Nummer 17 Ai � � SS.KprillH�? Anterhaltuntzsbeilatze öes Vorwärts »>(zjc><« Mailieö. I« de» Male» schönen lag». Auf. frisch auf! und ladt ua» sagen Durch den Wald und durchs Gefild. Unfre Zagd gilt nicht den Füchsen. Zticht de» Hasen. Reh'n und Luchsen. Frei fei heute jede» wild. Auf, frisch aufi und laßt un» jage« Alle» Jammern, alle» klagen. Alle Not und Qual und Last: Zagen laht uo». was un» bücket, wa» uns zwängt und drangt and drücket Za de« tiefsten Waldmorast! Zagt die reichen Hungerleider Und die Hasser und die Neide« Za de« dicksten Dornenstra' chi Za dt« Nesseln werft den hodrer, An den Daum hängt jeden Nadrer Und die Herrn Zensoren auch. heute mutz die Zagd gelingen: hört ihr nicht das Vöglein singe« Aus des Maies Vlülenast? „Wer die Freude will gewinne«. Muh zuvor den Kamps beginnen Mit de» Leben» Leid und Last." Hossmann». AallrrSlebe» vas Tagewerk vor Sonnenaufgang. Don Manfred Kyber. Es waren ein» Schmiede und ein Schmied. Der Schmied aber war ein besonderer Schmied, denn sein Tagewerk lag vor Sonnen- aufgang. Da» ist ein sehr harte» lagewerk. Man wird müde und traurig dabei. Man wird still und geduldig dabei. Es gehört viel Kraft dazu. Venn man lebt einsam und schmiedet in der Dämme» rung. Jetzt war es Nacht und der Schmied war nicht in seiner Schmiede. Der Feuergeist in der Esse schlief. Nur sein Atem glomm unter der Asche und streute dazwischen einen sprühenden Funken in die Finsternis. Aber der Funke erlosch bald. Nur ein schwacher Lichtschein blieb und hastete suchend und irrend durch das Dunkel der Schmied«. Der Blasebalg ließ seinen großen Magen in lauter griesgrämigen Falten hängen. Er sah aus wie ein dicker Herr, der plötzlich abge- magert ist. Man hätte darüber lachen können, aber in der Schmiede war niemand, der zu lachen verstand. Der Amboß drehte seinen dicken Kops mft der spitzen Schnauze langsam nach ollen Seiten und sah sich das alte Eisen an. das heute geschmiedet werden sollte. Es war nicht viel. Nur einige Stücke. Sie lagen in einer Ecke und waren beschmutzt und verstaubt, wie Leute, die eine weit« und beschwerliche Wanderung hinter stch haben. Der Amboß ärgerte stch.„Was für ein hergelaufenes Gesindel hier zusammenkommt! Ein Glück, daß es zuerst in die Esse muß, ehe es mir auf den blanken Kopf gelegt wird. Es wäre sonst zu un- appetitlich. Danke bestens. Unsereiner ist sauber." Der Amboß rümpfte oerächllich die große Schnauze und kehrte dem alten Eisen den Rücken zu. Der Amboß war ein Dlckkopf. Er dachte nicht daran, daß er ja auch aus Eisen war und daß das alte Eisen, das so weit gewandert war, auch so blank werden würde, wenn es der Feuergeist erfassen und der hanuner schmieden würde. Er dachte, e« gäbe bloß blankes Eisen und schmutziges und bestaubte» —» von vornherein— und dabei bliebe e». E» war eben ein Dick» topf und er wußte auch nicht, wie mühsam sein Meister die» alt« Eisen gesammelt hatte, um es umzuschmieden In der Dämmerung. Da» alte Eisen fühlte stch sehr erleichtert, als der Amboß ihm den Rücken gekehrt hatte und es seine abweisenden Blicke nicht mehr fühlt«. Es hatte ste deutlich gefühlt, trotzdem es fo bestaubt und so beschmutzt war. Nun begann es, stch flüsternd zu unterhalten. Es waren Stücke, die dem Alter nach sehr verschieden war«»- Es waren ganz alte dabei, die eigentlich in die Raritätenkammer gehörten. Es waren auch ganz junge darunter, die nur wenig« Jahr« auf der Well waren. Aber tu ihrer Erscheinung waren p« sich alle ganz gleich. „Sie sind so verrostet," sagte eine Kette teilnahmsvoll zu einem allen Schwert,„dos ist eine sehr schlimme Krankhelt. St« fühlen stch gewiß nicht wohl�" Da» Schwert seufzte knarrend zwischen Griff und Kling«. „Es ist ein alle» Leiden," sagte e». ich Hab« es schon viele hundert Jahr«. E» stnd Blufflecke. Ich habe schreckliche Ding« gesehen auf meinem Lebensweg. Ich ging durch viele Hände. Einer erschlug den andern mit mir. Einer nahm mich dem andern fort, um wieder andre zu erschlagen. Alles But und alle Tränen haben sich in mich htneingefresten. Ich Hab« wenig Ruh« gehabt. Ich bin im Blut gewatet und der, der das meiste Blut vergasten, läutete die Glocken mit denselben Händen und nannte das seinen Sieg." „Ich bin nur wenige Jahre alt," sagte ein junger Säbel,„aber ich habe ganz dasselbe erlebt." „Ich habe ander« Siege gesehen," sagte ein aller rostiger Riegel. „Ich sah Menschen, die gesiegt hatten über sich und die Welt mtt Ihren Gedanken. Ich verschloß die Türe, hinter der man sie ein- sperrte. Ste saßen und verkamen in ihrem Kerker. Aber ihre Ge» danken gingen durch die Kerkertüre an mir vorbei und gingen hin- au» In alle Straßen." „Ich bin weit jünger als Sie," sagte ein anderer Riegel,„aber ich habe dasselbe tun muffen und habe dasselbe gesehen." Der Feuergeist in der Esse atmete stärker und der erste Schein der Morgendämmerung zog über das alte Eisen. E» wurde sehr verlegen und bedrückt, denn nun traten die vielen Flecke noch beut- sicher hervor, als im Licht des Feuergeistes, der in der engen Efle mühsam attnet. Das alte Eisen sah traurig aus seinen beschmutzten Körper und redete wirr und klagend durcheinander. „Ich Hab einen Mörder halten müffen." jammerte die Kette,„es war in seiner letzten Nacht. Neben ihm saß ein Mann im Talar und hatte ein Buch in der Hand, auf dem ein goldene» Kreuz drauf- stand." „Ich habe im Schlachthaus arbeiten müffen," sagte ein langes Messer,„ich habe Tausenden vou Geschöpfen ins entsetzte Auge ge- sehn, ehe es erlosch. Ich habe tausend Tierseelen umherirren ge- sehn in einem Hause voll Blut und Grauen. Dabei war ein Stück von mir früher eine Perle im Rosenkranz eines alten stillen Mannes. Es war in Indien und der alt« stille Mann fegte den Weg vor stch mit schwachen Armen, um kein Geschöpf zu treten. Er nannte den Wurm seinen Bruder und bat für ihn um den Segen seiner Götter. Er sprach von der Kette der Dinge. Er zeichnete das Hakenkreuz in den Sand und fingerte ergeben seinen Rosenkranz, wenn der Wind es verwehte. Die fremden Priester au« Europa höhnten den Glauben des alten Mannes." „Wir haben jetzt Europa und feine Kultur," sagte der Säbel grimmig und schüttelte eine alberne goldene Troddel ab. die an Ihm hing. „Wir müffen durch viele Formen wandeln," sagte das Messer, „das weiß ich von dem alten Mann in Indien. Nur weiß ich nicht, in welche wir kommen sollen." „In diesen Formen können wir nicht bleibenl" riefen alle durch- einander.„Wir sind schmutzig und voller Flecken. Wir wollen um- geschmiedet werden. Wir wollen zum Feuergeist und um eine ander« Form bitten. Aber wir wollen nicht warten, bis die Sonne aufgeht. Wir wollen nicht, daß die Sonne un» so findet. Dann bescheint sie unleren Schmutz und un|ere Flecken. Aber der Sckmied wird nicht so bald kommen. Cr schläft gewitz noch." Da flog eine Funke oue der Effe mitten in dos alte Eisen hin- »in. „Der Schmied schläft nicht. Er wird gleich kommen," zischte der Funke,„es ist ein besonderer Schmied. Sein Tagewerk ist vor Sonnenausgang." Dann erlosch der Funke Die Tür tat sich auf und der Schmied kam herein. Es war ein ernster stiller Mann mit traurigen Augen. Das kam von seinen- Tagewerk. Er trat den Blasebalg, dah er alle seine Magensalten aufklappte und ganz dick anschwoll. Der Feuergeist erwachte in der engen Esse und der Schinied hielt all das alte Eisen ins Feuer. Dann hob er es aus der Feuertaufe und legte es aus den Amboß. „Was wird aus uns werden— welche Form— welche Form?" üagte das alte Eisen und das Messer dachte an den armen alten Mann in Indien. Der Schmied schlug zu. Die Funken stoben. Er schmiedete nur eine Form, die letzte aller Formen. Er schmiedete die Seele des Eisens. Es war sein Tagewerk. Als es fertig war, stand eine glänzende Pflugschar auf der tau- feuchten Erde vor der Schmiede. Da ging die Sonne aus. Es ist leider nur ein Märchen... Aus cinsred K y b c r„Märchen'(Perlag W. Seifert. Stuttgart). Ein Srief Lassalles an h. Heine. Eilstav Mayer ist es gegltictt, Lassallcs Literarische» Nachlast auf- zuspstre», der besonders an»»verdffcnuichten Briefen eins Überraschende Fülle bietet. Im 1. Bande der„Nachgelassenen Briefe und Echriften' werden die Brief« van und an Lasfalle bis «boten.(Stuttgart, Deutsche Bertagsanstalt.) Sie deHandeln in der Hauvtfache die Hahfeldt-Aifiire und zeige» Lassalle von glühendem Eifer und fvrühendcr Beredsamkeit beseelt, um das Recht der verfolalen Frau zu erkämpfen. Der Brief an Heinrich Hcjne vom November l846, den wir abdrucken, ist ein prachtvolle� Zeugnis dafür. Lassalle wird ironisch, boshaft, drohend- weil Heine sich an der ttampagne für die lbräfin Hastfcldl zunächst nicht beteilige» wollte. Lieber Heine! Als ich gestern Doktors(Arnold Mendelssohns) Brief erhielt, in welchem er mir in einem Wust von undeutlichen beschönigenden und ziemlich sinnlosen Phrasen meldet, daß Sie den geringen Freundschaftsdienst, nm den ich Sie ersucht, oder vielmehr den ich von Ihnen gefordert, nicht erfüllen können und wollen, wollen und können— da war ich allerdings eine Minute lang betäubt, so betäubt wie etwa ein Ungläubiger, der eben ein Wunder sich er- eignen sieht, das seine fiinf Sinne nicht wegleugnen und doch auch nicht erklären können. Aber ich versichere Sie, ich war auch nur eine Minute lang erstaunt. Es ist unter allen Umständen ein nützliches Wort: nilnl admirari! Warum sollten Sie nicht eben auch sein wie so viele andere? Sie haben ganz recht.— Soll ich Sie erinnern an das, was ich sür Sie tat, soll ich Ihnen den Brief schicken, in dem Sie mir schreiben:„Noch nie hat ein Mensch das für mich getan, was Sie," syll ich mich soweit erniedrigen, Ihnen vorzuerzählen, was ich für Sie getan, getragen und geopfert habe? Sicher nicht! Nur soviel: Nie hätte ich für mich getan(was ich getan habe) für Sie, nie für mich(— bei) Pückler, Darnhagen, Meyer(beer, Ofsen)bach, Mendelssohn etc. etc. anticham- briert und gebettelt, mich verhaßt gemacht durch Bitten, die man ebenso ungern erfüllte wie abschlug, und meinen keimenden Kredit durch unverschämte Forderungen erschöpft.' Glauben Sie, daß ich damals nicht alles wußte, wie ich durch Betreibung und so grenzenlos eifrige Betreibung Ihrer An- gelegenhelten mir schadete, sogar bei Ihren Freunden schadete, die ich mit(zwei Worte unleserlich) auf ihnen lästige und fatale Schritte hinzwang, ein Versahren, durch das, wie Sie wissen werden, man sich ain meisten verhaßt macht... Alle diese Men- schen hätten mir sehr gerne dies und das gewährt, wenn ich mit meinen Forderungen für Sie nachgelassen und sie nicht mit so eiserner Konsequenz an diesen und jenen Stichwörtern festgehalten hätte. Ich habe mir alle diese Menschen verschlossen»nd abgeneigt gemacht— Ihretwegen. Sie wissen, was es heißt, feinen Kredit erschöpfen. Das war sogar mit Ihren Freunden der Fall. Denke» Sie, was Ihre Feinde, von denen Bertin wimmelt, erst dachten. Ich fing damals an, in Berlin eine gesellschaftliche Karriere zu machen und eine Art Reputation zu bekommen, die ich zg mir sehr wichtigen Dingen anzuwenden gewußt hätte. Aber nun oerbreitete sich durch Pücklers und Humboldts Plaudereien das Gerücht, ich wäre der erklärte Freund— Heines. Bei einem geschickten Rückzug und Preisgabe Ihrer, Ihnen gegenüber motiviert durch einen mindestens ebenso guten Brief, wie mir der Doktor schreibt, wäre viel zu ver- dienen gewesen. Ich tat e« nicht und erlebte, daß sich manche Person von Bedeutung und Wichtigkeit von mir zurückzog. Ich stand gut mit Eichhorn(dem Minister), er hatte mit mir, ich mit ihm Pläne. Da fragte er mich, ob es wahr fei, daß ich diese und diese Demarchen für Sie gemacht. Aber ich war unerfahren genug, die Treue gegen einen Freund im Konflikt höher zu halten als die Karriere. Ich sagte ja, sprach auch bei ihm für Sie. und die listigen grauen Aeug. lein Seiner Exzellenz haben mir nie wieder zugelächelt. Doch— ich bin auch ein„junger unerfahrener Mensch. Erinnern Sie sich jener jrohen Stunde an Ihrem Kamin, wo Sie mir sagten:„Ach, wenn Sie erst jo viel Erfahrungen gemocht haben werden wie ich!" Es mag was Wahres daran fein, nimmer aber hätte ich mir träumen lassen, daß ich an Ihnen diese Ersahrun- gen machen sollte! Genug davon. Glauben Sie nicht, daß ich sehr genau die Beweggründe, die Sie abhalten, kenne? Sie ssnd faul, Sie sind vornehm, Sie wollen sich wohl bemühen für mich, aber nicht unter Ihrem Namen. Sie treiben die Güte in der Tat so weit, mit Weill, der Ihnen doch so zuwider, dar- über zu reden, und Artikel in den Corjaire Satan einzuschwärzen, aber der vornehme Heine würde nicht mit seinem Konfrater Jules Ianin sprechen oder offiziell sich bei den Pariser Redaktionen be- mühen. Es soll unmöglich sein? Und doch ist der Gräfin d'Agoult möglich gewesen. Was d i e kann, können S i e sicher auch, und Sie könnten doch den Artikel aus dem Rheinischen Beobachter über- setzen etc. Unmöglich, hören Sie, Heine, ohne Ihnen nahe zu treten, aber— wären Sie in Geldverlegenheit und wären dabei 5900 Fr. zu gewinnen— hol' mich und Sie der Teufel— es würde Ihnen bald möglich fein. Sic wissen, Heine, was die Philister In ganz Deutschland über Ihren Charakter schreiben. Sie wissen auch, was ich dazu dachte. Aber wahrlich, ich sage Euch, es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde etc. etc. Lieber Heine, glauben Sie nicht, daß ich leidenschaftlich schreibe. Heu» bin ich äußerst ruhig und abgekühlt. Und wenn ich leiden- schoftlich wäre, wer hat denn immer früher so sehr„die seltene Einigung von Passjon und Verstandesklarheit bewundert?" Rur die Erfahrung geht mir ob— Gott behüte mich vor den Folgen Ihrer Erfahrung, Freund. Bielleicht darf man Ihrem kranken Zustand« Ihre Antwort zu- guthalten. Vielleicht ja aber schwer, man könnte wohl Ihrem Zu- stände eine Unklarheit des Kopfes zugutholten, da» aber liegt nicht vor. Was vorliegt, ist sehr k l a re r, abgequirlter Alltagsegoismus und Erbärmlichkeit, ist Scicktigkeit des Herzens. Aber dennoch will ichs Ihnen auf einen Tag lang zugulhatlen. Aber auch nicht länger. Ich wiederhole Ihnen, daß Sie Artikel, ganz ebenso fulminant wie die von mir geschickten, im Journal des Di'bats, Times und Allgemeiner Augsburqer umgehend erscheinen lassen sollen. Ich beharre aus meinem Verlangen. Tun Sie es nicht, so ist es mir auch recht. Ich bin unaussprechlich gleichgültig geworden... Denn gerade herausgesagt, und dos ist meine sehr ruhige Meinung: Sie haben mir Pflicht, Llebe und Treue gebrachen. Wenn Sie es bei diesem dreifachen Treubruch sein Be- wenden haben lassen wollen, so werden Sie einen sichern Profit machen. Sie werden der Unbequemlichkeit meiner Forderungen fiir Immer ausgewichen sein und nie mehr erleben, daß ich mich se wieder in freundlichem noch feindlichem noch gleichgültigem Sinne on Sie wende. Einen Ehrenplatz werden Sie immer bei mir einnehmen, ich würde Sie nämlich obenan stellen auf die Liste meiner„Erfahrungen". Wollen Sie also nicht, so schreiben Sie mir ein kurzes„Rein", ich komme dann selbst nach Paris, um, was mir an ihrem Soutien (Hilfe) aboeht, durch persönliche Gegenwart zu ersetzen, Uebrigens brauchen Sie sich dann in diesem Falle durchaus nicht vor meinem Besuche zu fürchten. Ich erspare andern und mir gerne meine Gegenwart, wenn sie doch nur beschämend und demütigend wirken kann... Lassalle. Was tut eine gute Mutter! Sie pflanzt in das Herz ihrer Kinder Liebe zu allem Guten und bewahrt sie vor bösen Einflüssen. Sie gibt ihnen eine srohe Jugend, damit sie mit Freude an ihre Kindheit zurückdenken können. Sie vernachlässigt keines in ihrer Liebe, sondern ist gerecht und gleichmäßig gegen jedes. Sie hat im Gewähren und Versagen der Bitten der Kinder keine Launen. Sie läßt dos Kind, das sie gestrast hat, fühlen, daß es ihr wehe tut. strasen zu müssen, und nimmt es nachher liebreich wieder auf. Sie achtet auf der Kinder Haltung und Gebärden und bekämpft häßliche Manieren. Sie lehrt ihre Kinder höflich fein gegen jedermann. Sie duldet keine Tierquäleret. Sie duldet nicht, daß ihre Kinder gegen Arme und Gebrechliche rücksichtslos sind. Sie gewährt ihren Kindern eine gewisse Selbständigkeit, weil sie weiß, daß eigene Erfahrung klug macht. Sie härtet ihre Kinder gegen Wind und Wetter ab und ge« wöhnt ihnen allzu große Empfindlichkeit gegen die Unbilden de» Lebens ab. Sie lehrt Ihre Kinder, daß Hoffnung nicht zuschanden wird, wenn auch unsere Wünsche sich oft nicht verwirklichen, wie wir über- schwä»glich glaubten. o ö o * I 3hr Arbeiter, Millionen Fiebernde, Gepreßt«, Die ihr, vom Wahn nutzvollen Werks umstrahlt, Als Sieger aufrecht durch die Zeiten schreitet, Zn wieviel Bildern namenlosen Heldentums, — Gestählter Brust, mit wild und sichern Gesten, In Ansturm, Qual, Triumph und endlicher Gewalt— Fühl ich die Zeichen eures ewigen Ruhms Z« meinem Znneru tragisch aufgemalt! Ich liebe euch, ihr hellen, frischen Pferdejungen, Die ihr den lichten Sturm der wiehernden Gespanne Mit starke» Händen stählern«lederpretzt, Und euch, Holzfäller, Einsame im Duft der Tannen, Und euch, die nur das Feld, die magre Scholle freut, Ihr Bauersleute, mürb und alt und wetterfest, Die ihr das Saatkorn mit breitem Schwünge Immer erst aufwärts streut, Damit es, bevor es in Erde sinke, Roch die Luft und vom silbernen Lichte trinke. And euch, Matrosen, die, ein simpel Lied Auf euren Lippen, eines Nacht« in« Ferne zieht, Wenn sich vom süßen Südlandsw'.nd die Segel blähen, Die Mäste zittern und das Tauwerk klingt. Und euch, Lastträger, die auf breitem Rücken Von all den Schiffen, die durch« Weltall gehen, Die bunte Last an goldnen Landungsbrücken Stapfend und stark ans sichre Ufer bringt. Und euch, ihr Sucher der halluzinierenden Metall« Hoch dort am Rand der Welt, wo sie tu Nacht vereist Und euch de» Frost mit seiner Riesenkrall« Erbarmungslos in seine Fänge reißt, Und euch, für ewig unter unsre Welt Gesenkte, Ihr Minengräber in den enggehöhlteu Stollen, Die ihr, die Lampe in den Zähne» festgezwängt. Die dunkle Ader der verborgnen Kohlen In einsam unbekannter Müh vom Felsen sprengt. Und euch, ihr Hämmrer in den heißen Schmieden, Stirnen von Gold und Tinte, die den Rauch durchblecken, Gekrümmte Rücken, drauS sich Muskeln schaffend recken Am AmboS und wo rot im Bad das Eisen siedet. Ihr erzgeschmiedeten heroischen Gestalten, Ewig dem Werk gemäß, das immer höher steigt, O, wie in diesen Städten voll gefährlicher Gewalte« Mein Herz sich heiß und brüderlich hin zu euch neigt! O, dies« Arbeit, wie sie finster, zäh und rastlos wütet, In Land und Meer und in der Erde Eingeweide, Das einzige, das unsre Welt, die sich in Länder scheidet, Noch ehern wie ein Riesenring zusammennietet! O Mannestaten, viel vergessen, kaum genannt, Millionen Arme und nie träge» Hände, Und alle sie, vom einen bis zum andere» Ende Zu einem einzigen Willen stegreich angespannt: Dem alten Weltall nun das Siegel irdischer Gewalten Feurig und rot auf die besiegte Stirn zu drücken, Flüsse zu trocknen. Berge zu verrücken Und alle Ordnung, rings in Meer und Land Nach einem neuen Willen zu gestalten. Emile Verharre n- Zrühllng. Zum Teufel die Fabrikl Zum Teufel die Arbeit! Ich will heute feiern! Ich will stei sein! Ich bin ein Mann! Ich kann, wo« ich will! Frühling! Frühling! Meine ölige und kohlenrußige Mütze werf« ich in die braun- dunkle Schlasstubenecke, und aus der Schrankschublade nehme ich meinen Strohhut-- den sonnvergilbten Strohhut des Vorjahres. Dieser Strohhut-- er ist mir Symboll Frühling! Frühling! Wie es aus meinem Herzen heraufstrudelt— wie es in mir gärt— wie etwas an mir reiht— wie mein Kopf wirbelt— wie mein Auge springt— wie meine Seele zittert! Frühling! Frühling! Wandern I Wandern! Lebe schlecht, Stadt! Ich hasse dich— du dunkle Fabrikstadt—, leb« schlecht! Ich will heute wohlleben! Ein freier Mensch will ich fein! Das fordert mein Herz von mir. Und heute, weil es Früh- ling ist, will ich meinem Herzen folgen! Dort steht der rote Dom! Sein dickleibiger Turm ist wie ein augenkurbelnder Iefuitenpater. Falsch ist dieser dickleibige Turm. jetzt reißt er sein Maul auf, jetzt will er mit glockengetragener Stimme über all das Elend, über all den Schmutz der Fabrikstadt hinwegtäuschen-- alle Not, Kampf, Qual und allen seelischen Zwiespalt will er vertuschen, um selber an fetten Tafeln zu speisen. Jetzt komme ich an den weißgelblichen Kasernen vorbei. Sie sind tot. Ausgestorben. Ihr junges Herz ward an den Fronten erschlagen. Abscheuliche Zuchthäuser, die ihr nie euer eigenes Herz geliebt habt: die Jugend, die euch Leben und Kraft gab! Ihr Ka- fernen, ihr wäret immer nur die große Gier, Gier nach Macht! Mein Herz sagt meinem Groll kurze Worte: schweige und schaue! Ja, ich schaue. Die Stadt liegt mit ihren letzten Häusern bereits hinter mir. Die Sonn« fliegt wie ein hellgelber Fasan über den wcißrostgen Osthimmel des frühen Morgens. Neben mir gehen Kastanienbäume mit zusammengelegten grünen Bauernschirmen. Ich höre ein leises Wimmern, und dann zeigen meinem aufhorchenden Herzen die Kastanienbäume ihre jungen Blattriebe: sie sind braun- schwärzlich umfranst, es hat der Nachfrost dem jungen Sehnen häß- »che, rohe Fußtritte versetzt. Staubig ist meine Straße. Mein« alten Kommißstiefel sind de- reits grauweiß überhaucht. Ein Auto braust orangengelb an mir vorbei. Dann kommt ein Mistwagen— zwei kleine braune Kühe davor, abgearbeitet— mit wehen Runen über den milden braun- fchwarzrosigen Augen. In diesem Augenblick muß ich an meine Mutter und an meine Frau denken. Ein Bauersmann pflügt. Mit einem einzigen Schimmel. Der ist mager. Die Pflugschar ist wie ein neuglänzender riesiger Taler, den der Dauersmann vor sich herrollt. Dlaue Roben krächzen. Ich biege links ob. Ich verlasse die Staatsstraße. Der Gutshos. Das Herrenhaus. Gelbweißgroue Gardinen flattern aus einem Fenster. Plötzlich sieht mein Seelenauge ein hohes, weißes Bett. Blanke Mädchcnarme suchen. Lautes Gähnen. Braune Zöpfe über hoher kirschblütenweißer Stirn. Irisblaue Augen, die gar nicht zu braunen Zöpfen passen.-- Aber was! Zum Teufel, die Guts- tochter, das sind ja gar keine braunen Zöpfe-- das da find schlagende Pserdeschweise. Die Pferde grasen am lehmfarbenen Weiher. Ein roter Fischkopf lugt aus dem Wasser herauf. Er stiert auf mich mit großen, slammenrotcn Augen. O ja! o jal-- ich denke noch an die Feuer meiner Fabrikl Wald. Am sandigen weißen Psad liegen Leichen. Berslüm- melte Leichen. Die abgesägten Leiber riesiger Eichbäume. Ich sehe schnittfrische Baumstümpfe, und ich fühle den Schrei der Eichbaum- füße nach ihren Stämmen-- nach ihren Leibern. Buchenwald. Zartes Grün an einigen Bäumen. Andere mit rotbraungelbem Geknofpe. Silberglanz um hochstrebende Säulen. stämme. Ich muh an die Säulen des Kölner und Mailänder Doms denken. Und dann denke ich gar nichts mehr: ich fühle nur noch. Mein Herz ist ein rotes Vöglein geworden, es sitzt auf blauem Ge- zweig, und Finken und Amseln und Spechte und Meisen-- alle umkosen sie mich. Ihr Gesang gilt mir, und die Sonne bläst auf dem golden funkelnden Waldhorn. Der Wind aber tanzt. Ich gehe talob. Neben dem Bache her. Es duftet nach junger Krauseminze. Der Bach spielt Zklavier. Seine weißen Finger sind silbern beringt. Keinen Falter sehe ich. Ich höre keine Biene. Aber über mir — im Zenith— dort fliegen wolkenweiße Reiher mit langen, roten Schnäbeln. Sie sind wie segelnde Schiffe im Meer— das ist korn- blütenblau geworden. Mittag! Mittag! Heiß ist die Sonne. Mein Schritt wird müde. Ich sah stunden- lang keinen Menschen. Ich fühle mich einsam. Ich fühle einen Bor- wurf: meine Genossen sind am Werk! Warum mußt« ich hinaus? Frühling! Frühling! Jetzt marschiere ich wieder auf einer Ehaussee. Schnellzüge donnern neben mir her. Ich sah die lebenpulsende Maschine. Wie stolz und stark und siegend sie dahinbraustel Wie die Sehnsucht meiner Träume. Und auch ich werde stolz. Solche Maschinen bau« ich, ich helfe sie bauen. In den Maschinen siegt ein Stück von mir, meine Ar- beitvtraft durchbraust ihre Zylinder: ohne mich wäre jene Maschine nicht da— ich bin ihrer ein Teil. Mein Blick wächst. Ich sehe über mich. Ich hasse dich nicht mehr— Arbeit! Du bist das große Befreiende, da» Dahinstür- mende-- Arbeit, auch du b i st mein Frühling! Karl Neumann. tteueo vom Raöium. Radium war für die meisten bisher ein Zauberwort aus dem Bereiche des Laboratoriums— ein Spielzeug der Wissenschaft. Aber was heute ein wissenschaftliche» Spielzeug ist, kann morgen ein Allerweltsbedarf fein, und schon bildet Radium die Grundlage einer schnell wachsenden Industrie. Zurzeit gibt es, wie wir einem Beitrag de» Kosmos"' ent- nehmen, im ganzen nur drei oder vier Gesellschaften, die Radium gewerbsmäßig herstellen, und die größte davon erzeugt jährlich nur etwa eine Unze(28 Gramm). Da» ist aber keine unbedeutende Menge, wenn man bedenkt, daß sich der ganze Weltvorrat an reinem Radium heute überhaupt nur auf wenige Unzen beläuft und daß der Marktpreis eines Gramm»*6 Million(Gold-) Mark beträgt. Verwendet wird es bisher in der Heilkunde und bei der Her- stellung von Leuchtstoff für Zifferblätter, Zeiger elettirscher Umstellung von Leuchtstoff für Zifferblätter, Zeiger elektrischer Um- brauch in wisienschaftlichen Instituten für Forschungszwecke. Ist doch die Erforschung de» Radium» und seiner Eigenschaften eine der Hauptwurzeln der neuen Theorien von den Atomen und chemischen Elementen gewesen, jener Theorien, die so manchen als abfulut sicherer Besitz gellenden Lehrsatz der Physik und Chemie gestürzt haben, viele werden sich wundern, daß ein so über alle» kostspieliger Stoff an biMgen Uhren oder einem geringwertigen Zeiger Berwen- dung finden kann. Und e» wird sie ebenso überraschen, daß nicht das Radium leuchtet, sondern andere Stoffe, die beim Lorhandensein winziger Radiummengen leuchtend werden. Es handelt sich nämlich hier um«in« Art Luminiszenz(Leuchtkraft): ähnlich wie bei der Bestrahlung mll Röntgenstrahlen, die ja auch selbst nicht auf unser Aug« wirken, manche Mineralien stark aufleuchten. Echo» find mehr als 4 Millionen Uhren allein so behandelt worden, und doch war kaum% Unze Radium für all den dabei benöttgten Leuchtstoff erforderlich. Außerdem hat sich Radium auch als wertvolles Hellmittel in der Behandlung von Krebs, Geschwüren und anderen bösartigen, wie vielen minder lebensgefährlichen Krankhellen erwiesen. Diese Heilwirkung verdanken wir der Eigenschaft des Radiums, Strahlen auszu enden, vie(5-, und �-Strahlen, von denen besonder» die lehr energiichen Rönigenstrahlen ähnlichen �-Strahlen sehr wirksam sind. Um der stark ansteigenden Nachfrage der Aerzte nach dem Mittel zu begegnen, ist vor kurzem in den vereinigten Staaten die Nationale Radiumbank, mit Geschäftsstellen Im Staate New Port, gegründet worden. Die«Bank' beruht auf einer Einlage von Radium im Werte von 375 000 Dollar— eine bloße Prise— und die» soll ausgeliehen werden, ganz als ob es Geld wäre. Genügende Sicher- heit und Zinszahlung wird nach dem Werte des entliehenen Radiums zu leisten fein. Das«Kapital' wird man nach Bedarf erhöhen. Seitdem der Weltkrieg die Herstellung von Radium au» Uran» erzen, besonders der Pechblende, in Europa stillgelegt hat, befinden sich zurzeit die Hauptgewinnungsquellen in den vereinigten Staaten von Nordamerika. Di« vereinigten Staaten konnten infolg« der Erzausbeute von Kolorado und Utah binnen kurzem mehr Radium erzeugen als olle übrigen Länder zusammen. Bon der Weltproduktion, die auf 100 bi» 110 Gramm Radiumelement geschätzt wird, kommen allein 75 bis 80 Gramm au» amerikanischen Erzen. Zur Herstellung der Leuchtmass« auf Zifferblättern benutzt man kristallisierte» Zinksulfid. Experimente lehrten, daß Zinksulfidtristall« bei Anwesenheit von Radium leuchten, wobei da» Zinksulfid von heftig ausgeichleuderteu kleinsten Teilen, den«-Strahlen de» Ra- diums, getroffen wird. Außer der Verwendung auf Uhren und elektrischen Umschaltern findet die Industrie immer neue überraschende Benutzungsweisen für die geschilderte Leuchtmasse. Sie dient aus Luftschiff- und Auto» Mobilgeräten, Schiffstompassen, Manometern. Pistolenvisteren, Gift- flaschen, zu Minensignalen, Hausschuhknöpsen usw. Eine Gesell- schaft will ausschließlich leuchtend« Hausnummern herstellen, und zwei der neuesten Errungenschaften sind die Verwendung zu Fisch- ködern und zu Leuchtaugen von Puppen und Spieltieren. Urgeschichte Die Urgeschichte de» hause» im Spiegel des Grabe». Haus uich Grab sind zwei Dinge, dl« für uns nichts mehr miteinander gemein haben, die aber In primitiven Zeiten aufs engste miteinander»er» knüpst waren. Die in allen Frühkulturen vorherrschend« Anschauung von einem sinnlichen Weiterleben nach dem Tod« bracht« es mit sich, baß man dem Wanderer auf die letzt« Fahrt auch sein« Behausung mitgeben wollt«, und wie man ihn in voller Gewandung, mit Waffen und Schmuck, mit Speise und Trank bestattet«, so gestaltet« man sein Grab auch in der Form eines Hauses, um Ihm den Aufenthalt im Jenseits recht behaglich zu machen. Die Urgeschichte des Haufes Ist daher bei ihren Forschungen hauptsächlich auf den gleich.zeitigen Grabbnu angewiesen, denn die ausgegrabenen Wohnbauten der vor- und frühgeschichtlichen Zeiten lassen ja zumeist nur den Grund- riß erkennen. Au« den frühen Gräbersunden kann man also die Urgeschichte de« Hause» wie kn einem Spiegel ablesen, und dies vet> sucht Prof. Friedrich Behn in einem aufschlußreichen Aussatz der «Umschau. Der.�ausgedanke' im Grabgebrauch Ist um so stärker wirksam, je primitiver die Kultur ist, während sich mit dem Fortschreiten der Zivilisation Hau» und Grab immer weiter voneinander entfernen. Zunächst geht man so weit, den Toten im Hause zu bestatten, in dem die liebe riebenden weiter wohnen. Die» Verfahren findet sich In zahlreichen urgeschichllichen Beispielen und war im Dithmarschen bi» ins 18. Jahrhundert üblich. Bisweilen findet sich auch die Teilung des Hauses zwischen Lebenden und Toten nach Stockwerken. Dann wird das Haus dem Toten überhaupt eingeräumt, und der Lebend« errichtet sich ein anderes Haus. So entstehen Gräber, die vollständige Haussorm haben. Dahin gehören drei große thüringisch« Fürstengröber vom Ansänge der Bronzezeit, also aus den erste» Jahrhunderten des zweiten Jahrtausends v. Chr. In zweien wird ein„Dachhaus' dargestellt, ohne senkrecht ausgehende Wandung und mit länglich rechteckiger Grundform. In dem Grabbau von Nien- stedt haben wir aber eine einzig dastehende Uebergangssorm, indem hier die Entwicklung vom Dachhau» zum Wandhaus gezeigt wird. Aus der ursprünglichen Kuppelhütt« entsteht allmählich das Rund- Haus mit senkrecht aufgehender Wand. Nicht minder wichtig ist dl« Erforschung der sog. Steinkisten. Di« Grabanlaaen der Helmsdorfer Gegend au» einer etwas jüngeren Stufe der Bronzezeit lassen In der Lagerung der Steine ein« Füll« werkoller konstruktiver Einzel- Helten erkennen, die dem wirklichen Hausbau entnommen sind. Da» wichtige Problem der Entlastung eines Hohlraumes vom Druck darübettiegender Eleinmassen findet hier verschieden« Lösungen, di« für die Frühzeit überraschend sind. Mehrfach wird der Druck durch alternierende Lagerung der Steinplatten verteilt: auch da» Bock- trägersystem ist angewendet, und man findet sogar schon echde Ge- wölbebaule«. volkerkunöe Ein atk oh oi feindliche, Naturvolk. Während die Einführung de, europässchen Feuerwasier» bekannttich meist eine Hauptursache für den verfall von Naturvölkern gewesen ist, verhalten sich die Mela» nesier und die Papuas auf Neu-Guinea dem Alkoyol gegenüber durchaus ablehnend. Hauptmann Detzner, der lange Zeit in unserer jetzt verloren gegangenen australischen Kolonie geweilt hat, teilt darüber mit: Weder die Melanesier der Küstenstriche noch die Papua» kennen oder genießen alkoholische Getränke, sei es selbstgebraut, sei e» In eingeführter Farm. Eingeborenenjungen, die viele Jahre im Dienste von Europäern gestanden haben und mit dem Gebrauch und der Wirkung von Spirituosen vom Sehen, von Hllfelesstungen beim Zurichten, auch vom gelegentlichen Versuch bekannt geworden sind, kehren in ihre Heimat zurück, ohne von der Sucht nach Alkohol an» gefleckt worden zu sein. Das unterstützt die Ansicht, daß die Mela- nesier und Papua» sich niemals an das volkzerstörend« Gift ge- wähnen werden. Das einzige anregende, zuweilen auch berauschende Genußmittel, da» sie kennen, das aber auch auf die Küstenstriche und die Mittelgebirge beschränkt ist, besteht neben dem Tabakrauchen Im Betelkouen. Frellich sind Fälle von so leidenschaftlichem Beteigenuß beobachtet, daß sinnlose Berauschtheit eintrat und tierische Wut» ausbrüche erfolgten: der Betelkauer endete dann als Amokläufer. I» den Hochtälern ist da» Betelkauen aber unbekannt, anstatt der braun- schwarz überglasten Gebisse der niederen Landschaften blitzen' dem Wanderer tadellose weiße Zahnreihen entgegen. Natunvissenfthast DlZ�UZW Die Ringeltaube als Großstädter. In den letzten Jahrzehnte« hat sich«ine ganz« Reih« deutscher Bogelarten dem Menschen der Großstadt in augenfälliger Weise genähert, und einige der scheuest«» Bewohner de» Walde», wie Amsel. Stockente und Ringeltaube, deren Fluchttnsttnkt i» Wald« so stark ausgeprägt war. sind in den Gartenanlagen der Großstädte zutrauliche Gäste des Menschen ge- worden. Mit der Einbürgerung der Ringeltaube als Großstädter beschäftigt sich ein Aufsatz von Dr. Otto Schnurre in«Et. Hubertus�. Er betont, daß sa der Fluchtinstinkt der Tiere nicht das Ursprünglich« ist, sondern daß die Bogel auf Inseln, die noch keine» Menschen Fuß betrat, von verblüffender Dresstigkeit sind. Erst indem der Mensch dem Bogel im Wald nachstellte, zwang er ihm die Scheu auf, und di« in den Stadtgärten nistenden Tiere haben sehr bald begriffen, daß der Mensch sie hier nicht jagt und daß st« hier in Ruhe lebe» hundert» zu.Straßenpflastervögeln' geworden, so di« Drossel und die Amsel, deren IubelNed man setzt In so vielen Gärten der Kroßstadt erschallen hört. Bei der Ringeltaube ging die Entwicklung langsamer, und noch heute fehlt sie in manchen Großstädten gänz- tich. Doch wird auch sie Immer mehr zum Großstädter werden, denn diese Entwicklung hängt mit der Zunahm« de» Gartenbaues i» Deutschland und mit der immer größer werdenden Einförmigkeit der Wälder zusammen. Die sorslliche Bevorzugung der Fichte in unseren Wäldern läßt auch die große Taub« die abwechslungsreiche Bege» tation des Gartens dem düsteren Nadelwalde vorziehen, und je breiter der grüne Kranz um unsere Großstädte wird, je mehr sie auch im Innern sich mit grünen Inseln beleben, desto heimischer fühlt sich die Ringeltaube in dem steinernen Meer. Sie scheint auch ur- sprünglich weniger dem geschlossenen Urwald als dem Grenzgebiet zwischen diesem und der Steppe angehört zu haben, und deshalb sind ihr die Garten- und Parkanlagen mit ihrer bunten Baum- und Buschflora sympathischer als der Wald. So wird sie zum Großstädter.