Für unsere Mütter und Hausfrauen Nr. 6 O O O O O O O O Beilage zur Gleichheit Inhaltsverzeichnis: Freiheit- Handeln. Von Gottlieb Fichte. Aus der Geschichte unseres Hausrats: II. Von Hannah Lewin- Dorsch.. Tiermilch und Menschenmilch. Von M. Kt. Reformtleid aus einem Stüd. Von gd. Feuilleton: Nur leider." Von Lord Byron. Weihnachten unter dem Zepter des Zaren. Von Jan Kurländer. Freiheit " handeln. Jeder, der sich für einen Herrn anderer hält, ist selbst ein Sklave. Jst er es auch nicht immer wirklich, so hat er doch sicher eine Sklavenseele, und vor dem ersten Stärkeren, der ihn unterjocht, wird er niederträchtig kriechen. Nur derjenige ist frei, der alles um sich herum frei machen will. Hinstehen und klagen über das Verderben der Menschen, ohne eine Hand zu regen, um es zu verringern, ist weibisch. Strafen und bitter höhnen, ohne den Menschen zu sagen, wie sie besser werden sollen, ist unfreundlich. Handeln, handeln! das ist es, wozu wir da sind. Gottlieb fichte. Aus der Geschichte unseres Hausrats. Von Hannah Lewin- Dorsch. Herd und Herdgeräte. II. In den ältesten Häusern befand sich der niedrige Herd gewöhnlich nicht an der Wand, sondern in der Mitte des Raumes ganz frei. Das ist zu erkennen aus alten Siedlungsfunden, aus alten Bauplänen und Bildern. Daß der Herd sich in alten Zeiten meist mitten im Hause und nicht an der Wand direkt befand, das entsprach einem Gebot der Vorsicht. Die Hütten und Häuser waren auf mitteleuropäischem Boden ja in der Hauptsache aus Holzwerk erstellt, und eine Feuerstelle, unmittelbar an der hölzernen Wand angelegt, hätte natürlich Feuersgefahr mit sich gebracht. Als man später anfing, den Herd an die Wand zu rücken, da wurde diese an der betreffenden Stelle durch Mauerwerk gesichert. Oder aber der Herd selbst erhielt einen Mantel und etwa auch eine überdachung aus Steinen oder Lehmziegeln, so daß er nach dem bloßen Anblick fast einem Kamin glich. Er unterschied sich aber deutlich von einem solchen dadurch, daß er feinen Rauchabzug besaß. Mit der Ableitung des Rauches war es überhaupt bei unseren alten Herdanlagen recht schlecht bestellt. Man fannte in Deutschland sehr lange teine Einrichtung, um den Rauch gleich über der Herdstelle zu sammeln und dann ins Freie zu führen. Aller Rauch verbreitete sich frei und ungehindert im ganzen Hausraum und mußte sehen, wie er einen Ausweg durch die Türe sand. Ich sage ausdrücklich nur: durch die Türe; denn das alte deutsche Haus besaß so gut wie gar keine Fenster. Die kleinen Schlitze, die man gelegentlich, nicht etwa immer, in den Hauswänden aus Reisigflechtwerk oder aus Blockstämmen anbrachte, würden wir heute kaum mehr mit dem Namen„ Fenster" beehren. Sie hießen im alten deutschen Sprachgebrauch Windaugen oder Augentüren. Aus diesem„ vindauga" stammt das englische Wort" window" für Fenster. Das Wort Fenster ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen. Wie viele auf den Hausbau bezügliche Worte, zum Beispiel Ziegel, Mauer, wurde es uns mit dem römischen Steinbau übermittelt. Mitunter hatten diese alten Häuser auch ganz oben im Dachfirst eine kleine Öffnung, die von einem darüber erbauten kleinen Schutzdach überragt wurde; man nannte diese Einrichtung„ die Dachlaterne". Sie führte wohl dem halbdunklen Innenraum ein wenig Licht zu und sollte vor allem dazu dienen, dem Rauche vom Herde besseren Abzug zu verschaffen. Das geschah durch die kleine Dachlaterne, aber sicherlich nur in sehr unvollkommener Weise und konnte nicht verhindern, daß das Balfenwerk im Innern des Hausraumes, und besonders alles Holzwerk über dem Herde und in seiner Nähe mit den Jahren schwarz und glänzend angeräuchert wurde. Man kann das heute noch in alten Bauernhäusern von Niederdeutschland, die den offenen Herd in der großen" Diele"( dem Herd- und Wohnraum) haben, gut beobachten. Oberhalb des Herdes, dessen Flammen ursprünglich ungehindert emporzüngelten, und dessen Funken von den knisternden Holzbränden gegen das umgebende Balkenwerk hinauffliegen konnten und dabei 1910 häufig Schaden anrichteten, lernte man mit der Zeit gewisse Schutzvorrichtungen anbringen: man verfertigte eine Art schwebenden Deckels aus leichtem Flechtwert, mit Lehm verkleidet, der über der Feuerstelle aufgehängt oder aufgestellt wurde, und der oft sehr umfangreich war. Dieser Schutzdeckel hat verschiedene Namen getragen: Feuerhut, Feuermantel, Rauchmantel, Kogel, Kobl und andere, man kann ihn noch jetzt in einsamen Gebirgsgegenden, in hölzernen Senn- und Holzknechthütten antreffen. Im Mittelalter machte der Herd eine Reihe von Fortschritten, die aber ihrem Wesen nach sich meist nur auf die äußere Ausge= gestaltung oder aber auf die Geräte, die man am Herde zum Kochen und Braten benutzte, bezogen. Der Anlage nach haben wir auch im Beginne der Neuzeit immer noch den alten offenen Herd; das Feuer wird auf ihm und nicht in ihm entzündet. Um uns über die Beschaffenheit des Herdes und die ganze Einrichtung der Küche im deutschen Mittelalter flar zu werden, haben wir mancherlei Quellen zur Verfügung, in Gedichten sowohl als auch in Bildern. Es sind zum Beispiel Epruch gedichte und lehrhafte Gesänge der Meistersinger erhalten geblieben, die sich in sehr eingehender Weise mit dem Hausrat und dabei auch mit der Küche der damaligen Zeit befassen. Meister Hans Sachs, der berühmte Schuhmacher und Poet, hat uns in einem seiner Gedichte, betitelt:„ Der ganze Hausrat" sehr genau Stück für Stück aufgezählt, das ein Bürgerhaus seiner Zeit besitzen mußte. Auch haben wir allerlei Bildwerke und Illustrationen von Dichtwerken, denen wir Aufschlüsse über die Küche des Mittelalters verdanken; und die Kochbücher jener Zeit trugen wohl als Titelblatt Bilder von Küchen mit vollständiger Einrichtung, aus denen wir wiederum manches lernen können. Endlich sind uns auch noch manche Stücke des Kücheninventars aus dem deutschen Mittelalter erhalten geblieben und können von uns in Museen oder auch wohl in alten Schlössern, welche seit Generationen ihren Familienhausrat aufbewahrten, studiert werden. Gewöhnlich waren die Herde des Mittelalters aus Backsteinen aufgemauert; ihre Höhe war unterdessen derart gewachsen, daß die Köchin nicht mehr beim Kochen vor dem Herde zu hocken oder zu fnien gezwungen war; sie entsprach etwa der Höhe unserer heutigen Herde. Hin und wieder bestand die Herdplatte auch aus einem einzigen großen Sandstein, der auf Sandsteinfüßen ruhte und an der einen Seite in die Mauer eingelassen war. Das Innere des Herdes war hohl und diente dazu, Vorräte an Brennholz dort unterzubringen. Der Zugang zum Inneren des Herdbaues wurde durch gewölbte Öffnungen in den Herdwänden vermittelt, die manchmal mit Holztüren verschlossen werden konnten. Einen Raum irgendwelcher Art zur Aufnahme von Glut oder gar zur Entzündung des Feuers besaß das Herdinnere zunächst noch keineswegs; Reisig und Holz wurden oben auf der Herdplatte aufgeschichtet und dort zum Brennen gebracht und in Glut erhalten. Die Kochtöpse und Pfannen wurden zwischen und über den Holzbränden ange bracht. Der äußere Rand der Herdplatte war gewöhnlich mit einer etwa 20 Zentimeter breiten Holzleiste eingefaßt, die oft hübsch mit heller Farbe angestrichen war. Oft war dieser hölzernen Randleiste an einer Seite des Herdes ein Stück Gemäuer eingefügt von ungefähr 10 Zentimeter Höhe, der sogenannte Wilstein oder Bilstein. Er diente dazu, die Holzklöße, die man in Glut bringen wollte, an einer Seite in etwas erhöhter Lage zu erhalten. Würden die Holzscheiter ganz flach und eben auf der Herdplatte gelegen haben, so wäre es schwer gewesen, sie in rechte Glut zu bringen, weil der Zug fehlte. Es war daher nötig, die Scheiter an einer Seite zu erhöhen und während der ganzen Dauer ihres Braudes in dieser erhöhten Lage zu erhalten. Dieser Wilstein", über den wir nur spärliche Nachrichten haben, muß im frühen Mittelalter eine bedeutsame Rolle gespielt haben; so wie den Herd im allgemeinen, machte man den Wilstein im besonderen zum Träger mytho logischer Beziehungen und betrachtete ihn wohl als den Sitz der Hausgeister. Später wurde er abgelöst durch ein Gerät, welches feinen Dienst übernahm, aber nicht mehr mit dem Herde fest ver bunden blieb, wie der Wilstein es gewesen war. Es ist das der Feuerbock, auch ein altes und wichtiges Stück des deutschen Hausrates. Gegen den Ausgang des Mittelalters genügte die einfache, flache Herdplatte nicht mehr allen Ansprüchen der guten Küche. Seit dem Anfang des sechzehnten Jahrhunderts trifft man in größeren Haushalten eine Ergänzung des Herdes in der Form eines Backofens. Man hatte zwar schon lange vor dieser Zeit in den 22 22 Für unsere Mütter und Hausfrauen guten Bürgerhäusern gebacken; aber die betreffenden Speisen waren dann zum Bäcker geschickt worden, der in großen gemauerten Backöfen, nach Art der heutigen, seine Waren buk und für ein billiges Entgelt auch den Bürgerfamilien ihre Aufläufe und Kuchen für den täglichen Tisch mit in den Ofen schob. Als diese Abhängigkeit vom Bäcker für größere Küchen unbequem wurde, entstanden in diesen Küchen eigene Backeinrichtungen. Man setzte entweder einen fleineren Backofen dem Herde auf, oder man baute einen eigenen, größeren Backofen dicht neben dem Herde. In die aufgesetzten Backöfen wurde zunächst Glut aus dem Herde gebracht, um sie zu erhizen. Bald aber lernte man dann im bis dahin hohlen Innenraum des Herdes einen Raum zur Feuerung einzurichten und den Backofen darüber anzubringen. Damit war ein Schritt zu einer ganz neuen Entwicklung getan; fast tann man sagen, daß durch diesen Schritt unser moderner Küchenherd vorbereitet wurde. Tiermilch und Menschenmilch. Der Statistiker Professor Mayet erwähnte fürzlich in einem Bortrag zur Frage der Mutterschaftsversicherung ein interessantes Tierexperiment, durch das ein neuer Beweis dafür erbracht wird, wie wichtig für die Säugetiere die Ernährung durch die Milch der gleichen Art ist. Dr. Brüning nahm einen Wurf von drei Zicklein, ließ dent schwächsten der Tierchen das Euter der Ziege, nährte das mittelstarke mit gekochter Ziegenmilch und das stärkste mit geTochter Ruhmilch. Am besten gedieh das schwächste Bicklein am Euter der Mutter; es präsentierte sich im Lichtbild als stattlicher schwarzer Bock. An Gestalt flein und von ruppigem Aussehen blieb das mit gefochter Kuhmilch ernährte Tierchen. Als es im nächsten Jahre ein Zicklein brachte, setzte Dr. Brünings Mitarbeiter, Dr. Seifert, in der zweiten Generation den Versuch der Ernährung mit gekochter Ruhmilch fort. Wieder zeigte es sich, daß sie nur ein fümmerliches Resultat gab. Das Tierchen war weit schwächer als andere Bicklein, die zwei Monate jünger, aber am Euter aufgezogen waren. Als im nächsten Jahre die erfte mit gekochter Ruhmilch aufgezogene Geiß wieder ein Zicklein brachte, versagte das mütterliche Euter. Das Junge wurde nun also auch in der zweiten Generation mit gekochter Kuhmilch aufgezogen. Das Ergebnis war wie das Lichtbild zeigte ein erbärmlich aussehendes Tierchen, das an Knochenerkrankung litt. Die Versagung der natürlichen Nahrung war also in jeder Beziehung von den verhängnisvollsten Folgen gewesen. Was in dieser Hinsicht für die Ziege gilt, das gilt auch für das vornehmste aller Säugetiere, den Menschen. Auch ber menschliche Säugling fann nur bei natürlicher Ernährung an der Mutterbrust gedeihen. Dr. Engel hat die Milch von Tieren eingetrocknet und dann zut Asche verbrannt; er hat ebenso das eben geborene Junge desselben Tieres durch Verbrennen zu Asche verwandelt. Es ergab sich, daß bie Milchasche dieselbe Zusammensetzung hatte wie das neugeborene Tier, das mit dieser Milch ernährt werden soll. Aber die Zusammensetzung der Milch ist noch in einer anderen Beziehung für jedes Tier verschieden. So enthält die Milch des Kaninchens fiebenmal soviel Eiweiß wie die des Menschen. Trocknet man beide Milcharten ein und verbrennt sie zu Asche, dann bekommt man aus Kaninchenmilch zwölfmal soviel Asche als aus Menschenmilch. Die Raninchenmilch ist deshalb so viel gehaltreicher als die Menschenmilch, weil das Zierchen ein sehr viel schnelleres Wachstum hat. In sechs Tagen hat das neugeborene Kaninchen bereits sein Gewicht verdoppelt, während das menschliche Neugeborene erst in etwa sechs Monaten dieses Resultat erreicht. Ahnlich," sagt Dr. Engel, verhält es sich mit der Zusammen fetzung der Ruhmilch im Vergleich mit der Menschenmilch. Das neugeborene Ralb hat bereits nach anderthalb Monaten sein doppeltes Gewicht erreicht. Darum ist die für das Kalb bestimmte Kuhmilch viel nährstoffreicher als die menschliche Milch. Die Kuhmilch enthält doppelt soviel Asche wie die Menschenmilch. Wenn Kuhmilch jungen Kindern gegeben wird, so muß sie deshalb verdünnt werden. Trotzdem ist die Kuhmilch, namentlich für Kinder, nur ein Notbehelf und kann die Muttermilch nicht völlig ersetzen. Wie man jetzt weiß, liegt das daran, daß die Milch eines jeden Tieres Stoffe enthält, die dieser Tierart eigentümlich sind. Die Eigentümlichkeit der menschlichen Milch besteht darin, daß sie Schuhförper gegen bestimmte menschliche Krankheiten enthält, die in der Kuhmilch nur in geringem Maße vorhanden sind." Mayet fügte dem hinzu, es sei etwas ganz Ungeheuerliches, wenn man Ruhmilch und Frauenmilch für gleichwertig erachte. Milch ist verwandeltes Blut, verwandelt durch das Parenchym Nr. 6 gewebe der Brust und des Euters. Bis zum Tage der Geburt hat die Mutter das Kind mit ihrem Blute durch den Nabelstrang ernährt. Nun ist das Kind abgebunden, das Blut strömt dem Busen zu und verwandelt sich hier in Milch, und die soll bei einem Wiedertäuer und dem Menschen gleich sein? Wo es sich um Transfusion des Blutes handelt, würde eine Einspritzung mit Kuhblut töten, mit Menschenblut retten. Und da soll die Ernährung mit Kuhmilch, Milch eines Tieres, das Hörner, Spalthufe und Wiederkäuermagen hat, die Muttermilch ersetzen? Die Logit der Natur will, daß jedes Tier von seiner Art gesäugt werde. Es wäre gegen die Natur, wenn die Ernährung mit Kuhmilch statt mit Muttermilch nicht die verderblichsten Folgen für den Säugling hätte. Aus der Statistik der Säuglingssterblichkeit und aus Krankheitsund Leistungsstatistiken für die überlebenden wies der Vortragende eingehend nach, daß die ganze Gestaltung des Lebens eines Menschen, seine törperliche und seine geistige Leistungsfähigkeit, sein Knochenbau und die Neigung seiner Organe zu Krankheiten davon abhängen, ob er mit der Flasche aufgezogen oder an der Mutterbrust ernährt wurde. Von ausschlaggebender Bedeutung ist hierbei aber auch, wie lange die Kinder Muttermilch erhalten. Durchdrungen von der Wichtigkeit der Bruststillung für die Wohlfahrt des einzelnen wie des ganzen Volkes wandte Professor Mayet sich im besonderen scharf gegen den Entwurf der neuen Reichsversicherung, weil er den Arbeitermüttern nicht den vollen Lohnersatz als Pflichtleistung der Versicherung leistung der Versicherung gewährt, der sie für einen längeren Zeitraum in den Stand setzen könnte, sich so zu ernähren, wie es das Stillen verlangt. M. Kt. 0 0 Reformkleid aus einem Stück. Das hier abgebildete Kleid, das fünstlerisch wirkt und dabei der heutigen Mode entgegenkommt, wird aus einem Stück hergestellt und zeichnet sich ebensosehr durch geringen Stoffverbrauch wie durch eine außerordentlich einfache Herstellung aus, die geschickten Händen in ein paar Stunden gelingen dürfte. Man braucht zu -27130 Bruch 55115 140dem Kleid nur drei Meter, mindestens 120 Zentimeter( die halbe untere Rockweite zuzüglich der Nähte) breiten Stoff; falls man das Kleid mit Schleppe arbeiten will, die auf dem Schnittmuster durch eine punttierte Linie angedeutet ist, entsprechend mehr. Dazit anderthalb Meter Sammet- oder Seidenstoff für Einsatz und Arme!. Am besten eignet sich für das Kleid Tuch oder Satintuch. Der Stoff wird der Breite nach zusammengelegt, und zwar so, daß oben der Bruch liegt, und daß der Strichfalls solcher vorhanden ist auf der vorderen Seite nach unten, auf der hinteren nach oben läuft. Nun schneidet man die auf dem Muster angegebene einfact; e Figur aus, die an die Russenkittel unserer Kleinen erinnert; Nähte und Saum müssen dabei zugegeben werden. Die angegebenen Maße sind für eine mittlere Figur von 105 Zentimeter Oberweite berechnet. Liegt der Stoff breiter als 120 Zentimeter( auf dem Muster sind 130 angenommen), so kann man die Ärmel länger schneiden. Den Rock unten weiter zu machen, empfiehlt sich nicht. da sonst vorn leicht unschöne Falten entstehen. Das Halsloch wird Nr. 6 Für unsere Mütter und Hausfrauen hinten ganz wenig, wie die punktierte Linie andeutet, vorn etwas tiefer ausgeschnitten. Man schneide zunächst möglichst wenig her. aus, besonders in der Breite, da das Kleid leicht von der Schulter etwas abfällt und infolgedessen der Ausschnitt dann zu breit wird. Um das Kleid überziehen zu können, muß auf der Rückseite ein Schnitt bis etwas unter die Taille gemacht werden. Die bis zu den Hüften reichende Futtertaille wird nach demselben Schnitt wie der Futterstoff geschnitten, nur daß man sie am Schlusse hinten nach unten zu etwas abschrägt, so daß sie in der Taille ziem lich anliegt. led Unser Modellkleid aus lila Tuch hatte vorn einen zirka zwölf Zentimeter tiefen Ausschnitt, der mit einem Einsatz aus Goldspitze auf dunkellila Sammet ausgefüllt war. Derselbe Sammet umgab als Passepoil den ganzen Ausschnitt und bildete die aus den weiten Oberärmeln herausfallenden Unterärmel, die an die Futtertaille angesetzt waren. Auf dem Rücken reiht man den Oberstoff in kurzer Taillenhöhe nach der Mitte zu etwas ein. Futter und Oberstoff werden sowohlamHalsausschnitt wie am Schlusse hinten zusammengenäht. Das Kleid schließt mit einigen Knipsern und Haken. Eine Altgoldschnur, die mit Quasten endigt, wird von vorn nach hinten umgelegt und, damit sie sich nicht verschiebe, mit einigen Stichen befestigt. Nachdem sie hinten sich gekreuzt hat, wird sie wieder nach vorn genommen. und etwas seitlich zu einer Schleife mit langen Enden geschlungen. Selbstverständlich läßt dieser Schnitt eine Menge Abänderungen zu. Statt der Schnur können zum Beispiel schlanke Figuren einen Gürtel umlegen. Ist der Stoff genügend breit, so kann man die Ärmel so lang schneiden, daß man keine Unterärmel braucht, sondern die Armel unten nur mit einer Stulpe zusammenfaßt. Auch die Garnierung des Ausschnittes läßt sich sehr verschiedenartig behandeln. Will man sich ein einfaches Sommerkleid herstellen, so kann man den Ausschnitt viereckig und so groß machen, daß man mit dem Kopfe hindurchschlüpfen kann. Man umgibt ihn dann mit einer Stickerei oder Spitze. In diesem Falle darf das Kleid allerdings nicht hinten eingereiht werden, da man sonst nicht mit dem Oberkörper beim Anziehen hindurchkommt. Man schlingt dann eine Schärpe oder ein Band um die Taille und ordnet die Falten beim jedesmaligen Anziehen. Auch kann man das Kleid zum Vorn schließen einrichten. Man macht dann vorn einen zirka fünfzehn Bentimeter tiefen Einschnitt und setzt diesem entlang eine schöne Borte, mit der man auch den Halsausschnitt umgibt. Feuilleton ,, nur leider." Don lord Bijron. ,, Gott schützt den Thron und alle Throne!" Wenn er's nicht tut, die Menschen tun's nicht länger. Ein kleiner Vogel singt mit hellem Tone: „ Das Volk bezwingt allmählich seine Dränger." gd. Der trägste Gaul wird wild in steter Frone, Wenn allzu tief ins munde Fleisch die Sträng' er Einschneiden fühlt, und selbst der pöbel hat Das Beispiel Hiobs nachgerade satt. Erst knurrt er bloß, dann flucht er auch, und dann Wie David wirft er Kiesel nach dem Riesen; Zuletzt greift er zu Waffen, welche man Nur aufrafft in verzweiflungsvollen Krisen. Und dann gibt's Krieg. Noch einmal fängt er an. Es tut mir leid, ich hab' ihn nie gepriesen, Nur leider, Revolution allein Kann von der Höllenfäulnis uns befrein. 000 23 Weihnachten unter dem Zepter des Zaren. Von Jan Kurländer. Weitab von der großen Landstraße und von der Eisenbahn, an einem Flusse in Kurland steht ein lettischer Bauernhof. Er liegt einsam inmitten seiner Wiesen und Acker. So weit das Auge reicht, wird der Horizont nach allen Seiten von Wäldern begrenzt. Weihnachtsabend! Der Fluß ist zugefroren, nur an wenigen offenen Stellen hört man sein Wasser murmeln und rauschen. Die Hofgebäude, die alten Obstbäume im Garten, die Zäune, die Erlen und Weiden und das alte Badehäuschen am Flusse: alles ist mit weißem Schnee bedeckt. So weit man sieht weißer Schnee. Die Sonne ist untergegangen, im Westen verglüht langsam die rosige Abenddämmerung. Tiefes Schweigen liegt über dem Hofe, das nur unterbrochen wird, wenn die Türen zum Wohnhause und zu den Ställen geöffnet und zugeschlagen werden. Man richtet die Schlitten im Wagenschuppen, denn morgen, am ersten Weihnachtsfeiertag, wird man in aller Frühe zur Kirche nach dem nächsten Städtchen fahren. Ringsherum im Raume verloren liegen vereinzelte Bauernhöfe. Der Rauch steigt aus den Schornsteinen, überall wird das Weihnachtsmahl vorbereitet, Schweinefleisch gekocht und das Weißbrot aus dem Backofen gezogen und nach der Vorratskammer getragen. Die warmen, hellen Stuben sind mit Tannenzweigen geschmückt, ein Duft von Frische und Behaglichkeit erfüllt sie. Der Abend schreitet vor, draußen wird es dunkel. Am hohen, fernen Himmel funkeln die Sterne. Der weiße Schnee und die Sterne erhellen die Finsternis der hereinbrechenden Winternacht. Es ist sehr falt. Unter den Füßen knirscht der Schnee, und der Frost knackt in den hölzernen Wänden der Gebäude. Die Tagesarbeit ist getan, die Männer haben bereits in der Badestube am Flusse ein Bad genommen. Jetzt essen sie zu Abend, um bald darauf zur Ruhe zu gehen. Der Bauer und sein Sohn fizzen am Tische beim Weihnachtsmahl. Der alte Bauer von mittlerem Wuchse hält sich etwas gebückt. Er hat startes graues Haar und ein wetterhartes rundes Gesicht. Sein Sohn mit eckigen, energischen Zügen ist eine hohe, breitschultrige Gestalt, die von der schweren Arbeit bereits auch etwas gebeugt ist. Auf dem Tische stehen Speisen, Gläser und ein Tonkrug mit selbstgebrautem Bier. Im anstoßenden Zimmer sitzen die Leute, essen ihr Weihnachtsmahl und trinken das Weihnachtsbier. Die Bäuerin, die Mägde und die Taglöhnerfrauen sind nach der Badestube gegangen. Alles ist still. Der weiße Schnee draußen verstärkt das feierliche Gefühl des Abends. Der Himmel ist hoch und dunkel, die Sterne schimmern. Ruhe und Friede hat sich über die Gegend gesenkt. Plötzlich schlagen die Hunde an, und durch das Gebell hindurch hört man Schellengeläute erklingen. Was soll das bedeuten? Der Bauer und sein Sohn sehen sich fragend an. Gäste sind hier so selten. Jetzt sieht man durch die Fenster einen großen Schlitten auf den Hof einbiegen. Ihm entsteigen drei Soldaten und ein Offizier, alle bis an die Zähne bewaffnet. Sie treten in das Haus. Der Bauer und sein Sohn sind vom Tische aufgesprungen. Die Knechte haben ic Weihnachtsmahl verlassen, drängen in die Stube und schauen er schrocken auf die Soldaten, die inzwischen eingetreten sind. Ihre Bewaffnung, ihre grauen Mäntel und barbarischen Mützen, ihre harten Gesichter, ihr entschlossenes und sicheres Auftreten erwecken Grauen, In der Stube ist es ganz still geworden, nur draußen bellen die Hunde wie rasend. Die Soldaten ziehen ihre Säbel, der Offizier fordert den jungen Bauern auf, ihm zu folgen. Ohne ein Wort zu fagen, bleich vor Erregung zieht der junge Mann seinen Schafs pelz an und setzt die Pelzmütze auf. Dann drückt er dem Vater und den Knechten die Hände. Alles, was er zum Vater sagt, ist: „ Grüß die Mutter und meine Geliebte, sie sollen nicht weinen." Die anderen sprechen fein Wort, mit den Hemdärmeln wischen sie sich über die Augen. Die Soldaten führen den Bauernsohn hin 24 Für unsere Mütter und Hausfrauen aus. Gesentten Hauptes geht er in ihrer Mitte und steigt in den Schlitten. Neben ihn und ihm gegenüber setzen sich die Soldaten. Die Hunde springen wütend an dem Schlitten herauf. Da fallen einige Revolverschüsse, und getroffen wälzen sich die Tiere mit flägs lichem Gewinsel in dem Schnee, den ihr Blut färbt.„ Los!" fommandiert der Offizier, die Pferde ziehen an, und der Schlitten gleitet aus dem Hofe. Wieder ertönt Schellengeläut, das sich schnell entfernt und allmählich in der Ferne im Walde zwischen den schneebedeckten hohen Tannen und Fichten erstirbt. Der Bauernsohn fährt seinem Schicksal entgegen.... Inzwischen sind die Frauen aus der Badestube zurückgekehrt. Sie haben das Hundegebell und das Schellengeläute vernommen, und die Revolverschüsse jagten ihnen Entsetzen ein. Die stummen Mienen der Männer erhöhen ihre Angste. Die alte, tränkliche Bäuerin fragt mit angstvoller Stimme:" Wo ist Karl?" Der Bauer antwortet:" Sie haben ihn wieder geholt." Die halbblinde Frau schreit auf und streckt ihre Hände aus, als wenn sie ihr Kind zurückhalten wollte. Die Frauen müssen sie hinwegführen. Stumm verzehren die Knechte und Mägde ihre Mahlzeit, rasch wird abgeräumt, und bald liegt der Hof in tiefem Schweigen. Unterdessen fährt der Bauernsohn immer weiter weg von seiner Heimat, dem Gefängnis entgegen. Die Soldaten fluchen, daß sie wegen solchem Gesindel nicht einmal am heiligen Abend Ruhe haben. Der Bauernsohn achtet nicht darauf. Ein namenloser Schmerz schnürt ihm die Brust zusammen. Voll Grauen sucht er sich vorzustellen, was ihm bevorsteht. Mühevoll ist sein Leben gewesen, reich an Arbeit, arm an Freuden. Jahraus jahrein in Frost und Hitze, im Regen und Schnee hat er gearbeitet. Aber während er das Feld mit seinem Schweiß träntte, beseelte die Hoffnung auf bessere Zeiten sein Schaffen. Schon glaubte er aufatmen zu können, die Schulden, die auf dem Besitz lasteten, waren fast getilgt, bald würde ihm der Vater den Hof überlassen, und er könnte heiraten. Und all seine Hoffnungen sollten jetzt vernichtet sein. Und warum? Als die Freiheitswelle über das ganze Land brauste, hatte sie den stillen Jüngling erfaßt, in dem ein starkes Gerechtigkeitsgefühl lebte. Und jetzt nahm die Regierung dafür ihre Rache. Vorwärts faufte der Schlitten durch Felder und Wälder. Der Schnee knirschte unter seinen Kufen. Dann und wann erscholl Hundegebell aus einem Hofe in der Ferne. Ein leises, eisiges Lüftchen umfächelte die Gesichter der Fahrenden. Kalt und teilnahm los funkelten die Sterne hoch am Himmel. Auch an diesem Abend hatte man in den Kirchen gepredigt und gesungen:„ Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!" Auch an diesem Abend waren Menschen von diesen Worten ergriffen worden, um dann ergriffen und gedankenlos zu Bette zu gehen. Väterchen Zar hatte gewiß in tiefer Andacht die Worte vom Frieden und Wohlgefallen gehört und war von ihnen gerührt worden.... Der Bauernsohn im Schlitten zwischen den Soldaten dachte an das alles. Er dachte auch an seine Braut. Heut suhr er zum drittenmal ins Gefängnis. Die beiden ersten Male war er bald wieder in Freiheit gekommen. Wie aber wird es ihm jetzt gehen? Im Frühling, wenn die Bäume blühen, hätte die Hochzeit sein sollen. Vorher sollte aber erst ein neues Haus gebaut werden, das Material dazu war schon angefahren. Früher war es so herrlich, darüber nachzudenken, jetzt war es qualvoll. Was würde die Zukunft bringen? Immer weiter sauste der Schlitten durch Felder und Wälder, der Kreisstadt zu. Und der junge Bauer erinnerte sich, wie er vor vielen Jahren diesen Weg suhr, wenn er seinen Bruder auf die Schule nach der Stadt brachte. Wo war jetzt sein Bruder? Er hatte nach dem Ausland flüchten müssen. Es sollte ihn dort nicht gut gehen. Er litt vielleicht Hunger und Not? Doch er war frei! Er war nicht in die Hände der Henker gefallen. Was erwartete aber ihn selbst? Wird er noch einmal als freier Mann seine Mutter, seine Geliebte und die Felder und Wiesen seines Hoses schauen? Die Braut des Bauernsohnes hatte in dieser Nacht einen schweren Traum. Am Arme ihres Bräutigams ging sie zum Altar. Die Kirche war voller Menschen, die Orgel spielte, und die Leute sangen. Plötzlich drangen Soldaten mit gezogenen Säbeln durch die Seitentür in die Kirche ein, stürmten auf ihren Bräutigam zu und stießen ihm die Säbel durch die Brust.... Im falten Schweiße gebadet erwachte sie, der Weihnachtsmorgen brachte ihr keinen Frieden.... In derselben Nacht war die Mutter des jungen Bauern mit einem Verzweiflungsschrei aufgefahren. Ihr hatte geträumt, an einem Hügel am Walde auf dem anderen Ufer des Flusses sei aus zwei hohen Fichten ein Galgen errichtet, und daran hinge ihr Sohn. Es war ein falter flarer Wintermorgen mit flingendem Frost, und mit lautem freudigem Geträchze umkreisten die Raben den toten Körper.... Nr. 6 Am. Weihnachtsmorgen, als die Glocken läuteten und in den Kirchen der Friedensfürst gepriesen wurde, saß der Bauernsohn in seiner Gefängniszelle. Sobald sich dort hinter ihm die Tür geschlossen hatte, war er, ermüdet von der langen Fahrt, auf dem harten Lager in Schlaf versunken. Jetzt hodte er auf dem Lager und betrachtete die Zelle. Sie war eng, mit kahlen grauen Wänden und einem kleinen vergitterten Fenster hoch über dem Boden. Nur wenig Licht drang zwischen den Stäben herein, auch am Tage herrschte Dämmerung in der Zelle. Die Decke und die Wände waren mit grauem Staub überzogen, der sich seit Jahren angesammelt hatte. Der Boden war mit Ziegelsteinen gepflastert. Außer der Pritsche an der einen Wand war in der Zelle noch ein Stuhl und ein kleiner Tisch mit einem Wasserkrug darauf und einem Neuen Testament in lettischer Sprache. Ein Gefühl grenzenloser Einsamkeit und Verlassenheit überwältigte den Gefangenen. Und endlos schlichen die Tage und Nächte in der Zelle dahin, grau und schwarz. Sie bildeten eine Riesenschlange, welche den Gefangenen drückte und marterte. Den überfiel in den langen schwarzen Winternächten oft der Gedanke, seinen Kopf an den Wänden der Zelle zu zerschmettern. Die Tage brachten nur Hunger, Kälte und den Hohn der Schergen. Der Kopf des Gefangenen wurde wie mit Blei gefüllt, seine Hände und Füße gefühllos. Er kniff sich in die Beine, fühlte aber keinen Schmerz. Sein ganzer Körper war wie gelähmt. Sollte er denn ewig in diesem Loche bleiben? Das Schlimmste für den jungen Bauern war die Untätigfeit. Von Kind auf war er harte Arbeit in freier Luft gewöhnt. Und jetzt mußte er Tage, Wochen, Monate untätig in dieser engen Höhle liegen. Dem Gefangenen schien es, daß hier die Zeit stillstehe. Der Winter verging mit klingendem Frost und klaren Tagen, mit Schneestürmen und finsteren Nächten. Wie herrlich war es früher, wenn der Bauernsohn an klaren Wintertagen zusammen mit anderen im Walde arbeitete! Die Sonne beleuchtete golden die schlanken Stämme der Fichten und Tannen, in den Zweigen schimmerte der weiße Schnee. Der Himmel war blau und hoch, falt und erfrischend die Luft. Lustig erklangen die Arthiebe im stillen Walde. Etwas abseits vom Arbeitsplatze glimmte ein Feuer. Wollte man ausruhen und sich mit Speise stärken, so holte man trockene Zweige und häufte sie auf die Glut; lustig schlugen die Flammen heraus, eine wohlige Wärme verbreitend. Am Abend fehrte man müde nach Hause zurück und genoß die Ruhe des Abends und den Schlaf der Nacht. Jetzt aber sah der junge Bauer nur die entsetzliche Zelle, keine Sonne und nur wenig Licht. Von den Korridoren hörte er Scheltworte und Flüche der Gefängniswärter, und von Zeit zu Zeit sah er ihre fühllosen Gesichter am Guckloch in der Tür.... Und dann kam der Frühling. Draußen weht eine linde Luft, der Schnee schmilzt, und nachts hört es der Gefangene von den Dächern tropfen. Wie belebend hatte das in der Freiheit gellungen, aber jetzt war es qualvoll, das ununterbrochene Tropfen zu hören. Nun müssen die Sträucher bald grünen und die Acker bestellt werden. Und der Frühling schritt weiter vorwärts. Jetzt wird draußen wohl alles zu neuem Leben erwacht sein. Auf dem Acker wird gearbeitet. Die Wintersaat schießt in die Höhe. Der Wald erklingt vom Jubelchor der Vögel, die Wiesen bedecken sich mit Blumen. Im Fluß und in den Teichen spielen die Fische. Die Nachtigall schlägt in den Hecken, und die Abende sind laut. Der Bauernsohn meinte, er müßte wahnsinnig werden.... Darauf kam der Sommer mit heißen Tagen und warmen Nächten, mit Senfentlang und Heuduft, mit Erdbeeren und Himbeeren. Auf den Wiesen und in den Gärten summen um die Blüten die Bienen und die Hummeln von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Der Hochsommer folgte mit Roggendust und sternklaren Nächten; der Herbst mit seinem Reichtum.... Dann war es wieder Winter und Weihnachten.... Wer dürfte es wagen, von der Pein zu sprechen, die wie ein Schwert das Mutterherz in diesem Jahre durchbohrte? Dem Bauernsohn schien dieses eine Jahr die Ewigkeit selbst, voll Marter und Qual.... Er wurde mager und bleich, seine fahlen Wangen fielen ein, sein Haar ergraute, seine Gestalt fant zusammen. In seinem Blicke aber blitzte es manchmal auf wie von sicherer Hoffnung. Mochte sein Schicksal sich erfüllen! Hunderte litten wie er, und Tausende kämpften weiter. Jenseits der Kerker. mauern ging die Welt ihren Gang. Fühllos, aber auch unaufhaltsam. Ein Frühling mußte kommen, der die Blöcke des Eismitten im palastes an der Newa sprengte. Schon hörte man Winter geheimnisvoll in den Tiefen das Knirschen des Eises. Berantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Betfin( Bundel), Wilhelmhöhe. Bost Degerloch bet Stuttgart. Druck und Verlag von Paul Singer in Stuttgart.