Für unsere Mütter und Hausfrauen Nr. 21° 。。。。。。。 Beilage zur Gleichheit oooo Inhaltsverzeichnis: Das Korsett und die Frauenkleidung. Von Felix Linte. Für die Hausfrau. Feuilleton: Hamza und Hanifa. Von Gustaf Janson. Das Korsett und die Frauenkleidung. Als uns der Lehrer in der Schule von den chinesischen Frauen erzählte, die ganz kleine Füße für eine besondere Schönheit hielten und ihre Füße sogar durch Zwangsmittel verkrüppelten und am Wachstum hinderten, haben wir Jungens über die Dummheit der Chinesinnen furchtbar gelacht. Wir verstanden nicht, wie jemand so unvernünftig sein kann, seine gesunden Glieder zu verkrüppeln nur um eines vermeintlichen Schönheitsideals willen. In der Tat, betrachtet man die Sache vom gesundheitlichen und physiologischen Standpunkt aus, so kommt man zu der überzeugung, daß es ein linsinn sondergleichen ist, gerade diejenigen Gliedmaßen so schlecht zu behandeln, die so ziemlich die größte mechanische Leistung des Körpers zu vollbringen haben. Müssen doch die Füße das ganze Gewicht des Körpers stundenlang ununterbrochen tragen und für seine Bewegung und Fortbewegung sorgen. Man sollte meinen, daß man diesen überaus wichtigen Organen sogar eine ganz besondere Pflege angedeihen lassen müßte. Leider geschieht das durchaus nicht. Gerade die Füße werden von den Menschen allgemein sehr vernachlässigt, wie die vielen Fuß- und Beinleiden zeigen, von denen die Menschheit. geplagt wird, und man braucht nicht nach China zu gehen, um scheußlich verunstaltete Füße zu sehen. Von meinen Mitschülern sind sicherlich die meisten in das Leben hineingewachsen, ohne für sich die Lehre fruchtbar zu machen, die ihnen damals geboten wurde. Auch der Herr Oberlehrer, der selbst so weidlich mit seinen Schülern lachte, hat daraus nicht die so naheliegende Folgerung gezogen. Ich erinnere mich nämlich genau, wie der gute Mann in dem kleinen schlesischen Städtchen, in dem ich damals zur Schule ging, mit seiner festgeschnürten jungen Frau herumspazierte. Fest geschnürt! Das ist es. Wir lachen über die Dummheit der Chinesinnen, die bloß ihre Füße verkrüppeln, und dulden die blöde Eitelkeit unserer Frauen, die ihren Rumpf verkrüppeln. Denn nichts anderes tun sie, wenn sie sich das Folterwerkzeug des Korsetts um den Leib schnüren. Ich kenne die von der Natur nicht schlecht bedachte Tochter eines wohlhabenden Landarztes, die sich unter Beihilfe ihrer Mutter das Korsett so fest preßt, daß sie des öfteren ohn= mächtig wird. Damit sie wieder zu sich kommt, gibt ihr dann der Vater ein Pülverchen zu schlucken, statt die Ursache zu beseitigen: das entseßliche Schnüren. Wenn das am grünen Holze geschieht, was kann man da von denjenigen verlangen, die nicht die anatomischen und medizinischen Kenntnisse besitzen, über die ein Arzt verfügt? Die Frage des Korsetts in ihrem ganzen Umfang ist vor einiger Zeit in einem wertvollen Buche behandelt worden, das bei Eugen Diederichs in Jena erschienen ist:" Die Kulturdes weiblichen Körpers als Grundlage der Frauen= kleidung". Sein Verfasser, ein Künstler, Professor Paul Schulze- Naumburg, legt darin an der Hand von über 100 Bildern die Unsinnigkeit unserer modernen Frauenkleidung dar und beweist, daß sie nach dem anatomischen Bau des Frauenförpers nicht so sein darf, wie sie ist. Das ganze Buch ist eine einzige große Anklage gegen den Rockbund und vornehmlich gegen das Korsett, das nicht bloß die Körper der Frauen berbildet und ver= unstaltet, sondern auch gesundheitlich schwer schädigt. Wir wollen dem Verfasser bei seinen Darlegungen folgen. Schulze- Naumburg zeigt zunächst, daß der männliche und der weibliche Körper im Aufbau der Knochen und Muskeln nur wenig Unterschiede aufweist. Die Umrißlinien des Oberkörpers von den Achseln bis zu den Hüften verlaufen in weicher Wellenlinie, im großen und ganzen aber parallel, und zwar in fast gleicher Weise beim männlichen wie beim weiblichen Körper. An dem Knochengerüst eines unverbildeten männlichen und weiblichen( 1. Bild) Körpers läßt sich das im einzelnen sehr genau verfolgen. Die Bedeckung des Knochengerüstes mit Muskeln und Haut( 2. Bild) ergibt eine Körperform, die ihre schmalste Stelle durchaus nicht dort hat, wo nach der landläufigen Vorstellung die„ Taille" sitt, sondern höher. Sehen wir uns dagegen an, wie im allgemeinen eine Frauengestalt auf der Straße aussieht. Unser 3. Bild zeigt 1913 uns das. Zeichnen wir die Konturen nach, so bekommen wir das Schema Bild 4. Die starke Linie gibt den Umriß der Frau an, während die punktierte Linie zeigt, wie sie aussehen würde, wenn ihr Körper unverbildet wäre. Die allgemeine rohe Vorstellung von der Form des Frauenoberkörpers entspricht einem auf die Spitze gestellten stumpfen Kegel, der dort auf den Hüften" auffißt, wo die Darmbeinschaufeln J( 1. Bild) sind, die dann weit vorspringen. Von den Hüften aus aber verengt sich die Umrißlinie nach unten ci.. S.S.A รวบ 1. Bild. Knochengerüst R 2. Bild. Mustelbedeckung des unverbildeten weiblichen Körpers. wieder. Unser Bild von dem wahren Frauenkörper dagegen zeigt, daß die weiteste Stelle der Umrißlinien über dem Rollhügel R der Oberschenkelknochen liegt und nicht über einem Beckenknochen, daß also die Darmbeinschaufeln J nicht der weitest vorspringende Punkt des Körpers sind. Die Verbildung der Hüftpartie wird nicht allein durch die Einschnürung der Taille hervorgerufen, sondern auch durch die Herabdrückung des Rollhügels R, die noch bewirkt, daß die Oberschenkel innen auseinanderklaffen. Beim Manne aber wie beim Weibe berühren sich die normalen schönen Beine in der Länge des Oberschenkels. Wo trop des Korsetts die Beine einer Frau geschlossen bleiben, tritt als Folge des Schnürens der Taille die X- Beinigkeit auf, eine Beinform, die leichtes, kraftvolles Gehen hindert. Die„ breite Hüfte" der Frau 3. Bild. Straßenübliche Frauengestalt. 4. Bild. Die durch die Schnürung verur fachte Körpergeftalt unter der Kleidung. ist also eine ganz unnatürliche Erscheinung, die nicht bloß zu großen Unzweckmäßigkeiten führt, vielmehr auch vom ästhetischen Standpunkt aus ganz verwerflich ist. Doch zurück zur„ engen Taille". Wo diese aus dem unverbildeten Körper herausgeschnürt werden soll, muß das Korsett die dort liegenden Körperteile wegdrücken. Lägen an der Stelle Knochen, so würde das nicht so leicht gelingen. Dort liegen aber Weichteile: nämlich die Eingeweide der Bauchhöhle und die flachen Bauchmuskeln. Wohin werden diese gepreßt? Daß sie sich, ohne auszuweichen, völlig zusammendrüden lassen, glaubt wohl niemand. Die Lösung ist sehr einfach, und man erkennt sie sofort, wenn man die Seitenansicht eines ungeschnürten und eines geschnürten Kör 82 Für unsere Mütter und Hausfrauen pers betrachtet( 5. und 6. Bild). Ein Korsett preßt nicht bloß seitlich die Weichteile weg, sondern auch vorn und hinten, eben an allen Seiten. Die natürliche Folge ist, daß Bauch- und Rückenlinie eine Einbuchtung erfahren, so daß die Kleidung wie durch die punktierten Linien angedeutet aufsitzt. Dadurch werden die langen vorn lie= genden Muskelbänder bei w geknickt, die die Eingeweide tragen und im natürlichen Zustand nur eine leichte Wölbung des Bauches zulassen. Die Wirkung der Muskeln, die nicht bloß für die Schönheit, sondern auch für die Verdauung von höchster Wichtigkeit sind, wird lahmgelegt, die Eingeweide werden hinuntergepreßt und erzeugen einen häßlichen, dicken, wulstigen Bauch, während gleichzeitig der Hintere start hervortritt, denn schließlich verkrümmt der ständige Druck die Wirbelsäule. Das Ergebnis ist ein gänzlich verunstalteter, häßlicher Körper, dessen Aussehen geradezu Abscheu erregen muß, selbst wenn man von den geschaffenen Widerfinnigkeiten abfieht. Wenn sich beim Essen der Bauch ausdehnt und daß er das selbst bei mäßigem Essen tut, weiß jedes Kind, was muß da geschehen? Das Korsett hindert die Weitung, und so bleiben bloß zwei Möglichkeiten: entweder daß die Ausdehnung an anderer Stelle cintritt und auf die Organe drückt, oder daß die Nahrungszufuhr erschwert wird. Gewöhnlich tritt beides ein, damit aber entstehen auch ständige Beschwerden bei der Verdauung, Magenschmerzen und schließlich schwere Magenleiden. Auch die anderen gepreßten Organe die Leber, die Milz, die Nieren, die Lunge werden von dem Stande der Dinge in Mitleidenschaft gezogen. Und daß ein erheblicher Teil der Unterleibskrankheiten von Frauen auf das Konto Korsett zu setzen find, kann jeder hiernach leicht verstehen. Aber auch die Atmung wird durch das Korsett gestört und damit der Stoffwechsel herabge= setzt, der für den lebenden Körper von ausschlaggebender Bedeutung ist. Die Frauen pflegen den Nachweisen von der Schädlichkeit des Schnürens damit Frauenkörper. zu begegnen, daß sie sagen, sie trügen das Korsett„ nur ganz lose". Was darunter zu verstehen ist, schildert Schulze- Naumburg sehr anschaulich so: Vergegenwärtige man sich das Bild einer das Korsett anlegenden Frau. Ich will ganz absehen von dem wirklichen Schnüren nach dem Anlegen des Korsetts und annehmen, sie könnte es einfach ohne be= sondere Kraftanstrengung zuhaken. Sie streckt sich vor allem, zieht den Unterleib ein, hebt den Brustkorb so hoch, wie ihn auf die Dauer kein Mensch halten kann und benutzt einen Moment der tiefsten Ausatmung, um die Falle über den armen überlisteten Körper zu schließen. Sobald der Körper in seinen natürlichen Zustand zurückkehren will, preßt er sich gegen den Widerstand. Das geschieht nun morgens nach der Toilette, wenn der Körper kühl und nicht blutüberfüllt ist. Und nun stelle man sich gut vor, welche Bein für den naiven noch nicht von der Korsettgewohnheit betörten Körper es ist, wenn er im Zustand lebhafter Tätigkeit, förperlicher Anstrengung, Erhizung ringsum unausdehnbar um= schlossen ist. Eine hübsche Vorstellung, wie gepreßt, gefaltet, überhibt und gequält der Körper einer im Storsett tanzenden Frau sein muß. Und zu diesen Gelegenheiten wird ja das Korsett beſonders„ weit" getragen! Man kann dem Einwurf vom„ loſen Korsett" sehr gut durch die Gegenfrage begegnen: Welchen Zweck erfüllt ein loses Korsett? 5. Bild. Ungefchnürter 6. Bild. Geschnürter Aber beim Tanzen bewegen sich eigentlich nur die Beine. Wie nun erst, wenn eine geschnürte Frau sich einmal bücken soll? Das fann sie einfach nicht, denn das ließe das Korsett gar nicht zu. Man sieht solche Frauen daher auch niemals sich bücken, sondern stets knicksen. Eine Blume wird nicht gebeugt gepflückt, sondern in tiefster Kniebeuge, denn das Scharnier zwischen Becken und Oberschenkeln ist aufgehoben. Es ist weiter kein Wunder, daß Frauen, die mit Gewalt ihren Körper mißgestalten, bei der Erfüllung des wichtigen Gebäraktes die allergrößten Schwierigkeiten und Nr. 21 Schmerzen haben. Denn der Raum, den das werdende Kind einnehmen soll, ist schon durch die vom Korsett hinuntergepreßten Eingeweide angefüllt. Während ein unverbildeter weiblicher Körper nach der Geburt die früheren jungfräulichen Formen annähernd wieder annimmt, wird die Korsettfigur eines Weibes nach jeder Geburt häßlicher, die Bauchhaut faltiger und streifiger. Die hervorgehobenen Schädigungen treten zum Teil schon durch den bloßen Rockbund ein. Der in der Taille endigende Rock wird durch Zusammenschnüren am Hinabgleiten gehindert, er sucht seinen Halt über den Hüften und bewirkt ähnliches wie das Korsett, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt. Leider beeinflußt das verkehrte Schönheitsideal der Frauen und auch der Männer noch in anderer merkwürdiger Weise die Geftaltung des Frauenkörpers. Der„ engen Taille" entspricht eine riesenhaft breite Brust, eine sogenannte„ volle Büste". In der Tat ist aber der Körper ganz anders gebaut, als die„ üppige Frauenschönheit" vermuten läßt. Zwischen der ersten und vierten Rippe, wo man gemeinhin die„ Breite der Brust" Hinverlegt, ist in Wirklichkeit der Brustkorb so eng, daß die oberste Rippe in den Hals hinaufsteigt. Die wirkliche Breite des Brustkorbes und ebenso der Lungensäcke, die ihm in ihrer Form vollkommen folgen, liegt dicht über der Stelle, wo der Körper der Frau durch das Korsett zusammengeschnürt wird.... Die Atmung haben die unteren Rippen zu besorgen, nicht die oberen, also ausgerechnet die, welche frei entwickelt jede Taillenfigur unmöglich machen." Heutzutage täuschen die Korsettfiguren Brüste vor, die als Fleischmaffen ungeheuerlich sein müßten und freigelassen bis zum Bauch in unförmigen schwammigen Massen hinabhängen müßten. Solche Brüste besitzt keine stillende Frau. Aber jedes junge Mädchen, ja selbst solche, die kaum in das gebärfähige Alter gekommen sind, tragen eine Kleidung, die diese Riesenbrüste vortäuschen soll. Da= bei ist die schönste Form der Brüste die der ebenmäßig in den Brustkorb verlaufenden; sie sind fest und elastisch und bedürfen feines Stüßpunktes, wie ein Korsett das sein soll. Begünstigt werden heutzutage die Korsettfiguren der Frauen durch den völlig verbildeten Geschmack der meisten Männer, die sich an den Gestalten der wandelnden Modepuppen erfreuen. Sogar in Künstlerkreisen hat der verbildete Geschmack Eingang gefunden. Manche Bildhauer wagen es heute, Korsettfiguren zu meißeln und zu gießen, die klassischen Meister und die modernen echten Künstler schaffen dagegen die wundervollen ebenmäßigen Gestalten, wie sie die Natur bildet. Schulze- Naumburg zeigt durch Abbildungen, daß die Modefigur der Frauen der Gestalt eines Infektes gleicht. Nackt muß diese Figur abstoßend, widerlich aussehen, während sie mit den Modekleidern behangen bestaunt wird. Man sehe sich daneben die prachtvollen unverbildeten Körper an, deren das Buch eine Menge vorführt. Erst der Vergleich bringt recht zum Bewußtsein, wie häßlich der Körper durch das Schnüren wird. Man sollte aber weiter auch alle die schlagenden Ausführungen lesen, die Professor Schulze über die Wirkungen des Korsetts gibt, die Teintverwüstungen, die Verfärbungen des Gesichtes, der Haut überhaupt, die Ringe um die Augen und der= gleichen mehr. Die Frau, die sie aufmerksam liest, müßte ein für allemal von dem Wunsche geheilt sein, ein Korsett zu tragen. Wenn man einer Frau flar macht, wie ungefund das Korsetttragen ist, so hört man oft den Einwurf, daß ohne das Korsett Rückenschmerzen eintreten. Das mag stimmen, beweist aber nur, daß durch das Tragen des Korsetts schon schwere Schädigungen des Körpers eingetreten sind. Dieser kann in der Folge nicht einmal das Selbstverständlichste mehr erfüllen, nämlich sich selbst gerade halten. Natürlich kann eine Frau, bei der das der Fall ist, nicht plötzlich das Korsett weglassen. Sie muß allmählich noch zu retten suchen, was zu retten ist, und das Korsett loser und loser tragen, bis es schließlich ganz abzulegen ist. Natürlich wird sie dann auch ihre Kleider ändern müssen, wie überhaupt die Machart geändert werden muß, wenn kein Korsett getragen wird, und wenn der Rockbund verschwinden soll. Das ist aber eine unumgängliche Forderung. Um ihr zu genügen, bleibt nur übrig, die Schultern zu Trägern des Gewandes zu machen. Man darf nicht Rock und Taille trennen, sondern muß das Kleid als Ganzes herstellen lassen, als sogenanntes Reformkleid. Auch das Gewicht der Strümpfe und der Unterkleidung muß den Schultern aufgelegt werden. Das mag zuerst unbequem erscheinen, wenigstens der Frau, die lange Jahre, vielleicht seit der Jugend, Korsett und Rock getragen hat. Wer aber seine Mädchen von klein auf an die Reformkleidung gewöhnt, der wird bemerken, daß sie dabei prächtig gedeihen. Um im einzelnen zu sehen, wie schön die auf der Schulter getragene Reformkleidung sein und wie man fie anlegen fann - der Erfindungskunst und dem Geschmack sind dabei natürlich Nr. 21 Für unsere Mütter und Hausfrauen faum Grenzen gestedt, mag man sich an die angeführte treffliche Schrift wenden. übrigens dürfen wir uns nicht verhehlen, daß auch die Bewegung für Reform der Frauenkleidung zu mancherlei Erscheinungen geführt hat, die genau so schädlich sind wie das Korsett, dem der Krieg gelten sollte. Mit der Reform= tracht, den schlanken„ hüftlosen" Gestalten ohne Brust, sind allerhand Arten von„ Korsettersah" aufgetaucht, die genau solche Marterinstrumente sind wie das eigentliche alte Korsett, ja zum Teil noch komplizierter, schwerer und drückender als dieses. Dazu haben wir die langen" Panzer- und Fradkorsetts" erhalten, die wie man oft in den anpreisenden Zeitungsannoncen liest ,, alles wegschnüren" und gerade häufig unter der Reformkleidung getragen werden, damit der Körper die gewollte schöne Linie" gibt. An der Fabrikation des Korsetts und ähnlichen Dingen hängen viel zu starke wirtschaftliche, kapitalistische Interessen, als daß der Kampf gegen seine Schädlichkeit und Häßlichkeit leicht und kurz sein könnte. Und solange die kapitalistische Ordnung besteht, spielt die Konkurrenz um den Mann eine so starke Rolle bei allen Modetorheiten, daß auch bei den Frauen selbst die Predigt der Vernunft, Gesundheit und Schönheit nur sehr allmählich offene Ohren findet. Um so notwendiger ist es, daß der Kampf gegen das gefährliche und häßliche Korsett mit allem Eifer weitergeführt wird. Felix Linke. O O O Für die Hausfrau. " Vergiftungen durch rohes Hackfleisch sind bei Hize, zumal bei Gewitterschwüle nicht selten. Sie treten in den wärmeren Monaten meist nach dem Genuß rohen Hack- oder Schabefleisches auf, das fertig gekauft oder auch einige Zeit aufgehoben wurde, ehe es auf den Tisch fam. Bei heißem, schwülem Wetter ist die Luft mit zahllosen winzigen Lebewesen erfüllt, die sich beim Hacken und Schaben in großer Menge auf dem Fleische ansiedeln. Hier finden sie günstige Vorbedingungen für ihre Vermehrung beziehungsweise für die Erzeugung von Giftstoffen im Fleische. Es ist noch nicht einwandfrei festgestellt worden, wodurch die Krankheitserscheinungen verursacht werden, die unter Umständen dem Genuß rohen Hackfleisches folgen. Sie können die Wirkungen von Giftstoffen sein, die schon im Fleische enthalten sind, oder aber von Giften, die im Darm von den aufgenommenen Bakterien erzeugt werden. Das schnelle Auftreten von Vergiftungserscheinungen, nur wenige Stunden nachdem rohes Hackfleisch verzehrt wurde, läßt auf die unmittelbare Wirfung aufgenommener Giftstoffe schließen. Schwerere Anzeichen im weiteren Verlauf der Erkrankung würden sich durch die Tätigkeit schädlicher Bakterien erklären. Wahrscheinlich wirken zuweilen beide Arten der Gifte zusammen. Die leichteren Vergiftungserscheinungen sind: Unruhe, Mattigkeit, eingenommener Kopf, Übelkeit, Brechreiz. In schweren Fällen zeigen sich: Kopfschmerzen, Schwindelanfälle, Erbrechen, Durchfall, Rücken- und Nackenschmerzen, große Schwäche. Die Anzeichen der Erkrankung treten meist 4 bis 20 Stunden nach dem Genuß des infizierten rohen Schabefleisches auf. Die Gefährlichkeit der Vergiftung wird stark beeinflußt von der Menge des genossenen Fleisches, von dem Alter und der Widerstandsfähigkeit der Vergifteten. Jüngere Kinder, ältere und schwächliche Personen, so zum Beispiel Genesende werden durch die Fleischvergiftung besonders hart getroffen. Diese wird also gerade Personen verhängnisvoll, die zu ihrer Kräftigung das leicht verdauliche und nahrhafte Schabefleisch genießen. Demgegenüber ist daran festzuhalten, daß solches Fleisch nur ganz frisch, unmittelbar vor dem Genuß mit größter Sorgfalt hergestellt werden sollte. Ferner daß auch dann noch größte Vorsicht für den Genuß geboten ist. Am sichersten ist es zumal im Frühjahr und Sommer, das Hackfleisch gut durchzubraten. Wo dies im Hinblick auf den Magen Kranker, Schwächlicher nicht empfehlenswert ist, kann man es in Flocken in kochende Bouillon werfen und darin einige Minuten überwallen lassen. Auf die eine und andere Art werden im Fleisch enthaltene Bakterien und ihre Giftprodukte unschädlich gemacht. Feuilleton Samza und Sanifa.* Von Gustaf Janson. In allen Dingen hatte Hamza, den sie den Einfältigen nannten, zeit seines Lebens Glück gehabt. Das behauptete er oft genug selber. 11 * Aus Gustaf Janson Lügen". Geschichten vom Kriege. Verlag von Georg Merseburger, Leipzig. Der Verlag Merseburger macht sich durch die 83 „ Allah hat sich seinem Diener gnädig erwiesen," waren seine Worte. Und dann fügte er hinzu:„ Selig sind, die reines Herzens sind." Jetzt war er sechzig Jahre und wohnte mit seiner gleichfalls bejahrten Hanifa in einer kleinen Lehmhütte vor dem westlichen Stadttor. Wenn er in seinem Garten saß, hatte er auf der andern Seite einen abschüssigen, sandigen Bergrüden und den seit langem wieder verschütteten Wallgraben hinter sich. Während der Regenzeit füllte sich der Graben mit Wasser, und Hamza ging oft auf den Sandhügel hinauf, um diese Gabe des Himmels zu betrachten. Aber zehn Monate des Jahres lag dieser breite Spalt in der Erde trocken, der Sand ruschelte an seinen Seiten hinab, und die Fußgänger suchten sich einen Weg über ihn hin. Hinter dem Wallgraben erhob sich eine Mauer, in der die Steine verwitterten. Das Gebiet innerhalb dieser Mauer betrat Hamza selten häufiger als jeden Montag, wenn er seine Datteln zu Markt trug. Sobald der letzte Käufer die letzten Reste seiner Ware zusammengescharrt hatte, hob er seinen Korb auf die Schulter und ging nach Hause. Er hatte die Hauptarbeit für die Woche verrichtet. Vor der Tür seiner Hütte rauchte er hernach seine Pfeife und wartete ruhig auf den nächsten Markttag. Auf dem Abhang gegen Westen standen seine zehn Dattelpalmen, unter ihnen lag die Hütte. Wenn Hamza gen Norden blickte, konnte er einen Streifen von dem gliẞernden Wasser des Mittelmeers unterscheiden; folgten seine Augen dem Weg gen Süden, glaubte er bisweilen die Berge zu sehen, die in der Ferne blauten. Vor mehr als vierzig Jahren war er mit einem Trupp anderer Berber von dort herabgekommen. Er war damals ein untersetter, breitschulteriger Jüngling und betrachtete mit neugierigen Augen das Neue, das ihm zu sehen vergönnt war. Als er und die acht Gefährten, die alle ausgezogen, das Glück zu suchen, von weitem das westliche Tor von Tripolis erblickten, hielt Hamza an und zeigte auf den Sandhügel, auf dem jezt sein Haus stand. „ Auf der Stelle will ich altern." Die übrigen acht lachten laut, und Ebn Saud, den sie im Stamm„ den Schwarzen" nannten, weil seine Augen dunkel wie Kohlen waren und er einen für seine Jahre ungewöhnlichen Bartwuchs hatte, sagte: " Ich seh' aber kein Haus." „ Das werde ich mit meinen eigenen Händen auf den Abhang des vordersten Hügels bauen. Zuvor will ich zehn Dattelpalmen pflanzen, eine für mich und eine für jeden von euch, weil ihr mich als treue Freunde begleitet habt, die zehnte für meine Frau." Die andern acht lachten wiederum, und der lustige Taleb rief: ,, Hamza träumt schon von einer Liebsten. Wer soll dir den Hochzeitsreigen fingen?" " Ich träume nicht," sagte Hamza ernst. Ich weiß, daß ich sie hier in der Stadt treffe. Sie soll die Mutter meiner Kinder werden, und wir werden beide in dem kleinen Häuschen altern, das ich mit diesen meinen Händen zu seiner Zeit bauen werde." Sein Ernst strich den Scherz von den Lippen seiner Zuhörer, und fie gingen schweigend vorwärts. Sie waren Hamzas Weise gewohnt, und da er von Kind auf immer fromm gewesen und an Gott, den Milden und Barmherzigen geglaubt hatte, machten sie feine Einwendungen. An der Stadt trennten sich die neun Jünglinge. Ebn Saud und Taleb wurden binnen kurzem Seeleute. Sie dienten auf einer Feluke, die längs der Küste segelte. Das Meer berückte ihnen den Sinn, und nachdem sie eine Zeitlang seine Oberfläche an Bord der Feluke gepflügt, segelten sie eines Tages mit einem großen Fahrzeug, dessen Masten bald aus dem Gesichtskreis verschwanden, nach Osten. Die sah Hamza nie wieder, obwohl sie ihm immer im Gedächtnis blieben. Drei von Hamzas Freunden wurden Soldaten. Es steht dem Manne wohl an, Waffen zu tragen und sein Leben im Kampf aufs Spiel zu sehen. Einer wurde bei einem Aufstand verwundet und starb gleich darauf. Der zweite avancierte zum Unteroffizier und tam schließlich nach Syrien; die früheren Kameraden wußten nicht, ob er noch lebte. Der dritte nahm Reißaus vom Regiment. Einige Kameltreiber überbrachten Hamza bisweilen Grüße von ihm. Wo er sich aufhielt, wußten sie indessen nicht zu sagen. Nordische Bücherei um die Einbürgerung skandinavischer Literatur in Deutschland sehr verdient. Diese Literatur bedeutet eine Bereicherung der Erzählungskunst, in der Deutschland selbst verhältnismäßig unfruchtbar ist. In der Nordischen Bücherei sind nicht nur anerkannte Meister wie Jonas Lie, Alexander Kielland vertreten, sie hat uns auch die Kenntnis neu aufstrebender starker Begabungen wie M. Andersen Nerö, Johann Falkberget und anderer vermittelt. Namentlich Bibliotheken seien auf die Nordische Bücherei hingewiesen. 84 Für unsere Mütter und Hausfrauen " Möge Allah seine Schritte auf rechtem Wege führen!" sagte Hamza jedesmal. Zwei seiner Freunde kehrten bald in ihre Dörfer auf dem Hochplateau im Innern des Landes zurück. Die Luft an der Küste war für ihre Lungen nicht trocken genug. Eine starke Sehnsucht zog sie nach den graugelben Weiten, wo die Sonne ihnen auf den Scheitel brannte und die Hiße sie lange Wochen zu vollständiger Regungslosigkeit nötigte. Eines Tages nahmen sie Abschied von Hamza und gingen mit einer Karawane wieder der Wüste zu. Der Zurückbleibende sah ihnen lange nach und nickte verstehend. Auch sie sandten Hamza oftmals Grüße. Er schickte andere zurüd und freute sich, daß es den Freunden wohl ging. Als er einige Jahre lang nichts von ihnen gehört hatte, wußte er, daß sie gestorben, suchte die Grabstätte eines heiligen Mannes auf und betete lange gegen Osten gewandt für die, die schon vorangegangen und die er cinstmals wiedersehen würde. Der neunte der Gefährten, Ali Scheckr, war kaum zehn Jahre alt, als die Schar in der Stadt anlangte. Wie ein treuer Hund begleitete er Hamza eine lange Zeit. Mit dreißig Jahren wurde er Polizist. Er und Hamza trafen sich fast jede Woche und redeten von den Freunden, freilich früher mehr als jetzt. Hamza selber ging nach seiner Ankunft in Tripolis einige Tage am Hafen umher und betrachtete das Meer. Oftmals wenn er an dessen launische Unbeständigkeit dachte, überkam ihn eine sonderbare Sehnsucht. Aber wie es auch lockte und reizte, war er doch nie außerhalb der äußersten Mole gewesen. „ Die Füße der Menschen sind für den festen Boden geschaffen," sagte er. Mag jeder, der seiner Sehnsucht nicht widerstehen kann, das Meer durchpflügen, ich tue es nicht! Ich will Allahs. Segen durch Graben in der Erde erbitten." Nichtsdestoweniger wurde Hamza anfangs Ruderer im Hafen. Von einem Manne, der mehrere Kähne besaß, mietete er einen gegen den halben Verdienst. Wenn ein Schiff draußen auf der Reede beilegte, ruderte Hamza mit Ali Scheckr hinaus, um Bassagiere und Güter zu holen. Er hatte bald das Manövrieren des schweren Kahnes erlernt, und der junge Ali war ihm eine gute Hilfe. Hamza brachte nicht selten mehrere Kupfermünzen nach Hause. Die teilte er ehrlich mit dem Besitzer des Fahrzeugs. „ Gott sicht alles!" sagte er.„ Und ich habe mein Gelöbnis getan." Aber der Besitzer des Kahnes war habsüchtig und dabei ein Zänker. Er saß den ganzen Tag über am Strande, folgte seinen Fahrzeugen mit den Augen und rief die Ruderer zu sich heran, sobald sie gelandet waren. Kamen sie, forderte er ihnen sogleich ein Geldstück ab, aber wenn er eins erhielt, dankte er selten. Er stritt sich beständig mit seinen Ruderern herum, und diese, gleichviel ob fie Araber, Türken, Berber oder Nubier waren, stritten sich mit ihm. Niemand mietete einen Kahn länger als einen Monat von diesem Besitzer, niemand außer amza. Ohne ein Gefühl der Erbitterung ließ er den Kahnbesitzer mehr nehmen, als ihm von Rechts wegen zukam. ,, Er verliert mehr dabei als ich," antwortete Hamza, wenn ihm die anderen Ruderer seine Nachgiebigkeit vorwarfen.„ Wir leben nicht für das jeßige, sondern für das zukünftige Leben." Niemand bestritt, daß Hamza recht hatte, aber den Ruderern ge= fiel weder diese Äußerung noch die Handlungsweise des Kame= raden. Hamza lächelte nur über sie. Er blieb viele Jahre Ruderer. Zuletzt wurde er doch dieses Gewerbes überdrüssig und verschaffte sich eine Anstellung im Zolldienst. Schon damals war er am Hafen und auf dem Markt als ein rechtschaffener, wenn auch ein wenig einfältiger Mann bekannt. Anfänglich war er seinen neuen Kameraden sehr willkommen, aber sie wünschten ihn bald wieder fort. Wenn sie ihn aufforderten, etwas von den Habseligkeiten der Reisenden zu behalten, verstand er sie nicht, und wenn man ihm bisweilen ein Geldstück in die Hand drückte, gab Hamza es offen vor den Leuten zurück. Nie machten sich seine Hände einer schlechten Handlung schuldig oder fündigten seine Gedanken gegen Allahs Gebote, solange er unter den Zöllnern arbeitete. „ Du bist ein frommer Mann, Hamza," äußerte eines Tages der Vorsteher zu ihm, aber du bist zu einfältig. Du paßt nicht zu uns." " In Gottes, des Guten, des Rechtfertigen Namen!" antwortete Hamza, verneigte sich und ging. Hierauf wurde er Träger in der Stadt und versorgte sich damit, denn der Ruf seiner Rechtschaffenheit war ständig gewachsen und machte die Leute neugierig. Während die anderen Träger ohne Be= schäftigung längs der Hausmauern hockten, hatte Hamza vollauf zu tun. Da wählten sie ihn zu ihrem Bormann. Nr. 21 Zwölf Jahre lang hatte Hamza diesen Posten inne. Und wenn die Träger auch schlau genug gewesen, ihm schlechtere Bedingungen als dem Vorgänger zu bieten, fügte es eine gerechte Vorsehung doch so, daß sowohl sie wie Hamza mehr Geld erhielten, wenn der Verdienst der Woche am Donnerstag abend geteilt wurde. Die meisten sahen ein, daß Hamzas Vorgänger sie weidlich betrogen hatte, und priesen sich glücklich über ihre Wahl, aber einige waren unzufrieden, denn das läßt sich nirgends vermeiden. Als Hamza einige Male ihre Klagen gehört hatte, rief er alle Träger zusammen und sagte ihnen ein freundliches Lebewohl. Die meisten baten ihn zu bleiben und alles beim alten zu lassen, aber Hamza wollte nicht. „ Nicht wegen der Unzufriedenheit und der Klagen," sagte er. ..Wer bin ich wohl, daß ich ungetadelt durch die Welt gehen sollte? Aber meiner selbst wegen. Der Mensch ist geschaffen, um in der Erde zu graben und sich von den Früchten der Bäume und den Kräutern des Feldes zu nähren, nicht um wie ein Kamel Lasten zu tragen." Hierauf nahm er herzlich Abschied von den Trägern, am herzlichsten von denen, die sich beklagt hatten. Ihr verliert mehr als ich," sagte er zu ihnen, ehe er fortging. In seiner Wohnung holte Hamza einen Beutel hervor, der die Geldstücke enthielt, die seine Ersparnisse ausmachten. Mit dem in der Hand begab er sich auf den Basar. Während Hamza Vormann der Träger war, hatte er Hanifa ge= sehen, die bei einem Handwerker in der Gasse der Silberschmiede in Dienst stand. Auch Hanifa war auf dem Hochplateau drinnen im Lande geboren und von gleichem Stamm wie Hamza. Zu ihr ging Hamza geradeswegs von der Zusammenkunft der Träger. Ich habe dich mehrere Male gesehen, Hanifa," sagte er, wenn ich waren für deinen Herrn brachte oder forttrug. Willst du mir gestatten, daß ich den Silberschmied aufsuche und mit ihm rede?" Hanifa, die nach der Sitte ihres Stammes feinen Schleier vorm Gesicht trug, sah erstaunt den Mann an, in dem sie den Träger erkannt hatte. " Deine Augen leuchten vor Erstaunen. Du begreifft nicht einmal, wovon ich rede," sagte Hamza.„ Das zeigt, daß der Einzige, der Barmherzige meine Füße auf den rechten Weg geführt hat." Er trat in den Laden, zeigte dem Silberschmied den Beutel und verlangte Hanifa zur Frau. „ Dir geschehe nach deinem Wunsch!" antwortete der Silberschmied. Ihre Mutter ist eine Verwandte von mir und wohnt bei mir im Hause, ihr Vater ist tot. Und da ich schon mehr Diene-= rinnen habe, als ich brauche, verlange ich nur eine Handvoll Geld aus deinem Beutel." „ Greif zu!" ermahnte Hamza.„ Und möge der Allmächtige deine Hand so lenken, daß du auch einen Biaster findest; es liegen ihrer manche zwischen meinen vielen Kupferpara versteckt." Der Silberschmied steckte die Hand in den Beutel und füllte sie mit Geld. Als er aber nachsah, fand er keinen Piaster. " Abgemacht," fagte er ruhig und legte die Kupfermünzen neben sich. Heute abend rede ich mit Hanifas Mutter." Hamza dankte ihm für sein Versprechen und ging hinaus. Auf dem Hofe stand noch immer Hanifa. " Jetzt gehe ich und kaufe den Plak, wo wir unser Haus bauen wollen," sagte Hamza zu ihr. Da begriff sie endlich und errötete über das ganze Gesicht. „ Es ist gut für den Mann, wenn die Frau nicht zu rasch von Gedanken ist," sagte Hamza und ging weiter.„ Gepriesen sei der Einzige, der Allmächtige!" Am selben Tage kaufte Hamza den Sandhügel, für den er fünfzehn Jahre lang gearbeitet, und nach einigen Wochen hatte er die Lehmhütte fertig, in der er und seine Frau wohnen sollten. Ohne Verzug nahmen sie ihr neues Heim in Besit. Sie lebten glücklich miteinander, bekamen aber keine Kinder. Jeden Freitag betete Hamza in der großen Moschee Dschama el Bascha um diese Gnade, aber er wurde niemals erhört. Er und seine Frau grämten sich lange darüber, aber als die zehn Dattelpalmen, die Hamza um die Lehmhütte gepflanzt, heranwuchsen und nicht nur Schatten gaben, sondern auch Früchte trugen, nannte er die seine Söhne und Töchter. „ Es ist Allahs Wille, daß ich sie wie meine eigenen Kinder pflegen und warten soll, deshalb hat er mir vielleicht andere versagt," äußerte Hamza oftmals und fügte hinzu: Hat nicht der Prophet gesagt: Die edle Dattelpalme ist vom Geschlecht der Menschen; ehre sie wie die Schwester deines eigenes Vaters!" ( Fortsetzung folgt.) Berantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bettin( Bundel), Wilhelmshöhe, Boft Degerloch bet Stuttgart. Druck und Berlag von J. S. W. Dtes Nachf. G.m.b.8. tn Stuttgart.