C t Für unsere Mütter und Hausfrauen Nr. 5 0 1910 。。。。。。。。 Beilage zur Gleichheit Beilage zur Gleichheit oooooooo Aus der Inhaltsverzeichnis: An den Tod. Von Nikolaus Lenau. Geschichte unseres Hausrats: I. Der Herd und die Herdgeräte. Von Von guten und schlechten Büchern für unsere Hannah Lewin- Dorsch. Kinder. II. Von Roland. Die Mutter als Erzieherin. Der Apachenüberfall. Von Owen Wister.( Schluß.) An den Tod. Don Nikolaus lenau. Wenn's mir einst im Herzen modert, Wenn der Dichtkunst kühne Flammen Und der Liebe Brand verlodert, Tod, dann brich den Leib zusammen! Brich ihn schnell, nicht langsam wühle; Deinen Sänger laß entschweben, Düngen nicht das feld dem Leben Mit der Asche der Gefühle. Feuilleton: Aus der Geschichte unseres Hausrats. Von Hannah Lewin- Dorsch. I. Der Herd und die Herdgeräte. Wir sind im täglichen Leben von einer Menge von Dingen umgeben, die weit interessanter sind, als wir gemeinhin denken. Ich rede jetzt nicht von den wunderbaren Vorgängen beim Werden, Wachsen und Vergehen der Pflanzenwelt nicht von den merk würdigen Geschichten, welche Berg und Tal, Wasser und Gestein uns erzählen, wenn wir sie aufmerksam betrachten und nach ihrer Vergangenheit fragen. Ich denke jetzt an Gegenstände, die wir alle Tage unter den Händen haben, und die uns so einfach und gewöhnlich erscheinen, daß wir vielleicht nie darüber nachdenten, welche Bedeutung sie nicht nur für den täglichen Gebrauch besitzen, sondern auch in der Geschichte unserer Kultur. Ich meine unseren Hausrat in seinen wesentlichsten und wichtigsten Stücken. Wir Frauen haben alle Tage mit Herd und Ofen, mit Kessel und Pfanne, mit Tisch und Stuhl und Kasten zu tun. Oft scheinen uns vielleicht diese Dinge niedrig und gemein, und die Beschäftigung mit ihnen ist lästig. Aber wir können auch diese Sachen ganz anders ansehen lernen, indem wir ihrer Geschichte nachforschen. Wenn wir wissen, daß wir da lauter altes Kulturgerät unter den Händen haben, so wird freilich unsere Arbeit an sich nicht leichter, aber wir werden doch veranlaßt, auch bei diesen täglichen und einfach scheinenden Hantierungen in der Hauswirtschaft den Blick über die Aufgabe des Augenblicks hinaus zu erheben. Unser Gesichtskreis wird weiter, und wir Frauen mögen sogar stolz sein, indem wir am Herde das Feuer schüren und die schwarze, rußige Bratpfanne an die Glut schieben. Denn wir werden jetzt sehen, daß da ältestes Kulturgerät vor uns liegt- Dinge, die in hervorragendem Maße Träger der menschlichen Kulturentwicklung gewesen sind, und zwar zum Teil schon seit Urzeiten. Wir fühlen uns dann nicht nur als die sorgenbeladenen und vielgeplagten Hausfrauen, sondern wir empfinden uns als die Glieder einer lebenbigen Kette, die aus der Urväterzeit zu uns herüberreicht, und die wir selbst weitergeben an unsere Kinder und Kindestinder. Eines der ehrwürdigsten Stücke unseres Hausrats ist der Herd. Er hat eine Entwicklung von vielen Jahrtausenden hinter sich. Seine ältesten Vorläufer, die wir bis jetzt fennen, sind die einfachen Feuerstellen der Jäger der älteren Steinzeit. Der Herd ist es gewesen, um den sich zuerst menschliche Gemeinschaft sammelte; um ihn scharten sich Familien- und Sippengenossen; um ihn her zog man den ersten Zaun, die geflochtene Wand aus Reisig; der Herd ist der uralte Mittelpunkt der Hütte, des Hauses. Seine Bedeutung für das Kulturleben der Menschheit verpflichtet zu einer Betrachtung seiner Geschichte. Fast bei allen Völkern der Erde ist die Feuerstätte seit alters ein geheiligter Ort gewesen. Nicht nur war sie ein Wärmespender, ja, im Hüttenraum nicht selten die einzige Lichtquelle; nicht nur war das häusliche Leben in hohem Maße auf den Feuerplay angewiesen nein, die Feuerstelle, der Herd wird auch gerade in folge seiner bedeutsamen Rolle für das wirtschaftliche und soziale Leben ein Mittelpunkt rechtlicher und religiöser Vorstellungen und Gebräuche. Dadurch festigte sich aber wieder die Bedeutung des Herdes für die Kultur nur noch mehr. So genoß das Feuer schon 7 in uralten Zeiten besondere Verehrung; es wurde als ein außergewöhnliches Wesen empfunden, es ward zum Gott. Dem Herde, als dem Size göttlichen Feuerwesens, zollte man die gleiche Ehrfurcht wie der Flamme selbst. Am„ heiligen" Herdfeuer wohnten die Schuhgeister des Hauses. Unter der Asche der Herdstatt wurden die Toten bestattet, damit sie im Schutze der guten Hausgeister ruhen und deren Zahl vermehren möchten. Schon bei alt= steinzeitlichen Funden glaubt man in der engen Beziehung zwischen Herdstätte und Grab Spuren eines Geisterkultes zu erkennen, der von der Sippe getragen später vielfach selber wieder ein Träger gesellschaftlicher Einrichtungen wurde. Herdstatt und Familie sind untrennbar miteinander verbunden. Noch heute ist für uns der eigene Herd" der Inbegriff geschlossener Häuslichkeit; und in früheren Zeiten besagte das Wort noch unendlich viel mehr. Die Entzündung des Herdfeuers bedeutete die Besizergreifung einer Hütte, einer Ansiedlung; und wenn die Tochter des Hauses die Stätte ihrer Kindheit verließ, um dem Manne in die Ehe zu folgen, so nahm sie wohl einen Brand vom Herde des Vaterhauses mit sich, um auch in ihre neue Heimat die Geister der alten zu verpflanzen. Im alten Lande der Niedersachsen wird noch jetzt in dem Augenblick, da eine Braut das Elternhaus verläßt, über dem Herdfeuer ein Stab zerbrochen: es wird die Tochter damit aus dem Verbande ihrer Familie gelöst. Der Herd diente früher wie uns die alten Weistümer ( Rechtsordnungen) berichten in manchen Gegenden zur Grenz bestimmung. Denn sein Standort war unverrückbar fest und wurde auch nicht um Haaresbreite verlegt. Freilich, damals hätte eine Verlegung des Herdes eine gänzliche Veränderung der Wohnung und ihrer festgefügten Anlage mit sich gebracht; der Hausrat war zu jenen Zeiten dauerhafter und stabiler als in unseren Tagen, wo man Öfen beliebig versetzen kann und an Stelle des verbrauchten Kochherdes, der nicht mehr recht ziehen" will, ohne große Üm stände einen neuen aufstellt wenn's gerade passend erscheint, an ganz anderer Stelle der Wohnung. Die älteste bis jetzt nachgewiesene Form des eigentlichen Herdes war die mit großen Feldsteinen ausgelegte Erdgrube, in der die Paläolithiker ihr Feuer entzündeten und ihre Mahlzeit zubereiteten. Wir haben in früheren Aufsätzen gelegentlich davon erzählt. Hat man in noch älteren Zeiten in der nackten Grube oder auf dem flachen Erdboden, ohne Steinunterlage, Feuer entzündet, so wollen wir da nur von einer Feuerstelle schlechthin reden. Der Herd beginnt für uns erst dort, wo man mit einer gewissen Planmäßigfeit die Stelle, auf der die Flamme entzündet werden soll, mit Steinen auslegt oder einfaßt. Es entsteht dadurch ein völlig abgegrenzter Raum für den Feuerbrand, der von der umgebenden Fläche glatt unterschieden werden kann. Es ist der älteste, einfachste steinerne Herd. Als man darauf gekommen war, die Speisen zu kochen, wurde die Steinsehung etwas mehr erhöht, um die Arbeit des Kochens ein wenig zu erleichtern, die auf der flachen Erde doch gar zu unbequem sein mußte. Wir haben dann einen mehr oder weniger viereckigen Herd aus zwei oder drei Lagen großer Feldsteine vor uns. Diese Art des Herdes hat sich in gewissen Gebieten Europas, wo eine primitive Kultur herrscht, bis heute erhalten. Verbreiteter in Europa ist heutzutage noch die nächste Entwicklungsform des Herdes, bei der die ziemlich niedrige Steinfegung von einem Rahmen aus Holzbalken umgeben ist. Auf andere Weise wird die gleiche Form erreicht, wenn man aus Stämmen, deren Enden durch Blockverband aneinander gefügt werden, zuerst den viereckigen Rahmen errichtetes kommen dabei zwei, höchstens drei Lagen von Stämmen in Betracht- und denselben dann mit Steinen ausfüllt. In Gebirgs- und Waldhütten sind solche Herde gar nicht so selten. Interessant ist übrigens, daß auf europäischem Boden auch eine Herdform vorkommt, die sich sehr der Urform des Herdes nähert: in Osteuropa legt man in manchen Gegenden einfach auf den Lehmboden der Küche ein paar Feldsteine, zwischen denen man die Flamme entzündet; das Feuer selbst brennt also sozusagen auf dem flachen Boden, nur die Pfannen und Kessel stehen auf oder über den Steinen. Es gibt auch heute viele Herde, natürlich nur in Bauernhäusern, Gebirgshütten und dergleichen, deren Höhe nicht mehr als 20 Zentimeter beträgt. Am niedrigsten sind die Herde in den bosnischen Häusern, wo überhaupt ganz einfache Formen der Hausgeräte herrschen. Der Herd, hier nur 10 Zentimeter hoch, besteht aus einem Ziegelaufbau oder aber aus einer viereckigen Lehmanhäufung, die mit hölzernen Brettern eingefaßt wird. 18 Für unsere Mütter und Hausfrauen Von guten und schlechten Büchern für unsere Kinder. II. Bücher, die für Arbeiterkinder bestimmt sind, müssen billig sein. Das ist vor allem bei einer Auswahl aus dem Schatze der guten Bücher zu beachten. Eine befonders wohlfeile Sammlung sind die Quellen", die der Hamburger H. Wolgast im Verlag der Jugendblätter", München, herausgibt. Sie sollen in erster Linie dem Lefeunterricht in der Schule dienen, enthalten aber auch Bändchen, die sich ganz vorzüglich als Geschenke für unsere Kinder eignen. Das einzelne Bändchen ist über 80 Seiten stark, kostet gebunden nur 25 Pf. und zeigt dabei eine zwar schlichte, aber doch vornehm wirkende Ausstattung. Ich komme auf einige Bändchen noch zurück. Für die ganz Kleinen, deren Gedanken und Einfälle wach werden beim Bilderbesehen, ist heute reichlich gesorgt; nur schade, daß die meisten Bilderbücher sich durch einen recht hohen Preis auszeichnen. Von billigeren Bilderbüchern nenne ich die beiden Werke von Kreidolf Blumenmärchen"( Schaffstein, 2 Mt.) und„ Die Wiesenzwerge" ( ebenda, 1 Mt.). Den Kleinen vorgelesen und vorgesprochen zu werden, dazu eignen sich die Schönen alten Kinderreime", die von Wolgast herausgegeben worden sind. Ohne Bilder loftet das Heft nur 15 Pf., mit farbigen Bildern von geradezu köstlicher Frische 60 Pf. " Für diejenigen Kleinen, die über die schwierigen Anfänge des Lesenlernens schon etwas hinaus sind, kommt vor allem eine Dichtungsgattung in Betracht, das Voltsmärchen der Brüder Grimm. Trockene Pedanten haben ja allerdings gemeint, durch die Märchen werde das Kind der Wirklichkeit entfremdet; es baue in sich eine falsche Welt auf. Laßt diese Leute reden! Die Märchen sind entstanden in der Kindheit des Volkes, und es ist eine anerkannte Tatsache, daß das Leben des einzelnen Menschen ein Abbild der Entwicklung der Menschheit ist. Auch im Leben des einzelnen muß es eine Zeit des Märchens geben. Jeder von uns weiß, wie gern er gelauscht hat, wenn es hieß:" Es war einmal..." Da zog das Glück in unsere table Stube, und wir träumten davon, ein König zu sein, der die arme Prinzessin aus ihrer Qual befreit. Ganz allmählich sind in uns die Märchenvorstellungen erstorben, ohne daß es gewaltsamer Einwirkungen bedurft hätte. Sie haben uns nicht geschadet, und wir brauchen auch nicht zu fürchten, daß wir unferen Kindern einen Schaden zufügen, wenn wir ihnen von Königen, Heren, Riesen und Zwergen erzählen. Das Leben sorgt schon dafür, daß der Märchenglaube aus ihrer Seele verschwindet. Von den Grimmschen Märchen gibt es unzählig viele Ausgaben. Die meisten aber enthalten den alten, schlichten Text verstümmelt. Diese können wir nicht brauchen. H. Wolgast hat im Verlag von Hesse, Leipzig, eine Gesamtausgabe veranstaltet," die auf fait 900 Seiten sämtliche Märchen bringt und nur 2 Mt. tostet. Kleinere Ausgaben sind die beiden Bände der„ Quellen":" Märchen zum Lachen" und" Märchen zum Staunen" mit je 14 Märchen( Preis 25 Pf.) und die Auswahl im Verlag von Reclam mit Bildern von 2. Richter( Preis 80 Pf.). " Für größere Kinder eignen sich Andersens Märchen. Es sind feine naiven Vollsmärchen, sondern Kunstmärchen voll inniger Poefie. Auch sie sind in der Sammlung„ Quellen" mit zwei Bändchen zum Preise von je 25 Pf. vertreten. Eine größere Auswahl mit Bildern von Speckter erschien im Verlag von Mecklenburg ( Berlin) zum Preise von 1 Mt. Zwei weitere Bände der„ Quellen" enthalten Märchen von Hauff. Ein klassisches Buch für Kinder ist der Robinson". Die beste Ausgabe ist heute wohl die von D. Zimmermann besorgte( Verlag Epamer, Preis 1 Mt.). Der Till Eulenspiegel" erschien in guter Ausgabe bei Schaffstein, Köln, für 1,30 Mt. Eine Auswahl der Streiche bieten uns die„ Quellen" in ihrem zwölften Bande; er hat wundervolle schwarze Bilder und kostet nur 25 Pf. Für Kinder, deren Geist gern in die Ferne schweist von Abenteuer zu Abenteuer, gibt es ein gutes Indianerbuch, den unvergänglichen„ Lederstrumps". Die beste Ausgabe stammt von Höcker und ist in zwei Bänden im Verlag Union, Stuttgart, erschienen( Preis je 1,50 Mt.). Kleine Erzählungen aus seiner Vaterstadt Bremen bietet uns H. Scharrelmann in seinem Buche„ Aus Heimat und Kindheit und glücklicher Zeit"( Verlag Janssen, Hamburg, 1,50 Mt.); was ein Junge erlebte, ehe er zur Schule fam, erzählt er schlicht und eindringlich in seinem Buche„ Ein kleiner Junge"( Verlag ebenda, 1,50 Mt.). Eine Auswahl der törichten Streiche der Schildbürger enthält der achte Band der„ Quellen" ( mit schwarzen Bildern). Zu empfehlen sind auch die Schildbürger" im Verlag von E. Heinrich, Dresden; das Buch zeichnet sich durch Illustrationen von köstlicher Lustigkeit aus. Nr.5 Für unsere großen Kinder ist die Auswahl an guten Erzählungen heute nicht schwer. Wir wollen für sie nicht mehr die Erzählungen, die extra für die liebe Jugend" zusammengeschrieben sind. Die bedeutendsten deutschen Erzähler haben Werke geschaffen, die schon die Jugend verstehen und genießen kann. Da ist Theodor Storms „ Pole Poppenspäler"( Verlag Westermann, Braunschweig, 50 Pf.), die sinnige Geschichte des Drechslerkindes und der lieblichen Puppenspieler- Lifei, ein Kunstwerk ersten Ranges. Eine Auswahl aus Roseggers Werken sind die drei Bändchen Als ich noch der Waldbauernbub war"( Verlag Staackmann, Leipzig, 70 und 90 Pf.) Von Marie v. Ebner- Eschenbach ist eine Auswahl„ Aus meinen Schriften" ( Verlag Paetel, Berlin, 1 Mt.) zusammengestellt, von Ernst Zahns Erzählungen das Bändchen Helden des Alltags"( Deutsche Ver lagsanstalt, Stuttgart, 90 Br.). Ein Bändchen„ Tiergeschichten" ( Verlag Wunderlich, 60 Pf.) enthält eine Reihe wundervoller Tierschilderungen. Von Tiergeschichten sind ganz besonders die drei Bände von E. Seton Thompson zu empfehlen:" Bingo"," Tierhelden"," Prärietiere". Verlag Kosmos, Stuttgart. Diese Bücher find teurer, bieten aber an Inhalt und Illustrationen Vorzügliches. Eine Auswahl von ihnen enthält das Bändchen Jochen Bär und andere Tiergeschichten"( Preis 1,25 Mt.). Märchen für größere Kinder find Ewalds Märchen, die uns das Naturleben beseelt vorführen ( Verlag Leipziger Buchdruckerei, 1,50 Mt.). Ein prächtiges Buch für nachdenkliche Kinder ist„ Ulenbrook" von Freund Brand( Verlag Vorwärts, Berlin, 1,50 Mt.). Sein Buch, entstanden aus intimer Liebe zur Natur, fann auch in Großstadtkindern, die ja vom Walten der Natur bitterwenig wissen, eine Ahnung ihrer Schönheit aufteinien lassen. Für Kinder, die in stillen Stunden sich gern in Gedichte versenten, bietet J. Löwenberg in seiner Auswahl" Vom goldenen Überfluß"( Verlag Voigtländer, Leipzig, 1,80 Mt.) viel Schönes. Jede Parteibuchhandlung besorgt diese Bücher; ist keine solche am Orte, so wende man sich an eine andere Buchhandlung, gebe aber genau Verfasser und Verlag an und lasse sich nichts anderes aufdrängen. Auch die Lehrer werden überall gewiß bereit sein, folche Bücher zu besorgen. Der Arbeiter verdient sein Geld durch schwere Arbeit voll Schweiß. Er kann und darf es nicht hingeben für Trödel und Tand und schlechte Bücher. Die sauer erworbenen Groschen sind zu fostbar, um sie jenen Leuten in den Rachen zu werfen, die schlechte Bücher des hohen Profites wegen fabrizieren. Wenn das Geld, das wir ausgeben, Nußen bringen, wenn es nicht weggeworfen sein soll, dürfen wir nur gute Bücher kaufen und schenten. Von ihnen geht eine tiefe Wirkung aus. Darum fauft nur Bücher, die in den Verzeichnissen der Lehrerschaft und unseres Bildungsausschusses stehen! Es handelt sich um unsere Jugend, das Teuerste und Liebste, das wir haben. 000 Die Mutter als Erzieherin. Roland. Sorge für gute Bücher! Die langen Winterabende sind wieder da. Wohl bist du nicht in Verlegenheit, wie du sie ausfüllen sollst. Es gibt der Arbeiten gar viele, häusliche und berufliche. Und deine Kinder legen gern die Hand mit ans Wert, auf daß es sich rascher vollende. Aber es bleibt auch wohl eine Mußestunde für dich und für die Kinder. Und kommt sie nicht ungerufen, so mußt du sie dir schaffen. Ein Augenblick sinnender Muße und beschaulichen Denkens gibt neue Kraft für die Stunden der Arbeit. Dann nimm ein gutes Buch zur Hand; es spendet dir töftliche Erquickung. Oder gib es deinem Kinde, auf daß es dir und den Geschwistern vorlese. Dabei kannst du auch eine stille Arbeit verrichten; die Nadel wird williger ihr Werk tun, und deine Kinder werden die Last der Arbeit weniger empfinden, wenn sie der Schimmer der Poesie umgoldet. Aber wähle nur gute Bücher! Du kannst wissen, welche Bücher gut find und reichen Segen ausströmen, und welche anderen Bücher als gleisnerische Freunde deinen Kindern und dir nur Gift in die Seele träufeln. Männer und Frauen deines Vertrauens haben in jahre langer Arbeit eine Auslese guter Bücher für die Jugend zusammen gestellt. Frage dieses Verzeichnis* um Rat, frage es besonders dann, wenn du nach Weihnachtsgeschenken für deine Kinder Umschau hältst. Ein Buch hat schon oft den Lebensweg eines Menschen mit bestimmt, im Guten und im Schlechten. Ein schlechtes Buch ist ein schlimmer Feind für den werdenden Menschen, ein gutes Buch aber ist wie ein h. sch. erfrischender Quell. Darum sorge für gute Bücher! * Wer das Verzeichnis empfehlenswerter Jugendschriften, das der Bil dungsausschuß seit mehreren Jahren herausgibt, noch nicht fennt, lasse es sich von der Geschäftsstelle des Bildungsausschusses( Berlin SW 68, Lindenstraße 3) schicken. Es wird an Interessenten gern unentgeltlich verschickt. Die Redaktion. Nr. 5 �ur unsere Mütter und Äausfrauen 19 Feuilleton Der Apachenüberfall. Von Owen Wtsier.(Echlub) Der Morgen rückte weiter und weiter vor; die Gäste sottelten, nachdem sie eine Weile geraucht und die Wände angeschwiegen hatten, ihre Pferde. Einer nach dem anderen verlor sich in den weiten dornigen Hügeln. In Twenty Mite wurde es lähmend heiß. Jones lag auf drei Stühlen und sang vor sich hin; der alte Adams saß da und beobachtete Jones, während der Tabak in seinen Bart niederrieselte. „Ich will mich jetzt auch aufmachen," sagte Cumnor. „Niemand hält Sie," bemerkte Jones. „Sie gehen also nach Tucson?" fragte der junge Mann, der immer noch mit dem Kettenproblem beschäftigt war.„Leben Sie wohl. Mister Jones. Ich hoffe, ich werde— wir werden—" „Das genügt." sagte Jones, und der so barsch Zurückgewiesene ging, um sein Pferd und seinen Esel zu holen. Jones bemerkte zu Mister Adams, daß er sehen wollte, was Ephraim machte, und verließ ebenfalls die Hütte. Der Alte blieb allein iin Zimmer. Mit raschem Blick sah er, daß Proben-Jones feinen Gurt und seine Pistolen dagelassen hatte. Die Sachen lagen neben dem Stuhl, auf dem er gesessen Halle. Es ist nicht schwer, rasch die Kugeln aus einem Revolver zu entfernen und die Waffe so in den Halfter zurückzustecken, daß es aussieht, als ob nichts mit ihr geschehen wäre. Der Alte freute sich bei dem Gedanken, daß Proben-Jones in Tucson eine unliebsame Überraschung haben würde. In einer Sekunde war die Sache gemacht; der Gurt und die Pistole lagen wieder so da wie vorher, und der Alte verließ mit unschuldiger Miene das Zimmer. Ephraim und Jones be- gutachteten Cumnors Habe, während er seinen Esel bepackte. .Wollen Sie immer mit Eisbüchsen herumreisen?" fragte Jones. '.Die Kannen sind für Wasser." sagte Cumnor.„Man hat mir in Tucson gesagt, daß ich auf einigen Strecken für drei Tage Wasser mitführen müßte." Die beiden großen Milchkannen schlugen fortwährend an den Packen, mit dem der Esel beladen war, und erschreckten das Tier — soweit das bei dessen Gemütsart möglich war. JoneS und Ephraim waren höchlichst ergötzt. „Vergessen Sie Ihre Sporen nicht, Mister Cumnor," sagte Mister Adams in besonders höflichem Tone, als er zu der Gruppe trat.. � Ter junge Mann hatte gar nicht wieder an die Sporen ge dacht und lief schnell in die Hütte zurück, um sie zu holen. Die milchfarbene Dame trug noch immer die stelle, und Cumnors Problem kam rasch zur Lösung. Er steckte die Kette in die Tasche und legte den Betrag der Zeche auf das Sims unter die Uhr, Dann ging er, um seinen Sattel, der neben dem Sattel von Proben- Jones im Schuppen lag, zu holen. Nach einem Augenblick kehrte er mit dem Sattel zu den Männern, die noch bei seinem Pony standen, zurück. Er sattelte sein Pferd und schnallte den Gurt fest. — Die Kette befand sich jetzt in der Satteltasche von Proben-Jones — neben Tabak, Streichhölzern, altem Brot und einem großen Stück Speck. Die Männer sagten dem Jüngling einsilbig und gleichgültig Lebewohl und verfolgten ihn mit den Augen, als er in die glühende Wüste hineinritt. Cumnor blickte sich noch einmal nach Jones um. Er sah die drei Männer noch auf demselben Platz stehen, sah die braune Hütte und den weißen Windmotor träge in der Sonnenglut daliege». „Na, heute abend wird der wohl schon ausgeweidet sein," be merkte Mister Adams. „Ich werde ihn dann nicht begraben." sagte Ephraim. „Ich auch nicht," sagte Jones.„Aber es ist Zeit, nach Tucson aufzubrechen." Er ging in das Schenkzimmer, schnallte seipen Gurt um, sattelte sein Pferd und ritt davon. Ephraim und Miller Adams kehrten in die Hütte zurück. Nachdem sie zwei Stunden darüber gestritten hatten, wer die Kette genommen hätte und wer sie jetzt besäße, sagte Ephraim:„Jones hatte kein Geld." Adams antwortete:„Und der Junge hatte keinen Verstand." „Ja, und der Junge hat Jones Geld geborgt," sagte Ephraim. „Und Jones ist mit seiner Kette abgezogen," fuhr Adams fort, und dann tamen beide zu dem Schlüsse, daß alle Menschen Narren wären, und setzten sich zum Mittagessen nieder. Aber Mister Adams erzählte nichts von seinen Beziehungen zu Jones' Pistole. Mister Adams glaubte, daß Jones sich nach Tucson gewandt hätte, da Jones selbst gesagt halte, daß er dort Geschäfte hätte. In Tucson konnte die ungeladene Pistole im Halfter eines so starken Mannes, wie Jones, die Leute schon im Schach hallen; sie kosinten ja ebensowenig wie der Eigentümer selbst wissen, daß sie ungeladen war! In neun von zehn Fällen pflegte der bloße Besitz einer Pistole zu genügen.— Mister Adams hoffte indessen heiinlich auf den zehnten Fall.... Aber Proben-Jones ging nicht nach Tucson. Er war den ganzen Morgen über verdrießlich gewesen, weil er nicht gewußt hatte, ob er das tun sollte, was gut für ihn, oder das, was gut für einen anderen war. Jetzt hatte er seinen Entschluß gefaßt und war wieder in bester Laune. Zunächst schlug er nalürlich in Rücksicht auf Ephraim und Mister Adams den Weg nach Tucson ein. Cumnor hatte unterdessen seine Reise fortgesetzt. Die Arizona sonne brannte vom wolkenlosen Himmel herab, Todesschweigen herrschte ringsum, und die Welt war nicht länger strahlend hell, sondern dunstig, grau und heiß. Der Kies knirschte unter den Hufen des Pferdes, der Weg führte bald aufwärts, bald abwärts zwischen steinigen, mit Kakteen bewachsenen Hügeln entlang— immer näher an die stolze, blendende Sierra Santa Catalina heran. Die Schluchten verdeckten den Blick in die Weite. Plötzlich, als der Weg wieder aufwärts führte, sah Cumnor einen Reiter austauchen. Sei» Herz begann wild zu klopfen.... Aber es war nur Proben-Jones. „Hallo," sagte Jones, als er Cumnor eingeholt hatte.„Ver dammt heiß, was?"—„Wohin retten Sie denn?" fragte Cumnor. —„Na, hier diesen Weg weiter," sagte Jones, mit der Hand ans die Sierra deutend. „Ich dachte, Sie hätten Geschäfte in Tucson?" „Ja, die Hab' ich auch." Sonst hatte Jones nichts zu sagen, und so ritten sie eine Weile schweigend nebeneinander her. Die Hufe der Pferde knirschten im Kies, und die Milchkannen rasselten. Die Blätter der Auccas strebten starr und steif empor; so weit das Auge reichte, sah man graue Wüste, spitze und stumpfe Hügel, die sich an der einen Seile bis zu den schroffen, unwirtlichen Grenzwällen der Tortilita, an der andere» Seite bis zu der Santa Catalina ausdehnten. Cumnor dachte darüber nach, ob Jones die Kette wohl gesunden hätte. Bei Jones war es gut möglich, daß er sie wochenlang mit sich trug, ohne sie zu entdecken, aber es war ebensowohl möglich, daß er sie bereits erspäht halte und kein Wort darüber äußerte. „Verzeihen Sie, daß ich mich in Ihre Angelegenheilen»tische," sagte Cumnor endlich zögernd. Jones sah ihn fragend an. „An Ihrer Satteltasche ist nicht alles in Ordnung." Proben-Jones konnte leinen Schaden an ihr entdecken, aber da er bemerkte, daß Cumnor lachte, löste er die Schnalle. Er warf einen raschen Blick auf den jungen Mann, sah dann wieder fort und legte, indem er schweigend weiter ritt, die Kette um den Hals — an ihren allen Platz unter dem Flanellhemd. „Sagen Sie, Böckchcn," bemerkte er nach einer Weile:„WaS" heißt eigentlich I?" „I? Mein Nanie, Jock!" „Nun, Jock, wollen Sie einem Freunde nicht erklären, warum in aller Welt Sie solch ein Narr waren, Ihre Heimat— wie sie auch sein mag— mit diesem gottverlassenen Sünderloch zu ver tat» che»?" „Ja, wenn Sie mir zuerst erklären wollen, warum Sie in der Gesellschaft eines Narren reisen, anstatt Ihren Geschäfte» in Tucson nachzugehen!" sagte Cumnor frohgelaunt. Cumnor erhielt die Erklärung, ohne daß Jones ihm antwortete. Ein brennender Frachtwagen und fünf gliederlose menschliche Stümpfe lagen im Wege. Das war den Serapios, den Miguels und der Konzertina widerfahren! über ihre Bemühungen, sich ihre gegenseitige wachsende Achtung nicht mit Worten zu verraten, hatten Jones und Cumnor gar nicht mehr an die Gefahren der Reise ge dacht. Jetzt starrte Ihnen bei einer plötzlichen Wegbiegung Blut und Feuer entgegen. Der beraubte Wagen war halb leer, die zer splitterten weißen Wände sielen brennend auf den am Boden glühenden Haufe». Pakete mit Soda, Drogen und Medikamenten glitten mit ihnen herab und zischten in grünen und roten Flammen auf, ein Rad brach prasselnd zusammen, und neue Pakete brannten zischend auf! überall machten sich Spuren von Mord und Kampf bemerklich— ein seltsamer Geruch er,üllte die Lust—, Cumnor wußte sofort, was der Geruch zu bedeuten hatte, obgleich er i n nie vorher gerochen hatte. Einzelne verlorene Beutestücke bezetch neten den Weg, den die Indianer eingeschlagen hatten; ein Pferd. das einen Pfeil in den Leib bekommen hatte, lag stöhnend da. „Wir wollen es töten," sagte Jones und zog seine Pistole. S r schnappte kraftlos und schnappte noch einmal. Da bemerkte je. � 20 Für unsere Mütter und Hausfrauen Auge etwas eine Bewegung auf zweihundert Meter Entfernung. Er drehte sich rasch um. Sie hatten den Feind auch im Rücken! Da war kein Entrinnen möglich!" Deine taugt nichts," schrie Jones wütend, als Cumnor seine kleine Kinderpistole herauszog. Mir solchen Streich zu spielen!! Steig' vom Pferde, Kind, steig' schnell ab, tue alles, was ich tue. Schießen würde nichts helfen, selbst wenn meine Pistole geladen wäre. Die da haben geschossen - du kannst sehen, was dabei herausgekommen ist! Gott segne deine Eisbüchsen, Böckchen! Hast du schon mal einen Verrückten gesehen? Wenn nicht, dann stell' dir vor, wie solch ein Verrückter sich gebärdet." Unter den Steinen auf den Hügeln machte sich mehr Bewegung bemerkbar. Proben- Jones, riß schnell den Packen vom Esel herunter, und die Milchkannen rollten auf die Erde. Der Esel fing an ruhig zu grasen und machte dann und wann einen Schritt vorwärts, um einen neuen Grasbüschel zu erreichen. Mit hängen den Köpfen und schleifenden Zügeln standen die Pferde noch auf demselben Fleck, auf dem die Reiter sie hatten stehen lassen. Die Apachen, die auf den 200 Meter entfernten Hügeln im Hinterhalt lagen, tauchten vorsichtig auf und beobachteten argwöhnisch, was vor sich ging. Proben- Jones ergriff eine Milchkanne, und Cumnor folgte gehorsam seinem Beispiel. Du kannst tanzen, Kind, und ich kann singen, laß uns unser Heil versuchen." Dann sprang Jones mit schwankenden Bewe gungen umher, verneigte sich tief vor Cumnor, schlug mit seiner Milchkanne an die Kanne Cumnors und begann laut zu schreien: „ Es braust ein Ruf wie Donnerhall." " , Warum tanzest du nicht?" brüllte er. Der Jüngling sah den furchtbaren Ernst in Jones' Gesicht; er schlug schnell mit seiner Kanne an die Kanne Jones' und begann eine Art irischen Tanz auszuführen. Die beiden rasten in wilden Sprüngen umber, der Esel graste ruhig weiter, und von dem brennenden Frachtwagen stiegen rote und gelbe Flammen auf. Während die deutsche Nationalhymne in den Felsen widerhallte, frochen die Apachen immer näher an die tanzenden Männer heran. Die Sonne brannte heiß, und die Körper der beiden Tanzenden trieften von Schweiß. Jones riß sein Hemd ab, die Haare klebten ihm am Kopfe, und die feine, goldene Kette schlug bei jedem Sprunge auf seine breite nackte Brust. Immer näher und näher tamen die Apachen heran, Pfeile und Bogen unsicher in den Händen haltend. Ganz langsam krochen sie von den Hügeln herunter immer in Gruppen von 15 oder 20 Mann- und hielten jeden Augenblick zögernd an. Die Milchkannen schlugen rastlos aneinander, aber Jones fühlte die Schläge des jungen Mannes immer schwächer werden. Die Wacht am Rhein" war beendet; jetzt kam Habt Ihr meine Flora nicht gesehen?" an die Reihe. Du mußt nicht den Mut verlieren, Kind," sagte Jones sehr sanft und sang dann sofort weiter. Die Apachen standen jetzt schweigend in etwa zwanzig Meter Entfernung am Fuße des Hügels, und Cumnor konnte die Indianer zum erstenmal aus nächster Nähe bewundern. Er sah sie sich bewegen, sah ihre farbigen, schlanken Körper, ihre dünnen Arme und ihr langes schwarzes Haar. Der Gedanke, daß es sich leichter tanzen ließe, wenn er ebensowenig bekleidet wäre wie die Indianer, durchkreuzte plötzlich sein Hirn. Seine Stiefel wurden schwerer und schwerer, und seine Beinkleider umspannten die Sehnen wie nasse, drückende Riemen. Die Apachen trugen nur leichte, bis an den Schenkel reichende Mokassins, die mit einer Schnur um die Taille befestigt waren. Cumnor beneidete die Apachen heiß, daß sie sich so ungehindert bewegen konnten, als sie dem Play, an dem er tanzte, näher und näher famen. Er wußte nicht, wie lange er so getanzt und wie lange er nichts gegessen hatte, er fühlte nur eine immer größer werdende Stumpfheit, fühlte, wie der Gedanke, seine Stiefel auszuziehen und sie den Indianern gegen ein Paar Mokassins zum Tausch anzubieten, ihn völlig zu beherrschen begann. Aus allen Winkeln seines Gehirns frochen die Gedanken hervor, und alle liefen sie zu der einen firen Idee zusammen: die Stiefel tauschen, die Stiefel tauschen! Cumnor biß die Zähne zusammen, er mußte Herr über sich und seinen Willen bleiben; immer lauter schlug er mit seiner Kanne gegen die Kanne Jones', sich jeden Augenblick sagend, daß es sein Leben galt. Dann bemühte er sich, den Text von Jones' Lied zu erfassen und sich auf den Namen des Liedes zu besinnen. Jetzt sang Jones gerade„ Yankee Doodle" mit selbstverfaßten Worten: Jetzt will ich einen, Bluff versuchen, tu du genau, was ich tue," wiederholte er fortwährend. Cumnor wartete immer auf das Wort„ Bluff"; es fiel so hart und schwer wie ein Hammerschlag in sein Ohr und betäubte seine eigenen Gedanken auf einen Nr. 5 Augenblick. Er fühlte, wie seine Beine langsam erlahmten, und war froh, einen scharfen Schmerz in der Fußsohle zu spüren. Ein Kieselstein hatte den Weg in seinen Stiefel gefunden und drang nun durch die Haut in das Fleisch ein.„ Das ist gut," sagte er laut und trat fest auf die wunde Stelle. Durch den brennenden Schmerz wich die Lähmung. Die Apachen hatten allmählich einen Kreis um die Arena geschlossen. Verschlagen, mißtrauisch, aber doch mit einer gewissen Ehrfurcht beobachteten sie die Tänzer, die ihre Kannen jetzt lang= sam im Takt nach Jones' heiserem Gesang zusammenschlugen. Jones war vollständig Herr über sich. Er führte einen Tanz um das noch glimmende Wrack des Frachtwagens auf. Dann umtanzte er in seltsamen Windungen die Leichen der Mexikaner und schlug über jeder Leiche die Kannen zusammen. Als er fühlte, wie auch seine Kraft erlahmte, näherte er sich einem durch seinen Schmuck und Kopfputz als Häuptling gefennzeichneten Indianer. Er schrie erleichtert auf, als der Indianer vor ihm zurückwich. Dann hörte er plötzlich, daß sein Gefährte die Kanne fallen ließ; ohne sich nach ihm umzusehen, nahm er die Kanne auf und ging, mit den Kannen rasselnd, langsam in feltsamen Windungen an jeden einzelnen der Indianer heran. Bisher hatte keiner von den Indianern einen Laut von sich gegeben- jetzt aber wichen sie zurück. Der Häuptling stimmte einen Beschwörungsgesang an, in den sie alle mit gedämpften Stimmen einfielen. Leise die Zauberformel vor sich hin singend, sich dicht um den Anführer drängend, zogen sie sich langsam zurück. Jetzt sah Jones sich nach Cuminor um, da er glaubte, daß derselbe ohnmächtig geworden wäre. Aber Cumnor war nicht ohnmächtig, er hatte seine Stiefel ausgezogen und ging wie in Verzückung hinter den Indianern her. Sie sahen ihn kommen, blickten sich angstvoll nach ihm um und be schleunigten ihre Schritte. Cumnor rief ihnen etwas zu, deutete auf die Stiefel, die er in der Hand trug, und stolperte den Hügel hinauf. Schließlich setzte er sich hin. Die Indianer stiegen dicht um den Häuptling geschart immer höher hinauf, bis sie hinter Felsen und Dickicht verschwanden; ihr Gesang starb dahin wie ein Hauch.... Die Sonne stand schon sehr tief, als Jones sich aus dem Zu stand dumpfer Erschöpfung wieder aufraffte. Er rief nach Cumnor und kroch, da er feine Antwort erhielt, mühsam den Hügel hinauf. Der junge Mann lag mit fieberheißem Kopfe in schwerem Schlafe und stöhnte. Jones troch wieder hinunter, um Decken und die Feldflasche mit Wasser zu holen. Er deckte Cumnor sorgsam zu, befeuchtete ein Taschentuch und legte es ihm auf die Stirn; dann streckte er sich selbst neben ihm aus. Die Erde strahlte wieder in kristallklarem Glanze, wieder war der Sand, waren die Yuccas in Licht gebadet, wieder waren die Berge in dunkles Violett getaucht, wieder glühte der Himmel in rötlichen und gelblichen Farbentönen. „ Jock," sagte Jones schließlich. Der Jüngling öffnete die Augen. " Dein Fuß sieht schlimm aus, Jock. Kannst du was essen?" ,, Nicht mit meinem Fuß." ,, Ah, Gott segne dich, Jock! Sehr schwer frank bist du also nicht! Aber sag', tannst du essen?" Cumnor schüttelte den Kopf. " ,, Du mußt aber doch was zu dir nehmen! Komm trink'!" Jones gab dem jungen Mann eine Mischung von Wasser und Whisky zu trinken und wickelte den kranken Fuß in sein eigenes Flanellhemd ein. " In Grant werden sie dich schon kurieren. Bis dahin haben wir aber wohl noch zwölf Meilen durch die Schlucht. Grant ist ebensowenig eine Stadt wie San Carlos, aber die Soldaten werden sich unserer sicher annehmen. Sobald es dunkel wird, müssen wir uns aufmachen und auf irgend eine Weise dorthin zu gelangen suchen...." Und sie kamen hin! Jones führte sein Pferd und den unerschütterlichen kleinen Esel und hielt außerdem noch Cumnor im Sattel fest. Als es diesem, der im Militärlazarett in Grant gepflegt wurde, wieder besser ging, erzählte Jones allen, die es hören wollten, was für eine nütliche Waffe Eisbüchsen wären. Er erzählte ihnen weiter, daß man, um die Apachen zu verjagen, nur auf Strümpfen hinter ihnen her zu laufen brauchte dann nähmen sie unbedingt Reißaus. Später ließen Jones und Cumnor sich beide anwerben. Ich vermute, daß Jones' Freund in Tucson noch immer auf ihn wartet.. Berantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Betfin( Bundel), Wilhelmhöhe, Poft Degerloch bet Stuttgart. Druck und Verlag von Baul Singer in Stuttgart.