Für unsere Mütter und Hausfrauen Nr. 17 O O O O O O O O 1911 。。。。。。。。 Beilage zur Gleichheit 。。。。。。。。 Inhaltsverzeichnis: Musterung. Von Ludwig Palagyi.- Von den Eingeborenen Inner- Australiens. III.- Über Schreibstörungen. Bon gb.Feuilleton: Ein Lynchgericht. Von Owen Wister.( Schluß.) Musterung.* ' s ist Musterung. Da treten Mann für Mann In Reih' und Glied die jungen Leute an. Ein grimmer Oberst, Arzt und Korporal Erwarten prüfend sie im kahlen Saal. Befehl erschallt, fich nackend auszukleiden, Ob gern, ob ungern, fragt der Kaiser nie, Zur Wage tritt, entrückt den freien Waiden, Das Vich, das Vieh. Wie Ellenware mißt sie der Sergeant, Jndes fie zitternd stehn an kalter Wand. Brust, Muskeln greift und schätzt man gleich in Haufen, Als wollte pfundweis man ihr Fleisch verkaufen. Verhandelt wird der Balg, der Jüngling stiert Wortlos beklommen, halbwegs schon vertiert, Ein Wunder, daß nicht brüllte schon und schrie Das Vieh, das Vieh. Wenn gut das Fleisch und ditto gut die Knochen, Wird Brauchbarkeit dem Klumpen zugesprochen. In einer schmutzig massigen Kaserne Nimmt der Sergeant ihn, daß er Mannszucht lerne, Mit Bruft- und Nackenstößen in Empfang. Sklavisch diszipliniert in Kompagnie Wird hin und her gedreht am Koppelstrang Das Vieh, das Vieh. Da wird das Schamgefühl der jungen Seele, Des Herzens frische Keuschheit stumpf und matt; Da wird brutale Roheit zum Befehle, Und blinde Knechtschaft hat Gesetzesstatt. Der stolze Geist muß sich Gemeinem beugen, Was grob und schmutzig, was im Kot gedieh, Davon muß fromm durch Tat und Wahrheit zeugen Das Vich, das Vich. Da wird dir Menschentotschlag, plundrung, Mord Mit Luft gelehrt, ein Hohn auf Gottes Wort. Du lernst die Rotzucht keine Schande heißen, Lernst Land und Volk in bluf'ge Stücke reißen, Geschwister, Väter, Mütter niederstechen, Wenn das Kommando dir die Vollmacht lieh, Nach Trommeltakt lernt jegliches Verbrechen Das Vich, das Vieh. Was übrig blieb aus jener dunklen Zeit, Wo mit dem Keulenstumpfe mordgeweiht Der Tiermensch auszog, Feinde zu enthäuten Und fremder Weiber Schoß sich zu erbeuten.... Wogegen edle Seelen zornentloht Umsonst sich bäumen, ekel bis zum Tod, Als Regel lernt, was Wildheit auf uns spie, Das Vieh, das Vieh. Rindvich, Rindvich, Tier im Menschenleibe, Des Feindes blinde, todbestimmte Scheibe! Mit deines Fahneneides feigem Schwur Kanonenfutter für die andern nur... Unwissend du, stumpfsinnig, adellos Gehorchst du des Kommandos Despotie; Bleibst du denn ewig aller Menschheit bloß, Ein Vich, ein Vich? Ludwig Palaghi. Aus dem Buch der Freiheit". Frei nach dem Ungarischen von Karl Hendell. Von den Eingeborenen Inner- Australiens. Nach Spencer und Gillen, The Native Tribes of Central Australia". III. Die Gruppe zieht in dem Gebiet umher, bas ihr Eigentum ist, meist in fleinen Abteilungen von einer oder zwei Familien. Häufig wandern zwei oder mehr Brüder zusammen mit ihren Weibern und Kindern. Sie lassen sich an Wassertümpeln nieder, um die sich pflanzliches und tierisches Leben entfaltet, das dem Eingeborenen den Unterhalt sichert. Zwischen Gebüsch und Gummibäumen, die den Tümpel umgeben, ist das kleine Lager der Eingeborenen aufgeschlagen, das je nach der Zahl der Familien von 1, 2 oder mehr Mia- mias, einer Art von Hütten, gebildet wird. Ein Mia- mia be steht einfach aus aneinandergelehntem Buschwert. Dieses wird so aufgestellt, daß es die Bewohner vor dem vorherrschenden Wind schüßt, der während der Winterzeit meist aus Südosten weht. Bor dem Mia- mia oder innerhalb dieses, wenn es kalt ist, brennt ein fleines Feuer von Zweigen. Ein kleines Feuer, denn der Einge borene macht nie ein großes Feuer, wie das der weiße Mann zu tun pflegt. Der Wilde mag sich über den Weißen wundern, der zuerst ein großes Feuer macht, und es dann so heiß findet, daß er gar nicht in dessen Nähe verweilen kann. Der Eingeborene sucht nur ein kleines Feuer zu unterhalten, damit er daran liegen kann; während der Nacht nährt er es mit fleinen Zweigen, so daß e stets brennt, ohne je so viel Size zu geben, daß er davon weg gehen müßte. Jede Familie, bestehend aus einem Mann und einer Frau oder mehreren Frauen und Kindern und stets begleitet von Hunden, bewohnt ein Mia- mia. Der Dingo, der australische Hund, ist das einzige Haustier, das der Wilde erzogen hat. Heut zutage sind die Dingos, die vor allem den Schafherden der Weißen gefährlich wurden, verdrängt durch die von den Europäern einge führten Hunde. Überall in Australien sieht man in den Lagern der Eingeborenen alle nur möglichen Kreuzungen von Hunden, die sich in Scharen herumtreiben, da der Eingeborene nie einen Hund tötet. Früh am Morgen im Sommer, im Winter nicht ehe die Sonne schon ein gutes Stück über dem Horizont steht, sind die Bewohner des Lagers auf den Beinen. Zeit spielt keine Rolle für sie, und falls es keinen Mangel an Nahrung gibt, so lungern Männer und Weiber müßig herum, während die Kinder lachen und spielen. Muß Nahrung gesammelt werden, so ziehen die Weiber aus, be gleitet von den Kindern und bewaffnet mit Grabstöcken und hölzernen Trögen. Der Tag wird dann im Busche verbracht mit dem Fangen fleiner Tiere, wie Eidechsen und fleinen Beuteltieren, und dem Sammeln von Pflanzen. Die Männer ergreifen vielleicht ihre Waffen, Speer und Bumerang, und begeben sich auf die Jagd auf größeres Wild, wie Emus und Känguruhs. Waffen, Werkzeuge und Gerätschaften der Eingeborenen sind ver hältnismäßig gering an Zahl und einfacher Art. Eine Frau besitzt stets ein Pitchi, das ist ein Holztrog, in dem Wasser und Nahrung geführt wird. Die Frau trägt ihn auf dem Kopfe oder auf der einen Hüfte mit einem Strick aus Menschenhaar oder mit einem gewöhnlichen Strang aus dem Fell eines Tieres über der Schulter befestigt. Nicht selten wird auch ein kleines Kind in dem Pitchi umher getragen. Das einzige andere Gerät der Frau ist der Grabstod In seiner gewöhnlichsten Form ist dies ein gerader Holzstab, an einem oder auch an beiden Enden stumpf zugespitzt und von einer solchen Größe, daß er bequem in der Hand mitgeführt und zum Graben im Boden benügt werden kann. Bei der Arbeit hält die Frau den Stock in der rechten Hand nahe an seinem unteren Ende, und abwechselnd mit der einen Hand den Stock in den Boden stoßend und mit der anderen die losgelöste Erde ausschaufelnd, gräbt sie mit überraschender Geschwindigkeit ein Loch in den Boden. Wo im Busche die Honigameisen leben, eine Lieblingsspeise der Eingeborenen, da kann man manchen Morgen des harten, sandigen Grundes umgegraben sehen, umgegraben einzig mit dem Grabstock der Weiber, die diese Insekten sammelten. Ein solcher Platz bietet das Aussehen eines verlassenen Feldes dar, auf dem Goldgräber lange geschürft haben. Die Frauen graben häufig bis zwei Meter und noch tiefer in die Erde und gebrauchen dabei ein kleines Pitci als Schaufel, um die Erde auszuheben. Natürlich ziehen die Kinder mit den Weibern aus, und von dem Augenblick an, wo sie herumwatscheln können, beginnen sie die Bewegungen ihrer Mütter bei der Arbeit nachzuahmen. Während im Busche eine Frau nach 10 " e r It t 66 Für unsere Mütter und Hausfrauen Eidechfen oder Honigameisen gräbt, arbeitet ihr kleines Kind neben ihr. Mit einem winzigen Grabstock bewaffnet, nimmt es den ersten Unterricht in einer Tätigkeit, die, falls das Kind ein Mädchen ist, die Hauptbeschäftigung seines Lebens bilden wird. Wir sagten schon, daß die Eingeborenen unter gewöhnlichen Umständen, abgesehen von Schmuck, völlig nackt sind, und so ist eine Frau bei ihrer Arbeit durch Kleidung wenig behindert. Die Frauen tragen ein oder mehrere Halsbänder, die gewöhnlich aus Fellhaaren gewunden und dick mit Fett und rotem Ocker überzogen find. Jüngere Weiber haben auch lange Halsschnüre aus den glänzenden roten Samen des Bohnenbaumes. Der Mann trägt auf der Stirn ein breites Band von Schnüren aus Fellhaaren. Um den Hals hat er ähnliche Ringe wie die Frauen. Cein Haar ist ftart eingefettet und mit rotem Oder beschmiert. Fast Immer tragen bie Männer um die Lenden einen Gurt aus MenfchenSaar. Ist ein Mann besonders eitel, so hat er durch die Nasenfcheidemand einen Knochen gesteckt, der an einem Ende mit einem Rattenschwanz oder einem Busche Rafadufedern verziert sein kann. Ein weiteres Stück der Kleidung, wenn man von einer solchen reden will, ist eine kleine an den Schamhaaren befestigte Quaste aus Fellschnüren. Ist diese Schamquaste noch mit weißem Pfeifenton beschmiert, so dient fie mehr als ein den Blick auf sich ziehenbes Schmuckstück, denn als eine Verhüllung. Die Waffen des Viannes find Schild, Bumerang( Wurffeule), Speer und Speerschleuder oder Wurfholz. Die Schilde werden aus dem leichten Holze des Bohnenbaumes verfertigt, und ihre Herstellung ist daher auf die nördlichen Gebiete des Inneren beschränkt, in denen dieser Baum wächst. Namentlich der Warramungastamm ist wegen seiner Schilde berühmt, und diese werden durch Tausch weithin im Innern Australiens verbreitet. Die Speerschleuder oder das Wurfholz ist ein rinnenförmig ausgehöhltes Stück Mulgaholz von 60 bis 75 Zentimeter Länge. An seinem vorderen Ende läuft es allmählich zu einem schmalen Handgriff aus, während es hinten mehr unvermittelt ein fumpfes Ende bildet; an diesem hinteren Ende ist mittels einer Sehne ein furzes Stück harten Holzes befestigt mit einer scharfen Spitze nach vorn, die in ein Loch am Ende des Speeres paßt. Auf Dieses Wurfholz wird der Speer beim Schleudern aufgelegt. Durch bas Wurfholz wird der menschliche Arm verlängert, es wird ein langer Hebelarm geschaffen, der dem Speer eine größere Anfangs geschwindigkeit und damit größere Durchschlagskraft verleiht. Gewöhnlich ist an dem Handgriff des Wurfholzes mit einem Klumpen Harz ein scharffantiges Stück Feuerstein oder Quarzit befestigt, das ein wichtiges Schneidewerkzeug des Eingeborenen darstellt. Große Känguruhs erjagen die Männer durch Anschleichen. Mit vollkommen unhörbaren Schritten, sich hinter Gebüsch oder großen Grasbüscheln deckend, nähert sich der Eingeborene dem Tier so weit, baß er den Speer mit Aussicht auf Erfolg schleudern kann. Manch mal jagen auch zwei oder drei Männer gemeinschaftlich; während ber eine im Hinterhalt auf dem Anschlag steht, treiben ihm die abrigen das Wild so nahe als möglich zu. Auch die Weiber leisten ben Männern Treiberdienste, namentlich bei der Jagd auf fleinere Ränguruhs. Um den Emu, den australischen Strauß, zu erbeuten, werden in manchen Gegenden die Blätter einer Pflanze benutzt, die eine betäubende Wirkung ausüben. Ein Auszug aus diesen Blättern wird in ein kleines Wasserloch geschüttet, aus dem der Vogel zu trinten pflegt. Verborgen hinter einem Busche liegt der Eingeborene auf der Lauer. Der Vogel kommt, trinkt, wird von dem Wasser betäubt und fällt dem Speer des Eingeborenen leicht zur Beute. Much die neugierige Natur des Emus machen sich die Eingeborenen unuke. Ein Eingeborener trägt einen Aufput, der dem langen Bals und dem fleinen Kopf des Bogels ähnlich ist, und nähert sich bamit seinem Opfer, hier und da Halt machend, und dann wieder in der ziellofen Weise des Vogels umherschreitend. Der Emu ist voll Begier, dieses Geschöpf fennen zu lernen, und wartet und paẞt so lange auf, bis der Eingeborene die Möglichkeit hat, seinen Speer aus nächster Nähe zu schleudern. Manchmal wird auch eine tiefe Grube an einem Orte gegraben, wo der Vogel zu äsen pflegt. Auf dem Grunde der Grube wird ein kurzer Speer mit scharfer Spize aufrecht befestigt und dann die Grube mit Büschen und Erde zugedeckt. Der Emu kommt, um die Sache zu unterfuchen, fällt in die Grube und wird von dem Speer durchbohrt. Mit dem Bumerang werden andere Vögel erlegt, wie die Felsentauben, die sich in Scharen um die Wasserstellen sammeln, oder der Adlerfalke, dessen Flaum als Schmuck sehr geschätzt ist. Alles, was nur eßbar ist, dient als Nahrung, wenn man von gewissen Beschränkungen absieht, die teils bestimmten Gruppen, teils dem einzelnen zu gewiffen Zeiten auferlegt sind. Viele Pflanzen werden roh, andere in heißer Asche geröstet gegessen. Häufig wer den große Mengen der Hülsen einer Afazie gesammelt, auf heiße Nr. 17 Asche gelegt und darüber wird wieder heiße Asche gedeckt; die Eingeborenen sehen sich darum, enthülsen die Samen und essen sie wie Erbsen. Von den Tieren werden die größeren meist in mehr oder minder flachen Erdgruben mit heißer Asche gebraten. Die Fähigkeit der Eingeborenen im Entdecken, Deuten und Verfolgen von Spuren ist bekannt. Wenn man aber diese Wilden nicht felbft am Werke gefehen hat, kann man sich keinen Begriff von der Geschicklichkeit machen, die sie darin entfalten. Doch rührt diese Fähig feit nicht etwa daher, daß der Gesichtssinn des Wilden stärker ist als der des Zivilifierten. Im Durchschnitt ist weder der Gesichtsnoch der Gehörfinn beim Eingeborenen schärfer entwickelt als beim Weißen. Nur sind die Eingeborenen durch ihre Lebensbedingungen von jeher gezwungen und gewöhnt, Einzelheiten zu bemerken und untereinander in Zusammenhang zu bringen, auf die wir gar nicht achten, weil fie für uns gewöhnlich keine Bedeutung besitzen. Von frühester Kindheit an werden Knaben und Mädchen gleicherweise dazu erzogen, auf jede Spur jedes lebenden Wesens zu achten. Die Frauen namentlich unterhalten sich gern und häufig damit, auf dem sandigen Grunde die Fährten verschiedener Tiere nachzumachen, und sie stellen diese mit ihren Händen wunderbar genau her. Und nicht nur kennen sie die verschiedenen Fährten der Tiere, sie unterscheiden auch die Spuren einzelner Männer und Frauen und erkennen den Fußabdruck jedes einzelnen ihrer Bekannten. Doch gibt es in der Entwicklung des Spürfinns große Unterschiede unter den Eingeborenen. Während die Eingeborenen in Dingen, die mit ihrem täglichen Leben verknüpft sind und von denen ihr Lebensunterhalt abhängt, bemerkenswerte Fähigkeiten aufweisen, sind sie in anderen Beziehungen geistig ziemlich unentwickelt. Jn Alice Springs können sie gelegentlich mit Hilfe ihrer Finger bis fünf zählen, aber meist werden alle Zahlangaben, die vier überschreiten, mit dem Worte ofnira, das heißt viel oder groß gemacht. Die Zeit wird nach " Schläfen", Monden und Mondphafen berechnet. Längere Zeiten rechnen die Eingeborenen nach Jahreszeiten, in denen sie Bezeichnungen für Winter und Sommer haben. In mancher Hinsicht ist ihr Gedächtnis wunderbar start. Für alle Tiere und Pflanzen, die von irgend einer Bedeutung für sie sind, für all die verschiedenen Formen der Insekten, Mäuse, Vögel usw. und ebenso für die verschiedenen Arten des Busches und der Gräser haben sie bestimmte Namen, und bei Tieren bezeichnen sie immer das Geschlecht. Ihre geistigen Fähigkeiten sind eben ganz in der Richtung der Bedürfnisse ihres täglichen Lebens entwickelt. 000 Cleber Schreibstörungen. Wie die Sprache verschiedenen Störungen, zum Beispiel Stot tern, Stammeln, Lispeln usw. unterworfen sein kann, so weist auch das Schreibvermögen mitunter bestimmte Fehler und Mängel auf. Fast jedes psychische Leiden, kann man sagen, hat auch Eigenartigfeiten der Schrist zur Folge. So haben Idioten zum Beispiel die Eigenheit, beim Schreiben unwillkürlich sinnlose Wörter und Silben einzuschieben. Weiter sei hingewiesen auf die Zügellosigkeit der Schrist von Schwachsinnigen leichteren Grades, wobei Versegung und Verwechslung der Buchstaben, Schreiben ohne Gleichmaß, Verwischung der Wortbilder bis zur Untenntlichkeit vorkommen; ferner auf die Zitterschrift bei zerebralen Lähmungen, das heißt Lähmungen, die ihre Ursache in Störungen der Gehirntätigkeit haben. Endlich treten auffallende Erscheinungen der Schrift auf bei Epilepsie, Paralyse, Dementia( Blödsinn) usw. Aber es gibt auch Schriftstörungen, bei denen eine in die Augen springende Krankheit nicht festzustellen ist, obgleich, das sei gleich bemerkt, doch schließlich irgendwelcher törperlicher Defekt zugrunde liegen muß. Recht interessantes Material in bezug auf Schreibstörungen bietet uns die ers perimentelle Psychologie durch die planmäßige Beobachtung der Ausdrucksbewegungen. " Das Schreibstottern" ist charakterisiert durch die Unfähig feit, ein Wort anstandslos zu schreiben, obgleich man sich genau der Schreibweise des Wortes bewußt ist. Wie beim Stottern, so wird auch hier verschiedene Male zum Schreiben angesetzt, bis es endlich gelingt, das gewünschte Wort zu schreiben. Berthan be richtet über einen Patienten, der statt„ Driburg" immer schrieb Dr Dr Driburg". Beim Schreibstottern" liegt wohl irgend eine Störung im Schriftzentrum des Gehirns vor oder aber auch in den entsprechenden motorischen Nervenbahnen, alfo in den Nerven, die die Bewegung der zum Schreiben notwendigen Muskeln auslösen. Die Heilung, wenn eine solche erfolgt, geht nur sehr langsam vor sich. Es gehört dazu konfequente Übung, fortgesetzte Wiederholung. Hierdurch kann der bestehende Defekt gehoben werden oder das anderseitige Gehirnzentrum den Dienst des erkrankten übernehmen. Nr. 17 Filr unsere Mütter und Kausfrauen 67 Verwandt mit dieser Erscheinung, ist das„Schreib stamm ein". Auch dieses ist bedingt durch eine Störung indem Schreibzenlrum oder seinen Nerveuverbindungen, womit meist Willensschwäche, Energielosigkeit, starke Schwankungen der Stimmung Hand in Hand gehen. Es werden dabei einzelne Buchstaben ganz weg gelassen oder durch andere erseht; auch Umstellungen von Buch staben kommen vor, und manchmal in solchem Maße, daß das Wort oder der Satz bis zur Unkenntlichkeit entstellt wird. Wer könnte zum Beispiel entdecken, daß der Satz:„Käru barul us der Vom ein Bief" heißen soll:„Gestern brachte uns der Bote einen Brief"? Für die Heilung dürsten dieselben Maßnahmen zu er greifen sein wie beim„Schreibpottern". Das„Schreibstammeln" wie das„Schreibstotlern" kommen nicht sehr häufig vor. Bei der„Agraphie" ist durch eingetretene Krankheit daS Echreibvermögen aufgehoben. Man unterscheidet verschiedene For men der Agraphie. Die amnestische Agraphie ist das Unvermögen der Erinnerung an die Worte ihrem Schriftbild nach. Einem Men schen. der daran leidet, fällt nicht das zu einem Laulwort gehörige Schriftbild ein, er kann das Wort nicht schreiben. Liegen nicht noch andere Störungen vor, so kann der Betreffende das Wort nach schreiben, wenn man es ihm vorschreibt. Bei der ataktischen oder motorischen Agraphie schwebt dem Kranken das Schriftbild eines Wortes im Bewußtsein richtig vor, er findet aber nicht die zum Schreiben nötigen willkürlichen Bcwegungsimpulse. Bei diesen beiden Formen der Agraphie kann Geschriebenes gelesen und verstanden werden, es besieht nur das Unvermögen, etwas schriftlich zum Ausdruck zu bringen. Die Unfähigkeit hingegen, bei gesunden Augen und normaler Intelligenz Geschriebenes dem Sinne nach zu verstehen, wird als sensorische Agraphie, Schriftblindheit, bezeichnet. Verursacht wird die Agraphie durch Schlaganfälle, Gehirnerweichung, Bluterguß oder Neubildungen im Gehirn, Hirnhautentzündung. Mitunter geht die Agraphie bald vorüber, manchmal dauert sie aber auch wochen- und monatelang oder besteht dauernd. Häufiger ist eine andere Schriflstörung, nämlich die„Spiegel schrift". Verhältnismäßig am stärksten tritt sie auf bei geistig Minderwertigen. Nach einer Statistik der Jdiotenanstalt zu Dall dorf bei Berlin waren unter deren Insassen b0 Prozent gefunden worden, welche mit der linken Hand Spiegelschrift schrieben. Man hat auch in Normalschulen Erhebungen über diese Schriflstörung angestellt. In den untersten Klassen von Normalschulen fand man 13,2 Prozent, in den oberen Klassen nur 0,7 Prozent Spiegelschrift Schreibende. Mit der Zunahme der Intelligenz, mit der fortschreiten den Entwicklung wird die Zahl der Spiegelschrislschreiber immer geringer. Wegen des häufigen Vorkommens bei geistig Minder wertigen war man versucht» die Spiegelschrist als ein Merkmal des Schwachsinns anzusehen. Doch ist diese Annahme nicht begründet. Schrieb doch ein so umfassender Geist wie Leonardo da Vinci, der in Linkshänder war, Spiegelschrift. kb. Feuilleton Ein Lynchgericht. Von Lwcn Wtster.(Schluß.) Der Scherif fragte sich, ob der Mann die Wahrheit spreche— «S klang in der Tat so. Der Kalifornier stieß seinen Nachbar bei dieser neuen Erklärung an. Das wollte gar nichts sagen, daß der Mann nur so wenig Goldstaub bei sich halte— der Widerruf der ersten Erzählung bestärkte die Minengräber nur in ihrem Verdacht. Und während der Scherif sich vornahm, ein regelrechtes Verhör anzustellen, beschlossen die Minengräber, das Verbrechen sofort zu bestrasen. Am liebsten hätten sie daS Geschäft hier gleich erledigt, um zum Abendessen wieder nach Hause zu sein. Tannen waren ja zur Hand, und ein Strick fand sich wohl in der Postkutsche. Die Vorstellungen des Scherifs, daß sich vielleicht inzwischen in Gap noch andere Spuren gefunden haben tönnten, ließen die Männer ungerührt, aber der Einwand des Kutschers, daß man in Gap sehr enttäuscht sein würde, das Schauspiel nicht mit anzusehen, leuchtete ihnen ein. und so beschlossen sie, den Mann nach Gap zurückzu- bringen. Trylyn äußerte seine Meinung nicht; er sprach überhaupt kein Wort. Seine Schweigsamleit fiel jedoch nicht auf, man hatte ihn vollständig vergessen. Was sollt« man hier jetzt noch lange herum stehen? Die Minengräber nickten dem Kutscher zu und verschwanden mit ihrem Gefangenen im Walde. Einen Augenblick kam dem Scherif der Gedanke, sich mit dem Kutscher inS Einverständnis zu setzen und den Gefangenen der blinden Wut der Menge durch schleunige Flucht zu entziehen. Er sah den Kutscher«inen Augen. blick unentschlossen an, dann aber fand er diesen Plan selbst zu tolllühn. Wenn er hier eingreifen wollte, so konnte das später ge schehen. Der Kutscher hatte den Blick des Scherifs ganz richtig ver- standen. Er stellte sich innerlich sofort auf seine Seite, obgleich er kein Zeichen des Einverständnisses gab. Im Weiterfahren mußte er beständig an den Schrei des Gefangenen und an das bißchen wertlosen Goldstaub denken. Dabei wurde es ihm immer klarer, daß die Sache vor das Gericht und vor zwölf ruhige Männer ge hörte. Sein Freund war gleichfalls mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. So sprachen beide auf ihrer einsamen Fahrt kein Wort miteinander. Die Pferde merkten bald, daß sie unbeobachtet waren, sse verlangsamten das Tempo, und da kein Peitschenhieb sie an trieb, machten sie es sich bald noch bequemer. Sie rissen einige Zweige von den am Wegesrand stehenden Bäumen ab und fraßen sie beim Weilerlausen behaglich auf. Als auch diese Missetat un- gestrait blieb, gaben sie jede Anstrengung, Postpferde zu sein, so vollständig auf, daß der Kutscher doch endlich aufmerksam wurde. Mechanisch hieb er auf die Pferde ein und brachte sie auf diese Weise wieder zu einer rascheren Gangart. Dann aber riß er sie plötzlich scharf zurück. Ein Gedanke hatte sein Gehirn gekreuzt. Der Gefangene mußte von Gap fortgeholt werden. Allein konnte der Scherif da gar nichts ausrichten. Der Kutscher wandte sich an seinen Freund: „Alan könnte da helfen, wenn man sich eine kleine Freiheit mit Wells und Fargos Pferden erlaubte. Was meinst du, Wells und Fargo* werden das doch nicht übelnehmen! Der Mann ist doch einer von ihren Beamten. Die Post kann ebensogut von zwei Pferden gezogen werden, weil sie doch leer ist, und diese beiden anderen Pferde können möglicherweise in Gap von großem Nutzen sein. Ich kann meinen Posten natürlich nicht verlassen, aber ein Mann wäre ja auch genug." „Ja ja, das läßt sich machen," stimmte der Freund zu. Beide kletterten von ihrem hohen Sitze herunter und spannten die Stangenpferde aus. Es waren schwere Pferde und nicht gerade sehr geeignet, um eine Flucht zu bewerrstelligen, aber weiter als zu Fuß kam man doch immer mit ihnen. Bald darauf trennten sich die Freunde. Der Kutscher fuhr die Straße weiter herauf, der andere verschwand mit den Pferden im Walde. Die Gedanken des Scherifs arbeiteten angestrengt, während er in Gesellschaft der Minengräber und ihreS Gefangenen dahinschrilt. Der Gefangene hatte alles gesagt, was er zu sagen hatte, und ging jetzt, in Schweigen versunken, dahin. Der erste furchtbare Schreck hatte ihn seiner männlichen Festigkeit beraubt, jetzt kam sie ihm wieder zu Hilfe, und er empfand eine gewisse Scham darüber, daß er sich so haltlos und unbeherrscht gezeigt hatte. Seine erbitterten Wächter führten ihn, gleichfalls schweigend, in großer Schnelligkeit durch den Wald. Der Scherif war froh, daß sie einige Meilen weit zu gehen hatten. Er hoffte, daß die Zeit und die körperliche Er müdung die Wut der Männer etwas dämpfen würde. So sehr er sich anstrengte, sielen ihm keine Milverungsgründe ein. Er wußte nur, was die anderen auch mußten, und seine einzige Hoffnung war, daß sich die Sache in Gap etwas mehr aufklären würde. Er blickte sich nach Drylyn um, las aber in dessen ernstem, unbewegtem Gesicht nichts, was seinem, allen Vernunftsgründen zum Trotze, immer wieder austauchenden Argwohn neue Nahrung hätte geben können. Trotzdem war er aber von der Unschuld des Gefangenen überzeugt. In Gap lagen die Sachen noch genau so wie am Morgen. Der Scherif konnte nichts finden, was ihm hätte auf die Spur helfen können. Plötzlich indessen bemerkte er, daß Drylyn verschwunden war. Man sagt« ihm, daß er hingegangen wäre, um die Gazelle zn sehen, und erzählte ihm noch einmal, daß er sie sehr geliebt hätte. „Sehr geliebt," sagte der Scherif nachdenklich.„Wo ist sie jetzt?" „Sie liegt noch auf ihrem Belle, so wie vorher," antwortete eine Frau,„wir haben sie nur etwas zurecht gemacht." „Ich will mal einen Blick aus sie werfen— und auch auf ihn. Ihr werdet nichts tun, bevor ich zurückkomme, Jungcns, nicht wahr?"„Wenn Sie das durchaus mit ansehen wollen, können wir ja warten, bis Sie wiederkommen, Scherif," antwortete der Kali fornier. Der Beamte ging in das Zelt und fand Drylyn ruhig und stumpf über die Leiche gebeugt stehen. Er war sicher, daß er ihm nun nicht mehr entfliehen würde. Der Scherif verließ das Zelt, » Well» und Fargo ist die Firma der größten und bekanntesten Fracht- bksörderungSg'sellschast de» amerikanischen Westen». 68 Für unsere Mütter und Hausfrauen ohne ein Wort zu sagen, und kehrte zu dem Gefangenen und seinen Wächtern, die sich vor der Tanzhalle befanden, zurück. Sie hatten inzwischen nur einen Strick herbeigeholt und warteten in aller Ruhe auf ihn. „ In Arkansas lebte einmal ein Mann, der gar kein Urteilsvermögen besaß," begann der Scherif. Nun ja, so schlecht erzieht man die Leute in Arkansas," sagte der Kalifornier, und die Männer bildeten einen Kreis um den Scherif und den Gefangenen. Die Frau des Mannes hatte Urteilsvermögen, aber sie starb." " Das beweist schon gutes Urteil," bemerkte der Kalifornier. " Der Mann mußte die Farm nun allein bewirtschaften. Sie besaßen eine Geflügelzüchterei, und der Mann wußte, daß die Frau immer Hennen auf Enteneier gesetzt hatte. Er hatte sie nie gefragt, weshalb sie das täte, er wußte nur, daß sie es getan hatte. Da sich im Hühnerstall viele Eier fanden, aber keine Hennen, die brüten wollten, so nötigte der Mann, der fein Urteil hatte, eine Ente, die Eier auszubrüten. Es war eine sehr gute, aber etwas haftige Ente. Als die Küken ausgetrochen waren, nahm sie sich nicht die Zeit, sie zu betrachten, sondern führte sie sofort an den Teich. Da die Küken nicht in das Wasser gehen wollten, stieß sie sie mit Gewalt hinein, so daß sie jämmerlich ertranten. Am näch sten Tage tam eine Henne mit jungen Enten an den Teich. Die Ententüfen befanden sich sehr wohl im Wasser, und die Hühner mutter schritt inzwischen gackernd am Ufer auf und ab. Als die Ente das sah, erkannte sie ihren Irrtum und war sehr unglücklich. Aber die kleinen Küken waren im Himmel." Der Scherif bemerkte, daß es ihm gelungen war, die Wut der Männer etwas zu beschwichtigen, und er fuhr fort.„ Nun, Jungens, ist das hier nicht etwas Ahnliches wie mit der Ente? Ich weiß nicht, was ich noch sagen könnte, und ich weiß nicht, ob ich irgend etwas tun könnte. Die Sache steht schlecht für den Mann hier, das sehe ich ebensogut wie ihr. Aber, Jungens, es ist entsetzlich, einen Unschuldigen zu töten! Ich habe das einmal miterlebt und war Gott verzeih' mir selbst mit dabei! Es war ähnlich wie heute. Wir gingen aus, ihn zu suchen, und waren ganz sicher, auf der rechten Spur zu sein. Wir kamen an eine merkwürdige, uns ganz unbekannte Hütte hoch oben in den Bergen. Hier mußte er sich versteckt halten! Wütend über das begangene Verbrechen, fannen wir nur auf Rache. Der soll uns nicht entwischen, dachten wir. Wir machten unsere Flinten schußbereit und krochen zwischen den Bäumen durch bis dicht an die Hütte heran. Dann riefen wir nach dem Manne, und er kam mit einem Buche in der Hand heraus. Er sah aus wie der Mann, den wir suchten, und, Jungens wir ließen ihm keine Zeit... Er hat nie erfahren, weshalb wir schossen! Es war ein harmløser, alter Prospektor*, der es müde geworden war, dem Glück nachzujagen und nach Gold zu suchen. über seine Tür hatte er die Worte gemalt: Hier dringt das Böse nicht mehr störend ein. Er hatte geglaubt, daß die Welt ihn hier oben in Frieden lassen würde.... Seitdem habe ich immer ein Gefühl, als gehörte mein Leben in erster Linie jenem alten Manne und dann erst mir selbst. Ich stehe hier ganz allein. Ihr wißt, daß ich als einzelner nicht viel ausrichten kann. Deshalb bitte ich euch: achtet das Gesetz! Ich gebe zu, daß das Gesetz in diesem großen Lande an manchen Orten noch zu jung und an manchen Orten schon zu verfault ist, um sich Achtung zu verschaffen. In solchem Falle muß der amerikanische Bürger zur Selbsthilfe greifen. Aber ist das hier bei uns nötig? Nennt mir doch einen einzigen Mann hier, der den Schuldigen nicht mit dem Tode gestraft zu sehen wünschte! Müssen wir ihm nicht, gerade weil das so ist, die Möglichkeit geben, sich von dem Verdachte zu befreien? Ich sehe wieder den Prospettor an seiner Tür! Ein alter, harmloser Mann tam furchtlos auf unseren Ruf heraus, weil sein Gewissen rein war. Und wir schossen ihn nieder, ohne ein Wort zu sagen!- Jungens, der Alte hat ein Recht auf mich! Und wenn ihr darauf besteht " Der Scherif hielt inne, befriedigt von dem Eindruck, den seine Erzählung auf die Minengräber gemacht hatte. Einige kannten die Geschichte von dem Prospektor sie hatte in der Zeitung ge standen, aber daß der Scherif dabei beteiligt gewesen war, hatten sie nicht gewußt. Sie begriffen sehr gut, daß er seine Tat mit der Verteidigung dieses Gefangenen sühnen wollte. Es trat Stille ein, und die Stimmung schien sich zugunsten des Gefangenen zu neigen. Plöhlich erklang Pferdegetrappel.... In demselben Augenblick fam Drylyn aus dem Zelt heraus. Als er die Pferde erblickte, begriff er sofort, daß es sich um einen Rettungsversuch handelte. Er erwachte plötzlich aus seinem dumpfen Traumzustand und lief, einem * Prospektoren nennt man in Amerika Leute, die das Land durchwandern, um nach Gold zu suchen. Auch Wassersucher werden manchmal so genannt. Nr. 17 menschlichen Antrieb folgend, den Hügel hinab, um zu helfen. Der Scherif, der ihn zufällig bemerkte, glaubte, daß er entfliehen wollte. „ Seht, das ist der Mörder!" rief er aufgeregt. Einige Männer rannten zum Hügel, und als sie den laufenden Drylyn und die Pferde da unten erblickten, wußten auch sie sofort, daß es sich um einen Fluchtversuch handelte. In wilder Hafst liefen sie zurüd, packten den Scherif, warfen ihn zu Boden und hielten ihn fest, weil sie glaubten, daß er in heimlichem Einverständnis mit dem Kutscher gehandelt hätte. " So, du warst allein warst du allein?" schrie der Kalifornier. Nun, deine Rede war gut. Halt still, wir tun dir nichts!" Diese scheinbare Falschheit des Scherifs reizte die Wut der Männer auf das äußerste. Sie rotteten sich zusammen, und rasch wie der Blitz war das Schicksal des Gefangenen entschieden. Die Schlinge wurde ihm um den Hals geworfen, und das Todeswerk nahm seinen Lauf.... Als Drylyn vorsichtig den Hügel hinauf geschlichen tam, um zu erspähen, ob der Augenblick für die Befreiung des Angeschuldigten günstig wäre, sah er, wie sich der in der Luft schwebende Körper dunkel vom flaren Abendhimmel abhob. Mit wildem Aufschret stürzte er auf die Männer zu stürzte er auf die Männer zu sie packten ihn und hielten ihn fest. Erst als der Strick seine Schuldigkeit getan hatte, ließen ste ihn los und gaben auch den Scherif frei. Inzwischen war der Freund des Kutschers, der seine Pferde unter den Tannen hatte stehen lassen, herbeigekommen. " Ihr habt es gut gemeint," wandte der Scherif sich an ihn. Erzähle den Jungens doch, wie du hierher gekommen bist. Ste glauben, daß ich sie belogen habe." " " Ich werde ihnen die Sache erklären," sagte Drylyn.„ Ich bin der Mann, den ihr suchtet!" Die Männer blickten ihn betroffen an. Ihre Leidenschaft hatte sich ausgetobt jetzt standen sie stumm und wie betäubt da, wäh rend die Dämmerung sich allmählich auf die Berge zu senken begann. " Ihr glaubt, daß ich meinen Verstand verloren habe," sagte Drylyn.„ Aber seht," er holte sein Messer hervor,„ mit diesem Messer habe ich es getan! Mit diesem Messer, sage ich euch." Sie blickten stumm auf das Messer in seiner Hand. „ Der da," fuhr Drylyn auf den Toten zeigend fort, hatte sich zwischen sie und mich gedrängt. Ich wollte ihn auch umbringen! Das wäre mein Recht gewesen." Er sah auf das Messer nieder und drehte es hin und her. Als er aufblickte, las er zweifelndes Staunen in den Gesichtern seiner Kameraden. Ihr glaubt mir immer noch nicht," schrie er wild. Aber ihr sollt mir glauben! Ich kann es euch beweisen." Er rannte an den Bach hinunter und kehrte mit seinen blut getränkten Beinkleidern in der Hand wieder. Entsett wichen die Männer vor ihm zurück. " Glaubt ihr noch, daß es bei mir im Kopfe nicht ganz richtig ist?" fragte er und warf die Beinkleider hin. Ich bin vollkommen ruhig, so ruhig, wie diese große Tanne da." Erwartungsvoll blickte er die Männer an. Nun macht aber rasch ein Ende!" Aber keiner rührte sich. „ Ich habe das Recht zu fordern, daß ihr es rasch macht. Mit dem da habt ihr es rasch genug gemacht," sagte Drylyn, mit der Hand auf den Toten zeigend. Die Männer folgten mit ihren Blicken der Bewegung seiner Hand und starrten schweigend zu dem unschuldig Gerichteten empor dann blickten sie wieder den Schuldigen an. Der Ralifornier schüttelte den Kopf. Es ist merkwürdig," sagte er langsam. Man müßte es tun- aber man tann es jetzt nicht! Man kann nicht schießen, wenn die Flinte abgeschossen ist." Der schwerfällige Drylyn blickte seine Kameraden erwartungs voll an. Ihr wollt nicht?" fragte er. „ Geh du nur irgendwo anders hin hier bei uns kannst du nicht bleiben," entgegnete der Kalifornier. Drylyns Augen liefen über die Gräben und die Goldgruben, über die nahen Hütten und die fernen Hügel hin und blieben dann an dem Toten haften. Ihn und mich uns beide," murmelte er. Das war nicht recht. Ihn und mich...!" Plötzlich brach er in die Worte aus:„ Aber er soll nicht denken, daß ich so bin...!" Ehe die Männer es verhindern konnten, warf er sich zu Boden, und das Messer bohrte sich in seine Brust. " " Scherif," begann er, aber seine Stimme versagte.„ Ich werde ihn einholen," flüsterte er.„ Er- wird alles erfahren. Legt mich- an seine Sie taten es. - Sei- te " Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Zetkin( Bundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart. Druck und Verlag von J. H. W. Diez Nachf. G.m.b.. in Stuttgart.