ENTRE GES Nr. 1 DEUTSCHL OTH 32. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Berlin Die Gleichheit erscheint 2 mal im Monat Preis: Vierteljährlich 3, Marl Inserate: Die 5 gespaltene Ronpareillezeile 3,- r. und 30% tariflichen Seuerungszuschlag, bei Wiederholungen Rabatt 1. Januar 1922 Die Frau und ihr Haus Zuschriften flab zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin GW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morinplay 14838 Expedition: Berlin SW 68, Vindenstraße 3 06. Dem Proletariat zum neuen Jahre! Noch breitet ihre dunklen Schwingen Die Nacht auf alle Gaffen aus; Des Jahres erste Glocken Elingen, Fin Grüßen acht von Haus zu Haus! Verjinken soll, www, mach und trübe. Gefunden soll, wes elend war Viel fromme Wünsche bringt die Liebe, Vie! frischen Mut die Hoffnung dar. Doch alles Wünschen, alles Hoffen Jft machtlos wider eure Not; Der Zukunft Tore stehen offen: Sie deckt den Tisch euch ohne Brot. Sie füllt mit Wermut euch den Becher Und höhnt der Armut bittres Leid, Das nach dem Rechte, nach dem Rächer, Dem neuen Jahr entgegenschreit! Das neue Jahr bringt keine Wende, Wenn ihr nicht selbst die Helfer seid: In euren Fänsten schläft das Ende, In eurera Hirn die neue Zeit! Fwacht aus dumpfen Sehnsuchtsträumen, Euch ruft der Tag- an ruft die Tat Schon schwillt der Lenzt eieb an den Bäumen, Und unter Schreiajt grünt die Saat! Das neue Jahr bringt feine Wende, Kein Ruf erreicht ein gnädig Ohr: Auf Bruderrecht und Segenspende Vertraut der hoffnungsfrohe Tor. Nu wer sich regt, dem wird es glücken, Die Freiheit hat, wer sie sich schafft Erhebt das Haupt: auf eurem Rüfen Trasi the oye Welt! Ihr seid die Kraft! Klara Müller- Jahnke. 106. Unsere Arbeit im neuen Jahre Bon Clara Bohm- Schuch Ein hartes Jahr geht zu Ende; ein neues beginnt, das faum leichter fein wird für die arbeitende Menschheit. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt und das ist gut so. Aber gut ist es auch und notwendig dazu, an geleisteter Arbeit und ihrem Erfolg zu messen, was uns zu tun übrig blieb und wie wir etwas besser machen können, um erfolg reicher zu wirken. Gilt dies ganz allgemein für die Betätigung im privaten und öffentlichen Leben, so gilt es im besonderen für uns alle als Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei. Nachdem die Novemberrevolution alle Beschränkungen des Koalitions rechtes beseitigt hatte, erhielten die freien Gewerkschaften einen ungeheuren Juffrom neuer Mitglieder; ein Beweis dafür, daß die Notwendigkeit der gemeinsamen Bertretung wirtschaftlicher Interessen durch starte Organisationen in weitesten Streisen erfannt war. In dem gleichen Tempo ging es mit der politischen Organisierung nicht; die Spaltung innerhalb der Sozialdemokratie tat ihr Teil dazu. Immerhin fonnte unsere Partei einen starten Zuwachs verzeichnen. Nicht alle blieben bei uns, die von den Wogen der Revolution in unsere Kampfgemeinschaft getragen wurden, nicht ale wurden Sozialdemotraten, die damals als Mitglieder zu uns famen. Es setzte ein egen unb conmen ein, aber der Bleibenden waren mehr, so daß unsere Bartel ständig wuchs. Auf die Dauer aber leider nur an männlichen Mitgliedern; die Zahl der bei uns organisierten Frauen ift in den letzten zwei Jahren um 30 000 zurückgegangen. GeWenn auch kaum anzunehmen ist, daß diefe Frauen sich anderen Organisationen zugewendet haben, so muß der Rückgang doch im Zusammenhang mit dem Ausgang sämt licher Wahlen, die in diesem Zeitraum stattfanden und die insgesamt eine Schwächung der sozialistischen Parteien bedeuteten, sehr bedenklich stimmen. Die Frauen sind als Wählerinnen, da sie zahlenmäßig das llebergewicht haben, ausschlaggebend geworden für die Entwicklung der deutschen Republit. Bielleicht sogar für das Bestehen derselben. Für unsere Partei aber bedeutet ihre unsere Partei aber winnung und Erziehung zu überzeugten Sozialistinnen eine Lebensnotwendigfeit. Die wirtschaftliche Notlage, in der sich ein großer Teil der Arbeiterschaft befindet, erklärt gewiß zu einem Teil den Rückgang der weiblichen Mitglieder, besonders da, wo es sich um Frauen von organisierten Genoffen handelt. muß leider im Arbeiteshaushalt überall gespart werden, und wenn die Frau fein eigenes Einkommen hat, ist sie megr noch geneigt, die persönlichen Ausgaben auf das Mindestmaß einzuschränken. Andererseits ist durch Anerkennung 2 ie Gleich beit dieser Tatsache festgestellt, daß es uns nicht gelungen ist, einen größeren Teil selbständig erwerbender Frauen und Mädchen zu organisieren. Die Gewinnung unserer männlichen Mitglieder vollzieht sich zu einem großen Teil an der Arbeitsstätte, und dies ist auch sicher für die Erfassung der arbeitenden Frauen der geeignetste Boden. Diese Arbeit kann aber zu einem großen Teil nur von den männlichen Berufskollegen geleistet werden. Leider ist die Spaltung der politischen Arbeiterparteien auch hier ein großes Hindernis. Wir werden aber auch mehr auf die Mittel zurückgreifen müssen, durch deren Anwendung wir als Partei groß geworden sind. Die Haus agitation, die Aussprache von Mund zu Mund in einfachster Form muß wieder geübt werden. Das ist keine Arbeit, die hinausklingt in die Welt. Sie ist schwer, aber wertvoll; sie trägt ihren Gegen in sich. Ausgeübt kann sie allerdings nur werden von über zeugten Sozialisten und Sozialistinnen. Auch beim Flugblattverteilen, beim Einladen zu unseren Zusammenfünften kommt es so sehr darauf an, von wem es geschieht und daß ein Wort dabei gesprochen wird. Durch die Revolution ist unsere Stellung zum Staat eine völlig veränderte geworden. Wir haben als Partei und als Person die Verpflichtung, an der Entwicklung der deutschen Republit mitzuarbeiten. Dazu bedarf es eines Aufwandes an Kräften, die oft in den einzelnen Bezirken in demenot. wendigen Umfange nicht vorhanden sind. Die vorhandenen werben überlastet und darunter felbe, naturgemäß die Werbearbeit für unsere Partei auch. Für die Frauen trifft dies wieder in besonderem Maße zu. Beste find notwendig für die Durchführung dergefeggeberischen Arbeiten, ganz besonders für die Mitarbeit in den Ge meindevertretungen, aber verhältnismäßig wenige nur sind vorhanden, die das können und die Zeit haben, sich dieser Arbeit zu widmen. Eng zusammen mit der kommunal politischen Betätigung der Frauen hängt die Arbeit auf dem gesamten Gebiete der Wohlfahrts pflege. Deshalb sah der Parteivorstand sich vor zwei Jahren veranlaßt, den Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt ins Leben zu rufen, der in Unterausschürfen über de aanze Reich verzweigt ist. Es ist zweifellos, báß die meisten Frauen die Wohlfahrtsaufgaben mit startem Interesse erfüllen. Auch deshalb, weil sie ihnen begrifflich näher liegen ats Wirtschaftsfragen und Politit. Damit ist aber gleichzeitig die Gefahr erhunden den Aufgaben der Wohl fahrtspflege die Wichtigkeit der politischen Arbeit vergessen wird. Da es sich häufig aber auch um denselben Personen kreis handelt, tritt eine Ueberlastung der einzelnen Persön lichkeit ein, die sich nach irgendeiner Seite auswirken muß. Und Leidtragende ist hierbei fast immer die politische Organisation. Um diesen Uebelstand zu heben, ist es not wendig, die Arbeit zu teilen und für beide Ge biete neue Kräfte heranzubilden. Ueber die Notwendigkeit der wohlfahrtspflegerischen Arbeit gibt es wohl keine Meinungsverschiedenheiten in unserer Partei. Aber es muß auch vollkommene Klarheit darüber herrschen, daß die Voraussetzung für die Möglichkeit dieser Be tätigung eine Beeinflussung der Gesetzgebung in unserem Sinne ist, und dafür wiederum ist Voraussetzung, daß wir in den gefeßgebenden Körperschaften wirklich als ausschlaggebende Macht vertreten sind. Das heißt: wir haben zuerst dafür zu sorgen, daß immer größere Massen von der Richtigkeit dersozialistischen Politifüberzeugt werden und bei den Wahlen den sozialistischen Parteien ihre Stimme geben. Dieses Ziel werden wir aber nicht erreichen durch starte Agitation in der Wahlzeit, sondern nur durch ganz systematische Arbeit zur Gewinnung und Schulung neuer Parteigenossen und-genoffinnen. Die politisch Organisierten müssen der Sauerteig für die große Masse der politisch noch Mr. 1 nicht Reifen sein. Zu diesen Massen gehören vor allen Dingen auch die Jugendlichen, und es ist notwendig, daß die Frauen in der Mitarbeit in der Jugendbewegung wieder wie früher eine ihrer Hauptaufgaben erblicken. B 27 Das beste Schulungsmittel für die neugewonnenen Genossinnen ist unsere Gleichheit". Wenn auch die Leserzahl im verflossenen Jahre stark gestiegen ist, so ist doch weitere unermüdliche Werbearbeit für unser Blatt notwendig im Interesse unserer Partei. Genossinnen, wir alle müssen versuchen, im neuen Jahre den Verlust an weiblichen Mitgliedern wieder auszugleichen. Der Rückgang ist eine ernste Mahnung, daß unsere Arbeit anders als bisher der Partei gelten muß. Wir müssen durch die Partei der gesamten Politit, deren Auswirkungen wir im täglichen Leben alle fühlen, den Weg weisen, den wir gehen wollen! Den Weg zum Sozialismus! Amsterdam Zweck der vom Internationalen Gewerkschaftsbund nach Amsterdam einberufenen internationalen Konferenz war, über die Aktion der Arbeiterorganisationen zugunsten des Friedens zu beraten und zu proflamieren, daß die organi sierte Arbeiterschaft in den Kampf gegen Krieg un Mili tarismus ein Hauptziel ihrer Ation ochlit Die internationale Gemoraftsbewegung erachte. als ihre Pflicht, ihre zu verschiedenen Zeiten wiederholt gegebenen Ertlärungen in verstärkter Form wieder zunehmen und zu verkünden, daß sie ihre Ziele mur zu wirklichen vermag durch die Aufrechterhaltung des Friedens, durch eine Verständigung der Völker, durch die Unter drückung aller Ursachen der internationalen Konflikte. Die auf der Konferenz vertretenen internationalen Be rufsorganisationen haben die vom Internationalen Gewerk schaftsbund, in Angriff genommene Altion gebilligt, und er Plärt, daß sie es als eines der wesentlichsten proletarischen Kampfziele und als ihre Pflicht gegenüber der gesamten Arbeitertiasse betrachten, durch eine gemeinsame, systematische Aktion die Herstellung und den Transport von Kriegsmaterial oder von sonstigem Material, das zur Fortführung der Kriege unerläßlich ist, zu verhindern und sich 3u meigern, dem Kriege neue Nahrung zuzuführen. Zur Jelben Stunde, wo die Vertreter der Regierungen fich in Washington versammelten, wollten die Arbeiterorganisationen dem Willen und Entschluß der Arbeiter Ausdruck geben, alles ins Werk zu setzen, um mit der Ziel segung eines dauernden Friedens die allgemeine Abrüstung herbetzuführen, die auch nach dem Weltkriege von den Staaten nicht verwirklicht wurde. Die internationale Konferenz in Amsterdam hat den Ar beitern aller Länder in Erinnerung gebracht, daß es ihre Pflicht ist, den Kampf aufzunehmen gegen Militarismus und Wettrüsten, und ihre Bemühungen ständig darauf gerichtet sein müssen, von den Regierungen die Beseitigung der Militärlasten und Einstellung der Kriegsvorbereitungen zu fordern, die allüberall auf die erschöpften Bölker drücken, gleichzeitig das Wert des Wiederaufbaues verhindern und ein Hindernis für den Fortschritt wie eine Bedrohung für den Weltfrieden bilden. Mit Rücksicht auf den Umstand, daß die private Kriegsindustrie eine der hauptsächlichsten Ursachen des Rüftungsfiebers ist; daß dergestalt das Einvernehmen zwischen den Böifern abhängig ist von privaten Interessen; daß sie dem Rapitalismus eine der fürchterlichsten Handhaben bietet, um Leben und Sicherheit der Völker zu bedrohen, ist es Pflicht und Schuldigkeit der organisierten Arbeiter aller Länder, die Unterdrückung der privaten Waffen- und Munitions fabrikation sowie jeglicher Kriegsmaterialfabrikation überhaupt zu fordern. Die Arbeiterorganisationen erwarten die Durchführung Nr. 1 Die Gleich beit dieser ersten Maßnahme und werden danach die Aufrichtig keit der Friedensversicherungen der Regierungen zu beurteilen haben. Die organisierten Arbeiter werden sich alle während des Krieges und nach dem Waffenstillstand gemachten Bersprechungen in Erinnerung rufen, um deren Verwirklichung zu fordern und für ihre Durchsetzung bereit zu sein. Zur Erreichung dieser Ziele muß das organisierte Proletariat von allen Formen des Kampfes Gebrauch machen. Die Amsterdamer Konferenz wünscht schließlich angesichts der Washingtoner Regierungskonferenz feierlichst fest zustellen, daß die Werktätigen aller Länder den Frieden wollen, und die internationale Gewerkschaftsbewegung für die Erhaltung des Friedens kämpfen wird unter der Lojung:„ Krieg dem Kriege! Keinen Mann und keinen Groschen für den Militarismus! Keine Arbeit mehr für das Werk des Mordens!". Leon Jouhaug. Der nächste Krieg Es scheint, daß die Menschheit in der Tat unbelehrbar ist. Noch lange haben wir uns von den Schrecken des Krieges nicht erholt, da kommen schon Nachrichten von allen Seiten, daß die Menschen darüber sinnen, wie sie einen nächsten Krieg noch grauenvoller, noch schreckensreicher gestalten fönnten. Lida Gustava Heymann schreibt einen Artikel in der„ Frau im Staat", in dem sie ein Buch bespricht von Will Irwin:„ The next war"( Der nächste Krieg), erschienen bei E. P. Dulton in New York. Dort heißt es Seite 37: Zur Zeit des Waffenstillstandes wurde bei uns für den Frühlingsfeldzug 1919 unser Lewifitgas hergestellt. Es ist dies ein sinkendes, unsichtbares Gas, welches die Flüchtlinge aus den Kellern und Gräbern heraustreibt; wer es einatmet, stirbt sofort. Aber es tötet nicht nur durch Einatmen; wenn es mit der Haut in Berührung fommt, dringt es in den Körper ein, durchdringt den Organismus und führt den Tod herbei; es zerstört alle lebenden tierischen und vegetabilischen Zellen. Es gibt feine Schutzmaßnahmen, die diesem Gift standhalten. An Ausdehnungsfähigkeit übertrifft es die im Weltkrieg angewandten Gase um das 55fache. Ein Dugend Lewisitgasbomben sollen bei günstigem Winde genügen, die Bevölkerung Berlins zu vernichten. Der Waffenstillstand kam, aber die Gaswissenschaftler forschten weiter." Will Irwin scheint aber durchaus nicht vereinzelt mit seinen Prophezeiungen dazustehen. In dem genannten Artikel von Lida Gustava Heymann wird Edwin C. Hill zitiert, der im New York Herald" schreibt:" Im letzten Kriege erfüllten große Kanonen von der Nordsee bis zu den Alpen die Ohren der Krieger mit höllischem Lärm. Der nächste Krieg wird sich in Todesstille abspielen, durchbrochen nur von dem Aechzen und Schreien Blinder und Berbrannter. Kriege der Bergangenheit waren Konflikte zwischen Artillerie und Ingenieuren, plumpe Duelle mit plumpen Werkzeugen, nicht sehr verschieden von denen, die Napoleon, Grant und Moltke benutzten. Kriege der Zukunft werden unausdenkbar Schauerliche Rämpfe sein, geführt von ältlichen und mittelalten bebrillten Männern, im Laboratorium sizzend, über Kriegsheere, Schlachtflotten und große, hilflose Städte Miasmen des Todes ausstreuend, die nicht nur den Körper zerstören, sondern den Geist zermürben durch Furcht und starre Angst vor dem geheimnisvollen Unbekannten. Miasmen von flüchtigem, tödlichem Gift, Gift, welches wie Regen aus den Wolken fällt, wörtlich genommen ein Regen des Todes: Gift, welches sich wie Sumpffieber über weite Ebenen verbreitet; Gift, welches aus Höhen mittels Luftdrucks verstohlen, geräuschlos fich entlädt und sich zunt Meister der Welt macht. Das bedeutet der chemische Krieg der Zukunft, und der menschliche Geist ist vorläufig noch nicht fähig, sich die Schrecken auszumalen, die er auslöfen wird. Große Städte, durch Ozeane von ihren 3 Feinden getrennt, ruhig in vermeintlicher Sicherheit, werden nachts aus dem Schlaf geschreckt werden durch unsichtbare, hoch im dunklen Nebel freisende Giftschiffe, die Tod und Berderben, bringen. Die mächtigsten Festungen, die Menschenwerf jemals geschaffen hat, werden unter dem Regen in sich zusammenfallen. Armeen werden vernichtet, nicht länger Armeen sein, sondern Massen von blinden, schmerzzerstampften menschlichen Wesen, unfähig sich zu rühren, unfähig zu denken. In all den Tausenden von Jahren, wo die Menschen aus Gier, Eigensucht oder Eifersucht gesonnen haben, andere Menschen zu vernichten, kam nichts Entfehlicheres in der Kriegführung zur Anwendung als diese Giftgase. Die Möglichkeiten dieser Waffen sind grenzenlos. Von den den Menschen bekannten 220 000 Chemikalien sind erst 5 Prozent für die Giftgasexperimente versucht worden. Diese 5 Prozent im Weltkrieg angewandt, schufen Berluftlisten, wie die Welt sie noch nie erlebt hat." Senator Robert M. La Follette foll im amerikanischen Senat alle Einzelheiten des grauenvollen Gasgiftkrieges dargelegt und hinzugefügt haben, daß die Menschheit sich endlich darüber klar werden müsse, was es bedeute, daß die eifrigsten wissenschaftlichen Forschungen nach diesem Weltkriege darauf gerichtet seien, Werkzeuge der Zerstörung zu erfinnen. Er soll seine Rede mit den Worten geschlossen haben:„ Die Welt ist so brutalisiert, daß eine an der Spitze der Zivilisation marschierende Nation diejenigen mit Preifen und goldenen Medaillen belohnt und auszeichnet, welche die besten Methoden ersinnen, Menschen und Eigentum zu vernichten. Das, was vorgeht, ist so teuflisch, daß die ganze Welt revoltieren muß, wenn sie erst begriffen hat, worum es sich handelt. Gegen diesen Wahnsinn gibt es nur ein Mittel: Kriege müssen aufhören. Diese Erkenntnis muß allen Parlamentariern und Regierungen endlich kommen. Diejenige Nation aber beweist den größten Mut und wird an der Spize stehen, die bereit ist, die Wege zu weisen, die zum ständigen Frieden führen." Dies ist in fnappem Ausschnitt ein Teil der Tatsachen. Es flingt wie wüste Aberteurerromantik. Aber wir haben es schon gelernt, daß die Wirklichkeit selbst die größte Phantasie übertrifft. Und deswegen gilt es, nicht müßig zuzusehen. Wir müssen die Berufenen mobil machen, genaue Informationen zu sammeln, zu prüfen und dann zu handeln. Besonders aber scheint es eine Aufgabe der Frauen zu sein, hier nicht ein Unheil sich verbreiten zu lassen und zu warten, bis es zu spät geworden ist. Die Frauen müssen einen besonders starken Protest einlegen gegen den Plan einer so finnlosen Vernichtung menschlichen Lebens. Grete Fantl. Verbesserung der Reichswochenhilfe Auf Beranlassung unserer Fraktion ist im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags die Frage zur Sprache gekommen, wie die Leistungen der Wochenhilfe der jezigen Teuerung einigermaßen angepaßt werden könnten. Ganz besonders steht der unerhört hohe Milchpreis in gar feinem Verhältnis zu dem Mindest- Stillgeid von 1,50 Mr. täglich. Aus diesem Grunde hatte unsere Fraktion den Antrag eingebracht, das Mindest- Stillgeld auf den Betrag für einen Liter Milch täglich zu erhöhen, die unabhängige Fraktion stellte daraufhin eine Reihe weitergehender Anträge, die wir größtenteils mit unterstützten. Obgleich von feiner Seite die Berechtigung der verschiedenen Anträge angezweifelt wurde, hatten doch die Einwände der Regierung, die teils im Hinblick auf die technischen Schwierigkeiten, ganz besonders aber in finanzieller Hinsicht erhoben wurden, zur Folge, daß die Anträge abgelehnt wurden. Nach längeren Verhandlungen kamen dann aber doch noch 4 D i e G l zwei immerhin wertvolle Derbesserungen zur Annahme, und zwar: 1. Erhöhung des Stillgeldes. Das Stillgeld beträgt in Zukunft: «) für die krankenversichcrte Wöchnerin die Hälfte des Krankengeldes, mindestens-l.öv Mk.(bisher 1,50) täglich: 1>) für Frauen, Töchter usw. von Versicherten sowie e) für minderbemittelte Wöchnerinnen 4,50 Mk.(bisher 1.50) täglich. 2. Erhöhung der Einkommensgrenze für minderbemittelte Wöchnerinnen. Diese Ein- kommensgrenze betrug bisher 10 000 Mk. und ist jetzt auf 15 000 Mk. erhöht worden. Dadurch wird erfreulicher weise eine Reihe der Aermsten der Armen, die ein ganz kleines Einkommen haben, aber nicht versichert sind, in Zu kunft von der Wochenhilfe nicht mehr ausgeschlossen sein. Nur wird die Zustimmung des Reichsrats noch erforder lich sein, die hoffentlich bis zum Erscheinen dieser Zeitung bereits erfolgt sein wird. Ausdrücklich ist sowohl seitens der Regicrungsvertreter wie auch seitens der Gesetzgeber aus gesprochen worden, daß diese Verbesserungen auch für solche Fälle maßgebend sein sollen, die von dem Tage der Ver- kündung eintreten, für die aber an diesem Tage noch Lei stungen fällig sind, und zwar für die nach dem Tage der Ber- küirdung noch zu zahlenden Beträge. Louise Schroeder. Neue sozialpolitische Gesehentwürfe Von Etil Rad, ke In den vergangenen Wochen sind verschiedene neue sozialpolitische Gesetze beraten worden, die sämtlich von größter Wichtigkeit für die arbeitende Bevölkerung sind. Es soll hier in aller Kürze einiges von den in Frage stehenden Neuerungen gesagt werden. Im Vorläufigen Neichswirtschastsrat ist der Entwurf eines Gesetzes über die Arbeitszeit gewerblicher Ar- heiter behandelt worden. Dem Entwurf liegen die seitens der Internationalen Arbeiterorganisation des Völkerbundes in Washing- ton getrosscnen Bestimmungen zugrunde. Das Washingtoner Ueber- cinkommen sieht die Einjührung des A ch t st u n d e n t a g s bzw. der ä8-Stundenwoche in gewerblichen Unternehmungen vor. Der deutsche Gesetzentwurf erfaßt aber nur die Arbeitszeit der gewerblichen A r- b e i t e r, anstatt der in gewerblichen Betrieben. Dadurch sind die kaufmännischen und Burcauangestellten der Betriebe ausgenom men. Es soll für letztere ein besonderer Gesetzentwurf ausgearbeitet werden. Warum man diese Trennung vorgenommen hat, ist nicht recht klar. Es wäre entschieden nützlicher gewesen, die Angestellten mit in die Bestimmungen einzubeziehcn. Des weiteren werden Landarbeiter und chausgehilsen von dem Gesetz nicht betroffen, ebenso die Verkehrsbetriebe, wie Eisenbahnen, Kleinbahnen, Straßenbahnen, Wasserstraßen sowie andere, dem allgemeinen Ver kehr dienende Verkehrsmittel und die an der Post- und Telegraphen- vcrwaltung Beschäftigten. Auch die Familienangehörigen des Unter nehmers, die im Betriebe beschäftigt werden, sind nicht mit ein geschlossen. Der Gesetzentwurf bezieht sich nur auf Arbeiter, Werk meister und auch Techniker. Die Vorschriften über Sonntagsruhe werden von dem Entwurf nicht berührt, ebenso die Urlaubsfrage nicht. Der Gesetzentwurf findet allgemeinen Widerspruch bei den Ar beitnehmern, weil er deren Wunsch nach einer einheitlichen Re gelung der Arbeitszeit für olle Arbeitnehmer nicht entspricht. In dieser allgemeinen einheitlichen Regelung der Arbeitszeit sieht die Arbeiter- und Angcstelltenschaft die Gewähr für die Innehaltung des Achtstundentages, für dessen Erhaltung sie mit allen Kräften sich einsetzen wird. Der Achtstundentag, eines der hauptsächlichen Errungenschaften der Revolution, ist in Gefahr. Die Unternehmer haben keinen sehnlicheren Wunsch, als ihn jetzt nach und nach wieder zu beseitigen. Man versucht ihn unter Anführung aller möglicher Gründe zu durchlöchern und hofft nach einiger Zeit ihn für immer erledigt zu haben. Eine große Gefahr bilden hier die Ueberfchichten, die sich von der Ausnahme zur Regel auszuwachsen drohen. Auch in der bürgerlichen Presse liest man ständig Klage lieder über den Achtstundentag und die Aufforderung, die Arbeiter i csi b e i t???. s zu„Mehrleistungen" zu veranlassen. Der neue Gesetzentwurf tritt diesen Wünschen der Unternehmer nun nicht etwa energisch entgegen, nein, er begünstigt sie sogar, indem er in einer großen Reihe von Ausnahmefällen die Durchbrechung der sechstägigcn -l8-Stundenwoche zuläßt Es sind zwölf Punkte vorgesehen für Fälle, in denen ein Abweichen von der Regel gestattet ist. Diese zwölf Punkte bedürfen der sorgfältigsten Nachprüfung und er heblicher Einschränkung. Wir dürfen uns nicht darin täuschen, daß bei Inkrafttreten des Gesetzes in dieser Form die Ausnahm« die Regel und der Achtstundentag die Ausnahme werden wird. Auch die Nachtarbeit jugendlicher Arbeiter über 1k Jahre in Eisen- und Stahlwerken, Glashütten, Papierfabriken und Rohzuckcr- fabriken ist nach diesem Gesetzentwurf ohne weiteres gestattet, eben so die Nachtarbeit für Arbeiterinnen in Tewcrbezweigcn, in denen diese„zur Verhütung des Verderbens von Rohstoffen oder des Mißlingens von Arbeitserzeugnissen dringend erforderlich ist". Kann hier noch von einem Schutz der Arbeitnehmer gegenüber der Ausbeutung durch das Unternehmertum, den wir von einem Gesetz verlangen, die Rede sein? Die Jugendlichen sind sehr schlecht weggekommen. Für Ke hat nach dem Entwurf die Arbeitswoche einschließlich der Unterrichtszeit in der Pflichtfortbildungsschule 54 Stunden! Die Arbeiter müssen durch ihre Vertreter m den Parlamenten und in den Gewerkschaften dafür sorgen, daß dieser Gesetzentwurf gründlich revidiert wird Weiter wird im Reichswirtschaftsrat seit langem die neue Schlich tungsordnung beraten. Es Hot sich nun jedoch gezeigt, daß eine Einigung zwischen den Vertretern der Unternehmer und der Arbeiter nicht zu erzielen war. Die Unternehmer lehnten die Zustimmung zu dem bisherigen Gesetzentwurf ab, weil er ihnen nicht scharf genug war, die Arbeiter dagegen, weil sie ihn trotz der vorgenommenen Verbesserungen nicht akzeptieren konnten. Von feiten der den freien Gewerkschaften angehörenden Ausschußmit glieder wurde eine Erklärung folgenden Wortlauts abgegeben: „Die den freien Gewerkschaften angehörenden Ausschußmitglieder erblicken in der vom Sozialpolitischen Ausschuß angenommenen Fassung des Z 55 der Schlichtungsocdnunz ein« unerträglich« Ein schränkung des Streitrechts. Die Arbeitnehmervertreter sehen sich deshalb gezwungen, dem vom Sozialpolitischen Ausschuß be schlossenen Gesetzentwurf einer Schlichtungsordnung ihre Zu stimmung versagen zu müssen." Dieser Gesetzentwurf muh also auch weitgehende Aenderungen erfahren, wenn er überhaupt dirkutabel sein soll. Die so wichtige Frage der Arbeitslosenversicherung behandelt ein Rcferentencntwurf zu einem Gesetz über eine vor läufige Arbeitslosenversicherung, der in Nr. 24 des„Reichsarbcitsblatts" veröffentlicht worden ist. Die Veratungen mit den Vertretern der Arbeitgeber-, Arbeiter- und Angestellten verbände sind darüber noch nicht abgeschlossen. Es handelt sich hier nur um eine„vorläufige" Regelung, so daß wahrscheinlich mit einem späteren weitergehenden Ausbau dieser Versicherung zu rechnen ist. Der Entwurf sieht die Uebertragung der Arbeit dieser neuen Versicherung auf die Krankentassen und die Arbeitsnachweise vor. Die Krankenkossen sollen die Bei träge einziehen, die Arbeitsnachweise die Unterstützungen aus zahlen. Die Hohe der Beiträge ist noch nicht festgelegt. Ein Wköpfiger Rcichstagsausschuß soll sich mit dieser Frage im Ein vernehmen mit dem Rcichsarbeitsminister befassen. Die einge gangenen Beiträge werden von den Krankenkassen an eine zu be zeichnende amtliche Stelle abgeführt, die dann den einzelnen Ge meinden die Gelder für die Arbeitslosenunterstützung und die Arbeitsvermittlung überweist. Die Gemeinden haben dabei ein Drittel der Kosten des Arbeitsnachweises selbst zu tragen. Im übrigen soll das Reich schwachen Landcskassen Zuschüsse gewähren. Versichert werden diejenigen Arbeitnehmer, die zur Krankenversicherung verpflichtet sind. Die Arbeitslosenversicherung gewährleistet in der Hauptsache Ar beitslosenunterstützung, Versorgung Arbeits- loser für den Krankheitsfall und Kurzarbeiter- unterstützung. Der Entwurf sieht noch eine ganze Reihe Be stimmungen vor, wann und warum die Unterstützung entzogen oder verweigert werden kann. Ein Anspruch auf Arbeitslosen unterstützung kann erst dann gemacht werden, wenn der Versicherte in den 24 Monaten vor Eintritt der Arbeitslosigkeit während 2S Wochen Beiträge gezahlt hat. Nach 2Swöchiger Untefttützung ist der Anspruch erloschen. Der Versicherte muß wieder weitete Nr. 1 ie Gle. ch beit 26 Wochen Beiträge zahlen und hat dann Anspruch auf neue Unter stügung. Es wäre gewiß richtiger gewesen, die bisherige Erwerbslosenunterstützung, die noch auf die Demobilmachungsbestimmungen zurückzuführen ist, so lange aufrechtzuerhalten, bis die Wartezeit der Versicherten für die neue Arbeitslosenversicherung erfüllt ist. Nach dem Gesetzentwurf soll mit dem Lage des Infi afttretens des neuen Gesetzes die bisherige Berordnung über Erwerbslosenfürsorge außer Kraft treten. Dadurch wird ein Zeitraum geschaffen, der ohne Unterstüßung ist. Da das natürlich nicht geht, sollen UnterStügungen zunächst ohne die Erfüllung der sonst nötigen Wartezeit geleistet werden. Besonders hervorgehoben wird noch in dem Entwurf, daß die Leistungen aus diesem Gefeß nicht als öffentliche Unterftigung angesehen werden dürfen, was selbstverständlich auf keinen Fall angängig wäre. Es handelt sich ja hier um eine Form von Versicherung, zu der neben der Beteiligung des Reichs, der Länder und der Gemeinden sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer selbst je die Hälfte der Beiträge zu zahlen haben. Der Reichstag verabschiedete fürzlich ein Rotgesetz für die Invalidenrentner unter der Bezeichnung„ Gesez über Notstandsmaßnahmen zur Unterstügung von Rentenempfängern aus der Invaliden- und Angestelltenversicherung". Das Neue an diesem Gesetz ist, daß die barin bestimmten Unterstützungen seitens der Gemeinden nur bei Bedürftigkeit und auf Antrag zu gewähren sind. Die Unterfügung ist so zu bemessen, daß das Gesamtjahreseinkommen des Empfängers einer Invaliden- oder Altersrente den Betrag von 3000 Mt., einer Witwen- oder Witmerrente den Betrag von 2100 Mt., einer Waisenrente den Betrag von 1200 mt. erreicht. Sind Kinder unter 15 Jahren da, so wird das Mindestgesamteinfommen für die ersten drei Kinder um je 500 mt., für die weiteren Kinder um je 600 mt. erhöht. Elternlose, von den Rentenempfängern unterhaltene Enfel gelten ebenso wie Kinder. Ein Arbeitsverbienft des Rentenempfängers bis zum Betrage von 2000 Mt. wird nicht angerechnet, desgleichen nicht Bezüge aus öffentlichen oder privaten Unterstüßungseinrichtungen bis zur Höhe von 600 mt. Witwenrenten empfänger erhalten aber nur dann die Unterstützung, wenn sie im Sinne des Invalidenversicherungsgefezes invalid sind. Die Anträge auf Gewährung der Fürsorge find an die Gemeinde zu stellen. Die Kosten werden zu acht Zehnteln vom Reich und zu zwei Zehnteln von den Gemeinden getragen. Das neue Gefeß tritt mit Wirkung vom 1. Oftober 1921 in * Feuilleton Welt und Jch Im großen ungeheuren Ozeane * Willit du, der Tropfen, dich in dich verfchließen? So wirft du nie zur Perl' zufammenfchießen, Wie dich auch Fluten Ichütteln und Orkane! Mein! öffne deine inneríten Ozeane Und mische dich in Leiden und Genießen Mit allen Strömen, die vorüberfließen; Dann dienst du dir und dienít dem höchften Plane. Und fürchte nicht, fo in die Welt verfunken, Dich felbft und dein Ureignes zu verlieren: Der Weg zu dir führt eben durch das Ganze! Erit wenn du kühn von jedem Wein getrunken, Wirft du die Kraft im tiefiten Innern spüren, Die jedem Sturm zu steh'n vermag im Tanze! Friedr. Debbel. Mutter! nd wieder denke ich dein. Vor mir wächst deine lichtumfloffene Gestalt in die falte, dunkle Nacht hinein. Mutter! Deine Gestalt, die schon so früh gebeugt war, dein Haupt, dessen braunes Haar silbrige Fäden dicht durchzogen. Und ich sehe dein von Gram und Sorgen zerschnittenes Antlig, in das Not und Qual ihre ewigen Runen gezeichnet, 5 Kraft, doch sind gegenwärtig die Ausführungsbestimmungen noch nicht erlassen. Es ist also nötig, daß sich jeder, der als bedürftig gilt, durch Antrag um die Unterstützung bemüht. Ferner hat der Reichstag einer Erhöhung der Beamtengehälter zugestimmt. Die Reichsbesoldungsreform war schon lange nötig, doch ist sie nun in einer Form vorgenommen worden, die den schärfsten Widerspruch herausfordert. Während die höheren Beamten mit Rücksicht auf ihre gesellschaftlichen Verpflichtungen" in den Genuß einer ganz enormen Aufbesserung fonimen, müssen sich die kleineren Beamten, Angestellten und Arbeiter mit gänzlich unzureichenden Aufschlägen begnügen. Die Spannung zwischen den großen und kleinen Gehältern ist völlig unsozial und muß in kürzester Zeit ausgeglichen werden. Die gewerkschaftlichen Spitzenorganisationen haben der Reichsregierung bereits eine Dentschrift überreicht, in welcher eine Alenderung der Grundgehälter gefordert wird, derart, daß die Abstände zwischen den unteren und mittleren gegenüber den oberen vermindert werden. Recht und Wohlfahrtspflege Von Bürgermeister Dr. Cafpari( Brandenburg a. d. H.) A. Familienrecht A. Vormundschaft ( Forthegung) Nach§ 1785 BGB. hat jeder Deutsche die Vormundschaft, für die er von dem Vormundschaftsgericht ausgewählt wird, zu übernehmen. Seine Verpflichtung erfolgt durch das Vormundschaftsgericht zu treuer und gewissenhafter Führung der Vormundschaft. Sie geschieht mittelst Handschlages an Eidesstatt(§ 1789). Der Vormund erhält eine Bestallung, die den Namen und die Zeit der Geburt des Mündels, die Namen des Vormundes, gegebenenfalls des Gegenvormundes und der Mitvormünder sowie im Falle der Teilung der Vormundschaft die Art der Teilung enthalten(§ 1791). Wer die Uebernahme der Vormundschaft ohne Grund ablehnt, ist, wenn ihm ein Verschulden zur Last fällt, für den Schaden verantwortlich, der dem Mündel dadurch entsteht, daß sich die Bestellung des Vormundes verzögert(§ 1787). Das Vormundschaftsgericht fann auch den zum Vormund Ausgewählten durch Ordnungsstrafen zur Uebernahme der Vormundschaft. welche wie ausgetretene Fahrstraßen sind, die dennoch einst zu blütenhellen Stunden führen sollten. Und deine Sternaugen, Funken vom strahlenstirnigen Nachthimmel zum Schmuck deines Menschen heruntergeholt, in denen so übergroße Liebe veranfert war. Ein geheimnisvolles Glühen ging von ihnen aus. Ja, deine Augen. So rätseltief, so wie dunkelschattiger Abendhimmel, so nichtsagenwollend, was tief in dir erbebte, fo, als verbargen sie das Wissen um das Letzte, welches nur einer Mutter gebührt. Mitunter, wenn die Kraft der Sonnenstrahlen auch deinen mühseligen Werkgang trafen, dann war es immer, als wenn Licht aus tiefen, tiefen Schächten hervorbrechen wollte. In der letzten Zeit wurdest du immer trauriger, Mutter. Qualvolles Leid, schwarzes Gebirgsnachtdunkel legte sich wie Schatten auf dein Gemüt und bange, bange Furcht floß wie tanzende gelbe Lichtlein aus deinen Augen. Die Sorgen um das tägliche Brot und das Aengstigen um Mann und Kinder fraßen dir brennende Narben in deine Seele. Dein golden Mutterherz verstand nicht den blutrauschen den Irrsinn: Krieg. Und eines Morgens, als der Tag aufstand und wieder die Sonne ihre feuerbrandende Flammenmahnung über leichengedüngten Schlachtfeldern und über friedenwollende Menschenheimat zündete, zerbrach der Mensch in dir die höhnisch grinsende Härte zeitlicher Form und der geigende Tod sprengte den Lebensreif, der niemals gülden dich umschlungen hatte. 6 Die Gleichheit Nr. l anhalten(Z 1788). Da aber weiter bestimmt ist, daß die einzelnen Strafen den Betrag von 300 Mk. nicht übersteigen und mehr als drei Strafen nicht verhängt werden dürfen, kann also im schlimmsten Falle eine Geldstrafe von insgesamt 900 Mk. verhängt werden. Sofern also ein Schadenersatz anspruch des Mündels nicht besteht— seine Durchsühning ist auch nicht gerade leicht, da der infolge der Ablehnung der llebernahme der Vormundschaft entstandene Schaden be wiesen werden muß—, so ist hier der Drückebergerei Tür und Tor geöffnet, zumal eine Umwandlung der Geldstrafe in Freiheitsstrafe unzulässig ist. Grundsätzlich soll das Vormundschaftsgericht, sofern nicht besondere Gründe für die Bestellung mehrerer Vormünder vorliegen, für den Mündel und, wenn mehrere Geschwister zu bevormunden sind, für alle Mündel nur einen Bormund bestellen(Z 1775). Hieraus geht also hervor, daß auch Mit« Vormünder bestellt werden können, man denke z. B. an den Fall, daß zwei getrennte Vermögensverwaltungen zu führen sind: Der Mündel besitzt eine Fabrik in Berlin und ein Grundstück in Hannooer. Grundsätzlich führen die Mitvor münder die Vormundschaft gemeinschaftlich. Bei Meinungs verschiedenheiten entscheidet das Vormundschaftsgericht, so fern nicht bei der Bestellung der Vormünder ein anderes be stimmt wird. Das Gericht kann aber auch die Führung der Vormundschaft unter mehrere Vormünder nach bestimmten Wirkungskreisen verteilen(Z 1797). Mit dem Mitvormund nicht zu oerwechseln ist der Gegen vormund. Nach Z 1792 kann neben jedem Vormund ein Gegenvormund bestellt werden. Er soll bestellt werden» wenn mit der Vormundschaft eine Vermögensverwaltung verbunden ist, es sei denn, daß die Verwaltung nicht erheblich oder daß die Vormundschaft von mehreren Vormündern ge meinschaftlich zu führen ist. Führung der Bormundschaft. Der Vormund hat das Recht und die Pflicht, für die Per son und das Vermögen des Mündels zu sorgen, insbesondere den Mündel zu vertreten(§ 1793). Der Vormund Hai also dem Mündel gegenüber im wesentlichen die gleiche Stel lung wie der Vater seinem Kinde gegenüber. Er ist der Und ich weiß um einen Jungen, der uin seine Mutter bitterlich weinte ---------- Gestern war ich an deinem Grab. Weiß mar die Erde, blühender Schnee bedeckte den Nasen. Blutrotes Licht zitterte durch die Bäume und uni den kleinen Kapellenturm legte die Sonne einen Kranz wie von blühenden Früh lingsblumen? wie einen Ring ewigjunger Freude. Da dachte ich der schönen Stunden, die wir trotz Alltag und Not verlebt hatten. Manche Stunde wurde mir lebendig. Wenn am Abend ringsum der Tag verschied, das milde Dämmerlicht so märchengleich durch das Fenster rann und göttliche Stille durch das Stäbchen spielte, wenn dann Seele leis zur Seele sprach: wenn ich meinen Kopf in deinen Schoß bergen durfte, deine arbeitsdurchstoßenen Hände liebevoll meinen braunen Kinderscheitel streichelten und du mir mit oft tränenperlender Stimme von Freude und Kum mer, Liebe und Leid deines dornenreichen Weges erzähltest, dann, o Mutter, flössen die Ringe meiner kindlichen Seele zusammen und die Blutbäche unserer beider Herzen mün deten in dem sternigen Flusse unseres Glückes, auf dem Schifflein mit weißen Segeln wie Schwäne stolz und sanft dahinfuhren und die Wellen ihre Freude sangen. Wenn ich daran denke, bricht Schmerz in mir auf: eisige Starre greift in mein Blut. Aus meiner feuerjungen Seele schreit erinncrungsvolles Weh ob der Vergänglichkeit un seres Glückes. Und dennoch! Mutter, höre mich reden: Wenn ich an d'e Hoheit deiner Seele, an die Reinheit deines Lebens denke und den Atem deiner zu Freud und Leid immer jasagenden Liebe lichtbrausend höre, dann fühl gesetzliche Vertreter des Mündels. Daher hat er auch das Recht und die Pflicht, Rechtsgeschäfte aller Art für den Mündel abzuschließen oder zu den vom Mündel selbst zu schließenden Rechtsgeschäften seine Zustimmung zu geben oder zu versagen. Auch hat der Vormund Prozesse für den Mündel zu führen. Zu beachten ist, daß der Vormund grundsätzlich selbständig ist. Er handelt nach eigenem Er messen und auf eigene Verantwortung. Das Vormund schaftsgericht ist grundsätzlich nur Aufsichtsinstanz über den Vormund: dies allerdings mit Ausnahmen. Ich verweise besonders auf die wichtige Bestimmung des Z 1838, wonach das Vormundschaftsgericht von sich aus anordnen kann, daß der Mündel zum Zwecke der Erziehung in einer geeigneten Familie oder in einer Erziehung?- oder Besserungsanstalt untergebracht wird. Diese Anordnung kann das Vormuird- schaftsgericht auch gegen den Willen des Vormundes und ohne daß ihn ein Verschulden trifft, erlassen. Das Gesetz hat eine Reihe von Füllen aufgestellt, in denen der Vormund den Mündel nicht vertreten kann(ver gleiche hierzu unter§ 1795). Das Recht und die Pflicht des Vormundes, für die Person des Kindes zu sorgen, bestimmt sich nach den für die elter liche Gewalt geltenden Borschriften der 8§ 1031—1633 (§ 1800). Dem Vormund liegt nach dem Gesetz mithin auch die Sorge für die religiöse Erziehung des Kiirdes ob. Wenn der Vormund nicht dem Bekenntnis angehört, in dem der Mündel zu erziehen ist, so kann die Sorge für die religiöse Erziehung des Mündels dem Vormund von dem Vormund- schaftsgericht entzogen werden(Z 1801). Die Fürsorge für die religiöse Erziehung ist dann Aufgabe eines für diesen Zweck bestellten Pflegers. Nach dem gegenwärtigen Stand der Gesetzgebung gelten diese Grundsätze auch für den Berufsvormund. Hinsichtlich der Verwaltung des Mündelvermögens hat der Vormund grundsätzlich als gesetzlicher Vertreter nach seinem pflichtmäßigen Ermessen zu handeln: jedoch legt ihm das Gesetz auf: die Pflicht zur Inventarisierung(Z 1802), die Verpflichtung der mündelsicheren Anlage der Mündelgelder (8 1806 ff.), die Hlnterlegungspflicht gemäß§ 1814, die Ver pflichtung. bei bestimmten wichtigen Akten die Genehmigimg ich Kraft in mir emporsteigen. Wohin ich auch gehen mag und muß, so oft durch das Schmutzgewirr der Gossen und durch das Gewölbe geilender Straßen: der Glaube an dich, das Aufbrennen deiner Worte läßt mich durch samtfalbe Wiesen schreiten, wo Gottesblumen ihre Heiligkeit entzün den. Der Adel deines Menschen, so rein und klein und scküicht, aber so gewaltig groß in dem bedingungslosen Ver schwenden der Liebe, läßt mich das Dunkel ertragen. Mutter, Mutter du... Walther G. Oschilewski, Die Vermittlerin ott sei Dank, noch ein Platz frei! Nun brauchte ich wenigstens mährend der Fahrt nicht stehen. Langsam setzte sich der Zug in Bewegung und fuhr aus der Halle. Ich wollte wissen, mit wem ich die nächsten Stunden ver bringen mußte und ließ meine Augen wandern. Mir gegen über ein älteres Ehepaar bäuerlicher Herkunft.„Sie" wickelt« umständlich derbe Brotschnitten aus und reichte dem Manne ein Stück, ohne ihn anzusehen. Der zog sein Messer. schnitt abwechselnd Brot und Speck und schob es in den weit aufgesperrten Mund. Seine derben Backenknochen traten beim Kauen scharf hervor, sein Kinn wurde eckig. Die Augen arbeiteten niit.„Sie" ganz das Gegenteil von ihm. Klein, hager, nagte sie an einer Brotrinde, jedes Bröckchen, das vor beifiel, sorgsam mit spitzen Fingern in den zahnlosen Mund stopfend. Der war manchmal so spitz zusammengezogen, daß ich dachte, sie wolle pfeifen. Nr. 1 ie Gleich beit des Vormundes ober des Vormundschaftsgerichts einzuholen (§§ 1812, 1813, 1821, 1822), ferner die Pflicht, dem Vormundschaftsgericht jederzeit über die Führung der Vormundschaft und über die persönlichen Verhältnisse des Mündels Auskunft zu ertellen(§ 1839), und besonders wichtig die Pflicht des Vormundes, über seine Vermögensverwaltung vorschriftsmäßige Rechnung zu legen(§§ 1840, 1841, 1842). Der Vormund haftet dem Mündel für jeden aus einer Pflicht verlegung entstehenden Schaden, wenn ihm ein Verschulden zur Last fällt(§ 1833). ( Fortfegung folgt) Besprecht das Parteiprogramm! Bon Hedwig Wachenheim ( Schluß) Das Erfurter Programm( Abs. 6) sagt, daß das Werk der Arbeiterklasse nur das ihre sein könne, weil alle anderen am Privateigentum, an Produktionsmitteln interessiert seien. Das Görlizer Programm will, daß die Bewegung viel weitere Kreise umfasse, die inzwischen zum Teil auch schon zu ihr gestoßen sind, alle körperlich und geistig Schaffenden, die auf den Ertrag eigener Arbeit angewiesen sind"( Abs. 1). Sie sollen zusammengefaßt werden zu gemeinsamen Er fenntnissen und Zielen, zur Kampfgemeinschaft für Demos kratie und Sozialismus"( Abs. 1). Diese Kampfgemeinschaft ist die Sozialdemokratische Partei Deutsch lands. Damit komme ich zu dem Weg, auf dem das Ziel der Partei erreicht werden kann. Lassalle nennt als Mittel, bie tlassenlose Gesellschaft herbeizuführen, das allgemeine Wahl recht und will damit die Beeinflussung des Staates durch die Arbeiter herbeiführen. Auch das Kommunistische Manifest sagte:„ Der erste Schritt ist die Erhebung des Prole tariats zur herrschenden Klasse, die Erkämpfung ber Demokratie." Und das Erfurter Programm hatte fest gelegt, daß der wirtschaftliche Kampf gegen die herrschende Selasse nicht geführt werden kann ohne die politische Macht. In den Schoenlantschen Erläuterungen heißt es:" Da mit wir unser Endziel erreichen, muß die Arbeiterklasse in den Besitz der staatsbürgerlichen Rechte gelangen, welche eine Ich ließ meine Blicke weiter wandern und sah in zwei graue, müde Augen. Wo hatte ich diese Augen schon gesehen? Ich suchte in meiner Erinnerung, wußte aber nicht, an wen mich diese Augen erinnerten. Neben mir saß eine junge Frau mit einem 4-5 Jahre altem Mädchen auf dem Schoß. Die Kleine schaute unver wandt in meinen Schoß, auf dem meine Handtasche lag. Sie hatte sich ein wenig geöffnet und zwei Aepfel, die mir meinen Durst löschen sollten, guckten rotbäckig daraus hervor. Verlangend sah die Kleine darauf. Schnell drückte ich ihr einen ins kleine Fäustchen. Zwei Augenpaare sahen mich dankbar an. Die Mutter fing ein Gespräch an über das Wetter. Um Gottes willen, das hatte ich nicht gewollt. Ich war nicht in der Stimmung, banale Unterhaltungen anzuknüpfen und zog deshalb schnell meine„ Gleichheit" aus der Tasche und las. Lange blieb ich nicht ungestört. Der Zug hielt auf einer fleinen Station. Wir befamen Zuwachs. Ein alter Bruder Straubinger stieg in unser Abteil. Er führte sich gleich luftig ein.„ Grüß Gott, liebe Leut, habts noch ein Blähle für a jungen Freier?" Alles lachte. Wir rückten zusammen und ein Blägle war gefunden. Nun kam Leben in die Bude. Der alte Bursche hatte sicher seine 60 Jahre auf dem Rücken, aber sein Mundwerk ging flott wie das eines wirklichen jungen Freiers". Er entpuppte sich nach und nach als ein regelrechter Spötter. Es dauerte gar nicht lange, da war der alte Bauer die Zielscheibe seines Spottes. Wie er ihm die Wahrheit sagte, mit einem Gesicht, dem man kaum ansah, ob es Ernst oder Spaß sei! Bald schallte fröhliches und schadenfrohes Lachen durch unser Abteil. Daß er es dem wohlgenährten Bauern tüchtig gab, war uns recht. Stand uns 7 ungehemmte Wirksamkeit im öffentlichen Leben gewährleisten." In den Novemberstürmen von 1918 ist die Arbeiterschaft in den vollen Besitz der staatsbürgerlichen Rechte gelangt. Damit hat sie nicht die politische Macht erobert, aber die staatsrechtlichen Hindernisse, die der Eroberung entgegenstanden, beseitigt. Deshalb ist die Sozialdemokratische Partet heute entschlossen, zum Schuße der errungenen Freiheit das letzte einzusehen, die Republik vor den Anschlägen ihrer Feinde zu sichern".( Görlitzer Programm, Abs. 7 und 8.) Und in dieser Republik stellt sich eine gewaltig erstarkte Arbeiterbewegung dem Kapitalismus als ebenbürtiger Gegner".( Görlitzer Programm, Absatz 5.) Und ihre politische Organisation, die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, erneuert nun das Bekenntnis des Erfurter Programms:„ Sie fämpft nicht für neue Klassenprivilegien und Vorrechte, sondern für die Abschaffung der Klassenherrschaft und der Klaffen selbst..."( Görlizer Programm, Absatz 9.). Wie das im einzelnen zu geschehen hat, kann nun nach mehr als 30jähriger Entwicklung, Beob achtung des Wirtschaftslebens gemäß sozialistischer Erkennt. nis und praktischer politischer Arbeit in der Republik klarer gesagt werden. In Erfurt hieß es im wesentlichen, die herrschende Produktionsweise soll für und durch die Gesellschaft betriebene Produktion" weichen.( Erfurter Programm, Absatz 5.) Nun heißt es ungefähr so: Der Volkswille ist im Boltsstaat organisiert. In ihm soll der Volkswille auch die Herrschaft über die Wirtschaft erlangen. Das will die Sozialdemokratie! „ Die Ueberführung der großen konzentrierten Wirtschaftsbetriebe in die Gemeinschaft und darüber hinaus die fortschreitende Umformung der gesamten kapitalistischen Wirtschaft zur sozialistischen, zum Wohl der Gesamtheit betrie benen Wirtschaft erkennt sie als notwendige Mittel, um das schaffende Bolt aus den Fesseln der Kapitalherrschaft zu befreien und die Produktionserträge zu steigern."( Görlitzer Programm Abs. 8.) Und dann wird ganz deutlich ausgesprochen, daß damit die Menschheit zu einer höheren Form der Gemeinschaft, zu einer sittlichen Form der Gemeinschaft geführt, die„ Erneuerung der Gesellschaft im Geiste soziadoch noch allen in frischer Erinnerung, was wir von jenen harten, geizigen Leuten erduldet. Mit einemmal wußte ich auch, wo ich die müden Augen, die mich vorhin so lange angesehen, schon sah. So haben wir Frauen in der Kriegszeit ausgeschaut. In der Fabrik, auf der Straße, überall der müde Blick. Ich selbst habe den müden Blick gehabt. Die Sorge hatte sich in unsere Augen eingenistet und ist bei vielen ständiger Gast geblieben. Drüben, neben der Bauernfrau, saß solch ein Menschlein, das die Sorge noch mit sich herumschleppte. Gern hätte ich ein Gespräch mit ihr angefangen, wußte nur nicht den Anfang zu finden. Ob sie ahnte, was ich wollte? Wir sahen uns an, jedes den Wunsch, zu sprechen. Da rutschte die„ Gleichheit" von meinem Schoß, und bevor ich sie aufheben fonnte, war mein Gegenüber schon bei mir und reichte mir das Blatt. Und dann waren wir plötzlich in ein Gespräch vertieft. Worüber wir sprachen? Nicht über das Wetter, feine leeren Worte. Sie war Genossin. Das genügte, um Gesprächsstoff zu finden. Bir sprachen ungeniert über den Inhalt der Gleichheit", über die Frauenbewegung. Wie sie Bescheid wußte! Ich hätte nie in diesem blassen Frauchen mit den müden Augen so viel Geist, so viel Wissen vermutet. Ihr Reiseziel? zu ihrem kranken Jungen, der wegen Arbeitslosigkeit ins Ruhrgebiet ge= wandert und dort krank geworden. Jetzt erst merkten wir, daß wir beide die Unterhaltung allein führten. Der alte Spottvogel hörte andächtig zu. Dann trat eine Pause in unserem Gespräch ein.„ Erzählts weiter, Fraule, i bin derweil Bublikum. Sprechts nur!" Wir folgten feinem Rat. Bald war mein Reiseziel gekommen, id) mußte aussteigen. Wir drückten uns die Hände, gaben 8 T Die Gleich beit listischen Gemeinsinns"( Görlitzer Programm, Abs. 8) erreicht werden soll. Aus dem hier behandelten Allgemeinen Teil ergeben sich dann im Programm die Sonderforderungen für die ein zelnen Gebiete des öffentlichen Lebens, die die SPD. durch zuführen hat, die hier im einzelnen nicht behandelt werden können. Nachdem der allgemeine Teil das wirtschaftliche Biel aufgedeckt hat, folgen ihm zunächst die Spezialgebiete, die die wirtschaftlichen Forderungen enthalten, Wirtschaftspolitik, Finanzen, Sozialpolitik, und dann die Forderungen, die sich an die Ausgestaltung des Staatslebens, als dem Rahmen der wirtschaftspolitischen Kämpfe, wenden: Verfaffung und Verwaltung, Gemeindepolitik und Rechtspflege und zum Schluß die Kultur- und Schulpolitik. Ich habe zunächst das auf diesen Einzelgebieten Bestehende behandelt, sein geschichtliches Werden und seine Wirkungen gezeigt, und dann gesagt, warum die Sozialdemokratie Neues fordert. Ich will das zum Abschnitt Kultur- und Schulpolitit, weil ich annehme, dieser Abschnitt interessiert Frauen besonders, in Stichworten zeigen( den Absatz über die Religion übergehe ich der Kürze wegen). Die Schule der bürgerlichen Gesellschaft vermittelt die für den Erwerbsberuf in der bürgerlichen Gesellschaft notwendigen Kenntniffe. Sie trennt die Kinder der arbeitenden Klassen von denen der anderen und vermittelt ihnen nur die für die Lohnarbeit unentbehrlichen Kenntnisse. Aber auch die Kinder der anderen Klassen erhalten keinen Begriff ihrer zukünftigen Verantwortlichkeit gegenüber ihrem Boll. Die Sozialdemokratie will eine wahre Volks- und Menschengemeinschaft herbeiführen. Sie fann das nur, wenn die Schule die Kinder zu bewußten Gliedern einer solchen Ge meinschaft erzieht. Das ist nur möglich in einer Schule, die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft der Jugend ist, nur möglich, wenn die Volksgemeinschaft das oberste Erziehungsrecht hat, nur möglich, wenn die Arbeiterschaft, die am stärksten sich für die Herbeiführung einer solchen Gemeinschaft einsetzt, teil hat an allen Kulturgütern. Der Abschnitt Bölferbeziehung und Internationale ist zu bedeutend, um hier noch furz behandelt werden zu können. uns gegenseitig gute Wünsche und schieden mit einem träftigen Frei Heil". So, da meldete sich noch einmal der alte Spottvogel. Sich dicht vor den Bauern hinstellend, sagte er ihm:„ Laßts nur die Weiberin a mal alle vernünftig sein, dann gehts uns nimmer so, wie 1914 und all die ganzen Jahre!" Ich gab ihm noch schnell die Hand und stieg aus. Minna Lubig. Zu neuen Ufern iehst du die Rettung winfen? Sie fommt von den Bergen, wie immer, wenn du das Haupt hebst. Du mußt den Kopf heben, Bruder, denn von den Bergen flammt die Rettung. Du mußt nicht auf das Fleckchen Erde starren, auf dem du stehst. Merkst du nicht, daß dann jeder deiner Brüder ein anderes Fleckchen Erde sieht, wenn er ebenso tut wie du? Du mußt den Kopf heben, du und deine Brüder; ihr müßt nach den Bergen sehen, von denen die Rettung winft. Wenn Millionen den Kopf heben, sehen alle ein und dieselbe große Sonne. Du mußt den Kopf heben. Neujahr! Bei der Lampe trübem Scheine Sitz ich einfam hier und weine Während die Maschine furrt. Dorch! Da tönet Glockenläuten, Nr. 1 Zur Technik der Kurse: In Neukölln nehmen 30 Frauen teil, die richtige Zahl, um möglichst viele teilnehmen zu lassen, ohne die bei einem so schwierigen Thema notwendige enge Fühlung zwischen Vortragendem und Hörer zu stören. Besteht diese Fühlung, dann können alle Schwierigkeiten der Sache überwunden werden! Ein Lob der agitatorischen Kleinarbeit Ein herrlich Ding ist der Heldentod für eine große Sache. Alle Achtung und Ehre den Helden, die Blut und Leben ihrer Ueberzeugung furchtlos ohne Zaudern opferten! Aber das glaube ich: das Opfer eines ganzen kampfreichen Lebens ist ein größer Ding als solch ein Heldentod. Arbeiten Tag für Tag ohne Raft, ohne Ruh; einen Pfad wandern, dessen Ende man nicht sieht; mit stetem Tropfen den Stein höhlen, der sich menschliche Gleichgültigkeit nennt; der Gegenstand von Schmähung und Verfolgung sein; Gesinnungsgenossen gewinnen Mann bei Mann, Streiter um Streiter, und sie dann festhalten, einig, organisiert, diszipliniert; sein Ohr nicht leihen den Intrigen und Berleumdungen; fähig sein, sich fernzuhalten von all der menschlichen Kleinlichkeit und Nichtigkeit, die in unser Herz Neid, Haß, Langeweile träufeln könnten; ohne Ruh, ohne Rast leben im Dunkel der Unberühmtheit, der großen Masse, und dann geräuschlos sterben im Hospital vielleicht vergessen, begraben vom Tode dies alles vollbringen und all das ertragen, ohne den Mut zu verlieren, ohne lau und lässig zu werden im Rampfe, aber leben für ein folches Idealdas, glaube ich, ist größer, er habener, schöner als ein geräuschvoller Heldentod. Und so man mir sagt, einer sei gestorben oder sei fähig zut sterben für die Arbeiterbewegung, so neige ich mein Haupt in Achtung vor denen, die den Mut und die sittliche Kraft haben C. Millé. zu leben für unsere Sache. Mit dem letzten Schlag der Stunde Rüftet lich das Jahr zur Flucht. Böllerichüffe, Gläferklingen Tönt zu mir hinaufs auf Stübchen. In der Wiege dort mein Bübchen Ilt erwacht von dem Geräulch, Und hebt an zu fragen gleich; ,, Was bedeutet denn das Singen Und der Schülle lautes Krachen?" ,, Das, mein Kind, bedeutet Freude Ob des neuen Jahr's Erwachen. Denn es foll Erfüllung bringen. Jeder, der fab fein Begehren Unerfüllt im Jahr, dem alten, Der vertraut es jetzt dem neuen, Daß die Wünsche es gewähre, Daß es lie gewähr' im Traum." ,, So! Dann wünsch ich beim Erwachen Dir ein schönes neues aus! Und dazu ein ,, Tifchlein deck dich", Gelt? Dann find wir fein heraus. Oh! wie werden wir dann lachen! Brauchit dann nicht in einem fort Stich an Stichlein anzureihen, Denn es fehlt uns dann kein Brot." Seine müden Augenlider Sinken auf die heißen Wangen, noch im Schlafe huicht ein Lächeln Um das kleine Rofenmündchen. Sieht im Traum er's Cifchlein deck dich?" 13 Nr. 1 ԱՐ Die Gleich beit Die Ursachen der politischen Interessen- liegt das und wie können wir dem abhelfen? Ich möchte nun die losigkeit der Frau Wenn man das vergangene Parteijahr überblickt, zeigt sich überall das erfreuliche Ergebnis einer Zunahme an männlichen Parteimitgliedern. Die Zahl der Genoffinnen aber hat sich nicht nur nicht erhöht, sie ist sogar nach dem Bericht des Parteivorstandes in Görlitz zurückgegangen. Woran liegt das? Jüngst hörte ich eine Frau sagen:„ Wir Frauen bestehen aus lauter Pflichterfüllung!" Ja, die Frau weiß, daß sie schwere Pflichten zu erfüllen hat als Hausfrau, als Mutter. Die Arbeiterin kennt und erfüllt getreulich ihre Pflichten dem Unternehmer, der Maschine gegenüber; aber sie vergißt, daß sie auch noch eine andere große Pflicht hat, die der Allgemeinheit gegenüber. Gerade als Hausfrau, Mutter oder Arbeiterin muß sie sich um das öffentliche und politische Leben kümmern. Für die meisten Frauen hat fich die politische Betätigung erschöpft, wenn sie am Wahltag ihre Etimmen abgegeben haben. Das ist eine schwere Pflichtverleßung, die sich die Frauen zu schulden kommen lassen. Die ganze Sozialgesetzgebung schreit nach Vollendung, nach Neugestaltung, nach der Mitarbeit der Frau. Und trotzdem die große Interesselosigkeit der proletarischen Frau gegenüber den Ereignissen des öffentlichen und politischen Lebens? Wie ist das möglich? Die Ursachen dazu liegen tiefer. Nicht allein in der Belastung mit häuslichen Pflichten ist der Grund zu suchen, sondern in der Hauptsache an der falschen Erziehung unserer schulentlassenen Mädchen. Der junge Mann wählt sich einen Beruf, von dem er weiß, daß er ihn sein Leben lang ausüben muß und von dem er hofft, daß er ihn notdürftig ernährt. Darum fümmert er sich wenigstens ein großer Teil um alles, was ihm nügen oder schaden tann. Er sieht die Feinde, die ihm sein Brot schmälern wollen, die ihm mit schlechten Gesetzen die Händen binden wollen und er wehrt sich dagegen. Das junge Mädchen dagegen überläßt es immer noch meist dem Zufall, welchem Beruf er sie zuführt. Es ist ihr gleich, welchen Beruf sie ausübt, meint sie doch, daß es sich nur um wenige Jahre handelt, bis sie verheiratet ist, dann hat sich ihre Berufs. tätigkeit erledigt. Darin liegt der Hauptirrtum der Erziehung. Unsere jungen Mädchen sehen leider alles unter dem Gesichtswinkel der Verheiratung. Darum hängen sie nicht an ihrem Beruf, sehen nicht die Gefahren, die ihm drohen, oder sind zu träge, ihnen zu steuern. Ihre Zukunft interessiert sie nur insoweit, ob fie einen Mann bekommen. Was aus ihnen wird, wenn sich diese Hoffnung nicht erfüllt, daran denken sie nicht. So sind sie, wenn sie mirklich in die Ehe kommen, nicht an politisches Denken gewöhnt. War dies bisher schon verwerflich, so ist es in dieser Zeit und in Zukunft doppelt schlimm.- Unsere Mädchen werden sich in der heutigen Zeit notgedrungen mit der Tatsache abfinden müssen, daß in bezug auf Berehelichung viele berufen, aber nur wenige auserwählt sind, denn der Prozentsaz der un verheirateten Mädchen wird noch um ein Gewaltiges steigen. Unter dem Druck dieser Tatsache werden sie ihren Beruf wählen müssen, nicht mehr leichthin ohne viel Ueberlegung, sondern nach Neigung und Veranlagung. Sie werden die Ursachen der Hemmungen zu erkennen sich bemühen, die sich ihrem Schaffen in den Beg stellen und sich so auch einen gewissen Weitblick und Interesse für die Dinge des öffentlichen Lebens aneignen. Die Mädchen, die unter solchem Gesichtspunkt das Leben betrachten, werden auch als Frauen nicht mehr so intereffelos beiseite stehen, sondern sich in die Gedankenwelt des Mannes einfühlen und Seite an Seite mit ihm im Rampfe stehen. Wenn wir also die geistige Trägheit der Frau bekämpfen wollen, müssen wir vor allem den Sinn unserer jungen Mädchen von den Nichtigkeiten des Lebens auf die wirtschaftlichen und politischen Geschehnisse lenken und dürfen nicht dulden, daß fie ihr Leben von Anfang an gedankenlos auf den Mann einstellen. Marie Schulze. Aus unserer Bewegung dem Zum Thema Frauenbewegung Angeregt durch den Bericht über die Reichsfrauentonferenz in Görlitz möchte ich zu obengenanntem noch einmal das Wort ergreifen. Jeder Sozialist ob Mann oder Frau-, eine starke Frauenbewegung am Herzen liegt, muß mit tiefstem Bedauern hören, daß die Zahl der weiblichen Mitglieder in den Ichten beiden Zahren so auffallend zurückgegangen ist. Woran Schuld der Frau selbst heute nicht erörtern, sondern auf den in Görlig ausgesprochenen Gedanken eingehen, daß ein großer Teil der Schuld an dem Rückgang der Frauenbewegung in der Haltung vieler Männer liegt. Es ist tief bedauerlich, wenn Sozialdemokraten, die schon lange in der Bewegung stehen, mit ihren Frauen über politische Dinge überhaupt nicht reden, sie als untergeordnetes Wesen betrachten, mit dem man nur ein Gespräch über die alltäglichen Angelegen heiten des Lebens führen kann. Noch bedauerlicher ist es aber, wenn Genossen ihre Frauen, die sich gern politisch aufklären lassen möchten und die sich geistig aus dem ewigen Einerlei des Haushaltes zu erheben wünschen, abhalten, die Frauenversammlungen zu besuchen. Wie oft haben mir schon Frauen zur Antwort ge= geben: Wir würden so gerne tommen, aber unsere Männer wünschen das nicht". Wie oft müssen Frauen von ihren eigenen politisch organisierten Männern hören: Was willst Du denn in einer Versammlung, das verstehst Du ja doch nicht!" Leider lassen sich noch viele Frauen dann einschüchtern und bleiben zu Hause. Noch haben leider viele nicht den Mut, dem Manne ihre Gleich berechtigung zu beweisen. " Roch schlimmer ist es aber, wenn manche Ortsorstände oder führende Genossen der Frauenbewegung gleichgültig gegenüberstehen. Leider ist es ja so, daß die Frau im allgemeinen, die bis zur Revolution politisch unmündig war und keine Rechte hatte, nur in Ausnahmefällen aus sich heraus schaffen wird, wenn ihr eigener Mann oder andere Genossen ihr nicht freudig den Weg zur Gleichberechigung zeigen. Und es kommt leider noch oft vor, daß auch führende Genossen der einzelnen Ortsvorstände die Frauenbewegung, die Gleichberechtigung mit freundlichem Wohl wollen" aber doch etwas ironischem Lächeln„ anerkennen", daß sie unter sich über die Anmaßung der Frau, den Männern gleichwertig zu sein, spötteln, daß sie die Meinung der Frau wohl an hören, aber doch dann ruhig im Sinne der Männer zur Tagesordnung übergehen. Die Frauen fühlen sehr bald, daß ihnen nicht eine freudige Anerkennung als gleichwertige Mitarbeiterin und Mitstreiterin zuteil wird, sondern daß sie bei vielen Männern nur geduldet werden, weil es im Programm, in den Statuten so steht. Das Bewußtsein, nur wohlwollend geduldet" zu werden, lähmt aber die Frauenbewegung und läßt wertvolle Kräfte in der Frau brach liegen. Es dämpft. auch die Freude und den Arbeitseifer derjenigen Frauen, die sich mit ganzer Seele die Aufgabe gestellt haben, ihr eigenes Geschlecht politisch aufzuflären und geistig reifen zu lassen. Wenn unfere Frauenbewegung in Rolberg- in dem dunklen und reaktionären Winkel Hinterpommerns so erfreulich vor. märts schreitet. wenn wir Frauen alle mit so großer Freude und Liebe uns der Aufklärung für den Sozialismus widmen und arbeiten, so haben wir das nicht zum wenigsten unserem Parteivorsitzenden zu verdanten, und es ist dringend zu wünschen, daß es allerorts so wäre. Gertrud Bannwarth. Frauenkonferenz der Provinz Brandenburg Im Parteihause Berlin SB., Lindenstr. 3, fand eine Frauen konferenz der Provinz Brandenburg statt, die mit 24 Frauen als Vertreterinnen der Unterbezirke als gut beschickt anzusehen war. Ferner waren anwesend die Abgeordneten Genossin Ryneck und Genessin Simon und die Genossin Matschte als Leiterin der Frauenorganisation. Nach kurzen Begrüßungsworten gab die Genoffin Matschle einen Ueberblick über die augenblickliche politische Lage. Der Ausfall der vergangenen Wahlen hat uns klar gezeigt, welche Wege wir einzuschlagen haben. Die Frauen hängen immer noch allzu leicht den Rechtsparteien an, zum Teil auch solche, die Not und Elend in trasfester Form über sich ergehen lassen müssen und deshalb zu uns gehören. Diese machen dann die Sozialdemofratie für die Fehler verantwortlich, die sie selbst durch Abgabe eines deutschnationalen Stimmzettels heraufbeschworen haben. Hier müsse nun unsere Agitation einfegen. Deffentliche Ver fammlungen haben mehr Erfolg, wenn sie mit einer Hausagitation Hand in Hand gehen. Auch ist es wertvoll, daß in diesen Versammlungen Frauen zu Frauen sprechen. Hat die Genossin noch nicht den Mut oder die Begabung, einen furzen Vortrag zu halten, dann soll sie sich wenigstens in der Diskussion zum Wort melden, und die immer wiederholten Versuche, längere Zeit zu reden, werden schließlich einen Erfolg bringen. Ueberall müssen Frauenabende ins Leben gerufen werden, und wo diese bereits bestehen, sind sie mehr und mehr auszubauen. 10 Die Gleich bei't Die Frauenabende sollen nicht planlos mit Vorträgen ausgefüllt, sondern nach bestimmten Richtlinien müssen die Frauen nach und nach in den Sozialismus eingeführt werden. Bei allen Zusammenfünften weise man auf die Gleichheit" als das Organ der Frauen hin und suche Leserinnen zu gewinnen. Weiter ist es ictwendig, daß sich die Frauen auch auf sozialem Gebiet betätigen und zeigen, daß sie wirkliches Berständnis für die Not des Volkes befitzen. Gleichzeitig ist überall auf die Errichtung von Ortsstellen für Kinderwohl zu dringen und dabei nach den in den SPD.Machrichten vom Oktober 1921 und in der„ Gleichheit" Dom 1. November festgelegten ausführlichen Richtlinien zu arbeiten. Anschließend an die Frauenkonferenz fand ein dreitägiger Rednerinnenfurjus statt, wozu als Lehrende der Genosse Curt Hei nig und die Genoffin Iuch a c3 gewonnen waren. Der Genosse Heinig unternahm es in den ihm zur Verfügung stehenden neun Stunden, den Genoffinnen zu zeigen, wie sie einen Bortrag auf zubauen und wie sie mit fritischen Augen einen Zeitungsartikel zu lesen haben. Unser Görlitzer Programm wurde als Grundlage zu einem Vortrag genommen und von den Genössinnen ausgearbeitet und vorgetragen. Die Genoffin Ju chacz sprach in sechs Stunden über das Jugendwohlfahrtsgesetz mit Anleitung für den Berkehr mit Behörden und über die§§ 218, 219 und 220 des StrGB. In der Diskussion sowie in den Fragestellungen der Zuhörer zeigte es sich, daß unsere Genoffinnen den trefflichen und allgemeinverständlichen Ausführungen der Referentin voll und ganz folgen fonnten. Wir können nunmehr mit Freude und Genugtuung eineu Stab von tüchtigen Rednerinnen verzeichnen. Anna Matschte. Der sozialdemokratische Parteitag für den Bezirksverband Schleswig- Holstein wurde auch in diesem Jahre eingeleitet durch eine Konferenz der sozialdemokratischen Frauen. Sie wurde in den Blumenfälen in Altona durch die Genoffin Louise Schroeder eröffnet. Wir Schleswig- Holsteiner, führte Genossin Schroeder aus, dürfen stolz darauf sein, daß wir zu dem Mitgliederverluft nicht beigetragen, sondern im Gegenteil einen Zuwachs von 350 weiblichen Mitgliedern zu verzeichnen hatten. Die Zahl der Abonnentinnen der„ Gleichheit" hat ständig zugenommen. Sie be trug am Ende des Berichtsjahres in unserem Bezirk 1700 und wird heute noch weit größer sein. Die Schulung unserer weiblichen Mitglieder hat im letzten Jahre erfreuliche Fortschritte gemacht. Sodann sprach Genoffin Rynek-Berlin über Sozialbemo fratische Frauen und Wohlfahrtsarbeit". Sie gab einen furzen Ueberblick über die Entwicklung der sozialdemokrati schen Frauenbewegung und ihre Arbeit und Erfolge in der letzten Zeit. Besonders die Wohlfahrtsarbeit wurde von ihr erwähnt. Dann folgte nach einem Bericht der Mandatprüfungstommiffion und einer lebhaften Debatte das Referat der Genoffin Toni B fülfMünchen über Die Kulturforderungen in unserem neuen Parteiprogramm". Die schönen und flaren Ausführungen der Genoffin, Pfülf behandelten zunächst die heutige Wirtschaftsform und ihr Verhältnis zur Kultur der Gegenwart. Die Rednerin ging dann auf das Verhältnis von Staat und Kirche und besonders eingehend auf die Schul- und Erziehungsfragen ein. Auch das kommende Reichsjugendwohlfahrtsgeseh wurde erörtert, ebenso allgemeine Bildungsfragen. Lebhafter Beifall dankte ihr. Mit einem eindrucksvollen Appell der Genoffin Schroeder an die Arbeitsfreudigkeit der Frauen schloß die Tagung. 4 * Der Bezirk Nordwest hatte zum erstenmal feit 1½jährigem Bestehen die tätigen Genoffinnen zu einer Bezirkskonferenz zusammenberufen. Nordwest" hatte im letzten Berichtsjahr eine Zunahme von 2262 weiblichen Mitgliedern und damit eine Gesamtzahl von 21 794 weiblichen Mitgliedern erreicht neben 77 246 männlichen Mitgliedernist also an Zahl der stärkste Bezirk der Partei. Die Stimmung der Konferenz war Arbeits- und Rampffreude. Genoffin Bohm Schuch sprach über„ Die Stellung der Frau im Staats- und Wirtschaftsleben" und wies den- Weg, durch machtvolle politische Organisationen die deutsche Berfassung zur lebendigen Wirklichkeit zu gestalten, verstand es auch, allen Hörerinnen die Wichtigkeit politischen Wissens zu zeigen, und ihnen die gesehgeberische Tätigkeit der Abgeordneten wie die richtige Erfüllung der statsbürgerlichen Pflichten allen nahezulegen. Die Borarbeit zur Aenderung des Familienrechts und Sicherung der Einheitsschule begegnete größtem Interesse. Genoffin Reife Tenkte dann in furzen klaren Ausführungen alle Gedanken auf den Ausbau und die Festigung der Organisation. Sie gab vor allem praktische Anleitung zur Sammlung von Agitationsmaterial, b sonders örtlicher Natur, und empfahl in jeder Weise Pianmäßigf zur Erleichterung unserer Bereinsarbeit, besonders im Hint. die Notwendigkeit, daß die kleinen Ortsvereine für ihre Zuse e... fünfte rednerische Kräfte aus den Städten in Anspruch nehmen. Beide Rednerinnen ernteten großen Beifall. 12 Am zweiten Tage sprach Genosse Korell( Hamburg) über ,, Staatliche und private Wohlfahrtspflege" und legte die Aufgaben der Arbeiterwohlfahrtspflege dar. Ueber Partei und soziale Fürsorge" und über unsere zielbewußte Mitwirkung in der staatlichen Wohlfahrtspflege sprach Genoffin Wierzbijki. Durch bewußt fritische Mitarbeit in der Wohlfahrtspflege wollen wir die Ursachen der sozialen Röte bloßlegen und die Mängel und Fehler in Gesetzgebung und Ver= waltung durch unsere Partei bekämpfen, bis die sozialistische Wirt schaftsordnung die Fürsorgetätigteit überflüssig macht. Die aufmerksamen Hörer und Hörerinnen dankten durch eine besonders lebhafte Aussprache und am Schluß der Konferenz konnte Genoffin Harder( Bremen) in hoffnungsfreudigen Worien das sieghafte Fortschreiten der sozialdemokratischen Frauenbewegung feiern. E. W. * Nach langer Pause wurde kürzlich in Chemnih eine Ronferenz der organisierten Frauen des Agitationsbezirts Chemnih abgehalten. Landtagsabgeordnete Genoffin Helene Wagner begrüßte die sehr zahlreich erschienenen Genoffinnen im Namen des Bezirksvorstandes und erteilte dann der Reichstagsabgeordneten Genofsin Minna Schilling, Döbeln, das Wort zu ihrem Vortrage über Die politischen Aufgaben der Frauen". Unfere Aufgabe muß es sein, führte sie aus, die durch die traurigen wirischaftlichen Verhältnisse verärgerten Frauen aufzuklären. Es muß immer und immer wieder darauf hingewiesen werden, daß der verlorene Krieg und die Erfüllung des Friedensvertrages Schuld an unserem unfagbaren Elend find. Die Kriegs- und Repolutionsgerinnler arbeiten darauf hin, alle Laften auf das arbeitende Bolk abzuwälzen. Die Frauen müssen zu ihrem Leil dafür forgen, daß wir eine sozialistische Mehrheit in Reich, Staat und Gemeinde bekommen. Im zweiten Teil ihres Bortrages behandelte die Referentin die ohlfahrtspflege in ihren einzelnen Teilen, Mütter- und Säuglingsschutz, Kleinkinder, Famillen, Wohnungs- und Trinterfürsorge, Mütterberatungsstellen. Sie forderte zur Bildung von Wohlfahrtsausschüssen auf, wo sie noch nicht bestehen. Genoffin Schilling schilderte auch die Not der Frauen, die heute noch im Erzgebirge für einen Hundelohn ihre Heimarbeit verrichten. Eine intereffante Aussprache schloß sich dem Referat an. Es wurde aufgefordert, überall Frauenabende einzurichten. Nach fechsstündiger Berhandlungsdauer schloß die Genoffin Wagner die Konferenz mit der Aufforderung, daß die Genoffinnen ihre ganze Kraft einsetzen sollten, um für die Partei neue Kämpferinnen zu gewinnen und der„ Gleichheit" neue Leserinnen zuzuführen. Anna Melzer, Chemnitz. Wohlfahrtspflege Schulspeisung Die Quäter sehen ihre Tätigkeit in Deutschland für beendigt an, sie sind dabei aber nicht der Ansicht, daß die Schulspeisung unterernährter Kinder damit aufhören soll, sie soll vielmehr o beutsche Berwaltungsstellen überführt werden. Zu diesem Zweck ist bei dem Zentralausschuß für die Auslandhilfe ein Unterausschuß für Kinderspeisung gebildet worden. In den bisherigen Bea ratungen ist als eine der Hauptforderungen vertreten worden, daß die Schulspeisungen Aufgabe der Jugendämter fein müssen, daß aber von den Jugendorganisationen Helfer gestellt werden können. leber die Organisation dieser Arbeit und ihre Bedeutung für die Arbeiterwohlfahrt läßt der Hauptausschuß den Unterausschüssen durch ein Rundschreiben nähere Mitteilungen zugehen. 3. 5. * Reichsfürsorgekonferenz Am 20. und 21. November tagte in Berlin der Zentralverband der Invaliden und Witwen Deutschlands, der sich in seinen Bers handlungen vor allem mit der Not der Arbeitsinvaliden und Sozialrentner befaßte. Es wurden soziale Maßnahmen, auch verwaltungstechnischer Art, gefordert, die aus allen Unglücklichen und Bedürftigen vollberechtigte Staatsbürger zu machen geeignet sind. Mr. 1 Die Gleich beit Mittel dazu wurden u. a. vorgeschlagen: Vereinheitlichung Sozial- und Wohlfahrtspflege, Berufsberatung und-verwertung auch für die in ihrer Arbeitsfähigkeit Beschränkten, Umwandlung der Finanzgrundlage der Sozialversicherung in der Richtung des Umlageverfahrens. Auch eine bessere Ausbildung der Studierenden auf dem Gebiete der sozialen Medizin wurde gefordert. Zwei Resolutionen wurden angenommen, die bis zur grundlegenden Neugestaltung der Sozialversicherung bestimmte Forderungen stellen, so u. a.: Ausgestaltung der Arbeiterschutzgefeßgebung, durchgreifende Heilbehandlung, ausreichende Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit, gesicherte Existenz für die Hinterbliebenen. Es wurde dann in der zweiten Resolution, sowohl von der Reichs- wie von der preußischen Regierung, die Hinzuziehung der Vertreter des Zentralverbandes der Invaliden verlangt bei Sind Lungenleiden heilbar! Bel Affoma, Lungen- u. Kehlkopfiuberkulole, Schwindfucht, Lungenfpitzen- Katarrh, veraltetem Huften, Verfchleimung, lang beftehender Helferkelt lese jeder die Broschüre mit obigem Titel. Der Verfasser, Herr Dr. med. Guttmann, Chefarzt der Finsenkuranstalt. zeigt darin in 11 der Beratung aller Fragen, die die soziale Versicherungsgesetz gebung und soziale Fürsorge betreffen. In den Referaten wurde auch die Reform der Unfallversiche rungsgesetzgebung sowie die Praxis der Versicherungsämter bea handelt. Lebhafte Klagen wurden gegen die Tätigkeit der Aerzte bei der Rentenfestsetzung erhoben. J. H. Der in der vorigen Nummer erschienene Artikel„ Der Kampf gegen den Alkohol" ist durch ein Versehen leider ohne den Namen der Verfasserin gedrudt worden. Die Verfasserin ist Genosstr Louise Müller, Stuttgart. Die Redaktion. Berantwortlich für die Redaktion: Frau Ciara Bohm- Schuch. Druck: Vorwärts Buchdruckeret. Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. 6. 55 fämtlich in Berlin SW 68, Lindenstraße 3 volksverständlicher Weise natürliche Wege zur Beseitigung Teilzahlung dieser schweren Leiden. Jeder Kranke erhält diese Broschüre auf Wunsch vollständig umsonst. Man schreibe nur eine Postkarte an Puhlmann& Co., Berlin 126, Müggelstr.25a. Stoffe für Damen- Kostüme:: Herren- Anzüge Tuchlager Koch& Seeland G.m.b.H. Berlin C., Gertraudtenstraße 20/21. Uhren, Wecker, Regulatore, Gold-, Silber-, Lederwaren, Schirma, Koffer, Leiterwagen, Raster-, Rauchartikel, Kämme, Masikinstramenie, Sprechapparate. Photo- Spezialiste. Katalog 1500 Abbild. kostenlos. Jonass& Co., Berlin A, 574 Belie- Alliance- Strasse 7-10 21 Gegründet 1884 [ 21 Theodor Meesters Färberei und chemische Waschanstali Gegründet 1891 Gegründet Aeltestes bestempfohlenes Unternehmen am Platze Fabrik Lichtenberg, Gürtelstraße 34 Fernsprecher: Königstadt 7404. Filialen: Frankfurter Allee 264 Eake Molendorisir. 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