Nummer 14 Heimweh 1Z.NprNly22 �lntsrhaltunHsbeilage öes vorwärts Awisthen Generalprobe unö Premiere. Von Karl Ettlinger(München). Der Herr Direktor und der Herr Regisseur gehen von der Generalprobe nach Hause. Der Regisseur: Also so eine Sorte Autor ist mir in meiner ganzen Praxis noch nicht vorgekommen. Verrückt, einfach oerrückt. Und dieser Jüngling mit lockigem Haar will mir altem. erfahrenem Theaterhasen Ratschläge geben. Der Direktor: Sie haben ganz recht, lieber Müller. Der Regisseur: Ich Hab ihm in aller Freundschaft gesagt: �Lieber Meister, Ihr Stück ist Mist, Blödsinn, die Langeweil« In sechster Potenz." Aber bei dem Kerl hilft ja alles liebenswürdige Aureden nichts. Wissen Sie, was das heute abend wird? Ein Theaterskandal. Ich garantier« Ihnen, nach dem zweiten Akt sind nur noch drei Leute im Parkett. Der Direktor: Sie haben ganz recht, lieber Müller. Der Regisseur: Und diese mimosenhafte Empfindlichkeit. Weil ich das bißchen Mond scheinen lasse, wo er Sonnen- schein vorschreibt, schlägt er Krach:„Aber der Chor singt doch: „Die Sonne lacht", Herr Regisseur."-- Haben Sie schon solch« Einwände gehört? Dann hat eben einfach der Chor zu singen: „Der Mond lacht". Aber so«in junger Autor hält jedes Wort von sich für eine göttliche Ofenbarung. Der Direktor: Sie haben ganz recht, lieber Müller. Der Regisseur:„Lieber junger Freund," Hab ich zu ihm gesagt,„wir haben da acht reizend« weibliche Beine engagiert, die müssen Sie unbedingt in das Stück hineinbringen." Statt einen Freudenschrei auszustoßen, dreht er mir den Rücken zu. Das sind die jungen Autoren von heute.— Aber ich wasch' meine Hände in Unschuld. Der Direktor: Waschen Sie, lieber Müller, waschen Sie. Der Regisseur: Solange es solche Autoren gibt, sollte man überhaupt nur mit einem Maschinengewehr auf die Probe kommen. — Da ist meine Elektrische. Servus, Herr Direktor. Der Direktor: Adieu, lieber Müller. Und Sie haben ganz recht.(Der Regisseur springt auf die Elektrische.) Man muß immer objektiv sein: gestern Hab ich dem Autor versichert, daß er ganz recht habe, heute versichere ich's dem Regisseur.— In Wirklichkeit hat nur einer recht beim Theater: der Kassenbericht. Die Souffleuse fährt von der Generalprobe im Omnibus heim und tut dabei etwas, was ihr in ihrem Berus schon viel« Grobheiten eingetragen hat: sie denkt. Und zwar folgendes: Also ich kenn mich in dem Soufflierbuch nicht mehr aus. Auf seder Seit« zehn blau« Striche und fünfzehn Bleististeinträge. Und was auf Seite eins steht, wird auf Seite fünf gesprochen: und wo steht:„Der Vorhang fällt", geht der zweite Akt an. Ich kenn mich nicht mehr aus. Aber«in fescher Kerl ist der Autor. Er Hot so liebe Augen. Und wie er den Regisseur angefahren hat.— so hat mich lang' nichts mehr gefreut. Und wie der Regisseur dann ihn an- gefahren hat— es war entzückend. Und wie sich die Solisten all« geärgert haben— es war himmlisch. Ach, und wie die Soubrette beim Umbau über das Derfatzstück gestolpert ist— e» war wonnig. Einfach wonnig. Aber In dem Soufflierbuch kenn ich mich nicht mehr aus. Und so liebe Augen hat er... so lieb... Ein Kritiker, der der Generalprob« beigewohnt hat und sich nun auf dem Weg« nach seinem Stammcafe befindet: Der erste Akt: O Gott..., der zweit« Akt: O Gott, o Gott..., der dritte Akt: O Gott, o Gott, o Gott... Er denkt lieber an etwa» anderes. Der Komiker hat soeben seinen Nachmittagskejse« getrunken «ld wirft sich nun auf die Chaiselongue: In vier Stunden ist die Premiere. Ob ich noch schnell mein« Roll« lerne?— Nein: ersten» ist e» überhaupt keine Rolle, und zweiten» Hab ich noch n i« ein« Rolle gelernt. Da» stumme Spiel während der Verlegenheitspausen, da, ist ja, was mich berühmt g«. macht hat.— O, diese modernen Operetten. Wenn ich mir vev» gegenwärtig«, wie ich damals bei der Uraufführung der„Fledew maus" den Frosch gespielt— er vergegenwärtigt e« sich n i ch t, we» er damals noch nicht beim Theater war... Mir scheint, jetzt Hab ich auch noch mein Stichwort vergessen... Und das war da» einzige, was ich überhaupt gewußt habe.— Cr gähnt.— Warum streiten sich der Autor und der Regisseur immer? Das kann doch nicht ausschließlich zu meinem Vergnügen geschehen?... Der Regisseur sagt, ich soll von recht» auftreten, der Autor sagt, ich soll von links auftreten: folglich komme ich au» der Versenkung.— Ob ich im zweiten Akt wieder den Witz au» dem Jahrgang 1839 der„Niegenden Blätter" Improvisiere?— Warum nicht?— Der hat noch in jeder Operette gewirkt.— Der Autor wird weinen, aber'» Publikum wird lachen.— Er gähnte.— Kathi, wenn jemand nach mich fragt, dann sagen'», ich bin beim Rollenstudium.— Er schläft ein. Einige Statisten unterhalten sich in der Stehbierhalle: Also, wenn noch einem solch enen Krach auf der Generalprob'n kein unerhörter Erfolg wird, nacher glaub ich überhaupt an keinen Aber- glauben nicht mehr.— Er singt leise den Schlager der Operette: „... Dann leg' ich meine beiden Arme stramm. Um dein« süßen hundert Kilogramm Und seufze: Ach, welch eine Himmelslust, Zu ruhen sonst an—" Der im Lokal befindliche Musikautomat wartet den unvermeidlichen Reim„Brust" nicht ab, sondern explodiert vor Entsetzen schon vorher. Der Autor ist einige Stunden geistesgestört in der Stadt umhergeirrt und hat sich unter den Kirchtürmen denjenigen aus- gesucht, an dessen Spitze er sich aufzuknüpfen gedenkt. Jetzt ist er in ein Restaurant geraten und stiert verwirrt in die Speisekarte, während der Oberkellner abseits im Telephonadreßbuch die Nummer der Sanitätswache sucht. Mir ist alles wurscht... alles.— Schweinebraten mit Gerösteten? Nein, das ist mir zu fett.... Wenn jemand behauptet, die Operette wäre von mir, die sie da spielen— nachher schlag' ich ihn tot... wenn ich noch die nötige Energie dazu hob. Denn mir is alles wurscht... alles.— Den Regisseur, den sollte man zu einem zwanglosen Strychninfrühstück einladen.... Und die Sängerin... die Sängerin... Hammelrippchen mit Bohnen, nein, das Hab ich erst gestern gegessen.... Also, wenn ich da» Publikum wär', ich tät's auspfeifen. Glatt auspfeifen.... Wird das Publikum auch ohne mich tun.... Aber mir is ja alle» wurscht... alles.... Wie gut hat's doch ein Missionar, der unter die Kannibalen gerät, gegen einen Autor, der unter die Operettenstars gerät.... Aber mir is ja olles wurscht... alles.... Na, die Presse kann morgen gut werden.... Um acht Uhr beginnt die Hinrichtung.... Lieber Gott, laß um sieben Uhr den Blitz in das Theater einschlagen, oder.... Aber mir i» ja alle»... Er versenkt sich in die Speisenkarte.--- Nachspiel bei der gemütlichen Zusammenkunft nach der Premiere. Der Direktor erhebt gerade da» Sektglas und bringt einen Toast aus, in dem es unter anderem heißt: ,... Und wenn ich mich frag«, wem ist der heutig« jubelnde Erfolg zu verdanken? Mein« Damen und Herren, einzig und allein dem einmütigen, harmonischen Zusammenarbeiten von Autor, Regisseur und Dar- stellern. Da» gemeinsam« hohe Ideal, da» Operettendichter und Operettenpersonal in stiller, friedlicher Arbeit oereinigt, nur diese» ist es, welche»..." Der Dichter kann selbst mit den glänzendsten Farben seiner Kunst einen Naturgegenstand nicht so ausmalen, daß man feine Beschreibung für eine wirkliche Landschaft hält. H u m«. Gensjfensthastiiche hauspftege. Bon Schwester Lydia RuehZand, Dessau. Di« Mutterschutzbestrebimgen sehten ansangs ganz begreislicher» weise bei den unehelichen Müttern ein. Tie Bewegung ent- stand aus Mitleid mit der Not der geachteten und verlassenen Mütter. Erst nach und nach faßte man den Bcgriss des Mutterschutzes weiter und wandte ihn aus bedürstigc eheliche Mütter an. Mutter- schuh muß, soll er dem Cinn des Wortes roll entsprechen, auf jede Famillenmutter ausgedehnt werden. Es müssen Persönlichkeiten vorhanden sein, die speziell aus „M u t t e r s ch u tz" eingestellt sind, die den Müttern für die Zeit des Wochenbettes oder einer Krankheil die entsprechende Fürsorge zuteil werden lassen. Soll in solchen Fällen Man», Kinder, Haus- wesen vor der Gefahr des Verfalls bewahrt werden, soll die Kraft der Mutter nicht vorzeitig verbraucht werde», müssen„S t« l l v e r- treterinnen der Hausfrau" einspringen, um aus Tage, Wochen, Monate pflichtgemäß zu helfen. Ein im Sinne dieser Familienfürsorge wirkender Ersah sind die chauspflege Organisationen, die in einzelnen Städten ganz her- vorragend ausgebaut find. Ich. kenne solche aus eigener Anschauung als„Kontrollschwester" in Leipzig, Frankfurt a. M. und Düsseldorf. Aber ihre Einrichtung genügt heute nicht mehr. Die patriarchalische Zeit Ist vorbei, wo Nachbarinnen die Pflege der Wöchnerin und die Versorgung des Haushaltes und der Farnilienglieder übernahmen. Die Fluktuation der Arbeitsverhältnisse, der damit verbundene häufige Wohnungswechsel, nicht an letzter Stelle die bittere Not ver- schämter Armut, die keinen fremden Einblick, besonders nicht von nachbarlicher Seite, wünscht läßt manchen sonst ordentlich geführten Haushalt auf eine schicse Ebene gleiten Auch die Hilfe der Ge- meindeschmestern ist nicht ausreichend, weil diese in Krankheitsfällen genügend Arbeit und eigentlich bei gesunden Wöchnerinnen nichts zu suchen habe». Co kommen die Hauzpflcgeorganisationen eigentlich nur einer verhältnismäßig kleinen Zahl von Notfällen zugute. Aber noch ein anderes ist ihrer Inanspruchnahme in weiterem Umfange hinderlich. Wir leben in einer Zeit, wo Duldsamkeit gefordert wird wie nie zuvor. Die Weltanschauung jedes einzelnen Menschen ist seine ureigenste Privatangelegenheit. Darum geht es nicht an, in ein? Hauspflegerinner.ordnung z. B. folgendes auszunehmen: „Die Pflegerin hat ihren erzieherischen Pflichten dahingehend nachzukommen, daß sie das Tischgebet, Abend- und Morgengebet der Kinder überwacht. Bei ernstlichen Erkrankungen muh sie der Familie den Besuch eines Geistlichen nahelegen und dies direkt übermitteln." „In sittlich unklaren Verhältnissen, ebenso bei verkommenen Haushaltungen sind die Hauspflegcn zu verweigern." Wo kirchlich organisierte Kreise Hauspflegeorganisationen halten und finanzieren, ist es deren gutes Recht, aus einer ihnen zusagenden Grundlage aufzubauen. Wo aber Familienmüttern in des Wortes weitester Bedeutung geHolsen werden soll, müssen groß- zügige Gesichtspunkte bei der Ausstellung von Pflegeordnungen obwalten, die auf neutraler Basis stehen. Sollte es nicht möglich sein, innerhalb der g e n o s s e n s ch a s t- l i ch e n Frauengruppen Hauspflegeorganisationen zu schaffen? Ich spreche diesen Gedanken nicht zum ersten Male aus, es soll gewiß auch nicht das letztema! sein! Notwendig wird allerdings eine stärkere Berücksichtigung der Frauen im allgemeinen und ihrer praktische» Mitarbeit im spezielle» sein innerhalb der Ge- nostenschasten. Es genügt nicht. Frauen in die Kommissionen aufzunehmen, nur damit Frauen darin vertreten sind, also ans rein repräsentativen Gründen. Nein, es müssen motorische Kräfte geweckt werden, die allerorten»ocl) schlummern, aber vorhanden sind. Da» Leben besteht nun einmal nicht nur im Einkauf von Zucker, Seis« und Petroleum. So wichtig diese Einkäufe sicher sür jede Frau sind, so bringen sie doch die Frauen nicht einander näher. Beweis: Die Generalversammlungen der Ko»fuingenossenschaften, die von Frauen nur vereinzelt besucht werde». Tragen wir Frauen«, vor allem F a m i l i e n m ü t t e r- Interessen stärker als bisher in unsere Genossenschaften hinein! Die Einrichtung der„Haus pflege" auf g e n o s s« n s ch a s t« l i ch e r Grundlage kommt sicher einem dringenden Bedürfnis entgegen. Wo die Organisation bisher bestand, hat man ihren ge- sundheitlichen, wirtschaftlichen und sozialen Wert rückhaltlos aner- könnt. Die„Hauspslege" ist kein Almosen. Sie ist„Mutterschutz" in des Wortes edelster Bedeutung. Die Kosten werden anteilig getragen. In Frankfurt hatte z. B. der vorbildlich wirkend« Professor F l e s ch Kassen ins Lebe» gerufen für städtische Beamte und Ardeiter, außerdem sür die Mitglieder der Attien-Baugesellschaft für Kieinhäuser. Durch einen bestimmten Monatsbeitrag erwerben sich die Miigkleder das Anrecht auf Hauspflcg« bei Wochen« bett auf zwei, bei Krankheit auf vier Wachen. In unserem Falle wäre es eine selbstverständliche Pslicht jede» Gcnosienschafters, Mitglied des Hnuspflegevereins zu sein nach dem Grundsatz: Einer sür alle, alle sür einen. Wohl dem, der keine Pflege nötig hat. Doppelt wohl dem, der da weih:„Wenn ich kranl werde, ist jemand da, der sich meiner annimmt." Laßt uns den Müttern Helsen aus genossenschasllichei Grundlage! Gang in öen Zrühling. Von Paul W. E i s o l d. Wenn unter den Frühlingstagen einer ist, der mit einem leisen aber siegfrohen Lache», mit einem so hellen Sonnenschein, wie wir ihn lange nicht zu sehen vermeinten, und einem unendlichen, feier» lichen Himmelsblau, so blau, daß man am liebsten die Brust auf» reißen mächte und schreien, geradeaus schreien, steil und lies, und vielleicht ist irgendwo in dem starren kalten Geäst eine Amsel, pfeifend und voller Jauchzen,— wenn ein solcher Tag dahcrlritt in den Mahl- gang böser und harter Tage, da ist plötzlich wieder in unserem Herzen, ganz fern und vergessen ein Licht entzündet. Ists, als durchflute un» auf einmal wieder ein« seltene, und doch so vertraute Wärme, ein guter, bekannter, lieber Klang. Und e» ist, als wären wir lang« stumm in einem Kerker gestanden, da uns die Gitterftäbe grinsend und höhnend anspien, wären durch eine dunkle Angst, eine sanft« Verzweiflung geglitten, schwer, finster und unbeirrbar. Fremd allem und uns selber fremd. Keine leichte Hand griff wie Balsam unsere Schläfen, kein Kinderlachen spielte um unsere Füße: eingezwängt war gar das Denken und behängen mit den dunklen Gewändern ernstschreitender Frauen, gleich den Schicksalsgöttinnen der alte,, Welt: Verantwortungsgefühl, Entsagen, Schweigen. Schweigen! O wie waren klein wir und geduckt in die Asche selbstischer Zere knirschung! Die Bertrautheit unserer Hände klagte sich in sterbend« Verzückung... ach, wir standen in dem Tag, leblose, wunschlose Zu» sammenballungen organischer Funktionen... und sielen in die Nachh, leer, unmüde, verquält und ausgepowert, Fragmente der Gattung Mensch, Fragezeichen, Krater, ausgebrannt und entsetzlich. Wir starben tausendmal und tausendfach um uns das Spiegelbild: Ich, unaufhaltsam trieb der Kreisel weiter, wohin? wer weih es zu sagen? In den Kanäle» unserer Ohren hockte bös eine Mauer, kein Gesang drang hindurch, nur ei» großer, langer Schrei, der Schrei um» Dasein. In den Augen schwammen die schweren Fahnen de» Novembers, die alle Sicht verhängten. Wir sahen und wir sahen doch nichtl wir lebten und... wurden gelebt, gelebt von tausend anderen und nicht von uns selbst. Und nun! Nun ist plötzlich wie mit einer unsagbar gütigen Hand über unsere Stirn gestrichen und ein Schweben ist über un» gekommen, als gingen wir im Traum über bunte Wiesen, als gingen wir wieder zurück aus diesem harten Kämpf in ein weites, ferne» Land: i» das Land unserer Kindheit. Eine leise Mutter ist um uns. Warmer Wind stößt auf. Sterne wachsen in den Auge», wachsen über die Fahnen hinweg, die unsere Blicke dunkelten. O und silbern« Laut« werden! Klein erst und zag. Mählig aber werden die Tön« ooller, inniger und strahlender, ein berauschender Sang, ein Choral, eine grandiose Fuge steigt auf, ein Schrei: Frühling! Es ist kein Halten mehrl Ein breiter Strom quillt. Das Gold stürzt vom Himmel. Der Himmel stürzt auf uns. In Licht gebadet schreiten wir einher, Funken des Lichts, mit dem Lächeln im Antlitz, das ewig ist und dem Wunder im Herzen, das unendlich sich begibt. Wir sind nicht länger arm und sinster und zerrissen: eine einzig« große Freud« hat un»»rgrifsen und wir lauschen hinaus in da» Strahlen und lauschen dem Licht, da» sich selber singt. Und wir Menschen? Wir Lasttiere an dem große» Karren, g«« fährlich verstrickt der Dumpfheit, dem Terrorismus der Tradition aus Pflichtgefühl, dem Irrtum und der Verzweiflung: gehen wir wirtlich in den Frühling, mitten hinein in fein Herz? Können wir hineingehen? Haben wir nicht alte Kleider mit uns, alte Dinge, Ge» wohicheiten und Lüfte? Wir müssen uns ausziehen. Müsse» umkehren. Frühling tst Erneuerung, Umgestaltung, Revolution. Frühling ist das ewig« Werden, der schöpferische Geist. Alle Wege münden hier. Alle Weg« gehe» hier aus. Haben wir eine» Weg? Wissen wir um ihn? Gar um da« Ziel? Stehen wir nicht gleichsam auf dem Marktplatz mit vieler Straße» Beginnen, ratlos, verloren, zerrissen. Unzählig« Hände zerren uns— wer weiß es, wohin? O es ist hohe Zeit, daß wir zu uns kommen I Zum Menschen. Zum Gutfein. Mensch sein heißt gut sei». Heißt: sich hinler den anderen stellen. Heißt>m großen Einander sich liebend vollende». Die» Ziel gab uns der Frühling ins Herz. Wir wissen den Weg. Reicht die Hände: auf, in de» Frühling, daß e» für alle Frühling werde! Kka/Izfthe Nünzentunst. Dos Streben des Men'chen, auch die Dinge des täglichen Ge- brouchs und Verkehrs mit Schönheit zu verklären, hat eine eigene Kunst des Geldes geschaffen. Wir, die wir heute in einer elenden Papierwirtschast leben, können freilich nur die Lappen, die für uns Geld darstellen inüffen, mit Bildern und Zierroten fchmiicken. Frühere Zeiten aber, die uns ja noch gar nicht so fern liegen, verlieben dem Edelmetall des Hartgeldes eine schöne Prägung. Die Griechen, dies Volk, das der Welt mehr als jedes andere an Schön- heilswerten geschenkt hat, haben auch in der Kunst der Münzprägung das Vollendetste geleistet, und die uns erholtenen hellenische» Mün- zen erschließen eine Wunderwelt harmonischer Gestaltung, die den Werken der großen Kunst nichts nachgibt und der Allgemeinheit noch viel zu wenig bekannt ist. Ein beredtes Zeugnis von dieser klassischen Münzenschönheit vermitteln die zahlreichen Abbildungen eines soeben in der bei E. A. Seemann zu Leipzig erscheinenden„Bibliothek der Kunstgeschichte" veröftentlichlen Bandes über..Griechische Münzen", den der Kustos am Berliner Münzkabinett H. Börger oersaßt hat. Lang war freilich der Weg, den die griechische Stempelschneidekunst zurücklegen mußte, bevor sie die Vollendung der klassischen Münzen- Prägung erreichte. Die Hellenen des reichen kleinasiatischen Küsten- landes sind es gewesen, die zuerst eine künstlerische Ausgestaltung der Münzen unternahmen! sie süßten dabei auf den rohen und bildlosen Münzprägungen der Lyder, die aus einer Mischung von Gold und Silber, dem sog. Elektron, hergestellt waren. Die neue Errungen- schast wanderte dann, von Insel zu Insel springend, nach dem Mutterlande und ergisf allmählich die Küste Nordafrikas, die west- lichen Kolonien in Unteritalien und Sizilien und die Siidküste Klein- ästen». Nur ausnahmsweise findet man bei den frühesten griechischen Münzen die uns heute so geläufige zweiseitige Prägung. Gewöhnlich trägt der meist dicke, kugelige Echrötling auf der Vorderseite ein ein- faches, wappenartiges Bild, während die Rückseite den unregel- mäßigen Einschlag des Obereisens zeigt, das den gegossenen Metall- klumpen beim Präge» auf den im Amboß besestigte» Stempel der Vorderseite preßte. Allmählich entfaltet sich nun in dieser Kleinkunst der Münze der ganze Reichtum an Gestaltungen und Symbolen, der die griechische Plastik zu einer so unerschöpflichen Quelle des Schönen macht. An- statt der Attribute der Götter treten diese selbst auf den Plan, und um 480 v. Chr. vollbringt die griechische Münzkunst bereits groß- artige Prachtleistungen, wie etwa in den Zehndrochmenstücken von Athen und Syrakus. Während um die Zeit der Perlerkriege alle wichtigere» Gemeinwesen der griechischen Welt schon im Besst> der Münze waren, wuchs dann im Verlauf de» 5. Jahrhundert» die Zahl der Prägestätten immer weiter. Auch das unbedeutendste Städtchen versuchte seine Souveränität dadurch zu betonen, daß es eigene Münzen prägte. Aus dieser unendlichen Mannigfaltigkeit der Münz- arten treten' immer deutlicher einzelne Künstlerperlönlichkeiten her- vor, die im Schmuck der Münzen Vorzügliches leisteten, und schließlich setzen die großen Meister ihres Faches in berechtigtem Stolz ihre Signaturen unter ihre Werke. Solche Klassiker der Stempelschneide- kunst waren z. B. die beiden Syrakusaner Meister Euainetos und KImon. Wie in der Großskulptur, so beginnt auch in der Münz- kunst um die Wende des S. und 4. Jahrhunderts da. Anmutige und Liebliche die strengen Linien des Erhabenen und Hoheitsvollen ab- zulösen. In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts beginnt der soft unübersehbare Reichtum an Münzbildern zu versiegen, da durch das Aufsteigen der macedomschen Könige die Selbständigkeit der griechi- scheu Städte vernichtet wird. Und nun tritt nach diesem Siege des monarchischen Prinzips an Stelle der Gottheit das Bildes des Herrschers auf die Münze, um anzuzeigen, daß nur ein Mann den Staat repräsentiert. Zunächst werden diese Herrscherbildnisse noch den Götterqestalten angeqlichen. und Alexander der Große erscheint aus den Geldstücken als Jupiter Amman. Aber unter seinen Nach- solaern, den Diadochen. treten bald die Vortröts der Fürsten»nver- hü»! auf der Vorderseite der Münzen hervor. Der Freiheit eine Gosse. Bon Hon« Klabautermann. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, hat die K o n s« r e n z von Genua tatsächlich ihren Anfang genommen. Etwa» Wichtige, ist auch schon dabei herausgekommen. Lloyd George hat sich alsbald nach seiner Ankunst kurbeln lassen. Da die Delegierten eine Reih« von Punkten bei der Aussprach» nicht erwähnen dürfen, so eignen sich diese Auslassungen gut für den Kientopp, der sür» Auge er- heblich mehr als für andere Sinnesorgane bietet. Es ist immer er- freulich. wenn ein Ereignis schließlich eintritt, nachdem e» angekündigt, ober andauernd vertagt worden ist. Die Körper'chasten, in deren Ressort die Veranstaltung der Jahreszeile» fällt, sollten sich ein Beispiel daran nehmen. Schön, wir haben de» Krieg verloren. Unser Recht auf pünktliche Lieferung des katalogmäßig registrierten Wetter» lasten wir uns dennoch nicht nehmen. Das ist ja lang- weitig, wenn man uns mit solch albernem Kram wie Sonnenfinster- nisten als Ersatz kommen will. Wir verzichten aus die nächste Sonnenfinsternis, verlangen aber dafür nachdrücklich das Steigen des Thermometer», wie es sich für«inen anständigen Frühling ge- ziemt. Wir wollen einmal andere Werte als die Preise steigen sehen. l Das Getreide ist in Deutschland zum Beispiel so teuer ge» worden, daß die Regierung sich entschlosten hat, ausländisches ohn« Einsuhrbeschränkung hereinzulassen. Es ist billiger als das deutsch». Daraus sieht man, in welcher Notlage sich die deutschen Agrarier befinden, nachdem die Zwangswirtschaft ausgehört hat. Die Kosten sür Sekt, Jagdgewehre und andere sür die Landwirtschaft unent- behrliche Dinge sind so hoch geworden, daß der Preis für ihre Pro- dukte gegen ihren Willen ins Ungeniestene hochschnellt. Die Regie- rung macht ihnen noch dazn Schwierigkeiten. Bei vor kurzem aufge- stellten Richtpreisen für Kartoffeln ist der Erzeugerpreis auf ISO Mark festgesetzt. Ich möchte wissen, wie ein Landwirt im Schweiße des Angesichts seiner Ardeiter für»ine Summe Kar- tofseln erzeugen fall, die nur hunderttnal so groß ist, wie in Frie- denszeiten. Daher wunderte es mich auch nicht, als mir am Sonn- abend mein Händler für«in Pfund Kartoffel» 8,30 M. abnahm. Die Veröffentlichungen der Behörde über den Angemestenheitsprei» von 2,2S M. sind klar gehalten; inan hat fogar nicht die Mühe ge- scheut, die einfache Sache dreimal z» erklären und alle drei Mal einen anderen Preis anzugeben. Ganz klug bin ich aus diese» Ausfüh- rungen dennoch nicht geworden; nur das eine ist sicher: Der Preis von 2,25 M. bezieht sich lediglich auf märkische Ware. In ganz Berlin ist sie nun sür 2,2S M. nicht auszutreiben, woraus hervor- geht, daß märkische Kartoffeln nach Malta oder noch weiter weg und Moltakartofseln nach der Mark Brandenburg gehen. Um Ungehorsam gegen den Standesbeamten dreht« es sich bei der Reichstagsdebatle über die uneheliche Mutterschaft. Der sozialdemokratische Antrag, sie dürfe keinen Grund zur Maß» rcgelung einer Beamtin bilden, wurde mit 199 gegen ISsi Stimmen abgelehnt. Damit Hot der Reichstag wieder einmal der staunenden Welt bewiesen, daß er wohl imstande ist, kraftvoll am allen Stiebet festzuhalten. Es lebe die Borniertheit, Hurra! Stolz über ihren Sieg will der Iungfernrat des Reichsverbandes der Post- und Tele- graphengehilfinnen eine neue Petition zur Stärkung von Sitte und Verdauung einbringen. Jede Beamtin, die außerhalb der sestgefetz- ten Dienstzeit und häusiger, als dafür bestimmt, ihre Verdauung regelt, soll als unwürdig ausgeschifft werden. Dagegen ist es Verleumdung, wenn behauptet wird, die er- wähnten 199 Abgeordneten hätten die Edelsche Privatirren- anstatt vom 1. Juli ab als Klubräume gepachtet. Wer darin eine Anzüglichkeit sieht, ist überdies schief gewickelt. Wie schon aus Stil und Inhalt dieses Artikels hervorgeht, nimmt die Verrücktheit in der Welt von Tag zu Tag ob. Die Arstolt löst sich also wegen Mangel an Material am genannten Tage auf, und das Reichssinanz- Ministerium zieht hinein. So sieht die Sache in Wahrheit aus. Für Aemter, deren Tätigkeit es mit sich bringt, daß ab und zu einer au» der Haut fährt, wählt man gern Häuser, in denen alle Vorkehrun- gen getroffen sind. Das Schönebergcr Wohnungsamt haust auch schon geraume Zeit in der Maison de sante. Di« Aussprache im Reichstag über Papierknappheit und -teuenrng scheint die Not bereits gemildert zu haben. Die bürger- lichen Zeitungen bis weit in den linken Blätterwald hinein stellen ihre Spalten dem Bericht von der Einsegnung der Krön- prinzenkinder zur Aerfügung. So wichtig sür«ine Republik solche Ereignisse auch sind, so mußten sie bisher unerwähnt bleiben. Das scheint ja nun anders zu werden. Ich tonn mich daher nicht enthalten, eine ebenso erschütternd« Nachricht in die Oessentlichkeit zu schleudern: Meine Fllllsederholtertinte, die ich voriges Jahr In Innsbruck für 25 Kronen gekaust habe, Ist vorgestern leider oll» ge» worden. Zrühlingskampf. Windzersetzte Woltensahnen hängen Ueber jungfräulichem Land. Naseweise Sonnenslrohlen dränge» Messerscharf an ihren Rand. Und der Sturmwind braust wie Orgeltau, Drin der Frühling ruft; ich komme schon. Wunderblauen Himmel werd' ich geben, Laubbeschwerte Bäume, Süßer Blume» Forbenglanz. Auferstehung, Hochzeitstanz. Aus der Tiefe schass' ich neues Werden, Kämpfend, umgestaltend wirke ich auf Erden. Bereite stürmisch neue Zeiten vor, Oeffne der Vollenduim Tür und Tor. Selber niemals ein Vollender, Bin ich doch der Lebensspender. Also tönt's im Sturmgebraus, Zieht zum Kampf der Frühling aus. stich sikht,»tsprechen» dn, verschieden«, �eMzkei!»werte,»«« we«� grau und schwarz. Van dieser Ucberlegung ausgehend, bat Frau Schmitt-Auracher eine Anzahl Staubheuschrecke» in öllosfäfis« ge- Barum ändern sich die Sprachen? Warum sprechen wir nicht �!?"�2 heute noch Althochdeutsch wie die Germanen und warum sprechen f ,1; t f hi» W SIwaSL t- die Italiener nacht noch immer lateinisch wie ihre Vorfahren? Diese �»n'0oon� L« bis rnn. htmfpf i<. nnrfi Stronp hfA hnrh fipmift o»n» her CBrunbfrflQßn oller Sürochforffhi'nQ 5 I'-* ounfel, je nßty cent i�cUictiCitsiücrie betf Ht fit' bisher noA �etbäirnismüfich�enia bebmibell roorben Gan» � Käfiggrundes. Rat hat mr ein total farbenblindes Sehorgan einen un beir i e d w s n dsin ddie ErN äru na ende den WandA de?' La?"�>'chr Geringen Helligkeitswert und wird als ticfdunkles Grau gesehen. der Worte u?d Säke in aewiNe? Unoollkommenw der mensK> Di- Tiere auf rotem und auf schwarzem Untergrund wurden dem. lichen Natur' suchen, im Bequemlichkeitstricb oder in der schlechten! gleichmäßig dunrclholzbmunmU einem Stich ins Rote. Auf Nachahmung der elterlichen Sprache durch die Kinder usw. Solche! �(?run>? c,ne"}'lnn im Helligke.tswert voll lg gletchctt Irrtumer und Mängel können unmöglich zu einer durchgreifenden �rund bekamen die r.!ere ebenfalls ganz gleiche Tonung. Veränderung der Sprache führen: vielmehr kann� man aus der Ä*"»"'Ii LÄI" der�Falü Sprachgeschichte feststellen, daß solche Sprachfehler nicht nachgeahmt, sondern von der die Sprache beherrschenden Gemeinschaft verbessert und ausgemerzt werden. Der bekannte Sprachforscher Prof. Karl Voßler vertritt nun mit großem Nachdruck eine neue Theorie, die das ganze Problem in einem tieferen Zusammenhang erfaßt und den engen Zusammenhang zwischen Sprache und Kultur betont. Voßler hat sein« Anschauungen an einein Beispiel durchgeführt, indem er in seinem Werk„Frankreichs Kultur im Spiegel ssiner Sprachentwicklung" die Geschichte der französischen Schriftsprache von den Anfängen bis zur Neuheit darstellte. Die Sprach« ist zwar einer beständigen Veränderung ausgesetzt, indem der Einzelne ge- wisse Neuerungen und Abweichungen von überlieferten im alltäg- lichen Verkehr vorbringt: aber solche Neuerungen finden nur Ge- fallen und Verbreitung, wenn sie ehem seelischen Bedürfnis der Sprachgemeinschaft entsprechen und zu der allgemeinen Kulturlage passen. Entlehnungen aus dem Lateinischen weiden z. B. in einer Renaissancezeit, die eine große Vorliebe für die Antike hat, sehr viel leichter aufgenommen werden als in einer Epoche, die sich vom Altertum abkehrt. Die Neuerungen finden zuerst nur Anklang innerhalb einer bestimmten Gesellschaftsschicht oder Berufsgruppe, also zuerst etwa bei Hofe oder bei den Soldaten oder Kausleuten und dringen von da in die Gesamtsprach« ein. Die Sprachwissen- schaft muß daher bei jeder Neuerung fragen, in welcher geistes- geschichtlichen Epoche, in welcher Sprachgemeinschaft und wlcher Gesellschaftsschicht sie zuerst aufgetaucht ist. Auf diese Weise erklärt Voßler die Aenderung der Sprachen, die allmählich so einschneidend werden können, daß sich eine ganz neue Sprache bildet, wie etwa Frau Schmitt-Auracher hat eine große Zahl von Versuchen mit einem reichlichen Versuchsmateriol(über 1000 Tieren) durchgeführt, so daß ihre Versuche für die Entscheidung der vielunistrittcnen Frag« nach dem Sehvermögen der Insekten von Belang sind, um so mehr, als die Forscherin Grund hat zu der Annahme, daß diese Farbenände. rungen der Tiere durch die Augen vermittelt werden. Mit einem irgendwie gearteten Farbensinn haben sie jedenfalls nicht» zu tun. lDfcüslDl DlssatDl TkchN!? Vom deutschen Rum. Vor einiger Zeit ist e» einem deutschen Chemiker Fritz ijünlich gelungen, einen deutschen Rum aus dem Soft unserer Zuckerrüben herzustellen, dessen Fabrikation auch be» reitz von einer sächsischen Firma aufgenommen worden ist. Der echte Rum, wie man ihn bisher kannte, wurde bekanntlich in de» zuckerrohrbauenden Ländern, vor allem aus Iamaica, durch Gärung der Melasse, de» Sirups, also gewissermaßen als Neben- oder Ab- fallprodukt gewonnen. Interessant ist, daß auch die Eingeborene» der Insel Formosa ganz von selbst die Erfindung gemacht haben» au» Zuckerrohr eine Art Rum zu gewinnen. Daß man nun auch bei uns aus den heimischen Zuckerrüben Rum herstellen kann, ist gewiß ein volkswirtschaftlich wichtiger Erfolg. Kostproben von Sach. verständigen haben ergeben, daß dieser deutsche Rum den beste» Sorten de» echten Iamaica-Rums zwar nicht gleichkommt, aber vo» den mittleren Sorten überhaupt nicht zu unterscheiden ist. Die Schwierigkeit bestand hauptsächlich darin, aus den Gärungsprodukte» das Französisch oder Deutsch.' In der französischen Sprach« ist i gewisse Verbindungen mit unangenehmem Aroma, die sich nebe» z. B. der„Teilungsartitel" ein« besondere Eigenheit. Der Gelehrte- den erwünschten aromatischen Stoffen bilden, wieder herauszu- erklärt das Aufkommen dieser Erscheinung in Frankreich dadurch.! bringen. Im allgemeinen ist das Verfahren dem in den Ursprungs» daß im 14. und 15. Jahrhundert in diesem Lande Kaufleute und ländern nachgebildet. Ii..mW»v* � />*• t f f ö«T 1 1 n Kapitalisten, also Leute, denen alles teilbar und meßbar schien, die Oberhand gewonnen hatten und Ihre Denkweise den anderen auf- prägten. In Deutschland war dies nicht in dem Maße der Fall, und deshalb tonnte der Teilungsartitel hier nicht durchdringen. D Durch Mittellungen des Professors Lindner vom Berlin« Institut für Gärungsgewerbe erfahren wir Genauere» über die Herstellung. Danach ist die Erfindung ein Scitenstück zur Her» stellung der sogenannten Maltonweine. Diese sind weinartige Ge» tränte mit Sherry-, Malaga- oder Tokayergeschmack, die aber nicht aus Rebensaft, sondern aus Malz gewonnen werden, und zwar durch Verwendung von Hefen südlicher Weine. Dr. Sauer hatte bei seinen Versuchen sich eine große Sammung von tropischen und subtropischen Neues von den tSonnenslecken. Der amerikanische Astronom See, Hefenarten angelegt und diese Sammlung nachher dem Institut für -___ z TOT Im»ff finf 1 rQ ,'C � � � � � � � r j.. fl i■ rc. m.: ,i, i �, �. � 1___: �___: J- i.• �- sW Himmelskunüe der auf einem Marine-Observatorium in Kalifornien tätig ist, hat ein« neue Theorie aufgestellt, um die periodische Wiederkehr der Sonnensleckenjahre zu erklären. Alle elf Jahre ungefähr haben wir bekanntlich ein Maximum der Sonnensleckentätigkeit, aber das ist nur eine Durchschnittsziffer. In Wirklichkeit schwanken die Maxima in ihrer Wiederkehr zwischen acht und zwölf Iahren. See ist der Ansicht, die Zunahme und Abnahm« dieser für un, so wichtigen Tätigkeit auf äußere Einflüsse zurückführen zu können. Und zwar soll es in erster Linie der große Planet Jupiter sein, der seinen Einfluß auf die Sonne ausübt. Der Jupiter ist ja in seinem Wesen eigentlich ein Mittelding zwischen einer erkaltenden Sonne und einem werdenden Planeten. Außer einer Schar von Monden schleppt er noch eine ganze Familie von Kometen mit sich, die er allmählich eingefangen und in seine Nähe gebettet hat. Von diesen Kometen kommen große Massen Meteoritenschwärme, Nebelballen aus der Bahn um die Sonne diesem Zentralgestirn so nahe, daß sie in die Sonne hineinprasseln. Wir erleben ähnliches in kleinerem Maß- stabe auch auf der Erde. In zweiter Linie arbeitet dann der nächst- groß« Planet, der Saturn, mit, der bekanntlich außer seinen acht Monden noch den bekannten Ring oder besser ein Ringsystem besitzt Der Saturn wirkt mehr dadurch, daß er die Einflüsie des Jupiter beschleunigt oder hemmt, je nachdem er in seinem Umlauf mit diesem zusammen auf derselben Seite auftritt oder auf der ent- gegengejetzten. So entständen die scheinbaren Unregelmäßigkeiten der Sonnenfleckenperioden. Der amerikanisch« Astronom wird dem- nächst seine Berechnungen über diesen Gegenstand veröffentlichen, und man darf gespannt sein, wie sich die wisienschastliche Welt zu der neuen Theorie stellen wird. Gärungsgewerbe geschenkt. Es hat sich jetzt gezeigt, wie wichtig eine solche Sammlung ist für den, der sie zu benutzen versteht: für den, der sie„durchhalten" muß, ist es mehr eine schwierige Aufgabe. Häufige Nachfragen nach solchen Hefen, unter Wahrung des Ge- heimnisies, ließen schon einige Zeit darauf schließen, daß ein Fach- mann sich mit einer interessanten neuen Aufgabe befaßte. Ma» darf sich da» Verfahren übrigens nicht fo einfach vorstellen, als ob nun bloß tropische Hefen dem Zuckerrllbensaft zugesetzt würden und alles übrige von selbst käme: eine Anzahl von Nebengärungen und anderen Manipulationen spielt entscheidend mit, wie übrigen» bei der Rumherstellung in den Ursprungsländern auch. Erökunöe Naturwissenschaft Farbenblindheit bei Insekten. Ueber sehr interessante Unter- suchungen, welche die Farbenblindheit bei Insekten beweisen können, berichtet Frau Dr. A. Schniitt-Aurachcr-Müncher. im„Zoologischen Anzeiger". Die Wirkung einer Farbe auf das Auge wird durch zweierlei bedingt: einmal durch den Anteil de, Farbigen und dann durch den Helligkeitswert Der total Farbenblinde empfindet nicht j lung, die geologischen Formationen und andere» mehr zu erklären Die Festigkeit der Erdrinde. Die neuerdings durch den Ham- burger Profestor Wegener vorgetragenen Ansichten über die Ver- schiebungen unserer Kontinente, Verschiebungen, die noch fortdauern, haben die Frage neu erstehen lassen, wie es denn mit der soliden Unterlage, auf der sich unser Leben bewegt, in Wirklichkeit bestellt ist. Ein Ingenieur H. Baudisch hat sich die Frage vorgelegt: Kann unsere Erdrind« sich selber tragen? Er behauptet, wenn man sich die Erdrinde als eine Art Gewölbe vorstellt und nach den Grund- sätzen der Technik die Festigkeit berechnet, so würde ein« Druck- beanspruchung von etwa 777 Tonnen aus den Quadratzentimet« herauskommen. Das ist eine Beanspruchung, die weit über de» Wert der Bruchfestigkeit der in der Erdrinde vorhandenen Ma- terialien hinausgeht. Die Erdrinde könnte sich also durchaus nicht selbst tragen können. Wir hätten sie uns im Gegenteil als eine auf dem feurig-flüssigen Erdinnern schwimmende, in sich haltlose Mass« vorzustellen, die durch ihre Masse das Erdinnere zusammendrückt. Ein wenig vertrauenerweckendes System, muß man sagen, das sich aber doch schon ziemliche Zeit bewährt hat. Baudisch ist übrigen» nicht der erst« Ingenieur, der sich von seinem Standpunkte au» mit geophysischen Fragen befaßt hat. Der Leipziger Ingenieur Reibisch war vor etwa dreißig Iahren der Begründer der vielfach diskutierte» Pendulationstheorie, welche viele Erscheinungen der Erdentwick- den farbigen Anteil, sondern nur den Helligkeitswert. Er sieht z. B. j suchen. Freilich hat die Pendulationstheorie nicht allgemeine An- ein buntes Gemälde nur so, wie ein Farbentüchtiger einen Kupfer- 1 erkennung gefunden.