"''■/> Unterhaltungsbeilage >(�e>—■ öes Torwarts <* Der kleine Vogel. Von R. v. Volkmann. Leaader. Ein Mann und ein« Frau wohnten in einem hübschen kleinen Hause, und es fehlte ihnen nichts zu ihrer vollen Glückseligkeit. Hinter dem Haus« war ein Garten mit schönen alten Bäumen, in dem die Frau die seltensten Pflanzen und Blumen zog. Eines Tages ging der Mann im Garten spazieren, freut« sich über die herrlichen Gerüche» welche die Blumen ausströmten, und dachte bei sich selbst: Was du doch für ein glücklicher Mensch bist und für«in« gute» hübsch« ge. schickte Frau hast! Wie er da» so bei sich dachte, da bewegt« sich etwas zu seinen Füßen. Der Mann, der sehr kurzsichtig war, bückte sich und«ltdeckte «inen kleinen Bogel, der wahrscheinlich au» dem Nest« gefallen war und noch nicht fliegen tonnte. Er hob ihn auf. besah ihn sich und trug ihn zu seiner Frau. �Herzenssrau," ries er ihr zu..ich habe«inen kleinen Vogel gefangen: ich glaub«, es wird eine Nachtigall!� lieber gar!" antwortet« die Frau, ohne den Vogel auch nur anzusehen.»Wie soll eine junge Nachtigall in unseren Garten kommen? E» nisten ja keine alten drin" .Du kannst dich darauf verlasse», es ist eine Rachtigall! Uebrigens habe Ich schon einmal eine in unserem Garten schlagen hören. Das wird herrlich, wenn sie groß wird und zu singen beginnt! Ich höre die Nachtigallen so gern!" .Es ist doch keine!" wiederholte dt« Frau, indem sie immer noch nicht aussah: denn sie war gerade mit ihrem Strickstrumpf beschäftigt. und es war ihr eine Masch« beruatergesallen. .Doch, doch!" sagte der Mann,.ich sehe es jetzt ganz genau!" und er hielt sich den Vogel dicht an die Ras«. Da trat die Frau heran, lacht« laut und rief:.Männchen, es ist ja bloß ein Spatz!" .Frau, entgegnete hierauf der Mann und wurde schon etwas heftig,.wie kannst du denken, daß ich eine Nachtigall gerade mit dem Allergemeinsten verwechseln werde, was es gibt! Du verstehst gar nichts von Naturgeschichte, und ich habe als Knabe«ine Schmetter- ling- und«in« Käsersommluag gehabt." .Aber. Mann, ich bitte dich, hat denn wohl eine Nachtigall einen so breiten Schnabel und einen so dicken Kops?" .Sowohl, das hat sie; und es ist eine Nachtigall!" .Sch sage dir aber, es ist kein«: hör« doch, wie er piepstt' .�kleine Nachtigallen piepsen auch." Und so ging e» fort, bis sie sich ganz ernstlich zankten. Zuletzt ging der Mann ärgerlich aus der Stube und hotte einen kleinen Käfig. .Daß du mir das eklige Ding nicht in die Stube setzst!" rief ihm die Frau entgegen, al» er noch in der Tür stand..Sch will es nicht haben!" .Sch werde doch fcheti, ob ich noch Herr im 5)ause bin!" aat- wartete der Mann, tat den Vogel in den Käfig, ließ Ameifensier holen und fütterte ihn-- und der kleine Vogel tieß stch's gut schmecken. Beim Abendessen aber saßen der Mann und die Frau jeder an einer Tischecke und sprachen kein Wort miteinander. Am nächsten Morgen trat die Frau schon ganz früh an das Bett ihre» Manne» und sagte ernsthaft:.Bieber Mann, du bist gestern recht unvernünftig und gegen mich sehr unfreundlich gewesen. Sch habe mir ebeu den kleinen Vogel noch einmal besehen. E» ist ganz sicher ein kleiner Spatz: erlaub«, daß ich ihn sortlasie." .Daß du mir die Nachtigall nicht anrührst!" ries der Mann wütend und würdigt« seine Frau keines Blickes. So vergingen vierzehn Tage. Au» dem kleinen Häufen schien«. Glück und Fried« auf immer gewichen zu sein. Der Mann brummte, und wenn die Frau nicht brummte, weinte sie. Nur der kleine Vogel wurde bei seinen Ameiseneiern immer größer, und seine Federn wuchsen zusehends, als wenn er bald flügge werden wollte. Er hüpfte im Käfig umher, setzt« sich in den Sand auf dem Bode» de» Käfig», zog den Kopf ein und plusterte die Federn aus, indem er sich schüttelte, und piepst« und piepste— wie ein richllger junger Spatz. Und sedesmal, wenn er piepste, ftihr es der Frau wie ei« Dolchstich durchs Herz.— Eines Tage» war der Mann ausgegangen, und die Frau saß weinend allein im Zimmer und dacht« darüber noch, wie glückstch sie doch mit ihrem Manne gelebt habe: wie vergnügt sie von scüh bi» zuni Abend gewesen seien und wie ihr Mann sie geliebt— und wie nun alle», alle« au» sei. seit der verwünscht« Bogel in» Hau» ge» kommen. Plötzlich sprang sie auf wie jemand, der einen raschen Entschluß faßt, nahm de« Bogel aus dem Käfig und ließ ihn zum Fenster in den Garten htnaushüpfen. Gleich daraus kam der Mann. .Lieber Mann," sagt« die Frau, mdm sie nicht wagte, ihn an.zu« sehe«..«» ist ein Unglück passiert: den kleinen Bogel hat die Satze gesreffen." .Die Katze gefressen�" wiederholt« der Maua, indem er starr vor Entsetzen wurde..Die Katze gesreffen? Du lügst! Du Host die Nachtigall abstchtllch fortgelassen! Da» hätte ich dir nie zugetraut. Du bist eine schlecht« Frau. Nu« ist es für ewig mtt unserer Freund- schaft auel" Dabei wurde er ganz blaß, und es traten ihm die Tränen in die Augen. Me die» die Frau sah, wurde sie auf einmal mne. daß p« doch ein recht große« Unrecht getan habe, den Vogel forlzrlujse», und laut weinend ettte sie tn den Garten, um zu sehen, ob sie ihn vielleicht dort noch fände und halcheu könnte. Und richtig, mitten auf dem Wege hüpfte und flatterte da» Bögelche»»: denn es tonnt« immer noch nicht ordentlich fliegen. Da stürzt« die Frau auf dasselbe zu. um es zu fangen, aber da» Vögelchen huschte ws Beet und von» Beet m eine« Busch, and von diesem afled« unter ein?« andern,«nd die Frau stürzte in ihrer Herzensangst hinter Ihm her. Sie zertrat die Beete»nd Blumen, ohne im geringsten darauf zu achten, und jagte sich wohl eine halbe Stunde lang mit dem Bogel im Garten herum. Endlich erhascht? sie ihn. und purpurrot im Sesicht und nltt ganz verwildertein Haar tarn sie In die Stube zurück. Ähre Augen funkelten vor Freude, und ihr Herz klopft« heftig. .Goldner Mann," sagte sie,.ich habe die Nacknigall wieder§f fangen. Sei nicht mehr böse: e» war recht häßlich von mtrl" Da sah der Mann seine Frau zum ersten Male wieder freundlich an. und wie er sie ansah, meinte er, daß sie noch nie so hübsch ge« roesen wäre wt« in diese« Augenblicke. Er nahm ihr den ileinen Vogel au» der Hand, hielt ihn sich wieder dicht vor die Rase, besah ihn sich von alle« Sellen, schüttelte den Kopf und sagte dann: .Kindchen, du hattest doch recht! Setzt seh« ich'? erst: es ist wirklich nur ein Spatz. E» ist doch merkwürdig, wie sehr man sich täusche« kann." „Männchen," erwiderte dt« Fron,.du sagst da» bloß mir zue siebe. Heute sieht mir der Bogel wirklich selbst ganz wle ein« Nachtigall aus." .Nein, nein!" fiel ihr der Mann ins Wort, indem er den Boges noch einmal besah und laut lachte,.es Ist ein ganz gewöhnlich«— Gelbschnabel." Dann gab er seiner Frau einen herzhaften Kuß und fuhr fort;„Trag ihn wieder in den Garten und laß den dummen Spatz, der uns vierzehn Tage lang so unglücklich gemacht hat, fliegen." „Nein," entgegnete dt? Frau,.das wäre grausam! Er ist noch nicht recht flügge, und die Katze könnt« ihn wirklich kriegen. Wir wollen ihn noch einige Tage füttern, bi» ihm die Federn noch mehr gewachsen stnd, und dann— dann wollen wir ihn fliegen lassen!"— Die Moral von der Geschichte aber ist: wenn jemand einen Spatz gefangen hat und denkt, es sei eine Nachtigall— sag'» ihm bei- leibe nicht: denn er nimmt'» sonst Übel,»nd später wird er's gewiß von selbst merken. Die femiten Bewegungen oer Korper» Manchmal geschehen an unseren gewohnten und alltüglichen Dingen die allermerkwürdigsten Vorkommnisse, die man dann über- Haupt nur durch«inen Zufall bemerkt und weil man sie so gar nicht erklären kann, natürlich auch ebenso schnell wieder vergißt. Da hat der kleme Fritz von seiner Großmutter zum Geburtstag einen hübschen, sauber vergoldeten Silberlösfel zum Geschenk erhalten. Selbstverständlich wird er ihm ausgehoben, in den Schrank gelegt und nie benutzt. Er ist sogar immer noch neu und frisch, als Fritz schon längs? selber Kinder hat. Auch die dürfen mit dem großmütterlichen Prunklösfel nicht essen, sondern sie betrachten ihn nur zuwe len, wenn Mutter gut ausgelegt ist, mit mancherlei anderen hübschen Sachen. Aber steh da, eines Tages fällt es einem der Kleinen auf, daß die Vergoldung des Silberlöffels da und dort«in bißchen fleckig erscheint. Bei näherem Zusehen erweist sich, daß es wirklich Flecken in der gelben Oberschicht sind, durch die das Silber hindurchleuchtet. Aber eigentlich ist das auch kein ganz Helles Silber, sondern es hat einen gelblichen Schimmer angenommen. Was ist die Urfache? Man rät auf Feuchtigkeit, auf dos schlecht« Silberputzpulver, aus alles mög- liche, aber keine ErNärung hält so richtig stand. Endlich wird der Goldschmied zu Rate gezogen. Der beschaut sich die unheimlichen Stellen und meint dann ganz gelassen:„Da ist gar nichts dabei, dos geschieht bei vergoldeten Gegenständen manchmal. Und machen läßt sich auch nichts, als höchstens neu vergolden!" Weiter ist beim Goldschmied nichts zu erfahren. Die Sache wird vergessen und bleibt ungeklärt, denn der, welcher sie erklären könnt«. wird nicht gefragt. W«r kann auch vermuten, daß der ganze Bor- gang in das Gebiet des Physiker» gehört, und zwar eines Molekulorphysikers, und daß das Ganze sich als ein« der Auswirkungen von Molekülbcwegungen begreifen läßt. Aber da stockt das Verständnis des Richtfachmannes schon wieder. Was ist ein Molekül? Wenn man es paradox sagen wollte, könnt« man antworten, daß es ein Wort für ein Ding ist, das nicht existiert. Es existiert nämlich für unser« Sinne tatsächlich nicht, solange es einzeln ist. Denn auch mit dem hervorragendsten Mikroskop vermag das menschliche Auge nicht einen Teil einer Masse zu unterscheiden, von dem man annimmt, daß er zwischen einem und s ü n f Zehn- Millionstel Millimeter groß oder richtiger gesagt, klein ist. Das ist eine ganz unvorstellbare Zahl, und niemand brmicht feine Phantasie zu schelten, weil sie ihm kein plastisches Bild von solcher Winzigkeit geben kann. Solche Größenverhältnisie lassen sich eben nicht vorstellen, weil unser? Sinneswahrnehmungcn nicht darauf «Ingerichtet sind Man kann sie nur errechnen, ihr Dasein mittelbar durch Forschungen feststellen, und auf diesem Wege hat man sogar erfahren, daß Moleküle immer noch nicht das Allerkleinste sind, was sich erkennen läßt, sondern daß sogar sie noch In Teile zerfallen, die man Atome nennt: außerdem weih man ganz bestimmt, daß alles, was in und um uns ist, sich aus solchen ihrer Art nach allerdings verschiedenen Molekülen zusammensetzt. Zusammensetzen ist nun freilich auch nicht dos richtige Wort, denn diese ganze winzige Gesellschaft ist keineswegs ruhig und an einen Ort gebunden. Man muß sich den Zusammenschluß der Körper nicht etwa so vorstellen, daß die Moleküle wie die Ziegelsteine hübsch an der einmal für sie bestimmten Stelle liegen bleiben. Im Gegen- keil! Sie sind in unaushörlicher Bewegung, und es ist nur eine Platzsrage, wie weit und wohin ihr Tanz sich ausdehnt. Diele Platz- frage entscheidet überhaupt darüber, ob ein« Materie das ist, was wir Menschen als gasförmig, flüssig oder fest bezeichnen. Der gas- f ö r m i g e Z u st a n d ist gar nichts anderes, als die Bewegung der Moleküle bei reichlichem Raum, der dem einzelnen gestattet, verhält- nisinäßig»»behindert dahinzufausen. Es gibt Spiele, bei denen die Bälle von ollen Seiten durcheinander und sich zugeworfen werden. Viel weniger Freiheit besitzen die kleinen Stürmer schon in Flüssigkeiten. Da gibt es kein ungestörtes Dahinrasen. Hier sitzt man so nahe beisammen, daß man höchstens durcheinander- krabbeln oder kriechen kann, so wie eine Anzahl auseinandcrgehäufter Malkäfer es in den Händen mutwilliger Kinder zuweilen tut. Aller. dings stimmt das Bild insojern nicht ganz, als es den unglücklichen Opfern verständisloser Quälerei nur selten gelingt, sich aus- und davonzumachen. Von den Molekülen jedoch, die eine Flüssigkeit bilden, stürzen sich ununterbrochen welche in den Lustraum hinaus, der sich über ihnen besindet Diese Totsache ist nun wieder etwas so ura'-t Bekanntes, daß man sie nicht einmal den Fibelkundigen mehr als Neuigkeit erzählen kaim. Denn auch sie wissen schon, daß alle Flüssigkeiten, vorn Wasser angefangen, die Gewohnheit haben, an der Luft zu v e r d u n st e n. wenn man sie offen stehen iößt. Die Wörme, die man sonst ausschließlich für diesen Vorgang oerant- wörtlich macht, ist in Wirklichkeit gar nichts andere«, als die Be- schleunigung dieses auch sonst stattfindenden Heraueschnellens, wodurch natürlich von der immer weniger werdenden Flüssigkeit sich immer mehr in Dampf verwandelt. Am schwersten glaubhast erscheint von all diesen«in bißchen! unglaublichen Dingen bie Tatsache, daß auch feste Körper keines-> BaSMI i««»* fSBBS v» x?» SBHBBSI, � Etgenbewegung, wenn sie wahrscheinlich auch im allgemeinen nicht viel größer ist, als die eines auf einem Punkt sich drehenden Kreisels. Das und nichts anderes geschah mit jenem Silberlössel, von dem einzelne golden« Moleküle ins Innere des Silbers gekrochen waren. Freilich konnte man das mit den Augen der Menschen erst sehen, als viele Tausende dasselbe taten und schließlich aus diese Weise in der Vergoldung jene kleinen Flecken entstanden, für die man jo ga? deine Erklärung fioden konnte. Aber das sind eben die Unterschiede zwischen Köpfen und Men- schcn. Der ein« besitzt einen Silberlössel und glaubt schon das Maximum zu leisten, indem er chn sür Kinder und Kindeskinder sorgfältig aufbewahrt. Der andere oermöchte daran den Aufbau der Welt und die Slrukttir aller Materie zu erkennen— aber häufig besitzt gerade er— keinen Silberlöfsel! Ann! Harra r. Der Wanderer. Von Hermann Hess«. Dickler und Wandersmann In rinem, wl« n sich von zeher erwilsen, »ei»! Hermann Hess« In seine,» nrncsten, einfach„ffl«» 6 c i u n 8" belitellcn Werte< Verlag S. Fischer, Verlin), daß er Iroß tlrieg und allem der alle aeblicden. Wanderlust, Sehnsucht nach dem Enden. Freud« am Meinen, Alltiialichcn machen da» vom Bersaster seldft illustriert« Buch»n einer köstlichen Gade der Wiedererivecknng. Wir geben da» erste Landschasts- und Seelendild daran». Bei diesem Hause nehme ich Abschied.' Lange werde ich kein solches Haus mehr zu sehen bekommen. Denn ich nähere mich dem Alpenpaß. und hier nimmt die nördliche, deutsche Bauart ein End«, samt deutscher Landschaft und deutscher Sprache. Wie schön ist es, solche Grenzen zu überschreiten! Der Wan- derer ist in vielen Hinsichten ein primitiver Mensch, so wie der Nomade primitiver ist al, der Bauer. Die Ueberwindung der Seß» haftigkeit aber und die Verachtung der Grenzen machen Leut« meines Schlages trotzdem zu Wegweisern in die Zukunft. Wenn es viel« Menschen gäbe, in denen eine so ttese Verachtung für Landesgrcnzen lebte wie in mir, dann gäbe es keine Kriege und Blockaden mehr. Es gäbe nichts Gehässigeres als Grenzen, nicht« Stupideres als Grenzen. Sie sind wie Kanonen, wie Generäle: solange Vernunft, Menschlichkeit und Friede herrscht, spürt man nichts von ihnen und lächelt über sie,— sobald aber Krieg und Wahnsinn ausbricht, werden sie wichtig und heilig. Wie sind sie uns Wanderen, in den Kriegsjahren zur Pein und zum Kerker geworden I Der Teufel hole sie! Ich zeichne das Haus in mein Notizbuch, und mein Auge nimnit von deutschem Dach, deutschem Gebälk und Giebel, von mancher Tranlichkeit und Heimotlichkeit Abschied. Noch einmal liebe ich all dies Heimatliche mit verstärkter Innigkeit, weil es zum Abschied ist. Morgen werde Ich andere Dächer, andere Hütten lieben. Ich werde nicht, wie es in Liebesbriefen heißt, mein Herz hier zurücklassen. O nein, Ich werde mein Herz mitnehmen, ich brauche es auch drüben über den Bergen, zu jeder Stunde. Denn ich bin ein Nomade, kein Bauer. Ich bin ein Verehrer der Un- treue, des Wechjels, der Phantasie. Ich halte nichts davon, meine Liebe an irgendeinen Fleck der Erde festzunageln. Ich halte das, was wir lieben, immer nur für ein Gleichnis. Wo unsere Lieb« hängen bleibt und zur Treue und Tugend wird, da wird sie mir verdächtig. Wohl dem Bauern! Wohl dem Besitzenden und Seßhaften, dem Treuen, dem Tugendhastenl Ich kann ihn lieben, ich kann ihn verehren, ich kann ihn bene'ten. Aber ich habe mein halbes Leben daran verloren, seine Tugend nachahmen zu wollen. Ich wollte sein, was ich nicht war. Ich wollte zwar ein Dichter sein, aber daneben doch auch ein Bürger. Ich wollte ein Künstler und Phantcisiemenjch fein, dabei ober auch Tugend haben und Heimat genießen. Longe hat es gedauert, bis ich wußte, daß man nicht beides fein und haben kann, daß ich Nomade bin und nicht Bauer, Sucher und nicht Bewahrer. Lang« habe ich mich vor Göttern und Gesetzen kastelt, die doch für mich nur Götzen waren. Die» war mein Irrtum, meine Qual, meine Mitschuld am Elend der Welt. Ich vermehrte Schuld und Oual der Welt, indem ich mir selbst Gewalt antat, indem ich den Weg der Erlösung nicht zu gehen wagte. Der Weg der Erlösung sühn nicht nach links und nicht nach rechts, er führt ins eigene Herz, und dort allein ist Gott, und dort ollein ist Friede. Bon den Bergen weht ein feuchter Fallwind mir vorüber, jen- feits blicken blaue Himnielsinfeln auf andere Länder nieder. Unter jenen Himmein werde Ich oftmals glücklich sein, oft auch Helmweh haben. Der vollkommene Mensch meiner Art, der reine Wanderer, müßte das Heimweh nicht kennen. Ich kenne es, ich bin nicht voll- kommen, und ich strebe auch nicht es zu sein. Ich will mein Helm- weh kosten wie ich meine Freuden koste. Dieser Wind, dein ich»ntgegensteige� duftet wunderbor noch Jenseits und Ferne, noch Wasserscheide und Sprachgrenze, nach Gebirge und Lüden. Er ist voll Versprechung. 'MM, CUUII uuev.. Hch wks, mc(n Junge, halt einmal rtillt man Tagt niemals, man KSnn« was nicht, Der"enfeh kann alles, wenn er will 1 Denk mal umher, rundum umher> was nicht in•feld und©arten gewachsen was nicht von Hnbeginn an tchon war, und war es dir noch fo unergründlich und unerfaBlich und unerfindlich, t wo vom Dimmel gefallen oder durch Wunder zultande gebracht.. es ilt alles immer von �cnfdrcn erdacht und gemacht t von pienlchen wie ich und von �lenlcben wie du und immer nur mit ganz einfachen Mitteln ohne jegliche Rexerei... und das ift das wirkliche Wunder dabei! nur der Wille zu wollen gehörte datu 1 Hlfo mein Jungt, man macht kein©eltcht und fagt nie mehr, man könne was nicht 1 Solar Alalliblen. Mtag« Von Siegfried Betherich> Vierstöckiger Sandsteinpalait. Du trittst ein. schreibst dem Pförtner deinen Namen auf, wirst in ein Wartezimmer geführt. Der Chef läßt bitten. Man fährt dich im Lift zwei Stockwerke hoch, führt dich wieder in ein Wartezimmer, meldet deine Ankunft, bringt dich in das Allerheiligste. Großer, ziemlich leerer Raum, zwei Sessel für Besucher, Schreibtifchstuhl, Schreibttsch, Haus- und Stadt- telephon, eine flache Schreibunterlage darauf, fönst nicht». Den Tinlenstift hat der Chef, der ausgestanden, dir ein paar Schritte entgegengegangen ist, in der Hand. Du nimmst Platz. Er hebt mit knappen Worten einen Satz an, der nie fertig wird: ist an» Telephon geklingelt worden, dirigiert irgendeine Sache, die dich nichts angeht, hängt ein, schreibt ein Wort aus ein Zettelchen— lächerlich klein, bei der Größe des Objekts!— hat dich inzwischen beobachtet, weiß genau, was er mit dir will— dieweil du meinst, daß du mit ihm etwas vorhast— spricht einen ganzen Satz au». Du sängst an zu reden. Er macht sich Notizen, während er durch das Telephon über Dinge und Sachen verfügt, die er nie gesehen hat, aber durchaus kennt, nicht ohne gleichzeitig deinen Fall ruhig zu bedenken. Die Sprache ist lang, ein guter kaufmännischer Ge- danke, kurz und so rasch gefaßt, daß man, solange man ihn in Worte übersetzt, einen zweiten und dritten fassen kann.— Er hat eingehängt, antwortet fragt. Du fängst an zu erklären. Sein Pri- vatsekretar kommt herein, legt ein Bündel eingegangener, schon durchgesehener Briese vor, die sofort überflogen, mit BleistifMotizen versehen werden. Dabei spricht er mit dir, läßt sich gleichzeitig von dem Sekretär dies und das ins Ohr flüstern und spricht zwei- bis dreimal in der Minute in das Telephon.— Ein älterer Buchhalter kommt zaghast herein, steht, innerlich, militärisch still, stramm, legt Briefe, Schecks zur Unterschrift vor, wird, als Jugend- und Start- genösse, per Du angeredet, macht einen Schritt rückwärts, schlägt quasi, sich verbeugend, die Hacken zusammen, geht hinaus. Kauf- mannsmilitorismus!— Man bringt ein Schlaswogenbillet nebst Fahrkarte 1. Klasse: vier Lehrjungen haben abwechselnd, sechsund- zwanzig Stunden lang, vor dem Verkehrsbureau Posten gestände�, um es zu erlangen! Die Fahrkarten verschwinden in seiner Westen- lasche: seit Jahren ist er nicht mehr bei Tage gereist! Luxus der Müßiggänger! Zu Ueberland-Autosahrten pflegt er Kunden mit- zunehmen, mit denen er sich ausführlich, gründlich, gemütlich unterholten will.— Schließlich hast du deine Angelegenheit zu Ende gebracht— endlich, denn ein Dutzend Prokuristen. Tippfräuleins und so weiter sind mittlerweile störend hereingekommen und ge- gangen— erhebst und verbeugst dich— man gibt dir die Hand, die linke greift zum Hörrohr— und gehst hinaus, ein wenig ver- ärgert, ein wenig belustigt über das Erlebte.— Du weißt, der Mann hat sich in die Höhe gearbeitet, hat drei- hundert Korrespondenten, hat Millionen verdient, Millionen von Briefen mit dem Kopf seiner Firma in die Welt gesandt. Trotz- dem imponiert er dir nicht! Du denkst, indem du dich ein wenig, viel oder gar nicht belügst: er kann nichts als Geld verdienen! Du kommst dir mit deiner Jugend, deiner altmodischen Lebensaus- sasiung reicher, glücklicher, überlegener vor— vielleicht auch pro- dutttver. Geldverdienen allein____ Er sieht nicht einmal seine Ware! Außerdem aber weißt du, und wenn du es nicht weißt, denkst du dir, zum Trost, wenn du ihn nötig hast, das Folgende au», nachdem du an dem harrenden Auto des Chef» vordeige- gangen bist: lich ist Geldverdienen auch eine'— Er hat eine brave Frau, tüchttgwerdende Kinder. Abe>-- er hat keine Jugend ge» habt, er hat sie als Kaufmann durchjagt, einzig beseelt von dem Gedanken, dorthin zu kommen, wo er jetzt steht. In freien Mi» nuten denkt er an versäumte Möglichkeiten, an Möglichkeiten, die er in der Jugend hätte haben können, wenn er schon damals dort gestanden hätte. Und diese Minuten tosten ihn Stunden, selbst Tage, so nebenbei, neben dem Geschäft her. sind sein Sport, seine Erholung, sein Jugendersatz— ranken sich um seine schöne Nichte herum. O, nicht das ihr denkt! Eine legale Nichte, er der legale Onkek, ihr Vormund sogar, da sie Waise ist! Die Tochter der Schwester seiner ersten, verstorbenen Frau: nicht sehr klug, aber hübsch, jeden» fall»— sein Sport, seine Erholung, sein Jvgendersatz, für den er Geld hat in Menge, aber auch Zeit, so nebenbei, stunden-, selbst tagelang— Aber— nicht das ihr denkt! Sie ist am Telephon— und seine Stimme wird weicher, und alle Sätze werden nur von einem Gedanken, dem an sie, diktiert, seien sie auch noch so lang: die Sprache ist kurz, und der Bedanke ist lang—! Er eilt zu ihr im Auto, freut sich ihrer Schönheit, ihrer schönen Kleider, ihrer schönen Wohnung— sein Werk!-- dreimal, fünfmal am Tage,— läßt Telephon, Schreiberschar und Geschäsl im Stich, hört gespannt auf rhr Lamento über Dienstboten, den hüstelnden Hund, das schlechte Welter, die säumige Schneiderin: rast zurück, minutenlang ungeschäftlich schwelgend, freut sich de» Lebens, der Well, kommt sich jung vor.... Zeigt sich mit ihr ein, Viertelstunde lang auf einem Fife-o'clock-Tea oder, wenn er einmal ganz leichtsinnig ist, ein Stündchen lang in einem Theater, genießt die Blicke des Rundum».— Sie ist seine ins Alter zurückgeholte Jugend, von der er nicht mehr fordert, als daß sie noch ein Stück weit neben ihm herläuft.... Er wird sie eine« Tages gut verheiraten— An dem Tage, an dem er sich alt geworden fühlt, an dem die Prosa de« Alltag» und die Poesie des Lebens ihn nicht mehr gefangen halten.— Zranz Jofef— als Goldmacher. Die eben erschienene Habsburg-Nummer der Wiener Wochen» schrist„Die frohe Botschaft" teilt aus einem demnächst zur Berösfent- lichung gelangenden Attenmaterial eine bisher unbekannte Geschichte vom 5)ose de» früheren Kaisers Franz Josef mit. Im Jahre 1864 wurde der Bruder Franz Josefs, der Erzherzog Maximilian, auf Anstiftung Napoleons III., der zur Kräftigung des monarchistischen Gedankens in Amerika eine Expedition gegen das republikanische Mexiko geleitet hatte, bekanntlich Kaiser von Mexiko. Eines Tages erschienen am Wiener Hase drei sonderbare Herren: ein spanischer Oberst, ein italienischer Abbe und ein mexikanischer Diplomat. Sie wiesen Empfehlungen von Kaiser Maximilian vor, woraus sie beim Oberhofmeister Grasen Thurn eingeführt wurde». Sie gaben vor, durch ein geheimes Versahren aus Silber Gold machen zu können. Die Widersinnigkeit der Behauptung, die Aden- teuerlichkeit des Vorhabens, die bösen Ersahrungen, die man in ver- gangenen Jahrhunderten mit solchen und ähnlichen Versuchen ge- macht hatte, wogen rein nichts— gegenüber der„allerhöchsten" Empfehlung, dem sicheren Austreten und dem aristokratischen Firle» fanz der Erscheinungen. Keine kleine Roll« spielte dabei auch die Lockung, aus 6 Millionen Gulden Silber bis 86 Millionen Gulden Gold zu bekommen. Die Herren wurden monatelang bei Hofe in allen Ehren ausgehalten, während welcher Zeit ihrerseits eifrige „Versuche" gemacht wurden. Die Lichtbilder der drei wohlgenährten Chart atane, d'e die Kunst oerstanden, die Dummheit de» Wiener Hofe»— zu Gold zu machen, sind erhalten. Sie versiegelten— gar nicht originell, sondern ganz nach dem Muster der mittelalterlichen Alchimisten— drei Tiegel, die sechs Moirate streng bewacht werden mußten. Es wurde wohl eine Hebet- wachungskommission eingesetzt, die die Ausgabe hatte, die Arbeiten wissenschaftlich zu überprüfen. Leiter dieser Kommisston war«in Hofrat Schrötter. Sie es, daß sich die Herren von der Kom- Mission auch durch den geschickt angebrachten Formelkram der drei Abenteurer bluffen ließen, sei es, daß die Gelehrten gegen ihren Willen und gegen ihre bessere Ueberzeugung gezwungen waren, dem Wunsche des Kaisers zu gehorchen, sei«». daß es niemand wagte, den Wiener Hof über di« Tragweite des Schwindels auszuNären, genug, es dauert« Monate,«he es gelang, dem Kaiser schonend bei« zubringen, daß er ein Opfer von Schwindlern geworden sei. AI» man die Tiegel öffnete, waren selbstverständlich zwei leer, während man in dem dritten Goldspuren vorgefunden zu haben angibt. Di» listigen drei Vögel hatten das Welte gesucht. Ein« Handschrift Franz Josefs ist gleichfalls erhatten, in der er lein Vorgeben in diesem sonderbaren Fall rechtsextigt. » Msseufchastüche Äptfcj., Der BprNscherz ist ein uralter Brauch, und an diesem„NarreuUze' wurden in vergangenen Zeiten sehr handgreifliche und manchmal recht grausame Spaße ouszesührt. bei denen man mit Leben und GesundheU der Mitmenschen sein Spiel trieb. Wir sind heute humaner geworden und suchen die Leichtgläubigen auf eine feinere Weise hereinzulegen. Do bietet sich die beste Möglichkeit in dem Aufschwung der Wissenschast, deren erstaunlich« Leistungen sa schon oft da. Unmögliche möglich gemacht haben. Solche wissenschaftlichen Rasführungen werden erst im 13. Jahrhundert beliebt.(Eine der ersten war wohl die Beröfsent- lichung der»New Bork Snn" im Jahre 18W. die von einem neuen von Berschel und Brewfter erfundenen Fernrohr meldete, mit dem sich die kleinsten Dinge aus dem Mond erkennen ließen. Die Ge» lehrten sollten da Auerochsen, Einhörner und ein wunderbares Tier in Gestalt eines Orangutang mit riesige« Fledermausflügeln beob. achtet habe». Besonders dies«« Mo ichtier beschäftigt« die Gemüter sehr, und erst einige Monate später wurde diese„neue Aera der Wcheulchasi" als ein Aprilscherz enthüllt. Ad der Mond dann durch die wirtlichen Verbesserungen der Fernrohre eine ziemlich genau erforschte Gegend geworden war. be- schästigt« sich die Apr'lwissenschaft am liebsten mit dem Mars. So ging vor eintgen Jahren die Nachricht durch die Welt, Tesla habe Herzsche Welken von bisher ungeahnter Stärke in der Richtung gegen den Mars zur Entladung gebrocht, und daravsW« seien von seinem Apparat für drahtlose Tetegrapdi« folgende rätselhafte Worte auf- genommen worden:„i, och sidei c rotocl erac sanisa sc*. Den Sinn dieses gehetnmisvoSen Telegramm» erklärte ober auch der Lorilfcherz nicht. Am 1. April 1908 wurde gar aus Kristiania be» richtet, in Teleuiarken seien eine Anzahl vogelähnlicher Marsbewohner in einem Luftschlff bei der dortioen Stickftoffabrik gelandet, von der Ekektrizität angezogen. Der Besuch sei auf dl« Einladung Teskas zurückzuführen. Der Erfolg dieser Nachricht war. daß aus Kristiania ein« wahre Bglkerwanderung nach Tetemarkea begann. Natürlich iii w-ch ffdchm der kieid qelunnener Avnkfcherze ge» wefen. Der.New Pori Graphic' brachte vor einer Reihe von Jahre« am 1. April die«ntündtgung. Edison Hab««in« Maschine erfunden. durch die mau Getreide au» Erde beretten und Wein aus Waffer machen könne. Di« Leitartikel anderer Blätter, die über diese wirk- lich epochemachende Erfindung in Entzücken gerieten, druckte dann dos Blatt mit der Ueberfchrtft ob:„Sie beißen an!" Und dadurch erst wurde der Aprilscherz enthüllt. Die Röntgenstrahlen und das Radium habe« ebenfalls zu einer großen Zahl von utopischen Folge- rangen Anlaß gegebe«, die unter dem Deckmantel de, 1. April als Wahrheiten in die Welt posaunt ward«». WZ�UZiM Namnvissevfthast UilmtsoW Aotitoxiue im Pflanzenreich. So häufig die Mistel auf Apfel- bäumen lchmaroßt, sa selten tritt sie ans Birnbäumen auf. E fjein- richer hat dt« Ursache dkeser Erscheinung zu ergründen versucht. Er brachte, wie die.Umschau"' berichtet, keimende Mistelfamen auf die Hauptachsen stmger Birnbäurnchen und fand, daß dle Bäumchen sich den Mistel» gegenüber verschieben verhielten. Bei einigen starben die Mistelketmllnqe ab, ohne daß die Wirtspflanze Krankheit,- erfcheinungen mifwies; dies« war echt immun. Ander erkranken, wenn sich die Mtslel ansiedelt, ste stoßen dann Borientell«, ja ganz« Aelt« und mit ihnen die Mistet ab— sie sind unecht immun. SÄieß- lich gibt es auch nicht immun« Birnbäume, auf denen die Mistel gedeiht. Unecht immun« Bäum« können sich nach einer Infektion auch wie echt immune verhalten— die Jmmunikät wurde also er- warben. Das alles deutet darauf hin, daß die Mistel durch ein Toxin die Wirtspflanze schädigt, die sich ihmieit» durch«tu Antitoxin schützt. Dieses ist entweder schon vorbanden oder c» wird ans Infektion hin— gerade wie bei Pockenimpfung— in sa reichlichen Mengen produziert, daß die Pflanze von do ab immun ist. Jntereffant ist dabei noch«in Fall, in dem die erste Jnsektlon nicht zur Immunisierung genügt hatte: die Pflanze ließ nochmals Misteln zum Ansiedeln kommen: dann trat die Reaktion erst aus. aber dafür auch sehr heftig. icyi rumge auauiOK«xnzc. uie ausppuige und anoere qaut» krankhetten, vor allem auch den Skorbut, verhindern. Leute, die an Gicht leiden, sollte« vor allem viel grün« Gemüse«sie«. Der mine- r«lische Gehast der grünen Gemüse besteht zum großen Teil in Kali. Ein ziemlich hoher Prozentsatz von Eisen ist im Spinr Vr daher für die Blutbildung besonders wichtig ist. Gemüse sind weniger leicht oerdauUch als Fleisch. Deshalb sollte man Kohl nicht effen. weun er alt und holzig ist, da die holzigen Fasern der Gemüse oft Berdauungsbeschwerden verursachen. Das stische grüne Gemüse aber kann, wen« es gut gekocht ist ohne jede nachteilige Wirkung für dt« Berdainmg verzehrt werden. Am leichte- Pen zu verdauen ist woht unter allen Lohiarten der Blumentohl. Der Wert des Salats für die Blutretnigung wird mehr und mehr ertannt, und man sollte solche grünen Blätter wie Lattich, Endivien, Brunnentresse usw., soviel wie möglich und so lange wie möglich im Jahr zu sich nehmen. Jedenfalls ist dos Essen von frischen Gemüsen eine nicht zu unterschätzende Kraftquelle, die unser Lebensgefühl er» höht und außerdem gegen Gicht, Riewn» und Blasenleiden. Au»- schlag und Skorbut schützt. iVlU�tlizG Ms öer praxi» Dc»=rf Die Kochkiste.„Du sollst sparen" lautet das Hauptgebot unserer gesamten Wirtschaft. Nicht allein der Staat bei der Aufstellung seines Haushaltsplanes, nicht nur die Industrieunternehmen, nein, jeder einzelne im Volte, der Handwerker, der Kaufmann, die Haus- stau, aber an der richtigen Stelle! Und es muß einmal ge- sogt werden: die Hausstauen sparen meistens an der falschen Stell«! Di« eine» wollen billig einkaufen und holen von weit her ein Pfund Schmatz, weil es 1 M. billiger ist ot» an ihrem Wohnort, daß ste aber 2 M. für die Fahrt dabei bezahlen, bedenken sie nicht. Ander« drehen in der ihnen angeborenen W>rt>N)aitlichk«it den Gashahn a« Gasherd nur halb auf. ohne zu bedenken, daß der langsam erwärmte Kochtopf verhältnismäßig mehr Wärme an die umgebend« Lust wieder abgibt als der stark beheizt«. Es gibt fo viele Unsitten In der Küche, die mit der kostbaren Wärm« geradezu verschwenderisch umgehen. Eine wertvoll» Hilfe für jede Hausfrau ist dte Kochkiste. der noch immer viele mißtrauisch»egenüberstehen. Mit solcher Koch- kist« haben jzetnzelmännchen wahrlich nichts zu tun. sondern e» sind ganz einfach« physikalisch« Gesetz«, dte der Mensch hier in seinen Dienst gezwungen hat. Der?»beitsgrundsotz der Kochkisten— und auch der Thermossloschen— ist dte Derblndernng de» Lustzuttltt» zu der warm oder last zu hottenden Mass«. Der mit heißem Wasser gefüllte Topf ist kn der Kochkiste von Isolierstoffen umgeben, die dte ausgestrahlt« Wärme soft gar nicht weiterleiten und infolge- dell?» dle Temoerotor de» Tnpslnholtes nur ganz langsam abfallen laffen. Eine gute KvchkNe läßt die Temperatur in einen» mit heißem Wasser gefüllten Tops von Sä Grad in fünf Stunden um höchsten» 80 Grad fallen, so daß dte FiBstgkeit nach dieser Zeit noch immer zu heiß für den unmiitelboren Gebrmuh zu Genußzwecken ist. Es gibt im Haushall f» viele Sachen, die sttmdenleug einer hohen Tempera» tu» ausqesekt werden muffen, wie Hülsenfrüchte u. dgl. Man brmicht die Speisen nur.anzukochen", d. h. ihnen dle Siedetempera- tur des Wassers von rund 100 Grad Celsius zu geben, dann tut man sie in die Kochkiste und dort kochen fie weiter, weil sie ihre Einen- wärme nicht ausftrahten können. Ein« Kochstunde auf dem Gas- Herd kostet ungefähr 45 Pfennig«. Will man Erbsen kochen, s» müssen ste ungefähr tz Stunden auf dem Feuer stehen, was selbst bei sväter k'eiuqeftellter Fiamm« mindestens 1 M. an Brennkosten erfordert. Beim Gebrauch der Kochtiste kocht man dos Gericht eine halb« Stund« an und spart so drei Acrtrl der Kochtosten. Was dies« sparsame Kochkunst für die WIrtsclmstskoll« jeder Hausfrau be- deutet, wird ste am besten selbst am Ende des Monats an ihrer Gas- rechnimg merken! In keinem Haushalt sollte eine Kochkiste fehlen! Snchertisch HefunSheitspflege Sewüse als krostqneSe. Die Zeit der hingen Gemüse naht wieder allmählich heran, und da mag auf die Bedeutung dieses vvi» manchem verachteten„Grünzeugs', das jeder in seinem Garten ohne große Kosten ziehen kann, für die Ernährung hingewiesen werden. Man sollt« in der warmen Jahreszeit keinen Tag vorübergehen laffen, ohne Gemüse, entweder gekocht oder roh ln Form von Salat. zu sich zu nehmen. Grünes Gemüse enthält etwas mehr als 1 Proz. Protein, den Stoff, durch den der Körper aufgebaut wird, ganz wenig Fett und etwa 4 Proz. Stärke oder Kvhlenstoffhydrate. Der Nahrungswert der eigentlichen grünen Gemüse ist höher als der der Salate, doch kann von einem großen Nährwert überhaupt nicht die Rede fein, sondern die Bedeutung der Gemüse für unsere Gesundheit liegt auf anderem Gebiet. Grünkohl und Rüben enthalten etwas weniger Wasser als Rosenkohl und Blumenkohl. Gekochter Spinat hat etwa 8» Proz. Wasser. Der Rohrunzswert de» Grünkohls ist Franz Jung: Proleünier. lMalit-Berlag. Verth».) Franz Jung . erzählt dt« Geschichte eines Arbeiters, der in den Strudel politischen l Geschehens hinetngerissen wird, sich vom gesunden MnUerboden der Arbeit loslöst, die Fühlung mit seinen eigenen Genossen verliert und schließlich vom Strudel vevschluligen wird, den beherrschen zu könne» 'er glaub e. Dichtung Ist die Erzählung nicht. Es fehlt ihr an Ge- stnltungskrnjl und innerer Beseelung. Sie könnte trotzdem von Wert lein, wenn sie Bekennfnisschrist wäre. Aber auch hier tritt der Mangel zu scharf zutage: die Abwesenheit seder»nitfchwing enden Seele. Vielleicht ist gerode das da» groß« Bekenntnis Jungs: wie �Proletarier haben keine Seele; wir werden zermahlen auf de« i groß-', Mahlstein des Lebens. Aber wenn es so ist, dann weh« . dein Proletariat. Dann gibt es kein Empor. Dann kann auch kein« Revvlutian die große Befreiung bringen.— Rein, jede Befreiung längt im Renschen selbst an. Dhne Setbstbewußisein, ohne de» Glauben cm sich selbst und seine Zukunft, ohne beseelten Willen und Siegeszuversicht gibt es nirgend» ein Vorwärts und Empor. Der Mnlik-Berlag führt als Wappen die Inschrift: Proletarier all» Länder, vereinigt Euch. Das wünschen auch wir. Aber nicht t» Sinne eines Axel Jung, der letzten Ende» an allem oerzweifelt, nicht zum»venigsien an sich selbst. l—«•