Nummer 25 23, �uni 1�21 � c)-� AnterhaltuntzböeLlatze öss Vorwärts <« Sommer. Ich?»mm lm Sommerwald daher ttnd lausche seinem Weben— Kein menschlich Schreiten trägt mich mehr, Sin Wallen ist's und Schweben. Ich blicke nieder zur Blume ins Kraut, Blick aus zur Sonn' in die Höhe— Wie aus dem Kleinen das Große sich baut: Geheiligt ist, was ich sehe! Klar wird's in mir und seherhell-» Wie meine Sinne lauschen, Klingt in mich ein, was leis der Quell, Was Gräser und Bäume rauschen. Hör ich das kreisend» Blut der Natur vurch Erden und Welten wallen, Hör ich durch alle Kreatur Ven einen Herzschlag hallen. _ Ferdinand«venart«. Ci« empfinölicher Ehemann. Don Ludwig Fürst."k Harald Lövland war von seiner beruflichen Tätigkeit her ge» wohnt, in vornehmer Art Besuch zu empfangen. Ohne den trefflich livrierten Boy mit der silbernen Besuchstartenplatte geht e« ja auf der flimmernden Lewwand nicht ab. Und Harald Lövland, der umworbene Star, tonnte es sich wohl erlauben, die üppigen Ge» pflogenheiten de» Filmdroma» in feinem Alltag nachzuahmen; aber heute hatte fein Diener Ausgang, und da» Klingeln an der Tür wurde so heftig, daß Lövland sich nicht einmal zu Ende rasierte, sondern— obgleich der Seifenschaum auf seiner lwten Wange ein» zutrocknen drohte,— dem Besucher wütend selbst öffnete. Ein giganttsch gewachsener Herr wünschte ihn zu sprechen. Ha» rald Lövland entschuldigte sich, wischt« seufzend die Seife ab, ge» brauchte Parfüm und Puder, knüpfte den Kragen um und stand zur Verfügung. Der fremde Herr begann die Unterhattung sonderbar:»Herr Lövland, endlich habe ich Sie gefundenl' Harald Lövland verneigt« sich unsicher, mtt einem peinlichen Vorgefühl. i„Einer von uns Beiden," fuhr der unbekannte Riefe fort,„ist Zuviel auf der Weltl" „Sie haben mir mein Weib geftohlenl" schrie der Fremde. Da Jaben wir», dachte Harald— aber, zum Kuckuck, keine seiner Bs» annten hatte doch, soviel er wußte, ein solche» Ungetüm zum Gatten. immerhin— der Kerl konnte recht haben. „Mit wem habe ich die Ehre?" ftagte Harald also korrekt, als Resultat dieser raschen Gedankenfolge. „Wurzbacher; aus Kiel." Lövland atmete auf. Er sah im Spiegel, wie sein Gesicht wieder die berühmte bronze-braune Farbe bekam. „Mein lieber Herr," sagte er überlegen,„es ist Ihnen offenbar nicht bewußt, daß Sie mir ein Verbrechen vorwerfen, ein« juristisch wie moralisch ftzleich verwerfliche Handlung. Ich pflege mit dem Strafgesetzbuch nicht zusammenzustoßen, und überdies war ich noch niemals in Kiel, und Ihr Name ist mir völlig unbekannt. Ich ver- zichte auf Ihre Entschuldigung und ersuche Sie nur, sich schleunigst zu entfernen!" Aber der furchtbare Wurzbacher war nicht so leicht ein» zuschüchtern. „Sie haben," knurrte er in beängstigendem Baß,„in„Selige Tränen" die Hauptrolle gespielt?." Das stimmte. Wurzbacher, nun ganz eisig entschlossener Kavalier, erklärte: „Dann sind Sie der Schuft, den ich suche. Meine Frau sieht sich den Film heute zum dreißigsten Mal an, sie ist eigens nach Ham» bürg gefahren, weil er bei uns nicht mehr gespielt wird. Mit Ihrer geschminkten Visage und der albernen Gutmütigkett, mit der Sie sich da benehmen, haben Sie meine Frau verrückt gemacht. Sie schwärmt bei Tag und Nacht— auch bei Nacht, mein Herr!— von Ihrer Nase, Ihren Augen, Ihrem Kinn und sogar von Ihrer Frei» geblgkeit und Güte! Das nenne Ich Untreue, das ist geistiger Ehe» bruchl Und das geht seit Wochen so. Sie werden mir nicht zu- muten, daß ich mir zeitlebens von Ihrer Projektion ungestraft Hörner aufsetzen lafle. Als Gatte und Ehrenmann kenne ich nur einen Ausweg: Nennen Sie mir Ihre Vertteter, Herr Lövland!" Lövland wurde fahl. Ein Wahnsinniger offenbar. Und mit diesen Herkulessäusten! Er versuchte, ohne viel Hoffnung, zu be- gütigen:„Aber bester Herr Wurzbacher, für die Handlung de» Films bin ich doch wirtlich nicht verantwortlich! Und ich kann doch auch mchc dafür, da� i h leidl'ch gut gewachsen bin, und vielleicht ein nicht ganz uninteressante» Gesicht habe!" Wurzbacher verlor jetzt auch noch die höfliche Form. „Nicht ganz uninteressantes Gefties!" brüllte er und schwang die Arme,„mit einem einzigen Schlag ist die ganze Herrlichkeit beim Deubel, verstehen Sie?" Und er machte zwei Unheil verkündende Schritte. Lövland gab sich auf. La, dieser Riesenkerl hatte es in der Hand, zu entscheiden, ob er Harald Lövland blieb. Denn er war nicht mehr er selbst, wenn sein edles Profil verunstaltet war, seine klassische Nase eingedrückt, seine herrlichen Zähne.... Wer nun» da Harald Lövland schwieg, begann er wieder seine gewohnte Wirkung auszuüben. Wurzbacher ging nicht weiter vor, im Gegenteil, er wurde gemüllich. „Wissen Sie," sagte er,„es gäbe vielleicht noch einen anderen Ausweg. Sie haben eigentlich, so im Privalleben, nicht viel Ber» führerisches. Kommen Sie zu mir nach Kiel, ich glaube garan» tieren zu können, wenn meine Frau Sie mal so sieht, wie Sie zum Beispiel jetzt dastehen, dann ist sie geheill, und allen ist geholfen." Lövland ächzte:„Aber, mein teuerster Herr, eine solch« Reise, jetzt in der Hochsaison— da» bedeutet für mich einen Ausfall von Zehntausendenl" „Nicht doch, das müßte nicht so schlimm sein," sagte Wurzbacher freundlich,„ich weiß zufällig, daß die Abba-Gesellschaft in Kiel einen Liebhaber sucht für das große Drama„Tobende Wogen"! Da ver« binden Sie einfach das Notwendige mit dem Nützlichen." Nun aber straffte sich Harald Lövland. Geschäft ist Geschäft. „O nein— daraus wird nichts! Ich kenne die Herren von der Abba-Gesellschaft, sie sind schon einmal an mich herangetreten. Für solche Hundegagen arbeite ich nicht! Ich habe Anträge von der Ufa, die ich nicht....." Himmel, wie veränderlich war doch dieser Wurzbacher! Aus seiner tiefroten Stirn schwoll die Zornader gewaltig: die Herkules- fäuste ballten sich. „Sie verweigern mir ritterliche Genugtuung? Sie sträuben sich gegen einen ftiedlichsn Austrag? Glauben Sie, ich lasse mir meine Ehe untergraben? Da muß ich mir eben selbst Genugtuung holen, wo ich sie finde!" Und die Herkulesfäuste..... Man mag gegen Harald Lövland einwenden, was man will— auf den Kopf gefallen war er nicht, und die Geschäftsgebräuche der Filmbranche kannte er ganz genau. „Also geben Sie schon Ihren Kontrakt her!" sagte er. Und nachdem er unterschrieben hatte, sprach Harald Lövland in der Hallung des Grafen Hellmersburg aus der Schlußszene von Selige Tränen":„Ich gratuliere der Abba-Gesellschaft dazu, daß sie einen so empfindlichen Eherner n zum Agenten hat," Kohlenftaubexplostonen. Wieder einmal hat die Entfesselung der unheimlichen, im Echoße der Erde schlummernden Kräfte gewaltige Opfer an Men- schenleben gefordert. Schlagende Wetter und Kohlenstaubexplosionen gib die verderblichsten Feinde des Bergmanns, den sie bei seiner rbeit auf Schritt und Tritt umlauern, um oft bei der geringsten Unachtsamkeit Tod und Verderben über ihn und seine Genossen zu bringen. Bei der Katastrophe auf der Zeche Mont Cenis war es eine Kohlenstaubexplosion, die das Unheil ausgelöst hat. Es ist das stets die verhängnisvollere Gestalt des unterirdischen Unheils; denn während Explosionen schlagender Wetter meist nur aus Verhältnis- mäßig kleine Stollengebiete beschränkt bleiben, wirken Kohlenstaub- explosionen durch ihre oft gewaltigen Ausdehnungen stets verheeren- der. Nun stehen allerdings beide Arten von Explosionen oft in enger Verbindung, derart, daß durch eine Explosion schlagender Wetter die Kohlenstaubexplosion erst ausgelöst wird. Aber auch ein versagender Sprengschuß mit seiner glühenden Stichflamme ver- mag zur Kohlenstaubexplosion zu führen. E» ist bekannt, daß die sogenannten Schlagenden Wetter Grubengase sind, die in Verbindung mit Sauerstoff ein äußerst explosibles Gasgemisch darstellen. Der gleiche chemische Prozeß, der die ungeheuren Farnwälder der Vorzeit zu Kohle werden ließ. erzeugt auch die Grubengase, die Fäulnis und Verwesung der pflanzlichen Stoffe in den Hohlräumen der Erde ansammeln ließen. Diese Gruben- oder Methangase sind Kohlenwasserstoffgase, die eine Verbindung von Kohlenstoff und Wasserstoff darstellen. Das Methangas bildet sich auch in Sümpfen und Erdhöhlen; auch das sogenannte Erdgas, wie es beispielsweise in Neuengamme bei Ham- bürg vor 11 Jahren in so gewattigen Mengen angebohrt ist, ist nichts anderes als Methan. Da seine Entzündung schon bei 700 Grad Celsius eintritt, so genügt eine offene Flamme, um eine Explosion hervorzurufen: aus diesem Grunde bedienen sich die Berg- leute schon seit mehr als 100 Jahren der sogenannten Daoyschen Sicherheitslampe, die die Flamme mit einem ganz engen Draht- gestecht umgibt. Beim Austritt durch diesen zylindrischen Draht- korb kühlen sich die Verbrennungsgase der Lampe so weit ab, daß eine Entzündung der Schlagenden Wetter nicht möglich ist. Ist aber die Lampe auch nur im geringsten beschädigt, oder wird durch schlechtes Funkttonieren der Sicherheitslampe das Geflecht glühend, so kann gerade die Sicherheitslampe die Ursache einer Explosion werden, und sie ist es auch tatsächlich in mindestens 25 Proz. aller Fälle. Der erfahrene Bergmann merkt übrigens an dem Zustand der Lampe, ob die Luft im Stollen mit Schlagenden Wettern durchsetzt ist. DI« Wetterführung, die mittels großer Ventilatoren ständig stische Lust in das Bergwerk pumpt und die Grubenluft absaugt, sorgt bald für eine Beseitigung der Gefahr. Aber es kommt vor, daß der Bergmann mit seiner Haue plötzlich eine Gas- höhle anschlägt, aus der die Schlagenden Wetter in großen Massen ausströmen. Dann kann bereit« der von dem Eisen auf hartem Gestein erzeugte Funke das Gasgemisch zur Entzündung bringen. Eine Kohlenstaubexplosion kann durch eine offene Flamme allein Nicht ausgelöst werden: hierfür bedarf es weit höherer Hitzegrade. Aber diese werden bei jeder Schlagwetterexplosion erzeugt; denn sie erhitzt die Grubengase auf mehr als 3000 Grad Celsius, wodurch wiederum die Gase sich um das Zwanzigfache ihres Volumens inner- halb des winzigen Bruchteils einer Sekunde ausdehnen. Dieser Umstand erklärt die gewaltigen Verwüstungen, die eine Explosion Schlagender Wetter stets zur Folge hat. Aber die ungeheure Hitze und die gewalttge Erschütterung hat oft weitere schlimme Folgen. Der in den Stollen überall vorhandene feine Kohlenstaub wird da- durch aufgewirbelt, und durch die hohen Temperaturen wird der Kohlenstaub augenblicklich gewissermaßen destillier. Die in den Unzähligen Staubpartikelchen enthattenen Kohlenwasserstofsmoleküle nehmen gasige Form an und entzünden sich gleichzeitig, wobei durch die sich nach allen Richtungen verbreitend« Erschütterung und Explo- stonshitze immer weitere Kohlenstaubmengen zur Detonation ge- langen. Erst dadurch entstehen die verheerenden Folgen: die Wände und Decken der Stollen und Strecken stürzen ein; die stärksten Stem- pel werden von der Gewalt der Explosion weggeblasen, und nicht selten greift die Zerstörung in darüber oder darunter liegende Sohlen über. Am verhängnisvollsten für die Belegschaft eines von einer Explosion heimgesuchten Schachtes wirkt die Verschüttung der Strecken, durch die großen Teilen der vor Ort arbeitenden Knappen der rettende Weg abgeschnitten wird. Es kommt hinzu, daß nicht nur die ungeheure Explosionshitze, sondern auch das giftige Gasgemisch, die sog. Nnchlchwadcn, die'Belegschaft unter Tage mit dem Tode bedroht. Meist fallen die zahlreichsten Opfer nicht der Explosion selbst, sondern der augenblicklich tötenden Hitze anheim. Zur Verringerung der durch den Kohlenstaub verursachten Ge- fahren strebt die bergmännische Technik seit langem möglichste Ver- meidung der Staubbildung an, besonders durch umfangreiche Wasser- berieselung aller Stellen des Bergwerks, die durch Staub gefährdet erscheinen. Außerdem wählt nian für die heut« noch unentbehrlichen Sprengungen des Gesteins, die sog. Schießarbeit, solche Sprengstoffe. durch die bei bestimmten Lodemengen der Kohlenstaub nicht mehr entzündet wird. Wohnungseinrichtungen. Von Anton Michael. Der Engländer sagt, mein Heim ist ntdin Schloß, der Deutsche spricht von den lieben vier Wänden. Er will pch in seiner Wohnung gemütlich fühlen, und tatsächlich kann sie die Quelle reichen Lebens- glückes werden. Ob wir eine oder mehrere Stuben besitzen, sagt nur etwas über den größeren oder kleineren Geldbeutel aus. Praktischer Verstand, Ordnungsliebe, solider Geschmack sind die Reichtümer, die ohne Unterschied des Standes ausgetcllt wurden, und die jedes Heim behaglich und ansprechend gestatten können. Bei der heutigen Teuerung und Minderwertigkeit der Waren haben es die jungen Leute, die einen Hausstand begründen wollen, besonders schwer, sich hübsch und gediegen einzurichten. Es gibt aber allerlei Vorschläge, die ungefähr auf die Wege weisen, die zum Paradies führen. Haben uns ungünstige Umstände genötigt, einen dunklen Raum zu mieten, müssen wir vor allem suchen, ihn freundlich zu gestalten. Eine helle Tapete oder Wand- anstrich schafft da sofort Wandlung, auch die geweihte Decke Hilst zum Zweck. Möglichst bequem muß es immer der Frau Sonne gemacht sein, uns in die Fenster zu gucken. Für den Fußboden ist heut ein Teppich kaum erschwinglich, aber auf dem gewachsten oder stischgestrichenen Untergrund sieht auch da und dort ein Vor- leger, ein Läufer oder eine Matte sehr nett aus. Wer sich einen Linoleumbelag leisten kann, wird es gewiß nicht bereuen. Die Wände mit einfarbigem Anstrich lassen sich durch ein schabloniertes Friesmuster, auch durch gemalte Randstreifen wirksani beleben. Dünne schwarze Holzleisten kosten etwas mehr, aber sind sehr aus» drucksooll. Im allgemeinen sollte man den Leitgedanken festhalten, daß schlichte, leere Flächen den Raum erweitern Helsen. Nicht nur jedes Fleckchen bestellen oder behängen wollenl Wenn unter einer Zimmerdecke geschlafen und gewohnt werden muß, suche man Betten und Waschtisch zusammenzuhalten, richte den größeren Stubcnteil zur Wohnstube ein. Ich kannte eine Malerin, die den ganzen Tag fleißig in ihrem Atelier arbeitete. Kamen Gäste, dann wurde nur ein Vorhang zurückgerafft, und es öffnete sich ein reizendes Tee-Eckchen, und hinter einem Wandschirm verbargen sich die Kochgelegenheit und das Speisekämmerchen. In einer anderen Atelierecke stand das Cefa, das abends zum Bett wurde, und die Kommode, die sich dann zum Waschtisch verwandelte. Harte Nüsse gibt uns heute die Anschaffung der Möbel zu knacken. Nur Gutgearbeitetes, Materialechtes, nichts Ueberslüssige» heißt da die Parole. Wo ein Badezimmer ist, kann der Waschtisch fortfallen. An den Betten sind die hohen Fußenden unnötig, weil sie Holz verschwenden und den Raum beengen. Stücke, die verschie» denen Zwecken dienen, spielen heut auch im Mittelstand eine wich» tige Rolle. Man kauft gern das Drehbett, das sich tagsüber in den Diwan verwandelt, den Tisch, dessen Unterteil zum Arbeitsschrank ausgebaut ist, den Stuhl, der sich mit einem anderen zur Sitzbank verbinden läßt. Wo sehr wenig Raum ist, wäre auch der Falttisch praktisch. Die erste Ueberlegung für jede Wohnetnrichtung muß überhaupt das Praktische sein. Die Dinge in unserer Umgebung müssen es uns bequem und behaglich machen. Um es auch möglichst hübsch zu haben, heißt es ebenso an die Farben denken. Man glaubt es gar nicht, wie sie die Stimmung beeinflussen. Möglichst müssen wir versuchen, daß die Wände recht ruhig aussehen. Zu grauen, bräunlichen, gelblichen Tönungen paßt jedes Blau und Rot, auf ihnen sieht auch jedes Bild gut aus. Haben wir vielleicht eine bunte, großmusterige Tapete, dann sollten Sofa, und Stuhlbezug ruhig gehalten sein. Sind Wände und Möbelstoffe sehr schlicht, dann kann eine lebhaft getönte Vase, eine bunte Decke, ein Kissen das Zimmer ungemein beleben. Solche Schmuckstücke könnte sich auch jeder leicht herstellen, irgendein Kasten kann einen leuchtende» Anstrich bekommen, geschickte Frauen» Hände benutzen FÜckenreste, um wirklich reizvolle Kissen zu nähen. Hat der Mann geholfen, nur Solides und Praktisches für die Heim« ausstattung zu beschaffen, dann ist es Aufgabe der Frau als guter Hausgeist zu walten. Sie muß das Scheuern und Staubwischen verstehen, muß auch gern einmal den frischen Blumenstrauß aus den Tisch stellen. Es lohnt, über das Kapitel Wohnungseinrichtung sorgfältig nachzudenken, denn die meisten Menschen ahnen nicht, wie stark das Wohl und Wehe ihrer Lebensführung vsn dieser Vorbedingung abhängt. Juniwanöerung durch Petersburg. 0. St. Petersburg, im Juni. Vu» dem eine Stunde von Petersburg entfernten Pawlowsk, der vollendetsten Empirestätte Pauls I., zurückkehrend, noch ganz eingehüllt in die Erinnerung an das sonnendurchglühte Grün des Parts, die frische Pracht des hier im Norden spät blühenden Flieders, die Schätze des in ein Museum verwandelten Schlosses, steige ich auf dem Bahnhof aus dem Zuge. Schon vor der Einfahrt in die Glashalle zeigen einem zwei auf totem Strang stehende P r o p a» ganda»Waggons, daß man Petersburg betritt, die Hauptstadt der„Nördlichen Kommune". Es find zwei Warenwagen, bedeckt mit phantastischen Plakaten in schreienden Farben: die Darstellungen so primitiv, daß man wohl merkt, sie sind dazu bestimmt, auf die noch immer tiefumnachtete Bauernschaft innerer Gouvernements zu wirken. Mühsam enlleert sich der überfüllte Zug. Man wird vom Strom mit sortgerissen, den Bahnsteig entlang in das moderne, für den Berkehr mit den kaiserlichen Sommerresidenzen prächtig erbaute Bahnhofsgebäude. Es macht auch heute noch einen westeuropäischen Eindruck. Nur die Steinfliesen sind von monatealtem Schmutz ge- bohnt, so daß die Farben und Ornamente, namentlich in den Seiten- gängen, kaum mehr hindurchblicken. Sogar Fahrkartenschalter gibt es auf diesem Bahnhof. Auf den drei anderen großen Bahnhöfen der Stadt, dem Nikolaibahnhof für die Verbindung mit Moskau, dem Baltischen und dem Warschauer Bahnhof, sucht man heute ver- geblich nach einem Schalter. Die sind in benachbarte Hotels oder Privatgebäude verlegt worden. Denn diese drei Bahnhöfe sind alt und äußerst eng gebaut. Die Sowjetregierung aber bedarf auf jedem Bahnhof eines sogenannten„A g i t p u n k t s", d. h. eines Propa- gandaraums, der schon deshalb gern aufgesucht wird, cell sich nur dort einige Stühle oder Bänke befinden, außerdem aber auch ein großer Tisch, auf dem die mannigfaltigste Sowjetliteratur, auf elendstem Matulaturpapier gedruckt, ausliegt. Um diesen Raum zu beschaffen, mußten die Schalter beseitigt werden. Mein Weg führt am Fontankakanal entlang dem N e w s k i- Prospekt, der früheren Schlagader de- Petersburger Straßen- Verkehrs, zu. Das Wasier schleicht noch ebenso braun und ohne Gefälle zwischen den gewaltigen Granitquadern hin, wie einst, aber der Anblick ist doch völlig gewandelt. Es fehlt etwas, was wesentlich zum Bilde Petersburg» gehört«. Der Kanal, der früher während der ganzen Schiffahrtszelt so dicht mit den großen Holz-, Sand- und Ziegelbarken bedeckt war, daß die kleinen Passagierdampfer der finnischen Gesellschaft zuweilm nur knapp Ihren Weg hindurchfanden, ist jetzt frei und ohne das emsige Leben, das ihn sonst bewegte. Und dasselbe beobachtet man auf allen übrigen Kanälen, wie auf den zahlreichen stromartig breiten Newaarmen. Jahr um Jahr haben d!« Barten dort gestanden, ungenutzt, ohne Fürsorge, von ihren Be- sitzern oerlassen. Langsam sind sie verfault, zuerst bis zum Bord- rande und endlich ganz in den Fluten versunken. Hier und da ragt ein Wrack noch empor. Einige Brücken sind durch quergeschwemmte Bartenrümpfe gesperrt, und dieses bei Rußlands spärlichem Eisen- bahnnetz so wichtige Transportmittel ist so gut wie verschwunden und in Jahren nicht wiederherzustellen. Unter solchen Betrachtungen bin ich zum Newski gelangt. In feinem Einschnitt nach dem Nikolaibahnhof zu ragt in der hellen Junisonne der Turm des Polizciamts auf. Die hohen eisernen Masten für die Signale bei Schadenfeuern sind seit den Reoolutions- tagen demoliert und ihre Trümmer ragen drohend und geknickt schräg über die Straße hinaus— ein mahnendes Wahrzeichen für das Uebel, an den, die ganze Stadt, das ganze Reich krankt. Da steht es sichtbar zu lesen:„Nichts schadhaft Gewordenes kann in diesem Lande wiederhergestellt werden!" Aber In Versammlungen und kommunistischen Kongressen hallt es wieder von dem Worte„Wieder- oufbau— Wiederaufbau!" Und phantastische Riesenpläne werden entworfen für die„Elektrisierung ganz Rußlands". Ich wende mich auf dem Newski nach links zur Admiralität. Aber ist es auch der Newski? Man fühlt sich fast versucht, daran zu zweifeln, so hat sich der Gesamteindruck verwandelt, und wenn nicht die helle Tagessonne schiene und die immerhin zu große Menge von Fußgängern einen irremachte, würde man meinen: es ist der Newski, ober um 3 oder 4 Uhr morgens, zu der Zeit, wo früher auch der Nachtoerkchr verebbt war. So steht er jetzt immer aus. Alle Läden geschlossen, viele Schaufenster mit Brettern vernagelt. Der berühmte Kaufhof im Zentrum der Stadt— ein gewaltiger von großen steinernen Bogengängen umgebener Bau, der ein ganzes, ausge- dehntes Straßenviertel einnimmt und stets den Eindruck eines orientalsschen Riesenbazars machte, in dem Orient und Okzident ihre Gaben In Ueberfülle vereinigt hatten— tot, ausgestorben, die Bogengänge mit Hängeketten für die Passanten abgesperrt! Und der D e r k e h r auf den Straßen...? Vereinzelte Autos mit Kommissaren darin, zuweilen ein Lastauto der Regierung, das ist alles, Pferde sieht man kaum mehr. Kein Wunderl Schon im Spätherbst ISIS habe ich auf der ca. 2H Kilometer langen Streck« vom Anitchkow-Palais bis zum Generälstab fünf wegen Unterernäh- rung vor ihren Fuhrwerken gefallene Pferde auf einem Spazier- gang gezählt. Die Elektrische verkehrt nicht. Man siebt die in der Abendsonne glänzenden Schienen sich kilometerweit in der Perspektive verengen.— Kein Wagen darauf. Aber nein, da scheint doch etwas heranzukommen... Dan* kann es nur ein Patetwagen der Stadtpost sein oder ein Transport- zug. Diesmal ist es ein Transport und zwar ein leerer. Da» wirkt immer magnetisch auf die gleichmäßig sich fortbewegenden Passanten» mengen zu beiden Seiten des Newski. Die Rüstigeren erfaßt ein« Bewegung, sie eilen heran. Der Transport kommt näher. Gewöhn« lich ist Holz darauf verladen gewesen, zuweilen auch Dünger. Ab« wer fragt danach, wenn er schon kilometerweit zu Fuß gegangen und müde geworden ist? Da stehen sie auch schon auf den Platt» formen, die Beneidenswerten, denen es gelungen ist, sich hinaufzn» schwingen: Soldaten, Studierende, Arbeiter. Beamte. Und jedem, der herangelaufen kommt, wird geholfen. Wieviel mal hat mir ein kräftiger Zug von oben, ein entgegengestreckter Arm, geholfen, mit kühnem Schwung in mehr oder weniger voller Fahrt, mit dem kartoffelschweren Rucksack auf dem Rücken, hinaus und mitten in den zuweilen recht saftigen Dreck aus der Plattform zu fliegen. Den» dieses Gute hat wenigstens die Kleidung eines heutigen Peter»- burger»: zu schonen ist daran nichts mehr. Rur einzelne Angehörig« des weiblichen Geschlechts verstehen es immer noch, sich durch Aend«- rungen an ihrer früheren Kleidung oder durch geschickte Verwendung alter Stoffreste, ein fesches Aussehen zu geben. Gegen die mächtigen Instinkte der Natur kommt eben keine Regierungsform auf... Es ist inzwischen Abend geworden. Auch die Fußgänger, di« den Newski bisher belebten, verlaufen sich allmählich. Aber dunkel wird es nicht. Die bleichen melancholischen Frühsommernächte sind geblieben wie einst. Sie haben sich nicht gewandelt, und während stch heimschlendere, leuchten matt und eigenartig die goldenen „Nadeln" der Admiralität und der Festungskirche über den wogenden breiten Strom zu mir herüber. Helle Nächte— dunkle Schicksal«: beide ruhen still und gleichmütig über der verfallenden Hauptstadt Rußland». Nüüe Seele. Müde Seele, ruh« dich Aus an meiner Brust? Sprich kein Wort, denn all dein Leid Ist mir längst bewußt. Hörst du wie mein Herze schlägt? Schlägt für dich allein. Müde Seele, wirs auf mich Alle deine Pein. Werde stark durch meine Kraft, Lebe in der Ruh: Schwinge feflellos dich auf, Müde Seele du. Ctllt VItItr-Kmtn Erziehung. Wenn ein Kind mit Geld sich vergeht oder gar etwa» irgendwo wegnimmt, so befällt die Eltern und Lehrer. eine ganz sonderbare Furcht vor einer verbrecherischen Zu» kunft, als ob sie selbst wüßten, wie schwierig es sei, kein Dieb oder Betrüger zu werdenl Was unter hundert Fällen in neunundneunzig uns die momentan unerklärlichen Einfäll« und Gelüste des träumerisch wachsenden Kindes sind, das wird zum Gegenstande eines furchtbaren Strafgerichtes gemacht und von nichts als Galgen und Zuchthaus gesprochen. Al» ob alle diese lieben Pflänzchen bei erwachender Vernunft nicht von selbst durch die Eitelkeit davor gesichert würden, Dieb« und Schelme sein zu wollen. Dagegen wie milde und freund- schaftlich werden da tausend kleinere Züge und Zeichen de» Neides, der Mißgunst, der Eitelkeit, der Ans m a ß u n g, der moralischen Selbstsucht und Selbst« gefälligkeit behandelt und gehätscheltl Wie schwer merken die wackeren Erziehungsleute ein früh verlogenes und verblümtes inneres Wesen an einem Kinde, während sie mit höllischem Zeter über ein anderes herfahren, das aus Ueber- mut oder Verlegenheit ganz naiv«ine vereinzelte derbe Lüg« gesagt hat. Denn hier haben sie eine greifliche bequeme Hand» habe, um ihr donnerndes: Du sollst nicht lügen I dem kleinen erstaunten Erfindungsgenie in die Ohren zu schreien. Gottfried Keller. Wissen und Schauen Deutsche Rosenskädte. Der Juni gehört der Königin der Blumen, der duftenden Rose. Es gibt eine Anzahl Städte in Deutschland und im deutschen Oesterreich, die durch ihre Rosenzncht weithin berühmt geworden sind. Zu ihnen gehört in erster Linie Trier, das den Mittelpunkt der deutschen Roscnzüchterei bildet. Kaum etwas Lieblicheres kann man sich denken, als zur Rosenzeit die Rosenkulturen bei dieser uralten Moselstodt zu besuchen, die mit ihrem Dust ganz« Stadtviertel erfüllen. Dann das durch seine Rosenfeste berühmte Wiesbaden, wo die Rose im Juni Triumphe feiert wie sonst wohl nur noch an der Rlviera. Die warme Besonnung des Rhein- a a u s bringt die Rose zu wunderbarer Duftentfaltung. Rüdes- heim, das alte, weinberühmts, ist— von der Weinlese abgesehen — nie so schön wie jetzt zur Zeit der Rosenblüte. Durch ihre Rosen berühmt sind die Tiroler Städte Meran und Bozen, wo die Vegetation wahre Blütenwunder hervorbringt. Die Rose kommt in Deutschland aber auch in weniger klimatisch bevorzugten Gegenden zu schönster Entfallung. Berühmt sind das Rosenmeer des Pillnitzer Schloßgartens(an den Elbufern oberhalb Dresdens), die Rosarien im Stadtpark von Sangerhausen, im Ostsee- bad Kolberg, in Neustadt a. d. Haardt, im Kurpart von Bad Salz- brunn: mit berühmter Rosenblüte können Dornburg ä. d. Saale, der Domhof zu Naumburg a. d. Saale und Freiburg i. Breisgau aus- warten. Auch Bad Köstritz a. d. Saale ist durch seine großartige Rosengärtnerei bekannt, wie denn überhaupt das mittler« Saalegebiet klimatisch außerordentlich begünstigt ist. Es kommt in dieser Beziehung gleich hinter dem Rheinland. Bei Miltitz in Sachsen gibt es weitausgedehnte Rosenfelder: hier wird nach bul» garischem Muster eine schwunghafte Rosenölerzeugung be- trieben/ Allbekannt ist der 1000 jährige Rosenstock am Hildesheimer Dom: er ist aber nicht der größte Rosenstock Deutschlands: diesen Ruhm beansprucht vielmehr ein 1881 als Wildstamm mit einer Tee- rose okusterter Rosenstock tm Wehrleschen Garten zu Freiburg i. Vreisgau, der berits 1920 gegen 13 000 Blüten entfaltete und sich voraussichtlich noch weller entwickeln wird. Möglicherweif« erreicht er in dieser Beziehung den zugrundegegangenen berühmten Rosen- bäum von Toulon, der jedes Jahr SO— 60 000 Blüten öffnete. Bauernregeln im Dichte der Wiffenschaft. Die heutige Wetterwissenschaft hat, obwohl sie noch vielfach ungläubigem Achselzucken begegnet, die Wettervorhersage in begrenztem Umfang doch auf eine sichere Grundlage gestellt und ist jenen Wetterpropheten, die sich nur auf ihren„Wellerinstinkt" verlasien, bedeuteno überlegen. Trotzdem wäre es falsch, den Schatz von Jahrhunderte alten Erfahrungen zu verachten, der in den sog. Bauernregeln aufgespeichert ist. Die moderne Meteorologie hat in mancher Hinsicht die Angaben dieser knappen Sprichwörter und Knüttelreime bestätigt. Eine Regel lautet tz. B.„Nasse Pfingsten, fette Weihnachten" und eine andere„Lichte Weihnachten, lichte Scheuer n". Diese beiden Formulierungen werden, richtig gedeutet, von der Wissenschast bestätigt. Die erster« besagt, daß ein nasses, regenreiches Frühjahr tut ist für eine reiche Sommerernte, die dem Bauern Geld bringt, odaß er ein„fettes" Weihnachtsfest feiern kann. Die zweite Regel tellt fest, daß ein„lichtes", d. h. schneeloses Weihnachten oft eine schlechte Ernte ankündet und somit leere Scheuern hervorruft, weil entweder der Frost zu«es in den Boden eindringt und die Saat beschädigt oder bei milder Witterung die Vegetation sich zu zeitig rntwickell und dann leicht in den unvermeidlichen Frühjahrssröstcn zu Schaden kommt. Die Wissenschast hat sogar auch in solchen Bauernregeln, die man bis vor kurzem noch für reinen Aberglauben hiell, einen richtigen Kern entdeckt. Die allbekannte Regel, daß Regen om 27. Juni, dem Siebenschläfertag, einen verregneten Hochsommer, ein trockener Siebenschläfer dagegen einen schönen Sommer nach sich ziehe, Ist In dieser Form natürlich irreführend. Das Wetter eines bestimmten Tages hat für die Zukunft nichts zu bedeuten. Sagt man aber statt„Siebenschläfer" allgemeiner„die Zeit Ende Juni oder Anfang Juli", so entpuppt sich aus dem scheinbaren Aber- glauben die ganz richtige Beobachtung, daß die durch einen beson- ere deutlichen Charakter günstig oder ungünstig ausgeprägten Sommer beim Uebergang des Juni zum Juli diesen ihren Charakter zum erstenmal unverkennbar hervorkehren. Ebenso spiegelt sich in verschiedenen Wetterregeln die Erfahrung wieder, daß alljährlich im Herbst der prächtige Nachsommer des September oder Oktober ein- setzt. Wenn also der Bauer diesen oder jenen bestimmten September- tag für die Witterung der nächsten vier Wochen ausschlaggebend sein läßt, so darf man dies nicht so genau nehmen; nicht nur E g i d l (1- September) oder Maria Geburt(8. September) oder N i- k o l a u s(10. September) sind der Wettermacher, sondern richtig meist erkennen läßt, ob der Nachsommer jetzt oder erst später ein- setzen wird. sNa>»snl!W Natunvisseaschast Der Debenslauf der Schabe. Der deutschen Schabe, dem lästigen Jusekt, das unsere Küchen und Keller heimsucht, hat Johann Wille eine auf genauen Studien beruhende Lebensbeschreibung gewidmet, aiis der H. Hoffmann in der„Naturwissenschaftlichen Wochenschrift Interessantes mitteilt. Die deutsche Schabe ist hauptsächlich auf Räume mst einer regelmäßigen Temperatur von zirka 20 Grad beschränkt. Durch Licht und Feuchtigkeit wird das Tier fast gar nicht beeinflußt. Das Höchstmaß der Temperatur, das es erttägt, ist 40 Grad, das Mindestmaß 4 Grad Wärme: bei 42 Grad tritt Wärme- starre, bei 2 Grad Kältestarre ein. Sehr empfindlich ist die Schabe gegen Luftströmungen, gegen Hunger aber ziemlich wider- standsfähig. Tagsüber fitzen die Tiere in ihren Verstecken und nehmen dabei eine ganz besondere Ruhe- oder Lauer- stellung ein, wobei die Fühler schräg nach vorn oben ge- richtet sind. Als Spaltweite, die den Tieren noch als Versteck oder Durchschlupf dienen kann, wurde für Larven etwa 1 Millimeter, für erwachsene Tiere 1,5 Millimeter, für Weibchen mit Kokon etwa 3— 4 Millimeter festgestellt. Bei einttetender Dunkelheit suchen die Tiere ihre Futterplätze auf: ihnen stehen drei Bewegungsarten zur Verfügung: Laufen, Springen, Flattern. Charakteristische Bewegungen der Schabe sind die Putzbewegun» gen, wobei die Antennen und Beine meist mit den Mundwerkzeugen, alle übrigen Teile des Körpers aber mit den Beinen gesäubert wer- den. Die Ursache für diese Putzbcwegung ist nicht nur in dem Wunsch der Reinigung, sondern auch in der Einwirkung von Riech- stoffen und Gasen zu suchen. Die Nahrungsstoffe, die die Schabe mit ihren beißenden Mundwerkzeugen aufnimmt, find außerordent- lich mannigfach. Zwar lehnt sie Fleisch, Getteide, Leder, Gewebe ab, doch ist ihr sonst jede Nahrung recht, die sie findet. Etwa 11 Tage nach der Kopulation beginnt bei dem Weibchen die Bildung des Ko- kons. Nach 24 Tagen wird das Kokon abgelegt, und eine halb« Stunde später schlüpfen die ersten Larven aus. Die Larven machen 6 Häutungen durch und brauchen vom Ausschlüpfen bis zur Aus- bildung des fertigen Infekts etwa 170 Tage. Die männlichen Schaben sterben nach etwa 15 Tagen, die weiblichen nach 30—40 Togen. Als Bekämpfungsmittel dieser Insekten kommt neben Giften, die ihnen zum Fraß hingestreut werden» besonder» die Durch« gasung mit Blausäure in Betracht. sWllD�SlDlW� Urgeschichte Di« Entstehung des aufrechten Ganges. Di« den Menschen au»- zeichnenden KSrperbildungen lassen sich nicht aus den entsprechenden formen seiner nächsten Verwandten, der Menschenaffen, ableiten. Man muß daher annehmen, daß Mensch und Menschenaffe sut«in« gemeinsame Ahnenform zurückgehen und sich dann nach verschiedenen Ricktungen weiterentwickellen. Diese Auffassung, die besonders der verstorben« Anthropologe Hermann K l a a t s ch vertteten hat, wird von H. Echlinger in den„Naturwissenschaften" näher begründet. Der Mensch hat Körperbildungen bewahrt, die bei den ursprüng- lichen Säugetieren angelegt waren und von denen sich die heutigen Vertreter dieser Klasse in jahrtausendelanger Entwicklung entfernten. Wahrscheinlich sind die Vorfahren der heutigen Äenschenasfea menschenähnlicher gewesen. So finden sich z. B. oei jungen Anthro» poiden Kopsgrößen und schöne Scheitelwölbungen, die den mensch- lichen Formen nahestehen. Die Vierhändigkeit, die auch der Vor- mensch besaß, ist von allen Affen bewahrt worden. Durch die Rück- bildung des Daumens aber wurde ihre Hand zu einem Kletterwert» zeug, während die Menschenhand sich zu einem vielseittg verwend- baren natürlichen Werkzeug entwickelle, durch das erst die Aus« bildung künstlicker Werkzeuge möglich wurde. Ein besonderes Merk- mal des Menschen, wie es bei den Säugetieren nirgends vorkommt, ist der Fuß. Er mag aus einem Urzustand des„Handfußes" ent- standen fein, wie ihn noch heute der Gorilla aufweist. Nun hat man früher gemeint, der Menschenfuh sei erst nach dem Uebergang zur aufreckten Körperhaltung ausgebildet worden. Nach den neuesten Annahmen hat sick aber erst der aufrechte Gana entwickett und danach bildete sich dann das bisherige Greisorgan oes Vormenschen zu einem Stützfuß. Die Ahnen de» Menschen müssen Lebens- bedingungen unterworfen gewesen sein, durch die eine Verstärkung der hinteren Gliedmaßen und eine entscheidende Umwandlung de« Handsußes notwendig wurde. Der weitestgehende anatomisch« Unterschied zwischen Greis- und Stützfuß liegt in der großen Zehe, die nock bei manchen farbigen Rassen in ihrer Stellung und Bs« weglichkeit an die ursprünglichen Verhältnisse erinnert. Zur Erklärung de» Heranrückens der Großzehe an die übrigen Zehen wird nun ein Klettermechanismus herangezogen, wie er noch bei manchen Naturvölkern, so bei den Australiern, angewendet wird. (Ts wird dabei ein biegsamer Zweig um den Stamm geworfen und dann immer- höher und höher hinanfgeschoben, indem der Natur« mensch die Schlinge mit beiden Händen festhält und mit den Füßen den Stamm umklammert. Die gemeinsamen Ahnen des Menschen und Menschenaffen müssen einen solchen Klettermechaniemus in weitestem Umfange verwendet haben. Dadurch werden die Muskel- Massen der Schultern besonders stark entwickelt worden fein: ebenso wurden die zum Nackschieben des Körpers dienenden Muskeln des Gesäßes verstärkt. Diese Muskeln sind es nun aber zugleich, die die Haltung der Wirbelsäule in ausrechier Stellung am besten er- möglichen und zugleich die RückwSrtsziehung der Schultern gestatten, wodurch der Kopf seine freie Bewegung erhält. Das Er- steigen der Vämne, wie es für den Urmenschen angenommen werden muß. hat also gleichzeitig die eigenartige Bildung des Menschen- fußes und die aufrechte Korperhaltung begünstigt. Nie genug. Fahr hunderkmal dieselbe Straße, du machst deck immer neue Gleis«: Und ob du hundert Zahre lernst, zum Lerne» wirst du nie zu weis«. Wilhelm Müller.