Für unsere Mütter und Hausfrauen Nr. 10 。。。。。。。。 Beilage zur Gleichheit oooooooo ooooooOO Inhaltsverzeichnis: Du bist das Volt. Von May Waldan. Aus der Geschichte unseres Hausrats: Herd und Herdgeräte. IV. Von Hannah Lewin- Torsch.- Wertung des findlichen und mütterlichen Lebens bei der Feuilleton: Geburt. Von Dr. B. Steininger. Für die Hausfrau. Aus dem Schüdderump. Von Wilhelm Raabe. Von Julius Hart. Du bist das Volk. Don Max Waldau. Hört ihr es nicht? „ Du bist das Volk!" So sagt man gern dem Haufen, Du bist der Menschheit ervig grüne Jugend, Du bist ein Stamm mit Millionen Zweigen, An denen jede Knospe eine Tugend; Du bist das Volk, man kann nicht schöner taufen, Du bist das Volk, du kannst nicht höher steigen! Es muß die Welt sich neigen, Wenn du, die Majestät, die eingeborne, Du schönster aller Sterne, die wir kennen Und die am Himmel brennen, Wenn du, die Macht, die einzig auserkorne, Nur leise Worte hauchst, nur leise winkest, Ja, mit den Augen nur Befehle blinkest! Nun sei das Volk!" So reim' ich meine Rede, Nun laß die Trägheit, probe deine Stärke, Run zeige, daß du bist von Gottes Gnaden. Nun schaffe tüftig tugenoreiche Werke, Nun künde aller Lüge em'ge fehde Und wag' es, in der Wahrheit dich zu baden! Run laß dich nicht beladen, Gleichwie ein Tier, das nur zum Schleppen tauget, Run jei das Volk, nun heb' dich aus dem Schlamme und gleiche nicht dem Schwamme, Der alles, Wein und Pfützenwasser, sauget! So ist mein Wort. Man wird durch Schmeicheleien Die Einzelhaufen nie zu Völkern weihen. Die Haufen, ja, das eben ist der Jammer! Goldstufen gibt es unten, reiche Adern, Kristalle wachten tief im Urgesteine, Doch auch die Völker bauen Ein prächtig Denkmal sich, ein stolzes, hohes, Wenn sie, die jetzt im schnöden Joche keudjen, Die Rabenbrut verscheuchen Und an den Ringen jedes Fahnenholzes Den Spruch der Freiheit in den Lüften schwingen Und Lieder handeln, nicht bloß Lieder fingen. OOO Aus der Geschichte unseres Hausrats. Von Hannah Lewin- Dorsch. Herd und Herdgeräte. IV. Gleichfalls ein sehr altes Herdgerät, wie der Feuerbock, ist der Dreifuß. Schon in frühen Zeiten war er in Deutschland in Gebrauch, und zwar bei allen germanischen Stämmen. Seine Form geht im letzten Grunde zurück auf eine sehr primitive Einrichtung, deren sich schon niedrig stehende Jägervölker beim Braten des erlegten Wildes, beim Dörren der erbeuteten Fische bedienen. Karl von den Steinen berichtet uns ja von den unkultivierten brasilianischen beziehungsweise faraibischen Jägern, wie sie geschwind aus drei Stäben auf dem Schauplatz der Jagd einen Bratständer herstellen. Drei Stöcke werden wie Gewehre zusammengestellt und oben mit Bast vereinigt, etwas unterhalb der Mitte wird von einem Stock zu den zwei Nachbarn je ein Stäbchen quer gespannt und angeflochten und dieser Winkel mit anderen Stäbchen belegt, so daß ein dreieckiger, horizontaler Rost entsteht." Auf diese Weise verfertigen sich die Indianer rasch eine Bratpfanne, die gleichzeitig fest über dem Feuer steht; denn die Flammen werden unmittelbar unter dem geflochtenen Rost zwischen den drei Stäben entzündet. Denken " 1911 wir uns nun diesen geflochtenen Bratrost ersetzt durch einen be weglichen irdenen oder später metallenen Kessel, so haben wir den Dreifuß in seiner einfachsten Form vor uns. Von den Angelsachsen haben wir noch aus geschichtlicher Zeit ein Bild, das uns einen mit der Bereitung der Mahlzeit beschäftigten Koch darstellt; darauf erkennen wir deutlich diese einfache Art, auf drei Füßen das Kochgefäß über dem Feuer anzubringen: es sind ganz einfach drei Stäbe in den Boden gesteckt, welche oben den Kochkessel tragen. Indessen konnte diese einfache Form den mit steigender Kultur wachsenden Anforderungen der Küchenfunst nicht genügen; man ist daher ebenfalls schon früh dazu gelangt, den sogenannten Dreifuß als ein selbständiges und frei bewegliches Gerät herzustellen; man brauchte dazu ja nur die oberen Enden der drei Beine auf dauers hafte Art miteinander fest zu verbinden; und als erst einmal die Metalle und ihre Verarbeitung bekannt geworden waren, konnte das teine besonderen technischen Schwierigkeiten bereiten. Vielleicht hat man den drei Füßen zuerst oben eine geschlossene Metall. platte aufgelegt, die dann die Kochtöpfe zu tragen hatte. Erhalten ist uns freilich kein Beispiel von dieser Form, soviel mir bekannt ist. Daß die Entwicklung aber stellenweise diesen Gang nahm, scheint aus einer Stelle in einem mittelalterlichen Haushaltungsbuch her vorzugehen, welche bei der Erwähnung des Dreifußes zu einem gewissen Bratzweck ausdrücklich betont:" Einen, der nach unten offen ist." Die Form, in der der Dreifuß sich bis in die Gegen wart hinein erhalten hat, ist die eines Ninges oder eines Dreiecks, an welchem die drei Beine befestigt sind. Übrigens schlug die Entwicklung noch einen anderen Weg ein: Anstatt daß man die drei einzelnen Beine, zwischen die ursprüng lich der Kessel gesteckt wurde, oben durch eine Platte oder einen Ring miteinander verband, tonnte man auch diese drei Beine direkt an den Kessel befestigen. Und dies ist in der Tat geschehen. E3 begegnen uns zahlreiche Kochtöpfe in mittelalterlichen Küchen, welche auf ihren eigenen drei Beinen stehen; und man kann solche Gefäße gelegentlich heute noch sehen. Als die Formen der Kochgefäße mannigfaltiger wurden, als man nicht mehr nur runde Töpfe verfertigte, sondern auch langgestreckte, ovale oder pfannenartige mit daran befestigten langen Stielen, da genügte die ursprüngliche runde Form des Dreifußes nicht mehr; denn auf ihr war ein überkippen dieser Kochgeschirre nach einer Seite zu befürchten. Der Dreifuß mußte also, entsprechend den neuen Anforderungen, seine Form ändern. In der Tat entstand aus ihm und tam neben ihm in der Küche ein neues Gerät zur Geltung. Es ist dies der Pfannenknecht, der im Mittelalter auch häufig„ Pjannenschalk" hieß. Denken wir uns einen ringförmigen Dreituß, dessen eines Bein zunächst als ein wagrecht hin ausstehender Bügel verläuft, um sich dann erst zum stützenden Fuß fentrecht umzulegen. Auf dem so entstandenen Gerät fonnten läng liche Kochgefäße schon mit größerer Sicherheit stehen als auf dem gewöhnlichen freisförmigen Dreifuß. Noch ein tleiner Schritt weiter, und wir haben den Pfannenknecht oder Pfannenhalter! An dem wagrechten Bügel wird nämlich ein sentrecht in die Höhe ragender Träger frei verschieblich angebracht. Dieser Träger läuft oben in eine Gabel aus und besitzt überdies noch einige seitliche Aste. Wollte man nun die gestielte Pfanne übers Feuer bringen, so fam das eigentliche Gefäß, die Pfannenfläche, auf den Ring zu stehen, und der Pfannenstiel wurde in die Gabel des Trägers oder in einen seiner Seitenäste eingehängt. Man muß sich dabei vergegenwärtigen, daß die Pfannen, solange man noch über der offenen Flamme zu fochen pflegte, immer ganz bedeutend längerer Stiele bedurften, als das heutzutage bei unseren geschlossenen Herden nötig ist. An einem furzen Stiele hätte sich die haltende oder zugreifende Hand jedesmal verbrannt; und der nach Erfordernis verlängerte Stiel würde die Pfanne durch seine Schwere zum Kippen gebracht haben, hätte sich nicht in der Gestalt des hilfreichen Pfannenknechts der Retter in der Not eingestellt. Wenn wir so die Beziehungen zwischen Pfannenknecht und Pianne kennen gelernt haben, so wird uns auch eine Erscheinung verständlich, die sonst auf den ersten Blick in Erstaunen versehen möchte: in den mittelalterlichen Küchen haben immer alle Pfannen, die großen wie die allerkleinsten, Stiele von ungefähr gleicher Länge. Wir sind ja heute an ein gewisses Ver= hältnis zwischen der Größe der Pfanne und der Länge des Stieles gewöhnt, und eine handtellergroße Pfanne mit einem Stiel von einem halben Meter Länge mutet uns wohl lächerlich an. In 38 Für unfere Mütter und Hausfrauen früheren Zeiten dagegen waren dergleichen Formen ganz berechtigt. Auch die fleinsten Pfannen mußten, sollte die Köchin beim Ans fassen nicht ihre Hände verbrennen, recht lange Stiele haben; und ba man überdies in einfach ausgestatteten Küchen nur über einen einzigen, höchstens etwa zwei Pfannenhalter verfügte, so bemaß man die Länge der Pfannenstiele nicht nach der Größe des Pfannens tellers, sondern nach den Verhältnissen des Pfannenknechts. Wir wollen an dieser Stelle gleich noch ein weiteres Küchen. gerät erwähnen, welches freilich eigentlich nicht zu den Herdgeräten gehört, aber durch seine Form und seine Bestimmung dem Pfannennecht in gewissem Sinne nahe kommt und oft auch zu Verwechslungen mit demselben Veranlassung gegeben hat, so daß wir hier gleich ein paar Worte zur Unterscheidung dieser beiden Ge räte anbringen wollen. Es ist das Pfanneneisen oder Pfannenholz, das wir im Auge haben. Es diente nicht beim Kochen oder Braten felbst, sondern ist lediglich ein Serviergerät, das benutzt wurde, wenn die Speisen zu Tische tamen. Wir erwähnten früher schon ben einfachen runden Kessel- und Pfannenuntersetzer, aus Holz oder aus Stroh geflochten, der auf dem Tische dem großen Suppen Beffel, der Schüssel mit Hirsebrei usw. zur Unterlage diente. Für Die geftielten Pfannen finden wir nun in den alten Speiseräumen ein ganz ähnliches Schutzgerät. Es hat aber in seiner Weise, vom Refseluntersetzer ausgehend, den gleichen Schritt getan, den der Dreifuß tun mußte, als er sich zum Pfannenknecht entwickelte: es hat auch einen seitlichen Arm mit aufrechtstehendem Träger erhalten, in beffen Gabeln oder Falze die Pfannenstiele eingehängt wurden. Es unterscheiden sich diese nur auf dem Speisetisch gebrauchten Pfannenhölzer oder Pfanneneisen aber von den beim Rochen selbst dienenden Pfannenknechten vor allem durch ihre feinere Arbeit; find fie aus Holz, so hat man sie wohl mit Schnitzerei gesiert; und auf den eisernen finden sich eingegrabene Sprüche oder sonst noch allerlei funstreiches Schmuckwerk. Auch haben sie niemals hohe Beine, sondern nur ganz furze Füße, oft nur gedrehte Rugeln, auf denen der eigentliche Untersetzer ruht. Der aufrechtRehende Träger fann meist flach umgelegt werden, damit man auf diese Weise das Gerät nach dem Gebrauch leichter versorgen Bonnte; gewöhnlich hing es an einem Nagel an der Wand. Pfannen necht und Pfanneneifen beziehungsweise Pfannenholz haben also ein jedes feine besondere und selbständige Bedeutung und sind nicht miteinander zu verwechseln. Wertung des kindlichen und des mütterlichen Lebens bei der Geburt. Die Berechtigung, das kindliche Leben vor der Geburt und während der Entbindung zu vernichten, um das Leben der Mutter u erhalten, ist eine seit Jahrhunderten von Arzten, Juristen, Laien und Kirche viel erörterte Streitfrage. Dabei werden einander durch aus widersprechende Ansichten vertreten. Während die katholische Rirche die protestantische hat keine Stellung zu der Frage ge nommen einen derartigen Eingriff noch heute als Mord verdammt, erklärt die wissenschaftliche Welt zum großen Teil die Aufopferung des Hndlichen Lebens zugunsten des gefährdeten mütterlichen für eine berechtigte und pflichtgemäße Operation. Im wesentlichen tommen awei Eingriffe in Betracht: Erstens die Einleitung der künstlichen Fehlgeburt( Abortus), das heißt der Geburt in den ersten 28 Wochen ber Schwangerschaft, solange die Frucht außerhalb des mütterlichen Organismus noch nicht lebensfähig ist, und zweitens entbindende Dperationen bei der Geburt, meist Verkleinerung des für die Geburtswege zu umfangreichen Kopfes des Kindes( Perforation gleich Durch bohrung). Besonders die Perforationsfrage wurde auf verschiedenen Synoden der fatholischen Kirche eingehend behandelt. Auf einer Synode zu Thurles in Irland im Jahre 1850 faßten die Bischöfe folgenden Beschluß:„ Es mögen sich die Priester Mühe geben, jene unfagbaren Verbrechen zu verhindern, bei denen mittels Anwendung von chirurgischen Instrumenten das Kind im Uterus( Gebärmutter) getötet wird." Und eine Synode zu Baltimore gab die Willensmeinung fund: Nie und nimmer hat eine Mutter, wie auch immer die Verhältnisse liegen mögen, das Recht, den Tod des im Uterus eingeschlossenen Fötus( Kind) zu gestatten aus Sorge um das eigene Leben." In der Abhandlung eines neueren katholischen Autors lefen wir:„ Wenn mit keinem Grunde bewiesen werden kann, daß der birekte Abortus anderswohin gehört als in die Gattung Mord, so hat die katholische Kirche die heilige Pflicht, derlei Morde strengstens zu verbieten und im Interesse wahrer Religion, wahrer Sittlichkeit, wahrer Ordnung ihre Stimme zu erheben. Und das hat sie denn auch getan, mehrmals getan, ungeachtet jedesmal sofort die ganze ungläubige Wissenschaft einen Sturm der Entrüstung anzufachen " Nr. 10 suchte." Und in einem Lehrbuch der Moraltheologie vom Jahre 1883 heißt es:„ Direkter Abort im theologischen Sinne ist nie erlaubt, die künstliche Frühgeburt ist gestattet, niemals aber erlaubt ist die sogenannte Kraniotomie oder Rephalotripsie( Eröffnung und Ver kleinerung des kindlichen Schädels, durch welche der Fötus im Uterus getötet wird)." Diesen Prinzipien der katholischen Kirche stellt die ärztliche Wissenschaft keine geschlossene Anschauung entgegen. Zwar wird heute von der überwiegenden Zahl der Arzte der Grundsatz aner fannt, das mütterliche Leben höher zu werten als das kindliche, doch gingen und gehen die Anschauungen darüber selbst noch in neuerer Zeit häufig weit auseinander. Der religiöse Einfluß dabei ist oft nicht zu verkennen. Im Altertum, wo man ja unbedenklich schwächliche und mißgestaltete neugeborene Kinder aussetzte und tötete, waren die Ärzte wohl ziemlich vorurteilslos in dieser Frage. Hippotrates, geboren um die Mitte des fünften Jahrhunderts vor Christi Geburt, erwähnt ein Instrument zur Verkleinerung des Kopfes des Kindes. Etwas später empfiehlt ein Arzt die künstliche Fehlgeburt bei Krankheiten der Gebärmutter, um die schwangere Frau am Leben zu erhalten. " Noch ganz auf religiösem Boden stand der berühmte Hufeland, Arzt und Profeffor zu Berlin; er äußerte sich 1834: Niemand als Gott allein kommt es zu, über die Notwendigkeit des Daseins eines Menschenlebens zu entscheiden, er allein gab es, er allein fann es wieder nehmen." Und:" Von dem ersten Augenblick an, wo der Zeugungsatt den Reim des fünftigen Wesens gründete, ist es ein lebendiges, wenngleich unsichtbares Dasein, hat die nämlichen Rechte und Ansprüche auf seine Anerkennung wie das Geborene, und jede Zerstörung dieses Lebens ist ein Mord." Dagegen äußerte sich schon vor Hufeland Ritgen im Jahre 1820: „ Ich kann mich nämlich der Ansicht nicht erwehren, daß das in dem Mutterleib enthaltene Kind noch kein völlig ausgebildetes Wesen sei, daß es erst nach vielen Jahren diejenige Ausbildung, welche die Mutter bereits erlangt hat, erreiche; daß es bis dahin durch tausend Gefahren umfommen oder siech und elend werden könne, und daß es ungewiß sei, ob dasselbe nicht bereits an einer unheil, baren Krankheit leide. Aus demselben Grunde halte ich den Wert der Frucht um so geringer, je jünger der Embryo( Frucht) ist." Wie stellt sich nun die moderne Geburtshilfe zu dieser Frage? Alle modernen Geburtshelfer erkennen die Berechtigung des fünft lichen Abortus an. Dabei handelt es sich also um Unterbrechung der Schwangerschaft zu einer Zeit, wo die Frucht außerhalb der Gebär mutter noch nicht leben fann. Was aber dann, wenn der Arzt zu einer Gebärenden gerufen wird und die Geburtswege so eng sind, daß weder durch Zange noch durch Wendung das lebensfähige Kind entbunden werden kann? Hier gilt es, sich zu entscheiden. Entweder die Mutter setzt ihr Leben aufs Spiel und unterzieht sich dem Kaiserschnitt oder der Durchtrennung der Schambeinknochen, wobei das Kind große Aussichten hat, lebend zur Welt zu kommen, während die Sterblichkeit der Mütter beim Kaiserschnitt und auch bei der Schambeinfnochendurchtrennung 5 bis 10 Prozent beträgt. Oder man entschließt sich zur Perforation, das ist die Zerkleinerung des findlichen Schädels; dabei ist der Tod der Mutter fast gar nicht zu befürchten, während natürlich das Kind dabei getötet wird, sofern es nicht schon tot war. Hier liegt eine inhaltschwere Frage vor, und es ist notwendig, daß sich die Frauen in gesunden Tagen ein flares Urteil darüber bilden, denn es gehört die Einwilligung der Kreißenden dazu, an sich den Kaiserschnitt oder eine andere Operation vollziehen zu lassen. Wenn die Schwangere frant, von Schmerzen gequält, vielleicht nicht mehr bei klarem Bewußtsein ist, hält es schwer, das Für und Wider zu erwägen, die Tragweite des Entschlusses zu ermessen und den Ausführungen des Arztes zu folgen, der die Verpflichtung hat, der Frau und den Angehörigen die Aussichten der verschiedenen Ope rationen klar darzulegen. Wir führen im folgenden die Urteile von Geburtshelfern an. Schaffratz schrieb 1840: Der Arzt soll die Gefahren des Kaiserschnitts geziemend schildern, soll aber alsbald die Mutter ermahnen, den Kaiserschnitt zu erdulden, da nur durch diesen die Geburt zu beendigen ist; die Perforation( Eröffnung des findlichen Schädels) darf nicht angewandt werden, weil sie den Mord des Kindes in sich trägt." Weiter heißt es:„ Die Erduldung jener Gefahr( des Raiserschnitts) halte ich für die Pflicht der Mutter. Legt diese so wenig menschliches Fühlen an den Tag, daß sie, jedwede Mutterliebe wegwerfend und die Mahnungen der Pietät und der Religion nicht achtend, thr sind dem Untergang weihen will, so soll sie selber die Konsequenzen tragen." Das Grausame in jener Zeit, von einer Frau zu fordern, daß sie den Kaiserschnitt an sich vornehmen lasse, fommit uns zum Be Nr. 10 Für unsere Mütter und Hausfrauen wußtsein, wenn wir erfahren, daß die Durchschnittsrate der Sterb lichkeit bei dieser Operation damals mindestens 60 Prozent, ja 80 Prozent betrug. Die Gebäranstalten waren Brutstätten ansteckenden Giftes, die keimfreie Wundbehandlung, die einen so großen Aufschwung der Chirurgie brachte, war noch unbekannt. In unserer Zeit hat diese Operation an Schrecken verloren. In großen Kliniken bei günstigsten Verhältnissen rechnet man, daß 5 Prozent, alles in allem im Durchschnitt bis 10 Prozent der Operationen mit dem Tode der Mutter ausgehen. Moderne Geburtshelfer äußern sich folgendermaßen:„ Die Beurteilung des Wertes des kindlichen Lebens ist eine durchaus individuelle und wird es auch bleiben."„ Wir selbst halten daran fest, daß der Kaiserschnitt durch die Eröffnung der Bauchhöhle eine ungleich schwerere Entbindung als die Perforation ist; wir gehen von dem Grundsatz nicht ab, den Angehörigen über den Ernst der Sachlage Aufschluß zu geben, und operieren nach folgender Anzeige: Wenn bei lebendem Kinde die natürliche Geburt nicht vorwärts geht, die Entwicklung des Kindes aber auf eine für das lettere unschädliche Weise( 3ange oder Wendung) unausführbar ist, so muß, wenn die Angehörigen der Mutter ihre Zustimmung bazu geben und die nachfolgenden Bedingungen erfüllt sind, zur Rettung des Kindes der Kaiserschnitt gemacht werden."„ Den Angehörigen soll nicht verschwiegen werden, daß beim Kaiserschnitt die Mutter mehr gefährdet ist. Verübeln Sie es dann nicht, meine Herren, dem geängstigten Herzen eines Mannes, wenn er im Hinblick auf seine lebenden Kinder gern das noch ungeborene opfert, um ihnen die Mutter zu erhalten.... Denn während die tlinische Perforation alle Mütter rettet und gesund erhält, müssen bei der Klinischen Sectio caesarea( Raiserschnitt) um 93 bis 100 lebender Kinder willen mindestens 6 bis 13 Mütter ihr Leben lassen. Und da die Frau die Begründerin des häuslichen Glückes, die unent behrliche Pflegerin und Erzieherin von vielleicht schon vorhandenen Kindern ist, da sie ein ausgebildetes arbeitsfähiges Wesen von nationalötonomischer und ethischer Bedeutung repräsentiert,... da das Neugeborene also eine unsichere Afquisition ist, wüßte ich nicht, von welchem Gesichtspunkt aus es erlaubt wäre, so ohne weiteres 6 bis 13 Mütter zu vernichten, um annähernd 100 lebende Kinder, zum Teil von problematischem Werte, zu erhalten. Anders steht die Sache, wenn eine Frau, genau unterrichtet von den Gefahren des Kaiserschnitte, ihr Leben zugunsten ihres Kindes wagen will." Ein französischer Geburtshelfer stellte dagegen den Satz auf:„ Die Perforation des lebenden Kindes hat ausgelebt", er will in allen Fällen die Frau den Gefahren des Kaiserschnitts oder der Schamfugentrennung aussehen. Ihm folgt ein anderer französischer Geburts helfer, er schlägt vor, die Gebärende kurzerhand zu chloroformieren auszuführen. und die Operation also auch gegen ihren Willen! Hingegen äußert ein dritter:" über die theoretische Berechtigung, um das Leben der Mutter zu retten, das Kind zu verkleinern, braucht man ebensowenig zu diskutieren wie über das Streben, biese Eventualität auf eine möglichst geringe Zahl von Fällen zu beschränken." Schließlich weisen die meisten Geburtshelfer darauf hin, daß es in sehr vielen Fällen möglich wäre, dieser schwierigen 8wangslage zu entgehen, wenn jedes schwangere Weib beizeiten sein Becken untersuchen ließe. Bei zu engem Becken würde es dann möglich sein, die Frühgeburt zu einer Zeit einzuleiten, wo das Kind lebend erhalten werden kann und auch die Mutter feinen Schaden leidet. Das wäre sicher die einfachste Lösung, aber ihre Ausführung ist in absehbarer Zeit leider noch nicht zu erwarten. 000 Für die Hausfrau. Dr. B. Steininger. Sirse. In früheren Zeiten war die Hirse ein weit verbreitetes Nahrungsmittel. Morih Hoernes schreibt darüber in seiner„ Natur und Urgeschichte des Menschen":" Um den Anfang des dritten Jahrtausends vor Christi Geburt baute man in China auch schon die Hirse, eine Nährpflanze, deren alter Anbau von dort aus durch ganz Mittelasten bis an den Pontus( Schwarze Meer) und nach Mitteleuropa reichte. Als ihre Heimat wird Ostindien angesehen. -Die Hirse, einst eines der wichtigsten Boltsnahrungsmittel, ist heute so gut wie ganz entihront. Römern, Griechen und Germanen nahezu fremd, hatte sie die größte Bedeutung für andere Teile der europäischen Bevölkerung. So für die Jberer( in Spanien), Aquitanier( Südfrankreich), Stelten, welche den Hirsebau auch in Ober Italien verbreiteten, und Thraker( im Norden Griechenlands auf der Baltanhalbinsel), bei denen nach Xenophon ein ganzer Stamm„ Die Hirseesser" hieß. Weiter östlich sind die Sarmaten( in den Ebenen Südrußlands) und die siythischen Schwarzemeervölker vorzüglich 39 Sirfebauer, und aus der Geschichte der Hunneneinfälle lernen wir, daß auch die Ebenen Ungarns im späteren Altertum zumeist mit Hirse besät wurden. Die letzten und zähesten Verehrer dieser alts europäischen Baufrucht sind die Slawen, die Kaiser Mauritius( von Byzanz) schon um 600 ein hirfeefsendes Volk nennt, und bei denen der Hirsebrei als Hochzeitsfestessen noch immer im Ansehen steht. Aus Pfahlbaufunden ersehen wir, daß die Hirse schon in der jüngeren Steingeit eine beliebte Baufrucht unferer prähistorischen Ahnen bildete." Bei uns kommt die Hirse heute regelmäßig nur noch in einzelnen ländlichen Gegenden Deutschlands und Österreichs als Hauptgericht auf den Tisch. Doch verdient sie diese zunehmende Geringschäßung in feiner Weise. Ihr großer Gehalt an Eiweiß und Fett machen sie zu einer außerordentlich nahrhaften Speise. Sie übertrifft hierin zum Beispiel den Reis, der ihr wiederum in bezug auf Verdaulich, feit überlegen ist. Während man zwei Stunden nach einer auss giebigen Reismahlzeit schon wieder hungrig wie ein Wolf sein fann, bildet die Hirse eine feste Grundlage im Magen, die vorhält, bis die nächste größere Mahlzeit normalerweise an der Reihe ist. Der einfache, derbe und gesunde Hirsebrei eignet sich also in erster Linie für förperlich arbeitende Personen. Vor dem Kochen muß die Hirse mehrmals mit siedendem Wasser abgespült werden, um den ihr anhaftenden strengen Geschmack zu beseitigen. Brühhirse bereitet man, indem man s Pfund Hirse in 1% bis 1% Liter kochender Brühe( zum Beispiel von Schweinefleisch) langs sam zwei Stunden lang ausquellen läßt. Etwas gehackte Zwiebel und Salz werden hinzugefügt. Eine Messerspitze Natron befördert das Weichwerden und die Verdaulichkeit der Hirse. Wenn die Brühe nicht sehr fett ist, muß man noch Butter, Palmin oder dergleichen hinzusetzen. In Ermangelung von Brühe kann man die Hirse in Wasser mit zwei bis drei Bouillonwürfeln garkochen oder beim Ans richten mit etwas Maggi würzen. Schweinefleisch und Bratwurst passen dazu. Dicke Hirse mit brauner Butter. Die vorbereitete Hirse wird in Wasser oder Milch mit Fett und Salz gargetocht. Vor dent Auftragen wird braune Butter darübergegeben. Dieselben Beilagen wie vorher. Süßer Hirsebrei./ Pfund Hirse wird in reichlich 1/2 Liter fochender Milch unter Hinzufügen von Zimt, Zitronen- oder Apfelfinenschale ausgequollen. Sie wird mit einer Mischung von Zucker und Zimt bestreut und mit brauner Butter begossen zu Tische ge geben. Backpflaumen bilden eine geeignete Beigabe. Vorzüglich geraten alle Hirsegerichte in der Kochtiste. Sie brauchen hier drei Stunden zum Ausquellen, nachdem sie auf dem Feuer fünf Minuten lang angefocht wurden. M. Et Feuilleton Aus dem Schüdderump.* Von Wilhelm Raabe. Die Landstraße führt durch das Dorf Krodebeck, und jenseits des Dorses, dem Norden zu, liegt ein wenig abseits der Straße ein tleines ärmliches Haus oder vielmehr eine niederträchtige verwahr loste Hütte neben einem Wassertümpel und dem Kirchhofe: das Armen- und Siechenhaus der Gemeinde. Unmalerisch ist das Ding nicht. Die Eschen- und Holunderbäume des Kirchhofs bilden einen ganz freundlichen Hintergrund für das graue Strohdach; allein ein Bergnügen ist es teineswegs, in dem Siechenhaus von Krodebeck leben und dem Dorfe zur Last liegen zu müssen. Die Hütte enthielt zwei Gemächer, das eine rechts, das andere links von der morschen Eingangstür; dazu eine sehr primitive Zigeunerküche und unter dem Dache einen engen Bodenraum, in welchen Wine, Regen und Sonnenschein nach Belieben eindringen fonnten. Manch liebes langes Jahr hatte an den schwarzen llebrigen Pfosten gerüttelt, und niemand zählte die schleichenden Schritte der Verlorenen, welche diese unglückselige Schwelle ausgetreten hatten. Von den kahlen Wänden hatte sich der Kaltüberwurf längst abgelöst. Die Scheiben in den niedrigen Fenstern schillerten in jenen ironischen Regenbogenfarben, welche ein so arger Hohn auf jenes lieblichste * Wir bringen hier ein Stüd aus einem der Meisterwerke des großen deutschen Schriftstellers Wilhelm Raabe. Der Schüdderump ist ein Karren, auf den die Pestleichen fortgeschafft wurden. Die Wahl dieses symbolischen Titels tennzeichnet scharf den pessimistischen Standpunkt Raabes gegenüber der bürgerlichen Gesellschaft. 40 Für unsere Mütter und Hausfrauen Himmelszeichen sind, das einst der liebe Gott als den Bogen des Friedens über die ertränkten Geschlechter ausspannte; und gerade weil das alles so war, so hatte das Haus seine Geschichte wie das stolzeste Königsschloß, so gut wie das Heidelberger Schloß, die Alhambra und was es sonst für Ruinen in der Welt gibt. Aber niemand hatte diese Geschichte aufgezeichnet, und so müssen wir uns an der melancholischen Moral genügen lassen, welche aus allen Ruinen aufwächst, einerlei ob sie einen Historienschreiber fanden oder nicht. In dunklen windvollen Herbst- und Winternächten tastete etwas wie mit unsicheren Händen an den Wänden hin, klopfte an die Fenster und ächzte und stöhnte in den Winkeln oder gab sich mit einem dumpfen Falle und schnellem Laufen und Trappeln auf dem Dachboden fund. Dann kam es wohl auch häufig mit dem Nuß im Schornstein wie ein Schnarchen und Schnauben herunter, wie ein Fluch auf die harte, böse Welt, die solche Zufluchtsorte für ihre Armen, Kranten und Beladenen bauen fann; dann ja dann war es Nacht und Winter und nicht heller Tag und Sommer wie damals, als das alte Weib, in iener Zeit die einzige Bewohnerin des Siechenhauses, am offenen Fenster in der Sonne saß und auf der Landstraße jenen Karren, der eine so große Ahnlichkeit mit dem Schüdderump hatte, vorbeikommen sah. Das wäre die rechte Historiographin für die Hütte gewesen, diese alte Frau, welche an jenem Tage das Reich allein hatte im Siechenhaus zu Krodebeck, und welche schon so manche Generation in dem armseligen, häßlichen Asyl hatte kommen und schwinden sehen! Es ist die Eigenart solcher Häuser, daß sie manchmal voll bis zum Überlaufen und manchmal leer sind wie das Gehirn eines Narren oder wie das Herz eines Klugen. Es hat Zeiten gegeben, wo der Raum für die Bewohner des Hauses durch Kreidestriche auf dem Fußboden nach Zollen abgemessen war, wo das Alter in jedem Winkel hockte und mummelte, wo die Krankheit bis unter das Strohdach sich wand und wimmerte und wild hinausschrie, wo unter den Lagerstätten der mit dem Nervenfieber Behafteten die Kinder trochen, freischten und zappelten; bis der Tod und der Gemeinderat aufräumten. Der letztere pflegte nämlich in den Nervenfieberzeiten Erd- und Strohhüten auf dem Anger vor dem Dorfe zu errichten. Der Säuferwahnsinn, der Blödsinn und die gemeine verkommene Brutalität des aus dem Zuchthaus entlassenen Verbrechers waren in dem Siechenhaus zusammengehäuft worden, und das alte Weib hatte damit hausen müssen und hätte darüber reden und schreiben tönnen. Sie tat aber selbst das erstere nicht gern; denn sie hatte fich leider diesen Dingen und Zuständen gegenüber nicht die gehörige Objektivität bewahrt, sondern ganz jämmerlich und subjektiv darunter gelitten und schauderte sprachlos, wenn sie daran dachte. Es war lächerlich; allein dessenungeachtet doch wahr: die alberne alte Person hatte unter dem Geschrei und Gestöhn, den Zoten und Flüchen an ihren Nerven gelitten wie die vornehmste Dame, die nicht zwanzig lange Jahre hindurch dergleichen ertragen und anhören mußte. Man konnte nicht verlangen, daß, als endlich der Alte da oben ein Einsehen tat, gesunde und nahrhafte Jahre schickte und die Bevölkerung des Siechenhauses zu Krodebeck auf die eine oder die andere Art lichtete, daß, sage ich, die Alte hier unten sich hinsetze, ihr Elend beschreibe und den Schüdderump als das einzig echte und wahrhaft philosophische Vehikel für alle Dinge und Vors tommnisse auf Erden hinstelle! Sie versuchte höchstens, die Stille und Einsamkeit zu guter Letzt noch einmal zu einem turzen Nachdenken über ihr eigenes Leben und ihren eigenen Tod zu benußen; allein auch das ging schlecht genug, und das war kein Wunder in Anbetracht der übermäßigen Betäubung. Die Landstraße lag in der vollen Glut der Julisonne da, und man übersah sie von dem Fenster des Armenhauses aus eine ziem liche Strecke, bis sie in einem Buchengehölz und Tannenwald vers schwand. Aus diesem Gehölz und Walde hervor froch in einer Staubwolke der Karren, von dem wir eben redeten, und der uniformierte und mit einem großen Säbel bewaffnete Reiter, der ihn geleitete, ließ sein Pferd neben ihm im Schritt gehen. Es war ein grau angestrichener Karren mit einem grauen Leinwanddach, und er wurde von einem mageren Gaule gezogen, dessen Lenter in einem blauen Leinwandfittel verdrießlich nebenberschritt. Er troch langsam heran, aber die alte Frau im Siechenhaus hatte Zeit, ihn zu erwarten, und tat es in stumpfsinnigem Hinbrüten, indem fie die Hand über die blöden Augen hielt und mit schläfrigem Nicken ihm entgegensah, bis er dicht vor ihrem Fenster angelangt war und der Landreiter ironisch grüßend die Hand an die Pickelhaube legte. Da blieb der zahnioje Mund offenstehen vor Schrecken, die alten hageren, braunen Hände fingen mehr als gewöhnlich an zu zittern, Nr. 10 und die Herrin des Siechenhauses zu Krodebeck hinkte mit leisem Achzen vom Fenster weg, vertroch sich wieder einmal im dunkelsten Winkel und seufzte: Oliebster Herrgott im Simmel, hol' mich doch endlich ab aus der Welt, wenn du mir abs'lut feine Ruhe lassen willst!" Der Karren fuhr dem Dorfe zu; die Grillen zirpten ruhig weiter in den Gräben, die Schwalben fuhren über den Weg, die Spazen zankten sich in den Apfelbäumen; die Uhr auf dem Kirchturm schlug fünf, und es kam nicht das geringste darauf an, ob die Alte im Siechenhaus Ruhe haben sollte oder nicht. 000 hört ihr es nicht! Don Julius hart. Hört ihr es nicht? In meinem Ohre bang Ewig tönt herber, dumpler Trommelklang. Jn heller Lenznacht, in der Nachtigall Verträumtes Lied rauscht schwerer Waffenschall. Der Sommer glüht in dunkler Rosen Duft Wie Rossesstampfen dröhnt es durch die Luft. Und wenn der Wein im grünen Glase quillt Hörst du das Schlachthorn nicht, das blutig schrillt? Winternacht, der Sturwind heulend fährt, Sein Odem leer die starrenden Wege kehrt. Vergebens glüht am Feuerherd der Rost, Stärker als Feuer brennt der kalte frost. An Haus und Wand und an des Wegs Geleis fliegt Schnee und knarrt das demantharte Eis. Winternacht! durch Eis und fliegenden Schnee Lauter als Sturmgeist schreit ein wildes Weh. Geschrei und Schlachtruf durch die Nacht hinschault, Gleichwie am Strand die Sturmflut dumpf hinhallt. Jn dunklen Scharen drängt es finster an, Mit Beil und Hammer wogt es schwarz heran. Zerlumpte Haufen, wie im Sturm verirrt, Das Eisen dröhnt, das blanke Messer klirrt. Das Angesicht, blaß wie ein Wintertag, Sagt, wie das Elend gar so fressen mag. Das Auge tief, die Wange hohl und schmal, Auf Stirn und Wang' der Krankheit brandig Mal. Gelöst das Haar auf schmutzigem Nacken hängt, Den harten, schweren Fuß kein Schuh umzwängt. Das Banner glüht wie Herzblut dunkelrot, Die Fahne droht schwarz wie der Würger Tod. Es drängt heran, es wogt die dunkle Flut, Den Himmel überschwemmt's wie trübes Blut... Seht ihr es nicht, das Zeichen, das sich hebt? Ein eherner Kelch vor euren Augen schwebt! Ein eherner Kelch, mit Tränen angefüllt, Jn Dornen und in Stacheln eingehuut... O, aus der Tiefe stöhnt ein banges Schrein; Die Herzen auf und laßt die Liebe ein! Die Herzen auf, die ihr am Throne sitzt, Von Gold und heißem Demantglanz umblitzt. Reißt ab das rote Gold vom Samtgewand, Den Demantschmuck, das ichimmernde Perlenband! Zu euren Füßen liegt gestreckt die Not, Aus hohlen Augen starrt euch an der Tod. Es loht ein Feuer in der Erde Grab Und reißt auch euch in leinen Schlund hinab... Hört ihr es nicht? In meinem Ohre bang Ewig tönt herber, dumpfer Trommelklang... Berantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bettin( Bundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bet Stuttgart. Druck und Verlag von Paul Ginger in Stuttgart.