Nummer 20 �gittut* 10. Mal 1021 Anterhaltungsbeilatze öes t)ortt)ärÖ »<)jc)& Mutter will heiraten... Von Theodor Thoma» Um der d(impfenden Kartoffelschiissel sitzen Frau Käthe Schau- mann mit ihren Andern. Rechts, der Mutter gegenüber fitzt der neunzehnjährige Kurt, oben am Tischende Erna, die 22 Jahre mit fich herumträgt, und gleich neben ihr der neunjährige Felix. Der Vater tst seit mehreren Iahren gestorben, Käthe schlägt sich mühsam durch, die Kinder helfen brav mit. Die Frau ist noch sehr jugendlich, fast könnt« man meinen, es wäre Ernas Schwester. Boll und kräftig mit schelmischem Gesicht sieht sie ihren Kindern zu, wie sie sich an Rartoffeln und Hering gütlich tun. Keiner redet ein Wort, nur wen» einer dem andern die schönste Kartoffel wegschnappt, hörst du ein kurzes Knurren, aber schon geht es weiter, bis, ja bis es zu einem merkwürdigen Ende tonimt. Kurt ist gerode dabei, die 27. Kartoffel aufzuspießen, als die Mutter in die Stille hinein das Wort ergreift: „Kinder, was meint Ihr. ich will mich wieder verheiraten." Die Kartoffel, die Kurt eben in der Arbeit hat, fällt dumpf zu Boden. Erna platzt in ein Gelächter aus, daß Ihr ein Stück Gräte tn dt« Sonntagsgurgel kommt. Sie lacht immerzu, während Kurt Risemetß geworden tst. Voller Angst schreit er beinahe die Mutter an: „Das leid ich nicht, wir brauchen keinen fremden Mann im Aaus, dazu bekommst Du nie meine Einwilligung." Käthe Schaumann lacht verschmitzt, dann sagt sie: „Glücklicherweise braucht eine Mutter die Einwilligung ihrer Ander nicht, um heiraten zu können." „Haben wir nicht alles für Dich getan, habe ich Dich nicht»er- sorgt, wie ein richtig gehender Bater?" fragt Kurt aufgeregt. Kathrine streichelt ihrem Sohn die Hand: „Du bist«In guter Junge, aber den Bater ersetzen kannst Du nicht. Denk mal, wenn Ihr Euren eigenen Hausstand gründet, wo bleibe ich, wo ich doch erst 42 Jahr« bin? Und Felix?" «Wir bleiben alle bei Dir. Mutter, Ehrenwort, ich schwöre." Er hält die Gabel hoch in dl« Luft und sieht die Mutter ängstlich an, ob sie nun nicht doch ihre Heiratsgedanken aufstecken möchte. Erna hat sich von ihrer Gräte erholt und blickt gleichfalls auf Mutter, die nun voll ihr? beiden großen Kinder anlächelt: „Wenn Ihr den neuen Vater kennen lernt, werdet Ihr fröhlich kein, er tst ein lieber Mensch." Schwärmerisch schaut sie in die Gasflamme. „Ich will ihn gar nicht sehen", sagte Kurt bösartig.„Der Mann tst mtr schon jetzt unsympathisch: wer ist es denn?" „Nun mal ruhig Kurt. Ihr kennt doch den Herrn Haueisen?" Ihre Stimme zittert. „Hau— Hauelsen? Der? Jetzt weiß ich, warum der Immer so falsch grinst, wenn er mich steht. Zu dem soll ich Vater.. Nee, niemals" „Aber Mutter", wendet sich nun auch Erna zu Kathrine.„Der fterr Haueisen Ist doch nicht viel älter als ich?" „Jawohl", ruft Kurt,„der soll die Erna heiraten und Dich in Ruhe lassen." Nun wird aber die Frau unsicher.„Nicht viel älter als Du? Cr ist an die Dreißig." „Na ja, aber Ich meine nur, der ist für Dich doch nichts, der paßte doch«her für mich." „Sehr richtig Erna! Mutter, Du kannst doch nicht verlangen, daß wir den Hauetfen als Baler lns Haus nehmen? Also, dann zieh ich aus." „Ja, ich muß dann wohl auch fort, Mutti, Ich glaub immer. Du hast Dir das nicht richtig überlegt. Weißt Du..., läßt sich das nicht noch rückgängig machen?" Mutter Schaumann sieht auf ihren neunjährigen Felix: „Ich hob es mir hundertfach durch den Kopf gehen lasten.... vielleicht hätte ich es Euch eher berichten sollen, nun ist es zu spät." Ne schämte sich beinah« vor ihren Kindern. Erna sagt nichts, doch blickt sie ihr« Mutter vorwurfsvoll an, als wollt« sie sagen:„Also, so ttef bist Du gesunken." Kurt dagegen erklärt:„Er kommt mir nicht ins Haus. Voriges Jahr Hab ich ihn noch beim Turnfest Im Ringkampf geschmisten, jetzt soll ich„Papa" sagen? Der ist doch man ein« Handvoll Mensch, nee Mutter, da hast Du keinen guten Geschmack entwickelt, da hätt' ich Dir andere verraten können." Felix hat bis dahin aufmerksam zugehört, ohne sich um die Wechselrede zu kümmern; auf einmal fragt er ganz unvermittelt! „Kriegen wir da auch noch Kinder? Das wär fein, Mutti, weist Du, wie Schmidt's so eines?" „Halt Deinen Schnabel, vorlautes Göhr", schimpft Mutter Schaumann und bekommt einen Kopf wie Zinnober, Kurt sicht blöd auf Felix, weil er den Zusammenhang nicht versteht. Nur Erna lacht verlegen, sie murmelt:„Ahnungsvoller Engel." „Also nun wißt Ihr Bescheid," sagt Käthe resolut,„und wenn heute abend Herr Haueisen kommt, seid freundlich." „Der wird gucken," brummt« Kurt,„vielleicht schmeiß Ich ihn wieder„freihändig" auf den Vorplatz." „Dann helf ich meinem neuen Papa, der i» gut zu mir. Du verkloppst mich immer," schreit Felix. „Laß ihn nur erst mal hier festsitzen, dann kriechste schon von dem auch Dei' Schmiß." „Je das wahr Mutti?" fragt der Kleine verzweifelt. „Ach was; Emil, ich wollt sagen 5)err Haueisen ist ein lieber Mensch, laß Dich nicht verkohlen von dem da." „Nu, wann soll nun die Heiraterei losgehen, damit man noch vorher ausrücken kann?" „Kinder, Ihr braucht nicht fort. Das ist ja Unsinn. E» hat doch jeder Platz." „Nee, mit Haueisen bleib ich nicht," beharrte Kurt. „Ueberleg Dir's, antwortet Mutter.„Und Du?" „Ich denk," sagt Erna,„er wird mich nicht fresten, man tan« ja warten." Kurt schreit empört:„Gell, Du meinst, er heiratet Dich gleich mit? Bleib Du nur, aber ich nicht. Niemals; wenn er sich von mtr damals nicht hätte schmeißen lassen, vielleicht. So nicht. Der hat ja gar keine Muskeln, der da." „Nun, Du brauchst ihn ja nicht zu heiraten, das laß mal mein« Sorge fein, gell?" Da klingelt es und herein tritt Haueisen. „Nun," fragte er Käthe,„ist alles in Ordnung?" „Ja, Emil, nur der Kurt ist noch gegen Dich." „So, Du Kurt?" Er lacht, daß man sein Gebiß glänze« steht. geht auf Kurt zu und sagt: „Wollen wir's mal zusammen versuchen?" Er hält ihm die Hand hin,„na— schlag ein! Wir wollen gute Freunde werden." Da sieht sich Kurt verzweifelt Im Zimmer um, aber keiner kommt ihm zu Hilfe. Er blinzelt auch einmal zur Tür, als wolle er an Emil vorbei— zum Loch hinaus. Dann ergreift er doch die dar- gebotene 5)and, den Kopf aber wendet er noch ab. „Aber Vater sag ich nicht," protestiert er, um doch noch zu zeigen, daß er grollt. „Gut, den Bater schenk ich Dir," antwortete Ihm Emil lachend, „weißte was? Nennst mich Onkel." „Auch nicht, ich werde Sie einfach„Du" nmnen." „Ist mtr recht, im Mai werde Ich sowieso erst offiziell Dei« Vater, bis dahin bin ich es vielleicht schon in Deinem Herzen, meinst nicht?" Kurt blieb die Antwort schuldig, doch der Mutter Augen glänzten, sie wußte, alles würde gut gehen. Erna hat sich mit Tränen in Augen aus der Stube geschlichen, und Felix ruft vergnügt: „Nun bist Du unser neuer Bater, bringst Du uns auch noch Kinder mit?" „Werden leben, werden sehen," meint der, Käthe und Emil aber lachen geschämig.,,, Mut im L.'ieöen. könnt« man Sokrates ocicr Epiktet anklagen,«lall e» lkm an I�lut tcklte? Savonarol», kiull, Ltienne Volct, �Il«k«t Servet, sie alle Kaden auf«Um 8 cd eiterkauten, den ihnen der Fanatismus errichtete, Beispiele wahrer Tapferkeit gegeben, die nicht leicht iiberboten werden können. Columbue, Luther, Sutenberg» Galilei, Bernhard de palissy» eervantes, wieviel des 8-hSnen liber friedliche Heldentaten gibt es da zu erzählen l N ich et. Vom Rauchen unö feiner SchäölLchteit. Von Dr. med. Alfred Beyer. Echopenhauer denkt von dem Raucher fehr verächtlich. In den Aphorismen zur Lebensweisheit erklärt er, daß das Rauchen ein Surrogat der Gedanken fei, das heißt, daß nur ein Hohlkopf, dem eigene Gedanken fehlten, zur Zigarre greisen kenne. Trotzdem ist das Rauchen für viele zu einem unentbehrlichen Genuß, ja zu einem Bedürfnis geworden, das zwar nicht die Gedanken ersetzen, ste aber anregen soll. Je intensiver und anhaltender die nervöse Belastung ist, um so mehr sehnt sich der Mensch nach derartigen Anregungsmitteln. Der Infolge des Krieges dauernd erhöhte Tonus des Gesühllebens verlangt eine dem durch die Dauer der Zeit ge> fchaffenen Zustand der nervösen Erregung entsprechende Betätigung auch in der Erholung. Die Ansichten über die Schädlichkeit des Rauchens gehen sehr weit auseinander. Während die große Masse der Raucher, die im Kriege außerordentlich zugenommen hat, fast durch- weg eine dauernde Schädigung leugnet, haben die Nikotingegner immer wieder betont» daß gewohnheitsmäßiges Rauchen zu Dauer- schädigungen führen müsse. Unter den Anhängern des Tabaks be- finden sich zahlreiche Gelehrte, die immer wieder hervorheben, daß die Gewöhnung an das Nikotin eine natürliche Widerstandskraft er- zeuge, die eine Dauerschädigung verhindere. Nicht um für oder wider das Nikotin zu schreiben, will ich die zurzeit kaum noch interessierende Frage des spezifisch schädigeirden Stoffes im Tabak- rauch noch einmal anschneiden, sondern, weil ich aus Grund lang- jähriger Erfahrungen glaube, daß der Schwerpunkt der ganzen Frage verschoben ist. Trotz aller wissenschasllichen Untersuchungen, glaube ich auch heute noch den Standpunkt vertreten, weil belegen zu können, daß nicht das Nikotin, sondern gerade die bei der Verbrennung entstehenden vielfach als unschädlich bezeichneten Gase, Kohlenoxyd, die schädlichen Wirtungen hervorrufen. Es ist zunächst verwunderlich und unerklärlich, daß die söge- nannten schweren Zigarren am wenigsten Nikotin enthalten. Während in dem Brasiltabak etwa 1�4 Proz. und in der„Havanna" etwa 2 Proz. Nikotin enthalten sind, hat man übereinstimmend nach- gewiesen, daß in dem ordinären einheimischen Tabak? bis 8 Proz. Nikotin sind. Es ist verwunderlich sage ich, daß die Gistwirkung am intensivsten bei den Zigarren ist, welche die geringste Menge des Giftes enthalten, während eine vierfache Konzentration des Giftes weniger leicht Vergiftungserscheinungen hervorruft. Aus Grund eigener Beobachtungen glaube- ich nachweisen zu können, daß wie diese so alle sonstigen Eigentümlichkeiten und Widersprüche der bisherigen Erklärungsversuche von selbst ver- schwinden, wenn man sich aus seine eigenen Ersahrungen stützt. Beim Rauchen kann man, wie bei jedem anderen Verbrennung»- prozeß verschiedene Stadien beobachten. Das erste Stadium ist das Vergasungsstadium. Es entweichen brennbare Kohlenwafserstosfe und andere Gase, die als Rauch in die Mundhöhle gelangen. Bläst man den Rauch einer Zigarre durch eine Glasröhre, so sieht man, wie er in der Flamme eines Streichholzes oder Feuerzeuges hell- leuchtend oerbrennt. Benutzt man zum Anstecken der Zigarre ein mit kleiner Flamme brennendes Feuerzeug, so bemerkt man, daß bei jedem Zug. der die Flamme fortschreiten läßt, eine außer- ordentlich starke Vergrößerung der Flamme, die aus die starke Ver- gafung bisher unverbrannter Blatteile zurückzuführen ist, eintritt. Bei dem Erlöschen der Flamme vor der Glasröhre oder wenn man den beim Anbrennen eingesogenen Rauch durch die Zigarre hindurch in die kleine Flamme des Feuerzeuges bläst, nimmt man deullich eine kleine schwach bläulich leuchtende Kohlenoxydslamme wahr. Nun steht folgendes fest: Eine schwer« Zigarre«geht leichter aus", sie brennt schwer und muß von Nichtkennern immer wieder angesteckt werden. Die Asche ist fest und schwer, d. h. die schwere, wenig Nikotin enthaltende Zigarre enthält viele unverbrenn- bare Salze, so daß der Verbrennungsprozeß verlangsamt wird. Wie bei sonstigem Brennmaterial, so entsteht auch bei langsamer Verbrennung des Tabak» viel Kohlenoxyd. Die Erfcheinun- gen der akuten Rauchvergiftung aber gleichen in wesentlichen Punk- man Laub oder Rohrstock, d. h. Materialien raucht, die überhaupt kein Nikotin enthalten. Die leichte Zigarre verbrennt schnell und vollkommener und ist Infolge der dabei entstehenden kleineren Menge Kohlenoxyd leichte� trotzdem sie viermal soviel Nikotin ent- hält. Eine leichte Zigarre wird schwer, wenn man sie anfeuchtet, d. h. wenn man die Verbrennung erschwert. Zieht man sehr selten an einer leichten Zigarre, so daß sie häusig dem„Ausgehen' nahe ist, so wirkt sie wie eine schwere Zigarre, weil größere Mengen Kohlenoxyd entstehen. Man verträgt die Importe leichter, wenn man dafür sorgt, daß sie dauernd gut„w Brand" gehalten wird. Eine Shagpfeise ist schwer zu vertragen, weil die dem Kops Im Innern anliegenden Tabakteile nur unvollkommen verbrennen. Man verträgt die Shagps.eise leichter, wenn man sie weniger fest stopft, oder wenn man den eingesogenen Rauch durch die Pfeife selbst wieder ausbläst, d. h., wenn man die Verbrennung steigert. Der„Zigarrenstummel" ist schwerer als der Anfang der Zigarre, nicht weil mehr Nikotin enthält, sondern, weil er feucht ist. Die ntkotinfreie Zigarre ist nicht deshalb leicht, weil sie wenig Nikotin enthält, sie enthält mehr Nikotin als die Havanna, sondern deshalb, weil sie wie Stroh verbrennt, d. h. weil sie sehr los« ge- wickelt ist. Brennt eine Zigarre schief, oder srißt sich die Glut im Innern der Zigarre fort, um mehr der abgeschnittenen Spitze zu das Deckblatt unerwartet durchzubrennen, so wirkt sie als schwere Zigarre ganz unabhängig von ihrem Nikotingehalt. Allein oder doch vornehmlich der Verbrennungsprozeß erklärt uns die sonst unverständlichen Widersprüche und Rätsel der Schwere und Inten» sität der Gistwirkung eines Tabaks. Die wissenschasllichen Versuche. soweit sie sich aus objektive Methoden stützten, haben den Fehler, daß sie den Raucher nicht imitieren. Wenn ich eine Zigarre durch eine gleichmäßig saugende Apparatur verbrenne, so ist auch der Verbrennungsprozeh ein gleichmäßiger, d. h. die Gewohnhett des Rauchers, periodisch den Brand zu verstärken, um ihn immer wieder durch Absetzen der Zigarre zu reduzieren, wird nicht nachgeahmt. Keineswegs will ich bezweifeln, daß die chronische Nikotin- Vergiftung tatsächlich eine Nikotinvergiftung Ist. Die Symptome dieser Erkrankung sind spezifisch. Die akute Rauchvergiftung ähnelt klinisch der Kohlenoxydvergiflung und steht in keinem Nachweis» baren Verhältnis zu dem Nikotingehalt, ja, sie pflegt in gleicher Schwere und unter denselben Symptomen einzutreten und zu ver- laufen, auch wenn das Rauchmaterial überhaupt keinen Tabak ent- hält. Die oben gegebene Hypothese erklärt es auch, warum die „Schnupfer", die Tabak und damit Nikotin unmittelbar auf die empfindlichsten Schleimhäute bringen, trotzdem keine NIkotinver- gistung bekommen. Alle Strafbestimmungen kirchlicher und weltlicher Mächte gegen den Tabak blieben erfolglos, so daß man sich schließlich resigniert wie bei anderen Luxus- und Genußmitteln dieser Gewohnheit be- diente, um für den Staat durch immer höher« Besteuerung etwas herauszuschlagen. Trotzdem aber wurde der Tabakkonsum nicht eingeschränkt. So wird der Raucher wahrscheinlich auch In Zukunft weiter rauchen. Diese kleine Abhandlung kann Ihm daher von Nutzen sein, da er die Schädigungen und die subsektiven Beschwerden verringern kann, wenn er dafür sorgt, daß das Rauchmaterial gut brennt und die Zigarre Lust hat. So wird für ihn in der Praxis der Streit bedeutungslos sein, ob er durch Beachtung der hier ent» wickelten Regeln die Wirkung des Nikotins vermindert oder ein« Kohlenoxydoergiftung vermeidet. vie Stiefel. Endlich schien ihnen die Erkenntnis des Lebens aufgedäm- mert zu sein. Der eine der Freunde, der in der Wahl seiner Eltern Vor» ficht hatte walten lassen, nahm eine pfiffige Miene an und ent- schied:„Das Leben ist nichts anderes als ein Paar aus- getretener Schuhe. Sachte und weich gleitet man in ste hinein und schlurft nun behaglich in ihnen herum. Nirgends ein Widerstand. Immer und wieder geben sie nach allen Seiten nach. Gott, es ist so bequem!" Der andere jedoch behauptete mißmutig:„Ich finde da- gegen, daß das Leben eher engklemmenden Schnürstiefeln gleicht, die jede freie Bewegung behindern, oder auch Knöpfet- schuhen, in denen man bei jedem Tritt gepeinigt den Druck jedes einzelnen Knopfes verspürt." Nun gab der Dritte seine Meinung ab:„Ihr habt beide Recht, aber nur miteinander. Denn Eure zwei Paar Stiefel zusammen scheinen mir erst das Leben zu ergeben: mal ist e« so, mal so." Da kam ein kleiner Junge des Weges gelaufen, der war barfüßig. Sie starrten ihm fassungslos nach und behielten die Ergründung des Lebens einem späteren Zeitpunkte vor. Rud.Iul.Lehn«r. Mutter Erde! Du plagst Dich ab. die Mäuler Deiner Sinder zu stopfen, aber Nahrung ist rar. Dt« Gabe der Areude, die Du für un» hast, ist niemal, vollkommen. Da» Spielzeug, da» Du für Deine Sinder machst, ist zerbrechlich. Du kannst nicht alle unfre hungrigen Hoffnungen sättigen, aber sollt« ich Dich darum verlosten? Dein Lächeln, da» verschattet ist vom Schmerz, ist meinen Augen füh. Dein« Liebe, die keine Erfüllung kenn», ist meinem Herzen»euer. An» Deiner Brust hast Du un» genährt mit Leben, aber nicht mit Ansterblichtei«, darum find Deine Augen immer fchlaflo». Seit Menschenoltern arbeitest Du mit Farbe und Lied, und doch ist Dein Himmel noch nicht gebaut, nur eine trübe Ahnung von ihm. Aeber Deinen Schöpfungen der Schönheit liegt der Aebel von Tränen. Ich will meine Lieder in Dein stummes Herz gießen und meine Liebe in Deine Liebe. Ich will Dich anbete« mit Arbeit. Ich habe Dein zarte» Antlitz gesehen, nnd ich Neb« Deinen traurigen Staub, Mutter Erde. Rnbindranath Tagore. ».Der Gärtner", Verlag Kurt Wolfs.) Der Mäma'ist. Von Paul Gutmann. .AlleS nur Menschen' nennt P»ul Gutniann eine Sammlung seiner meisterlichen tleinen Geschichten aus der Zeit, van denen einige unsere Leser zuerst ersreut haben lVerlag Chr. Andrö, Berlin W. 15). Der Titel gibt wirNich einmal den gemeinsamen Grundzug der Erzählungen: Sie sind aus die Schwächen und Torheiten der Zeit in den verschiedenen Ton- arten des Humors und der Ironie eingestellt, sie wollen zum Lächeln erziehen und lassen in allein Spott immer noch Mensch« lichlcit spüren. Eine heitere Probe mag das Buch empsehlen Meine Frau war gerade im Begriff, Rolf Dieter, unlern Jung- sten, trocken zu legen, als mein Freund Birnenbaum, der futuristische Dichter, ins Zimmer trat. Mit der unbeirrbaren seelischen Erhaben« heit de» geborenen Futuristen betrachtete er den Vorgang, aller- dings etwas von weitem, und äußerte fich sehr befriedigt über den koloristisch-linearen Reiz des Bildes. .Phöben Sie kleine Kinder gern?" fragte ihn meine Frau. Seine Züge verzogen fich zu einem verächtlichen Grinsen: „Man könnte mich ebensogut fragen, ob ich Liebesgedichle mache." „Meine Frau wollte Dich nicht beleidigen," lenkte Ich ein. „Ich weih, aber es ist traurig, daß die Menge immer noch nicht begreift, wie tief die Natur"— er schüttelte fich vor Ekel—„unter dem Künstter steht. Natur— ein Begriff für Dienstmädchen und Schuljungen, fich daran zu begeistern. Für uns ein gleichgültiger Stoff, den wir verschlingen, wie die Raup« die Blätter vom Maul- beerbaum, aus denen ste Seide spinnt. Aus diesem Kind hier würde «in Kitschdichter, wie die Welt fie bisher gesehen hat, einen„Engel" — hahaha eine schöne Abstraktion— zurechtsingern. Ich verdaue es, und so entsteht ein rhythmischer Komplex von Farben und For- men, dem Gebärungsvorgang des Chaos vergleichbar, ätherische Ge- bilde schassend, eine gewollte Natur über der gemeinen des Zufalls." In diesem Augenblick stimmte Heinrich Otto, unser Aeltester, in feinem Bett mit durchdringender Kehl« seinen gewohnten Triumph- gesang an: „Nicke, nocke, hottatä, hähä, HSHä." „Was war das?" schrie in rasender Ekstase Birnenbaum.„Ur- kaute der Menschheit enttingen fich der noch nicht verunstalteten Seele de» Kindes." Meine Frau und Ich lächelten. „Das ist sein alltägllches Kindergeplärr. Sei still, Bengel," rief ich mit entfchlofiener Gebärde. Der Futurist wehrte ab. Er lauschte wie einer Offenbarung. „Alle Sprache ist erbärmlich dagegen. Hier, hier formen fich die Urlaute, die die Sprache nachher verstümmelt hat. Nur das Dualla oder das Herero, in das ich hineingeblickt habe, besitzen noch den Reiz dieser naiven Klänge. Die Sprache hat die Dichtung ver- darben." Und als Heinrich Otto gewahr wurde, wie man ihn beachtete, sprang er In die Höh« und berauschte fich an seinem gewohnten Kauderwelsch: „Manakariri, manapa, lalakaka, bunubanalake." Er wälzte fich vor Freude. Dem Futuristen traten die Tränen in die Augen. „Sie Ursprache," stammelte er dankbar. Ich ging an Heinrich Otto» Bett, um ihn zur Ruhe zu bringen. Als ich In fein« Nähe kam, streichelte er mich begütigend mit den Worten: Birnenbaum fragte atemlos:„Was hat er gesogt?" „Er drückt mir seine Zärttichteit aus, indem er mich mit den Namen seiner Lieblingsgegenstände, womit er spielt, einem Bogel und einem Schäfchen, benennt." „Nagele M ä m ä," hauchte Birne.ibaum.„Mämäl" Hier haben wir das Gefühl, den Urzustand der Seele, statt des gemeinen, abstrakten Wortbegriffs. Was ist das Wort„Vater" dagegen. Nur der Naturlaut ist das Wahre. Er ist der chaotische Stoff, da« Seelenelement, woraus die Zufälligkeit der Sprache, der widerlichen alltäglichen Sprache, entstanden ist. Ich habe jetzt die Dichtung de» Naturlautes entdeckt." Und der Futurist Birnenbaum ging hin und gründete, angeregt von meinem zweijährigen Sohn Heinrich Otto, die übersuturistisch« Schule des„Mämäismus". Gerü Trute. Wir lebten noch unterm Sozialistengesetz. Damals war es noch gefahrvoll, Sozialdemokrat zu sein; war man aber gar Partcisunl- tionär, so hatte man gegründete Aussicht, polizeilicher Aufmerksam» keit zu versallen. Mein Stiefvater war lange Jahre Parteikassierer an der Unterweser. Was damals polizeiliche Schitone zu bedeuten hatte, davon weiß ich manch Stücklein zu erzählen. Ganz besondere Aufmerksamkeit wurde der von meinem Stiefvater verwalleten so» zialistischen Vereinskasse von der heiligen Hermandad gewidmet. Ja, diese dreimal verflixte Sozikassel Die hat den armen Schutzleuten manche schlaflose Nacht bereitet. Eine davon ist mir in guter Er« innerung. Bei all den vielen Haussuchungen in meiner elterlichen Wohnung war den haussuchenden Sbirren außer einem Exemplar des„Wahren Jakob" noch nichts in die Hände gefallen. Das Lesen des„Wabren Jakob" konnte allerdings in jenen Zeiten auch schon recht verhäng- nisooll werden: doch die„Obrigkeit" wollte nun einmal gerne die Kasse haben. Während die Polizei bisher noch Immer am Tage Haussuchung gehalten hatte, versuchte sie es zur Abwechslung ein- mal nachts. Bei dieser nächtlichen Schnüffelei mußte meine Mutter mich, der ich damals am Keuchhusten ertrankt war, aus dem Bett heben, und dann wurde mein Bett gründlichst untersucht; ebenso die Betten meiner Eltern und Brüder. Gesunden wurde aber auch dabei nichts. Und wo war die Kasse? Die hatte meines Baters ver» trautester Genosse, Gerd Trute, in unserem Hose unter meinem Kaninchenstall vergraben, und selbst mein Stiesvater konnte dem die Haussuchung leitenden Pollzeikommisfar Fluppenjnut mtt bestem Gewisten versichern, daß er nicht wijje, wo sich die Kasse befinde, während der bei uns wohnende und ebenfalls durchsuchte Genoff« Trute nur mit Mühe das Lachen verbeißen tonnte. Die Polizei zog ohne Erfolg von bannen. Beim Abschied tonnte sich der Schutzmann Eichler die bissige Bemerkung nicht verkneifen:„Na, denn da» nächst« Mol. Kriegen tun wir die Kaffe doch!" Worauf Gert Trute prompt erwiderte:„Kann sein, kann auch nicht seinl" Und wieder einmal wurde das Sehnen nach dem schnöden Mammon der-stsf- Sozi bei der Polizei so stark, daß fie eine Haus» suchung bei un» abhielt. Nun nahm Gerd Trute jede Nacht dl« Kasse mit in sein Bett,— er schlief auf dem Gelde wie der Drache Fafnir auf dem Nibelungenhort—, und konnte infolgedessen die Kasse auch am besten in Sicherheit bringen. Denn bei uns suchten die Behelmten doch zuerst. Verweile hatte Gerd Trute sein Zimmer- senster leise geöffnet, die Kaffette draußen aufs Fenfterfims gestellt, das Fenster wieder geschlossen und das Roleaux wieder runter» gelassen. Dann kam er In oller Seelenruhe zu uns rüber und ver- ständigte sich mit meinem Stiefvater durch fein allezeit lustiges Blinzeln. Vater Staat konnte sich wieder mal den Mund wischen. Ach ja,'» war damals doch so eine eigene Sache, eine Parteikasse zu betreuen. Die heutigen Parteikasfiercr haben'» doch ein ganz Teil besser. Und dieser grundehrliche Genoffe Gerd Trute, wer war er? Er war zwei Jahre zuvor aus Dresden„als lästiger Ausländer" au» dem Königreich Sachsen landesverwiesen— Trute war Bremer—> weil er durch eifrigste Agitation der elbathenischen Polizei miß» liebig geworden war. In bitterster Winterkälte kam er mit dem „Berliner" auf dem Rücken bei uns zugewandert und bat meinen Stiesvater um Rat und Hilfe, nachdem er sich als gemaßregelter Genosse legitimiert hatte. Mein Stiefvater brachte ihn, der gelernter Dreher war, bei der Maschinenbauerei des Norddeutschen Lloyd in Bremerhaven unter; Obdach und Kost gab ihm unser« liebe Mutter, die gleich dem Vater in ihm den treuen Genossen ehrte. Und wir haben nie einen lieberen und treueren Hausgenossen als ihn gehabt. Trotz des bitteren Elends, das dieser aus innerster Ueberzeugung treue Mann durchmachte, war er nicht verbittert geworden. Allezeit lustig und stillvergnügt, wurde er Vild meines Stiefvaters Vertrauter und seine rechte Hand bei allen Partei- und Verband»» trauensleuten aus Landagttatioii in heiliger Treue bemüht, das Licht wahrer Aufklärung auch In die entlegensten Knechtstuben und Tage- ßShnerdlltten zu bringen. Auf ferner letzten Agitationstour wurde er in einein Flecken «m der Oste bei einer Flugblattverteilung arretiert und mutzte zwei Tag« in-einem ungeheizten Gefängnis zubringen. Dadurch erkrankte «r an der Lunge und siechte innerhalb eines halben Jahres dahin. An seinem Grab« sangen seine Genossen vom Arbettergesangverein: „Fluch dem, der seinen Etdschwur brichtl" Es war sein Lieb- Ungslied. Die Partei war dem Unverheirateten sein ein und alle» gewesen. Seine eine grotze Liebe war der Befreiungskampf des Proletariats, an dessen Sieg er glaubte. W.B. Wissen unö Schauen Schmutzfink und Schweinehund. Jeder kennt diese beiden Aus- brücke, die man, in wenig liebenswürdigem Sinn, im Volksmund oft genug hören kann. Sie klingen allerdings auch nicht sehr schön, aber näher betrachtet, ist ihre Bedeutung doch nicht allzu schlimm, denn olle beide bezeichnen im Grunde genommen ganz gute und nützliche Tiere. Der Schmutzfink ist nichts anderes als unser Buchfink, der bekannte und liebliche Frllhlingssänger, der uns sogar mitten in der Großstadt seine Liebeslieder vorjubelt. Außer seinen Ltebesgesängen kann man vom Buchsink aber auch noch einige andere Singlaute hören, und zwar vor allem einen ganz charakteristischen Ruf, der sich in der Regel auf einen einzigen hohen Ton beschränkt und nur durch kurze Pausen unterbrochen ist. Landleute haben nun zu erkennen geglaubt, daß, so oft der Fink diesen Ruf ertönen läßt, Regenwetter, also schmutziges Wetter Im Anzüge ist. Auf diese Weise wurde denn der Buchfink, sobald man seinen Wetterruf vernahm, zum Schmutz- sink. Wer ihm einmal zugesehen hat, wie sorgfältig er mit dein Schnabel sein Gefieder zurech tstreicht und glättet, der wird ihn sicher nicht inehr für einen„Schmutzfinken" halten. Als ebenso harmlos entpuppt sich auch der Schweinehund, wenn wir seinem Ursprung nachgehen. Im frühen Mittelalter, als die Jagd, trotz der strengen burgundischen und alemanischcn Gesetze, doch noch »leinlich„wild betrieben wurde, hatte nian gleichwohl schon recht brauchbare Jagdhunde herangezogen! denn die Deutschen liebten von jeher das Jagen in Wald und Busch über alles. In ven alemanischen Gesetzbüchern jener Zeit sind nun verschiedene Hunde verzeichnet, wie z. B. Leit-, Trieb- und Spürhunde, die alle zur Jagd verwendet wurden, darunter auch ein sogenannter Biberhund, der unter der Erde jagte— unser heutiger Dachsbund—, und endlich auch der Schweinehund, der bei der Eberjagd Verwendung fand, dem ae- legentltch aber auch die Hut der Viehherden übertragen war. Dieser Schweinehund, auch Saurüde genannt, vermutlich eine Art Bullen- bettzer, kostete bei den Alemanen drei Schillinge, gehörte also immer- hin zu den geschätzten Jagdhunden. Somit ist also selbst ein Schweinehund kein niedriges Geschöpf, sondern im Gegenteil ein be- sonders früher oft verwendetes Nutztier. Naturwissenschast Tiere, die Werkzeuge benutzen. Die Verwendung eines selbstän- dtgen Werkzeuges für eine bestiinrnte Arbeit ist eigentlich eine Eigenart des menschlichen.Schaffens, das sich damit über die Tätigkeit der Tiere erhob. Aber e» gibt doch auch verschiedene merkwürdige Fälle von Werkzeugbenutzung bei Tieren, die Ludwig Armbruster in den „Naturwissenschaften" zusammenstellt. So wird uns z. B. von einem japanischen Rotgestchtaffen des Berl.ner Zoo erzählt, datz dieser ■Jedenfalls dank der leuchtenden Vorbilder unserer Jugend ganz famos mit Sand und Steinen werfen konnte wie ein Straßenjunge'. Aehnliches hat man auch beim Pavian und anderen Affen festgestellt. An einem alten Gorillamünnchen bevbachete man, daß es abgerissene grüne Zweige als Fliegenwedel benutzte. Kapuzineraffen„knacken" nicht selten ihre Nüsse mit Hilse von Steinen aus. Unter den niedri- geren Tieren sind es hauptsächlich die Insekten, und zwar die Haut- flügser mit ihren hohen psychischen Eigenschaften, von denen Wert- zeugoebrauch gemeldet wird So kleben die Weberameisen beim Nest- bau vl? Blätter mit Spinnsekreten zusammen und benutzen hierfür ihr? eigenen Larven als„Spinnrocken und zugleich Weberschiffchen". Sohs?n hat man bei der Wespe Ammophila eine eigenartige Be- »utzrmg von Instrumenten gesehen.„Wenn die Wespe mit der Aus- jchaa�mg ihres Nestes fertig war," berichtet darüber Peckham, „stellt? sie sich mit ihren vier Hinterfüßen über den Eingang und kratzte mit den Borderbeinen außerordentlich rasch den Staub nach hinten, bis die Höhle ausgefüllt war: danach holte sie sich in den Mandlbien ei» Steinche» von etwa 3 Millimeter Durchmesser und fuhr damit über die Oberfläch« des Bodens." Die Werkzeuge, die die Tiere gebrauchen, sind ihnen durch andere Instinkte bereits„in die Hand gegeben". Der Gorilla, der den Zweig zun» Fliegenwedel ge- braucht, hat die Artgewohnheit, Zlvetge abzureißen und beim Nest- bau zu verwenden: der Kapuzineraffe, der mit Steinen Nüsse auf- knackt, hat die Artgewohnheit, die mannigfachsten Gegenstände zum Bektopfeii zu gebrauchen. So ist es auch Gewohnheit vieler Tiere, Steine. Sand, Wasser usw. zu Bau-»nid Berteidigiingszwecken z» schar» en oder zu schleudern, und die Larven, die die Ameisen als „Spinnrocken" verwenden, werden von ihnen häuf-g gewandt und andauernd heri«nßi?»ragen. Physiker immer wieder der Frage nach, öb das Licht nicht nur bewegbare, sondern auch eine wägbare Strahlung sei. Wäre dies der Fall, so müßte ein leuchtender Körper mit der Zeit an Ge» wicht verlieren, d. h. es müßte im Leuchworgang allmählich ein Teil seiner Materie verbraucht werden. In der„Natur" werden neuerdings Versuche mitgeteilt, die nach dieser Richtung»nit modern gebauten Metallfadenlampen angestellt worden sind. Bekanntüch bildet sich auf der Innenseite der Birnengläser nach längerer Brenn, dauer ein dünner dunkler Beschlag: er ist ein Beweis dafür, daß während des Brennens, vielleicht durch das Verdampfen, feine Teil- che» von Metallfäden abgerissen werden. Wäre es da nicht möglich, daß außer diesen relativ groben Partikelchen noch sehr viel feinere Atomteile weggesprengt werde»», welche wesentlich am Zustande« kommen der Lichterschetnung beteiligt sind und die Glaswand etwa ebenso durchdringen, wie die Teilchen der Kathodenstrahlen das Alumtniumfenster einer Kathodenröhre? Jedenfalls war diese Frage mit den sorgfältigsten Mitteln zu prüfen: Eine LZkcrzige vsram» lampe blieb unter Anwendung aller Vorsichtsmaßregeln, die den geringsten Abgang wägbaren Stoffes hätten airzeigen müssen, 21 Tage und Nächte ununterbrochen in Tätigkeit. Aber der Strah- lungsoerlust erfolgte ohne nachweisbaren Gewichtsoerlust, so daß die Erfindung noch bedeutend feinerer Werkzeuge abgewartet wer- den muß, bevor die Frage nach der Wägbarkeit des Lichts beant- wartet werden kann. �UZpkSflUli� Urgeschichte Eine vorgeschichtliche Aexlesabrik. Daß das Steinzeitalter schon große Fabritanlagen gekannt hat, in denen Tausende von steinernen Geräten angefertigt wurden und aus denen sich vorgeschichtliche Menschen in»veitem Uinkrels mit ihren Arbeitswcrkzeugen versahen, beweist ein hochbedeutsamer Fund in England, der in den wissen« schaftltchen Kreisen das größte Interesse erregt. Der Prähistoriker S. Hazzledine Warren entdeckte durch Zufall am Abhang eines Berges in Earnarvonshire Spuren steinzeitlicher Aexte und legt» dann in sorgfältigen Ausgrabungsarbeiten eine vorgeschichtliche Fabrik frei, die sich über ein Gelände von inehr als hlindert. Hektar ausdehnte. Man stieß auch auf Spnren von Anlagen, in denen »vohl die Verfertiger der Aexte gewohnt haben mögen. Man hat bereits einzelne Fabrikate dieser großen prähistorischen Anlage in zieinlich weit entfernten Gegenden gefunden, und so besteht kein Zweifel, daß solche großen steinzeitlichen Fabrikanlagen weithin be- kannt waren und daß die Urmenschen von überallher herbeikamen, um hier die Geräte zu erwerben, die sie brauchten. Bei den Aus- grabungen wurden viele Tausende von Steinäxten in den verschiedensten Zuständen de? Fertigstellung und in den verschieden- sten Formen gefunden. Manche waren ganz roh gearbeitet und ähnelten den Feuersteinwertzeuge» der frühesten Perioden der Steinzeit, während andere Aexte sorgfältig geglättet und verziert waren und den Stil der jüngeren Steinzeit erkennen ließen.„Wir fanden nun auch viele Aexte," berichtet Warren,„die augenscheinlich vollständig fertig gearbeitet waren, aber bei dem letzten Probeschlag. den man mit ihnen ausführte, zerbrachen. Man kann sich die Wut der vorgeschichtlichen Menschen vorstellen, wenn sie nach Tagen ge- duldtger Arbeit mit einer Axt fertig zu sein glaubten und nun beim ersten Schlage sich die Unbrauchbarkeit ihres Fabrikats her- ausstellte." Wpk�klnW öiichertisch Zur Gesihichle der Hausfrau. Im Volksvereins-Verlag Mllnchen-Gladbach hat Margarete Weinberg ein Buch mit dem Titel:„Die Hausfrau in der deutschen Vergangen- hett und Gegenwort" erscheinen lassen, das soivohl»vegen seine» gediegenen Inhalts wie»vegen seiner guten lebendigen Form Beachturig verdient. Im Anfangskapitel behandelt die Ver- fasserin die hauswirtschoftlichen Verhältnisse im Leben von Ur- menschen und Naturvölkern. Die Frau, die durchaus nicht von An- fang an die gesamte Hauswirtschaft in den Händen hält, hat im Laufe der Zeit den Anspruch aus ihr eigentliches Arbeitsgebiet sich durch eine Reihe wichtiger Ersinoungen erworben. Als Erfinderin des Ackerbaus, der Kochkunst, deren Erfindung der des Ackerbau» vorausgegangen sein muß, der Töpferei hat die Frau den Typus der„produktiven Arbeit" geschaffen, wie die Verfasserin sagt, gegen- über der bloß aneignenden Tätigkeit des Mannes, der im wesent» liche»»nit Einfangen kleinerer und Erjagen größerer Tiere beschäf- tigt ist. Die These ist sicherlich interesiant und stir das Wirtschaft- liche Gebiet zutrefsend, doch darf»nan»vohl nicht dem Mann der primitiven Zeit jede„produktive Arbeit" aujzerhalb der wirtschaftlichen Tätigkeit absprechen, da er ja als primitiver Künstler und Graphiter produktiv ist. In den Gestalte» germanischer Göttinnen »verde»» hausfrauliche Züge gefunden: Frau Holle, deren strenge Ordnungsliebe sich auch um den Küchenzettel bekiimmert.»vacht dar- über, daß man an bestimmten Tagen die ihr gerveihten Speisen ver- zehrt. Dos Buch behandelt weiter die deutsche Hausfrau im Mittelalter, im Zeitalter der Reformatio», in der Alainodc- und Ans- klärungszeit, im Zeitalter der Technik und des Verkehrs und in der Gegrnvart. Auf einem unaufdringlich deutlich gemachten kultur- historischen Hintergrur.d»verde» die stets neu sich gestaltenden hausfraulichen Probleme unterhaltsan» erörtert. ll. L.