Nummer 10 1S.MZ?Z1022 �lnterhaltuntzsbeilatze Zes Vorwärts -»a�« Der Srief öer Toten. Lon Paul Dobert. Die Frau war gestorben und der Witwer stand vor dem großen Schrank, in dem sie ihre Kleider, Hüte und persönliche Wüsche auf- bewahrt hatte. Sein Blick ruhte wohlgefällig auf dem sorgsam geordneten reichen Bestand an Toiletten- und Wäschestücken— der «cht hausfrauliche Charakter der Toten sprach sich auch hierin aus. Manche Stücke der Leibwäsche schienen noch gar nicht benutzt zu sein, eine rührende Sparsamkeit, die jetzt keinem recht nutzen konnte. Kinder hatten sie nicht gehabt, das Erbe fiel also an den Mann, und wie er vor diesem Nachlaß stand, drängte sich ihm gleich der Zweifel auf. ob Nanny, sein Verhältnis, wohl von diesen Sachen Gebrauch machen würde. Sie hatte vor dem Tode so große Angst, daß ihr auch olle Gegenstände, die mit einem Verstorbenen zu tun gehabt hatten, höchst widerwärtig waren. Also mußte dieses alles verkauft werden... Ehe er den Schrank wieder verschloß, wollte er aber doch noch sich vergewissern, daß keine Gegenstände etwa von besonderem materiellen oder persönlichen Wert sich in dem Nachlaß befanden, die zu veräußern peinlich gewesen wäre. Er holte sich einen Schemel und stieg hinauf, um das oberste Fach des hohen Schranke? abzu- tasten. Bon links nach rechts. Da lagen in geordneter Reihe die Sommer- und Winterhüte, etliche Hutnadeln, künstliche Blumen, Federn, Knöpfe.., den Boden des Faches bedeckte weißes Papier, Wktcnformat, wie er es zu benutzen pflegte. Plötzlich fühlte er in der rechten Ecke, daß unter dem Papier doch etwas verborgen lag. Sein erster Gedanke war: Sparkassen» oder Bankkontobuch. Aber das war ja wohl ausgeschlossen; Vermögen und Schmuck hatte sie in einem Geheimfache seines Geldschrankes aufbewahrt. Behutsam holte er da» unbekannte Etwas unter dem Papier hervor: es war ein flaches Päckchen, fein säuberlich verschnürt. Als er die Schnur löste und den Papicrumschlag entfernte, kam ein steifer Heftdeckel zutage. Er schlug ihn aus und sah einen Brief vor sich, der die Aufschrift trug:»Bon meinem Manne nach meinem Tod« zu öffnen". Jetzt war scho» ein gewisies Zittern der Erwartung in den Händen des Manne«. Er wollte kurzerhand das Kuvert aufreißen, aber es erwies sich als äußerst widerstandsfähig: Papier mit Stoff- «inlage. Er stieg vom Schemel herunter und trug den Brief in sein Zimmer zum Schreibtisch,«o er ihn mit einer Papierschere aufschnitt. Alle Wetter, Ns waren ja die Briefe Nannys, von ihr geschrieben, wenn ß« i« Sommer einige Wochen an der See geweilt hatte.'Wie waren dies« Briefe, die er doch so sorgsam gehütet hatte, und die seiner Meinung nach sicher in einem Geheimfache de» Geld- schranke? geborgen«are», in die,Hände seiner Frau gekommen? Und wieder bewunderte er die peinliche Ordnung der Gattin. Die Briefe von jedem Jahrgange(von ihm nach dem Lesen in das Fach geschleudert)«awu zusammengebunden und ein Zettel unter das Band geschoben, ans dem Ort und Jahr zu lesen war.— Kolberg 1908— Bing 1909— Zoppot 1910 usw., bis in das zweite Kriegsjahr konnte er f« Nannys Sommerreisen verfolgen. Dann war sie zu Haus« geblieben, und nach dem Kriege hatte er sie be- gleitet-r auf Gebi»gs Wanderungen, die er— wie er damals seiner Frau gesagt hatte— seiner Frau nicht zumuten könnte. Deshalb hatte er Frau Anna nach Kolberg, Binz und Zoppot geschickt und war mit Nanny losgezogen. Langsam hob er»ie einsachen Päckchen hervor und schichtet« sie aufeinander. Eine respektable kleine Säule von Briefen, voll von jenem seutimental-zärtlichen Geschreibsel, das»solche Mädchen" zu Papier zu bringen pflege». Al» er das letzt« Päckchen emporhob, fand er einen ofsene« Brief von der Hand seiner Frau und er las: »Mein lieber guter Franz! Da Friedrich mir seinerzeit je«inen Schlüssel zu den beiden Geheimfächern ausgehändigt hatte, so war es nur natürlich, daß ich die Briefe Deiner Ronny einmal entdecken mußte. Zuerst war ich begreiflicherweise empört. Ich wollte Dich perlassen, die Scheidung einreichen. Dann aber kam das Nachdenken, und ich bin geblieben. Die ersten Briefe datieren von 1903, Ich ent- deckte sie aber erst durch einen Zufall, wie das so geht, im Jahre 1912 und fand also gleich die Korrespondenz von fünf Jahren vor. Ich las sie mit einer gewissen Bewunderung— wie einfach ist das Leben für d ele vergnügungssüchtige, junge Welt! Sie genießen die Senn«, ärgern sich über den Regen, bitten noch um etwas Geld— die»Bernsteinkette gefällt mir doch zu sehr" oder»ich habe hier ein wunderbares altes Spinnrad gesehen, es kostet aber 300 M.—— wird Deine Großmut mir diese Summe spendieren." Also ich las die Briefe und legte sie wieder an den Platz. Las im nächsten Jahre die neu hinzugekommenen und so fort, bis der Krieg ein Ende machte, und nun will ich Dir eins gestehen, lieber Franz: Ich habe aus den Briefen der Ronny herausgelesen, daß Du im Grunde Deines Wesens e!n liebenswürdiger Charakter bist— dafür spricht schon die lange Zeit des Verhältnisses mit Nanuy, dafür auch eine gewisse Nuancierung des Inhaltes ihrer Briefe: Empfindung und Ausdruck werden von Jahr zu Jahr besser. Daß Du diese liebenswürdige Seite Deiner Natur mir gegen» über nicht so ganz an den Tag legtest, nehme ich Dir nicht übel, da unsere Ehe kinderlos geblieben ist. Ach ja, die kinderlose Fraut Sollte sie nicht von Amts wegen dazu angehalten werden, sich recht- zeitig scheiden zu lassen, um dem Manne eine neue Ehe mit Hoff- nung auf Kindersegen zu ermöglichen? Daß Deinem Verhältnis mit Nanny kein Kind entsprossen ist, hat wohl andere Gründe als die Unfruchtbarkeit der Frau... illegitime Kinder sind nicht beliebt. Ich stelle nun die Daten her: 1903 unsere Heirat, 1903 die ersten Nanny-Briefe. Also fünf Jahre— die ersten fünf— hatte ich Dich. Erinnerst Du Dich noch des Dr. Würdig, des zynlsch-geistrcichcn Sonderlings, der uns öfter besuchte und einst sagte:»Mehr als fünf Jahre kann ein Mann seiner Frau nicht treu sein.." Oft habe ich daran gedacht. Dich um Ronnys Adresse zu bitten (nachspionieren wollte ich Dir nicht).— Wozu?— um sie aufzusuchen, sie kennenzulernen— ihr zu versichern, daß das ehebrecherisch« Verhältnis in meinen Augen fast eine Ehe darstellte. Ach, man ist feige, mutlos. Ich habe weder Dich um die Adresse gebeten noch sie mir sonst verschafft, aber oft, sehr oft, habe ich mich mit dem Gedanken beschäftigt: nimm die Geliebte zu Dir, gib ihr und ihm die Ruhe, das Köstlichste im Leben. Wenn Ihr mich— bald oder später— begrabt, so werdet Ihr frei, und Ihr könnt Euch heiraten. Soweit ich freilich zu beobachten Gelegenheit hatte, ge« schieht das meistens nicht, oder die geschlossene Ehe wird unglücklich. Ob es nun bei Dir und Nanny anders sein wird? Ich will e? hoffen— denn sie scheint mir trotz allem ein Charakter zu sein, und wenn Du ihr diesen Brief vorgelesen haben wirst— ich bitte Dich, dieses zu tun— wird sie auch mich anders beurteilen, als sie ti jetzt tun wird und tun muß in dem vermeintlichen Ankämpfen gegen die legitime Frau.— Ich wünsche Euch Glück, lebe wohl, Deine Anna/ Wenn Franz Ritter, der erfolgreich« und angesehene Kaufmann, sich beim Lesen dieses Briefes gleichzeitig im Spiegel hätte sehen können, so würde er bemerkt haben, daß sein Gesicht nicht gerade den geistreichsten Ausdruck zur Schau trug. Bei Gott, der Brief ging ihm an die Nieren. Wie scharf diese einfach«, anscheinend so stille Frau alles beobachtet hatte, wie sie an Probleme rührte, die woht jeder verheiratete Mann schon Im Kopf« umhergewälzt hatte. Bot allem die Frage: Kann ein Mann zu gleicher Zeit zwei Frauen lieben? Das Lob Nannys freute Ihn besonder». Er steckte den Brief zll sich und begab sich zur Freundin. Er war ein guter Rezitator und brachte die Stellen, in denen von Nanny die Rede war, zur besten Wirkung. Nanny war dann auch gerührt und zerdrückt« einig« Tränen. Aber al» praktisch« Frau schmiedet« st« da» Eisen, solange e» heiß war—.»Deine Frau will unsere-Heirat, also heißt es sich tummeln. Wir heiraten ganz in der Stille, so daß niemand etwa» davon merkt. Später— na später, da kräht kein Hahn mehr danach/ Und Franz ging gehorsam, das Aufgebot zu bestellen. Der Mensth von Weimar. Nks nach Beendigung der Napoleonkriege es Mode wurde silr Engländer und Franzosen, das vordem verschmähte Deutschland zu besuchen, brachte man das Wort auf: Deutschland sei das Land der Entdeckungen. Man„entdeckte" nach und nach für die große Welt Weimar, die Schönheit des deutschen Rheins, die Ostalpen, Rothen- bürg und Nürnberg, bis der erweiterte Verkehr der Neuzeit und die alles verbreitende Presse uns mit der Meinung erfüllten, wenigstens uns Deutschen sei im eigenen Land nichts mehr zu entdecken ge- blieben. Daß dem nicht so ist, darüber belehrte mich ein zufälliger Gang durch die Luisenstraße in Weimar. Man absolviert dort, wenn man zum erstenmal kommt, Pflicht- schuldigst das Goethe-chaus, besucht Schillers Sterbezimmer, erfreut sich an den bunten Vorhöngen, die Liszts bescheidene Arbeitsstube schmücken, sitzt sentimental am Borkenhäuschen, durchwandert den Park, bleibt vor der geschlossenen Pforte des Nietzsche-Ärchios stehen und glaubt dann alles gesehen zu haben, was von Weimars großen Erinnerungen wirklich Aufmerksamkeit verdient. Und ist dann glücklich an einer Sehenswürdigkeit vorbeigegangen, die Weimar zu einem Zentrum in der Welt macht, das es zum zweitenmal nicht mehr gibt. In aller Stille Hot man in Weimar ein Museum der menschlichen Vorgeschichte zusammengetragen, das von keinem anderen übertroffen wird und eines Tages zum Mittelpunkt der gesamten prähistorisch forschenden Welt werden muß. Was gibt es dort zu sehen? Man höre: Das Tal der Ilm war schon zur Eiszeit von Menschen besiedelt. In T a u b a ch und Ehringsdorf lebten sie unter ähnlichen Ver- höltnissen wie die so hochberühmten Urmenschen in Frankreich. Aber während man mit großer Reklame der französischen Urgeschichte das Khr der ganzen Menschheit zu verschaffen wußte, weiß von den ebenso wertvollen Weimarer Ausgrabungen nur das Häuflein der Fach- eingeweihten. Und doch sind die wunderbarsten Dinge davon im Städtischen Museum zu sehen. Saal um Saal kann man dort durch- wandern und geht dabei von einem Jahrtausend ins andere wie in einer verzauberten Welt. Aber nicht in einer, die mit unverständ- lichen und daher nur bedrückenden Wundern die Seele verwirrt. Mit größtem Verständnis ist zu Weimar die ganze Urgeschichte des Menschengeschlechts lebendig gemacht. Da ist ein künstlicher Durch- schnitt durch den Hang des Ilmtales geschaffen, um beweisend zu zeigen, wie alt die Schichten sind, in denen die Knochen des Taubacher Menschen von den Ablagerungen, die stch seit der letzten Eiszeit darüber gebildet haben, überlagert werden. Und diese Knochcnreste selbst sind eiires der ehrwürdigsten Vermächtnisse der Vorzeit. Er- fchüttert steht man vor diesen Kinnbacken eines alten Mannes und eines Knaben, die zu mindestens ebenso alt wenn nicht älter sind als der weltberühmte Mensch von Le Moustier und so wie er der Neandertalrasse, also der ältesten Urcinwohnerschaft von Europa, angehören. In großen schönen Oelgemäldcn ist die Welt dieser Halbtiere heraufbeschworen: sie wärmen stch am Feuer, einer von ihnen zieht zur Jagd aus auf die Nashörner, Auerochsen und Mam- muts, von denen prachtvolle Reste uni Weimar gefunden wurden. Aber auch In Wirklichkeit ist die Welt dieser ältesten Deutschen wieder- hergestellt in einer prachtvollen Sammlung von weißen Feuerstein- geraten, welche die ältesten sicher beglaubigten Werkzeuge auf beut- schein Boden stnd. Und von dieser Urzeit bis z» den ältesten historischen Tagen und zu den Zeiten der Merowingerfiirsten leiten nun Gräberfunde, die man zum erheblichen Teil unter dem klassischen Boden von Weimar selbst entdeckt hat, zum Erleben der Mensch- und Kulturwerdung in einer Anschaulichkeit, die mir in den wichtigsten derartigen Museen in Europa bisher noch nicht entgegengetreten ist. Man hat hier durch Tausch oder wenn das nicht ging durch Nach- bildung eine vollständige Natur- und Kulturgeschichte der Stein- und Bronzezeit zusammengebracht, aus der die Menschwerdung und der lange marteroolle Weg der Kultur auch der unempfänglichsten Seele klar werden muß. Ein besonderer Wert kommt hierbei den zahl- reichen wiederhergestellten Ekelettgräbern zu. Sie reichen von der Bronzezeit bis zu den frühhistorischen Tagen, von denen ein Hocker- grab in einer Steinkiste(von Kalbsrieht) das besterhaltene Gerippe dieser Art, das Grab einer thüringischen Fürstin aus Haßleben, das in erstaunlicher Erhaltung wieder aufgestellt ist, mit seinen drei- hundert goldenen und silbernen Fundstücken, dem Bernsteinschmuck, den massiv goldene» Fibeln, Bronze- und Silberschalen, dem Herr- lich geschlissene» grünen Glas einen ganz ungeahnten Einblick in die deutsche Kultur zu Beginn der Völkerwandmmgszeit gestattet. Aber das alles sind noch für die Bildung und die Oeffentlichkeit tinentdeckte Schätze. Seit 30 Jahren ist hier durch das Zusammenwirken hochherziger Menschen, zumeist aus Stiftungen, ein wahrer Mittelpunkt für die Kenntnis der europäischen Urgeschichte cnt- standen, der verdient, unter den Weimarer Kulturschätzen mit an erster Stelle genannt zu werden. R. H. France. Der Nußknacker. Von Erna B ü s i n g. Aufrecht stand kr da, der Nußknacker. Das zu Holz gewordene Selbstbewußtsein, in Menschengestalt geformt. Er war prächtig an- gestrichen, und sein Gesicht glänzte wie fein polierte Taseläpfel, die arme Leute sich nie kaufen können. Dabei ruhte sein Körper auf Beinen, die unbedingt eines Parademarsches sähig waren. Ja, eines solchen Parademarsches, bei dem kein schnauzwütiger Unteroffizier rufen würde:„Höher die Beine, du Kerl, höhcrl" Das schönste an ihm aber war der Mund. Der war wie die zu Maul gewordene Gier aller Annexionisten. Der Nußknacker selbst war ganz bezaubert vom eigenen Glanz und sagte sich, nur ich kann etwas bedeuten. Neben ihm lag auch ein Nußknacker. Ein einfaches, glattes Ding, fo eine Art Zange. Erdacht von einem klugen Kopf, geformt von fleißigen Händen. In ihm waren der Wille von Hand und Kopf zu gemeinsamer Arbeit verschmolzen. Gönnerhast, so drei Vie-tel mit Würde durchwachsen, wurde er von dem hölzernen Nuß- knacker betrachtet. Da entwickelte der einfache Nußknacker seine Pläne. Cr sprach von Arbeitseinteilung, von gegenseitiger Hilfe, von Gemeinwirtschast und von der Freude am Schaffen. Der Nußknacker-Mann jedoch redete mit großen Worten und Wichtigkeit nur von sich. Dabei sah er seinen einfachen Kollegen, der den Arbeitswillen so vieler re- präsentierte, höchst geringschätzig an und meinte in einer Selbstver« ständlichkeit, die allein ihm sür solche galt:„Aber es muß für dich doch Ehrensache sein, mich als Autorität zu betrachten." „O. ich werde mir durch Arbeit Geltung verschaffen und das Wir in mir, der zusammengefaßte Wille von Köpfen und Händen, bricht allen Widerstand und geht zielsicher seine Bahn," antwortete der Zangcn-Nußknacker.„Uns schreckt die Schwere unserer Auf- gaben nicht. In» Gegenteil, sie ist uns Ansporn und stille Freude für unseren wagenden Mut." „Ach, die Menge, die Allgemeinheit ist stets langweilig," gähnte der Mann-Rußknacker, klapperte mit seinen Zähnen und lagt« In Schadenfreude über sich selbst:„Ich habe sehr viel Unzuoerlassigketten in meinem Charakter, allein darum bin ich schon eine imponierende Persönlichkeit." Der einfache Nußknacker kümmerte sich nicht groß um all das Gerede. Cr ging an di« Arbeit und bewältigte Aufgabe um Auf- gäbe, das heißt, er knackt« Nuß für Nuß. So ließ er die Tatsachen für sich sprechen. Der vornehme Nußknacker wurde rot wie«In Puterhahn vor lauter Selbstaufrcizung. Er nahm auch nicht eine Nuß, um sie zu zerbeißen, nein, wie sollte er nur, er war einzig- und allein gewöhnt, sein Maul zu ruhmredigem Geschrei zu gebrauchen. Darum keifte er jetzt in den schrillsten Tönen und kreischte:„Aber das ist unzulässig, ich, ich kann ja alles viel besser. Ich, ich"-- Da riß die Strippe, die sein Maulwerk zusammenhielt, und der Kinnladen siel ihm tief auf die Brust. Er hatte sich selbst nahezu verschlungen. �ckertat. Wolbenkebvere Zcblevck über cken..» Den feuchten 8topptUcher hinan Reißen zvm ftämmige Ttampfencke Raucrgäut« Torw'ärto den Pflug; IMntcrdrcin grobderb der Knecht,— ßübl hallo! ?llt< Sehnen zuchcn mir jäh. Heber den Riekenacber der fdenfehheit Gärt Uletterbläue, leuchtend, wölbunggewaltig, Sturm verklärt. Hm SHenpftuge die schüttelnde fault; �ung, tatlultitarh Schreitet die Zeit. Di« Kruste knirscht, bricht, herrisch aufgewühlt| ■Jahrtaulendzähea Schollenwerk Stürzt durcheinander. Molken wälzen darüber hin... Hber droben über den HcherhShn Hua graugelagerter]S«bclwildnie Wirrt lieh kühn» l.ichtgroß der Cag. Die weißen Wolken überall Schmücken mit blauen Schleifen lieh— tichtitauncn rinnt— Saatneu feldert lich grün die Welt. Franz Diederid� Apparate gegen SchWerhsrkgkeit. Der Weltkrieg Hot das Heer der Schwerhörigen und Tauben um ein beträchtliches vermehrt, und die meisten von diesen werden wohl schon vor der Frage gestanden haben, ob ihnen etwa durch «inen der verschiedenen, oft in marktschreierischer Weise In den Zei- tungcn angepriesenen Apparate geholfen werden könne. Es ist ohne weiteres verständlich, daß das scheinbar gleichartige Symptom der -Echwerhärigkeit, da es einer Reihe verschiedener anatomischer und physiologischer Ursachen entspringt, durch keinen Apparat gleichmähig zu behebe» sein wird, es können durch künstliche Apparate nur die Bedingungen der Echallzuleitung verbessert werden. Am längsten sind Hörrohre zur Verbesierung des Gehörs be- kann« und in weitester Verbreitung im Gebrauch. Bei der Fort- Pflanzung des Schalles durch Röhren nimmt seine Intensität nur mi- nimal ab, der durch«Ine Röhre dem Ohr zugeleitete Schall trifft das- selbe fast mit derselben Intensität, als wenn der Schall unmittelbar am Ohr erzeugt wäre: die konische Form des Rohres begünstigt die Sammlung und Verstärkung der Schallwellen. So gibt es eine Meihe von Hörrohren verschiedener Form, für deren Auswahl rein subjektive Gesichtspunkte maßgebend sind. Sie dürfen nicht benutzt werden, wenn durch sie Ohrensausen erzeugt oder vorhandenes ge- steigert wird. Die größte Rolle in den Ankündigungen spielen wohl die sogenannten„unsichtbaren Hörrohre"; geschickt wird hierbei auf die Eitelkeit der Schwerhörigen spekuliert, und nicht ohne Erfolg. Sie kommen unter den verschiedensten Bezeichnungen in den Ver- kehr: Gehörapparut(drahtloses Telephon für das Ohr), Gehör- trommel, Gehörpatrone, Hörtrommel, Gehör-Drums u. a. Ihr Wert soll einmal in der Unausfälligkcit. dann aber auch in der Sammlung und Verstärkung der Schallwellen liegen. Als Hörapparate sind sie .nicht anzusprechen, denn selbst der Laie muß sich sagen, daß die kleine Oesfnung nur wenig Schall sammeln und die Kürze denselben .in keiner Weise verstärken kann. Durch die Einführung solcher .Gehörpatronen können unter Umständen Verletzungen entstehen, die sehr gefährlich und bösartig werden können. Auch Hörapparate .größeren Stils sind auf dem Markt erschienen, deren Wert bei ge- nauer Prüfung durch Fachmänner sich als höchst zweifelhaft er- wiesen hat, indem sie keine wesentlich bessere 5)örvermittlung schafften als die Hörrohre solider Firmen. So wurden sogenannte Akustik- avparate in den Handel gebracht, welche auf dem Prinzip des Mikro- .phons und Telephons beruhen. Derartige Apparate bestehen aus .einer isolierten Sprechvorrichtung, die durch Kupserdroht mit einer elektrischen Taschenbatterie verbunden ist; von der Cprechvorrichtung .geht die Leitung zu den Hörballons, die innen eine Membran haben, ideren Schwingungen dem Hörer mitgeteilt werden. Die verschieden- Jten Versuche haben in keiner Weise den Erwartungen und Ver- sprcchungcn entsprochen: Tatsache ist, daß sie den Schall zu verstärken vermögen und auch Gespräche zuleiten, die nicht direkt in die Sprech- Vorrichtung gesprochen werden, aber sie verstärken auch alle Neben- geräusche, welche den Schwerhörigen derartig verwirren können, daß er ihn nicht selten wieder aufgibt. Bei den sogenannten„Dentaphonen" und„Audiphonen" handelt .es sich um Apparate, bei welchen mit Hilfe der Knochenleitung die »Schollwellen auf das Labyrinth übertragen werden sollen, indem der »Schwerhörige eine Platte aus Hartgummi oder Holz zwischen die ,'Zähne nimmt oder an die Kinnlade lehnt, während gegen diese ge- �sprechen wird. Der Gedanke, statt der Luftleitung der Knochen- jleitung sich zu bedienen bei Hörocrsuchen, ist alt; benutzt man doch .auch Stimmgabeln, um die Hörsähigkeit für verschiedene Töne zu 'bestimmen, und bedient sich der Knochenleitung. Es ist aber doch »ein großer Unterschied, ob man bloß Schallwirtungen erzeugen will, die hier nicht ausgeschlossen sind, oder zur Ton- und Lautwahr- nehmung den Schwerhörigen bringen will. In letzter Beziehung »sind alle Versuche selbst bei Schwerhörigen mit Vokalgehör, ja sogar mit Wortgehör ohne Erfolg geblieben. Es ist also bei der Anschaffung eines GeHörapparates immer besondere Vorsicht geboten. Kaum aus einem anderen Gebiete wird so viel schwindelhaste und gewissenlose Retlome getrieben als wie mit den sogenannten gehörverbessernden Apparaten. Wer sich einen solchen Apparat anschaffen will, lasse sich immer vorher von einem Ohrenarzt beraten; nur so kann er einer unnützen Geldausgabe »und schwindelhaste» Uebervorteilung entgehen. Dos wichtigste Hilfsmittel im sprachlichen Verkehr bleibt für den Schwerhörigen und Ertaubten das Ablesen des Gesprochenen vom Gesicht, wie es jetzt an vielen Orten in systematischem Unterricht von besonders '•hierfür ausgebildeten Lehrern gelehrt wird. So wesentliche Fort- '.schritte die Ohrenheilkunde in den letzten Jahrzehnten gemacht hat, iin zahlreichen Fällen von Schwerhörigkeit ist sie doch machtlos und deren Folgen können dann nur durch die genannte Methode und nur in bestimmten Fällen durch einen Apparat, deren zuverlässigster und billigster ein gutes Hörrohr deutschen Fabrikates ist, gemildert i werden. Dr. Sch.! Hoppe!-Poppet. Von Han» Klabautermann. Allmählich werden die alten Briefmarken ausgemerzt. Die bessere Dame mit der Krone auf dem aufgelösten Blondhaar und den beiden messingenen Rasierbecken auf der Brust mutz anderen bildlichen Darstellungen weichen. Uebrigens ist das Porträt Hcnüy Porten wenig ähnlich. Auf der neuen 1<10-Pfennig-Marke seden wir drei Männer bei interessanter Arbeit. Der eine wird von Leib. schmerzen gequält und handelt dementsprechend. Dennoch kann man die Marke getrost jungen Mädchen in die Hand geben. Mit Rück- ficht auf das Schamgefühl ist der Druck verschwommen gehalten. Der zweite ist ein Reger, damit beschäftigt, einen Geldschrank zu knacken, und der dritte fuchtelt gewaltig mit einer Hacke herum, linken steht „Deutsches Reich". Voll Spannung erwarten wir dm Anblick, wo die Hacke ins Deutsche Reich kracht. Die Null von der 100 hat er schon angebufst. Dies alles auf dem beschränkten Raum einer Brief« marke. Es ist wuchtig und eindrucksvoll. Wem das als Genuß noch nicht genügt, darf auch, je nach der Parteiricktunz, den jeweilig, n Sinn hineinlegen. Der Künstler ist neutral verfahren. Jeder zu be» mängelnde Zustand findet in dem Bild sein treffendes Symbol. Die erwähnte Null, die ihren Knacks weg hat, zeigt, wie der Arbeiter die Stullen aus der Regierung und dem Etat entfernt, oder sie be- weist, daß 100 Pfennig bald nur noch 10 wert sind. Natürlich sind die Juden oder die Sozialdemokratie daran schuld. Auffallenderweise schwingt der Neger den Hammer mit der linken Hand. Daraus er« geben sich viele geistvolle Kombinationen. Daß der Kurs nach links geht und wohin das führt usw. Selbstverständlich können hier nicht alle Möglichkeiten erschöpfend behandelt werden. Nur noch ein Wort über den Mann mit den Bauchschmerze», der der Phantasie des nachdenklichen Betrachters erhebliche Steine in den Weg legt. Ich möchte ihn als Dukatenmännchen oder als Vorahnung auf den neuen Sparminister aufsassen. Die Idee des Sparorganisators ist hervorragend. Wer wie ich zum Beispiel nie mit seinen Moneten auskommt, engagiert sich einfach solche Persönlichkeit und ist sofort seine Nöte los. Sie wird zwar als Gehalt mein gesamtes Ein» kommen beanspruchen, aber ich lerne wenigstens die Organisation des Sporens. Für den Chef dieses Ministeriums würde sich Herr Dr. Hermes gut eignen, da er ja äußerst sparsam einzukaufen ver» steht. Die Zeit ist sür derartige Neuerungen reif. Wir haben alle das Sparen nötig, da jeder das Geld mit vollen Händen zum Fenster herauswirst. Für Margarine, die wir srüher unseren Hund anzu- bieten uns geschämt hätten, geben wir leichten Herzens dreißig Mark und mehr pro Pfund aus. Wir müssen organisieren, die Zeit und Arbeit rationell ausnutzen. Teilweise ist die heutige Wirtschaftsauf- fassung bereits von der großen Linie beherrscht. Der Einbrecher soll sein Lehrgeld zurückverlangen, der sich damit begnügt, einen Sack Silbersachen zu klemmen. Das ist nichts. Am Hausvogteiplatz ist ein Herr durch drei Decken gestiegen, nachdem er die dazu nötigen baulichen Veränderungen in einer einzigen Nacht ausgeführt hatte, und hat für eine Million Waren geklaut. Für die in letzter Zeit gern gestohlenen Hullydeckel werden sich in Deutschland auch nur wenig Liebhaber sinden. Sie sind durchlöchert und dazu bestimmt, den Dreck in sich auszunehmen und in die Kana- lisation zu leiten. Für solche Dinge hat das Ausland Interesse. De» Londoner„Daily Expreß" und die„Chicago Tribüne" bringen spalten- lange Berichte über die Ehescheidung des Prinzen Eitel Friedrich. Es würde sich empfehlen, die Konjunktur zu nutzen und für Hohen- zollernoffären einen Lustbarkeitszoll einzufiihren. Auch auf die Tätigkeit mancher Justiz kann dieser Zoll aus- gedehnt werden. Es ist nicht zuviel verlangt, wen» die Zeitungen berappen müssen, denen sie einen fetten Happen zuwirft. Die Leser lachen sich tot, wenn sie hören, daß ein Redakteur mit ZOO Mark Geldstrafe belegt wird, der zur Ermordung des Pazifisten v. Gerlach auffordert. Oder wenn sie von dem somosen Polizeipräsidenten von Budapest lesen, der sich zu Helsen weiß, nachdem er di« Erz- berger-Mörder in Sicherheit gebracht hat. Da der Gerechtigkeit Genüge getan werden muß, läßt er schnell zwei x-beliebige Leute verhasten. Man sieht, der Mann ist auf seinem Posten. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß das Reichsgericht das hochherzige Anerbieten Kopps, sich den Behörden zur Verfügung zu stellen, abgelehnt hat. Wir verstehen das nicht. Seine Be- dingungen waren äußerst bescheiden: I. Freies Geleit und freie Reise erster Klasse. 2. Im Falle der Verurteilung Amnestie und freie Rückreise. 3. Freie Verpflegung und 1000 Mark pr» Tag Aufwands, enifchädigung. 4. Schutzhaft für sämtliche Redakteur« linksgerichteter Blätter für die Dauer seines Aufenthalts im geliebt«» Baterland. Wcigstens hätte man ihm freien Aufenthalt und Nerpslegung erster Klasse in einem Sanatorium für Gemütskranke— geschlossenes Haus— zusichern können. Das hätte ihn gereizt. Wie der Philosoph Deussen Ehrenmeistcr der Görlihcr Schuster- Innung wurde. Die Veranlassung zu dieser für einen Universitäts- Professor gewiß nicht alltäglichen Ehrung ist in mehr als einer Hin- ficht von Interesse, sowohl als Zeichen der gegenseitigen Achtung von Wissenschaft und Handwerk, als auch als historisches Dokument dafür, wie anders häufig die Nachwelt Personen, die über das All- tägliche hinausragen, einschätzt als die Zeitgenossen. Paul Deussen erzählt in seiner Selbstbiographie(Mein Leben. F. A. Brockhaus. 1922), wie er im Jahre 1897, als sich die Schust-rimmngen Deutsch. lands zusammengetan hatten, um ihrem Handwerksgenossen Jakob Böhme in Görlitz ein Denkmal zu errichten, ausgefordert wurde, über diesen Mystiker einen Vortrag zu halten. Unter reicher Bc- teiligung der Handwerker sprach er am 8. Mal in Kiel über Leben und Bedeutung Böhmes. In seiner Rede, die auch im Druck er- schienen ist, zeichnete er In lebendiger We'se ein Bild des„Philo- sophus Tcutonicus". der ungefähr 190 Jahre noch Luther lebte(geb. 1S75, gest. zu Görlitz 1624), zu einer Zeit, da die lutherische Reform bereits im Buchstabenglauben erstarrt war.„Böhme', sagt Deusten, .wäre ein Mann gewesen, die Versöhnung von Glaube und Misten- schaft herbeizuführen. Di« Ungunst äußerer und innerer Verhält- niste hemmte ihn allzu sehr, und so verzehrte sich sein Leben im Kamps mit der Orthodoxie." Im Jahre 1624 beschied der Rat auf Betreiben der Geistlichkeit den Ketzer vor Gericht und entschied in dem noch erhaltenen denkwürdigen Protokoll, daß„der Schuster und verirrte Enthusiast oder Phantast verwarnt werde, seinen Stab ferner zu setzen". Der Hauptpastor gab seiner Freude darüber poetischen Ausdruck in einem lateinischen Gedicht, besten Anfang in Uebersetzung lautet: „Endlich treibt dich die Stadt Görlitz, o Schuster, von bannen, Dorthin wandr« jetzt, wo man zu schätze» dich weiß!" Als Böhme starb, wurde ihm ein kirchliches Begräbnis verweigert, und der Geistliche, der sich auf Defehl des Landvogts doch dazu be- quemcn mußte, hielt ihm eine Leichenrede über die Worte:„Es ist den Menschen gesetzt, einmal zu sterben, darnach aber das Gericht." Das Kreuz auf seinem Grab wurde vom Pöbel zerstört. Heute be- zeichnet ein Porphyrblock seine Begräbnisstätte in Görlitz, dessen Kirchhof auch die letzte Ruhestätte der von Goethe geliebten Minna Herzlieb ist. Die Schusterinnungen, die ihrem Handwerksgenosten zu Görlitz ein Standbild errichteten, ernannten Deusten zum Ehren- Meister der Görlitzer Schusterinnung, um ihm für das größere Denk- Mal zu danken, das er Jakob Böhme durch feine Rede errichtet hat. Die Landgewinnung an der schleswigschen Küste. Die letzten Eturmoerhcerungen an den Inseln, die der Westküste Schleswig- Holsteins vorgelagert sind, haben die Aufmerksamkeit auf jenen Küstenstrich gelenkt, an dem die zerstörenden Kräfte de» Meeres ständig geoen die Abwehr des Menschen kämpfen, an anderen Stellen ober die Meereswogen selbst Neuland heranspülen. Der Tübinger Gelehrte Dr. Otto Jessen hat sich mit diesen Verhältnisten ausgiebig beschäftigt und in„Petermanns Mitteilungen" darüber berichtet. Es gibt Stellen, an denen Landgewinnung und Landbesestigung von vorzüglichem Erfolge begleitet war. Ein Beispiel ist die Ham- burger Hallig bei Husum. Diese Hallig wurde durch einen Damm mit dem Festlande verbunden, der schon 1375 fertig war. Infolge der Wasserstauung trat alsbald an beiden Seiten des Dammes eine Aufhöhung des Watts ein, die durch menschliche Arbeit vom Fest- lande her unterstützt wurde. In kurzer Zeit war der Damm von Vrünlandstreifen umsäumt, die sich mehr und mehr verbreiterten. Die grüne Brück« ist nun so stark, daß das gewonnene Land dem Damm Schutz bietet und dieser nicht mehr künstlich gesichert zu werden braucht. Auch an anderen Stellen sind die Aussichten, daß man dem Meere den Platz anweisen könne, wo e» Sand, Schlick, Schlamm aller Art niederschlage, recht günstig. Schlimm sieht e» dagegen fast Uberall in den Halligen au». Di- Insel Nordstrand wird fast an allen Seilen vom Meer« ständig abgebröckelt, ebenso Südfall. Pell- «arm ist rings von hohen Deichen umgeben, die am Fuß durch Steindecken gesichert sind. Die beiden Halligen Gröd« und Appel- kmd sind vor hundert Jahren ohne menschliches Zutun zusammen- gewachsen: infolge von Schutzarbeiten ist auch die offengebliebene Wattenbucht dann allmählich verlandet. Stellenweise sinden sich Küstenstrecken, an denen Perioden von Zuwachs und Abbruch mit- einander abwechseln. Die nördlichen Inseln Lmrun, Föhr, Sylt usw. liegen größten- teils im Abbruch. Sylt sollte schon vor dem Krieg« durch einen Damm mit dem Festlande verbunden werden: nur der leidige Kosten- Enkt hindert die Ausführung. Die Insel Iordsand hat seit vier- ndert Jahren beständig abgenommen und durste nun in«inigen hrzehnte» ganz verschwinden! Sie ist unbewohnt, dient nur der Viehweide und dem Logelschutz. Im ganzen liegen die Berhöltniff« so, daß von der ganzen Westküste Schleswig-Holstein» in Länge von 286 Kilometern etwa IZ4 Kilometer in Anwach» liegen, während 153 Kilometer unter Abspülung zu leiden haben. Dank der erhöhten Mithilfe des Men- schen dürfte dem Volumen nach, der Landgcwinn den Verlust doch etwa» übersteigen. Wo die freiwillige Anspülung durch da» Meer durch großzügige Arbeiten des Menschen sachkundig unterstützt wird, treten sogar bedeutende Anlandungen ein. AmmelskuaSe Die Drehung de» Andrvmedauedels. Bon den Himmelsgebilden, die schon mit einem mittleren Feldstecher gut wahrnehmbar sind, ist der Andromedanebel wohl der berühmteste. Schon deshalb, well e? nach Ansicht mehrerer Astronomen ein fernes, daher im ganze» überschaubares Abbild und Gegenstück unseres eigenen Sonnen- un? Fixsternlvstems fein soll, ein« Flxsternwslt. die weit draußen in«ln- samem Glanz ihres Seins Notwendigkeiten vollführt. Um so merk» würdiger daher, daß dieser Nebel spiralig gebaut ist, woraus sich de» zwingende Rückschluß ergibt, seine einzelnen Sterne feien in steter Bewegung und Verschiebung zu einander. Sonst könnte nicht ihr« schraubig« Anordnung entstehen, die gewissermaßen die Funktions» form der ihnen innewohnenden Kräfte darstellt. Diese Bewegung des Andromedanebels wurde nun neuerdings von dem bmihmten Mount-Wiston-Odservatorium in Nordameriki» durch den Astronomen F. G. Pease nachgemessen und mit ein« jeden Zweifel ausschließenden Sicherheit festgestellt. Es gibt dafür«ine überaus geistreiche Methode, die letzten Ende» auf der sehr einfachen Erfahrung beruht, daß der Pfiss einer aus un» zufahrenden Lokomotive immer Heller klingt, je mehr sie sich nähert. Genau so ändert das Spektrum eines Sternes seine Farben in dem Maße, als er sich entfernt oder näher kommt. Man kann dadurch Geschwindigkeltsmestungen im Himmslsraum von sehr großer Ee» nauigkit ausführen, einfach nach den Farbänderungen der Stern«. Auf diese Weis« wurde mm festgestellt, daß sich der Andromedaneb«! mit einer Schnelligkeit von 316 Kilometer In der Sekunde unserem Standpunkt nähert. Das gilt aber nur für das ganz« Gebilde; seine einzelnen Teil« haben verschieden« Geschwindiokeiten. Daraus folgt» daß es Bewegungen innerhalb'des Nebels gibt. Da sich aber auch eine Achse feststellen ließ, entlang der die gleiche Geschwindigkeit herrscht, so sieht man daraus, daß offenbar das Ganze in einer schraubigen Drehung begriffen sei, wie es nach dem Gesetz der Funttionsformen— das hiermit wieder eine hübsche Bestätigung«c- fahren hat— aus der Gestalt des Nebels zu erwarten war. Gelegentlich dieser Forschungen hat stch auch herausgestellt,'oast die chemische Zusammensetzung des Andromedanebels sich von der des irdischen Sonnensystems in nichts unterscheidet. So weit reichen die neuerkmrnten Tatsachen. Man wird nicht leugnen können, daß durch sie die Aussicht Stützen gewannen hat, dag diese fernen Inseln im unermeßlichen Ozean des Weltraumes Gegen» stücke unserer Fixsternwelt lein mögen. Befreundet man sich mit diesem Gedanken, dann muß man allerdinqs auch die Möglichkeit zugeben, daß auch die Fixsterne von einer spiraligen Bewegung er» saßt sind und hat dann Verständnis für mancherlei neue Entdeckun« gm auf diesem Gebiet. Jedenfalls bedeuten die besprochenen For» schungen wieder einen Schritt auf dem Weg«, uns über das Wefei» der uns umgebenden Welt Klarheit zu verschaffen. st. F. st. NaturwUenßhaft Sonnensuch!. Die Macht der Sonne sängt wieder im Kreis» lauf des Jabres an zu wachsen, und wir Menschen, die wir ja auch nary einem Wort Hauptmanns„ausgesetzte Kinder der Sonne" sind, die„heimverlangen nach der Mutter, erfreuen uns der wärmende» Blicke, die sie uns spendet und wenden uns ihr sehnsüchtig zu. Was der Mensch bewußt tut, das tun die anderen Lebewesen, instinktiv. Ueberall in der Natur herrscht die.Sonnensucht", wie in einem Aufsatz von„Reclams Universum" hervorgehoben wird. Am bekanntesten ist der sogenannt«„5)eleothropismus der Pflanzen". Stellt man Blumenstöcke on ein Fenster, so wenden sich In einigen Tagm die Triebe dem Licht zu; dreht man die Töpfe um, sij krümmen sich die Stengel abermals, bis die Wachstumsachsen mit der Richtung der einfallenden Lichtstrahlen zusammenfallen. Daß nicht die Wärmestrahlung der Sonne diese Erscheinung hervorruft ist dadurch zu beweisen, daß man die Strahlengattungen des Sonnen«. lichtes nacheinander durch verschieden gefärbte Gläser zurückhält. Die roten Wärmcstrahlen erweffen sich bei diesem Versuch ohn» Wirkung, die violetten Strahlen rufen aber die Drehung gegen das Licht hervor. Kewiste am Meeresgrund lebend« Würmer verhalten sich in dieser Hinsicht wie die Pflanzen. Sie wohnen in langest Röhren, deren unteres End« am Boden festsitzt, während am obereU End« da« Tier mit dem Kops hervorlugt. Diese, Kopfende ist lichft empfindlich, und treffen von der Seite her Lichtstrahlen darauf, sst dreht das Tier durch seine Muskeltätigkeit die Röhr« den: Licht ziz, Bei einigen Arten dieser Röhrenwürmer sprengen sogar die Tiery ihre Hülle und steigen sonnensüchtig au» der Meerestiefe in höher« Schichten empor, um dem Licht näber zu sein. Der stärksten Sonnen» sucht aber begegnet man bei den Insekten. Die Raupe des Schmettek» fing« Porthesia wird im Frühjahr, offenbar durch die Wärme an« geregt, sonnensüchtig und kriecht au» ihrem Winteroersteck herauq. Der Drang der Sonne treibt sie sort vom Boden, aufwärts dt» Baumstämme entlang bis zur äußersten Lstspitze. Dort findet si« ihr Futter, die jungen Blätter. Ist das Tier gesättigt, so erlischt dl» Sonnensucht. Gerät die Raupe aber an einen kahlen Zweig, so ist die Sonnensucht stärker als der Nahrungstrieb. Von der magischen Wirkung des Lichtes unwiderstehlich angezogen, verharrt sie im« beweglich am äußersten Zweigende: die Sonne hält sie fest, so daß sie sich nicht umwenden kann, um an anderem Ort Futter zu suchen, und so verhungert diese Sonnenoerehrerin mitten in dem sie um» gebenden Grün.