. Jebruar 1922 . cheimwe� �lnterhaltungsbeilatze öes vorwärts Die Zamilie Oeclerc. Von L. Trotzt t.') Seit November ist Jules Declerc im Felde. Er ist 45 Jahre alt und war in seinem Beruf Straßenbahnschoffner. Wäre er einfacher Soldat gewesen, fo wäre er mit seinen Kameraden irgendwo rück- wärts auf einem Druckposten geblieben. Aber zum Unglück für seine Frau und zu seinem eigenen war er Sergeant, und so wurde er an die Front geschickt. Seine Tressen tosten ihm viel, sa-ck sein» Frau. Die ersten Wochen war er fast andauernd bei den Kämpfen, dann in den Schützengräben und die letzten Monate v-r Toul. Frau Declerc ist eine schöne Frau mi' einem feinen Profit und grauen Haaren. Sie erwartet ihn ruhig und hartnäckig. Ihre Nach rin, Frau Richard, die Brotausträgerin, erwartete auch ihren Mann, aber Richard wurde durch eine verirrte Kugel getötet, weit hinter der Feuerlinie, am Abend vor seinem Urlaubsantritt. J.u dri"e" Kriegsmonat, als ihre kleinen Ersparnisse fast ausgezebrt waren, bc- gann Frau Declerc als Anfzvärterin zu arbeiten, und der eigene Haushalt rückte in zweite Linie. Die Kinder besuchten die Sa>ule und erhielten dort zu essen. Während der letzten drei Wochen fragt jeden Tag der älteste zwölfjährige Sohn Marcel, mit dem blassen Gesicht und der alten Mütze aus der Sckule heimkommend:„Ist Papa angekommen?" und bekommt Tag für Tag di Antwort: „Nein, aber sicherlich wird er dieser Tage kommen." Frau Declerc hat aus Paris einen Brief ihrer ältesten Schwester erhalten, der die Todesnachricht ihres ältesten Sohnes brachte. Er war 20 Jahre alt, seit April ocrl>.'iraiet und seit August im Kriege. Am Tag, nachdem die Unglilcksbotschaft eingetroffen war, verspätete sich Frau Declerc um eine Viertelstunde beim Beginn der Arbeit, und indcni sie sich bei ihrer Arbeitgeberin entschuldigte, erklärte sie ihr: „Wir haben diese Nacht nicht geschlafen."„Wir"— das waren die andern, die schon Witwen waren, und diejenigen, die in der ewigen Angst der Witwenschast lebten. Sie vereinigten sich gruppen- weise bei jeder neuen Witwe oder bei jeder Witwe, der ihr Sohn geraubt worden war, um die Nacht mit ihr zu verbringen, um sich mit ihr zu erinnern und mit ihr zu weinen die meisten in Trauer gekleidet, mit kleinen Bildern des Mannes oder Sohnes als Brosche auf der Brust. Sie weideten sic? gemeinsam an ihrem Unglück, an dem Verhängnis, seiner Allgemeinheit— am nächsten Morgen gingen sie wieder an ihre Arbeit. In dieser Atmosphäre von Angst, schlaflosen Nächten und Arbeit erwartete Frau Declerc schweigend und hartnäckig ihren Mann. „Nein, nein," sagte sie in hoffnungslosen Augenblicken, �kein Mann wird aus dem Krieg heimkehren, keiner!" Ende Oktober, als der blasie Marcel in seinem langen Mantel, der noch dos folgende Jahr gut auslangen mußte, um 5 Uhr aus der Schule durch die Hauptstraße heimkommt, ruft ihm der kleine Ge» müsehändler zu.„Laus heim, dein Vater ist zurückgekommen!" Kaum haben ihm diese Worte im Ohr geklungen, da läuft er mit seinen mageren Beinen, die endlosen Schöße seines Mantels zurück- schlao�nd. Der Sergeant Declerc ist wirklich angekommen, endlich mit viertägigem Urlaub. Wie den anderen, hat man ihm erlaubt, für hundert Stunden'm Familienleben unterzutauchen, im friedlichen Leben, unter der Bedingung, am bestimmten Tag zurückzukommen. In finsterer Nacht sind die Urlauber aller Wassengattungen in einen düsteren Zug ohne Beleuchtung gestiegen, der einige Kilometer von der Feuerlinie entfernt steht. Todmüde haben sie sich auf die Bänke gesetzt oder aus den Fußboden gelegt und sind bei der taktmäßigen Bewegung der Wagen eingeschlafen. Dann haben sich in bestimm- ten Bahnhöfen kleine Gesellschaften von Heimatsgenosien gebildet. *) Dieses im November ll>15 in Frankreich geschriebene Stim- mungsbild, das jetzt erst sozusagen aus dem Pariser Nachlaß Trotzkis in der„Humonite" veröffentlicht wird, zeigt den Oraanila'or der Noten Armee und rücksichtslosen Diktator als znrt'ühlenden Feuilletonisten. <« Das Band der Front ist für einen Augenblick zerrissen, das der Heimat ist wiederhergestellt, man spricht im Dialekt. Je mehr man sich von der Front entfernt, desto mehr ist man von der Stille be» täubt. Declerc mit der stärksten Gruppe steigt in Paris aus. Als er heimkam, war seine Frau bei der Arbeit, Marcel in der Schule. und nur die zwei Kleinsten unter Aufsicht ihrer ältesten Schwester waren daheim. Der Sergeant küßte die Kinder, warf einen Blick um sich und fühlte eine gewisse Freude, ein mit Unruhe gemischtes Erstaunen in sich. Frau Declerc kehrt nichtsahnend heim, ermüdet vom Glauben und Hoffen, und fünf Minuten nach dem freudigen Wiedersehen ist sie von einer quälenden Angst erfaßt: in vier Tag-n muß er zur Front zurück! Der Sergeant ist sehr ruhig und klagt über nichts, seine Frau ist erstaunt und erschreckt. Sie hat die Empfindung, nicht ben Weg zu seinem Herzen zu finden, und der rasch vergängliche u-harakter ihre» Wiedersehens wird immer schmerzlicher, man könnte sich am Kreuzungspunkt zweier auseinanderlaufender Leben denken. Declerc ist sehr sparsam, er hat nicht nur kein einziges Mal Geld verlangt, sondern er hat auch von seiner Löhnung als Sergeant gespart. Er brinat eine kleine Summe Geldes und Geschenke für dir Kinder mit Ruhig, wie betäubt von der Ruhe, die ihn umgibt, erzählt er von den deutschen Schützengräben, die so nahe sind, daß man von einer Linie zur anderen sprechen tonnte, fast ohne die Stimme zu erheben. Aber das ist verboten. Man sieht nicht das Ende des Krieges, d. h. man sieht in den Ereignissen kein An- zeichen des Endes. Mit einer leisen, wie fernen Stimme— seine Frau kennt sie noch nicht, diese Stimme— erzählt der Sergeant von den Handgranaten und Minen, den Stickgasen und flammenden Flüssigkeiten, den Stacheldrähtcn. Frau Declerc hört zu, nur mit Mühe glaubend, daß sie ihren alten Jules vor sich Hot, daß er so hat leben und handeln können. Ab und zu nimmt sie Ihn beim Bermel und sagt-„Nein, nein, ich sehe dich nie wieder, du wirst nie wiederkommen, um mich zu sehen." Der Sergeant sagt nichts, er glättet langsam seine frühzeitig weißgewordenen Haare und blickt zur Seite. Die vier Tage vergeben ralch, da sitzen sie beide ichcm nebeneinander im Waggon, der Sergeant Declerc und seine Frau. Sie begleitet ihn bis Poris, sie bält seinen Arm und si»ht ihm sanft in die Augen. Eine heftige Zärtlichkeit bewegt ihren B'ick und ihre Finger. Er ist verschlossen, wie zerstreut. Er antwortet ihr kurz, mit fast gleichgültigem Ton und sieht hauptsächlich zum Fenster hinaus. Nur manchmal, wenn ihre Blicke sich kreuzen, gleitet ein dankersüll» tes Lächeln über sem Gesicht. Er will nicht der Rührung nachgeben, mit seinen Gedanken ist er�jchvn weit in der Ferne— dort! In Paris muß man zum Nordbahnhof. Dort stempelt man den Urlaubsschein ab, und nun ist Declerc wieder in die Brigade ein» gereiht, ein kleiner Teil der großen Kriegsmaschinerie. Sövres, seine Frau und Marcel sind wieder von ihm durch einen Rauchoor» hang getrennt. Mit zerstreuter Miene verabschiedet er sich von seiner Frau unter den Augen der anderen Urlauber und, unter ihnen in seinem Abteil sitzend, ist er wieder gänzlich mit Leib und Seele in der Atmosphäre der Kriegszone untergetaucht— �---- ---- Frau Declerc hat ihr Sonntagskleid, ihren Ring und ihre Kette in den Schrank gelegt, die sie für ihren Mann an» gelegt hatte. Sie beginnt die 140 Stufen des Hügels anzusteigen, um an ihre Arbeit zu gehen. Und einige Tage später suchen ibre Augen in Furcht und Hoffnung den Briefträger. Die traurigen Nachrichten folgen rasch. Der Kolonialwarenhändler des reichen Eckgeschäftes ist gefallen, sein Kommis ist verwundet, der Besitzer des Spiclzeugladcns hat ein Bein verloren. Immer häufiger treffen sich des Nachts die Frauen in Trauer, und man zählt schon siebzig Männer, die nicht nach Sövres zurückkehren. Marcel trägt behutsam die neue Mütze, die man ihm aus dem alten Käppi des Sergeanten gemacht Hot. Noch lange nach der Ab- fahrt seines Baters blieben feine Augenlider rot, und die dunklen Ränder, die er unter den Augen hat. fii.d tiefer denn je. Im hüttse öse Irren. ,$\t Srrcminjtoü(jt»tn Krankenhaus?- Dieses Wotto, das entjp'.cchend der wisten!chasUI6)en Erkenntnis über das Wesen des Irrsinns über jeder moderne» JrrenanjtaU stehen müßte, gilt auch siir Herzberge— leider mit einigen Abänderungen. Da diese Anstalt älteren Ursprungs ist<1833 erbaut), besteht sie nicht wie die ganz modernen Häuser aus Neinen Landpavillons, die, jedes sür für sich stehend und eine ganz beschränkte Anzahl von Insassen aus- nehmend, ihnen ein weit individuelleres Leben gewähren können. Herzberge ist nach dem älteren Prinzip der größten Zweckmäßigkeit unter geringerer Rücksichtnahme auf die Gesühlswelt der Kranken gebaut. Riesengebäude, in drei Reihen ausgestellt: in der Mitte Wirtschaftsgebäude, Werkstätten, Badeanstalt; aus der einen Seite drei Kasernen für Männer, auf der anderen ebensolche für Frauen. jedcs je zweihundert Kranke aufnehmend; daran anschließend sür jedes Geschlecht je ein„Festes Haus- für kriminelle Gcistcsgeftörte. Außerhalb der engeren Einfriedung Häuser sür Insektionskranke, einige Landhäuser sür gebessert? Irre, ein Gebäudekomplcx sür land- wirtschaftlichen Betrieb, der ebenfalls meist von Infasicn versorgt wird, ein Maschinenhaus, Häuser für Aerzte, sür das Personal usw. lim so mehr ist es den Aerzten und dem Personal anzurechnen, daß ste bei dieser Sachlage das Leben den Insassen so gestaltet haben, daß manche schon entlastene 5kranke beim Gefühl des Rückfalls in das alte Leiden lelbst wieder in die Anstalt kamen, um sich behandeln zu lasten.(Nach Angaben des Arztes sollen nahezu eln Fünftel der Lnsossen aus solchen„Selbststellern- bestehen.) Allerdings haben die„S« l b st st e l l e r- vor den von der Poll- zei oder von den Angehörigen eingelieferten Kranken ein großes Privileg, insofern als sie die Anstalt verlosten können, sobald sie sich als geheilt fühlen, während die Entlassung der„Eingelieferten- sich schwieriger gestaltet, und eine Vornahme gewisser Eicherungen durch die Angehörigen bedarf. Immerhin soll ungefähr die Hälfte der Ein» gelieferten als geheilt entlasten werden. Sie kommen entweder als Pensionäre in Familien, die ihre Aufnahme und Pflege übernehmen oder werden direkt wieder dem öffentlichen Leben zugeführt, wobei eine Bciratstelle für entlastene Nerven, oder Gemütskranke, die sich außerhalb der Anstalt befindet, ihnen die Einführung in das Er- werbsleben zu erleichtern sucht. Selbstverständlich bleiben sie auch fn Freiheit nicht ganz ohne Konnex mit der Anstalt. Die Melde. Pflicht gibt den Aerzten die Gelegenheit, sich auf dem Laufenden über den Befund des Geheilten zu halten. Irgendein Recht zur Zurück» Haltung des Kranken besitzt jedoch die Anstalt nicht. In jedem ein. zelnen Fall hat der gesetzliche Vertreter über den Derbleib des Kran» ten zu bestimmen. Die Behandlung Innerhalb der Anstalt geschieht hauptsächlich auf psychotherapeutischem Wege. Die Eingelieferten kommen in die Auf» nahmehäuser, wo die Art und das Wesen ihrer Erkrankung nach manchmal ziemlich langwieriger Diagnoie festgestellt wird. Sie wer» den dann durch Liegekuren in den Wachabteilungen soweit gebestert, daß sie in das Haus für ruhige Kranke überführt werden können, oder aber sie komnien in chronischen Fällen in Siechen Häuser, die auch Abteilungen für dauernd unruhig« Kranke haben. Wicklungen, taste Packungen und seit zehn Jahren auch Dauerbäder von ständig gleicher Teniperaiur unterstützen die Heilung. Besonders die Bäder haben eine vorzügliche Wirkung auf die aufgeregten Kranken. Bei hartnäckig Erregten, die eine Gefahr für ihre Mitinsassen und das Pflegepersonal bilden, steht den Aerzten als letztes Mittel die Iso. lterung des Kranken in einer Einzelzelle zu, das jedoch nur In äußersten Fällen angewandt wird.» Wenn das Befinden der Kranken sich soweit gebestert hat, daß man vor unliebsamen Ueberraschungen sicher ist, kommen sie in Ar» beits-Therapie. Je nach ihren Neigungen wird ihnen Arbeit in einer der Werkstätten iTischlcrei, Schuhmacherei, Schneiderei) oder in der Landwirtschaft angewiesen(bei Frauen auch in Hauswirtschaft), je- doch wird nirgends ein festes Arbeitspensum durchgehatten oder ein Arbeitszwang ausgeübt. Ueberhaupt wird versucht, die Gewalt» anwcndung zu vermeiden. Auch wird in der städtstchen Anstalt Herzbc-rge kein Unterschied zwischen den Selbsizahlern und den der öffentlichen Fürsorge zufallenden Insassen gemacht. Alle wohnen in denselben Sälen, alle bekommen dieselbe Einheitstast lsowcit nicht diätetische Kuren notwendig sind), die infolge der jetzigen Notlage wohl nicht allzureichlich bemessen sein wird. Ueberhaupt leidet die Anstalt ziemlich stark unter den pekuniären Verhältnissen. Die begrüßenswerte Durchführung des Achishinden. toges für Wörterpersonal hat andererseits das Bedürfnis nach zahl» reicherem Personal geschaffen, sür dessen Besoldung jedoch das Geld fehlt. Die Folge davon ist zum Beispiel, daß die Landhäuser für gebeerte Kranke leer stehen, da man ste dort nicht beaussichtigen könnte. Der landmirtschastliche Betrieb ist heriinterackommen, die Milchversorgung leidet trotz des eigenen Kühebestande». Das Echwlmmbasstn kann nicht Im Betrieb gehalten werden, da die Hei- znng zu teuer kommt. Kurz überoll Einschränkungen geboten durch die ZeUverhältniste, gegen die nach Möglichkeit tapser gekämpft wird, die aber den Bedauernswerten doch Entbehrungen oller Art auf» erlegen. Interessant ist die Zusammensetzung der Kranken: während die Provinzialanstalten Hauptsächlich Kranke mit Eeelenftörungen pflegen, liefert Berlin zu 53 Proz. Alkoholiker, zu SS bis 4ü Proz. Paralytiker sFolgeerscheimmg der Syphilis) ein, während nur der Rest sich aus allen Arten von Psychopathen, Imbecilen, Paranoikern und anderen Geistesgestörten zusammensetzt. Di« Gesamtzahl der von Berlin in Hcrzbergc, Buch, Dalldorf, also allein in össentlicheit Anstalten unterhaltenen Geisteskranken übersteigt KMO. Trotz dieser großen Anzahl der Kranken, trotz des ständigen Krankcnbestandes von I1VO bis 1200 Insassen von Herzberge, berichtet« der Oberarzt Haste, daß in seiner ISjährigen Praxis kein einziger Fall von Ein» lieferung eines„Normalen- vorgekommen sei. Kurz vorher ist es allerding» einer geistesgestörten Frau gelungen, ihren gesunden Mann In die Anstalt zu bringen. Aber der Irrtum wurde schnell gemerkt, und die Ehegattin nahm bald den Platz des wieder ent» lastenen Mannes eln. M. Eh. W!e«kuienfpiese! öen König anführte. Ein malaiisches Märchen. Der König wollte ihm jetzt Aufträge erteilen, damit er sich nütz» lich machte. Damit hatte aber Taba nicht viel im Sinn. Eines Toges trug der König ihm auf, Sagopalmblätter zu holen, um daraus Dachmatten zu nähen. Er blieb so lange aus, bis schließlich der König selbst losging, um zu sehen, wo er geblieben war. Er sah wohl ein Bündel mit Sagopalmblättern liegen, aber Taba war nicht dort. Da trug der König das Bündel selber nach House; aller» Vings meinte er, daß es doch recht schwer war. Taba befand sich im Bündel, und nur eine dünne Lage Palmblätter war um ihn herum. Der König war natürlich verstimmt, weil Taba sich von ihm hatte nach Hause tragen lasten, doch ließ er sich nichts merken. Am andern Tag schickte der König den Taba wieder los, um Sagopalmblätter zu holen. Taba blieb wiederum lange fort, so daß der König sich nach ihm umtun muß'te. Deiswal nahm er fein« Lanze mit. Wiederum lag da ein Bündel mit Sagopalmblättern. „Oho!- dachte der König,„darin hat er sich wieder elngewickelt.- Er stach deshalb mit der Lanze in das Bündel hinein, holte sie der» aus, und wirklich! die Scheide war rot, also klebte Blut daran. Was hatte jedoch Taba gemocht? Da er es sich denken konnte, daß der König sich rächen würde, hatte er diesmal das Bündel voll von roten Djombu-Früchten gepackt und war auf einem kürzeren Weg« nach Hause geeilt. Der König nahm das Bündel auf die Schultern. schleppte es nach Haus«, setzte es dort hin und sagte zu seiner Tochter: „So, dein Mann ist tot! Ich habe ihn erstochen.-—„Mein Mann?" fragte die Prinzessin,„der ist schon längst im Hause und schläft.-— Da untersuchte der König das Bündel und fand die Djambufrüchte. Da Taba den König so etliche Male gehänselt hatte, sann der König auf eine List, wie er ihn wohl ums Leben bringen könnte. Endlich fand er eine, die ihm Aussicht auf Erfolg zu haben schien. Er pflegte Reusen ins Meer zu setzen, um Fisch« zu sangen. Für gewöhnlich half ihm sein Sohn dabei. So besprach er sich denn mit seinem Sohne, daß sie Taba mitnehmen wollten, der ihnen Helsen konnte. Taba mußte die große, übermannshohe Bambusreuse tragen. Ms ste an den Strand kamen, überwältigten sie den Taba, banden und steckten ihn in die Reuse, die sie darauf ins Wasser lasten wollten, damit er ertränke. Bevor sie ober die Reuse in das Boot luden, um sie auszusetzen, gingen der König und sein Sohn nach Hause, da sie ein wenig essen wollten. Taba blieb in der Reuse am Strande liegen. Nach einer Weile kam ein Mann des Weges, der einen krummen Rücken hatte. Er bemerkte Taba und fragte ihn, was er in der Reuse machte. Der antwortete:„Ich war so krumm, wie Ihr es jetzt seid. Nun hat man mich hier hineingesteckt, damit ich wieder gerade werde. Hol' mich mal heraus, dann kannst du sehen, wie ich gerade geworden bin.- Der Mann tat es und sah nun, daß Taba aufrecht wie eine Stange vor ihm stand.„Wenn dos Mittel so vortrefflich hilft,- sagte der Mann,„dann seid so gut, bindet mich und steckt mich in die Reuse!-— Gesagt, getan! Als der Mann darin saß. begab sich Taba fort und auf Umwegen nach Hause. Inzwischen waren. der König und sein Sohn mit Esten fertig geworden und wieder an den Strand gegangen. Es begann schon zu dunkeln, so daß man nicht deutlich sehen konnte, wer in der Reuse war; sie gaben auch nicht.weiter acht darauf. Sie hoben also die Reuse hoch, luden sie ins Boot, ruderten schnell aufs Meer und versenkten sie dort. Dann kehrten ste nach Hause zurück und sagten zu Tabos Frau:„Nun. diesmal kommt dein Mann nicht wieder; der liegt auf dem Grunde des Meeres, und die Fische werden ihn schon fressen.-—„Was?- sagte die Prinzessin,„mein Mann? Der liegt ja schon lange im Bett und schläft. Eben, nachdem ihr sort wäret, kam er nach Hause/ Der König und sein Sohn überzeugten sich, daß er wirklich in seinem Gemach« lag und schlles, und so waren sie zum anderen Mal von ihm hineingelegt. («c»»«>!„MniaUlchen Wii-chell",»cil-g«lug-n Di-dertch-, I-u-). Die junge Arbeiterin. M« xenie würd' Ich schwingen mich im frohen lanj, Die Freude, die im Vusen lebt, auch wkkkch leben! Doch ich muh willenlos dem Schicksal mich ergeben, Den Tanz der Jugend stiel/ n, dem Tag mich geben ganz.? Ich wand aas Biliten mir und Sternen einen Kranz, Der wird da» herz aus Trauer in das Dicht erheben; Der leuchtet mir ein Ziel, dem heihen Sehnfuchtsstrcben. 3m grauen itrbeitsalltag funkelt hell fein Stanz. Die Freude lebt, schlug auch de? Arbeitstag sie nieder! Sie glüht und wärmt, ist süßer Dein, die Seele labend... Sie lebt und atmet tief im gold'vca Feierabend. Sie Zauchzt am Sonntag wilde, tanzberaaschte Lieder! Sie fingt ln mir, in dir. fie fingt in euch, ihr Schwestern; Der role Sonntag steigi! Das henke wird zum Gestern. Walter Echrnl, Jubiläen wichtige? Erfinöungen. Das Jahr 1S22 weift zwei wichtige Gedenktag« in der schwarzen Kunst auf. nämlich die vor IM Jahren erfolgte Erfindung der ersten Setzmaschine und die vor 50 Jahren stattgefundene Aufstellung der ersten deutschen Rotations-Schnellpresse. Schon 1813 ließ sich ein junger Mann in Birmingham das Patent für eine Setzmaschine gerichtlich eingetragen, und 1815 sprach der Franzose P. S. Vallanche den Gedanken einer Setzmaschine für den Buchdruck aus, der ihn unablässig auch weiterhin beschäftigte. Doch erst 1822 erfand der Ingenieur William Church In Birmingham die e r st e Setz- Maschine, bei der sich die einzelnen Typen durch Handhabung einer Klaviatur mechanisch in Satzzeilen aneinanderreihten. Diese Maschine wurde später verbessert und bildete die Grundlage für die von dem schwäbischen Uhrmacher Otto Mergenthaler 1844 zuerst konstruierte„Linotype-Maschine", durch die dann ein völliger Um- schwung Im Satz des Buches wie der Zeitung herbeigeführt wurde. Die erste Rotations-Schnellpresse, die man auf dem Kontinent zum Druck endlosen Papiere« sehen tonnte, stand ln der Druckerei der Wiener»Freien Presse" auf der Wiener Welt- ausstcllung im Jahre 1873. Sie war in der Maschinenfabrik Augsburg gegossen worden und wird allgemein als die erste deutsche Rotations-Schnellpresse angesehen, deren System später erheblich v«r- bessert und schließlich zu der berühmten sechsfachen Rotaticnsmafchine ausgebaut wurde. Die Ziehharmonika ist Im Weltkrieg wieder zu unge- ahnten Ehren gekommen, und so mancher, der fie nicht spielen konnte, hat es draußen im Schützengraben gelernt, oder sich wenigsten» an ihnen Tönen erfreut. Ein gewister Christian Friedrich Ludwig Busch- mann erfand vor IM Jahren(1822) in Berlin eine»Hand-Aeoline", die dann später durch Cyrill Demian in Wien verbessert und 1828 als»Accordion" in den Handel gebracht wurde. Auch dieses Musik- instrument, das schon stark unserer heutigen Ziehharmonika ähnlich sah, wurde erneut oerbesiert, indem man statt der damaligen Tasten Knöpfe setzte und dieses Instrument als»Concertlna" verkaufte. Später hat der Engländer Wheatstone 1843 ein ähnliches Instrument zu- sammengesetzt, und schließlich ist es der Jnstrumentenbouer Band in Crefcld gewesen, der das„Bandonion" mit fünf Oktaven erfand, das die höchste Bollendung der heutigen Ziehharmonika darstellt. Bor IM Jahren beleuchtete ein gewisser John Robert hart In Glasgow dos Zifferblatt der dortigen Uhren an der Tron- kirche und der Post mit Gas, indem er eine kleine Gaslampe an der Mitte des Uhrenzifferblatts anbrachte. Das Uhrwert stellte den Gashahn selbst. Auf der Pariser Weltausstellung 1878 zeigte der Uhrmacher Nemitz selbstleuchtende elektrische Zifferblätter an mit Blumen verzierten Uhren, die allgemeine Bewunderung hervor- riefen. Im Jahre 1872 erfand ein L. Marcy in Philadelphia das S c i o p t i c o n, den bekannten Projektionsapparat, der nach. Art der Latcrna magica konstruiert ist. Es ist eine große Petroleum- lampe gewesen, deren zwei Dochte so aufgestellt waren, daß die Docht« ln der Richtung der Lichtstrahlen des Apparates standen. Diese Lampe Ist dann im Laufe der Jahrzehnte erheblich verbessert und später für elektrisches Licht eingerichtet worden. Bor 50 Jahren(1872) erfand der Mediziner Karl Ehrle die heutige Berbandwatte, durch die mit einem Schlage die bis dahin im Gebrauch gewesene Charpie verschwand. Bekanntlich hatte der englisch« Wundarzt Lord Lister eine neue Art der Behandlung de? Wunden erfunden, durch die das ganze Kriegssaniiätswesen auf einer neuen Grundlage aufgebaut wurde. Roch Im Kriege 1879/71 hotten unser« Frauen daheim für die Verwundeten fleißig Charpie gezupft und durch die neue, antiseptische Wundbehandlung Listers machte sich ein entsprechende» Verbondmittel notwendig, dessen Erfindung eben das Verdienst des Chirurgen Ehrte ist. der die moderne und später so wertvoll»-wordene Verbondwotie ln seinem Labor«- iorium erfunden hat. Vor 270 Jahren(1652) erfand schließlich Blaise Pasecl die erst« Rechenmaschine zum Subtrahieren und Addieren auf sechs Stellen, deren Original wir heute noch im Pariser Gewerbe» musemn stehen sehen. Später baute dieser berühmte französisch« Gelehrt« noch eine achtstellige Maschine, die heute im mathematisch» physikalischen Salon In Dresden zu sehen Ist. Der Philosoph Leibniz konstruierte 1671 eine eigene Rechenmaschine für die Multiplikation, und vor 50 Jahren(1872) baute Gelling in Wllrzburg eine nach dem Prinzip des Zahnradsystcms erdachte Rechenmaschine, bei der das Resultat auf einem Papierstreisen erschien. Sie erregte damals mtt Recht allgemeines Aussehe!». E. H. Mehr Umflcht bitte l Bon der Justiz— zur Präpelresorm. Von Hans Klabautermann. Genosse Scheidemann hat in seiner großen Rede am Montag der Justiz»ins vcr,etzt. Man kann ia nicht leugnen, daß da manche» gen Himmel duftet, ober offenbar ist ihm völlig entgangen, daß eine großzügige Justizreform schon auf dem Marsche ist. Der Justizminister hat am 18. Januar einen Erlaß vom Mal 1920 außer Kraft gesetzt In diesem Maierlah war den Gerichtspcrsoncn gestattet worden, statt der weißen Halsbinde eine schwarze oder dunkel» farbige zu tragen. Damit ist es nun endgültig aus. Weißer Schlips und damit basta. Alle übrigen Ideen zur Aenderung unseres Ge» richtsverfahrens erscheinen gegen den Ukns vom 18. Januar wie kleinlicher Murks. Um so mehr, als neuerdings Gerichisverhand» lungen In Bars, Animierkneipen und Rcpplokalen abgehalten wer» den. Die Richter werden dankbar sein, daß man ihnen höheren Ort» angibt, wie sie sich anzuziehen haben. In Vorbereitung soll sich noch eine Borlage befinden, nach der ihnen empfohlen wird, bei bestimm» ten Gelegenheiten ab und zu ihr Gehirn zu gebrauche». Es wird also bald lebhafte Nachfrage nach weißen Halsbinden einsetzen. Da trifft es sich günstig für die Beteiligten, daß die großen Kaufhäuser einmütig Weiße Wochen veranstalten, wobei sie so» gar von Petrus unterstützt werden, der«benfall» pünktlich am Man» tag weiß aufgesetzt hat. In der Weißen Woche kauft man fabelhast billig. Ein Nachthemd, das früher für 3,50 M. zu haben war, kann man jetzt schon für 136 M. erstehen. Und es Ist mindestens halb so haltbar. Was es da alles gibt: Stiefel, Seife, tiefschwarze Strümpfe, alle» eigens für die Weiße Woche aufgestapelt. Do« System ver. dient Nachahmung. Man kauft nicht, wo» man braucht, sondern was das Warenhaus aufstapelt. Die Hausfrau zieht aus,«inen Scheuerlappen zu erhandeln, und kehrt heim, volldepackt mit Win- deln, Blusen und Handschuhen. Ferner leben wir im Zeiche» der Bälle. Der Preffeball ist vorüber, andere stehen bevor. Ein liebenswürdiges Steuerbukett hat man uns überreicht, daß es eine Lust ist zu leben. Die Freud« über die künftigen Kosten der Lebenshaltung wirkt sich in der einzig denkbaren Form aus: es wird gescherbelt. Und die Hummern werden Mayonnaise, die Pfropfen knallen, da» Geld fliegt. Die deutsch« Arbeiterschaft ist politisch noch lange nicht reif. Wo veranstaltet die solche Fest« und dotumenriert so die Not der Zeit? Wie bitte, Bock- bierfeste und Alpenball? Das Ist nicht das Nichtige. Es ist hohe Zeit, daß sich die Arbeiter ihrer Aufgabe im Staat bewußt werden.. Jede Woche ein Ball an würdiger Stätle, Im Admiralspalast oder so, das bringt»vas ein, und die Not ist mit einem Schlage behoben. Diese politische Anreise zeigt sich auch in der Kartoffel- frag«. Was wollen die Arbeiter eigentlich? Erst schimpfen sie, daß sie ihnen zu teuer sind, und jetzt, wo die Landwirte deni Ein» spruch Rechnung tragen und auf ihren Gewinn verzichten, indem sie die Kartoffellieferungen einstellen, ist es ihnen wieder nicht recht. Die Leute tun so, als ob sie auf Kartoffeln angewiesen wären. Da laufen die Frauen von einem Laden zum andern und machen sich ein Vergnügen daraus, die Händler mit der dummen Frage zu quälen: Hoben Sic Kartoffeln? Aus purem Eigensinn. Es gibt doch genügend Nahrungsmittel, die ebenso schmackhaft sind. Ganz abgesehen von der Milch, die nach Aufhebung der Zwangswirtschaft infolge des billigen Preises von jedem Kleinrentner hektoliterweise beschafft werden kann, gibt e« Fleisch, Fische und Kuchen. Ein Pfund Baumkuchen z. B. ist mindestens so nahrhaft wie ein Pfund Kartoffeln. Die sogenannte Kartoffelnot ist durchaus zu begrüßen. Endlich haben wir Gelegenheit, eine Reformation de» Kochens zu erleben. Die Hausfrauen werden aus ihrer jahrhundertelangen Le» thargle wachgerüttelt und gezwungen, der Kochkunst zu ungeahntem Fortschritt zu verhelfen. Wie unbeholfen sie sind, zeigt sich allein an dem Umstand, daß sie behaupten, kein« Kartoffel kl äße konstruieren zu können, weil es keine Kartoffeln gebe. Aber daß man auch au» gekochten Kartoffeln Klöße bauen kann, an diesen einfachen Au»w«g ßat nicht ein« einzige Frau gedacht. wissen unö Schauen Der Eulenspiegcl der Malaien. Die enge Verwandtschaft des Volksgeistes über die fernsten Länder und Zonen hin offenbart sich nirgends deutlicher als in dem Auftauchen überraschend gleicher Ge- stalten in der Volksdichtung Es ist eine noch immer nicht gelöste Streitfrage der vergleichenden Literaturgeschichte, die seit Jakob Grimm und Renfey erörtert wird, ob die Tatsache der in aller Volts- literatur auftauchenden gleichen Märchen» und Sagenstoffe auf „Wanderungen" oder nicht viel mehr auf dieselbe Veranlagung zu- rückzuführen ist. Es Ist sehr wohl möglich, daß junge Völker, ebenso wie Kinder, die Geschichten zu erzählen anfangen, auf einer bestimm- ten Stufe der Entwicklung und unter dem Einfluß der Urtriebe des Menschenherzens dieselben Geschichten einander erzählen, die gleichen Typen ausprägen. Auf diese Weise möchte man sich das Vorkommen der Eulenspiegelfigur erklären, die ebenso im klassischen Altertum wie im Orient, bei den Kulturvölkern der neueren Zeit wie bei den primitiven Stämmen auf der ganzen Erde er'cheint. Ein Beweis für diese„Allgegenwart" des Eulenspiegel bietet sich in den„Mo- laiischen Märchen" dar, die Paul Hambruch aus Madagaskar und Insulinde in den bei Eugen Diederichs zu Jena erscheinenden „Märchen der Weltliteratur" soeben herausgegeben hat. Unter den zahlreichen Proben malaiischer Erzählungskunst werden uns hier auch zum erstenmal die Erzählungen des malaiischen„Eulenspiegcl" vorgeführt. Die Eulenspiegelgeschichten gehören zu den Lieblings- erzählunqen der Malaien, die schon früh eine reiche Literatur ent- wickelt haben. Der scheinbare„Dümmling", der unter der Maske des Narren sich klüger erweist als die neunmal Weisen und diese hereinlegt, ist so recht ein Held nach dem Herzen des Volkes, das stets und überall für den derben natürlichen Mutterwih eintritt. So findet sich die Eulenspiegelgestalt nicht nur bei den Malaien, sondern auch bei den Iavancn und auf den Sundainseln. Auf Java wird an vielen Stellen das Grab dieser Volksgestalt gezeigt, die bei ihnen den Namen Jaka Bodo, der törichte Bcnqel, oder Si Pandie, der dumme Junae, führt. Er soll unter einem Mangobaum begraben sein. Bei den Minang- kahau-Maloien führt er den Namen„der arme Kerl". Bald wird er als blödsinnig dumm, bald als besonders schlau charakterisiert. Wie weit der Eulenspiegel von Insulinde von diesen verwandten Figuren beeinflußt ist, steht dahin. Jedenfalls haben die Malaien verstanden, diese Gestalt mit'o reichen Ziiaen auszustatten, daß sie wie boden- ständig wirkt. Towo, d. h. Betrüger, heißt der malaiische Eulen- spiegel, und zahllos sind die Streiche, die er den Großen, besonders dem König, spielt. Er heiratet leine Tochter, er zieht sein Wams an, er veranlaßt den König, die Füße in den Bwck zu stecken, weil er nicht wisse, wie man das mache, und bringt ihn dadurch in die im- angenehme Lage, die dem Towo zugedacht war. Manche dieser Foppereien, so die Geschichte, wie er zum Tode verurteilt wurde und entwilcht», stimmen mit unserer Volkserzählung fast völlig überein. Technik Neue Art des Vetonbaues. Ein Verfahren, das in Amerika bereits seit längerer Zeit in Verwendung ist und dort den Namen „Torkret-Verfohren" bekommen hat, ist neuerdings auch bei uns eingeführt morden. Es besteht darin, daß der fertig gemischt? Beton durch Preßluft vermittelet einer Schlauchleitung an den Plaß ge- sprißt wird, wo man ibn haben will. So wurde küiirzrlch ein stark durchgerrsteter eiserner Schornstein des Central-Hotels zu Berlin auf diesem Wege in einen Cilenbctonschorostein umgewandelt: der alte Eisenkern fand als Schalung Verwendung, und der Schornstein konnte während der ganzen Bauai-sfübruna in vollem Betriebe bleiben. Ebenso wurden in Nürnberg die Kesielfundamente einer industriellen Anlage, die sich als zu schwach herausstellten, in der einfachsten Wdf« verstärkt, indem mau das Betonsprißversahren anwandte. Stollenanskleidungen bei Tunnclbauten und Krafi» werken u. a. m. sind in Württemberg, Bayern und der Schweiz aus diesem Wege ausgeführt worden. Der Betriebsdruck beträat zwei bis drei Atmosphären, und die Schlauchleitungen können bis zu 2l>l1 Meter lang sein, so daß man ganz erhebliche Höhen bewälliii. Man hat Zement mit Kiessand in verschiedenen Verhältnissen, Kalk, Troß und dergl. verwendet, kann auch Farbstoffe zuseßen. Der durch Preßluft an Ort und Stelle beförderte Beton ist von besonderer Dichtigkeit und Hörte. So wird gerühmt, daß der so hergestellte Putz' an Siedlungsbauten sich durch besondere Wetterbcständigkeit aus- zeichne. haben keine angefertigten Werkzeuge und keine Waffen, sie errichten keine Behausungen, sondern biegen nur, wo sie der Abend überrascht, ein paar Zweige zu einem Dächlcin zusammen. Nur eine Geschick- lichkeit besitzen sie, nämlich eine große Gewandtheit im Erklettern der Bäume. Sie treiben spitzige Holzpflöcke in die Stämme und steigen so bis in die Gipfel. Vorräte sammeln die Kubu nicht. Die Lebensweise solcher primitiver Völker hat, rein äußerlich betrachtet, mit der der Menschenaffen unverkennbare Aehnlichtesten. Aus Su- matra kommen mehrere Arten anthropoider Affen vor, der Orang- Utan und zwei Gibbon-Arten, der braune Ungko(Ftylobstes rafflesis) und der größere schwarze Siomang(lllzllobates syndactilus). lieber das Leben des Orang-Utans, den die Eingebore- nen Mowas nennen, wird folgendes berichtet: Die Tiere leben im tiefen Urwalde familienweise beisammen, nomadisch schweifen diese Tiere im Urwald umher, und ihr zeitweiliger Aufenthaltsort, die Richtung ihrer Wanderungen wird durch das Reifen der Frucht- bäume, die ihnen Nahrung spenden, bestimmt. Wenn der Abend kommt, so bauen sie sich ein Nest in den Zweigen eines starken Baumes 20 oder 30 Meter über dem Erdboden, indem sie mit den Händen Zweige zusammenraffen und sie zusammendrehend ver- flechten: sich aufrechtstellend, ziehen sie alsdann dichtbelaubte Zweige herunter und winden sie zu einem Dach zusammen, unter dem sie geschützt die Nacht verbringen. Hesunöheitspflege|F�i||illEl3l Schweloerotlauf beim Menschen In früheren Zeiten ist es wohl selten vorgekommen, daß der Rotlauf des Schweines auf Menschen übertragen wurde. Man beseitigte die von der Seuche befallenen Tiere kurzer Hand Auch heute kommt dem städtischen Arzt ein solcher Fall kaum zu Gesicht, dafür sorgt die ge'undhcitspolizeiliche Aufsicht auf den Schlachthöfen. Anders ist es auf dem Lande. Ein Schwei», und sei es auch ein krankes, ist in unserer setzigen Teue- rungszeit immer ein beträchtlicher Wertaegenstand, dessen gänzlicher Verlust bitter empfunden wird. Deshalb greift man, wenn so ein Tier Unbehagen, mangelnde Freßfucht oder andere verdächtige Zeichen verrät, aus dem Lande gar zu gern zu einer sogenannten Notschlachtung. Das Fleisch des notgeschlachteten Schweins wird dann schleunigst im eigenen Haushalt oerwertet oder verkauft, sei es direkt oder mit Hilfe eines Schlächters, und kommt so schnell in viele Hände, die manchmal kleine Wunden und Risse aufweisen. Nach einiger Zeit tritt dann eine Rötung der Haut sowie Anschwellung der Fingerglieder und der Hand ein. Oft geht das von selbst wieder zu- rück, manchmal aber kommen Schmerzen ini Arm und in der Achsel- höhle hinzu, so daß die Möglichkeit einer Blutvergiftung befürchtet wird. In solchem Falle geht jetzt selbst der Bauer zum Arzt und ist dann sehr erstaunt, wenn ihm der auf den Kopf zusagt: Sie haben vor so und so viel Tagen ein Schwein ge'chlachtet, das hatte Rotlauf, und jetzt haben Sie ihn! Genaueres läßt sich in der Regel nicht saaen, da der Kranke gewöhnlich erst dann den Arzt aufsucht, wenn es schon bedenklich aussieht. Oft ist auch die kleine Verletzung, durch welche die Ansteckung in den Körver gekommen ist, noch deutlich sichtbar. Zum Glück hat die Behandlung der auf den Men'chen übertragenen Schweineseuche keine Schwierigkeiten, so daß der Befallene mit dem Schreck danonkammt. Erökunöe voikerkunöe Urmenschen und Menschenaffen ans Sumatra. Jnteresiante Tab 'achen von Urmenschen und Menschenaffen auf Sumatra veröflent-> ächte C h r i st i o n Schweizer in der Zeitschrift„Neue Welt- � anschauung". Schwen-'r ist in seinen Aufzeichnunaen den Mit- teilungen gefolgt, die Wilhelm Bolz vor kurzem in seinem Büchlein, „Im Dämmer des Rimba" gemacht hat. Die Ureinwohner Su- niatras, die Kubu, shd eine olte Urbevölkerung, die im Innern des � Zand�s auf einer primitiven Kulturstufe stehen geblieben sind. Die Zahl der Kubu Ist sehr gerinn, nur wenige Taufende mögen es sein, üe familienweise den Urwald durchstreifen. Ihre ganze Tätigkeit � 'esteht in der Nahrungsuche, ohne irgendwelche Hilfsmittel. Sie« Die großen Strlnsal'la.ger der Erde. Eine Znsammenstellung der größten Stcinsolzlager der Erde entnehmen wir dem Buche „Unser Kochsalz ols Haus- und Heilmittel" von Ad. Alf. M i ch a e- l i s lLeipzig, Verlag Michaelisl. Allenthalben finden sich in Europa Unter der Erde Steinsalzlao-r. Sie sind meist von großer Mächtigkeit, es wechseln Schichten reinsten Kristallsalzes mit anderen Schichien ab, die mit Gips und Ton vermengt sind. In Deutschland zieht sich ein starkes Salzlaqcr von Helgoland nach Mitteldeutsch- land hinein und ostwärts in die Provinz Posen bis Hahensalza. Seine größte Mächtigkeit, bis IBO Meter Tiefe, erreicht es bei Stoß- furt und Erfurt. An dieser Salzader liegen die meisten unserer großen Saszwerke und der verwandten Industrien: Lüneburg, das im Mittelalter schon eine große Rolle spielte. Staßfurt, Ilners- gchofen bei Erfurt. Halle a. d. S. Sperenberg bei Berlin, wo Gips gewonnen wird, und Hohensalza sInowrazlaws in Posen Einzelne In sich geschlosiene Salzlager finden sich in Württemberg, dem Rhein- land usw. Steinsalz findet sich ferner beKSeaeberg In Holstein, bei Berchtesgaden in Bauern, bei Hall in Tirol und bei Bex im Konton Wandt fSchweizl, Ein ungeheurer Salzstock zieht sich in großem Bogen von der Wallachei durch Siebenbürgen und llngarn bis in dos nördliche Galizien hinein. In Siebenbürgen bildet das Salz meilenweite, bis zu 109 Meter Höhe emporstrebende Felspartien, d!- vielkach aanz frei zutage treten und zur Anlage von zahlreichen Salzgruben Gelegenheit geboten haben. A- ßer dielen Gruben sind auch noch weit über 190 Saszauellen in B-trieb. An diesem Salz- gebiraszuge liegen noch die graß?n Stei-llalzbergwerke von Wieliczka bei Krakau und Bvchnia. In Fra-ckreich finden sich Steinsalzlaaer in den Marennes, in England bei Bristal. Durham und Norwich, in Spanien in der Provinz Katalonien, dier noch in ganz eigen- tümlicher Weise gelagert als Salzbero. Als die ältesten Salzlager der Erde dürften die großartigen Salz'oger in den Vereinigten Staaten von Nordamerika und Kanada anzusehen sein. Vor zmae- fähr 22 Jahren bat man Salzloser in Michigan CNordar»?--!«�»-t- deckt, die eine Mächtigkeit von 3(5— 40 Fuß haben.