Für unsere Mütter und Hausfrauen Nr. 17°°°°°°°° Beilage zur Gleichheit 。。。。。。。 Inhaltsverzeichnis: Ein Blatt aus der Geschichte der Revolution in Deutschland. II. Etwas von der Kinderkleidung. II. Für die Hausfrau. Feuilleton: Die junge Bäuerin. Von A. Croissant- Rust. Ein Blatt aus der Geschichte der Revolution in Deutschland. II. Als Beitrag zur Geschichte der deutschen Revolution lassen wir noch einige Aufzeichnungen aus August Röckels Buch folgen:„ Aus dem Grabe eines 48er Revolutionärs". Leipzig, Gustav Gohlke, Kommissionsverlag Theodor Thomas. Wir haben diese Schrift und das Schicksal ihres Verfassers in letter Nummer eingehend gewürdigt. Die Ereignisse des Jahres 1848 trafen mich als Königlichen Musikdirektor beim Hoftheater zu Dresden, welche Stelle ich seit fünf Jahren bekleidete. Mein vielbewegtes Leben hatte mich schon in früher Jugend zum unmittelbaren Zeugen großer politischer Ereignisse gemacht, die nicht ohne dauernde Einwirkung auf mein ganzes Fühlen und Denken bleiben konnten. Aus Aachen, wo ich bereits als Schüler in die widerlichen Zänkereien zwischen Katholiken und Protestanten eingeweiht wurde und eine gründliche Verachtung aller Formel- und Scheinreligion einsog, war ich anfangs 1830 noch früh genug nach Paris gekommen, um die Bedeutung der an mir vorüberbrausenden Julirevolution begreifen zu können. Im Laufe der nächsten unruhvollen Jahre führte mich der Zufall auch in die Kreise spanischer und portugiesischer Flüchtlinge ein, deren Erzählungen meinen Haß gegen Willkür und Heuchelei noch verstärkten- ein Gefühl, das nicht wohl gemildert werden konnte durch den Anblick der vielen nach dem heldenmütigsten Kampfe aus dem Vaterland vertriebenen Polen. Nachdem so mein Herz mit Bitterkeit erfüllt worden war durch das frevelhafte Gebaren der Herren von Gottes Gnaden", führte mich das Jahr 1832 nach England, wo ich an der großartigen Reformbewegung erkennen lernte, wie die tiefgreifendsten staatlichen Umwandlungen sich leicht und friedlich vollziehen können, sobald die Regierung nur ihre Stellung als Dienerin des Staates begreift. Im langvermißten Vaterland, wohin ich 1838 zurückkehrte, fand ich nicht weniger als 36 verschiedene„ Völker", denen der deutsche Nachbar jenseits der bunten Grenzpfähle schon ein„ Ausländer" war. An ihrer Spiße dieser maskeradenhafte Flittertand, dieser findlich- feierliche Pomp, dieses ganze ebenso niedliche als wichtigtuende Treiben der Höfe; diese hohle Aufgeblasenheit eines Adels, der, statt dem Volke ein Führer und Vertreter zu sein, bei vollständigstem Mangel alles ernsten, höheren Strebens sein Spiel nur mit Bändchen und Kreuzchen und Sternchen, mit Frivolitäten der läppischsten, wenn nicht der verwerflichsten Art hat; diese brutale Wiltür der Regierungen nach innen, ihre Ohnmacht nach außen und ihr verächtliches Kriechen jetzt vor dem nordischen SchirmHerrn wie dereinst vor dem korsischen Eroberer; dieser probige Übermut des Militärs und des Beamtentums; und alledem gegenüber dieser Mangel alles Selbstgefühls, diese Schafsgeduld und fnechtische Ergebenheit des Voltes! So ist es denn leicht begreiflich, daß meine Seele der gewaltigen, erlösenden Bewegung der Märztage wonnetrunken entgegenschlug und jubelnd den finsteren Alp abschüttelte, der sie schwerer wohl bedrückt hatte als viele andere. Das immer fühnere Auftreten der Reaktion drängte zum Erweden und Zusammenfassen aller Widerstandskräfte, und um auch meinerseits in etwas hierzu beizutragen, begann ich im Herbst 1848 die Herausgabe wöchentlich erscheinender kleiner„ Voltsblätter", die, lediglich der Besprechung der wichtigsten Zeitfragen gewidmet, wohl mehr infolge ihrer schnellen Verbreitung als megen ihrer etwaigen inneren Bedeutung die Aufmerksamkeit der Staatsanwaltschaft so sehr auf sich zogen, daß beinahe die Hälfte der Nummern mit Beschlag belegt wurde, ohne daß diese Konfiskation auch nur in einem einzigen Falle zu einer gerichtlichen Verhandlung geführt hätte.... Es tamen die Oktobertage Wiens mit dem Bombardement der Stadt, der Hinmordung Robert Blums, Mesfenhauers, Bechers, Jellineks usw. und all den anderen Greueln; es tamen die Novembertage Berlins mit der Sprengung der preuBischen Nationalversammlung, es tamen allerwärts die von oben herab nicht nur geduldeten, sondern beschönigten und gutgeheißenen Militäregzesse gegen die Bürger; und wer bis dahin noch keine Reaktion gesehen", dem sprang fie jest stahlgerüstet und blutо 1913 triefend in die Augen. Die flar borliegende Absicht der preußischen Machthaber zu Berlin, die Bewegung ebenso im Blute zu ersticken, wie das soeben in Wien geschehen war, beranlaßte mich, einen eindringlichen Mahnruf an das preußische Militär in zahlreichen Abdrücken an den Ort des erwarteten Kampfes zu senden. Einige zufällig in Dresden verbreiteten Exemplare dieses " Offenen Briefes an die Soldaten" zogen mir eine sehr zwecklose Untersuchungshaft zu, die jedoch infolge der dadurch hervor gerufenen Aufregung nur drei Tage währte. Es hatte sich kaum die Nachricht von meiner Verhaftung und ihres Grundes in der Stadt verbreitet, als ein mir persönlich ganz unbekannter Gutsbesizer sich auf das Gericht begab und eine Raution von 10 000 Talern für meine sofortige Freilassung deponierte. Ich kann den Namen dieses Edlen hier nicht verzeichnen, denn selbst zur Stunde ist er mir noch unbekannt. Unser aller Stimmung war damals eine so gehobene, opferfreudige, daß Handlungen wie die eben erwähnte weder besonderen Dank noch Bewunderung zu erwarten berechtigt schienen. Wo der eine seine ganze Kraft, seine Freiheit, ja sein Leben in die Wagschale warf, was Wunder auch, wenn ein zweiter sein Vermögen einsette? Jetzt freilich rechnen wir bedächtiger, und darum eben wird die Tat des Unbekannten einen Maßstab liefern für die Begeisterung jener großen Tage. Die Kaution wurde wenn auch ohne Berechtigung, da ich dem Gesetz nach auch ohne sie freizugeben war angenommen, und einige Freunde brachten mich spät abends zu meiner ängstlich harrenden Familie zurück. Die Gesinnungsgenossen hatten beschlossen, den in meiner Freigebung momentan errungenen Sieg des Rechtes zu verherrlichen. Für die von den Polizeibehörden untersagten Fackeln mochte es immerhin als wertvoller Ersaz gelten, daß einige zwanzig Gar disten der königlichen Leibwache, um offen die Gesinnung des Militärs auszusprechen, der zu gewärtigenden Strafe ungeachtet die Schloßwache verließen und den Zug eröffneten. * * * Meine persönliche Beteiligung an dem Maikampf war durch eine Verkettung von Umständen eine sehr geringe. Die radikal ausgefallenen Wahlen hatten mich als Abgeordneten in den Landtag gebracht. Obgleich ich dadurch gegen eine Wiederverhaftung geschützt war, rieten mir meine Freunde, daß ich mich auf einige Tage von Dresden entferne, bis die Absichten der Regierung sich herausgestellt haben würden. Wohl hatte man längst allgemein gefühlt, daß die Reaktion es zu einer Entscheidung durch die Waffen treiben wolle, und war auch fest entschlossen, die Herausforde= rung anzunehmen; allein der gänzliche Mangel einer festen Or ganisation der deutschen Demokratie verhinderte auch ein planvolles Zusammenwirken, ein gleichzeitig energisches Auftreten. In jedem deutschen Lande blickte man gespannt nach rechts und links und erwartete von den anderen nicht sowohl nur das Zeichen zum Handeln als vielmehr auch die rettende Tat selbst. In der Kammersißung, in der die Regierung die Auflösung des Landtags vornahm, wurde ich benachrichtigt, daß ich wahrscheinlich beim Verlassen des Hauses verhaftet werden würde. Die Freunde drangen auf meine sofortige Entfernung, solange das Mandat des Abgeordneten mich noch schütte. Die Rückkehr in meine Wohnung schien unter den angenommenen Verhältnissen nicht mehr rätlich und so hatte ich an jenem Morgen, ohne es zu ahnen, auf beinahe dreizehn Jahre Abschied von meiner Familie genommen. Ich begab mich zu einem Freunde, um dort mit einigen anderen über die nächsten Schritte zu beraten. Anfangs gewillt, nach Berlin zu gehen, von dem wir immer noch erwarteten, daß es die Initiative ergreifen werde, bewog mich Bakunin, Prag zu be suchen. Durch Rücksprache mit den dortigen Demokraten sollte ic) cin vorzeitiges Ausbrechen des Aufstandes verhindern. Sobald ich in Prag die Nachricht von dem in Dresden tatsächlich ausgebrochenen Kampfe erhielt, eilte ich mit der nächsten Post dorthin zurück. Zahlreiche Zuzüge belebten den Weg durch Sachsen. In allen Ortschaften war die Bevölkerung versammelt, um über ihre Haltung zu beraten, und allerwärts hatte man sich bereits für die kräftige Unterstüßung der Boltssache entschieden oder war im Begriff, es zu tun. Schon in weiter Entfernung von Dresden bernahm man das Dröhnen der Geschüße, näherhin das Stürmen der Glocken und Knattern des Gewehrfeuers, bis endlich von den Ichten Anhöhen aus die Stadt selbst ersichtlich ward, aus der zwei Rauchsäulen in den hellen Maihimmel emporstiegen; das alte 66 Für unsere Mütter und Hausfrauen Opernhaus, von Unbekannten angezündet, und ein von den Preußen in Brand gestecktes Privathaus standen in Flammen. Der Bostwagen mußte vor dem Tore halten, denn Barrikaden ver sperrten den Eingang und weiterhin alle Straßen von dieser Seite. Um einen schmerzlichen Auftritt in meiner Familie, die mich noch fern glauben sollte, zu vermeiden, begab ich mich gar nicht in meine Wohnung, sondern gleich auf das Rathaus. Es verstand sich bon selbst, daß ich mich gleich der provisorischen Regierung zr Verfügung stellte. Die Straßen bofen einen Anblick, wie er mir nach der Julirevolution in Paris nicht mehr ganz neu war und bei ähnlichen Gelegenheiten in seinen Hauptzügen sich wohl überall wiederholt. Der Kampf ein Häuserkrieg, bei dem die Feinde einander fast nie offen gegenüberstanden war noch auf die Straßen unt das Schloß und den Neumarkt beschränkt. In den entferntesten Stadtteilen erblickte man zwischen verrammelten Häusern, geschlossenen Läden und müßigen Barrikaden die gewöhnlichen Gruppen von ängstlich gespannten Neugierigen und einzelnen Bewaffneten. Obwohl in der Stadt aller Verkehr wie alle Gewerbetätigkeit unterbrochen war und selbst die Bäder feierten, trat glücklicherweise kein Mangel an Lebensmitteln ein, denn bis auf weite Entfernung sandten die umliegenden Ortschaften infolge der Aufforderung des Stadtrats reichliche Gaben an Brot, Fleisch und Gemüsen. Bedenklicher war die rasche Abnahme i3 geringen Vorrats an Pulver. Bei dem vollständigen Mangel an Organisation auf seiten des ganz unvorbereitet überraschten Welles war eine feste, einheitliche Leitung unmöglich. Dem Kommandanten fehlte jedes Mittel, um einen bestimmenden Einfluß auf den Gang des Kampfes auszuüben. Jeder handelte nach seinem eigenen Ermessen, kam und ging, besetzte oder verließ einen Bosten, rie es ihm gefiel. Um ein solches Chaos in kürzester Frist zu sichten, zu ordnen und in einen sicher wirkenden Organismus zu verwandeln, dazu gehörte ein revolutionäres Genie, wie es sich eben unter den Mitgliedern der provisorischen Regierung nicht befand. An Gefangenen mangelte es uns nicht, und mancher, dem der Zufall Gelegenheit bot, aus eigener Erfahrung die Behand lung der Gefangenen auf beiden Seiten kennen zu lernen, wird die Bemerkung gemacht haben, daß wir keineswegs lüstern waren, mit den Werkzeugen der„ legitimen" Gewalt um die Palme der Brutalität und Grausamkeit zu ringen. Mit den gefangenen Soldaten verfuhr man sehr einfach: man entwaffnete sie und ließ sie frei umhergehen. Kämpften sie ja doch nur gezwungen gegen uns und fiel es feinem ein, die gewährte Freiheit zu mißbrauchen, um wieder auf die andere Seite zu gelangen. Während meiner Abwesenheit trafen mehrere Zuzüge ein, darunter einer, dessen Anführer erklärte, daß sie nicht gekommen seien, uur zu fämpfen, sondern um das Eigentum zu schüßen. Daran hatte fürwahr bis zur Stunde niemand gedacht, denn keinem war es beigefallen, daß in diesem Kampfe, wo es sich um das höchste Gut der Nation handelte, das„ Eigentum" bedroht sein könnte. Und wahrlich, nie war es sicherer gewesen als unter der Obhut des bewaffneten Volfes. Selbst die Professionsdiebe, an denen es auch in Dresden nicht mangelte, schienen verschwunden zu sein. Der Gesunkenste fühlte, daß es hier einer großen, heiligen Sache gelte, die nicht entweiht werden dürfe; was ihm längst entschwunden war: der Ehrgeiz, die Selbstachtung erwachte wieder in seiner Brust, und er huldigte der Freiheit durch die überwindung seiner selbstischen Gelüste. Dieser veredelnde Einfluß einer allgemeinen, Geist und Herz aufs tiefste ergreifenden Volksbewegung bekundete fich übrigens nicht etwa jebt, im Augenblick des entscheidenden Kampfes erst, sondern hatte seine wunderbare Macht gleich von ersten Anfang an geäußert. Die nicht zu bestechende Kriminalstatistik lieferte in dieser Beziehung die trefflichste Erläuterung zu jenem lügnerischen Klagen der Reaktion, nach welchem ein steigender Verfall von Tugend und Recht, eine allgemeine Demoralisation die unmittelbarste Frucht solcher großer revolutionärer Bewegungen sein soll. In Sachsen war von den Märztagen 1848 bis zur Mitte 1849 nicht ein Mord vorgekommen, während vor wie nach dieser Periode kein Jahr verging, das nicht acht bis zehn und mehr solcher Bluttaten verzeichnete und die Zahl der Eigenfums- wie sonstiger Verbrechen war auf weniger als zwei Drittel herabgefunken. Das gleiche wurde durch ganz Deutschland beobachtet. 0 0 0 Etwas von der Kinderkleidung. II. Das oberste Gesetz für die Kinderkleidung ist wie wir bereits betont habenamedmäßig au sein. Unter dieser Forderung ver stehen wir, daß die Kleidung die Kinder schützt, soweit das notwendig und möglich ist, daß sie aber dabei ihren Körper bei Spiel, Nr. 17 Arbeit und Ruhe, furz bei allen Lebensbetätigungen tunlichst wenig hindert. Die Erfüllung dieser Forderung scheint eine platte Selbstverständlichkeit, jedoch jeder Blick in die Wohnungen und Schulen, auf Spielpläte usw. lehrt, wie weit die Praxis von ihr entfernt ist. Nicht zum wenigsten deshalb, weil so viele Mütter nicht begreifen wollen, daß die Kinder nicht der Kleider wegen da sind, sondern die Kleider der Kinder wegen. Was unswedmäßige Kleidung und dazu gehört auch der teure"," schöne", besonders fehonungsbedürftige Anzug gegen die Gesundheit, die Lebensfreude, die Entwicklung von Körper und Seele der Kinder sündigt, Die von mi teele das läßt freude ich die liebe Muttereitelfeit nicht fräumen. Wir sagten, die Kleidung solle die Kinder schüßen, soweit es notwendig und möglich ist. Damit möchten wir die Mütter davor warnen, den Körper ihrer Jungen und Mädchen zuviel einzuhüllen, mit überflüssigen Kleidungsstücken zu behängen und die einzelnen Kleidungsstücke hübsch" lang, schwer und faltig zu wählen, damit fie„ gut warm halten". Als Unterkleidung genügt ein kurzes Hemd oder besser eine Hemdhose, die unserer Meinung nach ärmellos oder wenigstens kurzärmelig sein und nicht über das Knie gehen sollte. Wollene Unterkleidung ist gerade für Kinder sehr emp fehlenswert, weil diese sich beim Laufen und Spielen leicht erhizen, und Wolle bekanntlich als schlechter Wärmeleiter einer zu raschen Abkühlung des Körpers vorbeugt. Aber die Mutter muß fich flar darüber sein, daß die Verwendung wollenen Leibzeugs feine Ersparnis an Wasch- und Reinigungsarbeit bedeutet. Soll wollene Unterkleidung ihre Vorzüge bewahren, so muß sie häufig gewechselt und gelüftet werden das letztere am besten in dec heißen Sonne so ist sie gründlich und vorsichtig zu waschen, so daß der Stoff nicht filzig und hart wird. Es gibt kaum etwas Unsaubereres als nicht genügend gewechselte und gereinigte wollene Leibwäsche. J 7 Unterröde sind nach unserer Ansicht ein überflüssiges Ding. Sowohl für die jüngeren Kinder, bei denen die Kleidung für beide Geschlechter die gleiche ist, wie später für die Mädchen. Keine Mutter sollte sich durch die Freude an den„ niedlichen" Stickereien, Spißen und Falbeln dazu verleiten lassen, ihr Jahresfind", ihr fleines oder großes Mädchen mit dem Stoffballast der Unterröcke zu beladen. Zur Warmhaltung des Körpers ist er unnötig wenn die Kinder sonst hygienisch vernünftig gepflegt und gewöhnt worden sind dafür aber belastet er den Körper und fordert ihm größere Leistungen ab, wenn die Bewegungen nicht an Leichtigkeit, Geschicklichkeit und damit an Anmut verlieren sellen. Bei Spielen und Leibesübungen, die Behendigkeit, volle Bewegungsfreiheit der Hüften und Beine fordern, wo es gilt au laufen, springen, leffern usw., sind die leidigen Unterröde Hemmniffe, die dazu beitragen, daß das Mädchen meist mit seinen gleichalterigen Kameraden nicht wetteifern fann. Die Röde beschweren Hüften und Unterleib, fie baumeln um die Beine und stopfen sich zwischen ihnen zusammen; fie flattern beim schnellen Laufe um die Gestalt her, bieten dem zaufenden Winde Angriffspunkte und müssen mit ihrem Gewicht gegen den Widerstand der Luft mitgeschleppt werden; beim Klettern über Hecken und auf Bäumen hindern fie freie, kühne Bewegungen und schrecken durch die Gefahr des Hängenbleibens. Manch eine Mutter mag über diese Ausführungen den Kopf schütteln oder gar entrüstet sein. Das Mädchen braucht nicht zu laufen, springen, klettern, ringen usw. Ja, es soll das nicht tun. Das ist unweiblich und Sache der wilden Buben." Haben wir alle das nicht gehört und hören wir es nicht noch? Jedoch ein altes Vorurteil wird nicht dadurch richtiger, daß es gläubig weiter ge= plärrt wird. Daß das Mädchen seines Geschlechts halber auf viele Spiele und Übungen verzichten soll nur deshalb, weil sie kräftige und freie Bewegungen der Glieder auslösen das mag Gedankenlosen„ weiblich" dünfen, in Wirklichkeit ist es unmenschlich. Jawohl, unmenschlich, denn solche Anschauungen in das Leben übertragen, beraubt das Mädchen vieler schöner Kinderlust und schlimmer noch: arbeitet der Verkrüppelung leiblicher und seelischer Kräfte in die Hand. Spiel und Leibesübungen der Kinder sind von höchstem Werte; dadurch, daß sie Anforderungen stellen, entwickeln sie Kräfte und Fähigkeiten, helfen sie die Erwachsenen bilden und ausrüsten. Daher darf den Mädchen kein Spiel und feine Übung verwehrt werden, die dazu beitragen, förperlich fräftig und gewandt zu machen. Man vergesse bei dem allen das eine nicht: Leib und Geist sind eine untrennbare Einheit, und ihre Entwidlung steht in steter Wechselwirkung zueinander. Der hergebrachten Kleinbürgerlichen Vorstellung auliebe von dem, mas einem Mädchen ziemt und nicht ziemt", kann die Mutter ihrer Tochter Springen, Klettern, Ringen usw. nicht verbieten, ohne damit auch die vielgestaltigen Anregungen beiseite zu schie Nr. 17 Für unsere Mütter und Hausfrauen ben, die sich bei solchem Spiel der Muskeln und Nerven für den Geist und Charakter ergeben. Die starten, flinken, lebhaften, ziel ficheren Bewegungen, die dabei nötig werden; die Prüfung der Umgebung und Umstände; die Abschäzung von Entfernungen und Widerständen; der anspornende Wetteifer: all das jetzt auch die geistigen Kräfte in Tätigkeit und beeinflußt den Charakter. Sinne und Geist des Kindes lernen dabei, sich schnell mit gegebenen Dingen und Verhältnissen auseinanderzusetzen, um mit ihnen fertig zu werden, sie beherrschen zu können. Es entstehen starke Antriebe für den Willen, der sich auf ein bestimmtes Ziel richtet. Der Körper wird gewöhnt, rasch und sicher dem leitenden Willen zu gehorchen. Es gilt oft, Mut, Ausdauer, Kühnheit zu betätigen, wenn man vor den Spielgenossen bestehen will. Das sind wichtige Elemente für die Entwicklung des gesamten Wesens, die die Mutter dem Mädchen nicht vorenthalten darf. Und muß es nicht auch das im Leben so nötige Selbstvertrauen in die eigene Kraft erschüttern, die falsche Meinung von der Unterbürtigkeit des weiblichen Geschlechts großpäppeln, wenn die Tochter von flein auf erfährt, daß sie bei Freude und Kraft gebenden Spielen und Übungen als Schwache, Ungeschickte, Hilflose beiseite stehen muß? Arbeit und Kampf des Lebens heischen starke, denkende, selbstvertrauende Frauen; das fünftige Ge schlecht hat ein heiliges Anrecht auf Mütter, deren Leib und Seele nicht durch eine verkehrte Behandlung verkümmert sind. Gerade meil in der Arbeiterfamilie die Ungunst der sozialen Verhältnisse einer gefunden Entwicklung der Kinder schwerste Hindernisse entgegentürmen, ist es um so mehr Pflicht für die Mütter, nichts, aber auch gar nichts zu übersehen und zu vernachlässigen, was in ihrer Macht liegt, damit ihre Jungen und Mädchen kräftig und gewandt heranwachsen. Auch das scheinbar äußerliche und Unscheinbare kann für die Entfaltung des jungen Lebens von großer Bedeutung sein, In diesem Zusammenhang muß die Mutter verstehen zu prüfen, ob die übliche Unterkleidung der Mädchen zweckmäßig ist. Wir haben bereits in dem ersten Artikel hervorgehoben, daß die Kleiderfrage ein großes Stüd Erziehungsfrage ist. Um aber auf unseren Hammel den Unterrock zurückzutommen, so sollte die Mutter dieses überflüssige und lästige Kleidungsstück aus ihrer Kindergarderobe ein für allemal verbannen. Das jüngere Kind wie das ältere Mädchen ist genügend durch eine sogenannte geschlossene Hose geschützt, die an der Hemdhose angeknüpft werden kann oder auch an einem locker sitzenden Leibchen, das auf der Brust schließt, damit die Kinder so früh als möglich daran gewöhnt werden können, sich selbständig anzufleiden. Ob die Hose aus Leinen oder Wollstoff angefertigt wird, ob sie weiß oder farbig sei, das mag die Mutter mit ihren Ansichten über die Bedeutung wollener Kleidung, mit ihrem Geschmack und ihrem Geldbeutel ausmachen. Dagegen muß sie unbedingt daran festhalten, daß die Hose weit genug im Schritt ist, bequem um die Hüften sitzt und nicht als stoffreiche, türkische Pluderhose„ einen Rock ersetzt", mit anderen Worten: einen großen Teil seiner Nachteile hat. Was die Fußbekleidung anbelangt, so würden wir kurze Socken den langen Strümpfen vorziehen und Wolle der Baumwolle. Kurze wollene Socken ermöglichen eine bessere Umlüftung der Füße und vermeiden dadurch ihre Erhizung, sie beugen dem Wundwerden vor, das so oft als Folge verschwister, harter baumwollener Strümpfe auftritt. Bei Kindern, deren Füße leicht schwißen, scheint uns das kurze wollene Söckchen notwendig. Die Beine brauchen gewöhnlich so wenig wie Geficht oder Hände einen besonderen Schutz vor Erkältung. Im Falle von strenger Kälte aber und besonderen Gelegenheiten gibt es Gamaschen. Bei der Empfehlung der kurzen wollenen Socken denken wir noch an einen Vorzug. Die Kinder sollen sich soviel wie nur möglich im Freien tummeln. Dabei ist es unvermeidlich, daß sie sich ab und zu die meist so gefürchteten„ nassen Füße" holen. Wir dürfen die Kinder Mädchen wie Jungen nicht gewöhnen, ängstlich um jeden Regentümpel herumzulaufen und einen großen Umweg zu machen, um an die andere Seite eines Rinnsals zu kommen. Sie sollen es wagen, ohne Furcht vor Erkältung oder Mutters Schelte, übermütig durch eine Pfüße oder den Bach zu waten. Am besten barfuß, aber schließlich auch einmal im Spieleifer gestiefelt und gespornt. In kurzen wollenen Socken aber trocknen die Füße schnell und mit der geringsten Gefahr der Erkältung. Dieselben Erwägungen, die zugunsten der wollenen Socken sprechen, lassen als ratsam erscheinen, die Kinder wenigstens in der guten Jahreszeit Sandalen oder Halbschuhe tragen zu lassen. Nie aber dürfte eine Mutter ihren Kindern spike Schuhe oder Schuhe mit hohen Absägen geben. Solche Schuhe find Werkzeuge der Marter und Vertrüppelung für den Fuß. Wie scheußlich sie wirken, was sie aus 67 einem reizenden, underbildeten Kinderfuß machen, das tritt einem lebendig bor Augen, wenn man in den Wasser- und Luftbädern die erschreckende Zahl Füße mit verdrückten Ballen und Zehen fieht. Und folche Füße sind nicht nur häßlich, sondern sie sehen auch die Fähigkeit des Feststehens, Gehens, Laufens usw. herab, sie nehmen dem Gange von seiner Leichtigkeit und Anmut. Ehe wir uns mit der Oberkleidung der Kinder beschäftigen, wollen wir einen Einwand zurückweisen, der beim Lesen der vorstehenden Ausführungen gewiß mancher Mutter auf den Lippen geschwebt hat. Nämlich die Befürchtung, daß die empfohlene Art der Unterkleidung zu leicht" sei, die Kinder nicht genügend gegen die Unbill der Witterung schüße. Wir antworten darauf, daß Kälte, Regen, Witterungswechsel usw. bei leichter Unterkleidung nicht zu fürchten ist, wenn die Kinder hygienisch gepflegt werden, durch Waschungen und Bäder an Wasser und Luft gewöhnt sind.* Ihre Haut reagiert dann so rasch abwehrend auf die Einflüsse des Wetters, daß feine noch so dicke und schwere Einhüllung die Kraft ihres Schutzes zu ersetzen vermag. Dazu kommt noch, daß die leichtere Bekleidung kräftige Bewegungen ermöglicht, bei denen der Körper selbst genügend natürliche Wärme erzeugt. Solche Wärme ist aber gefünder und wohltuender als die künstliche Erhibung von außen durch lästige Kleider, eine Erhigung, die gerade bewirken kann, was sie vermeiden soll: Erkältung. 000 Für die Hausfrau. Kleid mit Tunika aus Kantenstoff. Auf dem Modemarkt erscheinen dieses Frühjahr sehr viele Kantenstoffe. Die eingewebten Kanten in einfachen Mustern, wie Kanten von bunten Stickereien schmücken außerordentlich. Wir bringen unseren Leserinnen ein Kleid dieser Art. 6 Meter Kantenstoff sind zur Herstellung erforderlich, für große Figuren 7 Meter. Das Unterkleid hat Reformschnitt, der Oberstoff für den Nock darf aber mur bis zur Taillenschlußlinie genau wie das Reformunterkleid geschnitten werden. Die StickereiBlusenBlusenRückenteil Vorderteil Rücken- Ansicht Reformkleid Hinterbahn Reformkleid Vorderbahn Tunika Stulpe Ärmel Schulter- Revers kanten, die den Schulterrevers bilden, und die schräge Tunifa werden auf das fertige Reformkleid drapiert. Die Bluse ant muß im deren Stelle auch aufgenähte Einsatzteile treten können Rücken und Vorderteil feine, lang genähte Stüfchen bekommen, sie wird im Rücken mit Druckknöpfen geschlossen. Der obere Schluß des Drapierten Rockteiles läuft unter dem Gürtel und schließt an der Seite. Ein breiter Samtgürtel im Farbenton der Kanten vervollständigt das moderne Kleid. Soll man noch erwähnen, daß jedes so schädliche Korsett oder Panzertragen bei dieser Schnittart unnötig ist? Den Schnitt vermittelt gegen Einsendung von 1 Mt. in N. R. J. Briefmarken die Redaktion. # Siehe die Nummern 14, 15, 16, 17 des 22. Jahrgangs. 68 68 Feuilleton Die junge Bäuerin.* Von Anna Croissant- Rust. Für unsere Mütter und Hausfrauen Langfam zogen die Wallfahrer über die staubige Landstraße heim; die Sonne brannte herunter wie im Juli, obwohl es schon Epätseptember war. Die Vogelbeeren hingen ihre grellroten Doldenfrüchte über den Weg, und auf den Wiesenhängen schnubberten die Kühe ihr Herbstfutter. Die Wallfahrer waren alle müd von dem weiten heißen Weg, am müdesten aber die junge Teschelbäuerin. Frisch war sie heute morgen mit den anderen ausgezogen und hatte wieder Mut und Hoffnung fassen wollen auf ihrem Gang zur Kapelle, während alles ringsum in Tau und Licht strahlte; nua schleicht sie trübselig heim, müder und stummer als die andern. Das laute, frische Gebet, das durch den Wald schallte, ist längst erstorben; die Eifrigsten ermannen sich wohl wieder, wenn sie an einem Kreuz vorbeikommen, und lassen betend die Rosenkranzperlen durch die Finger gleiten, aber nur als leises Gemurmel schleicht's in den Reihen fort:" Bitt für uns arme Sünder, jett und in der Stunde unseres Absterbens. Amen." Am liebsten hätte sich die junge Bäuerin an den Straßenrand in den Staub gesetzt, es war ihr, als könne sie sich kaum mehr vorwärtsschleppen. Der Weg stieg scharf bergan, man sah tief ins Tal hinunter, in dem der Fluß zwischen den steilen Hängen in großen Krümmungen zog. Ihr wurde schwindlig, wenn sie da hinuntersah, ihr Herz fing an zu schlagen, und die große Angst überkam sie wieder. Der Fluß wollte ihr nicht aus dem Sinn. War alles umsonst gewesen? Hatte sie umsonst vor dem Bild der schmerzhaften Mutter gefleht und um Trost gebetet? Mußte sie ihre große Last wieder weitertragen? Das Schluchzen saß dem jungen Weib in der Kehle, ihr Körper schien so schwer, wie wenn sie einen fremden Körper weiterziehen müsse. Und schauten nicht alle nach ihr, ahnten sie noch nicht, was sie bedrückte? Doch die setzten alle stumpf, fast widerwillig Fuß vor Fuß, niemand beachtete sie, niemand kümmerte sich um sie. Da traf sie ein Blick aus der Männerreihe, ihr Herz stand fast still, der Lechner! War der da? War der mit? Er war doch am Mor gen, er war vorhin nicht dagewesen! Wohin sollte sie sich verfriechen, wo konnte sie sich verbergen vor diesem Blick? Diesem stechenden, triumphierenden, begehrlichen. Weiß er es? Was will er sagen? Bitternd glitten ihre Blicke über ihr seidenes Brusttuch, ihre breite Schürze, dann hastete sie schwerfällig voraus, wie wenn sie ihm entfliehen wolle. Noch immer stieg die Straße an; die Waldberge drängten sich zusammen und dunkle Tannen rückten näher. Öde wurde es hier oben auf der Hochstraße, Felder und Wiesen verschwanden, alles war mit Heidekraut bedeckt, aus dem die roten Büschel des Heidelbeerkrauts leuchteten. Zerzauste graugrüne Wacholderbüsche tauchten plötzlich da und dort dicht am Abhang, auf, zu Dutzenden standen sie dann wieder durcheinander am Rain wie kleine, berfrümmte Wichtelmännchen. Ein kalter Wind wehte hier oben, und die junge Frau schauderte, als sie in den schwarzen Tannenwald eintraten, hinter dem die Sonne wie ein großer düsterroter Ball hing. Man hörte keinen Tritt auf den Nadelpolstern, feines sprach, wie bei einem Begräbnis schlichen die Müden durch die beginnende Dämmerung. Außerhalb des Waldes trennten sich ein paar Weiber vom Zug und verschwanden in den Einödshöfen rechts und links der Straße. Noch immer sind diese niederen Häuser mit dem breiten Dach, das zum Schutz gegen den„ böhmischen Wind" mit Steinen beschwert ist, der jungen Bäuerin etwas Unheimliches und Fremdes. Fremd sind ihr die hohen Holzstöße um die kleinen Fenster, fremd sind ihr all diese strohblonden, stumpfen, wortkargen, langsamen Menschen, sie flößen ihr Scheu ein, rufen ihr Heimweh wach nach der hei= teren Vaterstadt in der reichen Ebene. Nie würde sie es zwischen diesen düsteren Bergen ausgehalten haben, wenn sie ihren Mann nicht gehabt hätte. In ihm kam das fränkische Blut der Voreltern wieder hoch, er war flug, lebhaft, rasch, von ganz anderem Schlag als dies schwere, feindselige Volt. Hätte er, der viel ältere, sie so rasch erobert und ihr das Heimweh nach den stroßenden Obstbäumen und Gärten ihrer Heimat vergessen machen? Freilich jetzt, nach seiner schweren Krankheit, wo er gelähmt im Stuhle sitt und kein verständliches Wort sprechen kann, wo sie ihren großen Kummer trägt, den sie keinem sagen kann, überkommt sie ihre alte * Aus Anna Croissant- Rust: Arche Noah. Erzählungen. München und Leipzig, verlegt bei Georg Müller. Nr. 17 Furcht und ihr alter Abscheu wieder. Sie haßt dies Verlotterte, Dunkle, Unheimliche, sie haßt diese trägen, wortfargen Menschen, die Berge machen ihr bange. Wie nur die kleine Kapelle vorn am Abhang hängt! Ein struppiger Fichtenbaum steht nebendran, der wie ein zerzauster, verscheuchter Vogel aussieht! Um das Mauerwerk der Kirche und den Stamm des Baumes sind Totenbretter aufgeschichtet, wie es Sitte im Wald" ist; sie schauen ebenso grau und verwittert aus wie der alte Bau. Zerrissen, geborsten, gc= spalten, die Schrift kaum leserlich. Einige sind schief gerutscht oder verkehrt gestellt, mit der Inschrift nach unten, ein paar leuchten noch in grellen Farben und stechen mit den gelbroten Flammen des Fegefeuers und der Hölle, mit ihren bettelnden Armenseelen aus der Verwitterung heraus. Wo mögen die sein, die vor ihrer Ruhe in der Erde darauf gebettet wurden? Jahr um Jahr hat man die Bretter der alten Sitte gemäß hier angelehnt und angehäuft, keiner kümmert sich weiter drum. Das eine oder andere Mal hängt ein Kind einen Vogelbeerzweig, ein Büschel Heidekraut wie im Spiel daran. Die Sonne bleicht, der Megen verwäscht sie, daß sie bald grau und farblos aussehen wie alles ringsum. Wie ein Kirchhof erscheint in der beginnenden Dämmerung der jungen Väuerin die Stätte, sie zieht ihr rotes Tuch fester um die Schultern; da fällt ihr Blick auf ein Brett bor ihr, auf einen Vers sie will sich abwenden, will nicht weiterlesen, aber wie im Bann kehren ihre Augen immer wieder zurück. So lauten Inschrift und Vers: „ Auf diesem Brett ist gelegen die tugendsame Barbara Braun, Gütlerin von Gutmaning; sie wurde geboren 13. Januar 1860, gestorben den 4. Dezember 1881, als sie war bald 22 Jahr. R. I. P. Für heimliches Vergehen Stach sie mit Schlangenbissen Ein umbequemer Worm, Das strafende Gewissen. Entfleuch ihm, wenn du kannst, Er fommit ins Schlafgemach, Er kommt dir überall, Auch auf dem Lustplatz nach. Und daß kein Augenblic Dein armes Herz erfrische, So wird die Angst dein Gast Und sitzt mit dir zu Tische." So alt wie sie. Trug sie auch ein fremdes Kind unterm Herzen wie sie? Mußte sie auch mit diesem fremden Kind unterm Herzen vor ihrem kranken Manne herumgehen wie sie? Und litt sie auch dieselben Qualen? Und daß kein Augenblick Dein armes Herz erfrische. Konnte sie denn noch lange vor seinen Augen herumgehen? Wie lange fonnte sie es überhaupt noch verbergen? Und wenn er's nicht sicht, wie bald werden es all die Feindseligen merken, die ihren Groll kaum verbergen können, für die sie nur der Eindringling ist, der fremde Vogel, auf den losgehackt werden muß! Die Bäume ringsum schwanken, die Äste der Tannen, vom Wind gezerrt, fuchteln in der Luft herum, wie ein drohendes Auge glüht das Lämpchen aus der Kapelle. Sie will fliehen, aber sie bricht in die Knie, und wieder kommt dies wilde Schluchzen über sie wie draußen am Gnadenort, ein Schluchzen, das sie nicht enden kann und das heraus muß, soll sie nicht ersticken. Gleichgültig plappern die Weiber neben ihr weiter. Sie fennt ihre Gedanken! Oh, die! Soll nur weinen, die Teschelbäuerin, sie hat allen Grund dazu. Wenn man einen lahmen Mann zu Haus hat, der kein Wort mehr redet, anstatt des gesunden, stattlichen, den man geheiratet hat, und wenn einen schon kein Mensch mag da soll man nur weinen und beten Tag und Nacht. Was denn sonst? Sollten sie etwa die bockische Bäuerin trösten, die von Anfang an niemand ein gutes Wort gönnte und den Kopf hoch ge tragen hat, weil sie sich besser dünkte? Die sollt' nur wieder ins Fränkische gehen, weil's ihr hier nicht paßte und weil sie wie vom Himmel gefallen unter ihnen herumging, sollte sich nur dort trösten lassen, hier fiel's keinem ein! Die heulte ihnen lang gut, nicht ein mal den Hals drehten sie nach ihr um! Das waren ihre Gedanken, oh, sie wußte es nur zu gut! All die Gleichgültigkeit, Gehässigkeit und Dumpfheit legten sich auf die Kniende, daß sie wie unter einer Last niederzufallen drohte und kaum auf die Füße fam, als sie sich wieder zum Gehen wendeten. ( Schluß folgt.) Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Betfin( Bundel). Wilhelmshobe, Boft Degerloch bei Stuttgart. Drud und Verlag von J. S. W. Diez Nachf. 8.m.b.8. tn Stuttgart.