Nummer 1 b. Januar 1�21 � �____ Anterhaltuntzsbeilatze öes vorwärts <> kck»e»ve»lnsz>ck, KU»? untl fdtlicht, Bpinttfltr und fefinftle nicht, Denn da«(dort, das du critlOgett, Das wird nie und nie geflögelt. Marie Eiiner- Esche ubach, hütet das Zeuer! Bs» Heinz Fuchs. An» Kreuzberge. Der Abend giuft durch Wolke» und Jiveige. Der Himmel löscht seine starken Lichter ans. Die Burschen ritten näber an ihre Mädchen. Irgendwo auS einem lichten Fenster singt eine Geige. Da stapfen zwei Burschen den Weg herauf meiner Bank zu. Bride in Krücken. An meiner Seite hocken sie nieder. Dem grosien Blonden brennt ein Flackerfeuer auS beißen Augen. „Sehen Siel Heute jährt sich mein erster Arbeitstag zum zweiten Male. Der jahrelang ersehnte I Von der Schulbänke haben sie uns durchs Rotcxamen in den Schützengraben gezogen' Wer hat uns danach gefragt, ob wir»oollien? Wir mnbten' Die Bücher zugeklappt— ging'S hinan». Draußen haben wir Ge- chichte erlebt. Da unten vor dein Potsdamer Platze hinter grünen Garten- bäumen sollte ich sie lehren. Die großen Jungen um mlch s Haben Sie einmal solch liebe Kerle geschc», denen brennendes Mitleid au? den Auge» quillt? Denken Sie, unsere heranwachsenden Burschen sind alle Herden« tiere, die sich stoßen und schieben lasten t Lassen Sie sich erzählenl „Halten Sie eine freie Stunde l* sagt« man mir bei meiner Einführung. Die Bursche» saßen stille. Vierzig Augenpaare lagen aus meinen Krücken. In meiner Rocktasche knisterte die Zeitung. Geschichten und Geschichte darin. Nicht» für die Burschen hier l Oder doch?! Da tvächst hinten einer an der Wand hoch. Einer mit abgrundtiefe« Augen, mit Händen zu Fäusten geballt. .Wir halten hier von Zeit zu Zeit eine.freie' Stunde. Eine Stunde de» Aussprechen?, des rücksichtslosen Sich« Aussprechen« Könnens ist uns Bedürfnis geworden. Jedem steht da das Wort zu, der elwaS auf der Seele hat. Heute meld« ich mich I Ein Menschenleben soll so unendlich viel wert sein. ES auS« zulöfchen, wird als die schwerste Freveltat bestraft. Warum läßt man aber so viele deutsche Männer noch heute in Sibirien lang« sam verlöschen? Warum haben wir lvl? nicht Frieden bekommen? Da hätten sie uns den Vater nicht weg geschleppt ins graue Elend, wer weiß, wohin l Ob er überhaupt noch lebt? Vater ist 1914 ernst ausgezogen. Das Schreien und Brüllen hat er ntchl mitgemacht. Mit Socgenfalten und. grauen Haaren ist er ein einzige? Mal auf Urlaub gekommen. Die Heimat wollte ihm nicht mehr ge- fallen. »Sie kann Ilicht danken l' sagte er. .Wir leiden, stehen und fallen draußen. Ihr aber zu Hause müßt an uns glauben! Ihr müßt uns stützen l Sonst ist alles aus!' Der Vater ist uns genommen. Ich renne die Treppen auf und ab. Hau» um HauSl Tag für Tagt Trage Zeitungen früh und spät auS. Zerre Wagen von der Markthalle bis in unsere stille Straße, komme zur Schul«, koche bann zu Hause, ziehe drei kleine Mädel an, die ihre Vlaie an die Fensterscheiben brücken und warten, ob nicht heute endlich der Bater kommt. Die Mutter steht zwischen de» Kartoffelhaufen, Kohlköpfen und Obstkörben den ganzen Tag. „Wenn der Vater doch käme!' stöhnt sie. » Der älteste Bruder wäre 20 ln diesem Jahr«. Don haben die Polen erwürgt. Bei Siemens haben die Ingenieure die Hälse über seine Zeich- «ungen gereckt: .Seht, den Teufelskerl! Hier hat er schon wieder etwa? ausgeheckt l Stock einen Schritt weiter, und er ist ci» gemachter Mann. Dem müssen wir helfen 1' Wer gibt uns unseren Bruder wieder? » Und das biffel Leben wird teurer und teurer. Wer das wirk- llch noch nicht am eigenen Leibe erfährt, der sehe sich unter unseren armen Müttern um. De» schreit das todwundgequälte Mutterherze aus müden, schattenumzogenen Augen. Wenn ich an mein« Mutter denke i Im TageSdämmer sitzen tvir zusammen ans der Kellertreppe. Ich neben ihr. Die MädeiS schlafen schon in ihrem Schöße. Und sie erzählt mir, wie sie einmal glücklich und zufrieden gelebt hat. Bater ist arbeit?« und lebensfroh gewesen. Alle Tage hat er zu Sonnentagen gemacht. Nun haben sie ihn verschleppt, vielleicht doch schon umgebracht. Wer ist eigentlich wirklich schuld an diesem Fluchkrlege? O, ein Invalide au» dem Nachbarhause hat mir einmal aus die Schulter gell ptt. Der kennt mich! .Du quälst und rackerst Dich wie ein Großer ab! Mit Dir kann man auch sprechen tvie mit einem Großen. Siehst Du, den, der uns den Frieden in Wahrheit gestohlc» hat, müßte man anfhängeu l Nicht an einer Laterne I- Viel zu schade! Da hinten im dunkelsten Berlta steht eine Rotunde. Die Arbeiter gehen in großem Bogen vorüber und spucken ihren Priemlabak danach auS. Eine Pestluft ringsum. Dort eine» Strick gedreht«nd--—* Lebt wirklich noch ein Gott, zu strafen und zu richtend » Die Mutter hat das Beten verlernt. Abend» faltet sie die Hände, stiert tnS Leere, und von ihren Lippen tropft'S; „Ja wenn der Vater heimkommen würde." » Ich sitze dabei, beiße mir in die Handballen, um nicht aufzu« schreien. Ich balle die Fäuste. Zwischen meinen Zähnen- fließt süßlich warmes Blut. Mein Blutl Menschenblut I Die Adern köilnt ich mir durchbeißen, wenn ich der Mutter den Vater heiin- bringen könnte.. Wenn um'S rot vor den Augen flimmert, rüttelt nnch die Mutter: „Geh schlafen, Bubei' sagt sie. Dann wühle ich mich in der Ecke ein mit heiße» Augen und zuckenden Händen. ltnd die Mutler sitzt und stiert... Ich mag ein junger Bursche sein t Ein Dummer, bin ich nicht! Zwei reißen mich vor: der Vater und der Bruder. Ich vergesse nicht—— eine lichtlose Jugend— und ein vergehendes Mutier- herze——" Die grobe Gestalt klappt in die letzte Bank zurück. Achtzig Fäuste liegen geballt auf den Bänken. Ich sitze mitten drin. An der Wand lehnen meine Krücken. — Mein erster Arbeitstag ist das gewesen. Meine erste Stunde heute vor zwei Jahren. Ruf meinem Arbejtsfelde liegen scharfkantige Steine in Unzahl. Ui>d meine Pflugschar soll blinkend. durch solches Herzland ziehen? . Dem. blonden Lehrer brennt tiefes Mitleid aus Augen und Seele.—'7 Ihr Lehrer seid eine Großmacht in unserem Staate. In euren Händen liegt unsere Zukunft, unser Kinderaufblühen. Hütet das Feuert—■ Am Kreuzberge fitzt die Nacht mitten am Wege, und der Himmel löscht seine letzten Lichter aus. Vom wattöelbaren zum ewigen Kalenöex. Von S>r. I 0 h a n n e s K I e i np a u l. Währeird des Weltkrieges, der so vieles änderte, was unab- änderlich erschien, wurden allerlei Vorschläge auch zu einer Ka- lenderreform gemacht. Sie sind nicht durchgedrungen(die„Sommerzeit" würde wieder fallen gelassen): nun loerden sie als Folge der Revolution erhofft. Möglich, daß diese sie uns noch bringt, es wäre der Wunsch von vielen. Denn daß unser Kalender höchst verbesserungsbedürftig sei, ist allgemeine Ueberzeugnng. Freilich war er das schon immer. Unsere Zeitrechnung, auf der der Kalender fußt, gehl aus die alten Babhlonter zurück. Schon Jahrtausende vor Christi Geburt, von der ab wir jetzt rechnen, ist in der Ebene zwischen Euphrat und Digris der Gedanke aufgetaucht, daß die Sonne den Tierkreis durchwandere und damit die Zeit einteile. Doch schon zeitig merkte man. daß diese..Welhihr" nicht ganz richtig jftng. Sckon daS Alte Testament, in einem seiner ältesten Teile, gibt davon Kunde; im Zweiten Buch der Könige liest man!„Der Sonnenweiser von Ahaz wurde um 10 Grad zurückgerückt." Das geschah im Jahre 737 vor Christi Geburt. Um dieselbe Zeit wurde die Stadt Rom erbaut, mit deren Kalender wir im wesentlichen jetzt noch rechnen; römisch(lateinisch) sind olle Monatsnamen, auch vieles andere leitet sich von danials bcr. Schon unter ihrem zweiten König, Auma Pom Pili us, ivnrde aber auch hier der Kalender geändert. Das Jahr deS ersten Königs, Rom ulns. hatte nur 10 Monate und 304 Tag«; es begann m.it den, März. Januar und Februar fehlten noch. Auma sah aber ein. daß man mik dieser geringen Zahl nicht auskam. Er hielt sich an die zwölf Umläufe des MondeS um die Erde, die ein Mondjahr von 354 Tagen ergaben, und so fügte er de» zehn„Monden" noch zwei hinzu, den Januar, der als„Großes Horn" das Jahr eröft- nctc, und den Februar, der es ursprünglich als„Kleines Horn" schloß.. Aber auch mit 354 JahrcAagen konnte man nicht lange aus- kommen. Zuerst schaltete man alle ztoei Jahr«— nach dem £3. Februar— einen Monat von abwcchselild 22 und 23 Tagen ein, bis Jnltus Cäiar besser« Ordnung schuf, indem er endlich wieder zum Sonuenjahr zurückkehrte. Da diesem aber 305 � Tag« zugrunde liegen, ließ sich nur mit einem„gemeinen" Jahr von 305 Tagen wirtsebaften und jedes viert« um einen Tag verlängern; so entstand das„S ch a l t j a b r", in Wirklichkeit nur em»Schait- tgg", der nach dem 24. Februar eingesetzt wurde. Seitdem (44 v. Chr.) rechnet man mit dem„Juliantschen" Kalender. Bis zum Ausgange des 4b. Jahrhunderts war dann der Ka- lendcr wieder um 10 Tage der wirklichen, astrorunnischen Zeit vor- aus, weswegen sich Papst Gregor XIII. im Jahre 4502 zu einer abermaligen Kalenderreform entschloß, indem er der ganzen Christenheit die Ersetzung d«S„Jul'anischen" durch den nach ihm benannten„Gvegoriaiiischeu" Kalender gebot. Da aber die Christenheit gerade damals in schärfsten Gogeilsätzen einander gegenüberstand, machten di« Protestanten nicht mit, und so wurde namentlich in den' Ländern deutscher Zunge lange Zeit doppelt datiert, wie heute noch im Verkehr mit Rußland. Am 20. September 1699 wurde endlich auch im protestantischen Norden der neue Kalender von allen Kanzeln herab verkündet. Mit dieser Kalenderform waren wieder einige bedeutsame Ren- derungen der Zeitrechnung verbunden. Auf dem Konzil zu Nizäa vom Jahre 325 wurde d«r jetzige Schalttag eingesetzt, durch Papst- Gregor aber im Jahr« 4582— zwecks Erzieluug noch größerer Ge- »auigkcit— angeordnet, daß er an den Schlußjahren der Jahr- hundert« ausfallen solle, soweit sie nicht durch 400 teilbar find. Von allen diesen Kalenderreformen ist die des Konzils zu Nizäa vom Jahre 825. die den Osterterimn(mit einem Spielraum vom 22. März bis 25. April) und damit das ganze kirchliche Johr so unzureichend regelte, besonders ärgerlich Schon Luther schall darüber; er nannte Ostern deshalb ei»„Schuckelsest". Zu seiner Zeit sielen Weihnachten und Neujahr aus einen Tag. Daran wollte er merkwürdigerweise nichts geändert haben Ursprünglich wurde jedoch Christi Geburt erst am„HohnenjvhrStag"(0. Januar), am GebnrlStagc der neu emporstrebenden Smm« gefeiert; erst im 4, Jahrhundert wurde di« Nacht des 24. Dezember zur„Heiligen Nacht". Und das Osberftft— als Frühliugsfest— galt noch viel langer, fast. bis zu Luthers Zeit, als Jahresansang. Daher nannte man die„Ostereier" ursprünglich„Neujahrseier"...... Mit vielerlei verschiedenen Kalendern wird heutzutage noch gerechnet. Die Kirche hat ihr besonderes Kirchenjahr. Das Geschäfts- jähr der staatlichen Behörden beginnt am 4. April. Daneben haben die Israeliten ein anderes Jahr, diie Buchhändler und andere Ge» loerbe wieder ein anderes Was wir statt dieses Vielerlei brauchen, ist ein einfacher, fest verankerter, unabänderlicher Jahres- lauf. An bemerkenswerten Vorschlägen dieser Art hat eS nicht gefehlt. Der beste wohl, den Silvester- und Neujahrstag— Jahresanfang und-ende— als Feiertag zu begehen. Dann bleiben 304 Tage— eine durch 4 und 7 teilbare Zahl— übrig;, man gewönn« vier Jahreszeiten mit je 43 Wochen. Jeder Monats- und Viertel- jahrserste wäre ein Sonntag; das gibt eine gleichmäßige Zeitein. teilung von. übersichtlicher Einfachheit. Jeder wüßte dann auch, an welchem Wochentage er geboren ist. Und der Schalttag, der alle vier Jahre diese Ordnung stört? Er würde immer— als Gegenstück zum Wahnachtstage, dem Tag der Wintersonnenwende— am Tage der Sommersonnenwende, auf der Höhe des Jahres begangen, ebenfalls als Feiertag und daher im Erwerbsiebe» nicht gezählt. Ein allgemeiner Weltfeiertag zwischen Frühjahr und Sommer, nur jedes vierte Jahr einmal I Gerade in jetziger Zeit, die mit so vielem überlebten Alten aufräunit, darf mm, wünschen, daß dies auch mit dem allgemein peinlich empfundenen Kalender-Schlcndrian geschieht. �US öen?ugenöjahren Kar! Legkens. Ein alter Parteigenosse schreibt uns: Karl Lcgien war armer Leute Kind und hatte zu dem Unglück, nicht vorsichtig in der Aus- wähl seiner Eltern gewesen zu sein, noch das andere: er verlor seine Eltern im frühesten Kindesaltcr. So wurde er im städtischen ZLaisenhaus in Thorn erzogen. Das Waisenhaus lag damals am Rande eines Tannenwäldchens ganz in der Nähe der Weichsel._ Der Waisenvater war ein rechter Mann, in der ganzen Stadt unier dem Namen Vater Bär bekannt, ein wdßbärtiger Alter, wie ihn das Märchenbuck schildert, und ein Vater für seine Zögling«. Vater Bär war aber nicht nur Waisenvater, sondern auch Lehrer senier Zöglinge, und nach allem, ivas man von ihm hörte, muß in oicscm Waisenvater ein guter Pädagoge gesteckt haben. Für seine Kinder war er der rechte Pestalozzi, der die chm cdnvcrtrauten. Zöglinge auf Schritt und Tritt betraute und belehrte. An das einfache, aus roten Backsteinen erbaute Waisenhaus stieß der Waisenhansgarten. Hier wurden die Kinder vom Vater Bär in der Gartenarbeit unterrichtet und ausgebildet. Und hier erschafften die kleinen Hände einen Teil der einfachen aber guten täglichen Nahrung. Hier mag dem kleinen Karl Lechen zum erstenmal der Zusammenhang der volkswirtschaftlichen Dinge aufgegangen sein. Wie in den Schulen Rußlands— damals noch jenseits der Grenze— wurden auch im TSatsenhaus in Thorn die Zöglinge in eine seltsame Uniform gesteckt. Sie bestand aus dunkler Tuchhose und einer ebensolchen Joppe.. Diese uniforme Kleidung gab den klein-cn Pfleglingen. ein drolliges Aussehen,, besonders nietm sie sich ans den Spielwiesen des Ziegeleigartcns anläßlich festlicher Ber- anstaltungen beim Wuikangeln, beim Hasche» und Fangen des be- rühmten Thorner Pfefferkuchens vergnügten. Die Bürger Thorns waren stolz auf ihre Waisenkinder. Freudig und stolz sahen sie auf daL Heranreifen ihrer Zöglinge, und am Weihnachlsfest ließen es sich die Swdtväter und Bürger nicht nehmen, die Elternlosen zu befilchen und durch Geschenke zu erfreuen. Das Handwerk stand zu jener Zeit im. Osten des Reiches noch immer in großer Mine und großem Ansehen und hatte einen goldenen Boden. Es ist bezeichnend für die Erziehung durch den Vater Bär, daß seine Zöglinge mit vollendetein 44. Lebensjahre fast ausnahmslos ein tüchtiges Handwerk erlernten. Weiin die Zöglinge die Anstalt verlassen mußten, so waren sie sich schon dar- über schlüssig, welche» Beruf sie zu ergreisen hatten. Vater Bär kannte Gabe und Charakter seiner Schutzbefohlenen und hatte einen guten Rat immer bei der Hand und war um eine gute Tat niemals verlegen. Es war damals bekannt, daß einzelne Berufs deS Handlvrrks in Thorn und der Umgegend ihren Ersatz an Lehr- lingen anLnahmsloS ans den Reihen der Zöglinge des Thorner Waisenhauses deckten, da die Erziehung 111 diesem Waisenhaus« für Treue, Arbeitssreudigkeit und frohe Pslichtcrsüllung bürgte. So trat der kleine Karl in die Lehre des Drcchslermeistcrs Bar- kowski, meines Vaters, ein, um das Drechflerhandwerk zu erlernen. Fünf Lehrjahre erschienen dem kleine.,, Karl damals als eine recht lange Zeit. Doch die Zugehörigkeit zur Familie, das gemeinsame Recht an den Früchten der.Obstbäume im Hausgarten und der alte Festungsgrabe». der noch ans der alten polnischen Zeit herrührte und als Spielplätze für die halbwüchsige Jugend besonders geeignet war, haben ilnn die Zeit schnell vergehen lasse». Und so ging Karl Legien, ein noch nicht Zwanzigjähriger,»in Ostern 4380, wie fast alle seine Lehrkollcgen. nach Berlin, der em- porstrebenden Metropol« des neuen Sieicbcö. Und er hat seinen Weg gemacht. Wenn er aber auf keinen Reisen durch aller Herren Länder an die Statte seiner Jugend kam, so machte er für einig« Tage halt. Dann n>ßte er seinen alten Meister aufsuchen und ihm und der alten Uute noch lebenden Meisterin und stell vertrc- tendcn Mutter mit Anhänglichkeit und Dank die Hand drücken. tNutter-GeKickte» Von Hanns Jobst. Die Wolke wird ihm Wiege, Windel der Wind. In Meinen beiden Brunnen Die Milch schon rinnt. Ich möchte wirklich wissen, Wem es reicher ging, Als unter meinem Herzen Dem geliebten Ding. lind wenn eS später hungert, Neun Monde hat es gepraht; Da war es tief im Herzblut Seiner Mutter zu Gast. » Wir wollen den Himmel stürzen, Meine liebe Frau, llird seine Gewölbe nehmen Für einen Wiegenbau. Wir wollen mit Wielen und Hängen Mit Wolken und Wäldern ihn süll'n, Im übrigen soll stch der Bengel � Sein Nest dann selber tvühl'n. » Die Erde ist klein, mein Junge! Ist Anlauf nur zum Sprunge: DaS Auge soll Peitsche sein I Jage, mein Junge, in daS Blaue hinein! Morgens um halb örei.«. Von Theodor Thomas. Wie es eigentlich gekommen war? Hilde und Dietrich zer- brachen sich nun schon seit drei Tagen den Kopf. Er war am Zahltag nach Hause gekomme», hatte ihr wie ge- wöhnlich die 200 Mk. auf den Tisch gelegt und sie augesehen. »Mehr nicht?" fragte sie Dietrich. Dieses„mehr nicht" fuhr ihm ganz gewaltig in die Nase. „Ja meinst Du, ich kann von der Luft leben, zwanzig Mark in der Woche werde ich doch wohl noch ausgeben dürfen". Das klang gar nicht lieb. Bums— da war sie beleidigt und zog die Unterlippe hoch, datz sich die Backen kräuselten. Nun mopsten sich die Beiden. Die vier Fünfzigmarkscheine hatte sie nicht angerührt. DI« lagen seit Donnerstag abend auf der Nähmaschine. Er sah daS Geld auch nicht mehr an. Da lagen nun die 200 Emmchen und wunderten sich, daß sie so viel Zeit hatten, während sie doch sonst gleich ihren Besitzer wechselten. Keiner sprach mit dem anderen ein Wort. Sie hatten beide harte Schädel, jeder sagte stch, du darfst den Ansang nicht machen, sonst bist du der Dumme. Es war halt ihr erster Zioist, das nächste Mal würde es schon besser gehen. Innerlich blutete ihnen das Herz. Am liebsten wäre er seiner Hilde um den Hals gefallen und hätte ihr die Ohrwatscheln geküßt. Aber Dietrich biß die Lippe» zusammen und ärgerte sich über seinen harten Kopf. Sic litt noch mehr Ivic ihr Mann. Alvr das erste Wort reden? Ri« «nd nimmer. Ihre Mutter hatte gesagt:„Hilde, wenn Du Dich bloß muckst, fliegst Du's mit mir zu tun. Der soll nachgeben— die Frau braucht nicht aus sich rumtrampeln zu lassen." Das tat sie auch nicht. Aber es mar schon Sonutag abend, und der Trotzkopf verzog keine SKkqe. Die 200 M. lagen noch immer da— aber sie waren schon stark angefressen. Bildlich gesprochen natürlich, denn Hilde hatte im Konsunt dem Vertoalter die Geschichte erzählt und der gab ihr Kredit. „Wie bringe ich nur den Mann zum reden?" so fragte sie sich hundertmal. Sie legte ihm kein Handtuch zum Abtrocknen hin. Er must kommen, sagte sie sich, er wird um eines anhalten, da wird»in Wort das andere geben und dann... Aber er trocknete sich mit dem Taschentuch ab und war der- gnügt. Sie„vergast" sein Frühstück, er ging ohne seinen gewohnten Happen fort; kurz, das ersehnte erste Wort kam nicht von setuen Hippen. Aber sie brauchte uun bald das Geld. Dietrich mustle jeden Morgen ein Viertel»ach sieben aufstehen, pünktlich um acht hatte er in der Werkstatt zu sein. Am Mittwoch früh sprang Hilde mit beiden Füsten zugleich aus dem Bett. Sic hatte vergessen, den Wecker zu stellen, sah ängstlich nach der Uhr:I Hunmek, schon ein Viertel nach sieben. Sie machte rech! lont,> damit„er" wach würde, denn diesen Trotzkops mit seinem Namen zu rufen, das wäre gegen die Befehle der Mutter gewesen. Wie Dietrich feine Frau.so rumoren hörte, war er auch rasch iu den Kleidern. Bald stand der Kaffee auf dem Tisch und-- sie setzten sich zusammen wie zwei Stumme an ihre Tasten. Er sah wie versteinert in feinen Trank, sie inierefsierie sich sehr für das Muster der Tischdecke. Beiden war das Herz zmn'Zer-- springen voll— aber sie hatten sich in der Gewalt. Da schlug die große Uhr in der Nebenstube drei dumpfe Schläge. 'Bum, bum, dum ging es.. Beide sehen sich in die Äugen, er zieht seine Zwiebel auZ der Tasche: genau drei Uhr. Sie holt ihren Wecker: drei Uhr in der Nacht. Do lachen alle beide so gewaltig, daß. ihnen die Tranen kommen. Es ist schwer zu sagen, ob sie bloß aus guier Laune .über den Scherz so nasse Augen bekommen, oder ob nicht zugleich die Freude sich darin spiegelt, dast nun das Eis gebrochen ist. „Hilde, Goldkind, bist Du denn so verschlafen, daß Du halb drei Uhr mit Viertel nach sieben verivechfelst?" „Ich Hab bestimmt gemeint, Dietrich, es wäre nach sieben." „Ich glanb's, ich glaub's.� Nun aber, komm Schätz, das soll unsere VersöhnungZstunde sein: Morgens um drei, gelle?" Wie sagt Schiller? In den Armen lagen sich beide und weinten vor Schmerz und vor Freude. „Nun aber schnell wieder inS Bett, Hilde, komm, noch haben wir vier Stunden zum schlafen." „Ja, ich komme gleich," gab sie zurück,„ich will nur erst daS Geld wegnehmen." „Siehste Hilde, so hast Du eine Masse Geld gespart." „Meinst Du? Bon dem ganzen Krümchen gehört mir kein Pfetnitg mehr, das bekommt alles der Konsum und die Röhlsü: für Fleisch." „Ja, aber was hättest Du denn nun morgen oder übermorgen ang'efangcn?" „Frag nicht, komm sei lieb, und nun wollen wir keinen Trotz» �kops mehr machen. Wegen der paar Pfennige ärgert man sich so schon genug, da brauchen wir uns nicht noch das Leben zu ver- gällcn." „Hast recht, Hilde. Und Dn bekommst jetzt 20si M. in der Woche» ich komme vielleicht mit lb M.«US. Ist Dir daS recht?" „Du guter Dietrich." sagte sie bloß und gab ihm einen herz- haften Kuß So wirkte das bißchen Zufall ftiedeusstiftend. Und mancher wird auf den Gedanken kommen, oh man in ähnttchen Situationen nicht manchmal Vorsehung spielen und dem„Zufall" herbeisiihren kann. heilige Muttersthaßl Die nackten Füße schreiten zwischen dornspitzigen Wüsienkrfüttern, aber Sonne fließ:, wie träumend in duldendem Harren empsanaen. über Scheitel. Brüste und hohen Leib,«nd irr der zarten ökchterr sprießt ein blühendes Pflänzlein auf. Ich nebine wieder und ivkder das kleine Buch zur Hand, das außen dieses Bild trägt. Vergewaltigung sengt das Glück unserer Gegenwart zuschar�den, srißt allem menschlichen Fühlen.die Seele an. krümmt ihr atmendes Grün, dorrt es zu schlechtein Staub. Kinderopker stecken, fallen in unerbörteri Mengen. Mittierschaft, enrpinndev als feindlich düsteres Verhängnis wird ans Daftinsnot geflohen. Hohn out Vernunft! Daiein fürchtet, haßt seinen Sinn und Zweck. In diese Verkehünng von Denken und Fühlen hinein blüht dieses kleine Bück „Mutter", gedichtet von dem junger« Hanns Jobst: Dank dem Verlag Albert Langen, daß er dem Buche zum Leben in unserer Mitte verHals. Denn eS ist ein Labsal in wüster, dorniger Zeit. Ein Besinne» auf heiliges Gut. das wit nicht misten können, nlr das wir Sehnsucht und Freude htneirrweben müsse», ein Wtedergewiitnen lauterster LebenSehrsurcht als des Besten in n,s selbst. Diese Verse von Hanns Iahst sind ein tiefstes Erlebe» der'.eäha werdender Mnlterschast. Sie weben aus der Seele der Fra« de» Mannes, in dieser Zeit wundersamster Einheit, die der Ei füllung deö Daseins gegeben wird von der Natur.„Nnr in den mrdern vermag anfzuersteben dein Wesen. Siebe die Liebe I Sie wird i» der Er- süllunq Geichlecht l" lind hier lösten sich im Düsein eineö lübe- gebcndeir ManneS Verse so von lichtem Ernst und klarer Weihe er- iüllieir Geiste« ab. daß sie wie ans dem Innersten eines bosfeuden jungen WcibeS eratmet wirken. Denken und Fühlen, ganz von dem werdenden ricncn Leben eingebuint wie in ein Wundernrarchen, stehen lauschend, schauend, crlvariungsfroh am Urquell des Leben«. Ein Buch wie dieses, das Johtts Namen weit tragen wird gab deutscher Dichtung»och keiner. Keusch, wahr, schlicht, star! find seine lichten Blätter. ES hat Kräfte herzseliger Innigkeit, und es bat e>» Sebcn und Erkennen, daö in befreiter Sicherheit aussagt, wo sonst soviel Grübeln ans balbem Wege geicsteli stockt. Freude und Heilung ist hier. Gnade im Anschauen des ewig werdenden Handelns, deren Träger der Leib ist. in dem„ans dunkelster» Grunde Leben zu eigener Besinnring erwacht". DaS v»ch wird wurzeln, weil es schönes, reines Leben ist. irä. wissen und Schauen. Der Itttttmr--Ster«e«chju,mel,©dWu ehe es bui'.feO, ziebt der <>''!"z-iÄ>e Adendstern, der Planet VcnuS. der am hellen Stidivest- lanuael straW. den Blick auf sich. Bald tauclit in seiner Nachvar« sc' afb an? dem hellen yrmmelögrnnse ein weilerer Planet auf; iyiarS. Am l. steht Mar? über Venns. Mitte Januar geht VcnuS an Äiars ootdct; zuletzt sieht sie erheblich lhclS über ihm. Der rrsir Kixstec«, der in der beginnenden Dunkelheit als erster Stern i-ach Venns fichttwc wird, ist Wega. Den HimmelAvagen snrden l'A über dem nördlicheii Horizont. Der Alifärlger gehe bei allen Uehungen im Aussuchen den G\ ilnCbctn gp« ihm aus. Seine beiden Lintera," Sterne leiten fum Agvdstecn(Polarsterns. Dieser steht ziemlich genau in der >'i chlung der Erdachse im Raum und ist daher der ruhende Mittel- smnkt der ltmlaufsbeweWng des scheinbaren Himmelsgewölbes, die <-Ise anderen Gestirne binnen je ii Stunden einen Kreis not ihn alr. Mttte beschreiben lästt. Er wird so zur nie trügenden Nord- marke an unserem Himmel und zum gegebenen HauhtorientierungS- strr».?lbends ly Uhr oecet it' der Südhimmel die schönsten Stern-- bilder de? Wlnterhimmels. SiriuS, oer hellst- aller Fixsterne. poangt im Süden, über ihm rechts die graste Figur des Himmels- stifterS Orton. Nahe-dem Scheitelpunkt steht Kapella, links unter ihr»is ZwillingSsterne.Kastor und Pollux. rechts unter ihr Alde- Iwran und unfern diesem das allbekannte Stcvengestirn(Gluck- Henne, Plejadeni. Links über Sirius, dem Hauptiieru des �Grasten Hlnides. steht Prokyon. der...Klecn« Huna". Im Osten kommt illegulu? mit denr Bilde des Löwen herauf. Im Westen zeichnet sich deullich das gcoste Viereck des Peg-asus ab, in> Norden daö kleinere, das da? Haupt des Drachen darstellt. Dieses nimmt den Ort ein, den bei Beginn der DunkÄheit der Himmelswagen hatte; der ist inzwischen hoch an de i Südosthimmel emporgeioandert. Kälte fchiiht gegeu Erkältung. Sclmn daS Wock Eckätknig be- stärkt in Vielen die irrige wnv nicht oeiszurotteirde Ansicht, such tt»u s-ch am mchsden dieser KvanZhei-t a�cöstetze. wemc man sich der Mlke t-erssetze, und dast nüiglichst biet Wävnie der beste Schutz da- gsgrn fei. U-m die Müder dar dem schli-mmen Husten n-ird Schnup- fcu zu bewahren, KsSden sie die Mütter M warm an. halten sie bei tuUeur Wetter in den Stuben u-nd inachen st« gerade dadurch zu Wesen, die den ErkältnngSbaz-lllen besonders wen st; Widerstand en'.gegerisetzen. Mmr M-iesst die Fenster, w-M' man jeden..Zug" füatot und gibt gerade dadurch den Bakterteic die besten Löbens» t�i-i-ügtriigo», vor de,«« nmil sich zu schiitz.m hofft. Die Eefchnrugen deo Krieges und die grostZü-gigen Aorschnngen-über den wahren Ehavakter der Kvamthcit, die man»ot Erkältung ke,irichuet, höhnt bewiese», dast Kälte, d. h. frische«j-nc Luft bor sehr niedrigen Te ttvönÄutlavabe«, gvr-akWZu das beste Mittel ist. sich davyc zu be- «ahren, während der Atrscu-tchAt in d-uMpsen überheizten ZÄmnern die meisten Opfer fordert. Unter diesem Gesichtspuin-kt ist unsere Sange Leben Ä>atttt»rg oiner Revision zu unterziehen, und dieS wird. ot i) chschehe-n, woiia erst die allen Vorurteile aus-pre rottet sind. Wie f. ich-st ti z. B., die Blusen nrit dem tiefen HalSäuSfchMd für Emättungen vevanlwortdch zu machen. Das gerade Gegenteil ist Fall. Seitdem die Rade HakS und Nacken frei gemacht hat. find in,- rmungSorMim der Avauomvelt sehr viel weniger tvhanft. ES ist rue iLOüwnbtg, das; man den Körper durch die Kleidung recht > arm Hütt, dann schadet der AuSschnikt nichts. r ie Erkätlunge» werden durch tlebcrtvaguug von einer Person a-li die a-Äere weitergezteben, und est« solche Berpflanz-ung ist in e.m m tv.ivmeu Raum sehr biet leichter als in der freien Lust. ES i T-. t sich mm allerdings bei Leuten, d-i-e viele Erkältungen durch , m.-ch; halten, eine Art Jmmmnsterui» heraus. Diese sich all- S! bildende Jmotnrnisioruiig reich i-iidcrt, dach die ErtÄtmig com Zchädigun-gAi hervorruft. Die Saat sind die Rrkroben, Der ii, rncf denr sie gesät werden, stick» der Zustand unserer Ii mmqAorglwe imd die Berhültnisse, un>!>er denen wir leben. Bei v! ettt. und nassenr Wetter wird man iu der freie» Luft keinen : nun bekommen. Wohl aber in geschlossenen Räumen, durch die itiu-ungSorzar« sti einen weniger mÄerftand Sfährg.'m Zustand .afest, werden. Wer keine diälte fürchtet, sich körperlich bewegt »md u-ästig lebt, der ist immun gegen die Ansteckung durch Erkä!- tu.'.gen und bleibt gesund. Este neW« Auwendmi« der Rseiitgeiistrohlen. In erstaunlichster Weise finde» sich auster der allgemein bekannten Anwendung der R tenkgensrrahlen in der Medizin immer wieder neue Gebiete, wo dies- iurzpoeklige Strahlung wie ein dem Merstchengeist voraus- gesandter Pionier Dinge erkundet, die nn.S sonst verschlossen iu uvu. So hat man niit Hjtse der Roentgcnstravlen neuerdings den Feinfout der Kristalle erforsch! und ist am Werte, durch sie Auf- .stbtnst über das.Blmretenshjtem" der Atome zu erlangen. Das find weiterhin bekannte Dinge, allster den Fachlreisen völlig unbekannt ist dagegen eine neueste Anwendung der Roent- geuylw'ographie in der metallurgischen Technik. Wen« man nämlich Metaltplatlen aus die gewöhnlich« Art wie ein krzt mittels Rosntgenstrahlen jchoiographiert, kann man dadurch deren fetustc und verborgenste Knregelmätzigtxitcn, nament- lach Luftblasen und Sprünge, mit Sicherheit feststellen, namentlich. tvci-n zu. Vermeidung der bekannt«,, Strahlung, die Rociitgenlichk in dicken Platten hervorruft, diese mit einer Bleisthicht überzogen werden. Män ist durch siereoffopische Ausnahmen sogar imstande, die Tiefe und genaue Form der Materialsehler auf das sicherste iesizu- stellen und hat nach Schneider soeben auch eine Methode er« sonnen, um ans dem Roenlgenbtld sogar die besonderen Eigen« schaften des Stahles feststellen zu können. Es ist z. B. sein Wolfram«- gehalt«der der an Kohle aus das genaueste dadurch zu erkennen, als mit wechselndem Gehalt auch die rocntgeiiologischc Durchsichtig» keil des Stahles verschieden ist. Diese Methoden greifen nun auch auf Gebiete über, an die früher kein Mensch gedacht hätte. Die zu so viel Betriebsswrungen Anlast gebenden Jebter in de» Kohlenstiflen, wie man sie für Bogcallnupen benvendet, werden vor den Leuchischirn, eine? Ro cn t g enappara le s gehalten. Auf de» ersten Bllck sind chre Mängel, die sich sonst erst in, Gebrauch gezeigt hätten, offenbar. Auch das Guttamcha. das zur Isolierung von Kabeln verwendet wird, tästt. sich mtt gleiche Weise prüfen. Man be, erteilt mit Roentgensttahlen auch die ätzende Wirkung von Säuren auf Metalle und geht neuesten» mit großem Erfolg zur Untersuchung von Edelholzer» über. So wird der Roentgxnapparat gewissermaßen zu einem neuen .Auge" des menschlichen Genius, gleichwie das Himmelsfernrohe und Mikroskop ihm längst neue Wetten erschlossen haben, und die Zett ist wohl nicht mehr fern, da jede Fabrik die Rventgenlamp« bei der Makerialprüftnig anwendet. Tckmeesturm in den Alpen. Wie die Engadiner Blätter melden, wollte vor kurzem ein grosterer Pserdetransport den JulierpaF überschreitcni,«ertet dabei aber in einen Schneesturm und wurde ailScinandergeiprengt. Die Begleiter erreichten nur»nit knapper Not Silvaplana. Einem der Männer waren Hände und Ohre« erfroren, und mich die anderen kamen völlig erstarrt unten an. In jedem Fahr erfordert der weiße Tod in den Alpru, wie i» der...Köln. Ztg." ausgeführt wird, eine große Zahl Opfer, immer- hin glücktichertoeise nicht mehr s» häufig wie in früheren Zeiten, als ma» die Alpenpässe zu Fuß, zu Pferde oder mit dem Schlitten überschreiten mußte. Der Schnee des Hochgebirges ist ein ganz anderes Gebilde als der im Tiefland. Er hat wenig mehr mit der laugsaiu dahinschivebendsn- Schneeflocke gemein, sondern ist-.nehr körnig und trocken„ud daher viel leichter beweglich. Er ähnelt mehr dem feinen Wüstensaud, und so ist es ohne tveitercs verstäud- (ich, daß er. vom Sturmwind gepeitscht, mit einer gaitz anderen Ge-. schwindiglekt dahinjagt als die weiche Flocke, daß er überall ein- dringt, alle? einhüllt, die Luft mit ungeheuren Wolken kleinster Kristalle verfinstert und schließlich alles Leben ertötet. Dazu das wahiisinnige. zornige, entsetzenerregende Tobe» des Sturmes uwd die eisige Kälte. Bon allen Seiten schlage» die Fluten der Eis- nadeln um einen zusammen ihr niiaüfhörl icher Wirbel beiäubl einen; endlich versagen die Sinne, die Gliedmaßen erfrieren und ein Einatmen der zu Eis gewordenen Luft wird unmöglich. Wie viele wackere Deutsche, die im Verlauf der Jahrhunderte von der Sehnsucht»ach dem Süden getrieften oder als Pilger oder Handels- lenke dir Alpen überqueren tvollie», sind in einen solchen Schnee- slurm geraten un-d sein Opfer geworden! Gerade in jenen GeoirgSemschmiten, durch welche Straße» und Pässe führen, toben die wütenden Elemente am bösartigsten, und der Große St. Bernhard, der Gotthard, der Bernhardin und der Panixer Patz in Graubünden sind in dieser Bezieh» im von jeher am berüch'tigften. Auf letzterem ward ein großer Teil des rassischen Hcereo unter Suworow 1 7lB eine Vctlkc der Schnee- stürme. Die Hospize und ZufluchtShänser verdanket, dieser(Kefahr ihre Entsteh-ang. Tatsächtich sind ja auch viele rrschövfie unhl fliichiende Wanderer vor dem sicheren Tod durch sie gerettet Warden. Ivo bei die klugen und treuen Spürhunde die besten Dienste ye- leistet haben. Der Ziminergartc» jn, Januar. Der Januar bringt dem Blumeufrcund eine Menge Schlviecigleilen. Bor allem muß für die richtige Erwärmung der Zimmerqewächf« gesorgt iverdeir. Deshalb müssen die Zimmer, worin loärmebedürftige Pflanzen stehen, bei größerer Kälte gegen Abend nochmals geheizt werden, denn die Wärme darf im Laufe der Nacht nur um loeiiige Grade fallen. Deshalb nimmt man auch die Blumen um» Fenster weg, da sich dort die Luft so sehr abküblt, daß zarte Pflänzchea unbwingt Schaden nehmen selvst die härteren, meist zwischen den Doopelfiiistern steh enden Primeln nehme man lieber ins Zimmer. An mildere» Tagen inuß gelüftet wer-deu. währenddessen ganz empsindttcha Pflanzen am besten in ein anderes Zimmer gesetzt werde»! härtere Pslairzen sind auch bei andqnenideitt Frosiimitec zu lüften. N-cht minder schwierig ist das Gießen. Mit Ausnahme einiger weniger Pflanzen, die Uni diese Zeit von Natur an? blähen oder die ge« trieben werden, bcfin-deu sich alle im Zustand der Nnhe. Diosq ruhenden Pflanzen sind mehr trocken als feucht zu hatten; Natürlich nicht staubtrocken, dies ist nur vet Fettpslanzen wie den.Kakleen angebracht. Es ist also nur selten und mit überschlagenem Walle« zu gießen, lufun ei aber geschiebt, so ist«S gründlich zn inn, o»iß der-Ballen vom Wasser auch loirklich durchzogen ivird. Die Pflanze!« sind rein zu halten, dürre Zioeige und welke Blätter stnd stets zn entfernen. Ungeziefer und Staub werden durch luöchcnllichcs regelmäßiges Abwaschen der Blätter bekämpft. Die im llebecipintcruugs- räum befindlichen bärtccen Topf- und Kübelgewächse siud ebenfalls zu gießen und zu lüften: Knollen und Zwiebeln auf faule Stellen regelmäßig zu iiuterfuchcit. Da? Vlitmen treiben wird in der be- kannten Weise anSgxfübct. Die. Hhaziulhett und Tulpen machen keine Schwierigkeiten, andere sind feucht zu halten und mit ivarutem Wctsser zn gießen und zu besprengen.