Nummer 12 ZH.LNarz1H22 �,___ �lnterhaltuntzsbeilatze öes vorwärts <* Die Nagö. Von Max Jungntcktl. Es Ist ein später Vorfrühling im Dorfe Weckerlingen. Ueber die Felder hin geht der heimkehrende Hirtenjunge, der Neinhold. Cr hat einen Schäferhund an der Seite. Der Hund heißt Use. Vor ihm her gehen schwerfällig ein Dutzend Kühe. Der Hirtenjunge-mag wohl so an die vierzehn Jahre sein. Er geht barfuß, hat lange Lederhosen an, die unten umgeschlagen sind und die mit tirmesbunten Hosenträgern festgehalten werden. Die Hemdsärmel hat er weit aufgekrempelt. Die Haare liegen ihm ungescheitelt, dick und blond in die Stirn. Als er mit seiner Herd« vorm Stalle steht, wundert er stch, daß der Stall verschlosten ist. Wo mag sich die Magd herumtreiben, denkt er. Dann macht er den Stall aus und treibt die Kühe an ihren Ort. Plötzlich hört er ein Wimmern. Er geht neugierig an da» Lager der Magd. Die liegt in ihrem verwühlten, schmutzigen Bett; etwas auf- gestützt, ein kleines Kind neben sich. Die Augen der Magd hängen an dem Hirtenjungen und es ist, als bitten ihre Augen um Verzeihung, daß sie ihm die Tür nicht aufgemacht hat und ein kleines Kind hat. Der Reinhold steht, die Hände in den Hosentaschen, am Bett. Die Abendsonne fließt goldig durch da» dreckige Stallfenster auf die Magd und das Kind, auf die Kuh, die in der Röhe steht, und auf den Hirtenjungen. Im Stalle ist es fast ganz still. Ab und zu trampelt mal eine Kuh oder schlägt sich mit dem Schweif. Der Hirtenjunge fühlt, wie etwa» warm und zärtlich in sein Herz hineingeht. Er streichelt mit seiner schwieligen Hand ganz behutsam über den Kops de» Kinde, wie über ganz etwa» Kostbares. Und dann lächelt er:.Wenn haste denn da» Kleene jekricht?" Die Magd sieht ihn nicht an, al» ob sie sich schämt, und sagt: �Heite vormittag«--* .I» es e Jung«?— .Jo,'s is e Junge--* .Hättste liewer e Mädchen sehatt?—* „'» i» mir janz ejal," antwortete gleichgültig und müde die Magd. Und während der Hirtenjunge«ine henkellose Kaffeekanne nimmt und Milch hineinmelkt, denkt die Magd nach, ob sie e» ihm sagen soll, daß ihr Bauer Huber der Vater von ihrem Kinde ist. Und da sieht sie ihm zu, wie er so jung dasitzt und vor sich hinpfeist. Und sie fühlt, daß er st« lustig machen will. Sie darf e» ihm nicht sagen. Als sie, durstig und hastig, die Milch heruntergetrunken hat. spricht sie noch schnell zu ihm:.Willste mir noch« Jefallen tun, Neinhold? Willste den Kleen morgen srieh zur Toose hintrogen «ach Steckeritz?—" „Ru ja, denn jeh« ich," sagt er und kletter auf eine Kuh, die «n Fenster steht. Er kramt vom Fensterbrett ein schmutzige« Pfenniglicht und »ine Schachtel Streichhölzer herunter und geht wieder an da« Bett der Magd zurück. Er brennt ein Streichholz an und hält e» unter da» Licht. Ll» da» Wach» ein bißchen schmilzt, klebt er da» Licht auf den Stuhl der Magd fest. Dann legt er die Schachtel daneben und sagt:.Wenn de mich brauchen sullst, denn ruffte mich.-- Nu schlafe scheene Mit dein Kleen.-- Morjen srieh jeh ich.—* Die Magd wünscht ihm traurig und doch ganz warm ein« gute Nacht. Der Hirtenjunge kriecht schnell in» Bett. Ein dünnes kleines Kinderwimmern klingt noch aus dem Bett» der Magd.— Aber das schläft bald ein. Die Kühe legen sich, eine nach der anderen. Dann ist alles ruhig. Um die Mitternacht hebt sich ollmäh'ich der Stall bis in den Sternenhimmel hinein. Er nimmt den Mond als Stirnreif. Die Sterne singen um ihn. Der Tau, der draußen fällt, fängt an zu reden. Lenzsturm zieht um die Mauern. Die Magd wacht auf und weiß, daß e» draußen Frühling ist. Sie fürchtet sich vor dem Frühling. Der Hirtenjunge träumt von Weihnachten. Da, ein krösttger Kinderschretl Das Stalltor hält den Schrei fest und horcht. « Am Morgen, ganz In der Frühe, steht der Hirtenjunge auf. Er rennt zur Wasserpumpe auf dem Hof, wäscht sich, streicht die Haar« mit der Hand recht gerade, befühlt Knöpf« und Hosenträger und geht wieder tn den Stall. Die Magd ist wach. .Juten Morgen, Reinhold."—— .Na, haste scheene jeschlasen?" fragt fröhlich der Hirtenjunge. Die Magd nickt und kramt unterm Kopfkissen ihr Dienstbuch hervor, nimmt aus ihrem Strumpf einen harten Taler und gibt beides dem Hirtenjungen:.Da» hier jiwste'n Pastor.— Da» Buch muß i aver Widder han."-- „Un wer füll denn« Pole stehn," frag! darauf der Hirtenjunge. Die Magd scheint etwas verlegen. Schließlich antwortet sie: .Hast du vielleicht Lust dazu?" .O. warum denn nische," sagt der 5)lrtenjunge..Awer es misten doch noch mehr sin." Die Magd sinnt nach.„Aus'n Dorfe kenn mer keen nehm.— Do Horn je keene Zeit.— Awer vielleicht jeht der Tischler au» Steckeritz mit. Der kennt mich--> un der Schuster ooch.— Do muhte mol frogen. Eingebinden brauchen se nischt. Das ls nich netig." Der Hirtenjunge guckt sie erstaunt an. War denn das Ein» binden von Geld nicht die Hauptsache bei der ganzen Tauf«? „Un wie soll e denn Heeßen?" sragt er plötzlich. Die Magd hatte noch nicht daran gedacht. Auf einem Kistenbrett über ihrem Bette sieht si« ein bunte» Heftchen liegen, wo sie immer nach Feierobend drin gelesen hat. Räch einer Weile sagt sie:.Ich mechte jerne, daß« Friedrich heeßt.--* Sie dachte da an den wilden'Hauptmann, von dem in dem Hefte die Rede war. .Friedrich is e scheener Name," sagt darauf der Hirtenjunge. Dann nimmt die Magd eine Kattunschürze, die am Bette hängt und wickelt das Kind ein. Nachdem sie gefragt hat, ob e» draußen frisch und windig sei und der Hirtenjung« bejaht hat, nimmt sie noch ihr Kopskisten und wickelt da» Kind hinein. Reinhold nimmt da» Bündel in sein« Arme, pfeift den Hund herbei und geht. Al» er fast in der Stalltür ist. ruft ihm die Magd zu:.Kumm doch noch emal her. Reinhold--* Der kommt dicht zu ihr hin an» Bett. Mit gesenkten Augen, verwirt vor Scham, sagt sie leise zum Hirtenjungen:.Un der Pastor werd wull o srogn—— sog's nu ruhig, daß unser Bauer Huber der Vater von mein Kind t». Emol ersohrn se« doch alle."-- Dann gibt sie ihm die Hand. Der Hirtenjung« fühlt, daß sie vom Scheitel bi» zur Sohl« zittert. Sie tut ihm so leid. Er möchte Ihr so gerne etwa» Liebes sagen. Er legt zaghast seine Hand auf ihren Kopf und richtet ihn empor. Und dann sagt er nur:.Bleib scheene liefen, daß de bool« jesund wärscht.--" Und dann geht er mit dem Kinde hinau». Geistersthwinöel. Von Fritz Müller(Chemnitz). Wie Geisterschwindel ausgeführt wird, zeigt Schiller im Anfang feines Romans„Der Geisterseher". Damit die Kunden in die not- wendige Stimmung versetzt werden, müssen sie sich bis aus Hemd und Strümpfe entkleiden und sich vor einen Zlltar stellen, auf dem u. a. ein Totenkcpf und eine chaldäische Bibel liegen. Der Raum ist ver- dunkelt und mit dickem Rauch angefüllt. In einer Silberkapsel brennt Spirituslicht, das nach einer viertelstündigen„Beschwörung" verlischt. Da erscheint unter Donnergepolter der gewünschte„Geist" und ant- «ortet in langen Pausen aus die Fragen, die sein„Beschwörer" stellt. Der Betrüger wird entlarvt und gesteht dann im Gefängnis, wie er den Schwindel ausgeführt hatte. Den Donner erzeugte ein Helfer mit den bekannten Geräten, mit denen auf dem Theater Donner her- vorgerufen wird. Gegenüber dem Altar war im Ausschnitt des Fen- sterladens eine Zauberlaterne versteckt. Solange dos Spirituslicht brannte, tonnte man das Bild des„Geistes" nicht sehen. Als aber die Flamme erlosch, wurde es sichtbar. Der aufsteigende Rauch be- wegte es. Die Antworten gab ein anderer Gehilfe, der im Schorn- stein versteckt war. Wer die Kunst des Bauchredens versteht, kann die Antworten selbst erteilen. An Stell« der Zauberlaterne treten heutzutage dünne Schleier, leuchtende Substanzen usw. Die nötige Bewegungsfreiheit der Arme sichern sich die Medien dadurch, daß sie falsche Arm� auf den Tisch legen und mit den natürlichen Armen arbeiten, während die Anwesenden glaiiben, daß der Betrüger keine Hand frei hat. Eine Spiritistin ließ je eine Person rechts und links von sich Platz nehmen und beauftragte sie, ihre Hände festzuhalten. Dabei reichte sie dem rechten Nachbar die linke Hand des linken Nachbars. Beide Kon- trolleure glaubten aber, je eine Hand des Mediums zu haltenl Auf einen besonders gerissenen Schwindel fiel einmal Napoleon III. herein. Er mußte die Hände unter den Tisch halten und wurde von der kalten Geisterhand seines oroßen Oheim» gestreikt. In Wirklich- keit aber war es der Fuß des Mediums, das ohne Strümpfe und in etwas zu weiten Schuhen erschienen war! Eine Zeitlang erregten Geisterphotographien großes Aufsehen. Wer sich photographieren läßt und dann ein Bild erhält, aus dem neben ihm der Geist seiner Großmutter zu sehen ist, der glaubt gar leicht, der Geist habe während der Aufnahme— dem menschlichen Auge unsichtbar— ihm zur Seite gestanden. Die lichtempfindliche Platte lügt zwar nicht. Aber der Mensch kann leicht Mißbrauch mit ihr treiben. Man stellt den Apparat schon vorher auf den Stugl, auf dem der Kunde photographiert werden soll. Dann verdunkelt man den Raum ein wenig, läßt jemand in„Geisterkleidung" Platz nehmen und belichtet ganz kurz. Dieselbe Platte benutzt man dann zum Photographieren. Man kann den„Geist" auch nachträglich auf die Platte bringen. Solche„Geisterphotographien" sehen deshalb so täuschend aus, weil durch den Körper des„Geistes" die Umrisse der Gegenstände hindurchschimmern, die sich hinter ihm befinden. Verschiedene Betrüger lassen ihre Geister sich auf andere Weis« „offenbaren". Wie man Geisterstimmen erzeugt, habe ich schon an- gedeutet. Dabei kam Mohammeds Geist einmal in schwere Bedräng- nis. Er hatte ziemlich verzwickte Fragen sehr trefflich beantwortet. Do fragte ihn ein Professor der orientalischen Sprachen etwas auf Arabisch. Mohammed blieb die Antwort schuldig. Dabei war Ära- bisch seine Muttersprache, und die Frage lautete:„Wieviel ist 2 X 2?" Geisterschristen lasten sich auf verschiedene Weise erzeugen. Man schreibt auf eine Schiefertafel einige mystische Satze und bedeckt dieses Geschreibsel mit einer dünnen schwarzen Pappe, die gerade auf die Echreibfläch« paßt. Darauf legt man eine ander« Schiefertafel. Man kann der Sicherheit halber die Tafel versiegeln lassen. Dann hält man beide Tafeln über den Kopf, beginnt zu zittern usw. Bevor man die Tafeln wieder auf den Tisch legt und sie öffnen läßt, richtet man es so ein, daß die Tafel, die erst unten lag, oben zu liegen kommt. Dadurch fällt die Pappeinlage auf die andere Tafel, und die Schrift wird sichtbar. Die Geisterdruckpreste kann man in verkleinerter Ausgab« auf den Jahrmärkten zu kaufen bekommen. Sie besteht au, zwei schwor- zen Rollen. Steckt man links unbeschriebenes Papier hinein, so kommt es rechts beschrieben oder bedruckt wieder heraus. Die Rollen sind so mit schwarzem Papier überzogen, daß sich die Zettel, die man hineinsteckt, unter dem Ueberzug auf die. eine Roll« wickeln, und daß auf der anderen Seite Zettel zum Vorschein kommen, die man schon »orher hineingewickelt hott E» gibt kein Taschenspielerstückchen, auf das— wenn man es in spiritistischem Sinn« verwendet— nicht«in paar Personen herein- fallen. Beantwortet z. B. jemand Fragen, die in Briefumschläge ein- geschlossen sind, vor dem Oeffnen dieser Umschläge, so ist er kein Hellseher. Er hat»ielmehr eine Frage selbst geschrieben und sie z u> letzt gelegt. Dadurch aber, daß er sie z u e r st beantwortet, ist er imstande, stets vorher zu lesen, was er dann beantworten soll. Ode? man verteilt versiegelte Umschlüge und läßt sie an allen möglichen Orten verwahren. Dann fordert man einen Anwesenden aus, eine Zahl mit fünf Ziffern auf einen Block zu schreibei., einen andern eine dreistellige usw. Ein sicherer Rechner mutz die Zahlen zu- sammenzählen und die Summ« verkünden. Dann werden die Um- schlüge geöffnet, und in allen steht diese Zahl. Hierbei sind selbstverständlich keine Geister im Spiele, sondern man hat nicht die Zah. len zusammenzählen lassen, die verschiedene Anwesende aufgeschrieben hatten, sondern Zahlen, die auf der anderen Seite des Blockes sta r» den. Infolgedesten wußte man die Summe bereits und konnte sie vorher auf die in den Umschlägen eingeschlossenen Zettel schreiben. Das Kunststück wird manchmal auch so ausgeführt, daß in den ver- sie�-'ten Briefen angegeben ist, welche Karte jemand gezogen hat. Man legt ihm dabei ein Spiel von 32 gleichen Blättern vor! Aehnliche Kniffe liegen den Vorführungen zugrunde, die auf die „Ueberwindung des Raumes" hinauslaufen. So ist es nicht schwer, aus einer Kassette, deren Schloß versiegelt ist, einen Gegenstand ver- schwinden zu lasten, wenn man durch einen Druck auf einen Knopf den Boden zum Niederklappcn bringen kann. Oder es setzt sich jemand auf einen Stuhl, läßt sich nach seinen Weisungen die Hände an den Stuhl fesseln und dann den Vorhang niederziehen. Geht der Vor- hang wieder auf, so sitzt der Künstler, der vorher einen(Schröck anhatte, in Hemdsärmeln und immer noch gefesselt auf dem Stuhl. Am Stuhle hing ein Mester, das sich trotz der Fcstelung noch erreichen neß. Damit zerschnitt der Angebundene die Fessel, die der ersten glich, aber dehnbar war und sich leicht anlegen lieh! Das sind nur einige Tricks, deren sich Geisterschwindler bedienen. Bei manchen Schwindeleien weiß man noch nicht, wie sie ausgeführt werden. Trotzdem aber find sie Schwindel. Die Betrüger wollen entweder— wie es In Schillers„Geisterseher" der Fall war— Ein- fluß auf ihre Mitmenschen ausüben oder sie um Geld prellen. Gerade in unserer Zeit machen die Spiritisten glänzende Geschäfte. Im Kriege sind soviel Menschen umgekommen. Die Angehörigen wollen gern mit den Geistern der Gefallenen verkehren. Wer nun vorgibt, diese Verbindung herstellen zu können, der findet(.ulauf, und dem glaubt man auch dann, wenn er den dreistesten Betrug verübt. Das gsMofe Lieö. Fröhlich und gottvergessen sang der Schulmeister mit seinen sämtlichen ihm anvertrauten Schäflein das schöne Lied: Jeder Schäfer wurde kühner, Kühner jede Schäferin. Mitten im schönsten Taktschwingen und Maulaufreißen trat leisen Schrittes Hochwürden in die Schulstube, worauf die Kinder sofort noch um einen halben Ton höher und um«inen halben Zentner lauter sangen und der Schulmeister mit seinen Knochenarmen noch um zwei Ellen weiter ausgriff. Hochwürden hörten sich das Lied bis zu Ende an. wischten sich die Stirn, traten an den des wohlverdienten Lobes gewärtigen Bubenbändiger heran, zupften ihn am Aermel und sprachen räuspernd also:„Mein lieber Herr Schulmeister. Wie treff. lich macht Er seine Sache. Die Kinder von welchem Eifer! Der Chor von welcher Ausgeglichenheit! Allein das Lied, mein Bester, wie kommt Er auf das Lied?" Worauf der Schulmeister also antwortete:„Es ist, so ich nicht irre,.Hochwürden, dieses Lied von Herrn Eeheimrat Goetbe. wo nicht von König David gar, der, wie die Schrift vermeldet, und ein Schäfer war gleichwie unseren Stadtherren in der glorreichen Mode dieser Zeiten, daß das Landleben wiederum gewürdigt werde." Worauf der Seelensänftiger also entgegnete:„Das Lied. mein Bester,«i, ich sage nichts mitnichten wider seine Melodie. Die hoffe ich oft und öfter noch zu hören. Hingegen, schau Er nur die Worte an: Wie kann man Kinder nur dergleichen Berfänglichkeiten singen lassen? Schäfer— Schäferin. Genug. mein Bester, daß wir Alten solcherlei— wie sag ich— Sch仕 ferinnen pflegen. Jedoch bedenk Er nur die kindlichen Ee- müter. Ich mein', Er ändert die verdächtigen Worte und schafft das Aergernis beiseit'. Sprach's und entschritt. Am nächsten Morgen wurde nicht gesungen in der Schule. Die Kinder waren mäuschenstill, denn der Schulmeister dichtete. Am übernächsten Tage aber scholl es laut herüber nach der Pfarre: Jeder. Käfer wurde kühner, Kühner jede Käferin. Die Grunökagen öer giftigen Tätigkeiten. Don S). F« h l i n g e r. Die mit Bewußtsein verbundenen seelischen Vorgänge spielen sich in den Zellen der grauen Rinde de» Großhirns ab, und zwar sind diese Vorgänge, wie Einnesempsindungen, Denk- tätigkeiten, auf bestimmte Bezirke der Großhirnrinde beschränkt. Die graue Masse der Hirnrinde wird aus Nervenzellen und Nerven- fasern gebildet und sie steht, ebenso wie der graue Stoff des Rücken- marks, mit den einzelnen Teilen des Körpers durch Nerven- bahnen in Verbindung, die eine mehrfache Ausgabe haben: Di« Empfindungsnerven übermitteln Reize vom Körper noch dem vom Gehirn und Rückenmark gebildeten Zentralnervensystem, während die von diesem ausgehenden Bewegungsnerven die Muskeln zur Tätigkeit veranlassen. Außer dem Nervensystem des Gehirns und Rückenmarks(und mit diesem verbunden) besitzt der Körper noch ein weiteres Netz von Nervenzellen und Nervenfasern, nämlich das sogenannte s y m p a- thische Nervensystem, dessen Nervenfasern den Blutgefäßen entlangziehcn. Dieses Nervensystem hat eine gewisse Unabhängig- keit vom Zentralnervensystem, und seine Aufgabe ist, aus die Ein- geweide, die Blutgefäße, die Sinnesorgane und die Drüsen einzu- wirken. Die Nervenbahnen sind nicht nur mit den verschiedenen Körper- teilen, sondern im Zentralnervensystem auch untereinander verbun- den. Man Hot diese Verbindungen oder Leitungsbahnen häufig mit einem elektrischen Leitungsnetz verglichen. Ihre Tätigkeit ist zwei- felsohne mit Zustandsänderungen verbunden, aber worin diese bestehen, ist noch unbekannt. Merkwürdig ist jedenfalls, daß die durch eine seelische Tätigkeit veranlaßte Zustandsänderung in der Regel eine Spur zurückläßt, denn, auch ohne daß der ent- sprechende Reiz sich wiederholt, kann seine Wirkung wiedergegeben werden: Erinnerung, Gedächtnis; und wenn dieselbe Ver- anlassung ein zweites und öfteres Mal gegeben wird, so wird die Tätigkeit leichter, mit geringerer Schwierigkeit ausgelöst, als das. erstemal: U e b u n g, Gewöhnung. Es hat sich also eine Tätig- keit ausgebildet, die vorher nicht da war und die in einer chemisch, physikalisch, anatomisch oder sonstwie zu denkenden Abänderung des nervösen Elements ihren Grund haben muß, einer Veränderung, welche, wie wir aus dem täglichen Erleben wisien, rolch wieder ver- schwinden kann(Vergessen, Verlernen), welche aber auch lange Zeit, bis zu vielen Jahrzehnten, festgehalten werden kann. Ein Beweis dafür, daß die Gehirntätigkeit auf die Beschaffen- h e i t der grauen Hirnrinde einwirkt, wurde beispielsweise durch die Beobachtung erbracht, daß die Zellen und Fasern des dem Sehen dienenden Hirnrindenfeldes, des Sehzentrum», im mikrofkopi- schen Bilde ganz anders bei einem jungen Hunde aussehen, den man von Geburt an am Schen verhinderte, als bei einem gleich- alten Hündchen desselben Wurfes, bei dem man den Lichtreizen den Weg nicht verlegt«. Es liegt nun die Frage nahe: wie kann die Mosienhaftigkeit unserer seelischen Erlebnisse, die grenzenlose Mannigfaltigkeit un- serer Borstellungsverbindungen, die Feinheit in der Abtönung un- serer Gefühle, die Raschheit und Häufigkeit unserer Bewegungsan- triebe usf. von einem räumlich beschränkten Organ oder Organsystem abhängig gedacht werden? Darauf kann wenig- stens d i e Antwort gegeben werden, daß diesem unübersehbaren Geschehen In den Formbestandteilen des Nervensystems mengenhafte Größen gegenüberstehen, die das räumlich Vorstellbare ebcnfall» weit übersteigen. In der Hirnrinde allein— ohne da» Rückenmark — schätzt man die Zahl der Nervenzellen auf Milliar- den; nimmt man dazu, daß diese mikroskopischen Zentren in weit- verzweigter Weis« miteinander verbunden sind, daß auf zahlreichen, zum Teil festgestellten Straßen ebenfalls zahllofe, gegeneinander isolierte Faserzüge zu und von ihnen führen, so ergibt sich eine Grundlage der seelischen Tätigkeiten, von deren Wirkung man alles erwarten kann. Gleiche äußer« Einwirkungen auf da» Zentralnerven- system führen nicht immer zu genau denselben Ergebnissen. Die vergleichend« Beobachtung der Tiere, der menschlichen Jndi- viduen, Familien, Rosien usw. ergibt, daß kein Wesen die Außenwelt wie das ander« in ihren einzelnen Teilen erkennt und zu einem Gesamtbild wieder z u s a m m en f ü g t. Es ist gänzlich irreführend, hier Schlüsse vom eigenen, also einem Einzeldewußtsein, zu machen. Die einzelnen Teile der verschiedenen Nervensysteme arbeiten nicht bloß dem Grade nach verschieden, hier weniger genau, dort genauer, die Verallgemeinerung der Sinneseindrücke erreicht nicht bloß dort ein» höhere, hier eine weniger hohe Stufe, sondern diese Teile sind von vornherein verschieden aufeinander abgestimmt, es kommt daher etwas ganz Verschiedene» als Gesamtvorstell.ing heraus. Schlafbedürfnis und Begeisterung. Von Hans Klabautermann. Neulich hat es bei Wcrthcim gespukt. Der Wächter, der die Runde machte, oernahm in der Nacht ein Geächze und Gestöhne. In einem Haus, das bei Tage von hastenden Menschen und von fun« kelndcm Licht überflutet wird, ist sowas gruselig Er machte daher von seinem Recht, die Sache unheimlich zu finden, Gebrauch und holte sich einen Kollegen. Inzwischen hatten sich die Geräusche um eins vermehrt. Man hörte deutlich den durchdringenden Ton einer Säge. Di« anfängliche Vermutung, es handle sich um einen neuen spiritistischen Willensakt Peter Grupens oder vielleicht um eine von den Waren ausgehende Preisbewegung, wurde als unwahrscheinlich verworfen. Die beiden wandten sich daher zur Antiquitätenabtei- lung, wo sich unter Umständen eine Mumie mausig machen konnte. Hier stellten sie die ausällige Erscheinung als einen Baucrnschreck fest, indem sie in einem Bauernschrank den Sputgeist entdeckten. Der Schrank war nicht beschädigt; das Sägen rührte von den ousdrucks- vollen Schlafäußerungen eines Kaufmanns h«". der sich dies Ouar- tier ausgesucht hatte Er muß ein sondererbarer Heiliger sein. Wenn man schon in einem Warenhaus übernachtet, sollte man sich ein hübsche» Bett aussuchen, an denen ja an diesem Ort kein Mangel herrscht. Im übrigen fehlt es in der Antiquitätenabteilung an den unentbehrlichsten Schlafutensilien. Er war obdachlos und wollte sich durch Schlaf erfrischen. Aber im Erfrischungsraum des Waren. Hauses fand er nicht die richtige Ruhe. Weggehen konnte er auch nicht, da das Wohnungsamt ihm keine Wohnung zugewiesen hatte. Daher schlug er in dem Schrank seine Hütte auf. Für diese An» rcgung wollen wir ihm dankbar sein. In Berlin gibt es«ine große Anzahl Stätten, wo man sein müdes Haupt niederlegen könnte. Hervorragend geeignet als Cchlafstätten wären zum Beispiel einige Ministerien, in denen di« Beamten gegen drei Uhr nach» mittag» geweckt werden. Bis zum nächsten Tag um sieben könnten zwei Schichten ausreiebend ausruhen, so daß diese Gebäude dreimal zu demselben wohltätigen Zweck ausgenutzt würden. Noch besser geeignet wären die Wohnungsämter selbst. Die betreffenden Amts» Häuser sind in Anbetracht der bereits angesammelten Akten derer, die keine Wohnung bekommen haben, und der anzulegenden Akten derer, die keine bekommen werden, sehr geräumig ausgewählt. Wenn man bedenkt, mit einem wie bescheidenen Quartier der eingangs er- wähnte Kaufmann zufriedenzustellen ist, und daß man ihm dennoch keins zugewiesen hat, wird man In der Vermutung nicht fehlgehen, daß auch während der Dienststunden für ausreichende Ruhe gesorgt ist. Da» Wilmersdorfer Wohnungsamt ist für das Publikum an drei Togen der Woche von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Diese für einen Bezirk von einigen hunderttausend Menschen immerhin beträchtliche Arbeitszeit von 9 Stunden pro Woche hat man in den Vormittag gelegt, weil die Beamten wegen der in dieselbe Zeit fallenden Be» rufstätigkeit des Publikums am besten gegen Belästigung geschützt sind. Sollt« es an Liegestätten mangeln, so dürste der ehemalige Kaiser de» Deutschen Reichs gern Matratzen zur Verfügung stellen. Wir wir aus dem Buch des Generals von Eisenhardt-Rothe erfahren haben, besitzt er einen Stapel davon. Er hat sie schon während seiner Regierungstätigkeit auf feinen Reisen mitgeführt, um sich gegen irgendwen heldenhaft zu verteidigen. Im Gedenken an den Fernen wollen wir einige in das Bereich fallende Betrachtungen anschließen. Mutterliebe ist eine ganz pasiabl« Eigenschaft. Beispiele von Entsagungsbereitschaft und Opfermut der Mutter entlocken dem sein- sinnigen Zeitgenosien Tränen der Rührung. Aber wir dürfen nicht vergesien, daß solche Beweise der Lieb« aus einem simplen, von der Natur eingepflanzten Gefühl hervorgehen. Deshalb denkt auch kein Mensch daran, durch Absingen«ine» Liedes oder durch andere Hoch» achtungsbezeugungen di« Anwesenden zur Begeisterung für der- artig« Dinge anzufachen. Mutterliebe ist ganz nett, aber jede Pro» letariersrau besitzt sie; sie ist nicht» Besonderes. Etwas anderes ist es um das völkische Gefühl. Da» ist kein popliger Naturtrieb, son» dern es wird hervorgerufen, künstlich gezüchtet, und zwar von der Blüte der Nation. Es ist ein heilige» Gefühl, heilig ernst deshalb, weil es von besseren Kreisen stammt, zweiten!, weil Kraft und laute Begeisterung mit ihm einhergehen. Da» heilig« Gefühl ist nicht ein- fach da wie die Mutterliebe, sondern hat einen Anlaß. Immer und überall kann es zum Entflammen gebracht werden. In einem Ber- liner Kabarett versuchen zum Beispiel vier Neger eine weiße Frau zu vergewaltigen. Sie tanzt auch ein bißchen und dann fällt si« tot um. Da» heißt.Die schwarz« Schmach", und im Anschluß daran singt di« erschütterte Gemeind« da, Deutschtandlied stehend. Wer nicht mit aufsteht, kriegt«inen Katzenkopf. Oder die Lichterselder Primaner feiern hingebungsvoll den Geburtstag de» oben erwähnten Kaiser». Unbegreiflicherweise sind di« lieben jungen Leute dafür von Herrn Boelitz, allerding» milde, aber immerhin bestrast worden. Sehr geehrter Herr Boelitz, beschäftigen Si« sich mit dem völkische» Gesühl! Die Muterlicbe ist dagegen ein Quark. Wissen unö Schauen Erlebnisse, die die Abenleurergeschichlen überlressen. Daß das Leben merkwürdiger ist ms mancher Roman, wissen wir alle aber daß selbst die Phantasien der sensationellsten Abenteurergeschichten durch die Wirklichkeit in den Schatten gestellt werden, ist eine Tat» soche, für die man erst Beispiele beibringen muß. Dies tut in reichem Maße Heinrich Göhring in einem Aussatz von„Heber Land und Meer�. Abenteuerliche Reisen in unerforschte und unbekannte Länder, die im Reiseroman eine so groß« Rolle spielen, werden auch in der Wirklichkeit noch immer unternommen. Erst vor kurzem entdeckte der amerikanische Amczonenstromforscher Alexander Rice die sagen» haften weihen Indianer, von denen bisher nur ungewisse Kunde zu uns gekommen war. Der unerschrockene Forschungsreisende Karl Lumhoitz fand in der unwirtlichen Wildnis des inneren Mexiko das Volk der ijuschol-Jndianer, die noch im gleichen Zu- stand lebten wie damals, als Coriez zuerst den Fuß aus mexikani- schen Boden setzte. Weite Gebiete, die uns noch ganz unbekannt sind, finden sich in Asien, wie di« an das Märchen grenzenden Reiseberichte Dr. Aurel Steins, des englischen Geographen William Geil, des Missionars I. Claud«-White beweisen. Mit großer Vorliebe phantasieren die Romandichter von selt- samen Menschen und anderen rätselhaften Geschöpfen, die wir am liebsten in das Gebiet de» Märchens versetzen möchten. Aber noch stößt man aus sagenhafte Menschenwesen. So schildert in seinem 1920 erschienenen Buch„Erfahrungen aus meiner Amtszeit in Neu» Guinea" Monkton leine Erlebnisse bei einem Volk, den Agajambu, tie fast völlig im Wasser leben und an deren Füßen sich Ansätze zu Schwimmhäuten befinden Aufregende Erlebnisse mit wilden Tieren und fabelhaften Ungeheuern sind in den Dichterphantasien nichts Seltenes: aber die grausigste Anschauungskraft, mit der ein Victor Hugo den Kampf von Menschen mit Seeungeheuern geschil» dert hat, wird übertroffm von den Schilderungen ungeheurer See» brachen und scheußlicher Riesenpolypen, die uns gerade in letzter Zeit von Reisenden, die diese Dinge erlebten, mitgeteilt wurden. Der unsterbliche Robinson ist ebenfalls keine Figur des Romans geworden, sondern man findet immer wieder moderne Robinsons. So lebte der Kapitän Leander West viele Jahre auf der Insel Kusai der Karolinengrupp« und war vollständig zum Wilden ge» worden. Eine ähnlich« Robinsonade ist der ZLjährige Aufenthalt des Ungarn Karl Alexander Verobolyi unter den Papuas auf British-Neu-Guinea. Akt« von Menschenfresserei und andere barbarische Gebräuche werden von Forschungsreisenden erzählt. So berichtet der englische Geistliche Walton, daß der Hang zur Menschenfresserei in Zeiten der Rot bei den Eskimos zum Durchbruch kommt, und auch die Blutrache fordert hier alljähr.ich viele Opfer. Das Grauenvollste wohl, was je ein Reiseschriftsteller berichtete und an das nichts aus dem Gebiet der Dichtung heranreicht, ist die Erzählung des 5)aupt- mann» der französischen Kolonialtruppen Paul Gauthier, der im dichtesten Dschungel von Annam in Indochina Zeuge wurde, wie Gefangene von Tigern zerrissen wurden. «krükunöe Usic gelangen die vulkanischen Slosse aus dem Erdtnnern? Bei Betrachtung eines Grvnitsteinbruches fällt uns sofort auf, daß wir es nicht mit einer zusammenhängenden Gesteinsmasie zu tun haben. Man sieht, daß das Gestein durch Fugen oder Klüfte in Quadern zer- legt ist, und zwar in ganz bestimmten Richtungen, daß der Granit längs bestimmter Flächen gespalten werden kann. H. Cloo» zeigt in seinem kürzlich erschienenen Buche„Der Mechanismus tief» vulkanischer Vorgänge" fDerlag Fr. Vieweg u. Sohn, Braunschwcig), daß diese Klüfte und Spaltflächen In engstem Zusammenhang mit Druckkräften stehen, die auf das Gestein während und unmittelbar nach dem Erstarren einwirkten. Aus dem Studium dieser Kräfte, der Festlegung ihrer Richtung und ihrer Wirkung auf die Nachbarschaft des Granits kommt Cloos zu folgender Anschauung über die Wanderung vulkanischer Stoffe «u» dem Erdinnern zur Erdkruste und Erdoberfläche: Di« ersten Anfänge sehen wir schon in der Gesteinsbildung und dann in der Faltung, d. h. der Bildung von Wellenbergen und Wellentälern. Sodann senkt sich die Erdkruste an einzelnen Stellen; dort häufen sich späterhin die Sedimente(Ablagerungen) besonder, hoch an. Wohl an der tiefsten Stelle dieser Mulde, die Taufende und Zehntausende von Metern tief sein kann, treten die granitischen Schmelzen aus dem Erdinnern ihren Weg nach oben an. Di« neu- gebildeten Schichten legen sich in Falten, und di» Schmelz« wird in die Bewegung hineingezogen. Solang« diese Vorgänge sich in ge- nügender Tiefe im Erdinnern abspielen und deshalb die Temperatur !ioch genug ist, bleiben di« Schmelzmassen noch plastisch: mit fort- chreitender Annäherung an die Erdoberfläche nimmt die Tempe- ratur aber immer mehr und mehr ab, so daß die flüssigen Massen allmählich erstarren. Damit ist ein erster Abschnitt, eine erste„geo- logische Generation", zum Abschluß gekommen. Da die tieferen Teile heiß und flüssig bleiben, geht di« Le- wegung weiter. Der gehärtete Bau kann nicht mehr gefaltet werden und muß unter dem Druck der nachdrängenden Massen zerbersten. Es bilden sich Spalten und Schollcli, und die noch flüssigen Schmelz- Massen aus den Tiefen finden neue Wege nach oben, wo sie sich zu Massiven ausdehnen oder zusammenschließen und dann erstarren. Damit endigt die zweit« geologische Generation. Der Druck vom Innern besteht aber immer noch weiter. Er muß nun die kaum mehr als 500 Meter dicke Decke, die den Granit noch von der Erdoberfläche trennt, durchbrechen. Es entstehen Wege» die unmittelbar zur Erdoberfläche führen. Es sind aber nur Gänge, durch welche die nun rasch erstarrenden Schmelzmassen nicht in großer Menge hervorbrechen, können. Bei dieser letzten Bewegung an die Erdoberfläche steht da» Magma unter Seitendruck, der zu seiner Bewegung beiträgt und zugleich auf die bedeckende Kruste wirkt, in die er Spalten reißt. Auf solchen Spalten steigt das Magma passiv empor, bis seine Gas« spannung so groß wird, daß es sich den Rest des Weges selbst zu bahnen vermag. Und nun beginnt erst der Vulkanismus im engeren Sinne: die Vulkane bauen sich über der Mündung der oben genannter» Gänge auf. Dr. I. F. Sesunöheitspflege Krankhciks-Empfänglichkcit von Männern und Frauen. Ein finnischer Arzt, Robert Ehrström, hat kürzlich eine Zusammenstel» lung veröffentlicht, welche die verschiedene Empfänglichkeit der Ge- schlechter für manche Krankheiten zum Gegenstande hat. Seine Ta- belle baut sich auf eigener Erfahrung und Literaturangaben auf. Wi» greifen hier einige Beispiele heraus, können aber für die Richtig- keit der Angaben keine Gewähr übernehmen. Gicht findet sich bei Frauen 40mal so oft wie bei Männern, Farbenblindheit lOmal s« oft, Heufieber und Lungenbläschen-Erweiterung 3mal, Zuckerkrank» heit 2mal so oft. An Bleichsucht leiden Frauen unendlichmal öfter als Männer, an der Basedowschen Krankheit ISmal, an Knochen- erweichung lOmal, an Hysterie Smal so oft wie Männer. Kropf kommt bei Frauen 2mal so oft vor wie bei Männern. Bei der Migräne stellt sich das Verhältnis wie 3:2, d. h. wenn zwei Männer Mi- gräne bekommen, werden gleichzeitig drei Frauen von dem Leiden befallen. Genau so liegt das Verhältnis merkwürdigerweise bei der Blinddarmentzündung. Die Liste der Krankhelten ist noch länger, indesien scheint uns die ganze Beobachtung doch noch auf etwa» unsicherer Grundlage zu stehen. Im allgemeinen scheint der sin- nisch« Arzt gefunden zu haben, daß bei ihm zu Land« die Männer viel gesunder veranlagt sind als die Frauen; er gibt aber keine Be» gründung dafür, wie man sich den Unterschied erkläre» soll. Technik|a>s