummernd wartet die Wüfte der Wirklichkeit. Deine Sinne fchaukeln in goldenen Nachen Zu den leuchtenden Ufern urewiger Luft, Lieder füllen die fröhlich atmende Bruft Graue Sorge umflüftert dein kaltes Erwachen. Timmer wird die Erlöfung im Traume dir reifen, Unter den Schleiern feufzet dein Weh und dein Ach. Was deinen Sehnsuchtsaugen, lebendig und wach, Wefenlos flieht, wirft du niemals, niemals ergreifen. Schüre die Flamme der Tat am eigenen Berde, Pflüge der Arbeit wunderkräftiges Land. All dein Leid, es wurzelt in diefer Erde, Alle Kraft verbirgt fich in deiner Band. Willst du der Zeit die hellen Gewänder spinnen, Bruder und Schwefter, ringet zu Boden die Pein. Alle Erlöfung, ihr müßt fie im Kampfe gewinnen: Rettet euch felber, Schöpfer und beiland fein. Hus dem kürzlich, in vierter Auflage bel J. 5, W. Dietz Nadhf., Stuttgart, erichienenen Gedichtband Im Strom der Zelt", von Ernit Preczang. Preis gut ge bunden 20,-k Die dritte Internationale Arbeitskonferenz In der Zeit vom 25. Oktober bis zum 20. November fand in Genf die dritte Internationale Arbeitskonferenz statt. Sie beschäftigte sich mit Fragen, die die Frauen stark inter effieren. Die Internationalen Arbeitskonferenzen, deren erste im November 1919 in Washington stattgefunden hat( die zweite wurde abgehalten im April 1920 in Genua) verdanken ihre Entstehung dem Teil XIII des Friedensvertrages von Verfailles, der die Begründung des Weltfriedens durch Verstän bigung der Völker zum Ziele hat. In jedem Jahre follen mindestens einmal die Mitglieder bes Bölkerbundes zu einer solchen Konferenz zusammentreten. Jebes Land fann dazu vier Vertreter mit Stimmrecht ent fenden, und zwar: zwei Regierungsvertreter und je einen Bertreter der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer, Jebem 235 stimmberechtigten Vertreter können für jede der zur Verhande lung kommenden Fragen zwei sachverständige Berater bele gegeben werden. Kommen Fragen zur Beratung, die spe ziell die Frauen berühren, so muß mindestens einer der fachverständigen Berater eine Frau sein. Die Internationalen Arbeitskonferenzen tönnen für ihre Beschlüsse zwei Formen wählen; die Form eines Ueberein. kommens und die eines Vorschlages. Kommt ein Uebereins kommen zustande, dann sind die Mitglieder der Konferenz, und zwar auch diejenigen, die auf der Konferenz dagegen ge stimmt haben, verpflichtet, innerhalb eines Zeitraumes bis zu 18 Monaten das Uebereinkommen der zuständigen nationalen Stelle" vorzulegen oder es durch ein Gesetz oder durch anderweitige Maßnahmen zu verwirklichen. Eine Verpflich tung, das Uebereinkommen in der beschlossenen Form oder überhaupt anzunehmen, besteht nicht. Kommt aber ein Land den Vorschriften nicht nach, dann kann das Internationale Arbeitsamt als ausführendes Organ der Internationalen Ar beitskonferenzen gegen das betreffende Land wirtschaftliche Strafmaßnahmen in die Wege leiten. Wählt dagegen die Konferenz für einen Beschluß die Form eines Borschlages bann fallen die bei einem Uebereinkommen gegebenen Ga rantien für die Verwirklichung der Forderungen fort. In folchem Falle steht es den Ländern frei, den Borschlag obzulehnen oder ihn anzunehmen. Schon auf der ersten Internationalen Arbeitskonferenz wurde auf Antrag der Arbeitervertreter beschlossen, auch Deutschland und Desterreich, die dem Völkerbund nicht an gehörten, zu den Konferenzen zuzulassen. Deutschland erhielt auch einen Sitz im Verwaltungsrat des Internationalen Are beitsamts. Aus Mangel an Schiffspläßen fonnten aber die beutschen Vertreter nicht an der Washingtoner Konferenz teilnehmen. Die Washingtoner Konferenz hatte eine Reihe von Uebereinkommen beschlossen zur Negelung der Arbeitszeit und zum Schuhe von Leben und Gesundheit der Frauen und Kinder in gewerblichen Betrieben und außerdem eine Reihe von Borschlägen, die fast ausnahmslos ebenfalls die in der In dustrie beschäftigten Arbeitskräfte berührten. Die Konferenz in Genua beschäftigte sich ausschließlich mit Fragen des Schutzes der Arbeitskräfte der Seeschiffahrt. Für die Konferenz in Genf waren vorgesehen: die Anpassung der Washing toner Beschlüsse auf die Landwirtschaft und ferner Fragen zur Verminderung der Bleiweißgefahr im Malergewerbe, zur Beseitigung der Arbeit Jugendlicher in Heizräumen auf Schif fen, die Verhinderung von Krankheitsfällen durch Milzbrand und die wöchentliche Ruhezeit in Handel und Gewerbe. Gegen die Anpassung der Beschlüsse von Washington auf die Landwirtschaft war von einigen Regierungen( Frankreich und die Schweiz) Einspruch erhoben worden. Die Konferenz mußte alfo zunächst entscheiden, ob sie die Fragen verhan deln oder von der Tagesordnung absetzen wollte. Sie ente schied sich mit Mehrheit für Abjegung des Punktes: Regelung der Arbeitszeit in der Landwirtschaft. Beibehalten wurden bagegen folgende Punkte: Mittel zur Verhütung der Arbeitslosigkeit und zum Schuße gegen deren Folgen, Schuh der Frauen und Kinder. Landwirtschaftlicher, technischer Unterricht, Unterkunft und Schlafgelegenheit der Landarbeiter, Sicherstellung des Vereins- und Koalitionsrechts, Schutz gegen Unfälle, Krankheit, Invalidität und Alter. Für Beibehaltung der Punkte, die die Landarbeiterfrage betrafen, traten neben sämtlichen Arbeitervertretern auch einige Regierungsvertreter europäischer Länder ein, barun ter England und Deutschland. Sämtliche Befürworter der Frage erklärten: sie verlangen feineswegs die wört der Beschlüsse von Washington liche Uebernahme in der Frage der Arbeitszeit auf die Landwirt schaft, wohl aber deren sinngemäße Anwendung. Ste erhoff ten davon eine Verminderung der Landflucht und eine Stel 236 Die Gl«i6>heit Nr. 24 gerung der Produttion. Die Gegner, der größte Teil der Re- gterungsvertreter und nahezu sämtliche Arbeitgedervertreter, hielten eine Regelung der Arbeitszeit in der Landwirtschast sür unmöglich. Ein großer Teil der Gegner in dieser Frage verhielt sich übrigens ablehnend in sast allen Fragen und stimmte höchstens einem allgemein gehaltenen Vorschlage zu. Die Konserenz begnügte sich denn auch damit, in den Fra gen des Schutzes der in der Landwirtschast tätigen Arbests» träst« allgemein gehaltene Borschläge zu beschließen. Nur in zwei Fällen, nämlich bei den Forderungen des Verbots der Beschäftigung von schulpflichtigen Kindern während der Schulstunden und für die Förderung des landwirtschaftlichen beruflichen Unterrichts wählte man die Form eines Ueberein- tommens. Auch auf der Internationalen Arbeitskonferenz in Genf hat sich gezeigt, daß überall Forderungen aus Schutzgesetze für die Arbeitskräfte in der Landwirtschaft aus noch größe ren Widerstand stoßen als Schutzgesetze für die Arbeitsträste in gewerblichen Betrieben. Für die Verhandlungen der Landarbeiterfragen waren aus einer Reih« von Ländern weiblich« technische Ratgeber entsandt worden, aus Deutschland ein weiblicher Regierungs- Vertreter und eine Vertreterin der Arbeitnehmer. Als ein ziges Land hatte Norwegen eine Frau unter den vier stimm berechtigten Vertretern. Die Verhandlungen der Internationalen Arbeitskonferen- zen werden sehr erschwert durch die Vorschrift, daß als ofsi- zielle Kongreßsprachen nur Englisch und Französisch gelten und überhaupt durch die Schwierigkeiten gegenseitigen Ver- pehens, die auf allen internationalen Zusammenkünften zu tage treten. Eine weitere Schwierigkeit für das Zustande kommen günstiger Beschlüsse ist das Ueberwiegen der Re gierungsvertreter und der Arbeitgeber, die, wenn sie geschlos sen stimmen— wie dies auf der Konferenz häufig der Fall war— drei Viertel aller Teilnehmer ausmachen. Trotzdem darf man den Wert dieser Konferenzen nicht unterschätzen, der weniger in seinen Beschlüssen liegt als darin, daß es Vertre tern aus zahlreichen Ländern und aus sämtlichen Erdteilen möglich ist, sich durch persönliches Jnverbindungtreten über den Stand des Arbeiterfchutzes und über die Gründe, die zu feiner Einführung Veranlassung gegeben haben, in ganz an derer Weise zu überzeugen, als es auf schriftlichem Wege Möglich ist. Die organisierte Arbeiterschaft setzt außerdem noch die Hoffnung auf die auf diesem Wege bessere Verbrei tung der Erkenntnis, daß die beste Garantie für wirksamen Arbeiterschutz eine festgefügte Organisation der Arbeitskräfte ist, die ganz naturgemäß die Arbeiter der Länder mit weniger entwickelter Arbeiterorganisation dahin bringen muß. auch in ihren Ländern auf«ins festere Organisierung der Arbeits kräfte hinzuarbeiten. Gertrud Hanna. Besprecht das Parteiprogramm! Don Hedwig Wachenheim Eine kämpfende Schar muß immer wieder auf die letzt- vergangenen Etappen des Kampfes, ihre letzten Erfolge und Mißerfolge, deren Ursachen und Wirkungen zurückblicken. ihre und des Feindes Stellung und Waffen mustern, um nach dem Ergebnis solcher Betrachtung ihren Feldzugsplan neu auszustellen. Das gilt auch für den Kampf mit friedlichen Wittein, den die Sozialdenwkratische Partei führt. Ihr neuer Feldzugsplan ist das Görlitzer Programm. Nun ist aber die Kampfesweise der Sozialdemokratischen Partei anders wie die der Weltkriegsheere. Kein kommandierender General stellt Pläne auf. denen die Massen zu folgen haben. Der Kampf der Sozialdemokratischen Partei ist eine Gemein schaftsarbeit, die auf der Tätigkeit jedes einzelnen beruht: deshalb ist es notwendig, daß jeder einzelne die rück- urid vorwärtsschauende Betrachtung für sich anstellt, um sein« Tätigkeit überall, sei es innerhalb der Partei oder auf seinem Platz in Staat und Gefellschaft danach»inzustellen. Dabei soll ihm die Parteiorganisation behilflich sein. Das geschieht am besten an der Hand des neuen Programms, das ja von sozialistisch geschulten, führenden Parteigenossen als das Er gebnis ihrer Betrachtung der gegenwärtigen gesellschaftliche« Verhältnisfe, der Lage des Proletariats innerhalb der Ge sellschaft, des Staatslebens und der Soziatdemokratische« Partei aufgestellt worden ist. Daß solch« Betrachtung auch den weiblichen Mitgliedern ermöglicht werden soll, braucht im Rahmen dieser Zeitschrift kaum gejagt zu werden. Der besondere Zweck dieser Zeilen ist. den Genossinnen einige Richtlinien zur Behandlung des Programms zu geben. Sie sind bei einem Frauenkurfus über das neue Programm in Neukölln von mir angewandt worden. Bei der Behandlung des allgemeinen Teils des Görlitzer Pwgramms habe ich das Entwicklungsgeichichtlich« in den Lordergrund geschoben und gleichzeitig Anregungen gegeben zur weiteren Beschäftigung mit der sozialistischen Literatur und der Parteigejchichte auf etwa folgender Grundlage: Der allgemeine Teil kennzeichnet die kapitalistisch« Wirtschaft, den Klassenkampf, den Weg der Sozialdemokratie zum Ziel und das Ziel selbst, den Sozialismus. In leichtverständlicher Welse und doch mit einer überwälti genden Plastik der Sprache schildert das Kommunistische Manifest den Beginn der Entwicklung kapitalistischer Wirt schast. des Zeitalters der Herrschaft der Bourgeoisie, de» Bürgertums.(1. Bourgeois und Proletarier, Abs. 1— 27.) Die hochinduftrielle Entwicklung in Deutschland mit ihren großindustriellen Monopolen und ihrer Herrschaft des Fi nanzkapitals setzt allerdings erst nach dem Entstehen des Kommunistischen Manifestes(1847/1848) ein. Das Erfurter Programm, entstanden 1891, als nach dem Fall des Sozia listengesetzes das Gothaer Einigungsprogramm von 1874 durch neue Richtlinien für den politischen Kamps ersetzt wer den mußte, weist auf die neue wirtschaftliche Entwicklung, die Versilzung des Großkapitals hin, durch die immer mehr, trotz des riesenhaften Wachstums der Produktivität der menschlichen Arbeit die Vorteile der wirtschaftlichen Entwick lung nur Großkapitalistcn und Großgrundbesitzern zugute kommen. Für die anderen Schichten bedeutet diese Entwick lung wachsende Zunahme der Unsicherheit ihrer Existenz» ihres Elends, ihrer Ausbeutung und Unterdrückung. Die Grundlage dieses Zustandes ist das Privateigentum an Pro duktionsmitteln, das den wirtschaftlichen Verhältnisien und damit der gesamten Gesellschaft seinen Stempel ausdrückt. Es ist, wie Marx im Borwort zur„Politischen Oekonomie" sagt:„In der gesellschafUichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen un abhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktiv kräfte entspreche». Die Gesamtheit dieser Produktionsoer- Hältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Ueber- bau erhebt, und. welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußt- seinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des mate riellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt. Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das Sein, sondern umgekehrt ihr gesellfchast' liches Sein, das ihr Bewußtsein formt." Der Weltkrieg hat die Schäden der kapitalistischen Wirt- fchaft noch verschärft. Das Kapitaleinkommen hat Schritt ge halten mit der Teuerung aller Lebensmittel, ja sie zum Teil übertroffen. Nicht Schritt gehalten hat dagegen das Arbeits einkommen der Arbeiter. Angestellten. Beamten. Angehörigen der freien Berufe. Neben der Berbbarsung der BertrustuN- gen und Monopolisierungen treteil ganz neue Formen indu strieller Angliederuugen und Verschmelzungen auf, die die Produktion von den Rohstoffen, aus denen das Produkt ent steht und die beim Vorgang seiner Herstellung gebraucht wer den, wie Kohle und Eisen für Maschinen, in eine Hand bria« Nr. 24 fe Gleich beiC gen und damit die Stellung des Unternehmers gegenüber dem Arbeitnehmer und dem Berbraucher ungeheuer stärken. Diesen Zustand nagelt das Görlitzer Programm fest. Nun lehrt schon das Kommunistische Manifest, wie die Bourgeoisie selbst die erzeugt, die ihr den Tod bringen, die modernen Arbeiter, die den Klassenkampf der unterdrück ten Klassen gegen ihre Unterdrücker führen. Glänzend und auch heute noch zutreffend zeichnet es ihre Lage.( I. Abschnitt Abs. 30-34.) Aber überwunden ist heute die Zeit, da man, wie es im Kommunistischen Manifest geschieht, sagen fonnte, das Bürgertum gebe dem Proletariat nicht einmal die Lebensnotwendigkeiten, die ja die erste Borbedingung zur Durchführung der Ausbeutung seien, und deshalb müsse die bürgerliche Gesellschaft naturnotwendig zugrunde gehen. Seitdem hat im Kampfe der Klassen das Proletariat seine Lage gebessert. Aber gerade deshalb erfordert der Klassen fampf den Einfah der ganzen sittlichen Kräfte jedes einzelnen. Darum spricht das Görlitzer Programm vom Klassenkampf als einer„ geschichtlichen Notwendigkeit und sittlichen For derung". Schon Lassalle betont in seinem„ Arbeiterprogramm" die fittlichen Aufgaben der Arbeiter. Sie, in deren Herzfalten fein Reim einer neuen Bevorrechtung wohnt", fämpfen für die Sache der Menschheit, ihr persönliches Interesse fällt zusammen mit dem Kulturfortschritt, sie sind der Fels, auf dem die Kirche der Gegenwart gebaut werden soll", deshalb sollte der„ hohe sittliche Ernst dieses Gedankens sich mit verzehren. der Ausschließlichkeit Ihres Geistes bemächtigen". ( Schluß folgt) Recht und Wohlfahrtspflege Bon Bürgermeister Dr. Cafpari( Brandenburg a. b. 5.) A. Familienrecht Vormundschaft Bormundschaft im weiteren Sinne des Wortes bedeutet die gesetzlich geregelte Fürsorge für Personen, die aus irgend einem Grunde selbst zur Wahrnehmung ihrer Interessen nicht imstande sind, also eines Schußes bedürfen. Das Bürgerliche Recht kennt zwei Hauptarten der Vormundschaft: * Feuilleton Weihnachtszauber * Der alte Kinderglaube ift verwebt. Das harte Leben hat mit rauber band Zerstört den Schönen Traum vom Weihnachtsland Und forgt, daß er fo leicht nicht auferfteht.-Und doch: Wenn ich in diefer Märchenzeit, Foch über mir den Himmel voller Sterne, Die Schritte lenke in die Einfamkeit, Steigt wie aus weiter, weiter Märchenferne Ein heißes Sehnen wieder in mir auf Nach Kinderglück und nach vergangner Zeit. Und die Erinnerung an jene Stunde, Da ich gehangen an der Mutter Munde Und mit verhaltnem Atem ihr gelaufcht, Mich an dem Märchenbronnen hab berauscht, Wird dann in meiner Seele wieder wach. Mich packt ein Jubel wie an jenem Tag, Da ich zum eritenmal fo recht empfunden Die ganze Zaubermacht der Weihnachtszeit, Wo von dem Glanz der Kerzen überwunden Das bittre Leid der armen Kinderzeit. Und wieder fühl' ich mich unendlich reich, Geb freudig mich dem Weihnachtszauber hin Und laß mich führen in das Märchenreich, In dem ich бerricher heut und König bin. Das ist dein Zauberwerk, du Weihnachtszeit; Und ist der Kinderglaube auch verweht, Dem Sternenhimmel meiner Einsamkeit Dank ich, daß er mir wieder aufersteht. Karl Petersion. 237 1. die Vormundschaft im engeren Sinne, die nur für nicht voll geschäftsfähige Personen vorkommt, nämlich für Minderjährige und entmündigte Bolljährige; 2. die Pflegschaft, die ihrer Regel nach nur eine Fürsorge für einzelne Angelegenheiten bezweckt. Organe des Vormundschaftswesens sind: 1. das Vormundschaftsgericht. Es ist zuständig für Anordnung und allgemeine Beaufsichtigung der Vormundschaften. 2. der Gemeindewalsenrat, das Hilfsorgan des Vormundschaftsgerichts; 3. der Vormund bzw. der Pfleger. Er ist der unmittel bare Sachverwalter der Fürsorge. Das Vormundschaftsrecht ist im BGB. in den§§ 1773 bis 1921 geregelt. Das Verfahren in Vormundschaftssachen findet sich dagegen niedergelegt im Reichsgesetz über die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit vom 17. Mai 1890( abgekürzt FGG.). I. Die Vormundschaft über Minderjährige (§§ 1773 bis 1895). Ein Minderjähriger erhält in folgenden Fällen einen Bormund: a) wenn er nicht unter elterlicher Gewalt steht, b) wenn die Eltern weder in den die Person, noch in den das Vermögen betreffenden Angelegenheiten zur Vertretung der Minderjährigen berechtigt sind, c) wenn sein Familienstand nicht zu ermitteln ist( FindelLind). Für die Fälle a und b tönnen folgende Beispiele dienen: beide Eltern sind tot; beide Eltern leben, der Vater hat aber die elterliche Gewalt verwirkt, die Ehe besteht aber fort, dann erlangt die Mutter bekanntlich nicht die elterliche Gewalt ( siehe oben§§ 1680, 1684); die Mutter lebt, der Bater ist tot, die Mutter hat aber die elterliche Gewalt verwirkt ober fie hat sich wieder verheiratet. Ferner erhalten uneheliche Kinder stets einen Bormund, da der unehelichen Mutter die elterliche Gewalt nicht zusteht(§ 1707). Weiteres Beispiel: die elterliche Gewalt steht dem Vater zu, dem Vater ist jedoch die Sorge für Person und Vermögen des Kindes entzogen. Nach§ 1774 hat in den im§ 1773 genannten Fällen das Heiland im Feld Bon Friz Zielesch in Waldvogel schluchzte auf. Fern flang Hornruf. Dazwi fchen fiel ein Schuß. Der Künstler im Waffenrock hob das Haupt und lauschte dem seltsamen Dreiklang. Er nahm ihn verzückt in sein rauschendes Blut. Ein wunderliches Dämmern lag über der Welt. War es nicht narrender Alb, der ihm im Ohr faß und ohne Aufhören raunte: Es ist Krieg..? Ein graufiger Sput, daß er vermeinte, zerfetzte Menschen gesehen zu haben, Blut und Entsetzen...? Linde Kofung strich seine glühende Stirn. Er sah nicht. mehr die Waffe, die schußbereit neben ihm lag. Er sah nicht das Geflecht aus grünen Zweigen, das sein Versteck vor den Augen des Feindes verbarg. Beglänzten Antlikes folgte er nur dem längst verklungenen Atford. Der wuchs und teilte sich und gebar eine Melodie. Und die Stirn des Einsamen neigte sich selig vor einem feierlichen, wundersamen Konzert. Eine Sinfonie stieg aus dem träumenden Moos. Und der nächtige Wind rührte dunkle Saiten. Jugendlich wogen Wagnisse heran, und der Himmel steht im Glanz des großen Sehnens. Kraft treibt herauf, und die Liebe hebt die Arme weit in das All. Ein Springquell sprüht heiter im Licht und neckt den Vogelfang in die Höhe. Und schwere Rhythmen freisen fernerhin, lächeln mit dem Madonnenauge und beten um die heilige Mutterschaft. Und glühend wälzt sich das machtvolle Leitmotiv der großen Liebe durch alle Welten. Da drängen mit großen Schritten fremde Stimmen heran, krallen sich in die Reinheit und wollen den Wohlflang zerbrechen. Aber zarte Hände blühen auf, ebnen und ordnen ?Z3 «Di« Gleichheit �r.?4 vormundschaftsgericht die Normundjchast von Amis wegen anzuordnen. Das BGB. kennt also grundsätzlich nur das Bestellungsprinzip. Jedoch sind nach dem Einführungsgesetz, 8 136, landesgejetzliche Norschristen zulässig, nach denen der Vorstand staatlich verwalteter oder beaufsichtigter Er ziehungsanstalten kraft Gesetzes die Rechte des Vormundes über die verpflegten und beaufsichtigten Minderjährigen hat. Hiernach hat in Preußen gemäß Artikel 78 des Ausführungs gesetzes zum BGB. der Vorstand einer unter der Verwaltung des Staates oder einer Gemeindebehörde stehenden Er- ziehungs- und Verpflcgungsanstalt für die in der Anstalt untergebrachten Minderjährigen bis zur Volljährigkeit die Rechte und Pflichten eines Vormundes, neben dem ein Gegenvormund nicht bestellt werden darf. Mit der Auf nahme in die Anstalt endigt das Amt des bisherigen Vor mundes. Allerdings kann das Vormundschastsgericht jeder zeit einen anderen Vormund bestellen. Diese Art Vormund schaft nennt man Anstaltsvormundschast. Ferner können gemäß ortsstatutarischer Bestimmung Beamte der Gemeinde verwaltung alle oder einzelne Rechte und Pflichten eines Vormundes für die im Wege öffentlicher Armenpflege unter stützten Minderjährigen übernehmen(Gemeinde- oder Generalvormundschaft). Mit beiden Arten der Vormundschaft darf die sogenannte Berufsvormundschaft, auch Sammelvormundschaft genannt, nicht verwechselt werden. Sie hat in der Praxis die größte Bedeutung, namentlich auf dem Gebiete des Unehelichen schutzes, gewonnen. Berufsvormundschast bedeutet, daß im Einvernehmen mit dem Vormundschaftsgericht ein Beamter eines Vereins oder einer Gemeinde zum Vormund für Kinder, insbesondere für uneheliche, vorgeschlagen und be stellt wird. Dieser Berufsvormund ist nach dem gegen wärtigen Stand der Gesetzgebung praktisch Einzelvormund; er wird auch in jedem einzelnen Falle bestellt und vom Vor mundschaftsgericht beaustragt. Die Einrichtung ist aber inso fern für die Mündel besonders segensreich, weil der Berufs vormund über ganz andere Sachkenntnis und andere Hilfs mittel verfügt als der Einzclvormund. Die Einrichtung der Einzelvormundschaft hat in Deutschland, darüber sind sich heute wohl schon alle Kreise klar geworden, stark versagt. und weben eine pfingstliche Wolke, darauf die Musik der Liebe sachte entschwebt. Und aus dem Purpur jauchzender Meere bricht ein gewal tiges Schwingen, strebt machtvoll zur Höhe, türmt opalene Blöcke nebeneinander und donnert mit einem Aufschrei der Freude über die Himmel hin. Da spannt sich eine wehe, aufweinende Kurve hinein, dumpf wie ein Bruch im Eise, voll verhaltener Fülle und unwandelbar wie der Blick des ewigen Todes. Und über die berstenden Granitstufen wuchtet zermalmend die Zerstörung, rührt an allem, was war, zerreißt die per lenden Motive zum jähen Moll, erschauert, murmelt auf, röchelt und vergeht ..... Der lauschende Mensch richtet sich langsam auf. Seherisch schaute sein Blick ungeheure Bilder. Die Völker der Erde lagen auf weitem Platz zu Knie und lauschten der neuen Musik. Die schwoll vom Berge herab, auf dessen Gipfel er stand. Aber die Hänge trugen ein riesiges O'chester. Men schen ohne Zahl strichen die Instrumente, und große Orgeln ließen die Luft aufklingen. Und sein Arm wies den Takt. Und seine Seele stand hell im Brand, und die Völker wein ten ringsum. Da geschah es, daß der Soldat sein Versteck verließ, daß er wankenden Schrittes die Waldlichtung betra.», dem ernsten Himmel die Stirn bot und die Arme aufhub, als wollte er dem Orchester der Sterne das Zeichen geben, die große Musik nun zu beginnen, daß er ein Weinen hörte von All zu All, und daß die Kugel ihn traf. Ausnahmen bestätigen die Regel. Das dem Reichstag gegen wärtig zur Beratung vorliegende Jugendwohlfahrtsgesetz versucht endlich, die Berufsvormundschast, die fortan Amts vormundschaft heißen soll, zu legalisieren und sie, was be deutsam ist, unabhängig zu gestalten von der Person des jeweils die Vormundschaft Ausübenden. Ra�b Verabschiedung des Gesetzes wird wohl auch in diesen m Gelegenheit sein, über diese grundlegenden Aenderu d Neuerungen unserem Leserkreis Aufschluß zu geben. Gewisse Personen haben ein Recht auf Bestellung zum Vormund und dürfen daher in der Regel ohne ihre Zu stimmung nicht übergangen oder durch die Bestellung eines Mitvormundes beschränkt werden(Vormund kraft Be rufung). Das Nähere enthalten die ZZ 1776 bis 1778. Ist kein Berufener da, dann muß das Vormundschastsgericht nach Anhörung des Gemeindewaisenrats einen Bormmw auswählen. Dieser muß nach seinen persönlichen Verhält nissen und seiner Vermögenslage sowie nach den sonstigen Umständen zur Führung der Vormundschaft geeignet sein. Bei der Auswahl ist auf das religiöse Bekenntnis des Mündels Rücksicht zu nehmen I Geschäftsunfähige oder wegen Geistesschwäche, Verschwendung oder Trunksucht Ent mündigte können nicht zum Vormund bestellt werden (Z 1780). Beachtlich ist, daß eine Ehefrau, die nüt einem anderen als dem Vater des Mündels verheiratet ist, nicht ohne Zustimmung ihres Mannes zum Vormund bestellt werden soll(Z 1783). An sich sind also Frauen zur Ueber- nahme von Vormundschaften ebenso fähig wie Männer. Hoffentlich macht eine Gesetzesänderung mit der einschrän kenden Bestimmung des Z 1783 rocht bald Schluß. Führt eine unverheiratete Frau eine Vormundschaft und heiratet sie dann, so kann das Vormundschaftsgericht sie aus der Vormundschaft entlassen. Ein Zwang besteht hierbei aber nicht(8 1878). Dagegen muh das Vormundschaftsgericht eine verheiratete Frau, die zum Vormund bestellt ist, entlassen, wenn der Mann seine Zustimmung zur Ueber- nahme der Vormundschaft versagt oder die Zustimmung widerruft, es sei denn, daß der Mann der Vater des Mündels ist(Z 1887). Es sind dies Vorschriften, die der Gleichstellung von Mann und Frau nicht entsprechen und zu ändern sind. „Meiner lieben Mutter!"' Von Ernst Almsloh in lauter Schrei...„Wer ist da? Du. Mutter? Jetzt nicht reinkommen I Bitte, bitte!" „Ich bin doch nicht die Mutter." „Ach, du bist's bloß, Vater, was habe ich für'n Schrecken gekriegt. Ich bin doch bei der Weihnachtsarbeit für die liebe Mutter."„Was wird denn das da?" „Siehst du denn das nicht? Das werden Staublappen, hier häkele ich noch einen roten Rand herum, dann sehen sie schön aus. Heute bin ich fertig, sechs Stück schenke ich der Mutter, das ist doch genug, nicht?" „Das ist genug. Es wird aber auch Zeit, daß du fertig wirst. Morgen ist schon Weihnachten." „Die Mutter ist mit der kleinen Grete fort, wenn sie noch eine halbe Stunde fortbleibt, bin ich fertig." Glückstrahlend klatscht sie in die Hände. „Was schenkst du der lieben Mutter, Vater?" „Du weißt doch, Vater und Mutter haben sich diesen schönen Teppich geschenkt. Gefällt er dir?" „Ei, der ist wunderschön. Aber vorsichtig müssen wir sein, sagt die Mutter." „Sehr vorsichtig, besonders mit der Tinte, wenn �.u Schul arbeiten machst. Sich, der Teppich ist sehr hell, man sieht jeden kleinen Flecken dranf." „Warum habt ihr so einen hellen Teppich genommen?" „Na, du sagst doch eben, daß er wunderschön ist. Und zwei so große Mädchen wie ihr werden sich doch wohl in acht»-» Nr. 24 Die Gleich beit Der Kampf gegen den Altohol Vor einigen Monaten wurde im Reichstage von Regierungsseite mitgeteilt, daß in nächster Zeit dem Parlament ein Gefeßentwurf zur Bekämpfung des Alkohols vorgelegt werde. Damit rückt die Alkoholfrage wieder in ein aktuelleres Stadium. Es dürfte daher angebracht sein, auch in der Gleichheit" einmal darzulegen, welche gesetzlichen Maßnahmen gegen den Alkohol in anderen Ländern getroffen sind und welche Gesetze auch für uns passen würden. Darüber, daß etwas geschehen muß, bedarf es wohl feiner Auseinandersetzung; zwar sind die Alkoholschäden unter dem Druck der Verhältnisse während des Krieges weniger fühlbar geworden. Der Umstand aber, daß die Regierung den Bierbrauern ein erhöhtes Kontingent Gerste zuteilte, hat den Bieralkoholismus wieder anschwellen lassen. Nach der Veröffentlichung des statistischen Reichsamts sind im Rechnungsjahr 1920 über 6 Millionen Zentner Gerste in die Maischbottiche gewandert. In Württemberg wurden in diesem Herbst wieder trotz aller Not große Mengen von Obst gemahlen, gepreßt und der Apfelsaft der Gärung überlassen und so ein Getränk erzeugt, das so viel Alkoholgehalt hat wie ein gutes" Bier. Alles in allem werden in Deutschland für alkoholische Getränke rund 15 Milliarden Mark ausgegeben, eine Ziffer, die so ungeheuerlich ist, daß sie bei jedem, der darüber nachdenkt, den Gedanken wachrufen muß, daß hier etwas dagegen geschehen muß. Wohl bekämpfen eine Reihe von Organisationen den Alkohol seit Jahren; der Deutsche Arbeiter- Abstinentenbund hat es sich zur Aufgabe gemacht, ausschließlich unter der organisierten Arbeiterschaft aufklärend zu wirken. Er muß jedoch jetzt von weiteren Kreisen der Arbeiterschaft unterstützt werden. Wenn nun in alkoholgegnerischen Kreisen die Frage aufgeworfen wird: Können unsere Bestrebungen durch gesetz liche Maßnahmen gestützt und gefördert werden?, so ist dies zu bejahen. In anderen Kulturstaaten hat man dies schon längst eingesehen und den Handel mit geistigen Getränken wesentlichen Beschränkungen im Interesse des Volkswohls unterworfen. Am durchgreifendsten sind die Verbotsgesetze. In den Bereinigten Staaten von Amerika und in Finn239 land sind Herstellung und Handel von alkoholischen Ge tränken( nicht der Genuß derselben) verboten. Die Urteile, die man über diese jedenfalls großzügige Einrichtung bei uns zu Lande zu lesen und zu lösen bekommt, sind noch sehr geteilt. Die üblichen deutschen und sonstigen europäischen Preffeäußerungen find fast ausnahmslos auf einen unfreundlichen, herabsetzenden und lächerlich machenden Ton gestimmt. Man muß aber dabei bedenken, daß diese Nachrichten aus Quellen stammen, die vom Alkoholkapital gespeist werden. Die Wahrheit ist, daß Amerika die besten Erfahrungen mit dem Berbot gemacht hat; dies bestätigten die amerikanischen Delegierten, die am Internationalen Kongreß gegen den Alkoholismus, der in Lausanne im Oktober dieses Jahres stattfand, teilgenommen hatten. Als drastischen Beweis dafür, daß die Zahl der Verbrechen abgenommen hat, zeigte ein amerikanischer Delegierter photographische Aufnahmen von 50 amerikanischen Gefängnissen, deren Tore offen standen. Indessen was für Amerika gut ist, braucht noch nicht für Deutschland das Gegebene zu sein. Amerika hat eine Nüchternheitsbewegung, die nahezu 100 Jahre alt ist; das Volk war reif für das Berbot. In Deutschland ist das lettere nicht der Fall. Aus diesem Grunde will auch heute noch niemand unserem Lande ein Verbotsgefeß aufzwingen. Ein teilweises Berbot hat die Schweiz, das Absinthverbot. Ein Schnapsverkaufsverbot wäre jedoch auch bei uns diskutabel. Das in Belgien noch nicht lange eingeführte Branntweingesetz verbietet den Genuß von Branntwein an Ort und Stelle und belastet den Branntweinhandel mit großen Abgaben. Man kann nur beim Kaufmann Branntwein( nicht über 2 Liter) kaufen, nicht aber beim Wirt. Bon seiten der Mäßigkeitsfreunde und der Abstinenten wird eine lebhafte Propaganda entfaltet für das Ge= meindebestimmungsrecht. Die Befürworter gehen davon aus, daß der Gesetzgeber nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht hat, Schutzmaßnahmen gegen die Gefahren zu treffen, die in dem durch die Alkoholinteressenten fortdauernd genährten Alkoholismus nachgewiesenermaßen ihre Ursachen haben. Das so bedeutsame Konzessionsrecht, das bei uns in der Hand einer bureaukratischen Behörde liegt, foll nehmen? Du wirst schon zehn Jahre und die Grete bald nein, sicher siebenundzwanzigmal! fieben, ihr seid ja schon beinahe kleine Damen." " Ach du!" Ich gehe wieder an die Arbeit und eine Viertelstunde herrscht Stille im Hause. Da höre ich die Marie plötzlich mit angstvoller Stimme rufen: Bater, lieber Bater!" " Und mit tränenüberströmtem Gesicht tritt sie in mein Simmer. Was ist denn?" Ach, lieber Bater nicht, wie es fam " ich wollte ja ich weiß auch " Nun sprich doch, was ist geschehen?" " nein, sicher siebenundzwanzigmal!- hat sie seit gestern uns angefleht, mich Großen und die beiden Kleinen: nehmt euch in acht! der erste, der den Teppich einschmutzt, der kriegt es mit mir zu tun. Kind, Kind, wie konntest du mur!". Erregt schüttele ich sie am Arm. ,, Was wird die liebe Mutter sagen, wenn sie nach Hause tommt. Sie ist noch einkaufen gegangen, für morgen, sie will dir noch eine Weihnachtsfreude machen. Und mittlerweile machst du folche Sachen!" Marie kann nicht antworten. Sie weint nur und schluchzt in sich hinein. ,, Was wolltest du denn überhaupt mit der Tinte? Ich Unter Schluchzen stottert Grete: Die Tinte ist der Federhalter ist mir aus der Hand denke, du machst Weihnachtsarbeiten für die Mutter!" gefallen-"„ Auf den Teppich?" Das jammervolle Gesicht und die dicen Tränen sprechen deutlicher als Worte. Ich springe auf und eile in das Wohnzimmer. Mit einem Blick sehe ich die Bescherung. Der Federhalter hat nicht nur da deutliche Spuren hinterlassen, wo er einige Sekunden, in denen sich Marie erst von ihrem Schrecken erholen mußte, gelegen hatte; während des eleganten Schwunges aus Maries Hand hatte er auch schnell noch einigen anderen Stellen des Teppichs etwas von seinem schwarzen Segen abgegeben. Ungefähr ein Dutzend verschieden großer bläulich- schwarzer Buntte zieren anmutig den Teppich. Und natürlich gerade in feinen hellsten Bartien. Mir steigt denn doch das Blut zu Kopfe. Gerade seit gestern liegt der Teppich, und die Mutter hat eine so große Freude daran gehabt. Und wenigstens zehnmal- zehnmal? " Ich war fertig mit dem letzten Staublappen und da und da habe ich die die sechs zusammen. gepackt und ein rotes gewickelt Bändchen drum und " „ Na, was dann? Dazu brauchst du doch keine Tinte--" Mein Blick fällt auf einen kleinen Zettel auf dem Tisch. Mit sauberer Schrift hat Marie darauf geschrieben: ,, Meiner lieben Mutter!" Es steigt mir etwas die Kehle hoch und ich wende mich schnell ab. Wie muß es in der Seele des Kindes aussehen! Aus der herzlichsten findlichen Freude über das gelungene Werk und über die erstaunten Augen, die die Mutter morgen abend machen wird, hat sie ein widriges Geschick in bitterste Sorge und Trauer geworfen. 240 Die Gleichbeit den Gemeindemitgliedern als ein neues Recht übertragen werden. Den männlichen und weiblichen Mitgliedern einer Gemeinde wird danach das Recht zugestanden, durch allgemeine periodisch wiederkehrende Abstimmungen selbst zu entscheiden, ob für ihr Wohngebiet der Ausschant geistiger Getränke einzuschränken oder ganz zu verbieten ist. Zur Gültig keit des Beschlusses ist die Zustimmung von drei Fünfteln der Abstimmenden erforderlich. Die Erfahrungen, die man mit diesem Gesetz in anderen Ländern( Dänemart, Schottland usw.) gemacht hat, sind recht günstig. Der Alkoholismus wird durch das Verbot des Alkoholhandels tatsächlich wesentlich gemindert; Kriminalität, Armenlasten, Krankheits- und Sterblichkeitsziffern nehmen ab. Für das Gemeindebestimmungsrecht einzutreten ist unbedingte Pflicht jeder Frau. Ein in Schweden eingeführtes Gefeß, das sogenannte Gothenburger System, hat auch eine Zeitlang bei uns viel von sich reden gemacht, ist aber durch das vorerwähnte Gesetz ganz in den Hintergrund gedrängt worden. Der Grundsatz dieses Systems besteht darin, daß die Konzession für den Alkoholausschant nur an Gesellschaften erteilt wird, welche sich verpflichten, den Gewinn zu gemeinnützigen Zwecken an die Behörden abzuliefern. Die Verkäufer verlieren durch dieses System das Interesse an der Steigerung des Ausschanks. In Schweden sind jedoch seinerzeit Mißbräuche festgestellt worden, wodurch das Gesetz sehr diskreditiert wurde. Zweifellos wird es aber im Reichstage bei der Debatte über den Entwurf von anderer Seite empfohlen werden. Es gibt natürlich noch eine Reihe von Bestimmungen auf dem Gebiete der Schankgesetzgebung, die dahin zielen, den Alkoholverbrauch einzuschränken. So ist in manchen Staaten die Konzession an hohe Patentgebühren geknüpft. In anderen Ländern werden nur so viele Wirt schaften gebilligt, als dem Bedürfnis entsprechen. Schwe. den hat seit einiger Zeit auch die Branntweinkarte, einen Bezugsausweis ähnlich unserer Brotkarte, nach welcher Ar mengenössige und Trinker vom Branntweinbezug ausgeschlossen werden können. Es ließe sich noch eine Reihe von Bestimmungen und Reformvorschlägen anführen, ich will es jedoch bei den bisher Mein Unmut ist verflogen, sanft streiche ich ihr über das Haar. ..Vielleicht gehen die Flecken noch wieder fort." Nr. 24 genannten bewenden lassen. Der Zweck meiner Zeilen ist, ble Genofsinnen mit der Materie etwas vertraut zu machen und damit ihr Interesse an den kommenden Verhandlungen im Reichstag zu erhöhen. Wir sind in unserer Eigenschaft als Frauen und Mütter in erster Linie an diesen Fragen inter essiert und ich möchte deshalb empfehlen, sich an den Frauen. abenden näher damit zu befassen. In fast allen größeren Städten existieren Ortsgruppen des Arbeiter- Abstinenten bundes, die gern bereit sind, den Genofsinnen einen Refe renten für dieses Thema zu stellen. Auch die Geschäftsstelle des Bundes in Berlin SD. 16, Engelufer Nr. 29, gibt gern jede gewünschte Auskunft. Die Kirchen brauchen neue Glocken. In letzter Zeit, besonders in den Sommermonaten, waren in den Zeitungen häufig Anzeigen zu finden, in denen zum Besuche von Versammlungen aufgefordert wurde, deren Reinertrag zur Anschaffung neuer Glocken bestimmt war. Solche Veranstaltung ist wie eine richtige rheinische Kirmes, mit Schaubuden, Karussels, Verlosungen, Jurbuden usw. usw. In den großen Tanzzelten werden alle modernen Tänze getanzt. Die Besucher haben Gelegenheit, recht viel Geld auszugeben, und die Veranstalter( der Pfarrer ist meist die Hauptperson dabei) sind mit dem Ergebnis immer recht zu frieden. So wurde von einem solchen Glockenbazar, der in einem fleinen Orte in der Nähe von Bonn stattfand, be richtet, daß er einen Reinertrag von über 130 000 mt. ge habt habe. Allgemein predigt man ja in den Kirchen gegen Tanzwut und Bergnügungstaumel. Aber der 3meck helligt die Mittel, und in folchem Falle drückt man ein Auge zu. Gewiß ist nichts dagegen einzuwenden, wenn die Kirchen gemeinden die Glocken, die sie im Kriege abgeben mußten, ersetzen wollen. Könnte man damit aber nicht warten, bis bessere Verhältnisse eingetreten sind und das Geld für andere Zwecke verwenden? Staat und Kommunen wissen nicht, woher die Mittel nehmen, um all den armen, kranken und unterernährten Menschen helfen zu können. Tausende von der Tuberkulose Befallene gehen langsam einem sicheren Ende entgegen, weil ihnen alles das fehlt, wodurch die Bücherschau In der vorigen Nummer haben wir bereits auf Ottilie Durch bice Tränen hindurch bricht, leise und schüchtern ein Baaders Buch:„ Ein steiniger Weg", Vorwärts- Dietz- Berlag, Strahl der Hoffnung. ") Aus dem Buche Aus meinen vier Pfählen", Verlag Kaden u. Co., Dresden. Schneeflocken Berlin, aufmerksam gemacht. Es kostet, in schönem Geschenk einband gebunden, einzeln 16 Mt. Durch die Parteiorganisationen bezogen tritt eine wesentliche Ermäßigung ein, und zwar bei Bestellung von 10 Exemplaren auf je 12 Mt., bei 25 Exemplaren auf je 10 Mt. Bestellungen können auch an Frau Marie Juchacz, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, gesandt werden. In einer der nächsten Nummern werden wir die ihm zukommende ausführliche Be Schneeflocken tanzen, tanzen, ohne zu ruhen, immerzu. sprechung folgen lassen. Ich wollte, ich dürfte eine kleine Schneeflocke sein, die mit den Geschwistern den schönsten Reigen tanzt, nach einer Musik, die kein menschliches Ohr zu vernehmen vermag. Tanzen möchte ich, so wie die Schneeflocken, die in weißen Schleiern dahinschweben, die ihnen kleine Engel auf die Schultern legten. Einen herrlichen Reigen, ganz leise und zart auf den leichtesten Sohlen tanzen sie. Und lange währt ihr Tanz. Ein ganzes Leben lang, bis zum Sterben, Bersinken. Der Schneeflocken Tanz ist immer schön, ihre Gewänder fint immer rein. Aus den Wolfen herab tommen sie, und langsam und feierlich tanzen sie in der Luft. Und auf der Erde vollendet sich ihr Leben. Jung und rein, wie sie vom Himmel kommen, sterben sie, froh und glücklich, wenn sie der Sonne ins Auge schauen durften. Dann sterben sie vor über. großer Freude, in Erfüllung höchster Sehnsucht, und eine blinkende Träne ist alles, was von ihnen bleibt. Kleine, feine, zarte Schneeflocke! Maria Steinfeld. Bugleich weisen wir nochmals auf den von Wilhelmine Kähler herausgegebenen Frauen- Hausschah" hin. Wir hatten in Nr. 18/19 der„ Gleichheit" Näheres über das Buch und seinen Inhalt mitgeteilt. Es ist bei Auer u. Co. in Hamburg erschienen und kostet 8 Mt. durch die Buchhandlungen, 6 Mr. durch die Dr ganisationen bezogen. Auch dieses Frauen- Jahrbuch wird als Ge schent sehr willkommen sein.* Der Zentralbildungsausschus gibt unter dem Titel:„ Gute und billige Jugendbücher, einen Ratgeber fürs Arbeiterhaus", ein Ber zeichnis empfehlenswerter Jugendschriften heraus. Das Verzeich nis ist von einer Kommiffion der Arbeitsgemeinschaft sozialdemo kratischer Lehrer und Lehrerinnen, Ortsgruppe Berlin, bearbeitet worden und bringt eine kleine Auswahl der besten Kinder- und Jugendschriften. Der Wert der Arbeit liegt darin, daß jedes ein zelne Buch nach Sinn und Inhalt kurz charakterisiert ist, so ba den Arbeitereltern die Auswahl der Bücher erleichtert wird. Das Verzeichnis ist zum Preise von 1,15 Mt.( einschließlich Porto) gegen schuß der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands( R. Weimann)) Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, zu beziehen. Nr. 24 Die Gleichheit 241 Krankheit zum Stillstand gebracht und überwunden werden kann. Die Wohnungsnot ist trotz der Müde, die sich die Gemeinden geben, entsetzlich. Wie können Kinder gesund an Leib lnÄ> Seele heranwachsen, wenn sie in Löchern Hausen? Lor nicht langer Zeit fand ich eine Familie, in der vier Kin der einen kleinen fensterlosen Raum als Schlafraum be nutzten. Wieviel Kindern mag in diesem Winter wanne Kleidung und Wäsche, ja selbst das Hemd aus dem Leibe fehlen? Brot, Kartosseln. Brennstoff und die andern not wendigsten Lebensmittel sind unerschwinglich teuer geworden und manche Mutter fleht mit bangen Augen den kommenden Monaten entgegen. Die Not, besonders die Kindernot, ist riesengroß. Mir ist oft, als ob Tausende schmaler, blasier Kinderhändchen sich ausstreckten, bittend und zugleich an klagend. Wenn Jesus, der große Kinderfreund, unter uns sein würde, er wollte ganz bestimmt zuerst alle hungernden und darbenden Kinder versorgt wissen, ehe er in Kirchen »eue Glocken aufhängen ließe. Die Not ist riesengroß.— ober die Kirchen brauchen neu« Glocken, die mit Hellem, frohem Klang die Gläubigen ins Gotteshaus rufen, wo von der Kanzel über die Allmacht. Güte und Liebe Gottes gepredigt wird. Oder sollen die neuen Glocken die abtrünnig Gewordenen, die oft unter schweren inneren Kämpfen sich von der Kirche losgemacht haben, zurückrufen? Ja. die Kirchen brauchen neue Glocken... E. deBeauregard. Eine Mahnung Ziehe deine Schuhe aus. denn der Ort, da d» stehest, ist heilige« Land. Ein Mahnwort an die Jugend soll die» sein, Fragen des Ge schlechtlichen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Ueber das Geschlechtliche holt man sich nicht nüchtern« Belehrung wie über Manch anderes Problem— hier müssen wir fühlen, daß wir an den hellsprudelnden Quell der Erneuerung des Sein» geführt sind. Und das erfordert von uns Ehrfurcht vor dem großen Ge schehen in der Natur, der wir eigentlich nie näher kommen, als wenn wir sie bei ihren lebenspendenden Schöpsertaten belauschen. Bei Mensch. Tier und Pflanze, die alle nur ein Stückchen Natur, «in Glied in der gewaltigen Kette de« Alls sind, beobachten wir Werden und Vergehen, Schöpfung des neuen Sieghaften und Ver- »ichtung deo Veralteten. In diesem unendlichen und erhabenen Kreislauf de» Lebens ist »er Zeitabschnitt Jugend vielleicht der wunderbarste. Der jung« Mensch ist nicht mehr Kiitd, er ist aber auch noch nicht der er füllende Mensch. Das Kind in ihm nimmt Abschied, der voll kommene Mensch verkündet sich. Eine tiefe Wandlung der körpcr- sichen, geistigen und seelischen Kräfte vollzieht sich. Es drängt und gärt in dem jungen Menschen, der zuweilen beseeligt dem werden- »en Neuen seines Ichs lauscht. Diese Wandlung findet wohl ihren deutlichsten und natürlichsten Ausdruck in der geschlechtlichen Reifung, die alle gesunden Men schen etwa um das lZ. oder 14. Lebensjahr(die einen früher, die anderen später) erfahren. Das Ist nichts Unreines, nicht» Un- »otürliches, das da ins Leben der Jugend trittl Das ist ein ernstes Naturgcschehen am menschlichen Körper. Es ist ein Bor- gang, dessen sich kein junger Mensch, ob Bursche oder Mädchen, »u schämen braucht, und den niemand denen zu verheimlichen hätte, die sonst sein Vertrauen genießen. Jugendl Die Zeiten dieser Reifung sind für dein ganzes Leben von höchster Bedeutung, und so du in diesen Tagen mit deuiem Innern allein« nicht fertig wirst oder quälend« Zweifel hegst, so suche einen erfahrenen Menschen, dem du dich ganz anvertrauen kannst. Spreche ganz offen, von reinen Absichten gedrängt, mit der Mutter, dem Bater. einem älteren Freunde, einer durch Lebenserfahrimg gefestigten Frermdin, oder einem dir menschlich nahen Lehrer. Sie werden dir Auskunft geben, werden dich be ruhigen, und du wirst fortab die natürliche»«orgänge an deinem »rdlähenden Körper vorurteilsfrei und ganz ohne geHelme Furcht bettachten. Aber verschließe dich auf keinen Fall den Menschen, wenn deines Körper» Wandlung dein Jnuenleben in unbegründet« Aufregung bringt! llnd noch ein mahnende» Wort: Die geschlechtlich« Fcage ist im »eben de, einzelnen wie der Gattung von so hoher Wichtigkeit, daß man sie nicht nur im Borbeigehen streift oder sie gar mit schalen.Witzeleien" abzutun»ersucht, sondern sich gründlich mit ihr auseinanderfetzt. Darum vor allem: Nicht gleichgültig seint Ehrlich und mit reinen Absichten sich Wissen aneignen wallen, das sei die Losung. So und nicht anders sind die geschlechtlichen Beziehungen der Menschen zueinander höherzustellen, und so auch nur wird die Zahl der Unglücklichen abnehmen, die am Gejchiecht- lichen zugrunde gehen. Jugend, in diesem Sinne sei Neuerer! Dann wirst du der natürlichen Erhabenheit des Geschlechtlichen gerecht. Hans Hackma ck.') Arbeitet in der Genossenschaftsbewegung mit! Während der Tagung de» Internationalen Genossenschasts- kongresses in Basel, über den in Nr. 22 der.Gl." berichtet wurde, fand auch eine besondere internationale Konserenz der genossen schaftlich organisierten Frauen Patt. Sieben Länder waren mit insgesamt 40 Frauen vertreten, Deutschland aber hatte nicht eine einzige Frau entsandt. Zweifellos ist nicht ein geringeres Interesse der deutschen Frauen an der Gencssen- schastsbeweguau die Ursache, der Mangel an gcnoffenschaftli.) or ganisierten Frauen in Deutschland ist mehr auf rein äußerlich» Hindernisse zurückzuführen. Obwohl die Frau der ausübend« Teil innerhalb der genossen schaftlichen Mitgliedersamilie ist, lautet die formelle Mitgliedschaft meist aus den Namen des Mannes.— Dieser Umstand bewirk� daß die Frau weder Stimmrecht in den Eeneraloersammlungen usw. besitzt, noch irgendwelche Funktionen übernehmen kann.-- Wie oft habe ich es schon«riebt, daß man in einer Versammlung von der Wohl einer durchaus geeigneten Genossin zum Genossen» schastsrat usw. absehen mußte, weil sie nicht eingeschriebene» Mit glied war. Es wäre sehr zu wünschen, daß die Frau mit der» selben Selbstverständlichkeit, mit de: sie heute Mitglied der po litischen Partei und Gewerkschaft wird, auch die Mitgliedschaft des der Cenossenschast erwerben würde. In England sind in der Regel beide Ehegatten Mitglied der Genossenschaft, die daraus nicht nur materiellen, sondern auch großen ideellen Nutzen gezogen hat. Die doppelte Zahlung des Geschäftsanteils wird mancher Frau die persönlich« Mitgliedschaft erschweren, doch könnte man hie» von selten der Genossenschaften Erleichterungen bei der Ein zahlung gewähren, abgesehen davon, daß bei Verallgemeinerung der doppelten Mitgliedschaft die einzelnen Geschäftsanteil« über haupt niedriger bemessen werden könnten. Solange diese Bor aussetzungen fehlen, möchte ich einen anderen Borschlag unter breiten. Di« außerordentliche Bedeutung der in den Genossen schaften begründeten wirtschaftlichen Macht wird heute von keinem denkenden Ardeiter mehr oerkannt. Mancher Genossenschaft r ist jedoch von seiner politischen oder gewerkschaftlichen Organ: tlon so in Anspruch genommen, daß ihm die Zeit fehlt, sich gen>en- schaftlich zu betätigen. In diesem Fall sollte die Frau, wenn c? ihr finanziell nicht möglich ist, selbst Mitglied zu werden, die Mit gliedschaft ihres Mannes bei der Genossenschaft auf sich übertragen lassen. Diese Uebrrtragung kann jederzeit und ohne Zeit- und Kostenaufwand bewerkstelligt werden. Die Senossenschafts- bewegung würde dadurch ein» Anzahl Frauen gewinnen, die ihr« Arbeitstrast als Senossenschaftsrat, Aufsichtsrat oder Dorstonds- Mitglied in den Dienst der Genossenschaften stellen könnten. Wi» haben bereits Beispiel« für die erfolgreiche Tätigkeit der Frau l« den Berwaltungsorganen der Genossenschaften. Ich nenn« nur Helma Steinbach, die als Aufsichtsratsmitglied bei der„Produktion" in Hamburg wirkte. Frau Professor Staudinger, die dem Lorstand de» Darmstädter Konsumverein» angehört«. Frau Gertrud David, die Bersasserin der Broschüre:„Was bietet der Konsumverein der Arbeiterfrau?", welch« in der Verwaltung des Mainzer Konsum vereins wirkte. St» zählen aber bis jetzt leider zu den Aus nahmen. Die in Basel anwesenden Deleglertinnen erbrachten den Nach weis, daß in den meisten Ländern bereits eine recht rege Mit arbeit der Frauen auf diesem Gebiete vorhanden ist. Dies müssen deursche Frauen aus dem nächsten internationalen Kongreß gleich falls von unserer Bewegung berichten können. Elsa Rupprecht. ") Aus dem sehr guten kleinen Büchlein von Hans Hackmack, .Arbeiterjugend und sexuelle Frage". Verlag»» »enossenschast.Freiheit". Berlin. Preis 2�0 Wk. 242 Dt« Gleichheit Nr. 24 Soziale Nundschau Unbedingte Zahlung einer Versorgungsbeihilfe an Soldaten- wltwen. Bei der Beratung de» Reichstagsausschusse, für soziale Ange- legenheiten wurde bei der Abstimmung ein Antrag unserer Frat- tion angenommen, nach welchem auch den Witwen von Militär personen. die nicht infolge einer Dtenstbeschädigung starben, unbe dingt eine Witwenbeihilfe gezahlt werden soll, ohne bah. wie bis her, ein« Nachprüfung der Bedürftigkeit erfolgt. � AuS unserer Bewegung � Wie können wir die Frauenbewegung aus dem Lande straffer organisieren? __ Die Mitteilungen für den Bezirk Nordwest bringen die folgen den beachtenswerten Ausführungen: Jeder Ortsverein muß zur Führung der weiblichen Mitglieder eine Vertrauenspsrson zu gewinnen suchen, die an allen Vorstands und Funktionärsitzungen teilzunehmen hat, um die Ansichten und Wünsche der Frauen zu äußern und zu vertreten. Ihr« Aufgab« ist es, sich auf allen Gebieten Mitarbeiterinnen zu suchen, ins besondere für die Werbearbeit unter den Frauen. In allen Be trieben, wo Frauen beschäftigt sind, ist eine sozialdemokratische Vertrauensperson zu bestimmen und zu allen Angelegenheiten der Frauenbewegung wie der Partei heranzuziehen. Alle Vertrauens personen müssen stets mit gutem und reichlichem Agitatlons- material versehen sein, auch alle Drucksachen müssen diesen weib- licheir Vertrauenspersonen zugestellt werden. Die größeren Orts- oereine und Kreisvorstände haben diese Vertrauenspersonen zur Wahl eines Orts- und Kreiswerbeausschusscs(fünf bis sieben Per sonen) zusammenzuberufen. Der Werbeausschnß der weiblichen Mltg'ieder muß auch im Kreisvorstand vertreten sein. Er hat die besondere Ausgabe, die Werbearbeit unter den Frauen zu leiten, dem Vorstand geeignete Vorschläge zu mache», Material der Gegner zu sammeln und an die Unterbezirkssekretäre, die Parteipress« oder an den Bezirksvorstand zu schicken. Um erfolgreiche Arbelt zu sichern, muß tunlichst mit dem Bildungsausschuß zusammen gearbeitet werden. Die Unterbezirk« haben einen Ausschuß für Agitation und Aufklärung unter den Frauen zu bilden, zusammen gesetzt aus den Delegierten der obengenannten Werbeansschiisse. Jedes Unternehmen hat im Einverständnis mit den zuständigen Verständen zu erfolgen. Die Ausschüsse- der Unterbezirke stehen dem Unterbezirksoorstand zur Seite und arbeiten im Einvernehmen mit dem Bezirkssekretariat. Gelingt so der Aufbau, dann ist die Echte gfertigkeit bei politischen Aktionen gesichert. � Ella Wierzbitzki. Magdeburg-Anhalt. Die Frauenagitation hat auch im Sommer halbjahr in unserem Bezirtsoerbande rege Fortschritte gemacht. Beide Zweige, sowohl die politische Agitation, als auch die öffentliche Wohlfahrtspflege haben steigende Aufmerk samkeit der Parteigenossinnen gefunden. Im Frühjahr wurde der Agitation für die„Gleichheit" besondere Aufmerksam- tett entgegengebracht und es war uns möglich, die Zahl aller Be zieher in unserem Bezlrksverband bis auf fast lügt) zu steigern. Eine gutbesucht« Bezirks-Frauenkonferenz fand im Juli in Magdeburg statt. Im schönen Stadtoervrdnetensitzungsjaal waren fast 1W Frauen aus über 3l> Orten des Bezirks versammelt, um im Beisein der Genossin guchacz alle Fragen, die unsere Frauen interessieren, zu besprechen. Auch verschieden« Unter- beztrks-Frauenkonserenzen wurden durchgeführt, die sich recht vorteilhaft auwirkten. Die Anteilnahme der Frauen fand rege Beachtung durch die Partei, so daß der Bezirksverband die Anstellung einer Frauensekretärin zum Winter beschloß. Wir hoffen, daß die in so reichem Maß« ausgestreute Aussaat bl« zum Frühjahr so viel Früchte zeigen wird, daß dann ein erste» abgerundete» Bild für dte Zeit nach dem Kriege gegeben werden kann. K. Voigt. Kinderzulagen und Unlechaltsbetiräge für unehelich« Kinder. Lastet zurzeit die Sorg« um die Unterhaltung der Kinder schwer auf allen Eltern der minderbemittelten Kreise, so ist sie bei den Unehelichen Müttern geradezu ins Ungeheuerliche gesteigert wor den. Selbst dt« unehelichen Mütter, die bisher unter Hergab« ihrer letzten Kraft mit stolzem Heroismus für ihr« Kinder sorgten, während sich die„tapferen" Bäter ihren Verpflichtungen entziehen oder sie nur unzureichend oder zwangsweise erfüllen, sind mehr nnd mehr gezwungen, die öffentlichen Behörden zur Unterhaltung ihrer Kinder in Anspruch zu nehmen. Getreten und gezeichnet als uneheliche Mutter, lastet die Sorge zermalmend auf vielen. S» kommen sie zu den Berufsvormündern, Wohlfahrts- und Jugend« ämtern und entrollen Bilder härtester Not. Die Pflegesätze In den Heimen und in den Familien steigen immer mehr: schon ist es sehr schwer, überhaupt noch private Pflcgestellen zu finden, viel« Heime wurden unter dem Druck der Finanznot geschlossen. Wa» bleibt den unehelichen Müttern anders übrig, als immer höher« Pflegesätze zu zahlen, oder in stärkerem Maß« Anträge bei den öffentlichen Behörden zu stellen? Und mit diesem Gang sind alle die peinlichen Verhöre verbunden, rollt sich noch einmal all der Jammer auf, der in den meisten Fällen mit dem Insleben- treten eines„Unehelichen" verbunden ist. Selbst in den Aemiern, in denen mitfühlende Männer und Frauen tätig sind, die schonend und mitempfindend die rechtlichen Verhältnisse feststellen und auf klären, ist es für die uneheliche Mutter hart, wieviel mehr noch dort, wo die Aemter nicht mit sozialem Geist erfüllt sind! Und das alles muß die Mutter in der Sorge um ihr Kind ertragen, während der Vater sich aufs bequemste seiner Unterhaltspflicht entziehen kann. Sieht schon unser geltendes Recht die Möglich keit der„Einrede" vor, von der viel Gebrauch gemacht wird, ganz gleich, ob damit die uneheliche Mutter für Immer geschändet wird. so erleichtern die M ü n n e r gerichte auch»och den erfaßten Vätern ihre Verpflichtungen. Denn ander» sind die in letzter Zeit gefäll ten Entscheidungen zahlreicher Gerichte, im besonderen auch di« de» Kammergerichts, nicht zu bezeichnen. Wenn heute noch Urteil« ergehen, nach denen die Väter 80 bis ISO Mk. monatliche Unter haltsbeiträge zahlen sollen und dabei betont wird, daß mit diese« Beträgen die Kinder unterhalten werden können, so spricht daraus eine Weltfremdheit den tatsächlichen Verhältnissen gegenüber, di« nicht mehr überboten werden kann. Schon der tägliche Bedarf an Milch erfordert diese Summe. Womit sollen die übriger» Nahrungsmittel, Wäsche, Bettchen und Unterkunft bestritten wer den? Selbst in den mittleren Städten sind unter 200 bis 250 Mk. monatlich Pflegesiellen nicht mehr zu erlangen. Zu niedrig» Unterhaltsbeiträge seitens der Väter bedeuten daher erhöhte An spannung der Mütter und der össentlichen Fürsorgestellen. Nur» sind aber in den Besolduiigsordnungen des Reichs, des Staate» und der Gemeinden, auch in vielen Tarifen für Angestellte und Arbeiter, die unterhaltsbcrechtigten unehelichen Kinder den ehe lichen in bezug auf Gewährung von Kinderzulagen gleichgestellt. Und diese Kinderzulagen übersteigen fast in allen Fällen die von den Gerichten zuerkannten höchsten Pflegesätze, so daß sich die Tat sache ergibt, daß uneheliche Bäter einen direkten wirischaftliche« Vorteil von ihren Kindcm haben. Sie beziehen Kinderzulagca bis zu 300 Mk. und bezahlen höchstens bis 150 Mk. monatlich. Es spricht nicht für die Moral des stärkeren Geschlechts, daß di« meisten diesen Ueberschuß unbedenklich in die Tasche stecken, wäh rend die Mutter darbt und sorgt und zur Armenverwaltung gehe» muß. Wir begrüßen es daher, daß die„Arbeitsgemeinschaft der kreis freie» Städte Westfalens" an die zuständigen Ministerien ein« Eingabe gerichtet hat, die auf die schweren Schäden hinweist untz Abhilfe fordert.— Wir lassen die Eingabe im Wortlaut folgert. Sie lautet: Arbeitsgemeinschaft der... den 15. Nov. 192 t. kreisfreien Städte Westfalens. Lln das Reichslnstlzmintsterinm, „„ preußische Justizministerium. „„ Ministerium für Aoliswohlfahrt in Berlin. Die Besoldungsordnungen des Reichs, der Staates und de« Gemeinden sehen auch für uneheliche Kinder die Gewährung von Kinderzulagen aus dem Anstellungsverhältnis ihres Erzeu ger» vor. Das Vormundschaftsgericht soll die Stelle bezeichnen, an di« sie gezahlt werden sollen.— II. C. bedarf es einer einheitlichen näheren Regelung, uM zu verhüten, daß mit dieser Bestimmung in der Praxis die Dinge auf den Kops gestellt werden.— Man muß davon ausgehen, daß i» der Regel die unehelichen Kinder nicht im Haushalte des Erzeugers erzogen werden, sondern sich in der Familie der Mutter oder in Pflegesiellen befinden. Di« von den Gerichten den Kindern jetzt als Unterhalt zuerkannten Renten bewegen sich— bei der engherzigen Auffassung der l Gericht«(Kammergerlchtl)— zwischen 100 bis 150 Mk. wonad, ss Wohlfahrtspflege Z Nr. 24 Die Gleich beit lich. Die Kinderzulagen übersteigen in allen Fällen den höchsten zuerfannten Pflegefah, so daß ein solcher Erzeuger nicht mehr belastet ist. In den Fällen, in denen die Anstellungsbehörde die Rinderzulagen unmittelbar an den Beamten zahlt, kommt es Dor, daß dem Erzeuger bei Erfüllung seiner Unterhaltspflicht Jogar noch ein leberschuß verbleibt. Nachdem auch ähnliche Bestimmungen in die Arbeiterlohntarife mehr und mehr auf genommen werden, erscheint es geboten, von den Zentralstellen Richtlinien zur einheitlichen Behandlung derartiger Fälle zu ver langen. Das Bestreben der Praktiker in der Wohlfahrtspflege geht da. hin, die Einrede der erl. pl. zu beseitigen und so die gesamten Schwängerer( als Schuldige!) zu den Lasten der Allgemeinheit Dorwiegend beitragen zu laffen. Augenblicklich ist im Hinblick auf viele uneheliche Kinder ein Zustand geschaffen worden, der Be Allgemeinheit als einzige Trägerin der Kosten des Unter. halts eines Kindes selbst dann bestimmt, wenn dafür schon ein Leistungsfähiger Einzelner entsprechend verpflichtet ist und nach bem bürgerlichen Recht als in erster Linie verpflichtet angesehen werden muß. Wir halten folgende Grundfäße bei der näheren Regelung für notwendig: 1. Das uneheliche Rind soll grundfäßlich in bezug auf die Kinderbeihilfe den ehelichen gleichgestellt bleiben. 2. Die Kinderbeihilfen find ausnahmslos den Bormündern zu überweisen, die über ihre zweckmäßige Berwendung dem Bormundschaftsgericht alljährlich Rechnung zu legen haben. 8. Es muß ferner grundfäßlich daran festgehalten werden, daß der Erzeuger neben der ihm für das uneheliche Kind zu Große Weihnachtsfreude erzielen Sie für wenig Geld beim Gebrauch von Pfefferkuchen- Backpulver ,, Rabenmarke 66 Prels pro mit allen Gewürzen, Honiggeschmack und Triebkraft. Zur spielend leichten Selbstherstellung von Pfefferkuchen. MiBlingen ausgeschlossen. Beutel 1,- Mark. Ueberall erhältlich, wo nicht, wende man sich direkt an die Firma Eldor Francke, Berlin S 16. Wallstraße 66 Fernsprecher: Moritzplatz 8784 Nasen- u. Gesichtsröte, rote Hände beseitigt, blütenzarter Teint, weiße, glatte Haut werden in kürz. Zeit erreicht durch mein, altbew. unübertroff. Krem ,, Pura". Sommersprossen, Mitesser, Pickel, Runzeln und Fältchen verschwinden. Rote und großporige Haut wird schnell beseitigt. 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Es ist leider notwendig geworden, den Preis für die Gleich helt" um 5 Pf. für die Nummer zu erhöhen. Die kleine Erhöhung war bei der Erhöhung der Druckfoften nicht mehr zu umgehen. Ab 1. Januar 1922 foftet unsere Zeitschrift affo pro Exemplar 0,55 Mt., pro Monat 1,10 Mr., pro Quarta! 3,30 Mr. Die Redaktion. Verantwortlich für die Redattion: Frau Kiara Bohm- Schuch. Druck: Vorwärts Buchdruckeret. Berlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. Bu sämtlich in Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Teilzahlung Uhren, Wecker, Regulatore, Gold-, Silber, Lederwaren, Schirme, Koffer, Leiterwagen, Rasier-, Rauchartikel. Kämme, Musikinstramen: 9, Sprechapparate. Photo- Spezialliste. Katalog 1500 Abbild. kostenlos. Jonass& Co., Berlin A. 574 Belle- Alliance- Strasse 7-10 Interessiert Sie die ArbeiterGesundheitsBibliothek, dann verlangen Sie Verzeichnis der Hefte von Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW.68, Lindenstr. 2 Sind Lungenleiden heilbar! Bel Afthma, Lungen- u. 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