glr> 11 32« Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrist für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit der monatlichen Beilage„Kinderland" proletsrierglsiide Von Morgarele Fahrenholz Braufender SchickfaU�efang durdiraft die erdhaften Weiten, Ladende Welle der Not fOhlit du erbarmungslos Idireiten. Chaos wirbelt empor die blutende, kriegswunde Erde; Flehend gilt oll dein Sehnen befreiend waltendem»Werde!' Sinnlos erscheint dir die Welt, geleitet von Mammons Gnaden, Liebeleer, kalt und schal, von Machtideen getragen; Müde verhüllst du dein Haupt in bergenden Mantels Fallen, Wähnst In zagenden Stunden, werllos fei alles GeÖallcn. Schwester, Bruder, nun höre, was unter schwärenden Wunden Sonnenhaft gläubige Seelen im Weltenall uns gefunden: Mitten im schwärzesten Abgrund ein Licht in strahlender Helle— Zart in dunkelfter Tiefe; wirkende, webende Welle, Bruder, der Liebe Gluten fprühn hier als rtviger Wille, Schwester, heilige Kräfte schaffen in feiiger Stille; Jauchzender Zukunflsglaube weitet wachsend die Strahlen, Brennender Menfchenwille füllt barmherzig die Schalen. Mutter, du kannst kaum almen, deine Kinder rufen nach Brot— Bruder, dich quält verhärtend des Tages erbärmliche Not— Und dennoch will ich euch bitten: reicht mir die schwielige Hand, Wir wollen verUhwillert suchen das Licht aus seligem Land. Frei wird dann atmen und schaffen ein feiiges Geschlecht, Frei wird der Mensch dann wirken in Liebe und heiligem Recht, Frei sprudeln der Seele Quellen, kein Hemmnis schüttet fie ein, Nicht Zorn und bittere Feindschaft, nicht sorgende Elendspein, Das fei dir Lebensglaube, Proletarier, und Religion: DaS Freiheit einft wird leuchten aus dafeinsquälender Fron, DaS Liebe der Sinn des Lebens und Liebe der Sinn der Well. Dafc wachsend die Eintracht dos Weltall atmend zusammenhält. Betrachtungen zur Genuaer Konferenz In Genua werden die Verhandlungen schon beendet sein, wenn diese Nummer der„Gleichheit" in den Besitz unserer Leserschaft gelangt. Zum Verdruß aller Gewalt- Politiker war der Konferenz eine längere Lebensdauer be- schieden, als man zunächst angenommen hatte. Bis zum 14. Mai, da diese Zeilen geschrieben werden müssen, wechselte fast von Tag zu Tag die Situation und damit auch die Stimmung der Konfercnzteilneherm, die sich aufhellte und wieder verdunkelte. Zu groß sind die Gegensätze, die in Genua zwischen der Entente, also den Siegerstaaten, und den für den Wiederaufbau Europas wichtigsten Staaten Deutsch- laiid und Rußland bis zu einem gewissen Grade ausgeglichen werden sollten. Nach den Vorschlägen bewährter Friedens- freunde und Sachverständiger ist eine Revision des Versailler Zwangsdiktats unbedingt notwendig, wenn die leidenden Völker wirtschaftlich und geistig wieder gesunden sollen. Frankreich und die von ihm abhängigen Staaten sind zurzeit eier sa-hen Revision am meisten abgeneigt. Weil ihre Gewalt- Politiker an dem ehrlichen Willen Deutschlands, das möglichste zu erfüllen, noch immer zweifeln, trotz allem, was Deutsch- land bisher schon geleistet hat. Wie lange noch? So gering auch die Hoffnungen waren, die auf die Be- schlüsse der Genuaer Zkvnfereuz gesetzt wurden: noch weniger ist datei herausgekommen. Es wurde zwar viel geredet, aber wenig positive Archeit geleistet. Der d e u t s ch- r u s- fische Vertrag, der in aller Stille, ohne Mitwirkung der Entente, in Rapallo abgeschlossen wurde, ist bisher das einzig positive Ergebnis, das uns die Konferenz gebracht hat. Deutschland und Rußland, die beiden schwerstgeprüsten Staaten und Völker, konnten nicht länger warten, bis die unter sich uneinige Entente ihnen Hilfe gewährte. Einige der wichtigsten Bestimmungen des Vertrages sind in der. vorigen Nummer der„Gleichheit" schon erläutert morden, Wir wallen nur wiederholen, daß das M e i st b e g ü n st i» gungsrecht, das sich beide Staaten einräumten, dem Handelsverkehr alle Möglichkeiten einer günstigen Entwick» lung sichert. Nur auf dieser Grundlage konnte ein wirk- licher Friedensvertrag geschaffen werden. Und weil dies gute Beispiel Nachahmung finden konnte, deshalb versuchten die französischen Nationalisten die Annullierung des deutsch-russischen Vertrages. Viel hat gewiß nicht ge« fehlt, dann wäre die Konferenz nach dem Wunsche ihrer Gegner schon nach kurzem Beisammensein aufgeflogen. Die Gefahr neuer, schwerer Verwicklungen stand in drohender Nähe und konnte nur durch das unermüdliche Vermitteln ehrlicher VerständiMngspvlitiker, wie des italienischen Außenministers Schanzer, beschworen werden. Wie zwischen dem offiziellen Frankreich und Deutschland ist die Verständigung nicht minder schwer zwischen der Entente und Rußland. Es ist das erstemal, daß die russische Sowjetrepublik offiziell aus einer Mächtekonferenz vertreten ist. Ein Beweis, daß man auch in Ententekreisen erkannt 102 Die Gleich beit hat, daß die Wiedereingliederung des russischen Riesenreiches in die Weltwirtschaft unerläßlich für den Wiederaufbau Europas ist. Aber auch die Bolschewisten, so sehr sie auch in ihrer Presse die Wahrheit verschlefern, haben durch ihre Teilnahme an der Konferenz und ihre Verhandlungsmethoden offen eingestanden, daß ohne weitreichende Konzessionen an den internationalen Rapitalismus der Zusammenbruch der Sowjetrepublik unvermeidlich ist. Zu einer Verständigung mit der Sowjetregierung ist es noch nicht gekommen und wird es erst fommen in Sonderverhandlungen von Staat zu Staat, weil wiederum Frankreich mit seinen unerfüllbaren Bedingungen einer allgemeinen Verständigung im Wege steht. Die resultatlosen Verhandlungen mit der russischen Delegation werden auch das Ende der Genuaer Konferenz besiegeln. Einen bitteren Borgeschmack, wie die Entente sich die Wiedergutmachung Deutschlands vorstellt, hat uns die in der ,, Gleichheit" schon erwähnte Note der Reparationsfommission vom 13. April gegeben. Neue Steuern im Betrage von 60 Milliarden Mark, die der Reichstag zur Erhöhung der Zahlungsfähigkeit Deutschlands bis zum 31. Mai beschließen sollte, sind nach allem, was die deutsche Boltsvertretung bisher unter dem Druck des Versailler Friedensdiftats an Lasten dem deutschen Bolte auferlegen mußte, die ungeheuerlichste Forderung, die jemals einem im Kriege unterlegenen Bolt gestellt worden ist. Was billigerweise der Entente zugestanden werden konnte und auch in der deutschen Antwort auf die Note der Reparationstommission gesagt wird, ist die Zusicherung, nach einem der Reparationsfommission vorzulegenden Plan, der in mündlichen Besprechungen noch ausführlich begründet werden soll, die Ordnung im Reichshaushalt wieder herzustellen. Eine Stabilisierung der deutschen Finanzen und unserer Geldwährung fann aber nur durch die Gewährung einer größeren, auf längere Frist gewährten ausländischen Anleihe wirksam beeinflußt werden. Will die Reparationskommission dem Weltfrieden und dem Wiederaufbau Europas dienen, so kann sie sich den deutschen Einwänden und Vorschlägen nicht verschließen; in friedlichen Berhandlungen wird sie einen Weg suchen müssen, der aus der heutigen Wirrnis herausführt zu flaren, geordneten Wirtschaftsverhältnissen. Dem Weltfrieden hätten die in Genua versammelten Vertreter der Mächtestaaten dienen fönnen, wenn überall Schon der ehrliche Verständigungswille vorhanden wäre und man sich flar sein würde, daß der Weltfriede nur auf der Grundlage der Gleichberechtigung aller Völker und Sicherung ihrer Lebensmöglich. teit gegeben ist. Lloyd Georges Bemühungen, einen allgemeinen Burgfriedens paft abzuschließen, sind bis zur Stunde, da diese Zeilen geschrieben werden, ohne Erfolg geblieben. Wir können nur hoffen, daß es doch noch dazu tommt und so eine Friedensatmosphäre geschaffen wird, die uns dem Weltfrieden näher bringt. Ohne allgemeine Abrüstung aber wird der Weltfriede immer eine Utopie bleiben. Die werftätige Bevölkerung aller Staaten ist sich schon längst wieder nähergekommen. Denn sie leidet am schwersten unter den furchtbaren Folgen des Weltkrieges. Der internationale völferversöhnende Gedanke und Verständigungswille hat auf allen internationalen Arbeiterkongressen eine bedeutende Stärkung erfahren. Und er wird sich durchsetzen gegenüber allen Haß- und Gewaltpredigern hüben wie drüben. Die gemeinsame Not des werftätigen Volkes zwingt zur praktischen Selbsthilfe. Lange hat ein schwerer Winter die Natur in starre Fesseln gelegt und in allen leidenden Menschen das heiße Sehnen nach warmen Sonnentagen geweckt. Die Natur ist erwacht, es grünt und blüht. Pfingsten, das Fest des Geistes, Nr. 11 der Freude und des neuen Lebens, feiern wir. Aufwärts muß unser Weg führen, zu lichten Höhen, zu denen wir uns hinaufarbeiten und hinauffämpfen müssen. Der Sozialismus, das hat die Genuaer Konferenz mit zwingender Klarheit gezeigt, wird erst aus dem Zwiespalt der kapitalistischen Wirtschaft herausführen. Aber wir alle, die darunter leiden, müssen Wegbereiter des Sozialismus sein. Hanna Reiße. Ottilie Baader 75 Jahre! Unsere Genoffin Ottilie Baader beging in diesen Tagen - am 30. Mai ihren 75. Geburtstag. Bewundernswerte geistige Frische, eine seltene Jugendlichkeit erfüllt noch heute die verdiente alte Führerin. Ein volles Menschenleben lang steht sie im Dienste des Sozialismus und der sozialdemo fratischen Frauenbewegung. Sie ist ein echtes Proletarierfind, das Arbeit und Sorge um das Wohl der Angehörigen schon in frühen Jahren kennengelernt hat. Als ganz junges, nicht einmal der Schule völlig entwachsenes Mädchen kam Ottilie in das Erwerbsleben hinein. Bald öffnete sich ihr der Blick für die Aufgaben, die ihrer harrien: Arbeit zum Wohle der unterdrückten, in quälender Fron feufzenden Schwestern und Brüder. Sie schloß sich der sozialdemokratischen Bewegung an, und ihr hat sie in all den Jahrzehnten ihre ganze Kraft gewidmet. Seit dem Jahre 1897 hatte Ottilie Baader das Amt der Vertrauensperson für die sozialdemokratischen Frauen Deutschlands inne. Unermüdlich war sie in der Agitation und Organisation sowie im Rampfe zur Erringung neuer Rechte für die Frauen tätig. Zahlreiche internationale Tagungen hat sie im Auftrage der deutschen Parteigenossinnen besucht. Als 1908 durch den Fall des preußischen Vereinsgesetzes sich endlich auch die Frauen zur politischen Tätigkeit bekennen durften und andere Organisationsformen nötig wurden, trat sie mit der Bescheidenheit, die immer ein besonderer Zug ihres Wesens gewesen ist, von ihrem Ehrenposten zurück und auf ihren Vorschlag wurde dann Luise 3iek als erstes weibliches Mitglied in den Parteivorstand gewählt. Ihre Arbeitsfreudigkeit ist aber seitdem nicht etwa geringer geworden. Nach wie vor wirkt sie unentwegt im Kreise der Berliner Genossinnen und ist der eifrigsten eine, wenn es gilt, irgendeine schwierige Frage zu behandeln. Noch heute, im hohen Alter von 75 Jahren, ist ihr kein Weg zu weit oder zu beschwerlich, um an einer Versammlung oder Besprechung teilzunehmen. Es ist noch immer dieselbe tatenfrohe Begeisterung, derselbe Kampfesmut in ihr, wie in den Jahren der Jugend. Wir grüßen Ottilie Baader und wünschen ihr beste Gesundheit und noch lange Jahre gemeinsamen Arbeitens! Aus den feuergoldnen Himmeln.. Aus den feuergoldnen Himmeln Geht ein Sonnenlichtítrom nieder, Und ein Feuermantel wallt Um der Fellen nackte Glieder. Ringsum dampfen Opferfchalen, Süßer Rauch quillt in die Lüfte, Aus den Steinen, Baum und Strauch Steigen auf die Sommerdüfte. Schauer rinnt durch meine Glieder, Sonne bricht in meine Seele, Ringe dich empor, mein Herz, Aus dem Dunft und aus der Schwele. Tragt, beflügelte Gedanken, Mich zu jenen Wolkenzelten, Zu dir, Siegesfürftin Sonne, Große Herrin aller Welten. Friedrich Ebert Suftur Bono Julius Bart Bibli Nr. 11 Die Gleich beit Vom Werden der Partei Von Franz Klühs V. Der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein Unter liberaler Führung hatte eine Anzahl deutscher Arbeiter im Jahre 1862 die Weltausstellung in London besucht. Nach ihrer Heimkehr wurde in Versammlungen, in denen sie über ihre Eindrücke berichteten, der Gedanke eines Allg meinen Deutschen Arbeiterkongresses erörtert und ein Berliner Komitee mit den Vorarbeiten beauftragt. Als jedoch der erste Aufruf zur Beschickung des Kongresses erschien, fühlte sich die Fortschrittspartei durch die Veranstaltung in ihren Kreisen gestört. Auf ihr Betreiben wurde denn auch zunächst die Einberufung des Arbeitertages verschoben. 4 In Leipzig war inzwischen in dem Arbeiterbildungsverein, in dessen Vorstand u. a. der junge Drechsler August Bebel saß, eine Spaltung eingetreten. Einige radikale Arbeiter, die von dem Weitlingschen Gleichheitskommunismus begeistert waren, hatten sich von dem Arbeiterbildungsverein gelöst und einen eigenen Verein unter dem Namen„ Vorwärts" ins Leben gerufen. Zu den Ausgeschiedenen zählten u. a. der junge Schuhmacher Julius Vahlte ich, der Zigarren macher F. B. Frische und der Chemiker Otto Dammert. Der Gedanke des Arbeitertages, auf dem u. a. die Frage der Freizügigkeit für alle Arbeiter und die Schaffung von Genossenschaften( oder Assoziationen, wie man damals fagte) für Kranken- und Invalidenversicherung besprochen werden sollte, hatte in Leipzig schnell Wurzel gefaßt und eine von Mitgliedern der beiden Vereine besuchte Arbeiterver fammlung beschloß, eine Delegation nach Berlin zu senden, um mit den dortigen Fortschrittsführern und mit den Berliner Arbeitern Fühlung zu nehmen. Bahlteich, Fritsche und Dammert wurden mit dieser Mission betraut. Durch den demokratischen Kaufmann, späteren Fabrikanten Ludwig Löwe wurden sie insbesondere auf Lassalle aufmerksam gemacht, dessen Arbeiterprogramm" schon von dem Leipziger Verein Vorwärts" als Propagandaschrift verbreitet worden war. In einer Unterredung, die mit Lassalle stattfand, wurde der Plan entworfen, wie Lassalle den allgemeinen Arbeitertag mit seinen Ideen beeinflussen könne. " 1 * Feuilleton Pfingſtſchauen * Пun wogt das Goldlicht über Feld und Bäumen, Die Zweige duften und die бalme beben. Wie keimt und glüht, wie fingt und lacht das Leben, Das geſtern noch in dunklen Winterträumen! Die weißen Birken, wie den Weg fie fäumen Mit ihrer Häupter grünen Laubgeweben, Und hinter roten Ziegeldächern heben Sich Bügelgärten, die von Blüten fchäumen. Das ift der Frühling! Und du stehit wie trunken Vor all dem Werden und mußt wandern, wandern Durch diefen Tag, der reiche бoffnung spinnt. Der Abend kommt... Dann denkit du wohl verfunken Der andern Keime alle, ach, der andern, Die lange vor der Zeit erfroren find. Die Sternenfrau Ernit Preczang. Einem indianischen Märchen nacherzählt von Friß Zielesch V or langer, langer Zeit, als die Indianer noch die Prärien und Wälder Amerikas durchstreiften, lebte ein junger furchtloser Jäger, der hieß Wupi, der Weiße Falke. Nie verfehlte sein Bogen das Ziel, und sein Auge wer so sharf, daß es den vorüberstreichenden Wind eripähte. An einem Frühlingstage war Wupi auf die Wildentenjagd ge gangen. Als er heimkam, standen schon die fiimmernden Sterne 103 Auf die schriftliche Aufforderung antwortete Lassalle mit dem„ Offenen Antwortschreiben", das schon erwähnt wurde. In ihm zeigt Lassalle auss neue die geschichtliche Mission der Arbeiterklasse in der modernen Gesellschaft und kommt zu dem Schluß, den Arbeitern zu empfehlen, sich als eine selbständige politische Partei zu organi sieren in einem Allgemeinen deutschen Arbeiterverein" und als seine wichtigste politische Forderung das allgemeine und direkte Wahlrecht aufzustellen. Die Notlage der Arbeiter in der kapitalistischen Gesellschaft sei begründet durch ein graufames ehernes Gesetz", wonach der Lohn des Ar beiters immer nur um das Mindestmaß der Lebensnotwen digkeit herumpendele. Jeder Versuch, die Lebenslage der Arbeiter zu verbessern, sei durch dieses eherne Lohngesetz von vornherein zum Fehlschlagen verurteilt. Eine solche Besserung fei nur möglich, wenn die Arbeiter ihre eigenen Unternehmer schaften) bildeten. Da den Arbeitern hierzu aber die notwürden und zu dem Zwecke große Assoziationen( Genossenwendigen Kapitalien fehlen, so sei erforderlich, daß der Staat, als„ die große Assoziation" der Arbeiter, die Gelder seien. Da aber der gegenwärtige Staat mit seinen tapitavorschieße, die zum Betrieb solcher Unternehmung notwendig listischen, bourgeoisen Machtverhältnissen nicht an die Gewäh rung solcher Staatshilfe denken merde, so sei eine Umgestal tung dieses Staates durch das allgemeine direkte Wahlrecht Allgemeine Deutsche Arbeiterverein dienen, dessen Gründung erforderlich. Zur Propaganda für diesen Plan sollte der er empfahl und der por allem die Aufgabe haben müsse, alle Kräfte auf den einen wichtigsten Punkt, eben die Erringung des allgemeinen Wahlrechts, zu konzentrieren. Das Antwortschreiben verfehlte seine Wirkung nicht. In einer Reihe von Orten mit industrieller Bevölkerung wurde in Arbeiterversammlungen dazu Stellung genommen und Delegierte zu einem Kongreß in Leipzig entfandt, zu dem Lassalle auch als Redner besonders gebeten wurde. Diefe Konferenz fand am 23. Mai 1863 statt. Elf Städte( Darnistadt, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Harburg, Hamburg, Köln, Leipzig, Mainz und Solingen) waren durch zusammen 12 Delegierte vertreten. Außerdem nahmen am Himmel. Plötzlich stieg ous einem Waldabhang ein wunder samer Duft zu ihm auf, der war lieblicher und betäubender als alle Düfte des Frühlings, und eine weiche Musik klang ganz leise zu ihm herüber. Mupi wurde es seltsam zumute und er fürchtete sich zum ersten Male in seinem Leben. Wie er aber in die Schlucht hinabschaute, sah er eine silberne Schale herniederfinken, darin waren zwölf Mädchen, schöner als alle, die er jemals gesehen hatte. Die sprangen leichtfüßig heraus und wirbelben in schnellem Tanz rund herum, fast ohne den Boden zu berühren. Ihre Gewänder waren weich und weiß wie die Milchstraße, aus ihren Augen fiel ein sanftes Licht wie Sternenglanz und bei ihrem Gesang begannen die Vögel zu zwitschern, als sei die Morgenröte erwacht. Wupi wagte kaum zu atmen. Da lachte das eine der Sternenmädchen und ihr Lachen traf wie ein Pfeil Wupis Herz. Er wußte nun, daß er niemals wieder glücklich werden könnte, ehe nicht das Mädchen sein eigen würde. Es war aber unmöglich, den steilen Abhang hinabzuklettern, und wie Wupi noch überlegte, was er tun könne, flogen die Sternenmädchen schon wieder zum Himmel empor. Wupi fehrte traurig in feinen Wigwam heim, erzählte der Mutter alles, was er gesehen, und bat sie inständig, ihm zu helfen, das Mädchen zu fangen. Alles Bitten und Barnen brachte Wupi nicht von seinem Vorhaben ab. Da nähte ihm die Mutter ein Flügelgewand aus weißen Faltenfedern. Am nächsten Abend zog sie es Wupi an und sprach:" Du sollst deinen Willen haben, aber vergiß nie, daß du die Sternenfrau verlieren wirst, sobald du sie im Sternenschein allein läßt!" Froh machte sich der Weiße Falte auf den Weg und verbarg sich in einem Baum über der Schlucht. Als nun die Sternenmädchen hernieberschwebten und ihren Tanz begannen, flog Wupi plötzlich mitten unter fie und umschlang die Ersehnte mit seinen Armen. Die Schwestern flohen erschreckt und schreiend in die Schale und schwebten zum Himmel hinauf. 104 37 Die Gleichheit noch auf spezielle Einladung Bernhard Becker( Frankfurt), Karl Brunner( Altona), Dr. Eduard Löwenthal und Prof. Wundtfe aus Leipzig an den Beratungen teil und als Gaft wohnte ihm der mit Laffalle befreundete berühmte Musiker Hans von Bülow bei. Die Konferenz beschloßden Vorschlägen Lassalles entsprechend die Gründung eines Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" und gab ihm gleichzeitig eine ftreng zentralistische Organisation. Die Leitung follte ein Präsident führen, dessen Amtsdauer auf 5 Jahre festgesetzt und dem das Recht zugesprochen wurde, nach Bedürfnis einen Bizepräsidenten zu ernennen. Mit allen gegen eine Stimme des Harburger Delegierten Theodor York wurde dann Lassalle zum Präsidenten gewählt. Vahlteich wurde sein Sekretär und siedelte zu dem Zwecke mit nach Berlin über. Run begann eine außerordentlich intensive Werbearbeit für die erste großefozialistische Organisation. Eine eigene Zeitung stand ihr allerdings nicht zur Verfügung. In den breiten Bolfskreisen war die oppofitionelle fortschrittliche Bresse am meisten verbreitet, da Lassalle aber mit den Fortschrittlern auf Kriegsfuß stand, so hatte diese Presse sehr wenig Interesse daran, seine Ideen verbreiten zu helfen. Er war also im wesentlichen auf die mündliche Agitation in Versammlungen und durch Flugschriften angewiesen. Engherzige deutsche Vereinsgefehe, von denen jeder der unzähligen fleinen Staaten ein eigenes hatte, bereiteten der Werbearbeit außerdem große Schwierigkeiten. Hatte Laffalle zunächst mit einem ungeheuren Zulauf von Mitgliedern gerechnet und die starken Bersammlungen, vor denen er besonders im Westen des Reiches mit Erfolg gesprochen hatte, berechtigten ihn dazu, so erwies sich diese Hoffnung doch bald als trügerisch. Anstatt der Zehntausende, die er erwartet hatte, konnte er nach Jahresfrist taum tausend zahlende Mitglieder in Deutschland buchen. " Obschon er wegen feines Arbeiterprogramms" erst einen Strafprozeß zu bestehen hatte, weil er angeblich verschiedene Claffen der Bevölkerung zu Haß und Berachtung gegeneinander aufgereizt" haben sollte, wurde Lassalle während seiner Agitation wiederholt mit Anklagen und Prozessen bedacht und Die Sternenjungfrau weinte bitterlich, aber Wupi trug fie in feinen Wigwam und war fo zärtlich zu ihr, daß er bald ihr Herz gewann. Und sieben Jahre lebten fie in Glück und Freude miteinander. Sie hatten auch einen fleinen Sohn, deffen Augen waren wie Sterne und sein Lachen war ein fließendes Waffer. Wupi aber dachte immer an die Borte feiner Mutter und ließ die Sternenfrau niemals allein, wenn die Sterne auf die Wiese herniederschienen. Da fam einmal ein harter Winter und Wupi folgte der Spur eines Bildes so weit in den Wald hinein, daß er sich verirrte. Die Sterrenfrau faß einsam in ihrem Wigwam und wartete zwei Tage und Nächte vergebens auf ihn. Am dritten Tage aber nahm sie ihren fleinen Sohn auf den Arm und schritt in den Wald hinein, um Wupi zu suchen. Sie suchte den ganzen Tag bis zum späten Aberd. Die Sterne schienen hell und in ihrem Licht erkannte fie plötzlich den Abhang vor sich, wo sie einftmals mit den Schwestern getanzt hatte. Da rief sie sehnsüchtig:„ D, meine Schwestern, wo feid ihr!" Und in einer lieblichen Mufit stiegen die Sternenjungfrauen vom Himmel hernieder.„ Romm mit uns!" baten sie.„ Nein, ich muß meinen Geliebten suchen," erwiderte die Sternenfrau. Nr. 11 dadurch in seiner Arbeit beeinträchtigt. Nichtsdestoweniger hat er seit Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeiter. vereins ein ungeheures Maß von rednerischer und schriftstelle rischer Arbeit für die junge Organisation geleistet. Als er im Sommer 1864 ausspannte und zur Erholung in die Schweiz ging, war die Organisation zwar nicht so start, wie er gehofft, aber doch schon in sich gefestigt. Infolge eines privaten Handels fiel Lassalle in einem Duell mit einem rumänischen Junker und starb nach wenigen Tagen am 31. August 1864. Noch in seinem Testament, das er am Tage vor dem Duell niederschrieb, hatte er aus seinem Vermögen eine Reihe von Legaten für die Zwecke des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins sicherge stellt. Von den Sozialisten und Republikanern in Deutschland betrauert, wurde sein Leichnam durch Deutschland geführt und in seiner Heimatstadt Breslau beigesezt. Dort fennzeichnet ein Stein seine Ruhestätte durch die Inschrift: Hier ruht was sterblich war von Ferdinand Lassalle, dem Denker und Kämpfer." Das Unsterbliche von ihm lebt fort in seinen Werken und vor allem in der von ihm geschaffenen politischen Arbeiter. organisation. Sein Nachfolger in der Leitung des Ber eins wurde auf seinen testamentarischen Wunsch Bernhard Beder aus Frankfurt, der sich jedoch für diese gewaltigen Aufgaben als wenig ianet erwies und kurze Zeit darauf durch den Frankfurter Rechtsanwalt Jean Baptistavon Schweiger ersetzt wurde. Mit Schweizer bekam die junge Organisation einen tatkräftigen Leiter von seltener, Energie und Klarheit des Urteils. Mit dem früheren Leutnant von Hofstetten schuf er ein publizistisches Organ, das den Namen: " Der Sozialdemokrat" erhielt und sehr wesentlich zur Verbreitung des Vereins und zur Bertiefung der Ideen beitrug. Jauchze, mein Herz, und trinke dich fatt an diefer Tage goldener Sonne, an diefer Farben költlicher Freude, an diefer Ruhe voll fchaffender Kraft. Jauchze, mein Herz, und trinke dich fatt! Cafar Flailchlen. fuchen." Denn im Sternenfande find Jahre nur wie Augenblicke. So fam sie in einer Sternennacht wieder auf die Erde und lief an den Ort, wo der Wigwam gestanden hatte. Aber da war fein Wigwam mehr. Da weinte sie und lief in die Wälder, um Wupi zu suchen. Und seither sucht sie ihren Geliebten überall in den indianischen Wäldern. Wenn du einmal in einer Sternennacht einen weißen Wolkenhauch vorüberstreichen siehst, so glaube nicht, daß es ein Rebelstreif ist, es ist ein Stückchen von dem Gewand der Sternenfrau, die den Wald durchzieht, um Wupi zu suchen. Und wenn du in der Dunkelheit Lichter tanzen siehst, so glaube nicht, daß es Leucht fäfer sind, es ist der Schimmer von den Augen der Sternenfrau, die nach ihrem Geliebten sucht. Und wenn du ein Rufen hörst: " Uhiiii uhiiii uhiiii", dann glaube nicht, daß ein Käuzchen schreit, es ist die Sternenfrau. Sie ruft durch die Nacht:„ Wupi! Wupi! Wupi!" Frühlingsnacht Aber die Schwestern baten:„ Komm nur eine Weile mit uns, damit Aus den Gärten quillt würziger Geruch frisch gegrabener und du unserem Vater deinen fleinen Sohn zeigen fannst!" Da stieg fie mit dem Knaben in die filberne Schale. Als Wupi am anderen Tage müde vom Umherirren in feinen Wigwam heimkehrte, fam ihm fein ffeiner Sohn entgegen und feine Sternenfrau antwortete seinem Rufen. Da gedachte er der Warnung der Mutter und sein Herz stand still vor Furcht. Er fand aber die Spur der Sternenfrau und folgte ihr und fam an die Schlucht und wußte nun, was geschehen war. Und sein Herz zerbrach. Hundert Jahre waren verstrichen, als die Sternenfrau fagte: Nun muß ich wieder auf die Erde, um meinen Geliebten zu besäter Beete. Der Schein der Bogenlampen über den Rangierbahnhofsaníagen zittert unsicher bis zwischen die lückenhaft stehenden Vorstadthäuschen, als müffe er dort die blütenbetupften Bäume bewachen, die zwischen ihnen hervorlugen. Irgendwo ver fucht sich eine Nachtigall in zaghaften Melodien. In blauen und eigenartig gelblichroten Schleiern schwimmt der Vollmond, eine goldene Kugel, zu der sich steilauf hartschwarze Schornsteine wie in unerfülltem Sehnen recken. Bochte nicht der ruhelose Rhythmus der rangierenden Züge, der prustenden Lokomotiven den Taft der Menschenwelt über die ausruhende Natur, wäre alles leer und still. Friedrich iftung n 茶 Nr. 11 Die Gleich beit Der ungarische Leidensweg Bon Szeréna Buchinger( zurzeit Wien) Die Arbeiterschaft des zur traurigen Berühmtheit gelangten Ungarns erlebte im letzten Jahrzehnt so manche schwere Krise. Zum Verständnis der Ereignisse gehört die Tatsache, daß Ungarn vor dem Kriege ausschließlich von den Adligen, von Geistlichen und Großgrundbesitzern beherrscht wurde. Zweidrittel der Landbevölke rung waren den Großgrundbesitzern ausgeliefert. Die Politik der Agrarier mündete endlich in dem Kriege, in dem außer den Opfern an Gut und Blut zwei Drittel des alten Gebietes des Landes zugrunde gingen. Die 20 Millionen Seelen zählende Bevölkerung murde auf 7 Millienen reduziert, aber die Zahl der Grafen und der Großgrundbesitzer blieb die alte. Auf den Zusammenbruch an der Front folgte der Sturm der Revolution. Am 31. Oftober 1918 fam die Erbitterung, die sich durch die hundertfache Not des Volkes angehäuft hatte, endlich zum Durchbruch. Der jahrzehntelange Kampf der Arbeiterschaft um das Wahl recht und die Koalitionsfreiheit, um Vereinigungsrecht usw. blieb ergebr.islos, die Kämpfe der Revolution wurden von größtenteils politisch ungeschulten und unorganisierten Massen ausgefochten. Den Landarbeitern in den Dörfern, den staatlichen Angestellten und den Gemeindearbeitern war bis dahin die Gründung von Organisationen völlig versagt. Was die Gruppen der weiblichen Arbeiter anbelangt, so war es den Arbeiterinnen der Tabaffabriken verboten, Organisationen zu gründen, desgleichen den Hausgehilfinnen. Aber der Krieg wurde zum fräftigen Agitator und all diese Arbeiterkategorien drängten sich in das Lager der Sozialdemokratie. Wo es nicht anders ging, gruppierten sich die Arbeiter und Arbeiterinnen um ihr Fachorgan in einer illegalen Freien Organisation". Die sogenannte Karolyi- Revolution gab allen Männern und Frauen, die das zwanzigste Lebensjahr erreicht hatten, volle politische Rechte. Es begann die Agitation und die Organisation unter den neuen Verhältnissen in großem Stil, und im Frühjahr 1919 follten die Wahlen zur Konftituante stattfinden. Mittlerweile famen die russischen Gefangenen, die sich zum Bolschewismus befannt hatten Bela Kuhn und Genossen nach Hause. Die Agitation fehrte sich recht bald gegen die Sozialdemokratie, es entstand ein schreckliches Chaos, und so tam es am 21. März 1919 zur Proklamierung der Räterepublik. Die Mitglieder der alten Partei blieben während der Rätediktatur mit wenigen Ausnahmen auf ihren Plätzen und glaubten die In einem Giebel ein mit mattem Licht erfülltes Kammerfenster. Es flirrt leise, ein Schatten an der Decke bewegt sich. Eine verhaltene Mädchenstimme summt irgendein Lied von Frühling und blühenden Bäumen. Eine fleine, weiße Gestalt lehnt am Fensterrahmen. Vielleicht dieselbe, die vorhin vom Fest aus der Stadt fam, langen Abschied nahm in der Haustürnische. Bang bang: schwer und wuchtig schlägt es vom Bahnhof her zwei Uhr. Wie erschreckt tritt das Mädchen vom Fenster zurüd. Das Licht verlöscht, das legte, einzige Licht. Nun nichts mehr als der harte Arbeitstakt der Rangierbahn. Und die schüchternen, weißen Blüten. Und der Duft erwachender Knospen, die Herbe jungblühender Gärten Frühling. Ein Wind stößt über der Erde hin, verweht den letzten Nachtigallenschlag erster Morgengruß. P. Haupt. Der erste Jasmin Ah, dieser Jasmin, diefer weiße Jasmin!' Mir ist wie am ersten Tag, da ich meine Hände füllte mit diesem weißen Jasmin. Ich habe die Sonne geliebt, den Himmel und die grüne Erde. Ich habe das rieselnde Rauschen des Flusses gehört durch das Dunkel der Mitternacht. Herbstsonnenuntergänge find zu mir gefommen an eines Weges Biegung in einfamer Dede wie eine Braut, den Schleier hebend Zum Empfang des Geliebten. Und doch ist mein Erinnern noch süß von dem ersten weißen Jasmin, den ich in meiner Hand hielt, als ich ein Kind war. ( Aus: Tagore( Der zunehmende Mond), Berlag Kurt Wolff, München.) 105 132 Tage der Räteherrschaft mitmachen zu müssen. Solange dauerte nämlich diefer unglüdselige Karneval, dessen Aschermittwoch nunmehr schon 32 Monate währt. Die Konterrevolution brachte nun unerbittlich alles zur Strecke. Das Blut der Arbeiter und Arbeiterinnen floß in allen Kerfern. Die Peitsche, der Brügel und der Galgen wurden in Anwendung gebracht, Echändlichkeiten jeder Art wurden an den Gefangenen verübt. Die Leiden, die die Arbeiterschaft schon seit 32 Monaten durch den weißen Terror zu erdulden hat, sind nicht zu beschreiben. Tausende von Arbeiterinnen wurden ihren Kindern, selbst den Säuglingen, entrissen und ins Gefängnis geworfen. In einigen Provinzstädten, zum Beispiel Szekszárd, Siofok- wurden Arbeiterfrauen ohne gerichtliches Urteii im Anblick ihrer Kinder auf Befehl weißer Gordisten erhängt. Den Männern dieser Frauen erging es ebenso. Diese Frauen haben sich in der Bewegung früher nie hervorgetan, se dürften während der Räteherrschaft auch nur ganz geringfügige Stellen bekleidet haben. Die Prozesse wurden zumeist wegen der nichtigsten Dinge ge führt; hauptsächlich hotte man es auf die Führerinnen der Geweri schaften abgesehen. Die Lertrauenspersonen der Hausgehilfinnen wurden zu Hunderten verhaftet, selbstverständlich erging es der Vorsitzenden des Bertandes der Hausgehilfinnen, der Genossin Szöke und der Eekretärin Genoffin Marie WIa ch nicht besser. Die Leztgenannte war nie Kommunistin. Die Dinge, die ihr zur Laft gelegt wurden, mögen vielleicht von anderen begangen worden sein. Sie erhielt vier Jahre strengen Kerker.... Aehnlich erging es den Arbeiterinnen der staatlichen Tabakfabriken. Wie schon betont, war es diesen Arbeiterinnen unter Androhung der sofortigen Entlassung untersagt, einer Gewerkschaft oder einer Parteiorganisation anzugehören. Jedoch in einem Falle wollte man ihnen die Organisation freigeben, nämlich wenn sie sich den sogenannten Christlichsozialen, d. h. den Gelben, hätten an schließen wollen. Im zweiten und im dritten Kriegsjahr entbrannte ein heißer Kampf um die Organisation. Die Führerin der sogenannten christlichsozialen Tabatarbeiterinnen eine Baronin Korányi führte den Kampf auch persönlich gegen die Führerin der flaffenbewußten Tabalarbeiterinnen, gegen die Genossin Anna Kereszténŋ. Es ging hier um die sehr beträchtliche Bahl von 20 000 Arbeiterinnen der 21 Tabaffabriken im ganzen Lande. Die Genossin Keresztény vertrat die Sache der Tabakarbeiterinnen mit außerordentlicher Energie und Geschicklichkeit, und diesem Umstande verdankt sie es nun, daß die Schergen des weißen Terrors fie nach dem Zusammenbruch der Räteherrschaft mit besonderer Wut verfolgten. Monate hindurch wurde sie durch Was ich liebe! Ich liebe die duftenden Blumen, Ich liebe der Vögel Gelang, Ich liebe die wandernden Wolken, Den grünenden Bergeshang. Ich liebe die Itrahlende Sonne Mit ihrem belebenden Schein, Ich liebe die Freuden des Winters Den Schimmernden Schnee fo rein. Ich liebe die flüfternden Wälder, Ich liebe die Kraft der Natur, Die trotzig ragenden Berge, Die friedliche Stille der Flur. Ich liebe den nächtlichen Himmel Mit funkelndem Sternengeschmeid. Des Mondes keufchglänzenden Schimmer, Die Bäume im Frühlingskleid, Ich liebe die blühende heide, Die träumend im Abendfchein ruht, Ich liebe den Zephir, der kofend Umfchmeichelt die zitternde Flut. Ich liebe die geistige Größe Die über der Illenge Iteht Den willensftarken Charakter Der eigene" Wege geht. Ich liebe zwei zärtliche Augen Mit Innigkeit täglich aufs neu, Ich liebe das höchfte auf Erden; Ein Menfchenherz felbftlos und treu! Irene Sch. thek 106 ie Gleichheit die Polizei Tag für Tag aus ihrer Wohnung geholt und im ganzen Lande herumgeschleppt. In jeder Stadt, in der sie zum 3wede der Organisierung der Tabafarbeiterinnen seinerzeit ge= sprochen hatte, wurden Prozesse gegen sie geführt, und immer wieder wurde sie mit einer neuen Gefängnisstrafe belegt, so daß sie dann insgesamt zu etwa 17 Jahren Zucht= haus verurteilt wurde. Dabei ist Genossin Keresztény Mutter von zwei kleinen Kindern. Dennoch mußte sie den Weg nach Maria Nosztra gehen, später wurde sie mit den übrigen Austauschgefangenen( etwa vierhundert an der Zahl) an die Sowjetregierung freigegeben. ( Schluß folgt) = Die Frau als Richter Da die Mehrzahl der Frauen sich ganz passiv verhält, wenn es gilt, ein neues Recht für sie gesetzlich zu erringen, haben die Feinde der Frauenrechte es so leicht, dagegen zu kämpfen. Gleichgültig wartet das große Heer der Frauen auf die Dinge, die da kommen follen. Doch mithelfen, mitringen, sich am Rampfe um ihr Recht zu beteiligen, das überlassen sie gern anderen. Warum? Warum ist die Frau in den meisten Fällen so stumpf und gleichgültig? Weil sie letzten Endes doch noch zu oft ein Werkzeug des männlichen Geistes ist. Seit dem November 1918 ist sie ja in vielen Dingen frei geworden, aber sie macht von der erhaltenen Freiheit viel zu wenig Gebrauch. Nur darum ist es auch für den männlichen Juristen so leicht, der Frau die Befähigung zur Ausübung des Richteramtes abzusprechen. Immer wieder sucht er die Unfähigkeit der Frau zu beweisen, um zu verhindern, daß sie als fühlender Mensch über angeklagte Mitmenschen urteilt. Man be= hauptet auf dieser Seite, die körperlichen und geistigen Unterschiede der beiden Geschlechter seien maßgebender Grund, die Frau vom Richteramte auszuschalten. Für mich ist gerade diese naturgesetzliche Verschiedenheit der Geschlechter der Hauptgrund, zu verlangen, daß auch Frauen zur richterlichen Funktion zugezogen worden. Denn wie fann der Mann das in manchen Dingen anders empfindende Wesen einer Frau restlos richtig verstehen? Wie will ein männlicher Richter die weibliche Psyche richtig erfassen, wenn er die Frau für geiftig und förperlich minderwertiger hält, als den Mann?! Es ist wohl notwendig, daß wir Frauen für die Zulassung des weiblichen Richters geschlossen eintreten. Wenn es Frauen gibt, die gegen diefe Forderung sprechen, so kann ich ihnen den Vorwurf der Ungerechtigkeit nicht ersparen; denn es find sicher nur solche Geschlechtsgenoffinnen, die durch Befiß von Geld und Gütern vor jeder Gefahr und Versuchung gesetzlichen Unrechtes geschützt sind und daher nichts von der Not der Armen wissen. Wir aber fordern, daß über Recht oder Unrecht einer Geschlechtsgenossin nicht allein nur Männer, sondern auch Frauen mit urteilen sollen. Ob die Tat eines Menschen zu verurteilen ist, läßt sich nicht immer allein nach dem Gesetzesbuchstaben entscheiden. Oft müssen die Beweggründe mit viel Verständnis und Mitempfinden erforscht werden. Und das ist der Frau gegenüber auch nur einer Frau als Richterin möglich. Friedel Schneider. Aus der Frauenbewegung des Auslandes Im Mai fand im Haag in Holland eine Sigung des Gesamtvorstandes des Internationalen Frauenbundes statt, die, einer Mitteilung des„ Schweizer Frauenblattes" zufolge, sich mit der gleichen Moral für Mann und Frau beschäftigte, ferner mit der Rechtsstellung der Frau, dem Kinderschutz, Erziehungsfragen, Frauenberufsfragen, Frauenstimmrecht, Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten, Abschaffung des Mädchenhandels, sowie dem Ausbau des Friedensgedankens. * England. Das Unterhaus genehmigte mit 206 gegen 60 Stimmen die Einbringung eines Gefeßentwurfes durch Lord Robert Cecil, wodurch den Frauen das gleiche Wahlrecht wie den Männern gegeben werden soll. Bekanntlich besitzen die Engländerinnen wohl das Wahlrecht, aber noch nicht auf völlig gleicher Basis wie der Mann. Sie gelangen erst in einem höheren Alter als er zur Ausübung ihres Rechtes. ( ,, Schw. Frauenblatt.") * Japan wünscht die Geburtskontrolle nicht. Der japanische Generalfonful in San Franzisko hat von seiner Regierung die Anweisung erhalten, dem Paß der Mrs. Margaret Fanger, der Nr. 11 Präsidentin der amerikanischen Liga für Geburtskontrolle, das Visum zu versagen. Mrs. Fanger hatte eine Vortragsreise durch Japan beabsichtigt. Die japanische Regierung will thr jedoch nicht gestatten, Japan zu betreten. Aus unserer Bewegung Die Frauengruppe in Kiel Bor ungefähr 1½ Jahren gründeten wir hier in Kiel eine Frauengruppe, um die Werbetätigkeit unter den Frauen intensiver betreiben zu können, als es im Rahmen der allgemeinen Parteiarbeit möglich ist. Da Kiel in neun Distrikte eingeteilt und in jedem Distrift eine Genossin Vorstandsmitglied ist, bilden diese Genossinnen den Vorstand der Frauengruppe. Als Vorsitzende des Vorstandes der Frauengruppe wurde die Genoffin Toni Jensen ( M. d. Pr. L.) gewählt. Da dieselbe jedoch durch ihre Tätigkeit im preußischen Landtag meistens von Kiel abwesend ist, wurde ihr eine zweite Borsigende mit gleichen Rechten zur Seite gestellt. Im verflossenen Geschäftsjahr haben wir zunächst unsere Frauenhauptversammlungen mit verschiedenen Referentinnen abgehalten. Da im Sommer bekanntlich weniger Interesse für Versammlungen vorhanden ist, haben im Sommerhalbjahr keine besonderen Frauenversammlungen mehr stattgefunden. Statt dessen wurden, um die Verbindung unter den Genossinnen aufrechtzuerhalten, gemeinsame Ausflüge unternommen, die sich einer zahlreichen Beteiligung erfreuten.- Unsere Winterarbeit leiteten wir durch einen öffentlichen Frauenwerbeabend ein, an welchem die Arbeiter jugend und die freie Turnerschaft durch verschiedene Dar bietungen die Erschienenen erfreuten. Dann aber wurde, um den Frauen entgegenzukommen, damit für die einzelne der Weg nicht weit ist, die Hauptarbeit in die Distrikte verlegt. Es wurden mit sehr gutem Erfolg Distriktsfrauenabende abgehalten. Diese Abende waren ausgefüllt durch einen Vortrag mit freier Aussprache und daran anschließend durch einen gemüt lichen Teil. Es haben im ganzen 23 Diftriftfrauenabende mit durchschnittlich 75 Teilnehmern stattgefunden. In Anbetracht der örtlichen Verhältnisse dürfen wir mit dem Erfolg, der 120 Gleich heits" Bestellungen und 60 Aufnahmen betrug, zufrieden sein. In der seinerzeit in unserem Bezirk abgehaltenen Werbewoche hatte Kiel 160 Frauenaufnahmen. Als Abschluß unserer Winterarbeit veranstalteten wir am 10. Mai eine öffentliche Frauenversamm lung, in der Genossin Reize, M. d. R., über„ Die Frauenfrage in der Gegenwartspolitik" sprach. Frau N. Kurfürft. * Anhalt. Der Bezirk Magdeburg- Anhalt hat schon im vergange nen Geschäftsjahr gute Erfahrungen mit der Abhaltung von Frauenkonferenzen für kleinere Gebiete gemacht. Am 24. und 25. April tagten wieder zwei sehr gut besuchte Unterbezirkskonfe renzen in Dessau und Bernburg. Die Genofsinnen, deren poli tische und organisatorische Entwicklung in dem einen Jahr sichtbare Fortschritte gemacht haben, konnten zu ihrer Freude ihre Bezirkssekretärin begrüßen. Möge es gelingen, den alten schönen Geist im Bezirk zu pflegen, aber auch die Frauenbewegung zahlenmäßig zu stärken. Der Verlauf beider Konferenzen war ein so guter, daß diese Hoffnung begründet ist. Am Abend fanden in beiden Orten zwei glänzend besuchte Ver fammlungen statt, in denen die Genoffin Juch a c3 über Steuertompromiß und Genua" referierte. Soziale Rundschau Sozialversicherungspflicht für Heimarbeiter " Ein kurz vor den Osterferien im Reichstag angenommener Gesetzentwurf sieht die Kranken- und Invalidenversicherungspflicht für Heimarbeiter wieder vor. Jeder Heimarbeiter und jede Heimarbeiterin muß also seitens der Arbeitgeber bei der zuständigen Krankenkasse und zur Invalidenversicherung angemeldet werden. Wohlfahrtspflege Aufgaben und Ziele der neuzeitlichen Wohlfahrtspflege Daß in einer so traurigen Zeit wie der unfrigen Wohlfahrts. pflege mehr denn je nötig ist, empfindet wohl jeder, und so müssen wir Schriften wie die der Genoffin Helene Simon, Auf. Ziele gaben und Wohl. der neuzeitlichen fahrtspflege", die kürzlich im Verlag Diez Nachf.- Vorwärts, Berlin, Lindenstraße 3, erschienen ist, dankbar aufnehmen. Mit flaren Blicken durchschaut die Verfasserin die Unzulänglichkeit der bestehenden Einrichtungen und sucht Hilfe im Sozialismus, zu Nr. 11 Die Gleichheit dessen Wesenselementen die Wohlfahrtspflege entschieden gehört. In sie muß das jezige Armenwesen verwandelt werden, und dazu führen Sorge für Gesundheitswesen, Mutter- und Jugendhilfe, Arbeitsbeschaffung und Altersversorgung. Alle diese Punkte werden einzeln besprochen und dabei u. a. die Frage der Arbeitslosigkeit und der Arbeitscheu, welche oft rein psychopathischer Natur ist, eingehend gewürdigt. Daß dem weiblichen Geschlechte eine besonders große Aufgabe zufällt, betont die Verfasserin mit Recht, ebenso die Mitwirkung der Jugend, wovon wir schon er= freuliche Beispiele fahen, macht auch auf das gedeihliche Wirken des Hauptausschusses für Arbeiterwohlfahrt aufmerksam. Wer die wachsende Not immer weiterer Kreise, namentlich auch der Kleinrentner tennt, weiß solche Darlegungen zu schätzen und wünscht ihnen gründlichen Erfolg. Der Preis des Büchleins ist 2,50 Mt. Mutterpflicht M. Sch. ist es, bei Kindern neben der Körperpflege eine sorgfältige Haarpflege auszuüben; der Wert macht sich bis ins späte Alter vorteilhaft bemerkbar. Für einen guten, reichen Haarwuchs ist regelSind Lungenleiden heilbar! Bel Afthma, Lungen- und Kehlkopftuberkulole, Schwindfucht, Lungenfpitzen- Katarrh, veraltetem Huften, Verfchleimung, lang beftehender HeiBei Korpulenz ferkeit lese jeder die Broschüre mit obigem Titel. Fettleibigkeit Der Verfasser, Herr Dr. med. 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