Nummer 51 4� a 22.Dezember1Y21 Unterhaltungsbeilage öss vorwärts- Ein Tannendaum im Schwarzwalö steht Von Gottfried Keller. Ein Tannenbaum im S6)war?wald steht, Der wächst schon manches Zahr, Sein Haupt empor ins Liane geht, Da fliegt fein grünes haar. Die wnrzel hat den Erdengrnnd Gar inniglich erfaßt; Und darum bleibt der Baum gesund Wie Süd und Nord auch rast. Doch alles, was auf Erden ist, Muß haben feine Zeit: Und oud, der Baum zu seiner Frist Zum Fällen ist bereit. Dann schmückt man ihn, dann führt mau ihn Den grünen Rhein entlang, Auf Donau, Spree, nach Wien, Verlin Rlit Hellem Sang und klang. O ZNaienlnst, o Freiheitsbaum! So jugendlich und grün: Die wirst du. aller ZNenfchentraum, Danä ewig, ewig blühn. Wintersonnenwende. Eine Jugenderinnerung von Ernst Zahn-Vreslau. Die bei allen unter der Ungunst des Winters leidenden Nalur- Völkern zur Zeit der Wintersonnenwende veranstalteten Freuden- feste, die in unserer Weihnachts- und Neujahrsfeier fortleben, wer- den uns jetzt, wo der ärmeren Bevölkerung die Beschaffung von Wärme und Licht so schwer wird, wieder mehr verständlich. In den letzten Jahrzehnten vor dem Kriege war uns dieses Verständnis etwas abhanden gekommen. Petroleum-, Gas- und elektrische Lampen erleuchteten an den langen Winterabenden Straßen und Wohnungen, und für zehn Pfennige konnten wir uns das fchönst« Licht oder eine warme Stube verschaffen. Zue Zeit meiner Kindheit, Ende der sechziger und Anfang der flebziger Jahr», war es damit noch nicht so gut bestellt. Das eiektrische Licht war damals noch nicht erfunden. Gas nur in größeren Städten vorhanden und Petroleum etwa doppelt so teuer als vor dem Kriege. Dabei der Verdienst sehr gering und obendrein auch noch unsicher. Mein Vater erhielt als Kutscher bei einem Landarzt gan�e sK'vn Taler monatlich, ohne irgendwelche anderen Bezüge, und meine Mutter, die wie alle Frauen der ärmeren Bevölkerung mit „zu Brote arbeiten" mußte, bei elfstündiger Arbeitszeit 40 und später 50 Pfennig den Tag. Bei diesem geringen Verdienst und dem teuren„Leuchtfel" mußte natürlich mit dem Licht äußerst sparsam umgegangen werden. Gänzlich ausgeschlosten war es, daß wir Kinder bei der Lampe Schularbeiten machen oder gar ein Buch lesen durften. Sobald die Mutter aus der Arbeit kam— der Voter mußte im Pferdestall schlafen und kam zudem meist erst fehr spät von den Ausfahrten zurück—, wurde das karge Abendessen verzehrt, und dann ging es gleich in» Bett, um Licht zu sparen. Bei kaltem Wetter war das übrigens auch nöttg. Kohle tonnte nicht getauft werden, und so wurde mit holz gefeuert, das aus dem Walde geholt werden mußte. Eine.glühende Plätte" gab es davon nicht so leicht, nur daß die Speisen— Schalkartosfeln oder Suppe, etwas anderes gab es nicht — abgekocht werden konnten. Das bißchen Wärm« war daher rasch wieder verslogen. Die Fenster wurden im herbst mit„Must" (Moos, Gras) versetzt; die dünnen Wände, die schlecht schließende Tür und der schadhafte Ofen sorgten für rasche Ventilation. Meine Mutter sagt«'daher oft:„Ich weeß nich,'s Feuber is kaum aus und 's halt schon wieder tahlt ei der Bude." Die Feuerung herbeizuschaffen lag uns älteren Kindern ob. Truppweise gingen wir in den Kiefernwald. Da bei ruhigem Wetter nicht viel holz am Boden lag, mußte gebrochen werden, hierzu benutzten wir einen an langer Stange befestigten haken. Das Ab- brechen verursachte natürlich lautes, weithin hörbares Knallen, was uns nicht selten die in der Nähe weilenden Förster oder Waldhüter auf den hals zog. Manchmal kamen wir nicht mehr rechtzeitig da- von, und wenn wir auch den Förstern noch entwischt waren, dann stellten uns die Hunde, und wir mußten halt machen, die Bürden ablegen und zusehen, wie die unbarmherzigen Männer unsere Riemen und Stricke zerschnitten. Das schlimmste aber war, daß wir ohne holz heimkehrten Damit war es ober noch nicht genug; auch unsere Namen wurden notiert, und wir mußten im Sommer un- entgeltlich tagelang Strafarbeit im Walde oerrichten. Kohlen versuchten wir auf andere Weise zu erlangen. Da mein Heimatsort Bahnstatton war, auf der fast täglich Kohlen abgeladen wurden, bot sich hierzu durch das Auflesen der kleinen von den Kastenwagen herabfallenden Stückchen Gelegenheit. Sehr lohnend war das Geschäft freilich nicht. Manchmal wendeten wir auch da» Mittel der Bestechung an, indem wir den Fuhrleuten einen Sechser oder eine Zigarre reichten, worauf sie uns ein paar Kohlenstücke herunterwarfen. War die Luft rein, so schlichen wir uns wohl auch an die Abladestellen heran und lasen rasch die danebengefallenen Stücke auf. Dieses gewagte Unternehmen ließ sich aber nur aus- führen, wenn die Zahl der Kohlenklauber nicht groß war. Beson« der» zu Zeiten großer Arbeitslosigkeit und Not schwoll die Zahl manchmal aus 30 bis 40 Personen an. Dann geschah es oft, daß wir auf Geheiß des Vorstehers vertrieben wurden. So drängte uns di« bittere Not schon als Kinder, das siebente Gebot, das wir oft in der Schule hersagen mußten, zu übertreten. Not kennt eben kein Gebot. Der Einttitt der Wintersonnenwende hatte daher auch für uns eine große Bedeutung. Nun stieg die Sonne doch bald wieder höher. Wohl standen uns noch zwei böse Monate— Januar und Februar— bevor, aber das Bewußtsein, daß es doch auf Ostern zuginge, belebt« unsere Hofsnungen Das herannahen der warmen Tage wurde daher mit Freuden begrüßt, und wenn dann gar im Frühling Winterstürme dem Wonnemond wichen, hatte auch unsere Not ein Ende. Dann stellten wir das schwere Schuhzeug in die � Kammer, und nur mit Hemd und Hose bekleidet und„Harbs" ging's über Stock und Stein. In der warmen Luft heilten unsere er- frorenen Füße und Hände schnell, und bald waren die Leiden, die der Winter uns aufgezwängt, vergessen. So ging es meine Schul- zeit hindurch, bis ich endlich mit ISH Jahren konfirmiert wurde und als Bauarbeiter elf Böhm(Groschen) den Tag verdiente. Da war das Maß unseres Glückes voll, denn damit hatte der Winter seine Schrecken für uns verloren. Von dieser Zeit an konnte meine Mutter— der Vater war inzwischen gestorben— die Feuerung selbst kaufen, wir brauchten also nicht mehr zu stehlen. Die harte Schule, In die mich das Leben geschickt, hat mich früh zum Klassen- kämpfer gemocht, und solange ich atme, will ich mithelfen, daß die Wintersonnenwende des Proletariats, das Weihnachten der Mensch- heit, komme! Werke unö Menschen. Von Max Hochdorf. Wenn der Vorwärtsverlag Eduard Moerikes berühmt» Mozart-Novelle neudruckt, so legt er seinen arbeitenden Lesern eine» der schönsten deutschen Prosastücke ans herz, hier hat sich di« ' lyrische Romanttk am süßesten offenbart und es geriet dieser Künstlernovelle zur besonderen Zierde, daß nicht nur das Phantastisch« anklingt. Dos unendlich Schwermütige des Genies wird beredt. � Moerike war ein Träumer und ein Psychologe der hellsichtigkeit zu- gleich. Und mit dieser verfeinerten Sinnlichkeit, die ins Uebersinn- liche eindringt, kommt er unseren reizboren Nerven heute noch nah. Deswegen ist der romantischste unter den modernen Erzählern Deutschlands, Wilhelm Schmidtbonn, ihm in vielem so f«rile, doch in viklem wieder so venvandt. Schniidtbon» ist Naturalist und Moralist zugleich, ja er hat in der Legende vom »Heilsbringer" einen sozialen Roman geschrieben, den man mit Unrecht vergaß Er baut sich aber aus seiner durchaus weltlichen Menschenbetrachiimg eine höchst eigentümliche, heirmülich durch* duftete Welt auf. Seine Geschichten von den rheinischen„User- l« u t e n"(Fleische! u. Co.), die jetzt neu gesammelt und bereichert wurden, seien mit der ergreifenden Hundegeschichte:„Die Flucht zu den Hilflosen" vereinigt(Talvcrlag, Wien). Fürwahr, die In- brunst des Dichters, des Dichters Herz und seine quellende Harmonie offenbaren sich in allen diesen Stücken kostbar und wahrhasng. Anatole France, den die zufällig nicht blinden Richter für den Nobelpreis europäisch krönten, hat einen oplitischcn Roman geschrieben, ein Stück aus der französischen Gegenwartsgeschichte (verdeutscht als„Die Ulme am Wall" im Musarion-Verlag). Er wandert darin in die Geschichte der Vergangenheit rückwärts, damit er d>e Oekonomie für jedes Lichtlein seines Augenstudiums entdeckt. So überschätzt er in der Gegenwartspolitik weder die Rückständigen noch die Radtkalen. So zeigt er alle Quellen des Alten, die das Junge berieselten. Und es ist seine Kunst und sein Geheimnis, daß seine Historie belehrt, ohne durch Langeweile zu erdrücken. Wir Deutschen können aus solchen Romanen zur Er- lenntnis des heutigen Frankreichs mehr lernen, als aus vielen nur wissenschaftlichen Werken, die bloß trocken über den gleichen Gegen- stand lmndcln. Wöhrend wir nun dieses große, noch keineswegs vergreiste Talent der Klarheit schmunzelnd lesen, dürfen wir nicht vergessen, daß Frankreichs fruchtbare Literatur einen wundervollen Dichter der aufopfernden Menschenliebe hervorgebracht hat: jenen Char- les Louis Philippe, der Sohn eines armen Holzschuhmachers war, dann in schäbiger Beamtenstellung z» Paris schuften mußte, um schließlich als ein zufriedener Märtyrer stille, große Romane der Nächstenliebe zu dichten. Wir kennen ihn in Deutschland wenig. Auch in Frankreich hat er noch keineswegs breite Volkstümlichkeit gefunden, obwohl er ein geistiger Vater des Kameraden Henri Bar- busse wurde. Die deutsche Gesanitausgabe seiner Werke, für die ich den„Bubu von Montparnasse" übersetzte, hatte wenig Glück im Vergleich zu allerhand französischer Exvortliteratur. Deswegen soll man den Mut des Jnselverlages rühmen, der die Iugendbriefe Philipps und fein Romanfraginent„Charles B l a n ch a r d" verdeutschen ließ. Das Knabenleben des alten Philippe wird hier getreulich berichtet, ganz schlicht, ganz sachlich. Das bewegende Kaiptel von der Tragik des Brotes hat biblisch« Gleichnissucht. Der Knabe wächst, die Kleider werden ihm zu enge. Ißt er wenig, so bleibt er schmächtig, und die Kleider werden noch reichen. Ißt er ordentlich, dann werden die Glieder das Gewand sprengen. Wie es auch sei, die Not hört nie auf, sie wächst ständig im Haus des armen Mannes. Das Brot ist unaushörlich der Feind des Brotes. Die Dichter dieser Gemeinschaft, zu der der fromme Antwerpener Max Elskamp und der heut bejahrte Georges Cckhoud gehörten, achteten das einfache Wesen des Volkes tief. Sie waren gefühlvolle Na- turen, ober alle einer fast ländlichen, einer zum mindesten provin- zlellen Urwüchsigkeit voll. Sie haben den Naturalismus der Zola und Goncourt aus seiner Kälte befreit, sie haben eine wilder schla- gende Seele in die Literatur gebracht, aber auch in die Malerei und In das Kunstgewerbe. Georg Brandes erwarb sich große Verdienste um die Ver- mittlung geistiger Wert« und Welten. Die Seelenbiographien, die er über Balzac, Flaubert, die genialen Russen, Lasialle, Stuart Mill und Shakespeare schrieb, zählen zu den erquicklichsten Arbeiten der vergleichenden Literaturgeschichte. Aber es bleibt alles etwas äußerlich am Körperlichen, am Anekdotischen und an jenen Gebieten hasten, die nur der Verstand erreicht. Bis an Haut und Knochen des Genies kommt Brandes, bis ans Blut nicht oft. Er täuscht sich, wenn er sich einen Betrachter der Weltliteratur im Goetheschen Sinne wähnt. Goethe war ein kosmopolitischer Kopf geworden, darüber hinaus ober eine kosmopolitische Phantasie, die sich feierlich auf alle Weltenklänge einstimmt. Der Kopf Goethes wurde für Georg Brandes, der ein reiches, den Fleiß hundertfach erweisendes Goethebuch schrieb(Erich Reiß), das anziehende Objekt. Der Historiker bekennt sich durch beinahe religiöse» Eid zu dem Olym- pier, und er meint das beste Werk der Völkerverföhnüng zu schaffen, indem er diesem Ranien seine nun religiös gesteigerte Weltmanns- Philosophie unterwirst. Brandes benutzt fein Goethebuch, um die Ewigkeit des- Olympiers zu- erweisen, die über die Kleinheit der kulturellen Tageskämpfe erhoben wird. Der Däne verwandelt feine» deutschen Heros in einen idyllischen Uebermcnschen höchster Qualität. Und mag auch von der wissenschafttichen Biographie zur frei er- fundenen Dichtung ein weiter Weg sein, so läßt sich doch eine ver- wandtschaftliche Geistesverfassung zwischen dem Biographen Lran- des und dem Epiker Eerhart Hauptmann fühlen, der in ungezwungen strömenden, aber der Hausbackenheit nicht immer ausweichenden Hexametern das ländliche Liebesgedicht„A»» a" (G. Fischer) harmonisierte. Der alte Kulturforscher und der an der Schwelle der Sechziger stehende Dichier sehnen den inneren Frieden und das Lächeln herbei, das ihnen eine bittere Einmischung in Gegen- martshändel erspart. Sie wollen einen zeitlosen und unoer- gänglichen Menschen schaffen. Goethe, Mcnschenstoff für den Denker, Anna das Landmädchen, das dem Trunkenbold verfällt und dem dichtend schwärmenden Jüngling versagt bleibt, Menschenstosf für Gerhart Houplniann. Die beinah zeitlose Form des homerischen Verses soll ihm gemächliche Breite gestatten, er denkt natür» lich auch an die sommerliche Schönheit von„Hermann und Doro- thca" und die kleinbürgerliche Beengung der Vossischen„Luise". Ein wenig Erinnerung, geschöpft nnt der Herzensweichheit, und gs- gössen in das Formgefäß der Ueberlicfcrung. Man braucht dies Gespiele nicht zu überschätzen oder achselzuckend abzutun. Das Werk, das entstand, bedeutet an sich wenig, es beleuchtet aber das Bildnis des Dichters mit Milde und Artigkeit. Wie groß find öie Sternes Es ist allgemein bekannt, daß auch in den mächtigsten Fern. röhren neben Sonne und Mond ausschließlich die übrigen Körper unseres Sonnensystems ausgedehnt erscheinen, als scheiden- förmige Bilder der mehr oder minder kugelähnlichen Wcltkörper. Die Tausende von Fixsternen, die schon das unbewehrte Auge er- kennt, bleiben auch bei Anwendung stärkster Vergrößerung am Fernrohr leuchtende Punkte, deren Helligkeit zwar mit der Oefsnung des Fernrohrs, d. h. der wirtsamen Größe der Objektiv- linse, wächst, die ober die Sternoberflächen nicht als Scheiben zei- gen. Alle diese Fixsterne sind Sonnen, die nach Art der unseren in Eigenlicht strahlen: aber sie sind zu weit entfernt, als daß In- strumsnte nach Art der Fernrohre sie jemals, auch bei künftiger höchster Vervollkommnung, als Scheiben wahrnehmen lassen. Den„indirekten" Methoden der modernen Astronomie, die sich namentlich seit der Ausbildung der Sternphysik auf Grund der Lichtuntersuchung ausgebildet haben, ist trotzdem in geeigneten Fällen die Bestimmung von Sterndurchmesiern gelungen. Die Be- deutung dieser Leistung ist klar: Wir vermögen nun unsere Sonne auf viel vollkommenere Weise mit den Millionen Schwestersonnen des Weltalls zu vergleichen als bisher. Wir wcvdcn immer besser erkennen, welche Zustände unsere Sonne in der Vergangenheit ge- habt hat, und welches Schicksal ihr in der Zukunft beschieden ist. Eines der merkwürdigsten und folgenreichsten Ergebnisse der jüngsten Forschungen auf diesem Gebiete ist die Erkenntnis: Es gibt unter den Sternen, deren Licht rötliche Tönung hat, zwei beut- lich geschiedene Gruppen: Giganten und Zwerge. Der mächtigste „gemessene" Riese unseres Himmels ist der linke Schulterstern in dem schönen Bilde des Orion, das an den Winterabenden den Süd- Himmel ziert und dessen vom Arabischen übernommene Name Be- teigeuze ist, d. h.„Schulter des Riesen". Danach hat das heute bei uns eintreffende Licht diesen Giganten etwa zur Zeit von Goethes früher Jugend verlassen, und er ist so ungeheuerlich groß, daß man die Sonne in seine Mitte setzen und die Erde samt dem Monde innerhalb des Sternes umlaufen lassen kännie. Macht man von der Sonne ein Modell gleich einem kleinen Apfel von S Zentimeter Durchmesser, so wird die Erde ein Sande korn von kaum einem halben Millimeter Durchmesser, das in rund 6 Meter Abstand um die Sonne läuft, fenerfeits in einer Entfer- nung von 1% Zentimetern vom Mondstäubchen umkreist wird. Der nächste aller Fixsterne käme als kleiner Ball nach Art der Sonne in Tripolis oder Petersburg zu liegen, der Riese Beteigeuze aber stünde als Kugel von mehr als 12 Metern Durchmesser etwa in 60(XX) Kilometer Entfernung(ein Sechstel beb Mondweite). Einer der kleinsten bekannten Fixsterne ist der von dem Ame- rikaner Barnard 1316 gefundene„Schnelläufer". Im Maßstab unseres Modells müßten wir ihn als Perle von 2 bis 3 Millimetern Durchmesser in Lissabon oder Petersburg anordnen, bliebe der „Sonnenapfel" im mittleren Süddeutschland ruhen. Aus gewichtigen Gründen glaubt man, daß die Massen der Sterne nicht entfernt so groß« Unterschiede aufweisen wie ihre räumlichen Größen. Die obere Grenze von Fixsternmassen mag mit etwa 40 Sonnenmassen gegeben sein. Der Gigant Beteigeuze muß also ein Gasball fein, dessen Dichte ganz unvorstellbar gering, überaus viel geringer als die der atmosphärischen Luft ist. Viel- leicht haben wir in diesen„Riesen" die jüngsten bisher erkannten Fixsterne vor uns. Vielleicht spielt sich das milliardenjährige Leben einer Sonne, soweit es sich uns In Veränderungen der Sterne dar- stellt, so ab: daß der Riesenball dünnster Gase sich zusammenzieht, dabei mehr Kontraktionswärme entwickelt, als ihm an Strah- lungeenergie verloren geht, also kleiner und heißer wird, bis schließ- lich der Stern kleiner, dichter und von iimmer geringerer Ober- fiächentemperatur wird. Am Anfang der Entwickiungsfolge wäre dann der Stern ein Gigant, am End« ein Zwerg. rli. Suten. Von Henri L e h n.'a n n. Unheiisgeistcrl— Aus der Tiefe fprangen sie empor. Dort hatten sie geschlummert den ganzen langen blauen Tag hindurch unter der blanken Wasserfläche,— nein,— sie hatten nicht geschlummert, sie hotten gewacht und gelauert, denn sie wußten, daß ihre ZrX kommen würde. Aber nun war die Zeit da, und nun sprangen sie gegen die glatte Fläche und jagten sie auf. daß sie anmutig zu schäumen begann, und sie jagten den weißen Schaum ans Ufer,— immer rascher jagten sie ihn, immer höher hinauf gegen die Düne über den fahl schimmernden Sand,—„Ohr hattet gedacht, wir wären gestorben, aber wir sind noch da. wir kommen, wir fassen euch,— schneller,— schneller,-- heißa'" Das waren die aus der Tiefe.— Und von oben schössen sie herab aus den grauen Wolken, die sich zusammenballten, als die Sonne sank,— nun tauchten sich die Wolken in dunkles schwärzliches Blau und darunter stand scharf ein schwefelgelber Streif. Und die von unten und die von oben trafen sich und wirbelten die Lust und den stiebenden Sand und den blasigen Schaum hoch auf, daß er in Flocken auk das graue harte Dünengras sprang, Unheilsgeister!— Stumm stand die schwere Gestalt des Schiffers oben an dem eingcrainmten schwarz geteerten Pfahl aus der Düne, der rote Bart umstarrte das knochige Gesicht, und die runde, hohe, randlose Mütze war fest über Haar und Stirn gezogen. Die Augen hatten die stumpfe farblose Dunkelheit der Flut, auf die sie starrten. Hinter ihm lag das Dorf. Die Mühle stand hoch und schwarz. Die Flügel waren festgestellt und standen unbeweglich und starr in dem hcranrasenden Sturm, der sie fassen und herumjagen wollte. Plötzlich schoben sie sich langsam vor. und nun drehten sie sich immer hastiger, immer schneller, wie in Angst und Zorn.— Die braunen Strohdächer aber duckten sich unter den schiefgewachsenen nach einer Seite überhängenden Weiden, und fernher klang, fast wie ein Schrei, las Brüllen einer Kuh. Der Mann stand noch immer und starrte hinaus. „Ob he woll hüt noch buten is?" Eine Frau stapfte mit schwerem Schritt vom Dorf her über das Stoppelfeld der Düne zu. Sie hotte den faltigen schwarzen Kleider- rock hochgewendet und ihn zum Schutz über den Kopf geschlagen. Unter dem Kinn hielt sie ihn zusammen mit der knochigen vcr- arbeiteten Hand. Sie trat neben den Mann. „Ob he woll hüt noch buten is?" sagte sie, und dann starrte sie auch mit dem gleichen stumpfen glanzlosen Blick, in dein die Angst eines ganzen Menschenlebens lag, auf die Flut. Nun starrten sie beide hinaus, ohne weiteres zu sprechen. Sie starrten hinüber nach Schiffslichtern, die im Nebel auftauchten und wieder im Nebel versanken, sie sahen es'draußen schattenhaft schwan- ken wie sturmgekrümmte Segel, und nun sank die Dunkelheit ganz tief und ganz schwarz herab und löschte jede Form und Farbe und jeden Glanz aus der Welt. Sie trank in ihren Nebelballen auch das Licht der Leuchtboje, die drüben auf der Sandbank hin und her rollte.— Langsam und schwer stapften der Mann und die Frau zurück von der Düne durch das harte steife Dünengras, das der Sturm gegen ihre Fußknöchel schlug, durch das kahle Feld zu dem einsamen Haus hinter der Seedornhecke, und sie legten sich drinnen zu Bett, ohne ein Licht anzuzünden. Aber beider Augen starrten immer noch glanzlos in das Dunkel, die ganze Nacht hindurch, ohne daß der Schlaf hineinkam, und die ganze Nacht hindurch stand auf beider Lippen stumm die Frage:„Ob he woll hüt noch buten is?" Denn «r war ihr einziger Sohn und ihr letzter. Drei hatte das Meer ge- nommen. Nicht weit vom Lande hatten die von oben und die von unten ein Schiff gefaßt und warfen es hin und her und spielten Fangball damit m.d warfen es auf die Sandbant, daß es krachend barst. Der Kapitän und der Steuermann hielte» sich hoch oben an den Mast geklammert, auf dem Wasser trieb die Leiche-des Schiffsjungen. Als die von oben und die von unten stiller wurden und das Licht der Leuchtboje wieder durch de» dünneren Nebel blitzte, fuhr sein Strahl über ein stilles weißes aufwärts gekehrkes Knabengesicht. Ob he woll hüt noch buten is?— Irohliche Weihnachten! Bon Hans Klabautermann. Der liebe Weihnachtsmann hat dieses Lahr wenigef zu tun al» sonst. Aber die schriftlichen Arbeiten mehren sich. Er muß vielen artigen und bewährten Kindern eine Absage schreiben. Selbst de? Weihnachtskuchen wird diesmal erheblich kleiner, obwohl die Land- wirt« Opfer über Opfer bringen. Ein Ei vier Mark! Die Hennen machen es heutzutage nicht billiger. Aber das Christkind denkt doch an uns. Erstens schenkt uns die Eisenbahnverwaltung die 24-Stunden-Zeit. Wir gehen künftig nickst um 11 ins Bett, sondern um 23. Endlich haben wir's gejchafft. Es schlägt 13. Zweitens beschert die Eikofilm-GeseUfchoft dem deut- fchen Volk einen Film„Aus guten und böten Tagen", in dem der Kaiser bei Truppenschauen, bei Ansprachen und Frontbefuchen ge- zeigt wird. Vielleicht sieht man auch, wie sein« goldenen Tafel- services nach Holland geschafft wi-rden. Am politischen Horizont ballen sich drohend schwarze Wolken und verdüstern die Zukunft unseres geliebten Vaterlandes. Die Ant- wortnote der Reparationskommiffion klingt kühl, abweisend und hoch- fahrend. Wenn die Sozialisten besähigt wären, Einsicht zu hobrn, so würden sie sehen, daß die unselige Erzberger-Politik uns weit gen ig erniedrigt hat. Unser deutschoölkisches Herz krampst sich zusammen im Schmerz über die Schmach in Leipzig, wo echte Edelleute mann- hast kämpfen und ihr« heiligsten Gefühle unter dem Zwang der Justiz der Straße einer hirnlosen Proletarierrolte preisgeben müssen, wo hohe Intelligenz und ftaatsmännische Befähigung nichts gelten und unverdaute, unreife Anschauung und Anmaßung sozialistischer Minister alles. Mögen der Demütigungen noch mehr kommen, möge unser Weg nach Golgatha noch steiniger werden, uns ficht es nicht an. Ist uns doch von der Lichrgestalt des Weihnachtsengels ein« frohe Botschaft geworden, die unser vaterländisches Herz höher schlagen macht. Die Wahrheit bricht sich Bahn, unaufhaltsam, wie eine Lawine. Endlich, nach banger Zeit des Wartens vernehmen wir die lang entbehrten Wort« unseres geliebten Monarchen, Seiner Majestät Kaiser Wilhelms II. Schlichte Worte und dennoch brausend über die Lande. Der Generaifeldmarichall v. Hindenburg hat in diesen Adventstagen dem aushorchenden Volk seine Korrespondenz mit S. M. bekanntgegeben. O möchte er es fühlen, der bessere Teil des Aolkes wahrt ihm die alte Treu« und jubelt ihm begeistert zu. Neben dem geschichtlichen Wert, den sie an sich darstellt, steckt in ihr ungeheure erzieherisch« Bedeutung, die hoffentlich in nicht allzuferner Zeit unser armes sozialistisch verblendetes Bolk wohl- tätig beeinflusien wird. Wir meinen die vorbildlich« Form des Ver- kehr- zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zwischen dem obersten Kriegsherrn und seinem Generalfcldmarschall. Hören wir Hinden- burgs eigene Worte:„Euerer Kaiserlichen und Königlichen Maftstät bitte ich für das gnädige Interesse an der Krankheit meiner Frau ehrfurchtsvollsten Dank unterbreiten zu dürfen." Weiche Schlicht- heit des Ausdrucks. Doch hören wir weiter:„Ich habe das Glück und die Ehre gehabt, zu Euerer Majestät in nahe persönliche Be- Ziehungen zu treten... In tieister Ehrfurcht, in rln begrenzter Treue und Dankbarkeit Euerer Kaiserlichen und Königlichen Maftstät unter- tänigster..." Wenn die Arbeiter von einem ähnlichen Geist beseelt wären wie die Edelleute, so.stände es besser um Deutschland. Die sozialistische Seuche hat den Arbeiter vergessen gelehrt, daß er seinem Arbeitgeber Dank schuldet, von dem er Brot und Lohn empfängt. Er bittet nicht, sondern fordert. Und wenn seine maßlosen Forderungen nicht so erfüllt werden, tritt' er bedenkenlos in den verbrecherischen Streik. Obwohl der Himmel uns nicht das echte, rechte Christwetter beschert, strömt in diesen Tagen ein Hauch versöhnender Liebe vom Himmel. Es ist, als ob sich der Mensch unter den Fittichen des Weihnachtsengels seines hastenden Krämergeistes entschlüge. Wir die Straßen sich durch die Boten unserer deutschen Wälder, die trauten Tannen, verklären, leuchten auch die Gesichter der Menschen gütiger, leidenschaftsbereit. Zllles ein Zeichen des Wohltatwillens, der Erfreuensbereitschaft. Wir möchten behaupten: Es gibt kein« Nörgler in der seligen Weihnachtswoche. Der lieb« Weihnachtsmann schenkt uns die neuen Postgebühren. Unsere poplige Friedensgroschenmarke war also mehr wert als jetzt ein schöner Einmarkschein. Die Glocken vom Turm jubeln. Sie sagen Iosua, 2i. Kap. Vers 15 also: Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen. So steht es über dem des Pfarrers, in dem sich ein Dienstmädchen wegen schlechter Behandlung'das Leben genommen hat. Nur da, wo Staat und Kirche ein Ganzes bilden, wo die Untertanen im Pfarrer ein leuchtendes Vorbild haben, kann die Moral gedeihen. Ein Pfarrer hat wie jeder andere Mensch das Recht, sich schlecht zu benehmen. (Herr Klabauiermann teilt uns— leider erst nach Drucklegung— mit:. ..Durch ein unbegreifliches Perlesten meines SchrelbmaschinenfrSuIeins stnd die Stenogramm« der Wriliuachtsbetra-btungen für den„Lokal-Anzeiger" und den ..Vorwärts" durcheinandergebracht worden. Im letzten Abschnitt ha� sie sogar die einzelnen Sätze zusammengewürfelt.) Wissen und Schauen M Tiere eintreten. Es ist erfreulich, dnß diese Erkenntnis auch bei den Einheimischen wach wird. Aus verschiedene!! Gebirgsteilen werden horstende Adler gemeldet. So wciß ein Forstmann aus Vorarlberg drei Adlerpaare, die in den rhätischen Alpen südlich der III nisten. Sn dem Naturschutzgebiet, das der Verein Naturschutzpark(Stuttgart) erworben hat, wurde ebenfalls ein Adlerpaar beobachtet. Es ist zu erhoffen, daß in den waldeinsamen Hochtälern dort bald weitere Raubvogelpaare Schutz suchen. Uralte Zirbelwälder, wilde Fels» kämme und versteckte Hochkare finden sich in Fülle für den Vogel. Aber auch der Wanderer wird ergriffen die Stille dort achten. Gefrorenes Leben. Unserer Zeit scheint es vorbehalten zu sein, auf dem Gebiete der Erhaltung und Bewahrung der Kräfte de» Lebens entscheidende Schritte vorwärts zu tun. Nach den viel ge. feierten und viel angefeindeten Versuchen Steinachs hat man neuer» dings in Amerika Versuche gemacht, mit Hilfe der Kälte eine förmliche Konservierung der gesamten Lebensfunktionen eines Lebewesens zu erzielen. Die Untersuchungen stammen, wie die„Kälteindustrie" berichtet, von Profesior Dr. William I. Thayer in Baltimore. Seine Versuchstiere sind hauptsächlich Eidechsen, Frösche, Mäuse und Ratten, die lebendig In einem Gefäß mit flüssiger Luft(minus 149,40 Grad Celsius) eingefroren werden. Für die Dauer diese» Prozesses, der nur wenige Augenblicke in Anspruch nimmt, wird den Tierchen noch Sauerstoff zugeführt, nach dem Einfrieren werden sie jedoch luftabgcschlosien für Wochen und selbst Monate in den Schrank gestellt. Wird nun ein auf solche Weise eingefrorener Frosch nach gewisser Zeit völlig steif und leblos aus der flüssigen Lust ge» nommen und einige Minuten dem Einfluß der Lufttemperatur aus- gesetzt, so erwacht er zu neuem Leben Kaltblüter eignen sich befon- ders zu solchen Versuchen, aber auch bei Warmblütern sind Erfolg« fÄtS SÄtTÄ» W f w» wtLivf w»fnintfUln Tnn n e 1 wieder zu erwecken.— Praktische Verwertung haben diese Ergebnisse ? n* n v' r» o-J, t TO■ nh* ii � r, n„« im Bereich des menschlichen Lebens bereits für chirurgische Zwecke der Edeltanne, die wegen ihrer weißgrauen Rin�e auch Weißtann rocnn es � darum handelt, lebende Gewebe für Tage. heißt nur ,n zwei en.t�aen verlaufenden Reihen, kammartig aus � � Wochen aufzubewahren. Ob sich indessen eine Tages gar dem Zweige herausgewachsen, breit« und an der Spitz« ausgerandet Möglichkeiten zum Erfrierenlasien von größeren Lebewesen bieten sind und an ihrer Unterseite zwei Furchen aufwesien. Die Zapfen„„den. entzieht sich heute noch jeder Erwägung. der Tanne und der Ficht« haben ziemlich gleiche Form und Farbe,! v j i>/> aber die Tannenzapfen stehen am Baum« aufrecht, die Fichtenzapfen hängen herab. Die Edeltanne bildet den Hauptbestand im Schwarzwald. In höheren Gebirgslagen gedeiht sie nicht mehr, wohingegen ihre an- spruchslosere Schwester, die Fichte, bis zur Baumgrenze wächst, und die Kiefer sogar bis zum höchsten Norden Europas fortkommt. Ueber die Schönheit läßt sich auch bei Bäumen nicht streiten. Die Hauptsache ist. daß jedem sein Weihnachtsbaum schön erscheint und Feierstimmung bringt. Dr. L. Europas Großstädte. Nach der heurigen Volkszählung in Großbritannien(in Irland konnte sie wegen der Unruhen� nicht Der Weihnachtsbaum Im Licht der Pflanzenkunde. Wie das Weihnachtsfest selbst nur die christlich umgemodelte Wintcr-Sonnen» wendfeier der alten nordischen Völker darstellt, so geht auch der Brauch, zu diesem Fest Bäume oder Zweige mit Lichtern zu schmücken, weit in die heidnischen Zeiten zurück. Dies wisien all« aufgeklärteren Menschen und erfreuen sich am hellstrahlenden Weih- nachtsbaume als dem Symbol der nun auf unserer nördlichen Erd- Hälfte wieder zunehmenden Belichtung und Erwärmung durch die Eonne. Dagegen herrscht über die Botanik des Weihnachtsbaumes auch unter Gebildeten infolge der Vernachlässigung naturwissen- schaftlicher Kenntnisse noch vielfach eine Dunkelheit, die mit dem weihnachtlichen Lichterglanze stark kontrastiert. Die gebräuchlichen Christbäume in Berlin und der Mark sind Fichte, Tann« und 5liefer. Die Kiefer oder Föhre ist der bei weitem verbreitetste Woldbaum unserer engeren Heiinat, wird jedoch als Weihnachtsbaum am seltensten benutzt, weil die Bäum- chen in der Regel nicht so schön gleichmäßig gewachsen sind wie die jungen Tannen und Fichten. Die Nadeln der Kiefer sind länger als die ihrer Verwandten und entspringen immer paarweise aus einer Scheide, ihr Grün ist dunkler als das der Tannen» und Fichtennadeln, und die Fruchtträger der Kiefer, die Kiefernzapfen, sind eiförmig und kleiner als die langen walzenförmigen Tannen- und Fichtenzapfen. Auf dem Berliner Markt erscheint am häufigsten die Fichte. wegen der rotbraunen Rinde der älteren Bäume auch Rottanne genannt. Diese Bäumchen stammen meist aus dem Harz, dessen Gesunöheitspflege Ir�ilfillElEil Die Leistungsfähigkeit des Menschen im Hochgebirge. Die Royal Society in London plant für dos nächste Jahr ein« Expedition in die Hochgebirge von Peru, um Untersuchungen über die Arbeitskraft des Menschen in der verdünnten Höhenluft anzustellen. Die Gegend erscheint aus mehreren Gründen besonders geeignet. Einmal liegt sie in der Näh« des Aequators, und es ist anzunehmen, daß dort die Höhenwirkungen weniger kompliziert erscheinen, als in Gegenden höherer Breite. Zweitens steigt die peruanische Zentralbahn bis in ____.... eine Höhe von- fast 5 Kilometern, sie ist die höchst« Normalspurbahn durchgeführt werden) hat dieses jetzt zwei Millionenstädte, nämlich der Welt. Drittens lebt und arbeitet dort eine Bergarbeiterbevölke» London und Glasgow; letzteres; das 1911 noch 785 000 Einwohner rung in Höhen von 5 Kilometern und darüber. Di« Arbeiter von wohner weniger als vor 10 Jahren— eine Folge der Entvölkerung Atmosphäre bewältigt; die Einrichtungen der Gruben sind äußerst der inneren Geschäftsviertel, die sich in gleicher Weise auch in Berlin primitiv und ziemlich alles wird durch Menfchenkraft bewerbstelligt. zeigt; die Londoner City wird nur noch von 14 000 Personen be wohnt. Außer den beiden englischen gibt es noch fünf Millionen städte in Europa, nämlich Berlin, Paris, Wien, St. Petersburg und Moskau; auch Hamburg. Konstantinopcl, Budapest und Warschau sind nicht weit von der Million entfernt. Halbmillionenstädte gibt es jetzt wahrscheinlich 30, davon 7 in Deutschland, 5 in England, 4(?) in Rußland, 3 in Italien, je? in Frankreich, Holland und Spanien und je eine in Oesterreich-Ungarn, Dänemark, Polen und der Türkei. Es ist für die Unausgeglichenheit der neuen politischen Gebilde Europas kennzeichnend, daß nicht weniger als drei von ihnen die„Wasserköpfe" neuer Mittel- und Kleinstaaten darstellen — Wien, Budapest ünd Konstantinopel. Es bietet sich daher hier die beste Gelegenheit, um den Blutumlauf, die Atmung und die sonstigen Funktionen des menschlichen Körpers unter diesen besonders ungünstigen Bedingungen zu studieren, erstens an den Bergarbeitern, die schon längere Zeit dort leben, also als akkli- matisiert gelten können, und dann an den Teilnehmern der Expedition, die frisch aus der Tiefe hinaufkommen. m.' H1ID>s«dW Naturwissenschast Adler in den Alpen werden immer seltener beobachtet. Jeder- mann bedauert dies langsame Aussterben der Tiere, und doch schämen sich manche Tagesblätter nicht, mit hochtönenden Worten von der „seltenen Jagdbeute" oder dem„außerordentlichen Jagdglück" zu schreiben, wenn wieder ein Adler geschossen wurdel Der Steinadler, das Urbild der stolzen Kraft, war noch vor 80—90 Iahren Brut- empfunden wurde. vogel in Mittel- und Süddeutschland, bis dann ein wildes Morden tun. Der franzöf anhub, das dem Jäger Leo Dorn aus Hindelang, der über 100 Adler dien für die Ausnützung der blauen Kohle an tötete(I), den zweiselhaften Namen„Adlerkönig" einbrachte. Nicht. auf der Tatsache, daß man vermittels richtig verteilter Flußfammeb Vi.» f___ f.„: A..�v V f: ,1., � VI(T)> �»»»» � 1 1 1 A» f rt f u S a vm mn\y nir* r\>■» Vi! rtA Ofiif«»iMnnV»r*rf nlrt» n nrt rPitffund D�aDlIosial Technik Die blaue Sohle. Neben der schwarzen und braunen Kohle, die der Bergmann in heißer Arbeit dem Schöße der Erde entreißt, steht die weihe Kohle, die Wasserkraft, schon allerwärts in Nutznießung, als vierte im Bunde wird in„Natur und Technik" ausgeführt, kommt nun als Kind unseres überall nach neuen Energiequellen suchenden Zeitalters die blaue Kohle hinzu: die gebändigte und ausge- wertete Energie von Ebbe und Flut. Viele Erfinder haben bereit» von solcher Verwertung geträumt und mancherlei Einrichtungen sind dazu ersonnen und ausprobiert worden. In größerem Umfange aber wurde die Aufgabe nie angepackt, wohl deshalb nicht, weil die Frage einer neuen Energiequelle nirgendwo wirklich brennend lden wurde. Frankreich aber will den großen Schritt jetzt Der französische Arbeitsminister kündigt vorbereitende Stu- Man fußt dabei die Kühnheit und der sichere Schuß dieses Mannes ist anzuzweifeln, decken, in dem man eine ständige Aufeinanderfolge von Füllung aber das Recht, im kleinen Bereich seiner schönen Allgäuer Aebirgs- und Leerung einführt, Niederdruckturbinen in Betrieb setzen kann, Heimat so zerstörend unter der Tierwelt zu Hausen. Wohl können die gleichmäßige Arbeit leisten und Dynamos in Bewegung setzen, Adler dem Wildstand, den Schafherden und dem Federvieh Schaden ganz so wie bei den mit weißer Kohle betriebenen Wasserkraft- tun, aber nicht in solchem Maße, daß dieser Dernichtungskampf ge- werten. In Frankreich sind die Vorbereitungen außerordentlich rechtfertigt wäre. Wer jemals einem Adlerpaar zuschauen konnte, günstig dazu; denn es verfügt über eine Meeresküste von etwa wie diese wirtlichen Könige der Lüfte ohne einen einzigen Flügel- lSOO Kilometern Ausdehnung, an der stellenweise die Flutbewe- schlag eine Viertelstunife und länger über ihm ihre Kreise zogen, ja gung es mit der anderer Länder zumindest aufnehmen kann. In sich immer höher und höher emporschraubten, oder wer einen Adler Saint-Malo z. B. steigt das Meer gelegentlich der großen Fluten aus blauer Höhe mit pfeifendem Rauschen auf seine Beute nieder- der Aequinoktialzeiten um 13,67 Meter, erreicht aber auch in stillen stechen sah, der wird allezeit für die möglichste Schonung der edlen Zeiten stets einen Höhenuntersch-'d von 4 Metern.