Nummer 4 27. Januar 1421 _,___ Anterhaltungsbeilage öes Vorwärts � �SEÄfsssca =CS\ Das ßewuQtreCn der 6Inht(t unteres Cdefens mit allen anderen offenbart lld» In uns durch Hiebe. Die Hiebe Ift ein Grweitern des eigenen Hebens. Je wehr wir lieben, um fo weiter, voller und freudiger wird das Heben. T a l st o!. 4p■■.■ CS/ Weshalb sie kein Klmsiar wurde. Von Erich Tffter. Sie war ning und schön, hatte genau, tyie es im Liebe heW, pechschioarze?sl!gcn mch einen li'cschrown Mund. Dazu eine Doppelreihe l'litzenb-zveisjer ZSHnchen, zmei allerliebste Grübchen und wellige? Blondhaar hechte Dauerware). Wenn ich mm noch hinzufüge, dag ihr Vater Geheimer NechnungSrat war. stet? eine � gestrenge Amtsmiene zur Sdxru trug und eine Haut hatte, die so gelb und ledern.war wie die ältesten Aktenstücke seiner Registratur. so habe ich eigentlich ihre Charakteristik erschöpft. Doch nein: die Hauptsache hätte ich beinahe vergessen; sie lvar flimnieritiskrank. Ihr einziger Wunsch war, Filmschauspieierin zu werden, Star einer großen Fabrik zu sein, Ruhm u>id Reichtümer zu ertnerbe» und dann womöglich— einen Grafen zu heiraten. Ja, sa, sie tvac nicht so anspruchslos, die kleine Ingrid. Um ihr Ziel zu erreichen, ging sie zunächst in die„berühmte Schauspielschule'' de? Herrn 5turbelg.ru ner, um die Flimmerkunst zu erlernen. Herr Kurbelgauner, ein aalglatter Mann mit Schieberallüren, empfing sie sehr höflich.„So, so— Sie wollen Kinoschauspielerin locrdenk Da» ist recht von Jhnenl Morgen wollen wir den Unterricht beginnen!" sagte er und rieb sich, ver» gnügt die Häude.„Ja. aber ich i seist ja noch gar nicht.. stotterte Ingrid verlegen.„Ob Sie Taieui haben, meinen Sie�" fragte Kurbelgauner.„Selbstverständlich haben Sie Talent!— Zahlen Sie bitte an der Kasse einhundert Mark Honocarvorjchust. und dann kommen Sie morgen früh wieder. Ich habe einen Talentsiun— Sie werden ein blendender Star werden.— F vollem, die nächste Dame bitte!".'» Ingrid ging, etwa» berduhi, aber doch glückselig. Daß sich ihr Traum so schnell erfüllen sollte, hätte sie nicht gedacht. An der Kasse zahlte sie blutenden Herzend einhundert Eunuchen. Aber es war ja nur Anlagekapital; da? hundert-, tausendfach Zinsen bringen lmirde. Vom folgenden Morgen ab hatte sie tagtäglich UebungSstunden. DaS war sehr interessant. Küssen mustte sie, fortwährend küssen. Wenn das Papa gesehen hättet Aber es war ja Kunst. Sehr hohe und sehr schöne Kunst. Sie hatte wirklich Talent und lernte sehr schnell. Dann bekam sie eine? TageS von dem Herrn„Direktor" einen Zettel, auf dem man ihr Talent schtvarz auf weist bescheinigt hatte und der ihr alle Türen und Tor« der Glashäuser öffnen sollte; Sie hat!« aus- gelernt. Aber so einfach war ei doch nicht— die Filmgesellschaften hatten anscheinend eine Scheu vor ihrer reifen Kunst. Ihr Zeugnis sahen alle niit zweifelhaftem Lächeln an. Ein Engagement aber bekam sie nicht. . Da ging sie zur Filmbörse und lmirde Statistin. Weil sie hübsch war, blühte ihr.daS Glück; sie hat!« oft Arbeit, aber Reich- tümer waren hier nicht zu erwerben. Die Sache muhte eine» Haken haben.» Sie freundete sich mit Anna Lieblich, einer ersahreuen Sta- tistin. an, die seit sechs Jahren Zofenrollen spielte. Fragt? um Rat.. Als. sie der Anna zwanzig Mark uud drei Zigaretten gepumpt hatte, laurde diese gesprächig uud gab ihre Ersahruirgen zum Vesten. „Tjä, Liebling", sagte sie,„Dir fehlt ein Freund..Ohne ein?» reichen Freund ringst Du Dich auch troh Deiner Sckwiiheit nicht durchch Der gehört zum Metter!" Also suchte sie einen Freund. Sie fand auch«Inen. Er ivar Wursttoarenhändler e» gros, bot ihr Ziegen-, KÄitnchen- und Sa- lamtwurst zu Fabrikpreisen an, wenn sie... Ja, wenn siel... Aber eine geachtete Stellung verschaffen konnte er ihr beim Film auch nicht. Und überhaupt; was der Mensch sich einbildete, wer si« war!!— Sie liest ihn lanfen. Nun versuchte sie das lehie: Sie zog ihre besten Kleider au, erschöpfte all ihre Toitettengeheimnrsse und ging nochmals in dick Filmstzbrike». Divclt die Direktoreu loollte sie spreche». Zunächst ging sie zum Eulalia-Filnr. einem ganz obskuren Unternehme«; Der Direktor geruhte sie gnädigst zu empfangen. ftugeljrund und fettig sah er tu seinem Klubsessel und entlockte seinem Haoanna-Ersah(daS Stück zu 3.Ä) Mark) dicke Rauch- lvolken. Sie trug ihr Aicliegen vor. Er schmunzelte.„Na, wollen mal sehen, was sich machen läßt. Kleines", schnaufte er.„Gcrty passables Aussehen. Vlihen Sie mich mit Jhrnt schönen Auge« »ml an. Tadellos. Zweifellos habeir Sie Talent, Schatz. Nu« wenden- Sie mal bitte den 5kopf, damit ich Ihr Profil sehen kann. Sehr schön. Mite, drehen Sie sich mal inu! Hm. hm, famose F gurl— Sagen Sie mal, Fräulein, haben Sie auch einen Freund?" Nein, den halte sie nicht.-- Ihr war da? Weilten nah«. Diese hochnoipsinliche Musterung! l Der Direktor nahm die Zigarre au? dem Munde. Vegütiyenid, teilnahmsvoll sagte.er:„Na. nicht weinen, Kieinc?. Kommen@1* mal ein bißchen näher. Ich will Ihr Freund lverden, hören<2i(t Ihre Kleidung muß moderner, wenn ich sagen soll raffinierter lverden!— Zeigen Sic doch mal her— was für Schuhwerk trage« Sie denn?" Vorsichtig, mit zluct Fingern, hob cr ihren Rock etwas in die Höhe. Zitternd stand sie vor ihm, vermochie sich kaum zu rühren, Was die Menschen alles wissen wollten! Ob das unbedingt zum Film gebörle? ■ Wieder hob er fünf Zentimeter den Rock hoher.„Ach Gott— baumwollene Strümpfe tragen Sie? Aber Liebling— ein« Film- fchauspielerm mit baunrivolleneu Strümpfen, hm ha ha l Haben Si« lauter solche Unterwäsche?— Und loiedec wollte er den Rock höher heben.... Er versuchte eS mit sanfter Geivalt.„Sei doch nicht löcichh Dummchenl Ich kaufe Dir die sclivnsten Sackte u. Du sollst di« erste» Rollen spielen, eine Berühmtheit sollst Du werden, ive»« Du.. Sic schrie halblaut auf,.stieß ihn heftig zurück. Sie war doch die Tochter eines Geheitmm RechuungSratS, der sein dreißigjähcigAS Dienstjubiläum gefeiert hilllel Und eitr anständiges Mädchen war sie bisher immer gelvesen. Der hier sollte nicht.., Wenn auch die Kunst und die Berühmtheit davon abhing... Rein, das mn keinen Preist. Kali lächelnd saß er vor ihr, musterte sie mit unverschänitem Blick. Dann sagte er nach einer Pause, die ihr endlos düiikle;„Ja, meine Gnädigste, wir wäre» uns also klar— so le'd es-mir tut— i zurzeit kann ich Sic in der gewünschten Weise nicht beschäftige«. Aber.wen« Sie doch noch jemals einen Freund brauchen— ich stehe zu Ihrer Versüguugl" Sie raffte sich auf. lief davon, achtete'.nicht auf die Menjchen, die ihr spöttifch. nachblickten. Zu Hause angekommen, schloß sie.sich in ihr Zimmer ein»ich weinte. Als sie sich endlich erholt- hatte, war sie von ihrer Krankheit geheilt. Der Filmdirektor halte ihr die Flimmerkti» ein für allemal gründlich ausgetrieben. Gatt sei's gedankt. Heute>t Ingrid eine feste, gute Hausfrau und Mutter von zwei htibschech Kinderchen. Sie ist auch so glücklich, geworden, ohu« Kiuedcva zu sein. Die Schmetterlingslegenüe. Zwlfcbm den Ellenbogen die aufgefchlagene Schrift, fchwer den Kopf geftGtzt von der Linhen, Töricht Hieronymus. Er fiebt nicht den M»ld, nicht die Crift, die grün in die dämmrige Zelle rein Ken, Itutnm ift ihm der fluB, der mit r*u lebender Stimme spricht. Berge von Schreibwerk, Mauern von Rollen, Böchem und Folianten verstellen Gehör ihm und Gesicht und grau bockt der Staub auf Ecken und Kanten. Cag und Macht fitzt Bieronymus Ober Schnörkeln und Lettern, wendet Seite um Seite in Rolle und Buch. .Kein anderer Laut als von knisternden Blättern macht in dem Itillen Gehäuse Besuch. In dumpfem Sinn dämmert Bieronymus Ober die Blätter hin, und ein blauer kalter in ralcb beflügeltem Canze gaukelt durch offene•fenfter in die trübe Bücberfchanze, Bieronymus bebt die blöden, übernächtigen Lider, runzelt die Stirn und schaut dem falter zu. Oer zickzackt bebende auf und nieder, zirkelt im Kreis, buicht fort im Mu und wiegt rieb luitig im leböniten Sonnenltrabte. Huffpringt Bieronymus mit einem Male, reckt fich, daß die Kutte hinter die Knöchel schnellt, die Herne er wie zwei-flügel hält, wiegt sich und biegt sich, kippt und wippt, walzt eine Runde, wirbelt die ganze Zelle aus und tanzt mit dem falter im seligen Sunde weiter und weiter durchs tote Baus. Dumpf poltern zulammen die Bücher und Rollen, gesprengt ist der graue, bleierne Ring. Qcbcr die Baufen weg tanzen und tollen Bieronymus und der Schmetterling. Und der zehn Jahre in Büchern und Rollen um Gott gewühlt und geiebanzt bat sich den Bimmel in einer bellen Morgenstunde ertanzt. _ Karl Bröger. Sozialdemokratie und Religion. Eon Dr. Bictor Engelhardt. Jede Versammlung, welche srei wird von der Politik deS Tages und fich in teinere geistig« Höben erhebt, zeig� wie lebendig auch heul« noch die Anteilnahme an religiösen Fragen ist. Dieser Anteilnahme gegenüber versagt da» Programm, denn mit seinem Wort.Religion ist Privatsache' stellt eS den einzelnen allzuseht aus sich selbst. Es gilt darum, den Satz.Religion ist Privatlache' mit lebendigem Inhalt zu füllen. Den lebendigen Inhalt liefert die Geschichte deS Sozialismus in seiner Stellung zur Religion. Betreten wir bei solch hiftoriilber BetrachiungSatt klaisischen Boden, io finden wir in Marx den Mann, welcher mit seiner materialistiscken Geschichisauffasiung die Utopie überwand. Er Hai gezeigt, daß der Lauf der Geschickte von der wirtschaftlichen Lage der Völker abhängt, und dafi wirtschaftliche Umwälzungen die grohen Umwälzungen der Geschickte bedingen. Dieser allgemeinen Anschauung ordnet die Religion sich zwanglos unter..Die religiöse Welt ist nur der Reflex der wirklicken Welt. Für eine Gesellsckafi von Warenproduzenten ist das Christentum..., namentlich in feiner bürgerlichen Entwicklung, dem Protestantismus, Deismus usw. die entsprechende ReligionSform.' IMarx, Kapital) Damit wird der Religion, oder bester gesagt, der Religionssorm zwar jeder absolute Wert aberkannt;— eine starke Abneigung oder gar Feind- sckait gegen die Religion kommt in diesen Worten aber noch nicht zum Ausdruck. August Bebel steht theoretisch auf demselben Standpunkt wie Marx. Er sagt:.Die Religion ist die Widerspiegelung des je- welligen GesellschaftSzustandeS'.(Bebel, Die Frau und der So- zialiSmus.) Auf Grund dieser Erkenntnis glaubt er den Untergang der Religion überhaupt und des Christentums im besonderen vor- aussagen zu können. Wenn es keine Unterdrücker mebr gibt, wird es kein Mensch mehr nötig haben, andere durck Märcken und Illusionen über ihr trauriges Los hinwegzutäuschen..Ohne ge- waltsttmen Angriff und ohne Unterdrückung der Meinungen... werden die religiösen Organisationen und mit ihnen die Kircke all» mählick verschwinden.'(Bebel. Die Frau und der Sozialismus.) In diesen Worten liegt gleichzeitig das Bekenntnis zur vollen Toleranz. Bebel will in keiner Weis« einen geistigen Zwang aus- geübt sehen. Andererseits hat er persönlich jede ReligionSform be- reits überwunden,— ja ist ein Feind der Religion..Sie werden .... sich.... nickt wundern, wenn ich mich nicht nur al« Gegner des Katholizismus, sondern als Gegner jeder Religion bekenne.' .Christentum und Sozialismus stehen einander gegeniiber Iv.e Feuer und Waffer.'(Bebel, Christentum und Sozialismus.) Nach der Marx'schen GeschichtSauffaffung find die grofien Männer nickt die Führer— sondern die Widerspiegel ihrer Zeit. Von diesem Gesetz kann der nicht ausgenommen werden, der an dieses Gesetz glaubt. Wir muffen darum auck hei Bebel nack den Bedingungen fragen, welche feine Religionsfeindschaft verursachten. Zwei Gründe lassen fich finden. In der wisseusckaktlichen Welt herrschte zu Bebel« Jugendzeit eine streng materialistische Belrack» tungsweise vor. Sie konnte nicht ohne Einflufi aui die Gedanken» weit des damals Emporstrebenden bleiben. Zu diesem theoretischen Eitiflufi gesellte sich ein zweiter— ein praktischer. Die soziale Be» wegung steckte in jenen Tagen nock vielfach in den. Kinderschuhen. Es galt die trag hindämmernden Masten erst aufzurütteln;— eS galt, ihnen den wahren Grund ihres JammerS zu zeigen und ihnen klar zu machen, daß sie hier auf dieser Erde kämpfen müstten, um erlöst zu werden. Für solche Gedanken konnte das in Priester« märchen eingelullte Proletariat aber nur gewonnen werden, wenn man ihm die Hoffnung auf ei» besseres Jenseits aus dem Herzen ritz. So fand sich aus zweierlei Gründen, einem rnneren und ein.em äußeren, die junge Sozialdemokratie der Religion beraubt. In den Menschen aber lebt eine unstillbare Sehniuckt nach einem all» umfostenden Ideal. Für diese Sehnsucht fand der Arbeiterphilosopb Dietzgen da» reckte Wort. Wie Marx und Bebel lehnt er den christlichen Gottes» und Jenseitsglauben ab. aber der Zulunftsglaube, die Erlösung»- Hoffnung steigt in ibm mit religiöser Kraft empor. Damit wird der soziale Gedanke selbst zur Religion:.Die Religion war bisher Sache des Proletariats, nun fängt die Sache des Proletariats an religiös zu werden. Das Evangelium der Gegenwart verspricht unser Jammertal endlich in realer wirklich greifbarer Weite zu erlösen. Arbeit heißt der Heiland der neuen Zeit.'(Dietzgen, Religion der Sozialdemokratie.) DietzgenS Geist griff weiter um sich. Der alte Liebknecht sagte:.Haben wir nicht. waS die Kraft der Religion bildet, de» Glauben an die höchsten Ideale.'— Und bald wurde für tausend und aber tausend niedergedrückte Proletarierseelen die soziale Be» wegung— zu einer im innersten Herren erlebten Religion. Solch hohe Begeisterung brachte es mit fich, daß nun auch Männer, die ursprünglich von der Religion herkamen, in die soziale Bewegung eintraten.— daß Pfarrer Sozialdemokraten wurden. Der Schweizer Pfarrer Kutter war einer der ersten. Für ihn war der Uebergang nicht leicht, denn er mußte noch alle Sozialdemokraten für Atheisten halten. Trotzdem fand er den Weg zu ihnen:.Die Christen be- kennen Gott, aber sie haben ihn nicht.'(Kutter, Sie mästen.» Für Kulter lebt in der sozialdemokratischen Bewegung Gottes Geist, ohne daß e» ihre Anhänger Wiste». Unterde» hatte sich in der wissenschaftlichen Welt eine Wand» lung vollzogen..Der Materialismus war überwunden.' Jdea- listische Philosophie, namentlich Kantsche Gedanken wurden wieder mit Begeisterung ausgegriffen. Diese Entwicklung beeinflußte die neue Forichergeneratton, wie der Materialismus die alte. ES tauchten in Bernstein, Max Adler und Eisner überzeugte Kantianer auf. Der idealistische Luithauck, der auf diese Wciie die Reihen der Partei durchwehte, machte dann seinerseits den Weg für manchen Pfarrer frei, der bisher vor dem Materialismus der So, inldemokratie zurückgeschreckt war. In diesen freifinnigen Männern vermählte sich die moderne Wissenschast. die religiös« Kra't und die ioztale Ethik zu einem oft wirkungsvollen Ganzen. Für Maurenbrecher stammt jede Religion aus dem.Leid' und damit wird ganz im Dietzgerrschen Sinne die Sozialdemokratie, die alles Leid bekämpft—»ur höchsten Religion. Kalthoff, der ebenfalls der sozialdemokratischen Bewegung nahesteht, gelangt zu einer durchaus persönlichen Religion..Ich kann doch nicht bekennen, was ein anderer geglaubt— und wäre dieser ein Luther, ein PauluS. ja ein Christus.'(Kalthoff. Religiöse Weltanschauung.) Di« Unendlichkeit der Welt, die Ewigkeit der Zeit und der Enlwicklungsgedanke vereinigen fich in seiner Seele zu einem durchaus persönlichen, aber kraftvollen Weltbild. Die geschilderte Entwicklung führte mit Notwendigkeit Männer der verschiedensten Weltanichauung in die Reiben der Sozialdemo- kratie zusammen. Und die Sorialdemolratte mußte daraus erkennen, daß sich ihre wirtschaftlichen Bestrebungen mit jeder Weltanschauung vertragen, solange diese Weltanschauung eine rein theoretische An- ficht bleibt, und sich nicht zu einem Werkzeug der herrschenden Klaffen herabwürdigen läßt. Damit ist der wahre Inhalt de» Wortes.Religion ist Privat» sacke' gegeben. Es bedeutet: Freiheit des Geiste», Freiheit der Gedanken— Freiheit zu glauben oder nickt zu glauben— zu bekennen oder zu verschweigen.— Und Freiheit von jedem Zwang in geistigen Dingen. Nur wenn wir diese gewähren, können wir iür den Einzelnen das Glück vollenden, da» erne soziale Gesell» schaftsordnung der Gesamtheit bringen soll. Nun habe ich meine Wohnung öoch. Von Mnz Hochdorf. Nun babe ich meine Wohnung doch, obwohl der Beamte am grünen Tisch meinte:.Wenn Sie etwas gebildeler wären, würde ich ja mit Sie streiten.' Worauf ich erwiderte:»Nber---* Worauf der Beamte am grünen Tiidv meinte:.Kennen wir, kennen wir alle«. Sber kennen wir au» dem ff. Wir werden hier jeden Tag belogen und bcirogen!' Worauf ich in Bescheidenheit einwandte:.Aber---" Woraus der Beamte am grünen Tisch sich an die 37 Personen, jawohl 37. ich habe gezählt, wandte und fragte:»Meine Herr» schatten, habe ick gesogt, dnß der Herr mich belogen und be» trogen bat?' f a die 37 Personen noch nicht angekläfft worden waren, und da die 87 Personen noch hofften, so sagten 86 von den 87 Perionen einslimniiq, iebr einstimmig, so mit Vollkgemurmel, das wie Rbabarver Nbabarber klingt:.Der Herr Stadlselretär hat Ihnen ja gar nickt genieinl!' Nur die 87. Person, Fräulein Doktor F. I., Aeigtin. die Wob- nung suchte, um Kianke-u behandeln, schlvieg. Dafür fuhr sie auch der Herr am grüiien Tisch an:.Ach so. da§ Fräulein Dokior das Fräulein Doktor, immer nur daS Fräulein Doktor! Warum wohnen Sie nicht bei Ihrer Mutter? Und wenn Sie'ne Wohnung wollen, so laffen Sie sich einschreiben, so laffen Sie nch dringlich einschreiben I' Die Serbin:»Wann kann.ich denn..." Der Beamte am grünen Tisch:»In ein Jahr, in j�wei Jahre, in drei Jahre vielleicht. ES gibt sogar Leut, die müssen noch acht Jahre warten. Fräulein!* DaS Fräulein gehl. Nach izwei Sekunden ist sie wieder im Smlsgimmer. Nach drei Sclunden steht sie wieder am grünen Tisch vor dem Beamten:»Aber was soll ich denn tun?" »Sich einschreiben 1* »Aber meine Patienten I Ich kann mich doch nicht niederlaffen. wenn...' .Einschreiben!' feuert der Beamte noch einmal los. ES lächelt der Beamte am grünen Tisch zu der neuen Partei: .Ach so, die liebe Frau Heilemann! Nun, Frau Heilemann, wir haben Ihr Gesuch abgelehnt! WaS wollen Sie denn noch?' .Eine Wohnung. Herr Kleinpcter.' .Sie kennen also sogar ickon meinen Namen. Frau HeilemakinI Ich bin für Ihnen nicht Herr Kleinpeter, ich bin nur Beamter für Ihnen, für olle, strenger Beamter, gerechter Beamter l Bin ein ge» rechter Beamter, meine H-rrscka'ren?' Der Beamte am grünen Tisch:»Sie kriegen nur die Wohnung Nummer 471 l' � Frau Heilemann:.Die Kammer zum Kochen hat ober keinen Luftabzug. Und das Schlafzimmer ist so niedrig---* Der Beamte:.Rur Stummer 471 1 Wenn e« Ihnen nicht paßt, dann müffcn Sie sich»ock einmal einschreiben laffen l' Frau Heilemann erhebt sich von ihrem Stuhl. Sie will schnell in die Elnschreibestube. Der Beamte ruft ihr nach:.Frau Heile' mann I' Frau Heilemann hofft wieder etwas. Sie wendet sich noch einmal um. Sie strahlt. S e»st sehr hübsch, sie ist sehr jung und versucht, unendlich liebenswürdig zu sein. Sie setzt sich noch einmal auf den Stuhl vor dem giünen Tisch. Sie wartet. Der Beamte:.Frau Heilemann, wann geben Sie denn Ihrer Niederkunft entgegen V Frau Heilemann splingt aus, als wenn sie sich auf Kohlen gc- setzt hätte. Sie wi,d rot bis in die Ohrmuscheln. Sie platzt heraus:.Aber ich bin ja noch gar nicht---' Sie weist nickt, wie vor Scham und Verzweiflung sich zu retten. Sie ist wie der Blitz hinails. Der Beamte am grünen Tisch bleibt sehr ruhig und sehr siege?« gewist. Er sagt:.Meine Herrschasten, sie ist d o ch--- 1 Ich weist, da st sie ist. E,ft 14 Tage verheiratet und schon---* Alle 51 Persone»»n der Umgebung des grünen Tisches, e« find inzwischen 51 aeworden. wisien nun, dah es, Gott sei Dank. doch so weit mit Frau Heilemann ist.--- Der Beamte am grünen Tisch ist zufrieden und stolz. Er blättert mit Geduld und Selbstbewiisttiein ein neues Atlcnbündel auf. Dann will er sick eine Weile erholen, und er blickt auf, und er erbt ckt mich:-.Waß wollen Sie denn noch?' Er wird schon wieder amtlich. .Ich wollte mich nur noch erkundigen, ob.. .Natürlich, einschreiben laffen!' schneidet er mir, haarscharl und mit bobem Diskant das Wort ab. Nun Hab' ich meui» Wohnung doch, aber fragt mich nur nicht, wie l Serverkehr mit anderen Himmelskörpern Immer wieder treten an den Astronomen die Fragen heran, ob auf anderen Himmelskörpern uns ähnliche Wesen leben und ob eine Verbindung in t ihnen herzustellen ist. Der Mensch, der Herr der Erde, fühlt sich zu einsam in den ungeheuren Räumen und brennt vor Sehnsucht, Wesen seiner Art auch sonstwo Im Weltenall zu misten und mit ihnen in Verkehr zu treten. Leider stnd die Aussichten dazu heute noch sehr gering. Prof. O. Knopf, der sich mit diesen Fragen in der„Deutschen Rundschau'(Deutsche Verlaqsanstalt, Stuttgart) beschäftigt, gibt einen Ueberblick über die Methoden, mit anderen Himmelskörpern Verbindung anzuknüpfen. Ganz aussichtslos wäre es, Geschosse auf andere Himmelskörper werfen zu wollen. Damit ein Geschoß den Mond erreichte, müßten wir ihm schon, selbst wenn kein Lustwiderstand vorhanden wäre, eine Anfangsgeschwindigkeit von 11 Kilometern erteilen, während die höchste bis jeßt bei Geschoflen erreichte Anfangsgeschwindigkeit nur 1 Kilometer beträgt. Es würde dann mit der Geschwindigkeit von nahezu Rull an dem Punkt ankommen, wo die Anziehung von Erde und Mond sich das Gleichgewicht halten, und sodann infolge der überwiegenden Mondanziehunq sich mit beschlennigtei' Ge- schwindigkcit noch dem Mond bewegen Äuftresfen würde es dort mit der Geschwindiakeit von etwa 2 Kilometern Im der Sekunde. Auch mit den Lichtsignalen hätte es feine Schwierigkeit. Vulka- wichs Ausbrüche und große Brände auf der Erde können sicherlich vom Mond aus beobachtet werden. Die crsteren können wir aber nicht und die zweiten wollen wir nicht absichtlich hervorrufen, um sie als Signale zu benutzen. Wollten wir durch Errichtung eines Gebäudes die Aufmerksam» keit der Bewohner des Mondes erregen, so müßten wir demselben, damit es unter dem Winkel einer Bogensekunde gesehen würde,«ine Ausdehnung von 1� Kilometer geben. Oder wollten wir uns lieber, da auf dem Mond wegen Fehlens von Luft und Wasser keine zum Verkebr mit uns sich eignende Wesen vorhanden sein werden, an die Marsbewohner wenden, fo mühte dle Ausdehnung des Gebäudes 866 Kilometer, d. i. eine Strecke wie von Dresden bis Kastel betragen. Ein gewiß als geistreich zu bezeichnender, wenn auch praktisch nicht ausführbarer Dorschlag geht dah n, man möge auf der Erde eine große Fläche mit dem durch seine intenstve gelbe Farbe weithin leuchtenden Raps bebauen, und zwar möge man der Fläche die be- kannte geometrische Figur des Pythagoreischen Lehrsatzes geben. Sind auf den anderen Himmelskörpern Bewohner vorhanden, welche uns einigermaßen ebenbürtig sind, so werden sie gewiß auch den Pytha- goreifchen Lehrsatz gefunden haben. Ans der ihnen von der Erde aus gezeigten Figur werden sie wie durch ein in Weltsprache ge- gedenes Schriftzeichen erkennen, daß man mit ihnen In Verbindung treten wolle, und durch eine andere geometrische Figur ihre Bereit- schaft zu erkennen geben. Die Figur müßte aber zu große Dimen- si einer» bekommen, als daß der Plan zur Ausführung gebracht werden könnte. Aber da haben wir ja doch zum Glück die drahtlose Telegraphie! Können wir uns nicht durch Entsendung elektrischer Wellen auf anderen Himmelskörpern bemerkbar machen? Wohl ist man jetzt imstande, von Nauen aus bis Avanui auf Neuseeland, also fast 26 666 Kilometer, d. i. über den halben Erdumfang, hinweg zu funken, nach dem Mond aber sind es rund 378 666 und nach dem Mars 75 666 666 Kilomekerl Wenn nun auch zuzugeben ist, daß durch den luftleeren Raum die Wellen leichter dringen werden, so erkennen w'r doch, daß wir unsere Leistungen noch beträchtlich steigern müsten, um unseren nächsten Nachbarn im Weltenraum funkentelegrophische Mitteilungen zu machen Ein? Großstation von der neunzehnfocken Reichweite wie Unser Nauen brauchtest wir, um auch nur den Mond mit unseren Wellen zu erreichen. Wir müsten uns daher vorläufig den Gedanken an einen Ber- kehr mit Bürgern anderer Himmelskörper aus dem Sinn schlagen, ■an einen Berkehr übrigens, der an Schwierigkeit dem mit einer blinden und zugleich tauben Person gleichkäme. Man erinnert sich hierbei unwillkürlich an Helen Keller, die unter Anwendung unffiq- sicher Geduld in unsere Gedankenwelt eingeführt werden konnte. Wer wollte aber eine solche Arbeit an den Bewohnern eines fremden Himmelskörpers ausführen? Jugenöfreuöe. Mr sind verbrüdert jener großen Lebenskrajt, Die. aus den tiefsten Nächten quellend, jngendhafk Aus Wüsten einer Sehnsucht Paradiese schafft. Aus allem Leben jauchzt der zügellaje Drang. Der sich dem Welteuchaos ungestüm entrang llnd min auch uasre straft ins groß« wollen zwang. Au» allen Dingen schreit dieselbe Lebenslust. Die. uuergründet und dem Frohen nie bewußt, Zäb wie ein roter Plitz aufflammt in dunkler Brust. Dem große» werden sind wir unlösbar verwandt! Der Lebens fr ende goldae» Banner hoch in nackler Hand, So fpähn wir weit hinaus in ferne» Sonaenland... Walter Schenk. Wissen und Schauen Was ist.normale" Vorführungsgeschwludigkeit? Der ablau- sende Film soll die dargestellten Vorgänge mit der gleichen Ge- schwtndigkeit zeigen, die sie bei der Aufnahme hatten. Demnach hätten rund 18 Bilder in der Sekunde als normale Vorsührungs- aeschwlndigteit zu gelten, denn so viele Aufnahmen macht jeder gute Aufnahmeoperatcur in der Zeiteinheit intt größter Genauigkeit auch ohne Geschwindigkeitsmesser. Von Fachleuten ist angeregt worden, bei der Festsetzung von Normen für dw Kinematographie mich eine Vorftlhrungsgcschwindigteit, etwa diese 18 Bilder in der Sekunde, als Norm festzulegen. Die Zahl von 18 Bildern in der Sekunde ist nun aber von dem heute üblichen Durchschnitt viel weiter ent- fernt al» der Kinobesucher vermutet. In den deurschen Lichtsptel- theatern dürften 18 Bilder in der Sekunde überhaupt nicht mehr vorkommen. Vorführer rechnen oft mit 22 Bildern in der Se- kund«, doch trifft auch diese Angabe sehr oft nicht das richtige: 25 bis 30 Bilder in der Sekunde sind heute nichts Seltenes, bei Sonn- tagsvorführungen noch mehr. Jedermann kann ohne Kinobesuch die üblichen Vorführungsgeschwinbigkeiten ausrechnen. Man weiß, daß für eine Vorstellung(in Berlin) genau SO Minuten einschließlich der Pausen laut Polizeivorschrift zur Verfügung stehen. In solchen Vorstellungen werden 2500 Meter Film, ja mehr vorgeführt— dies« Zahl kann man aus den Anzeigen der Fachblätter entnehmen. 2500 Meter in 00 Minuten laste« sich aber, wenn man 52 Bilder auf den Meter rechnet, nicht ander» als init 32 bis 33 Bildern in der Sekunde vorführen! Und es werden manchmal noch längere Filme innerhalb der 90 Minuten gezeigt! Der regelniägige Klno- besucher, erst recht der Kinokrstiker ist durch die in den letzten Jahren erfolgte allmähliche Steigerung der Vorführungsgeschwindigkeit an die falsch« Geschwindigkeit bereits so gewöhnt, daß ihm das Un- natürliche der beschleunigten Wiedergabe nur noch bei gewissen Bewegungen aufsällt. Wer dagegen als seltener Gast ein Kino aufsucht, empfindet die Zeikfäischung als sehr störend und ist ge- neigt, wenn er den Zusammenhang.nicht kennt, die Erscheinuiig als Mangel der Kinematographie an sich aufzufassen. Der Ruf des„Dotenkopfes". Daß Schmetterling« Ihre Stinnne erschallen lasten, ist eine jedenfalls nicht alltäglich« Erscheinung. Doch gibt es zahlreiche Vertreter dieser Gattung, die mehr oder weniger deutliche Töne erzeugen. Manche Schmetterling« lasten ein elfteiitßmtlches. Rascheln oder Zischen hören, andere einen schrillen Zirpton: doch sind all diese Laute schwach und fallen wenig aus. Unter den bei uns heimlichen Schmetterlingen gibt es nur«Inen, dessen Ruf deutlich vernehmbar ist, das ist der größte unserer Schwärmer, der Totentopf. Das Tier, das schon durch seine an einen Totenschadel erimiernde eigenartige Zeichnung ausfallt, hat durch diese Fähigkeit der Touerzeugung dem Volksglauben Anlaß zu seltsamen Geschichten und Saga! gegeben. Aber auch von der Wlssenschoft ist der Ruf des Todenkopfes schon seit fast 200 Jahren beobachtet worden. Auf Grund eingehender Studien behandelt diese Erscheinung nun iwtnruf) Prell in den„Zoologischen Jahrbüchern". Während die Puppen niemals einen Ton von sich geben, lasten die Falter, sobald sie atisgeschlüpft sind, aus jede größere Berührung hin Ihren charakterlstischen Ruf ertönen. Der ganz kurze Schrei wird bald mehr, bald weniger rasch mid häufig wiederholt: er klingt bei den einzelnen Exemplaren so ungleich, daß man in der Gefangen- schaft die verschiedenen Falter geradezu an ihrer Stimme erkennen kann. Der Ruf des Tolenknpfes Ist von den verschiedenen Bcob- achlern sehr verschieden geschildert uwrden: als Piepen, Schreien, Flöben, Zirpen usw. Der Ruf läßt sich bei genauerer Analyse in «Inen lTiut�kratzenden längeren Ja uptton und einen mehr pseisenden kürzeren Nebenlaut zerlegen. Di« Tanstark« ist sehr verschieden, so daß man Tlere mit schriller Stimme schon aus mehrere hundert Meter Entfernung hört, während man bei anderen Faltern nur ein Undeutliches dumpfes Fauchen wahrnimmt. Nach den Unter- suchungen Prelle Ist der Schrei des Totentopfes eine echte Stimm- äußening und entsteht bei einer dem Saugakte enstpvechenden Tätig- teit durch rhythmische Unterbvechung de, Luststromes. Das Tier saugt die Luft durch einen enge» Spalt der Luftröhre ein, und dies« wird dabei ln tönende Schwingungen versetzt, die den bei einer Zungeiipfelfe vor sich gehenden Bewegungen gleichen. Der Rüssel ist bei der Tonerzeugung nur als Schallverstärker beteiligt. p»s