Nummer 11 Ak � II.MSrz mi Anterhaltungsbeilage öes Vorwärts Oer MenW» Toll nicht Ober leine Zeit klagen t dabei kommt nicht» heran». Die Zeit ilt schlecht t wohlan, er ikt da» sie heiler tu machen. Tarlyle. T V Die �golöene �ugenö* 17�3— 17�5» Bon Dr. John Tchtkowski. Da» Treib«» der.�oldeneu Jugend' von heut« erinnert vielfach an da» ihrer Vorläufer während der französischen Zievoluttou. In seinen „SUie». und Tharakterbildern au» der französischen Revolution'(Buch. Handlung Borwärt»» gibt Dr. Z. SchikowaN«ine farbig-prägnante Dar. ftellung dieser gett, die jetzt besondere» Interesse wachrnft. Wenn man heute an die großen Tage der französischen Revo- lution zurückdenkt, macht man sich unwillkürlich die Vorstellung, daß an diesen weltgeschichtlichen Ereignissen das ganze Volt den leb- Hastesten atttoen Anteil genommen habe. Man kann sich Parts nicht ander» denken, als in fortwährender fieberhafter Erregung begriffen, die Geschäfte de» Alltags vergesiend und ausschließlich den gewaltigen Kämpfen hingegeben, deren Ausgang über die Geschichte der Menschheit entscheiden sollte. In Wirklichkeit sah e» ganz anders aus. In den zeitgenössischen Memoiren werden in dieser Hinsicht sehr charakteristische Szenen berichtet. Am Tage noch dem Bastillen- stürm begegneten sich zwei Pariser Bürger auf der Straße.„Nun, wa» gibt e» Neue»?' fragte der eine..Nicht» Besonderes. Oder doch, ich hörte, daß die Arbeiter der St. Antonsvorstadt gestern wieder einen Streich verübt haben. Man sagt, die Bastille sei erobert worden." Besonder» auffallend ist es, daß die bürgerliche Jugend von dem revolutionären Zeitgeist, wie es scheint, fast gar nicht ergriffen wurde. So blieben z. B. die Pariser Studierenden jener Zeit fast voll- kommen ruhig und solange die Bewegung vorwärt» schritt, hörte man überhaupt nicht» von ihnen. Als sie im Abflauen war, traten sie erst schüchtern, dann dreister hervor, aber nicht als revolutionäre Kämpfer, sondern al» Handlanger und Schergen der Reaktion. Sie bildeten einen Bestandteil jener Straßenbummler. Lärmmacher und Prügelhelden, die in der Geschichte unter dem Spottnamen .3 e u n e s se borie"(vergoldete Jugend) bekannt und berüchtigt geworden sind. Wie schon die Bezeichnungen.Stutzer" und..Moschushelden' erkennen lasten, fielen die Angehörigen der Ieuneste doree dem Volke durch ihr geckenhafte» Benehmen auf. Sie setzten ihren Stolz darein, schon in der Kleldertracht sich von der demokratischen Masse zu unterscheiden. Die Revolution hatte an Stelle der alten Knie- hosen(Culotte») die langen Beinkleider(Pantalons) in Mode ge- bracht, und ihre Anhänger wurden deshalb Sansculotten(Leute ohne Kniehosen) genannt. Die Stutzer der vergoldeten Jugend bedienten sich wieder der vorrevolutionären Tracht und stolzierten in Wadenstrümpfen einher. Statt der allgemein üblichen Mützen trugen sie Hüte mit breiten Krämpen und statt der einfach rund- geschnittenen Haare ein kunstvolle» gepudertes Zopfgeflecht. Sie verschmähten es, mit bloßem Halse zu gehen, und umwickelten sich mit hohen Binden, die vorne mit ungeheuerlichen, da» Kinn und den Mund fast bis zur Nase verdeckenden Krawatten verziert waren. Ihr besondere» Kennzeichen aber bildete ein langer, gewundener oder geknoteter Knüppel, den sie stet» bei sich trugen und der an beiden Enden entweder In Bleikugeln oder gar w Dolchmester auslief. Schmucksachen aller Art, Blusennadeln, Ringe usw. und ein Riechfläschchen vollendeten die Stutzerttacht. Und wie durch ihre Kleidung, so suchten sie auch durch eine affektierte Sprechweise aus- zufallen. Die Art, wie sie ihre Kämpfe gegen die bereit» besiegten und von der Regierung verfolgtest Terroristen führten, entsprach� voll- kommen dein ganzen Eharatler ihre» elenden Gecken- und Spießbürgertum». Die Geschichte der Ieuneste doree berichtet auch nicht von einer einzigen mutigen oder opferfreudigen Tat. Ihr Auftrete« war teil» läppisch, teils brutal, in jedem Falle aber feig und gemein. Nachdem sie zwischen 12 und 2 Uhr mittag» in vornehmen Nestau- rant» gefrühstückt hatten, begaben sie sich auf den Kriegspfad. Die .politische" Wirksamkeit der französischen Moschushelden bestand darin, daß sie einzelne Jakobiner, die sich in den vornehmen Stadt- teilen Micken ließen, überfielen und mtt Schimpfworten oder Stock- prügeln traktierten. Ein besondere» Vergnügen gewährte e» ihnen» proletarische Frauen und Mädchen, die aus den politischen Per- sammlungen heimkehrten, zu attackieren, ihnen die Röcke aufzuheben und mit dem Bedeuten,.sie sollten sich um ihr Hauswesen und ihre Kinder kümmern", auf den entblößten Hintern zu hauen. Diese Exekution nanuten sie.die patriotische Züchtigung". Daneben de- tätigten sie sich al» Denunzianten und Scharfmacher. Harmloser, wenn auch um nichts geschmackvoller und vor- nehmer, war die Tätigkett, die die vergoldete Jugend in den Restaurants und Theatern entfaltete. Ihren täglichen prunkvollen Diners im Palais-Royal pflegten sie eine besondere Würz« dadurch zu geben, daß sie dabei Hochs auf die Reaktion und die.anständigen Leute" ausbrachten und dabei auf den„Krieg gegen die Jakobiner, die Terroristen und alle Vandalen" toasteten. Den Gipfel der Ge- schmacklosigkeit aber erreichten sie mit den sogenannten„Opfer- ballen", die ebenfalls mit dem Beginn des ersten Reaktionsjahre« 1795 in Aufnahme kamen. An diesen Bällen durften sich nur Per- sonen beteiligen, die einen Familienangehörigen unter der Guillotine verloren hatten, und sämtliche Tänzer und Tänzerinnen mußten „zum Zeichen der Trauer" mit ausgesteckten Haaren, nackten Hälsen und einem an die Tracht der Delinquenten erinnernden Kostüm er- scheinen. Die Damen pflegten um Brust und Schultern blutig-rote Umhänge zu tragen. Der Theaterradau gehörte zu den beliebtesten geistigen Waffen der vergoldeten Jugend. Nachdem da» Hauptquartier im Cafe de Chartres den Schlachtplan entworfen hatte, besetzte man abend» den größten Teil de» Zuschauerraums und störte die Auf- führung mißliebiger Stücke, indem man sich während des Spiel» laut unterhielt, geräuschvoll Rüste knackte, da» Lied vom Volk»» erwachen anstimmte oder anttrevolutionäre Flugblätter und Couplet» auf die Bühne warf, deren Vortrag man von den Schauspielern verlangte. Eine besonder» klägliche Rolle spielte bei diesen Vorgänge« der berühmte Schauspieler Talma, der sich während einer Vorstellung im Theatre franqais im Januar 1795 durch die Rüpel der Ieuneste doro« zwingen ließ, auf der Bühne da» Lied vom Volkserwachen „mit dem ihm eigenen Ausdruck der Wahrheit und Wärme" vorzu- tragen. Neben den Lärmfzenen im Theater bildete da» Zerstören der revolutionären Symbole und Erinnerungszeichen eine besondere Spezialität der vergoldeten Jugend. Wirtshausschilder, die revo» lutionäre Aufschristen trugen, wurden gewaltsam entfernt oder demoliert und die in den Cafes und Klubs aufgestellten Büsten der großen Freiheitskämpfer zertrümmert und hinausgeworfen. Die Wut der Muscadin» richtete sich namentlich gegen das Andenken Marats, mit dem im Volke noch immer ein großer Kultus ge- trieben wurde. Am 21. Januar 1795, dem Gedenktag« der HInrich- tung Ludwigs XVI. oeranstaltete die Ieuneste doree eine unter dem Namen„Popanzfest" bekanntgewordene Kundgebung gegen den toten Voltsfreund. Mit einer Figur, die eine Karikatur de» Verstorbenen darstellte, zogen sie vom Caft de Chartre» nach dem Karustellplatz zu dem Denkmal Marats, beschimpften dessen An« denken durch Schmähreden und Verwünschungen und begaben sich dann nach dem Hofe der Jakobiner, wo der Popanz verbrannt wurde. Die Asche wurde in einen Nachttopf getan und in eine Kloake geworfen. Die spätere Zerstörung des Marat-Dentmal» und des berühmten Davidschen Gemälde» sowie die Beseitigung der Leiche� aus dem Pantheon ist ebenfalls auf das Konto der ver- goidcten Jugend zu setzest. Am 21. Mörz und am 20. bis 23.??o>«rhoden sich di« Arbeiter tn den Vorstädten und zogen in Masse vor den Konvent, wo sie ,53 rot und die Verfassung von 1793!" verlangten. An der Nied«' werfung dieser beiden Hungerrevolten waren die Knüppel der ver- goldeten Jugend mit Eifer und Erfolg beteiligt. Aber diese Triumphe müssen den Moschushelden wohl zu Kops gestiegen sein. Lie beklagten sich, dah der Konvent, der sie für seine Zwecke benutzt «nd dann beiseite geschoben hatte, ihnen ,zu wenig Achtung" bezeige. Sie wurden immer unverschämter, verlangten, datz bei ossiziellen Festen an Stelle der Marseillaise ihr Lied vom Voltserwachcn gesungen werden sollte, und widersetzten sich gewaltsam der Aushebung zum Kriegsdienste, gegen den sie schon immer eine Parke Abneigung gehabt hatten. Da sie sich überdies von Tag zu Tag reaktionärer gebürdeten und allmählich ins royalisttsche Fahrwasser hinüber» glitten, so sahen die Machthaber sich genätigt, gegen sie energische Maßnahmen zu ergreifen. Ihr letztes öffentliches Auftreten fand am 4. Oktober(13. Vend�miaire) 1795 statt, wo sie sich an dem royalifttschen Aufstand beteiligten, der durch Bonapartes Kartätschen niedergeworfen wurde. Katzenparaöies. Liebe« Kätzlein, totes und begrabnes, Wirft du mir mit deinen goldnen Augen Nie mehr keck und treulich ins Gesicht sehn, Mit des Schwanzes Spitze Nug umschreibend Unsre heitren Seelenzwiegespräche? Ach, es wird doch wohl am Jüngsten Tage Sich ein Engelsbübchen, ausgerüstet Mit der kleinsten silbernen Posaune, Auf dein hübsch verziertes Hüglein stellen Und dir blasen, daß du meinst, es rief« Dich ein süß Miau aus Freundeskehle Oder schmeichelnd etwa meine Stimme. Ei, wie wird der alte Pelz, inzwischen Ausgeklopft, gebürstet und gewaschen, Sich um dein« weißen Knöchlein schmiegen' Ei, wie wonnig wird sich'» klettern lassen In den schlanken Poradiesesdüumen, Deren blau und rote Blumen läuten, Wenn dein Pfötchen aus den Besten wandelt! Aber, Kage, nach den bunten Vögeln, Di« im hellen Laube jubilieren, Wird'» alsdann dich nimmermehr gelüsten, Roch auch nach den runden, glatten Mäusen, Die auf Erden dir so prächtig schmeckten, Und der Hund wird gar dein Kamerad sein, Dem du tapfer einst entgegensauchtest. Doch, ist auch der Haß hmweggeläutert, Liebe bleibt. Oft werd ich dich besuchen. Aus dem großen Menfchenparadiefe Fort mich stehlend, um mit dir zu spielen In grasgrüner, ungemähter Wiese Wenn dann fern im Teich die sel'gen Frösche Ihr« transzendenten Chöre quaken Und die Stern« auf dem Wasser tanzen So geschickt, daß nicht ein Füßiein naß wird, Werden wir in Träumerei versinken, Weißt du noch? Das gab zu tun, das Leben! Täglich waschen, täglich wieder schmutzigl Und das Hungern! Und das Mäusesangen! Nebenbuhlerschaften I Eifersüchte! Und der Frühlingl Und die Frühlingstätzchen! Weißt du noch das ein« Mall Vier schwarze, Eins nur. weiß gefleckt an Ohr und Psoten Würz war's, und der Wind blies warm von Sü.'h- Und man roch im Gehn die feucht« Erde., »Fünf Märzkägchen haben wir im Hause," Sprach im Wandern ich zum lieben Freund«. „Vier ersäufen wir, doch eins behalt ich. Schön, mit weißem Fleck an Ohr und Pfoten, Und ich will ihm deinen Neunen geben, Den ich gar so sehr zu rufen liebe." Doch das fünfte starb, das weißgesleckr«, Könnt'» nicht lang beim lieben Namen rufe». Ob es käme, wenn ich's jetzo riefe, Ein verklärtes, auserstondnes Kätzchen? Oder ob die Stimme Antwort gäbe, Der mein Herz gelauscht an jenem Märztag? Horchl wie damals, liebe, siebe Sttmme, Laß dich noch ein einzig Mal vernehmen, sirohe Stimm«,«rdenluftdurchwürzte, Kosend«, voll Melodiel Rlearta Hoch t.SNie und»«!»«»'»atite", SutdeetiGgi. Meine Dinge. von Alexander Selbe l. Ich bin arm, und wenn ich umziehe, werden keine Möbelwage» verladen. Ich bewohne möblierte Zimmer, in denen bronzierte Gips» büsien stehen und deren Schrank gewöhnlich von einem Strauß aus Gräsern und Pfauenfedern gekrönt wird. An der Wand pslegt ein Oeldruck der Königin Luise zu hangen, und zwischen halbzerbrochenen Nippsachen prangt zumeist ein Stehrahmen in Laubsägearbeit mit einem Brautpaar. Wenn ich ausziehe und den Anblick der Königin Luise des einen Zimmers mit dem eines anderen vertausche, lege ich meine Sachen in einen Koffer. Zuunterst den Malkasten und die Schuhe, dann die Wäsche und zuletzt«meine Dinge". „Meine Dinge" stnd das einzige, was ich liebevoll in den Kosser packe.„Meine Dinge" wickle ich in Strümpfe und Nachthemden, um mein« Dinge stehe ich Aengste aus. Wenn ich sie einpacke, tröste ich sie und sage: Habt keine Angst, ich packe euch>a bald wieder aus, und wenn ich sie auspacke, tröste ich sie und sage: Habt keine Angst vor dem gräßlichen Zimmer. Die Königin Luis« tut euch gewiß nichts, und übrigens: ich packe euch sicher bald wieder ein: und das nächstemal ist das Zimmer sicherlich schöner, und ich werde mehr Geld haben, und ihr sollt keine Sträuße mit vergoldeten Mohnköpsen mehr sehen. Und dann stelle ich sie auf den Tisch und suche ihnen ihre Plätze und spreche mit ihnen, und sie antworten. Die Teemaschine ist immer besonders wehleidig. Sie ist au» Nickel und sehr stolz: st« leidet unter dem Milieu, in das sie geriet. «Sie hätte im ersten Geschäft Würzburg» gestanden, und alle Leute wären von ihr entzückt gewesen, und sie wäre gar nicht gerne au» dem Schaufenster gegangen. Al» man ihr Blumen an den Henkel gebunden und sie in» Theater getragen, da hätte sie gleich gedacht, dah so etwa» nicht gut ausgehen könne, und als sie mir auf der Bühne überreicht wurde, hätte sie sofort gewußt, daß ihr viel Schlimmes bevorstände. Nicht einmal Trikot» hätte ich angehabt, und das sei immer»in schlechtes Zeichen." Ich muß sie immer aus» reden laflen, sonst wird sie ernstlich böse, sie meint«» ja auch nicht so schlimm, im Grunde genommen ist st« ein seelengutes Geschöpf, da« mir zu jeder Tages- und Nachtzeit den geliebten Te« braut. Auf ihre angestrengie Tätigkeit ftir mein Wohl ist die Nein» Mesiingdose mit dem Buchstaben A aus dem Deckes oft eisersüchtig. Die Dose stammt von meinem Urgroßvater. Zu wo» sie ihm diente. hat sie mir nie erzählt. Als ich stein war. sah ich sie meines Groß» vaters Knopffammlung beherbergen. Jetzt hat sie das Amt eines Zigarettenbehälters. Ihr Deckel steht immer offen: eine einladend« Geste, wenn sie gefüllt ist, ein» Mahnung zum Füllen, wenn fie leer ist. Meinen Freund Jakob kann sie nicht leiden. Er hat sie eine» Tage» als Aschenschale benutzt, und da« hat fie tief gedemüttgt. Zudem behauptet fle, er long« immer sehr unbescheiden zu. Und daß Jakob ihr neulich ol» Buße zehn Zigaretten zu SV Pf. w den Leib legte, faßte sie mehr al» taktlos« Beschämung unserer Armut auf. Die steine Porzellandanie, deren samtener Reifrock eine Glocke in sich birgt, ist für gewöhnlich sehr still. Sie stand«Inst bei einer hessischen Prinzessin in Diensten und neigt zu einer grüblerischen Schwermut, da ihr helles Klingeln mir weder einen Livreediener noch ein schönes Kammerftäuleln herbeirufen kann. Seit ich st« aus Süddeutschland noch Berlin brachte, glaubt sie sich verfolgt, und sie haßt Preußen.«Da» sei sie dem Andenken ihrer Prinzestin schuldig!" Eine alte Brokatstola, die mich auf der Dult in München kennen lernte und mir gern« folgte, ist auch sehr gegen Berlin ein» genommen, und von unserem Schwabinger Atesier erzählt sie mir ollnächllich, wenn meine Augen sie vor dem Einschlasen streicheln. Sie Ist sehr befreundet mit dem gläsernen Madonnenbildchen, da» mir eine arme alte Frau in Polen zum Schutz gegen die Kugeln aus die Brust band. Madonna und Priestergewand sprechen lateinisch mitc inander, sie lassen oft das Wort Diaspora fallen und bemühen sich, die süße» Sttmmungen ihrer Religion in meinem Zimmer zu verbreite». Wenn ich sie besonder» erfreuen will, brenne ich«in« Wachskerze an. Doch stört sie bei diesem Genuß mein Kakaduleuchter, dem ich eln Federsteid in den buntesten Farben anmalle.„Er sei gar nicht kirchlich gesinnt, und seine Eitelkeit würde der liebe Gott sicher einst bestrasen." Meine Dinge liebe ich. mein« Dinge begleiten mich durch Not und Freuden, ich packe sie in Strümps« und Nachthemden, ich steh« Aengst« um sie aus und bin mit ihnen glücklich. Wer gehört nun nicht zum Volke, und wer sind seine Feinde? — Alle diesemgen, die keine Not empfinden! Richard Wog» er. Seichte. Clin Blies von H. Wega. „Liebster, so dunkel ist es in mir geworden sest Deinem heutigen Brief. So dunkel, als hätte ich einen lieben Toten begroben und wäre jetzt bei ihm draußen gewesen, um Blumen aus sein Grab zu legen, und immer dunkler und kälter wurde es in mir, je näher der Augenblick rückt«, wo ich Dir beichten muhte. Denn nun kann ich nichts mehr verheimlichen und vertuschen. Aue der bangen Frage:„Dars ich Dir das Opfer zumuten, noch länger aus mich zu warten?' spricht Deine ganze lautere Gesinnung. So muh ich Gleiches mit Gleichem vergelten. Und doch ist dieser Brief eine Anklage. Ein« Anklag« gegen den Mann, der aus lauter Rücksicht nicht nehmen wollte, was ihm mehr als sechs Jahre entgegenblühte,— und dem nun ein anderer stahl, was er töricht zurückwies. Erinnerst Du Dich, Schatz, wie ich damals an Deinem Halse hing, als Du ins Feld muhtest, und Dich bat:«Mache mich zu Deinem Weibe,— dann werde ich's leichter ertragen 1' Meine siebzehn Jahre waren Dir heilig. Du wolltest mich nicht an Dein unsicheres Leben binden,— ich sollte ganz frei sein, wsnn Du fielst--- Und war doch reif zur Liebe. Verzehrte mich nach Deiner Um« armung, nach dem. was Deine Küste längst in mir geweckt hotten, und was Ihr Männer, die Ihr Euch„anständig' nennt, bei Eurer zukünftigen Frau nicht gelten laßt.— Und als ich Dich nach Deiner zweiten Berwundung monatelang pflegen mußte, wie wartete ich aus den Augenblick, wo Du sagen würdest: „Komm, Geliebte, jetzt rennen wir alle Hinderniste über den Hausen und heiraten erst einmall' Wie oft legte ich Dir diesen Gedanken nohel Denn ich stand schon damals mitten im Lebenskampf, hatte den Later, durch den Krieg ruiniert, verloren und sollte die Mutter unterstützen. Hätte «» soviel leichter gehabt al» Frau, den Gefahren der Großstadt zu trotzen,— hübsch und jung, wie ich war. Und voller Saft und Kraft! Du verlangtest von mir, daß ich zurückdrängen, abtöten sollte, wozu mein gesunde» Blut mich trieb. Und ich war viel zu jung und unerfahren, zu schamhast auch, um Dir meine Bedenken offen auszusprechen. Aber in wilden, schlaf» tosen Nächten habe ich meine Finger um die Kopskisten gekrallt und gefleht: „Nimm mich doch! Nimm mich doch!'— Und dann nach Ende de« Kriege», da» Dich in seiner Gewalt- famkeit ganz au. Deiner Bahn schleudert«! Du, au» alter Osstziers» familie, selber mit Leib und Seele Soldat, littest Unsägliches. Still und selbstverständlich trat Ich an Deine Seite. „Laß uns gemeinsam kämpfen, Geliebter, wir werden da» Leben schon zwingen!" Doch wieder stießest Du mich von Dir. E« sei genug, daß Du zusehen mühtest, wie ich mich und die Mutter durchbringe. Du wolltest mir nicht noch einen Dritten aufpacken. Mich könntest Du erst heimholen, wenn Du Nare Verhältnisse geschaffen und eine neue Lebensstellung gefunden hättest--- Ich weinte bittere Tränen. Was hattest Du schon alles tot- getreten in mir mit Deinen Bedenken! Wie war es kalt und still geworden, wo einst so heiße Glut loderte!' Und ich war nicht mehr siebzehn Jahre all. Lebte seit meinem achtzehnten nicht mehr in der Kleinstadt, sondern in Berlin, gm Herzen von Berlin, da, wo ans heißblütige, lebenshungrige jung« Mädchen die Gelahren in Mengen lauent. Ich hatte viel Berehrer gefunden, die mich mit meinem„ewigen Bräutigam' auslachten. Wie wenig kanntest Du das Leben, Schatz! Wie wenig kanntest Du mich! Aber ich liebt« Dich und verzieh Dir noch einmal, was Du fordertest, sicher, daß Du in Wochen und Monaten mich heim und an Deine Seite nifen würdest. War Dir treu, Geliebter, im tiefsten Innern treu. Niemand vermocht, Dein Bild au« meiner Seele zu verdrängen Den Gedanken au Deine blonden lockigen Haare, Dein« ehrlichen blauen Augen.— Und treu, wenn Du so willst, bin ich Dir noch heute. Was sich schließlich von Dir löst«, war nur der gemißhandelte Körper.— Soll ich e» noch weiter begründen? Wie Du mich immer wieder vertröstest hast seit zwei Jahren, in denen wir uns überhaupt nicht gesehen? Wie Du nicht festen Fuß soffen konntest in dem so ver- änderten Leben? Wie Du littest und darbtest und Dir alle» ver- sagtest— sogar eine Sommerrrise zu mir? Und die Zelten wurden immer schwerer, die LebensverhätMiffe unerträglich. „Wer kann setzt an Heiraten denken, Liebste?" schriebst Du mir neulich.»Ich habe keine Wohnung und Du hast keine Möbel. Wollen wir, wie so viel», in möblierten Zimmern zwischen Pappschachteln wohnen?" Manche Deiner Gründe leuchteten mir ein. Aber lstnler dem Opfer, das ich Dir wieder und wieder brachte, weinte mein, ver- I lorene Jugend. Ich sing an, mich noch sechs Jahren nutzlosen ) Kampfes alt zu fühlen. Auch wurden dle Launen der Mutter, die da» Entsagen nicht gelernt hatte, immer schwerer zu ertragen. Und draußen lockt« da, bunte, schöne Leben I Lockten Äugend» freud« und Sinnenlust an jeder Ecke de» Dir so verhaßten Berlin. Tausend Hände suchten mich in den Strudel zu reißen. Und ich hatt« nur mein Herz, meine keusche Liebe zu Dir, ihnen enigegenzu» halten!--- Was ich getan, will ich nicht beschönigen, Liebster. Nur hören solltest Du, aus welchen Wegen ich dahin gelangte, wo ich heut« bin. Solltest wiffen, welches Dein Teilchen Schuld an dem, was ge- schehen. Heute in der Abschiedsstunde schließe ich Dir zum erstenmal mein Herz auf. Vielleicht wendest Du Dich schaudernd ab. Männer wie Du wollen im Weibe nur das Höchste und Reinste, die zutünf» ttge Mutter, sehen. Dos Menschliche und Natürlich« scheint ihnen verwerflich. Habt Ihr ein Recht zu dieser Vergewaltigung? Ich weiß nur eins in dieser Stund», die mir das Schönste aus meinem Leben reißt, was ich je besessen: die Hoffnung aus eine Vereinigung mit Dir—, daß ich sechs lange Jahre gegen meine Natur ange- kämpft und kein Verständnis bei Dir gefunden habe. Daß ich lieber — tausendmal lieber— Not und Kampf an Deiner Seite ertragen hätte, als diese Jahre einsamer Entbehrung--- Ich kenne Deine Anfichten und weiß, daß ich nach diesem Brief eine Verlorene für Dich bin. Und so bitte ich nicht um Verzeihung. Heute nicht. Aber in Jahren, wenn auch Du vielleicht gelernt hast. da» Leben mit anderen Atigen anzusehen, dann wirst Du von selber zu mir zurückkehren, wiffend, daß wir beide Schuld trugen. Meine Seele wird Dir treu bleiben, Geliebter, bis Du Dich wieder zu mir findest! Elsa." Hroßftaötlust. Daß die Großstadt eine. Lustmischung ausweist, die den in ihr lebenden Menschen nur sehr bedingt zuträglich ist, gehört zu den allbekannten Einsichten. Meist wird die Verschlechte- rung jedoch nur auf die chemischen Cinslüffe geschoben, die den vielen Kaminen und Autos entstammen, denen tatsächlich ein nicht ganz unbeträchllicher Zusatz von Schwesclsäur« zugeschrieben werden mutz. Außerdem aber ist die Atemlust der Großstädtk noch von unzähligen lebenden und leblosen Körperchen erfülll, die bei aller Winzigkeit des einzelnen durch ihre Masse doch immerhin beachten«- wert sind. E» ist also für jeden Großstädter von Intercffe, zu erfahren, was der Biologe FriedrichBichler Im„Akademischen Wiener Anzeiger' für merkwürdige Konkurrenten der menschlichen Lunge feststellt. Denn wenn diese Untersuchungen auch in Wien gemach. wurden, so gelten sie doch mit mehr oder weniger großen Ab- weichungen ebenso für alle anderen Großstädte mit. Zunächst konstatierte Bichler. daß auch das Aeroplankton — in diesen Begriff hat man alle die verschiedenen Luftbewohner zusommegefaßt— seine Jahreszeiten hat. Für die Neinen Flieger find die Umgebungen der Großstädte von hoher Bedeutting. I« ihrer Zusammensetzung spielt es bereits eine Rolle, ob viel blühende Wiesen und Wälder sich in diesem Umkreis befinden, oder ob Sümpf« und Flüffe ihn beherrschen. Demgemäß ist z. B. in Wien von April bis Oktober die Lust erfüllt von dem Blütenstaub der Birken, Föhren, Fichten und Tannen des Wienerwaldes. Au» den Donauauen stammen wohl die gefundenen Grünalgen, die ja eigentlich Sumpfbewohncr sind, vielleicht auch die vielerlei Pilz- sparen, die niemals fehlen. Blütenstaub de» Weizens kommt wohl auch von draußen, während Roßkastanien wohl unmittel- bar aus den in der Stadt und ihren Bororten besindlichen Anlagen und Gänen fortgeweht werden. Dogegen sind tn dieser Zell Haare, auch Tierhaare und sonstige Pflanz rnfasern nur verhältnismäßig gering vertreten. Bedenklicher wird dos Gesicht des Arztes schon, wenn er hört, daß Reste von Leinwand und Baumwolle, hauptsächlich aber Rußflöckchen zu jeder Jahreszeit die Wiener Luft verunrei- nigen.— Die Höhe einer Wohnung ist auch für die Lunge seiner Bewohner von Bedeutung. Man kann mit Sicherheit behaupten, daß von Stockwerk zu Stockwerk die schädlichen oder mindesten« überflüffigen Beimischungen der Luft geringer werden. Wie sich wohl denken läßt, besitzt da» Aerorlankton keinen»u»- giebigeren Verbreiter al» den Wind. Aber auch bei schlechtem Wet- ter, bei Regen und Schnee ist ein« Zunahme zu konstatieren. Di« feinen schwebenden Tellchen werden von den Tropfen oder Flocken au» größerer Höhe mit zu Boden geriffen. von Januar und Fe- bruar bewegt sich die» Quantum der Lustbewohner in zunehmender Kurve. Der Juni kann im allgemeinen al« Höchststand gelten, und von dann an sinkt die Linie wieder abwärt». Und der Zweck all dieser schwierigen und zettraubenden Beobachtungen? Sie sind e». auf denen sich in Wahrheit die Hygiene der Großstadt mit ausbauen müßie. Denn von der Bufbewahnmg der Lebensmittel im kleinsten Maßstab dl» zu größten und ein» schneidensten Berordmmgen für Gesund« uud Kranke wird alle» von den kleinen Unsichtbaren beeinslußt. die aus ihrer abenteuer- lichen Reise unaufhörlich die Bahnen de» Ledens kreuzen, stören ustd ablenken, während sie zu gleicher Zeit immer wieder au» biesei Badnen neti aussteigen oder siir eine Zeit lang in sie zurückkehren Siefen und Zwerge de« StettoO». Daß unsere Erde nur ein keines Sternchen im ungeheuren Weitenraum ist, lehrt un« die Astronomie, aber so recht begreifen können wir e» im Gefühle unserer stolzen Menschenwürde nicht. Nur der Vergleich mit den anderen Himmelskörpern kann uns davon überzeugen, daß unsere Erde einer der winzigsten Zwerge im Kosma« ist. Solche Verghichszahlen bietet fit. Hopmann in einem inhaltreichen Aufsatz der.Deutschen Revue". Schon wenn wir unsere Erde mit der Sonne vergleichen, er» ' tennen wir, wie Nein sie ist. Der Durchmesser der Sonne ist Ivümal fo groß wie der der Erde, und diesem Durchmesser der Sonne ent Ipricht eine Größe von 1 391 000 Kilometer. Im Verhältnis zur Sonne ist nicht nur die Erde, sondern find alle Planeten Zwerge. Um ihr« Größenverhältnisse anschaulich darzustellen, sei zunächst die Erde als ein Globus von 37 Zentimeter Durchmesser angenommen. Dann haben die Globen der übrigen Glieder des Sonnensystem« folgend« Maße: venu» 35 Zentimeter, Mars 20 Zentimeter, Merkur 14 Zentimeter, der Mond 10 Zentimeter. Sehr viel größer als «nsere Erde find schon der Uranus mit 1,5 Meter, Neptun mit 1/1 Meter und gar erst Saturn mit 8,5 Meter, Jupiter mit 4,1 Meter. Die Sonn« würde bei ihrer Verkleinerung mit ihren 40 Metern Durchmesser gerade noch Platz in der Kuppel des Berliner Dom» Gaben. Was die Massenoerhältnisse anbetrifft, so beträgt die Masse der Sonne da» 8Z8 4Z2fache der Erbmasse. Nimmt man als Aus- Gangsmoß für den Vergleich da» Gewicht des Erdglobu» mit 1 Kilo» Kimm an, so beträgt da» Gewicht von Venus 0,82 Kilogramm, ars 0,14 Kilogramm. Merkur 60 Gramm, Mond 12 Tramm. Da» Gewicht de« Uranus beträgt 14,6 Kilogramm, das de» Merkur 17,3 stl logramm, da» de» Saturn 95L Kilogramm und das de» Jupiter AIS Kilogramm. Die Masse der Sonne würde bei dieser Ver- Keinerung also 533 432 Kilogramm wiegen. Die acht Planeten sind Goch alle noch Riesen im Pergleich zu den übrigen Mitgliedern de« Eonuensystems, den Planetoiden, von denen etwa 1000 heute be- tannt sind. Nur bei den größten hat man bisher den Durchmesser bestimmt: so für Ceres 779 Kilometer, für Vesta 489 Kilometer, für Wallas 391 Kilometer. Im Vergleich mit einem Erdglobu» von S7 Zentimeter Durchmesser würden dem etwa 1 Zentimeter große Kugeln entsprechen. Für die kleinsten unter ihnen käme man auf «innige Kügelchen von Mi Millimeter Durchmesser. Die Gesamt- «nasse aller bisher entdeckten Planetoiden wird auf etwa V«» der Erdmasse geschätzt. Kann man diese Zwerge de» Sonnensystem» gewisie: maßen mit Sandkörnchen vergleichen, so sind die Meteoren und Sternschnuppen, die zahlreich auf die Erde niederfallen, nur aller fenisle Pulverstäubche». Versuchen wir weiter von dem Sonnensystem zu de» Größen- Verhältnissen der Himmelskörper im Weltraum überhaupt zu ge- langen, so müssen wir die Sonne als Vergieichsgegenstand an- «ehmen. Da ergibt sich, daß all« die vielen, mit freiem Auge gut stchtbaren Fixsterne Heller und größer sind als unsere Sonne, durch- lchnittlich etwa hundertmal so groß. Erst bei der fünften Größe. vie ohne Blas schon schwierig zu sehen ist, finden wir Sterne, die der Sonne gieiq oder kleiner sind. Die Massen dieser Sterne lassen pch schwer bestimmen. Die Durchmesser der Fixsterne lassen sich nur bei den sogen, veränderlichen Doppelsternen berechnen. Das kassische Peispiel hierfür ist der Stern Algol im Perseus. Er besteht au» einem hellen und einem schwachleuchtenden Stern, und die Durchmesser der beiden Sterne sind 2,1 und 1,7 Millionen Kilometer. Die Slcrne sind also etwa 1!- mal größer als unsere Sonne. Naturwisseafchafi WlUtBoW Ernte» der Amelsen.„Gehe hin zur Ameise, du Fauler: siehe Ure Weise an und lerne. Ob sie wohl keinen Fürsten, noch Haupt- mann, noch Herrn hat. bereitet sie doch ihr Brot im Sommer und fommelt ihre Speise in der Ernte." Unendlich oft ist dieser Spruch Salomoni» zitiert worden, aber so sehr man auch den Fleiß der Ameise rühmte, man hielt die Annahme, daß sie ernte und Brot bereit«, lange Zeit für eine Fabel. Erst seit der Mitte des 19. Jahr- hundert» hat die zoologische Forschung die Beobachtung des alt- testamentllchen Prediger, bestätigt und immer eingehendere Nach- eichten über di«.erntenden Ameisen" gesammelt. Während de» Kriege» konnte der bekannte Zoologe Pros. D o f l e i n in Maze- honten da» Leben der Ernteameisen, die meist in den Mittelmeer- Andern vorkommen, im Kreislauf des Jahres genau untersuchen. Dr. Rudolf Loeser gibt in der.Umschau" ein anschauliches Bild von der eifrigen und sinnvollen Arbeit dieser winzigen Ackerbauer. Gleich zu Winter» Ende kommen diese Körnersammler aus ihren Unterirdischen Verstecken heraus, putzen sich und beginnen krater- förmige Ringwäll« zu bauen. Dabei sind besonder, große Tiere tätig, die sich durch die gewaltige Entwicklung ihre» Kopses und ihrer Kiefer auszeichnen: sie stellen eine von den gewöhnlichen Ar- heitern unterschiedene Kaste dar. Bald regt sich der Sammelinstinkt: Holzstückchen. Grashälmchen usw. werden wahllos ins Rest ge- Blleppt. Aber mit dem Reifen der Samen ändert sich das Bild. un sind es ausschließlich noch solche fruchttragenden Gräser, die inigesucht werden. Bald fällen die Ameisen den ganzen Slanim,. porthindernisse beseitigt, von früh bi» spät schleppen die erntenden Arbeiter ihre Beute nackj Hause, oft noch im Mondschein, und nur in den heißesten Tagesstunden ziehen sie sich i,; da» kühle Rest zurück. Unterdessen herrscht auch im Innern de» Stocke« regst« Leben. Alles eingesammelte Material wird zunächst ungefichtet in den oberen Kammern aufgespeichert. Andere Arbeiter dreschen die Ernte, indem sie die Samen, Aehren und Schoten sauber heraus» schälen und in tiefer gelegene.Scheunen" schaffen. Dabei find mei- ften» die kleinsten Arbeiter tätig. Die Samenmengen find oft recht beträchtlich. Dagegen, daß die Vorräte durch Einsickern de» Wasser« zum Keimen kommen, schützen sich die Ameisen durch eine Art»Ze- mentieren" der Kommerwände. Sie überziehen diese mit einer weißen wachsartigen Masse, die jetzt al» ein au» dem After heraus- gepreßte» Drüfenfekret festgestellt ist. So geschützt, können die Samen den Winter überdauern. Hesunöheitspflege ItEiniflitfEllil Sport und Nervensystem. Es ist eine bekannte, jedem Sport- lustigen geläufige Erscheinung, daß mit zunehmender Sicherheit in der Bewältigung körperlicher Leistungen ein Gefühl der Frische und T o t k r a f t auftritt. Für die Nerventätigkeit be- deuten diese Lustgefühle eine wahre Stärkung. Deshalb allein schon ist das fröhliche Tummeln und Spielen der Kinder gesund und kräftigend. Neben diesen Gemeingesühlen nehmen aber die nervösen Zen- tralorgane noch besonderen Anteil an den verschiedenen Körper- Übungen. Eine ganz« Reih« von Uebungen stellen nur in gewissem Sinne eine Hebung der Muskulatur dar, sind weit mehr eine Nerven- gymnastik, die die Tätigkeit der Bewegungszentren de» Gehirns ent- wickeln und ausbilden Ihnen stehen jene Uebungsarten gegenüber. deren Bewegungen fast automatisch erfolgen und nur wenig Nerven- arbeit erfordern Zu den ersteren gehören alle G e s ch i ck l i ch- keit»- und Gewandtheitsübungen. Bei ihnen kommt es darauf an. unter Vermeidung unnötiger Mitbewegungen vorge- schriebe»« Bewegungen auf möglichst kraftsparend« und zweckent- sprechende Weise auszuführen Um die verschiedenen Muskelgruppen. die an der Ausführung einer Bewegung beteiligt sind, in der zweck- entsprechenden Weise zu benutzen, ist eme besondere NerventSNgteit erforderlich: durch die koordinierende Nerventätigkeit werden den einzelnen in Betracht kommenden Muskeln die genau abgestumpften Bewegungsreize vermittelt. In gleicher Weise wirken die Schlag- 'ertigteitsübungen. Der Unterschied dieser beiden Uebungs- arten besteht ober darin, daß bei den Gewandtheitsübunqen man sich vor Ausführung der Bewegung ihren ja genau vorgeschriebenen Gang in den Bewegnngszentren in gewissem Sinne zurechtlegen kann, während man bei den Schlagiertigkeiisübungen ganz plötzlich auftretenden unvorhergesehenen Bewegungsaufwendungen ent- sprechen muß. Daraus ist verständlich, daß beide Uebungsarten das Zentralnervensystem anstrengen, es aber auch kräftigen und stählen, eine sichere Beherrschung des Körpers für alle Bewegung»- aufwendungen und in allen Lagen bezwecken und dadurch— ins- besondere durch das Gefühl der Sicherheit, das sie verleihen— hygienischen Wert haben. Ihnen gegenüber stehen die Uebungen und Bewegungen in hythmischem Gang: die Bewegungen lausen fast automatisch ab, so daß dos Zentralnervensystem sich nicht anzustrengen braucht, sondern erholen kann. Deshalb die Erholung der Nervenkraft durch da» Wandern, Radfahren usw. Die Ermüdung, die bei diesen Uebungen auftritt, ist ein« Folge der größeren quantitativen Arbeit. während die Arbeit bei den Geschicklichkeitsübungen mehr eine qua- litativ« ist. Auf jeden Fall wirken die genannten Uebungsarten auch auf das Zentralnervensystem ein, und zwar in förderlicher Weise, so daß der Einfluß des Sports auf das Nervensystem nur ein guter genannt werden kann. fius der Praxis Warum reinigt die Seife? Jeder weiß, daß Seife auf die Haut ein« reinigende Wirkung ausübt: wie aber diese Wirkung zustande kommt, wird wohl nur wenigen bekannt sein. In der Wirkungsart der Seife auf die Haut muß zunächst zwischen der Wirkung der Seifenlösung und jener der festen Seife unterschieden werden. Nach einer Darlegung in der.Pharmazeutischen Zentralhalle" geht der Reinigungsprozeß durch die wässerige Seifenlösung in der Weise vor sich, daß das von den Hauttalgdrüsen abgeschiedene Fett, In den, sich die winzigen Schmutzteilchen, die sich auf der Haut ablagern, festsetzen, in die Seifenlösung in feinster Verteilung ausgenommen wird. Um jedes einzelne Schmutzteilchen bildet sich nunmehr eine gallertig« Hülle: dadurch wird der Zusammenhang de« Schmutze» mit der Haut gelöst und die Reinigung vollzogen. Besseren Erfolg als niit der wässerigen Lösung erzielt man beim Waschen mit fester Seife, weil die Seife in dieser Form besser in die Hantfalten und Poren eindringt und die Schmutzteilchen durch ihrr Oberflächen- eigenschafl stärker festhält, als die Haut sie kestLzhalten vermag. Der Schniutz haftet in diesem Fall.wie ein Abziehbild" an der Seife. Ein Beispiel dieser.„abziehenden" Wirkung der Seife kann mau beobachten,.wenn mam versucht, einen Rußflecken von der Haut nur st« ihn unten abbeißen,.bald werden nur Aehren pnd Schoten,>üit, einem, feuchten Lappen zy entfernen, wobei er ssäh nur wenig kapseln und Dolden, abgeschnitten. Straßenzüge von 30 und 40,«bläst, wäihrend ex nach dein Bestreichen niit frockenerv fester. Seif�l[ l« 100 Metex Länge werden vom Nest- äus augeiegt ch,d>qKe. TegnsH svfvxt weicht uich an-der Sets« haften bleibt., 32 '•it/'.J.- j. v... t iic,-"•,, v:: i'\-.,.,1*?'. t*».-