Für unsere Mütter und Hausfrauen Nr. 7 oooooooo Beilage zur Gleichheit Inhaltsverzeichnis: Schein und Wirklichkeit. Gedicht von Gottfried Keller. über ansteckende Krankheiten. Von Alex. Lipschütz.( Schluß.) Kochbeutel. Von M. Kt. Feuilleton: Zum Nachdenken. Heiliger Abend. Gedicht von Karl Bröger. Friede auf Erden. Von Adolf Schmitthenner. Schein und Wirklichkeit. So manchmal werd' ich irre an der Stunde, An Tag und Jahr, ach, an der ganzen Zeit. Es gärt und tost, doch mitten auf dem Grunde Jst es so still, so kalt, so zugeschneit! Habt ihr euch auf ein neues Jahr gefreut, Die Zukunft preisend mit beredtem Munde? Es rollt heran und schleudert, o wie weit! Euch rückwärts. Jhr versinkt im alten Schlunde. Doch kann ich nie die Hoffnung ganz verlieren, Sind auch noch viele Nächte zu durchträumen. zu schlafen, zu durchwachen, zu durchfrieren! So wahr erzürnte Wasser müssen schäumen, Muß, ob der tiefsten Nacht, Tag triumphieren, Und sieh: Schon bricht es rot aus Wolkensäumen. Lleber ansteckende Krankheiten. Bon Alex. Lipschüß. Gottfried Keller. ( Schluß.) Aus dem bisher Mitgeteilten folgt, daß soziale Momente für die Verbreitung von ansteckenden Krantheiten von hervorragender Bedeutung sind. Je enger Menschen zusammenleben, je weniger Sorgfalt sie auf Reinlichkeit legen können, desto größer ist stets die Anstedungsgefahr. Darum sehen. wir auch, daß ansteckende Krankheiten vorzugsweise die ärmere Volksklasse befallen. Man könnte denken, daß, wenn eine Krankheit in Form einer Epidemie wie ein Fegefeuer über die Bevölkerung hinzieht, sie alle in gleicher Weise befallen müßte. Aber das ist nicht der Fall. Speziell für Deutschland besiben wir in dem Material über das Auftreten der Cholera in Hamburg vor 23 Jahren einen außerordentlich interessanten Beweis für den Einfluß sozialer Verhältnisse auf die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Wie die folgende Tabelle uns zeigt, befiel die Cholera namentlich die Bersteuertes Einkommen Mart 800 bis 1000 Über 1000 0 2000 D 2000 3500 S 3500 5000 W 5000 10000 W 10000 25000 0 25000 50000 D 50900 Auf je 1000 Steuerzahler Dieser Gruppe erkrankten an der Cholera Personen 114 100 47 40 31 18 17 6 minderbemittelten Kreise, während die sehr bemittelten von der Cholera so gut wie verschont blieben. Auch mit Bezug auf die meisten andern Infektionskrankheiten ist festgestellt worden, daß sie in den Kreisen der Minderbemittelten viel verbreiteter sind, als in den besitzenden Kreisen des Volkes. Für die Beurteilung der großen sozialen Bedeutung der ansteckenden Krankheiten ist die Tatfache sehr wichtig, daß der Verlauf der Infektionsfrankheiten in den verschiedenen Kreisen der Bevölkerung verschieden ist. Die Zahl der Todesfälle zum Beispiel bei Masern und Scharlach ist bei den Kindern der Armen im Verhältnis zur Zahl der Erkrankten größer als bei den Reichen. Die sozialen Umstände gestatten es diesen, die Behandlung zwedmäßiger auszugestalten als das bei den Unbemittelten der Fall ist. Die Wohnungsverhältnisse und die Pflege entsprechen in den ärmeren Klassen der Bevölkerung nur sehr selten den Anforderungen, die von ärztlicher Seite gestellt werden. Das beeinflußt natürlich oooo ooo 。 1915 in weitem Maße den Verlauf der Krankheit. Der Körper des unbemittelten Patienten ist häufig auch wegen ungenügender Ernährung und wegen überarbeitung viel weniger widerstandsfähig als des bemittelten. Darum allein schon erliegt der Minderbemittelte viel eher dem schädlichen Einfluß der krankmachenden Bakterien als der Bemittelte, und darum allein schon ist auch der Verlauf der Krankheit je nach der sozialen Lage des Patienten verschieden. Aber wohl bei keiner anderen Krankheit aus der Zahl der Infektionskrankheiten liegt der Einfluß der sozialen Lage auf das Vorfommen und auf den Verlauf der Krankheit so offen zutage, wie bei der Tuberkulose. Man hat die Tuberkulose mit Recht als Proletarierkrankheit bezeichnet. Durch Untersuchungen, die über den Einfluß der sozialen Lage auf ihre Verbreitung und auf die Sterblichkeit an Tuberkulose vorgenommen worden sind, hat man zweifelsfrei festgestellt, daß die Tuberkulose in einer fozialen Gruppe umso berbreiteter ist, je schlechter diese soziale Gruppe ökonomisch gestellt ist. In manchen Städten beträgt die Sterblichkeit an Tuberkulose in den arbeitenden Klassen das zehnfache der Sterblichkeit in den Kreisen der Wohlhabenden. Die soziale Lage ist also von dem größten Einfluß auf die Verbreitung der Tuberkulose. Was man als schlechte soziale Lage" bezeichnet, ist ein ganzes Bündel von verschiedenen Dingen: das schlechte Wohnen, das schlechte Essen, die Arbeit bis zur übermüdung, die Schwächung des Organismus, wodurch dieser für die krankmachenden Reime empfänglicher wird, die Arbeit in schlecht gelüfteten Räumen, die Tatsache, daß man den Erkältungskrankheiten mehr ausgesezt ist, die mangelnde Pflege bei leichteren Erkrankungen, die den Boden abgeben können für die Tuberkulose wie die Influenza, der sogenannte Lungenkatarrh, alles das kommt zusammen, um dem Tuberkelbazillus die Möglichkeit zu geben, sich im Organismus auszubreiten und ihn krank zu machen. Von ganz besonderem Einfluß sind die Wohnungsverhältnisse. Ein tuberkulöses Mitglied der Familie kann alle anderen Mitglieder mit Tuberkulose infizieren, während die Isolierung eines mit Tuberkulose behafteten Familienmitgliedes, seine Entfernung aus der Familie als wichtigste Vorbeugungsmaßregel gegen die Erkrankung der anderen Mitglieder der Familie bezeichnet werden kann. Der Einfluß der sozialen Lage auf die Verbreitung der Tuberkulose macht sich auch noch in einer anderen Beziehung geltend. Es ist festgestellt, daß be st i m mte Berufe ganz besonders für die Tuberkulose empfänglich sind. Es sind jene Berufe, wo sehr viel scharfer Staub geatmet wird: Metallarbeiter, Graveure, Drucker und Sezer, Steinarbeiter, Glasbläser, Töpfer, Spinner, Weber und Hutmacher, Müller, Bäcker und Lederarbeiter, Straßenkehrer, Briefträger und Straßenbahnschaffner haben eine außerordentlich große Sterblichkeit an Tuberkulose. Bei ihnen macht die Zahl der an Tuberkulose verstorbenen 20 bis 40, ja fogar 50 Prozent aller Verstorbenen aus. Besonders klar tritt das vor Augen, wenn man die Sterblichkeit an Tuberkulose in den einzelnen Berufen miteinander vergleicht. Steinhauer zum Beispiel sterben siebenmal so häufig an Tuberkulose als Bantangestellte. Die Bankangestellten und die Steinhauer bilden gewissermaßen die beiden Extreme. Zwischen ihnen liegen die Schneider, die Schreiner, die Metzger, Buchdrucker, Maler usw. Halten wir uns all das vor Augen, was wir über den Einfluß der sozialen Lage auf die Verbreitung und den Verlauf der Infektionskrankheiten gehört haben, und namentlich das, was wir über den Einfluß der sozialen Lage auf die Verbreitung der Tuberkulose und auf die Sterblichkeit an dieser Krankheit gehört haben, so finden wir ganz bestimmte Gesichtspunkte, nach denen wir uns bei der Bekämpfung der ansteckenden Krankheiten richten müssen. Die Behauptung, man müsse die ansteckenden Krankheiten bekämpfen, indem man von den Menschen die krankmachenden Bakterien fernhalte, ist in Wirklichkeit ein ganzes sozialpolitisches Programm. Denn man kann die Bakterien vom Menschen nur fernhalten", wenn man zu sozialen Maßnahmen greift! Man wird den Tuberkelbazillus zum Beispiel von den Menschen, von den Broletariern nur fernhalten können, wenn man die Wohnungsverhältnisse im Proletariat von Grund auf ändert. Aber auf eine vollstän dige Vernichtung der krankmachenden Keime dürfen wir nicht so bald hoffen: die Tuberkelbazillen find so ziemlich allgegenwärtig". 26 Für unsere Mütter und Hausfrauen Es ist eine Tatsache, daß sogar gefunde Menschen in ihren Lungen Tuberkelbazillen beherbergen. Aber sie erkranken nicht, da ihre Empfänglichkeit fürTuberkelbazillen gering ift. Die Tuberkelbazillen können sich in ihnen nicht vermehren, fie werden gewissermaßen überwunden von dem gesunden Organismus. Es handelt sich also auch darum, die Empfänglichkeit der Menschen für die frankmachenden Keime zu vermindern. Das kann erreicht werden durch all die sozialen Maßnahmen, um deren Durchführung die Arbeiterklasse in so schwerem Kampfe ringt: Verkürzung der Arbeitszeit, Erhöhung des Lohnes, stärkere Kontrolle der Arbeitsstätten, Schutzvorrichtungen bei den Arbeiten, die mit der Entwicklung von Staub verbunden find; fachkundiger ärztlicher Beistand auf jeder Arbeitsstätte, um ein beginnenedes Leiden schnell erkennen zu können und eventuell einen Berufswechsel zu veranlassen. Alle diese Maßnahmen zufammengenommen find geeignet, der Tuberkulose zu steuern. In der Bekämpfung der akuten Infektionskrankheiten, so der Cholera, des Thphus, der Genickstarre, haben die behördlichen Maßnahmen in Deutschland ganz außerordentliches geleistet. Ja, man fann diese Maßnahmen und die Erfolge, von denen sie gekrönt worden sind, als ein Ruhmesblatt in der Geschichte der angewandten medizinischen Wissenschaft bezeichnen. Aber die hier erreichten Erfolge sollen keine Mahnung zur Bescheidenheit für die Arbeiterklasse sein, sie sollen vielmehr ein Ruf zum Streite sein, ein Ruf zum Streite nach einer Ausdehnung der von der Wissenschaft als notwendig erfannten Maßnahmen auch auf den Kampf gegen die Tuberkulose, und ein Ruf zum Streite um bessere Lebensbedingungen schlechtweg. Nur so kann der Kampf gegen die akuten und chronischen Infektionskrankheiten wirklich erfolgreich geführt werden. Die medizinische Wissenschaft hat uns Mittel und Wege gezeigt, wie man die Krankheiten verhindern kann. Wollte man die ungeheuren Mittel, die dem Volke heute zur Verfügung stehen, im Kampfe gegen die ansteckenden Krankheiten, namentlich gegen die Tuberkulose, ver= wenden, und all die sozialen Maßnahmen ergreifen, die im Kampf gegen die ansteckenden Krankheiten und speziell gegen die Tuberkulose vonnöten sind, so gäbe es keine Tuberkulose mehr. Auch die anderen ansteckenden Krankheiten würden in ihrer Bedeutung für das Volksleben kaum noch in Betracht kommen. Wir dürfen das ohne übertreibung sagen. Der Kampf gegen die TuberkuTose scheitert nicht an dem Unvermögen der medizinischen Wissenschaft, sondern einzig und al lein an den sozialen Verhältnissen. Dieselben sozialen Verhältnisse, aus denen die Tuberkulose als eine Volfsseuche herausgewachsen ist, find es auch, die den Kampf gegen die Tuberkulose erschweren. Nicht etwa, als ob wir bestreiten wollten, daß durch behördliche Maßnahmen schon heute manches im Kampfe gegen die Tuberkulose geleistet worden ist. Aber das soll uns nur ein Ansporn fein zu einer weiteren Ausdehnung des Kampfes gegen die Tuberkulose und zu einer Ausgestaltung dieses Kampfes gegen die Sinne, daß am richtigen Ende, an den sozialen Grundlagen der Tuberkulose eingegriffen wird. OOO Kochbeutel. Will man sich keine Kochtiste anfertigen, wie sie in diesen Blättern wiederholt, zuleht in Nr. 2, empfohlen wurde, so kann auch ein Kochbeutel sehr gute Dienste tun. Er ist besonders dort angebracht, wo es an Naum zum Unterbringen einer Kochkifte fehlt. Der Kochbeutel besteht aus zwei Lagen von warmem Stoff, die ein dickes Zwischenfutter von Zeitungspapier erhalten. Zum Bezug können beliebige alte Stoffreste, zum Innenfutter sogar alte Strumpfschäfte, sofern sie nur sauber gewaschen und ausgebessert wurden, zusammengestückt werden. Zum Zwischenfutter werden Zeitungsbogen zehn- bis zwölffach je dreimal zusammengeknüllt, wieder glattgestrichen, aufeinandergelegt und schließlich mit großen Stichen durchheftet, so wie man Steppdecken durchnäht. Man tut gut, den Beutel nicht zu klein zu arbeiten. Die Höhe betrage etwa 40 bis 50 Zentimeter, die Weite 120 Zentimeter. Um die Weite zu erzielen, müssen noch gefnüllte Zeitungsblätter gut übergreifend an= geheftet werden. Zum Boden werden die Stofflagen in tiefe Falten gelegt, denen innen und außen ein rundes oder viereckiges Stück Stoff von etwa 12 Zentimeter Durchmesser aufgesetzt wird. Man achte aber darauf, daß das Bodenloch auch gefüttert wird. Etwa 5 Zentimeter vom oberen Rande des Beutels entfernt werden einige Ringe angebracht, durch die man ein Band zum Zubinden des Beutels leitet. Um auch kleinere Töpfe nach Belieben verwerten zu fönnen, bringe man 5 bis 10 Zentimeter tiefer noch eine Reihe Ringe an, durch die ebenfalls Band gezogen wird. Band eignet sich Nr. 7 hierfür besser als Schnur. Will man den Kochbeutel besonders hübsch ausstatten, so beziehe man ihn außen mit bunt gemustertent Kattun. Das Essen, das man in dem Kochbeutel gar machen will, muß vom Aufkochen ab 5 bis 45 Minuten vorgefocht sein. Der Topf darf 5 Minuten vor dem Hineinsehen nicht mehr geöffnet werden, um den Dampf zusammenzuhalten. Einige Zeitungsbogen breitet man in der Nähe des Herdes sternförmig aus, stellt den Topf die Mitte, hüllt ihn flink von allen Seiten in Papier ein und stellt ihn in den Kochbeutel, wo die Speise etwa doppelt so viel Zeit zum Garwerden braucht, als auf dem Herde. Die Vorkochzeit beträgt für Mehlsuppen, Gries, Sago, Hafer- und Gerstenfloden, Nudeln, Makkaroni, Reis und dergleichen 5 Minuten, Hülsenfrüchte, Graupen, Grünfern brauchen, wenn man sie 12 bis 24 Stunden vorher einweichen ließ, 15 bis 30 Minuten Vorkochzeit. Die meisten Kohlarten desgleichen. Rindfleisch zur Suppe und zum Gemüse, gedämpftes oder geschmortes Fleisch, das recht eng im Topf liegen und mit Sauce bedeckt sein muß, braucht 30 bis 45 Minuten Borfochzeit, Eingeweichtes Backobst quillt besonders schön aus, wenn es abends 5 Minuten vorgekocht und über Nacht in den Kochbeutel gestellt wird. Kleiner Kochbeutel zum Mitnehmen von an gefochten Speisen nach der Arbeitsstätte. Gibt man einem etwas fleiner gehaltenen und noch dicker gefütterten Beutel einen wasserdichten Bezug und ein kleines wasserdicht bezogenes Sissen, das an einem Bändchen hängt, stattet man ihn ferner mit einer möglichst genau hineinpassenden großen Schaffnerkanne oder einem der bekannten Essenträgertöpfe aus, so bildet der Beutel für viele Arbeiter und Arbeiterinnen, die über Mittag nicht nach Hause können, ein bequemes Mittel, um sich ein warmes Essen nach der Arbeitsstelle mitzunehmen und viele Stunden lang warm zu halten. Arbeiter stecken einen Kochbeutel, in dem sich ein Essenträgertopf befindet, am besten in den Ruckfact. Man kann einen Rucksack auch direkt mit Holzwolle füttern wie eine Kochliste. Der Raum zum Aufnehmen einer Schaffnerkanne mit Kaffee und eines Essenträgertopfes wird sorgfältig ausgespart und nach Belieben mit Stoff abgefüttert. Die Hausfrau gibt morgens das Effen, das nur vorgekocht, nicht einmal ganz gar zu sein braucht, direkt vom Feuer in den Behälter, deckt ein passendes Holzwollekissen darauf, und der Arbeiter findet am Mittag ein heißes, gargekochtes Gericht aus Mutters Küche" bor. Für Bureauangestellte geeignet sind in verschiedenen Größen fäufliche f I a che, mit Gummireifen abgedichtete Emaillegefäße mit festem Verschluß, die man im Kochbeutel in Aftenmappen liegend unterbringen oder mit Papier umhüllt, als Paket transportieren fann. Man fehe bei Anfertigung dieser zum täglichen Mitnehmen berechneten Beutel nicht so sehr auf Zierlichkeit als auf gutes Warmhalten. Das Kleine Kissen unter der Verschlußöffnung, die mit einer Schnur zugezogen wird, ist unerläßlich), ebenso eine außen übergreifende Klappe, die mit Druckknöpfen ge= schlossen werden kann. Angenehm ist auch ein Stoffhenkel. Prattische, weil lange heiß bleibende Kochbeutelgerichte zum Mitnehmen find Brühkartoffeln, Reisfleisch, Hülsenfrüchte, Milchreis, alle mit Fleisch zusammengefochten Gemüsegerichte, auch dice Suppen. Nicht nur bei der Arbeit in der Werkstatt, im Bureau und im Freien bewähren sich die kleinen Kochbeutel, sondern auch bei den sonntäglichen Wanderungen der Arbeiterjugend, kurz überall, wo man gern unabhängig vom Wirtshaus ist. M.Kt. 0 0 0 Zum Nachdenken. Für Millionen von Frauen ist die Vereinigung von hauswirtschaftlicher Tätigkeit, Mutterschaft und Beruf ein bitteres Muß. Bitter besonders darum, weil diese Vereinigung einstweilen nicht eine Um- und Neuordnung, sondern einfach eine Mehrbelastung bedeutet. Der Zwang der Not hat den Frauen zu dem vollgerüttelten Maß hauswirtschaftlicher und mütterlicher Arbeit einfach noch eine Überlast erwerbender Tätigkeit aufgebürdet.... Die Berufsarbeit ist ein Muß, kein Muß sind dagegen die Begleitumstände, kein Muß ist die Fortdauer der menschenmordenden Überlast. Hier kann geholfen werden, und hier muß geholfen werden, und es ist nichts eigentümlicher, als daß die Hausfrauen und Mütter und erst recht jene, die der dreifachen Belastung zu erliegen drohen, nicht längst fchon und nicht nur als einzelne, sondern als Masse erkannt und demzufolge gefordert haben, was hier nottut. Henriette Fürth. Nr. 7 Feuilleton heiliger Abend. Für unsere Mütter und Hausfrauen Es klingelt. Schrill und störend halt Es durch den abendlichen Schimmer. Ein Knabe, kaum zehn Jahre alt, Tritt auf mein Öffnen in das Zimmer. Ein brüchig Stimmchen wispert leis: " Herr, Kienholz hätt' ich zu verkaufen!" Jndeß die Wangen schmal und weiß Blutwellen wechselnd überlaufen. Und Augen hesten sich auf mich, Umflattert von verwasch'nen Strähnen, So hilflos, weh und flehentlich, Als wären' s festgeronnene Tränen. Jch weiß nicht, was mich da erfaßt, Warum ich mich so jäh erhoben Und dann dem Kinde voller Hast Die karge Gabe zugeschoben.... Die Stirn ans Senfter hingepreßt Starr ich geschreckt aus aller Ruhe... Es heult der Wind, der Regen näßt... Das Kind hat keine ganzen Schuhe.. Dort schleicht es mad und regenfeucht Durch Gassen, die sich festlich schmücken. Bald hängen Bäume voll Geleucht Und Kinder jubeln voll Entzücken. Dann klingen Glocken ernst und schwer Und fromme Seelen hört man singen: Vom Himmel hoch da komm ich her"... Wird er dem Kind wohl Schuhe bringen? 000 Friede auf Erden. Bon Adolf Schmitthenner. Karl Bröger. Es gibt ein Dörflein, liegt also fernab von aller Welt, daß gute und schlechte Mär zwei Monate später dorthin kommt als sonst an irgend einen Fleck in deutschen Landen. So geschah es, daß man um die Weihnachtszeit des Jahres 1648 in selbigem Dorfe noch nicht wußte, daß nach dreißigjährigem Kriegsjammer Friede worden war im Vaterland, und doch hatten die Herren Gesandten zu Münster und Osnabrück schon am 25. Oftober mit umständlicher Feierlichkeit das letzte große Punktum gesetzt. Bald nach Martini zwar ist ein fahrender Gefelle gekommen, der erzählte im WirtsHaus, es sei Fried im Reich, und er selber habe gesehen, wie die Bauern drunten am Strom auf der Heerstraße ihre Schweine zu Markt getrieben hätten; aber niemand glaubte es ihm. Einer holte den alten Schulmeister. Der fühlte dem Fremden auf den Zahn durch allerlei Fragen. Als der Gefelle erzählte, daß er auf der hohen Schule zu Padua gewesen sei, und daß man dort jetzt den Stoßdegen unter dem Rockschoß trage, da raunte der Schulmeister den andern zu:" Traut ihm nicht;' s ist ein Lateinischer," und schier gar hätte der Wandersmann für seine Friedensbotschaft noch Schläge bekommen. So wähnten sich die Leute mitten im Kriege. Wer etwa in Feld oder Wald zu schaffen hatte, nahm einen guten Gesellen mit. Abwechselnd trugen sie das Feuerrohr, und ehe sie an die Arbeit gingen, suchten sie das Umland ab; während der eine Holz machte oder ackerte, stand der andere auf Wache. Einigemal hatten sich Gewaffnete gezeigt; sie wurden durch Schüsse vertrieben. Ob es versprengte Soldaten waren oder Raubgesindel, wußte man nicht. Allfonntäglich fügte der Pfarrer dem großen Kirchengebet die Bitte um den edlen Frieden bei, und fast alle andermal ließ er sein Lieblingslied singen:„ Ach Gott, vom Himmel sieh darein und laß dich es erbarmen!" Er war stimmlos, seit ihm die Kroaten den Schwedentrunt mit heißem Wasser gegeben hatten, und hatte seitdem keine gute Stunde mehr. Aber er versah noch sein Dienstlein, und die Leute verstanden ihren Hirten; auch konnten sie sich alle nah zu ihm heransetzen: Krieg, Best und Hunger hatten aufgeräumt. So war der Tag vor dem Christfest herangekommen. Niemand dachte mehr an die Friedensbotschaft des Lateinischen. Nur eine 27 hatte sie nicht vergessen. Das war des Nachtwächters alte Mutter. Sie hatte vor fünf Jahren ein böses Gelübde getan. Das quälte sie jetzt; denn sie lag im Sterben. Es war an einem Wintertag, da trugen sie ihr den Mann tot ins Haus. Vorübersprengende Reiter hatten ihn aus Mutwillen geschossen, als er auf einem gefällten Stamme saß und sein Brot verzehrte. Damals fluchte sie dem Herrgott, weil er solch himmelschreienden Greuel geschehen ließ, und sie gelobte, nicht mehr zum Nachtmahl zu gehen, solange der Krieg währe. Jekt lag fie frank zu Bett und wußte, daß sie sterben müsse, und sehnte sich nach der heiligen Kost. Aber als der Pfarrer ihr zuredete, sie solle der Sehnsucht Genüge tun, denn ihr Gelübde sei gottlos gewesen, da wandte sie sich zur Mauer und gab keine Antwort. Heute nun warf fie sich unruhig auf ihrem Lager herum. Der Husten quälte sie und noch etwas.„ Mein Vater felig ist auf den Christtag gestorben," sagte sie in der Frühe. Nach einer Weile stöhnte sie auf. Was ist Euch, Mutter?" fragte der Sohn und eilte ans Bett. ,, Man ist doch auch ein Christenmensch!" flüsterte sie. Morgen ist Nachtmahl in der Gemeinde," fing der Sohn wieder an,„ wollt Ihr nicht auch, Mutter?" Da fragte sie mit hastiger Stimme:" Ist Fried im Land?" Der Nachtwächter schüttelte traurig den Kopf:„ Wir erleben's nimmer, Mutter, Ihr nicht und ich nicht." Und er ging zur Tür hinaus. Da trat ihr Enkelsohn an das Bett, ein baumlanger Kerl. Er war hinter dem Ofen gesessen und hatte an einem Span geschnitzt. „ Ich will in die Stadt gehen, Altmutter, und fragen, ob Krieg oder Fried ist. Morgen früh bin ich wieder da." " Ja, geh," flüsterte die Kranke in fliegender Hast.„ Geh, ehe dein Vater kommt; er leidet's sonst nicht." „ Wen soll ich fragen, Altmutter?" " Jm Torturm wohnt der Waibel. Seine Frau ist mein Batenfind. Die frag, die weiß es. Sie hat von mir ein silbern Salzfaß zur Aussteuer. Das soll sie dir geben zum Zeugnis der Wahrheit, wenn Fried ist im Land. Geh, nimm deines Vaters Spieß mit; der Wolf Aber der Junge hörte nicht mehr. Schon eilte er den Berg hinan der Waldschlucht zu. Sechs Stunden war es bis zur Stadt. Der Weg dahin führte durch einsame Heide und wilden Wald, vorbei an ausgebrannten Mühlen und verlassenen Dörfern; dann stieg er hinunter ins breite, offene Tal an den großen Strom, wo die Heerstraße lief und die Städte lagen. Durch Wald und Heid trabte der Wolf, und durchs Tal zog Mordgesindel jahraus, jahrein, solches mit der roten Feder und solches mit der Sturmhaube, Schnapphähne und Soldaten. Den Tag über lag die Alte still. Als der Sohn das Mittagsmahl fochte es war kein Frauensbild weiter im Haus-, fragte er: „ Wo steckt denn der Bub?" Aber er fragte mehr sich selbst als seine Mutter, und diese schwieg. Der Abend dämmerte. Da schaute der Mann besorgt nach in Stall und Scheune, blickte die Dorfstraße hinauf und kehrte stumm in die Stube zurück. Er setzte sich auf die Ofenbank. Es wurde finster. Die Mutter stöhnte." Wollt Ihr was?" fragte der Sohn von der Bank her. " ,, Er wird in die Stadt sein," jammerte die Kranke. „ Der Bub?" rief entfeht der Mann. ,, Er will fragen, ob Fried ist im Land." " " Mutter," schrie der Sohn,„ Euch rech'n ich's zu, wenn er mir verdirbt!" Die Kranke murmelte Unverständliches. Ihre Zähne schlugen zufammen. Beide schwiegen. Es ward völlig Nacht in der Stube. Nur die Augen der Hauskaze leuchteten unter dem Ofen herauf. Als der Orion über das Scheunendach schaute, stand der Mann auf, nahm das Horn von der Wand und verließ wortlos die Stube. Die Kaze strich ihm nach bis an die Tür, dann sprang sie auf den Fenstersims. Aber es wehte ein falter Zug herein. Mit ein paar Säßen war sie wieder am Ofen, legte sich auf den alten Plak, und ihre Augen leuchteten nach dem Bett der Sterbenden hinüber. Derweil stieg der Orion höher und höher, und jetzt schauten seine Sterne in die Waldschlucht hinein gleich unten am Dorf. Wolfsloch hieß sie, und die Leute wußten warum. Das Sternenlicht drang hinab bis auf den schmalen, finstern Grund. Dort lag eine dunkie Masse fast regungslos, Mensch und Tier im Ringen auf Leben und Tod. Oben am Eingang zur Schlucht stand der Nachtwächter und spähte hinab. Aber der Blick ging über den Knäuel hinweg und der Rampf war lautlos; der saufende Odem der Ringenden verwehte, ehe der Lufthauch von dort herauffam. In dem Augenblick, als der Vater sich umwandte dem Dörflein zu, tauchte aus der Tiefe der 28 Für unsere Mütter und Hausfrauen Schlucht ein irrer Blick in das blinkende Sternenlicht, und mit Himmelsgewalt schlug wie ein siegreicher Blizstrahl ein Seelenschrei in die Unendlichkeit:„ Herr Gott, ich muß der Altmutter zum Nachtmahl helfen!" Der Nachtwächter war langsam hinaufgestiegen auf den Kirchhofhügel. Man sah dort am weitesten umher. Er spähte in die schneelose Landschaft hinaus; sein Blick weilte ein wenig bei den dunklen Tannen, die das Wolfsloch zudeckten. Dann ging der Mann langsam über den hellen Friedhof. An einem großen Grabhügel stand er stille. Hier lagen siebzehn, die auf zwei Tage an der Best gestorben waren. Darunter auch sein Weib und zwei Mägdlein. Ein drittes, die älteste, hatte das Kriegsvolt mitgeschleppt. Sie war nimmer heimgekommen. Nimmer heimgekommen! Da schnürte es ihm das Herz zu. Er dachte an seinen Buben. Aber wie er nun, um von neuem zu spähen und zu lauschen, das Antlitz hob, leuchteten ihn die Sterne so mild und tröstlich an, daß ihm die Augen feucht wurden. Und mit einemmal fiel's ihm ein: Heute ist der Heiland geboren. Er schaute nach dem Stand der Gestirne. Es war um die halbe Nacht. Er nahm sein Horn und blies die zwölfte Stunde. Dann schritt er den Hügel hinab. Als er von der sternenhellen Höhe in die finstere Dorfgasse getreten war, hielt er stille und hub mit lauter Stimme zu singen an: ,, Vom Himmel hoch, da komm ich her; Ich bring euch gute, neue Mär; Der guten Mär bring ich so viel, Davon ich singen und sagen will." Er wollte gerade weiter fahren:" Euch ist ein Kindlein heut ge= born," da sah er eine hohe Gestalt die Dorfgasse heraufkommen. So hochgewachsen ist nur einer, jauchzte sein Herz, mein Bub! Mit raschen Schritten ging er ihm entgegen. Der Bursche kam langsam, er war barhäuptig, die Arme über der Brust gefaltet. Im Schatten einer Scheune stand er still. Halb freudig, halb verwundert trat der Vater ihm nahe. Aber ehe er fragen mochte, rief ihm der Sohn mit leifer, fremdartiger Stimme: Vater, hol den Pfarrer; Altmutter fann zum Nachtmahl." Und flüsternd fügte er hinzu:"' s ist Friede!" " Friede!" schrie der Mann und taumelte zurück. Friede!" wiederholte er, und die Tränen stürzten ihm aus den Augen, und er zitterte wie im Fieberschauer. Eine Weile stand er in sich versunken und murmelte vor sich hin immer nur das eine Wort: " Friede." Dann raffte er sich auf und ging mit großen Schritten dem Pfarrhause zu. Des Sohnes hatte er vergessen. Der ging langsam zurüd. Oft blieb er stehen und preßte die Hände auf die Brust. Aber nach kurzer Weile ging er weiter, vorbei am letzten Hause, wo die sterbende Großmutter lag. Zum Dorf hinaus, dem Wolfsloch zu schleppte er sich. Was trieb ihn an den grauenvollen Ort? Wollte er dem erwürgten Feinde noch einmal ins verglaste, bluttriefende Auge schauen? Derweil hatte der Nachtwächter mit der Klinge der Hellebarde die Tür des Pfarrhauses aufgebrochen. Seinem Klopfen war nicht geöffnet worden. Man kannte dies Pochen zur Nachtzeit. Drinnen in der Stube lag der Pfarrer auf den Knien und bat Gott um den Gnadenstoß. Da rief des Nachtwächters bekannte Stimme in die Stube hinein: Friede!" Der Pfarrer jah mit stieren Augen hin, wie wenn er nichts begriffe.„ Meine Mutter will sterben. Gebt ihr das Nachtmahl. Fried ist im Land!" Da ward dem alten Manne das Herz überwältigt. Er brach in seinem stimmlosen Flüsterton in Schluchzen aus. Es flang zum Erbarmen. Der Nachtwächter aber ging hinüber zum Schulmeister. Mit dem Knopf der Hellebarde stieß er an den Laden:„ Ich bin's; macht auf!" " Wo brennt's?" rief der Schulmeister und öffnete den Laden. Da legte der Nachtwächter seine Arme dem Mann um den Kopf, neigte das Antlitz ihm an die Wange und flüsterte ihm ein Wort ins Ohr. Der Schulmeister zuckte zusammen; dann weinten beide Männer Brust an Brust. " Ich muß läuten; laß mich los!" sagte endlich der Schulmeister. Aber sein Geselle war seiner nicht mehr mächtig. Gewaltsam machte sich der Greis frei, weckte seine Söhne und eilte zur Kirche hinauf, während der Nachwächter sich wieder zum Pfarrhaus wandte. Seit vierzehn Jahren waren die Glocken stumm. Zum letztenmal hatten sie geläutet zum Weihnachtsfest nach der Nördlinger Schlacht. Dann schwiegen sie, daß nicht die Mordbuben herbeigelockt würden. Und jetzt und jetzt schlugen sie wieder zusammen! " Was macht so?" fragten die Kinder. „ Es läutet," sagten die Alten.„ Steht auf, Kinder;' s ist Fried im Land!" „ Wer ist der Fried?" fragten die Kinder;„ nimmt uns der Fried die Geiß weg und schlägt er uns den Vater blutig?" „ Schweigt, Kinder, und zieht euch an und betet!" Nr. 7 " Tut der Feind so faufen?" fragten die Kinder furchtsam. Aber die Mutter gab ihnen fürder keine Antwort. Da fingen sie an zu weinen und verkrochen sich jedes in sein bekanntes Verstecklein, und lauschten angstvoll dem fremden Getön. übel flangen die Glocken. Die große war zersprungen. Gleich am Anfang des Krieges hatten die Mannsfelder sie und die mittlere, die nicht mehr da war, zum Turm hinabgeworfen und mitgeschleppt. Die große fand man später im Wald. Aber auch so flang es den Alten wie Himmelsgeläute. Und doch war keine rechte Freude. Das Andenken an das erlittene Elend stand graufig auf. Jeder gedachte seines Verlustes, und die vielen Wunden der Seele bluteten alle zusammen. Starr sahen sich die Leute an, verstört standen sie auf der Gasse umher. Aber niemand zweifelte an der Wahrheit der Botschaft. Von zwei Männern geftüßt fam der alte Pfarrer die Straße herab. Die Lore geht zum Nachtmahl," sagten sich die Leute. Viele schlossen sich an. Der Zug ging nach dem letzten Haus. Der Pfarrer trat mit dem Nachtwächter und dem ältesten Sohn des Schulmeisters in die Stube der Sterbenden. Ein Span wurde angezündet und an der Wand befestigt. Der Sigrist bereitete das Nachtmahltischlein am Bette der Kranten. Der Pfarrer beugte sich nieder, und wie ein starkes Geräusch keuchten die Klanglofen Worte: „ Es ist Friede; wollt Ihr jetzt zum Nachtmahl?" Da suchte die Frau angstvoll mit den Augen und tastete auf der Bettdecke herum.„ Wollt Ihr?" wiederholte der Pfarrer.„ Seht, Ihr müßt sterben. Macht Frieden mit Eurem Gott und ziehet hin im Frieden!" Die Greisin riß die Augen auf und sah den Pfarrer starr an Wo ist das Salzfaß?" flüsterte sie. Der Nachtwächter sagte:„ Sie ist irr." Da trat ein harter, verschlossener Zug auf das Antlik der Sterbenden. Ich will" stöhnte sie. Was wollt Ihr, Mutter?" fragte der Sohn und nahm sie in den Arm. Ich will so sterben," hauchte sie und deutete mit der Hand nach der Mauer. „ Sie will der Wand zu sterben," sagte der Sohn. " In diesem Augenblick ging die Tür auf. Ein Haufen Männer stand draußen.„ Sachte, langsam," riefen sie sich zu, und halb führten, halb trugen sie den Enkelsohn der Sterbenden herein. Die Kleider hingen ihm in blutigen Fehen vom Leib, die Brust war eine Lache, aus der es dick und schwarz herausquoll. Die Männer wollten ihn in die Kammer bringen; aber mit starrem Blick sah der Todwunde nach der Großmutter Bett, und seine wankenden Beine strebten dorthin. So leiteten ihn die Männer, wohin er wollte. Er sank nieder auf das Bett, so daß es über und über mit Blut besudelt ward. Er tastete nach der Hand, und als er sie gefunden hatte, drückte er ein Ding hinein, das seine Faust krampfhaft umschlossen gehalten hatte. Da, Altmutter, da," murmelte er,„ Euer Patenkind läßt Euch grüßen und Euch sagen, es sei Fried im Land. Da ist das Salzfaß zum Zeugnis der Wahrheit." Das Pfand war ihm entfallen im Kampfe mit dem Untier. Darum war er nochmals zurückgekehrt. Darüber waren ihm die Wunden, die er mit Moos zugestopft hatte, aufgebrochen. Die Sterbende betastete das Salzfaß. Da leuchtete es in ihrem Antlitz felig auf.„ Gott sei Dant," flüsterte sie, Friede, Friede!" „ Sie stirbt ohne Nachtmahl," rief der Sigrist. „ Sie feiert es droben," Hauchte der Pfarrer. Küßt Eure Mutter noch einmal," raunte er dem Nachtwächter zu,„ und dann macht Euch bereit, bon Eurem Sohne Abschied zu nehmen. Ihr bringt dem Frieden ein schweres Opfer." Sie legten den Burschen sacht auf den Boden. Frauen wuschen ihm die Wunden. Der Vater legte sich neben ihn nieder und sah ihm in die brechenben Augen, " Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Boten, die den Frieden verkündigen!" raunte der Pfarrer. Da versagte ihm die Stimme. Er hatte den Buben mit den trokigen blauen Augen lieb gehabt. Der Todeskampf begann. Der Vater hielt seinen Sohn umschlungen. Derweilen füllte sich die Stube mit Männern und Frauen. Der Kampf war nicht schwer. Jezzt war es aus. Die Weiber fingen an zu weinen. Der Pfarrer kniete nieder. Da schwiegen alle und knieten gleichfalls. Nur der Nachtwächter blieb an der Seite seines Sohnes liegen. Der Pfarrer hub an:„ Ehre sei Gott in der Höhe Ein Schauer durchlief die Versammlung. Er hatte mit lauter Stimme gesprochen. Der Pfarrer selbst hielt entjeßt inne. Er mochte sich fürchten, von neuem zu beginnen. Endlich fuhr er fort. Erschütternd gleich dem Glockengeläute, aber rein und flangvoll schallte es durch die Stube: und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen." Berantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bettin( Bundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bet Stuttgart. Druckt und Verlag von J. H. W. Diez Nachf. G.m.b.h. in Stuttgart.