Für unsere Kinder F Für unsere Kinder 13 Nr. 4 32. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Rinderland. Die Gleichheit erscheint 2 mal im Monat Preis: Vier: eljährlich 3,30 Mart Inserate: Die 5 gespaltene Nonpareillezeile 6,- Mr., bel Wiederholungen Rabatt Berlin Die Frau und ihr Haus 15. Februar 1922 Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morigplag 107 17 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Garantieplan und Steuerkompromiß Von Elli Radtke Den inneren Bufammenhang zwischen der jeweiligen Außenpolitik und der Innenpolitik des Reiches haben wir In den letzten Jahren am täglichen Beispiel kennengelernt. Mit flassischer Deutlichkeit tritt dieser Zusammenhang der Dinge wieder in der Politik der letzten Tage, die reich an Spannung und Krisenstimmung waren, hervor. Die Konferenz von Cannes brachte uns den nachgefuchten Zahlungsaufschub für die am 15. Januar und 15. Fe bruar föllig gewefenen Barzahlungen in der Form, daß wir ab 18. Januar 1922 alle zehn Tage 31 Millionen Goldmark zu zahlen haben. Weiter wurde verlangt, daß innerhalb vierzehn Tagen der Reparationskommission ein angemessener Reform- und Garantieplan über den deutschen Reichshaushalt, sowie ein vollständiges Programm für die Barzahlungen und Sachlieferungen im Jahre 1922 vorgelegt werden solle. Die Alliierten verlangen also einen flaren Ueberblick über das, was wir leisten können, und wie wir uns die Abtragung unserer Wiedergutmachungsschuld denken. Man will wissen, was wir für Einnahmen haben, um danach weitere Entscheidungen treffen zu können. Damit wurde die Steuerfrage in den Brennpunkt des Interesses geschoben, denn die Einnahmen eines Landes sind die Steuern. Man kann nun zwar mit Not und Mühe und unter sehr ftarter Belastung aller Verbraucher die schwebende Schuld im Lande durch laufende Steuern decken. Die sehr großen Summen des außerordentlichen Etats für die Reparations leistungen müssen aber auf andere Weise aufgebracht werden. Der Reichstag mußte fich also zur schleunigen Lösung dieser fo äußerst schwierigen Steuerfragen entschließen, es mußten neue Mittel aufgebracht werden, und daß es dabei zu harten Kämpfen kommen würde, darüber war man sich schon lange flar. Die Sozialdemokratie hatte bisher die Erfassung der Sach werte vorgeschlagen, d. h. also eine prozentuale Beteiligung ( etwa 25 Broz.) des Reichs an den Industriewerten sowie am Bodenbesitz. Sie sand dabei nicht nur den heftigsten Widerftand der Rechtsparteien, wie sich ja denken läßt, sondern auch Demokraten und Bentrum stellten sich dieser Forderung ablehnend gegenüber, so daß man zu der Einsicht gezwungen mar, keine Mehrheit für diesen Vorschlag zu finden. Hätten bie Sozialdemokraten, wie die Unabhängigen, auf dieser Forderung beharrt, so wäre eine Einigung niemals zustande gekommen, und die schwersten außen- wie innerpolitischen Konflikte würden die Folge sein. Die Unmöglichkeit, eine Berständigung herbeizuführen, wäre für die Regierung Wirth der Anlaß zum Rücktritt. Und das würde gerade jetzt in außenpolitischer Hinsicht eine schwere Gefahr für Deutschland bedeuten. Die Politit Birth ist stets die„ Politik der Erfüllung" gewesen und auch als solche anerkannt worden. Wirth ist der Mann, bem das Ausland Vertrauen entgegenbringt. Selbstverständ lich aber muß die Mehrheit des Reichstags hinter dem Kanzler stehen. Eine reinsozialistische Regierung zu bilden sind wir nicht in der Lage, dazu fehlt uns die zahlenmäßige Ueberlegenheit. Die Unabhängigen wollen nicht in eine Koalition mit anderen Parteien eintreten. Und eine reinbürgerliche Regierung, mit Männern der Rechtsparteien, dem Auslande zu präsentieren, dazu hat die deutsche Sozialdemokratie ein zu starkes Verantwortlichkeitsgefühl. Eine rechtsstehende deutsche Regierung wäre leicht als Bestätigung dessen aufzufassen, was Poincaré in Frankreich in seinen Hezreden sagt. Abgesehen von diesen Erwägungen hat die Sozialdemokratie ihre ursprüngliche Forderung zurzeit auch deshalb aufgeschoben, weil eine solche Erfassung der Sachwerte einen außerordentlich komplizierten Beamtenapparat zur Notwendigkeit hat. Da wir aber für den Augenblick eine Lösung finden mußten, ist man zu dem Plan einer inneren 3wangsanleihe gekommen, der im Prinzip dem der Sachwerterfassung ähnlich ist und ebenfalls einen Eingriff in den Besitz darstellt. Dieser Plan wurde dann auch nach tagelangen Verhandlungen vom Zentrum, den Demofraten und der Deutschen Wolfspartei angenommen, so daß man die Berständigung als gesichert annehmen mußte. Unabhängige und Deutschnationale schlossen sich aus. Es handelt sich also um eine im Jahre 1922 zwangsweise einzuziehende Anleihe in Höhe einer Milliarde Goldmark, welche Summe zurzeit rund 50 Milliarden Papiermark gleichkommt. In den nächsten drei Jahren wird diese Anleihe überhaupt nicht verzinst( wodurch ihr Wert besonders unterstrichen wird), und auch in den späteren Jahren ist ihre Verzinsung sehr gering( 2 oder 2½ Proz.). In den Kreisen der Besitzenden wird natürlich ob dieses Eingriffes in die Substanz" sehr gejammert. Diese eine Milliarde Goldmark soll nun ausschließlich zur Deckung unserer Reparationsleistungen verwandt werden. So war nun nach erbitterten Kämpfen in letzter Stunde noch eine Einigung erzielt. Reichskanzler Wirth konnte eine überwiegende Regierungsmehrheit nach seiner langerwarteten Rede feststellen. Die Situation war für den Augenblick gerettet und der von der Reparationstommission geforderte Stundungs- und Garantieplan ist in Form einer deutschen Note am 28. Januar von Berlin abgegangen. Die Sozialdemokratie hat nicht alles restlos durchsetzen können, was sie wollte. Aber auch die Bürgerlichen haben ihre Bläne aufgeben müssen. Man hat einen Kompromiß geschlossen, bei dem es, wie bei Kompromissen immer, ohne beiderseitige kleine Zugeständnisse nicht abging. Die Nach friegsgewinnsteuer ist fallengelassen worden, weil ihre Er hebung im Jahre 1922 aus steuertechnischen Gründen nicht möglich ist. Es handelt sich dabei auch nur um einen weniger ins Gewicht fallenden Betrag. Wenn von der USP. in einem Aufruf in ihrem Zentralorgan, der Freiheit", behauptet wird, man hätte auch auf die Einziehung des zweiten 34 Die Gleich beit Das Diadem Von Karl Henckell Wer je erwählt den innern Thron der Dinge, Des Menfchenherzens majestätisch Gut, Und wahrte klar den Geiſt vor Uebermut, Daß er in falichem Wahn fich nicht verfinge Er wird getragen frei auf fichrer Schwinge, Die er fich felber Schuf, ob Wind und Flut, Geborgen fchwebt er in der höchften but, Gleichwie gehalten von dem Ring der Ringe. In diefes Daleins rohen Stofflichkeiten, Wo oft als edel das Gemeine gilt, Der hohle Tropf von Dünkel überquillt Und Larven keck in бermelinen schreiten, Ward ihm, zu überwinden Schmach und Leben, Das Diadem der feltnen Kraft gegeben. 9r. 4 Drittels des Reichsnotopfers verzichtet, so ist das eine Jrreführung, deren sich die Sẞ. aus agitatorischen Gründen schuldig macht. Das Reichsnotopfer ist in das Ber. mögenssteuergeset hineingearbeitet worden. Unserer Fraktion ist es dagegen gelungen, die beabsichtigte Erhöhung der Umsatzsteuer von 22 auf 2 Proz. herunterzudrücken. Ferner ist die Zuckersteuer mit 50 Mt. anstatt wie beab fichtigt mit 100 Mt. pro Doppelzentner angesetzt worden. Selbstverständlich hat die Sozialdemokratie das ganze Rompromiß nicht leichten Herzens geschlossen. Sie war sich vollkommen flar darüber, daß jede neue Abgabenerhöhung eine sehr starke Belastung des einzelnen darstellt. Sie ist diesen Weg aber gegangen, weil es einen anderen nicht gibt. Wir müssen Mittel und Wege finden, unsere Schulden abzutragen, die wir durch den verlorenen Krieg aufgepackt bekommen haben, und können uns dafür bei denen bedanken, die es zu dem Kriege haben kommen lassen. Heute fönnen wir nichts weiter tun, als für die arbeitende Ber völkerung soviel wie möglich herauszuschlagen, für sie zu retten, was zu retten ist. Das kann man aber nur erreichen durch praktische Mitarbeit, durch zähen Kampf um jeden Borteil. Wir können es uns unter den jezigen Verhältnissen nicht leisten, nur Agitationspolitik zu treiben, wie es die Unabhängigen tun. Mit ihrem in Leipzig gefaßten Beschluß fommen fie für praktische Arbeit überhaupt nicht in Betracht. Es ist freilich leichter, an allem, was in mühsamer Arbeit geschaffen wird, verneinende Kritik zu üben, als selbst mitzu arbeiten. Hätten die linabhängigen die bittere Notwendigkeitschaft zu Einfluß und Macht zu führen im Staats- und Birt ihrer Mitarbeit eingesehen und danach gehandelt, so wäre es gewiß nicht zu den skandalösen Vorgängen gekommen, die sich die Deutsche Volkspartei geleistet hat. Diese Partei, die zusammen mit den Deutschnationalen immer recht laut von ihrer ganz besonderen Vaterlandsliebe spricht, hat es nämlich fertig gebracht, die zwischen ihr und den anderen Parteien zum Wohle des Landes getroffenen Bereinbarungen nach zwei Tagen umzustoßen, ihre einmal gegebenen Zusagen unter durchsichtigen Borwänden zurückzuziehen und so das mühsam zusammengebrachte Kompromiß zu gefährden, ja vielleicht unmöglich zu machen. Zum Vorwand diente ihr die Tatsache der Ernennung Dr. Ra then aus, der der Deutschen Bolkspartei äußerst mißliebig ist, zum Außenminister. Deutlich hat sich dabei herausgestellt, daß es dieser Partei bei ihrer Mitarbeit an dem Steuerkompromiß nur darum zu tun war, sich selbst in die wichtigsten Ministerposten zu setzen und damit die Führung der Politik der nächsten Zeit an sich zu reißen. Daß dann auf Erfüllung der gegebenen Zusagen in der Steuerpolitit zu rechnen ist, wird wohl niemand glauben, besonders nicht nach den soeben gemachten Erfahrungen. Sabotage der 3wangsanleihe, Sabotage der Steuerzahlung der Besitzenden wäre die Folge. Einzig und allein der Arbeitnehmer trüge die Lasten, und die von der Entente geforderte Ordnung des Staatshaushalts wäre unmöglich. Wie sich die weiteren Verhandlungen um das Steuer fompromiß im Reichstag entwickeln werden, läßt sich zurzeit, da diese Zeilen in Drud gehen, noch nicht sagen. Unsfer Organ, die„ Gleichheit", muß leider immer ungefähr zehn Tage vor dem Erscheinungstag druckfertig gemacht werden, damit Zeit für die Expedition gewonnen wird. Bis zum Er. scheinen dieser Nummer wird sich die Situation aller Boraussicht nach sehr geändert haben. Das eine aber ist gewiß: Wenn sich die Unabhängigen nicht doch noch besinnen und burch tätige Mitarbeit die Front gegen die Machtgelüfte der Deatschen Volkspartei stärken, stehen uns sowohl inner wie außenpolitsch die schwersten Erschütterungen bevor. In den ersten Märztagen soll die Konferenz in Genua stattfinden. Wir brauchen dazu mehr als je eine feste, flare Linien führung in unserer Politik, die durch Regierungsneubildung und Reichstagsneubildung nicht aus dem Gleis gebracht werden darf. Luise Zietz zum Gedächtnis* Bon Clara Bohm- Schuch In den frühen Morgenstunden des 27. Januar ist Lutse Zietz ihrem schweren, jahrelangen Leiden erlegen. Wie fie diese Krankheit zwang, wie der starte Wille immer wieder die Herrschaft über den siechen Körper davontrug, das kenn zeichnet das Wesen dieser unbeugsamen Frau. Solange fie lebte, schaffte fie; der Tod nur fonnte sie zur Ruhe zwingen. Mit der Arbeit war sie unlöslich verbunden; die Arbeiter schaftsleben war ihr Ziel. Im Proletariat wurzelte ihre starte Persönlichkeit, aus diesem Boden sprang der Quell ihrer Kraft. Sie fühlte nicht nur alle Nöte und Leiden der Menschheit in bem buchstäblichen Kampf ums tägliche Brot, sondern sie kannte sie. Sie wußte, wie die feinen Flügelschläge der Seele zerbrochen werden von den Alltagssorgen eines Proletarierlebens, fie mußte um die heiße Sehn sucht nach Wissen und Kultur, die Taufende junger Arbeiter finder durchglutet und die zerfallen muß im Lärm der Maschinen, in der Mühseligkeit des grauen Werktages. Aus dem Erleben tam bei Luise Zieh der Wille nach und zur Er lösung; darum konnte sie so vielen zur Befreierin werden. Ihr Weg führte steil und mühselig hinauf, viel Hindernisse waren zu überwinden, und daß dabei ihr Wesen oft hart und rauh werden mußte, verstehen wir alle, die die Schroffen und Schrunden des politischen Kampfes im eigenen Wesen tragen. Was mich am stärksten mit dieser Frau verband, war ihr Klassenbewußtsein, ihr stolzes Zusammengehörig. feitsgefühl mit der Arbeiterschaft und, hieraus entspringend, die innere Trennungslinie zur bürgerlichen Frauenbewegung. Sie war sich ohne Zögern und Schwanken in dieser Richtung ihres Weges bewußt, und diese innere Sicherheit und Ent schiedenheit gab ihren Reden sowohl wie ihren Schriften die Bolkstümlichkeit und die begeisternde Kraft, durch die sie wirkten. Auch da, wo sie mit außerordentlichem Fleiß an sich trockenes Material zusammentrug, verstand sie es so mit heißem lebendigen Atem zu durchdringen, daß es die Frauen packte. Ihre Broschüre über den Mutter- und Säuglings schutz, über den Kinderschuß,„ Die Frauen und der politische Kampf", ganz besonders aber die kleinen Agitationsschriften: „ Gehörst du zu uns?" und„ Bist du eine der unsrigen?" waren uns wertvolle Hilfen bei der Gewinnung der Frauen für den Sozialismus. Viele von unseren Genofsinnen, die heute an führender Stelle in unserer Partei stehen, sind durch die Schule von Luise gegangen; die sozialistischen Frauen in ihrer Gesamt heit sind ihr zu großem Dant verpflichtet. Im Kriege trennte sich ihr Weg von unserer Partei, und wenn sie uns leiden schaftlich bekämpfte, so wollen wir ihr nicht vergessen, daß dies gerade aus ihrer Liebe zur gemeinsamen Sache der Arbeiterschaft entsprang. Wir halten die Politik der Unab * Dem Borwärts" vom 2. Februar entnommen, L t. re ■ t, en ra m fe art en en d, ga d, g ng its Die fie an nit en 35 he en: zen Det on nt. ante 2n a Bet aba Nr. 4 Die Gleich beit Sie hängigen für falsch, wir betrachten die einstige Spaltung der Sozialdemokratischen Partei als das schlimmste Hindernis zur Erreichung des Sozialismus, wir bedauern, daß der Rampf gegeneinander oft maßlos geführt worden ist, aber bie Reinheit der Motive, die Ehrlichkeit des Wollens wird Luise Ziez in unseren Reihen niemand absprechen. mußte sein, wie sie war, weil sie sich einer Sache nur ganz hingeben konnte. Sie gehörte der sozialistischen Arbeiterbewegung an, und in der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie wird sie fortleben. Sie war ein leuchtendes Beispiel dafür, wie ein starter Mensch sich aus widrigen Berhältnissen zu geistiger Höhe emporarbeiten kann. Für uns Frauen hat sie viel getan; wir stehen trauernd an ihrer Bahre und geloben der toten Führerin, weiter zu arbeiten an der Befreiung der Menschheit aus leiblicher und geistiger Not. Luise Zietz stammte aus einer Weberfamille und wurde am 25. März 1865 zu Bargteheide in Holstein geboren. Sie war Schülerin der Bolksschule und hat sich ihr umfangreiches Biffen mit zäher Energie später selbst erworben. Seit 1892 war sie ständig in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung tätig und nahm bald eine hervorragende Stellung ein. Vom Bahre 1908 gehörte sie dem Vorstand der Sozialdemokrati schen Partei Deutschlands an. Sie war Mitgründerin der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei und Mitglied bes Vorstandes. Luise Zietz wurde 1919 in die Nationalver. fammlung und später in den Reichstag gewählt. Am Am 26. Januar erlitt sie während der Rede des Grafen Westarp im Reichstag einen schweren Ohnmachtsanfall und starb am Morgen des darauffolgenden Tages. Das Reichsgesetz über die religiöse Rindererziehung Bon Stadtrat Heinrich Seliger Nach der Reichsverfassung haben Männer und Frauen grundfäßlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten, Insbesondere auch in der Ehe. Der erst durch die Revolution * Feuilleton Mädchen find wie Schalen... Mädchen find wie Schalen füßen Weines, bis zum Rand gefüllt, Birgend feliges Genießen.. Daß kein Tröpfchen überquillt, Muß man achtfam fie umfchließen.... Mädchen find wie Sommertrauben, Die nach dir bedürftig greifen Und an deinem Herzen reifen Und an einen бerbit nicht glauben... Und du darfft fie tief erfchauen: Teigen fich mit heißem Winken Deinem Mund zum Liebestrinken Und find felig im Vertrauen... Mädchen find wie Schalen füßen Weines, bis zum Rand gefüllt, Birgend feliges Genießen.. Und am Grunde, kaum verbüllt, Ihre zarten Seelen fließen * Die man leicht zerwühlt, zerknüllt!... Fr. Cindenkobl. Erlebnis im Winter hneeweiß singt der talte Wind sein Lied. Auch die Straßen sind weiß... und die Dächer,.. und die Sterne. Sie strahlen ein helles Licht. Mir.. ins Herz hinein. In das rote Herz. In dem es pocht und schlägt. Das warme Blut... die Liebe singt! 35 zur Anerkennung gebrachte Grundsatz der Gleichberechtigung der beiden Geschlechter muß nun allmählich die gesamte Gesetzgebung durchdringen, die bis vor kurzem in den meisten Beziehungen die männlichen Vorrechte gewahrt hat. Einen Schritt vorwärts auf diesem Wege bedeutet das Reichsgesetz Dom 15. Juli 1921 über die religiöse Kindererziehung, das mit dem 1. Januar 1922 allgemein in Kraft getreten ist.( In Preußen hat es bereits seit dem 1. Oftober 1921 Geltung.) Die religiöse Kindererziehung war solange zwar auch staatlich, aber in wenig übereinstimmender Weise geregelt. In Preußen galt das Allgemeine Landrecht von 1794 noch mit einer Bestimmung, nach der niemand ein Recht hat, den Eltern zu widersprechen, solange sie über den ihren Kindern zu erteilenden Religionsunterricht einig sind. Das traf in früheren Zeiten in der Regel zu, wenn beide Eltern- wie gewöhnlich- derselben Konfession angehörten. In solchen Fällen gab es selten Schwierigkeiten; desto häufiger stellten fie sich in konfessionell gemischten Ehen ein. Für diese bes stimmte das Gesetz in Bayern und Mecklenburg, wie ursprünglich auch das Allgemeine Landrecht in Preußen, daß im Streitfalle die Mädchen im Bekenntnis der Mutter, die Knaben in dem des Vaters zu erziehen seien; in Preußen ( Deklaration vom 21. November 1803 und Kabinettsorder vom 17. August 1825), Sachsen, Württemberg und Hessen sollte das Bekenntnis des Vaters entscheidend sein. In Preußen waren außerdem nach den beiden erwähnten Kabinettsordern Berträge der Ehegatten oder Berlobten über die religiöse Erziehung ihrer Kinder verboten und nichtig. Die Bestimmungen des bürgerlichen Rechts nahmen aber nicht überall Rücksicht auf das Kirchenrecht. 3. B. ist bei den Katholiken das Eingehen einer Mischehe firchlich strafbar, die Ehe selbst jedoch gültig. Sie fann sogar gestattet werden unter gewissen Bedingungen, zu denen in erster Linie die - womöglich eidliche Verpflichtung zur katholischen Erzlehung aller Kinder gehört. Aehnliche Forderungen hat infolgedessen die evangelische Kirche dann notgedrungen auch mehrfach erhoben. Diese Ansprüche ließen sich nach der Einführung der Zivilehe nur noch so erreichen, daß die Geistlich feit die Vornahme der kirchlichen Trauung von der Erfüllung Die Augen sehen die Straße hinunter. Und suchen und finden... und wandern weiter. Hinaus aus der Stadt, in die weiße Ebene hinein, die vom klaren Winterhimmel blau überdacht ist. Die Winde sausen über die Ebene, und goldene Sonnenstrahlen sinken in sie hinein. Und in dieser Pracht steht mein Mädel. Und ich schreite auf sie zu und küffe fie. Mitten auf den roten Mund. Es ist, als wenn ich eine Rose küsse. Einer roten Rose duftenden Kelch. Mitten im inter.. Herrgott, das Mädel geht ja neben mir, und ich Träumer habe sie gefüßt! Unverfehens... Lachend... Alfred Fritsche, Helen Keller Bon Wilh. Lennemann er Name und die außerordentlichen Erfolge dieses taubblinden Mädchens werden den meisten Leserinnen wohl bekannt sein. Ihr Bildungsgang erschien manchen so rätselhaft, daß sich sogar in Fachkreisen Zweifel erhoben und der Taubstummenlehrer Brohmer in einem Heftchen Wie soll man über Helen Keller denken? offen aussprach, daß hier eine Täuschung vorliegen müsse. Allerdings hat er später diesen Vorwurf durch die öffentliche Erklärung, dağ feine Annahme nicht aufrechtzuerhalten sei, wieder gut gemacht und die Verdächtige als ein Wunder an Intelligenz und Kapazität bes zeichnet und es der Zukunft anheimgestellt, eine Erklärung für diese vom Gewöhnlichen so weit abweichende Erscheinung zu finden. Die Psychologen haben indessen soviel zur Erklärung beigetragen, baß es sich wohl verlohnt, heute, da ein gerechterer und hellerer Ueberblick ermöglicht ist, den Entwicklungs- und Bildungsgang 36 Die Gleichheit Nr. 4 jener Bedingungen abhängig und dadurch das Zivilrecht unwirksam zu machen versuchten. Mit der Zunahme der Kirchenaustritte wurde die Frage brennend, was zu ge schehen habe, wenn ein Elternteil in späterem Alter eine andere Ueberzeugung gewinnt und demgemäß den Religions unterricht seinen Kindern im Geiste einer anderen Welt anschauung erteilen zu lassen wünscht, als es der Ursprung- lichen Einigung entsprach. Auf die Eltern, die keiner Religionsgemeinschaft angehörten, hatten die älteren Gesetze keine Rücksicht genommen. Eine gesetzliche Handhabe zur Befreiung der Dissidentenkinder vom christlichen Religions unterricht gab es nicht. Es war also hohe Zeit, in den Fragen der religiösen Erziehung der Kinder und des Einflusses der Eltern auf das Bekenntnis ihrer Nachkommen ein für ganz Deutschland einheitliches, modernes Recht zu schaffen. Das neue Gesetz hebt alle ihm entgegenstehenden Bestim mungen der Länder auf. Ferner wird(wie in Preußen schon 1803) den Verträgen über die religiöse Kindererziehung die bürgerliche Wirkung abgesprochen. Damit ist die Bahn für eine Neuregelung freigemacht. Zwar bleiben die vor der Verkündigung des Gesetzes ge schlossenen Verträge in Kraft: aber sie haben nur in einigen süddeutschen Ländern Rechtsgllltigkeit und können auf Antrag durch das Vormundschaftsgericht aufgehoben werden. An die Stelle der Verträge tritt die freie Einigung der Eltern. Derartige Abmachungen können jedoch jederzeit von einem Elternteile widerrufen werden: auch der Tod eines Ehegatten hebt sie auf. Besteht keine Einigung, so greifen die Vor schriften des BGB. Platz über das Recht und die Pflicht, für die Person des Kindes zu sorgen. Von ihnen ist besonders bemerkenswert der Z 1634, in dem es heißt:„Bei einer Meinungsverschiedenheit zwischen den Eltern geht die Mei nung des Vaters vor." Dieses Vorrecht des Mannes wird jedoch zugunsten der Mutier stark eingeengt:„Es kann während bestehender Ehe von keinem Elternteil ohne die Zu stimmung des andern bestimmt werden, daß das Kind in einem andern als dem zur Zeit der Eheschließung gemein samen Bekenntnis oder in einem andern Bekenntnis als bisher erzogen, oder daß ein Kind vom Religionsunterricht dieses Mädchens umfassend zu betrachten. Helen Keller wurde am 27. Juni 1880 in Tuscumbia geboren. Helen nannte sie ihre Mutter, weil dies Licht bedeutet, und sie hoffte, daß die Tage der Tochter von Glanz umleuchtet sein würden. Doch schnell sollte die Ernüchterung kommen. Im 20. Monat ihres jungen Lebens er krankte Helen an einem Fieber. Sie genas zwar, verlor aber Augenlicht und Gehör, und auch die Sprache verging infolgedessen allmählich bis auf einen geringen Rest. Geruchsinn und Tastgcfühl mußten ihr in der Folgezeit den Verkehr mit der Umwelt ver mitteln. In ihrem achten Lebensjahr erhielt sie eine Lehrerin Annie Sullivan. Und diese hat das äußerst schwierige Werk voll bracht, Helen aus dem Dunkel ihrer Tage in die Helle des Lebens zu führen. Sie begann damit, der Taubblinden und Stummen die Wörter mittels des Fingcralphabets in die Hand zu buchstabieren. So lernte Helen wohl die Wörter, die Bedeutung eines Worts jedoch und die begreifliche Verbindung mit dem bezeichneten Gegenstand gingen ihr verloren. Erst als die Lehrerin sie an die Pumpe führte, ihr das kalte Wasser über die eine Hand fließen ließ und ihr in die andere Hand mehrmals das Wort„IVster"(Wasser) schrieb, ent hüllten sich ihr Begriff und Bedeutung. Schnell lernte sie nun alle Gegenstände der Umgebung benennen durch einfache Nach ahmung. Sie lernte, wie ihre Lehrerin berichtete, weil sie nicht anders konnte, genau wie der Vogel fliegen lernt. In ähnlicher Weise erfolgte die Verdeutlichung abstrakter Begriffe, so daß sie verhältnismäßig schnell mit der Erlernung der Brailleschen Blinden- schrist beginnen konnte, die sie dann ebenfalls rasch lesen und schreiben lernte. Später benutzte sie die Hammondschreibmaschine. Im Frühjahr 1890 ging sie wieder einen Schritt weiter, sie er lernte die Lautsprache, und zwar mit einem solchen Eiser, daß sie schon nach Verlauf ron zwei Monaten, während der sie 11 Unter richtsstunden gehabt hatte, zusammenhängend bis auf wenige Nach hilfe verständlich sprechen konnte. Einschneidend in ihren Ent wicklungsgang war dann die Weltausstellung in Chicago. Es war abgemeldet werden soll." So ist die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau annähernd wiederhergestellt. Außerdem kann, falls die Zustimmung nicht erteilt wird, die Vermittlung des Vormundschaftsgerichtes beantragt werden, für deren Verfahren einige Richtlinien gegeben werden. Seinen Entscheidungen liegen die Vorschriften des BGB. zu grunde, die das geistige und leibliche Wohl des Kindes sichern und einen Mißbrauch der elterlichen Rechte verhüten sollen- Zur Auskunft und Klärung der Sachlage sind Verwandte, Lehrer und dergleichen möglichst heranzuziehen. Gegenüber einem beigeordneten Vormund hat bei Meinungsverschieden heiten die Ansicht des Vaters oder der Mutter das größere Gewicht. Wenn beide Eltern vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes verstorben sind und über die religiöse Erziehung in einem bestimmten Bekenntnis nachweislich einig waren, so kann der Vormund bestimmen, daß sein Mündel in diesem Bekenntnis erzogen wird. Ist der Vormund der allein Er ziehungsberechtigte, so bedürfen seine Anordnungen über die religiöse Erziehung seines Mündels der Genehmigung des Vormundschaftsgerichtes. Bei allen gerichtlichen Entschei dungen über seine religiöse Erziehung ist das Kind vom vollendeten 10. Lebensjahre ab zu hören. Hat es das 12. Lebensjahr erreicht, so kann es nicht gegen seinen Willen in einem anderen Bekenntnis erzogen werden als bisher. Mit der Vollendung des 14. Lebensjahres wird es religionsmündig, d. h. es steht ihm die Entscheidung darüber zu, zu welchem Bekenntnis es sich halten will. Das Vor mundschaftsgericht tritt nur in Tätigkeit, wenn es auf Miß stände aufmerksam gemacht oder seine Entscheidung beantragt wird. Derartige Anträge können nur von den Erziehungs berechtigten(Eltern, Pfleger. Vormund) gestellt werden, nicht aber vom Staatsbeamten, Lehrern oder Geistlichen. Aus vorstehendem ergibt sich, daß das neue Gesetz lediglich die privat- und familienrechtliche Seite des Problems berück sichtigt, unabhängig von der Lösung anderer mit der religiösen Kindererziehung eng zusammenhängenden Fragen, so bleibt z. B. der Inhalt des Religionsunterrichts völlig unberührt, ebenso die tirchenrechtliche und bürgerliche Zuge hörigkeit zu einem Bekenntnis oder der Austritt aus einer ihr gestattet worden, olles zu betasten, wie denn überhaupt von der Leitung und den Ausstellern alles geschah, um ihr hilfreich und aufmerksam zu begegnen.„In diesen Wochen", sagte sie,„machte ich den Sprung von dem kindlichen Gefallen an Märchen und Spielzeug zur Wertung der Wirklichkeit und des Ernstes in der werktätigen Well." Von ihrem 14. Lebensjahre an besuchte sie die Wright-Humason-Schule, in der sie besonders gut sprechen und von den Lippen ablesen lernte. Nebenher trieb sie Deutsch und ver mochte schon nach Verlauf eines Jahres den„Wilhelm Tell" mit dem größten Entzücken zu lesen. Auf der Artur-Gilam-Schule be reitete sie sich für das Radeliffe College vor und schon im Jahre 18?? bestand sie die vorläufige Prüfung in Deutsch, Französisch, Englisch, Griechisch und römische Geschichte. Zwei Jahre bereitete sie sich dann noch privatim zur Universität vor. Das einzige Fach, da« ihr etwas Schwierigleiten bereitete, war Mathematik, und hierin gebrauchte sie bei der Aufnahmeprüfung etwas niehr Zeit. Latein dagegen siel ihr sehr leicht und im Homer fand sie ein Paradies. Vier Jahre lang lernte und studierte sie, immer durch Vermittlung von Annie Sullivan, die ihr alles zufingerte. Wenn auch manche ihrer romantischen Vorstellungen nicht in Erfüllung gingen, so lernte sie doch viel, was sie sonst zu lernen wohl nie Gelegenheit gehabt hätte Die Vorlesungen über Philosophie und Shakespeare waren ihr besonders wertvoll, und ani Schlüsse ihrer Lernzeit ge stand sie:„Eins, das ich gelernt habe, ist die kostbare Wissenschaft der Geduld, die uns lehrt, daß wir's mit unserer Erziehung halten sollen wie mit einem Spaziergange auf dem Lande— in Muße, den Sinn gastlich offen für Eindrücke jeder Art." Schon diesir Bildungsgang ist erstaunlich genug, noch wunder barer aber ist es, daß Helen Keller es ermöglichte, Schriftwerke selbständig herauszugeben. Sie veröffentlichte 1903„Die Geschichte meines Lebens", in der in aller Ausführlichkeit mitgeteilt wird, was hier zusammengedrängt werden mußte. Auch enthält da» Buch ihre Briefe und im Anhang niehrcre ausführliche Aufsätze über Helen Kellers Persönlichkeit, Bildungsgang, ihre Sprache und T 3 t , Nr. 4 Die Gleich beit Kirche. In seinem engen Rahmen ist das Gesetz durch brungen von Achtung vor der Freiheit der Eltern und den Rechten der Frauen und Mütter; es atmet den Geist der Duldsamkeit und bemüht sich, die religiöse Kindererziehung dem Kampf kirchlicher und politischer Parteien möglichst zu entziehen. Diese Vorzüge verdienen Anerkennung, und sie dürften die Nachteile aufwiegen, die manche Kritikfer an ihm tadeln mögen. Der Religionsunterricht in den englischen Schulen Englands freiheitliche Gesetzgebung bewährte sich bisher auch auf dem Gebiete der religiösen Unterweisung, über die der Education Act von 1870 bestimmt: Die örtliche Schulbehörde fann einen von ihr für geeignet gehaltenen Religionsunterricht anordnen, ist aber dazu nicht verpflichtet. Keinem Schüler einer öffentlichen Schule darf Teilnahme am Gottesdienst, an der Sonntagsschule oder an irgendwelcher religiösen Unterweisung auferlegt werden, wenn die Eltern oder Vormünder dagegen Einspruch erheben. Jede religiöse Unterweisung in der Schule muß am Anfang oder Ende des Tagesplanes liegen; wird ein Schüler davon durch die Erziehungsberechtigten zurückgehalten, so darf er nicht sonst irgendwie die Vorteile des übrigen Unterrichts verlieren. Die Inspektoren haben im Religionsunterricht nicht zu prüfen und keine Frage zu stellen. Abgesehen von vielen Bezirken in Wales, wo das Sonntagsschulwesen dafür eingebürgert ist, erteilen wohl alle öffentlichen Schulen heute religiöse Unterweisung auf Grundlage der Bibel, aber ohne alle dogmatische Färbung. Daran nehmen die Kinder fast alle teil, ohne Unterschied des Bekenntnisses, und die Eltern sind mit dieser unkonfessionellen Form stets zufrieden gewesen. Entsprechend gibt es natürlich nichtkonfessionelle Lehrerseminare und keinerlei Unterwerfung der Lehrer unter eine fonfessionelle Prüfung oder Bereidigung. Alles bisher Gesagte gilt nur für die Council- oder provided schools( Gemeindeschulen), die sich in der Hauptihre Bedeutung als Schriftstellerin. Ihr Glaubensbekenntnis legte fie in dem schmalen Büchlein„ Optimismus" nieder. Darin sagt fie:„ Mein Optimismus ist auf zwei Welten gegründet, auf meine eigene und auf die, welche mich umgibt. Ich habe Vertrauen, und nichts, was auch immer eintreten möge, stört mein Vertrauen. Ich erkenne die Güte der Macht, die wir als die höchste verehren Ordnung, Schicksal, Weltgeist, Natur, Gott; ich glaube an den Menschen, ich glaube an die Macht des Geistes, ich glaube, daß es eine heilige Pflicht ist, uns selbst und andere zu ermutigen, tein unglückliches Wort über Gottes Welt über unsere Lippen zu bringen, weil kein Mensch ein Recht hat, sich über ein Weltall zu beflagen, das Gott gut geschaffen hat und das gut zu erhalten sich Tausende von Menschen bestreben. Der Optimismus ist die Har monie zwischen dem Geiste des Menschen und dem verheißenden 15 Geiste Gottes. Seine Werte sind gut!" r e n it 7 h It 17 5. g e To it e ft ne e, To te te 5, 15 ze 18 Der Inhalt des folgenden Büchleins„ Meine Welt" wird schon durch den Titel angegeben, und ihre letztes,„ Dunkelheiten", ent hält zwei Aufsäge über die Hand und ihre Traumwelt, sowie die Dichtung Dunkelheiten". Meine nachfolgenden Ausführungen find diesen beiden Büchlein entnommen. Es ist mehrfach die Frage aufgeworfen worden, welche Hilfs. mittel standen Helen Keller zur Erreichung ihrer unerhörten Erfolge zur Verfügung? Da muß zunächst daran erinnert werden, daß Helen erst im 20. Monat Gesicht und Gehör verloren, sie also bolle 19 Monate mit diesen beiden Sinnen Eindrücke aufnehmen fonnte. Und in der Tat ist bei ihr ein dunkles Erinnern an diese lichte, normale Zeit ihres Lebens noch vorhanden. Sie hat als zwölfjähriges Mädchen für eine Kinderzeitschrift einen Bericht über ihre ersten Lebensjahre gefchrieben. Ich hebe daraus folgendes hervor: Als ich anfing, auf die Dinge zu achten, füllten sich meine blauen Augen mit bewundernder Freude. Ich blickte lange nach bem herrlichen, tiefblauen Himmel und streckte meine Händchen nach den goldenen Sonnenstrahlen aus, die Verstecken mit mir Ipielten. 37 sache aus Gemeindesteuern erhalten, wozu beträchtliche Staatszuschüsse kommen. Neben ihnen bestehen, der histo rischen Entwicklung gemäß, die religiösen( oder nonprovided) Schulen, auch ,, voluntary schools" genannt. Diese sind allermeist von religiösen Körperschaften gegründet worden, wer den auch von ihnen unterhalten. Schulgeld dürfen auch sie nicht erheben; ihre Haupteinkünfte sind lediglich freiwillige Beiträge der Gläubigen. Der Staat gibt ihnen einen zuschuß zu den Baulichkeiten. Er überwacht ihre äußere und innere Organisation. Die tonfessionellen Schulbehörden haben das Recht, den Hauptlehrer selbst zu wählen. Natürlich wird dieser, wie auch die Mehrzahl der anderen Lehrer, dem konfessionellen Amtseid unterworfen. Hier hat auch der Geistliche Zutritt, um in Religion zu prüfen, jedoch nach dem Gesetz höchstens zweimal im Jahre. Er hat die Zeit seines Erscheinens vorher bekanntzugeben, damit Kinder, deren Eltern dies wünschen, fortbleiben können. Wenn man bedenkt, daß die Schule vor 1870 ledigli.h eine Einrichtung der Kirche war, so gewinnen folgende Zahlen doppelte Bedeutung: Gemeindeschulen- Kinder 5975 8621 Bekenntnisschulen- Kinder 1903: 14 238 3 722 217 3 065 169 1919: 12 302 2 736 913 4 329 252 Der Gang der Entwicklung ist klar. Immer mehr Eltern, befriedigt von den allgemeinen Erfolgen und von der undogmatischen Art der religiösen Unterweisung in den CouncilSchools, vertrauen diesen ihre Kinder an. Der Krieg hat für die nichtkonfessionelle Erziehung eine günstige Atmosphäre im Volke geschaffen; denn er hat die Unterschiede zwischen Frommen und Freidenfern, zwischen Protestanten und Katholiken durch vier Jahre gemeinsamer Gefahren vielfach zum Verschwinden gebracht. Der Begriff der Erziehung hat sich geweitet; diese erschöpft sich nicht mehr im bloßen Anlernen von Lesen, Rechnen und Schreiben plus Katechismus, sondern will wissenschaftlich begründete Vorbereitung auf ein vollmenschliches, edles Leben sein. ( ,, Journal of Education", April 1920.) Verworren entsinne ich mich langer, lichterfüllter Sommertage und der Stimmen der Vögel, die im hellen Sonnenscheine fangen. Ich sah kleine lichte Flocken zwischen den Blumen hinschwirren, ich meine, es sind Vögel oder vielleicht Schmetterlinge gewesen," usw. Dieser Töne und Farben hat sie sich später wieder bis zu einem gewissen Grade erinnern förnen. Als einmal von blauen Augen die Rede war, fragte sie: Sind sie wie kleine Himmel?" Aber diese Erinnerungen sind zweifelsohne immerhin nur dunkler, ungewisser Art. Sie müssen mühsam aus der tiefsten Tiefe des Ge dächtnisses hervorgeholt werden und verdanken ihre Hebung immer nur der glücklichen Wirkung mehrerer zufammenwirkender Kräfte. Aber sie haben auch zweifelsohne in den Gang ihrer Entwicklung eingegriffen. ( Schluß foglt) Ebene Ebene, hellweite Ebne, dir tönt mein Lied, Wenn die Seele, trunken von Weite, zurück zu fich felber flieht. Aus des Ichs befcheiden begrenztem Raum Wandert die Sehnsucht, schweift der Traum, Trinkt in durftigen Zügen die Ferne, Atmet Sonne, vermählt sich dem Sterne, Wunfchlos aber auf Du und Du Steht Gott und Seele in heiliger Rub, Wenn blau und blauer unendliche Weiten Der Ewigkeit Bild mir ahnend entspreiten Oder wenn an der schimmernden Kuppel von Glaft, Wolken fich türmen Giganten Parnaẞ Wenn blendendweiße Schleier fich weben, Die felig bang im All entfchweben, Dann möcht' ich der Erden Wirrnis enttaufchend, Leben und Sein im Licht verbauchen. Charlotte Bud: ow. 38 Die Gleich beit Die Frauen und die Staatskirche Bon Val. Gerhardt Eulo Als die Sozialdemokratische Partei Deutschlands fich mit aller Kraft für das Frauenwahlrecht einsehte, fonnte sie mit Recht erwarten, daß sich alle Frauen aus der erwerbstätigen Bevölkerung geschlossen für die Arbeiterparteien entscheiden würden. Die Er fahrung hat jedoch gelehrt, daß gerade unsere Partei am wenigsten Nußen von der Einführung des Frauenwahlrechts gehabt hat. Der größere Teil der weiblichen Wählerschaft ging zum Lager der bürgerlichen Parteien, in fatholischen Gegenden fast ausschließlich zum Lager des Zentrums, über. Welches sind die tiefften Ur. fachen dieses Mißerfolges? Mir erscheint( neben anderen wichtigen Ursachen) die bisherige, angeblich feindliche, Stellung der Sozial. demokratie zur Religion und zur Kirche als ein schwerwiegender Grund. Wir fordern die Trennung von Staat und Kirche, von Kirche und Schule; wir fordern bei dem jeßt entbrennenden Rampfe um das Reichsschulgesetz wieder besonders nachdrücklich die weltliche Schule! Aber der Saß unseres alten Brogramms: Religionist Privatsache wird immer wieder von einer großen Anzahl der Wählerinnen, trotz dauernder Aufklärung in der Tagespresse, In unseren Zeitschriften und in den Bersammlungen zum Teil un absichtlich, zum Teil mit voller Absicht falsch aufgefaßt. Es ist eine nicht zu leugnende Tatsache, daß viele Frauen, besonders in ländlichen und in katholischen Gegenden, sich ganz im Banne der Geistlichkeit befinden.-Im fleinsten Kreise hat der Schreiber biefer Zeilen von intelligenten Landarbeiterfrauen öfters hören müssen:„ Wir können als Christen nicht sozialdemokratisch wählen, weil ihr uns die Religion nehmen wollt!" Mich interessieren hier hauptsächlich die Frauen, die aus Unkenntnis die Begriffe Kirche, Religion und Christentum durcheinanderwerfen und des halb die Forderung des Programms falsch verstehen. Würden diese Frauen regelmäßig unsere Presse lesen und unsere Berfammlungen besuchen( manche Frau hat kein Interesse daran und findet nie Zeit dazu!), würde jede Genoffin an ihrem Teile aufklärend auf die ihr nahestehenden indifferenten oder nicht or ganisierten Wählerinnen wirken, so würden sie bald ihren Irrtum einsehen. Bleiben unsere aufklärenden Vorträge aber ungehört, unsere Artikel ungelesen, so müssen wir, falls wir ein Interesse an der Aufwärtsbewegung unserer Partei haben, andere Mittel versuchen. Manche Mitglieder unserer Partei bezeichnen die Agitation zum Austritt aus der Landeskirche als eine verhängnisvolle Tattit. Die Tatsache steht fest, daß in den Reihen unserer Wähler, besonders in den Reihen unserer Frauen, die Zahl derer groß ist, die gute Sozialisten, aber auch gute Christen sind. Sie wollen sich auch als Sozialisten am tirchlichen Leben beteiligen und weder auf die äußere Form, noch auf ihre innere Zugehörigkeit zur Kirche verzichten! Wenn wir nun einen scharfen Kampf gegen die Kirche proflamieren, so gehen der Partei zweifellos sehr viele solcher Genoffinnen und Genoffen verloren. Es fragt sich, ob unsere bis. herige Taktik im Kampf gegen die alte Staatskirche berechtigt und notwendig war; es fragt sich zweitens, ob eine Fortsetzung diefer Taktik im Interesse unserer Partei unter den heutigen Umständen praküsch und flug ist. Die erste Frage ist rückhaltlos mit" ja" zu beantworten. Wir waren durchaus berechtigt, die Kirche als eine gefügige Dienerin bes Kapitalismus, als ein nur zu williges Werkzeug der herrschen. den Klasse zu betrachten. Wir find auch heute noch in der Lage, nachzuweisen, daß die monarchistische lleberlieferung mit ihrer Anpassung an die dynastische, tapitalistische und militaristische Ordnung des alten Staates, mit ihrer nationalistischen Lehre vom ,, deutschen Gott", vom„ heiligen Krieg" von einzelnen Geistlichen ruhig weiter gepflegt wird. Wir weifen mit Recht darauf hin, daß viele Geistliche beider Konfessionen, die sich anmaßen, auf fulturellem Gebiet die Berater des Klassenbewußten werftätigen Proletariats zu sein, von jeher in allen wirtschaftlichen und staatspolitischen Kämpfen die Schildhalter der Monarchie, des Militaris. mus und des Kapitalismus", turz die Todfeinde der Volkssache waren! Die Behauptung, daß sich die Kirche in den Dienst einer Partei oder je nach der politischen Orientierung des Pfarrers in den Dienst von zwei oder drei bürgerlichen Parteien stelle, wird von den Vertretern derselben mit vielem Wortschwall und großer Entrüstung als unwahr zurückgewiefen. Die Tat fachen beweifen aber nur zu oft die Wahrheit dieses berechtigten Vorwurfs. So lesen wir z. B. im Reichsboten", dem Blatt der konservativen Geistlichkeit:„ Evangelische Kirche und Deutsch nationale gehören innig zusammen. Denn wer hat am meisten das nationale Deutschtum hochgehalten? Waren es nicht die Nr. 4 evangelischen Universitäten mit den daraus hervorgegangenen Männern in Kirche, Schule, Beamtenstand und der Armee? Waren es nicht die Fürsten, die großen(!!) Hohenzollern voran??" Doch genug! Wenn Geistliche solche Ansichten weiter verzapfen, so muß die Kirche in ihrer Gesamtheit die Folgen tragen. Eine Mitarbeit bzw. eine wohlwollende Neutralität der Arbeiterschaft in firchlichen Fragen ist in solchen Fällen auch in der Zukunft völlig unmöglich, selbst dann nicht, wenn unsere Partei Einbuße an Mitgliedern erleiden müßte. Ehe sich die oberste firchliche Be hörde nicht entschließt, folche Ruinen einer alten Zeit zu schleifen, wird der Versuch unmöglich sein, den alten Bau mit neuem Geiste erfüllen zu können. Im Hinblick auf die maßlose Hezze, die in der Kirche gegen die Sozialdemokratie getrieben wurde, ist es außerordentlich schwer, die oben gestellte zweite Frage zu beantworten. Unwillkürlich möchte man ja" sagen. Denkt man aber daran, daß man durch weitere Anteillosigkeit und weiteren Kampf die Kirche zu einem gefährlichen geistigen Stützpunkt der Reaktion, zu einem Sammel beden aller Feinde der demokratischen Staatsverfassung macht, daß wir die wertvolle Hilfe vieler Genoffinnen und Genossen ent behren müssen, daß wir an Zahl erheblich verlieren, so möchte man, nein" fagen!- Die Verhältnisse haben sich seit der Revo lution auch etwas geändert. Das landesherrliche Kirchenregiment ist verschwunden. Es gibt eine ganze Anzahl sozialistischer und demokratischer Geistlicher, die eine Umwandlung der alten fapt talistisch- monarchistisch gesinnten Staatsfirche in eine Volkskirche erstreben. Sollte ihr Erfolg nicht größer sein, wenn die Partel durch eine den Verhältnissen Rechnung tragende, geänderte Taftit ihre Bemühungen unterstützte? Eine weitere Abstinenzpolitik erscheint nicht vorteilhaft. Nachdem sich die Landeskirche, wider willig dem Druck der demokratischen Zeitforderungen nachgebend, zur Ausschreibung von Wahlen entschloß, bot sich die Gelegenheit, die Kirche in unserem Geiste zur wirklichen Volkskirche umzu bilden, wenn wir uns gefchloffen an den Wahlen beteiligt hätten! Wir hätten leicht eine Mehrheit bilden können. Trotz alledem sollte das alles nicht daran hindern, daß wir jetzt unfere Tatlik allmählich ändern. Wir müssen natürlich imftande sein, eigene Anschauungen und Meinungen über Gott, Kirche usw. hinter das Wohl des großen Ganzen, für die Partei, stellen zu können. Wenn die Sozialdemokratie das große Wert der Mensch heitsbefreiung vollbringen will, so wird sie aber auch nicht umbin können, für die einzutreten, die ihrem innersten Herzensbedürfnis nach firchlich- gläubig sind. Auch daran wollen wir denken, daß unsere Partei auf dem Lande immer größere Ausdehnung gewinnt; daß Parteigenossen und-genosfinnen an der Staats- und Gemeindeverwaltung un mittelbar beteiligt sind. Eine fritische Nachprüfung unserer Stellung zur Kirche erscheint baldigst geboten. Allen Frauen, die Interesse an dieser Frage haben, empfehle ich die Ausführungen der Genossen Radbruch und Meerfeld in den ,, Vorschlägen für die Erneuerung des Programms der Sozial demokratie" zu lesen. Vielleicht geben diefe Zeilen der einen oder anderen Genoffin auch Veranlassung, sich hier in der„ Gleichheit" ebenfalls zu dieser wichtigen Frage zu äußern. Soziale Rundschau Die Notstandsmaßnahmen für Rentner Nach den Ausführungsbestimmungen über Notstandsmaßnahmen zur Unterstützung von Rentenempfängern der Invaliden und der Angestelltenversicherung ist den Gemeinden zur Pflicht gemacht, die Notstandsmaßnahmen beschleunigt durchzuführen und den Renten empfängern bei Geltendmachung ihrer Ansprüche behilflich zu fein. Die Anträge sind schriftlich oder mündlich bei der Gemeindever waltung zu stellen. Auch ist geftattet, den Antrag durch einen Ber treter stellen zu lassen. Hierbei ist aber zu empfehlen, dem Vers treter eine schriftliche Vollmacht mitzugeben. Zuständig ist die Ge meindeverwaltung des Wohnortes. Hat ein Rentenempfänger feinen Wohnort, oder ist derfelbe streitig, so gilt als Wohnort der Ort, der für die Bestimmung der Bahlstelle der Rente oder des Ruhegeldes maßgebend war. Auf Verlangen sind die Renten empfänger verpflichtet, durch Vorlage der Bescheide die Zahlstelle nachzuweisen. Alle Feststellungen, insbesondere über Einfommens und Fa milienverhältnisse, erfolgen von Amts wegen. Die hierzu erforder lichen Verhandlungen und Urkunden( Bollmachten und amtliche Be scheinigungen) bei der Stellung von Anträgen, der Durchführung von Erhebungen und Auszahlungen auf Grund des Gesetzes, find gebühren und stempelfret. Nr. 4 ie Gleich beit Falls die Auszahlung der Unterstützung an einen Vertreter erfolgen foll, so muß er die Vertretungsmacht nachweisen und auf Berlangen eine Vollmacht vorlegen. Diese ist von einer Person zu beglaubigen, bie berechtigt ist, ein öffentliches Giegel zu führen. Ganz besonders wichtig ist, daß länger als drei Monate rückwärts vem Tage des Antrages an gerechnet feine Unterstüßung gezahlt wird. Ausnahmsweise ist aber gesetzlich angeordnet, bei Anträgen, bie vor dem 1. April 1922 gestellt sind, die Unterstützungen, soweit bie gefeßlichen Voraussetzungen dafür vorliegen, vom 1. Oktober 1921 ab nachzuzahlen. Es ist also allen Rentenempfängern, die für eine Unterstützung in Frage zu fommen glauben, bringend zu empfehlen, unverzüglich thre Anträge einzureichen, damit sie möglichst bald und evtl. vom 1. Oftober 1921 ab in den Genuß der Unterstützung fommen. Aus der Frauenbewegung des Auslandes Frauenreichstonferenz der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Partei Die Sozialdemokratische Partei der tschechoslowakischen Repu blit, die unserer USP. gleichfommt, hielt in der ersten Hälfte des Dezember 1921 in Tetschen- Bodenbach ihren Parteitag ab. Borauf ging eine Reichsfrauenkonferenz, die von 61 Delegierten beschickt war. Als Vertreterin der Unabhängigen Sozialistischen Partei Deutschlands war Mathilde Wurm erschienen. Genosse Gold, fchmidt( Teplitz) gab einen Bericht für das Frauenreichstomitee und die„ Sozialdemokratin", das Organ der dortigen sozialistischen Frauen. In dem Bericht kominen lebhafte Klagen über die Schä bigungen durch die Spaltung zum Ausdruck, die man den Kom munisten zu verdanken hat. Durch das Treiben der Kommunisten haben sich viele Frauen von der Bewegung abgewandt, und den Nuhen davon haben die Christlichsozialen. Die zweite Rednerin, Genoffin Burod( Karlsbad), sprach über Organisations- und Agitationsfragen. Es wurden Anträge angenommen, einen Leit faden für Funktionärinnes. herauszugeben, Frauen- Werbeaktionen einzuleiten und Funktionärinnenkurse abzuhalten. Dann referierte Genoffin Abg. Rirpal über den politischen Rampf um die Frauen". Sie schildert, wie die bürgerlichen Parteien es versuchen zum Teil auch mit Erfolg- Arbeiterinnen für sich einzufangen. Am schlimmsten gehen dabei die Klerikalen vor. Die organisierten Frauen in der tschechoslowakischen Sozialdemo. fratischen Partei bilden ungefähr ein Biertel der gesamten Organi fation. Frankreich. Wie das ,, Berliner Tageblatt" meldet, hat Poin earé fürzlich in Paris einen Vortrag über das Frauenstimm recht gehalten. Die französischen Frauen knüpfen große Hoff nungen an die Tatsache, daß sich Poincaré öffentlich für die poli tische Gleichberechtigung der Frauen ausspricht. Gentsprechender Gefeßentwurf ruht schon seit zwei Jahren im Genat und man glaubt, daß nunmehr die Beratung des Entwurfs nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. Aus unserer Bewegung Genoffin! Heute ist Frauenabend. Die Leitung hat für eine Referentin geforgt. Die Helferinnen eilten am Tage vorher nochmals von Tür zu Tür, um die Säumigen besonders einzuladen. Man verspricht, biesmal ganz bestimmt zu kommen. Glücklich, soviel Zusagen er halten zu haben. gehen die Genossinnen heim, um ihre Hausfrauenpflichten zu erledigen. Sie sind am festgesetzten Abend selbst pünkt lich zur Stelle. Langsam kommen einzelne heran. Ein großer Teil der Eingeladenen aber fehlt, bleibt, wie so oft schon, daheim. Welche Enttäuschung für die immer rührigen Frauen. Genoffin, hast Du Dir schon einmal überlegt, wie schmerzlich es für die Frauen ist, ihre aufgewandte Mühe und Zeit so schlecht gelohnt zu fehen? Wie schnell bist Du mit einer billigen Ausrede zur Hand! Die Leiterin des Abends bittet die Anwesenden, die Fehlenden zu besuchen, mit ihnen einmal eine gründliche Aussprache herbeizu führen, um die Gründe zu hören, die die Abwesenheit rechtfertigen Pönnen. Arbeit, wirtschaftliche Notlage schüßen die meisten vor. Doch, Genossin, die zwei Stunden reiten Dich nicht! Sie können Dir aber vieles bringen, Schäße, aus denen Du besonders in Stunden geistiger Not schöpfen kannst. Da werden z. B. an einem Albend Gedichte von Ada Negri, Heine, Löns vorgelesen. Sie werfen Feuerbrände in Deine Seele, laffen Dich aufjauchzen, geben Dir Kraft, den Kampf zu wagen. Du fühlst Dich glücklich, zu hören, wie andere vor Dir den Weg zur Befreiung ebnen wollten. Ein anderer 39 Abend wieder bringt Dir frohe, heitere Stunden, in denen der All tag versinkt. Doch auch Deiner geiftigen Weiterbildung ist gedacht. Vorträge, furz, bestimmt gehalten, führen Dich ein in die soziale Gefeßgebung, in das Strafgesetzbuch, besonders soweit es uns Frauen betrifft, zeigen Dir die Rechte als Staatsbürgerin, aber auch die Pflichten, helfen Dir in Fragen der Kindererziehung, der seguellen Aufklärung dem heranwachsenden Geschlecht gegenüber. Unser Programm, das der Menschheit den Weg weist zu einem glücklichen, gerechten Zusammenleben, das die Befreiung der Menschheit zur Wirklichkeit machen will, bietet soviel Stoff zum Besprechen und bringt tausend Anregungen, die Du Dir nicht ent gehen lassen solltest. Vor allem eins werben Dir die Zusammenfünfte geben, das starte Bewußtsein: Keiner ist zu schwach, um helfen zu fönnen, feiner zu gering, um an dem menschheitbefreienden Werke mitzuarbeiten. Wieviel ist Dir schon verloren gegangen! Gile, bas Bersäumte nachzuholen! Besuche die Frauenabende, damit Du die Wahrheit bes Sages erkennst: Wissen ist Macht!" Alma Röhle. Wohlfahrtspflege Aus der Arbeit der Ausschüsse für Arbeiterwohlfahrt Im Bezirk Mittelschlesien bestehen neben dem Bezirksaus. schuß in Breslau eine große Anzahl örtlicher Ausschüsse für Arbeiterwohlfahrt. Die Genossen gehen von dem richtigen Grund. fat aus, daß nicht private Wohltätigkeit, sondern öffentliche Wohl fahrtspflege das Erstrebenswerte ift. Es werden deshalb Mit arbeiter für die verschiedenen Deputationen, die Armenämter und -direktionen gestellt. Die Erhöhung der Armenunterstützung von 5 bis 6 Mt. auf 30 Mt. ist wesentlich der Mitarbeit unserer Geroffen zu verdanken. Die Einrichtung der Hauspflege soll eine der nächsten Arbeiten werden, In Elberfeld sind im November folgende Unterstügungsfäße festgesetzt worden; alleinstehende Personen erhalten pro Woche 80 Mr., bei Familien erhält der Mann pro Woche 70 ML., die Frau 50 Mr. und pro Kind 40 Mt. Sachlieferungen, wie Kartoffeln und Kohlen, werden eingerechnet, ebenso die Mietunterstützung. Kleine Renten werden nicht angerechnet. In Barmen erhalten Allein. stehende 49 Mt., das Familienoberhaupt 49 Mr., die Frau 39 Mr. und jedes Kind 29 Mt. in der Woche. Außerdem werden Kartoffelbeihilfen im Betrage von 6 Mt. pro Person und Woche und alle 14 Tage 1 Zentner Rohlen geliefert. Dazu fommen 60 Proz der Miete. In Vohwinkel werden Alleinstehenden und Fa milienvätern 60 Mt., der Frau und den Kindern je 36 Mt. für die Woche gezahlt. Zwei Zentner Kohlen werden monatlich geliefert und die Miete wird ganz gezahlt. Aehnlich sind die Berhältnisse im ganzen Unterbezirk Elberfeld. In besonderen Notfällen werden auch Unterstüßungen für Bekleidung und Lebensunterhalt gewährt. Im Freistaat Sachsen, soweit er zum Bezirk Dresden gehört, bestand bis vor kurzem nur ein, allerdings sehr rühriger Drtsausschuß für Arbeiterwohlfahrt in Dresden selbst. Jezt hat sich dieser Ausschuß zum Bezirksausschuß erweitert, und wir hoffen, bald von der weiteren Gründung örtlicher Ausschüsse für Arbeiter. wohlfahrt Mitteilung zu erhalten. Im Rahmen dieses Bezirks ausschusses für Arbeiterwohlfahrt ist eine besondere Kommission für Kinderschutz und Jugendfürsorge gebildet worden, die sich be sonders der mißhandelten, vernachlässigten, sittlich gefährdeten Rinder annimmt und die vor allem auch bei der Jugendgerichts. hilfe mitarbeitet. Es wird über diese Arbeit folgende interessante Schilderung gegeben: „ Ein großes Arbeitsgebiet bieten die Diebstahlsdelikte bei Kin bern und Jugendlichen, die meist mit Gefängnis oder Unterbringung in einer Anstalt bestraft werden. Hier gilt es, die Bestohlenen von der Stellung des Strafantrages abzubringen und sie davon zu überzeugen, daß durch Gerichtsstrafen dem jungen Menschen die ganze Zukunft versperrt wird. Auf das Ehrgefühl des Schuldigen aber muß mit aller Energie eingewirkt werden. Schwieriger ge stalten sich die Dinge, wo das Gericht schon eingegriffen hat. Aber auch da gelingt es oft, die Geftrauchelten vor der Anstaltserziehung zu bewahren. Durch das Anerbieten von Schußaufsichten durch die mitarbeitenden Genossen wird den Schuldigen oft Strafaufschub gewährt. Biele unserer Mitglieder sind vom Jugendfürsorgeamt als Fürsorger bestellt und haben die Aufgabe, den Anstaltsentlasse< nen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Ein sehr düsteres Bild entrollt die Polizeipflegearbeit, die für bie weiblichen sowie männlichen Jugendlichen, namentlich bei Sitt lichkeitsdelikten, Diebstahl und nächtlichem Umhertreiben in An wendung fommt. Biel Energie und Kraft muß aufgewendet wer den, um die Gestrauchelten wieder auf den richtigen Weg zu 40 Die Gleich beit bringen, den fie durch den Krieg verloren haben. Der Gefährdung der Jugendlichen durch die Kinos wird durch praktische erfolgreiche Arbeit, besonders durch Kontrolle, entgegengearbeitet." Einen treuherzigen Bericht von der Gründung eines Ortsausschusses für Arbeiterwohlfahrt befamen wir vor kurzem aus Poppenbüttel in Schleswig- Holstein. In seinem halb dänischen Deutsch liest sich der Bericht wie eine alte Chronik. Er fagt am Schluß: In jedem Haushalt sollte die feit über 100 Jahren bewährte Sanitätsrat Dr. Strahls Haussalbe vertreten sein, denn diese bekannte Salbencreme heilt nicht allein kleine Wunden, wie solche im täglichen Leben leicht entstehen, sondern auch kompliziertere autleiden, wie Ausschläge, Flech ten, Brandwunden und besonders die sogenannten offenen Beinwunden und Krampfadern, wie man fie bei Frauen nicht allzu selten findet. Sind Lungenleiden heilbar! Seit Nr. 4 ,, Gibt es etwas Schöneres und Erhabeneres, als sich gegenseitig zu helfen, mit Rat und Tat beizustehen? Mensch geh zu Mensch und werde Mensch, alle seien wir gleich, alle geboren, um zu sterben. Diese turze Spanne Zeit wir auf der Erde sind, laß uns das fein, was wir sein sollen: Menschen!" I. H. Verantwortlich für die Redaktion: Eli Radtke. Druck: Vorwarts Buchdruckerei. Verlag: Buchbandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. S., fämtlich in Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Auch gegen Hautjuden und Hämorrhoidalbe. schwerden ist die Hausfalbe ein jud- und schmerzstillendes Mittel. Da dieses, bereits in aller Welt bekannte Präparat aus den feinsten Materialien hergestell: wird und daher niemals, selbst bei empfindlichsten Stellen, Schmerzen verursacht, so machen wir auf dieses Präparat besonders aufmerksam. Hergestellt wird Sanitätsrat Dr. Strahls Haussalbe in der Elefanten- Apothefe, Berlin SW. 19, Leipziger Str. 75, a Dönhoffpl. 70 Jahren ist Bel Afihma, Lungen- u. Kehlkopftuberkulofe, Schwindfucht, Lungenfpitzen- Katarrh, veraltetem Huften, Verfchleimung, lang beftehender Heiferkeit lese jeder die San.- Rat Dr. Strahl's Broschüre mit obigem Titel. Der Verfasser, Herr Dr. med. Guttmann, Chefarzt der Finsenkuranstalt. zeigt darin in volksverständlicher Weise natürliche Wege zur Beseitigung dieser schweren Leiden. Jeder Kranke erhält diese Broschüre auf Wunsch vollständig umsonst. Man schreibe nur eine Postkarte an Haussalbe b. Hautausschlag, FlechPuhlmann& Co., Berlin 126, Müggelstr.25a. ten, Bein- und KrampfGanze Wohnungs- Einrichtungen, Zimmer- u. Küchen- Einrichtungen, sowie jedes Stück einzeln zu den billigsten Preisen in guter, gediegener Arbeit empfiehlt WILHELM LAMBRECHT, Berlin SW. 68, Simeonstraße 19. Lagerbesichtigung erbeten! adergeschwüren, Frostschäden, Hämorrhoiden ein bestbewährtes und schnellheilendes Mittel. Original- Dose 12, 23, Mk. Elefanten- Apotheke, Berlin SW., Leipziger Str. 74 am Dönhoffplatz. Zentrum 7192 Die nollkommenen GELMARDS Biete Nasen- u. Gesichtsröte, rote Hände beseitigt, blütenzarter Teint. weiße, glatte Haut werden in kürz. Zeit erreicht durch mein. altbew. unübertroff. Krem ,, Pura". Sommersprossen, Mitesser, Pickel, Runzeln und Fältchen verschwinden. Rote und großporige Haut wird schnell beseitigt. Tube 3,-, Doppeldose 5,-. Drogen Haus H. Bocatius, Berlin N., Elsasser Straße 38. Butter und Schmalz billiger! Lurch Reichelk in allen 148 Filialen MI FU System der vereinten Firmen Loreley Union Reichelt Assmann Lodewig