Nummer 14 y.flpcumt �lnterhaltuntzsbeilage LS öes Vorwärts <* -<« Revolutionen lassen sich nidit aus dem Stegreif machen, wir erfahren dies beute nur zu sehr. Clm eine Gesellschaft zu bekehren, um aus einer von langer Band zur Knechtschaft erzogenen �lenge eine intelligente, freie und gerechte Ration zu machen, dazu reichen politisch» Veränderungen nicht aus; sogar die Erziehung genügt nicht, dazu bedarf es einer Regeneration von f'teisd» und ßlut. Pierre ProudHon. fe s Zriöa Reimers Meineid. Von Paul Dohms. Als Friedrich PeHlfe aus der Kreisstadl in das Dorf zurückge- kehrt war, Halle er seine kleine Stube aufgesucht und noch lange über den gewaltigen Eindruck nachgedacht, den er in der Stadt auf dem Schwurgericht empfangen hatte. Die Gedanken fagten wirr in seinem Kopfe hin und her und blieben immer an einem Namen hängen, an einem Mädchennamen: Frida Reimer. Das war ein Mädchen aus dem Dorfe, das auf der Anklagebank vor den Geschworenen wegen Meineids gestanden hatte. Das Dorf und die ganze Nachbarschaft war vorher voll des Geredes gewesen, denn der Straftat lag eine zwar alltägliche, doch immerhin heikle Angelegenheit zugrunde, die nun unter die Leute gekommen war. In das kleine Dorf war feit Iahren regelmäßig wöchentlich ein junger Mann aus der Großstadt gekommen, um bei den Bauern Einkäufe zu machen. Auch bei den Großeltern der Frida Reimer — ihre Eltern waren schon tot— erstand er stets eine Kleinigkeit. Der Mann wußte allerlei schöne Sachen zu erzählen. Und wenn Frida Reimer in der Küche stand, dehnte er die Gespräche besonders aus und blickte wohlgefällig auf das Mädchen. So war es gekommen, daß Fünfroth ein ständiger Gast auf dem kleinen Gehöft wurde. Er hatte ein« Eigenart, mit dem Mäd- che» umzugehen. Und er war auch, wie die Leute sagten, ein bild- schöner Kerl mit krausem Haar und hatte so lustige Augen und einen kleinen schwarzen Schnurrbart. Er ging immer aufs Ganze. Und als dieser Fünfroth einmal die Frida eine Wegstrecke begleiten durfte, da erzählte er so viel liebes und gutes und übermütiges Zeug, daß das sonst verschlossene Mädchen hell auflachen mußte und selber ge- sprächig wurde. Sein frisches bewegliches Wesen war auch so ganz anders als das schwerfällige Benehmen der Burschen aus dem Dorfe. Eie wußte selbst nicht, wie sie zu dem Urteil gekommen, daß der gutmütige Friedrich Pehlte im Vergleich mit diesem feinen hübschen Menschen doch ein Trottel sei. Zwar vertrieb ste diesen Gedanken recht schnell wieder aus ihrem Kopf, aber der Eindruck blieb doch nun einmal haften, obgleich der Bauernsohn Friedrich Pehlke längst ihr heimlich Versprochener war. Als ste einmal allein mit Fünfroth in der Stube war, da konnte ste es nicht o-rhindern, daß er ste nahm und küßte. Seit jenem Augenblick wanderten ihre Gedanken vom Herrn Fünfroch zum Friedrich Pehlke und vom Friedrich Pehlte zurück zum Herrn Fünf- roch und blieben dort schließlich haften. Das Geplänkel zwischen den beiden aber»ahm festere Formen an. Fünfroth sagte schon„Du" zu dem Mädel, und einmal hatte sie selber auch lachend mit einem„Du" geantwortet. An einem Sommerabend erwartete ste Fünfrvth wieder draußen vor dem Hoseingang am Garten, hinter der Hecke. Da Fünfrvth gehört hatte, daß Frida Reimer noch auf der Wirtschaft im Wiesen» grund eine Bestellung auszurichte» hatte, wollte er ein Stück mit ihr gehen. Und sie kam und war ganz verwundert, daß Herr Fünfroth auf ste wartete. Er ging an ihrer Seite, lochte und scherzte und sang leise neckische Lieder, die Frida Reimer noch nie gehört hatte. Die Luft war weich und warm. Und Frida ging e» heiß über den Rücken, als Fünfrvth versuchte, sie an sich zu ziehen. Sie sprachen lange kein Wort. Er strich mit der Hand an ihrem Arm herunter und sagte leise: „Es ist so schön hier, Frida. Mit dir möcht ich heute die ganze Nacht durchlaufen." Fünfroth wurde stürmischer und Frida ver- wirrt. Und sie sagte plötzlich:„Ich muß gehen!" Sie war über und über rot im Gesicht und drängte Fünfroth zurück. Ueber dem Felde lag eine große Stille gebreitet. Und Frida wurde sonderbar ums Herz. Was war das nur für ein Mann! Fünfroth drängte das Mäd- chen nach den Weidenbüschen hinüber. Er sagte, es wäre noch Zeit und sie könnten einen Umweg machen. Und dann küßte er sie ein- mal über das andere Mal. Frida Reimer wehrte sich.„Lassen sie mich... Wie seh ich am Kops aus!" Sie wollte sich losreißen und schlug mit den Händen nach ihm. Er aber nahm sie mit beiden Armen und drückte ihren Kopf an seine Brust, daß sie nicht schreien konnte. Und es zeigte sich, daß er doch der Stärkere war!--- Am anderen Tage ging Frida Reimer mit einer Hacke unterm Arm auf das Feld. Friedlich Pehlke war der erste, dem sie begegnete und Ihr frohen Tag bot. Das Mädchen wurde über und über rot, konnte ihm nicht in die Augen sehen, sagte kein Wort und lief plötzlich weiter. Dem Friedrich kam das Gebaren recht sonder» bar vor. In seinem Kopf aber steckte auch schon ein bißchen Starr- köpfigkeit. Darum lief er nicht hinterdrein, sondern ging seinen eigenen Weg. Bald darauf begegnete Frida Reimer Spirows Minna, der man nachsagte, daß sie eine spitze Zunge habe. „Frida, du wirst nu all bald auch eine feine Dame sein. Wo» wird bloß Pehlte» Friedrich sagen." Frida Reimer glaubte, daß ihr das Blut aus dem Kopf heraus« breche. „Nu verstell dich auch nicht. Hast mich gar nicht tm Wiesen- grund gesehen, als du gestern abend bei den Weiden warst?" Und sie lachte. „Das lügst du," sagte ihr Frida Reimer wütend ins Gesicht. „Ich tümmer' mich auch nicht darum. Aber der Friedrich wird's später schon merken." „Laß mich...", schrie das Mädchen und lief davon mit puter- rotem Gesicht. Am Abend lief Frida Reimer auf die Straße und wartete auf Friedrich Pehlte, der um diese Zeit vom Felde kam. Sie trat ihm entgegen. Er gab ihr die Hand und wunderte sich, daß sie ihn noch immer nicht wie sonst ansehen tonnte. „Was ist mit dir, Frida?" Und nun heulte sie wieder und erzählte ihm alles. Er möge nichts Unrechtes denken. Sie habe keine Schuld. Sie hätte sich auch gewehrt. Aber der Fünfroth wäre grob geworden. Ein lautes Schluchzen zitterte durch ihren Körper. Frida Reimer bat, doß er nichts tun möge, der Fünfroth dürfe nie mehr wiederkommen, es solle alles vergesien sein. „Das überlasse mir, Frida." Und dann gingen ste auseinander. Der Friedrich mochte sich am andern Tage auf zum Vormund de« Mädchens. Und der Vormund lief zu den Großeltem. Es stand fest, daß sie den Mann anzeigen mußten. Die Schande durften sie auf dem Mädel nicht sitzen lassen. Und ste machten beim Wachtmeister eine Anzeige. Frida Reimer wurde von ihm. vorgeladen, wo ihre Aussage niedergeschrieben wurde. Es lag danach klar auf der Hand, daß dem Mädel Gewalt angetan war. Dann bekam sie eine Vorladung vor den Unter- suchungsrichter in der Kreisstadt. Sie wiederHolle dort ihre erste Aussag« und legte den Eid ab. Fünfroth wurde in Venn festgenommen und nach der Kreis- stadt in das Untersuchungsgefängnis übergeführt. Natürlich sagte er hier vor dem Untersuchungsrichter das Gegenteil. Und Frida Rcimcr muhtk Wiedel erlche'.nen. Sie blieb bei ihrer ersten Aus- sage. Und so ging das noch einige Zeit hin und her, bis gegen Fiinfroth Anklage erhoben rrurd«. Er beteuerte indes immer und immer von neuem, sich nicht strafbar gemacht zu haben. Da kayl der Untersuchungsrichter auf den Gedanken, die beiden einmal rm- oerhofft gegenüberzustellen. Frida Reimer muhte sich am Fenster im Geschäftszimmer des Gefängnisinfpettors aufstellen. Der Untersuchungsrichter stand am Tische. Als der ahnungslose Fünfroth aus seiner Zelle hereinge- führt wurde und die Reimer plötzlich vor sich stehen sah, stutzte er. Keiner sagte ein Wort. Nachdem fie sich eine Weile in die Augen gesehen hatten, stich der Gefangene in erregtem, vorwurfsvollem Ton die Worte heraus!»Frida! Warum muh ich hier sitzen!?* Und in Frida Reimer» Gedächtnis tauchten plötzlich noch einmal die Geschehnisse jene» Abend» aus und ein Zweisel» löste sich in Ihrem Innern los, als fi« den heruntergekommenen Fünfroth vor sich sah, der nun ihr Mitleid erregte. Sie wuhte nun selber nicht mehr, wie alle» an dem schwülen Sommerabend gekommen war. Sie hatte sich wohl gewehrt... er war stärker gewesen... sie hatte nicht geschrien... vielleicht wären doch Leute gekommen... wenn... Schluchzend brach Frida Reime, zusammen und erklärte, daß sie doch nichts nwhr wissen könne... Das Geständnis genügte dem Untersuchungsrichter, um die so- sortige Freilassung Ftinsroth» verfügen zu können. Aber da» Gesetz ist unerbittlich, kennt keine Menschlichkeiten. Und so muhte sich auch Frida Reimer vor dem Schwurgericht ver- antworten, weil sie sich meineidig gemacht hatte. Es war ein« lange Berhandlung, in der auch viele Zeugen aus dem Dors vernommen wm den. Auch der verheiratete Fünsroth muht« über den Vorgang Zeugnis oblegen. Es war wohl auch be» greislich, dah er nun gegen oas Mädchen keine Rücksicht nahm, denn er hatte drei Monat« Untersuchungshaft verbüßen müssen. Er wurde gehässig und jähzornig und machte ausfallende Bemerkungen gegen Frida Reimer. Aber gerade darum erschien die Tat bei den Geschworenen in anderem Lichte. Zwar pochte der Staatsanwalt auf das Gesetz, aber der Berteidiger streifte in seiner Rede alle Menschlichkeiten»ines solchen Falles, schilderte den Widerstreit der Empfindungen in der jungen Mädchenbrust, als sie keinen anderen Ausweg wußte und ihrem Berfprochenen dos Geständnis machte, um sich ihm gegenüber rechtfertigen zu können. Menschlich be- ttochtet, habe sie auch niemal» ein« Unwahrheit gesagt, weil sie genau gewußt hätte, daß sie mit Fünfroth und mit sich selbst habe kämpfen müssen. Denn auch die Natur komme nie ohne Kamps zu Ihrem Rechte. Frida Reimer hielt beide chänd« vor das Gesicht und schluchzte in einem fort. Und die Leute aus dem Dorfe sahen und lauschten gespannt dem Wort des Verteidigers. Auch Friedrich Pehlke hielt den Atem an und blickt« bald aus den Rechtsanwalt und bald aus Frida Reime«. Und dann kam die grohe bange Pause. Die Geschworenen hatten sich zur Beratung zurückgezogen. Al» sie wieder In den Saal zurückkehrten, blickten alle auf den Obmann, der mit lauter Stimme den Spruch der Geschworenen verkündete, dah die Ange- Nagle nicht schuldig sei. Und das ganze Dorf erfuhr noch am selben Abend, dah Frida Reimer unschuldig fei. Am andern Tage war sich auch Friedrich Pehlke im klaren. Er ging zu den Groheltern des Mädchens und sprach nicht viel mit ihnen. Er wußte, was er der Frida schuldig war. Und dann kam auch das Mädchen herein. Der Großvater sagte, warum der Friedrich hier sei. Da antwortete das Mädchen schüchtern und leise:„Wenn du mich noch magst?* Friedrich Pehlke aber ging zu ihr, streckte die Hand aus und sagte:„Es soll alle» ver- gehen sein.* Die eigene Scholle. Von Frieda Rudolph-Eteubitz. Der Arbeiter der Großstadt und auch der mittleren Städte weih wenig von den, Segen der eigenen Scholle. Ihm bleibt die enge Wohnung, meist in hohen Häusern, und die dumpfe Arbeitsstätte. Da kann er wohl einen kurzen Blick werfen auf dle kahlen Bäume, an denen er vorüberschrettet, und wenn er so ettvas wie Ahnung von dem großen Walten in der Natur genießen will, sucht er fie am Sonntag im Stadtpark auf, am Fluh oder im nächstliegenden Walde, wo überall die Warnungstafeln hängen, daß er sich ja nicht erlaube, der Natur zu nahe zu kommen. Im Stadtpark kostet ja jeder Gras- Halm unsägliche Müh« und Wartung und daher viel Geld, und ohne sorgsamste Pflege legt er sich in die Erde zurück. Wir schassende» Volk sind es ja gewohnt, da« Stiefkind der menschlichen Gesellschaft zu sein. Kaum daß das Dach über unserem Haupte auch nur einigermaßen ausreichend ist. Heimaterde selbst i unser eigen zu nennen: welch idealer Wahnsinn! Aber draußen in fremde Erde verbissen das Blut hingeben um Güter, die wir nte besaßen, dazu waren wir schassendes Volt gerade recht. Bis die Not kam und jedes Eckchcn ausgenützt wurde, den fehlenden Kohl, die knappen Kartoffeln zu pflanzen. Da teilte man brachliegendes Gelände auf, freie Baustellen, Unrathaufen und Schutthalden, und sieh, die Müdegearbeiteten griffen freudig zu. Da wuchsen aus Wüsteneien und Sandgruben kleine Paradiese, und bei krummem Rücken richteten sich die verdrießlichen Herzen auf, und es leuchtete wieder in den abgehärmten Gesichtern. Trotzdem es heiße Mühe kostete, die Fleckchen Erde der Bepflanzung nutzbar zu machen. Bis nur die vielen Steine ausgegraben waren. Oder die ewig wuchernde Quecke verttlgt, die mit ihrer Ueppigkeit manchmal das Resultat vielfältiger Müh« eigensinnig zudeckte und zu ersticken drohte. Und doch wuchs die Freude mit der Arbeit. Denn jeder Handgriff barg schon seinen Lohn in stch. Hier er» lebte der Mensch ganz den Segen seiner Hände Arbeit. Hier wurde ihm nicht nach hartem Werk ein viel zu geringes Entgelt in die Hand gedrückt, nein, hier gab ihm Natur den vollen Wert seines Fleißes und Schweißes zurück. Das allein lieh ihn Immer wieder freudig zugreifen, das allein erfüllte ihn mit dem Glück innerster Befriedigung, das gab seinem Leben Sinn und Freude. Und dies alles noch auf geliehener Scholle! Wirklich, Mann de» Volkes, du bist bescheiden. Dir muh eine glückliche Zeit kommen. Das ist der Fluch, den der Kapitalismus über dich gebrocht, daß er dich losriß von der Scholle, dich zur Maschine gemacht hat, die ach wie oft später bei Landarbelten versagte. Weil die einseittge Fabrikarbeit dich ausgedörrt. Weil die dumpfe Luft die edelsten Keime deines Körpers fraß und deine Muskeln schlapp machte. Weil vor allem dein geringes Einkommen der größte Feind deiner körper» lichen Kräfte wurde. Es war eine schlechte Wirtschaftsordnung, die die großen Massen so gänzlich jeden Eigenlandes beraubte. Nur wenigen ist so ein Stück Erdensegen beschieden. Die Stadt» Verwaltungen sollten viel mehr Land zur Berfügung stellen; denn eigentlich sollte dies unser erstes und heiligstes Recht sein: ein Stück unseres Heimatlandes imfer eigen zu nennen, daraus zu wohnen und zu leben, und um unseren Kindern ein wirtliches Heim zu bieten, auf dah sie ihr Kinderglück nicht auf der Straße und In den Kino» zu suchen brauchen. Auf daß sie nicht darben und an Leib und Seele Schaden nehmen. Nichts kann uns aus der schweren Demoralisierung retten al» Rückkehr zur Natur. Wenn wir irgendwo gesund werden können, so mir an ihrem Herzen. Sie wird unser Leben vertiefen, uns reine Freude genießen lernen. In dumpfen Winkeln, in sonnenlosen Kästen kann Wohlfahrt und Sitte nicht gedeihen. Stinkige Löcher sind Brutstätten von allerlei Ungeziefer. Wir aber wollen nicht untergehen, nein, stark uns erheben aus all dem Jammer des er- lebten Wahnsinns. Wollen wir doch wieder vorausschreiten und den anderen zeigen, welch tief« Kraft In uns wurzelt. vöglein! Armes kleines Mädchen im goldenen Käfig Warenhaus. Gefangen. Auf dem großen Steinast der Treppen und Gänge und Hallen. Und rings die Gitterfenster. Häßliche Perlen. Du bist inmitten der Waren und dem unsteten Fluß fremder Menschen. Armes kleines Bögletn, warum hat man dich ge- fangen? Weil du so schön bist? Flattertest noch gestern froh und bunt durchs Lugend- heim, daß es eine Lmi war, mit den Kameraden zu tanzen. TralalaI Aber warte— hübsch bist du. Fein und flink. So schöne Augen! Und dein Haarkranz über der Stirn, der ist so braun, so braun. So licht das Kleid, es leuchtet und strömt. Rein und weiß. Das ist tröstend. Und das: bei Rosinen und Mandeln— sagst du? Die sind so süße. Hin und Her. Rosinen und Mandeltt. Da werde ich lustig. Du kicherst? Ach ja, morgen ist Sonntag, da bist du frei, und ich nehme dich jubelnd bei der Hand, tanze mit dir. Tanze— tanze— tanze! Lache und spreche, erzähle und singe das Lied vom be- freiten Böglein in den Sonntagabend hinein. i Gelt? Alfred Fritzsche. Oie neue Zeii. Don Walter Echent. Ich komm« nicht, von schwarzem Sturm getragen Und nicht auf eines Blitzes gold'nen Schwingen; Meint ihr, ich wiird' aus blutiger Tat entspringen? Ich wuchs empor aus weniger Stunden Wagen? Ich komme nicht wie jähes Wetterschlagen, Nicht wer»' ich plötzlich euch Erlösung bringen, Auch kröne ich mit Ruhm nicht euer Ringen; Mein Sieg ist nicht ein jähes Sonnentagen... Ihr könnt mich nicht im Sehnsuchtsdrang erjagen- Miihvollem Wirken wird der Sieg gelinge«, Sin Steg nach vielen, blutigen Niederlagen... Ihr sollt das größte, kühnst« Werk vollbringen— Vrum dürft ihr nicht de? harten Mühe klagen Und müßt gar oft genug euch selbst bezwingen. Jacqueline und Miraut. von Anatole France. Autorisiert« Uebersetzung von Beatriee Sack». Jacqueline und Miraut find alt« Freunde. Jacqueline ist«in kleine« Mädchen, und Miraut ist ein großer Hund. Sie stammen au» derselben Welt, st« find alle beide vom Lande: daher ihre innige Vertraulichkeit. Seit wann kennen ste sich? Sie misten es nicht mehr; da« geht über da» Erinnerungsvermögen eines Hunde« und eines kleinen Mädchens hinaus. Außerdem brauchen ste es nicht zu misten, st« haben weder Lust noch Bedürsni», «» zu misten. Sie haben nur die Vorstellung, daß ste sich seit sehr langer Zeit, seit dem Anfang aller Dinge, kennen, denn sie oermögen stch alle beide nicht vorzustellen, daß die Welt vor ihnen existiert hat. Die Welt, wie ste von ihnen aufgefaßt wird, ist jung, einfach und naiv wie ste. Jacqueline steht in ihrem Mittelpunkt Miraut, und Miraut Jacqueline. Jacqueli.!« macht stch von Miraut eine schöne Vorstellung, aber die läßt stch nicht ausdrücken. Wort« können Jacquelines Denken nicht wiedergeben, ste sind zu plump dafür! Und was nun Mirauts Denken anbelangt, so ist e» zweifellos ein gutes und gerechtes Denken, aber unglücklicherweise kennt man es nicht. Miraut spricht nicht, er sagt nicht, was er denkt, und er weiß es selbst nicht genau. Sicherlich besitzt er Intelligenz, aber aus allerhand Gründen ist feine Intelligenz verborgen geblieben. Miraut träumt jede Nacht: er steht Im Schlaf Hund« wie sich, kleine Mädchen wie Jacqueline, und dann steht er noch Bettler. Cr steht heitere und traurige Dinge. Darum bellt und knurrt er im Schlaf. Das sind nur Träume und Illusionen, aber Miraut unterscheidet ste nicht von der Wirk» lichkeit. In feinem Hirn brodelt da», was er im Traum, und das, was er Im Wachen steht, durcheinander, und diese Dermengung hindert ihn. viele Dinge zu begreifen, die von den Menschen begriffen werden. Und dann hat er, da er ein Hund Ist, Hundeideen. Und warum sollen wir die Hundeideen bester verstehen als die Hunde die Menschenideen? Aber Hund und Mensch können stch immer mit» einander verständigen, weil die Hunde einige Menschenideen und die Menschen einige Hundeideen haben. Da, genügt, um eine Freund- schaft herzustellen. So sind Jacqueline und Miraut sehr gute Freunde. Miraut ist viel größer und viel stärker als Jacqueline. Wenn er seine Vorderpfoten aus ihre Schultern legt, überragt er sie mit Kops und Brust. Er könnte Jacqueline in drei Happen verschlingen; aber er weiß, er fühlt, daß eine Kraft in ihr ruht, die, wenn zwar klein, aber doch kostbar ist. Er bewundert, wie sie spielen und sprechen kann. Er liebt ste, er leckt sie au» Sympathie. Jacqueline wiederum findet Miraut bewundernswert. Sie steht, daß er stark ist, und st« bewundert feine Stärke. Sonst wäre ste auch kein kleines Mädchen. Sie steht, daß er gut ist, und ste liebt seine Güte. O ja, der Güte begegnet man gern! Jacqueline hegt für Miraut ein Gefühl von Hochachtung. Sie beobachtet, daß er viele Gchcimniste kennt, die ihr fremd find, und daß der dunkele Genius der Erde in ihm steckt. Sie hält ihn für riesengroß, ernst und sanft. Sie verehrt ihn wie in früheren Zeiten unter anderem Himmel die Menschen ungehobelt« zottige Götter ver- ehrten. Aber plötzlich wird ste überrascht, verwirrt, erstaunt. Sie hat lhren alten. Genius der Erde, ihren zottigen Gott Miraut an einer langen Kette gesehen, die um einen Baum dicht am Brunnenrand gebunden ist. Sie betrachtet Ihn, sie zögert, Miraut blickt sie mit seinem schönen, ehrlichen Auge an. Er ist weder überrascht noch böse, daß«r an der Kette Ist: er liebt seine Herren, und da er nicht weiß, daß er ein Genius der Erde und ein Gott in einem zottigen Fell ist, trägt er seine Kette und sein Halsband ohne Zorn. Jocque» line hingegen wagt nicht einen Schürt weiterzugehen. Sie kann nicht begreifen, daß ihr göttlicher und geheimnisvoller Freund Sklave fei, und dunkele Traurigkeit durchzieht ihre kleine Seele. Sprachgesihichtliches vom Streik. Schlagworts werden sehr leiibt im Gebrauch abgeschliffen und alltäglich gemacht, und doch spiegeln sie in einem winzigen Breun» Punk» sehr deullich geschichlliche Entwicklungen wieder. Deshalb bot sich auch die Wortforschung besonder« mit der Emstehung und Herkunft der Schlagwort« beichäftigt und aus ihnen wertvolle Auf« schlüste über die Kulturgeschichte eriahren. NnS ist heute da« Wort Streik zu einer völlig geläufigen Bezeichnung geworden, und leider gehört so auch der Borgang, den es bezeichnet, heute zu den alltäg- lieben Erscheinungen. Dabei war das Wort noch vor einem halben Jahrhundert in der dentichen Sprache eine kühne Neubildung, und noch lang« hatte man da« deutliche Geiühl. das wir auch verloren haben,»in Fremdwort zu gebrauchen. Da« Wort konnte sich ja erst einbürgern, als dre Sache austrat, und da« war erst möglich in den .60er Jahren de« 19. Iahrhnuderts. Waren doch die Arbeit«» «inftellungen, die im Mittelalter nicht selten vorgekommen waren, bis in die rweite Hälfte de« 19. Jahrhunderis streng verboten und in den meisten Ländern kaum bekannt. Die Koalitionssreiheit wurde erst seit 1864 allmählich gewährt. Rur in England bestand st« ichon seit 1824, und dort ist denn auch mit den ersten großen Ausstandsbewegungen da« Wort„strikr* aufgekommen. Auch in dem ireien Amerika taucht mit den Lohnbewegungen um die Mitte des IL. Jahrhundert« da« Wort auf. In Deutschland hat e« stch im Zusammenhang mit den sozialen Kämpfen nur langsam Raum geschaffen. Als ersten Beleg für da« Borkommen de« Worte« in unserer Sprache führt R. M. Meyer in seinen.400 Schlagworten' einen 1803 in dem Hamburg"« Jahrbuch.Teut' veröffentlichten Brief au« New Yorck vom 16. No» vember 18ü8 an. in dem da« Wort als ein damals ganz unver« ständlicher Ausdruck erklärt wird..Einst machte sein Orchester," so heißt e« da von einem deutschen Kapellmeister,.einen Strilc, d. h. e« weigerte stch, weiterzuspielen, wenn ihm nicht eine erhöhte Gage bewilligt würde." Otto vähr schreibt in seiner berühmten kultur» geschichtlichen Dvrstellung.Au« einer kleinen Stadt':.Da« Wort .Strile' ist mit der Sache, die e« bezeichnet, erst seit etwa zwanzig Jahren in Deutschland heimisch geworden" Da Bähr« Buch 1884 erschien, so würde die Einbürgerung de« Wortes etwa um 1864 de» gönnen haben. Wie ungewöhnlich der Ausdruck damals war, geht ou« einem Satz in Heinrich Laube« um 1860 versaßten.Erinnerungen' her» vor. Er erwähnt bei der Schilderung seiner Flucht au« Berlin vom Jahre 1836 da« Waldenburger Kohlenrevier, das.damals noch nicht abnen ließ, daß ein.Etrike" hier aussteigen und soziale Pro» bleme durch Hunger und Kummer in Rede und Tat bringen werde — Probleme, welche unserem damaligen Liberalismus noch ganz fremd waren'. 1866 erschien der erste große Roman, der sich mit der Albeiterbewegung beichäftigte und die Periönlichkeit Laffolle« in den Mittelpunkt seiner Handlung stellte: Spielhagen«.In Reih und Glied'. Bon Arbeitseinstellungen ist hier viel die Rede. Die« Wort war ja feit 1848 in Ausnahme gekommen, wie z. B. die Berliner Buchdiuckergehilfen durch Maueranschläg« mitteilten:.Die sämtlichen Buchdruckergehilfen Berlin« sehen stch in die traurige Rot» wendigteit versetzt. d>e Anzeige machen zu müflen, daß ste ihre Arbeit eingestellt haben.' In Spielbaaen«.In Reih und Glied' wird bereit« einige Male das Wort.Arbeiterftrike' genannt, aber nur in den theoretischen Gesprächen und stet« al» ein ungewöhn» sicher Ausdruck. Noch ein Jahrzehnt später verwendet«S Spiel» Hagen in seinem Roman.Sturmstni' mit dem Gleichklang.Siricke' und.Strike", ein Beweis, wie wenig man stch noch mit der engli» schen Aussprache de« Fremdworte« befreundet hotte. Au« den Reden Bismarck« läßt sich deutlich nachweisen, wie stch da« Wort allmählich einbürgert. In einer Red« vom Jahre 1878 hält e« Bismarck noch für notwendig, die Anwendung de« Worte» im Gleichnis zu entschuldigen..Wir konnten lehr leicht zu einer Abstimmung kommen,' sagt er",.der gegenüber die Re» gierungen— lasten Sie mich einen vulgären Ausdruck gevrauchen — Sireik gemacht hätten". 1882 leitet er die Verwendung de« Wortes noch durch ein.gewistermaßen" ein, und erst später wird e« von ihm ganz geläufig gebraucht. Damals in den 80er Iahren war mit der zunehmenden Häufiakeit der Arbeitseinstellungen auch da« Fremdwort in die deutiche Sprache übergegangen. 1880 er« scheint ein«„Geschichte de« Strike«" von RoSkoschny, und bald darauf wird da« Wort auch deutsch.Streik" geschrieben. teaz. Itaruner Seck« warme* Bauch, De* du Zunge SproBfcraft trSgst End den armen stumme« Strauch Caunderhar mit flaum beschiaget, Bauch mich an mit deinem ßtust, VaS ich neu gesegnet werde Und aus lautrer, klarer Brust Sing« von dem 6ians der 6rd«. Ludwig Fi Nckh. Wisien unö Schauen Verjüngungsmittel. Der Wunsch der Verjüngung und Lebens- Verlängerung, der in letzter Zeit durch die Stetnachsche Methode und verschiedene andere Versuche neu belebt worden ist, wohnt im Menschen, soweit wir zurückblicken können. Nicht nur Aerzte und Naturforscher, sondern auch Priester und Philosophen, Wundertäter und Quacksalber haben sich mit dieser Frage aufs eifrigste beschäs- tigt, und die Vorschriften sind zahllos, die eine Verlängerung des Lebens ein hinausschieben des Alters versprechen. In einer in- haftsretchen Abhandlung„Ueber Altern und Verjüngung" in der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" empfiehlt Dr. Liet eine Be- schästigunz mit diesem ungeheuren Gebiet allen denen, die das menjchlicbe Leben von der ergötzlichen Seite ansehen möchten. An die Statistik darf man sich nicht wenden, wenn man für die Möglichkeit einer Lebensverlängerung sichere Anhaltspunkte ge- Winnen will. Wir erfahren daraus, daß das Lebensalter des Men- scheu immer das gleiche gewesen ist, soweit wir zurückblicken. Auch heute noch gibt es vereinzelte Menschen, die 1l»Z, 120, ja 150 Jahre alt werden. Diesen nüchternen Zahlenrethen entnimmt nun jeder, was ihm gerade gutdü.ckt. Der Feind des Alkohols findet, daß nüchterne Leute am längsten leben Aber wieviele Trinker haben ein hohes Alter erreicht. Aehnlich ist es mit anderen Genußmitteln. Ehefreunde und besonders Frauen behaupten, die Ehe fei das beste Mittel der Lebensoerlängerung uno Lebensoerjllngung. Alle Män- ner, die ein hohes Lebensalter erreichten, waren verheiratet, oft vielfach verheiratet. So heiratete z. B. der Franzose de Longueville, der 110 Jahre alt wurde, mit 99 Jahren zum zehnten Male und wurde mit 101 Jahren Vater. Anhänger des Iunggcsellentums aber weisen darauf hin, daß gerade die im Zölibat lebenden katholischen Priester durchschnittlich mit das höchste Lebensalter erreichten. Viele, die ungewöhnlich alt werden, schreiben dies einer bestimmten Le- bensweise zu. Wenn wir aber genauer hinsehen, was alles da verjüngend wirken soll, so sind es die verschiedenartigsten und gegensätzlichsten Dinge. Der eine lebt vegetarisch und trägt Jäger- Hemden, der andere hält Fleisch für das beste Nahrungsmittel, dieser meidet Alkohol und Tabak, jener sieht in diesen beiden Sorgen- brechern Lebensverlängerer.„Als ich mich einige Monate in Amerika aufhielt," erzählt der Verfasser zum Schluß,„machte gerade ein Verjüngungsmittel großes Aufsehen, das ein findiger Mann in Chicago vertrieb. Er fing vom Dache seines Hauses den Sonnen- schein in Flaschen auf und verkaufte ihn, 1 Dollar die Flasche. Der Mann machte glänzende Geschäfte. Und ich bin Ketzer genug, zu glauben, daß dieser vergnügte Schwindler mehr Menschen ge- hoffen hat, als viele in pharmazeutischen Fabriken hergestellte hoch- wissenschaftliche Medikamente." Oer Sternenhimmel. Ueber dem Westhorizont erscheint, wenn die Sonne versunken ist, der Abendstern, Venus, daneben Mars. Bald nach der Monatsmitte jedoch verschwindet das schöne Bild. Venus tritt an den Morgenhimmel über, und auch Mars ist Ende April nur noch ganz kurze Zeit abends am hellen Untergongshori- zont zu finden. Herrschend erscheint schon in der hellen Dämme- rung Jupiter hoch im SSOi Sirius uno Orion sind gerade noch am Güdwestrande des Sehfeldes untergehend auffindbar. Hoch im Westen leuchtet Kapella auf: im Osten Arktur. Wenn es dunkler wird, kommen nahe dem Scheitelpunkt die Sterne des Himmels- wagens hervor, und links von Jupiter wird Saturn sichtbar.— Am Osthimmel strahlt das aus drei Sternen des Bootes und dem Haupt- Kern der Krone, Gemma, zusammengesetzte Bismarckwappen: links davon kommt Herkules herauf, rechts Jungfrau, Rabe und Becher. Bin tiefen Nordosthimmel kommt Wega herauf. Abends 10 Uhr glänzt als hellster Stern in südlicher Himmels- höhe der Planet Jupiter, in seiner Nachbarschaft links Saturn, rechts Regulas. Beim Scheitelpunkt steht der Himmelswagen. Die Deichs«! weist auf Arktur, den gelben Hauptstern des Bootes: in der Verlängerung des verbindenden Bogens finden wir die weiße Spika. Die winterlichen Bilder des Orion und des Großen Hundes sind im Westen versunken. Wir finden hier noch Protyon und die Zwillinge Kastor und Pollux, sowie Kopella am Himmel. Gehen wir von der letzteren nach rechts, nordwärts, in halber Himmelshöhe weiter, so begegnen wir nacheinander Perseus, Kafsiopeia und Kepheus. Zwischen diesem und dem Himmelswagen stehen die Sterne des Kleinen Bären. Ueber dem Nordosthinimel sind Deneb und Wega zu finden. Das Sternviereck über de mzuletzt genannten Stern ist das Haupt des Drachen, der seinen Schlangenleib in großer Wendung zum Kepheus, dann zwischen die Bärengestirne streckt. Im Süd- osten steht die Wage, am Südhimmel der lange Sternzug der Wasserschlange, darüber Rabe und Becher. Am 22. April ereignet sich eine totale Mondfinsternis, die je- doch in Europa nicht beobachtet werden kann. Natunvissensthast Vogelstimmen lm Volksmunde. Wie tief das Vogeffeben wurzelt in der Seele des Volkes, erklärt uns keine Tatsache bester als die unzähligen Deutungen, die der Volksmund ven verschiedensten Vogelstimmen gegeben. Eine anmutige Zchammenstellung der- artiger Uebertragungen der Vogelrufe in die menschliche Sprache bietet Richard G e r l a ch in der„Ornithologischen Monats- schrift". Das Nachtigallentied hat vor allen anderen zahlreiche sprachliche Versinnbildlichungen erfahren. So erzählt man in West- falen, die Nachtigall sei eine verwünschte Schäferin. Sie behandelte ihren Bräutigam, einen Schäfer, schlecht und ließ ihn bis spät in die Nacht hinein ihre und seine Schafe treiben. Lange schon Halle sie ihm die Che versprochen, aber nie hielt sie Wort, bis der Schäfer einmal in Unmut ausrief:„Ich wünsche daß du bis an den jüngsten Tag nicht schlafen könntest!" So ist's denn auch gekommen, die Nachtigall schläft auch bei Nacht nicht und singt ihr Klagelied:„Js Tid, ist Tid— to wiet, to wiet— Trizy, Trizy, Trizy— to Bucht, to Bucht!" Der Ruf„ro Bucht" ist der gewöhnliche Schäferruf, wenn der Hund die Schafe in Bogen treiben soll. Darauf pfeift sie noch dreimal und schweigt dann. In Mecklenburg ruft die verwünschte Nachtigall als Schäferin: „David, David, David, drief, drief, drief, to Bucht, to Bucht, to Bucht!" Den Goldammerruf deutet man in Niederdeutsch- land so:„O wie hew ick di doch so liew": im Herbst singt er:„Buer lat mi In. diu Schür!" Andere Auslegungen für den Goldammer- gesang sind:„'sist,'sist,'sist noch viel zu früh' und„wenn ich'ne Sichel Hütt', wollt' ich mit schnitt'" Der Ruf des Pirols wird sehr schön wiedergegeben durch unseren„Bogel Bulo". In Niederdeutsch- land ist der Pirol ein niedlicher Zecher:„Pfingsten Bier hol'n, aus- saufen, mehr hol'n" ruft er um Pfingsten den Leuten zu. Aber er kann auch sehr grob werden:„Hast du geiopen, so lwtahl ock!". Der Koblmeisenruf wird so gedeutet:„Sitz ich hoch, so flick den Pelz." Damit es ähnlich klinge, muß man freilich die rich- tige Betonung und die verschiedene Höhe der Töne mit in den Satz hereinlegen, was mehr oder minder bei allen Nachahmungen naiür- lich geschehen muß. Ein esthnifches Schwalbenlied lautet:„Witt, will, dcwelick, schlag den Webstuhl in Stück', zi, zi zehr, schlug mich selbst so schwer, biwist, biwist, und mein Kind ermordet ist." Aus diesem Liedchen kann man sogar die Art, die gemeint ist, feffftetlen: es ist nämlich der Gesang der Rauchschwalbe(ttii-undo rustica I..), der sehr niedlich nachgeahmt ist, die Hausschwalbe(Dellclion urbica L.) singt ganz anders. Die Stimme der B a ch st e l z e ist in folgender lettiscken Sage gut wiedergegeben: die Bachstelze beobachtete einen alten Bauern beim Pflügen, ob er vielleicht etwas singen werde. Doch alte Leute schweigen lieber. Aber eins fiel ihr auf, ab und zu zog das Pferd stärker an, dann schwankte der kraftlose Alte nach vorne, und der Pfluo knirschte, well er sich an den Steinen rieb. Das prägte sich die Bachstelze ein, und noch heute wippt sie beim Laufen hin und her und ruft zuweilen:„tschiwi, ffchiwil" oder„ziliksl ziliksl" Den bekannten W a ch t e l r u f hält der Bauer für eine Auf- forderung zur Arbeit:„Bück' den Rück', bück' den Rück'!" I CstSOI Jiue öer Praxis Der Garten im April. Im Obstgarten ist die Schädlingsbe- kämpfung mit größtem Nachdruck vorzunehmen. Kurz vor Beginn des Triebes werden die Bäume mit Obftbaumkarbolineum gegen die tierischen Schädling« und mit Schweselkalkbrühe oder Kupferta'kbrühe gegen die Pilzschädlinq« bespritzt: gegen dm amerikanifchen Stachel- dsenneltau benutzt man nur Schwefelkaltbrühe und gegen den Apfelwickler Ende des Monats oder Ansang Mai Arsenlösungen, wie z. B. das Urania-Grün. Pfirsiche und Aprikosen, die am zeitigsten blühen, sind vor und nach der Blüte dn drohendem Frost zu schützen. Wo der Wein im Herbst niedergelegt worden war, be- freit man ihn von der Winterdecke, läßt die Reben aber noch längere Zeit am Boden liegen. Aeltere Bäum« können noch umgepfropst werden. Die Erdbeerbeete sind für flüssigen Dünger und eine neu« Mist- decke sehr donkbar. Im Gemüsegarten wird jetzt gesät und gepflanzt. Wir säen: Erbsen, Salat, Petersilie, Radieschen usw. ins freie Land. Vorgekeimte Erbsen werden nach dem Pflanzen sofort angehäufelt, von anderen macht man Folgesaaten. DI« Frühsorten von Wirsing, Weißkraut, Kohlrabi und Blumenkohl werden baldigst angepflanzt, die Setzlinge dazu muß man sich kaufen. Die Spätsorten zieht man sich selbst heran und kann den Samen jetzt auf«schützten Beeten aussäen. Ebenso sät man Rotkraut, Rosenkohl, Mangold und rot« Rüben aus. Frühkartoffeln soll man nicht vergessen. Die Mistbeete sind nach Bedarf zu lüften, bei gutem Wetter nimmt man die Fenster tagsüber auch ganz ab.* Der Kleintierzüchter. Bei den Hennen, die jetzt eifrig legen, soro« man für reichlichen fmtte'mechjer. Es gibt wieder frisches Grün, Regenwiirmer, Kerbtiere usw.: gestoßene Eierschalen, Kalk, Grit usw. sollen nicht fehlen. Manche Hühner brüten bereits. Da heißt es Geduld haben, desgleichen beim Ausschlüpfen der Küken. Diese können ein bis zwei Tage ohne Futter bleiben. Bei warmem Wetter dürfen sie bald ins Freie, anfanos selbstverständlich nur auf kürzere Zeit. Da die Enten oft unzuverlässig brüten, gibt man ihre Eier am besten einer Glucke. Die Nutztauben, vor allem die Feld- flüchter, finden reichlich Futter, so daß die Jungen stets volle Kröpfe haben. Es genügt deshalb, nur am Abend zu füttern. In den Ställen ist auf größte Reinlichkeit zu achten, damit kein Ungeziefer aufkommt. Der 5laninchenz>lchter hat jetzt die besten Würfe zu er- warten, weshalb alle Häsinnen, soweit sie paarungssähig sind, ge- deckt werden sollen. Anfangs sei man mit Grünf'-tter vorsichtig und gebe vorher stets eine Handvoll Heu. Nasses Futter ist besonders schädlich, da es oft Trommelsucht und Durchfall verursacht. Die Ziegen sollen möglichst viel im Freien sein, ebenso die ZiegenlömniT Reinlichkeit und Hautpflege fft bei ihnen das halbe Leben.