Hümme* 43 Y. Juni 1921 _ �___ ilneerhaltungsbeLlage öes vorwärts <)jc> der Ausblick. Arbeiter, hebt voa Werk«ad Rah da» Haupt empor zu einer Tat. die Große« und Erhabnes birgt uad w die Zeil und Ferne wirkt. Schiebt fort der Werkstatt graue Wand. die euch in enger hast umspannt und schaut die Brüder ungezählt gleich euch zertrete« und zerquält. Und lest au« jedem Bruderblick. den Mut zu ändern da» Geschick uad hört, wie jede» herz ausschreit: Ist noch nicht kommen unsre Zeit? And fühlt dann kühn und froh erschreckt. wie sich in euch der Riese reckt au» Rot und Rächt zum Licht empor anklopfend an ein goldnes Tor. ____ tu f« u« P e tzolb. der Teppich. Von Wilhelm Schar r«lma««. Mein Freund Lelstenberger besitzt unter den tausend Kostbar« teiten setner Wohnung einen Teppich, den man nur wie ein heilig- tum betrachten kann. Es ist«in alter Gebetsteppich au» Iran. Ich habe wenig Anlage zum Neid, aber um den Teppich könnte ich Letftenbergern beneiden. Er hat Farben, die einem in«inen Zustand feierlicher Nuh« und gehaltener Beschwingtheit versetzen. Da ist ein Rot. da» tief ist und brennend und sich doch nicht auf« drängt, und von einer vornehmen Zurückhaltung ist und bei alker Glut wie ausgelischt erscheint,— wie«In« Liebe, die stark ist in ihrer Leidenschast und doch beiseite treten kann und schjpeigen und lächeln. Rein, man kann über Farben nicht reden. Wenn man den Teppich betrachtet, weiß man, daß er«in« De- schichte hat. Man erlebt Visionen von ihm, so zu sagen. Da ist«Ine Hütte, eine schmutzig« gelbe Hütte au» Lehmziegeln, halb versallen. Der Fußboden ist uneden und längst schadhaft g«- worden, ein Estrich au« gestampfter Erde, und so häßlich und un- ordentlich, wie der ganze Bau. Aber«in Webstuhl steht darin mit einem Gewirr von roten, blauen, braunen und grünen Fäden au» weicher Kaschmirwolle, locker und schimmernd wie Seid«. Und eln Mädchen ist da. das schwarzhaarig ist und Augen hat. in denen da» Weiße bläulich ist und wie ein Opal schimmert, und wenn sie sich bewegt und die Fäden verknüpft, die In verwirrender Fülle vor ihr ausgespannt sind, sieht man, wo» für feine Gelenke die Hände besitzea und wie sein der Nacken den gebeugten Kops trägt, den sie über die Arbeit bückt. Zigarre oder Zigarette?" fragt Leistenberger. Leistenberger» Zigarren sind Kostbarkeiten, wie alle», wa» einen hier umgibt, und ich lasse mich nicht gerade ungern auffordern. Nur— die Perserin mit den wunderbaren Augen und den feinen Handknocheln ist darüber weg. Aber dann geht das Gespräch weiter, und Leistenberger wendet sich wieder den übrigen Besuchern zu. und ich bin ihm dankbar, daß alles andere ihn mehr interessiert, als was ich am End« zu sogen hätte, und kann wieder ungestört den Teppich betrachten, der wie ein Wunder aus Farbe meinem Stuhl gegenüber an der Wand hängt. Om-Bidschär heißt sie... Und jung ist sie, erst siebzehn Jahre. Und«tuen Liebsten hat sie, der Ziegenhirt ist und einen Namen hat, so klangvoll wie der eines Fürsten... Aber sie ist eifersüchtig auf ihn, denn da ist Lonai«, die am Eingang de« Dorfes wohnt und deren Vater mehr als stebzig Ziege« besitzt... O, Om-Bidschar muß achtgeben. Bonain ist falsch... falsch wie die Nacht... Aber ' wenn sie erst den Teppich fertig hak. wird sie ihn dem Händler ver- kaufen, der in Veramtn einen Basar unterhält und ihr einen ganzen Toman für den Teppich zugesagt hat... Einen ganzen Toman! Dann wird Om-Bidschar sich den Silbers chmuck lausen, der ihr so gut steht, das Halsgehänge und den Armreis... Und dann wird Ali ben Hassan Bonain nicht mehr ansehen uad ihr allein gehören, und sie wird selig sein... „Natürtichl" sagt Leistenberger und schlägt sich auf die Knie. daß ich zusammenfahre..Es ist ganz selbstverständlich, daß unsere Handelsbeziehungen mit Amerika—* Man stimmt ihm eifrig und allgemein zu— und ich kann sehen, ob Ich die hold« Om-Bidschar mit den bleichen Wangen und den großen dunklen Augen wieder erblick«... Ja, sie wird selig sein... Ihre Stirn, in der sich sedeemal, wenn st« an Bonain denkt, ein« Zornessalt« senkt, scharf wie der Schnitt eines Messers, glättet sich wieder, ihr Mund verzieht sich zu«inen» Lächeln, und sie beginnt zu trällern, leise wie ein Bogel zwltjch? et, wenn der Abend kommt. Wie sie so sitzt und wieder die bunten Fäden der Wolle durch ihre Hände gehen, kommt von der Gass« her eine alte Frau herein. Zahnlos und häßlich ist sie, häßlich wie die Sünde, und ihr« Haut ist so welk und braun wie die«wer Zigeunerin, dt« mit ihrer Bande siebzig Jahre durch Wind und Wetter wanderte. Aber ihr Haar ist noch immer blaujchwarz wie eine Rabenschwinge. „Spute dich. Täubchen," sagte sie...C» wird Abend. Hassan wird mit den Ziegen an ben Brunnen kommen und sich langweilen, wenn du nicht da bist... Geh'» mein Täubchen, geh'l" Da nimmt Om-Bidschar de» Tonkrug«ms die Schulter und geht und späht schon von weitem, ob er schon da ist, den sie liebt. Aber am Brunnen ist es noch still und einsam. Sie ist zu früh gekommen. Und doch nichtl Denn dort kommt auch Bonain schon und späht, wie Om-Bidschar spähte, und zieht spöili'ch die Lippe hoch, als sie un- vermutet die Rivalin erblickt. Aber Om-Bidschar ist zu stolz, ihr nur das kleinst« Wort zu sagen, mag sie immer beginnen, was sie will. Die aber wiegt sich in den Hüsten und trällernd beginnt sie ein Lied, das Om-Bidschar das Blut ins Gesicht peitscht: „Fond k»er Täuber eine Taube, Schön und schwarz, die Federn dicht... • Ließ sein Nest er. sucht die ein«, Hielt ihn alt« Treue nicht..." Da» ist zuviel für Om-Bidschar... Ihr« Augen funkeln und ihre Gestalt strafft sich. .Falsche," schreit fie, und springt auf, wie eine Katze vom Boden emporschnellt. „Sei doch nicht so stumplsinnig." jagt Leistenberger und schlägt mir aus die Schulter.„Du sitzt wirklich den ganzen Abend da, al» wärest du über dir Quadratur des Kreises gerate«. Komm', Müller und Lehmann suchen den dritten Mann zum Skatt" Ich bewundere Leistenberger. Ab« noch mehr beneide ich ihn,— wenn auch nur um den Teppich.... Ehe. Sau« R« I m a n n hat eine SauimlunS„Ttichstsche WinialHren* im««rla«„D»r Drache", herausgezeben, l« ber er die besonder« sächsische Spiesiigkeit aufsvicsit. Mann und Frau faulenzen auf dem Schässelongk. ist am Einschlafen. Die Frau wird von Halbträumen umfangen. Eine Fliege summt. Di« Glocken einer sernen Kirche baumeln. Der Mann Cm Mann Schzi,»Skelt flch; fragt?„Sinn da» Kluckn?* Die Frau horcht; antwortet:„Das sinn doch geene Klockn. Das tss enne gliefche.*' ..Unsinn. Das iff doch geene Fliej«. Da» sinn Klockn.' �Do- iss enne Flielchki" „Das sinn Klocknl" Beide horchen. Der Mann:„Nu nadierlich sinn das Klockn. Warum laudn denn die?' Die Frau:„Ich gönn doch Klockn von ennr Fliesche undrscheidn! Ich Heere geene Klockn. Das iss enne Fliesche.' „Das sinn Klocknl" «Wenn ich dr saache, es iss enne Flieschel' „chärrcgodd, das sinn Klocknl Das iss doch geene Fliese.' „Das iss enne Flieschel' „Das sinn Klocknl' „Na da bleib bei dein Klocknl' „Sowas Dähmlichesl Ich bin doch nich verriggd. Radierlich sinn das Klockn. Ganz deidlichl' „Das iss enne Flieschel" „Wo ich genau die eenzeln Klockn raushcerel' „Was du nich alles sördj bringsdl Ich Heere bloß enne Fliesche. Warum soUn dnn jädz de Klockn lcidn?" „Nu, das mechds ähm gärne wissnIII' «De ganndsj drufs srlass»: das iss enne Flieschel" Beide horchen. Die Glocken haben ausgehört zu summen. Auch die Fliege läutet nicht mehr. Der Mann denkt:„Dieses Rhino, dieses eeglhossde. So machd dl«« nuh jehdn Daach. Bei jehdr Gelähjnheed. Zum Auswachsn. Enne Fliese. Lachhassd. Awwr da gann se niemand droon abbring. Siss ähm enne Fliese. Das Roj�. Unn wenn die Klockn hier in dr Cchduhwe vor ihrer Nase leidn dähdn: nee, siss ähm enne Fliese. Allwrn. Nunnadicrlich wahrn das Klockn. Was dnn sonsd. Mir einschdreidn zu wolln, daß das enne Fliese war. Dieses Rhino.. — Er schläst ein. Die Frau denkt:„Wenn das nich zusällij mei Mann wäre, ich genndn puchn, das Heisährd. Eegat rächd Hamm mufjr. Alles bessr wissn. Ich Heere deidlich die Fliesche suinm: nee, sinn ähm Klockn. Da gainmr saachn, was mr will: sinn ähm Klockn. Iädzd, um d i e Zeid Klockn. Das Gamehl. Unn das iss jehdn Daach so. Das Schas. Jehdn Daach so...'— Sie schiäst ein. Beide schluinmcrn. L i e träumt von einer Fliege, die hoch aus dem Kirchturm ge- läutet wird. E r träumt von Glocken, die ihm übers Gesicht krabbeln. Ganz leise sängt die Fliege wieder an zu summen. E» klingt wie sernes Glockenläuten. Ein Manzenftoffals verwanölunKskünstler (Papier, Schießbaumwolle, Zelluloid, Kollodium, Kunstseide und chossmannstropsen.) Bon Eduard Oppel. Die Zellulose ist einer der am meisten verbreiteten Stoffe, die feste Substanz der Zellwand. In zwei Formen tritt sie aus, als gewöhnliche und als Pilzzellulose. Diese sindet sich nur in Pilzen und Flechten-vor, jene beherrscht das ganze übrige Pflanzenreich. Die Zellulose zählt nach ihrer chemischen Zusammensetzung zu den Kohlehydraten. Im fortschreitenden Alter und Wachstum der Pflanzen häuft sie sich in den sestcren Organen, in den Stengeln und im holze an, wo si» zarte, durch harz fest miteinander verklebte göscrchen bildet. Gewisfe Fäulnisbalterien zersetzen dieses harz und nach kräf- ligem Auskochen der Fasern erhält man schließlich harzreine Zellu- lose. Ein einfaches Experiment veranschaulicht uns hierbei in primi- tiver Weife die P a p i c r f a b r i k a t i o n. Man wirft den nassen Zellstossbrei über ein Sieb, das Wasser läuft ab und zurück bleibt ein einfaches häutchen aus Zellulofefafern, das— auf besondere Art wieder geleimt— im trockenen Zustande ein Blatt Papier ist. Die Ehinesen haben in dieser Form aus die einsochste Weise Papier her- gestellt. Araber brachten das Verfahren nach Deutschland, wo in Nürnberg Anno 1390 die erste deutsch« Papiermühl« ihren Betrieb eröfsnete. Lange Zeit wurde dann ausschließlich aus Lumpen, die ja selbst aus Zellulose bestehen, Papier gemacht. Aber schließlich reichten die Lumpen nicht au«, und man sann auf Mittel, Zellstoff in großen Mengen z» erhalten, zumal als nach der Erfindung der Buch- druckerkunft der Papicrbedars ins Ungemessene stieg. Völker ließ 1846 als erster holz— die feste Masse der Gewächse ist ja in der Hauptsache Zellstoff—. von Schleifsteinen zermahlcn. Nach und nach kam das Kochen von holz«nie? Beigade von Aehnatron st» Schwung. Das chemische Mittel löste die Harzbestandteile, ohne die Zellulose zu versehrcn. Ein Mcnschenalter später fand man. da» saurer schwefelsaurer Kalk das beste Zersetzungsmittel war und mit Ihm verkochtes holz ein« vorzügliche langfaserige Sulfitzeliulose tx* gab. Seit 1903 werden aus dieser feinen Zellulose Gespinste her« gestellt, die einen Ersatz für Jute abgeben. Das Fabrikat, ein Erzeugnis moderner Popierfabrikation, ist durchaus dauerhaft und widerstandsfähig. Aus diesem Stoff gefertigte Säcke haben die wel- testen Reisen gemacht, wurden umgeladen und neugesüllt und waren trotzdem noch vollkommen gebrauchsfähig. Der Krieg hat die Ver- arbeitung von Zellulose in ungeahntem Umsange nötig gemocht, und jedermann kennt die außerordentlich mannigfaltige Verwendung de» Zellstoffs zu Wäschestücken, Röcken. Sosadecken, auch die Nesselsaser- stosfe sind ja nichts anderes als Zellulosesabrikate. Schon diese Beispiele illustrieren die ungeheure Bedeutung des von den Pflanzen gelieferten Rohmaterials für Industrie und Wissenschaft. Die Zell- stosfindustrie ist zu großer Blüte gelangt. Nachdem 1843 Friedrich Gottlob Keller die holzstosspapierbcreitung ermöglicht und sein Teil- Haber, der Direktor der Bautzener Papierfabrik, Heinrich Dölter, seine nach und nach bedeutsam verbesserte holzschleismaschin« gebaut hatte, erkannten die zahlreichen Kleinmüller in den wasser- und holzreichen Gebirgstälern sehr bald die große volkswirtschaftliche Bedeutung de» neuartigen Industrie und richteten ihre Betriebe auf die Zellstoff- ausdeute, die holzschleiferei und Papiersabrikation ein. Die Bedeutung der Zellulose steigt sozusagen mit ihrer weiteren � chemischen Veränderung. Baumwolle ist fast reine Zellulose. Der Chemiker Echönbein in Basel, der vor 80 Iahren das Ozon ent- deckt hat, stellte hunderte von Versuchen darüber an. wie sich alle möglichen Stoffe unter der Einwirkung stärkster Schwefel- und Salpetersäure verändern würden. So gab er auch die Baumwolle in ein Gemisch der beiden Säuren und warf sie sodann in Waste», um die Weiterwirkung der Säuren aufzuheben. Nach der Unter- suchung war die Baumwolle scheinbar gänzlich unverändert ge» blieben. Als ste aber trocken geworden war, entpuppte st« fich al» ein furchtbar heftig wirkendes Sprengmittel, dos die Kraft de» Schießpulver bei weitem übertraf. Die Technik bediente sich beim Bau der Bahn, die den Rhein entlang nach der Schweiz führen sollte, zur Durchtunnelung des„Idsteiner Klotz", eines Felsvor- jprungs im Süden Badens, zum ersten Male des neuen Spreng- mittels, und zwar mit gutem Erfolge. Bei der Herstellung de» Schießbaumwolle, wie man da» neue Sprengmittel nannte, kommt es vor allem darauf an, die Säuren vollkommen wieder au» den Fasern herouszumaschen. Gefchieht das nicht, so führt da« Wcitersressen der Ehemikalien zu einer Selbstentzündung. Da» mußten sehr bald die französische Regierung, die zu militärischen Zwecken 1600 Kitog-amm Schießbaumwolle hatte herstellen lassen, und die österrelchifche, die fast 6000 Zentner bei Wien aufgestapelt hatte, erfahren, denn be.de Vorräte flogen eines Tages infolge Selbstentzündung in die Luft und richteten schauerliche VerwüftuN- gfn an. Schon lang« aber wird das Sprengmittel ohne jede Ge- fahr hergestellt und ausbewahrt. Torpedos und Eeeminen wurden mit nasser Schteßbaumwelle gefüllt. Naße Schießbaumwolle ist, wie der englische Cprengstosstechntker Abel nachgewiesen hat, ung«» sährlich. Man kann sie mit einem Streichholz anbrennen, ohne dah sie explodKrti Da» leicht explodierende Knallquecksilber aber, di« Explosionsmosse der Zündhütchen, bringt auch nasse Echießbaum- wolle zur Explosion. hyatt hat vor etwa 4S Iahren entdeckt, daß mit Kampfer(ein Fünftel der Masse) vermähl.»« Schießbaumwolle, auf 120 Grad erhitzt, zu einem Brei zusammenschmilzt, der sich leicht in Forme» presten läßt. Den Brei kennen wir als Zelluloid, aus dem Kämme, Bälle, Epiegeldeckel. Uhrhülsen usw. hergestellt werde». Daß das Zelluloid außerordentlich leicht und heftig in Flammen aufgeht, ist bekannt und erinnert an di« Gefährlichkeit seiner hev- fünft. Brände von Zelluloidlagern sind gewöhnlich nicht zu löschen, da das rasend rasche Umsichgreifen der Feuerwellen jeden Rettung»- versuch aussch'ießt. Mit Schießbaumwolle und Zelluloid, Papier- und Etofserzeu» gung ist die Verwendbarkeit der Zellulose aber keineswegs«»schöpft. In Spiritus und Aether gelöste Schießbaumwolle gibt Kollo« d i u m, das als Verschtußmittel Neiner Wunden verwendet wird. Sprit und Aether verdunsten, und die Breimasse verhärtet zu einem kleinen Häutchen. Läßt man Kollodium durch austerordentlich fein« Glasröhrchen in Wasser laufen, so erhält man die von Carbonn«t erfundene Kunstseide, die sich durch einen besonderen, de» Naturseide fehlenden Glanz auszeichnet. Rein aufgelöst in einem Gemisch von Spiritus und Llether Hot schon im 18. Jahrhundert Pros, hoffmann in Halle die Schießbaumwolle als Medizin emp« sohlen. Die bekannten„h o s f m a n n s t r o p f e n' sind nicht» anderes und genießen heut» noch den Ruf eines Volksmittels. Kollodium durch gröbere Röhrchen getrieben ergibt eine verblüffende Imitation von Menschen- oder Roßhaar. ZZamtt sind»Inlge sndnfkrieNe und technkfche Anwerkung«» de? Zellulose skizzierte Aber auch In der sreien Natur, ohne Mitwirkung des Menschen, betätigt dieser Proteus unter den Pslanzenstosfen seine Berwandlungssähigkcit. In den Stämmen und Aesien der Kirsch-, Psloumen», Mandel- und Aprikosen- sowie in den Psirsichdäumen wird die Zellulose oft zu einer klebrigen bernpeinsarbenen Masse, dt« aus der Rinde hervorquillt, erhärtet und als Kirschgummi lZerastn) bekannt ist. Aus den Stämmen einiger Akazien aber slieht sie als Gummi arabicum. Technische Vunöer im /lltertum. Die älteste menschliche Kultur ist innig verknüpft mit den ersten technischen Ersolgen in der Kunst. Häuser zu bauen, Brot zu backen und Zeug zu weben, vor ollem aber mit dem Bergbau und der Kunst, Metalle zu benutzen. Sieht man von Dampstrast, Elektrizität und Sprengstosfen ab, so waren eigentlich olle Errungenschaften der neuzeitlichen Technik schon im Altertum bekannt. Leistungen wie den Bau der ägyptischen Pyramiden hat unsere Zeit noch nicht Übertrofsen. Aber sogar die Wirkungen des Dampfes waren de- kannt. Im 2. Jahrhundert o. Chr. erfand Hero von Alexandria u. a. eine Maschine, die man als Borbild der Dampfturbine betrachten kann. Auch der Gebrauch der Kohle war sowohl in China wie im Saar- und Ruhrgebiet bekannt, in England wie in einzelnen Gebieten am Mittelmeer. In China kannte man sogar die Verwendung des Pulvers. Bei diesen Boraussetzuugen ist es eigentlich sonderbar, daß man nicht zur Erfindung der mit Kohle geheizten Dampfmaschine gelangt ist. Was schließlich die E I e k t r i> z i t ä t anbetrifft, so waren ja die Erscheinungen der Luftelektrizität schon den alten Aegyptern bekannt, ebenso den Juden, wenigstens so weit, daß sie— nicht Franklin— den Blitzableiter erfinden konnten. Die gewaltigen Masten der ägyptischen Tempelpylonen dienten, wie Urkunden beweisen, ebenso als Blitzableiter wie die davor stehenden Obelisken. Beide waren mit kupfernen Spitzen versehen. Ealomo versah. Jerusalem mit einer großartigen Wasser- l e i t u n g. Von den im Gebirg« angelegten Seen und Bassins sührten Leitungen herab nach Jernsalsm teils durch Tunnels, teils über die Hügel! man kannte damals also schon die Kunst, durch den Wasserdruck Höhenunterschiede zu überwinden König Hiskia ♦727—669 v. Chr.) baute später noch ein« zweite Wasserleitung, die durch einen 533 Meter langen Tunnel führte. Dieser Tunnet wurde von zwei Seiten in Angriff genommen und die Arbeiter trafen sich genau an der vorausberechneten Stelle. Die Konatisation von Jerusalem stammte bereit» au» der Zeit vor David UOSS v. Chr.). Man hatte sogar getrennte Kanäle für den Ablauf des Wasiers und sür das Fortschaffen der Abfälle. Bereits vor den Juden legten die Asiyrer Masserleitungen an, die bi» zu 45 Kilometer Länge hatten. Die größten römischen Wasser- leitungen erreichten mit einer Ausnahme nur 39 Kilometer Länge. Ein« besondere Glanzleistung war die Wasserleitung der Stadt Per- gamon. Aborte mit Wasserspülung gab es dereit» um 1300 v. Chr. in der hochentwickelten Kultur von Kreta, die auch die ersten steinernen Treppenbauten sür Zuschauer ausweist— die Ur- form des Theaters. Einen antiken Abort, den man 1850 in Pozzuoli ausgrub, hielten die italienischen Gelehrten wegen seiner prächtigen Einrichtung zuerst für»inen Tempel. Wann haben die meisten unserer größeren Städte Wasserleitung und Kanalisation erhalten? Das ist in vielen Fällen noch nicht ein Menfchenalter Herl In der Römerzeit wurde auch die Sammelheiz�ing er- funden. Indem man warme Luft von einer unter dem Fußboden liegenden Wärmeleitung durch besondere Kanäle und Röhren sandte. Bis dahin hatte man sich mit Kohlenpfannen beholfen, wie man es noch heut« in südlichen Ländern tut. Auch Fensterscheiben kamen erst in der römischen Kaiserzeit in Gebrauch, besonders in nörd- licheren Gegenden. Die Kunst der G I a s b e r e> i u n g war in- dessen alt. Bereits die Aegypter stellten seit Urzeiten Glasflüsi« fPerlen, Spiegel) her. Aus Alexandria Hollen sich die Römer die Technik der ägyptischen Glasbläserei und gaben ihr eine industrielle Entwicklung. Die Drehscheibe des Töpfers wandte man bereits vor Jahrtausenden in Aegypten an. Das Papier ist, wie bekannt, eine chinesische Erfindung. In Aegypten verwandte man den gröberen Bast der Papyruspflanze, in anderen Ländern benutzte man Lcinengeweb« oder Pergament. Die Seid« war ebensalls ein chinesisches Erzeugnis. Sie kam nur auf dem Wege des Handels nach Westen und war daher unerhört teuer. Dagegen wurde Baumwolle in Mesopotamien und Aegypten sowohl gepflanzt wie gewebt. Die M a l e r t u n st bestand I» Aegypten im Malen mit Leim- färben, in Griechenland in Freskomalerei, die bereits auf Kreta angewandt wurde. Darauf wurde sie von Italien übernommen. Ebenso kannte das Altertum die Radierung und viel später auch die Oetmalerei, deren Technik jedoch wieder verloren ging, bis sie von den Brüdern van Eyk aufs neu« entdeckt wu'�e. Bier braute man in Babylon and Aegypten wie fm Norden. Das deutsche ober» gärige Bter entsprach dem Weißbier, dem Leibgetränk de» alten Berliners. Tacitus fand es sauer. Das süße Gärungserzeugnis des Honigs, der Met, Ist nicht nur ein nordisches Getränk; es kommt schon bei Homer vor. Sets« verwandte man in der römischen Welt wie in Gallien anfangs nur als Pomade, gleichzeitig aber auch als Haarbleich- mittel, um das Haar rotblond zu erhalten, die Madesarb« unter den vornehmen Römerinnen, die sich in die Haarfarbe der Germanen , verliebt hatten. Auch Soda war als Reinigungsmittel bekannt. Auch das Kapitel der Brücken- und Baukunst bringt uns der Neuzelt sehr nahe. Bereits Nebukadnezar baute in Babylon eine Brücke über den Euphrat. Ihre Bedeckung aus Holzbalken ruhte aus hundert Steinpfeilern. Die Römer bauten gewölbte Stein- brücken. Biel« von diesen römischen Brücken stehen noch heute und sind einfach unverwüstlich. Bei breiten Flüssen versagte indessen dies« Technik und man grifs zu gewölbten Holztonstrukt>on«n, wie wir heute das Eisen verwenden. Die Methode der Senkkipen und die Kenntnis wasserdichte» Gemäuer» war bei den Römern in Brauch, und bereits die Babylonier kannten den Zement. Wenn die römische Brückenbaukunst dl« Borgängerin der modernen Eisen- konstruktion Ist, so müssen auch die großen römischen Landstraßen als die Vorgänger unserer Eisenbahnen angesehen werden. Ihr Netz, das, wie man berechnet hat, 76 000 Kilometer umfaßte, dkm« nicht nur Handelszwecken, sondern vor allem auch strategischen Aus- gaben. Dabei folgte man ebenso wie wir bei den Eisenbahnen dem Grundsätze der kürzesten Linie, sprengte Felsen fort, bohrte Tunnels, warf Wälle ans und legte in den sumpfigen Wäldern Germaniens holzbelegte Wege an, deren Reste man noch heute findet. Bleie von diesen Straßen haben sich bis heute erhalten. Man legt« sogar aus den vornehmsten Straßen vertiefte Wagenspuren an— dos ur- sprünZliche Borbild der Straßenbahnen. Man fleht also— es ist beinah« schon alles im ZHtertum dagewesen. Zivittisten. Anläßlich der noch immer mit der Hohenzollernftnnilie ausstehen. den Vermögensauseinandersetzung ist es interessant, zu erfahren, aus welche Weise eigentlich die Tribute für den Unterhalt der ehemaligen Landessiirsten in monarchischen Staaten entstanden stnd und woraus der Ausdruck„Zivillisle" zunickzusühren ist. Ursprünglich wurden die Ausgaben der regierenden Fürsten aus ihren eigenen Hausgütern und sonstigem Besitz bestritten. Als dann in späteren Jahren die Hausgttter vermindert wurden, sahen sich die Staaten genötigt, sür den Haushalt ihrer Herrscher zu sorgen. Einer Urkunde aus der Äegierungszeit des Königs Georg II. von England t!?27— 1760). entnehmen wir:„Infolge der schlechten Verwaltung der königlichen Güter und insolge des zunehmenden Luxus und der immer mehr steigenden Bedürsnisie des königlichen Haus- hält» wird der Staatshaushalt künftighin die Ausgaben unseres Landessürsten bestreiten. In einer desonderen List« wurden laraushin di« Bedürsnisie des Königs für sein« eigene Person und die für leinen Haushalt auf- gezählt. Das Parlament bewilligte dem König hiernach eine Pauschalsumme, die man, im Gegensatz zu den Ausgaben fiir das Heer, zu denen der Zivilverwaltung zählte. Daher der Name„Zivi l- I i st der dann allgemein angenommen wurde. Die größte ZivINilk bezog zu Anfang unseres Jahrhunderts der rufsisch« Zar mit 27 000 000 M. Nach Rußland kam Oesterreich; die Zivillist« Kaiser Franz Josefs betrug 15900 000 M. An dritter Stelle stand Preußen mit 15 179 200 M. Wilhelm II. erhielt di« Zivillist« nur als König von Preußen; kine Leistungen als deutscher Kaiser verrichtete er ohne Entgelt. König Eduard mußte sich mit 10 860 000 M.„begnügen", während König Victor Emanuel II. von Jtakien 12 800 000 zu„verzehren" hott«. Monsieur Falliere«� Frankreichs Allgewaltiger, hatte ein Jahrcsqehall von 1000000 Fr. und 700 000 Fr. Repräfentotionsgelder; hingegen dursten verzehren: tvr König von Spanien 7 400000 M., der Mikado von Japan 6 500 000 M.. der König von Bayern 4 231 000, der König von Sachsen 3 410 575, der König der Belgier 2 800 000, der König von Portugal 2 400000 und die Königin der Niederlande 1350 600 M. Gnechcnlarck» zahlte leinem Könige„nur" 325 600 M. Bis auf die Landesvater von Baden, Hessen und Eachien-Weimar hatten die übrigen deutschen Bundessürsten keine Zivilliste. Ihr Einkommen resultiert« aus den Erträgnissen privaten Besitzes. Der Haushalt des Fürsten von Monako wurde von der Svielbonk in Monte Carlo subventioniert. Sein Einkommen hieraus beiies sich aus rund 2 000 000 Fr. Die asiaiischen Fürsten, Sultane, Potentaten usw. waren aus Zivillisten nicht angewiesen, da sie ungeheure Reichtümer ihr eigen nannten. Im übrigen waren die Kaiser von Rußland und Oesterreich der- ortig begütert, daß sie auch ohne die Zivilüsten nicht verhungert ! wären. Di« Zarenfamilie verfüg« z. B. über 100 000 000 Dessätiileu Land, d. h. mehr als alle russischen Bauern zu» s o m m« n. Die den hinrveggesegtcn monarchischen Schmarotzern zugedachten Mittet sind uns Steuerzahlern nunmehr erspart oder werden nött» geren und nützlicheren Zwecken für die Allgemeinheit zugeführt. M-öerlimsihe Lebensregel. Ick bitte Vir, ick bitte Vir sehr, Ick bitt' vir um Iotteswitlen, Bloh niemals Dein Privatmalheur Nor andere zu enthüllen! Und wat een richt'jer Berliner is, Ver merke sich diese Sp he: Über det, wat vir det Liebste is, Reist' Deine schnoddrigsten Wihel Viffen und Schauen Subjektive Sehmahruehmnugen. Wahrnehmungen von Bildern im Auge, denen kein äußerer, gleich,, eilig betrachie.er Gegenstand entspricht, nennt man entoptische Erscheinungen. Zun, Teil sind es dl« Schatte« von Trübungen in den brechenden Medien des Auges. die unter gewissen Bedingungen sichtbar werden. So die sog. fliegen- den Mücken(mouchcs volantes), die man beim Blick auf«ine helle Fläch«, gegen den blauen oder wetßüberzogenen Himmel oder auch im hellen Feld de» Mikroskop» erblickt, und die sich bei raschen Augen- bewegungen wie aufgewirbelt heben, um sich dann wieder langsam Au senken. Diese fliegenden Mücken, die den Beobachter beunruhigen, wenn er sie zum erstenmal wahrnimmt, sind die Schatten von nor- malen Bestandteilen des BiaskLrpers, dt« bei enger Pupille, also lwi heller Beleuchtung wahrgenommen werden. Im hochgradig kurz- sichtigen Auge ist der Biaskörper flüssiger, daher die Bewegung dieser Mücken bei Augenbewegungen lebhafter. Solang« diese.sliegenden Mücken" bei normalem Sehvermögen vorhanden sind, sind sie Horm- lo». und wenn man die» weiß, und nicht mehr darauf achtet, werden sie bald nicht mehr in störender Weis« wahrgenommen. Biel größere und schwärzere Glaskörpertrübungen, dl« aber im Unterschied von diesen seinen fliegenden Mücken da» Sehvermögen meist itKhr oder weniger stören und beeinträchtigen, entstehen oft plötzlich durch Blutungen in den Glaskörper. Diele sind unbedingt krankhaft uns müsien behandelt werden, ebenso dich:e schieierartlge Trübungen, die durch Ausschwitzung seröser Flüssigkeit in den Glaskörpern entstehen. Linsentrübungen durch beginnenden Altersstar werden selten als umschriebene Trübungen wahrgmommen, noch eher Schleimllöckchzn auf der Borderfläche des Auges bei Bindehautkatarrh. Im Unter- schied zu Glaskörpertrübungen werden diese Flöckchen bester durch Wischen des Auges oder durch Mnzeln. Scharf umschrieb-ne Trübungen, die sehr schwarz sind, im Fixierpunkt stete bleibe« und da» Sehvermögen stark beeinträchtigen, sind bedingt durch Blutungen und Veränderungen in der Netzhaut im gelben Fleck, der Gegend des deutlichsten Sehens, wie sie nament- lich bei hochgradiger Kurzsichttgkeit, als Bltersveränderunpm und bei Nierenleiden vorkommen. Dies« bleiben im Unterschied zu den beweglichen Mücken auch bel raschen Augenbewegungen stet» im Fixierpunkt. Wacht man morgens vom Schlafe aus in einem schon bellen Zimmer und schaut an die Zimmerdecke, während seitlich«in Helles Fmster ist, so erblickt man eine kurze Zeit nach dem vesfnen der Augen ein« hirschgeweihsormtge Figur, die sog. Purkinje'che Ader- sigur. Es stnd dies die Schatten der Verzweigungen der Aderhaut- gesäße aus der Netzhaut, dl« für gewöhnNch nicht wahrgenommen werden, bei der erwähnten Versuchsanordnung aber erscheinen. Bei de» Tvareg». Interessante Einzelheiten über da, Leben der Tuareg», de» wichtigste« der Berberstämme in der Sahara, be- richtet in der in Tripolis erscheinenden Zeitschrift.Ntalla in Oriente" der ttaltevtsche Hauptmann Petragnani, der vier Jahre lang in der Gefangenschaft der Senusfi verbracht Hot. Die Männer des Slam- me». die tn vollständiger Unbildung aufwachsen, stnd Räuber und Banditen, dt« an den Brunnen der Koro wem enstratze auf der Lauer liegen und von hier au» die Karawanen überfallen. Inzwischen wird da« Gemeinwesen zu Hause von den Frauen geleitet, die all« Aemter einschließlich de» Nichteramtes beim Stamme verwalten. Im Gegensatz zu den Mann?'-« können all« Frauen ihre seltsame, wohlklingende Sprach« lesen und schreiben, eine Sprache, die man ganz nach Belieben von rechts nach'inks, von links nach rechts, von oben nach unten edcr von unten noch oben schreiben kann. Die Frauen führen in der Jugend ein unbeschränkt freie» Leben: tn der Ehe aber sind fix die treuesten Gattinnen. Wird ein Kind geboren, so tritt der Bater vor da» Zelt, und hält den ersten besten Vorübergehenden an. Das erste Wort, das dieser spricht, wird als Rame für das Kind genommen. Es ist deshalb kein Wunder, wenn die Tuaregs die seltsamsten Namen führen Sie find übrigens er- staunlich widerstandsfähige Kamelreiter. Wenn ihnen unterwegs das Waster ausgeht, so machen sie einen Einschnitt in eine nahe der Augenhöhle liegende Arterie des Reittieres und entziehen der Wunde bis zu zwei Liter Blutwaffer, dos sie mit Gier trinken. Haben sie Hunger, so schneiden sie aus dem Buckel ein festes Stück Fleisch von etwa 3 Kilo Gewicht, das sie mit der„Wüstentohle" braten, von dem die Wüst? übersät ist. Die Reitkamele erleiden weder durch die Blutentziehung noch durch die Entnahme des Fleisches aus dem Buckel irgendwelchen Schaden, da di« Wunden leicht heilen und vernarben. Edelsteine am deutschen Meere. Wer etwas von den Freuden der Goldsucher und Diamantgräber fremder Länder in unserem armen Deutschland erleben will, der braucht nur an den Küsten der Nordsee, noch besser ober am Strand»wischen Kiel und Cranz einmal die Muße eines Ferientages daraus zu verwenden, daß«r dort dte Natur mit aufmerksamerem Auge betrachtet. Hat er ein Mikrosko» und mustert er den ganz gewöhnlichen, frisch angespülten Dünensand damit, so wird er schon nach wenigen Minuten enidecken, daß darin, wenn auch nicht Gold, so doch Edelsteine: nömlich eine ganze Wenge edier Granaten schlummern. Rur sind sie mikroskopisch Nein: sie sind bloße Splitter, die aber trotzdem etwas Wertvoll«» mit Sicherheit beweisen, daß der Sand der deutscheu Meereoküft« ursprünglich da» zerriebene Material von schwedischen Granitgebtrgen ist. Dort drüben ist dieser gewöhnllchste aller Edelsteine oft in kopfgroßen Stücken immer noch im Gestein eingesprengt. Wer übrigens noch einen Zweifel daran hat. daß das ganze an der Oberfläche lieqende Stetnmaterial der norddeutschen Tief« ebene von der Küste bi» weit nach Berlin herunter au» schwedischen Gebirgen stammt, der braucht nur die vielen herumliegenden Find- lingsblöcke näher anzusehen, deren größter, der Martgrasenstein, wohl jedem Berliner Kind bekannt ist. Hier sowie in den überall in der wetteren Berliner Gegend anstehenden„Geschiebemergeln" findet man skandinavische Gesteine, darunter die schönen grüngrauen Silurkalt« von Gotland, den roten„Dala-Quarztt, den norwegische« Rhombenporphgr und manche Ander«, in denen die Granate« wiederkehren und so den Beweis vollenden, den der Meeressond dem Kundigen mitteilte. Frauen in Männer- und Männer in Franeakletduua. Die Ge« schichte ist reich an Beispielen von Frauen, die es liebten, in Männer» rleidung durchs Leben zu gehen. Weniger groß ist die Zahl der Männer, die der Bersuchung, sich in Frauenkleidern bewundern zu lassen, nicht widerstehen konnten. Allein auch hier fehlt es nicht an berühmten Beispielen. So tauchte zur Zeit der französischen Restauration tn Pari» eine gewisse Henriette de Lauge» auf, dte behauptet«, ein Opfer der Revolution zu sein, und die diese Behauptung auch durch amtliche Schriftstücke belegte. Sie erhielt daraufhin von Ludwig XVlll. nicht nur eine Rente ausgesetzt, so»- dern in Dersaillee auch eine freie Wohnung zugewiesen. Die ge- heimnisvofle Dame fand in den Adelsfamilien ohne weiteres Zu- tritt, war zweimal verlobt und starb tn hohem Alter im Jahre 183Z. Erst nach ihrem Tode entdeckte man, daß dies« angebliche Frau ein Mann war. besten Ramen man nie erfahren hat. Eben deshalb erhielt sich auch lange der Glaube, daß«um es bei dem verkleideten Mann mit dem Sohn Ludwigs XVI II. zu tun hatte, der während der Revolution verschwunden war. Won den Frauen, dte al» Männer verkleidet auftraten, ist vor allem die jugendliche Begleiterin Lord Byrons zu erwähnen, die dieser stets als seinen jüngeren Bruder vorzustellen pflegt«. Der Kardinal Rohan, der als Bischof in Straßburg residierte, machte seine Ausfahrten des öfteren in Be- gleitting eines eleganten jungen Abbe, der in Wahrheit eine Mar» guise de Marigny war. Bekannt sind auch die beiden Engländerinnen Maria Road und Anny Bonny, die sich zusammen tm Jahr« 1720 aus einem Piratenschiff anheuern ließen und nicht minder tapser als ihre männlichen Genoflen kämpften. Zu nennen ist ferner die Gräfin d'Agoult, die, al» Mann oerkleidet, Liszt aus seinen Reisen zu begleiten pflegte. General Massen« brachte bei seinem Feldzug in Spanten seine junge Geliebte mit, die den ganzen Feldzug in Uniform eines Dragonerrittmeisters mitmachte. Mit Dumas dem Aelteren nahm an den Proben seiner Theaterstücke stets ein lieben»- würdiger Jüngling teil, der feine als Mann verkleidete Geliebte war. Auch Balzac war auf seiner italienischen Reise von seiner tn Männer» kleidung reisenden Geliebten begleitet. Endlich muß al« di« be» rühmteste der Frauen in Männerkleidung George Sand genannt werden, die erste Schriftstellerin, die ihre Werke mit einem mann- lichen Namen zeichnete, und die in der zweiten Hälft« ihre» Leben» stet« Männertleidung anlegte. Aphorismen. von Haruspex. Besser ein Lot Treue al« ein ganzes Pfund Schläue. Für manche Menschen ist selbst die Seekrankheit ein«.seetische Erschütterung". Zu unseren besten Handlungen brauchen wir am wenigsten Nachdenken. Wer den Mut nicht verliert, der bleibt auch im Verlust noch Gewinner. Ein Geschenk löst di« Perle der Unabhängigkeit tm Essig der Nerpflichwng auf. Zufriedenheit unt Selbstvertrauen find meistens ein« Ber- dauungsftage. Glück, das uns in den Weg läuft, geht so einfach gekleidet, daß dte wenigsten es beachten. Jeder Mensch leistet sich eine Reihe unvermeidlicher Dunim» Helten: der Weise aber sorgt dafür, daß diese nicht über den Zaun hinwegragen. Nimm das Lebe., nicht allzu tragisch, denn lebendig kommst du doch nicht mehr aus der Schlinge heraus. Wer sein Schicksal überblickt, der kann es auch ertragen: nur die Ungewißheit wirkt sehr leicht tödlich. Der Optimist ist wie der Dachs im Winterschlaf: er nährt sich vom eigenen Fett. Hängen der Katze die Federn zum Maul heraus, dann sprich von keinem»Kanarienvogel", denn das nimmt sie dir sicher übet!