Die Glelobeli" erscheint monatlich zwelmal. Durg bie Pet bezogen vierteljabrli 24 M., Berlagsort Berlin. Modrad ist aur mit Quellenangabe gestattet. Bufriften an ble Reballon: Matside Wurm, Berlin 23. 35, Stegliser Giraße 45/46, und Cai Radife Barmuth, GB. 68, Lindenstr.3, Tel: Denhoff Z12. Gleichbeit MIT DER MONATLICHEN BEILAGE 。 KINDERLAND ZEITSCHRIFT FÜR FRAUEN UND MADCHEN DES WERKTÄTIGEN VOLKES ORGAN DER VEREINIGTEN SOZIALDEMOKRATISCHEN PARTEI DEUTSCHLANDS Nr. 21-32. JAHRGANG BERLIN. 1. NOVEMBER 1922 EINZELNUMMER 6 MARK EM POR Wie fommen aus der Tiefe, Wir fommen aus der Finsternis. Wir gingen ungefannt Vom ersten Tage bis zum Zod In einem Dulderland. 4 Wir fahen nicht die Kette, Wir hörten nicht den Sklavenlaut. Wir schafften taub und blind Und schwiegen nachtbefangen In unserem Labyrinth. Die Flamme ward zur Sonne, Die leuchtend überm Gipfel steht, So warm, so voll, fo rot. Bruder, sie will brennen In unfre falte Not! Es ist an einem Eage Ein schwerer Seufzer aufgewacht: Die Kette schmerzt so sehr. Der Seufzer wurde Flamme Und lohte vor uns her. Wir wollen aufwärts steigen. Es führt ein Weg zum höchsten Grat Durch Dornen und Gestein. Wir schlagen in den Felsen Die Stufen uns hinein. 2. Preczang. Was wir wollen! Genossinnen! Arbeitende Mädchen und Frauen in Stadt und Land! Der Bruderkampf der zwei sozialistischen Parteien ist be endet. Das Nürnberger Aktionsprogramm bildet das Funda ment, auf welchem alle Kräfte des Proletariats zur Erringung der politischen Macht, zur Beseitigung der Klassenherrschaft und zur Verwirklichung des Sozialismus im einheitlichen Klassenkampf zusammengefaßt werden sollen! Diese Einheitlichkeit fommt für die proletarischen Frauen zunächst zum Ausdruck, indem die Rämpferin", die den Genoffinnen der bisherigen Unabhängigen Sozialdemokra tischen Partei vier Jahre lang als Freundin und Führerin zur Seite stand, ihr Erscheinen einstellt und fortab nur die Gleichheit" als Zentral- Frauenblatt der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei erscheint. Die„ Gleichheit" will, wie bisher, auch fürderhin den Schaffenden Frauen und Mädchen in Stadt und Land treue Beraterin und Freundin sein. Sie will ihnen die Wege weisen, die zu ihrer Befreiung führen, sie erziehen zur Mitarbeit in Reich, Staat und Gemeinde. Rinderland", die monatliche Beilage der Gleich heit", soll die Kinder des Proletariats zu nüglichen Mitglies dern der Gesellschaft, zur Einordnung in die Gemeinschaft, zu wahrhaft guten Menschen erziehen helfen. Wohl wissen wir alle, daß die volle Befreiung der Frau erst möglich sein wird in der sozialistischen Gesellschaft. Aber politische Schulung, Mitarbeit der Frau in Gesetzgebung und Berwaltung, gemeinsame Arbeit Seite an Seite mit dem Mann für die Wohfahrt aller, sind eine Etappe auf unserem Wege und die notwendigen Voraussetzungen für die politische und wirtschaftliche Erringung der Macht. Als starter Kämpfer steht die Vereinigte Sozialdemokra tische Partei mitten in dem Ringen unserer Zeit. Noch ver juchen die alten Gewalten ihre Herrschaft zu behaupten; sie zu überwinden sind die neuen noch nicht start genug! Ueberall herrscht Not, Entbehrung, Elend, Verzweiflung. Raum je waren die Gegenfäße zwischen Berelendung und Reichtum, zwischen Ausbeutern und Unterdrückten schärfer als heute. Die Revolution von 1918 fonnte zwar die Staatsform, nicht aber die Wirtschaftsform mit einem Schlage um. stürzen. Das deutsche Volt hat sich befreit von den Fesseln einer militaristischen und imperialistischen Regierung, nicht aber von denen der kapitalistischen Weltherrschaft. Unser Kampf gilt daher dem Kapitalismus. Alle Kräfte haben wir für diesen Kampf zu sammeln und bereitzustellen, den Feinden der Arbeiterklasse einig, stark und geschlossen ent. gegenzutreten. Wir Frauen wollen uns dieser Aufgabe würdig erzeigen und unter Anwendung unserer aus der Revolution geborenen Rechte treu und unermüdlich mitarbeiten am Bau der sozialistischen Republik. Möge die„ Gleichheit" als Weck- und Werberuf der sozialistischen Frauen Deutschlands hinausgehen in Dorf und Stadt. Möge sie alle, die sie lesen, mit frischem Mut, mit neuer Begeisterung erfüllen für den Kampf um unser Ideal: den Sozialismus. Die Redaktion der„ Gleichheit". Mathilde Wurm. Elli Radtte Warmuth. 190 D i e K l e i ch b e i t Nr. 21 Zu neuen Kämpfen Von Corc Agnes Das für uns Sozialisten bedeutendste Ereignis der jüng» sten Zeit war die Wiedervereinigung der beiden sozialisti» scheu Parteien. Wohl hätten wir gewünscht, daß die Ver» einigung die ganze, aus dem Boden des Klassenkampfes ttchcnde Arbeiterschaft umfasse: doch der Zeitpunkt hierfür cheint leider noch nicht gekommen. Daß die Bereinigung auch uns Frauen tief berührt, bedarf eigentlich keiner beson« deren Erwähnung, doch soll heute, da unser ältestes Frauen» blatt„Die Gleichheit" zum erstenmal als das Frauen- blatt der geeinigten Parte! erscheint, und die„Kämpfe- r i n", die uns Frauen aus der bisherigen HäP. in den letzten vier Jahren treu zur Seite gestanden, nunmehr auf- geht in die„Gleichheit", ein kurzer Rückblick gestattet sein. Außer den politischen Differenzen war es hauptsächlich die Einschränkung der freien Meinungsäußeruisg, die unter dem Belagerungszustand ohnedies eng genug begrenzt war. die seinerzeit zur Trennung führten. Die sich zusammenfanden in der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei, sie woll» ten nichts anderes, als was von je die Sozialdemokratie als ihre Aufgabe betrachtet: die Beendigung des Krieges auf dem raschesten Wege herbeizuführen. Weh tat die Trennung uns allen: doch wir konnten nicht anders handeln als wir es taten, und bis zur Stunde find wir der Ucberzeugung: Wir haben nichts zu bereuen, wir handelten richtigl Die Zeit verging! Das arbeitende Volk wurde Wirtschaft» lich immer schwächer, körperlich immer elender. Die Zer- splitterung innerhalb der sozialistischen Arbeiterbewegung ließ ihre nationalistischen und kapitalistischen Feinde mehr und mehr erstarken. Die erwarteten Erfolge der Koalitions- Politik blieben aus. Wir sahen statt Wiederaufbau wachsen- den Zerfall unserer Wirtschaft. Eine Teuerung kam über uns, wie sie fürchterlicher nicht sein konnte. Die Gefährdung der Demokratie und Republik wurde durch die Mordtaten der Orgesch grell beleuchtet. In Schulfragen siegte das Zen- trum. Die Ernährungspolitik wurde eingestellt nicht nach den Bedürfnissen der breiten Masse, sondern nach den Wün- fchen der Agrarier. Uns Frauen traf die Schwere der Zeit besonders hart. Wir hatten unser altes Ideal vor Augen. hatten den Willen zum Kampf und waren doch ohnmächtig gegenüber den sich immer schwieriger gestaltenden politischen und wirtschaftlichen Lerhältuisfen. Wir hatten einst gehofft, die Unabhängige Sozialdemokra- tische Partei werde der heilige Boden sein, auf den sich die Einigung der Arbeiterklasse vollziehen werde! Es kam anders! Halle war der Anfang vom Ende der USP. Brach- ten uns die Kommunisten auch nicht unter das Joch von Moskau, so brachen sie doch unserer stolzen Siegesgewißheit das Rückgrat. Mittlerweile gestalteten sich die Wirtschaftsverhältnisie in Deutschland immer schlimmer. Sprunghaft stieg die Ent- wertung der Mark und mit ihr die Teuerung. Die Arbeiter» frauen verzweifelten ob der wirtschaftlichen Rot. Sie ver- sanken— wie große Teile der Arbeiterklasse überhaupt— in politische Gleichgültigkeit, bis die Schüsse auf Raihenau die gesamte Arbeiterschaft erweckte aus ihrer Teilnahms- losigkeit. Die bisher feindlichen Brüder fanden sich plötzlich zu- sammcn auf einem Wege, in der Erkenntnis, daß es so nicht weitergehen dürfe. Der Massenwillc ebnete den Weg zur Einigung. Getrenntes Weitermarschieren hätte vermehr- tes wirtschaftliches Elend, Stärkung der Reaktion, Rückschritt auf allen Gebieten bedeutet. Durften wir Frauen als Mütter tatenlos zusehen, wie unsere Kinder hungernd, entkräftet heranwuchsen, wie die Rot des Volkes stieg? Rein, wir muhten einen neuen Weg beschreiten, mußten versuchen, unseren Anschauungen in weiterem Rahmen Geltung zu ver- schaffen. Leicht ward es uns wahrlich nicht, unseren kampserprob- ten Namen„Unabhängige" aufzugeben: aber wir wollen auch in der geeinten Partei unabhängig bleiben gegenüber ollen Tendenzen, die unseren bisherigen Grundsätzen zu- widerlaufen. Nicht der Name ist entscheidend, sondern der Geist, der uns beseelt Der Bruderkomps hat aufgehört, aufs neue beginnt der Kampf um unsere gemeinsamen Ideale. Was ist die Sozialdemokratie den grauen? Von Marie Juchacz Nürnberg, die schöne alte Frantenstadt, ist der historische Ort, in dessen Mauern sich zwei alte Kämpfer der Sozial- demokratie(dle Genossen Pfannkuch und Bock) vor dem ge- samten Einigungsparteitag und feinen Gästen die Hand« reichten. Die Absichtslosigkeit dieser Bewegung bewirkte es, daß die beiden rüstigen Greise aus die Versammlung als lebendiges Symbol der Einigkeit wirkten. Diese symbolische Bewegung und ihr Inhalt sollte auch die Frauen der Partei mahnen, nicht rückwärts zu schauen, um aus den Erinnerun- gen einer schmerzhaften Vergangenheit alte Bitterkeit zu nähren. Die geeinte Sozialdemokratie hat für die ihr an- gehörenden Frauen ein so großes Tätigkeitsfeld» daß wir unsere Kräfte nicht verzetteln dürfen. Alles ist Wechselwirkung! Die Partei hat die Mitglied- schast, die geistige Anteilnahme und die Mitarbeit der Frauen notwendig, wenn sie ihre historische Aufgabe erfüllen soll. Die Frauen aber brauchen für ihre politische Entwicklung. für die Erfüllung ihrer Wünsche und für ihre innere Be- friedigung, noch der jeder Mensch ringen sollte, ebenfalls oie Sozialdemokratische Partei. Sie ist das Fundament unserer politischen Arbeit. Die Parket ist aber auch die einzige Körperschaft, in der und mit der wir das Ziel der vollkommenen Befreiung der Frau erreichen können. Der V. November erinnert uns wieder an das Wahlrecht, das wir feit vier Jahren besitzen. Ich unterschätze diese» Recht nicht, o nein. Aber ich sage: Für die Frauenwelt und für die allgemeine Entwicklung bedeutet diejes Recht nur dann etwas, wenn wir immer bester lernen, es zu unserem Borteil anzuwenden und auszunützen. Di? Umgestaltung des bürgerlichen Rechtes unter besonderer Anteilnahme und Mitarbeit der Frauen, die Reform des Strafrechts und de» Strafvollzugs, der Ausbau der Sozialgesetzgebung, de» Arbeiterschutze» und eines wirklichen Mutlerrechtes sowi« ferner der Volkswohlfahrtspflcge und-fürforge(um mir einiges zu nennen) sind Arbeiten von großem Umfang: si» enthalten eine Fülle sozialer Nechtsmöglichtciten. M e n- fchenrecht ist Frauenrecht! Winzig und bedeutungslos erscheint oft der einzelnen Ge- nossin ihre Arbeit in der Organisation. Niemals dürfen wir es aus dem Bewußtsein verlieren, daß sich erst aus dem Zu- fammeuwirken vieler Kräfte ein Großes ergibt. In den Vorständen der Partei, ihren Bildungs- und Arbeiterwohl- fahrtsausfchüssen, in den Kinderschutzkommissioncn, den Orts- stellen für Kinderwohl und in den Ingendvereinen arbeiten Genossinnen. Im Auftrag der Partei und als gewählt« Volksvertreter wirken sie im Reichstag, in den Landtagen, den Provinzial-, Kreis- und Stadtvertrctungen und ihren Ausschüssen. Aufgabe der führenden Genossinnen ist es, alle diese Instrumente zum Zusammenklingen zu bringen. Da» kann aber nur gelingen, wenn sie in ihrem Wollen von den einzelnen und der Gesamtpartei durch Entgegenkommen und Mitgehen unterstützt werden. Der Mensch wächst an seinen Aufgaben. Seit Iahren sehen wir einfache Proietarierinnen in der Arbeit, deren Leistung uns Bewunderung abringt. Ost vor schweres Leid und riefengroße, schier unüberwindliche Ausgaben gestellt. nehmen sie den Kampf auf mit dem Leben und seiner Rot. schaffen Brot für ihre Kinder, haben dabei für Sorgfalt, Sauberkeit und Ordnung in ihrer Familie zu sorgen. Und schöpfen alle körperlichen und seelischen Kräfte aus einem unversiegbaren Born der Lieb«, die sie hinauswachsen läßt über sich selbst. Solche Frauen haben immer noch Zeit und Kraft für die Partei, die Allgemeinheit oder auch für da» Schicksal einzelner Menschen, die, von besonderer Rot gepackt, dem Leben hilflos gegenüberstehen. Solche starken Frauen haben aber auch die Fähigkeit, über den Dingen zu stehen. Unberührt von kleinlichem und törichtem Geschwätz, formen sie sich ihre Weltanschauung, erziehen sich zur Urteilsfähigkeit Im politischen Kampf und in der Arbeit. Sie verschaffen sich eine Uebersicht über das Arbeitsgebiet der Partei und ihrer Kräfts. Das, was anderen ais schweres Opfer erscheint, Zeit, Geld und Kraft herzugeben für die Partei, ist ?/ vv/ Nr. 21 D i e Gleichheit 191 ihnen zur Selbstverständlichkeit geworden. Aus dem Opfer wurde ihnen ein Gewinn. Sie wachsen an der Arbeit, er» werben sich Lebenswerte durch Wissen und Selbsterziehung und damit«inen inneren Reichtum. Und sie lassen diesen Reichtum nicht ungeniitzt, sie geben durch das Beispiel ihres Lebens und Wirkens weit über den Kreis ihrer Familie hin» aus sortwährend davon ab. ohne dabei zu verlieren. Und wenn wir je verzagt werden wollen, wenn uns unser« Arbeit klein und bedeutungslos vorkommt, so wollen wir un» an dem Beispiel dieser Vielen Mut machen, ihre Schar ver- mehren und wissen, daß in der Hingabe an den Sozialismus und seine Ideale das Glück unserer Kinder begründet ist. Ansere Not von Clara Bohm-Schuch Seit Iahren steigt die Teurung, verschlechtert sich die L«benshaltung der großen Masse des arbeitenden Volkes, »der so hoch wie jetzt stand die Flut der Rot noch niemals Seit Beendigung des Krieges. Borher freilich— der Winter .916/17, das aroße Hungersterben im Sommer 1917 und all das andere. Aber jene Zustände führten ja auch zum Zu- sammenbruch des monarchischen Staates, und sie sollten ein warnendes Menetekel für jede republikanische Regierung sein. Die Kreise, denen nichts an der Erhaltung, dagegen alles am Untergang der Republik liegt, werden natürlich nichts tun, um die Verelendung aufzuhalten. Sie werden im Gegenteil die Erträgnisse ihrer Felder, die Produkte ihrer Sabriken so im Preise steigern, daß Hunger und Kälte die lenschen zu Verzweiflungsakten treiben, um daran den Bankrott des republikanischen Systems zu beweisen. Pflicht der Regierung ist es, diesem voltsschädigenden Treiben«no- lich ein Ziel zu setzen. Der Friedensvertrag de» verlorenen Kriege» hat un» drückende Lasten auserlegt. Sie bestimmen die wirtschaftlich« Entwicklung Deutschlands auf Jahrzehnte. Politische Reife des Volkes hätte viel dazu beitragen können, die Lasten zu erleichtern, anstatt dessen hat politische Unreife in ihren Aus- Wirkungen sie ständig erschwert und vergrößert. Das muß anders werden, wenn die wirtschaftlichen Derhällnisse sich bessern sollen. Politik und Wirtschaft sind zwei untrennbare Faktoren geworden, und Fehler in der politischen Führung der Staalsgcschäfte, ob dem Ausland gegenüber oder dem eigenen Volle, wirken sich bis in unseren nochtopf aus. Hat- ten alle Frauen das begriffen, dann würden sie nachdenken über unsere Rot und Ihre Ursachen, über das, was der Krieg zerschlagen, über die Lasten, die er der Republik aufgebürdet hat. Wertvolle Landteile mußten abgetreten werden, große Zahlungen sind für die Besotzungsarmee und zur Abdeckung der Kriegsschuld zu leisten. Im Lande erfordert die Versor- !|ung der Kriegsopfer und ihrer Hinterbliebenen viele Mil- iarden, und dabei ist die Versorgung des einzelnen noch immer ganz ungenügend. Ist es unter solchen Umständen Nicht eine ganz große Leistung gewesen, die deutsche Republik als selbständigen Staats- und Wirtschaftskörper aufrechtzu- »rhalten? Hätten die Frauen diese Dinge vor den Reichstagswahlen im Juni 1926 durchdacht, dann hätten sie sich nicht beirren lassen von dem Ruf nach Aufhebung jeder Rationierung wichtigster Lebensmittel. Dann hätten sie nicht stimmungs- aemäß die Parteien gewählt, die die freie Wirtschast woll- Jen. Aber sie dachten nicht, sie gingen nicht mit dem Gefühl voller Verantwortung für das gesamte Voikswohl an die Wahlurne. So konnte, vom Volkswillen bestimmt, eine bür- aerllche Mehrheit in den Reichstag einziehen, in der die Deutsche Volkspartei und die Deutschnationale Voltspartei starte Kräfte sind. Die Sozialdemokraten mußten damals aus der Regierung ausscheiden, und in den elf Monaten bürgerlicher Regierung, die dann folgten, wurde außenpoli- tisch soviel verdorben, daß wir im Mai 1921 vor der Be- fetzung des Ruhrgsbietss— der letzten sreien Kohlenquelle der deutschen Wirtschast— standen. Wie im November 1918, £ellte auch nun wieder die Sozialdemokratie sedes Partei- ckeresse hinter das gesamte Volksinteresse zurück, trat von neuem in die Regierung ein und übernahm die Mitoerant- Wartung für ungeheuerliche Schuldverpflichtungen. Unter dem Druck der Entente mußten kurzfristige Raten- Zahlungen geleistet werden, und da der Staat nicht genügend Zahlungswerte befaß, mußte er Devisen kaufen. Aus dieser Notlage des Staates machten alle Besitzer ausländischer Werte ein Geschäft, sie hielten mit ihren Devisen zurück, und die Preise wurden hochgetrieben. Anstalt daß diesem Treiben alle anständigen Elemente in Deutschland Härten entgegen- treten sollen, begann gleichzeitig in Jndustriekreisen geradezu «ine Flucht der Mark ins Ausland. Teils um Zahlung?- werte für die Einfuhr notwendiger Rohstoffe zur Aufrecht- erhaltung der Fabrikation von fertigen Waren zu haben, mehr aber noch, um bei einer weiteren Verschlechterung un- feres Geldes eine sichere und im Werte steigende Kapitals- anlage zu besitzen.— Und der Wert unseres Geldes sank unter diesen Verhältnissen, er sank mit jeder Reparations- zahlung mehr. Das Experiment der rein bürgerlichen Re- gicrung ist dem deutschen Volke teuer zu stehen gekommen, aber es hat es in politischer Kurzsichtigkeit so gewollt. Helfen konnte nur die Einsicht der Ententestaatsmänner, daß sie mit einer solchen Druckpolitit Deutschland zugrunde richten und daß sein Sturz andere europäische Staaten nach sich ziehen mußte. Desbalb würde von neuem auf Drängen der Sozial- deinokratie oie Verständigung mit dem Ausland gesucht. Mühselig war das Beginnen, aber dem Vertrauensmann der Regierung, Walter Rathenau, gelang es, die zer- rif'enen Fäden wieder zu verknüpfen. Hoffnung lebte in uns allen wieder auf, obwohl im Innern, trotz des Widerstandes der Sozialdemokratie, eine Politik, besonders in der Ernäh- rungsfrage, getrieben wurde, die sich ganz auf die Inter- esten der Landwirtschaft einstellte. Das war im verflossenen Winter und im Juni d. I. wurde Minister Walter Rathenau von Bubenhänden ermordet. Unreife, nationaliftisch-anti- semitisch verhetzte Leute begingen das größte Verbrechen an Deutschland. Dainals stand der Dollar auf etwas über 366, letzt steht er aus 3006 Mk. Vielleicht ist inzwischen jeder Frau der Zusammenhang zwischen Politik und Wirtschaft klar ge- worden; einen schrecklicheren politischen Anschauungsunter- rtcht hat noch kein Geschlecht erlebt. Und nach dem Dollarkurs richten Industrie und Landwirt- schaft den Preis für Brot und Kartoffeln, Milch und Marga- rin«, Kohle und Seife, Nähgarn und Hemd, Kleid und Schuhe, nur die Entlohnung der Arbeiterschaft richtet sich nicht danach. Die Folge ist ein Versinken in Not, Schmutz, Krankheit, Verzweiflung für große Massen. Und mitschuldig an seinem eigenen Elend ist das deutsche Volt, welches sich bei den Wahlen für eine Neichstagsmehrheit entschied, die dem Wucher nicht energisch zu Leibe geht, die.nicht für Zwangsmaßnahmen in der Lebensmittelversorgung zu haben ist. Unter der sreien Wirtschaft sind die Waren zwar vor- banden, aber zu Preisen, daß die Masse des Volkes sie nicht kaufen kann. Die Vereinigte Sozialdemokratische Partei wird ihre ganze moralische Kraft einsetzen müssen, um die bürgerlichen Koa- littoiis�arteien zur Erkenntnis dessen zu bringen, was auf dem Spiele steht für den Staat und für das Volk. Sie wird fest mit in das Räderwerk der. Regierungsmaschine greifen müssen, um den arbeitenden Massen Erleichterungen zu schaf- ken, um denen, die nicht mehr arbeiten können, den Hunger- tod zu ersparen. Es ist schwere Arbeit, aber sie muß versucht werocn; so wie es ist, kann es nicht weitergehen. Und wenn das Volk eines Tages wieder üben stin eigenes Schicksal«nt- scheiden soll, dann muß es reif dazu sein. Organisiert den Frieden! von Toni P s ü l f Kein« Zeit ist geeigneter,«inen neuen Krieg vorzubereiten. al» die ersten Jahre nach einem Krieg. Nie waren also den Friedensfreunden dringlichere Aufgaben gestellt als gegen- wärtig. Aber auch nie waren so große, so ungeheure Hilfs- träft« mobil in allen Völkern wie gerade jetzt. Noch bebt in uns allen das furchtbare Erleben des Weltkrieges nach. och stehen wir mitten drin in der wirtschaftlichen und moralischen Anarchie, die er erzeugt oder doch wenigsten» brutal aufgedeckt hat. In welchem Herzen fände der Ruf: »Nie wieder Krieg!" nicht Widerhall?. Welcher noch so 192 Die Gleich beit gewisseniose Hasardeur der Politik oder Wirtschaft dürfte es wagen, in Bersammlung oder Bariament zu erklären, daß er den Krieg wolle? Es ist wahr, längst vor dem Jahre 1914 hat das Friedens problem viele Hirne und Herzen beschäftigt, längst vorher haben sich nationale und internationale Gesellschaften gebib det, die die Lösung dieses Problems zu ihrer Lebensaufgabe machten. Es waren einmal die bürgerlichen Bazifisten, die fich zusammenfanden in der Friedensgesellschaft", und an bernteils wissenschaftlich spezialisierte Organisationen, voa benen als die bedeutendste das Institut für internationales Recht" hier genannt werden soll. Vor allem aber hatte die Internationale aller Lin der die friedliche Organisation der Welt in Arbelt, Recht unb Kultur zu ihrer eigenen Angelegenheit gemacht. Trotzdem haben wir den August 1914 erlebt. Warum? Der bürgerliche Pazifismus, so viele tapfere, aufrechte Männer und Frauen er auch vereinigte, mußte in seinen Be mühungen scheitern, weil er sich nicht aufraffen konnte, rüd fichtslos die tiefsten Ursachen aufzudecken, die unerbittli zu immer neuen Kriegen führen müssen. Er bekämpfte das Fieber, ohne den ernsthaften Willen zu haben, den Krantheitsherd selbst zu beseitigen: den Kapitalismus, die brutale Klassenherrschaft, deren Kind der friedliche freie Welt handel", jene mit tödlichster Feindschaft erfüllte Welt marttwirtschaft war. Es gab wenige bürgerliche Pazifisten in allen Ländern, denen die Beherrschung des Weltmarktes nicht als ein durchaus erlaubtes nationales Streben galt und leider noch heute gilt. Und doch ver danken wir ihr den Hunger nach Rohstoffgebieten mit allen prattischen Folgen: Rolonialpolitit, Imperialismus und zum Schutz für diesen organisierten Raub: den Militarismus. Die völlige Berkennung des Schwergewichts dieses Bird fchaftssystems, das nichts anderes war als latenter Krieg, bie Ueberschäßung moralischer Beweggründe für das Weltgefchehen, die Einseitigteit in der Erfassung der Aufgabe hat so viele ehrlich gemeinte Arbeit zur Erfolglosigkeit verdammt Die Internationale ber sozialistischen Arbeiter aber war noch zu jung, ihre Kraft zu schwach, um dem Anprall ga widerstehen. So tamen die Jahre 1914 bis 1918. Dia Jahre tiefster Bitternis und Enttäuschung. Aber sie haben nicht zur Tatenlosigkeit geführt. Wir wissen, wir waren * Feuilleton Bekenntnis Dies ift das Große, Was die neue Lehre verkündet: Daß fie den Menschen hinstellt Als Arbeiter auf Erden, So auch den Arbeiter binftellt Als Menfchen auf Erden, Was er bis heute noch nie gewefen war Daß fie den Menfchen hinstellt In den Weltraum und auf Erdems Die Gerechtigkeit zu feiner Redan, Die Arbeit hinter ihm, Die Gleichheit unter ihm, Die Liebe zu feiner Cinken, Die Wahrheit vor ihm Und die Freiheit über ihm Aber die Schönheit in ihm! Mathilde Anneke * Jassby Die Gründerin einer Frauenzeitung aus dem Jahre 1848 Bon Anna Blos Stuttgart le Deutsche Revolution von 1848 hatte, wie ja auch die große Französische Revolution von 1789, nicht nur ihre Helden, son bern auch ihre Heldinnen. Die Namen dieser Frauen verdienen fe gehalten zu werden, denn sie alle haben geholfen, die Wege zu bahnen, auf denen das weibliche Geschlecht von heute feine Forbe rungen und Rechte selbständig vertreten fann, ohne durch Befage und Schitane aller Art baran gehindert zu werden. Bie in Frankreich eine Reihe von Frauen Seite an Seite mit Nr. 21 vor dem Kriege auf dem rechten Wege, und fein Fehlschlag fann uns diesen Glauben rauben. Längst hat sich der Internationale Gewerkschaftsbund wieder zusammengefunden und in London, Amsterdam und Rom feinen festen Willen zu einem neuen, den Frieden ga rantierenden Aufbau der Welt dokumentiert. Blanmäßige Verteilung der Rohstoffe. Stabilisierung der Geldmerte, Ueberführung von Grund und Boden in Gemeinbesitz( und damit Bermeidung des Bahns der Uebervölkerung), Sozia lisierung der Produktionsmittel wurden immer wieder als die sicheren Wege aus dem Böllerelend gewiesen. Während die Staatsmänner der Entente in Washington ben ersten Schüchternen Berjuch nicht etwa einer allgemeinen Abrüstung, fondern einer Rüstungsbeschränfung magten, beschlossen die Fall eines Krieges den Internationalen General Verbände der Transport, Berg- und Metallarbeiter für den treit. Die Internationalen von London und Wien find im Be griff, im Interesse des Weltfriedens und des internationalen Sieges des Sozialismus die Solidarität des Weltproletariats wiederherzustellen und in den Parlamenten die politischen Sicherungen des Weltfriedens zu erzwingen durch demokratischen inneren Ausbau der Staaten und durch Schaffung einer überstaatlichen Rechtsorganisation, dem wahren Bölker. bund. In der positiven Arbeit im Staat und am Staat sieht bie Arbeiterschaft heute die sicherste Garantie für den Sieg der Friedensbewegung. Die proletarische Frau aber, thre Mütterlichtett, herausgeführt aus dem engen Kreis, den sie bislang umspannte, ist notwendig, wenn dieses Werf gelingen foll. Wer wäre mehr als sie beteiligt mit ihrem Innersten und Besten, wo es gift, um den Frieden zu fämpfen, fte, die Produzentin des mert vollsten Gutes, fie, die wie niemand sonst weiß, was ein Menschenleben wert ist, und die aus ihres Wesens Kenntnis ben Glauben an den endlichen Sieg und die endliche Macht der Gewaltlosigkeit ganz anders in sich tragen muß als der Mann! Als ein Berbrechen am teimenben Leben muß fie es darum empfinden, wenn nicht auch fie ihren Friebenswillen organisiert, wenn sie nicht in einer Reihe mit Millionen anderer, die den Frieden ersehnen, die Lebensbedingungen schaffen hilft, welche die moralische Atmosphäre erzeugen, in ber wahre Humanität, in der der Mensch erstehen wird. den Revolutionären fämpften, wie dort die kühne Olympe de Gouges forderte, daß die Menschenrechte nicht nur Männerrechte, sondern baß fie die ganze Menschheit umfaffen follten, so fanden sich auch In Deutschland Frauen, die mit ben Waffen des Getstes und der Feder für die Befreiung ihres Geschlechtes eintraten. Unter den Frauen, die mit als erste in ert und Schrift ein traten für die Befreiung ihres Geschlechtes und für die Freiheit ber Menschheit überhaupt, ist wohl die bekannteste Luise Olto- Peters. Sie gab eine der ersten deutschen Frauenzeitungen heraus mit dem Motto: Dem Reich der Freiheit werb' ich Bürgerinnen". Hier trat fie unerschrocken ein für die Forderung, die fie schon als junges Mäbchen an Robert Blum auf dessen Anfrage in den ,, Vaterlands. blättern": haben die Frauen ein Recht, an den Interessen bes Staates tellzunehmen" gegeben hatte und die lautete: Die Frauen haben nicht nur das Recht, sie haben die Pflicht, an den Interessen Des Staates teilzunehmen". Weniger bekannt als Luise Otto- ẞeters ist eine andere Frau, die ebenfalls eine begeisterte Anhängerin der Revolution war und die auch eine Frauenzeitung mit politischer Tendenz herausgab. Diese Frau iff Mathilde Franzista Annete. Regina Ruben hat in einer fleinen Broschüre den Lebensgang diefer interessanten Frau dargestellt. Mathilde Annete war in Deutschland fast ver geffen, als Sufan Anthren, die greife amerikanische Vorfämpferin für das Frauenstimmrecht, wie Regina Ruben von ihrer west. fälischen Landsmännin erzählt, in 2merita mit ihr gemeinschaftlich in vorderster Linie für das Frauenstimmrecht gefämpft hatte. Rach dem Sieg der Reaktion hatte Mathilde Anneke mit ihrem Gatten nach Amerika flüchten müssen mie fo viele andere, die es gewagt hatten, sich gegen Gewalt und Unterdrückung aufzulehnen und die ben deutschen Einheitstraum geträumt hatten. Mathilde Annete hat mancherlei Wandlungen und Rämpfe burchmachen müssen, ehe sie sich hindurchfand bis zur Auflehnung gegen die bestehenden Berhältnisse. In streng fatholischer Famille aufgezogen, war die ursprünglich gläubige Ratholitin zu einer un erschrodenen entschiedenen Freidenferin geworden. Sehr jung war fie zur Ehe mit einem ungeliebten Mann gezwungen worden. Als fie bas Unwürdige dieses Berhältnisses erkannte, durchbrach sie ble Fesseln der Ehe und erzwang die Scheidung trop aller Hindernisse, Der Stiftung Nr. 21 te lei beit Die Sozialpolitik und die Frauen Bon Boutse Schroeder im Ein Blid in die Statistik über die Erwerbstätigtett ber Frauen belehrt uns darüber, daß die Frauen heute als Arbeitnehmerinnen weit mehr interessiert sind an der Soziat politit als früher. Während die Zahl der in gewerbliches Betrieben beschäftigten männlichen Arbeiter Infolge des Strieges abgenommen hat, hat diejenige der in gewerblichen Betrieben beschäftigten Arbeiterinnen zugenommen. Daß Die Erwerbstätigfeit ber Frauen auch Jahre 1921 weiter zugenommen hat, zeigt ble Statisti Preußens. Diese Entwicklung ist tein Zufall; der Krieg brachte uns einen Verlust von annähernd 2 Millionen Männern, und damit einen Ueberschuß an Frauen, der am 8. Dt. tober 1919 2 853 088 ausmachte. Auf all diesen Frauen llegt die Sorge für ihr eigenes Austommen und in vielen Fällen die Versorgung ihrer Familienangehörigen. Für sie alle ist deshalb die Ausgestaltung unserer Sozialpolitit, das heißt threr eigenen Arbeitsbedingungen, eine Lebensnotwendigkeit. Nicht weniger hieran intereffiert find jedoch die Hausfrauen und Mütter. Arbeitsbeschaffung, Arbeitszeit, Entlohnung fowie Schutz und Fürsorge gegen Unfall und Invalidität des Ernährers der Famille sind gleichbedeutend mit dem Wohl und Behe der Frau und Kinder. Da annähernd 90 Bros des ganzen Bolles ihren Lebensunterhalt durch ihrer Hände oder ihres Kopfes Arbeit erwerben, so ist deshalb die Sozial politik von der allergrößten Wichtigkeit für fast alle Teile des Boltes. Darüber hinaus aber liegt in ihr die notwendigste Arbeit für den Wiederaufbau des zusammengebrochenen deutichen Staats- und Wirtschaftslebens. Nur, wenn es ge lingt, die Arbeitsfreudigkeit und Arbeitsfähigkeit des deut Ichen Boltes zu heben, fönnen wir an eine Gefundung unserer Verhältnisse glauben. Nun ist neben der politischen Umwälzung, bie uns ber November 1918 gebracht hat, auf teinem Gebiete eine grundlegende Umwälzung der ganzen früheren Gesezgebung se nötig wie auf dem sozialpolitischen. Mit Recht hat Der Reichsarbeitsminister bei Beratung des letzten Etats des Reichsarbeitsministeriums im Reichystage betont, daß ble Umwälzung von 1918 teineswegs bloß eine politische, fon dern in hohem Maße eine soziale gewefen fel", eine Auf faffung, die von unserer Rednerin noch unterstrichen wurde. die die Kirche ihr in ben Weg legte und trotz der Borurteile, unter benen damals die geschiedene Frau zu leiden hatte. Ebenso ent chlossen führte sie den Kampf um ihre diefer Ebe entsproffene Tochter, ble ihr schließlich zugesprochen wurde. Ihre traurigen persönlichen Erlebniffe hatten sie zum Nachdenten über die rechtlose, unterdrückte Stellung der Frau gebracht, und t einer Flugschrift:„ Das Weib im Konflitt mit den sozialen Bezhältniffen" warb sie zur Verteidigerin der Frauenrechte. Im Jahre 1847 machte le die Bekanntschaft des preußischen Artillerieoffiziers Annefe, mit dem sie die Ehe einging, bie zu einer wahren Gemeinschaft der Herzen und der Geister wurde. Die Be geisterung für die neuen Freiheitsgedanken hatte das junge Baar zufammengeführt und gemeinschaftlich schloffen sie sich der Schar berer an, die nicht nur für die Freiheit schwärmten, sondern ble auch für sie fämpfen wollten. Mit ihrem Gatten und mit beffem Freund Beuf zufammen gab lie Die Neue Kölnische Beitung" heraus. Diese Zeitung hatte balb das gleiche Schicksal wie alle freiheitlichen Blätter jener Zeit: sie wurde verboten. Nun verfuchte Mathilde Annete das Wert thres Mannes fortzufeßen. Annete war infolge eines Hothverratsprozesses, ber fich gegen ihn, Willi und Gottschalt in Köln vor den Affisen abspielte, zu elf Monaten Gefängnis verurteilt worden. Beusi hatte die Kölnische Zeitung" unter dem Namen„ Höllenstein" weiter erscheinen laffen wollen. Aber Frau Anneke sah voraus, daß man dem Höllenstein" wohl ein noch fürzeres Leben prophezeien fonnte als der Kölnischen Zeitung". Sie trat deshalb furz entschloffen für die Verpflichtungen ber beiben Männer gegen ihre Abonnenten ein und gab die Zeitung als Frauenzeitung" heraus. Die Lefer bat fie, sich mit dieser Frauenzeitung zu begnügen, bis ich ihre Hoffnung erfüllen würde, daß an ihrer Stelle wieder die Kölnische Zeitung e fcheinen könnte. Diese Frauenzeitung" von Mathilde Anneke war also nicht aus fchließlich für einen weiblichen Lesertreis bestimmt. Aber gleich ble erste Nummer behandelte ein Thema, bas namentlich für die Frauen von größtem Interesse war: Kirche und Schule. Die Forderung der geistlichen Schulaufsicht fam ihr, wie sie schrieb, fe unlogisch vor, als follte ein Schufter eine Schneiderwertstätte oder ein Offizier eine Kirche beaufsichtigen. 193 Auf der anderen Seite aber ist eine berartige Fülle von Ar bett, eine solche Menge von Gelegen und Verordnungen nötig gemejen, um die Kriegsfolgen auf fozialem Gebiet einigermaßen zu überwinden, um der immer mehr steigen. ben Gelbentwertung wenigstens in etwa Rechnung zu tragen, daß für diese grundlegenden Aenderungen viel zu wenig Zett geblieben ist. In nachfolgendem soll ein furzer Einbild in bas bisher Erreichte gegeben und auf noch nötiges his gewiesen werden: Es ist ein Berdienst unserer Genossen, die bei bem Bu Jammenbruch der Novembertage 1918 an die Spitze der deutschen Republif traten, daß eine ihrer ersten Kund gebungen dem achtstündigen Arbeitstag, allo einer jahrzehntelang erhobenen Forderung der Arbeiterschaft, galt. Bereits in ihrem Aufruf vom 12. November 1918 fündigten sie diese Verordnung an, ble dann in der Folgezett burchgeführt wurde. Dazu trat am 5. Februar 1919 die Ber ordnung über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe und ta Apotheken. Während des Krieges maren so gut wie alle Arbeiterschuh bestimmungen außer Kraft gefeßt worden. Soweit sie noch bestanden, wurden sie nicht beachtet. Die Folge war schwere Schädigung der weiblichen Arbeitnehmer sowie der Jugendlichen. Am 12. November 1918 hoben bie Boltsbeauftragten diefe Kriegsbestimmungen auf und fepten damit die Ar. betterfchug bestimmungen wieder in Kraft. In ben folgenden Monaten wurden weitere Berordnungen er laffen zum Schuß von weiblichen und Jugendlichen Arbeitern in Glashütten, Glasschleifereien und Glasbeizerelen und Sandbläserelen sowie zum Schuß der Arbeiter in Bielfabriken, was im Hinblid auf die schweren Bleierkrankungen bringend nötig war. Daß weitere Schußbestimmungen ge rade für die Arbeiter in Glasbläsereien erforderlich sind, ist von unserem Genossen Girbig bei Beratung des Etats des Arbeitsministeriums hervorgehoben worden. Durch den Krieg und fein unglückliches Ende war unser Wirtschaftsleben vollkommen zerrüttet worden. Eine un gebeure Schwierigkeit bot infolgedessen die Rückführung der Ende 1918 von der Front zurückflutenden Truppenmassen ta bas Wirtschaftsleben. Soweit wie irgend möglich, mußte für ihre Beschäftigung, und wo das nicht möglich, für ihren Unterhalt gesorgt werden. Es wurden infolgedeffen Ber ordmingen erlassen, die die Einstellung von Arbeitnehmern, Nach Jeiner Entlaffung aus bem Gefängnis begab sich Unnels Im Jahre 1848 nach der Pfalz, um dort die Revolutionsartillerie ga organisieren. Mathilde begleitete ihren Gatten, und da sie eine ge wandte Reiterin war, leistete fle ihm manchen Dienst als freiwillige Ordonnanzoffizier. Als nach anfänglichen Erfolgen ble tapferen Stretter der deutschen Revolution von 1848 beliegt, verfolgt ober gefangen wurden, flüchtete das Ehepaar Annete wie viele andere nach Amerita. Abes nicht verzweifelnd an ihrer guten Sache! Mathilde lebte der sicheren Hoffnung: Der Tag des Gerichts, ber Lag ber Rache bricht wieber an". In Amerika galt die Haupttätigteit von Mathilde Annete ber foglalen und politischen Gleichberechtigung der Geschlechter. Aber fie ertannte vor allem die Notwendigkeit, das weibliche Geschlecht relf zu machen für die erstrebten Rechte. An Stelle der Trabillones der alten Religions- und Gesetzesbücher, der Beda, des Talmud, bes Roran oder der Bibel sollte die Bernunft als höchster unb einziger Gefengeber anerkannt werden. Um diefem Gedanken Raum zu schaffen, gründete sie eine Schule, und es heißt von ihren Schülerinnen, daß fie troz prosaischem Kampf um das Dasein, in der harten Welt sich ftets die höchsten Ideale, geistiges Streben, ethischen Inneren halt durch ihr ganzes Leben erhalten hätten. Und Mathilde Franzista Annefe war für die Ideale, ble fle ihren Schülerinnen fürs Leben mitgab, bas leuchtendste Borbild. Bon vielen ihrer Zeitgenoffen ist fie freilich als unorganisiert, als Blauftrumpf, als Frauenrechtlerin verhöhnt worden. Ihr Schiffal war eben das Schicksal aller derer, die neue Wege suchen, neus Biele zeigen, die abseits stehen von der breitgetretenen Straße bes Alltags mit ihren überlieferten Gewohnheiten und Anschauungen. Heute sind viele Forderungen der mutigen Frau erfüllt. Aber auch die Frauen von heute dürfen nicht müde werben zu kämpfen um die wahre Gleichberechtigung, die noch längst nicht wirklichkeit geworden ist. Ihnen hat Mathilde Anneke ein gutes Wort ber Berheißung hinterlaffen. Ste fagte am Schluß Ihres Lebens: Dis gegenwärtige Agitation für ble Gleichberechtigung aller Menfchen ft ein Probuft der Wissenschaft, aber auch der Gerechtigkeit u der Liebe ein Wert der Versöhnung!" 194 Die Gleich beit die Hemmung in der Entlassung von Arbeitnehmern, die Freimachung von Arbeitsstellen, die Wiedereinstellung von Kriegsteilnehmern betrafen. Nur diesen Verordnungen ist es zu verdanten, wenn damals überhaupt die Demobil. machung der Millionen Don Kriegsteilnehmern in einer verhältnismäßig furzen Belt und so verhältnis mäßig reibungslos gelang. Trotzdem litten wir natür fich start unter der Arbeitslosigkeit, und auch hier ift es von Segen gewesen, daß die Boltsbeauftragten bereits am 13. November 1918 die Berordnung über bie allgemeine Erwerbslosenfürsorge erlaffen hatten. Neben dem achtstündigen Arbeitstag bildet bis heute nichts so sehr einen Angriffspunkt für die Arbeitgeber mle gerade die allgemeine Erwerbslofenfürsorge. Im alten Deutschland hatte man sich auf den Standpunkt gestellt, daß der Arbeits fähige fich felber helfen müsse, einerlei, ob die allgemeine Wirtschaftslage ihm dies ermögliche oder nicht. Die Folge war, daß Arbeitslosigkeit das größte Gespenst in Jeder Arbeiterfamilie bildete, daß selbst die Kinder von lein auf die Angst vor der Arbeitslosigkeit des Vaters verfolgte und ihnen manche Stunde, manchen Tag trübte. Deshalb Ht es auch Sache der Frauen, Schulter an Schulter mit den Männern gerade für die Erhaltung und Ausgestaltung dieser Revolutionserrungenschaft zu fämpfen. Auch jezt wieder stehen wir vor einem Winter, der uns, wenn nicht alle Anzeichen trilgen, neue Arbeitslosigkeit bringen wird. Unsere Frattion hat deshalb bereits im Sozialpolitischen AusSchuß des Reichstages Beranlaffung genommen, eine Er höhung der Erwerbslosensäße zu fordern, und sie wird es fich auch weiter angelegen fein laffen, in biefem Sinne zu Pämpfen. Der Artikel 163 der Berfassung, der besagt, daß Jedem Deutschen die Möglichkeit gegeben werden soll, durch wirtschaftliche Arbeit seinen Unterhalt zu erwerben, und daß, fo. weit ihm angemessene Arbeitsgelegenheit nicht nachgewiefen werden fann, für feinen notwendigen Unterhalt geforgt werden soll", barf nicht nur auf dem Papier stehen. ( Schluß folgt) Die Frau in den Gewerkschaften Bon Long Sender, Frankfurt a. M. Sle sind heute bereits eine achtunggebietende Zahl, die in ben freien Gewerkschaften organisierten weiblichen Berufstätigen: 1 694 598 meibliche Mitglieder gibt uns der Ausweis für das zweite Quartal 1922 an, und hierzu treten noch dieJentgen Frauen, die den der Af angeschlossenen Verbänden angehören. Jedoch diese in der Tat sehr stattliche Zahl allein läßt noch feine Rückschlüsse auf Einfluß und Aktivität der Frau in der Gewerkschaftsbewegung zu. Schon ein Blid auf bas äußere Bild des letzten Leipziger Gewerkschaftstongresses bestätigt diese Auffassung die äußerst geringe Zahl der bort pertretenen weiblichen Delegierten und die Zurückhal. bung, die die wenigen Anwesenden sich auferlegten, legten nur zu beredt Zeugnis davon ab, daß die Aktivität unserer Frauen und Mädchen in der Gewertschaft, ihre Teilnahme an der Austragung des Meinungstampfes über die großen, bas Gesamtproletariat bewegenden Fragen leider noch nicht den Grad erreicht haben, der im Interesse ihrer Emanzipation wie der Bewegung überhaupt zu wünschen wäre. Ist das nicht nach dem starten Zustrom, der fich insbesondere nach ber Revolution geltend machte, erstaunlich? Nicht, wenn man ben Ursachen etwas näher nachgeht. Brauchen wir doch nur eine Barallele zu ziehen mit den frühen Emanzipations tämpfen unseres männlichen Proletariats wie unfagbar dywer wurde es einem fo genialen Manne wie Ferdinand Caffalle, nur einige taufend der in den fapitalistischen Pro buftionsprozeß längst einbezogenen Arbeitsmänner um sich zu scharen! Jahrzehnte mühsamfter Aufklärungsarbeit im mannlichen Proletariat hat es bedurft, um menigstens zum heutigen Stärtegrad unferer Organifationen zu gelangen, und wer wollte behaupten, daß alle 6,3 Millionen freigewert fchaftlich organisierten Männer die volle Bedeutung und die Methoden des Klaffenkampfes ganz erfaßt hätten? Nun hat die weibliche Erwerbstätigteit erst in den beiden legten Jahr zehnten, ganz besonders aber während der Kriegszeit so ganz außerordentlich zugenommen und wir fönnen schon left. stellen, daß ihre Erfassung durch die Organisation fich in weit Nr. 21 schnellerem Tempo vollzog als bei unseren männlichen Kollegen. Während jedoch die Männer bei der seinerzeitigen Gründung der Gewerkschaften sich zusammenfanden als auf etwa der gleichen Bildungs- und Entwicklungsstufe stehende Menschen, die gemeinsam sich zu thren neuen Aufgaben heranfchulten, finden die Frauen bei ihrem Eintritt in bie Organisation bereits diesen geschulten Stamm von Kollegen vor, die mit einigem Geschick auf Grund der hinter ihnen liegenden Erfahrungszeit es gelernt haben, das Intereffe der Arbeitskollegen zu vertreten. Gar zu leicht ist man geneigt, diese Ueberlegenheit an Er fahrung auszulegen als eine Ueberlegenheit an Intelligenz. Eine Einstellung, die zwei Gefahren in fich birgt: Zunächst bie Gefahr des Gefühls einer gewissen Ueberlegenheit bei unferen männlichen Kollegen, auf der anderen Seite aber die noch viel größere einer allzu großen Bescheidenheit, mangelnden Selbstvertrauens und Selbstunterschätzung bei unferen Kolleginnen. Gegen beides anzufämpfen liegt in unferem gemeinsamen Interesse. Aber wir fönnen es nicht allein, unsere männlichen Kollegen müssen uns dabei unter ftüßen. Wir unsererseits erbliden feinerlei Gegenfäßlich. felt in der Stellung von Mann und Frau im Betrieb; wir wollen teinerlei Privileg für die Frau nur etwas Berständnis für ihre besondere Lage und die etwas verschiedenen umstände ihres Werdeganges. Anerkennen wollen wir, daß ein ganz Teil unserer Kollegen bemüht ist, hier verstehend uns entgegenzukommen, aber man braucht nur an das uner freuliche Kapitel der Auskehrung der Betriebe auf Grund der Demobilmachungsverordnung, an die oft mit Zustim mung des Arbeiterausschusses betätigte schematische, häufig unsoziale und brutale Entfernung aller weiblichen Berufstätigen zugunsten der einzustellenden Männer zu erinnern, und man hat ein rechtes 3errbild von der Solidarität des Gesamtproletriats vor Augen. Gewiß gab es Fälle, in denen ein Zurücktreten besonders der unverheirateten, nicht mit der Pflicht der Sorge um andere Familienmitglieder be. lasteten Frau zugunsten des erwerbslosen Ernährers einer finderreichen Familie angezeigt war, und wir zweifeln auch nicht, daß in folchen Fällen zumeist eine Berständigung erglelbar gewesen wäre; nichts aber rechtfertigt eine Einftellung, wonach grundsäglich Frauenarbeit vor Männerarbeit zurüdzutreten hätte. ( Schluß folgt) Erziehung und Schule selt der Revolution Bon Rurt Rerlöw Löwenstein Es ist vielleicht eine der tragischsten Seiten der Revolution, daß die Arbeiterklasse in dem Augenblid, als der militärische Zusammenbruch des alten Regimes erfolgte und die Arbeiter flaffe die politische Macht übernahm, sie nicht alle Energie baran fegte, fich reale Unterpfänder der Macht zu sichern, fondern sich an hochgespannten Forderungen zerrieb. Das gilt nicht nur für die allgemeine Bolitit, sondern das glit vor allem für die Schul politit. Man hätte auch hier bas Eisen schmieden müssen, solange es heiß war, und hätte Tatsachen schaffen müssen, die so fest fundamentiert gewesen wären, daß eine spätere Gesetzgebung mit ihnen als unum ftößliche Faktoren hätte rechnen müssen. Die foftbare Zeit ist bamals leider ohne wesentliche Aenderungen im Schulwesen verstrichen. Die diktatorische Gewalt der Revolution wurde abgelöst durch das mühselige Ringen in den Formen parlamentarischer Gefeßbarfeit. Die Reichsverfassung tam, und was sie brachte, war ein dürftiges Kompromiß als Ertrag ber Kämpfe, die mit den wiedererstartten reaktionären Mächten ausgefochten werden mußten. Gewiß soll nicht geleugnet werden, daß einiges von größter Bedeutung angebahnt worden ist. Schon die Tatsache, daß Schul- und Er ziehungsfragen aus der Enge landesgefeßlicher Eigenbrötelet herausgenommen und daß dem Reiche gefeßliche Befugnisse auf diesem Gebiete übertragen worden sind, ist nicht ohne wesentliche Bedeutung. Die Sozialdemokratie hat nie ver tannt, daß die Zufallsgrenzen starke Hindernisse für eine großzügige einheitliche und freiheitliche Schulpolitik darstellen. Die Reichsverfassung hat gewiß nicht alles gebracht, was wir von diesem Gesichtspunkt aus verlangen, aber sie hat das Fundament für eine Reichsschulgefeßgebung gelegt. Str. 21 Die Gleid bett Die Lehrerbildung und die Organisationsform der Schule find durch die Reichsverfassung grundsäglich festgelegt worden. Leider haben die sozialdemokratischen Parteien in der Folge zeit nicht die politische Macht zu Einrichtungen entfaltet, um Die Lehrerbildung im Sinne des Artikels 143 der Reichs verfassung zu regeln. 3mar ist, der ältefte Zopf der Lehrerbildung-Präparandenanstalten, Seminare gefallen, und dies Negative allein bedeutet einiges an Hoffen für die Zukunft. Das oft ausgesprochene Wort, daß die Schulreform eine Lehrerfrage fet, hat sich in den Nachkriegsjahren aufs allerdeutlichste bestätigt. Die Revolution hat zwar den Lehrern aller Kategorien größtmöglichste Freiheit gegeben; die geistliche Schulaufsicht über die Lehrer ist durchgängig beseitigt; fein Lehrer fann gezwungen werden, Religionsunterricht zu erteilen oder fich an religiöfen llebungen zu beteiligen. Jeder Lehrer hat das Recht, jeder politischen Partei anzugehören und sich durch Wort und Schrift im Sinne feiner Weltanschauung zu betätigen. Die Lehrerschaft hat es hm allgemeinen der Sozialdemokratie wenig gedankt, daß sie durch fie mündig geworden ist. Aehnlich wie das allgemeine Wahlrecht auch für Frauen zunächst den reaktionären Barteien zugute gekommen ist, hat auch die politische Freiheit des Lehrers nicht zu einer Stärkung der politischen sozial demokratischen Bewegung geführt. Zu sehr war die Lehrerschaft in die Gedanken und Gefühlswelt des alten Regimes hineingestellt, zu sehr waren ihr die Ideale autorativer Abhängigkeit, monarchistisch- untertäniger Gesinnung in Fleisch und Blut übergegangen, als daß sie sich bewußt und in Massen auf den Weg hätten drängen lassen, zu dem ihre wirt schaftliche und gesellschaftliche Lage und ihre pädagogischen Ideale sie hätten hinführen müssen, nämlich zum Sozialismus. Erst eine neue Lehrergeneration, die nach den allgemeinen Seir 70Jahren ist San.- Rat Dr. Strahl's Haussalbe bei Hautausschlag, Flechten, Bein- und Krampfadergeschw. Frostschäden, Hämorrhoiden e. bestbewährt, u. schnell heilendes Mittel Original- Dose 57. 105- Mk Elefanten- Apotheke, Berlin SW., Leipziger Str. 74 am Donhoffplatz. Zentr.7192 195 Grundsätzen wissenschaftlicher Ausbildung in die neue Bolks. gemeinschaft hineingewachsen sein wird, wird die inneren Zusammenhänge, die Lehrerschaft und Arbeiterklasse miteinander verbinden, erkennen. Borläufig aber steht diese neue Lehrerbildung noch auf schwachen Füßen. ( Fortjegung folgt) Der Pfeiler Steht zufammen бand in бand! Wir tragen die Zeit. Wir tragen das Land. Wir find die Pfeiler künftiger Welt. Was soll beltehn, wenn der Pfeiler nicht hält? Bedenkt und erkennt: Wer lich von unfrem Bunde trennt, Bringt den Bau ins Wanken und Schwanken, Drum einig im Willen und eins die Gedanken! Jeder Pfeiler trägt schwere Laft Ohne Ermüden und ohne Raft. heißt fein Sinn doch: Stützen und ɓalten Gegen Stürme und Sturmgewalten! Grad oder schief, Hoch oder tief: Der Zukunft Tempel wird fich fügen, Wenn nur die Pfeiler dem Bau genügen. So fügt euch ein Stein für Stein! Stützt und hebt und haltet ftand! Wir tragen die Zeit! Wir tragen das Land. Karl Bröger Verantwortlich für die Redation. Berantwortlich für die Redattion. Mathilde Wurm und Eli Radtke- Warmuth, Druck: Vorwarts Buchdruckerei. Expedition u. Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer 6 m b S., ämtlich in Berlin W 68. 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