Nr. 13 32. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit der monatlichen Beilage„ Kinderland" Die Gleichheit erscheint 2 mal im Monat Preis: Vierteljährlich 6,- Mart Inserate: Die 6 gespaltene Nonpareillezetle 10,- Mr., bet Wiederholungen Rabatt Um Brot und Arbeitszeit Bon Clara Bohm- Schuch Berlin 1. Juli 1922 Der Dollar steigt und die Mark finkt. Dadurch bleibt Deutschland auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig, denn es gibt ja für den Dollar oder für den holländischen Gulden jeden Tag ein größeres Quantum deutscher Waren in Holland, oder Amerika oder sonstwo in der Welt. Dagegen gibt es für die Mark jeden Tag weniger zu kaufen und die Preise für unsere Lebenshaltung steigen nicht nur täglich in dem Maße, als sich die Mark entwertet, sondern sie springen geradezu in die Höhe. Die Löhne dagegen haben längst in diesem Lauf den Atem verloren; sie sind soweit zurück geblieben, daß es feinem Arbeiter, Angestellten und Unter beamten mehr möglich ist, den notwendigsten Bedarf zu decken. Die Not steht den großen Massen des Volkes bis an den Hals und wenn es noch einige Zeit so weiter geht, schlägt fie über dem Kopf zusammen. Dann gibt es feine Rettung mehr für Deutschlands Selbständigkeit. Weite Kreise gibt es schon heute, die buchstäblich hungern, das sind die männlichen und weiblichen Kriegs-, Sozial- und Kleinrentner, alle, die feine Arbeit mehr leisten oder finden können. Und es sind die kinderreichen Familien, deren Not geradezu zum Himmel schreit. Der Kern unserer ganzen Boltsernährung ist das Brot. Darum muß es das Bestreben jeder Regierung sein, die Be völkerung mit genügenden Brotmengen zu versorgen. Daß die gegenwärtige Regierung dies Bestreben hat, ist zweifellos, aber ebenso steht leider fest, daß es ihr bisher bei dem Wider stand der bürgerlichen Parteien nur in unzulänglichem Maße gelungen ist, das Biel zu erreichen. Denn zu der genügenden Versorgung gehört eben nicht nur, daß Brot vorhanden ist, sondern daß es auch gekauft werden kann und dazu haben leider schon bei dem jezigen Preis viele Menschen das Geld nicht. So sind die Verhältnisse, obwohl die Landwirtschaft verpflichtet war, von der Ernte des vorigen Sommers 21 Millionen Tonnen Brotgetreide zu einem bestimmten Preis abzuliefern, wie soll es erst werden, wenn alles Ge treide im freien Handel verkauft wird! Nach dem Willen der Agrarier würde schon bei dem jezigen Weltmarktpreis des Getreides das 4- Pfund- Brot bei ganz freier Wirtschaft 45-55 Mr. foften. Was wir im freien Handel mit den Kartoffeln erlebt haben, läßt uns befürchten, daß auch diese Grenze bald überschritten würde. Man sollte meinen, daß der Deutsche Reichstag, also die verantwortlichen Vertreter des deutschen Bolles, ganz einmütig sein müßte, wenn es gilt, höchste Not, den Hunger, von der großen Masse abzuwehren. Sie müßten mit der Regierung gehen, wenn dieselbe eine Sicherstellung des Brotes durch eine neue Umlage fordert. Der Preis würde sich auch Dann schon auf mindestens 25 Mt. für ein Brot erhöhen. Dem ist leider nicht so! Die Bertreter der Landwirtschaft in fämilichen bürgerlichen Parteien kennen nur die Interessen ihres Standes; das allgemeine Zuschriften find zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morigplag 107 17 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Volkswohl kümmert sie nicht viel." Wir wollen keine Umlage, wir wollen frei über die Erträgnisse unseres Bodens verfügen", schallt es in tausendfältigem Chor und es soll eigentlich heißen: Wir wollen uns teine Beschränkung im Geldnehmen auferlegen lassen. Der Abg. Roeside von der deutschnationalen Bolkspartei( streng christlich) sagte im Reichstag, wenn man auch schließlich den Landwirt zur Ablieferung zwingt, so könne man ihn nicht zum Anbau zwingen. und Herr Dekonomierat Kaiser, leitender Mann im Reichslandbund, bemerkte vor einiger Zeit gelegentlich einer Besprechung der Ernährungslage im Berliner Rathaus: Wenn man an den Opferfinn der Landwirtschaft zweifele, werde er hinausgehen und den Mitgliedern des Bundes raten, mit der Regierung über eine Sicherstellung der Ernährung überhaupt nicht mehr zu verhandeln. Diese Leute glauben wirklich, die demokratische Republit in der Schlinge zu haben und nur zuziehen zu brauchen. Ob dabei einige Millionen Menschen verhungern, darauf kommt es ihnen nicht an. Im Krieg sind ja auch Millionen verdorben und gestorben, unser Volk und Vaterland ist fast zugrundegegangen und doch ist der Sturz des heutigen Staates, auch durch neuen Krieg, diesen Leuten Zwed und Ziel. Diesem Zweck dient die ganze systematische Berhöhnung republikanischer Einrichtun gen und Hoheitszeichen, der ganze Klimbim der Regimentsfeiern in Bayern und anderswo und eben auch der Hunger, die Verzweif lung des Volkes. Die bürgerlichen Parteien, welche sich mit uns in der Regierungskoalition befinden, stellen sich natürlich so schroff und strupellos nicht ein, aber von einer neuen Getreideumlage wollen auch sie nichts wissen. Unter bestimmten Bedingun gen wollen sie mit sich handeln lassen und nach den Aeuße rungen der einzelnen Redner sollen Steuern und Ueber. stunden Handelsobjekte sein. Zentrum und Demokraten wollen auch der Landwirtschaft mindestens 75 Proz. des Weltmarktpreises garantieren und damit den Brotpreis auf 35-40 mt. bringen. Wir Sozialdemokraten sind nicht geneigt, die Brotversorgung mit den schwebenden Steuerfragen verquiden zu lassen. Ganz ausgeschlossen ist es aber, daß unter dem Druc des Hungers versucht werden darf, den achtstündigen Arbeitstag zu beseitigen. Jit es nicht unmoralisch im höchsten Grade, die Arbeiterschaft zur Aufgabe eines lange und schwer erkämpften Fortschrittes unter folchen Umständen zwingen zu wollen? Die Ernährung ist schlecht, weil der Lohn nicht ausreicht, die teuren Lebensmittel zu faufen. Der Körper hat schon heute nicht die nötige Kräftezufuhr, die er bei angestrengter Arbeit haben müßte. Nun will man die Ernährung noch verschlechtern, indem man sie verteuert und dabei die Arbeitszeit verlängern, das darf es nicht geben. Wenigstens muß das Volk durch Neuwahlen 3 11 m Reichstag dann selber entscheiden, was es will. Ebert. * Stiftung Bonn 122 Die Gleich beit In dem vorjährigen Getreideumlageverfahren waren Härten gegen den kleinen Landbesitz. Die sollen beseitigt werden. Die Regierungsvorlage will 5 hektar von der Ab lieferung frei lassen; wir wollen, daß der Kleinbesitz bis zur Größe von 10 Heftar, also 40 Morgen, nichts abzuliefern hat. Dagegen soll der Großgrundbesitz im vollen Umfange seiner Leistungsfähigkeit herangezogen werden und deshalb hat unsere Partei die Erhöhung der zu erfassenden Getreidemenge von 2 auf 42 Millionen Tonnen beantragt. Wir stehen vor folgenschweren Entschet. dungen. Kommt es zur Barlaments auf lösung, dann soll die deutsche Wählerschaft dafür sorgen, daß eine Mehrheit in den Reichstag einzieht, die mehr Berständnis für die Not des Boltes und mehr Berant wortlichkeit für sein Schicksal hat, als die gegenwärtige der bürgerlichen Parteten. * Bibliothek Der Proletarier Er Ichreitet zwifchen goldnen Garben Von Werten, die er rültig fchafft, Und muß im Angefichte darben Der vollen Speicher feiner Kraft. Nichts nennt er aus der frohen Fülle Des Daleins, die er ftündlich weckt, Sein eigen als die karge Hülle, Die feiner Notdurft Blöße deckt. Wohl ringt auch er nach hohen Zielen Und ftreckt die band nach einem Glück; Doch nur mit Schrunden und mit Schwielen Gefüllt, holt er fie ftets zurück. Des Lebens ungemefi'ne Spenden Sind ihm wie Waller fortgerollt Und haften blieb an feinen bänden Kein andres als der Sonne Gold. So steht er ableits den Gelagen Des Lebens als vergeff'ner Galt Und nur im Kreiſe feiner Plagen Wird ihm die beißerfehnte Raft. Am Ende geht er aus den Schranken An nichts als nur an hoffnung fatt, Und weiß, wie wenig er zu danken, Und wieviel er zu fordern bat, Karl Bröger. Delegiert Frauen zum Parteitag! Der diesjährige Parteitag wird am Sonntag, den 17. September, abends 6 Uhr, in der großen Musikhalle in Augsburg mit einer Begrüßungsfeier eröffnet werden. Die genaue Tagesordnung wird den Genossinnen in der " Gleichheit" noch bekanntgegeben werden. Bon größter Wichtigkeit für uns Frauen ist die Nachricht, daß diesmal die besondere Frauentonferenz, die in ben legten Jahren dem alljährlichen Parteitag voranging, fortfällt. Dafür ist als besonderer Punkt der Tagesordnung in Augsburg ein Referat der Genossin Johanna Reiße vorgesehen über das Thema„ Die Sozialdemokratie im Kampfe um die soziale und wirtschaftliche Stellung der Frau". Es soll darin zum Ausdrud gebracht werden, was im Reich und in den Ländern zur Festigung der Stellung der Frau bisher geschehen ist. Die Aufhebung der gesonderten Frauenkonferenz vor dem Parteitag steht im Zusammenhang mit dem, was anläßlich des vorigen Parteitages und der Frauenkonferenz in Görlig in der„ Gleichheit" ausgesprochen worden ist. Wir Frauen fühlen uns unserer Parteiorganisation als Gesamtheit ebenso eng verbunden wie die männlichen Genossen, und unsere Interessen sind sowohl in der inneren Organisation der Partei wie in der allgemeinen Politik und in der Gesetz gebung die gleichen. Es ist nur nötig, daß auch wirklich Nr. 13 Frauen in entsprechender Zahl auf dem Parteitage vertreten sind! Bei der Delegiertenwahl zum dies. jährigen Parteitag müssen daher allerorts die weiblichen Vertreter unbedingt berücksichtigt werden. Die Genossinnen müssen sich also in Kürze darüber flar werden, welche Frauen sie auf die Liste der zu entfendenden Delegierten fezen wollen. Tätige Genossinnen, die die gebührende Vertretung ihres Bezirks, sowie die Berichterstattung von den Berhandlungen übernehmen, haben wir gewiß zur Genüge. Wohl werden manche weniger gut fundierte Bezirke durch die Entsendung der Delegationen bei den heutigen sehr hohen Reisekosten stark belastet werden und an die Einschränkung der Zahl der Delegierten denken. Auf keinen Fall dürfen aber dabei die Frauen zu kurz fommen. Genossinnen, geht fofort daran! Stellt Vertreterinnen für den diesjährigen Parteitag! Sie werden reich an Anregungen und neuen, für unsere Bewegung ersprießlichen Gedanken zurüdfehren! E. Rdt. Die Gleichstellung der Geschlechter im deutschen Eherecht Bon Ella Bormann ( Schluß) 3. Auch im Verhältnis zu den Kindern tennt das geltende Recht eine Gleichstellung von Bater und Mutter noch nicht. Das Sorgerecht der Mutter ist bedeutungslos, da bei jeder Meinungsverschiedenheit der Wille des Baters vorgeht. Ein Vertretungsrecht steht der Mutter nur zu, wenn die elterliche" Gewalt des Baters ruht. In diese Lebensverhältnisse rechtlich regelnd einzugreifen, erscheint zwecklos, da die Persönlichkeit der Eltern eine natürliche Regelung bewirkt. Immerhin erfordert der Grundsatz der Gleich berechtigung von Mann und Frau auch hier die Aenderung, daß Bater und Mutter sowohl bei der persönlichen Fürsorge als auch bei der Bertretung der Kinder gleiche Rechte erhalten. Da nach der neuen Reichsverfassung das Aufsichtsrecht der staatlichen Gemeinschaft über die Tätigkeit der Eltern bei der Sorge für die Kinder besonders betont wird, follten grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten im Interesse der Kinder vom Vormundschaftsgericht entschieden werden, falls die Eltern sich durchaus nicht einigen fönnen. Bei der Reform des deutschen Cherechts kann man das Ehescheidungsrecht nicht übergehen. Hier ist ein Gebiet des Eherechts, auf dem beide Geschlechter jetzt schon gleichberechtigt sind; aber es ist für Mann wie Frau gleich schlecht. Durch die jetzt wirksamen gesetzlichen Scheidungsgründe bleibt der Charakter der Ehe als Zwangsinstitution ganz deutlich erkennbar. Der Grundsatz der Reichsverfassung, daß die Reinhaltung, Gefundung und soziale Förderung der Familie... Aufgabe des Staats und der Gemeinden" ist, verträgt sich zweifellos nicht mit einem Eherecht, das zwangsweise Ehen aufrechterhält, die ihren fittlichen Wert verloren haben. Die Ehefcheidung müßte wie die Eheschlie Bung grundsätzlich vom freien Willen der Ehegatten abhängen. Neben die Scheidungsmöglichkeit durch Gerichtsurteil für die Fälle, in denen ein schweres Verschulden einer Seite die Ehe innerlich zerstört hat, müßte es möglich sein, eine Ehe zu scheiden, wenn beide Gatten die einfache Erklärung abgeben, daß sie ernstlich die Auflösung der Ehe wollen. Für die Abgabe einer solchen Erklärung würde am besten der Standesbeamte zuständig sein; fie müßte unter denselben Förmlichkeiten erfolgen wie die Eheschließung. Um Unüberlegtheit und Willfür auszuschließen, tönnte gefordert werden, daß die Erklärung nach bestimmter Frist wiederholt und eine Wiederverheiratung erst nach Ablauf einer weiteren Frist möglich wird. Dann muß noch ein Schritt weiter gegangen werden. Aus der sittlichen Forderung heraus, daß eine Einrichtung wie die Ehe nur auf Selbstbestimmung und nicht auf 3wang beruhen soll, muß die Scheidung der Ehe auch dann ermöglicht werden, wenn nur einer der Ehegatten Nr. 13 Die Gleich beit diesen Antrag stellt. Es sollte keinem Menschen zugemutet werden, in einem Verhältnis von der Art der Ehe zu leben, wenn dessen Aufrechterhaltung von dem andern erzwungen wird. Man fönnte die Geltendmachung eines solchen Entschlusses vielleicht mit besonderen Borsichtsmaßregeln umgeben, um seine Ernsthaftigkeit und Unumgänglichkeit zu erproben; nur müßte sie im Prinzip möglich gemacht werden. Notwendig ist aber auch vor allem eine größere wirtschaft liche Selbständigkeit der Frau. Denn von einer Gleichberechti gung innerhalb der Ehe kann nicht gesprochen werden, solange die Ehefrau noch mehr oder minder wirtschaftlich abhängig ist. So wird diese auch durch eine Scheidung der Ehe in ihrer Eristenz viel einschneidender getroffen als der Mann. Vielfach steht sie dann im Erwerbsleben ganz unsicher da. So fommt es auch, daß viele Ehen wegen der wirtschaftlichen Unfreiheit der Frau bestehen bleiben, die keine guten Ehen mehr sind. Es muß deshalb auch der Frau völlig freie Berufswahl zugebilligt werden; sie muß, falls sie sich als tüchtig erweist, ebenso wie der Mann in höhere Bosten aufrüden fönnen. Außer den sozialpolitischen Einrichtungen zum Schutz ihrer Arbeitskraft dürfen ihrer Schaffensfreude teine tünstlichen Schranken gesetzt werden; ihr freier Wille soll bestimmen, was sie sich selbst zu leisten zutraut und welchen Anteil sie an der Gesamtproduktion ihres Landes nehmen will. Die volle, restlose wirtschaftliche und soziale Selbständigkeit und Gleichberechtigung der Frau kann jedoch nur dadurch errungen werden, daß die Mutterschaftsleistung als die unerfeßliche Sonderleistung der Frau für die Gesellschaft gewertet wird und ausreichende materielle Entschädigung findet. Bisher wurde diese Leistung seitens der Gesell schaft überhaupt nicht entschädigt; sie wurde unentgolten nicht nur vollbracht, sondern auch gefordert. Diese Leistung, die doch für die Gesellschaft schlechthin unentbehrlich ist, machte es sogar möglich, daß die Frau in Unterordnung und Abhängigkeit, in Not und Verzweiflung getrieben wurde. Denn in der heutigen Gesellschaft mit ihrer im Prinzip noch rein familienhaften Ordnung ist die Frau in den Zeiten ihrer Mutterschaftsleistung im großen und ganzen auf die Versorgung durch den einzelnen Mann angewiesen, soweit es * Feuilleton Frieden Jch möchte ftill durch einen Tannenwald Ilit dir im roten Abendfrieden schreiten, Wenn ganz von fern das Aveläuten hallt Und lichtgefättigt fich die Zweige breiten. * Dann legteit du die бand auf meine Bruit Und fühlteft, wie die heißen roten Wellen Beruhigt gleiten und in fanfter Cust nur unterm Drucke deiner Finger Schwellen. Die erste Rose Klara Müller- Jahnke. Von Walther G. Oschilewski Jüngst fah ich die erſte Rose in diesem Jahr. Ich sah sie aber nicht durch die blanken Scheibert des Blumengeschäftes, gebrochen, in pruntenen Schalen und bunten Basen stehen, nicht gerissen aus der mütterlichen Erde, in deren Treue sie wuchs und stolz ward morgens und abends; nein, ich sah sie frei und jung und schön an der stillen Hecke stehen, wo vor furzen Tagen fich noch der füßliche Flieder entblühte und wo am Abend und wenn es zur Nacht ging, die jungen Mädchen träumten und ihre Hände wie Bitten in das Blütenweh streďten. Noch nicht ließ sie ihren Kelch flammend sein wie das heiße lachende Blut im wilblodernden Sommer; noch war sie blaßrot, so -wie die erste Scham... oder wie die junge Frische der blassen Stubenmüden, welche über sie kommt, wenn sie am frühen Morgen zwischen den Bäumen, zwischen den Wiesen und unter den Bäumen gehen. 123 ihr gelingt, ihn dafür heranzuziehen und festzuhalten. Vera mag sie das nicht, so erleidet sie immer noch in gewissem Sinne das uralte Schicksal der biblischen Hagar, als sie aus der schützenden Hausgemeinschaft des Patriarchen in die Wüste hinausgestoßen wurde. So wird erst mit der wirtschaftlichen Selbständigkeit der Frau im Berufsleben, in dem die Frau als Mensch in Ge meinschaft mit dem Mann am produktiven Schaffen ihres Boltes teilnimmt, zugleich mit ihrer vollen wirtschaftlichen und sozialen Sicherstellung in den Zeiten, in denen für einen Teil der Frauen diese Arbeit gegenüber ihrer Sonderleistung als Mutter der kommenden Generation zurücktreten muß, und ferner mit der Durchführung der Gemeinschaftserziehung der Kinder die volle Menschenwürde der Frau aufgerichtet werden. Dann werden die Grundlagen und der Aufbau der Gesellschaft genügend gesichert sein, um eine Lebensgemeinschaft von Mann und Frau zu ermöglichen, die nicht auf 3wang und auf dem Druck äußerer Verhältnisse, sondern rein auf Liebe und freier Willensbestimmung begründet ist, und die dadurch zu ihrem Teil zu der Aufgabe beiträgt, die sittlichen Ideale, die in der Menschheit leben, der Verwirklichung näherzubringen. Die rettende Arbeit Die Lederarbeiterzeitung" vom 26. Mai d. J. schreibt in der Frage des bedrohten Achtstundentages sehr richtig: In Anbetracht Deutschlands wirtschaftlicher Not hört man immer wieder den Ausspruch: Nur die Arbeit kann uns daraus erretten. Auch auf der kürzlich stattgefundenen Tagung der Elsen- und Stahlindustrie fielen diese Worte aus dem Munde des Vorsitzenden, Justizrats Dr. Meyer, der ausführte, Berständigung, nicht Kampf müsse die Parole zwischen Arbeitern und Arbeitgebern sein. ,, An Lohnabbau", sagte er, denten wir nicht, solange die Teuerung in Deutschland nicht weicht; aber wir können und müssen wieder mehr Arbeit leisten, damit der Lohnanteil an unseren Erzeugnissen verringert wird. Das Festhalten am schematischen Achtstundentag paẞt schlecht für ein unterlegenes Bolt in Zeiten bitterster Not. Nur aus uns selbst fann Heilung kommen, nur in der Arbeit liegt unsere Rettung." So Herr Justizrat Dr. Meyer vor den Eisen- und StahlAber sie war gerade darum so schön und wie das Lied, das dem Frühling den Abschied gibt und jetzt jungsommerlich die Heiligkeit neu kündet. Tiefinnerst, dort wo man sagt, es sei das Herz, glühte sie schon voller. Dicker floß ihr Blut. Und bald, bald wird auch ganz des feuschblaßroten Kelches Schale brennen und sie wird dann sein, wie der feurige Mohn ist: Flammen. Und die Frauen und Mütter, die noch die große Sehnsucht tragen und vieles andere noch. werden hingehen, um sie als ihre Blume zu küssen, bei ihr stehen bleiben und so sich von tiefschlagen. den Flammen, von Reife und Herbheit, vom hohen Sommer und vom Heldentum des Weibes erzählen lassen... Mir aber brach sie die Traurigkeit und den Schmerz der langen Woche, und die Stunde war so schön und ich ging durch diesen Tag wie ein lachend Kind. Ich ging wie ein Kind, als ich die erste Rose sah, die aber nicht gebrochen durch das blanke Glas der Scheiben mich traurig anschaute, sondern still weghin stand und kraftvoll und schön und fret verbunden ward mit jener Treue, der gleich sie wir anverbunden sind... Der Tod Bon Wilh. Lennemann Heiß flammt die Sommersonne über die Felder. Ein jedes Hälmlein ist in eine schimmernde Lichthülle getaucht. Ueber den gelben Roggenädern zittert die Luft in heißen Wellen. Die Erde brennt, die Himmel glühen. In ehernem, leuchtendem Glanze strahlen die blauen Himmel. Müde und still liegen die Felder; fein Gräslein mag sich rühren; schlaff und matt liegen sie auf der ausgedörrten 124 Die Gleich beit industriellen. Wenn die Arbeit das Fundament der Wirtschaft ist, und sie ist es in der Tat, dann sollte man fie in jeder Hinsicht als wertvollstes Wirtschaftsgut achten und zu erhalten bestrebt sein. Ein Arbeitsvolt, förperlich durch den Krieg heruntergebracht, durch den fluchwürdigsten aller Kriege in seiner Kraft geschwächt, darf nicht einem Raubbau seiner Leistungsfähigkeit ausgefekt werden, wenn die Volkswirtschaft dadurch nicht zu Schaden kommen soll. All den Gegnern des Achtstundentages ist es mit dessen Betämpfung nicht um die Bolkswirtschaft, sondern um den Profit zu tun, und die Aussperrung der Metallarbeiter in Süd- und Südwestdeutschland liefert ja eine treffliche Illustration dazu, wie die In. duftriellen es mit ihren Besorgnissen um das allgemeine wirtschaftliche Wohl halten. Zehntausende von Arbeitern werden monatefang ausgesperrt, wertvolle Arbeitskraft geht in solchem Umfang verloren, daß selbst durch eine wesentlich verlängerte Arbeitszeit der unferer Volkswirtschaft zugefügte Nachteil nicht wieder ausgeglichen werden kann. Aus dem fapitalistischen Sprachgebrauch ins Bolkswirtschaftliche übertragen heißt: ,, Nur die Arbeit fann uns retten, wir wollen lange und billig schaffende Arbeiter, um mit noch größerem Profit Geschäfte machen zu können." Seid einig! Wenn ein Baum einzeln steht, wird er von den Winden gerüttelt und seiner Blätter beraubt; und seine Zweige, statt fich zu erheben, senfen sich, als suchten sie die Erde. Wenn eine Pflanze einzeln steht, verschmachtet sie und verdorret und stirbt, denn sie findet keinen Schuß gegen die Hiße der Sonne. Wenn ein Mensch allein steht, beugt ihn des Windes Macht zur Erde nieder, und die sengende Begehrlichkeit der Großen dieser Welt verzehret den Saft, der ihn ernähret. Seid also nicht wie die Pflanze und wie der Baum, die allein stehen, sondern vereinigt euch, unterstützt euch und schützt euch wechselseitig. Solange ihr uneinig seid und jeder nur an sich denkt, habt ihr nichts wie Leiden, Jammer und Unterdrückung zu hoffen. Was ist schwächer als ein Sperling und wehrloser als eine Schwalbe? Doch. wenn ein Raubvogel erscheint, sind die Sperlinge und Schwalben stark genug, ihn zu verjagen, indem sie sich um ihn versammeln und ihn alle zugleich verfolgen. Nehmt ein Beispiel am Sperling und an der Schwalbe. Erde; nur der rote Mohn und der stolze Rittersporn schauen unbeirrt in die helle, heiße Lohe. Ueber den schmalen Acerrain schreitet lässig ein Wanderer. Hohl scheint sein Auge aus dem fnochigen Geficht. Tief in die Stirn hinein hat er den Schlapphut gezogen. Schlaff und faltig hängt der Mantel um den dürren Körper, die dürre Gestalt. Wo er schreitet, verdorren Gras und Blumen, wo seine harte Hand die Halme streift, finfen sie sterbensmatt zu Boden. Nun bleibt der Fremde stehen. Sein dunkles Auge sieht über die Aecker und Felder hinweg zu den nicht gar fernen Sandkuhlen. Dahin lenft er seine Schritte, langsam und geruhig; er hat Zeit und kommt immer noch zu früh. Am Rand der Gruben wirft er sich in die glühende Sonne zu Boden. Hoch und weit schaut er in die blauen Feuer des Himmels. Ueber ihn hin weht der heiße Mittag. Lodernd umbrandet ihn die flammende Helle. Mißmutig wirft er sich auf die Seite und blinzelt mit halbgeschlossenem Auge auf den schmalen Sandweg, der zur Grube führt. Schläfrig liegt er, träumend und wartend. Da springt der Schläfer auf. Ein alter Mann humpelt langsam der Sandgrube zu. An jeder Hand hängt ihm ein Henkelforb. Nur schwer fommt er in dem Sand und in der drückenden Schwüle voran. Da schlägt es vom Kirchturm jenseits der Felder Mittag. Silbern fallen zwölf Tropfen in die tiefe Stille.... Der Alte schricht auf; eilender wird sein Schritt. Müde und matt fommt er in der Sandfuhle an. Der Knöcherne oben legt sich auf den Bauch. Weit strect er den Kopf über den Rand und sieht in die Sandkuhle. Frauen und Kommunalpolitik Nr. 13 Der nachfolgende, an Genoffin Marie Juchacz ge richtete Brief wird uns von dieser mit der Bitte um Beröffentlichung in der„ Gleichheit" übermittelt. Wir fommen dieser Aufforderung um jo lieber nach, als der Vorschlag der Schreiberin, Gen. Alma Röhle, gewiß zu begrüßen ist Es wäre wirklich sehr angebracht, wenn sich einige in der Materie erfahrene Genossinnen dazu äußern wollten. Wir laffen nunmehr den Brief im Wortlaut folgen: ,, Werte Genoffin Juchacz! Ich möchte einmal in der Gleichheit den Genessinnen eine Anregung geben. Wie wäre es, wenn Genoffinnen, die geeignet als Gemeindevertreterin erscheinen, zu den Funktionärsizungen oder Besprechungen der sozialdemokratischen Stadtverordneten zu gezogen würden? Die Frauen sollen dadurch an der Arbeit intereffiert und vorgebildet werden. Ich glaube auch, daß damit die Scheu der Frau vor allem Neuen erfolgreich zu befämpfen wäre. - Praktisch erprobt haben wir es in Plauen. Da wurden bei wichtigen Fragen die nächsten Stellvertreter hinzugezogen, um bei eventuellem Nachrüden im Bilde zu sein. Wenn die Anregung neu und zu verwerten ist, soll es mich freuen. Bielleicht äußert sich die eine oder andere Genoffin einmal furz in der„ Gleichheit" dazu. Ich halte das Gebiet der Kommunalpolitik für die Frauen für so wichtig, und die Frauen selbst dafür sehr geeignet. Deshalb möchte ich jedes Mittel anwenden, das die Frauen da hineinführt. Alma Röhle, Frankfurt a. M. Konsumgenossenschaftliche Rundschau Die warmen, fonnigen Tage erweden in den großstädtischen Proletariern mehr als je den Wunsch, den grauen Eteinmauern auf einige Wochen entfliehen zu dürfen. Wohl haben sie jetzt meist das Recht auf Urlaub erworben, aber der Aufenthalt selbst in den bescheidensten Sommerfrischen ist mit so hohen Kosten verknüpft, daß wohl nur wenige ihn ermöglichen können. Des halb find die Bestrebungen des fonfumvereins Westerland auf der schönen Nordseeinsel Sylt aufs wärmste zu begrüßen, die dahin gehen, auch weniger Bemittelten einen Ferienaufenthalt zu verschaffen. Dem Verein sind eine Anzahl von Besitzern fleiner Villen und Pensionate angeschlossen, welche Wohnung und Berpflegung je nach Wunsch bei billigster Berechnung bieten. Der Konsumverein hat dortselbst auch ein eigenes Restaurant und ein Der Alte hat seinen Korb hingestellt. Bier Arbeiter, hemdärmelig und braungebrannt treten zu ihm. Sie nehmen ihren Eßtopf aus dem Korb und huden sich an die senkrechte, sandige Wand, die ihnen einen schmalen, dürftigen Schatten gewährt. Schweigend effen sie, bedächtig und genügfam. Hungrig sind sie, und die Kehle ift ausgedörrt; da schwatze, wer mag. Der Alte steht einige Schritte vor ihnen und schaut auf sie. Er ist nicht hungrig; nur müde und lebensfatt. Er hat genug der Sommer und Winter gesehen. Die Welt und er haben sich nichts mehr zu sagen. Nun wartet er. Die Arbeiter haben ihren Hunger gestillt. „ Heiß ist es zum Erstiden!" murrte der eine. ,, Ohe," meint der andere,„ besser als falt; und sterben, ersticken mag ich noch lange nicht!" Er schüttelt seinen blonden Kopf. ,, Sterben!" lacht der dritte und steht auf und reckt seine starken nervigen Arme,„ ich sterbe in hundert Jahren noch nicht!" leber ihm lacht es leise und höhnisch, und zwei falte Augen schauen spöttisch herab. Aber die Vier sehen und hören den da droben nicht. " Hundert Jahre," nimmt der Vierte das Gespräch wieder auf ,,, das ist man viel!" Er zündet sich eine Pfeife an und bläst nachdenklich eine dicke Rauchwolke vor sich her.... Und's Tagwerk ist auch noch nicht geschafft, heut nicht und für mein Leben noch nicht; da ist noch viel Arbeit, die auf mich wartet!" schließt er feine Gedankenreihe, die er während des Rauchens stumm aufgestellt. " Ja, und ich wollt auch mein' Rathrin erft frein!" wünscht Frieb ung other Nr. 13 Die Gleich beit Café errichtet, welche durch die eigene Bäckerei, Schlächterei, Fisch räucherei und Landwirtschaft beliefert werden fönnen. Das Kontor des Konfumvereins Westerland( Sylt) übernimmt die Bere mittlung von Wohnung mit und ohne Penfion und gibt jede ge. wünschte Auskunft. Es ist also möglich, auf genossenschaftlichem Wege uns nicht nur mit den notwendigsten Bedarfsgütern zu versehen, wir haben Beifplete, daß Genossenschaften eifrig bestrebt sind, auch die kulturellen Errungenschaften ihren Mitgliedern dienstbar zu machen, wie 3. B. später von den russischen Genossenschaften berichtet werden wirt. Die Möglichkeiten der genossenschaftlichen Betätigung sind unbegrenzt, wenn nur die Menschen selbst das Berständnis und den Willen dazu haben. Die Erfahrungen des Krieges haben das Verständnis für die Genossenschaftsbewegung sehr gefördert. Die Erhöhung der Geschäftsanteile, die jetzt überall vorgenommen werden mußte, erfolgte selbst bei beträchtlicher Steigerung ohne Schwierigkeiten, die Umsäge stiegen nicht nur zahlenmäßig sondern auch prozentual gewaltig. So erreichte z. B. die Produktion" in Hamburg im Geschäftsjahr 1921 die Summe von 396 394 905,58 Mr. Auch außerhalb der Mitgliederkreise steigt das Interesse an der Genossenschaftsbewegung. In den meisten Hochschulen werden genossenschaftliche Vorlesun gen gehalten. Das Reußische Wirtschaftsamt in Gera veranlaßte eine Anzahl von Staatsbeamten, die genossenschaftlichen Großbetriebe Deutschlands zu besichtigen. Die fommunalen Körper. schaften der Städte Opladen, Ohligs und Solingen zeigten genoffenschaftliches Berständnis, indem sie die Konsumvereine als gemeinnüßige Anstalten von der Gewerbe umfaßsteuer freisprachen. Trotz der finanziellen Schwierigkeiten zeigen die Konfumgenossen. schaften und ihre Großeinkaufsgesellschaften das Bestreben, die elgenen Betriebe zu vergrößern und zu vermehren und so in stiller und stetiger Arbeit, ohne großes Aufsehen, aber desto sicherer dem Kapitalismus ein Terrain nach dem anderen zu verringern und fchließlich ganz zu nehmen. Ueber diese stille aber erfolgreiche Tätigkeit der deutschen Ge nossenschaften erzählt der Führer der konsumgenossenschaftlichen Bewegung der Bereinigten Staaten Nordamerikas, Profeffor Warbasse, in der amerikanischen Genossenschaftspresse. Er sammelte seine Eindrüde auf einer Studienreise, die ihn in die bes deutendsten deutschen Genossenschaftsbetricbe führte. Warbasse ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß Deutschland in der Lage fei, auf genossenschaftlichem Wege führend zu wer den, weil das deutsche Boll eine besondere Eignung für genossender Blonde,„ und..." Er stockt und schweigt mit der Pfeife und lächelt halb wissend. Und, na ja... auch noch ein paar fräftige Jungens haben! Das ist nicht zu viel!" Ich wüßt mir was Besseres, als Ewig- Leben, Heiraten und Schuften tagaus, tagein!" fagt der erste nachdenklich, wie in sich hinein. ,, Da bin ich neugierig!" ermuntert's ihn. " Ich möchte wohl mal einen ganzen Sommer durch die Welt reisen, durch all ihre Pracht und Helle, ihre Wunder und Heimlichkeiten. Ganz sorglos Himmel und Erde mit all ihren Güten und Schönheiten genießen. Wer das könnt', ich glaub', der müßte gut werden!" Nicht übel!" antwortete ihm einer, Faulenzen tät ich auch schon!" ' s wär kein Faulenzen!" " Laßt's gut sein," entscheidet der ältere mit der Pfeife, „ jeder richt't sich sein Leben nach seinem Gusto ein," und er wendet sich dann dem Alten zu, der da abseits und schweigend vor ihnen steht: Und wie ist's denn mit dir, Krischan, magft auch nicht fterben?" ,, Lieber heut denn morgen!" antwortet es ehrlich und sehnsüchtig. Komm her, set Dich ein wenig zu uns!" Langsam tritt der Alte einen Schritt vor... Aber damit ist der Knöcherne nicht einverstanden. Mit einem Ruck richtet er sich auf, stemmt beide Hände mit hartem Drud gegen die sandige, trockene Wand, drückt und schiebt... 125 schaftliche Betätigung habe und weil man in den Genossenschaften verstanden habe, alle Vorteile der Technik und Organisation für die eigenen Betriebe zu verwenden. In Amerika selbst faßt die Konfumgenossenschaft nur schwer Fuß, dagegen befizen die Farmer sehr gut entwickelte genossenschaftliche Einrichtungen, die es z. B. ermöglichen, daß das Getreide vom Halm bis zum Ver braucher auf genossenschaftlichem Wege gelangte, ohne jeden Zwischenhandel, Kommissionär und Epetulanten; fon densierte Milch fonnte ebenfalls auf diese Weise von den Genossenschaften bezogen werden. Auch Japan befißt eine ziemlich umfangreiche Genossenschaftsbewegung, doch überwogen bis jetzt an. Zahl die Kreditgenoffens schaften, welche von den Bauern und Handwerkern errichtet wurden. Die Konsumgenossenschaften entwidelten sich aber felt der wachsenden Industrialisierung Japans äußerst schnell und werden von der Regierung insoweit gefördert, als sie die Konsumgenossenschaften zur Lieferung für das Heer und die öffentlichen Anstalten heranzieht und ihnen dafür Steuerfreiheit und Kredite gewährt. Rußland kehrt jetzt nach der Reorganisierung auch in ge noffenschaftlichen Dingen wieder zu den alten Prinzipien zurück. Da ist es interessant zu wissen, daß Rußland bis zum Jahre 1919 einen genossenschaftlich organisierten Boltsunterricht besaß, welcher außer der genossenschaftlichen Theorie und Pragis auch Kenntnisse in den Elementarfächern vermittelte. In Verbindung damit standen genossenschaftliche Volkshäufer mit Bersammlungssaal, Bibliothek und Teeräumen. Sieben genossenschaftliche Verlagsbuchhandlungen forgten für die Berbreitung belehrender Schriften auf allen Gebieten. Für Rußland, das in diesen Dingen noch sehr unentwickelt und schwierig zu bearbeiten ist, ist das eine sehr beachtenswerte Leistung der russischen Konfumgenossenschaften. : Eine eigenartige Neugründung nahmen die Wiener Genoffena schafter mit der Holz- und Kohlen Verkaufs Gef. m. b. H. vor, an welcher die Desterreichische Großeinkaufs- Gefell schaft und die Stadtgemeinde Wien beteiligt sind. In England wird die bisherige Generalsekretärin der Frauen gilde Miß Davies auf dem nächsten genossenschaftlichen Kongreß den Borsig führen und damit die höchfte Ehrung erfahren, die einem englischen Genossenschafter erwiesen werden fann. Elsa Rupprecht. In der Politik lernt man wie im Leben nie durch Argumente, fondern nur durch Fehler. Ein feiner Sand rinnt und rieselt auf die vier. Aber ehe sie noch verwundert und erschreckt aufschauen und aufspringen fönnen, fällt mit hartem dumpfen Schlage die Wand über fie, wirft sie schwer und hart hin und legt sich breit, hoch und maffig auf sie, auf all ihr wildes Begehren, ihr sonniges, glückhaftes Träumen und ihre lebendige Kraft. Auch der Alte steht bis an den Knien im Sande. Kaum mag er seine alten Füße lösen. Traurig sieht er auf das Grab, über das hoch und schwer der Sand sich wölbt. Verschont und wieder dem Tode entgangen! Seine müden alten Beine! Warum hatten sie ihn nicht schneller die paar Schritte vorangetragen! Da ruhte er nun aus von feiner Last! Langsam wendet er sich und trägt die Trauerkunde ins Dorf. Hoch oben aber steht der Knöcherne und schaut auf den Totenhügel mit taltem, hartherzigem Auge, das keine Lust und feine Rot tennt, deffen Herz unberührt bleibt von aller menschlichen Sehnsucht und allem heiligen Wollen. Er geht den Weg zurück, den er gekommen, zwischen Mohn und Roggenäcker hindurch. Leise rauschen die Halme ein uralt Lied von Not und Brot, von Saat und Ernte, von einem Leben, das auf alle Grabeshügel seine wehenden Banner gepflanzt, das unsterblich ist, das aus allen Adera furchen und allen Gräbern aufersteht, daß es das ganze Weltall fülle.. Das Lied hört der Einsame und muß ihm lauschen. Zögernd und schwer wird sein Gang; sein Blick geht am Boden. Um ihn und Grab und Roggenfeld schlägt der Sommertag seinen blauen Mantel. 126 Soziale Rundschau Die Gleich beit Das Gesetz über das Verfahren in Bersorgungsfachen ist am 1. Februar 1922 in Kraft getreten. Dieses Gesetz bringt Dieses Gesetz bringt eine einheitliche Regelung des gesamten Behördenaufbaues und des Verfahrens in Versorgungsfachen für Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene. Bisher waren die maßgebenden Vorschriften in folge der schrittweise erfolgten Umgestaltung der Behörden und des Verfahrens in zahlreichen Geseßen, Verordnungen usw. verstreut. Diese Unübersichtlichkeit machte nicht nur den Behörden außerordentliche Schwierigkeiten, sondern machte es den verfor. gungsberechtigten Personen beinahe unmöglich, sich einen Ueberblic über das Verfahrensrecht zu verschaffen. In verschiedenen Punkten bringt das neue Gesetz eine Aenderung der bisherigen Be stimmungen. Die Versorgungsbehörden zerfallen, wie bisher, in die Verwal tungsbehörden( Bersorgungsämter und Hauptversorgungsämter) und in die Spruchbehörden( Versorgungsgerichte und Reichsversorgungsgericht). Im Verwaltungsverfahren entscheidet das Versor gungsamt, nur einige Sonderfälle sind dem Hauptversorgungsamt vorbehalten. Gegen die Entscheidung des Versorgungsamtes ift fofort die Berufung an das Versorgungsgericht gegeben, falls es fich nicht um Leistungen handelt, deren Gewährung nach dem Gesetz in das pflichtgemäße Ermessen der Verwaltungsbehörde gestellt ist( Rannbezüge"). Das Spruchverfahren ist wesentlich vereinfacht. Die Entscheidungen ergehen in der Regel auf Grund mündlicher und öffentlicher Verhandlung. In allen Fällen ist aber Zurückweisung unbegründeter Rechtsmittel durch eine mit Gründen versehene Verfügung des Borsigenden möglich, gegen die die Entscheidung des Gerichts angerufen werden fann. Die Zulässigkeit des Rekurses in minder wichtigen Fällen ist gegen früher eingeschränkt, um Raum für die wichtigeren Sachen zu gewinnen. In Bayern entscheidet bis auf weiteres an Stelle des Reichsversorgungsgerichts das bayerische Landesversorgungsgericht. Der Erlaß von Ausführungsbestimmungen ist dem Reichsarbeitsminister und füz einzelne Angelegenheiten der obersten Landesverwaltungsbehörde, der die Versorgungsgerichte durch ihre Angliederung an die Oberversicherungsämter unterstehen, vorbe. halten. Man hofft, mit Hilfe der neuen Vorschriften das Verfahren zu beschleunigen und eine Aufarbeitung der Rückstände zu ermöglichen. Aus der Frauenbewegung des Auslandes England. Große, gegen den Krieg gerichtete Kundgebungen sind hier für den 29, Juli d. Is. in Aussicht genommen, für deren Vorbereitung die Frauenorganisationen neben der Kirche, den ehe. maligen Kriegsteilnehmern, den Arbeiterparteien und literarischen Kreisen lebhaftes Interesse bekunden. Mrs. Snowden, ein Mitglied der Labour Party, hat vor einiger Zeit eine Informationsreise durch Deutschland gemacht. Bei ihrer Anwesenheit in Berlin fand eine Zusammenfunft mit einer Anzahl deutscher führender Frauen statt, von denen die meisten Parteigenoffinnen waren. Die englische Genoffin machte bei dieser Gelegenheit interessante Ausführungen über ihre Beobachtungen in Deutschland, über politische Strömungen in England, vor allem aber auch über die Wirkung der Arbeitslosigkeit in der englischen Arbeiterschaft. 5. * Weibliche Richter in Holland. Die Zweite Kammer der General Staaten hat eine Gesetzesvorlage, nach welcher die Frauen unter den gleichen Bedingungen wie die Männer zum Richteramt zugelassen werden, mit 41 gegen 36 Stimmen angenommen. Aus unserer Bewegung Mannheim. Der Vorstand hat im Berichtsjahre nach jeder Rich tung hin besondere Veranstaltungen arrangiert, welche die Frauenorganisation fördern follten. Es wurden acht Mitgliederversamm. lungen, fechs öffentliche Versammlungen und eine Frauenkonferenz abgehalten. Als Referenten waren tätig die Genossinnen Kehl, Heiser, Blase und Weidenbach, sowie die Genossen Krämer, Strobel, Rigert, Dr. Friedmann, Brödel, Spieß und Schmitz. Leider ließ der Versammlungsbefuch manchmal zu wünschen übrig. Auch der Verfuch, Genoffinnen als Rednerinnen auszubilden, wurde im Berichtsjahre gemacht. An vier Abenden referierten die Genossen Krämer und Strobel, sowie die Genoffinnen Heiser und Blase. Die Fortführung dieser Bestrebung werden wir besonders in den Wintermonaten pflegen. Nr. 13 Neben den Frauenveranstaltungen hatten wir in hohem Maße Gelegenheit, an belehrenden Zusammenfünften der Gesamtpartet teilzunehmen. Die Steuerfrage, Reichspolitit, Eisenbahnerstreit, Ernährungsschwierigkeiten, Pressefragen, Kulturbestrebungen, sowie die Frage der Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, waren alles wichtige Probleme, die von sachverständigen Referenten behandelt wurden. Im Monat März beteiligten sich mehrere Genoffinnen an. einem Lehrkursus über: Das neue Parteiprogramm". Referent war der Genosse Dr. Adolf Braun. Auch dem unterhaltenden Teil wurde Rechnung getragen. Es gab z. B. Lichibildervorträge für Erwachsene und Kinder von dem. Genossen Laube- Leipzig, Vortragsabende, ausgeführt von Mitgliedern der Nationaltheaters. Wir hatten auch schöne Revolutions und Weihnachtsfeiern. Troy all dieser Bemühungen haben wir im Berichtsjahre leider: einen fleinen Rückgang zu verzeichnen. Die Mitgliederzahl ist von 1175 auf 1089 zurückgegangen. Diese Zahl fann uns in der großen. Industriestadt Mannheim natürlich nicht befriedigen. Eine intensive: Werbetätigkeit ist in Zukunft erforderlich. Am Schlusse des Berichtsjahres wollen wir uns auch der zehn Genossinnen erinnern, die uns durch den Tod entrissen wurden. Sie waren fast alle sehr tüchtige Mitarbeiterinnen und fleißige: Versammlungsbesucherinnen. Ihr Andenken werden wir stets in Ehren halten. Die Neuwahl des Vorstandes fand auf der Generalversammlung statt. Unterzeichnete besorgte die Geschäfte ununterbrochen 13 Jahre, infolge Arbeitsüberhäufung trat sie als Vorfizende zurück. Aus der Neuwahl gingen hervor: Genoffin Heiser: 1. Vorfießende, Genoffin Martini: 2. Borfizende, Genoffin Kolb: 1. Schriftführerin, Genoffin Kohl: 2. Schriftführerin. Möge es dem neuen Borstand gelingen, recht ersprießliche Arbeit. zu leisten. Wir gehen ernsten Zeiten entgegen. Zusammenschluß auf allen Gebieten ist unbedingt nötig. Therese Blase. Wohlfahrtspflege Aufbau des Jugendamtes Die deutsche Zentrale für Jugendfürsorge hatte am 12. und 13. Juni eine Konferenz in Berlin veranstaltet, deren Verhandlun gen das obige Thema zugrunde lag. Ueber die Verfassung und die Zusammensetzung der örtlichen Jugendämter sowohl auf dem Lande, wie in den Großstädten und den Mittel- und Kleinstädten, wurde gesprochen, die Landesjugendämter wurden vom preußischen wie: vom füddeutschen Standpunkt aus in ihrer bestehenden Form, aber auch in ihrer wünschenswerten Entwicklung dargestellt. Ausführlich wurde sowohl in den Referaten wie in der Aussprache das Verhältnis zwischen Jugendamt und Wohlfahrtsamt erörtert. Der zweite Tag brachte zunächst ein Referat von Frau Ministerialrat Dr. Bäumer über die Beamten des Jugendamtes, ihre Vorbildung und Schulung. Frau Oberregierungsrat Dr. Baum sprach über die Einordnung der Jugendfürforgeorgane in die Einrichtungen der Familienfürsorge. Bei der Aussprache über die Ausbildung ist eine Bemerfung gefallen, die hier doch richtiggestellt werden soll. Frau Dr. Bäumer fordert für die Zulassung und die Anstellung einen weiteren Spiel. raum auch für diejenigen, die sich ihre Vorbildung auf eigenen Wegen gesucht haben, legt aber stärkstes Gewicht auf persönliche Eignung für die soziale Arbeit, eine Auffassung, die der unfrigen fehr weit entgegenkommt. Dr. Herta Siemering, die von der Heranziehung von Kräften aus der Jugendbewegung in die Jugendfürsorge sprach, meinte, daß von sozialistischer Seite praktische Lebenserfahrung als die theoretische Ausbildung aufwiegend angesehen würde. Das entspricht unserer Auffassung aber feineswegs. Wir sehen wohl das Vertrautfein mit den Lebensbedingungen der Arbeiterschaft für den Beruf einer Fürsorgerin sehr hoch an, aber die beste theoretische Ausbildung ist uns auch für die lebenserfahrene Sozialarbeiterin nur gerade gut genug. Die Tagung, die ihre Verhandlungen troh ihrer besonders im Hinblick auf die zeitlich zusammentreffende Verabschiedung des Reichsgesetzes für Jugendwohlfahrt großen Bedeutung auf die Inappe Zeit von zwei Tagen zufammengedrängt hatte, brachte eine Fülle von Anregungen, auf die wir im Rahmen eines furzen Berichtes nicht genügend eingehen können. Wir behalten uns deshalb vor, noch einmal darauf zurückzukommen. 5. Berantwortlich für die Redaktion: Elli Radtke- Warmuth. Druck: Vorwärts Buchdruckerei. Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. S., sämtlich in Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Nr. 13 Sind Lungenleiden heilbari Bei Afthma, Lungen- und Kehlkopfiuberkulole, Schwindfucht, Lungenípitzen- Katarrh, veraltetem Haften, Verichleimung, lang beftehender Hefferkeit lese jeder die Broschüre mit obigem Titel. Der Verfasser. Herr Dr. med. Guttmann, Chefarzt der Finsenkuranstalt. zeigt darin in volksverständlicher Weise natürliche Wege zur Beseitigung dieser schweren Leiden. Jeder Kranke erhält diese Broschüre auf Wunsch vollständig umsonst. Man schreibe nur eine Postkarte an Puhlmann& Co., Beriin 126, Müggelstr. 25 a. Teilzahlung Uhran, Wecker, Regulateren, Gold, Silber, Lederwaren. Schirme, Koffer, Leiterwagen, Rasier, Rauchartikel, Kämme, Musikinstrumente, Sprech apparate, Photo- Spezialliste. Katalog 1500 Abbild. kostenlos. Jonass& Co., Berlin A. Belle- Alliance- Strasse 7-10 Hausfraucn spart durch direkt. Einkauf, Ich liefere 8 Doppelriegel la Kernselfe, 6 Stück runde Toiletteseife( Stück ca. 140 Gramm, 6 Stück Hand- Toiletteseife. Franko Haus inkl. Verpackung unter Nachn für nur Mk. 125, Solange Vorrat reicht. Bestellen Sie darum noch heute per Postkarte m. genau, Adresse. Sortiment 10 bei R. W. G. Raabe, Hohnstein( Sächs. Schweiz). Die Gleich beit Strumpfwaren KAISER kauft man jetzt noch fehr preiswert und billig im Strumpfhaus„ Werba" Berlin, Koffbufer Damm 72 Ecke Lenauftraße. 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